Geschrieben von Andai Pryde am 21.07.2026 um 15:11:
Gray Sun Jackals - Operation Grüne Hölle
Gray Sun Jackals – Operation Grüne Hölle
Kapitel 1 – Willkommen in der Hölle
Hunter’s Paradise
Timbuktu Collective, westliche Peripherie
17. Oktober 3151
Aus dem Orbit wirkte Hunter’s Paradise beinahe friedlich.
Eine breite Sichel aus hellem Blau lag unter der Rust Bucket, eingefasst von der dünnen, silbrigen Linie ihrer Atmosphäre und dem vollkommenen Schwarz dahinter. Wolkenbänder zogen über die südliche Hemisphäre, weiß und weich wie aufgeworfene Wolle, während zwischen ihnen dunkle Landmassen sichtbar wurden, deren Küsten sich in langen, hellen Bögen durch das Meer schnitten. Inselketten lagen wie verstreute Splitter vor den Kontinenten, manche kaum mehr als grüne Punkte im Wasser, andere groß genug, um unter eigenen Wettersystemen zu verschwinden. Selbst aus mehreren tausend Kilometern Entfernung konnte man erkennen, wie dicht die Vegetation war. Das Grün des Planeten besaß nichts von den gedeckten Farben kultivierter Agrarwelten. Es war tief, fast schwarz, und fraß sich bis an die Ränder der Strände, über Berghänge und in die breiten Täler hinein, als hätte hier niemals jemand versucht, es zurückzudrängen.
Nur an wenigen Stellen unterbrachen geometrische Formen die Wildnis. Eine Handvoll heller Narben im Dschungel, gerade Linien, befestigte Landeflächen und die metallischen Reflexe kleiner Siedlungen, die sich an Flussmündungen oder auf felsigen Hochflächen festklammerten. Von hier oben wirkten sie unbedeutend. Vorläufige Eingriffe in eine Welt, die lange genug existiert hatte, um zu wissen, dass sie Menschen überdauern würde.
Major Lysa Trent stand mit einer Hand am Rahmen des Beobachtungsfensters und betrachtete den Planeten, während die Rust Bucket unter ihren Füßen arbeitete.
Das Schiff vibrierte nicht gleichmäßig. Eine saubere Maschine hätte es vielleicht getan; ein jüngeres Landungsschiff, eines, dessen Triebwerke noch innerhalb der ursprünglichen Spezifikationen arbeiteten und dessen strukturelle Streben nicht in vier Jahrhunderten dutzendfach repariert worden waren. Die Rust Bucket besaß ihren eigenen Rhythmus. Ein tiefes, kaum hörbares Summen aus den Deckplatten, gefolgt von einem leichten Zittern in den Knien, wenn die Steuerdüsen einen Impuls gaben. Irgendwo hinter der Wand setzte eine Pumpe mit einem rauen Schlagen ein, das nach sechs Takten verstummte und nach einer Pause wiederkehrte. Lysa hatte während der vergangenen Wochen gelernt, welche Geräusche zur normalen Unruhe des Schiffs gehörten und bei welchen Captain Foyle zumindest eine Augenbraue hob.
Bislang hatte er keine gehoben.
Das hätte sie beruhigen sollen.
„Es sieht nicht besonders gefährlich aus.“
Lena Hux stand anderthalb Meter neben ihr, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie hatte sich für den Anflug umgezogen, doch selbst ihre Bordkleidung wirkte, als wäre sie unmittelbar vor dem Ablegen aus einer Verpackung genommen worden. Die dunkelgraue Hose besaß noch scharfe Bügelfalten, das leichte Jackals-Hemd saß eng und sauber, und ihr kurzer, fransiger Haarschnitt hatte trotz der trockenen Umluft des Schiffs seine Form behalten. Nur die magnetischen Sohlen ihrer Stiefel und der Sicherheitsgurt, den sie sich vorschriftsmäßig um die Hüfte gelegt hatte, erinnerten daran, dass sie sich nicht auf einer Aussichtsterrasse befanden.
Lysa löste den Blick nicht vom Planeten.
„Das ist meistens ein schlechtes Zeichen.“
Lena sah zu ihr herüber. „Was?“
„Wenn etwas aus sicherer Entfernung harmlos wirkt.“
Für einen Moment schien Lena nach einer Antwort zu suchen, die gleichzeitig geistreich und nicht respektlos klang. Sie entschied sich dagegen und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Fenster. Unter ihnen schob sich die Tag-Nacht-Grenze über den Ozean. Sonnenlicht lag auf den oberen Schichten der Atmosphäre und zog einen bernsteinfarbenen Saum über den Horizont. Weiter westlich türmte sich eine Wetterfront auf. Selbst aus dem Orbit wirkte sie nicht wie gewöhnliche Bewölkung, sondern wie eine Mauer, die sich über einen halben Kontinent spannte. Blitze flackerten tief in ihrem Inneren und beleuchteten die Wolken für Sekundenbruchteile von unten.
Dort lag ihr Ziel.
Die Kennung des verlassenen Komplexes lautete *Prospektions- und Forschungsstation Cindershield Vier*. Der Name stammte noch aus den Jahren, in denen das Gebiet auf verwertbare Erzvorkommen untersucht worden war. Die ersten Prospektoren hatten breite Stollen in den Berg getrieben, kilometerlange seismische Messlinien durch den Dschungel geschlagen und schließlich festgestellt, dass der Fels unter ihnen wirtschaftlich beinahe wertlos war. Später hatte eine Jagdgesellschaft die Anlage übernommen, dann ein pharmazeutisches Konsortium, danach eine örtliche Exportgesellschaft, die lebende Tiere, Eier, Chitinplatten und biologisches Material an Abnehmer in der Inneren Sphäre verkauft hatte.
Jeder neue Besitzer hatte etwas hinzugefügt.
Labore. Hangars. Kühlhäuser. Unterirdische Lager. Geschütztürme. Elektrische Zäune. Sensorpfosten. Minenfelder, deren aktueller Zustand niemand zuverlässig dokumentiert hatte. Aus dem ehemaligen Prospektionslager war im Laufe eines Jahrhunderts eine Festung geworden, nicht gegen Armeen, sondern gegen das, was im Dschungel lebte.
Vor siebenundvierzig Tagen war der regelmäßige Datenverkehr abgebrochen.
Vor zweiundvierzig Tagen hatte Cindershield Vier noch eine automatische Statusmeldung ausgesendet.
Vor neununddreißig Tagen war auch diese verstummt.
Der erste Aufklärungstrupp des Betreibers war nie zurückgekehrt. Eine zweite Expedition hatte nach dem Verlust zweier geländegängiger Fahrzeuge abgebrochen, ohne den äußeren Perimeter zu erreichen. Die Besatzung eines Beobachtungsflugzeugs berichtete von Sturmschäden, ausgefallenen Zäunen und großen Bewegungen im Wald. Ihre Bilder zeigten einen geschlossenen Hauptzugang und keine erkennbaren menschlichen Aktivitäten.
Die Gray Sun Jackals sollten die Anlage erreichen, sichern und feststellen, warum sie aufgegeben worden war.
Es war einer der ersten Verträge, die sie als eigenständige Einheit angenommen hatten.
Und der erste, bei dem ein Fehler weit genug von jeder ernsthaften Hilfe entfernt geschehen würde, dass niemand rechtzeitig kam, um ihn zu korrigieren.
Über den Bordlautsprecher erklang ein kurzes Knacken.
„An alle Decks.“ Harrigan Foyles Stimme war ruhig, leicht singend und so unbeeindruckt, als kündige er eine Änderung der Essenszeiten an. „Wir beginnen in drei Minuten mit der Bremssequenz. Wer jetzt noch lose Gegenstände besitzt, darf sie anschließend aus den Lüftungsgittern bergen. Wer selbst lose ist, wird schwieriger.“
Ein leises metallisches Schaben lief durch die Struktur, als erste Außenklappen in Position fuhren. Lysa spürte, wie sich der Druck ihrer Stiefelsohlen gegen das Deck veränderte. Die Rust Bucket drehte sich langsam aus ihrer bisherigen Fluglage. Der Planet wanderte im Fenster nach oben, bis die dunkle Rundung des Rumpfes einen Teil des Blickfelds verdeckte.
Lena griff nach dem Halteriemen an der Wand.
„War das ein Scherz?“
„Bei Captain Foyle ist das selten eindeutig.“
„Ich dachte, Piloten sollten Passagiere beruhigen.“
„Wir sind keine Passagiere.“
„Technisch gesehen—“
Lysa wandte den Kopf.
Lena schloss den Mund.
Sie tat es nicht eingeschüchtert. Nicht vollständig. In ihrem Gesicht lag vielmehr jene flüchtige, fast kindliche Verärgerung eines Menschen, der gerade daran erinnert worden war, dass Talent nicht automatisch Gleichrangigkeit bedeutete. Sie verbarg sie schnell, aber nicht schnell genug.
Lysa sagte nichts dazu.
Die junge MechKriegerin war seit nicht einmal zwei Monaten bei den Jackals. Ihre Simulatorergebnisse waren ausgezeichnet, ihre Schießleistungen im Javelin teilweise besser als die erfahrenerer Piloten. Auf kleine, schnell bewegliche Ziele reagierte sie mit einer Präzision, die sich nur bedingt trainieren ließ. Sie konnte im Lauf feuern, das Gewicht ihres Mechs verlagern und gleichzeitig eine Zielerfassung halten, bei der andere stehen bleiben mussten.
Doch sie erwartete noch immer, dass Krieg nach klaren Regeln funktionierte.
Dass jemand die Ersatzteile bereitstellte, wenn etwas ausfiel. Dass Briefings vollständig waren. Dass Vorgesetzte wussten, was sie taten. Dass Gegner eine erkennbare Absicht besaßen und die Welt außerhalb ihres Cockpits wenigstens grundsätzlich verstand, welche Rolle sie in Lenas Geschichte spielte.
Hunter’s Paradise würde ihr diese Höflichkeit vermutlich nicht erweisen.
Die Triebwerke zündeten.
Der erste Schub kam nicht als Schlag, sondern als wachsender Druck, der sich durch Lysas Beine in die Hüfte schob. Die Beleuchtung im Beobachtungsraum flackerte einmal. Metall knirschte tief im Rumpf, eine lange, wandernde Folge von Spannungsgeräuschen, die sich anhörte, als würde etwas Gewaltiges mit stumpfen Fingern über die Außenhaut streichen.
Lena spannte die Schultern an.
„Normal“, sagte Lysa.
„Ich habe nichts gefragt.“
„Du hast das Fenster angesehen, als erwartest du, dass es herausfällt.“
„Ich prüfe die Dichtung.“
„Natürlich.“
Lena hob das Kinn. „Ich habe einen technischen Blick.“
„Du hast gestern Chief Jensen gefragt, warum wir die BattleMechs nicht dichter nebeneinanderstellen, um mehr Platz zu sparen.“
„Das war eine berechtigte Frage.“
„Britta hat dir daraufhin erklärt, was ein Schwerpunkt ist.“
„Sehr laut.“
„Sie hielt dich offenbar für schwerhörig.“
Für den Bruchteil einer Sekunde kämpfte Lena gegen ein Lächeln. Dann gewann ihre Würde.
„Alle hier halten sich für ausgesprochen witzig.“
„Nein.“ Lysa wandte sich wieder dem Fenster zu. „Einige halten nur dich für ausgesprochen unterhaltsam.“
Das Grinsen brach doch durch, klein und widerwillig. Es machte sie mit einem Mal deutlich jünger.
Dann erreichte die Rust Bucket die ersten Ausläufer der Atmosphäre.
Das Geräusch veränderte sich.
Bis dahin hatten nur die Systeme des Schiffs gesprochen: Pumpen, Triebwerke, Aktivatoren, die tiefe Resonanz eines massiven Rumpfes unter Last. Nun kam etwas von außen hinzu. Zuerst ein fernes, kaum wahrnehmbares Rauschen, als striche Sand über Metall. Dann wurde es tiefer und voller, breitete sich über die Außenhaut aus und wuchs innerhalb weniger Sekunden zu einem gleichmäßigen Dröhnen.
Die Luft nahm das Schiff in Besitz.
Ionisiertes Gas flammte vor den Sichtfeldern auf. Ein matter orangefarbener Schein kroch über den Rand des Fensters, verdichtete sich zu hellen Strömungen und wurde stellenweise beinahe weiß. Plasmabänder rissen über den Schutzschilden der Sensoren auseinander. Der Planet verschwand hinter Licht, Hitze und der vibrierenden Unruhe einer Atmosphäre, die mit mehr als zehn Kilometern pro Sekunde gegen die stumpfe Masse des Landungsschiffs schlug.
Die Rust Bucket war keine elegante Maschine. Ihr Rumpf war für Last, Truppen und das Überleben unter Beschuss gebaut worden, nicht für Schönheit. In den oberen Atmosphärenschichten zeigte sich jede Kompromissentscheidung ihrer Konstrukteure. Der Fahrtwind fand Kanten, Verstärkungen und jahrhundertealte Reparaturplatten, verwandelte sie in Instrumente und ließ das Schiff in einem Chor aus tiefem Heulen, hochfrequentem Pfeifen und vibrierendem Donner erzittern.
Die Sicherheitsgurte spannten sich über Lysas Hüften.
Lena stand jetzt mit beiden Händen an den Halteriemen.
„Immer noch normal?“
„Frag Foyle.“
„Ich möchte eine ehrliche Antwort.“
„Dann frag ihn nicht.“
Eine Stimme erklang hinter ihnen.
„Captain Foyle ist in technischen Angelegenheiten immer ehrlich.“
Captain Joren Rans betrat den Beobachtungsraum, indem er sich mit einer Hand an den Wandgriffen entlang zog. Er bewegte sich trotz der zunehmenden Belastung kontrolliert und ohne Hast. Nichts an ihm wirkte spektakulär. Das dunkle Haar war kurz, die Borduniform schlicht, sein Gesicht ruhig und etwas zu müde für einen Mann, der behauptete, vor einer Stunde geschlafen zu haben. Doch selbst Lena machte ihm Platz, ohne dass er sie darum bitten musste.
Joren stellte sich neben Lysa und sah durch das flammende Fenster.
„Er definiert nur manche Begriffe anders als wir“, fügte er hinzu.
Lena atmete hörbar aus. „Das beruhigt mich überhaupt nicht.“
„Dann funktioniert dein Gefahreninstinkt.“
„Sehr hilfreich.“
Joren betrachtete sie kurz. „Dein Mech ist gesichert?“
„Dreifach.“
„Munition geprüft?“
„Persönlich.“
„Neurohelm?“
„In meinem Bereitschaftsschrank.“
„Notfallausrüstung?“
Lena zögerte.
Jorens Blick veränderte sich kaum. Vielleicht war es nur die Art, wie er den Kopf um wenige Grad neigte.
„Welche Notfallausrüstung?“, fragte sie.
Lysa schloss für einen Moment die Augen.
Die Migräne saß seit dem Morgen hinter ihrer rechten Schläfe. Noch war sie nicht mehr als ein dumpfer Druck, eine Vorwarnung, die sich bei jeder stärkeren Vibration mit einem kalten Impuls hinter das Auge schob. Sie hatte das Licht in ihrer Kabine gedimmt, Wasser getrunken und auf die Medikamente verzichtet. Das stärkere Mittel hätte geholfen, verlangsamte aber ihre Reaktion und machte die Gedanken weich an den Rändern.
Sie konnte sich weder das eine noch das andere leisten.
Joren erklärte Lena mit derselben Geduld, mit der er einem unerfahrenen Rekruten eine fehlerhafte Feuerlinie erläutert hätte: „Atemmaske. Wasser. Signalgeber. Handlampe. Messer. Insektenschutz. Zwei Magazine für deine Seitenwaffe. Medizinisches Basispaket.“
„Ich sitze in einem dreißig Tonnen schweren BattleMech.“
„Und falls du aussteigen musst?“
„Warum sollte ich aussteigen?“
„Feuer. Reaktorschaden. Aktivatorausfall. Cockpittreffer. Umsturz. Bergung eines anderen Piloten. Der allgemeine Wunsch, nicht mit deinem Javelin gemeinsam zu sterben.“
Lena blinzelte. „Ich habe eine Pistole.“
„Dann kannst du wenigstens dem Tier, das dich frisst, deine Unzufriedenheit mitteilen.“
Lysa sah Joren von der Seite an.
Sein Gesicht blieb vollkommen ernst.
Lena dagegen starrte ihn an, unsicher, ob sie gerade aufgezogen wurde. Diese Unsicherheit war vermutlich Absicht. Joren verstand es besser als die meisten, einem jungen Soldaten eine Lektion zu erteilen, ohne ihn öffentlich bloßzustellen. Zumindest nicht stärker, als notwendig war.
„Ich hole den Rest“, sagte sie schließlich.
„Vor der Gefechtsbereitschaft.“
„Natürlich.“
Sie löste ihren Gurt, wartete den nächsten Schubimpuls ab und arbeitete sich zur Tür. Kurz bevor sie den Raum verließ, drehte sie sich noch einmal um.
„Und ich weiß sehr wohl, was ein Schwerpunkt ist.“
Dann war sie fort.
Joren sah ihr nach.
„Britta?“
„Britta.“
„Sie wird darüber hinwegkommen.“
„Wer?“
„Britta.“
Lysa ließ einen leisen Atemzug durch die Nase entweichen. Joren wandte sich wieder dem Fenster zu, doch sie bemerkte das kaum sichtbare Zucken in seinem Mundwinkel.
Unter ihnen verdichtete sich die Atmosphäre. Das Plasma wurde dunkler, riss stellenweise auf und gab kurze Blicke auf Wolkenschichten frei. Die Rust Bucket sank nicht direkt auf Cindershield Vier zu. Foyle flog einen langen, kontrollierten Bogen über den Ozean, baute Geschwindigkeit ab und hielt das Schiff außerhalb der stärksten Zellen der Wetterfront. Auf der taktischen Anzeige neben dem Fenster erschien eine grüne Linie, die sich in weitem Radius um mehrere rot markierte Sturmgebiete legte.
„Wir verlieren die Verbindung zu den Oberflächensonden“, sagte Joren.
„Vollständig?“
„Unregelmäßig. Lieutenant Parris schiebt es auf die Ionisation. Olan glaubt, dass mindestens zwei Relais am Boden ausgefallen sind.“
„Foyle?“
„Glaubt beiden nicht.“
„Das klingt nach ihm.“
Joren verschränkte die Hände hinter dem Rücken. „Die letzte verwertbare Aufnahme ist vier Stunden alt. Hauptlandefläche frei. Keine großen Wärmesignaturen in unmittelbarer Nähe. Teile des äußeren Zauns liegen am Nordwesthang am Boden.“
„Tiere?“
„Möglicherweise. Der Regen stört die Auswertung. Die Sensoren erkennen Bewegung, aber keine saubere Masse.“
„Wie viele?“
„Zu viele, um sie als Messfehler abzutun.“
Lysa nickte langsam.
Das Bild des Komplexes lag ihr seit Tagen vor. Eine befestigte Fläche am Fuß eines bewaldeten Bergmassivs, drei Seiten von steilen Hängen umschlossen, die vierte durch Mauern und Zäune gesichert. Der Hauptbau war direkt in den Fels getrieben worden. Nur ein breiter, gepanzerter Torblock, mehrere Beobachtungstürme und die oberen Geschützbunker lagen offen. Südlich davon befand sich ein Landefeld, groß genug für mittlere Frachter, jedoch nicht für ein Schiff von der Masse der Rust Bucket. Foyle musste auf einem älteren Schwerlastpad knapp zwei Kilometer entfernt niedergehen.
Zwischen dem Pad und der Anlage verlief eine befestigte Straße.
Jedenfalls auf den Karten.
Die letzten Luftbilder zeigten an mehreren Stellen Überwucherung, Erdrutsche und etwas, das aussah, als hätte ein Tier von der Größe eines Hauses einen Teil der Fahrbahn aufgerissen.
„Wir gehen nach Plan Alpha vor“, sagte sie. „Keine Erkundung über die Straße hinaus. Keine Jagd. Keine Bergung unbekannter Fracht. Niemand folgt Bewegungen in den Wald.“
„Cassia wird enttäuscht sein.“
„Cassia ist immer enttäuscht, wenn sie nichts erschießen darf.“
„Fiona mehr.“
„Fiona darf das Tor öffnen, falls die Steuerung ausfällt.“
„Das wird sie trösten.“
Die Wolken verschluckten das Schiff.
Der Übergang kam ohne Vorwarnung. Eine Sekunde lang lagen noch dunkle Landschaften weit unter ihnen, durch Lücken in der Wolkendecke sichtbar. Dann schlug graues Weiß gegen das Fenster. Regen peitschte in breiten Bahnen über die transparente Panzerung, wurde vom Fahrtwind horizontal verzerrt und verschwand in Wirbeln hinter dem Rumpf.
Die Turbulenzen trafen die Rust Bucket seitlich.
Das Schiff neigte sich kaum merklich, doch die Masse reagierte langsam genug, dass sich die Bewegung in Lysas Magen fortsetzte. Steuerdüsen feuerten. Der Boden zitterte, der Rumpf arbeitete hörbar gegen die Belastung. Ein dumpfer Schlag lief durch die Außenhaut, gefolgt von einem zweiten, schwächeren.
Über den Lautsprecher meldete sich Foyle.
„Es klopft jemand.“
Joren sah zur Decke.
„Hagel?“, fragte Lysa.
„Wahrscheinlich.“
Foyles Stimme fuhr fort: „Für jene von Ihnen, die an transparente Fenster glauben: Dies ist ein guter Zeitpunkt, diesen Glauben zu überdenken. Beobachtungsräume werden geschlossen. Gefechtsbesatzungen auf Bereitschaftspositionen.“
Die äußeren Schutzblenden begannen herabzufahren. Der letzte Blick auf Hunter’s Paradise bestand aus Regen, grauem Licht und einem einzelnen Blitz, der so nahe durch die Wolken brach, dass sein Nachbild für einen Moment als violette Linie in Lysas Sichtfeld blieb.
Dann schlossen sich die Panzerplatten.
Das Dröhnen wurde dumpfer.
Lysa löste den Gurt.
„Zeit, dass wir uns ansehen, ob aus unseren Leuten schon eine Einheit geworden ist.“
Joren trat zur Tür. „Und falls nicht?“
„Dann finden wir es heraus, bevor der Planet es tut.“
Das Gefechtsdeck der Rust Bucket roch nach heißem Metall, Maschinenöl und Menschen, die zu lange in zu wenig Raum verbracht hatten.
In den Bereitschaftsgängen herrschte eine geordnete Form von Chaos. Techniker bewegten sich zwischen geöffneten Wartungsschächten, gesicherten Munitionswagen und den Füßen der BattleMechs hindurch, deren Panzerung im gelben Licht der Deckenlampen stumpf glänzte. Hydraulische Leitungen hingen in breiten Bögen von den Versorgungsauslegern. Kühlmittelpumpen summten. Über ihnen verliefen Laufstege, auf denen Besatzungsmitglieder Ausrüstung prüften, Kabel lösten und die letzten Halteklammern kontrollierten.
Jeder Schubimpuls ließ lose Werkzeuge in ihren Magnethalterungen zittern.
Zwischen all dem stand Britta Jensen.
Die Lademeisterin trug ein unterstützendes Exoskelett über ihrem Overall. Die hydraulischen Verstärkungen lagen entlang ihrer Arme und Oberschenkel, machten sie noch breiter und verliehen jeder Bewegung etwas Endgültiges. Sie hatte einen Datenblock in der linken Hand und deutete mit der rechten auf einen jungen Techniker, der vor einem Munitionswagen stand, als hätte man ihn beim Verrat an der Einheit ertappt.
„Wenn diese Klammer sich beim Abstieg löst“, brüllte sie über das Deck, „fliegt der Wagen nicht irgendwie durch die Bucht. Er fliegt exakt dort hinein.“
Sie zeigte auf das linke Bein von Olan Firths Archer.
Der Techniker folgte ihrem Finger.
„Und dann“, fuhr Britta fort, „erklären Sie Master Sergeant Firth, warum sein Kniegelenk mit Ihren Raketen verheiratet ist.“
„Chief, die Anzeige ist grün.“
„Die Anzeige ist ein Licht. Ich bin Ihre Vorgesetzte. Was davon sollten Sie ernster nehmen?“
Der Techniker griff nach der Klammer.
Britta sah Lysa kommen und hob den Datenblock.
„Noch sieben Minuten bis Gefechtsfreigabe. Wenn Foyle uns bis dahin nicht in einen Berg gesteckt hat.“
Aus den Lautsprechern über ihnen kam Harrigans Stimme.
„Ich höre dich, Clamp.“
Britta blickte zur Decke. „Dann flieg besser.“
„Ich fliege ausgezeichnet.“
„Du fällst kontrolliert.“
„Das ist die Definition einer Landung.“
Die Verbindung knackte ab.
Britta schüttelte den Kopf, wobei sie nicht wirklich verärgert wirkte. „Raumfahrer.“
Lysa sah über das Deck.
Ihr Caesar stand in der zentralen Bucht, die Beine in schweren Klammern fixiert, den Torso leicht nach vorn geneigt. Die graue Grundlackierung war erst vor wenigen Wochen mit dem Emblem der Jackals versehen worden. Ein stilisierter Schakalkopf vor einer blassen Sonnenscheibe, noch zu neu, um Kratzer, Ruß und unterschiedliche Farbschichten angesetzt zu haben. Die Einheit besaß noch keine gemeinsame Patina. Manche Maschinen trugen alte Hausfarben unter hastig aufgebrachter Tarnlackierung, andere die Spuren früherer Besitzer oder Regimenter. Hale Drummonds Shadow Hawk IIC stand neben einem Davion-geprägten Caesar, einem lyranischen Archer und Lenas vergleichsweise zierlichem Javelin.
Zusammen sahen sie nicht aus wie eine gewachsene Formation.
Eher wie die Auslage eines Händlers, der zu viele unterschiedliche Kriege beerbt hatte.
Vielleicht war das ehrlicher.
Lysa blieb vor dem Javelin stehen.
Lena befand sich bereits auf der Einstiegsplattform. Eine kleine Tasche hing jetzt an ihrem Gurt, deutlich voller als zuvor. Sie überprüfte den Verschluss ihres Neurohelms, während Decker Poll sich am Geländer gegenüber lehnte und sie mit sichtbarem Vergnügen beobachtete.
„Ist das ein Überlebenspaket“, fragte er, „oder ziehst du aus?“
Lena zog den Kinnriemen straff. „Einige von uns bereiten sich professionell vor.“
„Ich habe auch ein Messer.“
„Das zählt nicht, wenn du es nur benutzt, um Verpackungen zu öffnen.“
„Es ist ein taktisches Mehrzweckmesser.“
„Es hat einen Korkenzieher.“
„Man weiß nie, was der Feind mitbringt.“
Lena schob sich an ihm vorbei zur Cockpitluke. „Vielleicht kannst du ihm eine Flasche öffnen, während er dich frisst.“
Decker sah Joren an, der hinter Lysa stehen geblieben war.
„Das hat sie von Ihnen.“
„Dann hört sie zu“, sagte Joren.
Lena blieb einen Moment in der Luke stehen. Ihr Blick suchte Lysa, fast unbewusst. Als sie bemerkte, dass die Majorin sie tatsächlich ansah, richtete sie die Schultern etwas gerader.
„Javelin einsatzbereit, Major.“
„Noch nicht“, sagte Lysa.
Lenas Gesicht fiel minimal.
Lysa deutete auf den Gurt an ihrer rechten Hüfte. „Atemmaske außen getragen. Nicht im Beutel. Wenn das Cockpit voller Rauch steht, wirst du den Verschluss nicht ertasten wollen.“
Lena sah hinunter, löste den Beutel und befestigte die Maske sichtbar am Gurt.
„Jetzt?“
„Jetzt.“
Das Wort genügte. Lena nickte, und für einen Moment lag in ihrem Gesicht etwas, das beinahe Stolz war. Dann verschwand sie im Cockpit.
Decker pfiff leise.
„Die Prinzessin hat ihre Krone vergessen.“
Lenas Stimme kam aus dem noch offenen Cockpit. „Ich kann dich hören.“
„Das war Absicht.“
„Poll“, sagte Lysa.
Er nahm sofort die Hände vom Geländer. „Major.“
„Wenn Sie noch genug Zeit haben, Hux zu unterhalten, haben Sie genug Zeit für eine zweite Prüfung Ihrer Ausrüstung.“
„Natürlich, Major.“
„Und nehmen Sie den Korkenzieher mit.“
Joren hustete in seine Faust.
Decker zog sich mit einem breiten Grinsen zurück.
Einige Meter weiter stand Hale Drummond auf der Plattform seines Shadow Hawk IIC. Er trug den Neurohelm bereits unter dem Arm und beobachtete das Geschehen mit einer Regungslosigkeit, die nicht mit Ruhe verwechselt werden durfte. Hale war älter als die meisten MechKrieger auf dem Deck. Sein Gesicht war von Jahren geprägt, in denen Befehle selten diskutiert und Fehler noch seltener verziehen worden waren. Die Art, wie er den Kopf hielt und das Gewicht verlagerte, verriet selbst außerhalb des Cockpits eine Ausbildung, die nicht aus der Inneren Sphäre stammte.
Sein Blick folgte Lena, dann Decker.
„Sie reden zu viel“, sagte er.
„Sie sind jung“, erwiderte Joren.
„Das ist keine Entschuldigung.“
„Es ist eine Erklärung.“
Hale schien darüber nachzudenken. „Erklärungen sind häufig nur Entschuldigungen, die Uniform tragen.“
„Und Sie sind heute ungewöhnlich gesprächig.“
„Der Planet missfällt mir.“
Lysa sah zu ihm hinauf. „Warum?“
Hale blickte zum geschlossenen Außenschott, als könnte er durch mehrere Meter Panzerung und Sturm hindurchsehen.
„Ein Raubtier zeigt sich, wenn es will, dass du es siehst.“
„Und wenn es das nicht tut?“
„Dann sieht es bereits dich.“
Hinter ihnen stieß jemand ein leises, trockenes Lachen aus.
Sera Gwynn stand im Schatten unter dem Torso ihres Exterminators. Sie trug ihren Neurohelm in der einen und Handschuhe in der anderen Hand. Das schwarze Haar fiel asymmetrisch um ihr Gesicht, die roten Spitzen wirkten im Arbeitslicht dunkler als getrocknetes Blut. Ihre Miene war freundlich genug, um beiläufig zu wirken, doch ihre Augen ruhten auf Hale.
„Das klingt beinahe abergläubisch.“
„Nein“, sagte Hale. „Nur vertraut.“
Sera lächelte etwas stärker.
Es erreichte ihre Augen nicht.
„Gefechtsdeck“, meldete Foyle über die Lautsprecher. „Noch vier Minuten. Wir durchstoßen die letzte Wolkenschicht. Seitenwind stärker als prognostiziert. Das Landefeld ist dort, wo die Karten es versprechen. Das ist bereits mehr, als ich erwartet habe.“
Britta wandte sich zum Deck. „Letzte Sicherungen! Danach will ich niemanden mehr zwischen den Maschinen sehen!“
Die Techniker zogen sich zurück. Versorgungsschläuche wurden gelöst, Kabel verschwanden in Wandnischen, Plattformen klappten ein. Warnleuchten wechselten von Gelb auf Rot. Das Deck begann sich zu leeren, bis nur noch die BattleMechs in ihren Halterungen standen und die letzten Piloten in den Cockpits verschwanden.
Lysa nahm den Aufzug zu ihrem Caesar.
Während die Plattform aufstieg, wurde das Dröhnen der Atmosphäre tiefer. Die Rust Bucket hatte den größten Teil ihrer orbitalen Geschwindigkeit abgebaut und ging nun in den eigentlichen Sinkflug über. Der Rumpf stand aufrecht zur Oberfläche, getragen vom Schub seiner Haupttriebwerke. Jede Böe traf die breite Masse des Schiffs und drückte sie gegen die Korrekturimpulse der Steuerdüsen.
Durch offene Wartungsbereiche sah Lysa den Kopf ihres Caesar näherkommen. Die Panzerung zeigte alte Einschläge, sauber ausgeschliffene Reparaturstellen und neue Sensorgehäuse, deren Farbton nicht ganz zum restlichen Material passte. Auf der Brustplatte stand in kleinen weißen Buchstaben ihr Rufname.
*ANUBIS.*
Noch vor drei Monaten hatte dort eine andere Kennung gestanden.
Eine andere Einheit.
Ein anderer Krieg.
Sie schob den Gedanken beiseite, stieg in das Cockpit und zog die Luke hinter sich zu.
Sofort wurde die Welt enger.
Der Sitz nahm ihren Rücken auf. Gurte schlossen sich über Brust, Hüften und Oberschenkeln. Das Cockpit roch nach Kunststoff, Metall, Schweiß und dem schwachen, bitteren Rest eines Reinigungsmittels, das Willa Nye gegen Lysas ausdrücklichen Wunsch verwendet hatte. Die Anzeigen erwachten nacheinander. Reaktorstatus. Aktivatoren. Kühlkreisläufe. Munitionszuführung. Kommunikationskanäle. Das taktische System zeichnete die Umrisse des Schiffs und die Positionen der übrigen Maschinen.
Lysa setzte den Neurohelm auf.
Ein vertrauter Druck legte sich um ihren Schädel. Die Sensorpads berührten Stirn, Schläfen und Nacken. Für einen Augenblick verstärkte sich die Migräne hinter ihrem rechten Auge zu einem scharfen Punkt, dann ebbte sie wieder ab.
Sie atmete gleichmäßig.
„Jackals, Bereitschaft.“
Jorens Stimme kam aus seinem Mad Cat. „Pops, bereit.“
„Curfew bereit“, sagte Olan Firth. Leise, nüchtern, als melde er eine abgeschlossene Berechnung.
„Ronin, bereit.“
„Phantom, bereit.“
Weitere Stimmen folgten. Rook Martez zu laut. Karin Thale zu schnell. Decker mit kaum gebremster Vorfreude. Lena korrekt, beinahe überdeutlich.
Die Panzerbesatzungen meldeten sich aus dem Fahrzeugdeck. Aris Demirs tiefer Ton. Ewan McCrays raues Knurren. Darius Kosta, dessen Stimme immer klang, als verhandele er selbst bei einer Gefechtsmeldung noch über den Preis.
Schließlich blieb nur ein Kanal offen.
„Rust Bucket an Jackals“, sagte Foyle. „Sichtkontakt zum Zielgebiet.“
Die taktischen Anzeigen wechselten.
Ein Außenbild erschien auf Lysas Hauptschirm.
Hunter’s Paradise lag unter ihnen.
Nicht die blaue, beinahe friedliche Welt aus dem Orbit, sondern ein Land aus grauem Regen, dunklem Wald und aufgerissenen Hängen. Wolkenfetzen jagten zwischen Bergkämmen hindurch. Wasser stürzte in hellen Bändern über schwarze Felswände. Der Dschungel bewegte sich unter dem Sturm wie eine zusammenhängende Masse, Baumkronen bogen sich, verschwanden im Regen und tauchten wieder auf.
Zwischen ihnen lag Cindershield Vier.
Der Komplex war zunächst kaum zu erkennen. Nur einige gerade Linien widersprachen dem Gelände. Ein Stück Mauer. Die obere Hälfte eines Wachturms. Eine breite, helle Fläche, die unter Schlamm und Pflanzen fast verschwunden war. Dann korrigierte der Sensor das Bild, erhöhte den Kontrast, und die Anlage trat aus dem Sturm hervor.
Der Berg hinter ihr wirkte wie eine dunkle Wand.
Das Haupttor lag an seinem Fuß, mehr als zwanzig Meter hoch und breit genug, um schwere Fahrzeuge und IndustrieMechs gleichzeitig aufzunehmen. Zwei massive Stahlflügel schlossen den Zugang. Verwitterte Warnmarkierungen zeichneten gelbe Streifen über die Oberfläche. Oberhalb des Tores ragte ein befestigter Kontrollblock aus dem Fels, dessen Fenster dunkel waren.
Die äußere Mauer zog sich von dort in beide Richtungen über den Hang. Stellenweise war sie von Vegetation überwuchert, an anderen Stellen aufgerissen. Ein Beobachtungsturm im Norden stand schief. Sein oberes Segment hing nur noch an einer Seite und bewegte sich im Wind.
Die Landefläche lag südlich des Komplexes.
Sie war frei.
Weitgehend.
„Da ist etwas auf dem Pad“, sagte Karin Thale.
Lysa vergrößerte den Ausschnitt.
Am Rand der Fläche lagen mehrere dunkle Körper. Einer war länglich, vielleicht acht Meter. Ein anderer besaß einen gewölbten Rücken und sechs oder acht Gliedmaßen, deren genaue Anzahl im Regen nicht zu erkennen war. Keiner bewegte sich.
„Kadaver“, sagte Olan.
„Alt?“, fragte Joren.
„Keine ausreichenden Daten.“
„Ich bekomme Wärme“, meldete Sera.
„Von den Körpern?“
„Darunter.“
Ein Blitz zuckte über das Bild. Für einen Moment wurde die gesamte Landefläche in kaltes, weißes Licht getaucht.
Etwas bewegte sich zwischen den Kadavern.
Es war zu schnell, um eine Form zu erkennen. Nur ein dunkler Schatten, der sich vom Pad löste und in den angrenzenden Wald glitt.
„Kontakt“, sagte Lena.
Ihre Stimme war höher als zuvor.
„Keine Zielerfassung“, befahl Lysa. „Wir sind noch im Schiff.“
„Es war groß.“
„Das ist hier keine ungewöhnliche Eigenschaft.“
Foyle meldete sich. „Ich setze uns fünfhundert Meter westlich der vorgesehenen Markierung. Der östliche Rand des Pads ist unterspült.“
„Verstanden.“
„Außerdem steht dort etwas, das ich ungern unter meinem Triebwerk verteilen würde.“
„Das Tier?“
„Nein. Ein Fahrzeug. Oder die Hälfte davon.“
Die Rust Bucket sank durch den Regen.
Die Haupttriebwerke brannten jetzt mit zunehmender Leistung. Auf dem Außenbild wurde der Dschungel nach unten gedrückt, Baumkronen bogen sich unter der heißen Abluft, Wasser verdampfte in weißen Wolken. Schlamm und lose Vegetation wirbelten über das Pad. Der Horizont verschwand vollständig hinter der eigenen Abgasfahne.
Warnanzeigen flackerten über Lysas Schirm.
*LANDUNG IN 30 SEKUNDEN.*
Das Schiff begann stärker zu vibrieren.
Jeder Pilot schwieg.
Lysa hörte nur das tiefe Donnern der Triebwerke, das gedämpfte Knacken der Halterungen und ihren eigenen Atem im Neurohelm. Der Schmerz hinter ihrer Schläfe pulsierte im Takt des Schiffs.
Zwanzig Sekunden.
Die Lageanzeige schwankte um wenige Grad. Steuerdüsen korrigierten. Die massive Fortress-Klasse bewegte sich seitlich, langsam genug, dass das Auge die Verschiebung kaum wahrnahm, doch die Trägheit drückte Lysa gegen die Gurte.
Zehn Sekunden.
Das Außenbild zeigte nur noch graubraunen Dampf.
Fünf.
Vier.
Drei.
Der Bodenkontakt kam als tiefer Schlag, der durch die Beine des Landungsschiffs in den Rumpf fuhr. Die Halterungen des Caesar ächzten. Für einen Moment schien die gesamte Maschine zurückzufedern, dann senkten sich die Landestützen unter der Last, Hydraulik nahm die Bewegung auf, und die Rust Bucket kam zur Ruhe.
Nicht vollständig.
Der Wind drückte weiter gegen das Schiff. Regen schlug gegen die Außenhaut. Triebwerke liefen aus, ihr Donner sank zu einem schweren, nachhallenden Grollen.
Foyle wartete mehrere Sekunden.
„Wir stehen“, sagte er schließlich. „Der Planet scheint anderer Meinung zu sein, aber vorläufig zählt meine.“
Lysa öffnete den Kommandokanal.
„Jackals, Gefechtsbereitschaft. Erste Sicherungsgruppe nach Plan Alpha. Keine Maschine verlässt das Pad ohne Freigabe.“
Sie hörte die Bestätigungen.
Dann öffneten sich die Tore der Rust Bucket.