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Thema: Chevaliers
Cattaneo

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24.06.2019 21:14 Forum: Söldner


Nö, immerhin hat es ja einen seiner Leute getroffen. Behalte nur im Hinterkopf, dass ihr damit nicht seine Freunde werdet (schon gar nicht die alte Garde der Höllenhunde, die bei dem Kampf gegen Kenda dabei war).
Du könntest höchstens die "es kann nicht die Guerilla sein" Sache vielleicht etwas verwässern.
Natürlich können die Höllenhunde in ALLEM eine große Verschwörung gegen sich sehen. Aber Tanigaki und die örtlichen Sicherheitskräfte werden wohl nicht von vorneherein ausschließen, dass Aufständische dahinterstecken, nur weil die Bombe diesmal etwas besser konstruiert wurde als üblicherweise.
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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24.06.2019 12:13 Forum: Söldner


Ace: Nun, handwerklich ist es - wie eigentlich immer - ein guter Text.
Ich denke nur, dass:
a) Tanigaki die Sache nicht unbedingt so offen persönlich nehmen würde. Wäre er so vordergründig emotional, müsste er eigentlich auch Scharnhorst erschießen, du weißt schon, wegen seinem Namensvetter. Und er hat auf dem Planeten als Verwalter und Kommandeur gedient - die einheimische Guerilla hat totsicher schon versucht, ihn persönlich umzubringen und er hat gute Männer und Frauen im Aufstand verloren, sprich, es ist das, was er auf Sulafat erwartet
und b) er (und vermutlich auch etliche andere) die Möglichkeit einer einheimischen Bombe nicht SO vehement ausschließen würden. Der Bürgerkrieg dauert inzwischen mehr als ein Jahrzehnt. Wenn es was gibt, was die Aufständischen können, dann Kehlen aufschlitzen und Bomben basteln...

Torsten: Ja, das Problem kenne ich. Nun, ich nehme an Ace ist für JEDEN Beitrag dankbar (und mich würde es natürlich auch freuen). Wenn du im Rahmen deiner Möglichkeiten schreibst, kann man nun wirklich nicht mehr verlangen...
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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17.06.2019 10:10 Forum: Söldner


Ist gut geschrieben, und ich habe auch nichts dabei auszusetzen. Sehr schön, dass ihr die Texte geschrieben habt.

Ein, zwei Details sind ein bisschen falsch (so wurde das Gelände nicht von der alten, sondern von der neuen Obrigkeit als Gefangenenlager genutzt), aber die Höllenhunde sind eben nur oberflächlich gebrieft und verwechseln leicht mal was (bis zum großen Aufstand war es ja tatsächlich eine Fabrikhalle). Die Nutzung als Gefangenenlager liegt gerade mal ein paar Jahre zurück, nach dem Tod des Shimatze-Lords.

Ich werde mal zusehen, dass ich auch mal was beisteuern kann, aber vielleicht erst nachdem ihr ein neues Zuhause gefunden habt.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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07.06.2019 10:34 Forum: Kurzgeschichten


Cunningham: Falls du den nächsten Text in der Noltze/Ilis-Storyark in Arbeit hast, sag mir bitte Bescheid - ich könnte dann einen Eingangstext vor den von dir geschilderten Ereignissen verfassen.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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23.05.2019 21:21 Forum: Kurzgeschichten


Hm, da hast du natürlich Recht. Wir sollten wirklich mal etwas weitermachen. Ich war mir nur nicht sicher, ob ich meinen nächsten geplanten Text aus Gründen des Zeitpunkts in-story etwas hinausschiebe. Aber vielleicht sollte ich schon mal anfangen, dran zu schreiben...
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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09.05.2019 18:07 Forum: Söldner


Thorsten: Ich würde mich da Tyr anschließen und sagen, du bist keineswegs zu sehr auf Dystopia geeicht. Persönliche Freiheiten sind etwas, das in Söldnereinheiten sicher von Einheit zu Einheit unterschiedlich gehandhabt wird. Aber wie Tyr sagte sind alle Staaten der Inneren Sphäre letzten Endes autoritäre bis totalitäre Regime (wenngleich die planetaren Regierungen dies nicht unbedingt sind), die Clans sind eine faschistoide Bande, und in der Peripherie regiert nicht selten das Faustrecht (wobei ironischerweise einzelne Peripheriestaaten deutlich demokratischer sind als die Freie Innere Sphäre). Von daher denke ich, dass ein Bluttest nichts ist, worüber sich die meisten Soldaten auch nur allzu sehr wundern würden, weil sie es gewohnt sind, dass ihre persönlichen Freiheiten eingeschränkt sind. Sie haben sich immerhin verpflichtet für Geld die relativ hohe Wahrscheinlichkeit zu akzeptieren, dass man Löcher in sie schießt...
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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17.04.2019 05:41 Forum: Söldner


Nur die Ruhe, hier macht dir niemand Druck. Genieß auch mal die Osterfeiertage... Augenzwinkern
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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13.04.2019 15:44 Forum: Kurzgeschichten


Cunningham: Ich weiß, wir gehen dir damit etwas auf die Nerven, aber kannst du bitte bei Gelegenheit mal ein paar zusätzliche Richtungsorientierungen zu einigen Punkten geben?

Tyr wüsste vermutlich Hinweise sehr zu schätzen, wie es bei den Akarii weitergeht. Ähnlich ist es bei dem Ilis/Noltze-Nebenstrang, bei dem ich gerne wüsste, ob ich dazu noch was schreiben soll (wenn du keine Zeit/Lust hast), und auch bei der Innenpolitik der FRT steht ja eine wichtige Entscheidung an, bei der die Autoren sicher gerne Bescheid wüssten, ob sie was übernehmen sollen etc.
Wenn man was genaueres wüsste, könnte man mit der weiteren Textplanung beginnen...
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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08.04.2019 17:31 Forum: Söldner


Tja, einerseits sehr herzlichen Glückwunsch. großes Grinsen
Andererseits hoffe ich mal, das wird nicht zu "heldenhaft". Augenzwinkern
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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01.04.2019 22:07 Forum: Söldner


Hihi, wenn du sagst "zuerst die guten Nachrichten" - impliziert das nicht, dass da noch schlechte hinterherkommen? Augenzwinkern

Aber herzlichen Glückwunsch. Ein Buchprojekt abzuschließen ist immer eine Zentnerlast, die einem von der Seele fällt.
Allerdings, Lektorieren ist ja auch kein Vergnügen... großes Grinsen
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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25.03.2019 05:29 Forum: Kurzgeschichten


Das mit dem Wahlkampf sehe ich anders. Die Akarii haben so viele Verbrechen begangen, da kommt es auf eines mehr oder weniger nicht an (so lange es keine Massenvernichtungswaffen sind). So lange die Situation auf Pandora nicht vollkommen außer Kontrolle gerät (und das wird sie nicht, dazu kann das Imperium generell oder zumindest im Moment nicht genug machen), ist das kaum von Belang. Versuche terranische Rebellen zu unterstützen können leicht umgedeutet werden in Zeichen für die Verzweiflung der Kaiserlichen, die noch nach dem dürftigsten, nutzlosesten Strohhalm greifen. Als Unterstellung ist der Vorwurf ohnehin sicher schon im Raum.

Es wird sowieso Zeit, dass die Wahl über die Bühne geht, das haben wir ja lange genug vor uns hergeschoben...

Akarii-Innenpolitik ist im Moment nun aber sehr viel wichtiger. Volkes Stimme ist zwar weniger wichtig als in der CC/FRT (dafür ist es nun mal eine autoritäre Diktatur), aber die Stimmen der Elite in Politik und Militär sind eine andere Sache. Und die lassen sich eher durch erfolgreiche Strategien auf dem Schlachtfeld gewinnen, nicht durch geheimdienstliche Aktionen, die vorzubereiten Monate dauert und die erst in fernerer Zukunft vielleicht Erfolge zeitigen...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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24.03.2019 08:44 Forum: Kurzgeschichten


Welchen psychologischen Effekt? Die Öffentlichkeit in der FRT wird sich ja wohl kaum sonderlich beeindrucken lassen, wenn die Kämpfe aus Pandora graduell wieder zunehmen. Nicht mitten in einem Krieg der vermutlich schon eine Million oder mehr Tote gekostet hat.

Was sowieso erst in Zukunft geschehen würde, denn wie gesagt, das so etwas sich auswirkt braucht Zeit. So lange die Kaiserlichen nicht gerade ein paar Atomwaffen einschmuggeln an jemanden der irre genug ist sie einzusetzen (und das werden sie eher nicht tun, denn sonst sind vielleicht die nächsten Marschflugkörper, die auf eine kaiserliche Welt abgefeuert werden, NICHT konventioneller Natur) können sie bestenfalls die Revolte moderat anheizen. Wenn Birmingham auf die Rebellen zugeht, wie angeregt, dürfte das einen Gutteil des Auftriebs durch die nachlassenden Aktivitäten anderer Gruppen verpuffen lassen. Die Radikalen die Hilfe annehmen können ihre Karten verbessern weil sie mehr Geld und Waffen haben, aber gleichzeitig gräbt ihnen eine kluge Regierungspolitik auch wieder ein Teil des Wassers ab.

Der psychologische Effekt im Imperium ist ja wohl auch marginal, da wissen die Leute wohl kaum, dass es Pandora GIBT.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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23.03.2019 22:46 Forum: Kurzgeschichten


Wie gesagt - begrenzt. Und das geht nicht so schnell. Ein paar Gewehre und Panzeranzüge reichen da auch nicht aus. Eine echte Ablenkung ist es auch nicht, denn das bindet ja wohl bestenfalls ein paar zusätzliche Brigaden terranische Bodentruppen. Ich glaube ja, du bewertest das vielleicht etwas über. Pandora ist EIN Planet unter hunderten, und die Rebellen sind nicht annähernd so stark wie zu den Krisenzeiten des Aufstandes - es hat ja wohl ein bisschen nachgelassen. Ich sage nicht, dass so was nicht ärgerlich wäre - mehr aber auch nicht.

Tyr hat da schon Recht. Die Aufrüstung von Piraten ist nicht nur leichter möglich, sie bedeutet auch weitaus eher ein potentielles Problem, weil Piraten ein großes Gebiet beunruhigen können und die TSN solche Probleme nicht so kosteneffizient eindämmen kann.
Freilich eines, das auch schiefgehen kann, denn Piraten bevorzugen leichte Ziele. Und ein Imperium, das seine Truppen an der Front konzentrieren muss, ist durchaus auch ein lohnendes Ziel - ob man nun vorher von denselben Imperialen Material gekriegt hat oder nicht.

Und sind wir mal ehrlich, die Führungsspitze des Kaiserreiches hat im Moment ja nach der Allecar-Idiotie erst mal andere Sorgen als geniale Pläne auszuhecken, geschweige denn umzusetzen. Erst mal muss sich entscheiden wer neuer Kriegsminister wird, wer auf dem Thron sitzt, gibt es einen Bürgerkrieg, werden Köpfe rollen wenn ein neuer Herrscher seine Anhänger nach oben hieft... Da geht es sicher etwas drunter und drüber.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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23.03.2019 05:43 Forum: Kurzgeschichten


Versuchen können sie das sicherlich. Freilich wird nicht jede Widerstandsgruppe begierig auf Zusammenarbeit sein (es sind immerhin Menschen, und die Massenmörder anderer Menschen sind vielleicht nicht so beliebt wie man denkt). Falls die Präsidentin - wie vom Pariser Pakt angeregt - sich bemüht auf bestimmte Rebellengruppen zuzugehen, dann werden diese vermutlich zögern, eine zusätzliche Eskalation zu riskieren, die ihnen nur kurzfristige (und sehr begrenzte) Vorteile bringt. Es ist ja nicht so, dass die Kaiserlichen nur mit dem Finger zu schnipsen brauchen und alles passiert wie sie es wünschen. Falls man so etwas nicht schon über Monate und Jahre vorbereitet hat, ist es schwer verlässliche Kanäle auf die Schnelle aufzubauen. Die Widerstandsgruppen haben ja keine direkten Vertretungen im imperialen Raum, denen man einfach Geld und Waffen schicken kann. Im konföderierten Raum haben sie zweifellos Kontakte, aber die CC wird den Teufel tun und sich zum Handlanger des kaiserlichen Geheimdienstes machen lassen (jedenfalls sobald Cochrane und seine Lakaien nichts mehr zu sagen haben).

Sicher kann man versuchen, Geld und Material zu schmuggeln. Aber auch hier gilt, die Wege sind lang - falls man das nicht schon lange vorher angebahnt hat. Die kaiserliche Flotte war vermutlich lange Zeit zu stolz, mit "niederen Rassen" zuzsammenzuarbeiten oder ihnen ein Angebot zur Zusammenarbeit zu machen.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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22.03.2019 18:37 Forum: Kurzgeschichten


Ich weiß nicht recht, vielleicht bewertest du Davis als Influencer etwas über. Ich glaube nicht, dass das die offizielle Deckgeschichte war. Hat der die Geschichte nicht erst NACH der Bombardierung verbreitet...?

Und was Eskalation angeht.
Erstens einmal hat die TSN ohnehin schon mächtig eskaliert, indem sie einen Planeten unbewohnbar gemacht (Wron) und einen zweiten zumindest partiell biologisch/atomar verwüstet haben (Troffen). Die Akarii haben freilich gleich zu Beginn des Krieges eine Neutronenbombe geworfen, also von daher...
Da ist das jetzt doch wohl eher eine Marginalie. Geradezu eine Zivilisierung.

Und Ilis' Flächenbombardement auf Hannover sowie Tarans taktischer Beschuss auf Hannover (nicht nur auf militärische, sondern auch auf industrielle Ziele) sind vollkommen ausreichende Rechtfertigungen für entsprechende Gegenschläge. Genau so wird das ja vermutlich auch verkauft.

Und seien wir ehrlich, die Offensivkraft des Kaiserreiches ist inzwischen bei weitem geringer als die der Republik. Das Kaiserreich dürfte es einiges schwerer haben eine entsprechende Operation anzuleiern - vor allem, da es an einer sehr viel schmaleren Front angreifen kann, nämlich nur dort, wo der Abstand zwischen terranischen Welten und imperialen Raum nicht ZU groß ist. Noch ist ein Großteil des ehemaligen terranisch-kaiserlichen Grenzgebietes plus ein Teil des Hinterlandes in der Hand der Bundesrepublik. Das macht Gegenangriffe berechenbarer und damit riskanter.

Kleinste Verbände reichen nach meiner Ansicht nun nicht gerade aus für so etwas - es gibt einen Grund, warum die TSN die Planungen ursprünglich nicht zu klein aufgezogen hatte. Nur ein paar Zerstörer können relativ leicht aufgehalten werden - und das Kaiserreich kann es sich nicht leisten, seine Schiffe so zu vergeuden im Angriff auf Kleinstkolonien ohne militärischen Wert. Alles was eine ordentliche Größe hat wie die angegriffenen imperialen Systeme ist nicht ganz so schutzlos. Da braucht man schon ein paar Kreuzer.

Tja, was man tun sollte, das ist oft eine Frage des Standpunktes. Gerade in einem solchen Krieg (nehme ich an). Da verschieben sich die Wertemaßstäbe nicht eben selten.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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22.03.2019 13:02 Forum: Kurzgeschichten


Hm, man darf natürlich nicht vergessen, dass es auch keinen Aufschrei der Entrüstung gab, als Troffen bombardiert wurde. Ich meine in der dabei anwesenden Flotte. Die zuständigen Offiziere führten den Befehl anstandslos aus - obwohl sie nicht wissen konnten, dass alle (oder fast alle) Leute in der Stadt schon tot waren. Keiner in der Kampfgruppe hat vor Entsetzen aufgeschrien, jedenfalls ist mir das nicht aufgefallen. Nicht mal der Bordpfaffe ist auf die Barrikaden gegangen, und auch nicht die ach so moralische JAG, die sonst Wahrheit und Gesetz wie eine Fahne vor sich hertrug. Was sagt das wohl über die TSN aus?

Mithel ist durchaus in der Lage, rücksichtslos vorzugehen. Sein Operationsplan zielt immerhin darauf, auf mehr als einem Dutzend Welten mit jeweils zehn bis zwanzig Millionen Einwohnern die Infrastruktur zu zerstören - und dabei rechnet man auf jede Welt mit tausenden zivilen Opfern plus einer Menge Sekundäropfer (die in den folgenden Wochen und Monaten umkommen weil die Versorgung versagt).
Und eventuell ist der Plan nur deshalb nicht noch brutaler, weil die Kaiserlichen ja immer noch die Option zu Gegenangriffen haben (sprich, Atombombenangriffe könnten dazu führen, dass die Kaiserlichen irgendwo ein, zwei Schiffe durchschmuggeln und kleine Kolonialwelten atomisieren).
Es ist im Grunde eine Variation des Moral Bombings im Zweiten Weltkrieg (wobei Mithel nicht so vermessen ist zu glauben er könnte damit den Krieg gewinnen).

Es kommt nicht von ungefähr, dass ich mich bei seinem Charakter ein bisschen an (gemäßigten, aber nicht "guten", sprich verräterischen) Star Wars-Imperialen orientiert habe.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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21.03.2019 04:53 Forum: Kurzgeschichten


Tja, das mit dem Erschrecken war natürlich Absicht. großes Grinsen
Ob Mithel auch einen Atomwaffenbeschuss durchgeführt hätte...gute Frage. Wenn es von Seiten der Präsidentin angeordnet ist und er glaubt damit den Krieg verkürzen zu können...
Thema: Hinter den feindlichen Linien - Season 7 - Zwischen Himmel und Hölle
Cattaneo

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20.03.2019 23:01 Forum: Kurzgeschichten


Mit den Augen des Imperiums

„Die Götter schenken dir Siege, um dich zu täuschen. Sie bereiten dir Niederlagen, um dich Weisheit zu lehren.“
Altes Akarii-Sprichwort, wird von vielen als unpatriotisch angesehen

Terranisch-Imperiales Grenzgebiet, Gegenwart

Die gegnerische Salve schüttelte Tias Jäger durch. Ein schneller Blick auf die Anzeigen verriet der Pilotin, dass im Moment noch kein Grund zur Besorgnis bestand – zumindest, solange ihr Gegner nicht schwerere Geschütze auffuhr. Das Zwitschern des Zielerfassungsalarms warnte sie jedoch, dass es jederzeit soweit sein konnte. Wenn es dem Gegner gelang, eine Rakete auf sie abzufeuern… In diesem Nahkampf waren die Möglichkeiten zu Gegenmaßnahmen beschränkt. Also ließ riss sie den Steuerknüppel herum und ließ ihren Jäger rotieren, gefolgt von einer 90-Grad-Wende. Sie kannte die Parameter der feindlichen Waffen – die Infrarot-Raketen, die einen großen Teil der gegnerischen Gefechtssätze ausmachten, hatten bei aller Durchschlagkraft einige entscheidende Schwächen, und das war ihre vergleichsweise lange Aufschaltzeit, und dass sie nur dann gute Trefferchancen hatten, wenn man sie auf das Heck eines Jägers abfeuerte.
Auf Rückendeckung konnte Tia in diesem Kampf nicht rechnen. Ihr Flügelmann hatte gleich zu Beginn des Gefechts einen Volltreffer kassiert und musste sich dank seiner weitestgehend ausgefallenen Schilde aus dem Kurvenkampf heraushalten. Wäre er nähergekommen, wäre das nur die Einladung für den opportunistischen Angriff eines der Gegner gewesen. Er hatte zwar Feuerunterstützung gegeben, aber aus der großen Entfernung waren die Gegner seinen Raketen ausgewichen. Inzwischen konnte er die Feinde nur noch anpingen, so dass sie glaubten, erfasst zu werden und Ausweichmanöver einleiteten. Aber irgendwann nutzte sich der Trick natürlich ab, man musste nur zählen, wie viele Raketen der Havarist schon abgefeuert hatte. Dieses Gefecht wurde sowieso mit einem Arm auf den Rücken geführt – Tias Kameraden hatten Zusatztanks mitgeschleppt, und das begrenzte ihre Kampfladung.
Die Anzeigen signalisierten, dass ihr Feind durch ihr Schussfeld driftete. Sie hämmerte auf die Feuerknöpfe und schickte mehrere Salven hinaus. Die Sensoren meldeten Treffer, allerdings war ihr Gegner zu schnell wieder aus ihrem Feuerbereich verschwunden, so dass er schwereren Schäden entgangen war. Tia zischte einen unflätigen Fluch zwischen den zusammengebissen Zähnen. Das dauerte ihr einfach zulange…
Sie öffnete die Verbindung zu ihrem havarierten Kameraden.

Die feindliche Pilot war gut, dass musste man ihm – oder ihr – lassen. Wie Tia hatte er seinen Flügelmann verloren. Aber das schien ihn nicht auszubremsen. Er hielt im Kurvenkampf mit, obwohl Tias Jäger einiges wendiger war. Dieser Kampf musste langsam ein Ende finden!
Tia riss einmal mehr ihren Jäger herum, betätigte den Nachbrenner, als wollte sie aus dem Gefecht fliehen. Sie ignorierte die bedrohlichen Warntone des Erfassungsalarms. Die Sensoren verrieten ihr, dass der Gegner mithielt. Sparsame Ausweichbewegungen bewahrten sie vor dem Schlimmsten, zudem hatte sie alle Energie auf die Heckschilde umgeleitet – dennoch wurde ihre Maschine durchgeschüttelt, als ihr Feind seine Bordwaffen abfeuerte. Ihre Finger huschten über die Anzeigen…Feuer!
Ihre Raketen zischten davon…und beschrieben einen perfekten Kreis, geleitet von der Zielerfassung ihres Flügelmannes. Ihre Anzeigen wurden mit einmal von Statik überlagert – und als die Anzeigen wieder klar wurden, sah sie, wie ihr Gegner abmontierte. Der gegnerische Pilot stieg aus.

Die Pilotin überprüfte die Meldungen ihrer Untergebenen und gönnte sich ein raubtierhaftes Grinsen. Das war ja ziemlich gut gelaufen. Bei dem Gefecht, in dem auf beiden Seiten acht Maschinen beteiligt gewesen waren, waren zwei feindliche Jäger und ein Jagdbomber abgeschossen worden. Tias Piloten hatten nur einen eigenen Jäger verloren, ein weiterer war schwerer beschädigt. Der Gegner versprengt, zum Teil deutlich beschädigt, so dass man sich sicher noch ein paar Havaristen auf dem Rückzug herauspicken konnte. Sie musste nur ihre Piloten sammeln und…

In diesem Moment sprang ihr Funkgerät an – eine Meldung vom Mutterschiff.
„Lieutenant Dekar – kehren Sie umgehend zurück.“
Die Pilotin hätte um ein Haar den Mund geöffnet und widersprochen – aber wenn es etwas gab, was eine imperiale Offizierin niemals tat, dann einen Befehl diskutieren. Also presste sie ein „Bestätige.“ hervor. Ein KLEINES Quäntchen Aufmüpfigkeit konnte sie sich freilich nicht ganz versagen: „Was ist mit unserem Piloten und den Menschlingen? Ich benötige jemanden, um sie aufzusammeln.“
„Ein Evari ist bereits unterwegs. Lassen Sie zwei Hyak zurück als Eskorte. Menschlinge nur aufsammeln, wenn es ohne Zeitverlust geht.“
Aha, also NOCH ein Grund, mit den Zähnen zu knirschen. Wenn sie die ausgestiegenen Schuppenlosen nicht einsammelten, der Gegner würde es mit Freude tun. Für einen frevelhaften Moment dachte sie über Alternativoptionen nach…aber sie brachte es nicht über sich, die schiffbrüchigen Piloten einfach abschießen zu lassen. Es gab auf beiden Seiten der Front ohnehin zu viele, die genau das taten. Vielleicht konnte sie ja wenigstens einen der Terraner einsammeln, wenn sie seine Position ermittelte und er dicht genug an ihrem eigenen Havaristen war…
„Staffel, Befehl ausführen. Ich bleibe hier und…Nummer drei. Viel Glück.“ Sie wusste, sie würde noch Stunden haben, ihren geheimen Groll zu hätscheln.

Die letzten zwölf Tage waren ein Wechselbad der Gefühle gewesen. Die Flotte des Kaiserreiches war in Gefechtsformation gesprungen, bereit den Gegner zu stellen – nur um festzustellen, dass die Terraner den Rückzug angetreten hatten. Ilis‘ Flotte versperrte ihnen zwar die kürzeste Route in sichere Häfen – aber Maike Noltze hatte sich ganz einfach in Richtung des spärlich gesicherten imperialen Grenzgebietes und unbewohnten Niemandslandes zwischen den alten Grenzen zurückgezogen. Zweifellos baute sie darauf, durch einen kurzen Umweg wieder eigenes Territorium zu erreichen. Nicht gerade das, was man an Bord der QUASAR und TORVA RAT erhofft hatte, doch die Flucht des Feindes war natürlich ein Ansporn gewesen. Jene, die insgeheim gezweifelt haben mochten, hatten Zuversicht gefasst. Es gab wenig, was mehr Mut machte als ein fliehender Feind. Die Imperialen hatten die Verfolgung aufgenommen – auf die höhere Geschwindigkeit ihrer Schiffe vertrauend.

Sie hatten schnell gelernt, dass die Terraner vielleicht nicht die Mutigsten waren – an ihrer Gerissenheit konnte aber kein Zweifel bestehen. Die TSN hatte den Verfolgern zunächst mit Minengürteln zugesetzt. Unter normalen Umständen war das Legen von Sperren beim Kampf zwischen zwei frei beweglichen Flotten nicht wirklich praktisch. Der Raum durch den sich die Schiffe bewegten war einfach zu groß. Aber die Terraner hatten nicht lange gebraucht um auszurechnen, wo die kaiserlichen Schiffe marschieren würden – schließlich wählten diese den kürzesten Weg, um den Abstand zu den Menschlingen zu verringern oder aber um ihnen den Weg zu Sprungpunkten zu verlegen, durch die sie zurück in terranisches Gebiet fliehen konnten. Diese Umwege waren ein notwendiges Übel, freilich eines, welches die Verfolger Zeit kostete. Und es machte sie berechenbar. Auf den aussichtsreichsten Routen hatten die menschlichen Großkampfschiffe heimlich schwere, hatten Bomber und Shuttles leichte Minen ausgebracht. Und da die Imperialen mit Volldampf marschierten, hatte die Präzision ihrer Minenaufklärung gelitten.
Die Explosion einer Korvette durch einen schweren Minentreffer hatte ein böses Erwachen bedeutet. Ilis hatte den Vorausschleier noch einmal verstärkt, aber selbst das hatte nicht verhindern können, dass zwei Tage später eine Fregatte so schwer getroffen worden war, dass sie aufgegeben werden musste. Andere Schiffe hatten leichtere Beschädigungen erlitten. Dann, als man auf Seiten der kaiserlichen Flotte schon geglaubt hatte, auf alles vorbereitet zu sein, hatten die Terraner einen gemischten Jäger- und Jagdbomberverband „kalt“ – mit herunterfahrenen Sensoren und antrieblos – in der Route der imperialen Aufklärungsschiffe platziert. In einem Überraschungsangriff hatten sie zwei Minenräumer ausgeschaltet, drei Shuttles und mehr als ein halbes Dutzend Jäger abgeschossen, und waren unter geringen eigenen Verlusten entwischt.

Etwa zu diesem Zeitpunkt war die Zuversicht in der kaiserlichen Flotte deutlich abgesackt. Man kam zwar den Terraner immer näher – aber die Störmanöver hatten auch die Optimisten daran erinnert, dass der Gegner nicht zu unterschätzen war. Die Kampfmoral der kaiserlichen Flotte war inzwischen – auch wenn das niemand zugeben mochte – eine recht fragile Sache, die Rückschläge nicht mehr so einfach verkraftete. Außerdem zehrte die ständige Einsatzbereitschaft an den Nerven. Dies galt vor allem für die Shuttle- und Kampffliegerbesatzungen, die besonders stark gefordert waren. Sie flogen immer und immer wieder der eigenen Flotte voraus, was neben den eigentlichen Patrouillen stundenlange Marschflüge bedeutete. Und seit dem Hinterhalt hatten die Kämpfe nie ganz aufgehört. Langstreckenjäger der Terraner bedrohten permanent die Vorhut, manchmal belästigten sie diese durch Probeangriffe. Besonders die feindlichen Nighthawks mit ihren verdammten Langstreckenraketen waren ein beständiges Ärgernis. Die Kaiserlichen verfügten nur über wenige der neuen Überlegenheitsjäger aus der Hyak-Familie, und die Kacha-Jagdbomber sollten nicht zu sehr beansprucht werden, schließlich würde man sie noch für die eigentliche Schlacht benötigen.
Und auch in anderer Hinsicht waren die Terraner ein reines Ärgernis gewesen. Thunderbolts feuerten ihre Atomraketen auf Maximalentfernung auf die Minenräumer des Imperiums ab und entwischten unter dem Schutz von Falcon-Staffeln.

Tia hatte registriert, dass in den Rängen der Piloten gemurrt wurde. Warum schickte Ilis‘ – ein Kommandeur, der für seinen Wagemut bekannt war – nicht ALLES was an Kampffliegern fliegen konnte in einem massierten Angriff gegen die Menschlinge? Offene Kritik war natürlich undenkbar, aber die Unzufriedenheit war da.
Die junge Offizierin hatte sich nicht an dem Gerede beteiligt. Sie war ein „Kind“ des Krieges, erst zur Flotte gestoßen, als sich das Blatt bereits gewendet hatte, nach der Schlacht von Corsfield. Sie war stolz auf die Traditionen der kaiserlichen Flotte, aber sie wusste auch, dass dieser Krieg nicht den glorreichen Waffengängen der letzten Jahrhunderte glich. Ein reiner Kampffliegerangriff gegen einen Feind, der über gleich mehrere dieser verdammten Flakkreuzer verfügte, war für sich genommen bereits ein Wagnis. Nahm man hinzu, dass der Gegner die Kaiserlichen lange im Voraus kommen sah und sich in Ruhe vorbereiten konnte, während die Angreifer nach Stunden des Marschfluges mit halbleeren Tanks, ermüdet und mit reduzierten Kampfsätzen ins Gefecht gehen mussten, dann standen die Chancen nicht gut. Selbst die schnellsten kaiserlichen Kriegsschiffe würden Stunden hinter den Jägern und Bombern hinterherhinken, so dass ein koordinierter Angriff unmöglich war – jedes verdammtes terranische Geschütz konnte sich folglich auf die erste Welle konzentrieren. Zu viele der jungen Piloten kamen frisch aus dem – ohnehin reduzierten – Ausbildungsprogramms, zu wenig kampferprobte Veteranen lebten noch. Gerade der Sieg über die Konföderation waren mit einem furchtbaren Aderlass unter den Piloten erkauft worden.
So war sie anders als viele ihrer Kameraden nicht enttäuscht gewesen, als der Befehl zum Großangriff nicht – noch nicht – erteilt worden war. In ein, zwei Tagen, wenn der Abstand zwischen den Verbänden ENDLICH gering genug für einen koordinierten Angriff war, ja dann...

Sie hatte es natürlich genossen, ihre Kampfflieger – acht Maschinen ihrer Staffel – in den Einsatz zu führen, als die Gelegenheit kam, den Gegner zu packen. Sie hatten Voraussicherung geflogen, und waren tatsächlich auf vier Falcons und vier Thunderbolts gestoßen, die Verstecken gespielt hatten, um sich an einen Minenräumer heranzupirschen. Tia hatte die Gegner – die ihre Aktivortung ja heruntergefahren hatten – weiträumig umgangen und dann in die Zange genommen. Aber gerade in dem Moment, als sie dachte, sie könne noch ein paar offene Rechnungen begleichen, hatte man sie zurückgepfiffen! Was, beim Imperium, ging da eigentlich vor…

***

Grenzregion des Kaiserreiches, Planet Charkar im Tozan-System, zwei Tage zuvor

Mit knapp 90 Jahren hatte Adan Yukat ein für Akarii reifes, wenn auch nicht überragendes Alter erreicht. Im Moment fragte er sich, ob es nicht besser für ihn gewesen wäre, wenn er sich bereits mit der Sternenleere vereinigt hätte. Dann hätte er nicht diesen Tag erleben müssen. Er war der Erstgeborene Charkars, der allererste Akarii, der auf diesem Planeten das Licht der Welt erblickt hatte. Natürlich verdankte er nicht diesem Umstand seine Position als Oberster Administrator, de facto das zivile Oberhaupt der Welt. Doch sie hatte ihm gewiss auch nicht geschadet.

„Seine“ Welt verdankte ihren Namen Duran Charkar, Elitepilot und Held des Krieges gegen die Tonari. Er hatte hier das erste Blatt in seiner ruhmreichen Geschichte geschrieben, vor über 100 Jahren, als der Planet gleich zu Anfang des Konflikts erobert worden war. Die Tonari-Flotte im System hatte erbitterten Widerstand geleistet, doch sie hatte keine Chance gehabt. Die eigentlichen Probleme hatten erst später begonnen. Teile der unterworfenen Bevölkerung hatten den Besatzungstruppen erbittert Widerstand geleistet, und selbst Kollektivstrafmaßnahmen hatten daran nichts geändert. Da sich der Krieg nach einem verheißungsvollen Anfang hinzog und es sogar einige ernst Rückschläge gab, hatte man im Oberkommando die Geduld verloren. Die überlebenden Tonari waren samt und sonders deportiert worden. Akarii ersetzen sie – darunter auch Adans Eltern. Er hatte die Welt heranwachsen sehen bis sie zu einer zwar nur dünn besiedelten aber doch lebendigen und prosperierenden Grenzwelt des Imperiums mit etwas über 10 Millionen Einwohnern geworden war.
Während er durch die Gänge des uralten Kommandobunkers eilte – ein Erbe der ursprünglichen Herren dieser Welt – fragte er sich unwillkürlich, ob ihn nicht die Geister der Tonari aus den dunklen Ecken beobachteten, voller Genugtuung, dass der Tag der Rache gekommen war.

Es war nunmehr 48 Stunden her, als praktisch aus dem Nichts eine terranische Flotte ins System gesprungen war. Sie bestand aus drei Großschiffen – Trägern oder Landungsschiffen – einer guten Handvoll leichter und schwerer Kreuzer, zwei Flottillen leichter Schiffe und einigen Frachtern oder Tankern. Zunächst hatte noch Hoffnung bestanden, dass rechtzeitig Entsatz eintreffen könnte oder die Terraner nur auf dem Durchmarsch waren – aber ihr Kurs führte sie zu schnell zu nah am Planeten vorbei.
An Gegenwehr mit den lokalen Streitkräften war kaum zu denken gewesen. Das System verfügte über eine uralte Kampfstation, deren Feuerkraft etwa einem leichten Kreuzer entsprach, und eine gemischte Flottille leichter Kriegsschiffe, die im Konvoi- und Patrouillendienst in diesem und den benachbarten Systemen tätig waren. Das größte Schiff war ein betagter Teka-Zerstörer. Dazu kamen drei Staffeln ebenfalls veralteter Jäger und Sturmjäger, sämtlich vom Typ His und Chork, die bereits zu Beginn des Krieges aus den Frontlinientruppen abgeschoben worden waren. Auch die Piloten waren alles andere als Gardematerial.
Mit Hilfe von außen war, wie sich schnell herausstellte, ebenfalls nicht zu rechnen – das Grenzgebiet war praktisch von modernen Schiffen entblößt worden. Erst durch die Mobilisierung für den Angriff auf Hannover – viele Schiffe waren nicht zurückgekehrt – und dann für die letzte Operation gegen die Bundesrepublik. Niemand hatte gerade jetzt mit einer terranischen Gegenoffensive gerechnet, erst Recht nicht HIER.

Der Flottenkommandeur, der zugleich den militärischen Oberbefehl im System innehatte, hatte dann auch eine harte, aber aus seiner Sicht unvermeidbare Entscheidung getroffen. Er hatte die Kriegsschiffe und zivilen Frachter gesammelt und sich zurückgezogen, um genügend Abstand von den nahenden Terranern zu gewinnen. Er hatte auch jedes tiefraumtaugliche Shuttle mitgenommen, obwohl man natürlich nur einen kleinen Teil der Einwohner evakuieren konnte. Viele Einwohner mochten ihn dafür verfluchen, und es war nicht abzusehen, ob seine Vorgesetzten ihn dafür belobigen oder zum Tode verurteilen würden – aber insgeheim hatte Administrator Yukat Verständnis für die Entscheidung. Er hatte jedoch auf einen Platz auf einem der Shuttles verzichtet. Er hatte sein ganzes Leben auf Charkar verbracht und würde seine Heimat nicht in dieser dunkelsten aller Stunden verlassen.
Das Imperium konnte sich den Verlust von Schiffen und von Spezialisten nicht mehr leisten – jedenfalls nicht, wenn praktisch keine Hoffnung bestand, dass sie vor ihrem Ende ausreichend Schaden beim Gegner anrichten konnten. Und im Kampf gegen einen Feind, der in etwa so viele Träger und Kreuzer aufzuweisen hatte wie die Kaiserlichen Fregatten und Korvetten, war das Ende abzusehen.

Die Flotte war dennoch nicht ungeschoren davongekommen. Die Terraner hatten ihr drei Staffeln Kampfflieger hinterhergehetzt. Die auf Charkar stationierten Jäger hatten nicht eingreifen können, da ihre Kameraden schon zu weit weg gewesen waren. Die Menschlinge hatten zwei Frachter, eine Fregatte und eine Korvette vernichtet und selbst nur geringe Verluste erlitten. Und jetzt kamen sie, um sich mit Charkar zu befassen.

Als Adan die Kommandozentrale betrat, registrierte er als erstes Vors Irak. Der blutjunge Armeeoffizier – de facto der militärischer Oberbefehlshaber der Bodenstreitkräfte und in einer akuten Gefechtssituation auch Adans Vorgesetzter – kämpfte sichtlich mit der Fassung. Dafür hatte er auch gute Gründe. Er kommandierte gerade einmal eine unterbesetzte Brigade mit 3.000 Soldaten, ohne schwere Artillerie, Heeresflieger – und nur mit einer Handvoll Panzer und mobiler SAM-Einheiten. Dazu kamen vielleicht noch einmal 7.000 überhastet mobilisierte irreguläre Kämpfer. Das waren Polizisten, Angehörige der paramilitärischen Jugendverbände, die schon genug Kampftraining erhalten hatten, ehemalige Soldaten, die als dienstunfähig aus den Streitkräften entlassen worden waren. Doch gegen sie standen allein an Bord der feindlichen Kriegsschiffe mindestens zwei Regimenter trainierte Marines, und sicher acht mechanisierte, zum Teil auch gepanzerte Regimenter in den Landungstransportern – vielleicht noch mehr.

Adan wunderte sich, warum man ihn in die Kommandozentrale gerufen hatte – er war Zivilist und hatte in dieser Situation nichts zu sagen. Aber Vors Irak musste gute Gründe haben.
Der Administrator hielt sich jedoch – natürlich – zurück. Er brauchte keine Erläuterung um zu erkennen, dass die Schlacht – wenn man es so nennen konnte – schlecht lief.
Die Terraner gingen systematisch vor. Das war kein wütender Sturmangriff – vielmehr begnügten sie sich, aus Maximalentfernung die Station mit ihren Marschflugkörpern in Stücke zu schießen. Die Impulslaser und leichten Waffen der Imperialen – unterstützt von den Jägern – mochten einen Teil der Atomraketen abfangen, doch es blieben noch mehr als genug übrig. Die Menschlinge hatten ihrerseits genug Zeit, auf das schwache Gegenfeuer zu reagieren – die Station konnte ja nicht einmal ihre schweren Partikelgeschütze einsetzen. Terranische Kampfflieger und der gegnerische Flakkreuzer boten ausreichend Schutz vor jedem möglichen Gegenangriff der kaiserlichen Verteidiger. Und tatsächlich – als die imperialen Jäger einen Angriff versuchten, wurden sie lange vor dem Ziel von terranischen Jägern abgefangen und abgedrängt. Die wenigen Sturmjäger, die sich aus den Kurvenkämpfen lösen konnten, wurden vom koordinierten Abwehrfeuer der Kreuzer und Zerstörer empfangen.

Die Rivalität zwischen der kaiserlichen Flotte und Armee war legendär, aber der ebenso tapfere wie offenkundig vergebliche Kampf der Flottensoldaten war auch für Vors Irak ein kaum erträglicher Anblick. Nicht nur, weil klar war, was auf den unvermeidlichen Sieg der Terraner folgen würde.
Das Ende kam schnell. Das Feuer der Menschlinge war einfach zu übermächtig. Die Schilde der Station kollabierten, die nächste Salve sprengte riesige Brocken Panzerung und Struktur heraus. Die letzten Geschütze und Raketenwerfer verstummten, Rettungskapseln starteten. Die feindlichen Schiffe gewährten den Flüchtlingen eine kurze Atempause – dann folgte der Fangschuss.
Die Station war für die Bewohner des Planeten ein ebenso selbstverständlicher Teil ihres nächtlichen Himmels gewesen wie der Doppelmond. Jetzt war sie nicht mehr als eine expandierende Trümmerwolke. Die wenigen kaiserlichen Kampfflieger, die noch einsatzbereit waren, flohen – aber es war klar, dass es eine sichere Zuflucht für sie nicht mehr gab.

Der junge Armeeoffizier atmete tief durch, als der letzte Widerstand der Flotte zusammengebrochen war. Jetzt lag die Verteidigung Charkars endgültig in seiner Hand.
Er schauderte, und kniff für einen Moment die Augen zusammen: „Administrator, Sie wundern sich sicher, warum ich Sie habe rufen lassen.“
Der ältere Akarii nickte: „Ich fürchte, Kriegsführung gehört nicht zu den Dingen, in denen ich ausgebildet wurde.“
Vors neigte leicht den Kopf: „Selbstverständlich habe ich meine Truppen bereits in Stellung gehen lassen. Das Gros ist um die Hauptstadt konzentriert, wo der Gegner vermutlich landen wird, FALLS er landet. Ich meine, wir können nicht einfach so kapitulieren. Nicht bedingungslos.“
Adan spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Er erkannte, was ihm der junge Offizier sagen wollte. Eine Kapitulation auch nur in Erwägung zu ziehen war nichts, was zum Ehrenkodex und der Tradition des Imperiums passte.

„Aber unsere Kameraden von der Flotte haben ihr Leben riskiert – und einige haben es auch geopfert – um die Ehre des Imperiums zu wahren. Wenn der Feind landet, dann fürchte ich, werden meine Soldaten und die Irregulären nicht viel mehr als genau das tun können. Gewiss, wenn die feindlichen Soldaten am Boden sind, sind sie verwundbar. Aber sie haben die totale Luftherrschaft, haben Panzer – und die Geschütze der Flotte über uns. Unter normalen Umständen würde die Einsatzdoktrin des Imperiums dennoch verlangen, dass wir kämpfen. Aber unsere Mittel sind im Vergleich zu den zu erwartenden zivilen Opfern in einem solchen Missverhältnis, dass wir…Alternativen in Betracht ziehen sollten.“
Er straffte sich: „Administrator, ich ersuche und ermächtige Sie in meiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber, mit dem Gegner über einen Waffenstillstand zu verhandeln – und über weitergehende Fragen.“

Für einen Moment zögerte Adan. Er wusste, Vors ging damit ein großes Risiko ein. Dies konnte leicht seine ewige Entehrung bedeuten, ja die seiner ganzen Familie. Und natürlich konnte es auch für den Administrator Folgen haben – aber die Ehre eines Zivilisten wurde nun einmal anders bewertet, Selbstaufopferung wurde gar nicht von ihm erwartet. Dennoch, es würde Akarii geben – auf dieser Welt und mehr noch auf anderen – für die es schon ein todeswürdiges Verbrechen war, eine kampflose Kapitulation auch nur in Erwägung zu ziehen.
Doch dann verneigte er sich: „Vielen Dank für Euer Vertrauen. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um mich dessen würdig zu erweisen.“
Er trat nach vorne, nahm auch physisch den Platz des Armeeoffiziers ein: „Rufen Sie den Gegner. Sagen Sie, wir wollen verhandeln.“

Als der Bildfunkmonitor von Statik auf ein Bild umschaltete, zeigte er die Brücke eines Kriegsschiffes, wie Adan erwartet hatte. Doch nicht der Kapitän des Schiffes – eine Menschenfrau – dominierte das Bild. Das Zentrum des Monitors wurde von einem hochgewachsenen, hageren Menschling in Admiralsuniform beherrscht, der sich aus seinem Sessel vorbeugte. Die Sitzgelegenheit wies Sicherheitsgurte auf, war also für Schwerkraftverlust und Erschütterungen eines Gefechts ausgelegt. Die grauweißen Haare kündeten von einem fortgeschrittenen Alter. Der Terraner artikulierte seine Worte bedächtig – obwohl Adan ihn natürlich nicht verstand und die Übersetzung abwarten musste. Es war Jahre her, dass er einen Menschling von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte. Vor dem Krieg waren manchmal konföderierte Schiffe nach Charkar gekommen. Es waren aber nie viele gewesen, und die wenigsten Besucher hatten direkten Kontakt mit ihm gesucht. In den letzten Jahren hatte der Administrator die vernunftbegabten wenn auch barbarischen Säugetiere nur auf dem Bildschirm gesehen. In den Filmen, welche die kaiserlichen Unterhaltungsmedien zeigten, tauchten zwar oft Menschen auf – zumeist computergenerierte Simulationen. Da ihre Mimik aber für Akarii unverständlich blieb, schnitten sie meistens so übertriebene Grimassen, gestikulierten so ausholend und legten so viel Emphase in ihre Worte, dass es schon geradezu komisch wirkte. Das war hier – natürlich – nicht der Fall. Die eintönige Stimme des Admirals klang aber deshalb nicht weniger bedrohlich als jede gebrüllte und mit Fäusteschütteln begleitete Tirade des menschlichen Bösewichts aus einem Film.
„Hier spricht Rear-Admiral der Terran Space Navy Chris Mithel, TRS RELENTLESS.“

Adan musste sich zusammenreißen. Er war fast ein bisschen stolz auf sich, dass ihm nicht die Knie weich wurden. Allerdings machte es vermutlich sowieso wenig Unterschiede, ob er seine Würde wahrte oder zu Kreuze kroch. Erwartete der Menschling das vielleicht und würde sich durch ein würdiges Auftreten nur provoziert fühlen?
„Ich bin Oberster Administrator Adan Yukat. Ich spreche auch im Namen der kaiserlichen Streitkräfte. Als Vertreter des Imperiums ersuche ich Sie, über Bedingungen für einen Waffenstillstand zu verhandeln.“
Der Mensch wartete, bis er die Übersetzung gehört hatte. Dann antwortete er – er hob nicht einmal die Stimme: „Waffenstillstand? Denken Sie denn, Sie haben uns etwas anzubieten außer die bedingungslose Kapitulation?“
Vors, der sich außerhalb des Erfassungsbereiches der Bildfunkverbindung hielt, knirschte sichtbar mit den Zähnen. Die Arroganz des Barbaren war selbst für einen nahezu machtlosen kaiserlichen Offizier schwer erträglich.
Der Administrator hatte sich besser im Griff, auch wenn er innerlich vor Empörung zitterte. Was für eine Arroganz! Dies war IHRE Welt, was erdreistete sich der Terraner!
„Ihre Übermacht ist mir nur zu bewusst. Doch Sie wissen, mit welcher Entschlossenheit die Soldaten des Imperiums bereit sind zu kämpfen, wenn sie müssen. Ehe wir über eine Übergabe verhandeln, benötigen wir Garantien für die Angehörigen der Streitkräfte und natürlich für die Einwohner dieser Welt. Wir können und wir werden nicht bedingungslos kapitulieren.“

Der Menschling straffte sich. Er verzog seine schmalen Lippen, so dass die Mundwinkel sacht nach oben zeigten. Es war eine sparsame Bewegung – ganz anders als in den Filmen – und Adan fragt sich unwillkürlich, was sie bedeutete. Wut, Triumph, Verachtung? Die Stimme des Admirals blieb ruhig, sorgfältig modulierte er weiterhin jedes Wort – obwohl diese ja ohnehin übersetzt wurden – und wenn in seiner Rede eine Emotion lag, konnte der Akarii sie unmöglich deuten. Er lauschte mit wachsendem Entsetzen: „Sie verstehen mich nicht. Ich bin an Ihrer Kapitulation gar nicht interessiert. Mein Auftrag ist es nicht zu verhandeln oder zu erobern, sondern die Akarii daran zu erinnern, was es bedeutet, besiegt zu werden. Wie sich eine Niederlage, wie Versagen sich anfühlt. Sie an den Preis zu erinnern, den sie für ihren Krieg zu zahlen haben. Den Preis für Mantikor. Für Hannover. Für Masters. Ich sehe mich leider gezwungen…Ihre Welt zu zerstören.“
Adan spürte einen eisigen Schauer seinen Rücken herunterlaufen. Das konnte der Mensch doch unmöglich gesagt haben, das musste ein Übersetzungsfehler sein! Er öffnete den Mund zu einer Frage, einem Protest, doch der Mensch kam ihm mit einem kurzen Satz zuvor – und diesmal übersetzte er seine Worte gleich selbst in fließendes Sekurr: „Primär- und Sekundärbatterien…FEUER!“ Dann wurde die Verbindung unterbrochen.
Im nächsten Moment brach in der Kommandozentrale das Chaos aus. Meldungen, Befehl, vor allem aber Entsetzensschreie gelten durcheinander: „RELENTLESS feuert Marschflugkörper ab!...Kreuzer Zwei und Drei feuern…Zerstörer…Marschflugkörper mit Ziel…Bordgeschütze feuern!“
Adan Yukat konnte nur hilflos zusehen wie die feindlichen Schiffe Salve um Salve auf ihr wehrloses Ziel abfeuerten, wie die Symbole von einigen Dutzend, einhundert, noch viel mehr Marschflugkörper mit dem Symbol des Planeten, seiner Heimat verschmolzen. Das letzte Bild, das der Hauptbildschirm zeigte, war ein blauer Himmel. Über den schneebedeckten Berggipfeln leuchteten am helllichten Tage Sterne auf – die terranischen Raketen, die in die Atmosphäre eintraten. Die flammenden Punkte erstrahlten immer heller, als wollten sie selbst die Sonne übertreffen.
Dann kam die Dunkelheit.

***

Imperialer Träger QUASAR, terranisch-imperiales Grenzgebiet, Gegenwart

Für einen Moment starrte Admiral Ilis blicklos vor sich hin. Seine altersdürre Hand war um den Griff des Sirah geklammert, als die Waffe das einzige, was ihm Halt blieb – oder als überlege er, seinem Leben hier und jetzt ein Ende zu machen. Dazu gab es natürlich keinen Grund – NOCH nicht – aber dennoch spürte er mit einmal seine Jahre. Spürte etwas, das er sehr, sehr lange nicht mehr so unmittelbar gefühlt hatte: Furcht, und den bitteren Geschmack der Niederlage.
Er hatte Admiral Noltzes Findigkeit Respekt gezollt, mit der sie das Unvermeidbare hinausgezögert hatte. Sie hatte sich als ausgesprochen geschickt erwiesen, jedem Versuch auszuweichen, in eine Ecke gedrängt zu werden. Das konnte natürlich nicht ewig so gehen, aber sie war wirklich eine fähige Gegnerin. Dennoch, das Ende war in Sicht gewesen – hatte Ilis zumindest geglaubt.
Er war so ein Narr gewesen! Hatte sich übertölpeln lassen von einer Kommandeurin, die weit weniger als die Hälfte, vielleicht gar nur ein gutes Drittel seiner Lebensjahre aufzuweisen hatte.

Während die TSN-Kommandeurin mit ihm Katz und Maus gespielt hatte, hatten die Terraner unversehens eine Gegenoffensive gestartet. Diesmal waren sie es gewesen, die nicht weniger als drei Kampfgruppen auf Schleichpfaden tief ins feindliche Gebiet geführt hatten. Dass die Front auf Seiten des Imperiums nahezu entblößt worden war, hatte das Vorhaben der Verbände – die die Menschlinge offenbar nach Ungeheuern aus ihrer Mythologie benannt hatten – deutlich erleichtert.

Die Angriffe für sich waren schlimm genug. Zwar waren die Verluste vom militärischen Gesichtspunkt betrachtet bisher nicht einmal schwer zu nennen. Das Kaiserreich hatte ein halbes Dutzend leichter Kriegsschiffe – keines größer als ein Zerstörer – eine Handvoll Frachter sowie einige Dutzend veralteter Kampfflieger verloren, während die Terraner bisher außer einigen Kampffliegern nur einen Zerstörer verloren hatten.
Aber das war nur ein Teil der Wahrheit. Zum einen hatten die Menschen auch sonst brutal zugeschlagen. Ein Verband hatte die Abbaueinrichtungen im Asteroidengürtel seines Zielsystems verwüstet. Das war nicht annähernd mit den Schäden zu vergleichen, die etwa der junge Taran in Sterntor angerichtet hatte, aber das Imperium konnte sich Verluste seiner Industriekapazitäten momentan kaum noch leisten. Die beiden anderen Angriffe…waren schlimmer gewesen. Die Kampfverbände hatten erst die Verteidigung in den imperialen Systemen vertrieben oder zerschlagen – dann hatten sie die Planeten gezielt ins Visier genommen, beides Kolonialwelten mit zehn bis fünfzehn Millionen Einwohnern.
Auf Charkar waren von den Schiffen der Kampfgruppe SCHIMÄRE neben einigen tausend Schüssen mit den schweren Schiffsgeschützen gut 600 Marschflugkörper abgefeuert worden. Eigentlich genug Feuerkraft, um einen ganzen Kontinent in eine thermonukleare Gluthölle zu verwandeln. Allerdings…die Exocet waren nicht mit ihren üblichen Megatonnen-Gefechtsköpfen bestückt gewesen. Die Menschlinge hatten die Kernsprengköpfe offenbar durch hochexplosive konventionelle Sprengsätze im Gewicht von gut zwei Tonnen ersetzt. Und so betrug der Zerstörungsradius eines Einschlags – verstärkt durch die mehrfache Schallgeschwindigkeit, mit der die Raketen ihr Ziel trafen – gerade einmal 60, 70 Schritte. Splitter und Druckwelle verheerten natürlich ein viel größeres Gebiet.
Die Terraner hatten offenbar genau, verblüffend genau gewusst, worauf sie zielen wollten. Sie hatten die wenigen Militäreinrichtungen auf Charkar förmlich pulverisiert, ebenso die Raumflughäfen. Dann waren industrielle Ziele an die Reihe gekommen – und schließlich die restliche Infrastruktur. Kraftwerke, Umspannstationen, die Brücken der Magnetschwebebahn, welche die Städte des Planeten verband, Kommunikationszentren, Staudämme…

Ilis hatte den Bericht des leitenden Administrators gesehen – dieser Adan Yukat war sichtlich am Ende gewesen, nachdem man ihn nach 48 Stunden aus dem Kommandobunker befreit hatte, dessen Eingangstunnel durch eine Rakete verschüttet worden war. Admiral Mithel hatte seine Ankündigung nicht wirklich erfüllt, aber er hatte der Zivilisation auf Charkar einen schweren, vielleicht tödlichen Schlag versetzt. Gut zwei Drittel der Einwohner fand sich mit einem Mal in einem Notstandgebiet wieder – ohne funktionierende Energie- und Wasserversorgung, ohne Kommunikation, mit vollkommen überlasteten Notdiensten, die immer noch darum kämpften, die ausgebrochenen Brände unter Kontrolle zu bekommen. Die Zahl der Opfer ging vermutlich in die Tausende. Die Zerstörung war nicht annähernd so total wie etwa auf Hannover, verteilte sich aber auf ein wesentlich größeres Gebiet und war einiges präzisier eingesetzt worden.

Zu guter Letzt hatte die RELENTLESS – wie um ihrem Namen Ehre zu machen – der Verletzung noch die Demütigung hinzugefügt. Im Zentrum der Hauptstadt von Charkar hatte seit mehr als einem Dreivierteljahrhundert die Halle der Erinnerung gestanden, sakrales Denkmal und Herz der imperialen Präsenz in einem. Umgeben von einem großen Park hatte sie die unsterblichen Helden geehrte, die bei der Eroberung und Sicherung der Welt gefallen waren, die Männer und Frauen aus der Bevölkerung, die in Krieg und Frieden besondere Taten vollbracht hatten. Die Bevölkerung hatte dort die Siege des Imperiums gefeiert, die Geburt eines Mitglieds der kaiserlichen Familie. Mehr als sieben Jahrzehnte lang – bis die Bordgeschütze des terranischen Kampfkreuzers Park und Halle in einen Krater und einige hundert Hektar verbrannte Erde verwandelt hatten.
Der zweite Angriff war ähnlich gründlich, aber deutlich verlustärmer verlaufen. Der Kommandeur dieses terranischen Flottenverbandes hatte der angegriffenen Welt auf allen Kanälen eine Liste seiner Ziele zugesandt und ihnen zwei Stunden zur Evakuierung gegeben. Dann hatten Geschütze und Raketenwerfer auch hier ihr Zerstörungswerk vollbracht.

Ilis wusste, der Angriff würde zumindest in diesem Frontabschnitt Schockwellen aussenden, die auf dutzenden Welten Nachwirkungen haben würden. Doch es war nicht das, was ihn schockierte. Ihn dauerte natürlich das Schicksal der Bürger des Imperiums – es ging immerhin um Akarii, nicht um Menschen oder Unterworfene. Aber er hatte vor allem in seiner Jugend wesentlich Schlimmeres gesehen, als die kaiserliche Flotte die Welten der Tonari und Soridachi bombardierte und besetzte. Er hatte immer gewusst, wozu die Menschen fähig waren – das hatten sie auf Troffen und Wron bewiesen.
Was ihn jedoch WIRKLICH schockierte war der Umstand, dass die Terraner nicht weniger als anderthalb Dutzend Kreuzer, die doppelte Zahl leichterer Kriegsschiffe sowie mindestens zwei leichte Träger, vermutlich aber auch noch einen dritten Majestic oder gar einen Flottenträger in Schlagreichweite auf das Sektorenhauptquartier Ibari gebracht hatten, ehe die imperiale Aufklärung davon Wind bekommen konnte.
Die Menschen waren noch nicht über Ibarii, aber das konnten sie sehr bald sein, und ihre Marschvektoren wiesen darauf hin, dass sie genau das vorhatten. In einem Moment, da es zwischen ihnen und dem System nichts gab, was sie aufhalten konnte. Und über Ibari stand die YONDER mit ihren Begleitschiffen. Ein Träger, dessen Geschwader sich gerade erst wieder im Prozess der Wiederaufstellung befand, dessen Eskorte auf ein Skelett ihrer normalen Stärke reduziert worden war…
Wenn die Terraner weiter vorstießen, dann konnten sie einen kostbaren Quasar-Träger vernichten, ein halbes Dutzend Kreuzer und zwei Dutzend kleinerer Schiffe. Schlimmer noch, wenn sie Ibari eine ähnliche Behandlung angedeihen ließen wie beispielsweise Charkar, würde das schwere Konsequenzen haben. Oder wenn sie die Sprungverbindungen nach Ibari versiegelten, wie es die Akarii mit der Sprungroute von Mantikor ins terranische Gebiet getan hatten…

Das wäre militärisch eine schwere Niederlage. Und für die Prinzess-Regentin konnte es leicht den Untergang bedeuten. Mit solch einem vernichtenden Rückschlag, der unter ihrer Führung das Imperium getroffen hatte, würden selbst viele ihrer Unterstützer ihre Position überdenken. Selbst wenn er die volle Verantwortung übernahm, ja sogar wenn er rituellen Selbstmord beging, würde es genügend Traditionalisten geben, die die bei vielen verfemte Regentschaft einer Frau als ,Ursache“ der Katastrophe bezeichnen würden – ein Symptom wie der letzte Skandal, der Schande über das Kaiserhaus gebracht hatte.
Dazu DURFTE es nicht kommen. Ilis war die Ironie der Situation nur zu bewusst. Im Versuch, Schlimmeres von Linai abzuwenden, hatte er sich in eine Position manövriert, die umso gefährlich für die von ihm so sehr verehrte Prinzessin war. Es war an ihm, diesen Fehler wiedergutzumachen, gleichgültig, was ihn dies persönlich kosten würde.
Und im Moment gab es nur eines, was er tun konnte – den Rückzug anordnen. Mit höchster Geschwindigkeit in den imperialen Raum zurückzukehren, um die Invasoren zu verscheuchen, vielleicht gar Ibari rechtzeitig zu erreichen, um das Kommando zu übernehmen. Er machte sich wenige Illusionen, dass ihm die zwei terranischen Träger, die er bisher verfolgt hatte, auf dem Fuß folgen würden. Jetzt war es ein Wettrennen.
Er hoffte nur, dass es nicht bereits zu spät war.

Ende
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.03.2019 23:00 Forum: Kurzgeschichten


So, ich stelle dann mal meinen nächsten Text rein. Es ist wieder eine Nebenhandlung, aber diesmal mit etwas mehr Action...

Und ja, natürlich ist einiges dabei eine schamlose Hommage auf einen meiner Lieblings-Star-Wars-Charaktere... großes Grinsen
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.03.2019 20:31 Forum: Kurzgeschichten


Eigentlich an dich und Cunningham, am 13.3. Cunningham hat es gekriegt und inzwischen auch gelesen, also sollte es geklappt haben...

Ach ja, Cunningham, gib Bescheid, falls du bestimmte Vorstellungen hast, wie wir die Sache dann abschließen (sprich, wer was schreiben soll).
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