Erkundungsmission - Hintergründe

Zuikagu
Erkundungsmission - Hintergründe
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Kurzes Vorwort

In dieser losen Reihe von Kurzgeschichten werden Ereignisse beleuchtet, die vor der Mission zur Hanseatischen Liga stattfanden.

Den Ursprung haben diese Stories in den Backgroundstories, die ich für meinen Charakter in der Deutschen Mechwarrior-Online-Liga Anfang der 2000er geschrieben habe. Damals nutzten wir als Kampfsystem Mechwarrior 2, Mechwarrior 3 und zum Schluss Mechwarrior 4 (lang ist es her)! Diese MWO hat aber natürlich überhaupt nichts mit der aktuellen MWO zu tun!

Die Stories wurden überarbeitet, damit sie auch zu den Stories "Erkundungsmission 1" und "Erkundungsmission 2" passen.

Dann viel Spaß beim Lesen!
Zuikagu
Erkundungsmission - Hintergründe
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Hintergrund 1: Erstes Blut


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Landungsschiff „OVERLORD“-Klasse „VCS Terror“, Im Transit
05.04.3052


Oberst Georg Fichtenberg ging in seiner Kabine noch einmal den Operationsplan durch. Bald würden zwei VerCom-Kampfverbände in Regimentsstärke unter dem Oberbefehl von Adam Steiner auf Barcelona landen und versuchen den Planeten den Jadefalken wieder zu entreißen. Adam Steiner hatte für diesen Angriff vom LAS-Oberkommando vorrübergehend die Befehlsgewalt eines Generalleutnants erhalten. Die erste Kampfgruppe bestand aus der eigenen Einheit von Adam Steiner, den Somerset Strikers, die zudem mit anderen Einheiten erheblich verstärkt worden war. Das zweite Regiment, zu dem er gehörte, war ebenfalls ein Kampfverband aus zusammengewürfelten Bataillonen und Kompanien. Georg war eigentlich Kommandeur eines der Mech-Bataillone, wurde aber für diese Operation als Stabschef des zweiten Regiments eingesetzt, während sein Stellvertreter OTL. Müller sein verstärktes Bataillon bei der Invasion führen würde. Er wusste, dass der Plan von Adam Steiner viele Unwägbarkeiten enthielt und hauptsächlich auf das Überraschungsmoment setzte. Aber solche Husarenstücke waren dessen Markenzeichen! So war auch der Krieg, keiner wusste dies besser als Georg! Sein Regimentskommandeur, ein Generalleutnant, dem es sichtlich Schwierigkeiten bereitete unter dem Oberbefehl von Adam Steiner zu stehen, flog auf einem anderen Landungsschiff in das Gefecht und sie würden sich bei der von Adam Steiner anberaumten Befehlsausgabe nachher über eine Videoverbindung sehen. Als er von den Unterlagen aufsah, blieb sein Blick an seinem Jian, einem chinesischen Schwert, hängen. Seine erste Kriegstrophäe und auch die einzige, an die ihm wirklich etwas lag. Der Griff war durch den vielen Gebrauch speckig, aber die Scheide mit den Messingbeschlägen und die Klinge waren gepflegt und in erstklassigem Zustand. Seit er das Jian besaß, übte er sich regelmäßig in der Kunst des Taijijan und des Jianshu und hatte es mittlerweile zu einem passablen Können gebracht. Er führte sie bei jedem Einsatz in seinem Mech mit. Wieder stiegen die Bilder aus seinen Erinnerungen auf, wie er diese Klinge erworben hatte.


Georg war damals im Jahr 3034 in seiner ersten Verwendung nach Abschluss der Akademie Sanglamore als Zugführer in einer Pionierkompanie auf Campertown in der Mark Cappella eingesetzt. Der Planet war den Capellanern im 4. Nachfolgekrieg ein paar Jahre zuvor vom Vereinigten Commonwealth abgenommen worden. Aber die Industrien auf Campertown machten es zu einem verlockenden Ziel für eine Rückeroberung oder einen Raid! Deshalb befand sich damals immer eine starke VerCom-Garnison auf dem Planeten.


Vor mehreren Tagen war ein capellanisches Regiment gelandet, das den Planeten angriff. Sein damaligerr Auftrag war es, mit seinem Zug einen engen Taleinschnitt zu verminen, um den angreifenden Capellanern den Zugang zur dahinterliegenden Hochebene und dem dort befindlichen Industriezentrum zu erschweren. Kurz nach der Fertigstellung der Minensperre schlug der seismische Scanner in Feindrichtung voll aus – keine Panzer, sondern Mechs im Anmarsch! Die VerCom-Panzerkompanie, die die Sperre übernehmen sollte, war aber immer aber noch nicht eingetroffen! Lt. Fichtenberg befahl seinem Zug sich in die Stellungen hinter der Sperre zurückzuziehen. Kurz darauf konnte er zwei Mechs mit seinem Fernglas ausmachen. Leichte Mechs, offensichtlich Aufklärer, eine „WASP“ und ein „LOCUST“! So wie sich die beiden Battlemechs auf sie zu bewegten, ahnten die Mechpiloten wohl nicht, welche Gefahr vor ihnen lag. Die Minen die sein Zug verlegt und sorgfältig getarnt hatte, waren dazu konstruiert auch Mechs bewegungsunfähig machen zu können. Plötzlich blieben beide Mechs stehen und scannten intensiv den vor ihnen liegenden Geländeabschnitt. Etwas schien sie zu beunruhigen. Georgs Magen krampfte sich zusammen. Es war seine "Feuertaufe", sein erster realer Feindkontakt! Er hoffte, dass die Mechs die Minen nicht entdecken und ahnungslos in die Sperre hineinlaufen würden. Ohne die Sperre vor sich wäre sein Zug einem Frontalangriff der Mechs fast hilflos ausgeliefert!


Plötzlich setzte sich der „LOCUST“ wieder in Bewegung und tastete sich langsam in die Minensperre hinein. Der Leutnant wusste, dass die Wahrscheinlichkeit mit der der Mech die Sperre unbeschadet durchqueren konnte, nur bei ca. 15-20% lag! Die Minen waren entsprechend von seinem Zug verlegt worden. Der „LOCUST“ war nun fast durch die Sperre durch und der Leutnant wollte gerade den Befehl zur Feuereröffnung geben, als der Boden unter dem Mechs mit einem gewaltigen Krachen aufbrach und ihm die Detonation der speziellen Anti-Mech-Mine den rechten Fuß abriss. Der „LOCUST“ fiel keine 150 m vor Georgs Stellung wie ein nasser Sack zur Seite. Der Leutnant gab den Befehl das Feuer zu eröffnen, denn der Mech war zwar bewegungsunfähig, sein Laser stellte aber nach vor eine große Bedrohung für die Pioniere dar. Die „WASP“, die sich bis dahin zurückgehalten hatte, stürmte nun vor und feuerte auf die Positionen der VerCom-Soldaten. Eine SRM2-Raketensalve der „WASP“ traf auf Maximalentfernung mit voller Wucht in die Stellung links von Georg. Die Leiber der Soldaten wurden zerfetzt und in hohem Bogen aus der Stellung geschleudert und Georg spürte deutlich die Druckwelle und duckte sich in seine Stellung.
„Funker, Lagemeldung an Bataillon abgeben! 2 Mechs auf Sperre aufgelaufen, unser Zug im Gefecht!“ befahl er seinem Funker auf seinem Fahrzeug über den Helmfunk.
„Jawohl Herr Leutnant!“ hörte er die Bestätigung. Auf dem internen Funkkreis des Zuges kamen nun Verlustmeldungen und Hilferufe seiner Gruppenführer bei ihm an. Lt. Fichtenberg war klar, dass er seinen Zug sofort zurückziehen musste, sonst hätten seine Frauen und Männer keine Chance zu überleben!


Gerade als er den Befehl geben wollte, stürmte die „WASP“ in die Sperre und löste eine Mine aus, die dessen Fußaktivator zerschmetterte. Dem Mech wurden durch den Druck der Detonation das Bein weggerissen und stürzte vornüber. Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem Capellaner, denn als das Mechcockpit der „WASP“ auf den Boden knallte, wurde eine weitere Mine ausgelöst, deren ultraheißer Plasmastrahl die Cockpitpanzerung durchschlug und den MechKrieger im Inneren sofort tötete. Nun konzentrierte sich das Feuer der Pioniere wieder vollständig auf den „LOCUST“. Aber ein Mech war mit den leichten Waffen, die ihnen zur Verfügung standen nicht so einfach zu zerstören. Der Leutnant überlegte fieberhaft, wie der Mech schnell ausgeschaltet werden könnte, bevor noch mehr seiner Leute starben oder verletzt wurden. Er sah sich um, riss eine Fünftel-Mine aus der Kiste, die hinter ihm stand, befestigte einen Funkzünder an ihr und stürmte im toten Winkel auf den liegenden Mech zu. Dort angekommen suchte er die Einstiegsluke, sprengte sie an der Notentriegelung auf und wuchtete die scharfe Mine in das Cockpit hinein. Georg wollte dem MechKrieger im Inneren aber noch eine Wahl lassen und forderte ihn auf sich zu ergeben. Die 20 Kilo Sprengstoff, die nun in der Kanzel lagen brachten die Capellanerin sofort zur Vernunft und sie gab auf. Die MechKriegerin kletterte demoralisiert aus ihrem beschädigten Mech, das Gefecht war vorbei! Sie und ihr Kamerad hatten ihre Mechs gegen Schlammstampfer verloren! Dieses Schicksal war die schlimmste Demütigung, die einem MechKrieger widerfahren konnte.


Die Kriegerin sagte nichts, funkelte ihn dafür wutentbrannt an! Georg entwaffnete sie und übergab sie an zwei Soldaten, die sie sofort abführten.
Neugierig kletterte der junge Offizier in das Cockpit des „LOCUST“. In Sanglamore hatte er, wie alle Offizieranwärter, die Gelegenheit in Mechsimulatoren die Grundlagen der Mechsteuerung zu lernen und er hatte, wie fast alle, auch ein paar Runden in einem „CHAMÄLEON“ gedreht. Aber dies hier war ein echter Gefechtsmech! Georg roch den Schweiß und das Ozon im Cockpit und durchsuchte die Kanzel. Er fand das Jian der capellanischen Mechpilotin. Sie war also Absolventin einer der Mechakademien der Conföderation. Dass sie ein Jian hatte, ein zweischneidiges Schwert, wunderte Georg aber, sonst führten die capellanischen Mechpiloten seines Wissens einen einschneidigen Dao! Als er sich reckte um auszusteigen, fiel ihm das Typschild des Mechs auf. Der Mech war bereits 135 Jahre alt und aus lyranischer Produktion! Also war der „LOCUST“ selbst auch schon Kriegsbeute gewesen!


Ein Krachen in seinem Funkgerät brachte ihn wieder zurück in die Realität.
"Herr Leutnant, die Panzer sind da!" gab ihm sein Stellvertreter durch.
"Die hätten ruhig auch etwas früher kommen können!" stellte der Leutnant knurrend fest und kletterte wieder aus dem Cockpit.
"Wie hoch sind unsere Verluste?" fragte er nach.
"3 Tote und 7 Verletzte. Den Rücktransport der Verletzten habe ich bereits organisiert. Wir sind in ca. 12 Minuten abmarschbereit Herr Leutnant." Bei dem Gedanken an die Toten lief es dem blutjungen Offizier eiskalt den Rücken hinunter. War er für ihren Tod verantwortlich? Beim Marsch in Richtung der Panzer sah er nach den Verletzten und Toten seines Zuges. Was er da sah, ließ Wut in ihm aufsteigen!


Georg ging zu dem Chef der Panzerkompanie, der abgesessen neben seiner „VEDETTE“ schon auf ihn wartete.
„Da haben sie uns ja schon die ganze Arbeit abgenommen Herr Leutnant!“ sagte der Major entspannt. Aber Georg war nicht zum Scherzen aufgelegt, zu sehr nagten die Toten an seinem Gemüt. Er knallte den Minensperrnachweis auf die Bugplatte des „VEDETTE“ und meinte zornbebend, ohne Rücksicht auf den höheren Dienstgrad seines Gegenübers,
„Wären sie pünktlich hier gewesen, würden 3 meiner Leute noch Leben!“.
„Bremsen sie sich mal ein, Herr Leutnant!“ antwortete der KpChef barsch! „Das sie Soldaten verloren haben tut mir sehr leid, „C'est la guerre“! Aber wir konnten nicht schneller hier sein!“ Dann schaute er in das bleiche Gesicht des jungen Offiziers, „Ihr erster Einsatz?“ fragte er weicher.
„Jawohl Herr Major!“ gab Georg zurück.
„Sie müssen sich daran gewöhnen und lernen damit fertig zu werden, sonst frisst es sie auf! Aber ihr Zug und sie haben hervorragende Arbeit und Einsatz gezeigt. Zwei Mechs auszuschalten ist eine große Leistung mein Junge!“ Dabei hieb er ihm wohlwollend auf die Schulter. „Dann wollen wir mal!“ Georg holte tief Luft und kämpfte den Knoten hinunter, den er im Hals hatte und erwiderte ruhiger,
„Jawohl Herr Major! Ich denke wir hatten verdammtes Glück! Aber dürfte ich um ihren Ausweis bitten?“ Der Major grinste, als er sah, dass der junge Offizier sich wieder gefangen hatte und zeigt ihm Vorschriftsgemäß seinen Ausweis, denn ohne ordnungsgemäße Legitimation durfte keine Sperre übergeben werden! Nach einer kurzen Einweisung in das Gelände und den Minensperrnachweis war die Übergabe der Sperre abgeschlossen und damit war Georgs Pionierzug frei. 14 Minuten später waren Lt. Georg Fichtenberg und sein Zug auf dem Marsch zum nächsten Einsatz. Das Jian der Capellanerin begleitete ab da Georgs Wege über die Schlachtfelder der Inneren Sphäre, als Mahnung, dass auch ein David sich gegen Goliath durchsetzen kann und es im Krieg keine Sicherheiten gibt!


Langsam verschwanden die Bilder der Erinnerung wieder. Er schaute auf seine Armbanduhr, noch 10 Minuten bis zur Befehlsausgabe! Er packte seine Unterlagen und begab sich in den Besprechungsraum auf der 2. Ebene des „OVERLORD“-Landungsschiffes. In 12 Stunden würden sie auf der Oberfläche von Barcelona aufsetzen.
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 2: Der Raid


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Distrikt Donegal
System Kandersteg
Süd-Kontinent Kandersteg, Nordufer des Severn
03.11.3050


KommandantHauptmann Fichtenberg nahm die gerade übermittelte Funkmeldung der Brigade seinem Funker aus der Hand.
"Mist", dachte er "auch das noch!" Seit drei Stunden arbeitete seine Pionierkompanie hart daran, die über 400 m lange Brücke über den Severn zur Sprengung vorzubereiten und das Vorfeld zu verminen. Vor fast einer Stunde waren die letzten Flüchtlinge über die Brücke nach Süden gefahren. Die Zeit drängte! Laut der gerade erhaltenen Lagemeldung standen die vordersten Kräfte der Claner nur noch maximal 70 Minuten entfernt - er hatte nun eine Stunde weniger Zeit, als ursprünglich vorgesehen! Als er sich umdrehte um über die Brücke zur Nordseite zu gehen, stand Oberleutnant Pieter, der Zugführer des 1. Zuges vor ihm. "Brücke geladen und fertig zur Zündung", meldete er Ihm.
"Gut, schicken Sie Ihre Leute auf die Nordseite und unterstützen Sie den 2. Zug beim Minenlegen und Ihr Stellvertreter übernimmt den Zündtrupp auf der Südseite! Uns läuft die Zeit davon!" ordnete er an. Danach ging er ans Flussufer und betrachtete sich die Brücke von unten. Die Ladungen und die Zündleitungen waren ordentlich angebracht und alles war so, wie es sein sollte. "Wie vergänglich doch Arbeit sein kann!", dachte er bei sich.


Vor 12 Tagen waren seine Einheit und er zur jährlichen routinemäßigen Reservevollübung einberufen worden, die seit der Claninvasion der Inneren Sphäre von der planetaren Regierung angeordnet worden war. Die ersten 2 Tage der Übung verliefen völlig routinemäßig, bis die Meldung kam, dass ein Clansprungschiff der Steelvipers an einem Piratenpunkt im System aufgetaucht war. Obwohl das System relativ abgelegen und ziemlich unwichtig war, lag es doch knapp an der Invasionszone der Clans. Dass die Claner hier nicht schon früher aufgetaucht waren, hatte viele davon überzeugt, dass dieser Kelch an dem Planeten vorübergehen würde. Die Verbindung zu anderen lyranischen Welten und dem Vereinigten Commonwealth wurde mehr schlecht als recht aufrechterhalten. Eine VerCom- oder gar eine ComStar-Garnison gab es auf Kandersteg nicht (hatte es auch nie gegeben), dazu war das System einfach zu unwichtig. Der einzige "Draht" nach außen war die kleine HPG-Station in Mainau, der planetaren Hauptstadt auf dem Südkontinent. Und jetzt das! KdtHptm. Fichtenberg wusste, dass die planetare Miliz, der er seit seinem Ausscheiden aus den VCS vor 3 Jahren angehörte, nicht die geringste Chance hatte, auch wenn sie "nur" einem Sternhaufen der Stellvipers gegenüberstanden. Die Kompanie altersschwacher Mechs und die 2 Panzerbataillone die die Miliz aufbieten konnte waren maximal nur Sparringspartner für die Vipern. Trotzdem wollten alle nicht tatenlos zusehen wie ihre Heimat überfallen und besetzt wurde.


Die Vipern waren vorgestern direkt über Sagitari, der zweitgrößten Stadt des Südkontinents und dem industriellen Zentrum des Planeten, abgesprungen, wohl in der Annahme, dass dies die planetare Hauptstadt sei. Nun bewegten sie sich rasch nach Süden um den Planeten so rasch als möglich zu okkupieren. Jetzt standen seine Kompanie und er hier an der einzigen, noch intakten Brücke, die zwischen den Vipern und Mainau lag. Über diese Brücke waren viele Bewohner des Nordbeckens nach Süden geflüchtet. Nur ein paar unentwegte und die Miliz waren noch auf der Nordseite des Severn. Die Halblanze Galedon-Panzer, die die Pionierkompanie bei Ihrer Arbeit decken sollten, waren ohne Sensoren, die schon vor langer Zeit in den Mechs der Miliz gelandet waren. So konnten sie die zwei Elementar-Strahlen, die sich im Schutz der Wälder auf die Brücke zubewegten, nicht erfassen.


KdtHptm. Fichtenberg war fast auf der Nordseite der Brücke, als die Hölle losbrach. Die Elementare nutzten das Überraschungsmoment und schlugen mit voller Wucht zu. Sie konnten mit Ihren KSRs und Lasern innerhalb von Minuten einen der GALEDON-Panzer ausschalten, die auf dem Nordufer standen. Die Pioniere waren nun fast schutzlos den Clannern ausgeliefert und versuchten sich in Deckung zu bringen. Die Elementare wendeten sich aber direkt der Brücke zu und stürmten vorwärts. Das Gegenfeuer der Milizpioniere konnte sie kaum aufhalten, bis einer der Clan-Elementare nach einem Sprung auf einer Mech-Mine landete und durch die Explosion förmlich zerfetzt wurde. Die Pioniere hatten sich vom ersten Schreck erholt und feuerten jetzt mit allem was sie hatten zurück, unterstützt durch den letzten der GALEDONs und konnten zwei weitere der sogenannten Kröten ausschalten.


Der Kompaniechef stürmte von der Brücke, warf sich in die erste Stellung am jenseitigen Ufer und stolperte über die beiden Toten, die in dem Kampfstand lagen. Nun konnte er genau sehen wie die Claner angestachelt von dem Verlust ihrer drei Kameraden unter seinen Leuten wüteten. Hemmungslos knallten sie seine Soldaten ab, geschützt durch Ihre fast unüberwindlichen Körperpanzer. Drei der Elementare knackten den letzten verbliebenen Panzer, der in seinem Todeskampf aber noch einen Gegner mitnehmen konnte, als er in einer heftigen Detonation zerbarst. Überall lagen Tote und Verletzte. KdtHptm. Fichtenberg nahm den tragbaren KSR-Werfer, der noch in der Stellung lag, überprüfte ihn rasch und zielte sorgfältig auf einen der Elementare und befahl über sein Helmfunkgerät einem seiner Unteroffiziere, den er in einer weiter rechts liegenden Stellung identifiziert hatte, denselben Claner anzuvisieren. Die beiden KSR trafen fast gleichzeitig, brachen die Rüstung auf und töteten den Elementaren. Die anderen Elementare schossen sofort zurück, der KdtHptm konnte sich noch rechtzeitig zu Boden werfen, ein kurzer Schrei über Funk teilte ihm aber mit, dass sein Unteroffizier wohl weniger Glück gehabt hatte.


Eine kurze Funklageinfo seines Kp-Gefechtsstandes offenbarte ihm, dass seine Kompanie fast völlig aufgerieben war und auch keine schweren Waffen mehr zur Verfügung standen. Der Kampf war de facto zu Ende. Die Miliz hatte verloren! Doch der Auftrag war trotzdem noch nicht zu Ende! Die Anweisung für eine solche Situation war klar: sofortige Sprengung der Brücke.
"Sprengtrupp, jagt die verdammte Brücke in die Luft!" schrie er förmlich in sein Sprechgerät, während die Claner an ihm vorbei auf die Brücke vordrangen. Unendliche Sekunden vergingen, dann erfüllte eine gewaltige Explosion die Luft und die Druckwelle raste über seine Stellung. Die Brücke war nicht mehr und damit auch sein Fluchtweg. Georg wollte sich nun zum vereinbarten Sammelpunkt in Bewegung setzen. Als er aufsprang, stand ihm eine 2,5 m große Gestalt gegenüber und schlug ihn mit einer kurzen belanglosen Armbewegung nieder. Dem Offizier wurde es schwarz vor Augen und er fiel leblos in die Stellung zurück.


Langsam kehrte nach einiger Zeit das Bewusstsein zurück in seinen Körper. Die Schmerzwoge, die beim Versuch sich aufzurichten seinen Körper durchflutete warf ihn beinahe wieder zurück. Langsam kroch er auf den Rand der Stellung zu und blickte über das Schlachtfeld. Was er hier erblickte, würde er nie wieder vergessen können. Die Claner hatten fast seine gesamte Kompanie ausgelöscht. Nur wenige der Soldaten, die auf dieser Seite des Flusses waren, hatten das gnadenlose Gefecht unverletzt überlebt und stolperten jetzt über das Gefechtsfeld. Weinend vor Wut und Schmerz brach er neben einem seiner toten Soldaten zusammen und wurde wieder von der Schwärze der Bewusstlosigkeit gefangen.


Stunden später erwachte er wieder und fand sich auf einer Trage wieder. Mühsam öffnete er seine Augen und blickte in das Gesicht einer Sanitäterin der Miliztruppen.
"Er kommt zu sich." hörte er sie sagen. "Wie geht es Ihnen Herr KommandantHauptmann?"
"Wasser!" antworte er. "Also habe ich überlebt" dachte er bei sich. Doch als ihm seine Kameraden einfielen, durchbrandete ihn wieder diese Trauer vermischt mit brennendem Hass auf die Täter.




Vereinigtes Commonwealth
Landungsschiff "Johannesburg", Auf dem Weg nach Tharkad
12.02.3051
Vereinigtes Commonwealth


>> Der Angriff der Steelvipers auf der kleinen Außenwelt Kandersteg im Distrikt Donegal am Rande des Clan-Angriffskorridors wurde nach 5 Tagen beendet. Der Angriffsverband der Claner zog sich danach sofort wieder in ihre Okkupationszone zurück. Die heimischen Miliztruppen wurden dabei völlig aufgerieben. Die Industrieanlagen des Planeten zu 65% zerstört. Von den 9,3 Millionen Bewohnern des Planeten fanden bei den Gefechten rund 98.000 den Tod. Der Stab der VCS nimmt an, dass es sich lediglich um einen kleinen Raid zur Schwächung der Moral und der Logistik des Vereinigten Commonwealth gehandelt hat. In Geheimdienstkreisen wird vermutet, dass es sich bei dem der eingesetzte Sternhaufen um eine frisch aufgestellte Einheit handelte, die Gefechtserfahrung sammeln sollte. Dies könnte auch erklären, warum der eingesetzte Sternhaufen der Steelvipers soweit außerhalb ihres Einflussbereiches zugeschlagen hat. <<


Immer wieder las er die kurze offizielle Verlautbarung der VCS zu dem Überfall auf seine Heimat durch. Seine körperlichen Wunden waren bereits fast verheilt, doch er würde nie wieder derselbe sein! Denn er hatte dabei nicht nur seine Kompanie, sondern alles verloren was er liebte. Ein paar Tage nach der Einlieferung ins Lazarett wurde ihm mitgeteilt, dass seine Familie ebenfalls Opfer dieses Terrorangriffs geworden war. Man hatte zwar versucht, es ihm schonend beizubringen, aber er fühlte, wie in ihm dabei eine Eiseskälte emporgestiegen war und diese sein Herz ergriff! Sein Haus in der Werkssiedlung direkt neben der Fabrik in der er arbeitete, war bei dem Bombardement der Anlagen ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele hatten ihr Leben verloren. Damals schwor er sich alles zu tun, damit die Clans dafür büßen würden. Noch während seiner Genesung war er sowohl von der planetaren Regierung, als auch den VCS für die Verteidigung und die Sprengung der Brücke hoch dekoriert worden. Aber für ihn klebte an den Orden das Blut seiner Soldaten, die dafür ihr Leben gegeben hatten. Viel interessanter war es, dass ihm die VCS aufgrund seiner „Heldentat“ die Wiedereinstellung angeboten hatte. Scheinbar war der Bedarf an erfahrenen Stabsoffizieren nach dem Angriff der Clans auf die innere Sphäre enorm. Sogar seinem Wunsch nach Laufbahnwechsel in die Mechtruppe war stattgegeben worden! Während seiner Zeit als Kadett in Sanglamore hatte er in den Eignungstest für die Mechtauglichkeit immer hervorragende Bewertungen erzielt, hatte sich dann aber doch für die Pioniere entschieden, da er dort seine wahre Bestimmung gesehen hatte. Der arrogante Standesdünkel vieler Mechkriegerkadetten war ihm damals schon bitter aufgestoßen und war ihm tiefst zuwider gewesen! Jetzt aber würde er auf Tharkad am Nagelring einen Lehrgang antreten, der ihm den Weg in die Mechtruppe eröffnete, so denn er ihn bestehen würde!
Jäh wurde er aus seinen Gedanken gerissen als die Schiffssirenen des Landungsschiffes den nächsten Sprung ankündigten.
"Noch dieser letzte Sprung, dann kann ich endlich damit beginnen, den Clanern in den Hintern zu treten." dachte er bitter, vor seinen Augen tauchten die Bilder seiner toten Familie auf und er ballte unwillkürlich seine linke Hand zur Faust, bis seine Knöchel weiß hervorstanden!
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 3: Barcelona 3052 Part 1: Reconquista


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Landungsschiff „OVERLORD“-Klasse „VCS Terror“, im Landeanflug
05.04.3052


Das schwere Landungsschiff wurde beim Eintritt in die Atmosphäre durchgeschüttelt. Dass es sich dabei auch noch angreifender L/R-Jäger des CLANS Jadefalke erwehren musste und darum abrupte Kursänderungen durchführte, machte es auch nicht leichter. Oberst Fichtenberg war fest in Sitz seines „BUSHWACKERS“ „Skinir“ geschnallt und wartete darauf, dass das Schiff endlich aufsetzte. Der schwere Neurohelm wurde dabei hin- und her geschüttelt, was seinen Nacken belastete.
„Hoffentlich komme ich hier lebend raus!“ dachte er bei sich. Eigentlich lachte er dabei innerlich über sich selbst. Diese Gedanken trieben ihn bei jeder Gefechtslandung um und bis jetzt war immer alles gut gegangen!
„Landung in drei Minuten!“ hörte er die ruhige Ansage der Brücke in seinem Kopfhörer. Georg drückte den Schalter für den Bataillonsführungskreis,
„An Alle, hier Oberst Fichtenberg! Leute, wir können hier Geschichte schreiben! Barcelona wird ausschließlich von Solahma-Einheiten verteidigt! Gebt euer Bestes! Für das Vereinigte Commonwealth! Vorwärts zum Sieg!“ gab er durch, dann schaltete er den Kanal um und sprach den Führer seines an Bord befindlichen Bataillons direkt an, der eigentlich sein Stellvertreter war.
„Oberstleutnant Müller, hier Oberst Fichtenberg! Nach der Landung sofortige Sicherung der Landezone! Das hat Priorität! Kommen!“
„Hier OTL Müller, alles klar! Laut G2-Lagebericht sind keine gegnerischen Kräfte im näheren Umfeld! Das kriegen wir hin! Kommen!“ Ein Lächeln umspielte Georgs Mund. Mit Oberstleutnant Georg Müller führte sein bester Kamerad und Freund sein Bataillon in die Schlacht! Leider konnte er es nicht selbst tun, da er als Stabschef der 2. Angriffs-RKG andere Aufgaben hatte. Aber er wusste seine Frauen und Männer bei Georg Müller in den besten Händen!
„30 Sekunden bis zum Aufsetzen!“ übersteuerte die Brücke alle Funkgespräche der Mechkrieger untereinander.


Eine Viertelstunde später waren alle Einheiten ausgebootet und die Landungszone provisorisch gesichert. Georg hatte gerade seinen „BUSHWACKER“ zum Mobilen Headquarter gesteuert, um dort das Kommando zu übernehmen, als plötzlich ein Prioritätsfunkspruch hereinkam!
„Lilie1, hier Staude1, kommen!“ Georg konnte deutlich den gehetzten Unterton hören.
„Hier Lilie1, kommen!“ antwortete er mit seinem Deckwort.
„Hier Staude1, Lapislazuli wurde abgeschossen, keine Verbindung zu LilieX, ich wiederhole, keine Verbindung zu LilieX! Kommen!“ Die Nachricht traf Georg wie ein Vorschlaghammer! Lapislazuli war das Deckwort für das Landungsschiff des Kommandierenden Generals seiner RKG und LilieX das Deckwort für den KG! Georg holte tief Luft! Jetzt lastete plötzlich die gesamte Verantwortung der 2. Angriffs-RKG auf seinen Schultern.
„Hier Lilie1, verstanden! Ich übernehme hiermit das Kommando über Lilie! Informieren sie darüber sofort alle Einheiten und RoseX! Kommen!“
„Hier Staude1, verstanden, RoseX informieren! Ende!“ Georg schaltete auf den Kommandoführungskreis der RKG und übernahm den Gesamtbefehl! Durch den Abschuss dieses Landungsschiffes hatte die RKG außerdem noch ein schweres Assault-Mech-Bataillon verloren! Zum Glück hatten die Planer des Angriffs alle Einheiten zusammengekratzt, die sie bekommen konnten, so hatte er immer noch Kräfte in der Stärke von 3 Mech-Bataillone zur Verfügung. Georg fuhr seinen Mech herunter und kletterte nach unten. Kurz darauf stand er in Shorts und Kühlweste an der Lagekarte und studierte die Einträge, die nun langsam erschienen. Die Operationsziele waren klar und deutlich dargestellt. Nachdem die aktuelle Dislozierung der 2. RKG vollständig war begann er mit der Operationsplanung.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent, Hauptgefechststand (CHQ) 2. Angriffs-RKG
05.04.3052, Spätabends


„Meine Herren, unser KG Gen. Gaultier ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gefallen. Darum habe ich das Kommando übernommen bis Gen. Steiner einen Nachfolger befiehlt! Das Landungsschiff von General Gaultier, die „Invincible“ ist ein Totalverlust. Das Erkundungsergebnis unserer Fernspäher ist leider eindeutig! Dadurch fehlt uns ein komplettes Assault-Mech-Bataillon und wirft unsere komplette Planung über den Haufen!“ stellte Oberst Fichtenberg die Lage glasklar fest. „Aber wir sind weiterhin fähig und in der Lage alle unsere Operationsziele mit den verbliebenen Kräften zu erreichen! Sie und ihre Verbände und Einheiten sind allesamt erfahrene Soldaten und wie sie wissen, überlebt kein Plan den ersten Schuss!“ Fichtenberg schaute nacheinander allen Bataillonskommandeuren und Kompaniechefs in die Augen und sah dort nur eiserne Entschlossenheit! Dann wandte sich der Oberst zur Seite uns sah seinen G2 an.
„KdtHptm. Fritjoff, tragen sie die Feindlage vor!“ befahl er ihm ruhig.


„Jawohl, Herr Oberst, Feindlage!“ Der Stabsoffizier trat vor und rief die große Karte auf, die den kompletten Nordkontinent, den Einsatzraum der 2. RKG zeigte. In den Stunden der nach der Landung hatten die L/R-Jäger, die Satellitenüberwachung und die Spähtrupps am Boden so viele Informationen als Möglich gesammelt, die er nun hier kumuliert vortrug. Am Ende fasste er die Erkenntnisse zusammen:
„Uns steht hier auf dem Nordkontinent ein Solahama-Cluster gegenüber der aus 2 - 3 in Binärsternen und 2 Trinärsternen besteht. Also alles in allem rund 50 - 60 Mechs der Garnisonsklasse, rund 50 Elementare und weitere unterstützende Einheiten wie Infanterie und Panzer. Die Kräfte sind über den gesamten Nordkontinent verteilt stationiert, aber hier um Teruel ist ein Schwerpunkt in Stärke von 2 Trinärsternen konzentriert! Der Gegner ist voll ausgestattet, verfügt aber über keine Frontklasse-Ausstattung. Aber wie wir oft genug erfahren haben, sind Solamaha-Einheiten harte Gegner, da meiner Meinung nach, diese Krieger das Erreichen der Einsatzziele immer über persönlichen Ruhm stellen! Aber sie suchen auch nach einem ehrenvollen Ende ihres Kriegerdaseins, da sie in den Augen der Frontkrieger nur noch Krieger 2. Klasse sind.“ Nach einer kurzen Pause, in der er auf Fragen wartete, meldete er dann „Herr Oberst, Vortrag Feindlage beendet!“


Oberst Fichtenberg nickte. Dann wandte er sich den anwesenden Offizieren zu.
„Ich werde aufgrund der geänderten Lage und dem Wegfall des Assault-Bataillons den bisherigen OP-Plan in die Tonne treten! Wir haben hier eine weiträumige Operation durchzuführen, die wir nur dann meistern können, wenn wir schnell und beweglich zuschlagen und dem Gegner keine Ruhe lassen, bis er vernichtet ist. Wenn die Mechkrieger der Solamaha-Einheiten ein ruhmreiches Ende haben wollen, werden wir es ihnen verschaffen. Am Ende wird über Barcelona wieder die Flagge des VerCom wehen! Hierzu befehle ich:“ Dann erteilte der Oberst den Einsatzbefehl. In 8 Stunden würden die aktiven Operationen der 2. RKG beginnen!


Kurz vor Ende der Befehlsausgabe trat der diensthabende Kom-Offizier in das Lagezentrum und meldete sich beim Oberst mit einer dringenden Nachricht von GenLt. Adam Steiner, die er verlesen sollte. Mit einem Wink forderte ihn der Oberst dazu auf.
„Herr Oberst, meine Damen und Herren, hiermit befiehlt der Oberkommandierende der Operation Barcelona folgendes:
Das Kommando über die 2. RKG wird dauerhaft an Oberst Fichtenberg übertragen.
Gleichzeitig befördere ich Oberst Georg Fichtenberg vorläufig zum Generalleutnant!
Gez. Adam Steiner, GenLt., Barcelona 05.04.3052 18:45 Uhr Ortszeit!“ Nach einer kurzen Pause meldete sich der KomOffizier wieder ab und verschwand aus dem Lagezentrum. Georg wurde es kurz heiß und kalt. Das Kommando führte er defacto schon, aber diese Beförderung, wenn auch nur vorrübergehend, traf ihn völlig unvorbereitet. Er blickte durch den Raum. Bevor jemand reagieren konnte sagte er schneidend:
„Sie haben ihre Befehle! Wegtreten und Ausführung! Oberstleutnant Georg Müller, sie bleiben kurz hier!“


Nachdem alle den Raum verlassen hatten, stand nur noch sein Freund Georg Müller im Raum. Ihre Vornamensgleichheit hatte schon immer zu etwas Verwirrung geführt, zumal sie sich auch von der Statur und dem Äußeren ähnlich sahen. Nur war Müller ein von der Pike auf gelernter Mechoffizier, während Fichtenberg als Seiteneinsteiger von anderen Mechkriegern nie für ganz voll genommen worden war. Aber nun war er der KG der 2. RKG!
„Was sich Adam Steiner nur dabei gedacht hat, mich zum General zu befördern?“ meinte Fichtenberg zu seinem Freund, die, wenn sie untereinander waren, sich immer sehr informell gaben. „Er trägt seinen Rang doch auch nur vorübergehend, regulär hat er den Rang keines Kommandanten!“
„Aber er hat bei den Steiner-Davions ein Stein im Brett!“ antwortete Müller, „Sonst hätte er diese Operation gar nicht durchführen dürfen. Aber das VerCom braucht gute Neuigkeiten, dringend!“
„Ja, die Moral ist am Boden. Die Clans haben uns wie Schachfiguren bei ihrem Vormarsch beiseite gefegt. Nur vereinzelt ist es uns gelungen ihnen Paroli zu bieten!“ stellte Fichtenberg fest.
„Glaubst du, es ist was dran an den Gerüchten, dass ComStar sich endlich den Clans in den Weg stellt?“ wollte Müller wissen.
„Ich denke ja, seit ein paar Wochen erfolgen keine Angriffe mehr und aus dem Melissea-Theater hat Clan Jadefalke alle Frontklasse-Einheiten abgezogen, sonst hätten wir nicht so einfach vorstoßen können! Da ist irgendetwas Großes im Gange!“
„Aber es nützt uns!“ stellte Müller fest. „Es wird hart werden, aber wir sind zahlenmäßig überlegen und auch technologisch können unsere modernisierten Mechs den Second-Line-Clanmechs durchaus das Wasser reichen!“
„Unterschätze sie nicht. Auch diese Einheiten haben Clanwaffen montiert, die sind vielen unserer Waffen immer noch in Reichweite überlegen! Wenn wir sie attackieren, müssen wir es zu unseren Bedingungen machen! D.h. wir lassen uns nicht auf „Zellbrigen“, Gebote und anderen Clanunsinn ein! Wir müssen als Soldaten operieren, nicht als Krieger! Das haben unsere Frauen und Männer gelernt und so kämpfen wir auch!“
„Das wird die Claner wütend machen!“ meinte Müller,
„Ich glaube, wir sind nicht hier um Freundschaften zu schließen, Georg!“ entgegnete Fichtenberg mit einem Grinsen. Dann kam ihm noch ein Gedanke! „Ich werde unsere L/R-Jäger zusammenfassen und unter einheitlicher Führung einsetzen! Warum mir das jetzt erst einfällt!“ meinte Fichtenberg leicht wütend über sich selbst. „Schick mir gleich KdtHptm. Kowalski, er und seine Staffel sollen unsere Luftstreitkräfte führen. Wir müssen fähig sein, schnell überall mit geballter Kraft zuzuschlagen! Bei der Größe des Operationsgebietes ist es unabdingbar, schnell eigene Kräfte zu unterstützen und zu entsetzen, wenn nötig!“ Dann unterhielten sich die beiden Freunde noch kurz, bevor sich OTL. Müller abmeldete, um seinen Aufgaben als Bataillonskommandeur nachzukommen.


Keine 10 Minuten später meldete sich KdtHptm. Fjodor „St. Michael“ Kowalski bei Gen. Fichtenberg.
„Herr General, melde mich wie befohlen!“ sagte er stramm, während er Gen. Georg Fichtenberg grüßte.
„Danke, stehen sie bequem!“ gab der General zurück. „Um es kurz zu machen, ich übertrage ihnen ab sofort das Kommando über alle Luftstreitkräfte der 2. RKG, ausgenommen der Landungsschiffe. Ich will, dass unsere Luftstreitkräfte geschlossen und koordiniert eingesetzt werden. Wir werden zuerst den Schwerpunkt des Gegners angreifen, aber es sind nicht unerhebliche gegnerische Kräfte frei unterwegs, die uns jederzeit in die Flanke stoßen könnten. D.h. es kann zu einer punktuellen Überlegenheit des Gegners kommen, hier kommen dann ihre L/R-Jäger ins Spiel. Ich brauche sie dann blitzartig zur Luftnahunterstützung unsere Kräfte, bevor diese überwältigt werden können! Sie müssen dies sicherstellen, auch wenn sie uns an der eigentlichen Front unterstützen und den Luftraum über uns freihalten! Dazu stellen sie einen Verbindungsoffizier zum Regimentsstab ab! Können sie das hinbekommen?“ Der Pilot dachte kurz nach, dann straffte er sich,
„Jawohl Herr General! Wir haben ein sehr starkes Kontingent an L/R-Jägern hier und, wenn sie gestatten, werde ich noch 2 Rotten von den Sprungschiffen am Piratensprungpunkt abziehen. Im Gegenzug schlage ich vor, dass eines der Landungsschiffe unverzüglich zum Piratensprungpunkt verlegt und dort beim Schutz der Sprungschiffe die verbleibenden Jäger unterstützt!“ Georg Fichtenberg schaute den Piloten mit steinerner Miene an, aber innerlich grinste er. Der Mann war aus dem richtigen Holz geschnitzt und schaute über den eigenen Tellerrand hinaus!
„Das genehmige ich hiermit! Sie erhalten entsprechende Vollmachten, sprechen sie mit den Landungsschiffkommandanten ab, welches der Landungsschiffe am besten den Wachdienst übernimmt. Wenn es Probleme gibt, melden sie sich umgehend bei mir! Wie heißt nochmal ihre Staffel?“
„Herr General, wir nennen uns die >> Erzengel <<!“ sagte der Fliegeroffizier mit stolzer Stimme.
„Werden sie unsere Schutzengel, Herr Kommandanthauptmann, alle Kameradinnen und Kameraden am Boden werden auf sie zählen!“
„Pauke, Pauke Herr General!“ entgegnete der Pilot zackig und grüßte.
„Gut, wegtreten!“ befahl der General.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent, Hauptgefechststand (CHQ) 2. Angriffs-RKG auf dem Marsch
06.04.3052, später Vormittag


Georg steuerte seinen „BUSHWACKER“ parallel zur Kolonne des HQs und in ca. 1,5 Stunden würden sie Soria erreichen und dort in der Kleinstadt den neuen Hauptgefechtsstand einrichten, damit der rückwärtige Gefechtsstand, der zurzeit unmittelbar die 2. RKG führte, ebenfalls in Richtung Teruel verlegen konnte. Regelmäßig bekam er Lageupdates, aber bisher waren seine Truppen auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen! Auf dem Südkontinent sah es anders aus, die 1. RKG unter GenLt. Steiner stand bereits in schweren Gefechten, waren sie doch viel näher an den Clantruppen gelandet wie sie. Von seinen drei Bataillonen hatte Georg zwei nach vorne geschickt, die schnell vorrückten. Das dritte Bataillon war dahinter, sicherte links und rechts die Flanken und stellte die Reserve dar.


80 Minuten später erreichten sie Soria und die Soldaten der HQ-Kompanie richteten sofort den Gefechtsstand in einer Sporthalle ein, die sie requiriert hatten. Georg öffnete das schwer gepanzerte Kabinendach seines „BUSHWACKERS“ und kletterte die Strickleiter hinunter, nachdem er seinen Mech heruntergefahren hatte. Am Boden angekommen ließ er seinen Blick über seinen Mech gleiten. Er führte ihn schon mehrere Jahre und war feldmäßig mit moderneren Waffen ausgestattet worden. Die UAC10 im rechten Arm hatte ihm schon mehrmals in Gefechten den entscheidenden Vorteil verschafft, wenn die schweren Treffer den Gegner aus der Balance brachten und ihn dann nicht mehr wirkungsvoll Paroli bieten konnten. Für diesen Einsatz hatte er alle LRMs gegen SSRM-Werfer austauschen lassen. Der schwere ERLaser war nun die einzige Waffe mit großer Reichweite die er noch hatte. Aber wenn, rechnete er mit einem Nahkampf, da wären die LRMs sowieso nutzlos. Auf der linken Seite des Mechtorsos prangte das Stauferwappen auf grün-gelbem Grund, das Wappen seines Bataillons! Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er das Bataillon nach Kaiser Barbarossa, den Staufern oder Württemberg benannt, aber die Militärbürokratie hatte seine entsprechenden Anträge alle abgeschmettert. „Geschichtsvergessene Narren!“ hatte er die Bürokraten damals genannt! Als er sich umdrehte kam der Führer des Gefechtstandes auf ihn zu, ihn begleitete eine Zivilistin.


„Herr General, das ist Mirela Steinar, die Bürgermeisterin von Soria. Sie wünschte sie dringend zu sprechen!“ Eigentlich wollte sich Georg um sein Regiment kümmern und sich nicht mit den Befindlichkeiten der Zivilbevölkerung herumschlagen. Dafür war extra ein Verbindungsoffizier im Gefechtsstand.
„Herr Hauptmann, wo ist den Kommandant Lajos? Er soll sich um die Zivil-Militärische Zusammenarbeit kümmern!“ entgegnete Georg etwas kurz angebunden.
„Herr General, mit Kommandant Lajos habe ich bereits gesprochen!“ warf die Bürgermeisterin forsch ein und zog damit die Aufmerksamkeit des Generals auf sich.
„Und er konnte ihnen nicht weiterhelfen, Frau Steinar?“
„Mir geht es nicht um Bezahlung oder die Unterbringung ihrer Truppen! Das konnte ich bereits klären. Wir sind sehr froh, dass sie da sind und uns vom Joch der Claner befreien! Dafür wollte ich mich persönlich bedanken. Aber es gibt auch clanfreundliche Elemente in der Bevölkerung! Dies wollte ich ihnen unbedingt mitteilen. Außerdem haben wir Probleme mit selbsternannten Guerillas, die sich aufführen, als wären sie die Herren und terrorisieren teilweise die Landbevölkerung! Ich möchte sie bitten, hier tätig zu werden! Ich will einen Bürgerkrieg verhindern!“ Der General sah sie kurz an.
„Ist das Problem so groß, dass sie mich damit selbst ansprechen?“ gab Georg zurück.
„Leider! Sonst würde ich sie nicht belästigen Herr General!“ gab die Bürgermeisterin zurück.
„Gut! Danke für die Information! Hptm. LaRouse, sie bringen Frau Stainar zu KdtHptm. Arness. Sie soll ihn möglichst genaue Informationen geben, damit unsere Kettenhunde wissen, worauf sie achten müssen. Er soll sich in 1 Stunde bei mir zu einem Lagevortrag melden!“ befahl der General, dann wandte er sich an die Bürgermeisterin.
„KdtHptm. Arness ist der Chef unserer Militärpolizei, bei ihm ist das Problem in den besten Händen. Meine Truppen brauche ich alle im Kampf gegen die Jadefalken.“ erklärte er. „Was wir aber nicht brauchen können, wären Unruhen hinter unseren Linien! Für die Informationen sind wir dankbar!“ stellte er fest.
„Danke Herr General! Auch wir wollen eigentlich nur unsere Ruhe und ich hoffe, dass Gefechte möglichst nicht in Bevölkerungszentren stattfinden!“ gab sie ihrer Hoffnung Ausdruck! Georg lachte auf,
„An uns liegt es nicht, „Gegend“ haben sie ja genug!“ Dann nickte er der Bürgermeisterin zu und marschierte schnellen Schrittes in die Sporthalle und ließ die beiden stehen. Sollten sich die „Kettenhunde“ um die Guerillas und die Clan-Sympathisanten kümmern, er hatte wichtigeres zu tun.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent,
2. Angriffs-RKG 20 km südwestlich Teruel
09.04.3052, Vormittag


Nach mehreren harten Vorgeplänkeln am Vortag trafen nun endlich, die Hauptkräfte des Solamaha-Clusters, mit den beiden Trinärsternen und die 2. RKG südwestlich von Teruel aufeinander. Bei den vorangegangenen Gefechten hatte sich die Konzentration und geschlossene Führung der L/R-Jäger sehr bewährt. Mit der massiven Luftunterstützung hatten sie jedes der Begegnungsgefechte für sich entscheiden können und den Clanern schwere Verluste, bei moderaten eigenen zugefügt. Georg saß in seinem „BUSHWACKER“ und führte den Angriff selbst an. Der Spruch, dass „Mir nach!“ der bessere Befehl war als „Vorwärts Marsch!“ hatte sein Führungsverständnis stark geprägt und er lebte es auf dem Gefechtsfeld!
„Los! Mir Nach zum Angriff!“ befahl er und schob den Fahrthebel nach vorn. Alle Einheiten hatten ihre Befehle und rückten nun koordiniert vor. Georg führte insgesamt 120 Mechs in Feld, denen 2 Trinärsterne, also ca. 30 - 35 Mechs gegenüberstanden. Aber die RKG hatte eine nicht unerhebliche Anzahl von Panzereinheiten und waren hier den Clankräften weit überlegen. Georgs Idee des Gefechts war, ein koordinierter Kampf der verbundenen Waffen, in dem auch die Panzer und die Luftstreitkräfte eine wichtige Rolle spielten. Außerdem wollte er eine Taktik anwenden, die bereits Hannibal bei Cannae eingesetzt hatte, er war aber klug genug sich nicht komplett darauf zu verlassen, sondern den Operationsplan so angepasst, dass er ebenfalls auf fast jede Eventualität reagieren konnte!


Am linken Flügel der 2. RKG war Oberstleutnant Fabienne „Diamond“ LaHaie mit ihrer schweren Kampflanze bis zum befohlenen Punkt langsam vorgerückt und stoppte dann, als sie auf den Gegner traf. Ihr war befohlen worden diese Position zu halten, während die Mitte der RKG sich nach dem ersten Schlagabtausch langsam etwas zurückziehen sollte, um so den Gegner dazu zu verleiten, im Zentrum nachzustoßen. Die leichteren Kräfte ihres Bataillons hielt sie aus der Sichtweite des Gegners, dieser sollte erstmal nur ihre zwei schweren Kompanien und nicht ihre komplette Kampfkraft zu sehen bekommen! Da stieß ein „HELLBRINGER“ vor und LaHaie befahl konzentriertes Feuer aller Mechs ihrer Lanze auf den CLAN-Mech, der sofort von den konzentrierten Treffern der vier VerCom-Mechs durchgeschüttelt werden. Bevor der Mech aufbrach und starb, funkte der Claner noch:
„STRAVAGs, habt ihr keine Ehre im Leib!“ während er noch verzweifelt versuchte zurückzuschießen. Dann starb der Mech, als die Fusionsflasche platzte und das Gefechtsfeld in grellem Licht badete. Als die anderen Claneinheiten in Reichweite kamen, feuerten diese sofort und das Gefecht wogte hin und her. Ihre Stellung war gut gewählt, nahm sie dem Gegner doch die Möglichkeit seine größere Waffenreichweite auszunutzen. OTL. LaHaie konnte ihre Stellung mit ihrem Bataillon befehlsgemäß halten!


Georg beobachtete auf dem Taktikschirm den Gefechtsverlauf. Die Linke Flanke stand wie eine Mauer, auch seine rechte Flanke hielt die Stellung, während das Zentrum langsam vom Gegner zurückgedrängt wurde. Als Georg erkannte, dass der Gegner den Köder schluckte und sofort nachrückte, erlaubte er sich ein Grinsen. Bis jetzt lief alles nach Plan!
„LilieX, hier Diamond, Gegner zieht Kräfte von mir ab und verlegt sie zum Zentrum! Kommen!“
„Hier LilieX, Verstanden, Ende!“ betätigte Georg. Als der Gegner eine bestimmte Linie überschritt, befahl er mit dem Codewort „Nikolaus“ den Sack zu schließen. Sofort begannen die Einheiten an der rechten und linken Flanke die vor ihnen stehenden Gegner mit allen Kräften zu attackieren und in Richtung Zentrum zurückzudrängen um den Gegner einzuschließen.


„Nikolaus, Nikolaus, Nikolaus!“ hörte KdtHpm. Fjodor „St. Michael“ Kowalski über Funk. Er bestätigte und befahl dann allen L/R-Jäger die ihm unterstanden den Angriff auf den Rücken der Gegner. Im Tiefflug näherten sich nun alle Jäger dem Gegner aus Nordost. In Sekunden würden sie in deren Rücken auftauchen!
„Pauke, Pauke, jede Rotte nimmt sich je einen Mech vor!“ wiederholte er nochmal seinen vorher gegebenen Einsatzbefehl an seine Piloten. Schon tauchten die ersten Feindsignaturen auf. St. Michael wählte ein Ziel aus und sein Rottenflieger St. Gabriel bestätigte. Dann war der „WARHAWK (MASAKARI)“ in Waffenreichweite. St. Michael löste alle seine Waffen seines „STUKAs“ aus, erst die beiden PPCs, dann die AC/20 und den MedLaser. Nach ihm entlud St. Gabriel seine Waffen im Rücken des Mechs. Der „WARHAWK“ war zwar schwer gepanzert, aber im Rücken verwundbar wie die meisten Mechs. Alle Waffen trafen exakt ins Ziel und rissen den Rücken des 85to auf der in einer lauten Detonation verging. St. Michael und St. Gabriel zogen sofort hoch für einen weiteren Angriffsflug.
„Wie Scheibenschießen!“ knurrte St. Gabriel über Funk.
„Nicht ganz!“ gab St. Michael zurück. „Einer unserer Kameraden wurde gerade abgeschossen!“ Dann öffnete er einen Kanal an alle L/R-Jäger,
„An Alle, Achtung! Achtet auf „RIFLEMANs“, diese sind sofort unsere Primärziele!“ gab er an alle durch. Der Kamerad war einem „RIFLEMAN IIC“ zum Opfer gefallen.


Nach drei Stunden zähen Ringens fiel der letzte Clanmech und die 2. RKG hatte gesiegt. Knapp 50 % seiner Mechs waren zerstört oder ausgefallen und auch viele Infanteristen und Panzerleute, sowie Piloten hatten für den Sieg teuer bezahlt! GenLt. Georg „Orca“ Fichtenberg führte seinen nur leicht beschädigten „BUSHWACKER“ zurück zum mobilen CHQ und kletterte aus dem Mech. Am Boden wartete schon sein Mastertech.
„Da hat aber jemand auf mein Baby aufgepasst!“ sagte der StHFw schnodderig. Georg nickte,
„Zum Glück für sie!“ sagte er mit einem Grinsen. „Einmal Waschen und legen bitte!“ Der StHFw bestätigte und Georg betrat das HQ. Einige der Kommandeure waren schon da, auch sein Freund OTL. Georg „Lucifer“ Müller, der etwas Abseits stand. Er trat zu ihm und grinste breit!
„Das hat mal funktioniert!“ meinte er ganz informell zu seinem Freund.
„Manchmal sind die alten Strategien die Besten! Aber ich hätte ehrlich von dem gegnerischen Kommandeur erwartet, dass er den Braten riecht!“
„Vielleicht ist ihm seine Claner-Arroganz im Weg gestanden! Wer weiß das schon. Hauptsache, wir haben hier gesiegt!“ erwiderte der General.
„Es ist aber noch nicht vorbei, da Draußen sind noch zwo Binärsterne Mechs unterwegs und keiner weiß wo sie stecken!“
„Ich hoffe unsere Aufklärer identifizieren die Standorte bald, dann gehört der Nordkontinent uns!“ stellte Orca fest. „Aber erst müssen wir unsere Gefechtsschäden ausbessern!“




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent,
2. Angriffs-RKG, Corcusant-Tundra, 200 km nordöstlich Teruel
17.04.3052, früher Vormittag


„Wir haben sie!“ rief der junge Oberleutnant enthusiastisch, als er in die Operationszentrale stürmte. Als er den General sah, blieb er sofort stocksteif stehen, mit ihm hatte er nicht gerechnet. Normalerweise war das gar nicht dessen Schicht!
„Wen haben sie Herr Oberleutnant!“ fragte ihn der General, obwohl er es sich das schon denken konnte. Seit der Schlacht bei Teruel entzogen sich ihnen die verbliebenen Gegner Kräfte und entwischten den Kräften der 2. RKG des VerCom immer wieder! Auf dem Südkontinent stand die 1. RKG unter der Führung von Adam Steiner kurz vor dem endgültigen Sieg, während sie hier auf dem Nordkontinent Phantomen nachjagten!
„Unsere Aufklärer konnten die Reste der gegnerischen Streitkräfte lokalisieren!“ Der Oberleutnant trat an das große Kartendisplay und zoomte auf einen Bereich ca. 35 km Nördlich und zeigte darauf, „Hier an dieser Stelle konnten wir mehr als 20 Mechs aufklären. Das müssten die verbliebenen Binärsterne sein!“ Georg schaute sich die Position genau auf der Karte an.
„Leicht zu verteidigen!“ stellte er fest. „Herr Fritjoff, intensivieren sie die Aufklärung in diesem Bereich, tragen sie mir in einer Stunde die Ergebnisse vor, wir wollen hier doch nicht in eine Falle laufen! Außerdem will ich wissen, wie weit die für das Durchkämmen des Kontinents abgestellten Panzer- und Infanterieverbände sind!“ Dann wandte er sich an den diensthabenden S3-Offizier des Regiments.
„Geben sie einen Vorbefehl an alle Verbände heraus, Herstellen der Gefechtsbereitschaft. Befehlsausgabe in 2 Stunden hier im Gefechtsstand!“




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent,
2. Angriffs-RKG, Corcusant-Tundra, 210 km nordöstlich Teruel
17.04.3052, 10:30 Uhr


Nach der Befehlsausgabe meldeten sich die Bataillonskommandeure ab und setzten sich mit ihren Verbänden in Richtung des Gegners in Bewegung. Der Gefechtsstand verlegte ebenfalls 10 km weiter nach Norden. Diesmal war Georg nicht unmittelbar an Angriff beteiligt, er wollte das Geschehen hier auf dem Gefechtsstand verfolgen und lenken, da er hier die bessere Übersicht hatte. Der Mobile Gefechtsstand war in Windeseile einsatzbereit und der Beginn des Gefechts stand unmittelbar bevor. Die Position des Gegners wurde von den 3 Bataillonen in die Zange genommen und jeder der Kommandeure wusste, was er zu tun hatte. Am Gefechtstand hatte Georg lediglich eine Mechlanze zum Schutz zurückbehalten, da die Reserven der Verbände unmittelbar nachgerückt waren. Das Ganze musste heute ein Ende haben! Schon kamen Meldungen über die ersten Feindkontakte herein und die letzte große Schlacht auf dem Nordkontinent begann. Alles verlief nach Plan und wieder bewährte sich der geschlossene Einsatz seiner L/R-Jäger, die den Gegner auch in ihren gedeckten Positionen bekämpfen konnten. Ein Clanmech nach dem anderen fiel dem konzentrierten Feuer seiner Bataillone und L/R-Jäger zum Opfer. Aber der Gegner gab nicht auf und der Kampf in dem hügeligen Gelände wurde ein zähes Ringen, das sich hinzog. Aber das Ende der Falkenstreitkräfte war bereits absehbar! In spätestens einer Stunde wäre das Gefecht vorbei, stellte der General für sich fest! Plötzlich schrillte der Alarm in der Kommandozentrale. Fast ungläubig hörte sich der General die Meldung eines der Alarmposten an. Ein Mechstern der Falken marschierte geradewegs auf das mobile HQ zu und würde es in wenigen Minuten erreichen!
„Wo kommen die denn her!“ fluchte der General überrascht! Jede Verstärkung war zu weit weg um rechtzeitig hier zu sein. Doch sofort fällte er eine Entscheidung!
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 3: Barcelona 3052 Part 2: Soweit die Füße tragen

Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Norn (Nordkontinent),
2. Angriffs-RKG, Corcusant-Tundra, 210 km nordöstlich Teruel
17.04.3052, 14:03 Uhr


„Vorbei!“ schoss es ihm durch den Kopf. „Aus und vorbei!“ Sein Körper war von einer dicken Schweißschicht überzogen. Den Hitzeschwall im Cockpit, den die Abwärme seines Mechs erzeugte, lag weit über den Grenzen des Erträglichen. Der Clanmech zielte ein letztes Mal auf seinen „BUSHWACKER“ und feuerte. GenLt. Georg „Orca“ Fichtenberg spürte nicht einmal, wie die Treffer der beiden PPCs seinen „BUSHi“ durchschüttelten und seinem Mech den Rest gaben, derart benommen war er von der enormen Hitze. Fast ohnmächtig spürte er einen frischen Luftzug, als ihn die Rettungsautomatik aus dem Cockpit schleuderte und ihn mehrere hundert Meter weit von seinem sterbenden Mech wegtrug. Nach dem Aufschlag kehrte langsam das Bewusstsein wieder zurück - und die Erinnerung.


Vor einer halben Stunde hatte es Alarm gegeben. Ein Mech-Stern der Jadefalken marschierte geradewegs auf die bewegliche Befehlsstelle der 2. RKG zu. Die Claner hätten sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, da sich in diesem Augenblick nur eine VerCom-Lanze mit insgesamt 4 Mechs als Deckung bei der Befehlsstelle befanden. Das Gefecht 20 km Nordostwärts waren zwar kurz vor dem Ende, ein Sieg der VerCom-Truppen unausweichlich und der Weg nach Su Filla war dann frei! Aber immer noch wurde jeder Mech in der Schlacht gebraucht! Sein Mech, war der Einzige, der ebenfalls noch zur Verfügung stand, alle Mechkrieger an dem Mobile HQ waren Lyraner. So entschied sich Lt.Gen. Fichtenberg dafür sich, zusammen mit der Sicherungslanze, den Falken entgegenzustellen.
„Fritjoff, sie übernehmen das HQ, rücken sofort nach Nordwesten ab und übermitteln den ausgearbeiteten Op-Plan für den Abschluss der Operation an OTL. Müller. Er führt die RKG als mein Stellvertreter solange ich im direkten Einsatz bin! Ausführung!“ schrie er seinem S2Offizier zu, während er seine Uniform auszog und in die Kühlweste schlüpfte. Der Offizier bestätigte und Georg lief dann zu seinen „BUSHWACKER“, der nach wie vor sein bevorzugter Mechtyp war. Sein Mech "Skinir" begleitete ihn seit langem durch die Schlachten gegen die Clans im Melissia-Theater. Auch wenn er viele Rückschläge in den vergangenen Kampagnen hatte erleiden müssen, ihm war es immer wichtiger gewesen, so viele Truppen wie möglich intakt aus dem Fleischwolf des Clanangriffs zu retten. Eine verlorene Schlacht war noch kein verlorener Krieg! Wenn man es sich aber erlaubte seine Einheiten sinnlos zu verheizen, würde dies sonst ein weiterer Schritt zur totalen Niederlage sein!


Noch bevor er richtig saß, fuhr er "Skinir" hoch, schnallte sich an, setzte den Neurofeedbackhelm auf und gab fieberhaft die Startsequenzen ein. Der Mech erwachte und richtete sich auf. Ein kurzes Ziehen im Nacken und auch die Neurosensoren nahmen ihre Arbeit auf. Ein Blick auf das Radardisplay informierte ihn über die augenblickliche Lage. Das von der Befehlsstelle eingespielte Lagebild zeigte den Falkenstern keine 3500 m entfernt. Der General war wütend darüber, dass die Falken erst so spät aufgeklärt wurden.
"Fritjoff, ziehen sie die Befehlsstelle sofort zu den vereinbarten Koordinaten zurück, und fordern sie umgehend Luftunterstützung an! Ich werde das Kommando vorübergehend an OTL Müller übergeben, bis die Situation bereinigt ist.", wiederholte er seien vor kurzem an de S2-Offizier gegebenen Befehl, der nun der höchste Dienstgrad im HQ war. Dann rief er seinen Kameraden und Freund,
„Lucifer, hier Orca, Kommen!“
„Hier Lucifer! Kommen!“ meldete sich OTL. Georg Müller.
„Eine Falken-Lanze rückt auf das HQ vor, ich fange sie zusammen mit der Sicherungslanze ab. Solange übergebe ich dir hiermit das Kommando über die 2. RKG! KdtHptm. Fritjoff ist informiert. Er hat meine Planung für das weitere Vorgehen und unterstützt dich, bis ich wieder zurück bin. Kommen!“
„Hier Lucifer, soll ich Verstärkung schicken? Kommen!“ fragte sein Freund nach. Deutlich hörte er seine Sorge durch den Äther.
„Hier Orca! Nein! Die Vernichtung der restlichen Falken hat Priorität! Kommen!“ Der Oberstleutnant bestätigte dann seinen Befehl und auf seinen Außenschirm konnte Georg sehen, wie bereits die ersten Anstalten gemacht wurden, die Befehlsstelle abzuziehen.


Fichtenberg schaltete sich auf den Führungsfunkkreis der Mechlanze und befahl vorzurücken, um die Falken schnellstmöglich abzufangen, bevor sie die Befehlsstelle erreichen konnten. Das Kommando für das Gefecht übergab er aber dem Lanzenführer, der seine Leute besser kannte als er. Die Lanze war perfekt aufeinander eingespielt und er kam sich vor, wie das 5. Rad am Wagen. Die lyranische Lanze erreichte die Falken, bevor sie die 1500 Meter Marke unterschritten und in dem hügeligen Gelände stießen die Mechs schnell aufeinander. Da kaum die Möglichkeit vorhanden war, die maximale Waffenreichweite auszunutzen, entwickelte sich das Gefecht als gnadenloser Schlagabtausch auf mittlere und kurze Entfernung. Über einen Hügelkamm stürmte eine „SHADOWCAT“ direkt auf Georg „Orca“ Fichtenberg zu und "Skinir" dröhnte, als ein Gausstreffer seinen Torso herumriss. Der General stieß den Beschleunigungshebel vor und richtete seinen „BUSHWACKER“ auf den Gegner aus. Der Gausstreffer hatte auf seiner rechten Torsoseite fast die komplette Panzerung abgerissen. Fichtenberg feuerte einen Alpha-Strike auf die „SHADOWCAT“. Während die uAC/10 voll im Ziel lag und Panzerung vom Torso des Clanmechs riss, streifte der Strahl seines schweren Lasers nur den rechten Waffenarm der „CAT“. Die SSRM, die er vor dem Beginn des Angriffs auf Barcelona anstatt der LRM in seinen Mech hatte einbauen lassen, erwiesen sich hier als die richtige Wahl. Die Raketen zogen in den typisch korkenzieherförmigen Flugbahnen ebenfalls auf den Torso des Clanmechs und trafen teilweise sogar das Cockpit. Die Antwort des Claners ließ nicht lange auf sich warten. Er löste alle Laser aus und schälte Panzerung von der linken Seite des IS-Mechs. Das Gefecht wurde von beiden verbissen geführt, bis Fichtenberg mit seinem Laser und der uAC/10 die Panzerung der Cat durchdringen konnte und der „SHADOWCAT“ die interne Struktur im Hüftbereich zerriss. Der Clanmech stürzte vornüber, unfähig sich zu erheben. Er überflog seine Statusanzeigen, noch so einen Gegner und er würde den Platz neben dem Clanmech einnehmen. Das Gefecht hatte ihn 4 seiner 10 Wärmetauscher gekostet und er musste deshalb seine Hitzeentwicklung scharf im Auge behalten, wollte er nicht bei lebendigem Leib geröstet werden.


Das Taktikradar zeigte noch drei aktive Feindmechs und, außer seinem eigenen, noch zwei weitere einsatzfähige VerCom-Mechs. Wieder bewies sich, dass das lange Training der Clankrieger nicht umsonst war. Das Mobile-HQ war mittlerweile verschwunden und hatte sich planmäßig absetzen können. Plötzlich krachte und knisterte es, seine Displayanzeigen verzerrten sich kurz und "Skinir" erhielt einen harten Schlag von rechts. Panzerung verdampfte und 2 weitere Wärmetauscher wurden zerstört. Die Cockpittemperatur schnellte schlagartig nach oben. Von rechts stürmte eine bereits beschädigte, einarmige „NOVACAT“ auf ihn zu und hatte ihn mit 2 PPK-Treffern eingedeckt. GenLt. Fichtenberg rang nach Luft, ohne die verlorenen Wärmetauscher würde er nur noch seine AK und seine SSRM einsetzen können. Aber die Hitze, die die PPK-Treffer bei ihm erzeugen, reichte schon, um die Temperatur in den roten Bereich schnellen zu lassen. Orca konzentrierte sich und schälte mit seiner Autokanone Panzerung vom linken Bein der „NOVACAT“ ab. Der Claner ließ sich nicht beeindrucken und feuerte wieder seine Zwillings-PPK auf ihn ab. Wieder ein Treffer, Totalausfall des Feuerleitkreises der SSRM, die Hitze, die jetzt in seinem Mechcockpit herrschte war enorm. Ein weiterer Treffer, und der Clanmech würde seinen „Skinir" aufreißen wie eine Blechdose. Der General versuchte den verbliebenen Waffenarm des Clanmechs zu treffen, aber die Salve ging teilweise daneben und der Gegner wurde nur leicht durchgeschüttelt. Wieder richteten sich die PPK-Mündungen direkt auf seinen Mech,
"Vorbei!" schoss es ihm durch den Kopf. "Aus und vorbei!"


Georg Fichtenberg konnte sich nach dem Ausstieg endlich wieder bewegen und hatte sich von den Auswirkungen der Hitze halbwegs erholt. Er musste schnell handeln. Clanmechs waren selten alleine unterwegs und es war nicht unwahrscheinlich, dass sich Elementare auf dem Gefechtsfeld befanden. Diesen wollte er unter keinen Umständen in die Hände fallen. Er rollte sich von seinem Schleudersitz und packte den Rucksack mit der Notfallausrüstung und entfernte sich in Richtung Nordosten vom Schlachtfeld. 10 Minuten später kauerte er sich im Schutze eines Felsens nieder und versuchte Kontakt zu VerCom Einheiten über Funk herzustellen. Er erhielt keine Antwort.
"Scheiße!" Georg Fichtenberg nahm das Headset ab und betrachtete es. Es war beim Ausstieg beschädigt worden und unbrauchbar, damit würde er nie wieder funken können!


Er räumte die Tasche aus, zog er sich die harten Mechstiefel von den Füßen, schlüpfte in den schmucklosen Drillichanzug, der ihn besser gegen die kühle Witterung schützen konnte, als seine Shorts und die Kühlweste und zog die weichen Kampfstiefel an, die er ebenfalls immer mitführte. Er befestigte das Holster mit seiner Automatikpistole wieder an der Hüfte, nahm das Rohr und den Schaft seines Sturmgewehres aus der Kunststoffbox, verriegelte den Lauf und setzte das optische Visier auf. Zuletzt nahm er sein Jiàn aus der Tasche und warf es über den Rücken. Fichtenberg hatte nie verstanden, warum die meisten Mechjockeys quasi „halbnackt“ in ihre Mechs stiegen und sich nach dem Ausstieg gerade noch gegen eine Maus hätten verteidigen können. Als ehemaliger Infanterist fühlte er sich erst sicher, wenn er auch ein Gewehr in den Händen hatte. Allein und weitab der eigenen Einheit musste er sich wieder auf seine alten Fähigkeiten und antrainierten Reflexe verlassen, damit er wieder heil zurückkam. Als erstes nahm er das Fernglas und kletterte auf den Felsen. Der Geräuschkulisse nach, war das Mechgefecht vorbei. Aber wer war der Sieger? Bei einem VerCom-Sieg hätte er sofort zurückgehen und auf die Bergungsmannschaften warten können. Doch was er durch das Glas entdeckte, war das genaue Gegenteil. Er zählte noch zwo Mechs, alles Clanmaschinen. Also war das Gefecht wenn auch knapp zu Gunsten der Falken ausgegangen und die Lyraner alle vernichtet oder sie hatten sich zurückgezogen. Der General musste schleunigst von hier verschwinden, wollte er nicht in Gefangenschaft geraten!


Fichtenberg wendete sich nach Nordosten, in Richtung der VerCom Einheiten. Nach zwei Stunden Fußmarsch taten ihm bereits die Füße weh.
„Das kommt davon“, dachte er sich, „wenn man sich dauernd in Mechcockpits und am Kartentisch rumtreibt!“ Aber viel größere Sorgen bereitete ihm, ob der Gefechtsstand sich rechtzeitig hatte absetzen können und ob die Operation seiner RKG erfolgreich weitergeführt und abgeschlossen werden konnte. Eines war ihm klar, wenn er es nicht schnellstens schaffte, die eigenen Linien zu erreichen, würde er beim Scheitern des Angriffs alleine auf Barcelona zurückbleiben müssen! Die Dämmerung kam auf und er war immer noch weit von den eigenen Einheiten entfernt. Langsam wurde es ihm auch kalt! Nachts konnten hier die Temperaturen zurzeit unter 0° Celsius fallen. Er musste sich entscheiden, entweder durchzumarschieren oder sich einen geschützten Platz suchen. Zu seinem Glück, zählte Barcelona zu den lebensfreundlicheren Planeten der IS und er konnte bedenkenlos seinen Durst mit dem vorhandenen Oberflächenwasser löschen. Barcelona war, wie alle Planeten am äußeren Rand der Inneren Sphäre, sehr dünn besiedelt und rein auf Agrarwirtschaft ausgerichtet. Laut dem Informationsfile über den Planeten, dass er in Vorbereitung des Angriffs studiert hatte, waren die meisten Gehöfte weit verstreut und das Wegenetz auch nicht sehr dicht. Glücklicherweise gehörte es zu seinen Gewohnheiten, immer aktuelles Kartenmaterial in seinem Notfallpaket mitzuführen.
Bevor es dunkel wurde, erreichte er die letzte ihm bekannte Position eines rückwärtigen Versorgungspunktes der VerCom Einheiten, aber außer Radspuren und Mechfußabdrücken konnte er nichts mehr finden. Fichtenberg hatte es befürchtet, da aufgrund der hochmobilen Gefechtsführung im 31. Jahrhundert und der im Verhältnis zur Größe der Operationsgebiete geradezu lächerlich kleinen Truppendichte war es sehr schwierig zu Fuß die eigenen Truppen zu erreichen oder sogar zufällig auf diese zu treffen. Um sich zu orientieren bestieg er eine kleine Erhebung. 5 km im Westen befand sich eine Straße und ein Gehöft, laut Karte das Einzige in fast 30 km Umkreis. Da ihm keinerlei Kommunikationsmittel zur Verfügung standen, musste er es wagen Kontakt zur lokalen Bevölkerung aufnehmen, auch auf die Gefahr hin, auf Jadefalken-Sympathisanten zu treffen. Aus den Geheimdienstberichten und von der Bürgermeisterin von Soria wusste er, dass zwar die meisten Einwohner die Besatzung der Falken ablehnte, aber auch Teile der Bevölkerung mit ihnen kooperierten oder sie gar unterstützten.


Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch durch unwegsames Gelände entdeckte er in einer Senke vor ihm das hellgraue Band der Schotterpiste. Mittlerweile war es fast Dunkel und da Barcelona nur kleine Monde hatte, konnte ihm nur noch das schwache Licht der Sterne den Weg weisen. Er kontrollierte noch mal seine Position anhand der Karte und wand sich nach Norden. Es konnte nicht mehr weit sein. Als er die nächste Kuppe erreichte, konnte er relativ nahe ein Licht entdecken. Auch wenn er jetzt viele Verhaltensregeln brach, er musste es einfach riskieren, um wieder zurück zu seinem Verband zu kommen. Vorsichtig bewegte er sich auf das Haus zu. Er konnte keinerlei Militärfahrzeuge ausmachen, nur die übliche Ansammlung von Maschinen, die eine Ranch auszeichnete. In diesen Breitengraden konnte man nur von der Viehzucht leben und auf Barcelona hatte man für die kühlen Regionen in Polnähe besonders kälteresistente Rinder eingeführt. An der äußeren Umzäunung hielt Fichtenberg inne und versuchte mit seinem Fernglas, trotz der Dunkelheit, irgendetwas auszumachen. Durch die hell erleuchteten Fenster konnte er lediglich den Schatten einer Person ausmachen. Der General nahm vorsichtshalber seine Rangabzeichen ab und versteckte sie zusammen mit seiner Identkarte an einem Zaunpfosten. Laut seiner Uhr waren mittlerweile fast 12 Stunden seit dem Mechgefecht vergangen und dass er bisher keine weitere Gefechtstätigkeit oder Truppenbewegungen bemerkt hatte, zeigte ihm, dass der Kampf um den Planeten mittlerweile ganz wo anders tobte.


Er richtete sich auf und ging auf dem geschotterten Weg auf das Wohngebäude zu. Das Haus war ein rechteckiger Kasten, wie er millionenfach auf den Agrarwelten der IS stand und schien schon so alt zu sein, dass dieser fast von den ersten Siedlern hier hätte stammen können. Plötzlich schlug ein Hund an, auch dies war wie überall. Georg verzog den Mund zu einem leichten Grinsen. Das helle Licht im Haus erlosch und nur ein schwacher Schimmer drang noch aus den Fenstern. Offensichtlich hatten die Bewohner ebenfalls das laute Gebell gehört und reagiert. Als er am Hauseingang ankam suchte Georg Fichtenberg die Glocke oder den Klopfer oder was immer hier benutzt wurde um sich bemerkbar zu machen. Mitten auf der Türe war eine Drehklingel angebracht, die er sofort betätigte. Wenn er länger zögerte, würden die Bewohner sicher nichts Gutes von dem ungebetenen Besuch mitten in der Nacht erwarten. Er hörte wie sich hinter der Türe Schritte näherten. Das Außenlicht wurde angeschaltet und Fichtenberg blinzelte geblendet in den Türstrahler.
„Who are you?“ hörte er eine weibliche Stimme fragen.
„Ein versprengter Soldat, Madam!“ antwortete er auf Deutsch, um sich als Lyraner erkennen zu geben.
„Was wollen Sie hier bei uns, es gibt nichts zu holen!“ gab sie mit starkem englischem Akzent zurück.
„Madam ich bin allein und seit über 12 Stunden unterwegs. Hätte ich unlautere Absichten, hätte ich nicht geklingelt, vertrauen Sie mir bitte!“
„Euch Soldaten vertrauen?“ hörte er die bittere Antwort der Frau. „Wer kann schon reißenden Hunden vertrauen, treten sie zurück und legen sie ihre Waffen ab.“
„Madam, ich bin Angehöriger der VerCom-Streitkräfte und wir sind gekommen um ihre Heimat zu befreien. Sie können mir vertrauen!“ wiederholte er seine Versicherung.
„Schmeicheln sie sich hier nicht ein, treten sie zurück und legen Sie ihre Waffen ab wo ich sie sehen kann, dann könnte ich ihnen vielleicht ein bisschen Vertrauen schenken.“ Georg wusste, dass die Frau ihn beobachten konnte, deshalb versuchte er erst gar nicht zu bluffen. Er trat 5 Schritte zurück, in den vollen Lichtkegel der Eingangsleuchte und legte seine Waffen vor sich ab. Danach zog er seine Jacke aus, hob die Arme und drehte sich einmal um die Achse.
„Wie sie sehen, bin ich jetzt unbewaffnet, Madam.“ Als Antwort öffnete sich die Tür und er blickte zuerst in die große Mündung einer Schrotautomatik, wie sie vielfach in solchen Gegenden anzutreffen war. Danach richtete sich sein Blick auf die Person dahinter. Eine großgewachsene, schlanke Frau mittleren Alters trat aus der Tür. „Treten sie nochmal 8 Schritte zurück und setzen sie sich auf den Boden.“ Er befolgte auch diese Anweisungen und musterte Sie von oben bis unten. Sie hatte halblange blonde Haare und ihre Züge hatten eine gewisse Härte, wie sie das Leben weitab der Zivilisation hineinschneidet. Die Frau trat vor und warf einen kurzen Blick auf die Ausrüstungsgegenstände vor ihr.
„Seit wann hat ein Lyraner ein Schwert mit auf dem Schlachtfeld? Ist das technologische Niveau in der IS denn noch weiter gesunken?“ Georg musste grinsen.
„Nein, das ist ein Souvenir und meine Gedächtnisstütze.“
„An was soll sie denn das Schwert erinnern?" fragte die Frau nach.
„Daran, dass immer das Unverhoffte passiert und nichts sicher ist.“
„Ok, verraten Sie mir ihren Namen?“
„Hauptmann Georg Fichtenberg, Madam. Ich bin Mechjockey.“ fügte er hinzu. Die Frau bückte sich, und nahm seine Ausrüstung auf.
„Ich heiße Solveigh Friedkin, nennen Sie mich ruhig Solveigh, so wie alle hier draußen im Outback. Mir ist im Übrigen euer Krieg egal, solange man uns in Ruhe lässt, aber kommen sie jetzt rein. Es ist kalt.“ Georg Fichtenberg trat vor ihr ins Haus, während sie immer noch mit der Flinte auf ihn zielte.


Die Frau lenkte ihn nach rechts in den hinteren Bereich des Hauses zur Küche.
„Setzen Sie sich auf den Stuhl da, Mister Fichtenberg und erzählen Sie mir mal ihre Geschichte.“ Er kam nur zu gerne ihrer Aufforderung nach und teilte ihr seine Erlebnisse seit der Landung auf Barcelona mit. Dabei ließ er alles weg, das mit seinem Kommando zu tun hatte und gab sich als Hauptmann aus. Irgendwann im Laufe seiner Schilderung nahm Solveigh ihre Waffe hoch und legte sie griffbereit neben sich.
„Sie wollen also, dass ich Ihnen helfe, Kontakt zu ihrer Einheit aufzunehmen?“
„Ja“, erwiderte er. „wenn das möglich ist. Leben Sie alleine hier?“
„Nein, zusammen mit meinen beiden Kindern. Die sind zurzeit aber im Internat. Um diese Jahreszeit gibt es nichts zu tun, so sind unsere Landarbeiter auch nicht da.“
„Haben Sie kein Vieh? Das ist doch eine Ranch!“ fragte Fichtenberg.
„Das habe ich alles an die Nachbarn verpachtet, die paar Büffel, die ich noch habe, kann ich im Stall alleine über den Winter bringen. Seit mein Mann vor 2 Jahren getötet wurde, bewirtschafte ich das Gut alleine.“ Fichtenberg versuchte das Gespräch am Laufen zu halten, fragte weiter nach und gab auch selbst auf die Fragen der Rancherin Auskunft. Er erfuhr, dass der Mann Solveigh Friedkins vor 2 Jahren bei einem Überfall von lyranischen Widerstandskämpfern ermordet wurde, da er sie nicht gegen die Clanbesatzer unterstützen wollte. Solveigh starrte ihn anklagend an,
„Wie konnten sie das nur tun. Er war völlig unbeteiligt und wollte weder mit den Clanern noch mit dem Widerstand was zu tun haben! Sie warfen ihm vor, ein Verräter zu sein, dabei ist es hier draußen im Outback doch völlig egal, wer den Planeten regiert.“ Georg Fichtenberg schüttelte den Kopf. Von solchen sinnlosen Terrorakten fanatischer Freischärler hatte er schon oft auf verschiedenen Welten gehört. Teilweise standen sogar ganz andere Interessen hinter solchen Aktionen und wurden hinterher lediglich mit dem patriotischen Mantel behängt, um sie zu rechtfertigen.


„Madam, ich kann nachvollziehen, was sie durchgemacht haben. Ich selbst habe meine Familie gewaltsam, bei einem Clan-Angriff auf meine Heimat verloren. Und ich billige trotzdem solche Terrorakte nicht.“ Die Frau verzog zynisch ihren Mund,
„Das sagen sie nur so. Warum soll ich ihnen das glauben? Sie kämpfen doch, um Claner zu töten und bringen dabei wiederum nur Leid auf die Welten, die sie vorgeben schützen zu wollen.“
„Krieg ist grausam, Mrs. Friedkin, ich wäre aber nie hier, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass es besser ist, die Claner wieder zu vertreiben. Ihr Gesellschaftssystem, ihre Werte, ihr Handeln sind Dinge die ich nur ablehnen kann, weil sie jede Individualität tötet. Der Hass hat mich nach dem Tod meiner Familie in die Streitkräfte zurückgebracht, aber diesen habe ich schon lange verloren, denn auch die Claner selbst sind Opfer ihres eigenen Systems.“
„Salbungsvolle Worte, Mister! Das überzeugt mich noch nicht! Warum kann man uns nicht einfach in Ruhe lassen?“ Georg Fichtenberg schaute Sie an und entdeckte Züge an ihr, die sein Interesse weckten.
„Mrs. Friedkin, wollen Sie mir nun helfen?“
„Sie dürfen sich erstmal hier ausruhen, heute Nacht können sie oder ich sowieso nichts mehr tun. Ich denke ich kann ihnen soweit trauen, dass ich ihnen ihre Ausrüstung, außer den Waffen zurückgebe und sie hier schlafen lasse. Wollen sie was Essen?“ Natürlich, welche Frage! Er hatte seit über 15 Stunden nichts mehr zu sich genommen. Während des Essens kamen Sie über belanglosere Dinge ins Gespräch und er bemerkte, dass er sich in der Gesellschaft Solveigh Friedkins immer wohler fühlte. Obwohl, oder gerade, weil sie in einigen Dingen völlig anderer Meinung war. Nach dem Mahl holte sie den Hund ins Haus und band ihn im Flur zur Treppe an.
„Damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen!“ meinte seine Gastgeberin und er musste Grinsen. Sie wies ihm ein Zimmer hinter der Küche als Schlafplatz zu.
„Über die Claner brauchen sie sich keine Sorgen zu machen, die waren erst vor kurzem da und die lassen sich hier normalerweise nur alle paar Wochen blicken.“




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Norn (Nordkontinent), Corcusant-Tundra, Three Stars Ranch
18.04.3052, Früher Morgen


Nach einer unruhigen Nacht wurde Georg Fichtenberg früh am Morgen durch ein Klappern aus der Küche geweckt. Er stand langsam auf und entdeckte in der Kammer eine Waschgelegenheit. Nach dem er sich frisch gemacht hatte und wieder in den Drillich gestiegen war, ging er in die Küche.
„Kann ich ihnen helfen?“ fragte er die Rancherin.
„Ja, kommen sie mit in den Stall, dort sind die Büffel zu versorgen.“ Eine Stunde später saßen sie wieder in der Küche und frühstückten. Fichtenberg genoss diese Ruhe, die er schon so lange vermisst hatte, doch die Pflicht rief!
„Mrs. Friedkin, ich möchte sie nicht über Gebühr belasten. Wann und wie können sie mir weiterhelfen?“
„Das Problem wird sein, wie wir die VerCom-Einheiten erreichen, die stehen nicht mehr im Telefonbuch und - nennen sie mich Solveigh. Aber schauen wir mal, was die Nachrichten sagen.“ Georg Fichtenberg lachte,
„Gut aber dann lassen sie auch bei mir die Förmlichkeiten weg, ich bin Georg.“ Gespannt verfolgte er dann die Vid-Frühnachrichten, die selbstverständlich die Geschehnisse (noch) aus Sicht der Clanbesatzer zeigten. Die Kämpfe auf dem Nordkontinent hatten sich bereits über 250 km nach Nordosten verlegt, und selbst aus den beschönigenden offiziellen Berichten, die er sah, konnte er erkennen, dass die Operation auf Barcelona für das Vereinigte Commonwealth sehr erfolgreich verlief.
„Scheint so, als ob die Claner das schlechtere Ende erwischt haben.“ sagte er. „Solveigh, unsere Leute treiben die Jadefalken vor sich her, sie sind auf dem Rückzug. Alle Ziele die mein Verband nehmen sollte, wurden erreicht!“ Solveigh starrte ihn an.
„Georg, woher weißt du, was die Generäle planen?“
„Ich war direkt am Hauptquartier beschäftigt, da bekommt man einiges mit.“ erwiderte er. Aber insgeheim beruhigte es ihn, dass seine Planung so hervorragend funktionierte. Solveigh schaltete nach den Nachrichten den Vid-Schirm aus und den lokalen Radiosender ein.
„... vertrieben. Murdoch wurde von den Falkenbesatzern geräumt und VerCom-Einheiten sind in der Stadt. Wir sind frei! ...“ plärrte es aus dem Lautsprecher. Fichtenberg erinnerte sich an die Karte. Murdoch war die nächste größere Siedlung, etwa 110 km von hier entfernt. Wenn diese Meldung zutraf, so musste er lediglich nach Murdoch gelangen und er war wieder bei der Truppe.
„Wie kann ich nach Murdoch kommen, Solveigh?“
„Das sind 2 Stunden zu fahren, wenn alles glattgeht.“ Sie dachte kurz nach, „Ok, Georg, ich fahre dich hin. Ich muss sowieso einiges besorgen und meine beiden Kinder wollte ich auch die Tage besuchen. Sie sind in einem Internat in Murdoch.“
„Ich sollte aber während der Fahrt nicht diese Uniform tragen. Falls wir versprengten Falken in die Arme laufen, wäre das sehr ungesund.“ Solveigh stand auf und bedeutete ihm, dass er ihr folgen sollte. Im oberen Stock ging sie an einen Schrank, in dem sie noch Kleider ihres Mannes aufbewahrte und öffnete ihn. Er suchte sich ein paar Allerweltskleidungsstücke aus und zog sie an. Ihr Mann musste seine Statur gehabt haben, es passte alles. Solveigh bleib am Ende des Flures stehen und schaute ihm zu. Plötzlich drehte sich um, verschwand in einem Raum und schloss die Tür. Fichtenberg konnte ein leises Schluchzen durch die Tür hören.


Eine halbe Stunde später fuhren sie ab. Fichtenberg hatte seine Ausrüstung unter einer Abdeckung verstaut und behielt nur seine Pistole in Reichweite, was hier draußen auch nicht weiter auffällig war. Während der eintönigen Fahrt über die Buckelpiste, die die abgelegenen Ranches der Gegend mit dem Rest der Welt verband, unterhielten sich die beiden und tauschten offen ihre Ansichten aus. Je länger er mit Solveigh sprach desto mehr bedauerte er, dass sich ihre Wege in Murdoch wieder trennen würden. Sie war ein interessierter und intelligenter Gesprächspartner und erinnerte ihn in manchen Dingen sehr an seine tote Frau, die er vor Jahren bei dem Überfall der Stahlvipern auf seine Heimat verloren hatte.
"Noch 30 km, dann sind wir da." kündigte Solveigh an, "Schätzungsweise noch eine halbe Stunde, da die Straße gleich besser wird." Der Wagen quälte sich gerade eine Steigung hinauf als ihnen plötzlich ein quer gestellter Militärjeep den Weg versperrte. Hinter dem Jeep traten 4 Männer mit Gewehren im Anschlag hervor, die ihnen unmissverständlich bedeuteten, stehenzubleiben.
"Aussteigen, mit erhobenen Händen!" bellte der Anführer der Vier, ein gedrungen gebauter Mitfünfziger mit schwarzen Haaren. Angesichts dieser Situation, hatten Solveigh und Georg keine Wahl als der Anweisung Folge zu leisten.
"Das sind die Kerle, die meinen Mann auf dem Gewissen haben." zischte Solveigh, bevor sie aus dem Wagen ausstiegen. Die linke Augenbraue des Anführers erhob sich überrascht.
„Ach, wen haben wir denn da? Solveigh Friedkin, die mit allen Clanern gut Freund sein wollte! Wen hast du denn da bei dir? Einen Clanspion? Den Kerl habe ich hier in der Gegend noch nie gesehen!" Die Männer waren mittlerweile auf sie zugekommen und einer hatte sich direkt hinter Georg aufgebaut.
"Ich bin Angehöriger der VCS", warf er ein. "Mrs. Friedkin ist so freundlich und bringt mich nach Murdoch zu dem Militärposten, der dort sein soll." –
"Wer hat dich den gefragt," der Anführer blickte ihn wütend an, "und warum trägst du keine LAS-Uniform, du Spion?" Ein kurzer Wink und Georg Fichtenbergs Gedanken explodierten, als der hinter ihm stehende Freischärler den Gewehrkolben auf den Hinterkopf schlug.


Langsam kehrte sein Bewusstsein wieder zurück, sein Kopf dröhnte und fühlte sich an, als ob er mit einem „DAISHI“ zusammengestoßen wäre. Irgendetwas in seinem Unterbewusstsein befahl aber seinem Körper still liegen zu bleiben. Die Geräusche die an sein Gehör drangen, ließen ihn schlagartig erwachen. Deutlich konnte er hören, dass die Freischärler scheinbar wie die Tiere über Solveigh herfielen. Georg öffnete vorsichtig seine Augen und prüfte, ob einer der Männer auf ihn aufpasste. Doch er konnte nur die Beine von einem Mann erkennen, der auf der anderen Seite ihres Wagens stand. Er hob vorsichtig den Kopf und ihn durchzuckte ein brennender Schmerz am Hinterkopf. Langsam tastete er die Wunde ab und stellte fest, dass die Blutung bereits aufgehört, er aber eine schmerzende Beule davongetragen hatte. Er blickte sich um, während er bewusstlos war, hatten die Kerle den Wagen ausgeräumt und alles auf den Boden geworfen. Direkt neben ihm lag sein Jian, von den anderen Waffen war nichts zu sehen. Scheinbar nahmen sie das Schwert nicht als Waffe ernst. Langsam und geräuschlos zog er die Klinge aus der Scheide und bewegte sich von hinten auf den ahnungslosen Wachposten zu.


„Hey, lasst mir auch noch was von ihr übrig!" rief dieser gerade seinen Kameraden zu und verfolgte mit perversem Interesse die Vergewaltigung. Georg Fichtenberg war jetzt in perfekter Position, alle Freischärler konzentrierten sich auf das grausame Schauspiel und hatten ihn völlig vergessen. Georg konzentrierte sich auf seine erworbenen und antrainierten Fähigkeiten mit dem Jian und hob die Waffe. Die Klinge beschrieb einen blitzenden Kreis, der im Nacken des Postens endete und trennte mit einem scharfen Schnitt fast den Kopf vom Rumpf. Georg stürzte vor und brachte dessen Sturmgewehr an sich. Einer der anderen Männer drehte sich gerade zu seinem Kameraden um und riss überrascht seine Waffe hoch. Mit einem kurzen Feuerstoß setzte Georg auch seinem Leben ein Ende. Von den Schüssen aufgeschreckt erhoben sich die beiden letzten Guerillas und griffen nach ihren Gewehren.


"Freeze!" befahl Fichtenberg mit harter Stimme. "Waffen fallen lassen und langsam zu mir umdrehen." Der Chef der Bande und ein weiterer großer hagerer Mann drehten sich langsam zu ihm um. Der Anblick war gerade zu lächerlich. Beide standen mit heruntergelassenen Hosen da und starrten in die Mündung seines Gewehres. Eben noch arrogant und herablassend, kam ihnen der kalte Schweiß der Angst auf die Stirn.
„Machen Sie keine Dummheiten, Mann." rief ihm der Anführer zu. Georg ging langsam vor, ließ die Beiden dabei nicht aus den Augen und ließ sie von Solveigh zurücktreten, die leise in der Senke neben der Straße stöhnte. Nach ein paar Schritten konnte er einen kurzen Blick auf sie werfen und was er sah, ließ eiskalte Wut und blanken Hass in ihm aufsteigen. Sofort und ohne nachzudenken zog er den Abzug durch und kam erst wieder zu Verstand, als das Magazin leer war und mit einem lauten „Klack“ der Verschluss des Gewehres offenblieb. Mit Abscheu blickte er auf die beiden von Kugeln zerfetzten Leichen hinab und überzeugte sich davon, ob sie auch wirklich tot waren. Sofort kümmerte er sich dann um Solveigh, die sehr schlimm zugerichtet war. Er versorgte sie so gut es ging und versuchte sie zu beruhigen. Er hoffte, dass sie dieses traumatische Erlebnis eines Tages würde überwinden können!


Nachdem Georg Solveighs äußere Wunden versorgt hatte und sie sich kurz um die Platzwunde an seinem Hinterkopf gekümmert hatte, war es Zeit, sich für die Weiterfahrt zu rüsten. Er packte die gesamte Ausrüstung wieder in den Wagen Solveighs und durchsuchte auch den Jeep der Freischärler nach Brauchbarem. Die Guerillas selbst hatte er nur kurz gefiltzt, um ihre Identität festzustellen. Nachdem er den Jeep von der Straße gefahren hatte, half er Solveigh auf und setzte sie auf die Beifahrerseite ihres Wagens uns fuhr los. Langsam löste sich der Schock bei ihr und sie begann hemmungslos zu weinen. Georg Fichtenberg redete während der Fahrt beruhigend auf sie ein und hoffte sie auch wenig ablenken zu können, indem er sie auf ihre Kinder ansprach. Nach kurzer Fahrt stoppte er aber den Wagen, um sich besser um sie kümmern zu können, denn sie war ihm im Augenblick wichtiger, als die Tatsache, dass sie kurz vor Murdoch waren.
Er legte einen Arm um sie und Solveigh weinte sich an seiner Schulter aus. Eine halbe Stunde später hatte sie sich soweit beruhigt, dass sie wieder normal wirkte.
„Können wir weiterfahren?" fragte er. Sie nickte bestätigend.
„Erzähle bitte meinen Kindern nichts davon, falls du sie sehen solltest."
„Keine Angst, das werde ich sicher nicht tun. Du weißt am besten, ob überhaupt und wann du es ihnen erzählen kannst." Er startete den Wagen und mit einem Aufheulen des Motors setzten sie die Fahrt fort. Nach 15 ereignislosen Minuten erreichten sie eine Anhöhe, von der sie auf Murdoch hinabsehen konnten.
"Jetzt kommt es darauf an, ob die Nachrichten richtig waren. Bei den Kerlen vorher habe ich keinen Hinweis auf die Anwesenheit der VCS gefunden." Er fuhr weiter auf die Stadtgrenze zu und wurde bereits am ersten Haus von Murdoch angehalten.


Gen.Lt. Fichtenberg atmete erleichtert auf, als sich ein Feldwebel der VCS-Infanterie auf seinen Wagen zubewegte.
"Ausweise bitte!" forderte sie der Posten auf.
"Ich denke meine ID-Karte reicht für uns beide Herr Feldwebel!" meinte Fichtenberg als er seinen Militärausweis dem Infanteristen unter die Nase hielt. Solveigh blickte überrascht auf, als der Soldat plötzlich strammstand und ihn mit „Herr General“ ansprach.
„Welche Einheit ist in Murdoch?"
„Die 1. und 3. Kompanien und der Bataillonsstab des 1. Mobilen Infanteriebataillons, Herr General."
„Wo ist das Feldlazarett?" fragte er nach und blickte kurz zu Solveigh.
„800 m die Straße runter, dann links im lokalen Krankenhaus."
„Melden sie ihrem Kommandeur, dass ich da bin und teilen sie ihm mit, dass er mich dort treffen soll." Der Feldwebel grüßte und Georg Fichtenberg fuhr zum Krankenhaus weiter.
„Solveigh, du solltest erst einmal zum Arzt gehen, bevor du etwas anderes machst."
„Warum nannte der Soldat dich General?" fragte sie.
„Nun, ich bin der Oberkommandierende der 2. VCS-Invasions-RegimentsKampfGruppe und ich habe dir das natürlich verschweigen müssen, auch um dich nicht mit diesem gefährlichen Wissen zu belasten."
„Du hast mich belogen!" stellte sie fest.
„Ja, aber es musste sein, nicht zuletzt um dich zu schützen, falls wir auf Jadefalken gestoßen wären." Da erreichten sie das Krankenhaus und er bog in die Auffahrt ein. Solveigh und er stiegen aus und zusammen gingen sie in das Gebäude zur Anmeldung. Die Schwester rief sofort nach dem Arzt als Solveigh ihr kurz mitteilte, was ihr zugestoßen war. Er verabschiedete sich von ihr, als sie zur Untersuchung weggeführt wurde.
„Wo kann ich mich mal umziehen?" fragte er einen Pfleger, der gerade an ihm vorbeieilte. Dieser zeigte ihm nach einem kurzen Blick auf seinen Ausweis einen kleinen Raum und der General zog seinen Drillich wieder an und befestigte seine Abzeichen wieder an der Jacke. Als er den Raum verließ, betrat gerade der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Rickenbakker, den Empfangsraum.
Da sich die beiden Männer persönlich kannten, marschierte dieser schnurstracks auf ihn zu und meldete sich.
„Herr General, sie leben? Wir hatten seit 36 Stunden keinen Kontakt mehr zu ihnen und jede Suche blieb ergebnislos. Wir dachten schon, sie seien den Jadefalken in die Hände gefallen. Wie sind sie hergekommen?" Fichtenberg erlaubte sich ein Lächeln.
„Zum Glück nicht. Man hat mir weitergeholfen, aber zuerst musste ich einen langen Marsch machen. Wie ist die Lage?" Der Kommandant schilderte in knappen Worten die derzeitige Situation und meinte zum Schluss:
„In spätestens 2 Tagen haben wir die Claner besiegt und der Nordkontinent ist frei!"
„Da hätten sie ja auf mich noch ein wenig verzichten können." erwiderte Georg Fichtenberg schmunzelnd. „Informieren sie OTL Georg Müller und das HQ, dass ich hier bin und sorgen sie für ein Taxi zum Hauptgefechtsstand der RKG."
„Wollen sie nicht zu unserem Gefechtsstand mitkommen?" fragte er den General, als dieser keine Anstalten machte, das Krankenhaus zu verlassen.
"Nein, ich muss kurz hier eine Platzwunde behandeln lassen, außerdem habe ich mich noch bei jemandem zu bedanken." Der Kommandant grüßte,
„Draußen steht ein Fahrzeug mit Fahrer für Sie." sagte er noch und verließ das Krankenhaus.
Georg ließ seine Wunde am Hinterkopf behandeln und fragte dann am Empfang nach Solveigh Friedkin.
„Die Dame ist vor 5 Minuten gegangen." bekam er zur Antwort, „Wir soll ihnen aber mitteilen, dass sie in das städtische Internat zu ihren Kindern gefahren ist. Sie könnten sie dort treffen, hat Mrs. Friedkin mir mitgeteilt." Er ließ sich noch den Weg erklären und trat dann vor das Gebäude.


„Herr General, ich bin ihnen zugeteilt worden", meldete sich ein Gefreiter bei ihm, „soll ich sie zum Gefechtstand bringen?"
"Nein, zum städtischen Internat!" gab ihm Georg Fichtenberg zur Antwort. Etwas verwirrt setzte sich der Fahrer in seinen Jeep und fuhr los, nachdem Fichtenberg ebenfalls in den Wagen gestiegen war.
Nach kurzer Fahrt hielten sie vor einem flachen Betonbau an dessen Seite sich ein Sport- und ein Spielplatz befanden. Solveighs Wagen stand ebenfalls am Straßenrand.
„Warten Sie hier!", befahl Fichtenberg dem Fahrer und betrat das Schulgebäude. Er fragte sich bis zu Solveigh durch.
„Hallo, hier bist du!" sprach er sie an.
„Wer bist du denn?" fragte ihn ein knapp 7 Jahre altes brünettes Mädchen.
„Meine Tochter Freja und das ist mein Sohn Leif." stellte Solveigh ihre beiden Kinder vor. Dabei zeigte Sie auf einen ungefähr 12 jährigen, stupsnasigen Jungen mit Sommersprossen und roten Haaren. „Das ist der Mann, der mich nach meinem Unfall gefunden und hergebracht hat!" sagte sie und deutete auf Georg Fichtenberg.
„Sind sie ein echter General?" fragte ihn Leif mit leuchtenden Augen. Fichtenberg nickte und fragte,
„Darf ich eure Mutter kurz unter vier Augen sprechen? Es dauert nicht lange!" Die Kinder nickten und die beiden Erwachsenen gingen zur anderen Seite des Raumes.
„Solveigh, ich muss in spätestens einer Stunde aus Murdoch weg und möchte mich noch bei dir für deine Hilfe bedanken.“
„Ist schon gut. Ich möchte auch dir danken. Das hätte mir auch passieren können, wenn ich ohne dich unterwegs gewesen wäre. Diese Schweine hätten mich genauso erwischt und dann wäre ich jetzt tot!"
„Kann ich dir in irgendeiner Weise helfen? Ich habe hier einen gewissen Einfluss." sagte er grinsend. Solveigh schüttelte den Kopf. „Gehst Du zurück auf deine Ranch?" fragte er dann.
„Vorläufig nicht, ich warte hier bis sich alles beruhigt hat und ich mich wieder besser fühle. Meine rinder könne auch ein paar Tage ohne mich auskommen." Er schaute in ihre blauen Augen und lächelte sie an.
„Darf ich dich auch mal tagsüber besuchen kommen?"
„Gern, ich würde mich freuen." Georg zog einen Notizblock aus der Tasche und schrieb seine Dienstnummer und seinen vollen Namen darauf.
„Hier, falls du mich erreichen willst. Mit diesen Angaben kannst du mir jederzeit eine Nachricht zukommen lassen." Solveigh faltete den Zettel und steckte ihn ein und gab ihm dafür eine Karte mit ihren Adressdaten.
„Ich muss los." sagte Georg Fichtenberg verlegen und Solveigh trat auf ihn zu.
„Danke nochmals für deine Hilfe!" sagte sie ihm und umarmte ihn kurz. „Melde dich, falls es dich zufälligerweise wieder in die Peripherie verschlägt." Georg Fichtenberg verabschiedete sich und verließ das Internat. Er hoffte, dass er Solveigh nicht das letzte Mal in seinem Leben gesehen hatte. Aber wer weiß, was das Leben bringt! Er setzte sich in den Jeep.
"Zum Bataillonsgefechtsstand!" befahl er dem Gefreiten, der auf ihn wartete und fuhr wieder seinen Aufgaben entgegen.
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 3: Barcelona 3052 Part 3: Undank ist der Welten Lohn


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent Norn, Murdoch
Bataillonsgefechtsstand 1. Mob. Infanteriebataillon
18.04.3052, 15:35 Uhr


Georg hatte sich an der Lagekarte von dem Bataillonskommandeur einen vollständigen Lagevortrag geben lassen und war nun im Bilde. Die beiden Clan-Mechs, die den Angriff auf das mobile HQ überstanden hatten, waren mittlerweile gestellt und vernichtet worden. Von den Mechkriegern der lyranischen Lanze hatten nur zwei weitere schwer verletzt überlebt und waren aus den Händen der Jadefalken befreit worden. Die 2. RKG jagte die letzten versprengten Teile des Solahma-Clusters in Richtung von Su Filla, dem Bergbauzentrum Barcelonas. Sein Vertreter OTL. Müller rechnete mit dem Abschluss der Operation innerhalb von 24 Stunden. Auch auf dem Südkontinent stand der Sieg kurz bevor. Von GenLt. Adam Steiner hatte ihn hier ein kurzes Memo erreicht, indem er ihm zu seiner Rettung gratulierte. Vor dem Gefechtsstand hörte Georg plötzlich den Lärm eines landenden Transporters.
„Herr General, ihr Taxi zum Hauptgefechtsstand ist da!“ sagte OTL. Rickenbakker zu ihm.
„Dann will ich ihre Gastfreundschaft nicht länger strapazieren Herr Rickenbakker!“ gab Georg zurück. „Durchkämmen sie die Umgebung nach Freischärlern und versprengten Clanern!“ erinnerte er ihn noch.
„Selbstverständlich Herr General! Was ihnen zugestoßen ist, darf sich nicht wiederholen!“ bestätigte der Offizier. Gen. Fichtenberg nickte ihm zu und grüßte ihn kurz, bevor er den Gefechtsstand in Richtung des VSTOL-Transporters verließ.


Ca. 45 Minuten später setzte der Transporter zur Landung an und ging 300 m vom Hauptgefechtsstand bei Su Villa nieder. Kaum dass sich die Luke geöffnet hatte, sah Georg seinen alten Freund OLT. Müller, der bereits außerhalb der Downwash-Zone des landenden Transporters zusammen mit dem Kommandanten des Gefechtsstandes auf ihn wartete. Schnellen Schrittes ging Georg auf seinen Namensvetter zu, dieser nahm Haltung an und meldete ihm:
„Herr General, es freut mich sie gesund wiederzusehen!“
„Danke, darüber bin ich selber sehr froh!“ grinste Georg und grüßte zurück. „Schon was von Gen. Steiner gehört?“
„Jawohl Herr General, sie sollen sich so bald als möglich mit ihm direkt in Verbindung setzen. Soll ich das organisieren?“
„Erst will ich einen Lagevortrag! Ich will genau wissen, was seit dem Angriff auf das HQ passiert ist.“ erwiderte Georg, „Dann rede ich mit General Steiner!“ Sein Freund nickte.
„Das habe ich mir schon gedacht, bitte folgen sie mir!“ dabei zeigte er auf das HQ. Eine Stunde später beendete OTL. Müller den Lagevortrag und schloss,
„Dank ihrer Vorplanung konnten wir alle Ziele erreichen. Wir erwarten in spätestens 10 Stunden die Meldungen, dass der Nordkontinent feindfrei ist! Auch auf Moira, dem Südkontinent steht man kurz vor Abschluss der Operation. Zumindest ist die Presse schon dort und meldet bereits die erfolgreiche Rückeroberung Barcelonas!“ Dann verzog sein Stellvertreter missbilligend das Gesicht, „Wenn man die Presseberichte liest und ansieht meint man, Adam Steiner hätte Barcelona im Alleingang erobert! Wir werden nur am Rande erwähnt!“
„Gute Arbeit!“ lobte ihn Georg Fichtenberg. „Das gilt für die gesamte 2. Einsatz-RKG! Aber dass sich die Presse auf Adam Steiner stürzt, damit war fast zu rechnen! Immerhin ist er ein Steiner!“
„Und bastelt eifrig an seiner eigenen Legende!“ knurrte OTL. Müller so leise, dass es nur Gen. Fichtenberg hören konnte, der neben ihm an der Lagekarte stand.
„Da muss ich dir leider Recht geben! Für uns wird es in den Geschichtsbüchern nur wenig Platz geben!“ bestätigte er seinen Freund. Auch wenn Georg Fichtenberg von Adam Steiner als Soldat und Offizier viel hielt, war er sich sehr sicher, dass er auch hart daran arbeitete in den engsten Führungskreis des VerComs und Tharkads vorzustoßen und diesbezüglich war er sicher auch bereit alle anderen in den Hintergrund zu drängen, damit nur er erstrahlt!




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent Norn, Su Filla, CHQ 2. RKG
19.04.3052, 10:27 Uhr


„Gerade ist die Bestätigung hereingekommen! Alle Einheiten melden den Abschluss ihrer Search & Destroy–Operationen. Der Nordkontinent ist feindfrei. Alle verbliebenen Claner haben sich ergeben, das sind aber mit Masse Zivilisten!“ meldete KdtHptm. Fritjoff.
„Gut!“ sagte der General und nickte. Er wandte sich dann an den KomOffizier. „Stellen sie eine Verbindung zu General Steiner her, ich werde ihm das direkt melden!“
„Jawohl Herr General! Ich werde ihnen die Verbindung an die Kom-Station dort drüben legen, sofern es ihnen Recht ist!“ dabei zeigte er auf eine Station, die man mit einer schweren Zeltplane vom Rest des Gefechtsstandes trennen konnte. Der General nickte betätigend.
„Melden sie, wenn die Verbindung steht!“ gab er zurück. Keine 5 Minuten später bekam er die Meldung und Georg Fichtenberg ging zur Station, zog die Plane zu und setzte sich. Kurz darauf erschien das Gesicht Adam Steiners auf dem Display.
„Herr General, melde ihnen den Abschluss der Operation auf Norn. Wir haben den Kontinent vollständig unter Kontrolle. Alle verbliebenen Clankräfte haben sich ergeben. Die meisten sind aber nicht Angehörige der Kriegerkaste! Die Krieger haben es vorgezogen in den Untergang zu gehen!“
„Das sind gute Nachrichten. Der Südkontinent Moira ist ebenfalls befreit! Die Rückeroberung von Barcelona ist damit abgeschlossen! Dies habe ich bereits nach Tharkad und New Avalon gemeldet!“
„Schon?“ gab Fichtenberg zurück und hob eine Augenbraue.
„Gute Nachrichten müssen unter die Leute gebracht werden!“ bestätigte Steiner.


„Aber eines müssen sie mir noch verraten“, fragte Adam Stainer, „was hat sie dazu bewogen das Mobile HQ mit ihrem Mech zu verteidigen. Ihre Antwort auf die gleiche Frage bei unserem letzten Gespräch war mir zu knapp!“ Dabei starrten ihn Adam Steiners eisblaue Augen an.
„Ich wollte nicht meine Kameraden alleine in den Untergang marschieren lassen. Mit 5 Mechs hatten wir eine reele Chance den Falken-Stern zu schlagen. Fast wäre es auch gelungen, aber wir konnten sie aufhalten und dem HQ mit der gesamten GefStd.-Kp. das Entkommen ermöglichen! Die Planung der nachfolgenden Operation hatte ich bereits abgeschlossen und mein Stellvertreter OTL. Georg Müller war mehr als fähig, diesen Plan auszuführen, was er dann auch mustergültig unter Beweis gestellt hat! Hätte ich nicht mit meinem Mech eingegriffen, hätten die Falken das HQ vernichtet und mich dann alleine gestellt und besiegt! Was das für die Moral meiner Truppen bedeutet hätte, brauche ich ihnen wohl nicht auszuführen! Ein Oberkommandierender der wegläuft, so verstehe ich meine Pflicht nicht! Um es mal klar zu sagen, sie sind auch nicht gerade das, was man als Etappenkommandeur bezeichnet, wenn man dem Glauben schenken darf, was ich über sie höre!“ Gen. Steiner lachte leise auf,
„Nein, da haben sie wohl recht! Trotzdem hat ihre Handlungsweise im Oberkommando Fragen aufgeworfen, nachdem ich diese gemeldet hatte! Vor allem der KG des Melissia-Theaters war ungehalten!“ gab Gen. Steiner zurück.
„Das wundert mich nicht im Geringsten!“ brummte Georg. Georg kannte den Mann, GeneralHauptmann Wiczorek, der diesen Posten nur seinen hervorragenden Verbindungen zur Grumman Corporation verdankte, die im Melissia-Theater mehrere wichtige Industriestandorte unterhielt. Seine rein militärische Kompetenz war eher übersichtlich, freundlich ausgedrückt! Danach tauschten sie sich noch über die abgelaufene Operation aus. Das Fazit, das Georg aus den ihm zur Verfügung stehenden Daten zog war, dass auf dem Südkontinent Moira weniger Clantruppen gestanden hatten und Gen. Steiners 1. RKG höhere Verluste erlitten hatte, als seine 2. RKG. Letztlich war Georg sehr zufrieden mit dem Ablauf seiner Operation hier im Norden!




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Su Filla, CHQ 2. RKG
30.04.3052, 11:00 Uhr


Gerade hatte Georg seinen abschließenden Tagesbefehl dem Kom-Offizier des Gefechtsstandes übergeben, um ihn an alle Einheiten und Verbände der 2. RKG zu senden. Ab 14:00 Uhr würden die Landungsschiffe wieder in den Himmel steigen und die 2. RKG, sein Kommando, würde aufhören zu existieren! Nur sein Bataillon würde noch 6 – 8 Wochen länger auf Barcelona verbleiben, da die Transportkapazität der derzeit im Barcelona-System befindlichen Sprungschiffe nicht ausreichte. Eigentlich rechnete er damit, dass ihm sein vorläufiger Dienstgrad dann wieder aberkannt und er mit seinem Bataillon wieder der 32. Lyranischen Garde auf Solaris unterstellt werden würde. Sicher ging die Reise dann nicht nach Solaris, sondern in ein anderes System, so wie vorher. Sein Bataillon war vor der Operation auf Barcelona nach dem Vorbild eines Mech-Bataillons der alten Vereinigten Sonnen aufgestellt und verstärkt worden. Das war auch der Grund, warum er als Oberst Bataillonskommandeur war und das gerade er, als Seiteneinsteiger in die Mechtruppe, diesen Verband führte. Gehörten ihm doch neben den vier Mech-Kompanien auch eine zusätzliche Panzerkompanie und zwei Infanteriekompanien an. Sogar eine kleine Pionierkompanie und eine Logistik-Einheit hatte er im Bataillon! Sein Bataillon hatte eher das Format einer Brigade oder „kleinen“ RKG und war zu eigenständigen Operationen fähig. Er brannte darauf, mit seinem Verband wieder an der Clan-Front eingesetzt zu werden! Dafür hatte er sich damals schließlich wieder in die Streitkräfte einstellen lassen!


„Herr General“, meldete sich Hptm. LaRouse, der Führer der Gefechtsstandkompanie bei ihm, „die Generalgouverneurin von Barcelona ist hier und würde sie gerne sprechen!“
„Was möchte sie?“ fragte er nach. Kurz nach der endgültigen Niederlage der Falken war eine neue zivile Regierungsstruktur installiert worden, mit einem Generalgouverneur an der Spitze, den die Vertreter der Kommunen in der kommunalen Generalversammlung gewählt hatten. Dies war fast vollständig an Georg vorbei gegangen, hatte er doch den Abzug seiner RKG vom Planeten zu organisieren.
„Das wollte sie mit ihnen persönlich unter vier Augen besprechen Herr General!“ erwiderte der Offizier.
„Herr LaRouse, dann bringen sie sie in meinen Bereitschaftraum!“
„Jawohl Herr General!“
2 Minuten später betrat eine großgewachsene, kräftige Frau den durch eine Plane vom Gefechtsstand abgetrennten Bereitschaftsraum des Generals. Hinter ihr fiel die Plane wieder zu, als sich Hptm. LaRouse zurückzog. Georg kam das Gesicht bekannt vor, irgendwo hatte er sie schon einmal gesehen!
„Frau Generalgouverneurin, wir kennen uns, oder?“ ergriff Georg die Gesprächsinitiative.
„Herr General, ich bin Mirela Steinar, ich war die Bürgermeisterin von Soria, dort haben wir einmal kurz miteinander gesprochen. Es ging damals um Freischärler, vor denen ich sie gewarnt hatte!“
„Richtig! Jetzt fällt es mir wieder ein! Ich wusste aber nicht, dass sie zur Generalgouverneurin gewählt wurden! Und warum haben sie den Weg von Skuld auf sich genommen um mit mir persönlich zu sprechen?“ Die Gouverneurin lächelte leicht.
„Mit meiner Wahl hatte ich auch nicht gerechnet! Ich weiß bis heute noch nicht, ob man mir mit dieser Wahl einen Gefallen getan hat oder mir Schaden will. Jedenfalls habe ich jetzt eine Mammutaufgabe am Hals und kaum Kräfte, Geld und Möglichkeiten diese zu bewältigen!“
„Wie soll ich da helfen können?“ fragte der General.
„Soldaten! Die bringen immer alles direkt auf den Punkt!“ lachte die Frau. Dann wurde sie ernst,
„Um es direkt zu sagen, ich brauche einen Milizkommandeur! Wir haben erbeutete Mechs und sind am Rand des VerCom, direkt an der Grenze zur Besatzungszone der Jadefalken. Da wird es hier nicht lange ruhig bleiben!“
„Warum kommen sie damit gerade zu mir?“ hakte der General nach.
„Ich werde ganz offen sein, Herr General! Ich habe mir die Gefechtsberichte angesehen, soweit sie mir zugänglich waren. Ihre RKG war besser als Adam Steiners Großverband und das lag nicht am Material, sondern an der Führung. Alles was ich über sie erfahren habe, zeigt mir eine Persönlichkeit, die das Idealbild eines Milizkommandeurs abgäbe. Außerdem weiß ich, dass sie bereits Kontakte zur hiesigen Bevölkerung knüpfen konnten! Darum will ich ihnen diese Aufgabe anbieten!“ Mirela Steinar sah in durchdringend an. Er spürte ihren starken Willen und verstand sofort, warum gerade sie zur Generalgouverneurin gewählt worden war.
„Ich habe lediglich meine Pflicht erfüllt!“ gab Georg zurück, aber er spürte, dass dieses Angebot ihn doch interessierte, vor allem tauchte das Bild Solveighs vor seinem inneren Auge auf. „Und ich muss feststellen, dass sie sehr gut informiert sind. Es wird wohl doch kein Zufall gewesen sein, dass sie zur Generalgouverneurin gewählt wurden!“
„Sind sie an meinem Angebot interessiert?“ wollte Mirela Steinar wissen.
„Mein Bataillon wird in ca. 6 - 8 Wochen den Planeten verlassen und ich hoffe, wir gehen in den Einsatz gegen die Clans! Das ist der Grund, warum ich überhaupt nach dem Ende meiner regulären Dienstzeit wieder Soldat geworden bin! Ich habe mit den Clanern noch eine große Rechnung offen! Aber ich fühle mich geehrt, dass sie mir das Angebot gemacht haben.“
„Schade! Aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben. Noch ist die Stelle frei! Wenn sie es sich noch anders überlegen, kontaktieren sie mich! Ich habe übrigens auch mit General Steiner gesprochen. Ich glaube nicht, dass er ihre Karriere fördern wird! Er arbeitet hauptsächlich an seiner eigenen. Sie und ihre 2. RKG kommen in den offiziellen Berichten nur am Rande vor, als hätten sie nur Rückendeckung gegen schwache Kräfte gegeben. Was ich bei ihnen spüre ist große Loyalität, passen sie auf, dass dies nicht gegen sie verwendet wird!“ Der General holte tief Luft. Was die Gouverneurin offen ausgesprochen hatte, war im selbst auch schon aufgefallen und wenn ihr, sicher auch anderen!
„Ich verspreche ihnen, ich werde über ihr Angebot nachdenken!“ sicherte er ihr zu.


„Ich hätte noch eine Bitte, erlauben sie, dass wir Werbeangebote aushängen? Ich brauche nicht nur einen Kommandeur, sondern auch Soldatinnen und Soldaten!“ bat die Gouverneurin. Nach einer kurzen Pause nickte der General,
„Einverstanden! Sie dürfen Werbeplakate aushängen, die aber vor dem Aushang genehmigt werden müssen. Ich kann ihnen aber nicht zusichern, dass ich jede oder jeden gehen lasse, der dies möchte! Die Einheiten müssen kampffähig bleiben und qualifizierter Ersatz ist zurzeit eines unserer drängendsten Probleme!“ sagte der General. Mirela Steinar nickte,
„Ich weiß, deshalb wollte ich sie auch um Genehmigung bitten. Das war schon alles meinerseits! Ich hoffe, sie überlegen es sich und nehmen mein Angebot an! Sie haben sich hier auf Barcelona einen sehr guten Ruf erworben!“ Dann verabschiedete sie sich und der General schaute ihr nach. Er spürte, dieses Angebot war verlockender, als er es eigentlich vor sich zugeben wollte!




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Su Villa, CHQ 2. RKG
27.05.3052, 09:12 Uhr


GenLt. Georg „Orca“ Fichtenberg stand in seinem Bereitschaftsraum und öffnete auf seinem ComPad die Depeche des Personalamtes des VCS von Tharkad mit seinem privaten Code, die ihm gerade übermittelt worden war. Dann blickte er auf die Nachricht der ihn betreffenden Personalverfügung. Seine Augen weiteten sich vor Wut als er die Nachricht las. Er verlor sein Kommando und sollte dies an OTL. Georg Müller übergeben. Er selbst würde die Leitung einer der kleineren Mechakademien im Hinterland des lyranischen Teils des VerComs übernehmen. Ein sogenannter „Fensterplatz“ erster Güte! Er würde zwar seinen temporären Rang behalten, aber man wollte ihn offensichtlich aus dem aktiven Frontdienst drängen! Aufgebracht knallte er sein Pad auf den Feldschreibtisch und atmete erst einmal tief durch! Das hinter dem Ganzen wahrscheinlich GeneralHauptmann Wiczorek steckte, lag nahe und er vermutete, dass Adam Steiner auch nicht ganz Unschuldig daran war. Aber er hatte kaum eine Möglichkeit der Verfügung zu widersprechen! Wenn er dies doch tun würde, müsste er warten, bis ihm eine neue Stelle angeboten werden würde. Solange müsste er nach Tharkad ans Heeresamt, um dort die Zeit auf einem unbedeutenden Posten abzuwarten oder noch schlimmer ohne Aufgabe in die Führerreserve wechseln!


In den letzten Wochen hatte er sich mehrfach mit Solveigh Friedkin getroffen und beide hatten festgestellt, dass sie sich zueinander hingezogen fühlten. Da Solveigh aber Barcelona wegen ihrer Kinder nicht verlassen wollte, war die Beziehung bislang nur eine Affäre und unverbindlich geblieben! Georg überlegte und ordnete seine Gedanken. Dabei versuchte er möglichst alle Eventualitäten abzuwägen. Als er in sich hineinhorchte, fühlte er, dass der alles verzehrende Hass auf die Clans, der ihn zurück in die Armee getrieben hatte, erloschen war. Er hatte sich in der letzten Zeit nur noch aus Gewohnheit an den Nachhall dieser Gefühle geklammert. Er war sich sicher, dass Solveigh diesen Sinneswandel mit ausgelöst hatte. Als er dies realisierte, spürte er, wie eine Last von ihm abfiel, sein Verstand klarer wurde und er nun einen Weg vor sich erblickte, den er wohl beschreiten würde! Plötzlich wurde er aber aus seinen Gedanken gerissen, als OTL. Georg Müller mit einem ComPad in der Hand, seinen Bereitschaftsraum betrat und die Plane hinter sich sofort wieder zuzog. Dem puterroten Gesicht seines Freundes konnte er entnehmen, dass dieser ebenfalls Post vom Personalamt erhalten hatte. Georg hielt sein eigenes Pad hoch.
„Auch eine Nachricht vom PSA aus Tharkad bekommen?“ fragte er knapp und informell seinen Freund, so wie immer, wenn sie unter sich waren.
„Das ich das Bataillon von dir übernehmen soll, ist leider nicht die ganze Wahrheit!“ sagte der Stabsoffizier wütend. „Sobald ich es übernommen habe, soll ich es auflösen! Die einzelnen Einheiten werden anderen Regimentern zugewiesen! Eine der Mech-Kompanien, die Panzerkompanie und eine der Infantriekompanien sollen sogar hierbleiben, um den Grundstock für die neue Barcelona-Miliz zu bilden!“
„Und du?“ fragte der General.
„Ich soll dann das 1. Bataillon der 32. Lyranischen Garde übernehmen.“ entgegnete Georg Müller
„Das wäre allerdings ein Karrieresprung für dich! Der Kommandeur des 1. Bataillons ist immer der Stellvertreter des Kommandeurs der RKG und eine Obristenstelle! Wenn ich jemandem diese Beförderung gönne, dann bist du das. Du hast mehr als einmal bewiesen, dass du das Zeug dazu hast!“ entgegnete der General.
„Aber die Kröte, die ich dafür schlucken muss ist ziemlich groß!“ stellte sein Freund bitter fest. „Ich muss unser Bataillon auflösen, gerade nachdem es seine große Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Da muss viel mehr dahinterstecken! Man atomisiert doch nicht einfach eine bestehende, gut funktionierende Einheit in der derzeitigen Situation!“
„Das ist ein Punkt für dich! Normal ist das nicht!“ stellte Georg Fichtenberg fest.
„Und was haben sie dir in Aussicht gestellt?“ fragte Georg Müller seinen Freund.
„Ich soll eine Kriegsakademie im Hinterland übernehmen!“ sagte der General. „Aber ich verspüre wenig Lust dazu Kadetten die Hammelbeine langzuziehen, solange die Clans an der Grenze stehen und ihre Messer wetzen! Da werde ich wohl das Angebot der Generalgouverneurin annehmen und Milizionär werden! Außerdem will ich etwas mehr Ordnung in mein Privatleben bringen!“
„Die Farmerin, von der du erzählt hast?“ Fichtenberg nickte.
„Sie ist zwar Rancherin, aber das werde ich ASAP klären!“
„Denk daran, sie ist eine Frau und nicht deine Untergebene!“ frotzelte Georg Müller.
„Du weißt, ich war schon verheiratet!“ bemerkte der General mit einem leichten Lächeln. Bei der Erwähnung seiner ersten Frau verdüsterten sich kurz seine Gedanken, er riss sich aber von den dunklen Erinnerungen wieder los! Er würde den Clans den Tod seiner ersten Frau und seiner Kinder zwar nie vergeben, aber mittlerweile war ihm sehr klar geworden, dass Rache noch nie ein guter Ratgeber gewesen war!




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Corcusant-Tundra, Three Stars Ranch
28.05.3052, Früher Vormittag


Georg beeilte sich aus der Downwash-Zone des leichten Verbindungshelikopters zu kommen, der ihn zur Ranch von Solveigh Friedkin gebracht hatte. Gestern Nachmittag hatte er kurz mit ihr Verbindung aufgenommen und vereinbart, dass er heute vorbeikommen würde. Er überquerte rasch die 300 m Distanz vom Hubschrauber zum Hauptgebäude und in diesem Moment trat auch Solveigh vor die Türe auf die überdachte Veranda, herausgelockt von dem Lärm des landenden Hubschraubers. Kurz darauf standen beide sich gegenüber und schauten sich in die Augen. Georgs Herz klopfte bis zum Hals und er wusste nicht richtig, wo er anfangen sollte.
„Was ist denn so dringend?“ fragte sie und riss ihn aus seiner Starre. Georg nahm ihre Hände in die seinen.
„Ich werde meinen Abschied einreichen und hier auf Barcelona bleiben!“ stellte er fest. „Ich liebe dich und würde gerne mit dir in Zukunft meine Zeit verbringen, wenn du nichts dagegen hast!“ Jetzt war Solveigh sprachlos! Aus der gemeinsamen Zeit der letzten Wochen wusste sie, dass Georg Soldat durch und durch und ihm die Pflichterfüllung die Wichtigste der Soldatentugenden überhaupt war.
„Wie das?“ fragte sie schlicht und Georg erklärte es ihr.
„Sie booten dich aus? Das sind Idioten, aber Barcelona braucht dich umso mehr!“ Dann machte sie eine kurze Pause, „Und ich brauche dich!“ Sie zog ihn zu sich her und beide küssten sich intensiv!
„Wie bringen wir es deinen Kindern bei?“ wollte Georg nach einer Weile wissen. Gemeinsam betraten sie das Haus und gingen in die Küche.
„Kaffee?“ fragte sie und Georg nickte. Während sie den Kaffee aufbrühte meinte sie,
„Ich denke, das ergibt sich von selbst. Meine Kinder mögen dich, aber“, dabei drehte sie sich um und schaute ihm direkt in die Augen, „versuche nicht die Erinnerung an ihren eigentlichen Vater zurückzudrängen. Sei ihr Freund, ihr väterlicher Ratgeber. Gib ihnen Halt, aber tue nie so, als wärst du ihr Vater!“ sagte sie eindringlich!
„Das verspreche ich dir!“ erwiderte Georg. „Denn auch ich trage noch die Erinnerung an meine toten Kinder und meine tote Frau in mir. Mach ihnen nie den Platz in meinem Herzen streitig!“ Die letzten Worte sprach er mit sanfter fast zerbrechlicher Stimme. Solveigh spürte, dass sie gerade tief in die Seele ihres Partners sehen konnte. Sie nickte nur zur Antwort. Die Stimme zu erheben wäre hier fehl am Platze gewesen.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Moira, Mariah's Pinnacle, HPG-Station
29.05.3052, 15:15 Uhr


Georg betrat die HPG-Station in Mariah's Pinnacle, die sich in der Nähe des einzigen offiziellen Raumhafens von Barcelona befand. Am Vortag war er bei der Generalgouverneurin in Skuld auf Norn gewesen und hatte ihr nochmal persönlich erklärt, dass er ihr Angebot annehmen würde. Am liebsten hätte sie ihn sofort vereidigt, dies hatte er aber abgelehnt, erst musste er seine Demission gegenüber dem PSA auf Tharkad erklären. Der Direktkanal war bereits bei ComStar gebucht. So was kostete Unsummen, zum Glück ging es dieses Mal auf Staatskosten! Ein Accolut führte ihn in eine der Kommunikationskabinen und, als die Türe geschlossen wurde und er Platz nahm, erwachte der Bildschirm summend zum Leben. Er gab kurz seine Daten und den Verifizierungcode seiner ComStar-ID-Karte ein, der in der gesamten Inneren Sphäre wie eine persönliche ID-Card akzeptiert wurde. Dann wartete er, bis die Verbindung hergestellt wurde. Vor ihm baute sich das Bild von Oberst Lara Tschaikowski auf, der für ihn zuständige Personaloffizierin. Nach einem Austausch von Grüßen kamen sie sofort zum Kern seines Anliegens, das er natürlich vorab übermittelt hatte.
„Sie wollen wirklich ihren Abschied?“ fragte die Stabsoffizierin. „Andere würden sich für so eine Stelle eine Hand abhacken!“
„Wir hatten schon öfters miteinander zu tun und sie wissen, warum ich überhaupt wieder in die Streitkräfte eingetreten bin! Ich will gegen die Clans kämpfen, keinen ruhigen Job im Hinterland! Damit möchte ich nicht die Verantwortung schmälern, die die Aufgabe eines Akademiekommandeurs mit sich bringt! Diese Arbeit ist wichtig, aber nichts für mich!“ entgegnete Georg.
„Sie lassen sich nicht umstimmen?“ fragte Oberst Tschaikowski nochmal nach.
„Nein!“ entgegnete Georg.
„Gut, dann entlasse ich sie hiermit aus dem aktiven Dienstverhältnis eines Soldaten der VerCom-Streitkräfte. Sie bleiben aber Reservist, wobei ich nicht davon ausgehe, dass man ihre Expertise jemals wieder aktivieren wird! Mit ihrem Schritt haben sie zu viel Porzellan zerschlagen und einige vor den Kopf gestoßen! Ich werde die entsprechenden Unterlagen ihnen ASAP zukommen lassen.“ Dann blickte sie kurz zur Seite. „Wir haben noch 3 Minuten. Würden sie mir verraten, was sie in Zukunft machen werden?“ fragte die Personaloffizierin.
„Gerne, ich werde auf einer Ranch arbeiten und die Barcelona-Miliz wieder aufbauen. Die Generalgouverneurin von Barcelona hat mir ein Angebot gemacht, dass ich nicht abschlagen konnte!“ erwiderte Georg.
„Ich glaube, sie verschwenden ihre Fähigkeiten!“ stellte Oberst Tschaikowski fest. „Aber sei es darum. Ich persönlich wünsche ihnen viel Glück und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich ihnen eine RKG anvertraut, aber die Versetzungsverfügung kam von ganz oben! Doch jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück!“
„Das ist mir bewusst, Frau Oberst. Aber ich sehe meine Zukunft hier auf Barcelona und es wird hier nicht für immer ruhig bleiben! Davon gehe ich aus!“ sagte Georg mit einem Seufzer.
„Bevor wir zum Ende kommen“, sagte die Obristin, „noch eine Neuigkeit die Tharkad gerade erreicht und wie eine Bombe eingeschlagen hat: COMSTAR hat die CLANS auf Tukkayid geschlagen. Das ist verifiziert! Die Kämpfe wurden vor ca. einer Woche abgeschlossen. Es gilt ab sofort ein 15-jähriges Moratorium! So schnell werden sie also vermutlich keinen ungebetenen Besuch erhalten. Die CLANs müssen erst einmal ihre Wunden lecken!“
„Danke für die Information!“ erwiderte der nun ehemalige General. „Ich wünsche ihnen viel Soldatenglück, vielleicht sieht oder spricht man sich irgendwann mal wieder!“
„Das kann ich nur zurückgeben! Alles Gute Herr General!“ Dann erstarb der Monitor, die HPG-Verbindung war beendet.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Skuld, Amtssitz Generalgouverneur
30.05.3052, 10:14 Uhr


Georg stand mit auf dem Rücken verschränkten Händen im Vorzimmer der Gouverneurin am Fenster und schaute aus dem 12. Stock in Richtung der Industrieanlagen, die sich bei Skuld befanden. Im Nebel konnte er die Schemen der Gebirgskette sehen, die Skuld von der Bergbauregion um Su Filla trennte. Georg war am frühen Vormittag wieder in Skuld angekommen und hatte sich sofort vom Flughafen zum Amts- und Verwaltungssitz der Generalgouverneurin begeben. Seine Gestalt spiegelte sich schwach in dem Glas und machten ihn dezent darauf aufmerksam, dass er, zum ersten Mal seit Jahren, zivile Bekleidung trug. Die Landung des Flugzeugs war äußerst ruppig, da Scherwinde versucht hatten, das Flugzeug von der Landebahn zu drücken. Aber er hatte auch registriert, dass die anderen Passagiere an Bord völlig ruhig geblieben waren, ein Zeichen, dass dies hier offensichtlich der Normalfall war. Scheinbar hatten sie bei ihrer Operation vor Wochen Riesenglück, da das Wetter während der Kämpfe stabil und relativ ruhig war. Nun zeigte sich der Nordkontinent Norn wieder von seiner harten Seite!


„Herr Fichtenberg, die Generalgouverneurin würde sie jetzt gerne sprechen!“ wurde er von der Seite angesprochen. Georg schaute den jungen Mann an, der sich leicht vor ihm verbeugte.
„Natürlich!“ entgegnete er.
„Folgen sie mir bitte!“ sagte der Sekretär leise und ging voran durch eine breite Türöffnung, die bis eben von einer massiven Tür verschlossen war. Der Sekretär blieb kurz hinter der Türe stehen und wies ihn in den Raum zu einem großen Schreibtisch, auf dem sich mehrere Displays erhoben. Mirela Steinar, die Generalgouverneurin stand aber vor dem Schreibtisch, um ihn zu empfangen. Georg blieb 5 Meter vor ihr stehen verbeugte sich kurz und sprach sie an.
„Mylady, guten Morgen! Ich freue mich, dass sie so schnell Zeit hatten!“ Mirella Steinar lachte kurz auf,
„Sehr gerne! Guten Morgen Herr General Fichtenberg! Ich will schließlich was von ihnen!“ Diese direkte Art war Georg bereits vorher positiv bei der Frau aufgefallen!
„Nur „Herr Fichtenberg“, wie ich bereits ihrem Sekretär erklärt habe, bin ich nun Zivilist!“ gab Georg zurück.
„Wie war ihr Gespräch mit Tharkad?“ wollte sie wissen.
„Es verlief wie erwartet, bis auf eine Neuigkeit die ich erfahren habe. ComStar hat die Clans bei der BATCHALL auf Tukkayyid besiegt und es gilt ab sofort ein 15-jähriges Moratorium. Die Clans stoßen nicht weiter vor!“ Das Gesicht der Gouverneurin hellte sich sichtlich auf.
„Das sind gute Neuigkeiten! Ich hoffe, diese Atempause hilft uns allen wieder Tritt zu fassen und uns für das Kommende zu wappnen!“ stellte Mirela Steinar fest.
„Das hoffe ich ebenfalls, auch wenn ich es nicht ganz glauben kann! Zuviel ist in der Vergangenheit falsch gelaufen, weil irgendjemand sein eigenes Wohl über das Aller gestellt hat!“ entgegnete Georg. Die Gouverneurin antwortete nicht direkt, sondern machte eine kurze Pause.
„Ich werde alles tun, dass so was hier auf Barcelona nicht passiert!“ stellte sich nach einer kurzen Pause fest. „Auch deshalb will ich, dass sie die Miliz von Barcelona neu aufbauen! Kommen wir gleich zum Thema, ich werde ihnen im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten freie Hand geben! Da wir so viele andere Aufgaben haben, wird die Miliz mit dem zur Verfügung stehenden Budget klarkommen müssen. Ich habe ihnen die Daten bereits übermittelt. Was sagen sie dazu?“ fragte die Gouverneurin.
„Aufgrund der Kürze der Zeit konnte ich natürlich nicht alles bis ins kleinste Ausarbeiten, aber ich denke die Mittel reichen für eine leichte Brigade mit einer starken Mechkomponente, Panzern Infanterie und integrierter Luftunterstützung mit L/R-Jägern. Dies reicht natürlich bei weitem nicht aus um einem Clan-Cluster oder gar einer ganzen Galaxis die Stirn zu bieten, aber für die Abwehr übermütiger Piraten und leichter Clan-Vorstöße ist es ausreichend. Wenn sich die Bedrohungslage aber verschärft, müssen wir durch das VerCom entsetzt und verstärkt werden. Aber mehr kann kaum eine Miliz leisten.“ legte Georg dar.
„Gut, dann werden wir mal die Formalitäten erledigen!“ meinte die Gouverneurin und legte ihm einen Ausdruck seines Dienstvertrages als Kommandeur der Barcelona-Miliz vor. „Sie werden ihren Dienstgrad als Generalleutnant behalten, aber bezahlen kann sie Barcelona nur wie einen Oberst!“ wies sie ihn nochmal auf eine Klausel des Vertrages hin. Georg reagierte mit verhaltenem Humor,
„Es wird wohl reichen, dass ich satt werde!“ Den Vertrag kannte er schon, überflog ihn aber trotzdem nochmal kurz und unterschrieb ihn dann. Mirela Steinar rief ihren Sekretär ins Büro, der, nachdem er den General gebracht, den Raum wieder verlassen hatte. Dann legte Georg seinen Diensteid unter Zeugen ab.
„Damit, Herr General, sind sie jetzt Kommandeur der Barcelona-Miliz. Ich erwarte mindestens einmal die Woche einen Bericht von ihnen über die Einsatzbereitschaft der Miliz. Machen sie einen Termin mit meinem Sekretär in 3 - 4 Tagen aus, dann stellen sie mir die geplante Aufstellung der Miliz vor.“
Georg nickte. Da er in Zivil war, grüßte er nicht.
„Mir schwebt schon ein Konzept vor. Ich werde es ihnen dann darlegen. Was ich brauche ist aber erst einmal ein Büro, damit ich meine Arbeit aufnehmen kann.“ forderte Georg.


„Das ist kein Problem.“ entgegnete Mirela Steinar, trat kurz an ihren Schreibtisch und drückte eine Taste. 3 Minuten später trat ein älterer Mann in einer einfachen olivfarbenen Uniform in den Raum, blieb stehen und grüßte die ihm Raum befindlichen Personen militärisch.
„Seniorhauptfeldwebel Aksel Bakken meldet sich zum Dienst!“ rief er laut und fest in den Raum.
„Herr Bakken, dies ist Generalleutnant Fichtenberg, der neue Kommandeur der Miliz!“ entgegnete Mirela Steinar und wies auf Georg. Sofort begannen die Augen des alten Soldaten zu leuchten, marschierte schnurstracks auf Georg zu und meldete sich bei ihm direkt.
„Herr General, ich war bis vor 2 Jahren Teil der alten Barcelona-Miliz, ich bin hier geboren und kenne den Planeten wie meine Westentasche! Ich stehe ihnen mit meiner Expertise zur Verfügung.“
„Danke Herr Seniorhauptfeldwebel. Das wird uns die Arbeit erheblich vereinfachen!“ erwiderte Georg mit einem leichten Lächeln. Da warf Mirela Steinar ein,
„Herr Bakken wird sie in die alte Milizzentrale hier im Gebäude führen. Dort können sie mit ihrer Arbeit beginnen! In spätestens 4 Tagen sehen wir uns wieder. Bitte entschuldigen sie mich, ich habe noch andere, leider erheblich unangenehmere Termine!“
„Selbstverständlich Frau Generalgouverneurin. Herr Bakken, führen sie mich zur alten Milizzentrale!“ sagte Georg, um so schnell wie möglich mit seiner Mammutaufgabe beginnen zu können. Als Georg hinter StHFw Bakken das Büro verließ schaute ihm Mirela Steinar nach. Sie hatte den am besten für diese Aufgabe geeigneten Mann gewinnen können den sie finden konnte! Sie hoffte, dass die Miliz so schnell wie möglich einsatzbereit sein würde. In einem Monat würden die letzten VerCom-Kräfte den Planeten verlassen. Sie hoffte sehr, dass ihrem Antrag auf die dauerhafte Stationierung einer regulären RKG auf Barcelona von Tharkad bald entsprochen werden würde.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Skuld, Amtssitz Generalgouverneur
12.01.3054, 08:05 Uhr


„Es ist bestätigt! Im Laufe der kommenden Monate werden die 17. Skye Rangers zurückkehren und die 24. Arcturus Garde wird neu nach Barcelona verlegt.“ trug GenLt. Fichtenberg der Generalgouverneurin vor. „D.h. wir müssen die entsprechenden Kasernen und Liegenschaften schnellstmöglich ertüchtigen, damit die Regimenter dort unterkommen können! Da die 24. Arcturus Garde von Marshal Grace Shremp geführt wird, dürfte sie dann die höchste militärische Instanz auf Barcelona werden! Die 17. Skye Rangers werden von Gen.Lt. Mitchell Simons kommandiert.“ Mirela Steinar nickte.
„Endlich! Lange genug musste ich die Militärbürokraten auf Tharkad mit Anträgen bombardieren, bis sie endlich die Verlegung von regulären Kräften genehmigt haben. Ich brauche Dossiers über beide Kommandeure, legen sie mir diese schnellstmöglich vor. Ich muss wissen, mit wem ich es dann zu tun haben werde!“ sagte sie.
„Jawohl Mylady!“ bestätigte Georg Fichtenberg den Auftrag.


Er war jetzt seit bald 2 Jahren Kommandeur der Barcelona Miliz und hatte diese mittlerweile zu einer funktionsfähigen Einheit formen können! Auch er selbst war mittlerweile auch emotional hier angekommen. Er sah nun Barcelona als seine Heimat an! Darum war er froh, dass mit der Stationierung der beiden RKGs auf Barcelona ein Angriff des Clans Jadefalke nahezu unwahrscheinlich wurde, auch wenn die 17. Skye noch lange nicht auf voller Gefechtsstärke war, wie ihm gemeldet worden war. Aber eines war sicher, die Miliz würde keine Kräfte an die 17. Skye abgeben, um diese auf volle Gefechtsstärke zu bringen! Milizen gehörten zwar grundsätzlich auch zum Militär des VerCom, hatten aber einen Sonderstatus, der ihnen in Friedenszeiten große Unabhängigkeit gewährte. Ein einseitiger Durchgriff auf die Ressourcen der Miliz von den regulären Streitkräften war nicht möglich! Nur der Archon konnte dies im Frieden anordnen. Wenn er aber an die politischen Entwicklungen im VerCom der jüngsten Zeit dachte, bekam Georg Magengrimmen! Er befürchtete das Schlimmste! Zum Glück hielt Archontin Melissa Steiner-Davion das Vereinigte Commonwealth zusammen und er war zuversichtlich, dass unter ihrer Führung sich das VC nach dem Clan-Überfall wieder stabilisieren konnte!
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 4: Barcelona 3064: Der Widerspruchstest


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Skuld, Amtssitz Generalgouverneur
17.09.3057, 09:05 Uhr


„Die sind wohl alle wahnsinnig geworden!“ fluchte Mirela Steinar laut! Gerade war ihr die Nachricht vorgelegt worden, dass der lyranische Teil des Vereinigten Commonwealth ab sofort „Lyranische Allianz“ hieß. Diese Exekutiv-Order war von der Regentin und Archon-Prinzessin Catherine Steiner-Davion gezeichnet worden, die vor 2 Jahren ihren Namen offiziell in Katharina Steiner geändert hatte. Mirela lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und seufzte! Soweit sie mitbekommen hatte, tat Archon-Prinz Victor Steiner-Davion absolut nichts dagegen, da er sich auf die Neugründung des Sternenbundes konzentrierte und eine Gegenoffensive in Richtung der Clan-Besatzungszone vorbereitete. Mirela schmeckte das gar nicht. Hier direkt an der Grenze zu den von Clan Jadefalke eroberten Welten bedeutete jedes innenpolitische Problem eine Verstärkung der Gefahr, dass sich der Clan Jadefalke Barcelona wieder zurückholen wollte! Als eingefleischte Legalistin hatte Catherine Steiner-Davion in Mirelas Augen den Thron in Tharkad ursupiert, auch wenn Victor ihr die Regentschaft über den lyranischen Teil des VerCom offiziell übertragen hatte. Aber das ging weit über eine bloße Regentschaft hinaus! Seit dem gewaltsamen Tod von Archontin Melissa Steiner-Davion 3055 waren unruhige Zeiten im VerCom angebrochen, da mit Melissa die vereinende Klammer fehlte und die Fliehkräfte innerhalb des VerComs stiegen. Victors Blick war in Richtung der Clans gerichtet und kümmerte sich kaum um die Angelegenheiten im VerCom und seine Schwester füllte diese Lücke bereitwillig, um, nach Mirelas Ansicht, ihre eigenen Ambitionen zu verfolgen!




Innere Sphäre, Lyranische Allianz, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Skuld, Amtssitz Generalgouverneur
05.10.3060, 16:20 Uhr


Colonel Karl Prafol stand in lockerer Haltung im Büro der Generalgouverneurin und sah abwechselnd Mirela Steinar und GenLt. Müller, den Kommandeur der lokalen Milizeinheiten an.
„Schade Colonel Prafol, ich verliere Sie nur ungern, waren Sie und die Reste der 24. Arcturus Garde doch die Garanten, dass uns die Jadefalken die letzten Jahre in Ruhe gelassen haben!“ sagte die Generalgouverneurin.
„Mein Stab und ich bedauern es ebenfalls! Hier konnten wir die übriggebliebenen Elemente der 24. nach deren Auflösung in Ruhe in meine RKG integrieren!“, entgegnete der Colonel. „Aber auf Lost sind zurzeit keinerlei Einheiten stationiert und die dortige Bevölkerung lebt schon lange in der Angst vor einer Invasion!“
„Hätten die Falken Interesse an Lost, hätten sie es sich schon lange geholt! Sowohl Barcelona als auch Lost liegen oberhalb der Waffenstillstandslinie von Tukkayid!“, warf General Fichtenberg ein.
„Ihre Verteidigungsfähigkeit wird durch unsere Verlegung wohl nicht beeinträchtigt werden. Ich habe gehört, dass es geplant ist im kommenden Jahr die 14. Donegal Garde RKG vollständig hierher zu verlegen und Gerüchten zufolge soll diese baldmöglichst unter das Kommando von GenLt. Steiner gestellt werden. Wann ist aber unklar! Das ist zwar noch nicht offiziell, aber meine Quellen sind hier in der Regel verlässlich!“ entgegnete der Colonel. Mirela Steinar schaute überrascht, das war ihr noch nicht zu Ohren gekommen und sah dann zu ihrem Milizkommandeur, dessen Miene sich schlagartig versteinert hatte. Der Colonel fuhr unbeeindruckt fort:
„Sie kennen ja GenLt. Adam Steiner, sie haben zusammen diese Welt vor 8 Jahren den Falken entrissen!“
„Das ist korrekt!“ gab der General eintönig zurück. „Wir kennen uns!“
„Ich denke, wenn sie beide hier sind, werden es sich die Falken zweimal überlegen, bevor sie Barcelona angreifen! Zumal die 14. Donegal Garde auf voller Gefechtsstärke ist, anders als mein Verband!“ wollte der Colonel die Generalgouverneurin beruhigen.
„Nun, bevor ich eine Invasion durchführen würde, würde ich es mir eher zehnmal überlegen und meine Chancen genau abwägen, Colonel!“ warf General Fichtenberg ein. „Von Namen haben sich die Clans noch nie beeindrucken lassen! Das ist eher ein Ansporn für sie!“ Der Colonel blickte Georg leicht missbilligend in die Augen, er wollte eigentlich keine Pferde scheu machen, sondern die Gouverneurin beruhigen, ließ aber die Aussage des Generals unkommentiert stehen. Vor dem General hatte er großen Respekt. Mehrfach hatten sie in den vergangenen Jahren gemeinsam Übungen mit ihren Einheiten durchgeführt. Aber der General kannte die Generalgouverneurin besser als er und wusste sicher, was er ihr zumuten konnte.


Als der Colonel gegangen war meinte die Generalgouverneurin,
„Wie schätzen Sie zurzeit die Gefahr einer Invasion Barcelonas ein?“
„Im Augenblick gering! Solange wir hier eine oder zwei reguläre RKGs stationiert haben, mag es Abschreckung genug sein.“
„Und was halten sie davon, dass General Steiner mit einer RKG hierher verlegt wird?“, hakte Mirela Steinar nach.
„Wir sind nicht im Unfrieden auseinander gegangen, wenn sie das meinen. Von General Steiner halte ich eigentlich sehr viel. Ich weiß aber nicht, in wie weit er damals in meine geplante Versetzung auf einen Akademieleiter-Posten beteiligt war! Ich sehe eher seine Ambitionen kritisch. Er ist ein Anhänger Catherine Steiner-Davions! Colonel Prafol ist eher dem Lager von Victor Steiner-Davion zuzuordnen, was man auch seiner Weigerung entnehmen kann, die Dienstgradbezeichnung Oberst zu verwenden.“
„Und sie?“, fragte die Generalgouverneurin.
„Ich stehe auf Seiten Barcelonas! Alles was uns nützt, halte ich für gut! Das wissen sie!“
„Ja, ich habe nie bereut, sie zum Kommandeur der Miliz ernannt zu haben!“, erwiderte sie mit einem Lächeln. „Aber die innenpolitische Situation im VerCom wird uns die Arbeit nicht erleichtern!“
„Da bin ich vollkommen ihrer Meinung!“, bestätigte GenLt. Fichtenberg.




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19.05.3061, 13:02 Uhr


Oberst Anne Richter betrat das Büro der Generalgouverneurin von Barcelona in voller Paradeuniform und meldete sich zackig bei ihr.
„Frau Generalgouverneurin, die 14. Donegal Garde meldet sich vollständig auf Barcelona! Heute Vormittag sind die letzten Landungsschiffe mit meiner Infanteriebrigade gelandet. Übermorgen werden wir alle Kasernen bezogen haben und beginnen mit dem Ausbildungsdienst!“ Mirela Steinar nahm die Meldung der Kommandeurin der Regimentskampfgruppe entgegen. Colonel Prafol hatte Recht behalten, die 14. Donegal Garde war tatsächlich erheblich kampfstärker als die zum Jahreswechsel abgezogenen 17. Skye Rangers!
„Es freut mich außerordentlich sie hier zu haben! Über die militärische Lage und die exponierte Stellung von Barcelona in Richtung der Clans brauche ich sie sicherlich nicht hinzuweisen Frau Oberst.“, entgegnete die Gouverneurin. „Ich bitte sie, sich baldmöglichst mit meinem Milizkommandeur in Verbindung zu setzen. Er wird sie eingehend in die Situation hier auf Barcelona einweisen.“
„Dem sehe ich mit großer Freude entgegen. Der General genießt einen guten Ruf, auch wenn ich ihn nicht persönlich kenne! Warum ist er nicht hier?“ wollte die Offizierin wissen.
„Er zog es vor, sich im Hintergrund zu halten. Sie haben zwar beide eigentlich den gleichen Auftrag, aber sie beide stehen, wie er mir erklärt hat, in Friedenszeiten in keinem, wie auch immer gearteten Unterstellungsverhältnis.“ Die Obristin nickte. Wenn der General hier gewesen wäre, hätte sie ihm aufgrund des höheren Dienstgrades melden müssen! Dies sprach für einen interessanten, für einen General eher untypischen Charakter! Dann tauschten sich die beiden Frauen über das Regiment und die politische und wirtschaftliche Situation auf Barcelona aus.
„Sie werden feststellen, dass die Versorgung ihres Regiments für uns kein Problem darstellt!“ stellte die Gouverneurin fest.
„Das hat mir mein G4 bereits gemeldet!“ erwiderte die Obristin. „Dies war auf unserem letzten Garnisonsplaneten leider nicht so, dort mussten wir einige Güter über interstellare Naschschubwege beschaffen! Einer meiner Bataillonskommandeure war übrigens damals bei der Rückeroberung dabei! Oberst Müller hat damals die Mecheinheiten der 2. RKG befehligt und ist zurzeit mein Stellvertreter!“
„Oberst Georg Müller? Ja richtig, ich erinnere mich! Damals war er aber noch Oberstleutnant! Guter Mann! Er hat sogar die 2. RKG eine Zeit lang befehligt, da General Fichtenberg verschollen war!“
„Er spricht selten über den damaligen Feldzug auf Barcelona!“ stellte Anne Richter fest. „Dies hat er nur am Rande erwähnt! Aber über seinen damaligen Vorgesetzten spricht er immer mit größter Hochachtung, was mich sehr neugierig macht, ihn kennen zu lernen!“
„Ich bin jedenfalls froh, dass ich ihn damals als Milizkommandeur gewinnen konnte!“ meinte Mirela Steinar, „Wobei es auch damit zu tun hatte, wie Tharkad damals mit ihm umgegangen ist! Ich würde ihnen aber nicht empfehlen, ihn danach zu fragen! Aber eine Sache macht mich neugierig, bis jetzt wurde die 14. Donegal Garde immer von einem General geführt, steht ihre Beförderung bald an?“ Die Generalgouverneurin bemerkte, dass das sich der freundliche Gesichtsausdruck der Obristin änderte und sie sie nun neutral und ausdruckslos ansah.
„Nein, ich führe die RKG nur solange, bis GenLt. Adam Steiner aus seiner derzeitigen Verwendung entbunden wurde. Er soll hier auf Barcelona das Kommando führen, um die Falken abzuschrecken!“
„Ah ja!“ entfuhr der der Gouverneurin und sie versuchte dabei überrascht zu klingen. Die Information von Col. Prafol war also erstaunlich korrekt gewesen!




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20.05.3061, 10:35 Uhr


Die Obristin trug gerade dem General die Aufstellung der 14. Donegal Garde vor, nachdem GenLt. Fichtenberg die Milizeinheiten vorgestellt hatte. In dem Besprechungsraum waren neben den wichtigsten Milizoffizieren auch die Kommandeure der Brigaden der 14. DG. Auch Oberst Georg Müller war dabei. Nach 20 Minuten schloss sie ihren Lagevortrag ab und blickte in die Runde.
„Noch Fragen?“ GenLt. Georg Fichtenberg schaute sich um, keiner seiner befehlshabenden Offiziere rührte sich. Dann wandte er sich an Oberst Anne Richter.
„Vielen Dank Frau Oberst für ihren sehr ausführlichen Lagevortrag! Ich hoffe doch, dass wir zum Wohle Barcelonas eng zusammenarbeiten. Deshalb schlage ich vor, dass unsere Stäbe gemeinsame Manöver ausarbeiten, damit wir uns auch in der Schlammzone besser kennen lernen. Falls die Falken versuchen Barcelona zurückzuerobern, müssen wir uns aufeinander verlassen können!“
„Das sehe ich genauso Herr General!“ gab die Obristin zurück.
„Gut, dann möchte ich sie alle zu einem kleinen Umtrunk einladen, damit wir uns gegenseitig besser kennenlernen!“ sagte der General und erhob sich. „Wenn sie mir folgen wollen, der Umtrunk findet im Casino statt!“


Während des Umtrunks trat ein großgewachsener Offizier auf den General zu und als ihn dieser bemerkte, verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Grinsen!
„Georg!“ sagte der General, „Das freut mich, das wir uns endlich einmal wiedersehen!“
„Ganz meinerseits, Georg!“, grinste Oberst Georg Müller. „Nicht dass wir uns über HPG die letzten Jahre ausgetauscht hätten, aber persönlich haben wir uns nun 8 Jahre nicht mehr gesehen! Und wie geht es dir und was macht die Farmerin?“ Der General lachte leise auf:
„Rancherin, Georg, Rancherin! Solveigh geht es sehr gut und mir auch! Ich bin froh, dass ich mich damals für diesen Posten entschieden habe! Des Öfteren in Kuhmist herumzustochern hat eine sehr beruhigende und erdende Wirkung auf den Geist und Psyche! Solltest du auch mal probieren!“ Oberst Müller lachte so laut auf, dass sich einige der anderen Offiziere zu ihnen umblickten. Jovial klopfte er seinem Freund auf die Schulter.
„Nichts für ungut, Georg, aber das aus deinem Mund zu hören freut mich. Damals vor 8 Jahren warst du noch erfüllt von Trauer und Hass und jetzt spüre ich nichts mehr davon!“
„Ja, ich hoffe, ich habe es hinter mir gelassen, auch wenn ich noch oft an meine Frau und meine Kinder denken muss. Der Verlust schmerzt noch immer, wenn auch nicht mehr so scharf!“ entgegnete der General. „Komm uns doch mal auf der Ranch besuchen!“ lud er ihn ein.
„Sehr gerne, damals konnte ich sie nicht kennen lernen, umso gespannter bin ich jetzt!“
„Dann machen wir später einen Termin aus!“ schlug der General vor. „Du bist der Stellvertreter von Oberst Richter?“
„Ja, natürlich nur solange bis General Steiner die 14. übernimmt. Eigentlich führe ich das „5. Rad“ so wie ich das nenne, das Ausbildungsbataillon der 14. Donegal Garde. Ich hatte bei deren Aufbau relativ freie Hand. Und ich war so frei, sie gemäß dem Vorbild unseres alten Bataillons aufzustellen, da wir schließlich für alle Truppengattungen ausbilden! Sogar eine kleine Pioniereinheit habe ich!“, Dabei grinste er den General an. „Wenn du sie mal inspizieren willst? Ich weiß doch, dass dein Herz immer noch für deine alte Profession schlägt!“
„Nichts lieber als das!“ grinste der General zurück, „Wie ich sehe, kennst du mich noch gut!“ und lachte. Da trat Oberst Anne Richter zu ihnen.
„Darf ich mich ein Gespräch alter Freunde einmischen?“ fragte sie.
„Sehr gerne!“ sagte der General. „Da sie jetzt hier sind, werden wir wohl noch oft Gelegenheit haben uns auszutauschen!“ Dann fixierte er die Obristin,
„Oberst Müller erwähnte, dass er das Ausbildungsbataillon führt?“
„Richtig, Herr General. Das Ausbildungsbataillon gehört streng genommen nicht zur 14. Donegal Garde sondern ist eine selbstständige Einheit, die mit der 14. auf Zusammenarbeit angewiesen wurde, wie es so schön heißt.“
„Das heißt, wir haben ein Bataillon mehr Kampfkraft hier auf Barcelona, richtig?“
„Das ist korrekt Herr General, wenn auch das Bataillon aufgrund seiner Funktion keine 100% Kampfstärke hat, da in ihm sehr viele Soldatinnen und Soldaten dienen, die noch grün hinter den Ohren sind. Aber Materialmäßig ist es voll ausgerüstet!“
„Festzuhalten ist, dass wir damit kampfstärker sind, als es den Anschein hat! Das ist eine positive Überraschung!“, hielt der General fest.




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12.07.3061, 16:05 Uhr


„Frau Generalgouverneur, sie wollten mich sprechen?“ fragte General Müller, als er das Büro von Mirela Steinar betrat. Wortlos hielt sie ihm einen Ausdruck mit dem ComStar-Logo hin und er überflog die Nachricht.
„Ist den die Regentin verrückt geworden?“ rief er entrüstet aus. „Da steht, dass die 5. Donegal Garde auf Kentares IV gelandet ist und dabei der Herzog Eric Dresari bei einem Unfall getötet wurde!“
„Nicht nur das! Ich habe parallel eine Information bekommen, dass die gesamte Familie des Herzogs Opfer dieses nicht näher bezeichneten Unfalls wurde und ein entfernter Neffe des Herzogs von der Regentin Katharina Steiner als Herzog eingesetzt wurde!“
„Das wird massive Folgen haben, die sich sicher auch auf uns auswirken werden!“ stellte Georg Fichtenberg fest.
„Ich glaube, wir stehen am Rand eines Bürgerkrieges!“ äußerte die Gouverneurin ihre Befürchtung. „Und das Archon-Prinz Victor bei seiner Rückkehr aus dem Clanraum auf alle Ämter verzichtet hat, macht es auch nicht besser!“
Georg trat an die hohe Fensterfront des Büros und blickte nach draußen, wo gerade, wie so oft auf dem Nordkontinent von Barcelona, ein heftiger Sturm tobte.
„Wenn es so weit kommt, wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben!“ prophezeite der General, „Und ich befürchte, die andere Häuser und die Clans werden dann über uns herfallen, um sich die Sahnestücke aus dem VerCom anzueignen!“ Dabei schaute er die Gouverneurin düster an. Sie konnte sich an zwei Fingern ausrechnen, was dies für Barcelona bedeuten würde. Sie waren zwar weit weg vom Zentrum, aber die Folgen würden sie dann auch hier spüren!




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09.01.3062, 11:22 Uhr


Generalleutnant Adam Steiner stand mit seiner Stellvertreterin Oberst Anne Richter im Büro, in dem sich, neben der Generalgouverneurin Mirela Steinar auch der Milizkommandeur Generalleutnant Georg Fichtenberg aufhielt. Adam Steiner gab gerade der Gouverneurin die Hand, nach dem er sie begrüßt hatte.
„Wir haben uns vor 8 Jahren kurz getroffen, wenn ich mich richtig erinnere?“ meinte er mit einem Lächeln im Gesicht.
„Das stimmt Herr General!“ gab Mirela Steinar zurück. „Meinen Milizkommandeur kennen sie sicher auch noch!“ dabei wies die auf GenLt. Fichtenberg.
„Selbstverständlich!“ gab dieser zu. Georg grüßte zuerst militärisch, dann gaben sich beide Offiziere die Hand. „Ohne sie wäre die Rückeroberung von Barcelona damals sehr viel schwerer gewesen.“ Dann richtete sich Adam Steiner wieder auf und sagte, „Ich habe es sehr bedauert, dass man ihnen nur einen Posten als Akademiekommandeur angeboten hat. Aber damals hatte ich zu wenig Einfluss um den KG des Melissea-Schauplatzes umzustimmen. Ich war sogar froh, dass sie hier die Miliz übernommen haben! Es war die beste verfügbare Option!“
„Es war mehr als das!“ versicherte Georg, „Mittlerweile ist Barcelona meine Heimat!“
„Ich habe mir die Aufstellung ihrer Miliz von Oberst Richter melden lassen. Beeindruckend was sie da aufgebaut haben!“ stellte GenLt. Steiner fest. „Ich bin mir sicher, dass wir damit die Falken zuverlässig vor einem Angriff abschrecken können!“
„Das hoffe ich sehr!“ entgegnete Georg.
„Ein Angriff würde alles gefährden, was wir hier aufgebaut haben!“ warf die Gouverneurin ein. „Barcelona hat sich bis heute noch nicht vollständig von den Folgen der Invasion und der Rückeroberung erholt!“
„Ich hoffe sehr, dass sich Barcelona unter unserem Schutz weiter entwickeln kann!“ stellte General Steiner fest. „Wie man mir mitgeteilt hat wurden die Claner, die damals auf Barcelona zurückgeblieben waren in die Gesellschaft integriert?“
„Ja, das ging sogar einfacher als wir dachten!“ erwiderte die Gouverneurin, „Da es sich nur um Zivilisten handelte, wollten sie nur weiter ihrer Arbeit nachgehen und haben die fortschrittlichen Bergbaugeräte, die Clan Jadefalke mitgebracht hatte, weiter bedient und betrieben. Das hat den Output unseres Bergbaus im Vergleich zum Zeitraum vor der Eroberung durch die Clans deutlich gesteigert! Darum haben wir auch genug Ressourcen um ihre RKG mit allem versorgen zu können, was sie benötigt!“
„Haben sie keine Angst, dass sich Agenten der Clan-Wacht darunter befinden?“ fragte Adam Steiner.
„Nein, nicht direkt!“ antwortete Georg Fichtenberg. „Agenten hier einzuschleusen ist leider nicht sonderlich schwierig, da wir weitreichende Handelskontakte haben. Außerdem gab es damals auch Clan-Sympathisanten unter der einheimischen Bevölkerung. Also ein großes Potential an Agenten, ohne dass sich die Clan-Wacht an die verbliebenen Claner wenden muss, die naturgemäß besonders argwöhnisch beäugt werden. Tatsächlich war es bisher so, dass die wenigen Clan-Agenten die wir bisher identifizieren konnten aus der einheimischen Bevölkerung stammten oder Händler mit einer Tarnidentität waren.“
„Interessant!“ Sie glauben also, dass die Clan-Wacht uns im Auge behält?“ fragte Adam Steiner.
„Davon ist auszugehen! Die Gefahr ist nicht gebannt und nach meiner Einschätzung nach hat Clan Jadefalke das Ziel nie aufgegeben Barcelona und die umliegenden Welten und Systeme wieder zu erobern! Nur eine ernstzunehmende Abschreckung hindert sie daran eine Invasion in die Tat umzusetzen. Und diese steht und fällt mit der Stabilität der Lyranischen Allianz!“ Die Sorge General Fichtenbergs um genau diese Stabilität schwang in seiner Stimme mit.
„Seien sie unbesorgt!“ entgegnete Adam Steiner, „Katharina Steiner weiß was sie tut!“
„Das hoffe ich sehr!“ dachte GenLt. Georg Fichtenberg für sich. Er war sich dessen nicht so sicher wie Adam Steiner!




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System Barcelona, Barcelona, Norn, Skuld, Miliz-Hauptquartier
17.03.3064, 15:18 Uhr


Ohnmächtig vor Wut ballte General Fichtenberg seine rechte Faust, als er die Mitteilung las, die er soeben von GenLt. Adam Steiner erhalten hatte. In dieser informierte er ihn, dass die 14. Donegal Garde nach Newton Square aufbrach, um dort die Streitkräfte Victor Steiner-Davions zu stellen, die wohl gerade dorthin auf dem Weg waren! Nur das Gemischte Ausbildungs-Bataillon von Oberst Müller sollte zurückbleiben, da für dieses keine Transportkapazitäten mehr vorhanden war. So wie es aussah, wollte Adam Steiner zugunsten von Katharina Steiner in den Bürgerkrieg eingreifen. Dass er dabei Barcelona mit nur minimalem Schutz zurückließ, schien ihn nicht weiter zu stören. Die Verantwortung für Barcelona würde nun auf seinen Schultern lasten, mit allen Konsequenzen! Entsprechendes hatte Adam Steiner auch in seiner Mitteilung formuliert und ihm quasi die volle Verantwortung für einen Verlust vorab übertragen! Dabei bereitete sich Clan Jadefalke gerade für eine militärische Operation vor, wenn man den Geheimdienstberichten trauen konnte! Der Zeitpunkt für den Clan war günstig, Das VerCom erbebte unter dem Bürgerkrieg in seinen Grundfesten und viele Einheiten hatte sich der einen oder anderen Seite zugewandt und gingen sich gegenseitig an die Gurgel. Neutrale Einheiten fanden sich nicht selten zwischen zwei Mühlsteinen wieder, die sie zu zermalmen drohten. Die Generalgouverneurin hatte sich bewusst bisher nicht geäußert, was bisher hier auf Barcelona für relative Ruhe gesorgt hatte.


„Er lässt uns im Stich?“ stellte Generalgouverneurin Mirela Steinar fragend fest.
„So wie es aussieht, ja! Mit der Miliz und dem verbliebenen Bataillon der 14. DG können wir den Planeten gegen einen entschlossenen und überlegenen Gegner nicht oder nur mit einer Guerilla-Taktik halten!“ gab GenLt. Fichtenberg seine Einschätzung der Lage kund.
„Sie wissen was ein Guerilla-Kampf bedeutet? Endlose Kämpfe, große Verheerungen und enorme Belastungen und Opfer für die Bevölkerung, von denen es vielen egal ist, wer hier das Sagen hat, solange sie nicht in ihren Kreisen gestört werden!“ äußerte die Gouverneurin.
„Das ist mir bewusst!“ entgegnete der General, „Meine Lebensgefährtin denkt ähnlich! Für sie hatte sich während der Clan-Besatzung fast nichts geändert, nur das ihr Mann den Freischärlern zum Opfer gefallen ist!“ Mirela Steinar nickte, sie war Solveigh Friedkin schon des Öfteren bei gesellschaftlichen Anlässen begegnet und wusste, welche Meinung sie vertrat.
„Bieten die Clans nicht, bevor sie angreifen?“ wollte sie wissen.
„Ja, aber man darf das nicht falsch bewerten! Das Bieten ist, wenn man es genau nimmt, ein Wettbewerb der Kommandeure, wer ein Gefecht mit den geringsten Kräften gewinnen kann. Wenn sich die Gegenseite aber behaupten kann, werden Verstärkungen nachgeführt, was zwar mit einem Ehr- und Ansehensverlust des Kommandeurs verbunden ist, aber zu Verlieren wäre viel Schlimmer! Als Verstärkung stehen alle Kräfte zur Verfügung. D.h. am Stärkeverhältnis ändert sich durch das Bieten nichts! Wenn uns eine überlegene Streitmacht der Claner angreift, wird uns kein Bieten retten! D.h. wenn Clan Jadefalke uns mit Kräften in der Stärke einer Galaxis oder mehr angreifen würde, wären meine Soldaten alle letztlich nur Kanonenfutter, die das unvermeidliche lediglich hinauszögern! Und mit Verstärkungen können wir in der augenblicklichen Situation im VerCom nicht rechnen, außer sie glauben an Wunder!“ sagte der General bitter. Mirela Steinar sah in das versteinerte Gesicht ihres Milizkommandeurs und spürte etwas.
„Sie waren schonmal in so einer Situation, oder?“
„Ja, damals habe ich meine Frau und meine beiden Kinder verloren. Aber diese Situation ist mit der derzeitigen nicht vergleichbar. Damals ging es nur darum, den Gegner aufzuhalten, was uns letztlich gelang. Aber hier und jetzt würden wir der kompletten Vernichtung gegenüberstehen, ohne dass wir etwas bewirken könnten, außer vielleicht so viele Claner mitzunehmen wie möglich! Diese wurden für den Krieg geboren, wir nicht! Ich werde den Kampf aber aufnehmen, wenn wir angegriffen werden, das versichere ich ihnen! Am Kampfeswillen der Miliz wird es nicht liegen! Es gibt keine tapfereren und opferbereiteren Soldaten als die, die ihre Heimat und ihre Lieben verteidigen!“ gab der General zurück und Mirela spürte, dass er aus Erfahrung sprach.




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System Barcelona, Barcelona, Norn, Skuld, Lagezentrum Miliz
23.05.3064, 09:05 Uhr


„Hier spricht StarColonel Srac, Kommandeur der 7. PGC. Wir beanspruchen Barcelona wieder für Clan Jadefalke und werden in 2 Tagen landen. Mit welchen Einheiten verteidigt ihr den Planeten?“
Alle Blicke in dem Raum waren auf das Display an der Wand gerichtet, auf dem der Clankrieger seine Botschaft verkündete, die vor 15 Minuten eingegangen war. GenLt. Fichtenberg und Oberst Müller schauten sich an. Der Oberst nickte kaum merklich und General Fichtenberg stand auf.
„Ich übernehme hiermit das Kommando!“ verkündete er, dann ging er auf die Lage ein. „Der 7. Provisorische Garnisonscluster besteht nach unseren Unterlagen aus 5 – 7 Binaries, als 50 – 70 Mechs plus entsprechender Unterstützungseinheiten, wie L/R-Jäger, Panzer, Infanterie und Elementare. Dies ist aber nicht die vollständige Invasionsstreitmacht! Die Falken sind mit mehreren „INVASOR“-Sprungschiffen und 2 Kriegsschiffen ins System gesprungen, damit schätzen wir, dass der Gegner mit einer kompletten Galaxis im System ist. Es dürfte sich dabei um die OMEGA GALAXIS unter Jared von Jankmon handeln. Sie meinen es also ernst damit, Barcelona zu erobern!“
„Die halten von uns wohl nicht sehr viel, wenn sie einen Garnisonscluster ins Feld schicken!“ meinte einer der Kommandeure.
„Unterschätzen sie sie nicht. Sie sind als Teil der Invasionsstreitmacht eine Frontklasseeinheit. Sie sind uns auch kräftemäßig überlegen!“ stellte der General fest. „Das 14. Ausbildungsbataillon verfügt nur über zwei Mechkompanien mit einem Bereitschaftsgrad von 80% und die Miliz hat eine verstärkte Mechkompanie mit 85 % Einsatzbereitschaft. In einer offenen Feldschlacht würden sie uns einfach überrollen! Aber das dürfte ihnen allen klar sein.“
„Werden wir auf das Gebot antworten?“ fragte Oberst Müller. Der General holte Luft, als ob er sich Zeit verschaffen wollte, bevor er antwortete. Dann sagte er:
„Ja, wir werden „All In“ gehen und dem Gegner ein Schlachtfeld vorschlagen, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung und unsere Industrien so gering wie möglich zu halten. So wie ich Clan Jadefalke kenne, werden sie darauf eingehen. Sie halten sich in der Regel strikt an die Ares-Konvention.“ Dann berieten die Offiziere, wie sie der Bedrohung am besten begegneten, aber jedes Szenario endete mit einem Scheitern der Verteidigung. GenLt. Fichtenberg entschied sich dann für einen Operationsplan, der die Kämpfe möglichst lange hinauszögern sollte, um die Galaxis so lange wie möglich im System zu halten. Verstärkung würden sie zwar über HPG anfordern, aber der General wusste genau, dass nichts und niemand ihnen zur Hilfe eilen würde! Woher denn auch, der Bürgerkrieg hatte alle Reserven aufgefressen!


Nach der Besprechung meldete er das Ergebnis der Generalgouverneurin.
„Wir werden Barcelona also verlieren, oder?“ fragte sie.
„Das ist das wahrscheinlichste Szenario! Alles andere wäre ein Wunder! Meine Soldaten und ich werden das letzte Geben um es zu verhindern, aber mir widerstrebt es Frauen und Männer sinnlos zu opfern!“ Mirela Steinar schaute ihren Kommandeur überrascht an.
„Sie haben etwas vor? Was ist es?“
„Das werden sie sehen, aber erst einmal werden wir dem Angreifer einen heißen Empfang bereiten! Ich werde dem Gebot von StarColonel Srac antworten und ihm als Schlachtfeld die Vigrid-Ebenen und das angrenzende Vorgebirge anbieten. Dort sind wir weit genug von allen Bevölkerungszentren und den Industrieanlagen weg, um Kollateralschäden zu verhindern und wir haben den Vorteil in bekanntem Gelände zu operieren! In zwei Tagen werden sie landen, dann wird sich unser Schicksal entscheiden!“


Der General begab sich in die Kommunikationszentrale der Miliz und hatte bewusst Paradeuniform mit seinen Generalsinsignien angezogen. Er ließ die Verbindung herstellen und der StarColonel erschien auf dem Schirm.
„Hier spricht General Fichtenberg, wir werden Barcelona verteidigen mit allem was wir haben und schlagen als Schlachtfeld die Vigrid-Ebene und das Gebirgsvorland vor, um Kollateralschäden an der planetaren Bevölkerung und Infrastruktur zu vermeiden. Wir gewähren ihnen Zellbriggen für die Landung auf der Vigrid-Ebene!“
„Das ehrt sie, dass sie sich an unsere Traditionen halten! Gut gehandelt und akzeptiert!“ sagte der Claner nach einer Signalverzögerung. Der StarColonel grinste und der Bildschirm wurde dunkel.


Der StarColonel wendete sich von der Kamera ab, die ihn aufgezeichnet hatte.
„War dieser General nicht einer der Kommandeure, die uns damals von Barcelona vertrieben haben?“ fragte er seine Stellvertreterin, die neben ihm stand.
„Pos! GenLt. Fichtenberg und GenLt. Adam Steiner haben uns damals auf Barcelona besiegt! Ich habe mir die Gefechtsberichte von damals angesehen. Der Mann ist ein kompetenter Gegner, wir dürfen ihn nicht unterschätzen!“ meinte Star Captain Beata.
„Er ist in jedem Fall ein Mann von Ehre! Aber egal wie gut er ist, dass die 14. Donegal Garde nach Newton Square abgerückt ist, hat sie zum Untergang verurteilt!“ stellte der Star Colonel fest. „Lege die Landezone fest, in zwei Tagen werden wir ihnen gegenübertreten und Barcelona wird bald wieder unser sein!“




Innere Sphäre, Lyranische Allianz, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Vigrid-Ebene
25.05.3064, 14:37 Uhr


Lt. Lycom Torin hatte sich mit seinem kleinen Spähtrupp bis auf 4 km den Landungsschiffen der Jadefalken genähert und beobachtete genau, was dort passierte.
„Ich zähle rund 60 Mechs, der 7. PCG ist wahrscheinlich mit 7 Binarys gelandet!“ sagte er zu seinem Feldwebel, der neben ihm lag und ebenfalls beobachtete.
„Wir müssen weg“, sagte dieser, „da kommen Elementare auf uns zu, die bauen einen Überwachungsring auf!“ Der Leutnant nickte,
„Dann nichts wie weg, wir haben genug gesehen und aufgezeichnet!“ 1 Minute später saßen die beiden in ihrem leichten Erkundungsfahrzeug und der Fahrer fuhr sie durch den Taleinschnitt zurück, durch den sie auch gekommen waren. Erst nach 5 km gab der Leutnant seine Erkundungsmeldung ab, da er sonst zu schnell aufgeklärt worden wäre.


Der S2 auf dem mobilen Gefechtsstand ergänzte die Lagekarte anhand der Meldungen, die durch die Spähtrupps hereinkamen.
„Das 7. PCG ist mit 3 Landungsschiffen auf der Vigrid-Ebene gelandet. ein „OVERLORD“ und zwei „UNION“. Geschätzte feindliche Stärke 7 Binarys, also 70 Mechs! In ca. einer Stunde dürften sie abmarschbereit sein!“ legte der S2-Offizier die Lage dar.
Georg Fichtenberg stand mit seinem Freund Georg Müller an der Karte und überlegten ihre nächsten Schritte.
„Wir müssen sie ins Vorgebirge locken, dort können wir sie in Hinterhalten bekämpfen!“ schlug der Oberst vor.
„Du sprichst aus, was ich denke!“ sagte der General, beugte sich vor und zeigte auf die Karte.
„Schick eine deiner Scout-Lanzen hierhin, sie sollen ein wenig Lärm machen und sich dann hierher zurückziehen. Dann …“ Beide Offiziere entwickelten schnell einen Operationsplan der im Anschluss umgehend umgesetzt wurde. Die Scoutlanze der 14. Donegal Garde war innerhalb von 45 Minuten vor Ort.


Lt. Naomi Frank beobachtete aus ihrer „WASP“ ihren Abschnitt und konnte nach 10 Minuten Bewegung am Horizont feststellen.
„Lookout1, hier Lookout4, sehe Bewegung am Horizont!“ meldete sie sofort
„Hier Lookout3, bestätige!“ hörte sie dann im Lanzenkanal.
„Hier Lookout1, ruhig bleiben! Wir lassen sie etwas herankommen, schießen sie an und ziehen uns zu unserer Ausweichstellung zurück!“ hörte Naomi ihren Lanzenführer. Wie alle Soldaten des gemischten Ausbildungsbataillons der 14. Donegal wusste sie, wie dieser Kampf letztlich ausgehen würde. Sie hatte noch eine letzte Nachricht an ihre Eltern senden können, bevor sie in die Vigrid-Ebene abgerückt waren. Ihr Vater war im Geheimdienst-Stab des Melissea-Theaters eingesetzt und wusste sicher von ihrer ausweglosen Situation. Sie ballte die Faust! Sie würde, wie alle Kameraden, ihr Leben so teuer verkaufen wie nur möglich!


Star Captain Holofernes rückte mit seinem Stern vor. Bis jetzt hatten sie keinerlei Feindkontakt! Diese Stravags versteckten sich sicher irgendwo, anstatt sich dem Unvermeidlichen in einer ehrenhaften Schlacht zu stellen! Seine „NOVA“ rückte an der Spitze der Formation vor, als plötzlich 900 m vor ihnen Mechsignaturen auftauchten. Rasch scannte er die Gegner, eine leichte Scoutlanze – kein Gegner für sie! Er ließ seinen Stern ausschwärmen und rückte vor. Da schlug eine PPC in seinem rechten Waffenarm ein und beschädigte die Panzerung. Seine MedLaser im Arm blieben unbeschädigt. Dann wurden zwei weitere seiner Mechs von LargeLasern getroffen und sie selbst bekamen keine saubere Zielerfassung auf den Feind, da sich die Freigeburten hinter dichten Deckungen verschanzt hatten. Plötzlich verschwanden die Blips auf dem Radar und nur noch die seismischen und die Magnet-Scanner zeigten noch an, das Mechs vor ihnen waren. Sie hatten ihre aktiven Sensoren ausgeschaltet! Aber er sah trotzdem, dass sie sich zurückzogen!
„Diese Feiglinge!“ schimpfte Mechkriegerin Jane über den Kanal des Sterns.
„Ruhe! Wir rücken weiter vor!“ befahl er. Im Gegensatz zu seiner unerfahrenen Kameradin hatte er schon gegen Krieger der inneren Sphäre gekämpft und fest damit gerechnet, dass sie sich zurückziehen würden!


Georg Fichtenberg stand an der sich ständig aktualisierenden Lagekarte. Er trug bereits seine Kühlweste und Shorts, jederzeit bereit in seinen „BUSHWACKER“ zu klettern. Die Claner rückten geordnet und ohne Hektik vor und folgten seinen vorn eingesetzten Lanzen immer tiefer in das hügelige Gelände des Vorgebirges. Wenn sich die Lage weiter so entwickeln würde, würde einer der Clan-Binarys in ca.1,5 Stunden in den ersten sorgfältig vorbereiteten Hinterhalt laufen! Er dachte kurz an Solveigh, von der er sich Gesternabend wahrscheinlich für immer verabschiedet hatte und er spürte einen Stich im Herz! Sie hatte ihn gebeten nichts zu tun, was der Zivilbevölkerung von Barcelona schaden könnte und er hatte deutlich ihre Angst um ihn gefühlt. Er spürte jetzt noch ihre heißen Tränen auf der Haut!


Der BinärStern von StarCaptain Lucius rückte auf einen Talkessel in den von der anderen Seite zwei Schluchten einmündeten. Er hatte jeweils 2 Strahlen links und rechts oben auf den Bergrücken, die die Schlucht einfassten, vorgehen lassen, um Überraschungen vorzubeugen. Sein „HELLBRINGER“ marschierte im Tal vorne weg. Bis jetzt hatte sich der Gegner immer wieder zurückgezogen und nur ab und zu das Feuer auf seinen BinärStern eröffnet. Das Gelände ermöglichte keinen konzentrierten Vorstoß, so dass sich die Kräfte des 7. PCG in breiter Front auf 4 Marschrouten ihren Weg in das Vorgebirge bahnten. Sein Binary war auf dem linken Flügel und ein zweites Binary folgte ihnen in 10 Minuten Abstand als Verstärkung und Abschirmung nach hinten.


„Wir haben 10 Minuten, bevor die Verstärkung den Binärstern entsetzen kann! Lanze „BRAVO“, ihr attackiert die beiden Mechs auf dem Bergrücken, während Lanzen „ALPHA“ und „CHARLIE“ den Gegner im Talkessel angreifen. Wenn der Befehl zum Rückzug kommt sofort, ich betone ausdrücklich: SOFORT zurückziehen über Ausweichweg „ANTON“! Attacke auf mein Zeichen!“ Nachdem er den Befehl gegeben hatte, beobachtete Oberst Müller gespannt aus seinem „GRIFFIN“ „GRF-1S“ das Tal über den Videofeed, den die dort aufgestellte Kamera übertrug. Neben ihm hockte der „BUSHWACKER“ des Generals der zusammen mit ihm die „ALPHA“-Lanze der 2. Kompanie verstärkte. Dann war der Gegner in der richtigen Position.
„Balken1, hier RadX, Minen scharf schalten!“
„Hier Balken1, Minen sind scharf!“ kam umgehend die Meldung. Die gegnerischen Mechs standen nun inmitten einer dichtgepackten und scharfen Minensperre und es würde nur Sekunden dauern, bis einer der CLAN-Mechs eine Mine auslösen würde und damit das Signal für den Angriff gab!


Die „STORMCROW“ machte einen Schritt nach vorn und der Boden riss in einer gewaltigen Detonation auf, zerstörte den Fußaktivator des Mechs und brachte ihn ins Straucheln.
„STRAVAGS!“ fluchte StarCaptain Lucius. Sofort erfasste er die Lage: Sie waren in ein Minenfeld geraten! Schlagartig nahm sein Radar eine Menge roter Blips wahr, der Gegner griff an!
„Vorsicht, wir sind in einer Minensperre, Gegner greift von Links an!“ gab er durch. Er versuchte mit seinen Scannern die Minen zu finden, die vor ihm lagen und rückte vorsichtig zum Gegner vor. In einer lauten Detonation fiel ein weiter Mech seines Binarys. Die beiden Mechs auf dem linken Bergrücken zogen schnell vor, um den Gegner in die Zange zu nehmen, doch hinter ihnen tauchte eine komplette Gegnerlanze auf und schossen sofort auf die Rückenpanzerung der beiden Clan-Mechs. Ohne auf Zellbriggen zu achten, konzentrierten sie das Feuer auf den „NOVA / BLACK HAWK“ der neben dem „VULTURE / MAD DOG“ auf die Mechs der 14. DG vorrückte. Schon nach kurzer Zeit gab die schwache Rückenpanzerung der „NOVA“ nach. Gerade als der Mechkrieger in die Pedale trat, um die „NOVA“ mit seinen JumpJets aus der Gefahrenzone zu bringen, durchschlug eine AC/10 eines „ENFORCERS“ die Rückenpanzerung und fällte den Mech. Der „VULTURE“ drehte sich um und nahm den Kampf gegen die Lanze der 14. DG auf.


Lucius visierte einen „HUNCHBACK“ an und löste einen Alpha-Schlag gegen den IS-Mech aus. Sofort leuchtete die TORSO-Panzerung auf seinem Scanner rot auf.
„Kein Zellbriggen!“ gab er durch. Da sich die Sphärer nicht daranhielten, dann brauchten sie es auch nicht. Sofort setzte der „TIMBER WOLF“, der neben Lucius vorrückte nach und durchschlug mit einem ALPHA den Torso des „HUNCHBACK“s, dessen Pilot sich aber mit dem Schleudersitz retteten konnte. Die beiden Lanzen nahmen die restlichen Mechs des Binarys unter Feuer und teilweise erhebliche Schäden verursachen, während die Claner der 14. DG nichts schuldig blieben.


Nach 5 Minuten erteilte Oberst Müller den Befehl zum Rückzug, und alle Mechs der Verteidiger zogen sich so schnell als möglich zurück. Zum Glück waren bis auf den „HUNCHBACK“ keine weiteren Mechs verloren gegangen. Lucius ballte die Faust, der Gegner war entkommen, da das Minenfeld sie zu sehr behindert hatte um schneller aufzuschließen. Vier seiner Mechs waren stark beschädigt, drei Mechs seines Binarys waren vernichtet und ein Mechkrieger tot! Als der Gegner außer Sensorreichweite war, detonierten alle Minen im Tal. Zum Glück waren alle Mechkrieger in ihren Mechs, so dass keine weiteren Opfer zu beklagen waren. Der Feind hatte die restlichen Minen gesprengt und die Detonationswolke deckt den Rückzug der Sphärer zusätzlich.




Innere Sphäre, Lyranische Allianz, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Vigrid-Ebene
26.05.3064, 10:37 Uhr


Der zweite Hinterhalt, dieses Mal auf der rechten Flanke der Claner war wieder erfolgreich verlaufen und sie hatten unter Verlust eines eigenen Mechs zwei weitere Clan-Mechs ausschalten können. Der General war auch bei diesem Hinterhalt dabei gewesen, der von seiner Miliz vorgetragen worden war. Er studierte im mobilen HQ die Karte und extrapolierte die Bewegungen des Gegners. Seltsamerweise waren keine L/R-Jäger am Himmel, scheinbar hatte der Kommandeur des 7. PGC StarColonel Srac die L/R-Jäger weggeboten um den Zuschlag für den Angriff zu erhalten. Aber immer wieder schossen sie Aufklärungsdrohnen der Claner ab, die hektisch seine Kräfte im Vorgebirge suchten. Die nächsten Tage würden die Verteidiger nicht aktiv werden und nur sporadisch das Gefecht in Hinterhalten führen, wenn die Voraussetzungen für die Verteidiger günstig wären, beschloss Georg Fichtenberg. Er beabsichtigte das große Gefecht konsequent zu verweigern und sich mit den Clanern ein Katz- und Maus-Spiel zu geben, bei dem sie aufgrund der Ortskenntnisse klar im Vorteil waren.




Innere Sphäre, Lyranische Allianz, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Vigrid-Ebene, TVP
03.06.3064, 19:51 Uhr


Georg eilte in den Truppenverbandsplatz,
„Wo ist Oberst Müller!“ fragte er. Der SanFw zeigte nach hinten, in den Bereich, in dem die Intensivpatienten behandelt wurden. Georg wurde es ganz mulmig zumute, war doch Georg Müller einer der wenigen engen Freunde, die er hatte! Bevor er den abgeteilten Bereich betreten durfte, half ihm einer der Sanitäter in einen sterilen Kittel und gab ihm einen Mundschutz.
„Seien sie nicht zu bestürzt, der Oberst hat beim dem Hubschrauberabsturz schwerste Verbrennungen erlitten, ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt!“ Der General nickte.
„Hat er Schmerzen?“ fragte er.
„Ich hoffe nicht, wir haben seinen Körper mit Schmerzmitteln geflutet!“
Der Sanitäter machte einen betroffenen Eindruck, Georg wusste, dass sein Freund bei seinen Frauen und Männern sehr beliebt war und das sein Schicksal viele beschäftigte!
„Danke!“ sagte er zum Sani und betrat den kleinen Raum. Sein Freund lag auf einer Liege und fast sein ganzer Körper war mit Gaze abgedeckt, die überall mit dunklen Flecken übersäht war. Ein Arzt stand bei ihm.
„Ist er ansprechbar?“ fragte der General ihn.
„Ja, er hat schon nach ihnen gefragt!“ meinte der Arzt und trat ein wenig zur Seite. Georg eilte an das Bett und schaute seinen Freund an. Der Helm, den er in dem Helikopter getragen hatte, hatte sein Gesicht weitestgehend vor den Verbrennungen geschützt.“
„Du machst Sachen!“ meinte der General.
„Immer für eine Überraschung gut!“ gab Georg Müller mit leiser und rauer Stimme zurück und hustete dabei. Dann fixierte er den General,
„Hol unsere Leute aus diesem sinnlosen Kampf heraus!“ sagte er gepresst. „Das sind wir ihnen schuldig!“
„Das verspreche ich dir!“ antwortete Georg Fichtenberg. „Und wenn es meine Karriere und persönliche Ehre kostet!“ Sein Freund versuchte ein Lächeln, bekam dann aber einen Hustenanfall. Dann fixierte er den General erneut und packte die linke Hand des Generals mit erstaunlicher Kraft. Dann sagte er so laut er konnte.
„Ich übertrage dir hiermit die Besitz- und Eigentumsrechte meines Mechs „Pfeifferhannes“! Der Arzt ist Zeuge!“ Dann lies er die Hand los. Georg Müller atmete schwer, dann wurde sein Atem immer flacher. Ein letztes Mal schauten sich die Freunde in die Augen, dann brach sein Blick und im Hintergrund hörte Georg Fichtenberg das konstante Pfeifen des EKGs. Sofort drängte ihn der Arzt beiseite und versuchte den Oberst wiederzubeleben, schnell war das gesamte Team im Abteil. Nach 12 Minuten schlug das Herz wieder! Nach ein paar Messungen richtete sich der Arzt auf und schaute den General an.
„Sein Herz schlägt, aber sein Geist hat ihn für immer verlassen! Oberst Müller ist Hirntot. Soll ich die Maschinen abschalten?“
„Nein, halten sie es vorerst geheim, keiner darf es wissen! Sorgen sie dafür!“ sagte Georg, „Unsere Leute sollen die Hoffnung nicht verlieren!“ Dann wandte er sich ab. Er hatte soeben seinen besten Freund verloren. So sinnlos! Eine eigene Flugabwehrbatterie hatte den Erkundungshubschrauber mit dem Oberst an Bord aus Versehen abgeschossen, als er sich im Tiefflug dem HQ näherte. So etwas kam leider im Krieg des Öfteren vor und Georg hielt sich aus den disziplinaren Maßnahmen des Ausbildungsbataillons heraus! Er wusste, dass sich die Flak-Besatzung selbst die größten Vorwürfe machte! Das ihm sein Freund vor seinem Tod noch seinen eigenen Mech geschenkt hatte, war eine große Geste und Georg ballte die Fäuste, als er die gemeinsamen Erlebnisse vor seinem inneren Auge rekapitulierte. Nach ein paar Minuten holte er tief Luft. Er musste weitermachen, egal was noch vor ihm lag!




Innere Sphäre, Lyranische Allianz, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Vigrid-Ebene Mobiles HQ Miliz und 14. DG
07.06.3064, 08:00 Uhr


Auf dem Schirm war StarColonel Srac zu sehen. GenLt. Fichtenberg stand im Fokus der Kamera und sein Gegenüber studierte seine Züge.
„Wollen sie sich ewig verstecken?“ fragte der StarColonel.
„Nein!“ gab Georg zurück. „Wir können dieses Spiel sehr lange treiben, das wissen sie! Wir haben hier alle Vorteile! Aber ich will ihnen etwas anbieten, dass die Kämpfe sofort beendet, eine endgültige Entscheidung herbeiführt und damit Barcelona den Frieden gibt!“ Georg sah, wie sich Interesse auf den Gesichtszügen des Claners breitmachte. Georg hatte das Vorgehen mit der Generalgouverneurin abgesprochen und sie hatte, wenn auch schweren Herzens, zugestimmt, da sie auch keine Hoffnung mehr hatte, dass sie entsetzt werden würden!
„Und was ist das?“ fragte StarColonel Srac.
„Ich fordere sie zu einem Widerspruchstest gegen die Invasion auf, als Mechduell zwischen ihnen und mir! Wenn ich gewinne, zieht sich Clan Jadefalke zurück und verzichtet für 2 Jahre auf einen weiteren Invasionsversuch auf Barcelona! Wenn sie gewinnen übergeben wir ihnen Barcelona ohne weiteren Widerstand und ohne weitere Zerstörungen, aber sie gewähren meinen Truppen Hegira und ermöglichen uns den Rückzug vom Planeten unter Mitnahme unserer vollständigen Ausrüstung! Angehörige der Miliz, die hierbleiben wollen, scheiden aus dem Dienst aus und können zu ihren Familien zurückkehren! Wir übergeben auch alle Waffen und militärische Ausrüstung an sie, die auf dem Planeten verbleibt!“


StarColonel Srac musterte das Bild des Generals auf dem Schirm. Noch hatte er keine Verstärkungen nachgefordert und er konnte selbst bestimmen, ob er den Test annahm oder nicht! Nach seinen Daten war der Gegner durch die Kampfhandlungen der letzten 2 Woche nur leicht dezimiert, aber wenn man alles zusammenzählte entsprach die Stärke gerade mal die Hälfte eines Clan-Clusters. Also kaum der Rede wert gegen den Touman des Clans Jadefalke. Außerdem war es ein ehrenvoller Weg für beide Seiten, wobei er natürlich nicht davon ausging, dass der General das Duell gegen ihn gewinnen würde. Er hatte sich in den letzten Wochen sehr genau über ihn informiert. Der Mann verdiente Achtung, aber seine Fähigkeiten als Mechkrieger waren eher durchschnittlich. Da kam ihm noch eine Idee! Er wollte nicht nur den General schlagen, sondern auch ein Symbol der Lyranischen Allianz!
„Herr General, wenn sie in einem „GRIFFIN“ gegen mich antreten, werde ich ihnen in einem Clan-MediumMech begegnen und nicht in meinem „WARHAWK“!“
„Damit bin ich einverstanden!“ antwortete der General prompt.
„Gut gehandelt und akzeptiert!“ gab StarColonel Srac zurück. „Wir werden noch den Ort vereinbaren, aber der Kampf soll morgen stattfinden!“
„Ich stehe bereit!“ gab der General zurück.




Innere Sphäre, Lyranische Allianz, Melissia Theater
System Barcelona, Barcelona, Norn, Vigrid-Ebene, Vorgebirge
08.06.3064, 11:00 Uhr


Die Claner hatten ein großes Areal von fast 4 km² abgesperrt und mit Baken gekennzeichnet. Das Gelände war leicht durchschnitten, so dass keiner der beiden Duellanten einen besonderen Vorteil hatte. In der Luft schwirrten Drohnen umher, die den Widerspruchstest in die Video-Netzwerke des Planeten und zu den Clanern übertrugen. Georg machte sich nur wenig Hoffnungen dieses Duell zu gewinnen. Zu sehr war er sich seinen nur durchschnittlichen Skills als Mechkrieger bewusst! Aber was wichtiger war, er konnte damit seinen Soldaten einen Ausweg in die Freiheit eröffnen, denn sonst wären sie alle hier auf Barcelona gestorben oder gefangen genommen worden, ohne etwas bewirken zu können! Georg saß in dem „GRIFFIN“ seines alten Freundes Georg Müller, den ihm dieser vor ein paar Tagen auf dem Sterbebett übereignet hatte. Dessen Tod wurde weiterhin geheim gehalten! Sein „BUSHWACKER“ „Skinir“ war sowieso zurzeit irreparabel beschädigt, nachdem in einem der Hinterhalte eine GAUS-Kugel die Hüftaktivatoren zerschmettert hatte. Sie hatten „Skinir“ mit Müh und Not gerade noch bergen können, bevor der Feinddruck zu groß geworden war. Den Mech hatten sie nach der Schadensaufnahme in einer Höhle versteckt und diese verschlossen. Vielleicht würde er ihn eines Tages bergen können, aber davon ging er nicht aus.


Georg schob den Fahrthebel vor und marschierte zu seiner Ausgangsposition an der westlichen Seite des Duellgeländes. Sein Gegner, StarColonel Srac stand auf der Ostseite in fast 1800m Entfernung. Er hatte Georg mitgeteilt, dass er in einem „BLACK LANNER“ in Primärkonfiguration gegen ihn antrat. Ein Mech von 55 to der über eine hohe Geschwindigkeit und Beweglichkeit verfügte. Bewaffnungsseitig waren die beiden Mechs fast ebenbürtig, mit einem leichten Vorteil zugunsten des „BLACK LANNER“. Aber der Star Colonel hatte Wort gehalten! Einige seiner Offiziere, vor allem die der 14. DG, hatten gegen Georgs Vorgehen vehement protestiert. Sie wollten bis zum bitteren Ende kämpfen, aber letztlich fügten sich alle seinem Befehl! Das Letzte was er getan hatte, bevor er in den Mech gestiegen war, dass er OTL. Tanya Grey, die Stellvertreterin seines alten Freundes zu seiner offiziellen Stellvertreterin, und damit defacto zu seiner Nachfolgerin erklärt hatte. Georg erreichte die Ausgangsposition und wenn er den Zoomfaktor hochsetzte, konnte er den „BLACK LANNER“ auf der anderen Seite des Geländes erkennen.
„Sind sie bereit Herr General?“ funkte ihn StarColonel Srac an.
„Ich bin bereit StarColonel! Für die Lyranische Allianz und für Barcelona!“ antwortete er und das Gefecht begann.


Srac setzte seinen Mech sofort in Bewegung. Mit MASC konnte der Mech auf fast 152 km/h beschleunigen, d.h. die Entfernung würde in Rekordzeit schmelzen und die beiden Kontrahenten wären gegenseitig in Waffenreichweite. Georg beschleunigte ebenfalls, wich aber nach rechts aus und visierte den Gegner an. Als die Zielerfassung summte, zog er den Abzug für die LRM10s und schickte eine Salve auf die Reise, die kurz darauf in den „BLACK LANNER“ einschlugen. Aber schon traf ihn der ER large Laser des Clan-Mechs und kochte Panzerung von seinem linken Arm, kurz darauf prügelten cLRMs auf den „GRIFFIN“ ein. Georg versuchte sich von dem Gegner fernzuhalten, damit dieser nicht seine beiden cER med Laser und cSRM 6 gegen ihn einsetzen konnte. Er feuerte seine PPC ab, die aber knapp den Clan-Mech verfehlte. Georg trat beide Pedale durch und sein Mech wurde in die Höhe gerissen. Dabei drehte er den Mech leicht und visierte den Clan-Mech an. Als die Zielerfassung summte, zog er am Abzug, der die PPC und die LRM10 auslöste. Dieses Mal traf die PPC und die Raketen fanden fast alle ihr Ziel. Völlig unbeeindruckt stürmte der „BLACK LANNER“ weiter auf ihn zu und löste, als er auf 300 m heran war, alle Waffen aus. Georgs „GRIFFIN“ erbebte unter den Treffern. Überall wurde Panzerung abgerissen oder geschmolzen. Georg richtete seinen Mech aus und antwortete mit seinen beiden med Lasern, die parallel zur PPC an seinem rechten Arm montiert waren und traf. Er trat wieder in die Pedale und sprang, damit entging er knapp dem Gegenschlag. Aber der schnelle Clan-Mech hing wie eine Klette an ihm und Georg konnte keine Distanz zwischen ihnen aufbauen. Immer wieder trafen die Laser des „BLACK LANNER“ und kochten immer mehr Panzerung ab. Georg erwiderte das Feuer, aber die Ferrofibritt-Panzerung des Gegners verdaute die Treffer erheblich besser!


Bald war die Panzerung des „GRIFFIN“s stark in Mitleidenschaft genommen worden und die Gefahr eines kritischen Treffers wuchs exponentiell. Srac ahnte fast jedes Manöver von Georg voraus und er musste neidlos anerkennen, dass der Claner einer der besten Mechkrieger, war denen er je gegenübergestanden hatte. Dann plötzlich stand der „BLACK LANNER“ direkt vor ihm und Georg setzte alles auf eine Karte! Er trat beide Pedale durch und sein „GRIFFIN“ erhob sich in einer ballistischen Kurve in die Höhe, die direkt auf dem „BLACK LANNER“ enden würde. Aber ohne zu zögern rannte der Clan-Mech nach vorn, sehr knapp unter seinen Fußaktivatoren hindurch, wendete den Mech und als Georg perplex auf dem Boden landete, wurde sein „GRIFFIN“ von einem Alpha-Schlag in den Rücken nach vorne gerissen. Die Rückenpanzerung wurde pulverisiert und lebenswichtige Elemente der Energieversorgung zerstört. Sein Mech landete bäuchlings im Dreck, Sekundärexplosionen rissen den Boden des Cockpits auf und scharfe Schrapnelle flogen glühend durch das Cockpit und trafen Georg. Brennende Schmerzen rasten durch seinen Körper, augenblicklich wurde es ihm schwarz vor den Augen und er fiel in ein tiefes schwarzes Loch.


Srac sah den „GRIFFIN“ fallen und bemerkte interne Explosionen. Aber die Fusionsflasche hielt erstaunlicherweise! Damit war der Kampf vorbei und Barcelona wieder an die Jadefalken gefallen. Aber Srac hegte keinerlei Groll gegen seinen Gegner. Er hatte sich als ehrenvoller Krieger erwiesen. Er trat einen Schritt vor, um das Wrack des „GRIFFIN“s zu inspizieren. Der Mech war ausgeweidet und tot.
„Hier Srac, holt den Leichnam des Generals aus dem Mech, bevor er noch explodiert!“ befahl er. Sofort waren zwei Fahrzeuge vor Ort und Mitglieder der Tech-Kaste kletterten über den gefallenen Mech. Dann befahl der StarColonel noch, die Übertragung des Kampfes zu beenden. Alle Schirme auf dem Planeten wurden dunkel!
„Hier MechTech Axel, keine Explosionsgefahr, wir öffnen jetzt das Cockpit!“ hörte Srac die Meldung. Nach einer kurzen Zeit hörte er erstauntes Keuchen,
„Sir, der General lebt noch! Er ist zwar mehr tot als lebendig, aber was sollen wir tun?“ Sracs Augen weiteten sich vor Erstaunen. Der Mann im Cockpit war genau so zäh wie sein Mech!
„Sofort bergen und volle medizinische Behandlung, aber das bleibt geheim!“ befahl er.
„Pos!“ gab der MechTech zurück. Dann funkte er seine Stellvertreterin an.
„Beata, hier Srac, erklären sie den General offiziell für tot! Er hat das Gefecht nicht überlebt!“
„Hier Beata! Offiziell?“
„Pos! Er lebt noch, sorgen sie dafür, dass er die beste Behandlung bekommt, die wir haben! Das hat er sich verdient und halten sie das geheim!“
„Pos!“ hörte er, als seine Stellvertreterin seinen Befehl bestätigte. Srac wendete sich mit seinem Mech von dem „GRIFFIN“ ab und marschierte zurück. Der General musste für alle tot sein, um jede Hoffnung seiner Soldaten und der Planetenbevölkerung zu begraben. Aber ihn sterben zu lassen, konnte Srac nicht mit seiner Ehre vereinbaren. Er überlegte, wie er dieses Problem lösen konnte und war gespannt was GalaxisCommander Jared von Jankmon zu seiner Entscheidung sagen würde!




Innere Sphäre, Jadefalken Besatzungszone
System Barcelona, Barcelona, Norn, Amtssitz Gouverneurs
11.06.3064, 12:00 Uhr


Die Generalgouverneurin von Barcelona, Mirela Steinar betrat ihr ehemaliges Büro, in dem nun der GalaxisCommander Jared von Jankmon auf ihrem Stuhl saß. Sie begrüßte ihn förmlich und der Clan-Offizier meinte,
„Frau Steinar, diese Welt ist nun wieder Teil der Jadefalken Okkupationszone!“ stellte er das offensichtliche fest. „Ich hoffe, dass alles reibungslos weiterläuft! Ich bedauere es sehr, dass ihr Milizkommandeur GenLt. Fichtenberg beim Widerspruchstest gefallen ist. Aber er hat äußerst ehrenvoll gehandelt, da er unsere Traditionen geachtet hat und sich bei der Verteidigung von Barcelona nicht, wie so viele andere Kommandeure der Inneren Sphäre, hinter Zivilisten verschanzt hat. Er war zweifellos ein bemerkenswerter Charakter!“
„Das war er, GalaxisCommander! Ganz Barcelona und besonders seine Lebensgefährtin und auch ich trauern um ihn! Ich würde es begrüßen, wenn sie seinen Leichnam freigeben würden, damit wir ihn würdig nach unseren Traditionen beerdigen können!“
„Dies werden wir ermöglichen! Leider ist seine Leiche in einem sehr schlimmen Zustand, deshalb werden sie ihn wohl nicht aufbahren können! Näheres können sie mit StarColonel Srac klären, der ihre Welt eingenommen hat.“ Dann machte der Galaxiscommander eine kurze Pause und fuhr dann fort. „Wir würden es begrüßen, wenn sie als Sprecher der Bewohner von Barcelona mit uns zusammenarbeiten. Wir wollen diese Welt befrieden und weiterentwickeln. Zu ihrem und natürlich auch zu unserem Wohl! Sie hatten schon während der ersten Phase unserer Herrschaft hier eine verantwortliche Position, sie wissen also um was es geht!“
„Damit wäre ich einverstanden!“ sagte Mirela, die diese Position nutzen wollte, um unnötige Spannungen zu vermeiden und vor allem zu verhindern, dass es wieder Arbeitslager geben würde.


„Sie haben dem Abzug der lyranischen Soldaten zugestimmt, wie soll das ablaufen?“ fragte sie.
„Wir haben über ComStar ein Overlord-Landungsschiff angefordert. Das kann die kompletten Reste der 14. DG und der Miliz vom Planeten in die Lyranische Allianz bringen. Ungefähr die Hälfte der Milizionäre will aber hierbleiben. Diese werden wir nach Abzug aller lyranischen Truppen aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Sie werden feststellen, wir halten unser gegebenes Wort!“ gab Jared von Jankmon zurück. Dabei nickte er mit seinem großen Kopf, der ihn als Angehöriger der Pilotenkaste auswies. Mirela Steinar nickte.
„Vielen Dank! Dies weiß ich sehr zu schätzen! Ich hoffe, sie verzichten diese Mal auf die Einrichtung von Arbeitslagern.“
„Es wird zwar einiges anders laufen in Zukunft, aber mittlerweile verzichten wir auf derlei Einrichtungen. Sie waren immer ein Kumulationspunkt des Widerstands.“ entgegnete der Clan-Offizier.




Innere Sphäre, Jadefalken Besatzungszone
System Barcelona, Barcelona, Norn, Vigrid-Ebene, Landungsschiff „Peregrine Falcon“
13.06.3064, 9:47 Uhr


Langsam kam Georg wieder zu sich und watete in einem Meer von Schmerzen. Als er aufstöhnte, beugte sich eine MedTech über ihn und sah seine Augenlider flackern.
„Er kommt wieder zu sich!“ stellte sie fest.
„Er spricht gut auf die Medikamente an! Sein Kreislauf stabilisiert sich!“ sagte im Hintergrund ein anderer MedTech. Der anwesende Arzt schaute in die Runde und überflog die Anzeigen.
„Meldung an StarColonel Srac. Der General erwacht aus dem künstlichen Koma!“ wies er an. Keine 5 Minuten später trat der StarColonel in die Intensiv-Kabine der Krankenstation seines Overlord-Landungsschiffes in der der General lag und blickte den Arzt an, der dies als Anordnung verstand, ihm über den Zustand des Patienten zu berichten.
„Kreislauf stabil, Vitalfunktionen sind erstaunlich stark. Die Verletzungen sind alle versorgt und beginnen zu heilen. Es waren keine Amputationen erforderlich. Aufgrund verschiedener Verletzungen und tiefen Schnitte im Gesicht, wird er sich wohl später im Spiegel erst wieder kennenlernen müssen! Wir mussten während des Komas eine Gesichtsrekonstruktion vornehmen. Er wird wieder voll hergestellt und später aller Voraussicht nach wieder einen Mech steuern können!“ Der StarColonel nickte,
„Ein zäher Hund! Gute Arbeit Gerad!“ meinte er. Das GenLt. Fichtenberg jetzt anders aussah, kam seinen Plänen sehr entgegen! GalaxisCommander Jared von Jankmon hatte sein Vorgehen nur mit dem Heben einer Augenbraue kommentiert, aber seine Entscheidung akzeptiert. Nachdem sich alle Einheiten der Sphärer ergeben und er die Berichte durchgelesen hatte, reifte ein Plan in ihm. Den General als Isorla zu nehmen, wenn er wieder hergestellt war, hatte er sofort verworfen! Dieser Mann hatte feste Loyalitäten und Weltanschauungen, er würde sich nie in die Clangesellschaft integrieren lassen!
„Was meinen sie, bis wann ist er wieder soweit hergestellt, das ich mit ihm reden kann?“ fragte Srac.
„Sir, das wird noch ein paar Tage dauern. Die starken Schmerzmittel die er bekommt, beeinträchtigen natürlich seine kognitive Leistungsfähigkeit sehr stark.“ meinte der Arzt. StarColonel Srac nickte, verließ die Krankenstation und begab sich in den Hangar des „OVERLORD“s. Georg hatte von all dem gerade überhaupt nichts mitgekommen. Sein Bewusstsein war wie in Watte gepackt und die um ihn herumstehenden Personen konnte er nur als schemenhaft wahrnehmen. Aber ein Gedanke manifestierte sich in ihm:
„Ich habe überlebt!“


Srac trat an einen Wartungskonkon in dem ein „GRIFFIN“ der Inneren Sphäre stand. Der MasterTech sah ihn und kam sofort zu ihm.
„Sir, wir sollen dieses Museumsstück tatsächlich komplett instandsetzen?“
„Sind meine Anweisungen nicht klar genug?“ Srac fixierte MasterTech James.
„Natürlich, aber ich halte es für eine Verschwendung von Ressourcen! Vor allem, da der Mech auf CLAN-Tech upgedatet werden soll!“
„Tun sie es und machen sie es so gut sie können!“ wies Srac den Mastertech an. „Und stellen sie das originale Farbschema wieder her!“
„Wird gemacht, Sir!“ dann wandte sich der MasterTech wieder seiner Arbeit zu. Diese Aufgabe würde mindestens 14 - 18 Tage dauern! Eigentlich war der Mechtorso Schrott, aber wie durch ein Wunder war nach dem verheerenden Treffer in den Rücken die Fusionsflasche unbeschädigt geblieben, sonst wären von dem „GRIFFIN“ nur noch rauchende Trümmer übrig gewesen!




Innere Sphäre, Jadefalken Besatzungszone
System Barcelona, Barcelona, Norn, Vigrid-Ebene, Landungsschiff „Peregrine Falcon“
17.06.3064, 11:24 Uhr


GenLt. Georg Fichtenberg hatte den oberen Teil des Bettes hochgefahren und saß fast aufrecht. Mittlerweile war er wieder Herr seiner Sinne, hatte aber den Raum in dem er sich befand noch nicht verlassen können. Fast sein ganzer Körper und sein Gesicht war mit verschiedensten Verbänden bedeckt und überall zwickten und juckten seine Wunden. Bei jeder unbedachten Bewegung raste eine Schmerzwelle durch seinen Körper, trotz der Schmerzmittel die er bekam. Aber langsam heilte alles, auch die Verbrennungen waren behandelt worden und spannten schon nicht mehr so stark. Seit zwei Tagen wollte er wissen, was sich auf Barcelona nach dem Widerspruchstest ereignet hatte, aber niemand des medizinischen Personals gab eine Auskunft. Beim Blick in einen Spiegel sah er, dass sein ganzes Gesicht verbunden war. Wie der Arzt mitgeteilt hatte, hatte man sein Gesicht rekonstruieren müssen, da es durch die Sekundärexplosionen und Splitter schwer verletzt worden war. Man hatte ihm aber versichert, dass keine Narben zurückbleiben würden! Plötzlich öffnete sich die Tür und StarColonel Srac betrat zusammen mit einem etwas kleineren Mann mit einem verhältnismäßig großen Kopf den Raum. Seine Insignien wiesen ihn als GalaxisCommander aus.


„GalaxisCommander Jared von Jankmon wie ich annehme, StarColonel Srac! Guten Tag! Was verschafft mir die Ehre ihres Besuchs?“ sprach er sie mit etwas schwacher Stimme an.
„Guten Tag Herr General Fichtenberg!“ entgegnete von Jankmon. „Die ehrenwerte Entscheidung von StarColonel Srac Sie zu retten beschert uns ein kleines Problem! Ich habe mir Ihre Aktionen bei der Verteidigung Barcelonas angesehen und bin sehr überrascht, wie Sie es getan haben! Wir wissen, dass Sie aus persönlichen Gründen keinen Grund haben Sympathien für uns zu hegen, wenn ich das mal so salopp formulieren darf. Aber Sie haben sich immer an die allgemeinen Gefechtskonventionen gehalten, unsere Gefangenen korrekt behandelt und auch unsere Traditionen geehrt, in dem Sie in ihrer eigentlich aussichtslosen Position den Weg eines Widerspruchstests gegangen sind um Barcelona von weiterem Leid zu bewahren und Ihren Soldaten eine Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen.“
„Und wo ist dann das Problem, GalaxisCommander?“ wollte Georg wissen.
„Dass Sie offiziell tot sind! Wir können Sie und dass wofür sie stehen nicht wieder auferstehen lassen! Wir wollen Barcelona befrieden und in unseren Herrschaftsbereich eingliedern! Sie werden wie ein Held verehrt, aber nur hier auf Barcelona und bei ihren Soldaten! So wie die ClanWacht berichtet, schäumt GenLt. Adam Steiner vor Wut und Marschall Nondi Steiner hat sie offiziell als einen Feigling und Verräter gebrandmarkt!“ informierte ihn der GalaxisCommander. „In wenigen Tagen wird Ihre offizielle Beerdigung stattfinden. Der Leichnam der begraben wird, wird aber der Ihres Freundes Oberst Müller sein. Wir wissen, dass Sie befohlen haben seinen Tod geheim zu halten und die die es wissen, werden schweigen!“ Georg war schockiert. Er hatte nicht gewusst, was draußen vor sich ging und nun das!
„Was haben sie mit mir vor? Doch noch töten? Mich auf die Clan-Heimatwelten verbannen? Hier werde ich sicher nicht bleiben können!“ stellte Georg fest.
„Das haben Sie richtig erfasst, Herr General!“ stellte StarColonel Srac fest. „Sie sind ein Mann von großer Ehre und ihr Wort zählt! Darum bieten wir ihnen einen dritten Weg an! Sie sind einer der ganz wenigen Sphärer, denen wir dieses Maß an Ehre zuerkennen!“ Srac machte eine Pause und Georg wartete gespannt, was sie ihm anboten. Dann sprach der GalaxisCommander:
„Sie werden die Identität ihres Freundes Oberst Georg Müller annehmen. Dieser ist nach unseren Unterlagen unverheiratet, hat keine Kinder und hat auch keine weiteren Angehörigen. Wie Sie stammt er von Kandersteg, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum Sie sich angefreundet haben. Sie sind in Statur und Haarfarbe einander sehr ähnlich und ihr verändertes Aussehen lässt sich mit seinem Hubschrauberunfall erklären, den er nur knapp überlebt hat! Sie bitten um Entlassung aus den LAS und tauchen in der Inneren Sphäre unter. Sie erhalten den Mech ihres Freundes zurück, der ihnen sowieso gehört. Er wird aber von unseren Techs gerade generalüberholt und wiederhergestellt. Außerdem werden sie einen Eid ablegen, dass Sie dieses Geheimnis für immer bewahren und nie wieder nach Barcelona zurückkehren werden!“
„Was ist, wenn jemand anderes meine Identität aufdeckt?“ wollte Georg nach kurzem Nachdenken wissen.
„Das hat keiner in der Hand! Wir würden ihnen aber sowieso dringend empfehlen, sich von Tharkad fern zu halten. Dort hält man Sie für einen Verräter und Feigling!“ warf der StarColonel ein.
„Dann wähle ich diese Option! Aber ich kann unmöglich mit den Soldaten der 14. DG zurück in die LA. Die würden sofort merken, dass ich nicht Georg Müller bin.“ gab Georg zu bedenken.
„Das wird nicht passieren. Außerdem müssen sie erst einmal völlig gesund werden, Herr Oberst!“ dabei lächelte der GalaxisCommander. „Am besten gewöhnen Sie sich gleich an ihre neue Identität! Wir werden verlauten lassen, das Oberst Müller durch unsere Ärzte gerettet werden konnte, aber noch lange zur Rekonvaleszenz braucht!“
„Kann ich noch einmal meine Lebensgefährtin sehen? Solveigh Friedkin?“
„Wenn sie schweigen kann, warum nicht?“ entgegnete Srac.




Innere Sphäre, Jadefalken Besatzungszone
System Barcelona, Barcelona, Moira, Mariah's Pinnacle, Raumhafen
12.07.3064, 10:37 Uhr


Vor einem Tag war der Overlord gelandet, der die Reste des Ausbildungsbataillons der 14. Donegal Garde vom Planeten bringen sollte. OTL. Tanya Grey saß in ihrem „THUNDERBOLT“ und schaute zu, wie die Mechs der 14. DG und der Barcelona-Miliz diszipliniert die Rampe hochmarschierten. Die Mechs waren von den Falken von Norn in ihren Landungsschiffen herüber nach Moira transportiert worden, wobei die Mechs dabei von Clan-MechTechs gesteuert worden waren. Alle Mechkrieger der Miliz hatten sich dafür entschieden, Barcelona zusammen mit der 14. DG zu verlassen. Die Falken hatten es sogar gestattet, dass die vier Mechkrieger der Miliz, die eine Familie hatten, diese ebenfalls mitnehmen durften! Wohin genau sie das Sprungschiff, das am Zenit-Sprungpunkt auf sie wartete dann bringen würde, war noch nicht endgültig geklärt, da die Invasion der Jadefalken noch in vollem Gange war. Aber SternColonel Srac hatte ihr versichert, dass der „OVERLORD“ und das Sprungschiff freies Geleit durch die Jadefalken Besatzungszone haben würde. Nur auf umkämpften Planeten durften sie nicht landen! Jedenfalls hatten sich die Falken als erstaunlich kooperativ erwiesen, was darauf schließen ließ, dass General Fichtenberg, als er sich für seine Soldaten geopfert hatte, einen großen Eindruck bei den Clanern hinterlassen hatte. Es war auch verlautbart worden, dass ihr Kommandeur, Oberst Müller, durch die Clan-Ärzte hatte gerettet werden können, was viele ihrer Soldaten mit großer Erleichterung erfüllt hatte. Nur war er so schwer verletzt, dass er nicht mit seinen Soldaten der 14. DG abziehen konnte. Sie selbst hatte ihn vor ein paar Tagen kurz besuchen dürfen, aber sein ganzer Körper und sein Gesicht waren von Verbänden bedeckt. Er konnte nur mühsam sprechen und seine Stimme klang rau und fremd, wegen der während des Absturzes eingeatmeten Rauchgase. Aber sie hatte einen letzten Auftrag von ihm erhalten, sie sollte vorab seinen Abschied aus den LAS beim Personalamt auf Tharkad einreichen. Dafür hatte er ihr alle notwendigen Autorisationscodes gegeben. So wie die Clan-Ärzte ihr mitgeteilt hatten, würde seine Genesung noch mindestens 2 Monate dauern. Ob er je wieder einen Mech steuern könnte, hatten sie offengelassen!




Innere Sphäre, Jadefalken Besatzungszone
System Barcelona, Barcelona, Moira, Mariah's Pinnacle, Raumhafen
19.09.3064, 15:45 Uhr


Georg drehte den „GRIFFIN“ vorsichtig um, dann, als die Haltearme der Transportbucht ausgefahren waren und seinen Mech fest im Griff hatten, fuhr er ihn herunter. Morgen würde das Landungsschiff der „MULE“-Klasse „Rose of Dublin“ mit ihm und seinem Mech als Fracht starten und ihn in eine ungewisse Zukunft bringen. Er hatte sich letzte Woche als allein arbeitender Söldner bei der Söldnerkommission angemeldet und ein entsprechendes Profil erstellt. Er hoffte, dass seine Registrierung komplett war, bis er an seinem Ziel, dem System Main Street ankam. Er verriegelte seinen Mech und öffnete das Cockpit. Vieles fühlte sich neu an, sah aber aus, als ob es schon Jahrzehnte benutzt worden war. Die Clan-MechTechs hatten ganze Arbeit geleistet! Sogar das Wappen seines alten Verbandes, dem ersten Bataillon das er bis 3052 geführt hatte, prangte auf der linken Torsoseite von der „Brust“ des Mechs. Als er herausgeklettert war, schloss er das Cockpit und kletterte mit einer Umhängetasche über dem Rücken die Strickleiter nach unten. Der Abstieg war noch etwas mühsam, einige seiner schweren Verletzungen waren noch nicht ganz ausgeheilt und er musste noch eine Zeitlang gezielt trainieren um wieder zu alter Beweglichkeit und Stärke zu kommen! Unten wartete der Kommandant der „Rose of Dublin“ auf ihn. Als er den Boden des Hangardecks betrat, wandte er sich dem Kommandanten zu.
„Captain Drake, wie ich annehme? Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen?“ Der Landungsschiffer begann dröhnend zu lachen und meinte mit breitem Akzent,
„Hallo Herr Müller! Sie sind der Erste der fragt! Wohl zu lange beim Militär gewesen!“
„Fast mein ganzes Leben, Käptn!“ gab Georg mit einem Lächeln zurück.
„Sie sind jedenfalls der erste Söldner, den ich auf einem Clan-Planeten abhole!“ gab er zur Antwort, „Sonst grillen die Claner Söldner immer sofort!“
„Ich bin da wohl ein Sonderfall!“ sagte Georg grinsend. „Aber bis vor ein paar Wochen war ich noch Soldat der Lyranischen Allianz, aber ich habe die Schnauze voll davon für die Aristokraten und ihren Machthunger die Kastanien aus dem Feuer zu holen, endgültig! Die hätten uns alle hier verrecken lassen!“
„Ich hab’s schon gehört!“ meinte der Käptn, „Ihr General hat ihnen allen den Arsch gerettet und ist dafür drauf gegangen!“
„Leider! Er war mein Freund!“ antwortete Georg bedrückt.
„Ach ja, der Container mit ihrem Mech-Rüstsatz steht dort drüben. Wahrscheinlich haben sie da auch ihre privaten Sachen mit drin!“ Dabei zeigte der Käptn auf eine Lagerbucht weiter links. „Ich zeige ihnen aber erstmal ihre Kabine. Kommen sie mit!“ Georg folgte dem Käptn.


Der Flug war gebucht für Georg Müller, Söldner und Oberst a.D. der LAS. Georg war erstaunt über die Möglichkeiten des Clan-Geheimdienstes! In Vorbereitung auf seinen Abflug hatte Clan Jadefalke es geschafft, die ComStar-ID von Georg Müller so umzuschreiben, dass die biometrischen Merkmale nun zu ihm passten und ihm Zugriff auf alle Vermögenswerte seines toten Freundes zu verschaffen. Kein Wunder, dass sie nur so wenig Erfolg gehabt hatten, Spione der Clan-Wacht auf Barcelona zu identifizieren! Damit konnte er sich in der Inneren Sphäre frei bewegen und sich jederzeit gültig ausweisen. Nur die DNA-Daten die in der Personalakte von Georg Müller auf Tharkad beim Personalamt der LAS lagen waren noch die seines Freundes! Aber mit diesem Restrisiko musste er leben! Als er später in seiner Koje lag, kam ihm das alles unwirklich vor. Nie hätte er gedacht, dass ihm seine Totfeinde derart begegnen würden und das ihn seine Heimat, die Lyranische Allianz in schlicht und einfach im Stich gelassen hatte und mit ihm ganz Barcelona! Solveigh hatte er noch einmal getroffen und hatte ihr unter dem Siegel der Verschwiegenheit alles erklärt und ihr auch mitgeteilt, wo sein beschädigter „BUSHWACKER“ zu finden war. Der Abschied war tränenreich und beide konnten sich kaum trennen, aber der Frieden und die Sicherheit Barcelonas ließ beiden keine andere Wahl! Sie war die Einzige auf Barcelona, die um sein wahres Schicksal wusste!