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Autor Beitrag
Thema: Kritik: Nächtliches Scharmützel im Nirgendwo
Cattaneo

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16.03.2019 20:33 Forum: Kurzgeschichten


Hallo

Hm, das ist natürlich allein deine Entscheidung, aber ich denke, die meisten Einheiten, namentlich wenn sie nicht schon öfter im Kampfeinsatz waren, wären nach Blutverlusten dieser Höhe erst mal in Schockstarre. Für den angerichteten Schaden ist die Schlächterrechnung zwar wirklich nicht hoch, aber für einen Kommandeur der nicht so eingestellt ist wie sagen wir ein Kommandeur des Ersten Weltkrieges ist der Tod von einem Viertel seiner Männer und die Verwundung von etlichen weiteren eher eine ausgewachsene Katastrophe...
Würde ich zumindest annehmen. Das halten nicht viele Einheiten gut aus.
Thema: Foren-RPG-Turnier
Cattaneo

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12.03.2019 20:33 Forum: Kurzgeschichten


Claner...was habe ich bloß gegen Claner... verwirrt

Leider nichts was wirklich hilft. Augenzwinkern

Spaß beiseite, viel Erfolg...
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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04.03.2019 20:23 Forum: Kurzgeschichten


Nicht nur. Ihr habt doch die Chevs losgeschickt um den HH zu helfen.
Die Felle treffen sich beim Gerber... Augenzwinkern
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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04.03.2019 13:57 Forum: Kurzgeschichten


Bestens, da bastele ich was rein.
Nun, was das Hinterherhinken angeht, natürlich geht es bei der Raumjägereintwicklung nicht so schnell wie sagen wir im WK I und II. Man sehe sich an, wie lange heutzutage die Entwicklung eines neuen Fliegers/Panzers etc. dauert (wiewohl ich mal annehme, das Imperium ist etwas effizienter, und Krieg ist immer ein großer Motivator - kann aber eben auch zu Fehlentwicklungen führen. Vieles was die TSN jetzt einsetzt ist keine echte Neuheit sondern einfach bereits bei Kriegsbeginn vorhandene Maschinen, die inzwischen massenhaft vorliegen (Nighthawk, und ich glaube auch Thunderbolt und Falcon?) oder Upgrades (Griphen D)

Tyr hatte ja ein paar Ideen dazu gehabt, glaube ich...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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03.03.2019 20:14 Forum: Kurzgeschichten


Ich hätte mal eine technische Frage. Spricht etwas dagegen, wenn ich für die Bloodhawk eine schwere Überlegenheitsjägervariante einbaue? Ich habe vor längerer Zeit mal erwähnt, dass bei einem Gefecht die Bloodhawks Langstreckenraketen abgefeuert haben, was die üblichen Typen A-C nicht können. Da der Doomhammer immer noch selten ist und die Sturmjäger eher Schlachtflieger sind, würde so ein Typ gewissen Sinn machen...
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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03.03.2019 08:44 Forum: Kurzgeschichten


Ja, also wenn ich könnte, wie ich wollte... großes Grinsen Teufel Aber ich gebe mir Mühe.
Endtotale über ein großes Feld voller Kreuze mit Chevaliersnamen drauf...
*träum*

Ironischerweise sind vermutlich meine Texte die mit den meisten Kämpfen bisher.
Es sind nur noch nicht eure.
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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02.03.2019 04:52 Forum: Kurzgeschichten


Also einer Meinung nach kann auch ein Text ohne traditionelle Action spannend und ein Lesegenuss sein. Wir kommen schon noch früh genug zur schmelzenden Panzerung und weggesprengten Mech-Gliedmaßen und Panzertürmen... Augenzwinkern
Von daher, kein Grund zum passiven Tonfall (ich weiß, mache ich auch).
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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01.03.2019 23:07 Forum: Söldner


Will irgendjemand noch was zur Reise der Höllenhunde schreiben? Nur damit ich weiß, ob da noch etwas mit Anatoli kommt...

Was die Reise der Chevs angeht, ich glaube, da war noch was in Vorbereitung...?
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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01.03.2019 21:22 Forum: Kurzgeschichten


Freut mich, wenn es gefällt...
Aber bisher tut es ja auch NOCH nicht weh... großes Grinsen
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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28.02.2019 07:20 Forum: Söldner


Tja, dann geht es euch wie dem Hasen und Schildkröte. Ich bin nämlich schon da...
Soll heißen, der nächste Text ist draußen.
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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28.02.2019 07:19 Forum: Kurzgeschichten


So, mein nächster Text ist draußen...
Thema: Chevaliers Season V
Cattaneo

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28.02.2019 07:18 Forum: Kurzgeschichten


Mehr als Freunde

Unbekanntes System, Juni 3067, Militärdistrikt Benjamin, Draconis-Kombinat

Viele Männer und Frauen fanden die Schwerelosigkeit unangenehm, manche sogar beängstigend. Das hatte nicht nur damit zu tun, dass das normale Gleichgewichtssystem und die Vorstellung, was oben und unten war, ausgehebelt wurden – oder damit, dass eine unbedachte Bewegung einen sonst wohin katapultieren konnte. Vor allem aber war die Schwerelosigkeit eine Erinnerung daran, wie fremd das Medium war, in dem man sich befand – nur durch etwas Stahl getrennt vom schwarzen, unbarmherzigen Nichts des Weltraums. Andere hingegen begrüßten das Gefühl der Freiheit geradezu. Es war leicht, sich wie ein Fisch im Wasser zu fühlen, wenn man sich tatsächlich wie einer bewegen konnte, ohne an einen natürlichen oder künstlichen Erdboden gefesselt zu sein. Und das Dunkel des Alls, in dem ferne Sterne leuchteten, war der perfekte Anblick, wenn man mit den eigenen Träumen – oder auch Sorgen – allein sein wollte.
Die Frau mit dem alterslosen Gesicht und den langen schwarzen Zöpfen gehörte zu letzterer Kategorie Mensch. Ihre Uniform wies keinerlei Rangabzeichen auf, aber in ihrer Einheit kannte sie ohnehin jeder. Keiner wäre auf den Gedanken gekommen, sie herauszufordern oder zu missachten.
Sie verzichtete auf einen sichernden Griff, sondern ließ sich einfach treiben. Ihre dunklen Augen mit dem durchdringenden Blick starrten durch die Sichtluke in die Weite des Alls – dorthin, wo sich das Raumschiff befinden musste, das für das bloße Auge nicht mehr zu erkennen war, seitdem es sein Sprungsegel eingeholt hatte. Wenn die Schiffe ihre Energiekollektoren entfalteten, empfahl sich ein gesunder Sicherheitsabstand. Ihre Gedanken kreisten noch immer um dieses Schiff, wenngleich vielleicht nur, um sich von anderen Dingen abzulenken.

Das fremde Sprungschiff – ein betagtes Scout-Modell – hatte dringend benötigen Nachschub an Spezialgütern gebracht. Für den medizinischen Bedarf, aber auch Munition, Ersatzteile und auch einige andere…Verstärkung…vor allem aber Informationen. Das war auch der Grund, warum sie auf dem Weg von Naraka nach Sulafat einen Zwischenstopp eingelegt hatten. Hier gab es keine neugierigen Augen, vor Überraschungen waren sie relativ sicher. Nachdem die Übergabe arrangiert worden war, würden sich die Wege ihres Schiffes und das der Fremden trennen, und vermutlich würden sie sich nie wieder über den Weg laufen.
Es müsste eigentlich…ja, JETZT. Für einen Moment war ein Lichtblitz zu erkennen, und dann war es wieder, als wäre das andere Schiff nie hier gewesen. Bald, sehr bald würden auch sie sich auf den Weg machen und dieses System für immer verlassen.

Die Frau – von manchen die Gräfin genannt, doch hatte sie im Laufe der Jahre unterschiedliche Spitznamen geführt – fragte sich unwillkürlich, ob die Crew an Bord des anderen Schiffes und des begleitenden Landers, einem modifizierten Seeker, eigentlich wussten in welche Art von Spiel sie verwickelt waren. Wussten, was auf dem Spiel stand – viel mehr als das Leben von einer Handvoll Leute.
Die Fremden schienen sich wenig darum zu kümmern, mit wem sie sich hier getroffen, und was für Fracht sich in den Containern befand, die sie verladen hatten. Vermutlich war dies nicht das erste, nicht das zehnte Mal, dass sie so ein Rendezvousmanöver durchgeführt hatten, in einem unbewohnten System, das nur als Nummern- und Buchstabenkombination auf den Sternkarten auftauchte.
Gewiss hatte es sich bei den Männern und Frauen um professionelle Schmuggler und Schwarzhändler gehandelt, Söldner des interstellaren Frachttransits, die wenn nötig Konterbande an den planetaren und nationalen Zollbehörden vorbei schmuggelten, und für die richtige Bezahlung auch Aufständische, Terroristen und Freiheitskämpfer – als was eine bestimmte Gruppe bezeichnet wurde, war ohnehin eher eine Frage der Standpunkts anstatt objektiver Kriterien – mit Kriegsmaterial versorgten oder Personen transportierten, die ungesehen von A nach B reisen mussten, freiwillig oder nicht.
Im Grunde ähnelten sie einander, auch wenn sie selber für ein Ziel kämpfte, nicht nur für Geld. Sie verachtete Menschen, die NUR für Geld kämpften – am Ende waren sie nach ihrer Erfahrung diejenigen, die am ärmsten waren – aber sie machte sich nichts vor, was ihre eigene Rolle betraf. Sie alle waren Akteure die ins Spiel kamen, wenn ein Auftraggeber jede Spur seiner Beteiligung verwischen wollte. Wenn sie überdachte, wie die Hintermänner dieser Operation vorgingen, dann waren die Überbringer der Fracht wohl nur die letzten in einer ganzen Kette gewesen – ein interstellares Hütchenspiel, bei der es praktisch unmöglich war, den Überblick zu behalten. Nun, das konnte ihr persönlich nur Recht sein.

Sie wusste, der Sprung ihrer Nachschublieferanten war zugleich der finale Startschuss für den ,heißen‘ Teil der Mission. Ihr eigenes Schiff hatte seinen Antrieb UND die Reservebatterien aufgeladen und war bereit für den Sprung zum Ziel. Sie sah dem mit gemischten Gefühlen entgegen. Nicht, weil sie Bedenken über den Auftrag an sich hatte, aber einige der Neuigkeiten waren zumindest beunruhigend.
Die Höllenhunde schienen sich in etwa nach Plan zu verhalten. Sie hatten es leider nicht fertiggebracht, bereits auf Darius oder Numki einen Krieg vom Zaun zu brechen – wenngleich mitunter nicht viel gefehlt und sie sich ganz gewiss nicht nur Freunde gemacht hatten. Die Frau fragte sich amüsiert, ob die Söldner Com Stars eigentlich realisierten, durch wie viele Fettnäpfchen sie bereits getrampelt waren, angefangen mit ihrer bloßen Präsenz in diesem Teil des Kombinats. Aber größere Katastrophen waren bisher leider ausgeblieben. Das war bedauerlich, aber keine allzu große Überraschung. Die Höllenhunde wiesen etliche Mankos auf, aber sie waren keine Idioten.
Es gab jedoch auch keinen Hinweis, dass die Söldlinge im Begriff standen, irgendwelche gefährlichen Wahrheiten aufzudecken. Ihr nächstes Ziel stand fest, und, was sie möglicherweise ahnten, aber in seinem wahren Ausmaß unmöglich erkennen konnten, jeder ihre Schritte wurde beobachtet. Die ,Gräfin‘ wusste inzwischen bis ins Detail wie stark die Söldner waren und was die Stärken und Schwächen ihrer Einheit waren. Als Gegner waren sie durchaus ernst zu nehmen, auch wenn sie in letzter Zeit nur auf Pappkameraden geschossen hatten. Aber sie waren besiegbar. Vor allem, wenn man sie in einer Umgebung erwischte, in der sie sich nicht auskannten, man selber aber einen deutlichen Informationsvorteil hatte. Sulafat würde dieses Umfeld sein.

Weit beunruhigender waren jedoch Neuigkeiten, dass die Schwestereinheit der Höllenhunde, diese Chevaliers, ebenfalls auf dem Marsch war, und ihr Ziel war offenbar genau diese Raumregion. Welcher Hafer sie gestochen hatte, so eine kostspielige und nüchtern betrachtet relativ sinnlose Reise aus der näheren Peripherie zu unternehmen, war unklar. Bisher gab es ja keine Anzeichen für eine ernste Krise für die Höllenhunde, die eine solche Intervention rechtfertigte. Und selbst wenn – wenn den Höllenhunden JETZT etwas zustieß, was nützten ihnen da die Chevaliers in ein paar Dutzend Lichtjahren Entfernung? Sollte dies vielleicht eine Drohung für die lokalen Häuser sein? Damit machte man sich diese natürlich erst Recht zum Feind.
Oder nahm Kurita die lokalen Angriffe vielleicht wesentlich ernster als bisher vermutet oder fürchteten einen großangelegten Angriff aus dem Dominium? Dann wäre es doch sinnvoller gewesen, lokale Truppen in Marsch zu setzen…
Keinen Moment glaubte sie die idiotische Geschichte, welche die Chevaliers durch bezahlte Schmieristen und Speichellecker verbreiten ließen und die sich langsam aber sicher entlang der HPG-Verbindungslinien verbreitete. Es musste ein Vermögen gekostet haben, diese Clips so weit zu verteilen, und doch, die Wirkung war zweifelsohne begrenzt. Schon aus dem Grund, weil die meisten Welten nicht über eigene HPG-Stationen verfügten, und die Nachrichten natürlich nicht als Prioritätsmeldungen herausgingen. Aber selbst wo sie ankamen – der Versuch, um ihre Söldnergöre von Kommandantin einen Starkult aufzubauen, war sicher von jemandem ausgeklügelt worden, der von der Kultur und Gesellschaft des Kombinats nur sehr begrenzte Ahnung hatte. Das Kombinat war nicht Solaris.
Im besten Fall wirkte diese Jara jetzt wie eine verwöhnte Aufsteigerin, die sich nicht ohne eine überdimensionierte Gefolgschaft auf die Reise machen konnte um ihr ‚Erbe‘ anzutreten. Eine Gefolgschaft wohlgemerkt, wie sie vielleicht einer Herzögin angestanden hätte, nicht aber der zweifelhaften Erbin eines zweifelhaften Grafen. Das allein wäre schon eine Geldverschwendung und eine Beleidigung aller echten Grafen gewesen. Und wer war dieser Danton denn schon in den Augen einer Familie, die dem Kombinat seit seiner Gründung diente? Er saß auf einem weitab jeder Bedeutung befindlichen Drecksklumpen von Planeten – den er nicht einmal in seiner Gänze regierte.

Die ,Gräfin‘ dünkte sich selbst über Standesdünkel weitestgehend erhaben – viele Kuritaner ihrer sozialen Schicht waren dies jedoch keineswegs. Schon Fokkers Herkunft war geradezu abstoßend, war doch bereits ihr Vater Söldner gewesen. Sie hatte nicht einen Tropfen Kuritaner-Blut in sich. Gerade indem man mit ihrer Zeit bei den Wölfen hausieren ging, rieb man den echten Adligen – die Claner und Söldner mehrheitlich und aus verständlichen Gründen hassten – unter die Nase, dass Jara viel mehr Clanerin war, als eine echte Kuritanerin von edler Herkunft. Sie im Kimono abzubilden änderte daran nicht viel. Respekt vor einer fremden Kultur war zweifellos eine noble Sache und wurde goutiert, nur gehörte man deshalb noch lange nicht dazu. Besonders, wenn man nicht wirklich von besagter Oberschicht dazu eingeladen worden war – oder wenn man viel zu schnell viel zu weit aufgestiegen war. Wie es ein der ,Gräfin‘ sehr nahestehender Mensch vor langer Zeit ausgedrückt hatte – nur an ihn zu denken bereitete Schmerz: ,Du kannst ein Schwein auch golden anpinseln, es bleibt nun einmal ein Schwein.‘
Wesentlich wahrscheinlicher war, dass die kuritanischen Adligen und Militärs – eine geistig wie genetisch inzestuöse Bande von paranoiden, ehrpusseligen Kriegsgurgeln, die sie nun einmal waren – auf den ersten Blick erkannten, dass hinter der Geschichte von der Erbin auf Reisen mehr steckte als eine Kavalierstour als Imponiergehabe. Sie spannen und konterten Intrigen mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der andere Menschen atmeten. Und da sie so paranoid waren, würden sie vermutlich einkalkulieren, dass die Charade ihnen aus finsteren Motiven Sand in die Augen streuen sollte.
Vielleicht hätte man beim einfachen Volk punkten können, und bei Aufsteigern, die sich selber nach oben gearbeitet hatten. Aber die Meinung des Volkes war im Kombinat von weit geringerer Bedeutung als in den Vereinigten Sonnen oder dem Lyranischen Commonwealth. Und Aufsteiger hatten es meist an sich, dass sie noch bessere Samurai sein wollten, als die gebürtigen Angehörigen des Kriegeradels.

Die Chevaliers kamen nicht so schnell voran, wie sie sich das vermutlich vorgestellt hatten, doch konnte ihre Reise nur verzögert, nicht gestoppt werden. Und bisher waren nur Nadelstiche erfolgt, keine echten Angriffe. Sie wusste nicht, ob jemand demnächst zu drastischeren Maßnahmen greifen würde. Die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt, aber sich darauf zu verlassen wäre töricht gewesen. Irgendwann WÜRDEN die Söldner eintreffen. Sie musste zusehen, dass sie ihre eigenen Pläne bis dahin umgesetzt hatte, und einen Sicherheitsabstand wahren konnte.
Alles, was sie über die Chevaliers wusste, riet zur Vorsicht, wenngleich nicht zur Panik. Ihre Führungsspitze war eine Mischung aus solide ausgebildeten Veteranen und vergleichsweise jungen Offizieren – wenngleich etliche von Brillanz weit entfernt sein mochten. Zu viele der Söldner waren viel zu schnell viel zu weit im Rang aufgestiegen, hatten bisher nur in Scharmützeln gekämpft, nicht in echten Kriegen. Aber sie waren keine kompletten Idioten.
Natürlich musste man von den Geschichten über die Heldentaten der Einheit vieles als Übertreibung wegstreichen, aber sie hatte auch verlässliche Analysen und Detailangaben über die Einsätze der Truppe. Die Chevaliers-Piloten waren gut, einige sogar exzellent, wenngleich es der Einheit ganz offensichtlich an Geschlossenheit mangelte. Sie war zu schnell expandiert, um einen echten Korpsgeist aufzubauen und die Zusammenarbeit zu perfektionieren – immerhin hatten sie vor rund drei Jahren als gemischtes Bataillon angefangen und stellten jetzt zusammen mit den Höllenhunden eine verstärkte Brigade dar. Keine Einheit wuchs so schnell – bei einer erheblichen Fluktuation durch Blutverlust und andere Gründe – ohne dass es im Gebälk knirschte.
Und doch, und doch – sie waren gerade obszön gut ausgerüstet, ausgestattet mit einem Sammelsurium an modernen Maschinen, vielfach auch Clantech, darunter schwere und überschwere Modelle, die ihr Roster…wie hatte ihr Vize es doch genannt?...ach ja ,wie der feuchte Traum jedes Beschaffungs- oder Einsatzoffiziers mit Potenzproblemen‘ erscheinen ließ. Trotz des ernsten Themas hatte er damit in der Besprechung des Kommandostabs die Lacher auf seiner Seite gehabt. Aber das Gelächter hatte einen bitteren Unterton – in einem direkten Schlagabtausch waren die Chevaliers nur sehr schwer zu besiegen. Und von ihren Leuten vermutlich gar nicht.
Nun, die Chevaliers waren momentan noch weit, WEIT weg – und die Innere Sphäre war groß. Die ,Gräfin‘ zweifelte nicht daran, dass sie sich, sollte ihr Plan Erfolg haben, den bleibenden Hass der Söldnereinheit – und der überlebenden Höllenhunde – zuziehen würde. Aber das beunruhigte sie nicht sonderlich, denn sie wusste, nach ihren Fersen schnappten noch ganz andere Kiefer. Sie waren DENEN bisher immer ein Stück voraus geblieben, da würde es, Vor- und Weitsicht vorausgesetzt, auch diesmal gut gehen.
Allerdings…zweifellos hatten sich das viele eingeredet, bevor sie dann doch zur Strecke gebracht worden waren. Sie kannte genug Beispiele. Irgendwann war jede Glückssträhne einmal zu Ende, und sie hatte ihr Glück nun wahrlich zur Genüge strapaziert. Nicht, dass sie nicht auch schmerzhafte Verluste hatte hinnehmen müssen…

Es war nicht so, dass keinen Ausweg gab, wenn sie denn wollte. Das alles hinter sich lassen, diesen schier endlosen Kampf für ein Vermächtnis, das viel zu groß für einen Sterblichen erschien. Nicht mehr durch Blut waten müssen, sei es der eigenen Leute, des Gegners oder Unbeteiligter. Endlich nicht mehr jeden Morgen voll Bitterkeit aufstehen wegen dem was verloren war, voll Hass auf jene, die daran Schuld hatten, jede Minute darauf verwenden, um zu ändern, was vielleicht nicht mehr geändert werden konnte – als Spielfigur in einer Partie, in der sie nicht über den Rand des Bretts sehen konnte und nur halb verstand, was die Hand bezweckte, die sie mal hier-, mal dorthin schob.
Aber aufgeben bedeutete, eine Niederlage einzugestehen, und das war nicht ihre Art. Es hätte bedeutet, dass alle Verluste umsonst gewesen wären. Also verdrängte, wie so oft, den Gedanken an einen ganz speziellen Datenträger, der ganz hinten in ihrem Safe schlummerte.

Sie bewegte sich durch die verwaisten Gänge des Raumschiffs mit einer Eleganz, die von langjähriger Übung zeugte. Mal packte ihr Arm zu, stieß sie sich mit einem kräftigen Tritt ab, drehte sich um sich selbst, um ihren Kurz zu korrigieren. Mit traumwandlerischer Sicherheit fand sie sich zurecht, obwohl miteinander verbundene Sprung- und Landungsschiffe einen verwirrenden Irrgarten bilden konnten.
Die ganze Atmosphäre erinnerte eher an den Anfang eines Sci-Fi-Horrorstreifens – die spärliche Beleuchtung, kein Mensch auf den Gängen, obwohl es Anzeichen für eine kürzliche Nutzung gab. In diesem Fall gab es freilich eine harmlose Erklärung – wie es Brauch war, hatte man alle Mitglieder der Einheit einschließlich der Schiffscrews im Gravdeck des Sprungschiffes versammelt. Im Moment war dies der einzige Ort an Bord, der normale Schwerkraft aufwies. Um die Lebenserhaltung nicht zu überlasten war der Zugang eigentlich reglementiert – die Crews von Landungs- und Sprungschiffen sowie die Passagiere teilten sich einen strikten Schichtplan. Neben den obligatorischen Übungseinheiten war nicht viel Platz für Freizeit, aber die Gräfin hatte ihren Untergebenen gewisse Spielräume zugestanden. Wenn man so lange im Weltraum unterwegs war wie ihre Einheit, war etwas Flexibilität ratsam, um die Moral aufrechtzuerhalten. Dabei war eine halbe Stunde Aufenthalt zu beliebter Uhrzeit – etwa am Nachmittag – so viel wert wie eine Dreiviertelstunde ganz früh am Morgen, oder eine Stunde wenn es an Bord Mitternacht war.
Doch jetzt, kurz bevor viele der Männer und Frauen Abschied voneinander nehmen mussten – wer wusste schon, ob nicht für immer? – war es Brauch, dass ein gemeinsamer Appell stattfand. Er wurde durch ein gemeinsames Essen ergänzt. Wer wünschte, konnte zudem seinen Frieden mit höheren Mächten machen. Die Gräfin folgte natürlich den animistischen Glaubensvorstellungen, nach denen sie erzogen worden war. Aber in der Einheit, die sich aus Männern und Frauen aus unzähligen Systemen zusammensetzte, herrschte Religionsfreiheit – was solche Gruppen wie die Kirche vom Einen Stern und das Unvollendete Buch einschloss.

Der Übergang von dem Bereich der Schwerelosigkeit zum rotierenden Gravdeck des Sprungschiffs war etwas heikel, vor allem für jene, die wenig Übung hatten. Je kleiner das Gravdeck war – und mit 65 Meter Durchmesser gehörte das Deck eines Invasor-Schiffes zu den kleinsten die es gab – desto schneller musste es rotieren, um eine erdähnliche Gravitation zu erzeugen. Aber die ,Gräfin‘ kannte sich nicht nur in den luftigen Höhen der Führungsschicht aus – oder konnte nötigenfalls auch eine Kehle durchschneiden – sie hatte auch in jahrelanger Praxis gelernt, wie man sich in der Schwerlosigkeit zurechtfand. Im genau richtigen Moment erwischte sie die Griffpunkte und zog sich in den Gang des Gravdecks. Sobald die Schwerkraft spürbar wurde, rollte sie sich elegant ab und kam mit einer flüssigen Bewegung auf die Beine. Für einen Moment sammelte sie sich. Abschied zu nehmen war ihr in den letzten Jahren zur Gewohnheit geworden, aber in dem Maße, in dem immer weniger vertraute Gesichter übrig blieben, fiel es ihr immer schwerer. Doch sie wusste, was sie ihrer Mission und ihren Leuten schuldig war. Also atmete sie tief durch und ging dann, stolz aufgerichtet und ohne eine Miene zu verziehen, zu den Türen, hinter denen ihre Soldaten auf sie warteten…

***

Drei Stunden darauf

Die letzten Messen waren gelesen, das letzte Glas geleert, das letzte Hurra verklungen. Die Einheit bereitete sich auf den nächsten, entscheidenden Schritt vor. Bald würde der Sprung nach Sulafat erfolgen. Doch die ,Gräfin‘ hatte sich entschlossen, bis zum letzten Moment, der zehn-Minuten-Sprungwarnung, zu warten, ehe sie sich auf ihre Station begab. Es stand außer Frage, dass sie dann auf Posten sein musste – schließlich hatten sie nur das Wort ihrer schattenhaften Auftraggeber, dass sie nicht erwartet würden. Aber angesichts dessen, dass sie die Offiziere und Soldaten, die ihr (zumeist) blind vertrauten, in ein ungewissen Schicksal vorausschickte, während sie fürs erste in relativer Sicherheit zurückblieb, wollte sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, so viel Zeit mit ihnen zu verbringen wie möglich. Sie hatte eine komplette Runde durch das Landungsschiff gedreht, das als erstes auf Sulafat aufsetzen würde.
Im Moment lehnte sie an einem Gefechtsfahrzeug im Haupthangar. Entgegen dem, was manche Laien erwartet hätten, herrschte hier kurz vor dem Gefechtssprung keine emsige Betriebsamkeit. Vielmehr war jedes Stück Fracht schon vor langer Zeit verstaut und gesichert – und diese Sicherung nicht nur ein- oder zweimal, nein drei- bis vierfach überprüft worden. Die Reise versprach heikel zu werden. Um einer Entdeckung zu entgehen, hatte man einen ausgeklügelten Flugplan erarbeitet, der auch noch in einem relativ engen Zeitfenster absolviert werden musste. Man würde sich Lücken in der Überwachung und die Ortungsschatten der fünf kleineren Monde – dazu kamen noch mehrere mondähnliche Himmelskörper – zunutze machen, die Sulafat umkreisten. Doch dies bedeutete, dass der Lander mehrfach bis an die Grenze seiner zulässigen Beschleunigung von 2,5 g würde gehen müssen, um loszuspurten oder abzubremsen, andererseits aber auch Pausen ohne jede Beschleunigung einlegen würde, um nicht aufzufallen. Das war für Piloten, Fracht und Passagiere eine echte Herausforderung. Glücklicherweise hatten sie alle schon einige Übung mit solchen Manövern.

Der Hangar war praktisch verwaist, sah man von einigen Infanteristen in Gefechtspanzern und Techs in Exoskeletten ab, die im Fall eines Frachtunfalls noch die besten Chancen hatten, etwas auszurichten. Vielfach konnten die Stiefel magnetisiert werden, was selbst in der Schwerelosigkeit soliden Halt garantierte.
Die gesicherten Fahrzeuge boten einen beeindruckenden Anblick – die drohenden Geschützmündungen, die massiven Raketenbatterien, die Energiewaffen… Zwar fehlten die prahlerischen Abschussmarkieren und Verbandsabzeichen, die viele Einheiten verwendeten, und auch die markanten Farbmuster vieler Haustruppen. Die Fahrzeuge waren vielmehr alle in dunklen Dschungeltarnfarben gehalten, die ihnen ein fast gespenstisches Aussehen gaben – insbesondere, wenn man die ebenfalls getarnten Gefechtspanzerinfanteristen bedachte, die sich zwischen ihnen bewegten. Im Nachbarhangar sah es nicht anders aus. Gewiss, ein Skeptiker hätte eingewandt, die Fahrzeuge der Einheit waren zumeist nur 50 Tonnen schwer, oft deutlich leichter, und keineswegs durch die Bank weg modernstes Material. Eine Ausnahme war der 75-Tonnen-Alptraum, den Lupus persönlich steuerte. Aber gegen die überschweren Monster der Höllenhunde, ihre Jäger – nicht zu vergessen die lokalen Kurita-Einheiten – schien das wenig, zu wenig. Dennoch atmete die Atmosphäre Zuversicht, strahlten die getarnten Panzer, Mechs und Gefechtspanzer Entschlossenheit und Drohung aus.

Die Kommandeurin der Infanteristen hatte ihren Helm abgenommen und flachste mit der ,Gräfin‘. Violint war – natürlich – eine wahre Hünin. Wenn man das harte, dunkelhäutige Gesicht mit den Spuren vergangener Kämpfe, den kalten, schwarzen Augen betrachtete, hätte wohl niemand vermutet, dass sie ausgezeichnet Geige spielte – daher der Spitzname. Sie war für eine Frau ihres Ranges jung und doch würde sie an Bord des Landers den Posten der stellvertretenden Kommandeurin übernehmen. Aber sie besaß einiges an Erfahrung, hatte gegen Gefechtspanzer, Panzer und Mechs auf mehr als einem Dutzend Welten gekämpft.
Das Gespräch der beiden Frauen drehte sich nicht um den kommenden Einsatz, stattdessen witzelten sie über die Eigenheiten anderer Offiziere – Gleichrangige und Untergebene. Wenn man so lange Zeit miteinander verbrachte, kannte man irgendwann so ziemlich alle Macken und Spleens.

Mit einem Mal wurde das Gesicht der jüngeren Offizierin ernst. Ihre Stimmung und die gesamte Atmosphäre schienen gleichsam deutlich abzukühlen. ,Gräfin‘ brauchte sich gar nicht umzudrehen, um den Grund zu erkennen.
Lupus hatte sich beinahe lautlos genähert. Wie die ,Gräfin‘ und Violint trug er keine Abzeichen, aber wie ihnen machte man ihm selbstverständlich Platz – und er erwartete offenbar, dass seine Befehle ausgeführt wurden.
Violint zog eine Grimasse. Sie und Lupus waren noch nie Freunde gewesen. Das mochte ursprünglich Abneigung gegen seinen Hintergrund gewesen sein, aber es hatte sich nicht wirklich gebessert, als sie sich im Laufe der Zeit von der Kompetenz des Einheits-XO überzeugen konnte. Lupus‘ kaltherzige Art, seine erbarmungslose Unbeirrtheit und Fanatismus, die Befehle, die er gab und nur zu oft auch selber umsetzte, gingen ihr gegen den Strich. Nicht, dass Violint die Ziele der Einheit ablehnte – sie wäre nicht hier, wäre dem so gewesen. Aber es gab Abstufungen darin, wie weit jemand zu gehen bereit war.
Eigentlich wäre es ja logisch gewesen, wenn sie mit der Kommandeurin aus denselben Gründen gehadert hätte – doch es war bekannt, dass Lupus und Sekretärin oft diejenigen waren, die für bestimmte…Aspekte zuständig waren. Es war denn auch bei der letzten Einsatzbesprechung der Vizekommandeur gewesen, der die Richtlinien verkündet hatte, wegen denen Violint und er mal wieder über Kreuz waren. Befehle, die erst einmal nur den Offizieren mitgeteilt wurden: „Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere der Höllenhunde sind nach Möglichkeit unverzüglich von Offiziersrängen zu trennen. Wir müssen sie bereits unter Gefechtsbedingungen erstmalig verhören – Rang, Name, persönlicher Hintergrund und dergleichen. Weitere Verhöre – die natürlich erst in gesicherter Umgebung durchzuführen sind – sollen intensiv sein. Aber wir werden niemanden foltern oder misshandeln, es sei denn Gräfin, Sekretärin oder ich sanktionieren dies.“ Lupus gehörte offenbar nicht zu der Sorte Mensch, die ihre Zuflucht in Euphemismen wie „drängendem“ oder „verschärftem“ Verhör suchten. Wie Sekretärin war er niemand, der Folter für ein Allheilmittel hielt. Aber unter bestimmten Umständen schreckte er auch nicht davor und Schlimmeren zurück. Seine…Ehrlichkeit…machte die Sache natürlich nicht besser, rieb eher jeden, der mit ihm zusammenarbeitete, die unschönen Aspekte unter die Nase.
„Die Gefangenen werden möglichst korrekt behandelt und versorgt – eventuell brauchen wir sie noch als Tauschobjekte, oder um abgeschnittenen Feinden eine Kapitulation schmackhaft zu machen.“ Lupus betonte dies aus gutem Grund. Die Soldaten der Einheit hatten sich im Laufe der Zeit angewöhnt, mit Gefangenen nicht eben rücksichtsvoll zu verfahren. Die Kommandeure bemühten sich, Brutalität wie ein präzises Werkzeug einzusetzen, aber so perfekt funktionierte dies nun einmal nicht.
„Die Gefangenen sind natürlich weiter zu evaluieren – wer hat wichtige Verwandte, wer verfügt über Spezialwissen… Solche Gefangenen werden wir strikt abzusondern und isolieren. Wir werden sie mitnehmen, wenn wir Sulafat verlassen. Die anderen bleiben im Dschungel. Mit einer Kugel im Hinterkopf. Ohne Ausnahme. Diese Details werden aber erst auf Anweisung von ,Gräfin‘ oder mir an die niederen Dienstgrade weitergegeben, wenn sich absehen lässt, wie sich die Lage entwickelt.“
Lupus hatte nicht einmal die Stimme erhoben, und doch jede Diskussion im Keim erstickt, als er fortfuhr: „Unsere Auftraggeber sind da eindeutig. Die Höllenhunde sind – wie die Chevaliers – dezgra, vogelfrei, unberührbar, suchen Sie es sich aus, wie Sie es nennen wollen. Auf diesen Abschaum ist aus gutem Grund ein Kopfgeld ausgelobt. Aber das WARUM hat uns ohnehin nicht zu kümmern – wir müssen nur die Belohnung einstreichen. Die Dezimierung der Höllenhunde…“ Bei dem Wort ,Dezimierung‘ hatte er spöttisch gegrinst: „soll eine deutliche Botschaft sein. Das heißt, wenn wir wollen, dann können wir sie auch gerne entlang einer Straße ans Kreuz schlagen.“ Haritsuke wurde in Kombinat eigentlich nicht mehr praktiziert, aber die Betonung lag auf ,eigentlich‘. „Ob die Botschaft auch wie gewünscht verstanden wird – wer weiß? Aber wir werden dafür Sorge tragen, dass sie klar und laut genug formuliert ist.“
Das entscheidende Argument war natürlich der Wille der Hintermänner gewesen. Die Einheit war auf Rückendeckung angewiesen. Aber Lupus hatte offenbar wenig Ermutigung benötigt, denn wie er dozierte: „Menschliche Behandlung des Gegners speist sich gemeinhin aus zwei Motiven. Einmal Respekt vor ihm oder ihr als menschliches Wesen. Das können wir hier wohl ausschließen. Die Höllenhunde und Chevaliers haben in den Augen von genug Leuten den Tod und Schlimmeres verdient, aus gutem Grund. Sie sind Abschaum der übelsten Sorte – wie Sie alle wissen. Was den zweiten Grund angeht – die Rettung des eigenen Lebens für den Fall einer Gefangennahme… Ich muss wohl niemanden daran erinnern, was uns im Fall der Ergreifung blüht. Auf UNSERE Köpfe sind auch Preise ausgesetzt. Vorzugsweise ohne den Rest, wohlgemerkt.“

Violint war viel zu klug, zu erfahren und durch eine zu harte Schule gegangen, um nicht die Logik zu erkennen. Aber sie hatte nur sehr unwillig nachgegeben.
Lupus hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt, während er die beiden Frauen musterte. Die Beine waren durchgedrückt, die Hacken der Kampfstiefel gegeneinander gepresst, der Rücken bolzengrade. Er neigte leicht den Kopf und grüßte Violint distanziert, aber nicht feindselig. Für die ,Gräfin‘ hatte er natürlich eine tiefere Verbeugung – wobei er sich solche verräterischen Verhaltensweisen im Einsatz selbstverständlich versagte: „Ich bringe Sie zum Schott, Kommandeurin.“ Eine nicht sehr subtile Erinnerung, dass es Zeit war, sich auf den Sprung vorzubereiten.
Violint setzte mit einer geradezu wütenden energischen Bewegung ihren Helm wieder auf und stolzierte wortlos zurück zu ihren Untergebenen – ohne den Gruß zu erwidern. Die ,Gräfin‘ versuchte nicht einmal, sich ein Grinsen zu verkneifen. Angesichts der besonderen Situation wählte sie eine persönliche Anrede: „Hast du gar keine Angst, dass sie dich in den Ring der Gleichen fordert?“
Ihr Untergebener schnaubte: „Nicht, dass sie mich nicht in einem echten Zweikampf besiegen könnte – aber dazu ist sie zu klug. Was soll das dann bringen? Sie kann ja wohl kaum selber den Einsatz führen – soweit ist sie nicht. Noch nicht. Von Sparringskämpfen mit ihr sollte ich aber in der Tat besser absehen.“
„Die Mutter deiner Kinder wird sie jedenfalls mit Sicherheit nicht.“
Lupus zuckte zusammen – weniger angesichts des doch recht derben Scherzes, als vielmehr aus Überraschung. Gerade von seiner Kommandeurin hätte er eine solche Bemerkung nicht erwartet. Er ging aber auf den Ton ein: „Allerdings. Wohl eher die Frau, die jene hypothetischen Kinder zu Halbwaisen machen würde.“ Das brachte ihm ein Lachen ein.
„Aber wir müssen ja keine Freunde sein – das werden wir vermutlich auch nicht mehr in diesem Leben. Oder im nächsten. Wir sind mehr als das. Wir sind Kameraden. Sie weiß, wie wichtig ich im Moment bin. Nicht unersetzlich – das sind nur Sie – aber doch von Bedeutung. Respekt vor den Fähigkeiten ist etwas Solideres als Sympathie. Und das Wohl ihrer Untergebenen bedeutet ihr nun einmal mehr als die Abneigung gegen mich.“
Die ,Gräfin‘ kicherte: „Na, dann frage ich mich aber doch, was du eigentlich in mir siehst. Eine Freundin? Oder ,mehr als das‘?“ Doch ihr Untergebener gab keine Antwort.

Ein paar Schritte Weges gingen sie schweigend, bis sie den Schott erreicht hatten. Dort blieb Lupus stehen: „Ich gehe davon aus, dass das kein Lebewohl für immer wird.“ Seine Stimme klang nüchtern – immerhin war er Veteran: „Aber falls doch, falls es zum Äußersten kommt, denkt daran, dass Ihr nicht nur für uns eine Verantwortung tragt, sondern für die ganze Einheit. Der beste Kommandeur weiß nicht nur, wann er seine Soldaten in den Kampf zu führen hat. Sondern auch, wann er sie zurücklassen muss.“
Die ,Gräfin‘ starrte ihn einen Moment wortlos an. Es war nicht ganz klar, welche Gefühle in ihrer Miene aufblitzen. Frustration, Verachtung, Wut? Dann lächelte sie freudlos: „Glaubst du nicht, du hast dich etwas zu sehr damit abgefunden, dass uns dieser Auftrag das Leben kosten kann? Wenn man irgendetwas als sicher oder fast sicher ansieht – dann unternimmt man vielleicht nicht genug, um es zu verhindern. Ich habe dich nicht für so jemanden gehalten.“ Der Offizier neigte leicht den Kopf: „Das bin ich auch nicht. Jedenfalls noch nicht. Ich habe mit diesem Leben noch einiges vor – namentlich das von ein paar Leuten vorzeitig zu beenden. Aber ich habe es erlebt, wie gute Kommandeure – gerade gute Kommandeure – zu viel geopfert haben, weil sie meinten, sie wären es einer Handvoll Soldaten schuldig, die irgendwo auf verlorenem Posten standen. Diese Regung ist verständlich, aber wir können uns solche Gesten einfach nicht leisten. Wir wussten alle von Anfang an, worauf wir uns einlassen. Mitgefühl mit den eigenen Soldaten ist gut. Aber als Kommandeur muss man sie nötigenfalls auch sehenden Auges opfern.“
Die ,Gräfin‘ schüttelte traurig den Kopf: „Du kennst doch die Geschichte meiner Leute. Wir sind mehrheitlich die Nachfahren derer, die weggerannt sind, die sich ergeben haben. Deren Gesicht gründlich in den Dreck getreten wurde. Aber wessen Namen, denkst du wohl, nennen wir noch heute mit Ehrfurcht in Liedern und Gedichten? Nicht die derer, die den für sie sicheren Weg wählten.“
Der Offizier dachte einen Moment darüber nach: „Das kann ich verstehen. Nicht aus eigener Erfahrung, aber ich kann zumindest versuchen, es mir vorzustellen. Aber denkt daran – Ihr habt eine Verpflichtung, die über jene uns gegenüber hinausgeht. Den Lebenden gegenüber, nicht den Toten. Denen, die hier bei euch bleiben, und noch mehr. Euer Weg ist noch nicht zu Ende. Ihr habt Menschen, die euch lieben und die euch brauchen.“
Was auch immer seine Vorgesetzte auch darauf hätte erwidern können, das Heulen der Sprungwarnung unterbrach das Gespräch. Lupus straffte sich und salutierte zackig. Kurz darauf schloss sich die massive Stahltür.
Der Sprung nach Sulafat konnte stattfinden.

***

Fünf Tage darauf, Odaga-Shimatze-Grenzgebiet, Hinterland von Sulafat

Der Kugelraumer hatte eine aufreibende Reise hinter sich. Er hatte den Sensorstationen der lokalen Truppen ausweichen müssen, und beim Eintritt in die Atmosphäre hatte derselbe Tropensturm, der ihm Deckung bot, zugleich die Fähigkeiten der Piloten bis zum letzten gefordert. Aber sie waren sicher an ihrem Ziel angekommen. Es war ein Krater, geschlagen vor vielen Jahren von einem Asteroiden – der sich auf den ersten Blick in nichts von den anderen Tälern und Schluchten im hügeligen Dschungel unterschied. Aber was eben aus der Luft NICHT zu erkennen war – der Boden war hier fest genug, um eine Landung zu erlauben, eine Rarität in dieser Region. Der Dschungel war zudem dicht genug um Deckung zu bieten – abgesehen davon, dass das Kratergestein Sensoren störte – aber nicht so dicht, dass er eine Bewegung der Gefechtsfahrzeuge unmöglich gemacht hätte.
Wer nicht beste Insiderinformationen hatte, dem blieben für sichere Landungen im Dschungel nur die Behelfslandefelder der Erntecamps, und sogar die waren für schwere Landungsschiffe nicht geeignet. Aber diese Besucher verfügten über das nötige Detailwissen.
In nicht zu weiter Entfernung gab es einen Zugang zum lokalen Flusssystem, was ganz neue Optionen eröffnete. Die starken Regenfälle, die wenn schon nicht täglich, so doch mehrfach die Woche zu erwarten waren, versprachen ausreichend Wassernachschub – wenn man vorsichtig genug war und das kostbare aber gefährliche Nass gründlich reinigte. Glücklicherweise waren diese Besucher bestens auf die Eigenheiten Sulafats vorbereitet.

Der gigantische 75-Tonner war die erste Maschine, die das Landungsschiff verließ. Es war Präzisionsarbeit gefordert – Seeker waren einfach nicht als Transporter für so schwere Maschinen konzipiert worden. Aber Lupus steuerte seine Kampfmaschine mit ebenso viel Geschick wie Erfahrung. In seinem Tarnanstrich wirkte der Mech wie ein wütender, auf Zerstörung sinnender Waldgeist. Ein Eindruck, der durch die montierten Ghillie-Netze noch verstärkt wurde. Ihm folgte die anderen Mechs, Gefechtsfahrzeuge, gepanzerte Infanterie, Artillerie – die Soldaten und Maschinen allesamt in Tarnuniformen und -anstrich. Es gab kein Durcheinander, keine Unsicherheit, jeder Griff schien zu sitzen. Noch war kein Schuss gefallen, doch die Schlacht von Sulafat hatte bereits begonnen. Und der Wald von Birnam marschierte, um am Dunsinane-Hügel zu kämpfen.

Ende
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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04.02.2019 21:12 Forum: Söldner


Da hast du natürlich Recht. Allerdings, ein paar unangenehme Begleiterscheinungen könnte es schon vom Erzählerischen her haben - nur um ein wenig zu berücksichtigen, dass ihr das Seeker auf eine Weise verwendet, wie es nicht ganz vorgesehen war. Wie gesagt, eher Fluff, Probleme bei der Wartung etc.
Es ist soweit ich weiß vielfach so, dass die Seeker generell nicht wirklich gute Operationsbasen für Jäger und tw. auch Mechs sind (sprich es geht, macht aber Probleme, und sicher je mehr Probleme, je größer der Mech/Jäger ist).
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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30.01.2019 05:09 Forum: Söldner


Nun, das sind über den Daumen gepeilte Kombinationen aus den zugänglichen Informationen wie der twobt-Datenbank und sarna.net, plus dem was ich noch von den Konstruktionsregeln weiß. Da ging es zum Beispiel darum, wie viel der Stellplatz für ein leichtes Fahrzeug (was heißt bis 50 Tonnen), ein schweres (bis 100) und einen Mech/Jäger (die brauchten, glaube ich, 150 Tonnen Kapazität).

Pervers wird es nur, wenn sich die Angaben widersprechen. So sagt Sarna, dass ein Seeker normalerweise 40 leichte Panzerfahrzeuge befördern kann und vier Züge Infanterie - es wäre aber auch möglich eine Lanze Mechs oder vier L/R-J mitzunehmen, dann aber nur 28 Panzer (und die Unterbringung des Mechs/Jäger ist nicht wirklich optimal) plus die Infanterie. Dazu kommen zwei Frachträume für 1632 Tonnen Munition, Ersatzteile und was man sonst noch braucht.

Twobt gibt an, ein unmodifiziertes Seeker würde in der ersten Bucht 40-48 leichte Fahrzeuge, in der zweiten 24 leichte Fahrzeuge oder 4 Mechs und in der dritten vier Züge Infanterie. Dazu kommen 1350 Tonnen Fracht.

Was nun davon stimmt, weiß ich nicht (vermutlich kann man in der Fracht auch Panzerfahrzeuge unterbringen, wenn sie nicht zu groß sind - sie sind dann nur in der Operation nicht ganz einfach). Vielleicht ein Mittelding aus beidem?

Bei eurem Seeker war ich deshalb davon ausgegangen, dass die Kapazität mit einer teilweise überschweren Panzerkompanie, einer verstärkten Infanteriekompanie sowie einer Mechlanze (und keiner leichten) plus noch euren konventionellen Fliegern und erst Recht den Transportfahrzeugen für eure Infanterie, mit euren Gefechtsrüstungen sowie sonstigem Anhang (plus normale Transportfahrzeuge oder Sanitätsfahrzeuge, wenn ihr so was habt, von eventuellen Reservemechs ganz zu schweigen) doch erheblich an den Grenzen kratzt, wenn nicht sogar über dem liegt, was man ohne weiteres befördern kann (eure drei Unions sind ja ohnehin voll gepackt).

Es ist jetzt nur meine Vermutung, auf einem Seeker wären viele der Teile eher auf leichte Panzerfahrzeuge ausgelegt, was das Operieren mit überschweren eben schwierig macht. Die Stellplätze sind zu eng, die Laderampen müssen verstärkt werden, die Hangartore sind kaum groß genug, interne Hebeeinrichtungen für Reparaturen sind einfach nicht für überschwere Panzerfahrzeugteile ausgelegt.
Weshalb ich, wenn ich ein Seeker operativ in meiner Geschichte nutze, nach Möglichkeit kein Panzerfahrzeug verwende, das über 50 Tonnen wiegt, um mir dieses Problem zu ersparen...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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28.01.2019 20:25 Forum: Kurzgeschichten


So, ich habe mal meinen nächsten Text gepostet - wenn auch eher zu einer Nebenhandlung...
Thema: Hinter den feindlichen Linien - Season 7 - Zwischen Himmel und Hölle
Cattaneo

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28.01.2019 20:24 Forum: Kurzgeschichten


Schattenspiele

TRS PEGASUS, drei Sprünge vor Deneb, FRT-Grenzgebiet

Normalerweise sprach man davon, dass ein Schiff eine Brücke hatte, und in der Vorstellung vieler Terraner und Konföderierter war dies der Ort, an dem die Entscheidungen fielen. Das mochte auf vielen Schiffen zutreffen – ging aber oft auch an der Realität vorbei. Größere Schiffe, insbesondere Kriegsschiffe, hatten meistens auch eine Ersatzbrücke, die weise Kapitäne selbst außerhalb akuter Gefechtssituationen stets einsatzbereit und bemannt hielten. So konnte im Fall des potentiell katastrophalen Ausfalls der Hauptbrücke eine guttrainierte Ersatzcrew das Kommando übernehmen. Viele Schiffe waren so gerettet, manch verzweifeltes Gefecht gewonnen worden.
Dann gab es natürlich auf wirklich GROßEN Schiffen wie Flottenträgern ein separates Kommandozentrum um Dinge wie den Flugbetrieb und die Bewegungen des unterstellten Flottenverbandes zu koordinieren. Das ließ sich schlecht mit dem mitunter hektischen Betrieb auf der eigentlichen Brücke in Einklang bringen. Die wirklich wichtigen Entscheidungen aber, die wurden oft in einem kleinen, an das Kommandozentrum angrenzenden Besprechungsraum gefasst, wo der oder die Kommandeur beziehungsweise Kommandeurin der Trägergruppe sich mit den Schwadronskommandeuren und anderen Offizieren abstimmen konnte – direkt von Angesicht zu Angesicht oder via hochentwickelter Kommunikationsmittel. Die letztendliche Entscheidung lag immer bei einer einzelnen Person – sah man natürlich von den generellen Anweisungen aus dem Flottenstab und von Terra ab. Doch selbst im hochtechnisierten und zentralisierten Krieg des 27. Jahrhunderts hatten die Flottenchefs immer noch viel Spielraum, zumal wenn sie weit entfernt von Terra operierten. Nur ein schwacher Kommandeur ließ sich in seinem Handeln durch seine Untergebenen bestimmen. Nur ein kompletter Idiot aber ignorierte ihre Einwände und Vorschläge.

Admiral Maike Noltze war gewiss weder schwach noch eine komplette Idiotin – wiewohl sie sich nur zu bewusst war, dass es im Moment eine Menge Terraner, kaiserliche Akarii und wohl auch etliche Konföderierte und Neutrale gab, die sie genau so bezeichneten. Mit ein wenig Glück würde sie diesen Narren bald das Gegenteil beweisen.
Der jüngste Vorstoß des imperialen Admirals Ersten Ranges Kal Ilis gegen die FRT – nicht etwa gegen die von der TSN besetzten imperialen Gebiete, sondern auf ureigenes terranisches Territorium – hatte nicht nur sie überrascht, das war nicht zu leugnen. Die operativen Analysen hatten den Kaiserlichen nach den hohen Verlusten des letzten Jahres keine weitere Großoffensive an dieser Front zugetraut. Ilis hatte zwar die Konföderation aus dem Feld geschlagen, dabei aber zugleich seine eigene Flotte kastriert – und ihr darüber hinaus noch einen Arm abschlagen lassen. So zumindest hatten die Einschätzungen gelautet. Doch das war, offenbar, eine Fehleinschätzung gewesen. Sie hätte es nach den bitteren Lehren von Karrashin, Hannover und Sterntor vermutlich voraussehen müssen. Aber wie sollte man vernünftig Krieg führen, wenn man sich nicht einmal mehr auf die eigene Aufklärung verlassen konnte?
Glücklicherweise hatte der Nachrichtendienst diesmal nicht ganz so skandalös versagt wie mehrfach in den letzten Monaten. Ilis‘ Flotte und Marschrichtung waren entdeckt worden, lange bevor er in Angriffsreichweite kam. Dennoch hatte Noltze sich mit diesem dringenden Problem befassen müssen. Sie hatte die konföderierten Invasoren im Shifang-System laufengelassen, anstatt ihnen die verdiente Lektion einzubläuen.
,Nun ja, vielleicht erledigen das ihre eigenen Leute ja jetzt für mich.‘ Sie gönnte Okamba und seinen Schoßhunden nun wirklich jede Unannehmlichkeit, die ihnen zustoßen mochte. Leider würde das die Dinge für sie nicht verbessern, selbst wenn die CC ihre eigenen Militärs für die fragwürdig autorisierte ‚Rettungsaktion‘ abstrafte.
Noltze wusste, sie persönlich würde für die Schlappe in Shifang ebenfalls noch bezahlen. Das Operationsgebiet der Vierten Flotte unterstand ihrer Verantwortung, und damit hatte sie jeden Rückschlag an dieser Front zu verantworten. Einzig der Kopf von Rear Admiral Kilian Scotlands „Scotty“ saß noch lockerer als ihr eigener, denn immerhin war er für die Feindaufklärung hauptverantwortlich.
Aber sie konnte einen so massiven Vorstoß – zwei komplette verstärkte imperiale Trägerkampfgruppen die in wenigen Sprüngen so wichtige FRT-Systeme wie Deneb, Winston und Thordall erreichen konnten – nicht ignorieren und auf ihre weit verstreuten Deckungsverbände und die lokalen Systemverteidigungskräfte vertrauen.

Deshalb hatte sie rasch gehandelt. Und dabei kam die Expertise einiger ausgewählter Untergebener ins Spiel, denn mit Hilfe ihres Flottenstabes war ein ambitionierter Reaktionsplan ausgearbeitet worden. Seine Bewilligung hatte sie viel Überzeugungsarbeit gekostet, und sie wusste, damit hatte sie jeglichen noch vorhandenen Kredit auf Terra aufgebraucht. Ging jetzt etwas RICHTIG schief, dann gab es keine Macht im Universum, die sie retten konnte – immer vorausgesetzt, dass sie überlebte. Aber sie hatte vom Oberkommando und von der Präsidentin grünes Licht bekommen. Befehle an die übrigen Verbände der Vierten waren hinausgegangen, doppelt und dreifach verschlüsselt. Ein Teil des Planes war noch während seiner Umsetzung modifiziert worden, als die ,Mitspieler‘ sich mit Verbesserungsvorschlägen gemeldet hatten. Noltze war sich nicht darüber erhaben, die Anregungen erfahrener Kommandeure anzuhören und zu berücksichtigen.

Doch alles stand und fiel mit Noltzes eigenem Verband. Sie hatte ihr Flaggschiff zusammen mit den beiden begleitenden Majestic-Trägern von Shifang aus auf einen Abfangkurs gebracht und dabei das Wagnis in Kauf genommen, direkt durch kaiserliche Grenzsysteme zu springen. Diese waren zwar unbewohnt – während des jahrzehntelangen Kalten Krieges hatten sie als Pufferzone gedient, mit deren Hilfe sich das Imperium vor Überraschungsangriffen absichern, die sie aber gleichzeitig auch als potentielle Aufmarschgebiete nutzen wollte. Sie waren kaum vermint, denn auch das Imperium hatte nur begrenzte Mittel zur Verfügung, dass es lieber für die Sicherung strategisch wichtiger Systeme und Sprungpunktknoten nutzte. Doch es war zu erwarten, dass die Grenzsysteme mit Sensoren gespickt waren oder von leichten Patrouilleneinheiten überwacht wurden. Die terranischen Schiffe würden also nicht unbemerkt bleiben, was die Gefahr barg, dass Ilis SIE abfing oder aber den dritten imperialen Flottenträger, der in diesem Frontabschnitt nachgewiesen war, auf sie hetzte. Nach der Art und Weise, wie der gegnerische Admiral seine eigenen Leute über Hannover verheizt hatte, war ihm dies zuzutrauen, um sich seinen nächsten „großen Sieg“ über…sagen wir Deneb…zu sichern. Man musste Noltzes Schiffe ja nicht schlagen, nur dafür sorgen, dass sie Ilis nicht in die Suppe spuckten. Aber sie war bisher durchgekommen, und hatte so wertvolle Zeit gespart.
Ein konventioneller Kommandeur hätte vermutlich die übrigen, weit verstreuten Schiffe der Vierten – vier leichte Träger, den Pegasus-Träger KIEW und den Lexington-Träger YAMATO mit ihren unterbesetzten Begleitgeschwadern sowie einigen schwachen Hilfsverbänden – bei den wichtigsten Systemen konzentriert. Aber wenn sie sich etwas nicht mehr leisten konnte, dann ein rein konventionelles Vorgehen. Dazu war der Raum, den sie abzusichern hatte viel zu groß, und ihr Gegner neigte zu sehr zu irrationalen, irrwitzigen Entscheidungen. Sie musste versuchen, ihm die Schlacht zu ihren eigenen Bedingungen aufzuzwingen. In den nächsten Stunden würde sich zeigen, ob ihr dies gelang.

Der Verband unter ihrem Kommando bot einen beeindruckenden Anblick – neben der PEGASUS, als Typschiff ihrer Klasse schon mehr als 20 Jahre alt, aber bestens in Schuss und grundlegend modernisiert, waren da vor allem die WARSPITE und NAPOLEON. Die Majestic-Träger waren zwar noch nicht in den Genuss eines Umbaus zum ,Hammerkopf-Typ“, der MK III gekommen. Aber sie verdoppelten die Kampfliegerzahl der Pegasus mit einer beeindruckenden Mischung moderner Jäger und Jagdbomber. Begleitet wurden die drei Träger von insgesamt fünf schweren Ticonderoga-Kreuzer, drei Dauntless-Flakkreuzern und sieben leichten Achilles-Kreuzern. Dazu kamen mehr als dreißig Zerstörer, Fregatten und Korvetten sowie ein Dutzend Hilfsschiffe – Minensucher, Flottentanker und -transporter. Gut drei Dutzend Kampfflieger sowie ein Dutzend Radar-Shuttles sicherten im Moment den Verband vor Überraschungen. Und im Notfall standen insgesamt gut 200 Jäger, Bomber und Jagdbomber zur Verfügung. Die sechszehn Staffeln der drei Träger stellten eine formidable Streitmacht dar.
Da waren natürlich zunächst einmal die Black Aces der PEGASUS, ein Geschwader, das so alt war wie der Träger auf dem es diente, das erste acht-Staffeln-Bordgeschwader – neun, wenn man die Shuttles mitzählte – der TSN überhaupt. The Old Guard von der NAPOLEON führte ,natürlich‘ die Bärenfellmütze vor einer gekreuzten Muskete und Adlerstandarte als Abzeichen. Ihre Staffeln waren nach den Kavallerieeinheiten der Vieille Garde des Ersten Französischen Kaiserreichs benannt. Die King’s Dragoon Guards oder KDG von der WARSPITE – bekannter unter ihrem Spitznamen King’s Dancing Girls – waren ein deutlich jüngeres Geschwader, hatten sich aber ebenfalls bereits einen Namen machen können.
Sie alle hatten zwar nicht an der Hauptfront, bei der ,Mächtigen Zweiten‘ gefochten. Das hieß aber nicht, dass sie und ihre Begleitschiffe in den letzten Jahren nicht in eine Vielzahl von Gefechte verwickelt gewesen waren. Freilich handelte es sich dabei zumeist um kleinere Scharmützel, lokale Vorstöße, Zufuhrkrieg und die Jagd nach imperialen Raidern. Maike hoffte, dass Schiffe, Crews und Ofiziere sich bei ihrer ersten großen Schlacht genauso bewähren würden wie im ‚Kleinen Krieg‘. Aber solche Zweifel durfte sie sich natürlich nicht anmerken lassen.

Die Offiziere in der Kommandozentrale sahen in etwa so überarbeitet aus, wie sie sich fühlte – dies galt besonders für Scotty. In den letzten Tagen hatten sie alle sich nicht mehr als ein paar Stunden Schlaf gönnen können. ,Das dürfte mal ein Beispiel sein, bei dem die höheren Dienstgrade länger arbeiten mussten als die Schiffscrews.‘ dachte sie mit grimmiger Belustigung. Sie fühlte sich wie ein Jongleur, der mit einem Dutzend Fackeln und Messern jonglierte. Wenn man einmal danebengriff, verbrannte man sich die Finger – oder verlor sie.
Maike gratulierte sich insgeheim selbst, dass sie es geschafft hatte, ihr Aussehen makellos zu halten. Das war zwar ein etwas billiger Taschenspielertrick, aber das Militär war nun einmal ein konservativer Verein – und eine Admirälin mit schlecht sitzender Dienstuniform oder Ringen um die Augen war ungeeignet, Vertrauen zu erwecken. Sie hatte sich nicht umsonst nach oben gedient, ehrgeizig, unermüdlich und wenn nötig rücksichtlos. Schwäche durfte man niemals zeigen, ganz besonders nicht, wenn man gerade verwundbar WAR.

Dennoch krampfte sich ihr Herz zusammen und sie musste an sich halten, um nicht zusammenzuzucken, als auf den primären Bildschirmen Dutzende neue Symbole auftauchten, direkt am Sprungpunkt in Richtung Deneb. Im Moment waren nur Transitechos zu erkennen, doch es war bereits klar, dass es mehr als dreißig waren. Für eine Prüfung der FFI-Kennung waren sie noch zu weit entfernt, zudem störte die Hintergrundstrahlung des Sprungpunktes die Erkennung. Die Schiffe selbst verschwanden deshalb unmittelbar nach ihrem Eintritt in das System wieder von den Bildschirmen – angezeigt wurde nur ihre alte Position.
Wenn es sich dabei um die Vorhut von Ilis’ Flottenverband handelte, würden ihnen nur zu bald weitere folgen, bereiteten sich die Imperialen vermutlich bereits auf den Angriff auf die PEGASUS und ihre Begleitschiffe vor. Sekunden dehnten sich zu scheinbaren Ewigkeiten – dann kam die befreiende Nachricht: „Admiral – verschlüsselter Funkspruch! Terranische Codierung.“
Maike Noltze atmete auf: „Entschlüsseln.“
Der Signaloffizier bediente einige Tasten, runzelte die Stirn, wiederholte den Vorgang: „Doppelcodierung, maximale Sicherheitsstufe…Funkspruch liegt nun vor.“
Die Admiralin straffte sich. Sie ahnte bereits, wie die Botschaft lauten würde, und nickte Scotty zu: „Ich denke, das sollten Sie vorlesen.“
Ihre rechte Hand war sich der Bedeutung des Augenblickes nur zu bewusst. Seine Stimme klang selbstsicher und ruhig, als er die Botschaft ablas. Sie bestand aus gerade einmal zwei Worten: „Niitakayama Nobore.“*
Noltze gestatte sich ein Lächeln, das alle Männer und Frauen im Raum – und vermutlich das ganze Universum gleich mit – umfasste: „Die Yamato ist hier.“ Sie sprach es nicht aus, aber die Botschaft besagte auch, dass ihr Schlachtplan angelaufen war.
Dann wurde sie übergangslos ernst: „Funkspruch an die Flotte – bereitmachen für Rendezvous. Gefechtsbereitschaft bleibt bestehen. Sie neigte den Kopf: „Scotty, Sie übernehmen. Ich bin gleich wieder zurück.“

Sie hatte es nicht weit bis zum Besprechungsraum. Hier konnten kontroverse Diskussionen geführt werden, ohne dass die ,Normalsterblichen‘ davon erfuhren. Der Raum verfügte auch über einige der besten und sichersten Kommunikationsanlagen des ganzen Trägers, die angeblich nicht einmal der Bord-NIC mitlesen konnte. Was hier herausging, war mindestens doppelt, meist aber drei- oder vierfach verschlüsselt und komprimiert.
Die Admirälin hatte ihre Gründe, dieses Gespräch allein zu führen. Geheimhaltung war von entscheidender Bedeutung, weshalb die Kommunikation zweimal bestätigt werden musste, mit Codes, die neben Noltze nur eine Handvolle Menschen kannten.
Sogar viele ihrer engeren Mitarbeiter kannten nicht jedes Detail des Schlachtplans, oder wussten, wer mit welcher Aufgabe betraut war. Das mochte übervorsichtig wirken, aber seit dem Verrat der Konföderation war ein wenig Paranoia nur angebracht. Offenkundig hatten die Konföderierten lange vor ihrem Kurswechsel Spione in der TSN eingeschleust, und das Ausmaß ihrer Zusammenarbeit mit dem Imperium war auf dramatische Art und Weise demonstriert und enthüllt worden. Auch wenn Cochranes Schicksal besiegelt schien, musste das nicht für alle seiner Lakaien gelten. Und dass der konföderierte Geheimdienst bei der eigenen Sicherheit schandhaft versagt hatte, war ebenfalls nur zu bekannt.

Als die drei Bildschirme nacheinander zum Leben erwachten, Zeichen, dass die Verbindung stand, zögerte Maike Noltze für einen Augenblick. Sie wusste, dies war möglicherweise ein Wendepunkt, zumindest im Leben von tausenden Männern und Frauen, und natürlich auch für ihr eigenes Geschick und ihre Karriere. Und damit nicht genug - ihre Befehle mochten auch noch sehr viel weitergehende Konsequenzen haben. Doch es war zu spät, viel zu spät, um noch auf Nummer sicher zu gehen, oder Skrupel zu hätscheln. Die Würfel waren geworfen, und jetzt blieb nur noch abzuwarten, wie das Spiel enden würde.
Die Gesichter, in die sie blickte, waren die von Profis – zwei Männer und eine Frau. Jeder einzelne war einiges älter als sie selbst, hatte den Krieg vom ersten Tag an mitgemacht und bereits lange zuvor in der TSN gedient.
„Gorgo – Einsatzbefehl erteilt.“
Die Antwort kam einige Sekunden später. Die große Entfernung und die Notwendigkeit, die Nachricht zu kodieren und dekodieren führte zu einer Verzögerung, die ein echtes Gespräch erschwerte. Doch dies war ohnehin nicht der Augenblick für lange Diskussionen, und die Antwort war denkbar knapp: „Bestätige.“ Die stämmige, dunkelhäutige Frau auf dem Bildschirm machte sich nicht einmal die Mühe zu salutieren.
„Echidna – Sie haben die Freigabe.“ Der grauhaarige Offizier auf dem zweiten Bildschirm nahm Haltung an. „Wir sind bereit!“
„Chimäre – schlagen Sie los.“ Der dritte Adressat, ein Rear Admiral, schien beinahe zu lächeln, aber es war kein gutes Lächeln, vielmehr eines, das nicht die Augen erreichte. Er verneigte sich leicht, um den Empfang zu bestätigen: „Admiral.“
Und dann erloschen die Bildschirme einer nach dem anderen. Die Spielfiguren begannen mit ihren Zügen.
Maike Noltze starrte noch für einige Herzschläge auf die schwarzen Monitore. Dann drehte sie sich um. Es wartete Arbeit auf sie.

*****

Imperialer Flottenträger QUASAR, einen Sprung vor Deneb

Kal Ilis war vor allem eines – alt. So alt, dass er mit dem verstorbenen Kaiser auf der Akademie ein Zimmer geteilt hatte, so alt, dass er sich seine ersten Sporen in Kriegen verdient hatte, die inzwischen lediglich noch die Historiker interessierten. Er war im festen Glauben an die Borealis-Doktrin aufgewachsen, die den Akarii die Führungsrolle, und allen anderen, niederen Rassen bestenfalls einen Platz als Diener zuwies. Das glaubte er noch immer, aber er war nicht zu alt, um dazuzulernen. Die minderwertigen Rassen – nicht nur die Menschen, aber besonders sie – hatten gerade in den letzten Jahren einiges an Einfallsreichtum und Widerstandskraft bewiesen. Das Imperium hatte Rückschläge hinnehmen müssen, sogar bittere Niederlagen. Sie waren zum Teil selbst verschuldet, durch Ignoranz und Einfallslosigkeit, aber nicht nur.
Doch wenn es etwas gab, an dem das großartigste Reich in der Geschichte der Galaxis gewachsen war, dann an Widerständen. Den Akarii war ihr Platz als auserwählte Herrscher nicht einfach zugefallen, sie hatten ihn sich erkämpfen müssen, genauso wie die kaiserliche Familie nicht kampflos zum uneingeschränkten Herrscher des Imperiums geworden war. Und er würde bis zu seinem letzten Atemzug darum kämpfen, damit sein Volk den ihm zustehenden Platz behaupten konnte.
Und deshalb war er hier, einmal mehr im feindlichen Territorium. Fast wie in den guten alten Zeiten. Und doch war nichts so wie damals.

Das Zentrum des Imperiums war in Aufruhr. Der Kriegsminister war tot, seine Nachfolge unklar. Wer auch immer das Amt übernahm, er oder sie musste damit rechnen, dass nicht nur die ohnehin gigantischen Herausforderungen eines Krieges um das Überleben des Imperiums zu bewältigen waren. Es würde auch sofort ein Gezerre einsetzen, um die entsprechende Person fest an eine der widerstreitenden Fraktionen auf der Hauptwelt zu binden oder aber, falls er oder sie zu einer ,feindlichen‘ Partei gehörte, die Amtszeit abzukürzen.
Ilis hatte auf Linai gesetzt, von dem Tag an als sie zur Regentin ernannt worden war – eine Überzeugung, die er vor den meisten anderen Akarii, selbst guten Kameraden, verheimlichen musste. Die Vorstellung, eine wirkliche Herrscherin auf dem Thron zu sehen, galt vielen – gerade aus Ilis‘ eigener Generation – als bizarr, abstoßend, geradezu undenkbar. Und das ziemlich erbärmliche Schmierentheater auf der Hauptwelt mochte diese Traditionalisten noch in ihren Ansichten bestärken. Der Admiral konnte ihr Gerede geradezu hören…
Ilis hatte vor langer Zeit einmal Dero Allecar gedroht, ihn zu töten, wenn dieser Linai hintergehen sollte. So langsam fragte er sich, ob er nicht tatsächlich seine Kampffähigkeiten aufpolieren musste. Der junge Allecar hatte zwar den törichten Gatten der Prinzessin beseitigt, doch er hatte das auf eine Art und Weise getan, die mehr Schaden anrichtete als Nutzen, und nun benahmen er und sein Vater sich keinen Deut besonnener.

Da war es fast schon zu genießen, dass er hier an vorderster Front stand. Ilis unterschätzte die generischen Kommandeure nicht – aber wer von ihnen kam schon auch nur im Entferntesten an seine Erfahrung heran? Wer von ihnen hatte mit zwei Schlachten eine ganze Nation aus dem Krieg gezwungen? Nein, hier draußen gab es niemanden, der ihm ebenbürtig war – anders als im Spiel der Lügen, falschen Versprechungen und verborgenen Dolche, das im imperialen Palast tobte.
Allerdings durfte er natürlich nicht ZU siegesgewiss sein. Das hatte schon mehr als einen imperialen Admiral Entehrung oder den Tod beschert. Und deshalb war ihm das Dilemma nur zu bewusst, in dem er sich momentan befand.

Er hatte darauf gebaut, dass Noltze mit den Konföderierten beschäftigt war und niemals rechtzeitig auf seinen Angriff reagieren konnte. Zwar war ausgeschlossen, dass ihm noch ein solcher Sieg wie über Hannover gelingen würde. Selbst wenn er einen lokalen Ministerpräsidenten in die Kapitulation prügeln konnte, hatte der Menschling gar nicht die Befugnisse, für die regulären Bodenstreitkräfte zu kapitulieren. Eine offizielle Kapitulation von…sagen wir Deneb…wäre deshalb nicht mehr als ein erfreulicher aber letzten Endes leerer Propagandasieg gewesen. Der Gegenschlag der Vierten Flotte wäre unweigerlich erfolgt.
Nein, er hatte darauf gebaut, ein wichtiges System zusammenschießen zu können und mit viel Glück einen der feindlichen Flotten- oder leichten Träger zu stellen, mindestens aber die TSN-Front ins Chaos zu stürzen. Doch Admiralin Noltze hatte schneller reagiert als er es für möglich gehalten hatte. Jetzt stand sie mit ihrem Verband nur einen Sprung von seiner Position entfernt und hatte sich mit der YAMATO zusammengetan.

Und deshalb war es an der Zeit, das weitere Vorgehen zu beraten. Ilis bedauerte es, dass er Yon Ataki nicht bei sich hatte. Er hatte sie als fähige Kommandeurin kennen und schätzen gelernt. Aber die junge Admiralin war mit ihrem erst kürzlich wieder notdürftig einsatzbereit gemachten Träger YONDER im Ibari-System zurückgeblieben. Sowohl das Schiff als auch das Bordgeschwader und die begleitenden Kriegsschiffverbände hatten sich immer noch nicht von den Verlusten bei den Schlachten von London und Hannover erholt.
Stattdessen war Admiral Zweiten Ranges Teleri Sattala von der TORVA RAT, Ilis‘ zweitem Quasar-Träger, seine rechte Hand – ein Neuzugang in diesem Frontabschnitt. Ilis kannte ihre Akte, aber sonst wusste er wenig über sie. In den Besprechungen war sie bisher ungewöhnlich zurückhaltend ihm gegenüber gewesen – sicherlich nicht aus Schüchternheit, denn das hätte weder zu einer Admirälin noch zu einer Sattala gepasst.
Im Moment war sie die Wortführerin, die knapp die Fakten zusammentrug.
„Ausgehend von den Informationen unserer Aufklärer müssen wir kalkulieren, dass der Gegner über das Gegenstück dreier terranischer Trägerkampfgruppen verfügt. Dem stehen auf unserer Seite die beiden Quasare gegenüber, dazu drei Tormalin-Flugdeckkreuzer. Wir haben sechs Reva-Angriffstransportern,“ Ilis hatte sich dafür entschieden, die Schiffe mitzunehmen – teils zur Verwirrung des Gegners und um ihn glauben zu machen, dass er bereit war, eine Invasion zu starten: „davon ist einer zum Träger für die neuen Schnellboote des Typs Shajan umgerüstet worden. Und ein weiterer, die ZEHNTAUSEND TEKA, gehört zur neuen Ashigaco-Klasse, das heißt, er ist so viel wert wie zwei Tormalin – außer im direkten Schlagabtausch.“ Außerdem waren da noch drei Dutzend leichte und schwere Kampfkreuzer, fast sechzig Zerstörer, Fregatten und Korvetten und einige Hilfsschiffe.
„Mit dieser Flotte sollte es uns theoretisch möglich sein, den feindlichen Flottenverband zu überwältigen.“
Ilis unterdrückte ein Stirnrunzeln. Das klang recht zögerlich für eine Admirälin der imperialen Flotte.
„Sollten wir aber auf Deneb vorstoßen, gehen wir das Risiko ein, zwischen die Schiffe Noltzes und ein planetares Geschwader – vielleicht gar verstärkt durch die KIEW oder einen, vielleicht auch zwei der leichten Träger der Vierten – zu geraten. Wir haben keine ausreichenden Informationen über den Standpunkt der defensiven Trägerverbände, wir kennen nicht die Minenfelder im Deneb- oder anderen wichtigen terranischen Systemen, und wir müssen davon ausgehen, dass die TSN- und Nationalgardegeschwader längst vorgewarnt sind und ähnlich verbissen kämpfen werden wie im Sterntor-System.“
Teleri führte dies nicht weiter aus, aber mit den imperialen Kriegsschiffen von vor fünf Jahren wäre das noch kein Grund zur Sorge gewesen. Doch inzwischen waren die terranischen Jäger besser als damals, hatten die Menschlinge an Kampferfahrung gewonnen. Die imperialen Geschwader bestanden aus zu vielen jungen, unerfahren Piloten, und der Kampfgeist der übrigen Crews war weniger stabil, als es sich für kaiserliche Soldaten gehörte. Der Ausgang einer solchen Konfrontation wäre ungewiss, eine Niederlage war sogar wahrscheinlich. Das mochte man beklagen und damit hadern, aber leugnen konnte man es nicht. Ilis hatte wahre Wunder vollbracht, den Kampfgeist der Männer und Frauen unter seinem Kommando wieder aufzubauen – doch nicht einmal er konnte zaubern. Und anders als viele seiner Untergebenen nahm Admiral Sattala das offenbar auch nicht an.

„Und was würden Sie empfehlen, Admiral Sattala?“
Die Offizierin zögerte kurz, doch dann straffte sie sich: „Diese Operation basierte auf dem Angriff der Konföderierten auf ihre bisherigen Verbündeten. Die Terraner haben zu schnell reagiert, als dass wir den erhofften Nutzen daraus ziehen konnten. Dennoch haben wir damit ihre gesamte Front in Aufruhr versetzt, und sie haben wichtige Faustpfänder gegenüber den Konföderierten verloren. Es ließ sich nicht voraussagen, dass Cochranes Position so instabil ist, dass er dennoch gestürzt werden konnte. Ich empfehle angesichts all dessen, die Operation abzubrechen. Wir können auf unserem Rückzug durch ein, maximal zwei terranische Systeme niederer Priorität marschieren und dort militärische Ziele angreifen – dies sollte es dem Gegner unmöglich machen, uns zu stellen, während wir ihn zugleich vorführen. Die Menschlinge würden als die Narren dastehen, die von einem Krisenpunkt zum nächsten hasten, ohne etwas zu erreichen.“

Admiral Ilis antwortete nicht sofort. Er ließ die Reaktionen der versammelten Runde auf sich wirken. Die Mienen seiner Untergebenen zeigten deutlich, dass sie in ihrem Urteil gespalten waren. Einige Offiziere stimmten Teleri offenbar zu, zurückhaltend, aber dennoch bestimmt. Die meisten aber waren anderer Meinung. Sich aus dem gegnerischen Gebiet ohne eine Schlacht zurückzuziehen entsprach nicht dem Ehrenkodex der imperialen Flotte – und ganz bestimmt nicht den hochfliegenden Hoffnungen und Erwartungen, die sie in eine Operation unter dem Kommando des Siegers von Hannover gesetzt hatten. Ilis selbst wollte sich ebenfalls nicht zurückziehen – hatte er nicht die Konföderierten geschlagen, trotz all ihrer Stärke und Entschlossenheit? – doch er teilte einige Bedenken seiner Untergebenen.
Wichtiger jedoch war, dass ein kampfloser Rückzug im Moment aus anderen Gründen undenkbar war. Das Kaiserreich brauchte Siege, um sein Selbstbewusstsein aufrecht zu erhalten. Linai brauchte einen Sieg, damit ihre Rivalen nicht den Tod ihres Gatten in ein schlechtes Omen umdeuteten, in einen Rückschlag, den nur ein ,echter Mann‘, ein ,echter Imperator‘ zu bewältigen vermochte. Diese Gefahr drohte ihr sowohl von den Anwärtern auf den Thron, als auch von Seiten der Allecar. Dero mochte Linai aufrichtig lieben – oder sich das einreden – aber sein Vater liebte vor allem die Macht. Er würde sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, das Wohl seines Hauses und vor allem seine Position im Kampf um den Thron zu stärken. In der vergifteten, aufgeheizten Atmosphäre auf der Hauptwelt konnte eine Schlacht – oder ein Rückzug – viele Lichtjahre entfernt dramatische Konsequenzen haben. Aus diesem Blickwinkel blieb ihm eigentlich nur eine Wahl…

Als der alte Admiral sich erhob, nahmen alle anderen Offiziere Haltung an. Ilis‘ Führungsanspruch war unangefochten, nicht nur wegen seines Ranges – mochten einzelne auch Bedenken gegen seine Entscheidungen haben: „Wir werden uns nicht kampflos zurückziehen. Diese Flotte ist nicht auf die Hilfe der Konföderierten angewiesen. Wir haben die Menschlinge gelehrt uns wieder zu fürchten – es wird Zeit, ihnen diese Lektion noch einmal ins Gedächtnis zu brennen. Aber…das heißt nicht, dass wir blindlings dreinschlagen. Wir werden Admiral Noltze jagen, wir werden sie stellen, und wir werden ihre Flotte vernichten! Bereiten Sie die Schiffe auf den Sprung vor – und aufs Gefecht.“

*****
* Niitakayama Nobore (Ersteigt den Berg Niitaka) war der Code für den Angriffsbefehl der Imperialen Kaiserlichen Flotte für den Angriff auf Pearl Harbour 1941.
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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28.01.2019 20:23 Forum: Söldner


Ach, es geht schon. Das ist nur ein bisschen Krümmelkackerei.
Gerade wenn ihr noch die zusätzlichen Schiffe (oder wenigstens eines davon mitnehmt). Darüber hatten wir uns ja schon früher ausgetauscht, als es um die Frage ging, ob ihr ein oder zwei Sprungschiffe braucht (ich denke, ihr braucht eher zwei). ist nur ein bisschen Gemecker über eure Vorlieben für sehr schwere und sehr moderne Maschinen... großes Grinsen

Es macht auf jeden Fall Sinn, die Kommandolanze auf dem Seeker zu haben als isoliert auf einem anderen Schiff wie dem Leopard. Es ist nur nicht sehr bequem und ihr müsst vermutlich mit den Mechs und den überschweren Maschinen aufpassen, die Techs fluchen weil alles so eng ist, beim Be- und Entladen ist Milimeterarbeit gefragt...
Also was für den Fluff, wenn man es denn aufnehmen will.
Aber es gibt schon einen Grund, warum ich immer genau hinschaue, wie ich "meine" Einheiten zusammenstückele, damit es halbwegs passt (auch von der Verfügbarkeit/Herkunft - nicht einfach einen Kurita-Mech in einer Liao-Einheit etc.)

Aber ja, es gibt tatsächlich offizielle Angaben, was welcher Typ von Landungsschiff tragen kann. Nur kann das natürlich immer mal modifiziert worden sein - so lange also niemand ein ganzes Panzerbataillon der Sturmklasse auf ein Seeker verfrachtet, geht es noch.
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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28.01.2019 14:12 Forum: Söldner


Für mich schon, ich bitte nur um Erlaubnis, ein wenig mosern zu dürfen...
Ich nehme mal an, eure konventionellen Truppen sind auf dem Seeker, d. h. der Boreas. Das dürfte zwar etwas eng werden, denn ihr kratzt mit dem ganzen Hilfspersonal an der Grenze der üblichen vier Züge Infanterie.
Außerdem ist mindestens eines - wie ich euch kenne aber mehr als nur das eine Teufel - eurer Panzerfahrzeuge einiges über 50 Tonnen. Seeker sind ja eigentlich eher für leichte und mittelschwere Panzerfahrzeuge konstruiert. Aber mit strukturellen Verstärkungen lässt sich das sicher ausgleichen. Ich meine, wo ein Mech reingeht, der eine enorme lichte Höhe hat und der zudem sehr großen Druck auf eine kleine Fläche ausübt....
Es MUßTE aber auch unbedingt ein 95-Tonnen-Monster sein, gelle? Baby großes Grinsen
Da Ace ja den drei anderen Panzerfahrzeugen der Befehlslanze entweder zwei oder drei Kanoniere gegeben hat, lehne ich mich wohl nicht ZU sehr aus dem Fenster wenn ich vermute, das sind eher schwere Pötte... böse Augenzwinkern
Und die zweite Lanze ist da nicht viel besser. Sicher etliche mehr als 50 Tonnen, oder? Ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren, allein mir fehlt der Glauben.

Nimmt man noch die konventionellen Flugmaschinen und die leichten Panzer der dritten Lanze hinzu, dann seid ihr ziemlich dicht dran an einem Zusammenbruch der Zwischendecke/Laderampe. Wenn ich mal ein wenig meckern darf smile
Es kommen ja vielleicht auch noch einige Sankra, MTW und normale Transportfahrzeuge hinzu?
Tja, ich habe vor LANGER Zeit mal eine Söldnereinheit im RPG gemanagt, das kommt hin und wieder durch.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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22.01.2019 10:49 Forum: Kurzgeschichten


Hm, ich dachte aber, das Aldelsforum tritt eigentlich so gut wie nie mehr zusammen, nur um als Akklamationsrunde den neuen Imperator zu bestätigen, sonst praktisch gar nicht? So hatte ich jedenfalls Tyrs bisherige Texte verstanden.

Deshalb vermute ich, es gibt noch eine imperiale Sonderjustiz, die ebenfalls Militärs aburteilen kann (oder aber abwartet bis die Flotte jemanden eilends ausstößt um ihn dann abzuurteilen). Aber das ist jetzt nur meine Meinung.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.01.2019 19:56 Forum: Kurzgeschichten


Vielleicht meinte er ja auch, es wäre fast schon klischeehaft, wo sie sich doch bei der ersten Begegnung so "anzicken" (und das meine ich jetzt natürlich geschlechtsunabhängig, denn da gibt es keinen Unterschied).
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