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Thema: Beyonder: Für die Erde
Ace Kaiser

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Gestern, 21:11 Forum: Kurzgeschichten


8. Jäger
Als Jacques Vaillard erwachte, wusste er für eine bange Zeit nicht, wo er war. Einiges, wenn nicht alles war ungewohnt. Er öffnete die Augen und sah eine Flut schwarzen Haares vor seinen Augen, und für einen Moment, einen wirklich langen Moment befürchtete er, die junge Ngan in sein Bett geschleift zu haben. Aber dann roch er das Haar und erkannte das Parfum, und endlich verstand er, warum sich alles so unwirklich anfühlte. Er träumte. Und was war das für ein schöner Traum. Er räusperte sich leise, und wie erhofft reagierte der schwarze Schopf. Seine Frau drehte ihr Gesicht zu ihm und lächelte ihn, noch ein wenig verschlafen, an. „Guten Morgen, Chérie. Oder sagt man so etwas im Weltraum nicht?“ Sie verzog ihre Miene, als sein Lächeln gefror. „Stimmt etwas nicht? Habe ich was im Gesicht?“
„Was? Nein, es ist nur... Ich dachte bis eben, du kannst nicht wirklich neben mir in meinem Bett in meiner Kabine auf meinem Schiff liegen. Ich dachte, ich träume etwas Wunderschönes. Und dann habe ich mich furchtbar erschrocken, weil alle meine Wünsche erfüllt worden sind, und du tatsächlich neben mir liegst, und... und...“
„Oh, ist das süß“, schnurrte sie und streichelte über seinen Kopf. „Ich habe gar nicht gewusst, dass du noch so lieb und gut sein kannst.“
„Was soll das denn heißen?“, beschwerte er sich gespielt.
„Nun, die letzten Jahre warst du immer so... auf Autopilot. Du hast mir zwar gesagt, dass du mich liebst, und ich weiß, du hast es auch so gemeint, aber du hast verlernt, was das bedeutet. Jetzt weißt du es wieder. Noch so ein Geschenk von deinen Schöpfern. Was gibt es zum Frühstück?“
„Wasser mit verschiedenen Geschmacksrichtungen und Beyonder-Pizza, vermutlich.“ Er runzelte die Stirn, griff nach ihrer Hand und drückte sie auf seine Lippen. „Ich fühle mich auch irgendwie... erfüllter. Versteh mich nicht falsch, reich zu sein, Banker zu sein und Milliarden an Euro zu kommandieren war eine gewaltige Herausforderung. Aber angesichts dessen, was ich jetzt mache, wirkt es leer und schal.“
Sie lachte abgehackt. „Wie ich es dir immer gesagt habe. Das sich selbst vermehrende Geldsystem mit dem programmierten Kollaps taugt wenig als Lebensaufgabe.“
„Ja, Frau Professorin. Ich weiß, was du meinst, ma Chère.“ Innerlich befürchtete er ein weiteres ihrer üblen Streitgespräche, die sich um Finanzblasen, virtuellem Geld und einige andere Themen zum Thema moderne Geldwirtschaft gedreht hatten. Allerdings merkte er, dass ihm anderthalb Jahre Abstand vom System relativ gut getan hatten. Er sah nun viele Dinge klarer und auch anders, als man sie ihm vorgebetet und als er sie praktiziert hatte.
„Ich sehe, dass du es jetzt akzeptiert hast. Und dann wollen wir das zu unserem Vorteil nutzen.“
„Wie meinst du das?“
„Nun, Globalisierung, Abschaffung des Bargelds und das Poolen von Billionenvermögen – die Staaten der Welt schulden den Banken der Welt eine Trilliarde Dollar, und diese Banken gehören jemandem – sind nur so lange eine gute Idee, solange die Mehrheit der Menschen davon überzeugt ist, dass das Geld einen Wert hat. Du weißt, ursprünglich...“
„Ja, ja, Madame Professeur. Das Geld wurde erfunden, um den Tauschhandel zu erleichtern. Und genormt wurde es, um den Betrug zu verringern. Nicht, dass das findige Betrüger davon abgehalten hätte, trotzdem zu betrügen. Das schließt ja auch Staaten ein. Nehmen wir das alte Rom. Der Silber-Sesterz hatte vierhundert Jahre nach seiner Einführung nur noch einen Viertel des alten Silbergehalts, sollte aber dennoch den alten Wert haben.“
„Die Wirtschaft des Tauschhandels, in der das Geld entweder den Wert hatte, den es repräsentierte, oder aber ein fester Gegenwert existierte.“
„Fort Knox.“
„Nicht nur. Du erinnerst dich, als Buchgeld nur wenig mehr war als Wechsel und Schecks?“
„Ich glaube, das muss noch vor meiner Geburt gewesen sein, ma Chère. So alt bin ich nun auch nicht.“
Sie lachte und gab ihm einen Kuss. „Ich komme schon noch zum Punkt meiner Erklärung, Monsieur Bankenjongleur. Jedenfalls hatte es lange Zeit echte Werte, zum Beispiel Gold und Silber, gegeben, das als Gegengewicht zum Nichtgoldgeld und Nichtsilbergeld im Besitz des ausgebenden Staates war und den Wert der Münzen garantierte. Dann aber begann man, mehr Bargeld herauszugeben als garantiert war. Die gute, alte Inflation.“
„Und noch immer sagten die Menschen, dass ihre Scheine und Münzen einen Wert hatten“, sagte er. „Nur waren es am Morgen noch eine Millionen-Scheine und abends schon eine Milliarden-Scheine, die den gleichen Gegenwert haben sollten.“
„Richtig, das war der Doktrinwechsel. Nun sollte es keinen Gegenwert mehr in Form von Gold oder Sachwerten geben, sondern das ausgegebene Geld repräsentierte die Wirtschaftsleistung. Das ist ein schwammiger Begriff, und deshalb konnten Staaten Geldscheine drucken und behaupten, sie hätten diesen oder jenen Wert. Deutschland versuchte so zum Beispiel, seine Reparationszahlungen schneller abzuzahlen.“
„Leider gibt es ja noch den Devisenhandel, und mit einer Kontrollwährung kann man ganz gut feststellen, wie viel Kaufkraft eine solche Währung tatsächlich hat.“
Sie nickte. „Das klappt aber auch nur solange, wie man Scheine druckt. Sobald das Geld rein virtuell wird, sobald es nur noch in den Büchern existiert, kann so viel Geld herausgegeben werden, wie die zuständige Bank es will. In der Welt des Buchgelds wird der Wert eines Euros nicht garantiert, sein Wert ergibt sich aus dem Devisenhandel und der Bereitschaft anderer Staaten, in diese Währung zu investieren.“
„So weit konnte ich dir folgen. Du weißt, ich habe einige vage Erfahrungen auf dem Gebiet.“
„Du hast Erfahrung mit Investitionen in Rohstofffonds, etwas, was ich immer abgelehnt habe.“
„Heute würde ich das auch. Aber wenn man glaubt, man wäre einem Job verpflichtet, und wenn man hört, was der Aufsichtsrat vorgibt und was die Eigentümer umgesetzt sehen wollen, dann schluckt man schon mal die eine oder andere Kröte und verarmt ein afrikanisches Land.“
„Das ist, wovon ich rede. Jedenfalls werden mit Hilfe von Krediten und von Vermögen, die investieren, Zinsen fällig, die bedient werden. Meistens. Und sie lassen die Vermögen wachsen.“
„Was wohl natürlich ist.“
„Ja, aber du siehst ja, dass diese Vermögen und die Geldsumme, die im Umlauf sind, längst einen Wert überschritten haben, der bei Papiergeld zur Inflation geführt hätte.“
„Du meinst die Niedrigzinsphase.“
Sie nickte erneut zufrieden. „Ja, Chérie. Es ist zu viel Geld da, zu viele Banken wollen das Geld zu vieler Investoren an zu viele Kunden als Kredite anbieten. So viel Geld, dass es die eigentliche Nachfrage absolut übersteigt. Das Ergebnis: Die Zinsen fallen. Wo man früher fünfzehn Prozent für einen Hauskaufkredit bezahlen musste, obwohl das Haus die Sicherheit war, zahlt man heutzutage nur noch drei. Und das auch nur, weil die Banken nicht tiefer gehen wollen. Nicht alle, zumindest. Es gibt auch Null Prozent-Kredite.“
„Ach, tatsächlich?“ Skeptisch zog er die Augenbrauen hoch. „So schlimm ist es mittlerweile? Du weißt, ich war einige Zeit nicht in der Stadt.“
„Ja, tatsächlich bieten das einige Online-Banken an. Hat mich auch erschrocken. Und du weißt, was das für uns bedeutet?“
„Klär mich bitte auf. Nein, das ist keine witzige Formulierung. Mir fallen verschiedene Folgen ein, aber ich will wissen, was dein brillantes Gehirn sagt.“
„Wir, mein lieber Schatz, werden davon kräftig profitieren. Weißt du, warum diese Vermögen noch nicht komplett in Sicherheit gebracht wurden, zum Beispiel, indem die Investoren einfach die halbe Welt aufkaufen?“
„Gebundenes Kapital verursacht Kosten, verliehenes Kapital verursacht Zinsen.“
„Richtig. Und dank des Bankenkonsens gibt es ja auch noch was fürs Geld. Weißt du, woran du erkennst, dass es doch eine Inflation gibt?“
„Hm?“, fragte er nachdenklich.
„Die Firmen. Du weißt, wie viel eine Firma wert ist, die einen Teil ihres Vermögens als Aktien ausgibt, oder?“
„Du meinst jetzt sicher nicht den Gegenwert der Aktien, sondern die Ausgabesumme und damit das Kapital.“
„Ja, genau. Entspricht diese Summe, sagen wir für Youtube, unbedingt dem potentiellen Kaufpreis?“
„Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle“, wich er aus.
„Unter anderem der, dass die Firmen augenscheinlich von Jahr zu Jahr mehr Geld wert sind. Aber das ist falsch. In Wirklichkeit muss für diese Firmen, die nicht wirklich ihr Stammkapital vergrößern oder tatsächlich durch Investitionen wertvoller werden, einfach nur mehr bezahlt werden.“
„So habe ich das nie gesehen. Ich hatte immer Aktienkurse, Minoritäten, Majoritäten, Grundkapital und dergleichen im Kopf. Aber nie so einen simplen Gedanken“, gestand Jaques.
„Ist nicht von mir. Einer meiner Studenten hat das so schlicht formuliert. Aber das, genau das birgt auch die Chance, die sich uns hier auftut. Den Finanzmarkt gegen sich selbst zu wenden.“
Er richtete sich auf dem rechten Ellenbogen auf. „Jetzt bin ich gespannt.“
„Du weißt, ein Geldschein ist ein garantierter Wert. Der Nennwert der Währung wird vom ausgebenden Land garantiert. Es ist ein amtliches Dokument.“
„Aber der internationale Devisenhandel bestimmt den Marktwert.“
„Das kann trotzdem ein anderer Wert sein, als mit dem die Währung im Inland ausgetauscht wird. Aber das ist es nicht, worauf ich hinaus will. Buchgeld ist nicht nummeriert, nicht garantiert, ist nicht kontrolliert. Kein digitaler Cent eines digitalen Euros hat einen Internet-Fußabdruck, anhand dessen man ihn verfolgen könnte, um seine Echtheit zu bestätigen. Jeder einzelne Schein hingegen hat eine Seriennummer und ist verfolgbar.“
„Das macht Buchgeld zu einer leichten Sache für Schieber. Solange die Währung irgendwo mit einem Gegenwert angenommen wird. Und wo ist da unser Vorteil?“
Sie stemmte sich ebenfalls auf einen Ellenbogen. „Geld regiert die Welt“, sagte sie mit einem Achselzucken.
„Und?“ „Schatz, siehst du das nicht? Damit die Megavermögen keine Inflation bei den digital transferierten Geldbeträgen verursachen, müssen alle Banken an einem Strang ziehen und sagen, ja, das Geld ist etwas wert. Was macht man mit dem Geld?“
„Kaufen. Dinge. Dienstleistungen. Waren. Vorräte.“
„Euer Ziel war es bisher, genug Geld zusammen zu bekommen, damit jeder Beyonder diese eine Million Dollar bekommen kann, die Alex Tarnau mit den Schöpfern ausgehandelt hat, richtig? Und eure Technologien sowie die Sachen, die die Schöpfer bereits auf der Erde gestreut haben, bringen euch was?“
„Geld.“
„Richtig. Ich sage, gehen wir einen Schritt weiter. Anstatt sich nur darauf zu fixieren, dieses Geld zusammen zu kriegen, sollten wir selbst ein Mega-Vermögen aufbauen. Die Voraussetzungen dafür sind alle gegeben. Wir erschaffen eigene Firmen auf der Erde, kaufen andere auf, bilden alles, was wir an Infrastruktur für die erste Erdwerft brauchen. Und wir zahlen unschlagbare Spitzenlöhne, die die Fachleute zu Zehntausenden zu uns locken.“
„Wir investieren das Geld.“
„Ja. Wir investieren. In Rohstoffe, in Personal, in Bauwerke, in Verkehrswege. Wir kaufen im großen Stil mit dem Geld der Supervermögen all das, was wir brauchen, um die Erde eines Tages verteidigen zu können. Und weil es das gleiche Geld ist, dass die Großvermögen haben – du erinnerst dich, wir schulden irgendjemandem auf dieser Welt eine Trilliarde Dollar – werden die Banken diese Investitionen, oder vielmehr den Wert unseres Geldes mittragen.“
„Das ist jetzt aber alles etwas sehr simpel, Madame Professeur. Selbst wenn ich absolut nichts von Geld verstehen würde, wüsste ich nicht, was für einen besonderen Vorteil du daraus ziehen möchtest.“
„Siehst du das wirklich nicht?“ Sie lachte mit ihrer hellen Stimme auf. Dann kniff sie ihm in die linke Wange und grinste verschlagen. „Die Superreichen garantieren den Geldwert. Damit garantieren sie auch den Wert der Gehälter, die wir bezahlen werden.“
„Ach, das...“ Er winkte ab, stockte, sah sie an, stockte erneut und fragte sich, ob die Worte seiner Frau simpel oder schlichtweg genial waren. „Du meinst, wir saugen die halbe Welt von Fachleuten leer, kaufen Rohstoffe zum Bau unserer Fabriken und unserer eigenen Rohstoffförderung auf dem Mond, oder dem Mars, oder in den Planetoiden, und das tun wir mit jenem Geld, das aus den Megavermögen in unser Projekt gesaugt wird, und sie garantieren den Wert?“
„Das müssen sie, denn sonst sind ihre Vermögen nichts weiter als Zahlen auf einem Computerbildschirm. Gib doch zu, du hast dir schon Sorgen darum gemacht, was mit der Million pro Beyonder passieren könnte, falls es zu einer Inflation kommt.“
„Unter anderem ma Chère. Wäre schwer gewesen, es Alex zu erklären, warum sein grandioser Plan nicht funktioniert hat, weil Geld plötzlich nichts mehr wert ist.“
„Das dürfte für zehn, zwanzig Jahre kein Problem sein. Weißt du, was das Beste daran ist, Chérie?“
Fragend sah er sie an.
„Ihr habt jetzt schon vier Milliarden Dollar zurückgeholt, die angeblich „verbrannt“ worden sind, die die Schöpfer in den Sand gesetzt haben. Die Technologien der Schöpfer werden noch wesentlich mehr Geld machen, da bin ich mir sicher. Und hier kommt der Knackpunkt. Stell alle Technologien auf einen für alle zugänglichen Server der ganzen Welt zur Verfügung.“
„Das hätte ich sowieso getan, weil die ganze Welt auf den Stand gebracht werden muss, der die Erde verteidigen kann. Aber warum siehst du das als Fachfrau als wichtig an?“
„Dadurch werden zehntausende Firmen zerstört. Ich habe mir einiges angesehen und festgestellt, dass die Prinzipe der Schöpfer vielen Technologien auf der Erde nicht nur überlegen sind, sondern teilweise auch billiger. Das heißt, diese Produkte werden sich durchsetzen. Autos wird in wenigen Jahren niemand mehr brauchen und auch keiner mehr produzieren. Handys sind Schnee von gestern, sobald wir die Handschuhe der Beyonder-Uniformen produzieren. Sagen wir als Chip auf der Hand zum Beispiel. Schutzkleidung, militärische Ausrüstung, all das wird komplett umgestellt werden, denn die gesamte Militärtechnologie der Erde ist mit einem Schlag veraltet. Das bedeutet, neue Firmen entstehen, Tausende an der Zahl, und in sie werden große Vermögen investiert werden, die Millionen von Menschen brauchen, die in ihnen arbeiten. Billiarden werden ausgegeben werden müssen, um das zum Laufen zu bringen. Wir haben dabei natürlich einen Riesenvorteil und werden unser Geld, das wir in Material und Leute investieren, recht früh beisammen haben, während sich der Beyonder-Wettbewerb auf der Erde erst noch finden muss, aber das ist nur ein Randgedanke. Weißt du, was das bedeutet?“
„Zehntausende Firmen sind plötzlich wertlos, und Millionen Arbeiter und Angestellte weltweit stehen dann auf der Straße. Sofern sie nicht in den neugegründeten Firmen unterkommen.“
„Oder bei uns. Bei denen, die die besten Gehälter von allen zahlen. Und wen stellen wir ein? Dank der Schöpfer-Technologie ist eine Schulung für Produktion für jedermann eine Möglichkeit. Eine, die nicht unbedingt lange dauern muss.“
„Wir stellen natürlich jene ein, die sich um einen Job bei uns reißen“, sagte Jaques. „Und dann stellen wir jene ein, die wegen unserer Technologie ihren alten Job verlieren werden.“
„Und wir stellen jene ein, die jetzt keinen Job haben. Weil wir ihnen schnell und wirtschaftlich beibringen können, was wir von ihnen erwarten. Und mit Hilfe der Beyonderschulung überwinden wir alle Sprachbarrieren in Null Komma nichts. Wir geben der Erde Vollbeschäftigung, Chérie.“
„Zumindest für ein paar Jahrzehnte.“
„Es obliegt dann uns Beyonder, wie es danach weitergeht. Wir haben die Vorteile dann klar auf unserer Seite. Wenn wir jetzt geschickt sind. Aber ein riesiges Vermögen wird in den nächsten Jahren dazu aufgebracht werden, um die Erdtechnologie auf Beyonder-Technologie umzustellen, und das fließt nicht nur in die Rüstung. Vergiss nicht, wir sind die Ersten, die produzieren können, weil die Schöpfer bereits Fabriken und Rohstoffförderung im System unterhalten. Wenn wir das überschrieben bekommen und selbst verwalten, werden wir der wichtigste und gerechteste Arbeitgeber im Sonnensystem.“
„Und dann besiedeln wir den Mars. Mit unserer Technologie kein Problem. Vor allem nicht, künstliche Gravitation und Wasser und Wärme zum Mars zu schaffen.“
„Ich dachte ja mehr an die Venus, aber ich bin für Vorschläge offen“, sagte Chloe lächelnd.
„Die Venus? Aber die ist eine Hochdruckhölle.“
„Wer sagt denn, dass sie das bleiben muss?“
„Äh...“ Es kam öfter vor, dass ihm die Worte fehlten, wenn er mit dieser formidablen Frau diskutierte. Meistens, weil ihm wieder einmal klar wurde, wie sehr er sie liebte.

„Du wolltest um zehn Uhr morgens Pariser Zeit geweckt werden, Jacques“, klang die künstliche Stimme des Bordcomputers auf. „Es ist exakt zehn Uhr Pariser Zeit.“
„Danke, Odysseus. Also, lass uns aufstehen, frühstücken und die Welt erobern. Aber auf einem friedlichen Weg. Auf zu Wasser mit Geschmack und Beyonder-Pizza.“
Jacques Vaillard schlug die Decke beiseite und sprang mit frischem Schwung aus dem Varni-Bett. Für eine Sekunde machte er sich bewusst, dass er nicht einmal das Unterfutter trug, also genauso viel wie seine Frau. Sie hatten die Zeit ausgiebig genutzt, um Sex zu haben, und er konnte sich dran erinnern, dass es keinesfalls verschwendete Zeit gewesen war. Er sah auf die andere Seite des Bettes herüber, wo sich Chloe gerade aus der Decke schälte, nackt wie er. Ein Anblick, von dem er nicht genug kriegen konnte. „Willst du zuerst ins Bad, ma Chère?“
„Hat dein Bad eine Wasserdusche?“
„In der Tat, mein Bad hat eine Wasserdusche. Gemacht für einen Varni.“
„Heißt das, du willst mit rein kommen?“, neckte sie ihn.
Tausende Argumente schossen ihm durch den Kopf, Dinge, die ihm vor anderthalb Jahren noch wichtiger erschienen wären als mit seiner Frau unter der Dusche heißen Sex zu haben. All das erschien ihm blass und weit entfernt. All das war unwichtig geworden. Was geblieben war, das war die Gewissheit zu leben und seine Frau wiedergefunden zu haben. „Ich sehe nichts, was dagegen spricht“, sagte er grinsend. Er hielt ihr die Tür zum Bad auf, sie flanierte elegant an ihm vorbei, er gab ihr einen Klaps auf den Po, der sie empört, aber auch amüsiert aufschreien ließ, dann folgte er ihr zur heißen Dusche.

Eine viel zu kurze halbe Stunde später ging er mit Chloe in jenen Vorraum, der ihm als Büro diente, solange das Schiff unter seinem Kommando stand.
„Guten Morgen, Ren“, empfing ihn Nguyen Tuan Ngan mit einem Lächeln. „Guten Morgen, Chloe.“
„Guten Morgen, ma Jolie“, erwiderte sie und setzte sich an den Tisch, den Ngan für sie beide aufgebaut hatte. „Das sieht doch alles ziemlich lecker aus. Besten Dank an die Küche.“
„Werde ich ausrichten. War gar nicht so einfach. Wir mussten erst eine bauen. Vielen Dank übrigens für die anderen Vorräte. Die Leute im Schiff liegen dir zu Füßen, Chloe, alleine wegen dem...“
„Kaffee?“, fragte Jaques, innerlich zu Tode erschrocken. „Ist das da Kaffee?“
„Aber ja. Eine große Schüssel Café au Lait, wie du sie magst, von deiner Lieblingsfirma, und dazu zwei schöne große, frisch aufgebackene Croissants. Keine Sorge, deine Schöpfer haben an diesem Essen keine Beanstandungen, dafür habe ich schon gesorgt. Im Gegenteil, gegen ein Croissant frisch aus dem Ofen haben Berot'Kar und seine Freunde schnell kapituliert. Du weißt, dass sie wieder an Bord sind?“

Wie ein Gläubiger vor einer Offenbarung ging Jacques auf den Tisch zu. Schwer stützte er sich mit beiden Händen darauf ab und betrachtete, was da vor ihm stand. Er roch den Geruch der frischen Croissants, er sog den Dampf des heißen, frisch aufgebrühten Milchkaffees in sich ein. Beyonder-Pizza war gut, keine Frage, aber ein Croissant, ein Kaffee... Er hatte diese kleinen Dinge des Lebens beinahe so sehr vermisst wie seine Frau. Beinahe. „Ich liebe euch“, gurrte er seinem Frühstück zu, während er sich setzte. Er zerriss das erste Croissant, wie eine Ertrinkender nach einer Wasserflasche griff, und hatte den ersten Bissen im Mund, nur Augenblicke bevor er die kleine Schüssel an den Lippen hatte und seinen ersten Schluck Kaffee in Ewigkeiten genoss. Als das erledigt war, legte er den kurzen Augenblick der Exstase ab und stellte beides wieder ab. Bedächtiger tunkte er ein Stück Croissant in den Kaffee und aß das Stück diesmal mit wesentlich mehr Genuss. „Ah, es sind diese Kleinigkeiten. Es sind wirklich diese Kleinigkeiten... Wir haben jetzt also eine Küche, Ngan?“
„Ja, Ren. Frisch eingerichtet. Ging relativ einfach, nachdem wir den Schöpfern begreiflich gemacht haben, was wir haben wollten. Anfangs waren sie gar nicht begeistert, aber nachdem sie von allem, was Ihre Frau mitgebracht hat, probieren durften, sehen sie es anders. Unglaublich, wie kann man eintausend Lichtjahre zur Erde reisen und dann das Essen nicht probieren?“ Sie zwinkerte verschwörerisch.
Ein Lächeln ging über sein Gesicht. Nach einem weiteren Schluck sagte er: „Wir sollten die Schöpfer das Essen analysieren lassen, damit sie noch etwas anderes als Beyonder-Pizza produzieren. Oder noch besser, sie sollten...“
„Ein paar Tonnen Kaffee und Tee nach Hause schicken. Darüber habe ich mit Berot'kar schon gesprochen, Ren. Er ist von der Idee sehr angetan. Vor allem, weil die Schöpfer diese Kapazitäten tatsächlich haben.“
„Sehr tüchtig, Ngan, sehr tüchtig.“ Er trank seinen nächsten Schluck mit wesentlich mehr Genuss. „Was gibt es zum Mittag?“
„Frage lieber, was es zum Abendbrot gibt“, sagte Chloe lächelnd. „Klappt das Baguette-backen, Ngan, mein Schatz?“
„Sie sehen ziemlich gut aus. Nicht so gut wie die, die wir Zuhause machen, aber für ein Provisorium in einer provisorischen Küche eben ziemlich gut.“
„Wow“, entfuhr es Vaillard.

Sie aßen und tranken einige Zeit schweigend, während sich Gruppenführerin Nguyen im Hintergrund hielt, so gut sie es vermochte. Als Jaques Vaillard das zweite Croissant vertilgt hatte, fragte sie: „Noch Kaffee, Ren?“
„Danke, ja, das wäre nett. Berot'kar ist also an Bord.“
„Ja, Ren. Es geht um Modalitäten, die neue Werft im Meer der Heiterkeit und das dazu gehörige Kolonisationsprojekt betreffend, und auch um die Umstellung der Produktion auf der Phobos-Werft. Auch hat der Kapitän der Außenflotte Bedenken geäußert, die Welt betreffend. Also die Erde jetzt. Er befürchtet das Gleiche, was ihm passiert ist, wird nun mit den Beyondern passieren. Dass wir betrogen und ausgenutzt werden.“
„Stimmt schon“, sagte Chloe. „Ihr habt ja dieses demokratische Prinzip, dass man einer Gruppe beitritt oder eine gründet, einer von denen wird zum Gruppenführer gewählt und trifft andere Gruppenführer, die den Großgruppenführer wählen, und aus deren Reihe gehen die Commander wie Tarnau und Anderson hervor. Mit genügend Leuten ist so ein System flugs korrumpiert.“
„Wir brauchen die Leute. Und wir stellen die Technologie allen zu Verfügung“, wandte Jacques ein.
„Das wird die Reichen und Mächtigen und die führenden Staaten der Erde nicht daran hindern, trotzdem zu versuchen, uns zu übertölpen“, erwiderte Chloe, bevor sie spitzbübisch grinste. „Und jetzt rate mal, warum die Beyonder-Firma die besten Löhne weltweit zahlen wird.“
Er lachte auf. „Du denkst weit voraus.“
„Ich will es bei den Beyondern ja auch weit bringen. Und ich will, dass die Beyonder es weit bringen. Es geht schließlich um alle Menschen, ohne jede Ausnahme. Versuchen werden sie es auf jeden Fall.“
„Ja.“ Versuchen würden sie es: Wahrscheinlich einfach aus Prinzip. Einfach, weil die Beyonder da waren.

„Wissen Sie, Ngan, wie die Menschen sind? Sie sind Menschen. Menschliche Menschen. Aber was denken Sie, kriegt man, wenn man ihnen Rücksichtslosigkeit antrainiert, gegen sich und gegen andere, sie durch ein brutales Auswahlverfahren schleift und ihnen dann aufgibt, was sie tun müssen, um gewisse finanzielle Ziele zu erreichen, egal um welchen Preis?“
„Es ergibt Leute, die sicher nicht schlecht verdienen. Aber Leute, die für andere, die weit mehr Geld haben als sie, die Drecksarbeit machen, ohne dass diese sich die Finger schmutzig machen müssen, Ren.“ Sie zog eine Augenbraue hoch. „Ich war Studentin und politische Aktivistin gegen die Globalisierung, bevor ich entführt wurde, Ren.“
„Aha. Wusste ich noch gar nicht. Aber ja, Sie haben Recht, Ngan. Man bekommt hochbezahlte Handlanger, denen man Bedenken und Skrupel ausgetrieben hat, damit sie ohne mit der Wimper zu zucken tausende Leben vernichten, nur um Profit zu machen. Mit solchen Leuten werden wir es zu tun bekommen. Aber jene, denen die großen Vermögen gehören, sind die, die die Ziele vorgeben werden, die erreicht werden müssen, egal welchen Preis die Handlanger oder die Menschen bezahlen müssen. Und davor, davor müssen wir uns wappnen.“
„Ja, Ren. Wenigstens verstehe ich jetzt, warum er Sie mit der Expedition beauftragt hat.“
Verblüfft sah er die Vietnamesin an. Dann aber erinnerte er sich daran, dass das tatsächlich einer der Gründe gewesen war, warum er ausgewählt worden war. Nur, hatte Alex Tarnau tatsächlich so weit gedacht wie er und seine Frau? Sicher nicht. Aber es stand außer Zweifel, dass er es gehofft hatte. Hoffentlich zu Recht, sonst war die Erde in spätestens fünfzig Jahren die neueste Kolonie des Pes Takre.
Das mussten sie verhindern. Er hier auf der Erde, und Alex Tarnau auf den zehn Welten, auf denen die Schöpfer Beyonder ausgesetzt hatten.
***
Krieg war, so sagte man, eine große Zeit der Langeweile, nur durchbrochen von kurzen Momenten des Todes und des Entsetzens. Das war natürlich nur die leichte Fassung aus dem berühmten Film Enemy Mine, der von zwei Piloten handelte, die unterschiedlichen Rassen angehörten und gemeinsam auf einem fremden Planeten notlanden mussten, wo sie sich trotz ihrer Gegnerschaft zusammenrauften.
Sun-Tzu, der große chinesische Kriegs-Philosoph, hatte für Krieg einen passenden Rat, den er in seinem Buch „Über die Kunst des Krieges“ niedergeschrieben hatte: „Bist du stark, so erscheine schwach. Bist du schwach, so erscheine stark. Bist du im Frieden, so rüste für den Krieg. Bist du im Krieg, bereite dich auf den Frieden vor“.
Was aber Kriegen generell gemein ist, das war, dass derjenige, der einen Informationsvorteil hatte, nun, eben einen Vorteil hatte. Zu wissen, wo der Feind stant, zu wissen, was der Feind machte, wo seine Schiffe waren, wie stark seine Schiffe waren, was sie zu leisten vermochten, das waren keine Informationen, das war Munition. Genauso, wie man natürlich selbst wissen musste, wo die eigenen Schiffe waren, was sie erreichen konnten, wie stark sie waren.
Alex Tarnau wusste nicht so ganz genau, wie stark die von den Schöpfern modifizierten Schiffe der Varni waren, die jetzt von den Beyondern eingesetzt wurden. Der ominöse Faktor „mal zehn“, den die Schöpfer ständig nannten, war ein wenig schwammig, aber bisher hatte sich immer bestätigt, dass die von den Schöpfern gebaute oder modifizierte Ausrüstung jener der Varni sehr überlegen war. Was nicht hieß, dass unterlegene Einheiten mit einer geschickten Strategie den Stärkevorteil eines Gegners nicht ausgleichen konnten. Porma el Tar hätte das fast geschafft gehabt, als ein unbekannter Scharfschütze Alex durch einen Schuss in die Brust fast getötet hatte. Nein, eigentlich hatte er Alex getötet, aber der Anzug hatte ihn wieder reanimiert. Okay, vielleicht doch nur fast getötet, denn so gut die Anzüge auch waren, einen Toten zurückholen war wohl doch schwieriger, als einen Herzstillstand aufzuheben.
Nicht, dass Tarnau hier und jetzt befürchtete, dass die Varni-Frauen hier und jetzt überlegene Strategien gegen ihn und seine beiden Schiffe einsetzen würden und ernsthaft gefährden konnten. Immerhin erwarteten die Rebellen an Bord der elf Schiffe im Orbit eine Meuterei gegen sie. Aber in Betracht ziehen war wahrlich keine schlechte Idee.

Auf den Holos in der Zentrale konnte er sehr gut verfolgen, wie die Infanterie und die Panzereinheiten von den Pendlern in ihre Zielgebiete gebracht wurden. Genauso deutlich war zu sehen, wie sich die vielen Punkte der neuerwachten Beyonder auf allen drei Kontinenten mehr und mehr zusammenzogen. Es war allerdings auch recht deutlich zu sehen, dass die Einheiten des zwölften Kriegstross, die angesichts dieser Bedrohung ausgerückt waren, weiterhin auf die Erwachten zuhielten.
Großgruppenführer Duvalle und seine Leute machten wirklich eine grandiose Arbeit, die Menschen da unten zu kontaktieren, zu Kreisen zusammenzufügen und zu organisieren. Damit hatten diese Menschen eine wesentlich größere Chance als er und die anderen Beyonder damals auf Zehn Steine. Der Junge war seinem biologischen Alter weit voraus und würde es, wenn ihm die Pubertät nicht zu sehr in die Suppe spuckte – allerdings waren Helden bei ihrem bevorzugten Geschlecht immer sehr begehrt, wie man an ihm selbst sehen konnte – ein großartiger Commander werden. Falls er beim militärischen Zweig der Beyonder blieb. Nicht nur die Varni hatten sich augenscheinlich mit einer Alternative zum Militärdienst angefreundet. Jedenfalls, wenn er die Sache überlebte, oder wenn sie diesen Krieg noch zu seinen Lebzeiten zu Ende brachten, es würde sich lohnen, Kevin in dieser Zeit im Auge zu behalten.

Auf der PETUNI ging der Aufstand munter weiter. Beziehungsweise eben nicht. Im Gegenteil, alle Frauen in der Zentrale schienen zu ihrer Kapitänin to Columni zu stehen. Falls oder wenn es Widerstand gab, dann war er aus den Nachrichten von der PETUNI nicht zu erkennen.
„Wie sieht es aus, Kapitän?“, sprach er die Varni-Frau über die Direktverbindung an. Sie hatte sich, nachdem die erste Aufregung vorbei gewesen war, wieder auf ihren Chefsessel gesetzt und ihre Arbeit aufgenommen, die Frau mit Namen Holemn jedoch stand immer noch hinter ihr, die Waffe gezogen, aber zu Boden gerichtet, jederzeit bereit, Aresol to Columni mit Gewalt zu verteidigen. Wie er mittlerweile wusste, war sie Aresols Zweite Offizierin und ihre kleine Schwester. Eine Tragödie für ihre Familie, die sogar zwei Kinder an das Pes Takre hatte abgeben müssen.
„Gut, Ren. Auf der POTLACI wird gekämpft, aber nur im kleineren Rahmen. Die LOCOC, die WAMBLU, die JONNSSONN sind relativ ruhig. Falls sich da kleine Mädchen verpflichtet fühlen, den Ruhm des Pes Takre zu mehren, so halten sie zumindest jetzt in diesem Fall die Füße still.“
„Das sind die Fregatten und einer der Zerstörer. Was ist mit dem zweiten und den drei Riesenpötten?“
„Sie meinen die GODEBOG. Ich habe zurzeit keinen Kontakt zu ihr, aber wir messen kein energetisches Waffenfeuer an und sie bricht auch nicht aus dem Kurs aus oder aktiviert Waffen oder Schilde. Das, was Sie Riesenpötte nennen, sind meine Trossschiffe. Transporter der Wahulu-Klasse. Sie sind nicht bewaffnet und verfügen nur über schwache Schirme. Also schwache militärische Schirme. Frachter dieser Größe bewegen sich normalerweise nicht allein im Weltall.“
„Interessant. Was haben die drei Schiffe geladen?“
„Sie holen hauptsächlich die Erzeugnisse der Fabriken und Rohstoffernter ab, um sie tiefer ins Reich zu bringen. Es gibt einige Welten und einige Militärstützpunkte da draußen, die auf eine Versorgung von außen angewiesen sind, deren Biosphäre aber nicht geeignet ist, Farmen zu errichten. Anstatt aufwändige Biosphären aufzubauen, nutzen wir lieber gigantische Farmanlagen auf geeigneteren Welten. So produzieren wir normalerweise mehr, als wir eigentlich brauchen. Hm, ich sollte das wohl eher in der Vergangenheitsform sagen, nicht, Ren?“
„Eventuell. Wollen Sie Leute auf die GODEBOG schicken? Ich habe hier ein paar Infanteristen, die sich gerne mal an Ihren Frauen versuchen würden.“
Aresol lachte abgehackt. „Solange ich nicht mehr von Bord weiß, ist jedes derartiges Unternehmen ein wenig gewagt. Ich würde die GODEBOG eher aus dem All putzen, als die Leben meiner Leute unnötig zu riskieren.“
„Kapitän, Nachricht von der GODEBOG“, rief eine der Offizierinnen in ihrer Zentrale.
„Stellen Sie durch. Na also, geht doch.“ Sie wandte sich von Tarnau ab und sprach mit jemandem, den er nicht sehen konnte. „Kapitänin ol Visol.“
„Entschuldigen Sie, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich hatte Probleme, to Columni. Ein paar findige Frauen, die aus welchen Gründen auch immer dem Pes Takre treu bleiben wollen, haben recht erfindungsreich den Funk gestört und die Selbstzerstörung aktiviert. Es hat ein wenig gedauert, erst das eine, dann das andere in den Griff zu kriegen. Es gab ein paar kleinere Kämpfe, aber keine Toten bisher.“
„Ren“, sprach Rendic ihn an, „da kommt ein Haufen neuer Kontakte auf die HEIMWEH zu.“
Tarnau bedankte sich und überprüfte dieses ungewöhnliche Geschehen mit seinem Mastercode und seinem in die Mütze integrierten Display-Holo, während sich die beiden Kapitäninnen weiter unterhielten.
„Kapitän to Columni“, unterbrach er sie. „Vermisst die Kapitänin ol Visol vielleicht ein paar ihrer Mädchen, sagen wir, so um die dreißig?“
Wieder sah die Kapitänin von Tarnau weg. „Und? Tust du?“
„Ja, so in etwa. Ich vermute, sie stecken in den Eingeweiden des Schiffs und warten auf ihre Chance, die ich ihnen natürlich nicht geben werde. Ren, warum fragen Sie?“
„Weil dreißig Kontakte in Varni-Kampfrüstungen auf mein Schiff zutreiben. Und das sicher nicht in friedlicher Absicht.“
„Diese Närrinnen!“, tobte ol Visol. „Infanterierüstungen sind nicht raumtauglich! Und der Weg zur HEIMWEH ist sehr, sehr lang! Sie werden erfrieren und ersticken, oder beides, lange bevor sie auch nur die Außenhülle berühren können!“
„Ich denke, sie haben die Rüstungen notdürftig modifiziert. Wir haben sie nämlich nicht auf dem Schirm“, sagte to Columni.
„Rendic?“
„Wenn wir unseren Kurs halten, dann erreichen uns die dreißig Kontakte in drei Stunden, elf Minuten und siebzehn Sekunden. Sie fliegen hintereinander, also kommt alle zehn Sekunden eine Rüstung bei uns an.“
„Können Sie etwas erkennen? Innentemperatur, Lebensversorgung, so etwas?“
„Nein, Ren. Da müssen Sie wohl mit dem Mastercode ran.“
„Der wird nicht funktionieren. Versuchen Sie weiter Ihr Bestes, Rendic. Andy?“
„Ja?“
„Ich will einen großen Pendler da draußen haben, ausgestattet mit einem Infanteriekontingent, der diese waghalsigen Damen begleitet. Und einsammelt, kurz bevor sie erfrieren oder ersticken, keine Minute früher.“
Jamahl Anderson konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Das dürfte eine gewichtige Lektion für sie werden. Ich rufe einen von der Oberfläche zurück.“
„Das wird nicht nötig sein“, sagte eine neue Stimme. Ein neues Holo flammte auf. Keene Daynes war darin zu sehen. „Ren, ich melde mich mit einem Pendler und einem geretteten Beyonder erfolgreich vom Auftrag zurück. Ich kann Mr. Cook bei Ihnen abliefern, was ich für wichtig halte, und mich dann um die Ladies kümmern.“
Alex checkte das Umfeld und sah, dass der Pendler keine dreißig Minuten mehr entfernt war. Schneller konnten sie auch keinen von der Oberfläche abziehen, geschweige denn aus den Kampfhandlungen rausnehmen. „Wir nehmen Großgruppenführer Daynes“, sagte er zu Andy. „Ich freue mich, dass Sie einen weiteren Beyonder haben retten können. Er war an Bord des Velacci-Schiffs?“
„Whoraf-Schiff. Ein Volk, das in Unterkontrakten für die Velacci Waren befördert. Ihr Kapitän Arzhat ist ebenfalls an Bord. Er wünscht eine Unterredung mit Ihnen.“ Daynes grinste verschmitzt. „Es scheint, Ren, Sie sind mittlerweile berühmt.“
„Wir übernehmen Ihre Gäste in einer halben Stunde. Ich bin schon sehr gespannt.“ Oh ja, das war er tatsächlich.
***
Das Andockmanöver dauerte nicht lange. Daynes warf die beiden quasi mit einer Eskorte von Bord, ein sicheres Zeichen dafür, dass er gegenüber dem Whoraf misstrauisch war, und dockte sofort wieder ab, um sich um die wagemutigen verrückten Frauen von der GODEBOG zu kümmern, die ganz folgerichtig versuchten, den größten Feind des Pes Takre im System anzugreifen: Ihn und sein Schiff.
Der Whoraf entpuppte sich als aufrecht gehendes Wesen, das große Ähnlichkeit mit einem nackten Bären hatte. Also, er trug eine Uniform, aber sein Gesicht war unbepelzt. Daneben ging Mr. Cook, in seiner Rüstung ebenso groß wie der Bär.
Alex, der mit Jamahl Anderson extra zum Empfang der beiden in den Hangar gekommen war, beobachtete das beinahe schon überstürzte Abdocken von Daynes und empfing dann die beiden.
„Ich grüße Sie beide. Mein Name ist Alex Tarnau. Man sagte mir, jeder von Ihnen hätte eine interessante Geschichte zu erzählen.“
„Ja, Sir“, sagte Cook und reichte ihm die behandschuhte Hand. Alex griff ohne zu zögern zu, was einige der Wachen leicht nervös machte, aber Cook schien die Kraft der Rüstung gut genug zu beherrschen, der Druck war erträglich.
Dann wandte sich Alex dem Whoraf zu. „Kapitän Arzhat, ich weiß nicht, wie Ihr Volk sich begrüßt.“
„Das ist kein Problem. Ich passe mich Ihren Sitten an, Commander Tarnau. Nebenbei, es ist mir eine Freude, den Sieger von Zehn Steine kennenzulernen.“ Er streckte eine wirklich gewaltige Hand aus, und diesmal zögerte Tarnau einen Moment, bevor er zugriff. Tief in seinem Inneren befürchtete eine sehr kritische Stimme, dass seine Hand in dieser Pranke schlimmer zerquetscht zu werden drohte als in der Faust einer Beyonder-Rüstung.
„Der Kommandeur dieses Schiffes, Admiral Anderson“, stellte er seinen Begleiter vor, nachdem seine schlimmsten Befürchtungen nicht wahr geworden waren. „Außerdem mein Stellvertreter.“
Anderson gab Cook die Hand, dann dem Fremden, allerdings nicht so zögerlich wie Alex. „Freut mich sehr.“ „Auch von Ihnen haben wir gehört“, sagte der Whoraf und schüttelte Andys Hand mit seiner Pranke.
„Ihre Ankunft an Bord, Kapitän, dreht sich doch sicher nicht um die Bitte, Ihr Schiff als unschuldige dritte Partei ziehen zu lassen?“
„Ich sage: Tauschen wir uns ein wenig aus, Admiral.“
„Kommen Sie, ich habe einen Konferenzraum vorbereiten lassen.“ Alex ging voran.

Der Konferenzraum nahe der Zentrale war trotz des derzeitigen Alarmzustands gut gefüllt. Es gab einige Interessierte an Bord, die sich außerhalb einer Gefechtssituation freimachen konnten und daran interessiert waren, was der Mensch und der Fremde zu sagen hatten. Und dann waren da ja noch ein paar Wachen.
James Cook begann und erzählte von seinem Erwachen im Schlick des Sumpfes, davon, wie er sich befreit hatte und, nachdem er die Varni entdeckt hatte, sie infiltriert hatte. Sein Bericht endete mit seiner Übereinkunft mit dem Kapitän des Whoraf-Schiffs.
„Und Sie hatten in der Zeit keinen Kontakt zu einem anderen Menschen? Weder persönlich, noch über den Funk?“, fragte Anderson.
„Nein, Sir. Nicht mal eine Ahnung. Ich habe mich mit dem Funk beschäftigt und diese erklärenden Filmchen gesehen. Daher nahm ich an, nicht allein zu sein. Aber ich habe bis über den halben Planeten gezoomt und nichts gefunden.“
„Das ist eigentlich unmöglich“, sagte Alex. „Die Schöpfer wecken ihre Soldaten immer in Wellen. Nein, Mr. Cook, ich glaube nicht, dass Sie lügen oder andere Menschen in Stich gelassen haben. Es ist nur... Verdammt ungewöhnlich. Das sollten wir näher untersuchen. Aber bevor wir zu Ihnen kommen, Kapitän Arzhef, gibt es etwas, was ich Ihnen Gutes tun kann?“
„Eine Dusche wäre wohl für den Anfang ganz nett. Allerdings... Ich kann wohl eher keinen Long Boy Coconut erwarten, richtig?“
„Einen was, bitte?“, fragte Alex amüsiert.
Andy grinste. „Ein Karamell-Snack aus den Fünfzigern, Alex. War kurz bevor ich entführt wurde auf der Retro-Welle wieder im Kommen.“
„Egal was, ich würde jeden Snack von der Erde essen“, stöhnte jemand, und die anderen stimmten ein.
„Also tatsächlich nicht“, sagte Cook enttäuscht.
„Noch nicht. Die Schöpfer werden uns einiges bringen, was wir haben wollen. Bei mir sind es M&M's und Cherry Coke“, sagte Tarnau schmunzelnd.
„Bitte, was? Cherry Coke? Wie lange war ich von der Erde weg?“, lachte Cook. „Probieren würde ich es allerdings gerne.“
Alex wollte mitlachen, aber dann stutzte er. „Mr. Cook. James. Welches Jahr haben Sie?“
„Vermutlich das Gleiche, das auch Sie haben, Sir.“
Andys Augen verrieten, dass auch er stutzig geworden war.
„Bitte, sagen Sie Ren, nicht Sir. Wir Beyonder sind es so gewohnt. Und beantworten Sie bitte meine Frage. Sehen Sie, wir Beyonder schreiben gerade den siebten März 2016, und ich denke, wir haben die Zeit auf der Erde damit einigermaßen getroffen.“
Dem anderen sackte die Kinnlade herab. „A-aber... Aber... Mein Datum ist Mai 1957. Walter Nash ist Premierminister, und wir alle fürchten uns vor dem drohenden Atomkrieg, besonders jetzt, wo Korea gerade mal vier Jahre her ist. Und... Und...“
„Haltet ihn!“, befahl Alex den Wachen, als Cook in sich zusammenstürzen zu drohte. Die Rüstungsträger griffen zu und bewahrten den Mann vor einem Sturz. In seiner Rüstung wäre ihm nicht viel passiert, aber vielleicht seiner Würde.
Seine Augen füllten sich mit Tränen. „Sechzig Jahre. Wo sind die hin? Wo sind meine sechzig Jahre? Was ist passiert? Was ist mit mir passiert?“
„Was immer es ist, wir werden es klären“, versprach Tarnau. „Auf jeden Fall sind Sie uns willkommen, James.“
Cook wollte sich über die Augen wischen, aber er sah die Handschuhe der Rüstung. In einem Anfall von Trotz schüttelte er die helfenden Hände ab und stieg aus seiner Rüstung. Nur mit dem Unterfutter stand er zwischen ihnen. „Okay.“ Er setzte sich nun an den Konferenztisch. „Nehmen Sie meine Rüstung und lesen Sie ihren Computer aus. Vielleicht ergibt das ein paar Antworten.“
Alex nickte zwei der Wachen zu. „Sie haben Mr. Cook gehört. Schaffen Sie die Rüstung in die Werkstatt und lassen Sie den Computerkern auslesen.“
„Ja, Ren.“ Es dauerte keine Minute, dann waren sie auf dem Weg.
Jim Cook atmete heftig aus. „Okay. Machen wir das Beste draus. Ich habe mir eh keine Chancen ausgerechnet, nach Hause zurückzukehren.“
„Gut, James. Wir machen das Beste draus. Kapitän Arzhat, ist Ihnen zufällig bekannt, dass schon einmal auf Goronkar Menschen eingesetzt worden sind?“
„Sie meinen in diesen Rüstungen? Nein. Aber Sie und Ihre Beyonder sind nicht die Ersten, und Sie werden sicher nicht die Letzten sein.“ Der riesige nackte Bär beugte sich weit über den Tisch und sah Tarnau in die Augen. „Seit das Pes Takre die Schöpfer jagt, setzen die Schöpfer Menschen ein, um es abzuwehren. Deshalb gibt es die Schöpfer heute ja auch noch.“
Auf seine Worte folgte eisige Stille. Diese Information mussten sie alle erst mal verdauen.
***
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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15.01.2018 00:56 Forum: Söldner


Weil sie bei den Geisterbären UND dem Kombinat einen Bonus haben...
Wärst Du doch nur bei der ersten Season dabei gewesen, Thorsten. *sigh*
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Ace Kaiser

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13.01.2018 19:49 Forum: Kurzgeschichten


Und die Höllenhunde haben noch zwei weitere Planeten abzuklappern. Passt.
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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11.01.2018 16:38 Forum: Söldner


Erledigt. xD
Be afraid, Höllenhunde.
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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10.01.2018 18:02 Forum: Söldner


Das ist aber auf Deiner Seite der Baustelle. ^^
Oder meinst Du, es kommen noch mehr zum Spielen?
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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09.01.2018 16:08 Forum: Söldner


*räusper* Noch jemand mit Fahrschein?

Die nächsten Baustellen sind hier eindeutig: Ankunft der Höllenhunde auf dem ersten Planeten, Reise der Chevaliers, weitere Infiltration des Dschungelplaneten durch die geheimnisvolle Gräfin und ihre Leute.
Thema: Das Callahans - Ein Bier ist nicht genug
Ace Kaiser

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09.01.2018 16:06 Forum: Innere Sphäre


"Ich bin wie immer zu jeder Schandtat bereit", erwiderte Ace und zog das Deck an sich.
"Noch jemand Interesse?"
Thema: Winter 2018
Ace Kaiser

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08.01.2018 17:53 Forum: Anime


Ich habe ja mittlerweile schon etwas mehr gesehen, aber richtig actionhaltig waren nur zwei. Die waren bis dato aber in Ordnung. Ich melde mehr, wenn ich meine Einschätzung abliefere.
Thema: Das Callahans - Ein Bier ist nicht genug
Ace Kaiser

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08.01.2018 17:52 Forum: Innere Sphäre


Ace zuckte kurz zusammen, als eine Bodenklappe aufging und den bunt geschmückten Weihnachtsbaum verschlang wie ein gieriger Rancor eine Twi'Lek-Sklavin.
Aha, Weihnachten war also schon um. Aber musste das so dramatisch sein?
Callahan grinste bis zu beiden Ohren über seinen Streich. Beizeiten, schwor sich Ace, beizeiten...
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Ace Kaiser

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08.01.2018 17:50 Forum: Kurzgeschichten


@Ace Kaiser: Sehr schön, dass man von Dir mal wieder was zu BattleTech liest. Es ist schon erstaunlich, wie Du Deinen Schreibstil weiterentwickelt hast. Gerade hier, wenn man den Anfang liest und dann dass, was Du 13, 14 Jahre als Fortsetzung schreibst, finde ich, merkt man eine deutlich Weiterentwicklung. Ansonsten für mich sehr gut zu lesen. Dein Stil ist schon "unverwechselbar". Anders kann ich es gerade nicht beschreiben.
Ich hoffe, es geht bald weiter.

Ace: Hi, Hägar. Schön, mal wieder was von Dir zu lesen.
Danke für das Kompliment. Ja, ein bisschen entwickelt habe ich mich definitiv. Schön, dass das auch anderen auffällt. ^^
Was das Weiter angeht, so denke ich, werde ich diesmal hoffentlich kein Jahr brauchen, denn diesmal sehe ich das Konzept, das Vorgehen. Das war vorher nicht der Fall.


Hast Du jemanden, der Dir für die BT-typischen Sachen hilft, ich meine mal querliest?
Mir fällt nur auf, dass Du den Exterminator als mittelschweren Mech bezeichnest (der wiegt 65 t, gehört damit zu den schweren Jungs. Den Preis für den Mech von 8 Millionen, finde auch viel zu niedrig angesetzt. Alleine die Produktionskosten lagen bei 15,8 Millionen. Schon der riesige XL-Reaktor dürfte alleine mehr kosten, als die 8 Mille. Der Mech ist zudem so speziell und nach meinem Wissen auch selten, dass da noch Spielraum nach oben ist.)

Ace: Nein, ich habe mir einen BT-Beta nie angelacht. Ich bin da auch ein klein wenig, sagen wir störrisch. Wenn ich mir einer Sache sicher bin, dann schreibe ich sie so auch. Und ich war mir immer sicher, der Exterminator würde so bei 45 Tonnen liegen. Allerdings bin ich erwachsen genug, um es anzunehmen, wenn mich dann jemand korrigiert.
Was den Preis angeht, den habe ich natürlich aus der Luft gegriffen. Wenn ein kampfgezeichneter Dunkelfalke zwei Millionen C-Noten kosten kann, was wird dann eine ähnlich schwere Maschine, neu aus dem Sternenbund, bringen? Da habe ich mit acht Millionen tatsächlich zu niedrig angesetzt. Hmmm. Vielleicht hätte ich da auch noch über die Produktionskosten gehen sollen, gerade wegen dem Seltenheitswert.
Andererseits ist sein Aufgabenfeld begrenzt und die potentiellen Käufer beschränken sich auf einen - ComStar, das die Fähigkeiten hat, diese Maschine einzusetzen und zu warten. Deshalb waren sie auch so scharf auf die Ersatzteile, schätze ich. Ich denke, ComStar hat den Preis gedrückt, oder etwas in der Art. Auch deren Budget ist ja nicht unendlich.


Ebenso, das Argument gegen den Highlander für den Schützen als Mech für den Chef. Der Highlander mit Gauss und LRM 20 kann genau so gut von hinten unterstützen wie der Schütze mit seinen 2 LRM 20. Der Highlander ist aber um einiges schwerer gepanzert, zwar geringfügig langsamer aber durch die Sprungdüsen flexibler. Das Gauss hat nicht so eine hohe Mindestreichweite wie die LRM und Dank der SRM 6 + 2 M-Lasern ist er auch auf kurze Reichweite wehrhafter als der Schütze. Bis auf das Gauss, CASE und Ferrofibritpanzerung hat er auch sonst kein Hightechspielzeug dabei. Den letzteres dürfte zu der Zeit, in der Du Deine Geschichte angesiedelt hast, für die Wartung ein Riesenproblem darstellen, was es sinnvoll macht, die Star League Mech an ComStar zu veräußern.

Ace: Sollten dann nicht besser alle Sternenbundmaschinen verkloppt werden? Nein, ein paar möchte ich behalten.
Ich habe mich bewusst gegen den Highlander entschieden, gerade wegen der Sprungdüsen. Die würden Zorn nur dazu verleiten, überall zugleich sein zu wollen. Und wie das ausgeht, tja, das kann nur ein Fiasko sein. Dann lieber ein Mech, der ihn auch in der Zweiten Reihe, wo er hingehört, hält...
Ja, die Wartung wird natürlich problematisch, aber wir reden hier ja nicht von Clantech, sondern von Sternenbundtechnologie. Darauf basiert das gesamte Kriegsmaterial der Inneren Sphäre. Wird schon irgendwie gehen, schätze ich.


Bitte nicht als Kritik verstehen. Der BT-seits nicht besonders versierte Leser, wird das nicht bemerken und sich bestimmt auch nicht daran stören.

Ace: Doch, doch, das ist Kritik. Allerdings positive Kritik, die mir weiterhilft. So etwas nehme ich sehr gerne an.
Als ich die Story begonnen habe, war meine BT-Recherche noch nicht besonders ausgeprägt. Ich habe zwar am PC gearbeitet, aber nicht wirklich Seiten im Web gehabt, auf denen ich nachschlagen konnte. In der Tat, Twobt mit seinen Datenbanken habe ich erst sehr viel später entdeckt. Mittlerweile arbeite ich mit den hiesigen Datenbanken und mit Sarna.Net in der Hoffnung, alles authentisch zu halten.


PS: St.Jones - hast Du Dir den Planeten ausgedacht, oder ist der aus dem BT-Universum?

Ace: Selbst ausgedacht. Damals hatte ich noch keine Karten. Aber dramaturgisch habe ich sie zu den Plejaden versetzt, offener Kugelsternhaufen mit zweihundert Sternen. Da dürften einige Systeme namentlich nicht erwähnt worden sein.
Alle weiteren erwähnten Planeten gibt es wirklich - bis auf den Zielplaneten, den ich mir auch ausgedacht habe. Ich werde ihn in der Peripherie der Vereinigten Sonnen ansiedeln.
Thema: Winter 2018
Ace Kaiser

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05.01.2018 22:25 Forum: Anime


Erster Fund des Jahres nach Overlord II, das eigentlich erst am 9. rauskommen soll:
Yuru Camp. Ja. Yuru Camp. Es ist so banal, wie der Name es sagt. Mädels gehen zelten. Tja. Ishaltso. Aber ich muss zugeben, die erste Folge war catchy, obwohl praktisch nichts passiert ist. Die Sprecher sind gut, die Figuren interessant, also schaue ich mir die nächste an, weil, irgendwas ruhiges, banales, wenns Spaß macht, ist doch auch in Ordnung. ^^
Ich dachte ja erst, es wäre Yong Koma...

Weitere Serien werden folgen.

Edit: Und noch eine Plain-Serie. Ramen Daisuki Koizumi-san.
Eine Story darüber, Nudelsuppe zu essen. Args, warum gefällt mir das?
...ich habe Hunger...
Thema: Winter 2018
Ace Kaiser

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Winter 2018 05.01.2018 17:26 Forum: Anime


Es wird wohl schwieriger für uns, in Zukunft ohne Bezahldienste und dergleichen auszukommen, wenn wir weiterhin die Animes gleich sehen wollen.

Hier ist der Link zum Winter Preview, der die Tage wohl richtig anlaufen wird. Also der Anime Winter jetzt.
http://randomc.net/2017/12/27/winter-2018-preview/

Ich habe aber auch durch Zufall schon die erste gute Folge gefunden und gesehen.
Auf Youtube. Könnte und wird wohl auch in Zukunft für uns wichtig werden.
Das Schöne daran: Overlord hat eine zweite Season. ^^
https://www.youtube.com/watch?v=F5CytotuSLg&t=956s

Nachtrag: Die Folge ist nicht vollständig. ^^°°° Ich will meine Torrents...
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Ace Kaiser

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03.01.2018 20:57 Forum: Kurzgeschichten


Cattaneo: Dafür hat er aber eine Menge hinterhältiger Pläne und Fallen umgesetzt... Also so gutherzig kann er nicht sein.

Thorsten: An Jack hatte er irgendwie einen Narren gefressen und ihm eine Menge durchgehen lassen. Das aber auch nur, weil Jack Ryan-Jones für die Einheit wirklich nützlich war.
Großherzig ist sicher nicht Germaines Credo. Und das ist er auch nur, wenn er es sich leisten kann.
Ich denke, nicht einmal die Mitglieder von Team Stampede, dem Vorgänger der Chevaliers, haben tatsächlich so eine Ahnung, wen sich der alte Bull damals in die Einheit geholt hat. Vielleicht ein Punkt, warum er gerne auch zweite Chancen vergibt.

Urgs, besser doch keine Danton-Diskussion anleiern...
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Ace Kaiser

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03.01.2018 20:54 Forum: Kurzgeschichten


Sieht so aus. Und der nächste Wettbewerb kommt garantiert. ^^
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Ace Kaiser

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03.01.2018 12:50 Forum: Kurzgeschichten


Großherziger Gutmensch? Beim Herzog hättest Du da vermutlich ein Stückweit Recht, Thorsten, aber ich dachte bisher immer, ich hätte Germaine da ein Stückweit dreckiger dargestellt.

Aber, schöner Text, hat sich gelohnt, darauf zu warten. Gerne mehr davon.
Schöner struktureller Aufbau des Dilemmas und des möglichen Machtkampfs. Wobei es ja eher um die Kuchenstücke geht, und weniger um die reale Macht. Copycat ist sich bewusst, dass er quasi auf dem Schleudersitz sitzt und jederzeit auf Platz zwei fallen kann. Was ihm aber nichts ausmachen wird, solange Jara nicht mit ihm bricht.
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Ace Kaiser

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03.01.2018 12:11 Forum: Kurzgeschichten


Ja, sowas wie Weihnachten war es tatsächlich. ^^
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Ace Kaiser

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02.01.2018 18:21 Forum: Kurzgeschichten


Danke für die Kritik und danke für den Hinweis...
Muss ich das wohl doch noch machen...

Bedanke Dich bei Nathan, der hat auf meinem Blog gewonnen, und jetzt muss ich auch noch ein neues Kapitel Beyonder schreiben...
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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02.01.2018 18:20 Forum: Söldner


Auf den Text freue ich mich.

Und, alle gut ins Neue Jahr gekommen?

Und wer plant für wann welchen Text?
Thema: A Cavaliers Legend
Ace Kaiser

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01.01.2018 13:18 Forum: Kurzgeschichten


2.


23. Mai 3043, St. Jones, Kaserne der Miliz

Es war etwa neunzehn Uhr Ortszeit, als Zorn Kenderson sich des dringlichsten Problems annahm, das er derzeit, zwei Wochen nach den Kämpfen mit Vicomte Medice, noch hatte.
Als es klopfte, ließ er ein lautes „Herein“ hören, das den alten Cranston mit Vaterstolz hätte grinsen lassen. Er war immer ein großer Verfechter der These gewesen, dass Offiziere nicht nur Befehlsgeber, sondern vor allem auch Vorbilder waren. Früher hatten die Offiziere im Feld noch vor ihren Leuten gestanden und waren theoretisch die ersten gewesen, die von den feindlichen Kugeln hätten getroffen werden können, was oft genug auch passiert war. Und so hatte Zorn auch den Kampf geführt, in dem Colonel Cranston und die anderen neun Mechkrieger der Cavaliers hingeschlachtet worden waren. Unter anderem von der Frau, die gerade durch die Tür trat. Unschlüssig kam sie herein, schloss die Tür hinter sich und machte eine etwas zu zackige Drehung, um nicht zu zeigen, dass sie gedrillt worden war. „Sie wollten mich sehen, Herr Major?“
„Ja. Bitte setzen Sie sich, Miss Medice.“
Die junge Frau nahm Platz. Sie hatte zwölf Tage Zeit gehabt, ihren Rücken zu erholen, der ausgerechnet von ihrem Vater mit Hilfe einer Pferdepeitsche misshandelt worden war; der Bericht aus dem Lazarett hatte nicht nur von blutigen Striemen, Entzündungen und Blutverlust gesprochen, sondern auch davon, dass an zwei Stellen die Rippenknochen durchgeschienen hatten, was klar machte, mit welcher Wut Janard Medice zugeschlagen haben musste.
„Wie geht es Ihrem Rücken, Miss Medice?“
„Danke, soweit wieder ganz gut. Ich hatte ein paar Entzündungen und zwei Rippenbrüche. Ohne Ihre MedTechs hätte ich die Woche wohl nicht überlebt.“
„Das freut mich zu hören. Sind Sie also reisefähig?“
Ilona Medice nickte zögerlich.
„Ich weiß, ich habe Ihnen angeboten, uns zu begleiten und uns gegen Ihren Vater zu helfen, aber...“
„Falls Sie Bedenken haben oder glauben, sich mit mir ein Kuckucksei ins Nest zu holen, kann ich Sie beruhigen. Ich wurde von Medice adoptiert. Ich bin nicht sein leibliches Kind.“
„Das ist nicht, was ich meinte, aber sprechen Sie weiter. Kaffee? Tee? Wasser?“
„Wasser, bitte. Wir sind die letzten beiden Wochen nicht dazu gekommen, mehr als ein paar Worte miteinander zu reden, deshalb hatte ich keine Gelegenheit, Ihnen dieses doch recht wichtige Detail mitzuteilen.“
„Und warum hat er Sie adoptiert, Miss Medice? Oder bevorzugen Sie lieber Ihren alten Namen? Ich kann das arrangieren.“ Zorn stand auf, ging zum Couctisch, nahm eine frische Wasserflasche und schenkte eines der Gläser voll. Anschließend stellte er das Glas vor ihr ab. Für sich selbst füllte er eine große Tasse mit schwarzem Kaffee und nahm wieder Platz.“
„Nun, ich bin MechKriegerin, wie Sie sicherlich bemerkt hatte, und Janard hielt es für eine gute Idee, mich auf diese Weise an sich zu binden.“ Sie legte den Kopf schräg. „Papadopoulus. Ich hätte nicht gedacht, dass der Name für mich jemals wieder einen positiven Klang haben würde.“
Zorn hob eine Augenbraue. „Papa... Sollten wir nicht doch bei Medice bleiben?“
„Nein. Nein, Sir, die Idee gefällt mir. Allerdings können wir den Namen etwas abkürzen. Er ist eine Abwandlung von Pappas und ich kann damit leben, so angesprochen zu werden. Wissen Sie, Papadopoulus hieß bei mir Zuhause jede dritte Familie. Sie war eine Sammelbezeichnung, kein richtiger Nachname.“
„Pappas. Einverstanden. Miss Pappas also. Janard Medice sah also die Notwendigkeit, eine MechKriegerin an sich zu binden?“
Sie nahm einen Schluck Wasser und rollte ihn einen Moment im Mund. „Was ich Ihnen jetzt sage, wird Ihnen nicht gefallen. Er hat mich adoptiert, weil er mich brauchte. Ich sollte seine MechKrieger ausbilden und seine Einheit führen. Wissen Sie, ich bin mit Auszeichnung von Sanglamore zurückgekommen, und auf diese Akademie kommen nicht sehr viele Leute. Anschließend habe ich mich drei Jahre in einem Feldkommando bewährt. Sie erinnern sich an den '39er Krieg? Ich war mittendrin, mit der 2. Lyraner. Habe mir dort den Leutnant erkämpft und zwei Auszeichnungen erhalten. Ich hatte sogar die Chance auf meine eigene Kompanie, für etwa fünf Minuten. Dann wurde mir nämlich ein Muttersöhnchen mit den richtigen Eltern vor die Nase gesetzt, den ich auch noch babysitten sollte. Tja, und in diese wundervolle Stimmung platzte das Angebot von Janard, dass ich meine eigene MechKompanie aufbauen durfte und von ihm adoptiert werden konnte. Damals habe ich mir nichts Verwerfliches dabei gedacht. Ich habe wirklich geglaubt, damit wollte er mich ausschließlich ans Handelshaus binden. Was bei der Investition ja auch kein Wunder ist. Ich dachte damals echt, ich hätte es geschafft. Also nahm ich meine Entlassungspapiere, reiste nach Thule zurück, schaute bei meiner Familie rein und erklärte ihr, was ich für Medice tun sollte und was ich dafür bekommen sollte. Sie müssen wissen, er hat noch eine leibliche Tochter und einen außerehelichen Sohn. Zumindest soweit ich weiß. Es ging also nie wirklich um seinen Titel, eher um Loyalität. Aber da hatte der Name Medice noch einen guten Klang, und meine Familie war begeistert.“
Zorn nickte ihr zu als Zeichen, dass sie fortfahren sollte.
„Also ging ich auf das Angebot ein, wurde adoptiert, bekam erst meinen eigenen Mech, und später dann dreizehn weitere Maschinen unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Wartungsstandes. Mechs sind nicht billig, nicht mal die alten Modelle.“
„Ich weiß.“
„Es war aber die Grundlage, um meine Kompanie aufzubauen. Ich ging mit elf Mechs, und behielt die anderen drei als Ersatzmaschinen oder für Ersatzteile. Sie wissen ja, wie das ist, obwohl die Nachfolgestaaten wieder mehr Mechs bauen.“
Zorn nickte verstehend.
„Dann bekam ich das Material. Also die MechKrieger. Die Akten waren frisiert und schön geschrieben, aber damals dachte ich, dass das Schlimmste, was ich mit ihnen würde tun müssen, die Verteidigung eines Handelsposten sein würde. Sie gaben sich recht gut und entwickelten sich viel versprechend. Die meisten zumindest. Red, also mein Stellvertreter, vom Vicomte persönlich zugeteilt, war ein kleiner, intriganter Bastard, der dazu neigte, die Leute zu schinden und seine angehobene Stellung auszunutzen. Er hat zwei meiner Kriegerinnen belästigt und bei der Infanterie, die auf meinem Stützpunkt trainierte, war er auch nicht gerade beliebt. Es heißt, er hat eine der Frauen mit Verweis auf seinen Rang auf seine Stube abgeschleppt und sie vergewaltigt. Ich habe das bei Janard vorgebracht, aber laut ihm ginge mich die Infanterie nichts an, und außerdem sei die Soldatin ein Luder, das es mal gebraucht hatte. Sie können sich vorstellen, dass ich mehr als irritiert war, einerseits als Kompaniechefin, andererseits über meinen Adoptiv-Vater. Solche Worte hatte er mir gegenüber nie ausgesprochen.“
Sie trank ihr Glas leer. „Und dann kam dieser Einsatz. Unser erster. Als wir losflogen, hieß es noch, meine Truppe, die Infanterie und die Panzer wären für eine Schutzmission gedacht. Also meine elf einsatzbereiten Maschinen, zwei Lanzen Panzer und ein Kontingent Infanterie.
Als wir dann auf St. Jones ankamen und die ersten Briefings hatten, mitten im Gebirge in einem provisorischen Feldlager, nicht auf einem Raumhafen oder bei einer Handelsniederlassung, wurde Ihre Einheit, Sir, als Ziel einer Operation genannt, die Piraterie eindämmen sollte. Sie wären eine vogelfreie Einheit. Dementsprechend plante ich meinen Teil der Operation. Wir gingen also mit allen Mechs und einer Lanze Panzer rein, und das Ergebnis kennen Sie.“
„Ja. Beide Einheiten haben sich gegenseitig ausgelöscht. Sie und der Kreuzritter konnten entkommen.“
„Sieben meiner Mechkrieger haben es raus geschafft, leider auch Red Tompson, aber nur zwei meiner Maschinen. Dafür, dass Sie in unseren Hinterhalt geraten sind, haben Sie sich verdammt gut gewehrt. Vor allem dieser Tomahawk hat in meinem Team gewütet wie ein Berserker. Ich gehe davon aus, dass Sie da drin gesessen haben?“
Zorn nickte. „Ich hatte die Ehre, unter anderem den Marodeur Bekanntschaft mit meiner Titanstahlaxt machen zu lassen. Und noch ein wenig mehr. Reden Sie weiter.“
„Als wir uns also zurückzogen, besiegt, geschlagen, den Schwanz zwischen den Beinen, war die Situation eine vollkommen andere. Janard hatte die Maske fallen gelassen und redete Klartext. Vollkommen unverblümt machte er klar, dass ich es nicht mit schlecht gewarteten, überalterten PiratenMechs zu tun gehabt hatte, sondern mit einer Garnisonslinientruppe mit herausragenden Piloten.“
„Na, danke für die Blumen.“
„Sie hatten dank der Panzer zweihundert Tonnen Nachteil, gerieten dank dieses Versicherungsmanns in einen Hinterhalt und gingen trotzdem als Sieger vom Feld.“
Zorn zog die linke Augenbraue hoch. „Im Prinzip haben Sie Recht, aber Sieger sehen eigentlich anders aus. Weiter.“
„Jedenfalls sprach Janard das erste Mal vom Depot und davon, dass ComStars Einrichtung zerstört werden musste, damit Sie niemanden zu Hilfe rufen konnten. Wäre es nach ihm gegangen, dann hätte er auch gleich die ganze Hauptstadt ausgelöscht. Leider bekam Duvalle das alles mit, und bevor wir uns versahen, hatte er die Karte für das Depot geklaut und war stiften gegangen. Einer der Infanteristen hatte noch auf ihn geschossen, aber die Hoffnung Janards, dass er tot umfallen möge, erfüllte sich nicht.
Dann überschlugen sich die Ereignisse, und er befahl den Angriff auf ComStar. Ich weigerte mich. Daraufhin ließ Janard mich anbinden und prügelte mich wegen Ungehorsam krankenhausreif. Den Angriff führten dann Tompson und Chan aus. Dabei verletzte sich Tompson durch seine eigene Dusseligkeit, sodass bei der Schlacht am Depot ich wieder ins Cockpit musste. Janard hatte mir sehr deutlich klar gemacht, auf welche Seite ich schießen sollte, wenn ich von einem Planeten runter kommen wollte, der mich als Piratin an der nächsten Laterne aufknüpfen würde. Sie verstehen?“
„Ja, ich denke, ich verstehe, Miss Pappas. Den Rest der Geschichte kenne ich. Die Frage, die ich Ihnen stellen muss, ist nun: Sind Sie fit für den Kampf?“
Sie streckte ihren Rücken durch, bewegte beide Schultergelenke und grinste dann sehr undamenhaft. „Bereit für den Einsatz, Sir.“
„Dennoch. Sie müssen verstehen, dass ich Ihnen aus moralischen Gründen ein Angebot machen muss.“ Er ergriff einen Umschlag und reichte ihn ihr. „Dieser Umschlag beinhaltet das Planspiel für Ihren Abgang aus der Einheit. Binnen eines Tages kann ich alles umsetzen. Neue Identität, ein Flug in ein System Ihrer Wahl, großzügiges Reisegeld, alles mit ROM abgesprochen. Sowohl ich als auch ComStar sind davon überzeugt, dass Sie keine Bedrohung für ComStar sind, geschweige denn meine Einheit. Wen Sie ansonsten in Ihrem Leben bedrohen werden, wird davon abhängen, bei wem Sie anheuern werden. Tatsächlich liegt mir eine Anfrage von Comte Medice vor, der direkt nach Ihnen fragt und uns bittet, sollten Sie in Gefangenschaft geraten sein, Sie an Haus Medice zu überstellen. Offenbar hat der Hausrat nicht nur ein paar Fragen an Sie, sondern auch einen praktischen Nutzen, weil sich die Medices an der Jagd auf Janard beteiligen wollen.“
„Natürlich, es winkt ja auch ein ansehnlicher Gewinn“, murmelte sie mehr zu sich selbst. „Danke, Sir, für das Angebot, aber ich lehne ab. Für dieses Mal. Reden wir noch einmal drüber, wenn wir Janard zur Strecke gebracht haben oder uns sicher sein können, dass er nie wieder in die Innere Sphäre kommt. Bis dahin bin ich Ihr Mann, Sir.“
„Also gut.“ Zorn zog den Unschlag wieder zurück. „Dann habe ich Arbeit für Sie, First Lieutenant Pappas. Sie kriegen die Kampflanze und bleiben erst mal auf dem Victor. Er ist einsatzfähig?“
Die junge Frau lächelte. „Jawohl, Sir! Ich habe jede freie Minute damit verbracht, bei der Instandsetzung zu helfen.“
„Gut. Später, wenn wir die neuen Leute kriegen, werden wir schauen, wie sich Ihre Lanze letztendlich zusammensetzen wird und ob Sie noch wechseln werden. Ich will eine effiziente Lanze.“
„Die werden Sie bekommen. Aber...“
„Sprechen Sie offen, Miss Pappas.“
„Mein Status in der Einheit... Bisher werde ich als Gefangene geführt.“
„Das ist ab sofort obsolet. Verabschieden Sie sich von Ihren permanenten Aufpassern. Sie sind mit Offizierswürden eingestellt. Das ist mit allen Teileinheitsführern abgesprochen. Aber...“ Nachdenklich sah er die junge Frau an. „Aber sehen Sie zu, sich eher selten alleine in dunklen Ecken herumzutreiben. Es werden uns zwar viele Zivilisten verlassen, die ihre Angehörigen in der Schlacht verloren haben, aber von denen, die bleiben, halten genug Sie für eine Mörderin. Ich kann und will Sie nicht rund um die Uhr bewachen, weil ich Sie dann auch nicht in einen Mech lassen dürfte. Aus dem gleichen Grund kann ich Sie auch nicht dauerhaft beschützen lassen.“
„Ich verstehe. Wie also soll ich mich verhalten, falls ich angegriffen werde?“
„Angemessen, Lieutenant.“
„Das kann vieles bedeuten, oder auch nichts, Sir.“
Zorn beugte sich ein Stück zu ihr herüber. „Sehen Sie die erste Zeit zu, dass Sie sich nicht in ausweglose Situationen ohne Fluchtweg manövrieren. Falls Sie doch in eine solche Sackgasse geraten, dann müssen Sie selbst abschätzen, ob und wie sehr Ihr Leben gefährdet ist, und was Sie tun können und müssen, um es zu beschützen.“
Die junge Frau nickte. „Okay.“
„Sie gehen jetzt selbstständig zur Kleiderkammer rüber und holen sich einen Satz Uniformen mit Ihren neuen Abzeichen. Anschließend holen Sie sich an der Waffenkammer eine Seitenwaffe. Das ist bei uns eine Autopistole. Sie sind für diese Waffe verantwortlich, und auch für die standardmäßig ausgegebene Munition. Sehen Sie zu, dass sie niemals aus versehen losgeht. Anschließend haben Sie meine Erlaubnis, weiterhin bei den Mechs auszuhelfen, bis Sie eine tatsächliche Aufgabe bekommen. Solange wir auf St. Jones sind, besteht Ihre Lanze nur aus Ihnen, Miss Pappas. Das wird sich ändern, und dann werden Sie zu tun haben. Das verspreche ich Ihnen.“
„Danke, Sir. Verstehe, Sir. Ich nehme an, Sir.“
„Gut, dann machen Sie sich jetzt auf den Weg.“
Sie erhob sich, salutierte und machte dann eine Kehre, die jeden Kadetten neidisch hätte aufsehen lassen. Irrte sich Zorn, oder ging sie ein ganzes Stück aufrechter auf dem Weg hinaus?
Unschlüssig sah er auf die Tür, die sich hinter Ilona Pappas schloss. „Wenn das mal eine gute Idee war“, raunte er mehr zu sich selbst.
***
„Und dann...“, sagte Oberst Kalakov unter lautem Lachen, „...dann habe ich dem Söldnerbrütling gesagt, dass ich mich freue, seine Mechs und seine Leute in den Dienst der Konföderation Capella stellen kann. Ich hätte gerne sein Gesicht gesehen, als er mich das sagen gesehen hat!“ Daraufhin lachte er noch lauter, und seine Leute fielen ein.
„Aber Oberst, Ausländer hin oder her, sollten wir der Depotgeschichte nicht zumindest nachgehen?“
Juri Kalakovs Gelächter erstarb, und so erstarb auch das Lachen seiner Offiziere. „Duong Ahn Chau, wären Sie nicht die verantwortliche Maskirovka-Offizierin meiner Einheit, würde ich Sie auslachen. So aber ist es Ihre Pflicht, skeptisch und aufmerksam zu sein.“
Die groß gewachsene blonde Frau verzog ihre Miene kaum, als sie diese harsche Kritik traf. Sie war es gewohnt, gerade als Siamesin, schlechter behandelt zu werden und es schwerer zu haben, wenn sie Karriere machen wollte, und das hatte wenig mit ihrem Geschlecht zu tun. Aber was Kalakov da sagte, war mehr als die naturgegebene Arroganz, die die meisten Han-Chinesen ihr eigen nannte. Es war genauso gut, als wenn er aufgestanden wäre, mit dem Finger auf sie gezeigt und zu lachen begonnen hätte. Sie nahm all ihre Courage zusammen, bewahrte ihre volle Würde und sagte: „Herr Oberst, Sie wissen, dass Larsha Aufmarschgebiet der Vereinigungskriege war. Es ist durchaus möglich, dass Major Kenderson Recht hat mit seinem Versorgungsdepot. Und wenn er Recht hat mit dem Versorgungsdepot, dann kann dieser Vicomte Medice hier her kommen und auf Larsha wüten, wie er es auf St. Jones getan hat. ComStar war sehr freigiebig mit Informationen, und...“
„Vicomte Medice hat erstens eine Menge Federn gelassen und praktisch keine militärische Macht mehr, er ist zweitens vor fast zwei Wochen von St. Jones aufgebrochen. Sie wissen, wo St. Jones liegt, Major Duong?“
„Am Rande des Plejaden-Clusters.“
„Das ist wie weit von Larsha entfernt?“
„Ziemlich genau einhundert Lichtjahre.“
„Selbst wenn er also sofort aufgebrochen und auf dem Weg hierher wäre, würde er mindestens drei Sprünge brauchen, falls er überhaupt über ein eigenes Sprungschiff verfügt. Er ist mindestens sechs Wochen mit Aufladezeiten unterwegs. Davon sind gerade zwei verstrichen. Was hat er noch? Zwei Mechs und eine Lanze Panzer? Weniger?“
„Eher weniger, Oberst.“
„Nichts, womit wir nicht fertig werden würden. Wir haben ein ganzes Regiment Infanterie, und jedes Bataillon hat eine Sprungtruppenkompanie und einen Zug Mechabwehr. Dazu kommen unsere zwei Kompanien Kampfpanzer.“
„Die aber ebenso wie die Infanterie über den Planeten verteilt sind“, gab sie zu bedenken. „Und wir wissen nicht, ob Medice keine Reserven in der Hinterhand hat.“
„Zugegeben, das wissen wir nicht“, warf Hauptmann Harrison Wong ein, „und ich stimme Duong zu, dass wir die Depotgeschichte ernst nehmen sollten, alleine schon wegen dem Ruhm, den wir dem Kanzler einbringen, wenn wir einen ähnlichen Fund machen wir ComStar auf St. Jones. Aber es bleibt, wie Oberst Karakov beschrieben hat. Der Vicomte ist weit weg. Selbst wenn er unsere Welt als erstes Ziel nach seinem Scheitern ausgesucht hätte, wäre er noch mindestens vier Wochen entfernt. Wir haben also genug Zeit, die Archive zu durchsuchen auf Spuren der Pionierkommandos des Sternenbunds. Wenn sie in abgelegenen Gegenden gewühlt haben, hätten wir Spuren zu einem tatsächlich vorhandenen Depot.“
Einerseits war sie dem Chef der 1. Panzerkompanie dankbar für seine Intervention. Die Manchus waren eben toleranter als die arroganten Han. Andererseits hatte er sie nicht wirklich verteidigt und nachgebetet, was Karakov gesagt hatte. Allerdings war die Idee, die Archive nach Pionieraktivitäten zu durchsuchen, wirklich gut.
Dem Oberst gefiel die Idee offensichtlich sehr gut. Er strahlte geradezu. „Das ist brillant, Harry. Und weil es Ihre Idee war, übernehmen Sie das mit Ihrem Stab. Wenn Sie das Depot tatsächlich finden, werde ich dafür sorgen, dass Sie nach Sian fliegen und ausgezeichnet werden.“
„Danke, Herr Oberst. Das ist eine große Ehre.“
„Noch haben Sie nichts gefunden. Also freuen Sie sich nicht zu früh. Duong, ich nehme an, es wäre eine gute Idee, wenn Sie ihm dabei zur Hand gehen. Sie und Ihre Schleicher sind es ja gewohnt, Daten zu sichten und auszuwerten, also werden Sie Harry eine große Hilfe sein. Derweil bereite ich unsere Truppen darauf vor, eventuell mit diesem Kenderson Zorn konfrontiert zu werden.“
„Zorn Kenderson, Herr Oberst“, korrigierte Duong.
„Das habe ich doch gesagt“, erwiderte er verärgert. „Aber auch dafür haben wir mehr als genügend Zeit, denn die Cavaliers stehen noch immer auf St. Jones. Na los, an die Arbeit, Harry, Major Duong.“ Mit diesen Worten schickte er sie aus dem Büro.

Draußen auf dem Gang sagte sie: „Danke für die Unterstützung da drin, Hauptmann.“
Wong winkte ab. „Ich denke, der Oberst freut sich viel zu sehr über den Streich, den er diesem Zorn gespielt hat und vergisst dabei die Möglichkeit, die er uns eröffnet hat. Es gibt das Depot auf St. Jones, und es war reich gefüllt. Wenn die gleiche Chance für Larsha besteht, dann weiß mittlerweile die halbe Innere Sphäre davon. Und jeder, der es sich leisten kann, wird die Chance nutzen wollen. Deshalb ist es eine gute Idee, wenn wir zuerst am Depot sind.“ Er sah sie an. „Die nächsten Wochen könnten aufregend werden, Duong Ahn Chau. Das Depot auf St. Jones soll einen Wert von fast dreihundert Millionen ComStar-Noten gehabt haben, davon fast zweihundert Millionen für die Ausrüstung. Ich sage Ihnen, jeder militärische Führer, egal ob Capellaner, Pirat oder aus der Peripherie, würde sich zu gerne an dieser Summe gesund stoßen.“
„Dann unterschätzt Oberst Karakov die Situation definitiv.“ Nicht, dass sie das nicht von vorne herein gewusst hatte. Dass Wong ähnlich dachte, dass er ein potentieller Verbündeter war, das war für sie eine angenehme Überraschung.
„Ja, das tut er. Es gibt etliche Einheiten, die an Larsha sehr viel näher dran sind als der Vicomte es sein könnte. Taurus zum Beispiel ist nur zwei Sprünge entfernt.“
„Nicht viele werden das Risiko eingehen, eine ganze Welt absuchen zu müssen, um eventuell mitten in feindlichem Gebiet ein Depot zu finden.“
„Und viele werden es dennoch tun. Unsere Raumüberwachung ist nicht lückenlos, das wissen Sie am Besten. Bis vor kurzem waren wir ja auch nur eine unbedeutende Agrarwelt mit Grenzbastion. Aber jetzt gibt es hier etwas zu holen. Und just in dieser Zeit musste die 5. Reserve Kavallerie ihr 2. Bataillon abziehen.“
Duong sah, wie Wong die Hände zu Fäusten ballte. Die Ruhe, die er im Büro gezeigt hatte, sein spöttisches Gelächter, war das alles nur Fassade gewesen, hatte er erkannt, dass sie nun tatsächlich in Gefahr schwebten?
„Was, denken Sie, würde jemand tun, der auf dieser Welt ungestört nach dem Depot suchen will?“, fragte sie.
„Natürlich das Militär ausschalten. Zuerst die 5., und danach unsere Miliz, die eh nur aus Infanteristen und veralteten Panzern besteht. Je eher wir also in die Innere Sphäre hinausposaunen können, dass wir das Depot gefunden und seine Vorräte dem Kanzler zu Füßen gelegt haben, desto besser für uns alle.“
„Ich denke da genauso wie Sie. Ich denke... Lang, was ist denn?“

Aufgeregt kam ihr einer ihrer Mitarbeiter entgegen gelaufen. Er winkte mit einem Zettel in der Linken. Und er war augenscheinlich etwas außer Atem. „Ma'am, wir haben eine Notlandung auf Dubai. Wie es ausschaut, ist ein Overlord, das Handelsschiff MINH TAU, wegen Triebwerksschwierigkeiten fünfzig Klicks vom Raumhafen niedergegangen.“
„Und? Was ist daran besonderes? Soll ich jetzt ein Suchkommando losschicken, nur weil ein Händler zu geizig war, um die Wartung seines Schiffs zu finanzieren?“, erwiderte sie. Da kam noch mehr, sie wusste es, aber ein wenig Arroganz gegen die Untergebenen tat gut, vor allem wenn sie sich für schlauer hielten.
„Ein Overlord als Handelsschiff? Und dann kommt es nach Larsha?“, fragte Wong argwöhnisch.
Ihr Bericht über die Miliz, vor allem über den Chef der 1. Panzerkompanie, würde sehr wohlwollend ausfallen, beschloss sie.
„Das ist es nicht mal. Viel wichtiger ist, dass ich die Computer befragt habe. Es gibt keine MINH TAU. Auch ComStar ist so ein Schiff nicht bekannt, zumindest nicht als Overlord.“
„Der Handelshafen von Dubai liegt zwanzig Klicks von der Kaserne der 5. entfernt, oder?“, fragte Wong.
„Und der Overlord ist ziemlich genau unter dem Horizont gelandet, nicht zu weit und nicht zu nahe“, bestätigte Duong. „Gehen wir in die Zentrale. Ich will, dass Dubai einen VTOL schickt, der das Landungsschiff sucht. Dies ist eine militärische Erkundungsmission, keine zivile Rettungsaktion. Falls auf Dubai bereits Rettungskräfte ausgesandt wurden, sollen sie sofort zurückgezogen werden. Das ist eine Anweisung der Maskirovka. Ich übernehme die volle Verantwortung.“
„Jawohl, Ma'am!“ Jeremy Lang salutierte und lief zurück.
„Wenn es wirklich ein Absturz ist, machen Sie sich nicht gerade Freunde, Duong“, warnte Wong.
„Und wenn es ein Landungsschiff voller Söldlinge ist, die gerade auf dem Marsch zur Kaserne der 5. ist, um die Einheit bei einem Überraschungsangriff auszulöschen, dann hat die Kasernenwache heute noch einen sehr schlechten Tag. Kommen Sie, Wong.“
Die beiden gingen weiter, nicht hastig, aber auch nicht gemächlich.
„Offensichtlich wissen sie nicht, dass das 2. Bataillon abgezogen wurde und das 3. erst in vier Wochen kommen soll, sonst hätten sie zuerst einen Milizstützpunkt angegriffen – falls Sie Recht haben. Sollten wir nicht mit dem Oberst sprechen?“
„Ohne einen realen Beweis in der Hand? Nein. Die erste Abfuhr hat mir gereicht. Außerdem können wir bei falschem Alarm den Ball flacher halten. Trotzdem, fragen Sie in der Zentrale nach weiteren Landungsschiffen, die nicht da niedergegangen sind wo sie sollten. Wer mit einem Overlord kommt, hat eventuell auch noch einen Union oder einen Seeker. Oder zwei.“
„Wollen wir's mal nicht hoffen. Ein Overlord alleine kann ein ganzes Bataillon bedeuten“, brummte Wong. „Sollen wir ihn informieren, wenn sich der Verdacht bestätigt?“
„Den Oberst? Natürlich.“
„Nein. Oberst Karakov natürlich auch. Ich dachte an Zorn Kenderson. Das wäre nicht mehr als fair.“
Sie dachte für einen Moment darüber nach. „Ja. Sobald etwas passiert, informieren Sie via ComStar das Oberkommando, das Regionalkommando, und Major Kenderson. Falls der HPG nicht auch angegriffen wird.“
„Eieieieieiei, ich kriege Kopfschmerzen. Sie trauen unseren nichtbestätigten Plünderern ja eine Menge zu.“
„Dreihundert Millionen C-Noten, haben Sie gesagt. Meine Großmutter müsste dafür sehr lange stricken und bekäme die Bürgerrechte zweimal verliehen, Wong.“
„Argument.“
***
Thema: A Cavaliers Legend
Ace Kaiser

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01.01.2018 13:18 Forum: Kurzgeschichten


Gut gelaunt betrat Zorn sein Büro. Er glaubte, er hatte die richtigen Worte gefunden, ohne allzu devot in seinem Dank gegenüber Hanse Davion versunken zu sein, aber sicher war er sich nicht. Nie im Leben hatte er erwartet, mit dem Prinzen persönlich zu sprechen, und sei es nur durch den Austausch von Videonachrichten via ComStar. Kirran folgte ihm dichtauf und ging zu jenem Schrank, der nur aufgesucht wurde, wenn etwas gefeiert, sonstwie begossen oder betrauert werden musste. Er öffnete den Schrank, entnahm eine Flasche Whisky und schenkte zwei Bleischwenker einen Fingerbreit voll.
„Wie geht es jetzt weiter, Zorn? Wann soll die Einheit abrücken? Was soll mit den Mechs geschehen?“
Dankbar nahm Zorn eines der Gläser entgegen. „Sie wissen selbst, wie teuer es ist, einen Mech zu unterhalten. Oder gar eine ganze Kompanie. Wir haben immer noch meinen Marodeur, den Feuerfalken von Ventis, den Kampfschütze, den du gesteuert hast, und natürlich Ventis' alte Maschine, ihre Wespe. Und Cynthia ist sich ziemlich sicher, dass sie den Victor, den Miss Medici gesteuert hat, wieder zusammengeflickt bekommt.“
„Das ist eine etwas merkwürdige Rechnung für Sie, wenn Sie acht fabrikneue, nicht eingeschossene Maschinen zur Verfügung haben, Zorn.“
Kenderson nahm einen Schluck. „Nun, auch wenn diese Maschinen brandneu sind, sie sind noch lange nicht einsatzbereit und stellen im Moment totes Kapital dar. Genauer gesagt machen sie und die Ausrüstung aus dem Depot uns gerade zu einer begehrlichen Beute, die wir beschützen müssen. Und derzeit haben wir genau zwei MechPiloten, die einsatzfähig sind, um diese Beute zu verteidigen: Dich und mich, Kirran.“ Er seufzte und ließ sich in seinen Sessel sinken. „Davon ab kann ich nicht aus meiner Haut. Auch die brandneuen Mechs werden sehr bald beschädigt, repariert und mit Improvisationen einsatzfähig gehalten werden. Klar, sie stammen aus der Sternenbundzeit und werden eine lange Zeit leistungsfähiger sein als unsere alten, teilweise zweihundert Jahre alten Maschinen. Aber der Vorteil hält nicht ewig.“
„Ich verstehe. Also verkaufen, und die Kriegskasse auffüllen?“ Leary nahm einen großen Schluck, der sein Glas leerte. Er trat zurück an den Schrank und schenkte sich nach.
„Nicht alle. Ich würde ja ums Verrecken gerne den Marodeur behalten. Er ist auch im direkten Vergleich immer noch kampfstärker als beispielsweise der zweite Greif, der uns geblieben ist. Aber ich denke, ich werde alleine aus logischen Gründen auf den Schütze wechseln.“
„Wieso nicht der Highlander? Fünfundneunzig Tonnen, schwer bewaffnet, sprungfähig. Der feuchte Traum eines jeden Lyraners.“
Zorn grinste. Der ComGuard spielte hier auf das alte Gerede an, das den Lyranern unterstellte, alle Mechs unter achtzig Tonnen als „Scout“ zu bezeichnen. „Weil ich als Kommandeur mit einem Fernkämpfer besser aufgestellt bin. Zugegeben, ich könnte den Highlander nehmen, aber ich will mich nicht allzu weit von den mittelschweren Maschinen entfernen.“
„Und?“, hakte er amüsiert nach.
„Und der Highlander ist der teuerste Mech. Er würde einen guten Preis einbringen, würden wir ihn auf Galatea verkaufen.“
„Leider treibt es uns überall hin, aber nicht zu den Lyranern.“
„Stimmt leider.“ Zorn legte den Kopf schräg. „Wir haben fünf alte Mechs, die sofort oder kurzfristig einsatzbereit sein können. Dazu kommen acht Maschinen aus dem Depot. Der Prinz hat uns vier ScoutMechs samt Piloten sowie vier entrechtete Mechkrieger zugesagt, die wir unterwegs aufgabeln werden. Ventis wird bald wieder einsatzfähig sein. Damit hätten wir drei Piloten.“
„Was ist mit unserem Versicherungsmenschen und Miss Vicomte? Damit wären wir fünf, mit den Piloten vom Prinzen neun.“
„Da Miss Vicomte wünscht, uns zu begleiten, haben wir einen Piloten mehr, sobald. Aber sie dürfte es in der Einheit schwer haben. Sie handelte zwar aus Zwang heraus, aber sie hat einige unserer Leute getötet und uns das Leben schwer gemacht. Sie wird geschasst werden, im Großen wie im Kleinen.“
„Das befürchte ich auch. Wird sie es aushalten?“
„Ihr eigener Vater hat ihren Rücken in eine blutige Masse verwandelt, indem er sie mit einer Peitsche verprügelt hat. Anschließend stieg sie in ihren Victor und hat uns die Hölle heiß gemacht. Diese Frau ist tough. Wenn wir sie unterstützen und protegieren, denke ich, wird sie es schaffen.“
„Gut. Unser Versicherungsvertreter?“
„Der hat seinen Ausritt zu unserer Rettung nicht gut verdaut. Clark Duvalle liegt jetzt mindestens zwei Wochen flach. Aber immerhin will ihn niemand mehr umbringen.“
Nachdenklich rieb sich der ComGuard das Kinn. „Thomas?“
„Thomas?“
„Jackson. Der Mann mit dem Einrad. Der Mann, dem du versprochen hast, ihn auf seine Tauglichkeit als MechKrieger zu prüfen. Mit ihm wären wir sechs.“
„Er heißt Thomas? Teufel auch, ich habe nie gefragt.“ Nachdenklich starrte Zorn in sein Glas, bevor er es austrank, wieder aufstand und sich am Schrank ebenfalls bediente.
„Er könnte das Zeug dazu haben. Die Balance, die Reflexe... Sicher, er braucht Training, aber ein paar Monate auf einer leichten Maschine, und er könnte wirklich nützlich sein.“
„Was? Nein, das ist es nicht. Ich habe ihm versprochen, ihn zu prüfen, und genau das werden ich auch tun. Ich hätte das nicht gesagt, wenn der Mann nicht großes Potential zeigen würde. Das ist selten. Normalerweise beginnt die Ausbildung zum MechKrieger mit zehn Standardjahren, und jetzt soll der Junge in ein paar Wochen lernen, was sonst acht Jahre und länger dauert.“
„Lassen wir die Lektionen für Reparaturen weg, und die für die innere Elektronik, dann sparen wir zwei Jahre“, scherzte Leary.
„Das werden wir wohl müssen. Ich frage mich nur, ob wir nicht noch mehr MechKrieger-Anwärter ausheben sollten, Kirran. In einer guten Einheit hat man immer zwei, drei Krieger mehr zur Hand als Mechs einsatzbereit. Die vier entrechteten Krieger werden eine große personelle Spritze sein, aber sie reichen nicht.“
„Was ist mit den Panzern?“
„Fünf Shreks können wir wieder zusammenflicken. Das reicht als Rumpf für Akeems neu aufzustellende Kompanie. Immerhin, ist ein Anfang. Und Hillers Einheit bietet einen guten Anfang für die neue Infanteriekompanie.“
„Wenn es zwölf Panzer inklusive Besatzungen werden sollen, dann...“
„Ja, ich weiß. Rechnen wir mit sechs aktiven MechKriegern verschiedenster Erfahrung, die aktiven Dienst schieben, dazu die vier Entrechteten, macht es zehn. Ich habe nicht vor, von Hanse Davion ausgeschickte Soldaten, die mir helfen sollen, einen Mech zu verweigern.“
„Macht trotzdem dreizehn. Und die Versorgungsgüter aus dem Depot in allen Ehren, aber wir werden sie verbrauchen, auch wenn wir einen Teil davon verkaufen wollen.“
Zorn nickte schwer, trank einen Schluck und nahm wieder Platz. „Was tun, sprach Zeus?“
„Ich hab nachgedacht. Sieh mal, der Exterminator ist ein spezieller Mech, mittelschwer und darauf ausgelegt, feindliche KommandoMechs aufzuspüren und zu vernichten. Das macht ihn heute noch zu einer wertvollen Maschine, aber eben nicht auf Kompanie-Ebene. Jede militärische Einheit würde ihn uns mit Kusshand für rund acht Millionen C-Noten abkaufen. Elf bis zwölf, wenn wir die Ersatzteile obendrauf legen.“
„Was uns zum leidigen Punkt bringt. Wir brauchen Geld, um die Leute zu bezahlen und um die neuen Panzer zu kaufen. Ganz zu schweigen von den exorbitant hohen Wartungskosten der Mechs an sich. Aber wer würde hier im Nirgendwo so viel Geld ausgeben?“
„ComStar würde den Mech kaufen.“
Zorn, der sein Glas schon angesetzt hatte, stockte. „Was?“
„Teufel, Zorn, ich bin ComGuard. Ich weiß, dass meine alte Einheit bereit wäre, für einen solchen Mech samt Ersatzteilen dieses Vermögen auszugeben und quasi sofort zu überweisen.“
„Und das weißt du, weil...?“
„Ich gefragt habe.“
Zorn stellte sein Glas auf dem Schreibtisch ab. „Okay, welche noch?“
„ComStar hat darüber hinaus Interesse an den beiden Hermes. Weitere siebzehn Millionen für alles samt Ersatzteile und Versorgungsgüter.“
„Würde achtundzwanzig für alle drei Maschinen machen.“
„Und wir wären das leidige Bargeldproblem erst einmal los.“
„Wir haben kein Bargeldproblem. Hanse Davion bezahlt uns zu Standardkonditionen“, erwiderte Zorn. „Aber du hast Recht. Wir haben zu viele Maschinen, und das sind gute Preise für drei Mechs, bei denen ich mich ohnehin gefragt habe, wie ich sie in die Einheit integrieren kann. Außerdem lässt sich so der Hinterbliebenenfond erheblich aufstocken. Das bringt die Toten nicht zurück, aber es hilft den Überlebenden.“ Und das war auch richtig so, denn viele Familien in der Einheit hatten im Hinterhalt nicht nur geliebte Menschen verloren, sondern auch diejenigen, die bei den Cavaliers gedient hatten. Viele von ihnen würden sie verlassen, ohne dass ihre Kinder die Plätze ihrer Mütter und Väter in der Einheit übernehmen würden, wie es eigentlich Tradition war. Mit Schaudern dachte er daran, wie er einer dieser Mütter, die mit genau diesem Anliegen zu ihm gekommen war, eine Szene gemacht hatte, bis er sich endlich eingestanden hatte, dass er kein Recht dazu hatte, Mrs. Anderson mit Zwang in der Einheit zu behalten. Davon abgesehen war es sehr viel besser, so wenige Zivilisten wie möglich mitzunehmen. Wie schnell man in einen Hinterhalt geraten konnte, hatte er nicht das erste Mal an eigenen Leib erfahren.
„Noch etwas?“
„Danke, dass du fragst. Einige der Ersatzteile wären für die ComGuards wie die himmlische Erlösung. Ich denke, wir könnten auf rund zehn Prozent verzichten, ohne die Einheit zu schwächen. Darunter sind unter anderem zusätzliche Cockpitverglasungen und dergleichen, überzählige Aktivatoren und der eine oder andere Reaktor.“
„Wie viel?“
„Ich habe das schon mit Jeannie abgesprochen und ihr die Wunschliste gezeigt. Sie hat sie erheblich zusammengestrichen, aber es ist immer noch genug über, was die ComGuards interessiert.“
„Was zahlen sie für die zehn Prozent handverlesener Ausrüstung?“
„Einen echten Freundschaftspreis. Rund dreißig Millionen C-Noten.“
In Zorns Gesicht arbeitete es. Die Wangenmuskeln kontraktierten. Er mahlte mit den Backenzähnen. „Ein überaus großzügiges Angebot.“
„Und wir müssen die Mechs und den Nachschub nicht irgendwo hinbringen, sondern können alles hier lassen“, schloss Leary.
Nachdenklich drehte Zorn das Glas in der Hand. Mit solch einer Summe hätte er alle Cavaliers auszahlen können. Großzügig auszahlen. Und wenn er schon bei dem Gedanken war, wenn er alle brandneuen Mechs verkaufte, dazu ihre alten Maschinen, dann würden sicher insgesamt dreihundertfünfzig Millionen C-Noten zusammenkommen. Mehr Geld als genug, um jedes einzelne noch lebende Einheitsmitglied bis zum Lebensende in Wohlstand leben zu lassen. Aber lohnte sich ein solches Leben, wenn es jederzeit von Menschen wie dem Vicomte Medici zerstört werden konnte? Major Kenderson traf eine rationale Entscheidung. „Kirran, du kannst deinen alten Freunden sagen, wir haben einen Deal. Aber im Gegenzug wären wir dankbar, wenn sie uns bei der Beschaffung weiterer Panzer und neuer MechKrieger helfen könnten. Ich brauche noch drei, zwei von ihnen als Reservepiloten.“
„Ich bin sicher, da lässt sich etwas arrangieren. Also eine unterzählige Kompanie und die Lanze von Hanse Davion?“
Zorn nickte. „Fünfzehn Mechs. Das ist weit mehr, als Medici ins Feld führen kann. Ich will nicht so überheblich klingen und behaupten, wir bräuchten ihn jetzt nur noch aufspüren, aber... Wenn wir ihn aufspüren, bevor er ein weiteres Depot entdeckt und geknackt hat und die dortigen Mechs gegen uns in den Einsatz bringen kann, dann werden wir ihn ausradieren. Ihn und seine Söldnerbande.“
Leary holte die Flasche und stellte sie auf den Schreibtisch. „Darauf trinke ich, als wäre dies das Blut des Vicomte.“
„Gut, einer mehr kann nicht schaden“, erwiderte Zorn. Auf jeden Fall war es besser als zu versuchen zu schlafen und doch nur wieder von den Gesichtern der Toten zu träumen.
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