Erkundungsmission - Hintergründe

Zuikagu
Erkundungsmission - Hintergründe
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Kurzes Vorwort

In dieser losen Reihe von Kurzgeschichten werden Ereignisse beleuchtet, die vor der Mission zur Hanseatischen Liga stattfanden.

Den Ursprung haben diese Stories in den Backgroundstories, die ich für meinen Charakter in der Deutschen Mechwarrior-Online-Liga Anfang der 2000er geschrieben habe. Damals nutzten wir als Kampfsystem Mechwarrior 2, Mechwarrior 3 und zum Schluss Mechwarrior 4 (lang ist es her)! Diese MWO hat aber natürlich überhaupt nichts mit der aktuellen MWO zu tun!

Die Stories wurden überarbeitet, damit sie auch zu den Stories "Erkundungsmission 1" und "Erkundungsmission 2" passen.

Dann viel Spaß beim Lesen!
Zuikagu
Erkundungsmission - Hintergründe
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Hintergrund 1: Erstes Blut


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Landungsschiff „OVERLORD“-Klasse „VCS Terror“, Im Transit
05.04.3052


Oberst Georg Fichtenberg ging in seiner Kabine noch einmal den Operationsplan durch. Bald würden zwei VerCom-Kampfverbände in Regimentsstärke unter dem Oberbefehl von Adam Steiner auf Barcelona landen und versuchen den Planeten den Jadefalken wieder zu entreißen. Adam Steiner hatte für diesen Angriff vom LAS-Oberkommando vorrübergehend die Befehlsgewalt eines Generalleutnants erhalten. Die erste Kampfgruppe bestand aus der eigenen Einheit von Adam Steiner, den Somerset Strikers, die zudem mit anderen Einheiten erheblich verstärkt worden war. Das zweite Regiment, zu dem er gehörte, war ebenfalls ein Kampfverband aus zusammengewürfelten Bataillonen und Kompanien. Georg war eigentlich Kommandeur eines der Mech-Bataillone, wurde aber für diese Operation als Stabschef des zweiten Regiments eingesetzt, während sein Stellvertreter OTL. Müller sein verstärktes Bataillon bei der Invasion führen würde. Er wusste, dass der Plan von Adam Steiner viele Unwägbarkeiten enthielt und hauptsächlich auf das Überraschungsmoment setzte. Aber solche Husarenstücke waren dessen Markenzeichen! So war auch der Krieg, keiner wusste dies besser als Georg! Sein Regimentskommandeur, ein Generalleutnant, dem es sichtlich Schwierigkeiten bereitete unter dem Oberbefehl von Adam Steiner zu stehen, flog auf einem anderen Landungsschiff in das Gefecht und sie würden sich bei der von Adam Steiner anberaumten Befehlsausgabe nachher über eine Videoverbindung sehen. Als er von den Unterlagen aufsah, blieb sein Blick an seinem Jian, einem chinesischen Schwert, hängen. Seine erste Kriegstrophäe und auch die einzige, an die ihm wirklich etwas lag. Der Griff war durch den vielen Gebrauch speckig, aber die Scheide mit den Messingbeschlägen und die Klinge waren gepflegt und in erstklassigem Zustand. Seit er das Jian besaß, übte er sich regelmäßig in der Kunst des Taijijan und des Jianshu und hatte es mittlerweile zu einem passablen Können gebracht. Er führte sie bei jedem Einsatz in seinem Mech mit. Wieder stiegen die Bilder aus seinen Erinnerungen auf, wie er diese Klinge erworben hatte.


Georg war damals im Jahr 3034 in seiner ersten Verwendung nach Abschluss der Akademie Sanglamore als Zugführer in einer Pionierkompanie auf Campertown in der Mark Cappella eingesetzt. Der Planet war den Capellanern im 4. Nachfolgekrieg ein paar Jahre zuvor vom Vereinigten Commonwealth abgenommen worden. Aber die Industrien auf Campertown machten es zu einem verlockenden Ziel für eine Rückeroberung oder einen Raid! Deshalb befand sich damals immer eine starke VerCom-Garnison auf dem Planeten.


Vor mehreren Tagen war ein capellanisches Regiment gelandet, das den Planeten angriff. Sein damaligerr Auftrag war es, mit seinem Zug einen engen Taleinschnitt zu verminen, um den angreifenden Capellanern den Zugang zur dahinterliegenden Hochebene und dem dort befindlichen Industriezentrum zu erschweren. Kurz nach der Fertigstellung der Minensperre schlug der seismische Scanner in Feindrichtung voll aus – keine Panzer, sondern Mechs im Anmarsch! Die VerCom-Panzerkompanie, die die Sperre übernehmen sollte, war aber immer aber noch nicht eingetroffen! Lt. Fichtenberg befahl seinem Zug sich in die Stellungen hinter der Sperre zurückzuziehen. Kurz darauf konnte er zwei Mechs mit seinem Fernglas ausmachen. Leichte Mechs, offensichtlich Aufklärer, eine „WASP“ und ein „LOCUST“! So wie sich die beiden Battlemechs auf sie zu bewegten, ahnten die Mechpiloten wohl nicht, welche Gefahr vor ihnen lag. Die Minen die sein Zug verlegt und sorgfältig getarnt hatte, waren dazu konstruiert auch Mechs bewegungsunfähig machen zu können. Plötzlich blieben beide Mechs stehen und scannten intensiv den vor ihnen liegenden Geländeabschnitt. Etwas schien sie zu beunruhigen. Georgs Magen krampfte sich zusammen. Es war seine "Feuertaufe", sein erster realer Feindkontakt! Er hoffte, dass die Mechs die Minen nicht entdecken und ahnungslos in die Sperre hineinlaufen würden. Ohne die Sperre vor sich wäre sein Zug einem Frontalangriff der Mechs fast hilflos ausgeliefert!


Plötzlich setzte sich der „LOCUST“ wieder in Bewegung und tastete sich langsam in die Minensperre hinein. Orca wusste, dass die Wahrscheinlichkeit mit der der Mech die Sperre unbeschadet durchqueren konnte, nur bei ca. 15-20% lag! Die Minen waren entsprechend von seinem Zug verlegt worden. Der „LOCUST“ war nun fast durch die Sperre durch und der Leutnant wollte gerade den Befehl zur Feuereröffnung geben, als der Boden unter dem Mechs mit einem gewaltigen Krachen aufbrach und ihm die Detonation der speziellen Anti-Mech-Mine den rechten Fuß abriss. Der „LOCUST“ fiel keine 150 m vor Georgs Stellung wie ein nasser Sack zur Seite. Der Leutnant gab den Befehl das Feuer zu eröffnen, denn der Mech war zwar bewegungsunfähig, sein Laser stellte aber nach vor eine große Bedrohung für die Pioniere dar. Die „WASP“, die sich bis dahin zurückgehalten hatte, stürmte nun vor und feuerte auf die Positionen der VerCom-Soldaten. Eine SRM2-Raketensalve der „WASP“ traf auf Maximalentfernung mit voller Wucht in die Stellung links von Georg. Die Leiber der Soldaten wurden zerfetzt und in hohem Bogen aus der Stellung geschleudert und Georg spürte deutlich die Druckwelle und duckte sich in seine Stellung.
„Funker, Lagemeldung an Bataillon abgeben! 2 Mechs auf Sperre aufgelaufen, unser Zug im Gefecht!“ befahl er seinem Funker auf seinem Fahrzeug über den Helmfunk.
„Jawohl Herr Leutnant!“ hörte er die Bestätigung. Auf dem internen Funkkreis des Zuges kamen nun Verlustmeldungen und Hilferufe seiner Gruppenführer bei ihm an. Lt. Fichtenberg war klar, dass er seinen Zug sofort zurückziehen musste, sonst hätten seine Frauen und Männer keine Chance zu überleben!


Gerade als er den Befehl geben wollte, stürmte die „WASP“ in die Sperre und löste eine Mine aus, die dessen Fußaktivator zerschmetterte. Dem Mech wurden durch den Druck der Detonation das Bein weggerissen und stürzte vornüber. Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem Capellaner, denn als das Mechcockpit der „WASP“ auf den Boden knallte, wurde eine weitere Mine ausgelöst, deren ultraheißer Plasmastrahl die Cockpitpanzerung durchschlug und den MechKrieger im Inneren sofort tötete. Nun konzentrierte sich das Feuer der Pioniere wieder vollständig auf den „LOCUST“. Aber ein Mech war mit den leichten Waffen, die ihnen zur Verfügung standen nicht so einfach zu zerstören. Der Leutnant überlegte fieberhaft, wie der Mech schnell ausgeschaltet werden könnte, bevor noch mehr seiner Leute starben oder verletzt wurden. Er sah sich um, riss eine Fünftel-Mine aus der Kiste, die hinter ihm stand, befestigte einen Funkzünder an ihr und stürmte im toten Winkel auf den liegenden Mech zu. Dort angekommen suchte er die Einstiegsluke, sprengte sie an der Notentriegelung auf und wuchtete die scharfe Mine in das Cockpit hinein. Georg wollte dem MechKrieger im Inneren aber noch eine Wahl lassen und forderte ihn auf sich zu ergeben. Die 20 Kilo Sprengstoff, die nun in der Kanzel lagen brachten die Capellanerin sofort zur Vernunft und sie gab auf. Die MechKriegerin kletterte demoralisiert aus ihrem beschädigten Mech, das Gefecht war vorbei! Sie und ihr Kamerad hatten ihre Mechs gegen Schlammstampfer verloren! Dieses Schicksal war die schlimmste Demütigung, die einem MechKrieger widerfahren konnte.


Die Kriegerin sagte nichts, funkelte ihn dafür wutentbrannt an! Georg entwaffnete sie und übergab sie an zwei Soldaten, die sie sofort abführten.
Neugierig kletterte der junge Offizier in das Cockpit des „LOCUST“. In Sanglamore hatte er, wie alle Offizieranwärter, die Gelegenheit in Mechsimulatoren die Grundlagen der Mechsteuerung zu lernen und er hatte, wie fast alle, auch ein paar Runden in einem „CHAMÄLEON“ gedreht. Aber dies hier war ein echter Gefechtsmech! Georg roch den Schweiß und das Ozon im Cockpit und durchsuchte die Kanzel. Er fand das Jian der capellanischen Mechpilotin. Sie war also Absolventin einer der Mechakademien der Conföderation. Dass sie ein Jian hatte, ein zweischneidiges Schwert, wunderte Georg aber, sonst führten die capellanischen Mechpiloten seines Wissens einen einschneidigen Dao! Als er sich reckte um auszusteigen, fiel ihm das Typschild des Mechs auf. Der Mech war bereits 135 Jahre alt und aus lyranischer Produktion! Also war der „LOCUST“ selbst auch schon Kriegsbeute gewesen!


Ein Krachen in seinem Funkgerät brachte ihn wieder zurück in die Realität.
"Herr Leutnant, die Panzer sind da!" gab ihm sein Stellvertreter durch.
"Die hätten ruhig auch etwas früher kommen können!" stellte der Leutnant knurrend fest und kletterte wieder aus dem Cockpit.
"Wie hoch sind unsere Verluste?" fragte er nach.
"3 Tote und 7 Verletzte. Den Rücktransport der Verletzten habe ich bereits organisiert. Wir sind in ca. 12 Minuten abmarschbereit Herr Leutnant." Bei dem Gedanken an die Toten lief es dem blutjungen Offizier eiskalt den Rücken hinunter. War er für ihren Tod verantwortlich? Beim Marsch in Richtung der Panzer sah er nach den Verletzten und Toten seines Zuges. Was er da sah, ließ Wut in ihm aufsteigen!


Georg ging zu dem Chef der Panzerkompanie, der abgesessen neben seiner „VEDETTE“ schon auf ihn wartete.
„Da haben sie uns ja schon die ganze Arbeit abgenommen Herr Leutnant!“ sagte der Major entspannt. Aber Georg war nicht zum Scherzen aufgelegt, zu sehr nagten die Toten an seinem Gemüt. Er knallte den Minensperrnachweis auf die Bugplatte des „VEDETTE“ und meinte zornbebend, ohne Rücksicht auf den höheren Dienstgrad seines Gegenübers,
„Wären sie pünktlich hier gewesen, würden 3 meiner Leute noch Leben!“.
„Bremsen sie sich mal ein, Herr Leutnant!“ antwortete der KpChef barsch! „Das sie Soldaten verloren haben tut mir sehr leid, „C'est la guerre“! Aber wir konnten nicht schneller hier sein!“ Dann schaute er in das bleiche Gesicht des jungen Offiziers, „Ihr erster Einsatz?“ fragte er weicher.
„Jawohl Herr Major!“ gab Georg zurück.
„Sie müssen sich daran gewöhnen und lernen damit fertig zu werden, sonst frisst es sie auf! Aber ihr Zug und sie haben hervorragende Arbeit und Einsatz gezeigt. Zwei Mechs auszuschalten ist eine große Leistung mein Junge!“ Dabei hieb er ihm wohlwollend auf die Schulter. „Dann wollen wir mal!“ Georg holte tief Luft und kämpfte den Knoten hinunter, den er im Hals hatte und erwiderte ruhiger,
„Jawohl Herr Major! Ich denke wir hatten verdammtes Glück! Aber dürfte ich um ihren Ausweis bitten?“ Der Major grinste, als er sah, dass der junge Offizier sich wieder gefangen hatte und zeigt ihm Vorschriftsgemäß seinen Ausweis, denn ohne ordnungsgemäße Legitimation durfte keine Sperre übergeben werden! Nach einer kurzen Einweisung in das Gelände und den Minensperrnachweis war die Übergabe der Sperre abgeschlossen und damit war Georgs Pionierzug frei. 14 Minuten später waren Lt. Georg Fichtenberg und sein Zug auf dem Marsch zum nächsten Einsatz. Das Jian der Capellanerin begleitete ab da Georgs Wege über die Schlachtfelder der Inneren Sphäre, als Mahnung, dass auch ein David sich gegen Goliath durchsetzen kann und es im Krieg keine Sicherheiten gibt!


Langsam verschwanden die Bilder der Erinnerung wieder. Er schaute auf seine Armbanduhr, noch 10 Minuten bis zur Befehlsausgabe! Er packte seine Unterlagen und begab sich in den Besprechungsraum auf der 2. Ebene des „OVERLORD“-Landungsschiffes. In 12 Stunden würden sie auf der Oberfläche von Barcelona aufsetzen.
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 2: Der Raid


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Distrikt Donegal
System Kandersteg
Süd-Kontinent Kandersteg, Nordufer des Severn
03.11.3050


KommandantHauptmann Fichtenberg nahm die gerade übermittelte Funkmeldung der Brigade seinem Funker aus der Hand.
"Mist", dachte er "auch das noch!" Seit drei Stunden arbeitete seine Pionierkompanie hart daran, die über 400 m lange Brücke über den Severn zur Sprengung vorzubereiten und das Vorfeld zu verminen. Vor fast einer Stunde waren die letzten Flüchtlinge über die Brücke nach Süden gefahren. Die Zeit drängte! Laut der gerade erhaltenen Lagemeldung standen die vordersten Kräfte der Claner nur noch maximal 70 Minuten entfernt - er hatte nun eine Stunde weniger Zeit, als ursprünglich vorgesehen! Als er sich umdrehte um über die Brücke zur Nordseite zu gehen, stand Oberleutnant Pieter, der Zugführer des 1. Zuges vor ihm. "Brücke geladen und fertig zur Zündung", meldete er Ihm.
"Gut, schicken Sie Ihre Leute auf die Nordseite und unterstützen Sie den 2. Zug beim Minenlegen und Ihr Stellvertreter übernimmt den Zündtrupp auf der Südseite! Uns läuft die Zeit davon!" ordnete er an. Danach ging er ans Flussufer und betrachtete sich die Brücke von unten. Die Ladungen und die Zündleitungen waren ordentlich angebracht und alles war so, wie es sein sollte. "Wie vergänglich doch Arbeit sein kann!", dachte er bei sich.


Vor 12 Tagen waren seine Einheit und er zur jährlichen routinemäßigen Reservevollübung einberufen worden, die seit der Claninvasion der Inneren Sphäre von der planetaren Regierung angeordnet worden war. Die ersten 2 Tage der Übung verliefen völlig routinemäßig, bis die Meldung kam, dass ein Clansprungschiff der Steelvipers an einem Piratenpunkt im System aufgetaucht war. Obwohl das System relativ abgelegen und ziemlich unwichtig war, lag es doch knapp an der im Waffenstillstand von Tukkuayid festgelegten Besatzungszone der Clans. Dass die Claner hier nicht schon früher aufgetaucht waren, hatte viele davon überzeugt, dass dieser Kelch an dem Planeten vorübergehen würde. Die Verbindung zu anderen lyranischen Welten und dem Vereinigten Commonwealth wurde mehr schlecht als recht aufrechterhalten. Eine VerCom- oder gar eine ComStar-Garnison gab es auf Kandersteg nicht (hatte es auch nie gegeben), dazu war das System einfach zu unwichtig. Der einzige "Draht" nach außen war die kleine HPG-Station in Mainau, der planetaren Hauptstadt auf dem Südkontinent. Und jetzt das! KdtHptm. Fichtenberg wusste, dass die planetare Miliz, der er seit seinem Ausscheiden aus den VCS vor 3 Jahren angehörte, nicht die geringste Chance hatte, auch wenn sie "nur" einem Sternhaufen der Stellvipers gegenüberstanden. Die Kompanie altersschwacher Mechs und die 2 Panzerbataillone die die Miliz aufbieten konnte waren maximal nur Sparringspartner für die Vipern. Trotzdem wollten alle nicht tatenlos zusehen wie ihre Heimat überfallen und besetzt wurde.


Die Vipern waren vorgestern direkt über Sagitari, der zweitgrößten Stadt des Südkontinents und dem industriellen Zentrum des Planeten, abgesprungen, wohl in der Annahme, dass dies die planetare Hauptstadt sei. Nun bewegten sie sich rasch nach Süden um den Planeten so rasch als möglich zu okkupieren. Jetzt standen seine Kompanie und er hier an der einzigen, noch intakten Brücke, die zwischen den Vipern und Mainau lag. Über diese Brücke waren viele Bewohner des Nordbeckens nach Süden geflüchtet. Nur ein paar unentwegte und die Miliz waren noch auf der Nordseite des Severn. Die Halblanze Galedon-Panzer, die die Pionierkompanie bei Ihrer Arbeit decken sollten, waren ohne Sensoren, die schon vor langer Zeit in den Mechs der Miliz gelandet waren. So konnten sie die zwei Elementar-Strahlen, die sich im Schutz der Wälder auf die Brücke zubewegten, nicht erfassen.


KdtHptm. Fichtenberg war fast auf der Nordseite der Brücke, als die Hölle losbrach. Die Elementare nutzten das Überraschungsmoment und schlugen mit voller Wucht zu. Sie konnten mit Ihren KSRs und Lasern innerhalb von Minuten einen der GALEDON-Panzer ausschalten, die auf dem Nordufer standen. Die Pioniere waren nun fast schutzlos den Clannern ausgeliefert und versuchten sich in Deckung zu bringen. Die Elementare wendeten sich aber direkt der Brücke zu und stürmten vorwärts. Das Gegenfeuer der Milizpioniere konnte sie kaum aufhalten, bis einer der Clan-Elementare nach einem Sprung auf einer Mech-Mine landete und durch die Explosion förmlich zerfetzt wurde. Die Pioniere hatten sich vom ersten Schreck erholt und feuerten jetzt mit allem was sie hatten zurück, unterstützt durch den letzten der GALEDONs und konnten zwei weitere der sogenannten Kröten ausschalten.


Der Kompaniechef stürmte von der Brücke, warf sich in die erste Stellung am jenseitigen Ufer und stolperte über die beiden Toten, die in dem Kampfstand lagen. Nun konnte er genau sehen wie die Claner angestachelt von dem Verlust ihrer drei Kameraden unter seinen Leuten wüteten. Hemmungslos knallten sie seine Soldaten ab, geschützt durch Ihre fast unüberwindlichen Körperpanzer. Drei der Elementare knackten den letzten verbliebenen Panzer, der in seinem Todeskampf aber noch einen Gegner mitnehmen konnte, als er in einer heftigen Detonation zerbarst. Überall lagen Tote und Verletzte. KdtHptm. Fichtenberg nahm den tragbaren KSR-Werfer, der noch in der Stellung lag, überprüfte ihn rasch und zielte sorgfältig auf einen der Elementare und befahl über sein Helmfunkgerät einem seiner Unteroffiziere, den er in einer weiter rechts liegenden Stellung identifiziert hatte, denselben Claner anzuvisieren. Die beiden KSR trafen fast gleichzeitig, brachen die Rüstung auf und töteten den Elementaren. Die anderen Elementare schossen sofort zurück, der KdtHptm konnte sich noch rechtzeitig zu Boden werfen, ein kurzer Schrei über Funk teilte ihm aber mit, dass sein Unteroffizier wohl weniger Glück gehabt hatte.


Eine kurze Funklageinfo seines Kp-Gefechtsstandes offenbarte ihm, dass seine Kompanie fast völlig aufgerieben war und auch keine schweren Waffen mehr zur Verfügung standen. Der Kampf war de facto zu Ende. Die Miliz hatte verloren! Doch der Auftrag war trotzdem noch nicht zu Ende! Die Anweisung für eine solche Situation war klar: sofortige Sprengung der Brücke.
"Sprengtrupp, jagt die verdammte Brücke in die Luft!" schrie er förmlich in sein Sprechgerät, während die Claner an ihm vorbei auf die Brücke vordrangen. Unendliche Sekunden vergingen, dann erfüllte eine gewaltige Explosion die Luft und die Druckwelle raste über seine Stellung. Die Brücke war nicht mehr und damit auch sein Fluchtweg. Georg wollte sich nun zum vereinbarten Sammelpunkt in Bewegung setzen. Als er aufsprang, stand ihm eine 2,5 m große Gestalt gegenüber und schlug ihn mit einer kurzen belanglosen Armbewegung nieder. Dem Offizier wurde es schwarz vor Augen und er fiel leblos in die Stellung zurück.


Langsam kehrte nach einiger Zeit das Bewusstsein zurück in seinen Körper. Die Schmerzwoge, die beim Versuch sich aufzurichten seinen Körper durchflutete warf ihn beinahe wieder zurück. Langsam kroch er auf den Rand der Stellung zu und blickte über das Schlachtfeld. Was er hier erblickte, würde er nie wieder vergessen können. Die Claner hatten fast seine gesamte Kompanie ausgelöscht. Nur wenige der Soldaten, die auf dieser Seite des Flusses waren, hatten das gnadenlose Gefecht unverletzt überlebt und stolperten jetzt über das Gefechtsfeld. Weinend vor Wut und Schmerz brach er neben einem seiner toten Soldaten zusammen und wurde wieder von der Schwärze der Bewusstlosigkeit gefangen.


Stunden später erwachte er wieder und fand sich auf einer Trage wieder. Mühsam öffnete er seine Augen und blickte in das Gesicht einer Sanitäterin der Miliztruppen.
"Er kommt zu sich." hörte er sie sagen. "Wie geht es Ihnen Herr KommandantHauptmann?"
"Wasser!" antworte er. "Also habe ich überlebt" dachte er bei sich. Doch als ihm seine Kameraden einfielen, durchbrandete ihn wieder diese Trauer vermischt mit brennendem Hass auf die Täter.




Vereinigtes Commonwealth
Landungsschiff "Johannesburg", Auf dem Weg nach Tharkad
12.02.3051
Vereinigtes Commonwealth


>> Der Angriff der Steelvipers auf der kleinen Außenwelt Kandersteg im Distrikt Donegal am Rande der Waffenstillstandslinie wurde nach 5 Tagen beendet. Der Angriffsverband der Claner zog sich danach sofort wieder in ihre Okkupationszone zurück. Die heimischen Miliztruppen wurden dabei völlig aufgerieben. Die Industrieanlagen des Planeten zu 65% zerstört. Von den 9,3 Millionen Bewohnern des Planeten fanden bei den Gefechten rund 98.000 den Tod. Der Stab der VCS nimmt an, dass es sich lediglich um einen kleinen Raid zur Schwächung der Moral und der Logistik des Vereinigten Commonwealth gehandelt hat. In Geheimdienstkreisen wird vermutet, dass es sich bei dem der eingesetzte Sternhaufen um eine frisch aufgestellte Einheit handelte, die Gefechtserfahrung sammeln sollte. Dies könnte auch erklären, warum der eingesetzte Sternhaufen der Steelvipers soweit außerhalb ihres Einflussbereiches zugeschlagen hat. <<


Immer wieder las er die kurze offizielle Verlautbarung der VCS zu dem Überfall auf seine Heimat durch. Seine körperlichen Wunden waren bereits fast verheilt, doch er würde nie wieder derselbe sein! Denn er hatte dabei nicht nur seine Kompanie, sondern alles verloren was er liebte. Ein paar Tage nach der Einlieferung ins Lazarett wurde ihm mitgeteilt, dass seine Familie ebenfalls Opfer dieses Terrorangriffs geworden war. Man hatte zwar versucht, es ihm schonend beizubringen, aber er fühlte, wie in ihm dabei eine Eiseskälte emporgestiegen war und diese sein Herz ergriff! Sein Haus in der Werkssiedlung direkt neben der Fabrik in der er arbeitete, war bei dem Bombardement der Anlagen ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele hatten ihr Leben verloren. Damals schwor er sich alles zu tun, damit die Clans dafür büßen würden. Noch während seiner Genesung war er sowohl von der planetaren Regierung, als auch den VCS für die Verteidigung und die Sprengung der Brücke hoch dekoriert worden. Aber für ihn klebte an den Orden das Blut seiner Soldaten, die dafür ihr Leben gegeben hatten. Viel interessanter war es, dass ihm die VCS aufgrund seiner „Heldentat“ die Wiedereinstellung angeboten hatte. Scheinbar war der Bedarf an erfahrenen Stabsoffizieren nach dem Angriff der Clans auf die innere Sphäre enorm. Sogar seinem Wunsch nach Laufbahnwechsel in die Mechtruppe war stattgegeben worden! Während seiner Zeit als Kadett in Sanglamore hatte er in den Eignungstest für die Mechtauglichkeit immer hervorragende Bewertungen erzielt, hatte sich dann aber doch für die Pioniere entschieden, da er dort seine wahre Bestimmung gesehen hatte. Der arrogante Standesdünkel vieler Mechkriegerkadetten war ihm damals schon bitter aufgestoßen und war ihm tiefst zuwider gewesen! Jetzt aber würde er auf Tharkad am Nagelring einen Lehrgang antreten, der ihm den Weg in die Mechtruppe eröffnete, so denn er ihn bestehen würde!
Jäh wurde er aus seinen Gedanken gerissen als die Schiffssirenen des Landungsschiffes den nächsten Sprung ankündigten.
"Noch dieser letzte Sprung, dann kann ich endlich damit beginnen, den Clanern in den Hintern zu treten." dachte er bitter, vor seinen Augen tauchten die Bilder seiner toten Familie auf und er ballte unwillkürlich seine linke Hand zur Faust, bis seine Knöchel weiß hervorstanden!
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 3: Barcelona 3052 Part 1: Reconquista


Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Landungsschiff „OVERLORD“-Klasse „VCS Terror“, im Landeanflug
05.04.3052


Das schwere Landungsschiff wurde beim Eintritt in die Atmosphäre durchgeschüttelt. Dass es sich dabei auch noch angreifender L/R-Jäger des CLANS Jadefalke erwehren musste und darum abrupte Kursänderungen durchführte, machte es auch nicht leichter. Oberst Fichtenberg war fest in Sitz seines „BUSHWACKERS“ „Skinir“ geschnallt und wartete darauf, dass das Schiff endlich aufsetzte. Der schwere Neurohelm wurde dabei hin- und her geschüttelt, was seinen Nacken belastete.
„Hoffentlich komme ich hier lebend raus!“ dachte er bei sich. Eigentlich lachte er dabei innerlich über sich selbst. Diese Gedanken trieben ihn bei jeder Gefechtslandung um und bis jetzt war immer alles gut gegangen!
„Landung in drei Minuten!“ hörte er die ruhige Ansage der Brücke in seinem Kopfhörer. Georg drückte den Schalter für den Bataillonsführungskreis,
„An Alle, hier Oberst Fichtenberg! Leute, wir können hier Geschichte schreiben! Barcelona wird ausschließlich von Solahma-Einheiten verteidigt! Gebt euer Bestes! Für das Vereinigte Commonwealth! Vorwärts zum Sieg!“ gab er durch, dann schaltete er den Kanal um und sprach den Führer seines an Bord befindlichen Bataillons direkt an, der eigentlich sein Stellvertreter war.
„Oberstleutnant Müller, hier Oberst Fichtenberg! Nach der Landung sofortige Sicherung der Landezone! Das hat Priorität! Kommen!“
„Hier OTL Müller, alles klar! Laut G2-Lagebericht sind keine gegnerischen Kräfte im näheren Umfeld! Das kriegen wir hin! Kommen!“ Ein Lächeln umspielte Georgs Mund. Mit Oberstleutnant Georg Müller führte sein bester Kamerad und Freund sein Bataillon in die Schlacht! Leider konnte er es nicht selbst tun, da er als Stabschef der 2. Angriffs-RKG andere Aufgaben hatte. Aber er wusste seine Frauen und Männer bei Georg Müller in den besten Händen!
„30 Sekunden bis zum Aufsetzen!“ übersteuerte die Brücke alle Funkgespräche der Mechkrieger untereinander.


Eine Viertelstunde später waren alle Einheiten ausgebootet und die Landungszone provisorisch gesichert. Georg hatte gerade seinen „BUSHWACKER“ zum Mobilen Headquarter gesteuert, um dort das Kommando zu übernehmen, als plötzlich ein Prioritätsfunkspruch hereinkam!
„Lilie1, hier Staude1, kommen!“ Georg konnte deutlich den gehetzten Unterton hören.
„Hier Lilie1, kommen!“ antwortete er mit seinem Deckwort.
„Hier Staude1, Lapislazuli wurde abgeschossen, keine Verbindung zu LilieX, ich wiederhole, keine Verbindung zu LilieX! Kommen!“ Die Nachricht traf Georg wie ein Vorschlaghammer! Lapislazuli war das Deckwort für das Landungsschiff des Kommandierenden Generals seiner RKG und LilieX das Deckwort für den KG! Georg holte tief Luft! Jetzt lastete plötzlich die gesamte Verantwortung der 2. Angriffs-RKG auf seinen Schultern.
„Hier Lilie1, verstanden! Ich übernehme hiermit das Kommando über Lilie! Informieren sie darüber sofort alle Einheiten und RoseX! Kommen!“
„Hier Staude1, verstanden, RoseX informieren! Ende!“ Georg schaltete auf den Kommandoführungskreis der RKG und übernahm den Gesamtbefehl! Durch den Abschuss dieses Landungsschiffes hatte die RKG außerdem noch ein schweres Assault-Mech-Bataillon verloren! Zum Glück hatten die Planer des Angriffs alle Einheiten zusammengekratzt, die sie bekommen konnten, so hatte er immer noch Kräfte in der Stärke von 3 Mech-Bataillone zur Verfügung. Georg fuhr seinen Mech herunter und kletterte nach unten. Kurz darauf stand er in Shorts und Kühlweste an der Lagekarte und studierte die Einträge, die nun langsam erschienen. Die Operationsziele waren klar und deutlich dargestellt. Nachdem die aktuelle Dislozierung der 2. RKG vollständig war begann er mit der Operationsplanung.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent, Hauptgefechststand (CHQ) 2. Angriffs-RKG
05.04.3052, Spätabends


„Meine Herren, unser KG Gen. Gaultier ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gefallen. Darum habe ich das Kommando übernommen bis Gen. Steiner einen Nachfolger befiehlt! Das Landungsschiff von General Gaultier, die „Invincible“ ist ein Totalverlust. Das Erkundungsergebnis unserer Fernspäher ist leider eindeutig! Dadurch fehlt uns ein komplettes Assault-Mech-Bataillon und wirft unsere komplette Planung über den Haufen!“ stellte Oberst Fichtenberg die Lage glasklar fest. „Aber wir sind weiterhin fähig und in der Lage alle unsere Operationsziele mit den verbliebenen Kräften zu erreichen! Sie und ihre Verbände und Einheiten sind allesamt erfahrene Soldaten und wie sie wissen, überlebt kein Plan den ersten Schuss!“ Fichtenberg schaute nacheinander allen Bataillonskommandeuren und Kompaniechefs in die Augen und sah dort nur eiserne Entschlossenheit! Dann wandte sich der Oberst zur Seite uns sah seinen G2 an.
„KdtHptm. Fritjoff, tragen sie die Feindlage vor!“ befahl er ihm ruhig.


„Jawohl, Herr Oberst, Feindlage!“ Der Stabsoffizier trat vor und rief die große Karte auf, die den kompletten Nordkontinent, den Einsatzraum der 2. RKG zeigte. In den Stunden der nach der Landung hatten die L/R-Jäger, die Satellitenüberwachung und die Spähtrupps am Boden so viele Informationen als Möglich gesammelt, die er nun hier kumuliert vortrug. Am Ende fasste er die Erkenntnisse zusammen:
„Uns steht hier auf dem Nordkontinent ein Solahama-Cluster gegenüber der aus 2 - 3 in Binärsternen und 2 Trinärsternen besteht. Also alles in allem rund 50 - 60 Mechs der Garnisonsklasse, rund 50 Elementare und weitere unterstützende Einheiten wie Infanterie und Panzer. Die Kräfte sind über den gesamten Nordkontinent verteilt stationiert, aber hier um Teruel ist ein Schwerpunkt in Stärke von 2 Trinärsternen konzentriert! Der Gegner ist voll ausgestattet, verfügt aber über keine Frontklasse-Ausstattung. Aber wie wir oft genug erfahren haben, sind Solamaha-Einheiten harte Gegner, da meiner Meinung nach, diese Krieger das Erreichen der Einsatzziele immer über persönlichen Ruhm stellen! Aber sie suchen auch nach einem ehrenvollen Ende ihres Kriegerdaseins, da sie in den Augen der Frontkrieger nur noch Krieger 2. Klasse sind.“ Nach einer kurzen Pause, in der er auf Fragen wartete, meldete er dann „Herr Oberst, Vortrag Feindlage beendet!“


Oberst Fichtenberg nickte. Dann wandte er sich den anwesenden Offizieren zu.
„Ich werde aufgrund der geänderten Lage und dem Wegfall des Assault-Bataillons den bisherigen OP-Plan in die Tonne treten! Wir haben hier eine weiträumige Operation durchzuführen, die wir nur dann meistern können, wenn wir schnell und beweglich zuschlagen und dem Gegner keine Ruhe lassen, bis er vernichtet ist. Wenn die Mechkrieger der Solamaha-Einheiten ein ruhmreiches Ende haben wollen, werden wir es ihnen verschaffen. Am Ende wird über Barcelona wieder die Flagge des VerCom wehen! Hierzu befehle ich:“ Dann erteilte der Oberst den Einsatzbefehl. In 8 Stunden würden die aktiven Operationen der 2. RKG beginnen!


Kurz vor Ende der Befehlsausgabe trat der diensthabende Kom-Offizier in das Lagezentrum und meldete sich beim Oberst mit einer dringenden Nachricht von GenLt. Adam Steiner, die er verlesen sollte. Mit einem Wink forderte ihn der Oberst dazu auf.
„Herr Oberst, meine Damen und Herren, hiermit befiehlt der Oberkommandierende der Operation Barcelona folgendes:
Das Kommando über die 2. RKG wird dauerhaft an Oberst Fichtenberg übertragen.
Gleichzeitig befördere ich Oberst Georg Fichtenberg vorläufig zum Generalleutnant!
Gez. Adam Steiner, GenLt., Barcelona 05.04.3052 18:45 Uhr Ortszeit!“ Nach einer kurzen Pause meldete sich der KomOffizier wieder ab und verschwand aus dem Lagezentrum. Georg wurde es kurz heiß und kalt. Das Kommando führte er defacto schon, aber diese Beförderung, wenn auch nur vorrübergehend, traf ihn völlig unvorbereitet. Er blickte durch den Raum. Bevor jemand reagieren konnte sagte er schneidend:
„Sie haben ihre Befehle! Wegtreten und Ausführung! Oberstleutnant Georg Müller, sie bleiben kurz hier!“


Nachdem alle den Raum verlassen hatten, stand nur noch sein Freund Georg Müller im Raum. Ihre Vornamensgleichheit hatte schon immer zu etwas Verwirrung geführt, zumal sie sich auch von der Statur und dem Äußeren ähnlich sahen. Nur war Müller ein von der Pike auf gelernter Mechoffizier, während Fichtenberg als Seiteneinsteiger von anderen Mechkriegern nie für ganz voll genommen worden war. Aber nun war er der KG der 2. RKG!
„Was sich Adam Steiner nur dabei gedacht hat, mich zum General zu befördern?“ meinte Fichtenberg zu seinem Freund, die, wenn sie untereinander waren, sich immer sehr informell gaben. „Er trägt seinen Rang doch auch nur vorübergehend, regulär hat er den Rang keines Kommandanten!“
„Aber er hat bei den Steiner-Davions ein Stein im Brett!“ antwortete Müller, „Sonst hätte er diese Operation gar nicht durchführen dürfen. Aber das VerCom braucht gute Neuigkeiten, dringend!“
„Ja, die Moral ist am Boden. Die Clans haben uns wie Schachfiguren bei ihrem Vormarsch beiseite gefegt. Nur vereinzelt ist es uns gelungen ihnen Paroli zu bieten!“ stellte Fichtenberg fest.
„Glaubst du, es ist was dran an den Gerüchten, dass ComStar sich endlich den Clans in den Weg stellt?“ wollte Müller wissen.
„Ich denke ja, seit ein paar Wochen erfolgen keine Angriffe mehr und aus dem Melissea-Theater hat Clan Jadefalke alle Frontklasse-Einheiten abgezogen, sonst hätten wir nicht so einfach vorstoßen können! Da ist irgendetwas Großes im Gange!“
„Aber es nützt uns!“ stellte Müller fest. „Es wird hart werden, aber wir sind zahlenmäßig überlegen und auch technologisch können unsere modernisierten Mechs den Second-Line-Clanmechs durchaus das Wasser reichen!“
„Unterschätze sie nicht. Auch diese Einheiten haben Clanwaffen montiert, die sind vielen unserer Waffen immer noch in Reichweite überlegen! Wenn wir sie attackieren, müssen wir es zu unseren Bedingungen machen! D.h. wir lassen uns nicht auf „Zellbrigen“, Gebote und anderen Clanunsinn ein! Wir müssen als Soldaten operieren, nicht als Krieger! Das haben unsere Frauen und Männer gelernt und so kämpfen wir auch!“
„Das wird die Claner wütend machen!“ meinte Müller,
„Ich glaube, wir sind nicht hier um Freundschaften zu schließen, Georg!“ entgegnete Fichtenberg mit einem Grinsen. Dann kam ihm noch ein Gedanke! „Ich werde unsere L/R-Jäger zusammenfassen und unter einheitlicher Führung einsetzen! Warum mir das jetzt erst einfällt!“ meinte Fichtenberg leicht wütend über sich selbst. „Schick mir gleich KdtHptm. Kowalski, er und seine Staffel sollen unsere Luftstreitkräfte führen. Wir müssen fähig sein, schnell überall mit geballter Kraft zuzuschlagen! Bei der Größe des Operationsgebietes ist es unabdingbar, schnell eigene Kräfte zu unterstützen und zu entsetzen, wenn nötig!“ Dann unterhielten sich die beiden Freunde noch kurz, bevor sich OTL. Müller abmeldete, um seinen Aufgaben als Bataillonskommandeur nachzukommen.


Keine 10 Minuten später meldete sich KdtHptm. Fjodor „St. Michael“ Kowalski bei Gen. Fichtenberg.
„Herr General, melde mich wie befohlen!“ sagte er stramm, während er Gen. Georg Fichtenberg grüßte.
„Danke, stehen sie bequem!“ gab der General zurück. „Um es kurz zu machen, ich übertrage ihnen ab sofort das Kommando über alle Luftstreitkräfte der 2. RKG, ausgenommen der Landungsschiffe. Ich will, dass unsere Luftstreitkräfte geschlossen und koordiniert eingesetzt werden. Wir werden zuerst den Schwerpunkt des Gegners angreifen, aber es sind nicht unerhebliche gegnerische Kräfte frei unterwegs, die uns jederzeit in die Flanke stoßen könnten. D.h. es kann zu einer punktuellen Überlegenheit des Gegners kommen, hier kommen dann ihre L/R-Jäger ins Spiel. Ich brauche sie dann blitzartig zur Luftnahunterstützung unsere Kräfte, bevor diese überwältigt werden können! Sie müssen dies sicherstellen, auch wenn sie uns an der eigentlichen Front unterstützen und den Luftraum über uns freihalten! Dazu stellen sie einen Verbindungsoffizier zum Regimentsstab ab! Können sie das hinbekommen?“ Der Pilot dachte kurz nach, dann straffte er sich,
„Jawohl Herr General! Wir haben ein sehr starkes Kontingent an L/R-Jägern hier und, wenn sie gestatten, werde ich noch 2 Rotten von den Sprungschiffen am Piratensprungpunkt abziehen. Im Gegenzug schlage ich vor, dass eines der Landungsschiffe unverzüglich zum Piratensprungpunkt verlegt und dort beim Schutz der Sprungschiffe die verbleibenden Jäger unterstützt!“ Georg Fichtenberg schaute den Piloten mit steinerner Miene an, aber innerlich grinste er. Der Mann war aus dem richtigen Holz geschnitzt und schaute über den eigenen Tellerrand hinaus!
„Das genehmige ich hiermit! Sie erhalten entsprechende Vollmachten, sprechen sie mit den Landungsschiffkommandanten ab, welches der Landungsschiffe am besten den Wachdienst übernimmt. Wenn es Probleme gibt, melden sie sich umgehend bei mir! Wie heißt nochmal ihre Staffel?“
„Herr General, wir nennen uns die >> Erzengel <<!“ sagte der Fliegeroffizier mit stolzer Stimme.
„Werden sie unsere Schutzengel, Herr Kommandanthauptmann, alle Kameradinnen und Kameraden am Boden werden auf sie zählen!“
„Pauke, Pauke Herr General!“ entgegnete der Pilot zackig und grüßte.
„Gut, wegtreten!“ befahl der General.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent, Hauptgefechststand (CHQ) 2. Angriffs-RKG auf dem Marsch
06.04.3052, später Vormittag


Georg steuerte seinen „BUSHWACKER“ parallel zur Kolonne des HQs und in ca. 1,5 Stunden würden sie Soria erreichen und dort in der Kleinstadt den neuen Hauptgefechtsstand einrichten, damit der rückwärtige Gefechtsstand, der zurzeit unmittelbar die 2. RKG führte, ebenfalls in Richtung Teruel verlegen konnte. Regelmäßig bekam er Lageupdates, aber bisher waren seine Truppen auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen! Auf dem Südkontinent sah es anders aus, die 1. RKG unter GenLt. Steiner stand bereits in schweren Gefechten, waren sie doch viel näher an den Clantruppen gelandet wie sie. Von seinen drei Bataillonen hatte Georg zwei nach vorne geschickt, die schnell vorrückten. Das dritte Bataillon war dahinter, sicherte links und rechts die Flanken und stellte die Reserve dar.


80 Minuten später erreichten sie Soria und die Soldaten der HQ-Kompanie richteten sofort den Gefechtsstand in einer Sporthalle ein, die sie requiriert hatten. Georg öffnete das schwer gepanzerte Kabinendach seines „BUSHWACKERS“ und kletterte die Strickleiter hinunter, nachdem er seinen Mech heruntergefahren hatte. Am Boden angekommen ließ er seinen Blick über seinen Mech gleiten. Er führte ihn schon mehrere Jahre und war feldmäßig mit moderneren Waffen ausgestattet worden. Die UAC10 im rechten Arm hatte ihm schon mehrmals in Gefechten den entscheidenden Vorteil verschafft, wenn die schweren Treffer den Gegner aus der Balance brachten und ihn dann nicht mehr wirkungsvoll Paroli bieten konnten. Für diesen Einsatz hatte er alle LRMs gegen SSRM-Werfer austauschen lassen. Der schwere ERLaser war nun die einzige Waffe mit großer Reichweite die er noch hatte. Aber wenn, rechnete er mit einem Nahkampf, da wären die LRMs sowieso nutzlos. Auf der linken Seite des Mechtorsos prangte das Stauferwappen auf grün-gelbem Grund, das Wappen seines Bataillons! Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er das Bataillon nach Kaiser Barbarossa, den Staufern oder Württemberg benannt, aber die Militärbürokratie hatte seine entsprechenden Anträge alle abgeschmettert. „Geschichtsvergessene Narren!“ hatte er die Bürokraten damals genannt! Als er sich umdrehte kam der Führer des Gefechtstandes auf ihn zu, ihn begleitete eine Zivilistin.


„Herr General, das ist Mirela Steinar, die Bürgermeisterin von Soria. Sie wünschte sie dringend zu sprechen!“ Eigentlich wollte sich Georg um sein Regiment kümmern und sich nicht mit den Befindlichkeiten der Zivilbevölkerung herumschlagen. Dafür war extra ein Verbindungsoffizier im Gefechtsstand.
„Herr Hauptmann, wo ist den Kommandant Lajos? Er soll sich um die Zivil-Militärische Zusammenarbeit kümmern!“ entgegnete Georg etwas kurz angebunden.
„Herr General, mit Kommandant Lajos habe ich bereits gesprochen!“ warf die Bürgermeisterin forsch ein und zog damit die Aufmerksamkeit des Generals auf sich.
„Und er konnte ihnen nicht weiterhelfen, Frau Steinar?“
„Mir geht es nicht um Bezahlung oder die Unterbringung ihrer Truppen! Das konnte ich bereits klären. Wir sind sehr froh, dass sie da sind und uns vom Joch der Claner befreien! Dafür wollte ich mich persönlich bedanken. Aber es gibt auch clanfreundliche Elemente in der Bevölkerung! Dies wollte ich ihnen unbedingt mitteilen. Außerdem haben wir Probleme mit selbsternannten Guerillas, die sich aufführen, als wären sie die Herren und terrorisieren teilweise die Landbevölkerung! Ich möchte sie bitten, hier tätig zu werden! Ich will einen Bürgerkrieg verhindern!“ Der General sah sie kurz an.
„Ist das Problem so groß, dass sie mich damit selbst ansprechen?“ gab Georg zurück.
„Leider! Sonst würde ich sie nicht belästigen Herr General!“ gab die Bürgermeisterin zurück.
„Gut! Danke für die Information! Hptm. LaRouse, sie bringen Frau Stainar zu KdtHptm. Arness. Sie soll ihn möglichst genaue Informationen geben, damit unsere Kettenhunde wissen, worauf sie achten müssen. Er soll sich in 1 Stunde bei mir zu einem Lagevortrag melden!“ befahl der General, dann wandte er sich an die Bürgermeisterin.
„KdtHptm. Arness ist der Chef unserer Militärpolizei, bei ihm ist das Problem in den besten Händen. Meine Truppen brauche ich alle im Kampf gegen die Jadefalken.“ erklärte er. „Was wir aber nicht brauchen können, wären Unruhen hinter unseren Linien! Für die Informationen sind wir dankbar!“ stellte er fest.
„Danke Herr General! Auch wir wollen eigentlich nur unsere Ruhe und ich hoffe, dass Gefechte möglichst nicht in Bevölkerungszentren stattfinden!“ gab sie ihrer Hoffnung Ausdruck! Georg lachte auf,
„An uns liegt es nicht, „Gegend“ haben sie ja genug!“ Dann nickte er der Bürgermeisterin zu und marschierte schnellen Schrittes in die Sporthalle und ließ die beiden stehen. Sollten sich die „Kettenhunde“ um die Guerillas und die Clan-Sympathisanten kümmern, er hatte wichtigeres zu tun.




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent,
2. Angriffs-RKG 20 km südwestlich Teruel
09.04.3052, Vormittag


Nach mehreren harten Vorgeplänkeln am Vortag trafen nun endlich, die Hauptkräfte des Solamaha-Clusters, mit den beiden Trinärsternen und die 2. RKG südwestlich von Teruel aufeinander. Bei den vorangegangenen Gefechten hatte sich die Konzentration und geschlossene Führung der L/R-Jäger sehr bewährt. Mit der massiven Luftunterstützung hatten sie jedes der Begegnungsgefechte für sich entscheiden können und den Clanern schwere Verluste, bei moderaten eigenen zugefügt. Georg saß in seinem „BUSHWACKER“ und führte den Angriff selbst an. Der Spruch, dass „Mir nach!“ der bessere Befehl war als „Vorwärts Marsch!“ hatte sein Führungsverständnis stark geprägt und er lebte es auf dem Gefechtsfeld!
„Los! Mir Nach zum Angriff!“ befahl er und schob den Fahrthebel nach vorn. Alle Einheiten hatten ihre Befehle und rückten nun koordiniert vor. Georg führte insgesamt 120 Mechs in Feld, denen 2 Trinärsterne, also ca. 30 - 35 Mechs gegenüberstanden. Aber die RKG hatte eine nicht unerhebliche Anzahl von Panzereinheiten und waren hier den Clankräften weit überlegen. Georgs Idee des Gefechts war, ein koordinierter Kampf der verbundenen Waffen, in dem auch die Panzer und die Luftstreitkräfte eine wichtige Rolle spielten. Außerdem wollte er eine Taktik anwenden, die bereits Hannibal bei Cannae eingesetzt hatte, er war aber klug genug sich nicht komplett darauf zu verlassen, sondern den Operationsplan so angepasst, dass er ebenfalls auf fast jede Eventualität reagieren konnte!


Am linken Flügel der 2. RKG war Oberstleutnant Fabienne „Diamond“ LaHaie mit ihrer schweren Kampflanze bis zum befohlenen Punkt langsam vorgerückt und stoppte dann, als sie auf den Gegner traf. Ihr war befohlen worden diese Position zu halten, während die Mitte der RKG sich nach dem ersten Schlagabtausch langsam etwas zurückziehen sollte, um so den Gegner dazu zu verleiten, im Zentrum nachzustoßen. Die leichteren Kräfte ihres Bataillons hielt sie aus der Sichtweite des Gegners, dieser sollte erstmal nur ihre zwei schweren Kompanien und nicht ihre komplette Kampfkraft zu sehen bekommen! Da stieß ein „HELLBRINGER“ vor und LaHaie befahl konzentriertes Feuer aller Mechs ihrer Lanze auf den CLAN-Mech, der sofort von den konzentrierten Treffern der vier VerCom-Mechs durchgeschüttelt werden. Bevor der Mech aufbrach und starb, funkte der Claner noch:
„STRAVAGs, habt ihr keine Ehre im Leib!“ während er noch verzweifelt versuchte zurückzuschießen. Dann starb der Mech, als die Fusionsflasche platzte und das Gefechtsfeld in grellem Licht badete. Als die anderen Claneinheiten in Reichweite kamen, feuerten diese sofort und das Gefecht wogte hin und her. Ihre Stellung war gut gewählt, nahm sie dem Gegner doch die Möglichkeit seine größere Waffenreichweite auszunutzen. OTL. LaHaie konnte ihre Stellung mit ihrem Bataillon befehlsgemäß halten!


Georg beobachtete auf dem Taktikschirm den Gefechtsverlauf. Die Linke Flanke stand wie eine Mauer, auch seine rechte Flanke hielt die Stellung, während das Zentrum langsam vom Gegner zurückgedrängt wurde. Als Georg erkannte, dass der Gegner den Köder schluckte und sofort nachrückte, erlaubte er sich ein Grinsen. Bis jetzt lief alles nach Plan!
„LilieX, hier Diamond, Gegner zieht Kräfte von mir ab und verlegt sie zum Zentrum! Kommen!“
„Hier LilieX, Verstanden, Ende!“ betätigte Georg. Als der Gegner eine bestimmte Linie überschritt, befahl er mit dem Codewort „Nikolaus“ den Sack zu schließen. Sofort begannen die Einheiten an der rechten und linken Flanke die vor ihnen stehenden Gegner mit allen Kräften zu attackieren und in Richtung Zentrum zurückzudrängen um den Gegner einzuschließen.


„Nikolaus, Nikolaus, Nikolaus!“ hörte KdtHpm. Fjodor „St. Michael“ Kowalski über Funk. Er bestätigte und befahl dann allen L/R-Jäger die ihm unterstanden den Angriff auf den Rücken der Gegner. Im Tiefflug näherten sich nun alle Jäger dem Gegner aus Nordost. In Sekunden würden sie in deren Rücken auftauchen!
„Pauke, Pauke, jede Rotte nimmt sich je einen Mech vor!“ wiederholte er nochmal seinen vorher gegebenen Einsatzbefehl an seine Piloten. Schon tauchten die ersten Feindsignaturen auf. St. Michael wählte ein Ziel aus und sein Rottenflieger St. Gabriel bestätigte. Dann war der „WARHAWK (MASAKARI)“ in Waffenreichweite. St. Michael löste alle seine Waffen seines „STUKAs“ aus, erst die beiden PPCs, dann die AC/20 und den MedLaser. Nach ihm entlud St. Gabriel seine Waffen im Rücken des Mechs. Der „WARHAWK“ war zwar schwer gepanzert, aber im Rücken verwundbar wie die meisten Mechs. Alle Waffen trafen exakt ins Ziel und rissen den Rücken des 85to auf der in einer lauten Detonation verging. St. Michael und St. Gabriel zogen sofort hoch für einen weiteren Angriffsflug.
„Wie Scheibenschießen!“ knurrte St. Gabriel über Funk.
„Nicht ganz!“ gab St. Michael zurück. „Einer unserer Kameraden wurde gerade abgeschossen!“ Dann öffnete er einen Kanal an alle L/R-Jäger,
„An Alle, Achtung! Achtet auf „RIFLEMANs“, diese sind sofort unsere Primärziele!“ gab er an alle durch. Der Kamerad war einem „RIFLEMAN IIC“ zum Opfer gefallen.


Nach drei Stunden zähen Ringens fiel der letzte Clanmech und die 2. RKG hatte gesiegt. Knapp 50 % seiner Mechs waren zerstört oder ausgefallen und auch viele Infanteristen und Panzerleute, sowie Piloten hatten für den Sieg teuer bezahlt! GenLt. Georg „Orca“ Fichtenberg führte seinen nur leicht beschädigten „BUSHWACKER“ zurück zum mobilen CHQ und kletterte aus dem Mech. Am Boden wartete schon sein Mastertech.
„Da hat aber jemand auf mein Baby aufgepasst!“ sagte der StHFw schnodderig. Georg nickte,
„Zum Glück für sie!“ sagte er mit einem Grinsen. „Einmal Waschen und legen bitte!“ Der StHFw bestätigte und Georg betrat das HQ. Einige der Kommandeure waren schon da, auch sein Freund OTL. Georg „Lucifer“ Müller, der etwas Abseits stand. Er trat zu ihm und grinste breit!
„Das hat mal funktioniert!“ meinte er ganz informell zu seinem Freund.
„Manchmal sind die alten Strategien die Besten! Aber ich hätte ehrlich von dem gegnerischen Kommandeur erwartet, dass er den Braten riecht!“
„Vielleicht ist ihm seine Claner-Arroganz im Weg gestanden! Wer weiß das schon. Hauptsache, wir haben hier gesiegt!“ erwiderte der General.
„Es ist aber noch nicht vorbei, da Draußen sind noch zwo Binärsterne Mechs unterwegs und keiner weiß wo sie stecken!“
„Ich hoffe unsere Aufklärer identifizieren die Standorte bald, dann gehört der Nordkontinent uns!“ stellte Orca fest. „Aber erst müssen wir unsere Gefechtsschäden ausbessern!“




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent,
2. Angriffs-RKG, Corcusant-Tundra, 200 km nordöstlich Teruel
17.04.3052, früher Vormittag


„Wir haben sie!“ rief der junge Oberleutnant enthusiastisch, als er in die Operationszentrale stürmte. Als er den General sah, blieb er sofort stocksteif stehen, mit ihm hatte er nicht gerechnet. Normalerweise war das gar nicht dessen Schicht!
„Wen haben sie Herr Oberleutnant!“ fragte ihn der General, obwohl er es sich das schon denken konnte. Seit der Schlacht bei Teruel entzogen sich ihnen die verbliebenen Gegner Kräfte und entwischten den Kräften der 2. RKG des VerCom immer wieder! Auf dem Südkontinent stand die 1. RKG unter der Führung von Adam Steiner kurz vor dem endgültigen Sieg, während sie hier auf dem Nordkontinent Phantomen nachjagten!
„Unsere Aufklärer konnten die Reste der gegnerischen Streitkräfte lokalisieren!“ Der Oberleutnant trat an das große Kartendisplay und zoomte auf einen Bereich ca. 35 km Nördlich und zeigte darauf, „Hier an dieser Stelle konnten wir mehr als 20 Mechs aufklären. Das müssten die verbliebenen Binärsterne sein!“ Georg schaute sich die Position genau auf der Karte an.
„Leicht zu verteidigen!“ stellte er fest. „Herr Fritjoff, intensivieren sie die Aufklärung in diesem Bereich, tragen sie mir in einer Stunde die Ergebnisse vor, wir wollen hier doch nicht in eine Falle laufen! Außerdem will ich wissen, wie weit die für das Durchkämmen des Kontinents abgestellten Panzer- und Infanterieverbände sind!“ Dann wandte er sich an den diensthabenden S3-Offizier des Regiments.
„Geben sie einen Vorbefehl an alle Verbände heraus, Herstellen der Gefechtsbereitschaft. Befehlsausgabe in 2 Stunden hier im Gefechtsstand!“




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Nordkontinent,
2. Angriffs-RKG, Corcusant-Tundra, 210 km nordöstlich Teruel
17.04.3052, 10:30 Uhr


Nach der Befehlsausgabe meldeten sich die Bataillonskommandeure ab und setzten sich mit ihren Verbänden in Richtung des Gegners in Bewegung. Der Gefechtsstand verlegte ebenfalls 10 km weiter nach Norden. Diesmal war Georg nicht unmittelbar an Angriff beteiligt, er wollte das Geschehen hier auf dem Gefechtsstand verfolgen und lenken, da er hier die bessere Übersicht hatte. Der Mobile Gefechtsstand war in Windeseile einsatzbereit und der Beginn des Gefechts stand unmittelbar bevor. Die Position des Gegners wurde von den 3 Bataillonen in die Zange genommen und jeder der Kommandeure wusste, was er zu tun hatte. Am Gefechtstand hatte Georg lediglich eine Mechlanze zum Schutz zurückbehalten, da die Reserven der Verbände unmittelbar nachgerückt waren. Das Ganze musste heute ein Ende haben! Schon kamen Meldungen über die ersten Feindkontakte herein und die letzte große Schlacht auf dem Nordkontinent begann. Alles verlief nach Plan und wieder bewährte sich der geschlossene Einsatz seiner L/R-Jäger, die den Gegner auch in ihren gedeckten Positionen bekämpfen konnten. Ein Clanmech nach dem anderen fiel dem konzentrierten Feuer seiner Bataillone und L/R-Jäger zum Opfer. Aber der Gegner gab nicht auf und der Kampf in dem hügeligen Gelände wurde ein zähes Ringen, das sich hinzog. Aber das Ende der Falkenstreitkräfte war bereits absehbar! In spätestens einer Stunde wäre das Gefecht vorbei, stellte der General für sich fest! Plötzlich schrillte der Alarm in der Kommandozentrale. Fast ungläubig hörte sich der General die Meldung eines der Alarmposten an. Ein Mechstern der Falken marschierte geradewegs auf das mobile HQ zu und würde es in wenigen Minuten erreichen!
„Wo kommen die denn her!“ fluchte der General überrascht! Jede Verstärkung war zu weit weg um rechtzeitig hier zu sein. Doch sofort fällte er eine Entscheidung!
Zuikagu
Erkundungsmission Hintergrund

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Hintergrund 3: Barcelona 3052 Part 2: Soweit die Füße tragen

Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Norn (Nordkontinent),
2. Angriffs-RKG, Corcusant-Tundra, 210 km nordöstlich Teruel
17.04.3052, 14:03 Uhr


„Vorbei!“ schoss es ihm durch den Kopf. „Aus und vorbei!“ Sein Körper war von einer dicken Schweißschicht überzogen. Den Hitzeschwall im Cockpit, den die Abwärme seines Mechs erzeugte, lag weit über den Grenzen des Erträglichen. Der Clanmech zielte ein letztes Mal auf seinen „BUSHWACKER“ und feuerte. GenLt. Georg „Orca“ Fichtenberg spürte nicht einmal, wie die Treffer der beiden PPCs seinen „BUSHi“ durchschüttelten und seinem Mech den Rest gaben, derart benommen war er von der enormen Hitze. Fast ohnmächtig spürte er einen frischen Luftzug, als ihn die Rettungsautomatik aus dem Cockpit schleuderte und ihn mehrere hundert Meter weit von seinem sterbenden Mech wegtrug. Nach dem Aufschlag kehrte langsam das Bewusstsein wieder zurück - und die Erinnerung.


Vor einer halben Stunde hatte es Alarm gegeben. Ein Mech-Stern der Jadefalken marschierte geradewegs auf die bewegliche Befehlsstelle der 2. RKG zu. Die Claner hätten sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, da sich in diesem Augenblick nur eine VerCom-Lanze mit insgesamt 4 Mechs als Deckung bei der Befehlsstelle befanden. Das Gefecht 20 km Nordostwärts waren zwar kurz vor dem Ende, ein Sieg der VerCom-Truppen unausweichlich und der Weg nach Su Filla war dann frei! Aber immer noch wurde jeder Mech in der Schlacht gebraucht! Sein Mech, war der Einzige, der ebenfalls noch zur Verfügung stand, alle Mechkrieger an dem Mobile HQ waren Lyraner. So entschied sich Lt.Gen. Fichtenberg dafür sich, zusammen mit der Sicherungslanze, den Falken entgegenzustellen.
„Fritjoff, sie übernehmen das HQ, rücken sofort nach Nordwesten ab und übermitteln den ausgearbeiteten Op-Plan für den Abschluss der Operation an OTL. Müller. Er führt die RKG als mein Stellvertreter solange ich im direkten Einsatz bin! Ausführung!“ schrie er seinem S2Offizier zu, während er seine Uniform auszog und in die Kühlweste schlüpfte. Der Offizier bestätigte und Georg lief dann zu seinen „BUSHWACKER“, der nach wie vor sein bevorzugter Mechtyp war. Sein Mech "Skinir" begleitete ihn seit langem durch die Schlachten gegen die Clans im Melissia-Theater. Auch wenn er viele Rückschläge in den vergangenen Kampagnen hatte erleiden müssen, ihm war es immer wichtiger gewesen, so viele Truppen wie möglich intakt aus dem Fleischwolf des Clanangriffs zu retten. Eine verlorene Schlacht war noch kein verlorener Krieg! Wenn man es sich aber erlaubte seine Einheiten sinnlos zu verheizen, würde dies sonst ein weiterer Schritt zur totalen Niederlage sein!


Noch bevor er richtig saß, fuhr er "Skinir" hoch, schnallte sich an, setzte den Neurofeedbackhelm auf und gab fieberhaft die Startsequenzen ein. Der Mech erwachte und richtete sich auf. Ein kurzes Ziehen im Nacken und auch die Neurosensoren nahmen ihre Arbeit auf. Ein Blick auf das Radardisplay informierte ihn über die augenblickliche Lage. Das von der Befehlsstelle eingespielte Lagebild zeigte den Falkenstern keine 3500 m entfernt. Der General war wütend darüber, dass die Falken erst so spät aufgeklärt wurden.
"Fritjoff, ziehen sie die Befehlsstelle sofort zu den vereinbarten Koordinaten zurück, und fordern sie umgehend Luftunterstützung an! Ich werde das Kommando vorübergehend an OTL Müller übergeben, bis die Situation bereinigt ist.", wiederholte er seien vor kurzem an de S2-Offizier gegebenen Befehl, der nun der höchste Dienstgrad im HQ war. Dann rief er seinen Kameraden und Freund,
„Lucifer, hier Orca, Kommen!“
„Hier Lucifer! Kommen!“ meldete sich OTL. Georg Müller.
„Eine Falken-Lanze rückt auf das HQ vor, ich fange sie zusammen mit der Sicherungslanze ab. Solange übergebe ich dir hiermit das Kommando über die 2. RKG! KdtHptm. Fritjoff ist informiert. Er hat meine Planung für das weitere Vorgehen und unterstützt dich, bis ich wieder zurück bin. Kommen!“
„Hier Lucifer, soll ich Verstärkung schicken? Kommen!“ fragte sein Freund nach. Deutlich hörte er seine Sorge durch den Äther.
„Hier Orca! Nein! Die Vernichtung der restlichen Falken hat Priorität! Kommen!“ Der Oberstleutnant bestätigte dann seinen Befehl und auf seinen Außenschirm konnte Georg sehen, wie bereits die ersten Anstalten gemacht wurden, die Befehlsstelle abzuziehen.


Fichtenberg schaltete sich auf den Führungsfunkkreis der Mechlanze und befahl vorzurücken, um die Falken schnellstmöglich abzufangen, bevor sie die Befehlsstelle erreichen konnten. Das Kommando für das Gefecht übergab er aber dem Lanzenführer, der seine Leute besser kannte als er. Die Lanze war perfekt aufeinander eingespielt und er kam sich vor, wie das 5. Rad am Wagen. Die lyranische Lanze erreichte die Falken, bevor sie die 1500 Meter Marke unterschritten und in dem hügeligen Gelände stießen die Mechs schnell aufeinander. Da kaum die Möglichkeit vorhanden war, die maximale Waffenreichweite auszunutzen, entwickelte sich das Gefecht als gnadenloser Schlagabtausch auf mittlere und kurze Entfernung. Über einen Hügelkamm stürmte eine „SHADOWCAT“ direkt auf Georg „Orca“ Fichtenberg zu und "Skinir" dröhnte, als ein Gausstreffer seinen Torso herumriss. Der General stieß den Beschleunigungshebel vor und richtete seinen „BUSHWACKER“ auf den Gegner aus. Der Gausstreffer hatte auf seiner rechten Torsoseite fast die komplette Panzerung abgerissen. Fichtenberg feuerte einen Alpha-Strike auf die „SHADOWCAT“. Während die uAC/10 voll im Ziel lag und Panzerung vom Torso des Clanmechs riss, streifte der Strahl seines schweren Lasers nur den rechten Waffenarm der „CAT“. Die SSRM, die er vor dem Beginn des Angriffs auf Barcelona anstatt der LRM in seinen Mech hatte einbauen lassen, erwiesen sich hier als die richtige Wahl. Die Raketen zogen in den typisch korkenzieherförmigen Flugbahnen ebenfalls auf den Torso des Clanmechs und trafen teilweise sogar das Cockpit. Die Antwort des Claners ließ nicht lange auf sich warten. Er löste alle Laser aus und schälte Panzerung von der linken Seite des IS-Mechs. Das Gefecht wurde von beiden verbissen geführt, bis Fichtenberg mit seinem Laser und der uAC/10 die Panzerung der Cat durchdringen konnte und der „SHADOWCAT“ die interne Struktur im Hüftbereich zerriss. Der Clanmech stürzte vornüber, unfähig sich zu erheben. Er überflog seine Statusanzeigen, noch so einen Gegner und er würde den Platz neben dem Clanmech einnehmen. Das Gefecht hatte ihn 4 seiner 10 Wärmetauscher gekostet und er musste deshalb seine Hitzeentwicklung scharf im Auge behalten, wollte er nicht bei lebendigem Leib geröstet werden.


Das Taktikradar zeigte noch drei aktive Feindmechs und, außer seinem eigenen, noch zwei weitere einsatzfähige VerCom-Mechs. Wieder bewies sich, dass das lange Training der Clankrieger nicht umsonst war. Das Mobile-HQ war mittlerweile verschwunden und hatte sich planmäßig absetzen können. Plötzlich krachte und knisterte es, seine Displayanzeigen verzerrten sich kurz und "Skinir" erhielt einen harten Schlag von rechts. Panzerung verdampfte und 2 weitere Wärmetauscher wurden zerstört. Die Cockpittemperatur schnellte schlagartig nach oben. Von rechts stürmte eine bereits beschädigte, einarmige „NOVACAT“ auf ihn zu und hatte ihn mit 2 PPK-Treffern eingedeckt. GenLt. Fichtenberg rang nach Luft, ohne die verlorenen Wärmetauscher würde er nur noch seine AK und seine SSRM einsetzen können. Aber die Hitze, die die PPK-Treffer bei ihm erzeugen, reichte schon, um die Temperatur in den roten Bereich schnellen zu lassen. Orca konzentrierte sich und schälte mit seiner Autokanone Panzerung vom linken Bein der „NOVACAT“ ab. Der Claner ließ sich nicht beeindrucken und feuerte wieder seine Zwillings-PPK auf ihn ab. Wieder ein Treffer, Totalausfall des Feuerleitkreises der SSRM, die Hitze, die jetzt in seinem Mechcockpit herrschte war enorm. Ein weiterer Treffer, und der Clanmech würde seinen „Skinir" aufreißen wie eine Blechdose. Der General versuchte den verbliebenen Waffenarm des Clanmechs zu treffen, aber die Salve ging teilweise daneben und der Gegner wurde nur leicht durchgeschüttelt. Wieder richteten sich die PPK-Mündungen direkt auf seinen Mech,
"Vorbei!" schoss es ihm durch den Kopf. "Aus und vorbei!"


Georg Fichtenberg konnte sich nach dem Ausstieg endlich wieder bewegen und hatte sich von den Auswirkungen der Hitze halbwegs erholt. Er musste schnell handeln. Clanmechs waren selten alleine unterwegs und es war nicht unwahrscheinlich, dass sich Elementare auf dem Gefechtsfeld befanden. Diesen wollte er unter keinen Umständen in die Hände fallen. Er rollte sich von seinem Schleudersitz und packte den Rucksack mit der Notfallausrüstung und entfernte sich in Richtung Nordosten vom Schlachtfeld. 10 Minuten später kauerte er sich im Schutze eines Felsens nieder und versuchte Kontakt zu VerCom Einheiten über Funk herzustellen. Er erhielt keine Antwort.
"Scheiße!" Georg Fichtenberg nahm das Headset ab und betrachtete es. Es war beim Ausstieg beschädigt worden und unbrauchbar, damit würde er nie wieder funken können!


Er räumte die Tasche aus, zog er sich die harten Mechstiefel von den Füßen, schlüpfte in den schmucklosen Drillichanzug, der ihn besser gegen die kühle Witterung schützen konnte, als seine Shorts und die Kühlweste und zog die weichen Kampfstiefel an, die er ebenfalls immer mitführte. Er befestigte das Holster mit seiner Automatikpistole wieder an der Hüfte, nahm das Rohr und den Schaft seines Sturmgewehres aus der Kunststoffbox, verriegelte den Lauf und setzte das optische Visier auf. Zuletzt nahm er sein Jiàn aus der Tasche und warf es über den Rücken. Fichtenberg hatte nie verstanden, warum die meisten Mechjockeys quasi „halbnackt“ in ihre Mechs stiegen und sich nach dem Ausstieg gerade noch gegen eine Maus hätten verteidigen können. Als ehemaliger Infanterist fühlte er sich erst sicher, wenn er auch ein Gewehr in den Händen hatte. Allein und weitab der eigenen Einheit musste er sich wieder auf seine alten Fähigkeiten und antrainierten Reflexe verlassen, damit er wieder heil zurückkam. Als erstes nahm er das Fernglas und kletterte auf den Felsen. Der Geräuschkulisse nach, war das Mechgefecht vorbei. Aber wer war der Sieger? Bei einem VerCom-Sieg hätte er sofort zurückgehen und auf die Bergungsmannschaften warten können. Doch was er durch das Glas entdeckte, war das genaue Gegenteil. Er zählte noch zwo Mechs, alles Clanmaschinen. Also war das Gefecht wenn auch knapp zu Gunsten der Falken ausgegangen und die Lyraner alle vernichtet oder sie hatten sich zurückgezogen. Der General musste schleunigst von hier verschwinden, wollte er nicht in Gefangenschaft geraten!


Fichtenberg wendete sich nach Nordosten, in Richtung der VerCom Einheiten. Nach zwei Stunden Fußmarsch taten ihm bereits die Füße weh.
„Das kommt davon“, dachte er sich, „wenn man sich dauernd in Mechcockpits und am Kartentisch rumtreibt!“ Aber viel größere Sorgen bereitete ihm, ob der Gefechtsstand sich rechtzeitig hatte absetzen können und ob die Operation seiner RKG erfolgreich weitergeführt und abgeschlossen werden konnte. Eines war ihm klar, wenn er es nicht schnellstens schaffte, die eigenen Linien zu erreichen, würde er beim Scheitern des Angriffs alleine auf Barcelona zurückbleiben müssen! Die Dämmerung kam auf und er war immer noch weit von den eigenen Einheiten entfernt. Langsam wurde es ihm auch kalt! Nachts konnten hier die Temperaturen zurzeit unter 0° Celsius fallen. Er musste sich entscheiden, entweder durchzumarschieren oder sich einen geschützten Platz suchen. Zu seinem Glück, zählte Barcelona zu den lebensfreundlicheren Planeten der IS und er konnte bedenkenlos seinen Durst mit dem vorhandenen Oberflächenwasser löschen. Barcelona war, wie alle Planeten am äußeren Rand der Inneren Sphäre, sehr dünn besiedelt und rein auf Agrarwirtschaft ausgerichtet. Laut dem Informationsfile über den Planeten, dass er in Vorbereitung des Angriffs studiert hatte, waren die meisten Gehöfte weit verstreut und das Wegenetz auch nicht sehr dicht. Glücklicherweise gehörte es zu seinen Gewohnheiten, immer aktuelles Kartenmaterial in seinem Notfallpaket mitzuführen.
Bevor es dunkel wurde, erreichte er die letzte ihm bekannte Position eines rückwärtigen Versorgungspunktes der VerCom Einheiten, aber außer Radspuren und Mechfußabdrücken konnte er nichts mehr finden. Fichtenberg hatte es befürchtet, da aufgrund der hochmobilen Gefechtsführung im 31. Jahrhundert und der im Verhältnis zur Größe der Operationsgebiete geradezu lächerlich kleinen Truppendichte war es sehr schwierig zu Fuß die eigenen Truppen zu erreichen oder sogar zufällig auf diese zu treffen. Um sich zu orientieren bestieg er eine kleine Erhebung. 5 km im Westen befand sich eine Straße und ein Gehöft, laut Karte das Einzige in fast 30 km Umkreis. Da ihm keinerlei Kommunikationsmittel zur Verfügung standen, musste er es wagen Kontakt zur lokalen Bevölkerung aufnehmen, auch auf die Gefahr hin, auf Jadefalken-Sympathisanten zu treffen. Aus den Geheimdienstberichten und von der Bürgermeisterin von Soria wusste er, dass zwar die meisten Einwohner die Besatzung der Falken ablehnte, aber auch Teile der Bevölkerung mit ihnen kooperierten oder sie gar unterstützten.


Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch durch unwegsames Gelände entdeckte er in einer Senke vor ihm das hellgraue Band der Schotterpiste. Mittlerweile war es fast Dunkel und da Barcelona nur kleine Monde hatte, konnte ihm nur noch das schwache Licht der Sterne den Weg weisen. Er kontrollierte noch mal seine Position anhand der Karte und wand sich nach Norden. Es konnte nicht mehr weit sein. Als er die nächste Kuppe erreichte, konnte er relativ nahe ein Licht entdecken. Auch wenn er jetzt viele Verhaltensregeln brach, er musste es einfach riskieren, um wieder zurück zu seinem Verband zu kommen. Vorsichtig bewegte er sich auf das Haus zu. Er konnte keinerlei Militärfahrzeuge ausmachen, nur die übliche Ansammlung von Maschinen, die eine Ranch auszeichnete. In diesen Breitengraden konnte man nur von der Viehzucht leben und auf Barcelona hatte man für die kühlen Regionen in Polnähe besonders kälteresistente Rinder eingeführt. An der äußeren Umzäunung hielt Fichtenberg inne und versuchte mit seinem Fernglas, trotz der Dunkelheit, irgendetwas auszumachen. Durch die hell erleuchteten Fenster konnte er lediglich den Schatten einer Person ausmachen. Der General nahm vorsichtshalber seine Rangabzeichen ab und versteckte sie zusammen mit seiner Identkarte an einem Zaunpfosten. Laut seiner Uhr waren mittlerweile fast 12 Stunden seit dem Mechgefecht vergangen und dass er bisher keine weitere Gefechtstätigkeit oder Truppenbewegungen bemerkt hatte, zeigte ihm, dass der Kampf um den Planeten mittlerweile ganz wo anders tobte.


Er richtete sich auf und ging auf dem geschotterten Weg auf das Wohngebäude zu. Das Haus war ein rechteckiger Kasten, wie er millionenfach auf den Agrarwelten der IS stand und schien schon so alt zu sein, dass dieser fast von den ersten Siedlern hier hätte stammen können. Plötzlich schlug ein Hund an, auch dies war wie überall. Georg verzog den Mund zu einem leichten Grinsen. Das helle Licht im Haus erlosch und nur ein schwacher Schimmer drang noch aus den Fenstern. Offensichtlich hatten die Bewohner ebenfalls das laute Gebell gehört und reagiert. Als er am Hauseingang ankam suchte Georg Fichtenberg die Glocke oder den Klopfer oder was immer hier benutzt wurde um sich bemerkbar zu machen. Mitten auf der Türe war eine Drehklingel angebracht, die er sofort betätigte. Wenn er länger zögerte, würden die Bewohner sicher nichts Gutes von dem ungebetenen Besuch mitten in der Nacht erwarten. Er hörte wie sich hinter der Türe Schritte näherten. Das Außenlicht wurde angeschaltet und Fichtenberg blinzelte geblendet in den Türstrahler.
„Who are you?“ hörte er eine weibliche Stimme fragen.
„Ein versprengter Soldat, Madam!“ antwortete er auf Deutsch, um sich als Lyraner erkennen zu geben.
„Was wollen Sie hier bei uns, es gibt nichts zu holen!“ gab sie mit starkem englischem Akzent zurück.
„Madam ich bin allein und seit über 12 Stunden unterwegs. Hätte ich unlautere Absichten, hätte ich nicht geklingelt, vertrauen Sie mir bitte!“
„Euch Soldaten vertrauen?“ hörte er die bittere Antwort der Frau. „Wer kann schon reißenden Hunden vertrauen, treten sie zurück und legen sie ihre Waffen ab.“
„Madam, ich bin Angehöriger der VerCom-Streitkräfte und wir sind gekommen um ihre Heimat zu befreien. Sie können mir vertrauen!“ wiederholte er seine Versicherung.
„Schmeicheln sie sich hier nicht ein, treten sie zurück und legen Sie ihre Waffen ab wo ich sie sehen kann, dann könnte ich ihnen vielleicht ein bisschen Vertrauen schenken.“ Georg wusste, dass die Frau ihn beobachten konnte, deshalb versuchte er erst gar nicht zu bluffen. Er trat 5 Schritte zurück, in den vollen Lichtkegel der Eingangsleuchte und legte seine Waffen vor sich ab. Danach zog er seine Jacke aus, hob die Arme und drehte sich einmal um die Achse.
„Wie sie sehen, bin ich jetzt unbewaffnet, Madam.“ Als Antwort öffnete sich die Tür und er blickte zuerst in die große Mündung einer Schrotautomatik, wie sie vielfach in solchen Gegenden anzutreffen war. Danach richtete sich sein Blick auf die Person dahinter. Eine großgewachsene, schlanke Frau mittleren Alters trat aus der Tür. „Treten sie nochmal 8 Schritte zurück und setzen sie sich auf den Boden.“ Er befolgte auch diese Anweisungen und musterte Sie von oben bis unten. Sie hatte halblange blonde Haare und ihre Züge hatten eine gewisse Härte, wie sie das Leben weitab der Zivilisation hineinschneidet. Die Frau trat vor und warf einen kurzen Blick auf die Ausrüstungsgegenstände vor ihr.
„Seit wann hat ein Lyraner ein Schwert mit auf dem Schlachtfeld? Ist das technologische Niveau in der IS denn noch weiter gesunken?“ Georg musste grinsen.
„Nein, das ist ein Souvenir und meine Gedächtnisstütze.“
„An was soll sie denn das Schwert erinnern?" fragte die Frau nach.
„Daran, dass immer das Unverhoffte passiert und nichts sicher ist.“
„Ok, verraten Sie mir ihren Namen?“
„Hauptmann Georg Fichtenberg, Madam. Ich bin Mechjockey.“ fügte er hinzu. Die Frau bückte sich, und nahm seine Ausrüstung auf.
„Ich heiße Solveigh Friedkin, nennen Sie mich ruhig Solveigh, so wie alle hier draußen im Outback. Mir ist im Übrigen euer Krieg egal, solange man uns in Ruhe lässt, aber kommen sie jetzt rein. Es ist kalt.“ Georg Fichtenberg trat vor ihr ins Haus, während sie immer noch mit der Flinte auf ihn zielte.


Die Frau lenkte ihn nach rechts in den hinteren Bereich des Hauses zur Küche.
„Setzen Sie sich auf den Stuhl da, Mister Fichtenberg und erzählen Sie mir mal ihre Geschichte.“ Er kam nur zu gerne ihrer Aufforderung nach und teilte ihr seine Erlebnisse seit der Landung auf Barcelona mit. Dabei ließ er alles weg, das mit seinem Kommando zu tun hatte und gab sich als Hauptmann aus. Irgendwann im Laufe seiner Schilderung nahm Solveigh ihre Waffe hoch und legte sie griffbereit neben sich.
„Sie wollen also, dass ich Ihnen helfe, Kontakt zu ihrer Einheit aufzunehmen?“
„Ja“, erwiderte er. „wenn das möglich ist. Leben Sie alleine hier?“
„Nein, zusammen mit meinen beiden Kindern. Die sind zurzeit aber im Internat. Um diese Jahreszeit gibt es nichts zu tun, so sind unsere Landarbeiter auch nicht da.“
„Haben Sie kein Vieh? Das ist doch eine Ranch!“ fragte Fichtenberg.
„Das habe ich alles an die Nachbarn verpachtet, die paar Büffel, die ich noch habe, kann ich im Stall alleine über den Winter bringen. Seit mein Mann vor 2 Jahren getötet wurde, bewirtschafte ich das Gut alleine.“ Fichtenberg versuchte das Gespräch am Laufen zu halten, fragte weiter nach und gab auch selbst auf die Fragen der Rancherin Auskunft. Er erfuhr, dass der Mann Solveigh Friedkins vor 2 Jahren bei einem Überfall von lyranischen Widerstandskämpfern ermordet wurde, da er sie nicht gegen die Clanbesatzer unterstützen wollte. Solveigh starrte ihn anklagend an,
„Wie konnten sie das nur tun. Er war völlig unbeteiligt und wollte weder mit den Clanern noch mit dem Widerstand was zu tun haben! Sie warfen ihm vor, ein Verräter zu sein, dabei ist es hier draußen im Outback doch völlig egal, wer den Planeten regiert.“ Georg Fichtenberg schüttelte den Kopf. Von solchen sinnlosen Terrorakten fanatischer Freischärler hatte er schon oft auf verschiedenen Welten gehört. Teilweise standen sogar ganz andere Interessen hinter solchen Aktionen und wurden hinterher lediglich mit dem patriotischen Mantel behängt, um sie zu rechtfertigen.


„Madam, ich kann nachvollziehen, was sie durchgemacht haben. Ich selbst habe meine Familie gewaltsam, bei einem Clan-Angriff auf meine Heimat verloren. Und ich billige trotzdem solche Terrorakte nicht.“ Die Frau verzog zynisch ihren Mund,
„Das sagen sie nur so. Warum soll ich ihnen das glauben? Sie kämpfen doch, um Claner zu töten und bringen dabei wiederum nur Leid auf die Welten, die sie vorgeben schützen zu wollen.“
„Krieg ist grausam, Mrs. Friedkin, ich wäre aber nie hier, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass es besser ist, die Claner wieder zu vertreiben. Ihr Gesellschaftssystem, ihre Werte, ihr Handeln sind Dinge die ich nur ablehnen kann, weil sie jede Individualität tötet. Der Hass hat mich nach dem Tod meiner Familie in die Streitkräfte zurückgebracht, aber diesen habe ich schon lange verloren, denn auch die Claner selbst sind Opfer ihres eigenen Systems.“
„Salbungsvolle Worte, Mister! Das überzeugt mich noch nicht! Warum kann man uns nicht einfach in Ruhe lassen?“ Georg Fichtenberg schaute Sie an und entdeckte Züge an ihr, die sein Interesse weckten.
„Mrs. Friedkin, wollen Sie mir nun helfen?“
„Sie dürfen sich erstmal hier ausruhen, heute Nacht können sie oder ich sowieso nichts mehr tun. Ich denke ich kann ihnen soweit trauen, dass ich ihnen ihre Ausrüstung, außer den Waffen zurückgebe und sie hier schlafen lasse. Wollen sie was Essen?“ Natürlich, welche Frage! Er hatte seit über 15 Stunden nichts mehr zu sich genommen. Während des Essens kamen Sie über belanglosere Dinge ins Gespräch und er bemerkte, dass er sich in der Gesellschaft Solveigh Friedkins immer wohler fühlte. Obwohl, oder gerade, weil sie in einigen Dingen völlig anderer Meinung war. Nach dem Mahl holte sie den Hund ins Haus und band ihn im Flur zur Treppe an.
„Damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen!“ meinte seine Gastgeberin und er musste Grinsen. Sie wies ihm ein Zimmer hinter der Küche als Schlafplatz zu.
„Über die Claner brauchen sie sich keine Sorgen zu machen, die waren erst vor kurzem da und die lassen sich hier normalerweise nur alle paar Wochen blicken.“




Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissia Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Barcelona, Norn (Nordkontinent), Corcusant-Tundra, Three Stars Ranch
18.04.3052, Früher Morgen


Nach einer unruhigen Nacht wurde Georg Fichtenberg früh am Morgen durch ein Klappern aus der Küche geweckt. Er stand langsam auf und entdeckte in der Kammer eine Waschgelegenheit. Nach dem er sich frisch gemacht hatte und wieder in den Drillich gestiegen war, ging er in die Küche.
„Kann ich ihnen helfen?“ fragte er die Rancherin.
„Ja, kommen sie mit in den Stall, dort sind die Büffel zu versorgen.“ Eine Stunde später saßen sie wieder in der Küche und frühstückten. Fichtenberg genoss diese Ruhe, die er schon so lange vermisst hatte, doch die Pflicht rief!
„Mrs. Friedkin, ich möchte sie nicht über Gebühr belasten. Wann und wie können sie mir weiterhelfen?“
„Das Problem wird sein, wie wir die VerCom-Einheiten erreichen, die stehen nicht mehr im Telefonbuch und - nennen sie mich Solveigh. Aber schauen wir mal, was die Nachrichten sagen.“ Georg Fichtenberg lachte,
„Gut aber dann lassen sie auch bei mir die Förmlichkeiten weg, ich bin Georg.“ Gespannt verfolgte er dann die Vid-Frühnachrichten, die selbstverständlich die Geschehnisse (noch) aus Sicht der Clanbesatzer zeigten. Die Kämpfe auf dem Nordkontinent hatten sich bereits über 250 km nach Nordosten verlegt, und selbst aus den beschönigenden offiziellen Berichten, die er sah, konnte er erkennen, dass die Operation auf Barcelona für das Vereinigte Commonwealth sehr erfolgreich verlief.
„Scheint so, als ob die Claner das schlechtere Ende erwischt haben.“ sagte er. „Solveigh, unsere Leute treiben die Jadefalken vor sich her, sie sind auf dem Rückzug. Alle Ziele die mein Verband nehmen sollte, wurden erreicht!“ Solveigh starrte ihn an.
„Georg, woher weißt du, was die Generäle planen?“
„Ich war direkt am Hauptquartier beschäftigt, da bekommt man einiges mit.“ erwiderte er. Aber insgeheim beruhigte es ihn, dass seine Planung so hervorragend funktionierte. Solveigh schaltete nach den Nachrichten den Vid-Schirm aus und den lokalen Radiosender ein.
„... vertrieben. Murdoch wurde von den Falkenbesatzern geräumt und VerCom-Einheiten sind in der Stadt. Wir sind frei! ...“ plärrte es aus dem Lautsprecher. Fichtenberg erinnerte sich an die Karte. Murdoch war die nächste größere Siedlung, etwa 110 km von hier entfernt. Wenn diese Meldung zutraf, so musste er lediglich nach Murdoch gelangen und er war wieder bei der Truppe.
„Wie kann ich nach Murdoch kommen, Solveigh?“
„Das sind 2 Stunden zu fahren, wenn alles glattgeht.“ Sie dachte kurz nach, „Ok, Georg, ich fahre dich hin. Ich muss sowieso einiges besorgen und meine beiden Kinder wollte ich auch die Tage besuchen. Sie sind in einem Internat in Murdoch.“
„Ich sollte aber während der Fahrt nicht diese Uniform tragen. Falls wir versprengten Falken in die Arme laufen, wäre das sehr ungesund.“ Solveigh stand auf und bedeutete ihm, dass er ihr folgen sollte. Im oberen Stock ging sie an einen Schrank, in dem sie noch Kleider ihres Mannes aufbewahrte und öffnete ihn. Er suchte sich ein paar Allerweltskleidungsstücke aus und zog sie an. Ihr Mann musste seine Statur gehabt haben, es passte alles. Solveigh bleib am Ende des Flures stehen und schaute ihm zu. Plötzlich drehte sich um, verschwand in einem Raum und schloss die Tür. Fichtenberg konnte ein leises Schluchzen durch die Tür hören.


Eine halbe Stunde später fuhren sie ab. Fichtenberg hatte seine Ausrüstung unter einer Abdeckung verstaut und behielt nur seine Pistole in Reichweite, was hier draußen auch nicht weiter auffällig war. Während der eintönigen Fahrt über die Buckelpiste, die die abgelegenen Ranches der Gegend mit dem Rest der Welt verband, unterhielten sich die beiden und tauschten offen ihre Ansichten aus. Je länger er mit Solveigh sprach desto mehr bedauerte er, dass sich ihre Wege in Murdoch wieder trennen würden. Sie war ein interessierter und intelligenter Gesprächspartner und erinnerte ihn in manchen Dingen sehr an seine tote Frau, die er vor Jahren bei dem Überfall der Stahlvipern auf seine Heimat verloren hatte.
"Noch 30 km, dann sind wir da." kündigte Solveigh an, "Schätzungsweise noch eine halbe Stunde, da die Straße gleich besser wird." Der Wagen quälte sich gerade eine Steigung hinauf als ihnen plötzlich ein quer gestellter Militärjeep den Weg versperrte. Hinter dem Jeep traten 4 Männer mit Gewehren im Anschlag hervor, die ihnen unmissverständlich bedeuteten, stehenzubleiben.
"Aussteigen, mit erhobenen Händen!" bellte der Anführer der Vier, ein gedrungen gebauter Mitfünfziger mit schwarzen Haaren. Angesichts dieser Situation, hatten Solveigh und Georg keine Wahl als der Anweisung Folge zu leisten.
"Das sind die Kerle, die meinen Mann auf dem Gewissen haben." zischte Solveigh, bevor sie aus dem Wagen ausstiegen. Die linke Augenbraue des Anführers erhob sich überrascht.
„Ach, wen haben wir denn da? Solveigh Friedkin, die mit allen Clanern gut Freund sein wollte! Wen hast du denn da bei dir? Einen Clanspion? Den Kerl habe ich hier in der Gegend noch nie gesehen!" Die Männer waren mittlerweile auf sie zugekommen und einer hatte sich direkt hinter Georg aufgebaut.
"Ich bin Angehöriger der VCS", warf er ein. "Mrs. Friedkin ist so freundlich und bringt mich nach Murdoch zu dem Militärposten, der dort sein soll." –
"Wer hat dich den gefragt," der Anführer blickte ihn wütend an, "und warum trägst du keine LAS-Uniform, du Spion?" Ein kurzer Wink und Georg Fichtenbergs Gedanken explodierten, als der hinter ihm stehende Freischärler den Gewehrkolben auf den Hinterkopf schlug.


Langsam kehrte sein Bewusstsein wieder zurück, sein Kopf dröhnte und fühlte sich an, als ob er mit einem „DAISHI“ zusammengestoßen wäre. Irgendetwas in seinem Unterbewusstsein befahl aber seinem Körper still liegen zu bleiben. Die Geräusche die an sein Gehör drangen, ließen ihn schlagartig erwachen. Deutlich konnte er hören, dass die Freischärler scheinbar wie die Tiere über Solveigh herfielen. Georg öffnete vorsichtig seine Augen und prüfte, ob einer der Männer auf ihn aufpasste. Doch er konnte nur die Beine von einem Mann erkennen, der auf der anderen Seite ihres Wagens stand. Er hob vorsichtig den Kopf und ihn durchzuckte ein brennender Schmerz am Hinterkopf. Langsam tastete er die Wunde ab und stellte fest, dass die Blutung bereits aufgehört, er aber eine schmerzende Beule davongetragen hatte. Er blickte sich um, während er bewusstlos war, hatten die Kerle den Wagen ausgeräumt und alles auf den Boden geworfen. Direkt neben ihm lag sein Jian, von den anderen Waffen war nichts zu sehen. Scheinbar nahmen sie das Schwert nicht als Waffe ernst. Langsam und geräuschlos zog er die Klinge aus der Scheide und bewegte sich von hinten auf den ahnungslosen Wachposten zu.


„Hey, lasst mir auch noch was von ihr übrig!" rief dieser gerade seinen Kameraden zu und verfolgte mit perversem Interesse die Vergewaltigung. Georg Fichtenberg war jetzt in perfekter Position, alle Freischärler konzentrierten sich auf das grausame Schauspiel und hatten ihn völlig vergessen. Georg konzentrierte sich auf seine erworbenen und antrainierten Fähigkeiten mit dem Jian und hob die Waffe. Die Klinge beschrieb einen blitzenden Kreis, der im Nacken des Postens endete und trennte mit einem scharfen Schnitt fast den Kopf vom Rumpf. Georg stürzte vor und brachte dessen Sturmgewehr an sich. Einer der anderen Männer drehte sich gerade zu seinem Kameraden um und riss überrascht seine Waffe hoch. Mit einem kurzen Feuerstoß setzte Georg auch seinem Leben ein Ende. Von den Schüssen aufgeschreckt erhoben sich die beiden letzten Guerillas und griffen nach ihren Gewehren.


"Freeze!" befahl Fichtenberg mit harter Stimme. "Waffen fallen lassen und langsam zu mir umdrehen." Der Chef der Bande und ein weiterer großer hagerer Mann drehten sich langsam zu ihm um. Der Anblick war gerade zu lächerlich. Beide standen mit heruntergelassenen Hosen da und starrten in die Mündung seines Gewehres. Eben noch arrogant und herablassend, kam ihnen der kalte Schweiß der Angst auf die Stirn.
„Machen Sie keine Dummheiten, Mann." rief ihm der Anführer zu. Georg ging langsam vor, ließ die Beiden dabei nicht aus den Augen und ließ sie von Solveigh zurücktreten, die leise in der Senke neben der Straße stöhnte. Nach ein paar Schritten konnte er einen kurzen Blick auf sie werfen und was er sah, ließ eiskalte Wut und blanken Hass in ihm aufsteigen. Sofort und ohne nachzudenken zog er den Abzug durch und kam erst wieder zu Verstand, als das Magazin leer war und mit einem lauten „Klack“ der Verschluss des Gewehres offenblieb. Mit Abscheu blickte er auf die beiden von Kugeln zerfetzten Leichen hinab und überzeugte sich davon, ob sie auch wirklich tot waren. Sofort kümmerte er sich dann um Solveigh, die sehr schlimm zugerichtet war. Er versorgte sie so gut es ging und versuchte sie zu beruhigen. Er hoffte, dass sie dieses traumatische Erlebnis eines Tages würde überwinden können!


Nachdem Georg Solveighs äußere Wunden versorgt hatte und sie sich kurz um die Platzwunde an seinem Hinterkopf gekümmert hatte, war es Zeit, sich für die Weiterfahrt zu rüsten. Er packte die gesamte Ausrüstung wieder in den Wagen Solveighs und durchsuchte auch den Jeep der Freischärler nach Brauchbarem. Die Guerillas selbst hatte er nur kurz gefiltzt, um ihre Identität festzustellen. Nachdem er den Jeep von der Straße gefahren hatte, half er Solveigh auf und setzte sie auf die Beifahrerseite ihres Wagens uns fuhr los. Langsam löste sich der Schock bei ihr und sie begann hemmungslos zu weinen. Georg Fichtenberg redete während der Fahrt beruhigend auf sie ein und hoffte sie auch wenig ablenken zu können, indem er sie auf ihre Kinder ansprach. Nach kurzer Fahrt stoppte er aber den Wagen, um sich besser um sie kümmern zu können, denn sie war ihm im Augenblick wichtiger, als die Tatsache, dass sie kurz vor Murdoch waren.
Er legte einen Arm um sie und Solveigh weinte sich an seiner Schulter aus. Eine halbe Stunde später hatte sie sich soweit beruhigt, dass sie wieder normal wirkte.
„Können wir weiterfahren?" fragte er. Sie nickte bestätigend.
„Erzähle bitte meinen Kindern nichts davon, falls du sie sehen solltest."
„Keine Angst, das werde ich sicher nicht tun. Du weißt am besten, ob überhaupt und wann du es ihnen erzählen kannst." Er startete den Wagen und mit einem Aufheulen des Motors setzten sie die Fahrt fort. Nach 15 ereignislosen Minuten erreichten sie eine Anhöhe, von der sie auf Murdoch hinabsehen konnten.
"Jetzt kommt es darauf an, ob die Nachrichten richtig waren. Bei den Kerlen vorher habe ich keinen Hinweis auf die Anwesenheit der VCS gefunden." Er fuhr weiter auf die Stadtgrenze zu und wurde bereits am ersten Haus von Murdoch angehalten.


Gen.Lt. Fichtenberg atmete erleichtert auf, als sich ein Feldwebel der VCS-Infanterie auf seinen Wagen zubewegte.
"Ausweise bitte!" forderte sie der Posten auf.
"Ich denke meine ID-Karte reicht für uns beide Herr Feldwebel!" meinte Fichtenberg als er seinen Militärausweis dem Infanteristen unter die Nase hielt. Solveigh blickte überrascht auf, als der Soldat plötzlich strammstand und ihn mit „Herr General“ ansprach.
„Welche Einheit ist in Murdoch?"
„Die 1. und 3. Kompanien und der Bataillonsstab des 1. Mobilen Infanteriebataillons, Herr General."
„Wo ist das Feldlazarett?" fragte er nach und blickte kurz zu Solveigh.
„800 m die Straße runter, dann links im lokalen Krankenhaus."
„Melden sie ihrem Kommandeur, dass ich da bin und teilen sie ihm mit, dass er mich dort treffen soll." Der Feldwebel grüßte und Georg Fichtenberg fuhr zum Krankenhaus weiter.
„Solveigh, du solltest erst einmal zum Arzt gehen, bevor du etwas anderes machst."
„Warum nannte der Soldat dich General?" fragte sie.
„Nun, ich bin der Oberkommandierende der 2. VCS-Invasions-RegimentsKampfGruppe und ich habe dir das natürlich verschweigen müssen, auch um dich nicht mit diesem gefährlichen Wissen zu belasten."
„Du hast mich belogen!" stellte sie fest.
„Ja, aber es musste sein, nicht zuletzt um dich zu schützen, falls wir auf Jadefalken gestoßen wären." Da erreichten sie das Krankenhaus und er bog in die Auffahrt ein. Solveigh und er stiegen aus und zusammen gingen sie in das Gebäude zur Anmeldung. Die Schwester rief sofort nach dem Arzt als Solveigh ihr kurz mitteilte, was ihr zugestoßen war. Er verabschiedete sich von ihr, als sie zur Untersuchung weggeführt wurde.
„Wo kann ich mich mal umziehen?" fragte er einen Pfleger, der gerade an ihm vorbeieilte. Dieser zeigte ihm nach einem kurzen Blick auf seinen Ausweis einen kleinen Raum und der General zog seinen Drillich wieder an und befestigte seine Abzeichen wieder an der Jacke. Als er den Raum verließ, betrat gerade der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Rickenbakker, den Empfangsraum.
Da sich die beiden Männer persönlich kannten, marschierte dieser schnurstracks auf ihn zu und meldete sich.
„Herr General, sie leben? Wir hatten seit 36 Stunden keinen Kontakt mehr zu ihnen und jede Suche blieb ergebnislos. Wir dachten schon, sie seien den Jadefalken in die Hände gefallen. Wie sind sie hergekommen?" Fichtenberg erlaubte sich ein Lächeln.
„Zum Glück nicht. Man hat mir weitergeholfen, aber zuerst musste ich einen langen Marsch machen. Wie ist die Lage?" Der Kommandant schilderte in knappen Worten die derzeitige Situation und meinte zum Schluss:
„In spätestens 2 Tagen haben wir die Claner besiegt und der Nordkontinent ist frei!"
„Da hätten sie ja auf mich noch ein wenig verzichten können." erwiderte Georg Fichtenberg schmunzelnd. „Informieren sie OTL Georg Müller und das HQ, dass ich hier bin und sorgen sie für ein Taxi zum Hauptgefechtsstand der RKG."
„Wollen sie nicht zu unserem Gefechtsstand mitkommen?" fragte er den General, als dieser keine Anstalten machte, das Krankenhaus zu verlassen.
"Nein, ich muss kurz hier eine Platzwunde behandeln lassen, außerdem habe ich mich noch bei jemandem zu bedanken." Der Kommandant grüßte,
„Draußen steht ein Fahrzeug mit Fahrer für Sie." sagte er noch und verließ das Krankenhaus.
Georg ließ seine Wunde am Hinterkopf behandeln und fragte dann am Empfang nach Solveigh Friedkin.
„Die Dame ist vor 5 Minuten gegangen." bekam er zur Antwort, „Wir soll ihnen aber mitteilen, dass sie in das städtische Internat zu ihren Kindern gefahren ist. Sie könnten sie dort treffen, hat Mrs. Friedkin mir mitgeteilt." Er ließ sich noch den Weg erklären und trat dann vor das Gebäude.


„Herr General, ich bin ihnen zugeteilt worden", meldete sich ein Gefreiter bei ihm, „soll ich sie zum Gefechtstand bringen?"
"Nein, zum städtischen Internat!" gab ihm Georg Fichtenberg zur Antwort. Etwas verwirrt setzte sich der Fahrer in seinen Jeep und fuhr los, nachdem Fichtenberg ebenfalls in den Wagen gestiegen war.
Nach kurzer Fahrt hielten sie vor einem flachen Betonbau an dessen Seite sich ein Sport- und ein Spielplatz befanden. Solveighs Wagen stand ebenfalls am Straßenrand.
„Warten Sie hier!", befahl Fichtenberg dem Fahrer und betrat das Schulgebäude. Er fragte sich bis zu Solveigh durch.
„Hallo, hier bist du!" sprach er sie an.
„Wer bist du denn?" fragte ihn ein knapp 7 Jahre altes brünettes Mädchen.
„Meine Tochter Freja und das ist mein Sohn Leif." stellte Solveigh ihre beiden Kinder vor. Dabei zeigte Sie auf einen ungefähr 12 jährigen, stupsnasigen Jungen mit Sommersprossen und roten Haaren. „Das ist der Mann, der mich nach meinem Unfall gefunden und hergebracht hat!" sagte sie und deutete auf Georg Fichtenberg.
„Sind sie ein echter General?" fragte ihn Leif mit leuchtenden Augen. Fichtenberg nickte und fragte,
„Darf ich eure Mutter kurz unter vier Augen sprechen? Es dauert nicht lange!" Die Kinder nickten und die beiden Erwachsenen gingen zur anderen Seite des Raumes.
„Solveigh, ich muss in spätestens einer Stunde aus Murdoch weg und möchte mich noch bei dir für deine Hilfe bedanken.“
„Ist schon gut. Ich möchte auch dir danken. Das hätte mir auch passieren können, wenn ich ohne dich unterwegs gewesen wäre. Diese Schweine hätten mich genauso erwischt und dann wäre ich jetzt tot!"
„Kann ich dir in irgendeiner Weise helfen? Ich habe hier einen gewissen Einfluss." sagte er grinsend. Solveigh schüttelte den Kopf. „Gehst Du zurück auf deine Ranch?" fragte er dann.
„Vorläufig nicht, ich warte hier bis sich alles beruhigt hat und ich mich wieder besser fühle. Meine rinder könne auch ein paar Tage ohne mich auskommen." Er schaute in ihre blauen Augen und lächelte sie an.
„Darf ich dich auch mal tagsüber besuchen kommen?"
„Gern, ich würde mich freuen." Georg zog einen Notizblock aus der Tasche und schrieb seine Dienstnummer und seinen vollen Namen darauf.
„Hier, falls du mich erreichen willst. Mit diesen Angaben kannst du mir jederzeit eine Nachricht zukommen lassen." Solveigh faltete den Zettel und steckte ihn ein und gab ihm dafür eine Karte mit ihren Adressdaten.
„Ich muss los." sagte Georg Fichtenberg verlegen und Solveigh trat auf ihn zu.
„Danke nochmals für deine Hilfe!" sagte sie ihm und umarmte ihn kurz. „Melde dich, falls es dich zufälligerweise wieder in die Peripherie verschlägt." Georg Fichtenberg verabschiedete sich und verließ das Internat. Er hoffte, dass er Solveigh nicht das letzte Mal in seinem Leben gesehen hatte. Aber wer weiß, was das Leben bringt! Er setzte sich in den Jeep.
"Zum Bataillonsgefechtsstand!" befahl er dem Gefreiten, der auf ihn wartete und fuhr wieder seinen Aufgaben entgegen.