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Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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Hits: 73.057
09.12.2018 14:18 Forum: Kurzgeschichten


Hihi, fast schon bezeichnend, dass du dies automatisch auf DEINEN Char beziehst. Ich meinte eigentlich in noch größerem Maße Cartmell... großes Grinsen

Aber im Ernst, was Tyrs Einwand angeht, so ist der zwar durchaus berechtigt, aber Lilja KANN auf Leute eingehen. Sie tut das eben nur sehr, sehr, SEHR selten (und dann vor allem bei Personen, die zu ihrer kleinen Schar von Freunden gehören). Namentlich Imp, Sokol, tw. Marine, früher vielleicht Lightning (wiewohl das mit einer Vorgesetzten kompliziert ist), Cliff auch, aber sehr selten.
Manchmal kann sie sogar gegenüber Fremden so was wie Gefühle zeigen. Also abgesehen von Wut, meine ich. Sie ist eben nur kein so ein Sonnenscheinchen, so dass das nur alle Jubeljahre passiert. Und nachdem sie kaltherzig Joystick als Ablenkung offeriert und auch Cliff beim NIC ins Gespräch gebracht hat, kann sie ja auch mal wieder netter sein.

Aber keine Sorge, die nächste Herzlosigkeit kommt bestimmt. Teufel
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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09.12.2018 12:13 Forum: Kurzgeschichten


Tyr: Nun ja, manchmal sollte man auch Konzessionen machen. Ich meine, Kano ist auch die Freundschaft oder der Respekt zu anderen ganz bestimmten Personen in den Mund gelegt worden, die ich seinem Charakter bei dir nicht immer so GANZ entnehmen konnte... großes Grinsen
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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04.12.2018 18:16 Forum: Kurzgeschichten


Nun, inzwischen brauchen sie diese ja vielleicht als potentielle Tauschobjekte. In der ersten Kriegsphase ging ja niemand davon aus, dass so viele imperiale Soldaten gefangen genommen würden.
Außerdem gab es in letzter Zeit nicht mehr so viele Gefangene, da steigt der Wert...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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03.12.2018 18:30 Forum: Kurzgeschichten


Auch von mir aus ganzem Herzen alles Gute. Ich kann mir nichtmal ansatzweise vorstellen, was du durchmachst.

Beste Grüße
Marc
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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30.11.2018 23:10 Forum: Kurzgeschichten


Ace: Möchtest du den Text schreiben, der euch auf Sulafat "ansetzt"? Oder soll ich das lieber machen? Wir können uns da gerne abstimmen...
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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19.11.2018 18:52 Forum: Kurzgeschichten


Was ich noch fragen wollte - habt ihr (besonders du, Ace, schließlich hast du hier den Taktstock) irgendwelche zeitlichen Planungen, Überlegungen wie es weitergeht?
Was für ein Text steht als nächstes an - Chevaliers oder Höllenhunde (und wie bald?). Nur damit ich weiß, ob ich mir was überlegen sollte. Wenn zum Beispiel bald was zur Ankunft der Höllenhunde auf Sulafat kommen soll, sollte ich vielleicht vorheer noch einen Text zu meinen Leuten schreiben, oder so...
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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17.11.2018 15:50 Forum: Kurzgeschichten


Von mir kam auch mal wieder ein Text.
Der Inhalt lässt sich vielleicht am besten so zusammenfassen:
Schlaft nicht zu tief... Teufel großes Grinsen
Thema: Chevaliers Season V
Cattaneo

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17.11.2018 13:21 Forum: Kurzgeschichten


Eine Frage der Wachsamkeit

Anfang Juni 3067, Sulafat, Odaga-Verwaltungszone, Provinz Aomori, die Stadt Taonami

Ein letztes Mal ließ der Polizeitransporter seine Sirene aufheulen. Der Lärm war wahrhaft ohrenbetäubend. Gleichzeitig drehte der Radpanzer in einem brutalen Manöver nach links und wechselte auf die falsche Fahrbahn. Er musste sich nicht um Gegenverkehr sorgen – die zivilen Fahrzeuge hatten abrupt gestoppt und drängten sich am Rande der Straße. Fahrkünste und Fahrstil der Polizei auf Sulafat, besonders der Kempeitai, waren ebenso berühmt wie berüchtigt. Das war ein Erbe von mehr als einem Jahrzehnt Terroranschlägen und Guerillakrieg. Vielfach zeigten die Transporter ein reichlich erratisches Verhalten im Straßenverkehr. Sie wechselten die üblicherweise hohe Geschwindigkeit und die Fahrbahn nach Belieben – natürlich in erster Linie, um das Anvisieren mit einer schultergestützten Rakete, Beschuss mit einem schweren Antimaterialgewehr oder die Auslösung einer Sprengladung zu erschweren. Deshalb gab es strikte Anweisungen, dass zivile Fahrzeuge beim Klang einer Polizeisirene sofort zu stoppen und eine erweiterte „Rettungsgasse“ freizuräumen hatten. Übertretungen wurden hart bestraft – und manche Polizeifahrer halfen ohnehin nach, indem sie Verkehrssünder rücksichtlos von der Straße drängten. Sulafats verwaltende Häuser bemühten sich zwar, dass die Willkür der Sicherheitsorgane nicht außer Kontrolle geriet, aber natürlich mussten sie auch auf das Wohl ihrer Soldaten achten. Und so sahen sie darüber hinweg, dass es jedes Jahr Verletzte und Tote gab – Menschen, die einem Polizeifahrzeug vor den Bug liefen, oder die angefahren wurden, wenn Zivilfahrzeuge hastig die Fahrbahn räumten. Die ohnehin überschaubaren Kompensationsleistungen wurden nur gezahlt, wenn Eigenverschulden zweifelsfrei ausgeschlossen werden konnte. Es war also kein Wunder, dass Fußgänger oft überstürzt in Hauseingänge auswichen, wenn das langgezogene Heulen ertönte. Den Verbesserungen der Odaga und Shimatze zum Trotz, die Polizei auf Sulafat – wie in der ganzen Inneren Sphäre – diente in erster Linie jenen, die das Geld und die Macht hatten.

Das Ziel des Transporters war eine ausgedehnte Anlage von vielleicht sechs Hektar Fläche, gut zwei Kilometer vom zivilen Raumflughafen von Taonami entfernt, einem der wichtigsten in der Verwaltungszone der Odaga. Umgeben von einem hohen, soliden Drahtzaun, befanden sich auf dem Areal zwei riesige Lagerhäuser von jeweils mehreren tausend Quadratmetern Grundfläche – zweifellos ausreichend für Dutzende Fahrzeuge – sowie ein gut vierzig Meter langes und knapp zwanzig Meter breites zweistöckiges Fabrikgebäude mit einem Verwaltungsanbau. Die Gebäude waren um einen großen Innenhof angeordnet. Dazu kamen ein Werkstattgebäude und ein Pförtnerhaus.
Der Komplex war früher Sitz einer Fabrik gewesen, in der Fisch aus dem nahen Meer verarbeitet worden war – darunter ein stolzer Anteil für den Export als de-lux-Konserven, aber auch große Mengen billige Massenware für die Erntecamps im Landesinneren. Doch Betta Inc. – die Firma war nach dem terranischen siamesischen Kampffisch benannt gewesen – hatte den großen Aufstand auf Sulafat nicht gut überstanden. Das Gelände war in den Kämpfen aufgrund der Nähe zum Raumflughafen von einigen Gruppen von Widerstandskämpfern als Basis benutzt worden – nicht zuletzt, weil die Belegschaft ein eigenes Rebellenbataillon gestellt hatten, denn die Firmenleitung hatte sich wie viele Angehörige der Oberschicht Sulafats wenig für die Bedürfnisse ihrer Angestellten interessiert. Es hatte immer mehr als genug arme Hilfsarbeiter gegeben, so dass man ihnen nicht mehr bieten musste als dürftige Löhne bei harter, endloser Arbeit. Dieses Kalkül hatte sich jedoch bitter gerächt.
Der Widerstand war letztlich natürlich gescheitert. Eine Kompanie Odaga-Sprungtruppen und eine Halblanze leichte Mechs hatten das Widerstandsnest bereits in den ersten Tagen des Gegenangriffs auseinandergenommen, und drei Dutzend verzweifelte Aufständische waren in denselben Hallen niedergemäht worden, in denen sie vor dem Aufstand bis zum Umfallen hatten schuften müssen.

Nicht, dass die Führung der Firma ein schlechtes Gewissen gehabt hatte, nach diesem blutigen Intermezzo zum Alltag zurückzukehren. Aber die Gefechtsschäden hatten die Kapitaldecke des Unternehmens stark belastet – zu sehr, vor allem wenn man berücksichtigte, dass die Aufständischen zuerst ein wenig randaliert hatten, und ein Teil des Firmenvermögens in den Wirren des Aufstandes in dunklen Kanälen versickert war. Irgendwie hatte man sich dann mit den Krediten für einen Neuanfang übernommen. Die Firma war schließlich unter Zwangsverwaltung gestellt worden, als sie ihre Außenstände nicht mehr begleichen konnte. In den chaotischen Monaten nach dem großen Aufstand – zugleich tobte ja noch der Erste Clankrieg – hatte die Zukunft einer fischverarbeitenden Fabrik nicht gerade hoch auf der Agenda der neuen Herren gestanden. Und so war Betta eingegangen. Die Maschinen waren verkauft oder an andere, erfolgversprechende Firmen überstellt und die Immobilien für eine künftige Nutzung „auf Eis gelegt“ worden. Irgendwie war daraus nie etwas Dauerhaftes geworden. Deshalb hatte die Anlage, nachlässig bewacht durch einen zivilen Objektschutz, mehr als ein Jahrzehnt in einer Art magischen Halbschlaf gelegen. Gelegentlich hatte man die alten Kühlhäuser als Ausweichlager für Fracht genutzt oder Flüchtlinge aus dem Landesinneren in der Anlage untergebracht, die von den Kampfhandlungen oder Naturkatastrophen vertrieben worden waren.
Während des zweiten großen Aufstandes hatte das Areal im wahrsten Sinne des Wortes als LAGER fungiert – ein Internierungs- und Filtrationszentrum für mehrere hundert Insassen, was gewiss nicht zum Ruf der Anlage beigetragen hatte. Im Großen und Ganzen hatten die Gebäude gerade das Ausmaß an Pflege erfahren, um sie vor dem vollständigen Verfall zu bewahren. Und nun, da man eine Massenunterkunft benötigte, nahe am Raumflughafen aber nicht in bester Lage, mit dem ausreichenden Maß an Infrastruktur um ein gemischtes unterbesetztes Regiment Fremdländer unterzubringen ohne sie direkt zur Meuterei aufzustacheln, hatten sich die Odaga der Anlage erinnert. Man hatte einige Reparaturkommandos für die nötigsten Instandsetzungsarbeiten eingesetzt – billige Handwerker, die ihrerseits Arbeitstrupps aus dem örtlichen Gefängnis anleiteten, dazu Tagelöhner aus der örtlichen Unterschicht. Das Ergebnis war entsprechend.
Die leeren Fabrikhallen waren in Schlafsäle mit Etagenbetten verwandelt worden, im Verwaltungsanbau sollten die Offiziere schlafen. Für sanitäre Zwecke standen die Anlagen zur Verfügung, in denen sich früher die Schichtarbeiter und -arbeiterinnen den Dreck von zehn, zwölf Stunden Arbeit – Blut, Öl und dergleichen – abgespült hatten. Die alte Werksküche waren ebenfalls notdürftig bestückt worden, wobei man freilich darauf setzte, dass die Besucher einiges an Material mitbrachten. Für die Lebensmittel selber würden sie natürlich teuer bezahlen müssen. Für mehrere hundert Soldaten würde es zweifellos eng werden, Warteschlangen vor den Sanitärräumen und Probleme bei der Essensausgabe waren praktisch vorprogrammiert. Nun, die Söldner sollten sich ja auch nicht wohl fühlen – oder willkommen.

Die Anlage stand nun seit etwas über einer Woche unter Polizeischutz, und vor drei Tagen waren die letzten Arbeiten beendet worden. Auf den ersten Blick wirkte das Objektschutzkommando martialisch. Ein armierter MTW mit zwei Fahrern und einem Bordschützen – das Fahrzeug verblieb bei „seinen“ Truppen während ihrer Schicht – und ein Trupp von sieben schwerbewaffneten Kempeitai war auf dem Papier durchaus ernst zu nehmen. Die Militärpolizisten waren gepanzert, und mit ihren Langwaffen, den Helmen, klobigen Panzeranzügen und vollautomatischen Seitenwaffen erschienen sie ziemlich bedrohlich. Das relativierte sich freilich, wenn man genauer hinsah. Mit Ausnahme des leitenden Unteroffiziers – der mit seinem Vibrokatana, dem Impulslasergewehr und der überschweren Pistole ebenfalls eine recht einschüchternde Wirkung erzielen konnte – waren die Männer und Frauen durch die Bank weg junge Rekruten, keiner älter als um die 20 Jahre. Die Blicke waren argwöhnisch, und man merkte es den Polizisten an, dass sie zwar mit ihren Waffen umgehen konnten – aber eine gewisse Unsicherheit und Nervosität war unverkennbar.
Vor allem aber krankte die Professionalität des Wachkommandos an einem vollständigen Mangel an Eigeninitiative und Begeisterung für die zugeteilte Aufgabe. Vom ersten bis zum letzten wussten die Polizeisoldaten inzwischen, dass ihre Aufgabe als überflüssig, bestenfalls als eine lästige Pflicht betrachtet wurde. Nicht einmal der Offizier, der jeden Morgen die Wachkommandos für den Tag vergatterte, machte einen Hehl daraus, dass es ihm im Grunde egal war, wie gründlich die Wachen ihren Job erledigten, so lange sie nur die eigene Sicherheit im Auge behielten. Allgemein sah man die ganze Aktion als eine idiotische Verschwendung von Material, Geld und Personal, das wesentlich produktiver hätte eingesetzt werden können.
Gerüchte über die Söldnertruppe, die hier unterkriechen würde, hatten die Runde gemacht, und sie klangen alles andere als ermutigend oder motivierend. Ganz abgesehen von dem Umstand, dass Söldner im Kombinat ohnehin als Abschaum galten – im besten Fall waren diese speziellen Söldlinge den Gerüchten zufolge offenkundig darauf aus, möglichst viel Geld für möglichst wenig Arbeit abzustauben. Das wäre den Kuritanern im Grunde egal gewesen – es war ja nicht ihr Geld. Aber sie mussten die Diener Com Stars schließlich betreuen, ihnen Quartiere bereitstellen und sie die Raumhäfen nutzen lassen. Und im schlimmsten Fall steckte irgendeine üble Com-Star-Verschwörung hinter der Sache. Außerdem hieß es, die Söldner hätten in der Vergangenheit gute Beziehungen zu den Geisterbären gehabt – und damit waren sie für Kuritaner ohnehin eine Zumutung.

All das trug dazu bei, dass die Wachtruppen ihren Dienst – abgesehen von der Eigensicherung – mit einer Laxheit versahen, die für den Kempeitai sonst undenkbar gewesen wäre. Das einzige gut eingerichtete Gebäude in der ganzen Anlage war das Pförtnerhaus, das mit Sandsäcken und Betonsegmenten in eine Art Bunker verwandelt worden war. Sogar der Wachstand außerhalb des Gebäudes war vor Beschuss oder geworfenen Granaten abgesichert. Es gab eine gut eingerichtete kleine Teeküche, eine saubere Dusche und WC – was mehr war, als man von den Mannschaftsquartieren im Fabrikgebäude sagen konnte. Und die Wachmannschaften hielten sich dann auch die meiste Zeit dort auf. Rundgänge auf dem Gelände erfolgten maximal alle anderthalb bis zwei Stunden, wenn auch nicht in identischen Abständen, und bestanden eigentlich nur aus einem nachlässigen Abgehen des Zauns. Die Polizeisoldaten schauten einfach weg, wenn einige aufmüpfige Einwohner die Außenwände des Komplexes mit unfreundlichen Parolen beschmierten. Solange niemand offenkundig versuchte, auf das Gelände vorzudringen und Schäden anzurichten, zuckte man nur mit den Schultern.

***

Zwei Stunden darauf

Viele Menschen glaubten, dass ein Einbruch in eine gesicherte Anlage üblicherweise nachts stattfand, in Schleichanzügen, mit Infrarotsichtbrillen, schallgedämpften Waffen, vielleicht gar über einen unterirdischen geheimen Zugang, nach einem HALO-Absprung von einem Flugzeug oder Landungsschiff. Die Wahrheit war oftmals viel prosaischer. Hatte man erst einmal die Abläufe verinnerlicht, fanden sich oft weitaus weniger dramatische Optionen. Planung und Insiderinformationen waren viel wichtiger als exotische Fähigkeiten.
Das kleine Einsatzteam hätte so manche Erwartung enttäuscht, was freilich nicht an mangelnder Professionalität lag. Sie hatten keine einzige echte Feuerwaffe dabei – allerdings ein gut sortiertes Arsenal an nicht-tödlichen und damit noch legalen Kampfmitteln wie Elektroschockern oder den schweren Reizgasen, mit denen sich der gesetzestreue Bürger Sulafats Räuber oder vor allem die aggressive Fauna vom Hals halten durfte. Dies waren Optionen mit begrenzter Reichweite und Durchschlagskraft – aber wenn man damit in eine Polizeikontrolle geriet, wurde man nicht automatisch einkassiert.
Die drei Männer und die Frau trugen auch keine Tarnanzüge, sondern waren in gedeckter Zivilkleidung unterwegs, mit denen sie auf der Straße kaum auffielen. In diesem Viertel waren um diese Zeit viele Männer und Frauen zu sehen, die einen ähnlichen Anblick boten. Hart arbeitende, müde Arbeiter aus einem halben Dutzend unterschiedlicher Ethnien, mit den Gedanken schon halb zu Hause, in der Sake-Kneipe oder wohin sie auch immer unterwegs waren, oder beschäftigt mit den üblichen Nöten des Lebens.
Sie hatten sich erst in der Nähe des Ziels getroffen. Die…heikleren…Gerätschaften waren von einem Mitglied transportiert worden – die anderen hätten sich einer Leibvisitation unterziehen lassen können, ohne dass man etwas Verdächtiges gefunden hätte. Bisher war alles glatt gegangen.
Ihre Ausrüstung transportierten sie in eng anliegenden Rucksäcken und in Gepäcktaschen, die an den Oberschenkeln festgeschnallt waren – nichts, was schwingen oder irgendwo hängenbleiben konnte. Natürlich waren die Taschen und Rucksäcke farblich mit der Kleidung abgestimmt. Sie krochen nicht über Dächer oder Leitungsschächte, seilten sich nicht an hohen Wänden ab. Vielmehr nutzten sie einen toten Winkel in einer vermüllten Seitenstraße, in der ein beeindruckender Abfallhaufen vor sich hin gammelte. Der Zugang war sorgfältig ausgespäht worden. Das Loch im Drahtzaun der alten Fischfabrik – eine Art niedrige Tür, die man aufbiegen und danach wieder verschließen konnte, so dass sie nur bei gründlicher Überprüfung auffiel – war zwei Tage zuvor angelegt worden. Sie hatten die Schnittflächen sogar eigens mit Korrosionsmitteln behandelt. So sah es so aus, als wäre der Eingang schon vor Wochen, ja Monaten angelegt worden – von Obdachlosen, Drogensüchtigen, Dieben oder Prostituierten, die auf dem lange Zeit vernachlässigten Gelände ein und aus gegangen waren.
Ihre Funkgeräte sendeten kodiert, aber im Normalfall verständigten sie sich sowieso durch eine Abfolge von Knacklauten. Die Bewegungen waren sparsam, genau eingespielt. Einem Beobachter musste es so erscheinen, als ob sie das schon dutzende Mal gemacht hatten – was für die meisten stimmte – und die Anlage praktisch wie ihre Westentasche kannten. Das traf auch zu, freilich hatten sie sie noch nie betreten, wenngleich der Zugriff ein halbes Dutzend Mal simuliert durchgespielt worden war. Die Vorbereitung der Mission hatte sich auf einige hundert Fotos, auf Bauzeichnungen und computergenerierte Modelle gestützt, die ihnen zur Verfügung gestellt worden waren. Sie waren nicht selbstsicher – das konnte schnell tödlich enden – aber sie wussten, dass sie Rückendeckung besaßen, und waren sich bewusst, dass sie sich aufeinander verlassen konnten. Für den Einsatz blieb mindestens eine, wahrscheinlich eher anderthalb Stunden Zeit, bis die nächste Patrouille ihre Runde drehen würde. Sie wollten dann nach Möglichkeit schon wieder verschwunden sein, auch wenn die Polizisten normalerweise im Freien blieben.

Die Eindringlinge huschten in die eigentliche Fabrikanlage, wo sie sich in drei Teams aufteilen. Die Frau eilte in den Keller, einer der Männer schlich in Richtung des Verwaltungsgebäudes. Die beiden übrigen Mitglieder des Kommandos steuerten den ersten Stock des ehemaligen Arbeitstraktes an.
Kitsune bemühte sich, ihre Atmung zu kontrollieren. Sie war die einzige im Team, die so etwas noch nicht oft gemacht hatte. Nicht, dass ihr Gefahr etwas Neues war – nur eben nicht diese Art von Action. Aber Versagen stand nicht zur Debatte. Und im Grunde war ihre Aufgabe ja auch nicht sehr heikel.
Im Keller blickte sie sich prüfend um. Dann huschte sie zu dem massiven Dieselgenerator, der als Notbefehl für einen Stromausfall installiert worden war – eine sehr sinnvolle Vorsichtsmaßnahme in einer Stadt, die immer wieder unter den Wetterkapriolen Sulafats zu leiden hatte. Das Gerät war offenkundig vor ein paar Tagen durchgecheckt und einsatzbereit gemacht worden. Aber es war nicht der Generator, der sie interessierte.
Sie zauberte aus einer ihrer Oberschenkeltaschen eine Batterie von Plastebehältern hervor. Einen nach dem anderen hielt sie am lang ausgestreckten Arm dicht über den Boden, betätigte einen einfachen Schuber und schüttelte den Behälter – bis ein kleines Fellknäuel herausfiel. Mus musculus, die Hausmaus, gehörte zu den wenigen Tieren, die den Menschen auf nahezu jeden Planeten begleitet hatte – wenngleich nicht unbedingt zu seiner Freude oder dem Nutzen der einheimischen Flora und Fauna. Sie war kaum auszurotten, und gedieh in den oft unhygienischen und chaotischen Habitaten, die der Mensch sich als Heimat geschaffen hatte. Was nicht hieß, dass die Tierchen nicht auch einen Nutzen haben konnten. Man musste natürlich vorsichtig sein, aber mit den notwendigen Vorkehrungen…
Kitsune spitzte die Lippen zu einem Lächeln, während sie ihre Schützlinge beobachtete, die sofort in Deckung gingen.
,Viel Glück. Ich verlasse mich auf euch…‘
Dann pirschte sie weiter, schließlich hatte sie noch zwei weitere ,Trupps‘ zu verteilen. Keine zehn Minuten später war sie fertig und verließ den Keller, um sich ihrem Kameraden anzuschließen, der in der Küche zu tun hatte.

Das Zweierteam war inzwischen ebenfalls am Ziel angekommen. Direkt angrenzend an eine langegestreckte Halle – sie wirkte richtig gespenstisch mit den unberührten Etagenbetten, die in endlosen Reihen an den Wänden aufgereiht waren, ausreichend für gut und gerne zwei Kompanien, während sich in der Mitte des Raumes primitive Tische und Bänke befanden – lagen die Sanitäranlagen. Sie waren strategisch geschickt angelegt, zwischen dem Treppenhaus und dem früheren Arbeits- und jetzigen Wohnbereich, in doppelter Ausführung spiegelnd einander gegenüber. Wer von der Schicht nach Hause ging, konnte sich hier in den Duschen notdürftig säubern. Falls es ihm oder ihr nichts ausmachte, dass die Duschräume zeitgleich auch von zwei Dutzend Kollegen beziehungsweise Kolleginnen genutzt wurden. Wer immer die Anlagen entworfen hatte, auf Schamgefühle hatte er wenig Rücksicht genommen. Der Raum stank noch immer nach den Chemikalien, mit denen die Wartungsteams der Odaga den Schimmel ausgerottet und die Kacheln mit mehr Aggressivität als Gründlichkeit abgeschrubbt und abgespritzt hatten.
Jeder Griff saß, es gab kein Zögern oder Unsicherheit. Einer der beiden Eindringlinge zauberte eine dünne, aber solide Plasteplane hervor, die er auf dem Boden ausbreitete, gleich vorne, im Eingangsbereich der Dusche. Dazu kam ein hoher Klapphocker mit einer Oberfläche aus geriffeltem Kunststoff, den er an der Wand platzierte. Er sicherte die Konstruktion, damit sie nicht wegrutschte. Der zweite Mann kletterte hinauf. Dann begann er mit der Arbeit. Er hantierte sorgfältig, im Bewusstsein eines Mannes, der zwar nicht trödeln durfte, aber wusste, was er zu tun hatte, und dass er ausreichend Zeit dafür hatte.

Die Deckenplatte löste sich vergleichsweise leicht – es war nicht gerade so, als ob hier Qualitätsarbeit geleistet worden wäre. Darunter kam ein Gewirr von Leitungen zum Vorschein – sie speisten die Duschstränge, die sich rechts und links entlang der Wände hinzogen. Der Mann nahm sich Zeit, die Anordnung von Röhren mehrere Minuten gründlich zu betrachten, befühlte die Rohre prüfend. Dann holte er zwei Metallbehälter hervor, jeder etwa so groß wie eine voluminöse Tasse. Ihre Oberfläche wirkte altersfleckig, angelaufen, so dass sie zwischen den Rohren nicht besonders auffielen. Bedächtig platzierte er sie hinter den Rohren und verschraubte sie miteinander. Dann fixierte er sie mit Dichtungsmasse, überprüfte mehrfach, dass sie fest saßen. Schließlich bog er die Kontakte zurecht, die aus einem der „Tassenböden“ herausragten, und befestigte sie an den Wasserleitungen. Ein letzter Tastendruck…fertig.
Einen Großteil der Arbeit musste er praktisch blind ausführen, aber er überprüfte seine Arbeit immer wieder mit einem kleinen Periskop. Aufmerksam betrachte er abschließend die Konstruktion, um sicherzugehen, dass sie bei einer flüchtigen Inspektion nicht zu entdecken war. Nein, dazu musste man schon hinter die Rohre schauen – und genau hinsehen.
Sein Kamerad reichte ihm einige kleine Beutel empor. Bedächtig traf der Handwerker seine Auswahl, und verschmierte dann ein Gemisch aus Dreck und Staub auf den Rohren. Schließlich sollte nicht auffallen, dass hier gearbeitet worden war. Dann brachte er die Deckenplatte wieder an. Er fixierte sie ebenfalls mit Kitt, dessen Oberfläche sorgfältig nachgedunkelt wurde. Mit einem feinen Messer brachte er kleine Risse und Kratzer an, so dass der Kitt älter aussah, schabte kleine Stücke ab, damit sie so wirkten, als wären sie im Laufe der Zeit abgeplatzt. Immer wieder nahm er die benachbarten Platten in Augenschein, glich den Farbton und das Aussehen der Dichtungsmasse ab, bis er schließlich zufrieden war. Und keine Minute zu früh, denn in diesem Moment signalisierte ihm sein Kamerad, dass die Viertelstunden-Warnung gerade erfolgt war. In 15 Minuten war frühestmöglich mit der nächsten Patrouille zu rechnen. Schnell kehrten sie die Spuren ihrer Arbeit zusammen, die über den Rand der Plasteplane gefallen seien mochten.

Das Gesicht des Mannes verzog sich zu einem sardonischen, wenn auch flüchtigen Lächeln, als er seinem Kameraden zunickte. Die Konstruktion war ausgeklügelt, aber nicht überambitioniert. Sicher, es gab Höllenmaschinen, die ganze Gebäude in die Luft jagen konnten, aber sie benötigten viel Platz, und waren deshalb relativ leicht aufzuspüren. Im konkreten Fall war es sinnvoller, nicht zu hoch zu zielen. Zumal sie noch nicht genau wussten, welches Quartier ihre Zielobjekte genau beziehen würden. Es gab noch mindestens zwei andere Anlagen, welche die Odaga und Shimatze vorbereitet hatten. Eine davon hatten sie bereits ,besucht‘, die andere würde in zwei, drei Tagen an die Reihe kommen.
Falls die Höllenhunde aber hierher kommen sollten…dieses kleine Schmuckstück sollte allein schon ausreichen, um ihnen einen schmerzhaften Schlag zu versetzen. Es war gar nicht dazu gedacht, die feindliche Einheit vernichtend zu treffen. Es sollte sie dort verwunden, wo es wirklich wehtat, in einem Moment und Umfeld, wo sie sich sicher fühlten. Der psychologische Effekt mochte wirkungsvoller sein, als die physischen Schäden.
Immer wenn heißes Wasser durch die Rohre strömte, würden die Sensoren das registrieren. Sie waren so eingestellt, dass sie erst dann „zählten“, wenn die Rohre sich bis zu einer bestimmten Temperatur aufheizten, sprich, wenn das Wasser lange, aus mehreren Duschköpfen lief. Und nach einer genau festgelegten Zahl von Durchgängen – drei an der Zahl, um genau zu sein – würde der nächste Kontakt die Ladung zünden. So vermied man, dass die Bombe schon beim ersten Testbetrieb hochging. Die Zündkonstruktion war mehrfach ,auf dem Trockenen‘ erprobt worden, und hatte jedes Mal funktioniert. Die Sprengladung war nicht sehr stark – etwas größer als eine handelsübliche Handgranate. Das lag daran, dass die Treibladung improvisiert war, kein militärischer Sprengstoff, sondern eine Eigenmischung. Nicht wirklich durchschlagskräftig, aber dafür nur sehr schwer mit einem Chemsniffer oder Sprengstoffhund aufzuspüren – selbst wenn der Duschraum nicht ohnehin durchdringend gestunken hätte. Und der eigentliche Gefechtskopf…nun, auch er war mit Bedacht ausgewählt. Wenn die Ladung explodierte, würde sie unzählige Hartplastsplitter durch den Raum jagen, wie eine gigantische Nadlerwaffe. Die Durchschlagskraft war begrenzt – aber unter der Dusche stand man nun mal üblicherweise nicht mit einer Splitterschutzweste. Und als kleines Extra hatte er ein starkes Rattengift unter die Splitter gemischt. Der Gerinnungshemmer würde den feindlichen Sanitätern zusätzliche Probleme bereiten – wenn alles glatt ging.

Dies war nicht die erste Sprengladung, die der Mann gelegt hatte, es war vermutlich nicht einmal die hundertste. Es war ein schmutziger, heimtückischer Krieg, und er wusste, dass es viele Krieger gab – vom einfachen Soldaten bis zu den höchsten Rängen – die mit Verachtung, Hass, und natürlich auch mit Furcht auf ihn und seinesgleichen blickten. Aber das kümmerte ihn wenig. Narren, die vergaßen, dass es im Krieg nicht in erster Linie darauf ankam, die eigene ,Ehre‘ intakt zu halten, sondern zu überleben und zu gewinnen, interessierten ihn wenig. Seine augenblicklichen Vorgesetzten waren da ohnehin von anderem Kaliber. Sie wussten, was sie an ihm und seinen Kameraden hatten.
Blieb nur zu hoffen, dass die Falle auch zuschnappte. Aber wenn nicht – was natürlich immer im Bereich des Möglichen lag – dann hatten sie noch ein paar andere Leinen ausgelegt. An der einen oder anderen würde schon noch ein Fang zappeln.

****

Zur gleichen Zeit, an einem anderen Ort

Zwerg setzte den elektronischen Feldstecher ab: „Sie sind draußen. Noch immer nichts von der nächsten Patrouille zu sehen.“
Beast, der neben ihm kauerte, knurrte etwas. Es mochte Zustimmung sein, Erleichterung, Zufriedenheit – oder auch nicht. Der Einsatzleiter des Teams ließ sich selten anmerken, was er fühlte. Ihr Standort war geradezu der perfekte Platz, wenn man die ehemalige Betta-Fabrik im Auge behalten wollte. Das fünfzehn Stockwerke hohe Wohnhaus quoll nur so von Bewohnern übrig, die sich unmöglich alle kennen konnten – zumal die Menschen auf Sulafat gelernt hatten, sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Unter den Bewohnern waren Kaukasier und verschiedene Gruppen von Asiaten, so dass kaum ein Erscheinungsbild WIRKLICH aus dem Rahmen fiel. Das Dach bot genug Deckung, mit den zwei Aufbauten, in denen die Motoren und Winden für die Personenaufzüge untergebracht waren, dazu Antennen und einigen kleinen aber soliden Windrädern. Und es war so zugebaut – und die Luft in der Stadt ausreichend schlecht – dass kaum einmal jemand einfach so hier hoch kam. Das Fabrikgelände war gerademal 400 Meter entfernt, und man hatte einen guten Blick auf die Einfahrt und den großen Platz zwischen den Lagerhallen und dem eigentlichen Fabrikgebäude. Und schließlich und endlich gab es in geringer Entfernung eine Hochbahnstation – von normalen Straßen und Wassertaxis ganz abgesehen – so dass man problemlos kommen und zur Not in einiger Eile auch wieder verschwinden konnte.
Wahrlich, der perfekte Ort für einen Beobachter – oder Scharfschützen.
Zwerg rieb sich nachdenklich das Kinn. ,Perfekt. Der perfekte Ort für die nächste kleine Überraschung.‘
Er hatte das Team schon ein paar Mal im Einsatz gesehen, und er fragte sich, ob diese Höllenhunde auch nur ahnten, mit was sie es zu tun hatten. Sie würden das erfahren – auf die harte Tour. Für einige würde es die letzte Erfahrung ihres Lebens werden…


Ende
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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17.11.2018 13:18 Forum: Söldner


So, dann kommt mal wieder was von mir. Langsam muss ich ja wohl mal unangenehm werden... großes Grinsen
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

Antworten: 1.048
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23.10.2018 18:13 Forum: Kurzgeschichten


Cunningham: Hm, das macht mir etwas Sorgen...

Tyr und die anderen: Jepp, bei Lilja ist das genau so. Sie hat ja auch über Knights Beziehung mit Huntress weggesehen. Sie sieht das Fraternisierungsverbot im Grund als idiotisch an. Nur kommt für sie eben der Auftrag immer zuerst, und Piloten (oder Pilotinnen) die sich wegen Herzens- oder Triebangelegenheiten gehen lassen oder zoffen, sind bei ihr genau so unten durch wie jemand der sich vor einem Einsatz betrinkt. Sie hat wenig Verständnis für alles was sie als Schwäche sieht.

In diesem Fall freilich kommt etwas besonderes hinzu: Bobcat hat mit ihrer Paranoia nicht ganz Unrecht, allerdings liegt das zu dem Zeitpunkt noch etwas in der Zukunft. Denn Lilja hat ja dann Cartmell (das war aber erst nach unserer Ankunft im Sterntor-System) als Ablenkungsmanöver für die Schlapphüte missbraucht und seine Intimfeindin darauf verwiesen, mit ihm doch die Scarface-Nummer abzuziehen. Sprich, ihm seine Dienstvergehen die er zweifelsfrei begeht um die Ohren zu hauen um ihn
a) anzumisten und vor allem
b) bei seiner tollen Selbstkontrolle darauf zu hoffen, dass er ausflippt und erst Recht daneben benimmt.
Womit sie ihn aus dem Cockpit hätte, was ja Eda vor allem will. Viel einfacher als die Piratensache zu verfolgen...

Was übrigens Bobcats Meinung über Lilja angeht, wäre die eine Fundgrube für einen Psychologen. Ich meine, Lilja verschwendet nicht annähernd so viel Gedanken und Spucke damit Bobcat runterzumachen oder auch nur wahrzunehmen, was die so ähm treibt... Augenzwinkern
In dem Moment freilich wo die Chefin der Grünen den Eindruck hätte Bobcat wäre schlecht für das Geschwader...
Was sie vermutlich nicht so schätzt ist, dass Bobcats durch die Betten hüpfen die Wahrscheinlichkeit einer emotionalen Komplikation natürlich deutlich erhöht. Einfache Mathematik - dass einer von der Typen (und Typinnen) das nicht so gut verkraftet ist nun mal höher.

Ich weiß ja nicht, ob euch das aufgefallen ist, aber eine Äußerung wie

"Wenn zu dem Erfolg dazu gehört, dass einen deutlich mehr Leute nicht ausstehen können, als sie mit dir befreundet sind, dass will ich nicht haben."
zu Cartmell zu sagen ist schon fast sadistisch zu nennen großes Grinsen
Der hat ja nicht so viel Erfolg wie Lilja UND ist ebenfalls bei weniger Leuten beliebt als unbeliebt... großes Grinsen
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

Antworten: 1.048
Hits: 73.057
20.10.2018 17:14 Forum: Kurzgeschichten


Ace: Nun, es gibt auch noch andere mögliche Erklärungen, die zutreffen können oder nicht:

a) Ace war vielleicht nicht wirklich in den kritischen Zonen. Du darfst die normale hohe Strahlung in Medusa nicht zwangsläufig als Ursache annehmen. Das ist es was die Ärztin annimmt (ohne zu wissen, dass es um Medusa geht). Aber stimmt das? Vielleicht gibt es ja auch einen anderen Auslöser, der etwas mit Liljas Flug über die geheimnisvollen Strukturen auf dem Mond zu tun hat?

Und glaub mir, die Spacer, die ähnlichen Dingen bisher zu tun hatten sind zumeist entweder tot...oder schlimmer dran. Teufel
Mary C, Kopernikus, Stardancer...
Klingt das für dich danach, als ob sie das gut abkönnten?
Vielleicht war Lilja nah genug dran, um einen Schub zu bekommen, aber nicht so nah, dass es (bisher) wirklich heftig wurde. Die Spacer hatten das Glück nicht.

b) Tja, es gibt eben auch gesunde Ochsen... Augenzwinkern großes Grinsen
Sprich, nicht jeder reagiert zu 100 Prozent gleich. Es kann allerdings in der Tat auch sein, dass Ace's DNA schon so versaubetelt ist, nicht nur wegen dem Zwischenfall mit der Atomrakete (ich weiß jetzt gar nicht mehr ob die Geschichte mit dem Reaktorunglück und seiner blauen Haarfarbe stimmte oder es nur seine Spinnerei ist), dass die Auswirkungen auch infolge der geringeren Katalysator-Wirkung die er im Vergleich zu Lilja abbekommen hat, weitestgehend unterdrückt wurden.

Was Schiermers Karrieresprung angeht, IST der in der Tat bemerkenswert. Aber er ist ja auch viel erfahrener als sie UND die Peshten sind da sehr...liberal. Wenn sie in der freien Wirtschaft vulgo Söldnerin wäre, hätte sie es vielleicht auch schon weiter gebracht...

Bezüglich des Duells melde ich mich. Aber ich denke ich gebe dir eher ein paar Anregungen als einen eigenen Text.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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16.10.2018 21:56 Forum: Kurzgeschichten


Heh, hier wird nicht gespoilert! Augenzwinkern
Aber Spaß beiseite, die "Geistergeschichte" aus Season drei hat sich ja recht gut entwickelt, wenn auch langsam. Aber noch ist nichts in Stein gemeißelt...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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16.10.2018 16:18 Forum: Kurzgeschichten


Vielen herzlichen Dank.
Ist aber natürlich eher nur Nebenhandlung...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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13.10.2018 20:49 Forum: Kurzgeschichten


Ich habe mal einen neuen Text gepostet, eher was zur Überbrückung...
Ich hoffe, keiner hat was daran auszusetzen.
Thema: Hinter den feindlichen Linien - Season 7 - Zwischen Himmel und Hölle
Cattaneo

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13.10.2018 20:48 Forum: Kurzgeschichten


Persönlich und wichtig

Planetarer Orbit, Gamma-Eridon System

Die Stimme aus dem Funkgerät klang seltsam verzerrt, so dass Lilja sich konzentrieren musste, um die Worte zu verstehen: „Deckungsgruppe…keine Konta…Grünes Lich…hole… s Licht.“ Die Russin unterdrückte einen ihrer berühmt-berüchtigten Mutterflüche. Noch so eine Besonderheit der Operationen in diesem System war die unglaublich ,dicke Luft‘, die hier herrschte. Die Kaiserlichen, die Peshten und die TSN taten ihr Bestes, die gegnerischen Sensorerfassungen und den Funkverkehr zu stören. Da beide Seiten in etwa gleichstark waren, sowohl technisch als auch zahlenmäßig, sorgte das dafür, dass in elektronischer Hinsicht in manchen Gegenden Zustände herrschten wie mitten in einer ausgewachsenen Raumschlacht. Boden- und raumgestützte ECM- und ECCM-Systeme wetteiferten miteinander, und dazu kam der Schrott aus den vorangegangenen Kämpfen. Nicht zu vergessen der Umstand, dass drei unterschiedliche Streitkräfte um die Frequenzen konkurrierten. Folglich gab es zumindest in der Nähe des Planeten immer mal wieder Aussetzer in der Kommunikation und Sensorik. Der einzige Trost war, dass es dem Gegner nicht viel besser ging. Aber der Gedanke an gegnerische Probleme – etwas, das Lilja sonst zuverlässig aufheiterte – half wenig, wenn man einen Job hatte, bei dem es auf gute Kommunikation und Zielerfassung ankam.

Im Moment war eine Sektion der Fighting Stallions ausnahmsweise mal zu etwas anderem als Tiefraum- oder Defensivpatrouillen beziehungsweise Geleitschutzaufgaben in der Atmosphäre abkommandiert worden. Es gab Hinweise, dass die kaiserlichen Truppen in den letzten Tagen über deutlich verbesserte Sensordaten verfügten, nach denen sie ihr Artilleriefeuer dirigieren konnten. Dafür gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten – es war ja nicht so, dass sie sich einfach ein paar Kristallkugeln von ihrer Heimatwelt kommen lassen konnten.
Entweder, es gab einen (oder mehrere) neue Verräter in den Reihen der Peshten, oder die Echsen hatten eine Möglichkeit gefunden, ein, zwei Spähsatelliten durchzuschleusen. Nicht, dass Verrat auszuschließen war, selbst wenn man die ganzen Vorurteile von den „verräterischen Peshten“ mal beiseiteließ. Aber ungeachtet ihrer russischen Herkunft und ihrem manchmal an den Tag gelegten Verhalten war Lilja nun einmal keine Tschekistin. Die ein, zwei Male, wo sie sich auf dem Feld versucht hatte, waren die Erfolge…nun, seien wir ehrlich doch sehr begrenzt gewesen. Also konnte sie sich nicht mit DIESEM Problem beschäftigen. Aber sie konnte ihr Möglichstes tun, um nach getarnten Satelliten zu suchen.

Und deshalb waren sie hier. Ein Flight – Marine und Shoki – fungierte als Rückendeckung, in deutlichem Abstand vom Planeten und deshalb weitaus besser geeignet, potentielle Angreifer oder Raketen zu entdecken, die die Atmosphäre und Planetenkrümmung als Deckung benutzten. Lilja und ihr Wingkamerad Knight führten die eigentliche Suche in einem deutlich tieferen Orbit durch, was sie einer erheblich größeren Gefahr von Beschuss aussetzte. Um mögliche getarnte Satelliten aufzuspüren, waren ihre Kampfflieger mit zusätzlichen Sensorpods ausgestattet worden. Bisher hatten sie jedoch nichts finden können.
Natürlich war es nur naheliegend, dass die Echsen ihre unbemannten Spione möglichst gut tarnten. Bei dem ganzen Schrott hier war ein Objekt, das passiv ortete, zur Aufklärung gegen Bodenziele vor allem auf Hochleistungsoptik setzte und keine Positionskorrekturen durchführte, nur sehr schwer zu orten. Vor allem wenn man seine äußere Hülle unauffällig gestaltet hatte. Man musste versuchen, den verdammten Schnüffler beim Datentransfer zu überraschen. Aus diesem Grunde…
Die Russin atmete tief durch: „Achtung Grün Zwei, bereitmachen…starte Countdown zum Schaulaufen ab JETZT…Zehn…Neun…“
Sie fühlte sich verdächtig an ihren Einsatz gegen die Piraten erinnert – genau wie damals ging es darum, genau das zu erreichen, was ein kluger Jagdpilot normalerweise so weit als möglich vermied: Gesehen und geortet zu werden.
Das Kalkül war natürlich denkbar simpel. Man wollte die Spähsatelliten genug zu sehen geben, so dass sie sich veranlasst sahen, eine Nachricht abzuschicken. Eine Botschaft, die zumindest auf kurze Distanz angepeilt werden konnte. Nicht umsonst verfügte die Falcon über exzellente Sensoren.

In dem Moment, als sie heruntergezählte hatte, beschleunigte die Russin ihren Kampflieger abrupt. Während sie ein kunstvolles Ballett von Manövern, Brems- und Beschleunigungssequenzen abspulte, schaltete sie zugleich ihre Aktivortung auf volle Leistung – nicht nur, damit ihr nichts entging, auch um passive Beobachter von ihrer Gegenwart in Kenntnis zu setzen. Manchmal klopfte man an die Tür, und manchmal benutzte man einen Vorschlaghammer um sich anzukündigen – oder eine Abrissbirne.
Ihre Finger huschten über die Anzeigen. In einem unablässigen Wechsel feuerte sie Täuschkörper ab, einen Misch aus Infrarot-, Radar- und FFI-Köder. Für die ,dummen‘ Beobachter – Satelliten waren meist mit einer rudimentären KI ausgestattet, die freilich nicht wirklich INTELLIGENT war – musste das hoffentlich so aussehen, als fände hier ein Luftkampf statt, als wäre mindestens eine Staffel TSN-Flieger unterwegs. Wenn alles glatt ging. Es blieb nur zu hoffen, dass ihnen nicht der extrem kurze, komprimierte Datentransfer – wenn der Spitzel gerade in Reichweite war – entging. Die Gefahr wuchs natürlich, je länger sie ihren Zirkus veranstaltete, denn die Manöver zehrten an den Nerven.
Es war ihre langjährige Erfahrung als Aufklärerin, die Jahre an Praxis auf unzähligen Patrouille- und Erkundungsflügen, die sie auch diesmal nicht im Stich ließen. Es war nur ein minimaler Ausschlag ihrer durch den Sensorpod zusätzlich verbesserten „Augen und Ohren“, der einer anderen vielleicht entgangen wäre. Blitzschnell stellte sie ein paar Messungen an, verglich ihre Anzeigen und Erfahrungswerte…Das war gekommen von…genau DA!
Die Russin ließ ihren Kampfflieger fast um sich selbst rotieren: „KONTAKT…Sensordaten folgen…Gehe zum Angriff über!“ Es mochte nur eine Blechbüchse sein, die sie zu vaporisieren im Begriff war, aber das trübte ihre Stimmung nicht im Geringsten. Wie so oft jagte das Adrenalin durch ihre Adern. Manche Menschen lebten für die Jagd – doch Lilja fieberte nur dem Moment des Abschusses entgegen.
Binnen weniger Sekunden hatte sie ihr Ziel erfasst. Sie würde zwei Raketen starten – sicherheitshalber auch noch ihre Kanonen abfeuern. Es war ja nicht auszuschließen, dass die Echsen den Satelliten mit Täuschkörpern ausgestattet hatten. Sie durfte allerdings auch nicht zu nahe heranfliegen, denn es war EBENFALLS möglich, dass der verdammte fliegende Kühlschrank vermint war, um eine Bergung zu verhindern.
Die Staffelchefin der Fighting Stallions führte die nötigen Handgriffe fast schon so automatisch aus, wie jemand anderes atmete. Ein Ziel zu erfassen und zu vernichten war ihr gewissermaßen in Fleisch und Blut übergegangen. Schnelligkeit und Präzision – die Grundvoraussetzungen für den Erfolg. Mit einem schmalen Lächeln betätigte sie die Feuerknöpfe, verfolgte die Bahn der Flugkörper…

Lilja gehörte zu den besten Piloten der Angry Angels – wenn auch zum Gutteil nur deshalb, weil einige ihr wahrscheinlich überlegene Piloten inzwischen nicht mehr im Geschwader weilten. Sie hatte den Krieg vom ersten Tag an mitgemacht, unterbrochen nur durch Phasen gesundheitlich bedingter Dienstuntauglichkeit. Aber wenn es eine Lektion gab, die sie immer wieder auf die harte Tour gelernt hatte, dann dass man sich nie auf irgendetwas verlassen konnte. Am allerwenigsten darauf, den Gegner wirklich zu kennen. Stets galt es Acht zu geben, dass der nicht irgendeinen neuen, niederträchtigen Trick aus dem Hut zauberte. Wie sie es einmal in der für sie typischen, charmanten Art und Weise ausgedrückt hatte: „Der Tag, an dem der alte Hund aufhört, neue Tricks zu lernen, ist der Tag, an dem er ein toter Hund ist.“ Es war einmal mehr Zeit, dass sie diese Lektion wieder eingeprügelt bekam.
Das Heulen des Alarms schnitt durch die Stille in ihrem Cockpit wie ein Messer durch Butter. Ein halbes Dutzend Anzeigen leuchteten hektisch auf. Lilja handelte instinktiv, wenn auch in für sie typische Art und Weise – sie betätigte noch einmal den Feuerknopf für ihre Raketen, schickte zwei weitere Flugkörper auf die Reise. Fast zeitgleich hieb sie auf den Nachbrenner, während sie die Steuerdüsen malträtierte und wie wild Störkörper abfeuerte – doch diesmal nicht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das rettete sie nicht, erkaufte ihr aber wertvolle Zeit, und wenn es nur ein paar Sekunden waren.
Das Bild, das ihr die Sensoren boten war wahrhaft beängstigend. Offenbar hatten sich die Echsen nicht damit begnügt, ihren Spion mit einer Mine zu impfen. Sie hatten sie zudem bis an die Zähne bewaffnet – eine letzte Rückversicherung für den Fall, dass der Spionagesatellit geortet wurde. In dem Moment, in dem ihre Zielerfassung scharfgemacht worden war, hatte die KI den bevorstehenden Angriff registriert und Gegenmaßnahmen eingeleitet – einschließlich einem halben Dutzend Raketen, die auf den Angreifer abgefeuert wurden. Und die schlossen nun zu Lilja auf.
„Knight – Ausweichmanöver, Kurs 90 Grad zu mir!“ Es mochte nicht sehr edel sein, ihren Wingman aufzufordern, nach Möglichkeit ein oder zwei Raketen auf sich zu ziehen, aber es war folgerichtig. Ein Jäger, der von sechs Raketen verfolgt wurde, hatte kaum eine Chance. Waren es zwei, hatte er hingegen noch ganz gute Karten – und bei vier zumindest einen Rest Hoffnung. Wenn sie die Zeit gehabt hätte, hätte sie vielleicht ihre Rückendeckung auch noch herangepfiffen, damit diese mit ihren Täuschkörpern die Raketen verwirrten, aber zum einen flogen die feindlichen Raketen relativ dicht beieinander – sollten sie gemeinsam einen ihrer Untergeben auffassen konnte das übel ausgehen. Und sie würde vermutlich nicht genug Zeit haben, um so eine Rochade zu versuchen.

Eine Explosion weit hinter ihr kündete davon, dass mindestens einer ihrer Störkörper seinen Zweck erfüllt hatte. Das war freilich nur ein kleiner Trost – ihr Vorrat ging nämlich langsam zur Neige, aufgrund der Schauvorstellung, die sie zuvor abgezogen hatte. Nur bei den IR-Störkörpern sah es noch etwas besser aus, aber da die feindlichen Raketen sie frontal angepeilt hatten, nicht ihr Heck, konnte es sich ohnehin nicht um Wärmesucher handeln. Was bedeutete, bei der Hund-und-Hasenjagd, die ihr bevorstand, konnte sie den wesentlich schnelleren Hunden kaum Knüppel zwischen die Beine schmeißen. Aber das war kein Grund, aufzugeben. Die Russin biss die Zähne zusammen, dann beschleunigte sie einmal mehr ihren Jäger.
Die nächsten Sekunden – zwanzig, höchstens dreißig – zogen sich hin wie eine Ewigkeit. Ihr Jäger führte Manöver aus, die Zivilisten, unerfahrene Piloten und vielleicht sogar die Konstrukteure der Maschine für kaum möglich gehalten hätten. Eine Handbreit vom sofortigen Tod in der feurigen Umarmung der Raketenexplosionen entfernt, und eine Fingernagelbreite von einer nicht minder tödlichen Ohnmacht tanzte die Falcon mit den Flugkörpern. Die Zielsuchköpfe hatten mit den irrwitzigen Pirouetten des Jägers zu kämpfen, ebenso mit den verbleibenden Täuschkörpern, die die Russin abfeuerte. Eine Rakete war gleich zu Beginn der Verfolgungsjagd detoniert, eine weitere war von Knight abgelenkt worden. Eine dritte hatte sie abschütteln können. Blieben noch drei. Und das waren definitiv zu viele für ihre Schilde, selbst wenn sie jedes Fitzelchen Energie auf die Heckschilde umleitete. Was bedeutete, sie war geliefert, wenn nicht…

Ein Plan, eher der Entwurf eines Planes nahm in ihrem Kopf Gestalt an, zusammengesetzt aus eigenen Erfahrungen – einen ähnlichen Stunt hatte sie schon einmal gewagt – und dem, was sie von Kameraden gehört hatte. Sie wusste, sie würde niemals die Zeit haben, das bis zum Ende zu durchdenken. Manchmal musste man eben etwas riskieren.
Ihre Stimme überschlug sich förmlich, als sie eine Funkverbindung öffnete: „Stallion Leader an alle, auf mein Zeichen alle Sidwinders auf meine Position abfeuern! DREI…ZWEI…EINS – JETZT!“
Es war wohl nur ihrem Ruf als furchterregende Kommandeurin zu verdanken, dass ihre Untergebenen gehorchten – das, und dem Umstand, dass gut zu erkennen war, wie verzweifelt ihre Situation war.
Sechs wärmesuchende Kurzstreckenraketen lösten sich von den Falcons, die in sicherem Abstand ihre Flucht begleitet hatten. Die Russin feuerte ihrerseits zwei weitere Raketen auf einem vorprogrammierten Kurs ab. Andere Leute hätten vielleicht gebetet, aber Lilja fauchte nur einen unflätigen Fluch, als sie den Nachbrenner erneut malträtierte, wohl wissend, dass ihre Treibstoffvorräte das nicht mehr ewig mitmachen würden.
Die Maschine machte einen Satz nach vorne, Liljas Körper wurde mit mörderischer Wucht in den Sessel gedrückt, als sie den Nachbrenner bis zum Anschlag ausreizte. Sie kreuzte gedanklich die Finger, und…

Die Kette von Explosionen ließ ihren Kampfflieger erzittern, sich förmlich überschlagen. Im Weltall, wo es kaum Gas oder Flüssigkeit gab, die den Druck leiteten, wollte das wahrlich etwas heißen. So musste sich ein Lachs oder Hase fühlen, wenn er im Maul des Bären steckte. Warnlichter leuchteten auf, Alarmtöne gellten – aber das Flackern von Feuer oder das tödliche Zischen entweichender Atmosphäre blieben aus.

Lilja brauchte einen Moment, bis sie sich einen Überblick verschaffen konnte. Es war gut, dass sie ohnehin saß, sie war sich nämlich ziemlich sicher, dass ihre Beine sie nicht getragen hätten. Erst schrittweise realisierte sie, dass ihr Plan geglückt war. Sie hatte ihren Kameraden befohlen, die Sidewinder auf ihre Position abzufeuern, da sie wusste, dass die IR-Suchköpfe einen Jäger im Weltraum nur dann verlässlich erfassen konnten, wenn sie auf sein Heck zielten. In dem Moment, als sie beschleunigte, hätte sie eine volle Breitseite IR-Täuschkörper ausgestoßen. Die sechs Kurzstreckenraketen – ergänzt um ihre eigenen zwei Sidewinder, die sie als programmierte Kreisläufer abgefeuert hatte, hatten dann auch diesem Angebot an Ködern nicht widerstehen können. Sie waren dicht hinter ihrem Heck detoniert – und das hatte Lilja auch die imperialen Raketen vom Hals geschafft, die besagtem Heck schon sehr nahe gewesen waren. Sie waren direkt in die Kette von Explosionen hineingeflogen.
Erst im Nachhinein wurde ihr klar, was für einen Mordsdusel sie gehabt hatte. Schließlich hatte die Explosion der Sidewinder ihre Schilde ebenfalls geschwächt. Wäre nur eine der feindlichen Raketen dem Inferno entgangen und auf Kurs geblieben…lieber nicht darüber nachdenken.
Aber sie wusste, was sie sich schuldig war, auch wenn sie innerlich mit den Zähnen klapperte. Sich bloß nichts anmerken lassen. Das schuldete sie ihrem eigenen Ego, viel mehr aber ihren Untergebenen. Schließlich mussten die sich auf ihre Chefin verlassen können: „Also…Green Leader, einsatzbereit. Danke…ihr habt was bei mir gut. Hat jemand von euch den verdammten Spähsat auf dem Radar?“
Marines Stimme klang betont sachlich – wie Lilja war sie keine Frau, die Gefühle besonders gerne öffentlich zeigte: „Der ist hin. Deine Raketen haben ihn pulverisiert, kaum, dass er gefeuert hatte.“ Sie zögerte, und nun klang ihre Stimme geradezu verdächtig trocken: „Wollen wir die Suche fortsetzen? Es könnten ja noch mehr von der Sorte draußen sein?“
Lilja knirschte mit den Zähnen. Natürlich, wer den Schaden hatte, brauchte für den Spott nicht zu sorgen. Aber sie würde nicht der Pilotin über den Mund fahren, die ihren Teil beigetragen hatte, ihren Hintern zu retten: „Für heute reicht es mir. Meine Maschine braucht eine gründliche Überprüfung, mit Maniküre und Pediküre ist das nicht getan. Und dann sollten wir eine Warnung rausgeben, was die Drecksechsen sich als neue Schweinerei ausgedacht haben…“
Sie hatte gesiegt – wieder einmal. Es war knapp gewesen – wie so oft. Und einmal mehr fragte sie sich, wie viele ihrer…waren es sieben oder neun?...Leben sie inzwischen aufgebraucht hatte. ,Vermutlich zwölf….oder eher fünfzehn.‘

******

TRS Columbia, Gamma-Eridon System, einen halben Tag später

Dr. Khady Diatta, ihres Zeichens Juniorärztin im Team der Columbia, war entgegen ihres inoffiziellen Titels keineswegs unerfahren. Gewiss, sie war noch nicht so lange an Bord des Trägers wie die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen, und das schloss auch das Pflegepersonal mit ein. Es gab zwar immer mal wieder Fluktuationen – einige Mitarbeiter qualifizierten sich für verantwortungsvollere Posten auf anderen Schiffen, manche waren auch nach mehreren Jahren Einsatz ganz einfach „abgeflogen“ und brauchten eine Luftveränderung. Selbst die TSN tauschte hin und wieder Männer und Frauen an Bord der Frontschiffe aus, wenn es sich machen ließ und er oder sie ein wenig Glück und Hilfe hatte…
Aber im Großen und Ganzen war das vor der Jungfernfahrt des Trägers zusammengestellte Team relativ stabil geblieben, sah man von dem kleineren Erdbeben ab, das den „Sturz“ von Dr. Langenscheidt begleitet hatte. Langenscheidts Weggang hatte auch mittelbar zu einigen anderen Veränderungen geführt. Dr. Diatta, die erst im Zuge besagten Umbruchs an Bord gekommen war, kam gerade rechtzeitig für die Schlacht um Sterntor. Aber das hieß nicht, dass dies ihr erstes Rodeo gewesen war. Sie hatte nach ihrem Abschluss als vollwertige Flottenärztin und einer kurzen Probezeit als Assistenzkraft zwei Jahre an Bord einer Patrouillenkorvette in der imperiumsfernen Peripherie der FRT gearbeitet. Derartige Posten galten als gute Probe für den Ernstfall an der Front. Zwar musste man selten mit einer größeren Zahl von Verwundeten fertig werden, wenn es nicht einen schweren Unfall an Bord eines Militär- oder Zivilschiffes gab. Aber man lernte eigenverantwortlich zu handeln, mit Engpässen umzugehen und musste geistig beweglich bleiben. Viele der Patrouillenschiffe hatten nur eine Ärztin und zwei, drei Sanitäter an Bord, die damit für Aufgaben von Anästhesie bis Zahnmedizin benötigt wurden.
Danach hatte sie mehr als ein Jahr auf einem Frontzerstörer gearbeitet, und schließlich das große Los gezogen – Ärztin auf einem Flottenträger. Sie besaß also durchaus Einsatzerfahrung.

Sie hatte folglich angenommen, dass sie nichts so schnell überraschen könnte. Aber dann hatte man ihr eine neue Aufgabe aufs Auge gedrückt. Zunächst hatte es nur nach etwas Extraarbeit ausgesehen, lästig, aber mehr auch nicht. Inzwischen aber musste sie zugeben, dass ihr irgendetwas an der Sache ziemlich spanisch vorkam…
Angefangen hatte es eigentlich harmlos, wenn auch ein wenig merkwürdig. Man hatte ihr von vorgesetzter Stelle zu verstehen gegeben, dass sie bei einer der Pilotinnen – und vielleicht künftig auch noch bei ein, zwei anderen Besatzungsmitgliedern – Hirnscans vornehmen sollte. Man hatte betont, dass die Untersuchungen freiwillig waren und sie sich größtmöglicher Höflichkeit zu befleißigen hatte. Als Erklärung hatte man ihr etwas über eine Stresstest-Studie erzählt, was verdächtig nach Bullshit roch, denn eigentlich war die Zielgruppe zu klein und die TSN nicht gerade dafür bekannt, Geld und Personal für derartig ‚weiche‘ Aufgaben zu verschwenden. Und vor allem begann man solche Studien nicht mitten im Einsatz. Aber als „Frischling“ stand es ihr nicht an, Anweisungen in Frage zu stellen. Nicht, wenn sie von einer Vorgesetzten kamen, die in der Ranghierarchie mehrere Stufen über ihr stand. Also hatte sie Order pariert. Glücklicherweise ging es im Moment nicht ZU hektisch zu. Die Zahl der Gefechtsverletzungen war minimal, und die Crew arbeitete – noch – nicht in der für eine Schlacht typischen Atmosphäre von tagelangem Dauerstress, die unweigerlich zu Erschöpfungszuständen, psychosomatischen Erkrankungen und den unvermeidlichen Unfällen führte. Doch ihre Zuversicht hatte bald einen gehörigen Dämpfer verpasst bekommen – angefangen mit dem Objekt der Untersuchung.

Lilja hatte eine ganze Weile mit sich gerungen, ehe sie sich schließlich dazu durchgerungen hatte, zu einer der gewünschten medizinischen Untersuchungen aufzukreuzen. Schließlich hatte sie sich aber doch eines ‚Besseren‘ besonnen.
Zum einen wollte sie vermeiden, durch zu bockiges Verhalten negativ aufzufallen. Und zum anderen hatte sie sich kundig gemacht, dass Gehirnscans eben doch kein echtes Gedankenlesen waren, schon gar nicht ein Kramen in den Erinnerungen. Sprich, wenn sie nicht gerade an einem Tag hinging, an dem sie auf Grund intensiver nächtlicher Alpträume oder eines besonders stressigen Einsatzfluges angeschlagen war, bestand nach gesundem Menschenverstand keine Gefahr, dass bei ihr irgendwelche auffälligen Befunde festgestellt wurden. Totalverweigerung mochte mehr Aufmerksamkeit und Misstrauen erregen, als ein wenig Schummelei.
Sie hatte das in ihren Augen Überflüssige mit dem Notwendigen verbunden und zugleich einen Routine-Check-up erbeten. Solche Überprüfungen mussten die Piloten ohnehin in regelmäßigen Abständen absolvieren. Schließlich muteten sie sich einiges zu und übernahmen zugleich die Verantwortung für Ausrüstung im Wert von mehreren Millionen Credits - und oft auch für mehr als ,nur‘ ihr eigenes Leben. Da waren Störfaktoren möglichst auszuschalten. In Krisensituationen sah das freilich anders aus, dann wurden nicht selten übermüdete, nur ungenügend ausgeheilte Männer und Frauen in den Einsatz geschickt.
Böse Zungen meinten, Piloten wie Lilja – und mehr noch Ohka – wären um eine Menge solcher Untersuchungen herumgekommen, weil sie sich so oft mit echten Verwundungen auf die Krankenstation befördern ließen, dass man dort stets über ein aktuelles Gesundheitsprofil verfügte. Sie blieben einfach nicht lange genug gesund, um irgendwelche neuartigen Befunde abseits vom Offensichtlichen – ein Beinbruch, Verbrennungen, Schrapnellverletzungen – zu entwickeln.
Es war ja auch nicht völlig auszuschließen, dass sie im Zuge des letzten Einsatzes leicht lädiert worden war. Also warum den Punkt nicht gleich auf ihrer Liste abhaken?
Der Befund, den sie erhalten hatte, war jedoch ein völlig unerwarteter gewesen. Die Interpretation der Hirnscans war für sich schon interessant genug, doch das war etwas für Fachleute. Nein, was der Ärztin wirklich Sorgen bereitete, war etwas anderes.

Dr. Diatta hatte in ihrer Laufbahn schon mehrfach schlechte oder überraschende Nachrichten überbringen müssen. Patienten reagierten darauf meist mit einer Variation von einigen wenigen Bewältigungsstrategien. Wenn der Befund wirklich nicht in den Kram passte, gab es die Optionen Verzweiflung und Fassungslosigkeit, Verweigerung, Zweckoptimismus und Stoizismus, nicht selten gewürzt mit einer Prise Galgenhumor. Diesmal hatte sie es mit einem Lehrbuchbeispiel für Stoizismus zu tun, angereichert mit Widerborstigkeit.
Ihre Patientin hatte kaum mit der Wimper gezuckt, als sie die Diagnose erhalten hatte. Es musste überraschend für sie gekommen sein, aber sie hatte den Schock erstaunlich gut weggesteckt. Und wenn man ihren Ruf bedachte, war ihre erste Frage nun wirklich keine Überraschung: „Wie wird sich das auf meine Einsatzbereitschaft auswirken?“
Die Ärztin war viel zu professionell, um die Augen zu verdrehen oder den Mund zu verziehen: „Unmittelbar erst einmal gar nicht. Ihre Kennziffern sind alle im grünen Bereich – tatsächlich liegen die Leistungsparameter sogar ein bisschen über denen des letzten Checks.“
Was an und für sich schon ungewöhnlich war, und etwas, das sie nicht ganz verstand.
„Aber Sie dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auch wenn es nicht sofort Auswirkungen hat, Sie müssen möglicherweise große Teile ihres künftigen Lebens überdenk…“
Die Staffelchefin der Grünen hob ihre Hand – zweifellos hatte sie die Geste, mit der sie jemand anderen das Wort abschnitt, im Laufe der Jahre perfektioniert.
„Das lassen Sie mal getrost meine Sorge sein. Es ist nicht Ihre Aufgabe, mir bei meiner Lebensplanung zu helfen. Sondern mich einsatzbereit zu halten und mir zu helfen, mit allem fertigzuwerden, was dem entgegensteht.“ Sie machte eine weitere abrupte Handbewegung: „Einschließlich DAS.“

DAS – die medizinischen Parameter – zeichneten ein Bild, wie Dr. Diatta es in dieser Form noch nicht erlebt hatte.
Als sie die Russin überprüfte hatte, waren ihr einige Anomalien im Blutbild und auf den Scanneraufnahmen sogleich ins Auge gefallen. Krebsvorsorge war ein Punkt, auf den man bei der TSN großen Wert legte. Piloten setzten sich der Strahlung des Weltraums in ungleich stärkerem Maße aus als die Crew eines Schiffes und waren oft nahebei, wenn Dutzende Atombomben mit der Sprengkraft von jeweils einigen Megatonnen explodierten. Ihre Anzüge, die Hüllen ihrer Jäger und vor allem deren Schilde fungierten als relativ verlässlicher Schutz – doch die Betonung lag auf relativ. Die TSN hatte im Zuge des Krieges ihre medizinische Betreuung deutlich modifizieren müssen – niemals zuvor hatten so viele Menschen so lange nahezu ununterbrochen im Weltraum unter Extrembedingungen „gearbeitet“, oft ohne die dringend empfohlenen „Abklingzeiten“ auf einem Planeten. Inzwischen war man ein ganzes Stückchen weiter – und dennoch offenkundig noch immer nicht vor Überraschungen gefeit.
Eine gründliche Überprüfung von Lilja inklusive einiger Biopsien hatte eine deutlich erhöhte Mutationsrate in ihren Zellen gezeigt. Sicher, sie hatte laut ihrem Flugbuch in den letzten drei Monaten einige verrückte Missionen durchgezogen. Während des Aufenthalts der Columbia in Sterntor, in einer Zeit als die meisten Besatzungsmitglieder nur atmosphärisch gefilterte Sonnenstrahlen am Strand getankt hatten, waren für die Russin mehrere Langstreckenflüge in starkverstrahltem Umfeld vermerkt worden – ohne die geringste Angabe, wo genau sich das ereignet hatte. Von daher waren trotz der Medikamente, die Piloten wie sie vielfach wie Hustenbonbons lutschten, gewisse Auswirkungen zu erwarten gewesen. Aber Dr. Diatta hatte noch nie jemanden außerhalb eines Reaktorunglücks gesehen, dessen Zellen so eine hohe Mutationsrate aufwiesen. Betroffen waren vor allem Gensequenzen, die normalerweise die Blutbildung, das Zellwachstum und die Gehirnentwicklung beeinflussen – wobei letztere eigentlich vor allem für Embryonen wichtig waren. Was die Sache noch grotesker machte – was bisher vollkommen fehlte, waren Anzeichen von potentiell bösartigen Mutationen, mit denen eigentlich zu rechnen gewesen wäre. Es gab ein paar neue Pigmentnävi, und einige wenige gutartige Tumore, die aber bemerkenswert problemlos in den Körper der Pilotin integriert waren und offenkundig noch nicht einmal geringfügige Beschwerden verursacht hatten. Angesichts des Blutbildes, das auch einige auffällige hormonelle Veränderungen aufwies, war eigentlich mit deutlichen Beschwerden zu rechnen gewesen, aber es fand sich nichts dergleichen. Irgendwie, vielleicht durch Veranlagung oder sehr wahrscheinlich einfach nur unglaubliches Glück schien der Körper der Russin bisher bestens weiter zu funktionieren. Das war an und für sich nichts Schlechtes – nur extrem unwahrscheinlich, und noch lange kein Grund zur Entwarnung.

„Commander, ich kann Sie nur dringlich warnen, Sie dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Selbstverständlich kann ich Sie medikamentös betreuen und überwachen, damit wir jede mögliche bösartige Neubildung frühzeitig entdecken. Aber damit ist es nicht getan. Die Veränderungen in Ihren Zellen und davon ausgehend auch ihren inneren Organen werden nicht einfach verschwinden, auch wenn sich bisher kein krankhafter Verlauf zeigt. Was Sie brauchen, ist eine umfassende genetische Therapie. Sonst wird das mit Sicherheit Konsequenzen haben, und diese sind vielleicht nicht mehr korrigierbar.“
Die Russin schnaubte sarkastisch: „Stellen Sie sich vor, nur weil ich meinen de-facto-Doktor nicht in Medizin sondern auf dem Feld Astrogation und im technischen Bereich habe, heißt das nicht, dass ich DÄMLICH bin. Ich habe ziemlich gute Vorstellungen, was das möglicherweise bedeutet…“
Sie stand auf und marschierte im Behandlungszimmer auf und ab: „Wenn ich mir diese Therapie aufschwatzen ließe, von der Sie reden, wäre ich…wie lange? Sechs Monate? Ein dreiviertel Jahr?...weg vom Fenster. Die Rückreise nach Terra oder ein System wie Sterntor, einen Platz finden – so viele Kliniken mit dem richtigen Equipment gibt es ja auch nicht – dann die Therapie selber, die nötige Erholungsphase, die Rückreise… Denken Sie, der Krieg wartet auf mich?“
Sie schnitt einen möglichen Einspruch gleich ab: „Oh, ich weiß, dass Sieg und Niederlage nicht an mir hängen. Aber das Leben von meinen Untergebenen, von Leuten die ich beschützen kann – in dem ich sie rette oder die Chui*-Echsen kille, die sonst wer weiß wie viele von unseren Jungs und Mädels töten würden – DAFÜR bin ich verantwortlich. Da kann ich doch nicht einfach mal Pause machen und kuren gehen wie eine feige Suka**. Nicht, so lange mein Leben nicht wirklich in Gefahr ist – oder ich nicht mehr fliegen KANN. Es gibt einen Unterschied zwischen wichtig – und das ist mein Einsatz – und persönlich, was nur mich was angeht. Ich gehe sowieso das Risiko ein, getötet und verletzt zu werden, wie jeder hier an Bord. Da macht es wirklich keinen Unterschied, was mit meinen Zellen in ein paar Jahren geschehen KÖNNTE.“
Sie lachte bellend, und ihre Stimme hatte mit einmal einen schneidenden Unterton: „Und was die möglichen Konsequenzen angeht…einen Krebs würden Sie ja wohl auch hier rechtzeitig entdecken, da? Oder wenn ich irgendwie abbaue – in DEM Moment gehe ich natürlich zurück. Ein drittes Auge oder ein zweites Arschloch wird mir sicher auch nicht wachsen…
Was andere Folgen betrifft…wir leben im 27. Jahrhundert. Der Wert und Sinn eines Lebens wird ja wohl heute hoffentlich etwas anders beurteilt als im MITTELALTER. Ich bleibe lieber hier und töte ein, zwei Dutzend Akarii, rette ein paar Menschen und Peshten, als dass ich mir einen lauen Lenz mache, nur um mir um jeden Preis die Möglichkeit zu erhalten, irgendwann mal einen Balg ausbrüten zu können.“
Es sprach für Dr. Diatta, dass sie ob der rüden Wortwahl ihrer Patientin nicht mal mit der Wimper zuckte. Die Ärztin konnte das natürlich nicht wissen, aber das war ein – wenn auch keineswegs der einzige – wunder Punkt in Liljas Befindlichkeiten. Vor einigen Jahren, so hieß es, hatte sie einem anderen Offizier, der dummerweise in ihrer Gegenwart etwas von der natürlichen, allem anderen überlegenen Verantwortung der Frau als künftige Mutter gefaselt hatte, erst verbal und später auch in einer Sparringsrunde die Füße unterm Leib weggeschlagen. Zu seiner Verteidigung musste man sagen, das der arme Tropf etwas angesäuselt gewesen war, aber das hatte ihn vor Liljas (selbst)gerechtem Zorn nicht bewahrt. Eitelkeit gehörte nicht gerade zu Tatjanas langer Liste von Schwächen, aber eine Herabsetzung ihrer Art zu leben war nichts, was sie auf die leichte Schulter nahm. Wenn jemand in Liljas Gegenwart andeutete, die Rolle als Mutter sei irgendwie ,besser‘ als das aufreibende Leben einer pflichtfixierten Vorzeigepilotin im Kriegseinsatz, musste der oder diejenige schon zu nahezu suizidalen Anwandlungen neigen – falls er nicht zu einer handverlesenen KLEINEN Runde von Personen gehörte, von der sie sich so etwas anhörte ohne gleich ihre Krallen auszufahren.

Wenn es etwas gab, was Khady Diatta im Laufe der Jahre gelernt hatte, dann zu erkennen, wann ein Kampf sinnlos war. Das hier war so eine Gelegenheit. Sie hatte von den Schreiwettbewerben gehört, die sich Lilja in der Vergangenheit mit anderen Ärzten geliefert hatte: „Ich kann Ihnen nur raten, das noch mal zu überdenken…aber ich helfe selbstverständlich, egal wie Sie sich entscheiden. Sie müssen natürlich weiterhin regelmäßig zur Untersuchung kommen, und zwar in deutlich kürzeren Intervallen. Und ich passe Ihre Medikamente an.“
Die Russin nickte. Ihre Stimme klang ein WENIG freundlicher: „Das bleibt jetzt aber unter uns? Ich meine, so lange meine Diensttauglichkeit nicht eingeschränkt oder bedroht ist…“
Die Doktorin seufzte: „Natürlich. Aber in dem Moment wo es der Flugtauglichkeit in die Quere kommen könnte, muss ich es natürlich melden.“
Die Pilotin kicherte sardonisch: „Eine bewundernswerte Haltung! Ich wünschte, alle meine Ärzte würden die Einsatzbereitschaft immer über alle andere Erwägungen stellen. Also dann…man sieht sich ja bald wieder – leider, muss ich sagen“ Natürlich – die Eisprinzessin war schon verschiedentlich mit Ärzten aneinandergeraten, wenn sie vorzeitig die Krankenstation verlassen oder einen ihrer Untergebenen loseisen wollte. Oder, kaum genesen, zumindest Schreibarbeit von ihrem Krankenbett aus erledigte, ob ihr nun Ruhe verordnet worden war oder nicht.

Erst in sicherer Entfernung von der Krankenstation gestattete Lilja sich selbst, etwas von der unnachgiebigen Haltung abzuweichen, die sie an den Tag gelegt hatte. Glücklicherweise war der Gang gerade leer. Sonst hätte jemand gesehen, wie die unbezwingbare Chefin der Grünen mit hängenden Schultern an der Wand lehnte, und gegen ein hysterisches Schluchzen kämpfte.
Es war nicht so sehr die Diagnose und ihre möglichen Konsequenzen, die ihr Angst machten. Es war das Gefühl, dass ihr eigener Körper erneut drohte, sie im Stich zu lassen – wie damals, bei ihrem Zusammenbruch im ersten Kriegsjahr. Gegen einen Feind konnte sie ankämpfen, und zur Not mit gebleckten Zähnen und einem Fluch auf den Lippen bis zum bitteren Ende fechten. Aber was, wenn die Gefahr bestand, dass sie diese Stärke zu kämpfen verlor? Was blieb ihr dann noch?
Manchmal erschien Lilja die Erinnerung an die Zeit vor ihrem Dienst bei der TSN, ja sogar ihr ganzes Leben vor dem 7. September 2632 so verschwommen, dass sie sich mitunter fragte, was davon eigentlich real und was Einbildung war, zusammengesetzt aus Erzählungen und Wunschbildern. Jetzt war der Krieg ihre Realität – und sie wusste nicht, was werden sollte, wenn diese Realität zerbrechen sollte. Sie hatte immer gewusst, dass sie in diesem Krieg sterben konnte. Aber nicht mehr kämpfen zu können, nur noch zusehen zu müssen, ängstigte sie vielleicht noch mehr als der mögliche Tod.

Ratlos starrte sie auf die Innenseite ihrer Unterarme. Eine halbe Fingerspann unter ihrem rechten Handgelenk zeichneten sich einige dunkle Pigmentflecken ab, die ein Muster zu bilden schienen. Die waren vor ein, zwei Monaten noch nicht da gewesen. Sie hatte sich zunächst nichts dabei gedacht. Und was hatte es zu bedeuten, das auf ihrem LINKEN Unterarm an genau derselben Stelle ebenfalls erste Spuren von Hautveränderungen zu sehen waren? In genau demselben Muster? Was stimmte nicht mit ihr?
Sicher, es gab mögliche Erklärungen, aber über die wollte sie lieber erst gar nicht genauer nachdenken. War es möglich, dass sie an einer milderen Form dessen litt, was die Männer auf der Mary C umgebracht hatte? Auch wenn die ‚hohen Tiere‘ an Bord der JADE und ebenso die noch höheren Dienstränge, die die ganze Operation nach der Rückkehr nach Sterntor unter Quarantäne gestellt und übernommen hatten, nicht besonders gesprächig gewesen waren. Lilja hatte im Medusa-System zweifellos eine Menge Strahlung geschluckt, auch von der exotischen Sorte. Vielleicht hatte ihr Körper das – bisher – besser verkraftet, weil es bei ihr nicht so viel, über einen längeren Zeitraum verteilt gewesen war. Sie hatte die Leichen nicht selber gesehen, aber sie hatte genug gehört oder sich zusammengereimt, um Angst zu verspüren. Und das ließ natürlich die Möglichkeit offen, dass es anderen Besatzungsmitgliedern ähnlich erging.
Wobei…wenn man es genau betrachtete, war niemand so lange und so weit draußen geblieben wie sie, nicht mal Ace. Aber vielleicht sollte sie einen Grund finden, ihn ebenfalls zu einem Check-up zu überreden. Aber wie, ohne dass er misstrauisch wurde? Er war ja manchmal Lieutenant Commander Simpelton, aber SO dämlich war auch er nicht.

Aber dann verbannte sie all diese Gedanken, straffte ihren Körper, biss die Zähne zusammen, rieb sich wütend die Augen, um jede Spur von Tränen zu vertreiben. Diese…Krankheit?...war einfach nur ein weiteres Problem in einer langen Liste von Dingen, mit der hatte fertig werden müssen. Eines, von dem sie sich nicht kleinkriegen lassen durfte. Gejammer und Flennen hatten noch nie jemanden geheilt. Und sie würde bestimmt nicht losziehen, und sich bei irgendjemandem ausheulen.
Hm…ach ja, da gab es ja was, das sie stattdessen tun konnte. Ein wenig Ablenkung hatte noch nie geschadet, und wenn man sich selbst schon nicht gut fühlte, konnte man dieses Unwohlsein ja auch an andere weiterverteilen – vorzugsweise an jemanden, der es entweder verdiente oder davon profitieren konnte. Und wie der Zufall es wollte, hatte sie gerade den PERFEKTEN Kandidaten an der Hand.
Lilja war fast die Kinnlade heruntergefallen als sie gehört hatte, dass Ace wegen dem Zwischenfall mit diesem aufgeblasenen Arsch von T’rr-Söldner bis zu Stafford UND der Trägerkommandatin gerannt war – obwohl er nicht mal dabei gewesen war. Und die hatten nicht nur darauf verzichtet, ihn hochkant rauszuschmeißen, sondern ihm auch noch grünes Licht für seinen Egotrip gegeben. Sicher, Lilja hatte darüber nachgedacht, diesem dämlichen Söldner persönlich eine Lektion zu erteilen oder Ace in seine Richtung zu schubsen, aber ihr wäre nie eingefallen, einen solchen Wirbel zu veranstalten.
Ja, es gehörte zu den besseren Eigenschaften von Commander Blauhaar, dass er sich ständig um andere sorgte und für sie zuständig fühlte. Das konnte Leben retten und war mitunter wirklich bewundernswert, wie etwa bei dieser Sensoroffizierin, und es hatte sowohl Lilja als auch Ohka hin und wieder Gesundheit oder Leben gerettet – auch wenn die Russin sich schwertat, das auszusprechen. Sein Verhalten war aber manchmal auch vollkommen fehl am Platze gewesen und kam dem gesunden Menschenverstand und wichtiger noch der Mission in die Quere – wie etwa damals, als Lone Wolf nach Pinpoints Tod Ace hatte niederschlagen müssen. Oder es war einfach nur peinlich, wie sein ,Amoklauf‘ als er erfahren hatte, dass seine kleine Schwester nicht mehr nur mit den Puppen ins Bett ging.

Lilja hatte die mehr als vage Befürchtung, dass das hier eher in die letzte Kategorie fiel.
,Manche Leute nehmen sich einfach zu wichtig.‘ Ace’s Sprachkenntnisse in Ehren, aber Lilja hatte die erste Zeit nach dem Abschluss der Ausbildung bei den Red Hawks verbracht, einer Staffel, deren Piloten fast alle aus der Sowjetischen Konföderation stammten, auch wenn es nicht alles Russen waren. Die russische Vulgärsprache, die Mat, hatte dort fast zum guten Ton gehört – man musste nur daran denken, gegenüber den Eltern und zivilen Bekannten den Mund immer mit Seife auszuwaschen, sozusagen. Die junge Pilotin hatte sich damals ,bestens‘ angepasst – schließlich hatte sie in der Grundausbildung und vorher in ihrer paramilitärischen Ausbildung einiges aufgeschnappt. In den späteren Jahren, als sie als Offizierin aufstieg, hatte sie ihr Vokabular etwas verfeinert, aber auch heute brachen die alten Gewohnheiten hin und wieder durch.
,Hm, wenn er uns damals gehört hätte, wäre er vermutlich zum Schluss gekommen, wir würden einen Putsch vorbereiten oder so…‘
Soldaten – und Offiziere – redeten nun einmal häufig Stuss. Oder Dreck. Häufiger noch beides zugleich. Das durfte man nicht so wichtig nehmen. Einige wussten nicht mal, WAS sie sagten, sie mochten einfach den Klang bestimmter Worte. Es lebe die Völkerverständigung, auch wenn sie vor allem über die Aneignung der Fäkalsprache und…anderen blumigen Ausdrücken funktionierte.
Nun ja, jetzt war es zu spät zu intervenieren. Wenn er bloß zu ihr gekommen wäre, anstatt sich nur mit ,Miss Stacy‘ zu unterhalten und dann gleich den Olymp zu erstürmen…
Aber es war, wie es war. Da die Sache nun schon einmal so sehr aus dem Ruder gelaufen war, konnte sie genauso gut zusehen, dass sie nicht vorm Baum landete. Wenn man einen Kampf anzettelte, hatte man auch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, ihn zu gewinnen. Und wer außer ihr wäre besser geeignet, Ace zu demonstrieren, wie er am besten gegen einen Gegner mit überlegener Beweglichkeit kämpfte und was er in dem Fall besser NICHT tun sollte? Ihre Falcon konnte es wahrscheinlich nicht ganz mit diesem bizarren neuen Peshten-Jäger aufnehmen, aber sie oder ein kaiserlicher Reaper kamen dem zumindest nahe. Und ein paar Runden im Simulator würden sie auf andere Gedanken bringen. Mit diesem Gedanken machte sie sich auf den Weg. Ihre Befürchtungen hatte sie schon fast wieder verdrängt.

*****

‘* Vulgärrussisch für „Schwanz“.
‘** Hündin, aber auch Hure

Ende
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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01.10.2018 11:03 Forum: Söldner


Thorsten: Nur zu wahr. Nun, man könnte auf den Gedanken kommen, dass die sanfte Sabotage auf dem Anmarsch genau in die Richtung zielt. Wenngleich natürlich noch zu wenig um wirklich was zu bewirken... Augenzwinkern
Mal sehen, ob sich da ein Zahn zulegen lässt...

Doctor: Ich meinte damit vor allem, dass es recht viele schwere und überschwere Maschinen sind (während normalerweise mittelschwere recht weit verbreitet sind in der FIS, also jetzt vom Hintergrund her), und überdurchschnittlich viel modernste und Clan-Tech. Man sieht nur relativ wenige Maschinen die bereits vor 10, 15 Jahren in Produktion und verbreitet waren (obwohl die bereits auch schon vom Clankrieg-Modernisierungsschub oder den Kernspeicher-Wiederentdeckungen profitieren), und relativ viele die eigentlich erst seit ganz wenigen Jahren im Umlauf sind oder in der FIS kaum zu finden weil Top-Clantech (und eher an Haus-Eliteverbände gehen sollten). Und habt ihr überhaupt Uraltmechs, die einfach nur neue Waffen gekriegt haben oder so?
Ihr lasst die Fürsten-Truppen der Odaga und Shimatze ziemlich alt aussehen, und auch viele reguläre Regimentsroster (nehme ich an).
Klar hat die Einheit die Gelegenheit zum Beutemachen gehabt, aber sie ist dennoch schon ziemlich heftig.
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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01.10.2018 09:42 Forum: Söldner


Danke für deine Arbeit. Schaue ich mir mal an, denn kenne den Feind und dich selbst etc.
Ich weiß aber schon OHNE es mir anzusehen, dass ihre eine etwas adipöse Einheit seid... großes Grinsen
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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30.09.2018 15:57 Forum: Söldner


Hm, mir fehlt eine wirklich inspirierende Idee. Ich dachte, stärker einzusteigen wenn die Höllenhunde gelandet sind. Ev. sehe ich zu, ob ich noch einen Text zur Söldnereinheit auf der Reise mache, aber ich will ja nicht, dass meine nächsten Texte meinen letzten (Abflug der Söldner und Probleme für euch auf Darius) zu sehr ähneln. Das ist mein Problem...
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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18.09.2018 15:49 Forum: Kurzgeschichten


Ich freue mich natürlich über jeden Beitrag, und es ist sehr gut, dass gerade neue Charakter etwas mehr Platz und Tiefe bekommen.

Hm, ich hoffe, das nimmt mir keiner übel, aber ich würde sagen, an den Fragen Groß- und Kleinschreibung und Zeichensetzung etc. sollte künftig vielleicht noch etwas gefeilt werden. Es nimmt einer Geschichte etwas an Lesefreundlichkeit, wenn es da mitunter etwas drunter und drübergeht, weil es den "Konsumenten" leicht aus dem Lesefluß wirft.
Was mir geholfen hat (ist ja nicht so, dass ich da keine Fehler mache) ist der Umstand, dass ich eben selber sehr viel lese, denn das trainiert.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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05.09.2018 20:51 Forum: Kurzgeschichten


Nur keine Sorge, ICH würde mich nie an den Charakteren anderer vergreifen ohne ihnen das vorher anzukündigen, nicht mal psychisch.
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