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Geschrieben von Zuikagu am 10.11.2025 um 12:55:
Erkundungsmission - Hintergründe
Erkundungsmission - Hintergründe
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Kurzes Vorwort
In dieser losen Reihe von Kurzgeschichten werden Ereignisse beleuchtet, die vor der Mission zur Hanseatischen Liga stattfanden.
Den Ursprung haben diese Stories in den Backgroundstories, die ich für meinen Charakter in der Deutschen Mechwarrior-Online-Liga Anfang der 2000er geschrieben habe. Damals nutzten wir als Kampfsystem Mechwarrior 2, Mechwarrior 3 und zum Schluss Mechwarrior 4 (lang ist es her)! Diese MWO hat aber natürlich überhaupt nichts mit der aktuellen MWO zu tun!
Die Stories wurden überarbeitet, damit sie auch zu den Stories "Erkundungsmission 1" und "Erkundungsmission 2" passen.
Dann viel Spaß beim Lesen!
Geschrieben von Zuikagu am 10.11.2025 um 13:01:
RE: Erkundungsmission - Hintergründe
Erkundungsmission - Hintergründe
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Hintergrund 1: Erstes Blut
Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Melissea Theater
System Barcelona, Jadefalken Okkupationszone
Landungsschiff „OVERLORD“-Klasse „VCS Terror“, Im Transit
05.04.3052
Oberst Georg Fichtenberg ging in seiner Kabine noch einmal den Operationsplan durch. Bald würden zwei VerCom-Kampfverbände in Regimentsstärke unter dem Oberbefehl von Adam Steiner auf Barcelona landen und versuchen den Planeten den Jadefalken wieder zu entreißen. Adam Steiner hatte für diesen Angriff vom LAS-Oberkommando vorrübergehend die Befehlsgewalt eines Generalleutnants erhalten. Die erste Kampfgruppe bestand aus der eigenen Einheit von Adam Steiner, den Somerset Strikers, die zudem mit anderen Einheiten erheblich verstärkt worden war. Das zweite Regiment, zu dem er gehörte, war ebenfalls ein Kampfverband aus zusammengewürfelten Bataillonen und Kompanien. Georg war eigentlich Kommandeur eines der Mech-Bataillone, wurde aber für diese Operation als Stabschef des zweiten Regiments eingesetzt, während sein Stellvertreter OTL. Müller sein verstärktes Bataillon bei der Invasion führen würde. Er wusste, dass der Plan von Adam Steiner viele Unwägbarkeiten enthielt und hauptsächlich auf das Überraschungsmoment setzte. Aber solche Husarenstücke waren dessen Markenzeichen! So war auch der Krieg, keiner wusste dies besser als Georg! Sein Regimentskommandeur, ein Generalleutnant, dem es sichtlich Schwierigkeiten bereitete unter dem Oberbefehl von Adam Steiner zu stehen, flog auf einem anderen Landungsschiff in das Gefecht und sie würden sich bei der von Adam Steiner anberaumten Befehlsausgabe nachher über eine Videoverbindung sehen. Als er von den Unterlagen aufsah, blieb sein Blick an seinem Jian, einem chinesischen Schwert, hängen. Seine erste Kriegstrophäe und auch die einzige, an die ihm wirklich etwas lag. Der Griff war durch den vielen Gebrauch speckig, aber die Scheide mit den Messingbeschlägen und die Klinge waren gepflegt und in erstklassigem Zustand. Seit er das Jian besaß, übte er sich regelmäßig in der Kunst des Taijijan und des Jianshu und hatte es mittlerweile zu einem passablen Können gebracht. Er führte sie bei jedem Einsatz in seinem Mech mit. Wieder stiegen die Bilder aus seinen Erinnerungen auf, wie er diese Klinge erworben hatte.
Georg war damals im Jahr 3034 in seiner ersten Verwendung nach Abschluss der Akademie Sanglamore als Zugführer in einer Pionierkompanie auf Campertown in der Mark Cappella eingesetzt. Der Planet war den Capellanern im 4. Nachfolgekrieg ein paar Jahre zuvor vom Vereinigten Commonwealth abgenommen worden. Aber die Industrien auf Campertown machten es zu einem verlockenden Ziel für eine Rückeroberung oder einen Raid! Deshalb befand sich damals immer eine starke VerCom-Garnison auf dem Planeten.
Vor mehreren Tagen war ein capellanisches Regiment gelandet, das den Planeten angriff. Sein damaligerr Auftrag war es, mit seinem Zug einen engen Taleinschnitt zu verminen, um den angreifenden Capellanern den Zugang zur dahinterliegenden Hochebene und dem dort befindlichen Industriezentrum zu erschweren. Kurz nach der Fertigstellung der Minensperre schlug der seismische Scanner in Feindrichtung voll aus – keine Panzer, sondern Mechs im Anmarsch! Die VerCom-Panzerkompanie, die die Sperre übernehmen sollte, war aber immer aber noch nicht eingetroffen! Lt. Fichtenberg befahl seinem Zug sich in die Stellungen hinter der Sperre zurückzuziehen. Kurz darauf konnte er zwei Mechs mit seinem Fernglas ausmachen. Leichte Mechs, offensichtlich Aufklärer, eine „WASP“ und ein „LOCUST“! So wie sich die beiden Battlemechs auf sie zu bewegten, ahnten die Mechpiloten wohl nicht, welche Gefahr vor ihnen lag. Die Minen die sein Zug verlegt und sorgfältig getarnt hatte, waren dazu konstruiert auch Mechs bewegungsunfähig machen zu können. Plötzlich blieben beide Mechs stehen und scannten intensiv den vor ihnen liegenden Geländeabschnitt. Etwas schien sie zu beunruhigen. Georgs Magen krampfte sich zusammen. Es war seine "Feuertaufe", sein erster realer Feindkontakt! Er hoffte, dass die Mechs die Minen nicht entdecken und ahnungslos in die Sperre hineinlaufen würden. Ohne die Sperre vor sich wäre sein Zug einem Frontalangriff der Mechs fast hilflos ausgeliefert!
Plötzlich setzte sich der „LOCUST“ wieder in Bewegung und tastete sich langsam in die Minensperre hinein. Orca wusste, dass die Wahrscheinlichkeit mit der der Mech die Sperre unbeschadet durchqueren konnte, nur bei ca. 15-20% lag! Die Minen waren entsprechend von seinem Zug verlegt worden. Der „LOCUST“ war nun fast durch die Sperre durch und der Leutnant wollte gerade den Befehl zur Feuereröffnung geben, als der Boden unter dem Mechs mit einem gewaltigen Krachen aufbrach und ihm die Detonation der speziellen Anti-Mech-Mine den rechten Fuß abriss. Der „LOCUST“ fiel keine 150 m vor Georgs Stellung wie ein nasser Sack zur Seite. Der Leutnant gab den Befehl das Feuer zu eröffnen, denn der Mech war zwar bewegungsunfähig, sein Laser stellte aber nach vor eine große Bedrohung für die Pioniere dar. Die „WASP“, die sich bis dahin zurückgehalten hatte, stürmte nun vor und feuerte auf die Positionen der VerCom-Soldaten. Eine SRM2-Raketensalve der „WASP“ traf auf Maximalentfernung mit voller Wucht in die Stellung links von Georg. Die Leiber der Soldaten wurden zerfetzt und in hohem Bogen aus der Stellung geschleudert und Georg spürte deutlich die Druckwelle und duckte sich in seine Stellung.
„Funker, Lagemeldung an Bataillon abgeben! 2 Mechs auf Sperre aufgelaufen, unser Zug im Gefecht!“ befahl er seinem Funker auf seinem Fahrzeug über den Helmfunk.
„Jawohl Herr Leutnant!“ hörte er die Bestätigung. Auf dem internen Funkkreis des Zuges kamen nun Verlustmeldungen und Hilferufe seiner Gruppenführer bei ihm an. Lt. Fichtenberg war klar, dass er seinen Zug sofort zurückziehen musste, sonst hätten seine Frauen und Männer keine Chance zu überleben!
Gerade als er den Befehl geben wollte, stürmte die „WASP“ in die Sperre und löste eine Mine aus, die dessen Fußaktivator zerschmetterte. Dem Mech wurden durch den Druck der Detonation das Bein weggerissen und stürzte vornüber. Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem Capellaner, denn als das Mechcockpit der „WASP“ auf den Boden knallte, wurde eine weitere Mine ausgelöst, deren ultraheißer Plasmastrahl die Cockpitpanzerung durchschlug und den MechKrieger im Inneren sofort tötete. Nun konzentrierte sich das Feuer der Pioniere wieder vollständig auf den „LOCUST“. Aber ein Mech war mit den leichten Waffen, die ihnen zur Verfügung standen nicht so einfach zu zerstören. Der Leutnant überlegte fieberhaft, wie der Mech schnell ausgeschaltet werden könnte, bevor noch mehr seiner Leute starben oder verletzt wurden. Er sah sich um, riss eine Fünftel-Mine aus der Kiste, die hinter ihm stand, befestigte einen Funkzünder an ihr und stürmte im toten Winkel auf den liegenden Mech zu. Dort angekommen suchte er die Einstiegsluke, sprengte sie an der Notentriegelung auf und wuchtete die scharfe Mine in das Cockpit hinein. Georg wollte dem MechKrieger im Inneren aber noch eine Wahl lassen und forderte ihn auf sich zu ergeben. Die 20 Kilo Sprengstoff, die nun in der Kanzel lagen brachten die Capellanerin sofort zur Vernunft und sie gab auf. Die MechKriegerin kletterte demoralisiert aus ihrem beschädigten Mech, das Gefecht war vorbei! Sie und ihr Kamerad hatten ihre Mechs gegen Schlammstampfer verloren! Dieses Schicksal war die schlimmste Demütigung, die einem MechKrieger widerfahren konnte.
Die Kriegerin sagte nichts, funkelte ihn dafür wutentbrannt an! Georg entwaffnete sie und übergab sie an zwei Soldaten, die sie sofort abführten.
Neugierig kletterte der junge Offizier in das Cockpit des „LOCUST“. In Sanglamore hatte er, wie alle Offizieranwärter, die Gelegenheit in Mechsimulatoren die Grundlagen der Mechsteuerung zu lernen und er hatte, wie fast alle, auch ein paar Runden in einem „CHAMÄLEON“ gedreht. Aber dies hier war ein echter Gefechtsmech! Georg roch den Schweiß und das Ozon im Cockpit und durchsuchte die Kanzel. Er fand das Jian der capellanischen Mechpilotin. Sie war also Absolventin einer der Mechakademien der Conföderation. Dass sie ein Jian hatte, ein zweischneidiges Schwert, wunderte Georg aber, sonst führten die capellanischen Mechpiloten seines Wissens einen einschneidigen Dao! Als er sich reckte um auszusteigen, fiel ihm das Typschild des Mechs auf. Der Mech war bereits 135 Jahre alt und aus lyranischer Produktion! Also war der „LOCUST“ selbst auch schon Kriegsbeute gewesen!
Ein Krachen in seinem Funkgerät brachte ihn wieder zurück in die Realität.
"Herr Leutnant, die Panzer sind da!" gab ihm sein Stellvertreter durch.
"Die hätten ruhig auch etwas früher kommen können!" stellte der Leutnant knurrend fest und kletterte wieder aus dem Cockpit.
"Wie hoch sind unsere Verluste?" fragte er nach.
"3 Tote und 7 Verletzte. Den Rücktransport der Verletzten habe ich bereits organisiert. Wir sind in ca. 12 Minuten abmarschbereit Herr Leutnant." Bei dem Gedanken an die Toten lief es dem blutjungen Offizier eiskalt den Rücken hinunter. War er für ihren Tod verantwortlich? Beim Marsch in Richtung der Panzer sah er nach den Verletzten und Toten seines Zuges. Was er da sah, ließ Wut in ihm aufsteigen!
Georg ging zu dem Chef der Panzerkompanie, der abgesessen neben seiner „VEDETTE“ schon auf ihn wartete.
„Da haben sie uns ja schon die ganze Arbeit abgenommen Herr Leutnant!“ sagte der Major entspannt. Aber Georg war nicht zum Scherzen aufgelegt, zu sehr nagten die Toten an seinem Gemüt. Er knallte den Minensperrnachweis auf die Bugplatte des „VEDETTE“ und meinte zornbebend, ohne Rücksicht auf den höheren Dienstgrad seines Gegenübers,
„Wären sie pünktlich hier gewesen, würden 3 meiner Leute noch Leben!“.
„Bremsen sie sich mal ein, Herr Leutnant!“ antwortete der KpChef barsch! „Das sie Soldaten verloren haben tut mir sehr leid, „C'est la guerre“! Aber wir konnten nicht schneller hier sein!“ Dann schaute er in das bleiche Gesicht des jungen Offiziers, „Ihr erster Einsatz?“ fragte er weicher.
„Jawohl Herr Major!“ gab Georg zurück.
„Sie müssen sich daran gewöhnen und lernen damit fertig zu werden, sonst frisst es sie auf! Aber ihr Zug und sie haben hervorragende Arbeit und Einsatz gezeigt. Zwei Mechs auszuschalten ist eine große Leistung mein Junge!“ Dabei hieb er ihm wohlwollend auf die Schulter. „Dann wollen wir mal!“ Georg holte tief Luft und kämpfte den Knoten hinunter, den er im Hals hatte und erwiderte ruhiger,
„Jawohl Herr Major! Ich denke wir hatten verdammtes Glück! Aber dürfte ich um ihren Ausweis bitten?“ Der Major grinste, als er sah, dass der junge Offizier sich wieder gefangen hatte und zeigt ihm Vorschriftsgemäß seinen Ausweis, denn ohne ordnungsgemäße Legitimation durfte keine Sperre übergeben werden! Nach einer kurzen Einweisung in das Gelände und den Minensperrnachweis war die Übergabe der Sperre abgeschlossen und damit war Georgs Pionierzug frei. 14 Minuten später waren Lt. Georg Fichtenberg und sein Zug auf dem Marsch zum nächsten Einsatz. Das Jian der Capellanerin begleitete ab da Georgs Wege über die Schlachtfelder der Inneren Sphäre, als Mahnung, dass auch ein David sich gegen Goliath durchsetzen kann und es im Krieg keine Sicherheiten gibt!
Langsam verschwanden die Bilder der Erinnerung wieder. Er schaute auf seine Armbanduhr, noch 10 Minuten bis zur Befehlsausgabe! Er packte seine Unterlagen und begab sich in den Besprechungsraum auf der 2. Ebene des „OVERLORD“-Landungsschiffes. In 12 Stunden würden sie auf der Oberfläche von Barcelona aufsetzen.
Geschrieben von Zuikagu am 10.01.2026 um 16:51:
Erkundungsmission Hintergrund
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Hintergrund 2: Der Raid
Innere Sphäre, Vereinigtes Commonwealth, Distrikt Donegal
System Kandersteg
Süd-Kontinent Kandersteg, Nordufer des Severn
03.11.3050
KommandantHauptmann Fichtenberg nahm die gerade übermittelte Funkmeldung der Brigade seinem Funker aus der Hand.
"Mist", dachte er "auch das noch!" Seit drei Stunden arbeitete seine Pionierkompanie hart daran, die über 400 m lange Brücke über den Severn zur Sprengung vorzubereiten und das Vorfeld zu verminen. Vor fast einer Stunde waren die letzten Flüchtlinge über die Brücke nach Süden gefahren. Die Zeit drängte! Laut der gerade erhaltenen Lagemeldung standen die vordersten Kräfte der Claner nur noch maximal 70 Minuten entfernt - er hatte nun eine Stunde weniger Zeit, als ursprünglich vorgesehen! Als er sich umdrehte um über die Brücke zur Nordseite zu gehen, stand Oberleutnant Pieter, der Zugführer des 1. Zuges vor ihm. "Brücke geladen und fertig zur Zündung", meldete er Ihm.
"Gut, schicken Sie Ihre Leute auf die Nordseite und unterstützen Sie den 2. Zug beim Minenlegen und Ihr Stellvertreter übernimmt den Zündtrupp auf der Südseite! Uns läuft die Zeit davon!" ordnete er an. Danach ging er ans Flussufer und betrachtete sich die Brücke von unten. Die Ladungen und die Zündleitungen waren ordentlich angebracht und alles war so, wie es sein sollte. "Wie vergänglich doch Arbeit sein kann!", dachte er bei sich.
Vor 12 Tagen waren seine Einheit und er zur jährlichen routinemäßigen Reservevollübung einberufen worden, die seit der Claninvasion der Inneren Sphäre von der planetaren Regierung angeordnet worden war. Die ersten 2 Tage der Übung verliefen völlig routinemäßig, bis die Meldung kam, dass ein Clansprungschiff der Steelvipers an einem Piratenpunkt im System aufgetaucht war. Obwohl das System relativ abgelegen und ziemlich unwichtig war, lag es doch knapp an der im Waffenstillstand von Tukkuayid festgelegten Besatzungszone der Clans. Dass die Claner hier nicht schon früher aufgetaucht waren, hatte viele davon überzeugt, dass dieser Kelch an dem Planeten vorübergehen würde. Die Verbindung zu anderen lyranischen Welten und dem Vereinigten Commonwealth wurde mehr schlecht als recht aufrechterhalten. Eine VerCom- oder gar eine ComStar-Garnison gab es auf Kandersteg nicht (hatte es auch nie gegeben), dazu war das System einfach zu unwichtig. Der einzige "Draht" nach außen war die kleine HPG-Station in Mainau, der planetaren Hauptstadt auf dem Südkontinent. Und jetzt das! KdtHptm. Fichtenberg wusste, dass die planetare Miliz, der er seit seinem Ausscheiden aus den VCS vor 3 Jahren angehörte, nicht die geringste Chance hatte, auch wenn sie "nur" einem Sternhaufen der Stellvipers gegenüberstanden. Die Kompanie altersschwacher Mechs und die 2 Panzerbataillone die die Miliz aufbieten konnte waren maximal nur Sparringspartner für die Vipern. Trotzdem wollten alle nicht tatenlos zusehen wie ihre Heimat überfallen und besetzt wurde.
Die Vipern waren vorgestern direkt über Sagitari, der zweitgrößten Stadt des Südkontinents und dem industriellen Zentrum des Planeten, abgesprungen, wohl in der Annahme, dass dies die planetare Hauptstadt sei. Nun bewegten sie sich rasch nach Süden um den Planeten so rasch als möglich zu okkupieren. Jetzt standen seine Kompanie und er hier an der einzigen, noch intakten Brücke, die zwischen den Vipern und Mainau lag. Über diese Brücke waren viele Bewohner des Nordbeckens nach Süden geflüchtet. Nur ein paar unentwegte und die Miliz waren noch auf der Nordseite des Severn. Die Halblanze Galedon-Panzer, die die Pionierkompanie bei Ihrer Arbeit decken sollten, waren ohne Sensoren, die schon vor langer Zeit in den Mechs der Miliz gelandet waren. So konnten sie die zwei Elementar-Strahlen, die sich im Schutz der Wälder auf die Brücke zubewegten, nicht erfassen.
KdtHptm. Fichtenberg war fast auf der Nordseite der Brücke, als die Hölle losbrach. Die Elementare nutzten das Überraschungsmoment und schlugen mit voller Wucht zu. Sie konnten mit Ihren KSRs und Lasern innerhalb von Minuten einen der GALEDON-Panzer ausschalten, die auf dem Nordufer standen. Die Pioniere waren nun fast schutzlos den Clannern ausgeliefert und versuchten sich in Deckung zu bringen. Die Elementare wendeten sich aber direkt der Brücke zu und stürmten vorwärts. Das Gegenfeuer der Milizpioniere konnte sie kaum aufhalten, bis einer der Clan-Elementare nach einem Sprung auf einer Mech-Mine landete und durch die Explosion förmlich zerfetzt wurde. Die Pioniere hatten sich vom ersten Schreck erholt und feuerten jetzt mit allem was sie hatten zurück, unterstützt durch den letzten der GALEDONs und konnten zwei weitere der sogenannten Kröten ausschalten.
Der Kompaniechef stürmte von der Brücke, warf sich in die erste Stellung am jenseitigen Ufer und stolperte über die beiden Toten, die in dem Kampfstand lagen. Nun konnte er genau sehen wie die Claner angestachelt von dem Verlust ihrer drei Kameraden unter seinen Leuten wüteten. Hemmungslos knallten sie seine Soldaten ab, geschützt durch Ihre fast unüberwindlichen Körperpanzer. Drei der Elementare knackten den letzten verbliebenen Panzer, der in seinem Todeskampf aber noch einen Gegner mitnehmen konnte, als er in einer heftigen Detonation zerbarst. Überall lagen Tote und Verletzte. KdtHptm. Fichtenberg nahm den tragbaren KSR-Werfer, der noch in der Stellung lag, überprüfte ihn rasch und zielte sorgfältig auf einen der Elementare und befahl über sein Helmfunkgerät einem seiner Unteroffiziere, den er in einer weiter rechts liegenden Stellung identifiziert hatte, denselben Claner anzuvisieren. Die beiden KSR trafen fast gleichzeitig, brachen die Rüstung auf und töteten den Elementaren. Die anderen Elementare schossen sofort zurück, der KdtHptm konnte sich noch rechtzeitig zu Boden werfen, ein kurzer Schrei über Funk teilte ihm aber mit, dass sein Unteroffizier wohl weniger Glück gehabt hatte.
Eine kurze Funklageinfo seines Kp-Gefechtsstandes offenbarte ihm, dass seine Kompanie fast völlig aufgerieben war und auch keine schweren Waffen mehr zur Verfügung standen. Der Kampf war de facto zu Ende. Die Miliz hatte verloren! Doch der Auftrag war trotzdem noch nicht zu Ende! Die Anweisung für eine solche Situation war klar: sofortige Sprengung der Brücke.
"Sprengtrupp, jagt die verdammte Brücke in die Luft!" schrie er förmlich in sein Sprechgerät, während die Claner an ihm vorbei auf die Brücke vordrangen. Unendliche Sekunden vergingen, dann erfüllte eine gewaltige Explosion die Luft und die Druckwelle raste über seine Stellung. Die Brücke war nicht mehr und damit auch sein Fluchtweg. Georg wollte sich nun zum vereinbarten Sammelpunkt in Bewegung setzen. Als er aufsprang, stand ihm eine 2,5 m große Gestalt gegenüber und schlug ihn mit einer kurzen belanglosen Armbewegung nieder. Dem Offizier wurde es schwarz vor Augen und er fiel leblos in die Stellung zurück.
Langsam kehrte nach einiger Zeit das Bewusstsein zurück in seinen Körper. Die Schmerzwoge, die beim Versuch sich aufzurichten seinen Körper durchflutete warf ihn beinahe wieder zurück. Langsam kroch er auf den Rand der Stellung zu und blickte über das Schlachtfeld. Was er hier erblickte, würde er nie wieder vergessen können. Die Claner hatten fast seine gesamte Kompanie ausgelöscht. Nur wenige der Soldaten, die auf dieser Seite des Flusses waren, hatten das gnadenlose Gefecht unverletzt überlebt und stolperten jetzt über das Gefechtsfeld. Weinend vor Wut und Schmerz brach er neben einem seiner toten Soldaten zusammen und wurde wieder von der Schwärze der Bewusstlosigkeit gefangen.
Stunden später erwachte er wieder und fand sich auf einer Trage wieder. Mühsam öffnete er seine Augen und blickte in das Gesicht einer Sanitäterin der Miliztruppen.
"Er kommt zu sich." hörte er sie sagen. "Wie geht es Ihnen Herr KommandantHauptmann?"
"Wasser!" antworte er. "Also habe ich überlebt" dachte er bei sich. Doch als ihm seine Kameraden einfielen, durchbrandete ihn wieder diese Trauer vermischt mit brennendem Hass auf die Täter.
Vereinigtes Commonwealth
Landungsschiff "Johannesburg", Auf dem Weg nach Tharkad
12.02.3051
Vereinigtes Commonwealth
>> Der Angriff der Steelvipers auf der kleinen Außenwelt Kandersteg im Distrikt Donegal am Rande der Waffenstillstandslinie wurde nach 5 Tagen beendet. Der Angriffsverband der Claner zog sich danach sofort wieder in ihre Okkupationszone zurück. Die heimischen Miliztruppen wurden dabei völlig aufgerieben. Die Industrieanlagen des Planeten zu 65% zerstört. Von den 9,3 Millionen Bewohnern des Planeten fanden bei den Gefechten rund 98.000 den Tod. Der Stab der VCS nimmt an, dass es sich lediglich um einen kleinen Raid zur Schwächung der Moral und der Logistik des Vereinigten Commonwealth gehandelt hat. In Geheimdienstkreisen wird vermutet, dass es sich bei dem der eingesetzte Sternhaufen um eine frisch aufgestellte Einheit handelte, die Gefechtserfahrung sammeln sollte. Dies könnte auch erklären, warum der eingesetzte Sternhaufen der Steelvipers soweit außerhalb ihres Einflussbereiches zugeschlagen hat. <<
Immer wieder las er die kurze offizielle Verlautbarung der VCS zu dem Überfall auf seine Heimat durch. Seine körperlichen Wunden waren bereits fast verheilt, doch er würde nie wieder derselbe sein! Denn er hatte dabei nicht nur seine Kompanie, sondern alles verloren was er liebte. Ein paar Tage nach der Einlieferung ins Lazarett wurde ihm mitgeteilt, dass seine Familie ebenfalls Opfer dieses Terrorangriffs geworden war. Man hatte zwar versucht, es ihm schonend beizubringen, aber er fühlte, wie in ihm dabei eine Eiseskälte emporgestiegen war und diese nach sein Herz ergriff! Sein Haus in der Werkssiedlung direkt neben der Fabrik in der er arbeitete, war bei dem Bombardement der Anlagen ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele hatten ihr Leben verloren. Damals schwor er sich alles zu tun, damit die Clans dafür büßen würden. Noch während seiner Genesung war er sowohl von der planetaren Regierung, als auch den VCS für die Verteidigung und die Sprengung der Brücke hoch dekoriert worden. Aber für ihn klebte an den Orden das Blut seiner Soldaten, die dafür ihr Leben gegeben hatten. Viel interessanter war es, dass ihm die VCS aufgrund seiner „Heldentat“ die Wiedereinstellung angeboten hatte. Scheinbar war der Bedarf an erfahrenen Stabsoffizieren nach dem Angriff der Clans auf die innere Sphäre enorm. Sogar seinem Wunsch nach Laufbahnwechsel in die Mechtruppe war stattgegeben worden! Während seiner Zeit als Kadett in Sanglamore hatte er in den Eignungstest für die Mechtauglichkeit immer hervorragende Bewertungen erzielt, hatte sich dann aber doch für die Pioniere entschieden, da er dort seine wahre Bestimmung gesehen hatte. Der arrogante Standesdünkel vieler Mechkriegerkadetten war ihm damals schon bitter aufgestoßen und war ihm tiefst zuwider gewesen! Jetzt aber würde er auf Tharkad am Nagelring einen Lehrgang antreten, der ihm den Weg in die Mechtruppe eröffnete, so denn er ihn bestehen würde!
Jäh wurde er aus seinen Gedanken gerissen als die Schiffssirenen des Landungsschiffes den nächsten Sprung ankündigten.
"Noch dieser letzte Sprung, dann kann ich endlich damit beginnen, den Clanern in den Hintern zu treten." dachte er bitter, vor seinen Augen tauchten die Bilder seiner toten Familie auf und er ballte unwillkürlich seine linke Hand zur Faust, bis seine Knöchel weiß hervorstanden!
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