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Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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24.06.2019 20:53 Forum: Söldner


Ah, sorry, er meint natürlich nur exakt DIE Bombenleger.
Ich bin sicher, dass er jeden Todesfall unter den Odaga-Getreuen sehr ernst nimmt, deshalb habe ich ihm diese Worte in den Mund gelegt.
Soll ich sie wieder streichen?
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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23.06.2019 20:46 Forum: Söldner


So, war ein klein wenig in Schreiblaune und habe das Lager mal abgehandelt und dabei Cattaneos Anregungen mit verarbeitet. Fehlt noch die dritte Immobilie. ^^
Thema: Chevaliers Season V
Ace Kaiser

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23.06.2019 19:03 Forum: Kurzgeschichten


2.
Sehr viele Dinge geschahen nahezu gleichzeitig. Zuerst schwebte der Medevac auf dem schmalen Innenhof ein und entließ neben den Sanis und Dr. Malossi auch vier schwer bewaffnete Infanteristen mit tragbaren Panzerschilden. Battaglini hatte nicht mal gewusst, dass diese Dinger, die Flechetten und normale Kugeln aufhalten konnten, überhaupt Bestandteil der Ausrüstung der Höllenhunde waren. Dann trafen Streifenwagen der hiesigen Polizei ein. Erst einer, dann drei hinterher, und schließlich waren es neun Fahrzeuge, jeder mit mindestens zwei Polizisten bemannt, die aus ihren Kofferräumen schwere Waffen und Körperpanzer holten; mit vier Wagen bildeten sie eine Barriere vor dem Haupteingang, der Rest wurde von den Torwachen eingelassen und verteilte sich vor den verschiedenen Eingängen. Das wirkte routiniert, einstudiert, und wie James später erfahren sollte, war es das auch. Die Routine stammte noch aus der Zeit, in der die Fischdosenfabrik ein Gefängnis gewesen war; die Paramilitärs waren darauf trainiert worden, Ein-, und Ausbrüche zu verhindern.
Dann kamen Rettungseinheiten. Zwei Gerätewagen der hiesigen Feuerwehr, denn in diesem verschachtelten Moloch Brände zu bekämpfen war eine Frage der Notwendigkeit, nicht von arm und reich, dazu mehrere Rettungswagen, die Malossi augenblicklich in seine Aktion einband, während die Feuerwehrleute mit Atemschutz in die Halle eindrangen.
Schließlich und endlich trafen mehrere Lastschweber der Höllenhunde ein und entließen einen Großteil ihres Infanterie-Kontingents. Ebenfalls an Bord war Captain Tanigaki, der sofort zu Battaglini und Bishop kam, um sich über die Situation zu informieren.
„Was zum Henker ist hier überhaupt passiert?“, fragte Tanigaki aufgebracht. Dabei betrachtete er Bishop, der gerade von einem Sanitäter gereinigt wurde, nachdem er versichert hatte, dass keine akuten Verletzungen bestanden. Bis auf den Hörschaden halt.
„Das wissen wir noch nicht, Sir“, sagte Battaglini. „Wir vermissen mehrere Leute drinnen, darunter zwei Ihrer Hausmeister und fünf unserer Leute. Die sind noch nicht rausgekommen, und von uns ist keiner reingegangen.“
„Wahrscheinlich eine kluge Entscheidung.“ Der Draconier warf einen Blick auf die Feuerwehrwagen. „Wissen wir, ob es brennt?“
„Das hätten wir wohl schon gemerkt. Neben dem Rauch ist auch eine Menge Staub in der Luft“, erwiderte Battaglini. „Es hätte längst eine Sekundärexplosion gegeben.“
„Was ist mit Bishop?“
„Taub“, sagte der Panzerfahrer. „Er war in der Halle, als es gerummst hat.“
Ein Infanterist kam zu Battaglini und meldete, dass man das Umfeld der Halle gesichert hätte, dass aber seines Erachtens nach trotz einer zunehmend größer werdenden Zahl Schaulustiger keine Gefahr eines Angriffs bestand. Battaglini stimmte dem zu, denn die Menschenmassen würden einen attackierenden Feind eher behindern als nützen. Und für feige Angriffe aus der Masse hielt er den Gegner für zu überheblich.
„Ja, was ist denn nun passiert?“, verlange Tanigaki zu wissen.
„Ich bin draußen gewesen und habe das Gelände und den Zaun mit zwei Leuten inspiziert. Augenmerk lag auf Scharfschützen und Einbrüchen. Dabei entdeckten wir ein älteres Loch im Zaun, das gut geflickt war, dazu Einbruchspuren an einer Nebentür, die vom Tor aus nicht einsehbar war. Währenddessen wollte Lieutenant Bishop im Gebäude einen Belastungstest der Infrastruktur vornehmen. Dann gab es den Knall, es gab Rauch und Dreck und eine Menge unserer Leute kam taub und halbblind wieder raus.“
„Und das soll heißen?“
„Sie wissen, was das heißt. Entweder ist der Generator hochgegangen, oder unser Einbrecher hat eine hübsche kleine Mine gelegt, die etwas zu früh hochgegangen ist. Nein, oh nein, nein, das ist nicht gut.“

Battaglini ließ Tanigaki stehen und eilte zum mittlerweile großzügig geöffneten Haupttor, aus dem der Rauch abziehen sollte. Zwei der Feuerwehrleute brachten einen Körper raus, es war Koshina. „TAI-MING!“
Tanigaki eilte ihm nach. Ein Sanitäter der Höllenhunde bestimmte den Feuerwehrleuten, die junge Frau abzusetzen. Sie hustete, und das bedeutete, dass sie atmete und noch lebte. Der Sanitäter zog eine Beatmungsflasche hervor, legte die Maske über Mund und Nase und drückte in regelmäßigen Abständen drauf. Das ließ sie husten, und die Maske füllte sich erstaunlich schnell mit Dreck. Der Höllenhund musste sie zweimal reinigen, während er sie verwendete.
„Brauchen Sie Sauerstoff, Kelly?“, fragte der Feldarzt.
Der angesprochene Sani schüttelte den Kopf. „Denke nicht. Sie atmet normal. Was mir mehr Sorgen bereitet, sind ihre Wunden!“
Malossi wies einen seiner Leute an, die Behandlung seines derzeitigen Patienten zu Ende zu führen, also einen Verband anzulegen, bevor er zu Koshina trat. „Was ist mit den Wunden?“
„Sie ist reichlich zerkratzt. Soweit ich das sehen kann, wurde nichts Ernsthaftes getroffen, und sie hat sich nur das rechte Schienbein gebrochen, das rechte Handgelenk und eine sehr große dicke Beule über dem rechten Auge. Aber sie hat viele kleine Wunden, die nicht aufhören wollen zu bluten. Das müssten sie aber bei ihrem Gerinnungsfaktor.“
„Schrapnell? Flechetten?“
„Schrapnell.“
Battaglini sagte: „Hören Sie, Doc, hier in der Gegend gab es eine Seuche mit hämmorhagem Fieber, mehrere Tote. Kann das nicht...?“
„So schnell bricht ein hämorrhages Fieber nicht aus“, wiegelte Malossi ab. „Aber es ist schon merkwürdig. Und dass die Blutungen nicht stoppen, auch. Jemand soll mir Teile vom Schrapnell bringen!“, rief er. „Wir bringen sie als Erste raus. Haben wir noch jemanden, der dringend behandelt werden muss?“

In diesem Moment kamen die Feuerwehrleute mit einem weiteren Menschen heraus. „Ist das Haizo?“, fragte Battaglini. Der Mann gab offensichtlich kein Lebenszeichen von sich, und Malossi ließ seine Patientin sofort stehen. „Kümmern Sie sich, Kelly! Vorbereitung zum Abtransport, Druckverbände! Kleidung aufschneiden!“
„Ja, Doc!“
Malossi rann zu dem reglosen Mann, wies die Feuerwehrleute an, ihn zu Boden zu legen und untersuchte ihn. Auch er wies etliche kleine Wunden auf, die von Schrapnell verursacht zu sein schienen. Sie bluteten immer noch. „Genickbruch. Wir können nichts mehr für ihn tun“, stellte der Arzt resigniert fest. Er erhob sich und schlug ein Kreuz über ihm.
„Ist es Haizo?“, fragte Battaglini erneut.
„Ich bin hier“, ächzte eine reichlich belegte Stimme vom Eingang her. Von einem weiteren Helfer gestützt hüpfte der Draconier auf dem rechten Bein heran und ließ sich neben dem Toten absetzen. „Ich war im Generatorraum, als die Explosion stattfand. Die Druckwelle hat mich gegen das Aggregat geschleudert. Dabei habe ich mir wohl was gebrochen. Eine Zeitlang haben mir die Ohren geklingelt, aber mittlerweile höre ich schon wieder.“ Sein Blick ging zu dem Toten, dann zu seinem dritten Kollegen. „Tohru. Friede seiner Seele. Er hatte nur noch ein Jahr bis zur Pensionierung.“
„Was also ist passiert?“, sagte Tanigaki erneut. „Koshina können wir nicht fragen, selbst wenn sie bei Bewusstsein wäre.“
„Tanigaki-sama!“, rief der Hausmeister und wollte aufstehen, aber der Tai-i hielt ihn zurück. „Schon gut, Mann, schon gut. Sie sind verletzt. Was ist passiert?“
„Corporal Koshina hat einen Leistungstest des Generators verlangt. Dann ist sie mit Tohru in den Duschraum und hat einen Belastungstest der Wasserleitungen durchgeführt. Ja, und dann hat es gerummst, aber gewaltig. Es war definitiv nicht der Generator. Sonst wäre ich nicht mehr hier.“
Battaglini und Tanigaki sahen sich kurz an. „Also tatsächlich eine Mine.“
„Eine Mine im Waschraum. Eine, die hochgeht, wenn viel geduscht wird. Dazu Schrapnell-Wunden, die nachbluten. Da hat sich jemand eine wirklich große Schweinerei ausgedacht, eine große, fiese Schweinerei. Und der Wachdienst hat augenscheinlich nicht so gut gearbeitet, wie ich das erwartet hätte.“ Sein Blick ging über den Innenhof. „Dazu dieses Fieber, von dem Sie mir erzählt haben. Wir sollten die Halle tüchtig ausräuchern, bevor wir sie für irgendetwas benutzen.“
„Das fürchte ich auch, Tai-i. Jedenfalls ist sie nichts für die Höllenhunde. Wer weiß, was für Schweinereien noch hier auf uns lauern.“
Tanigaki murmelte etwas, was man mit viel Phantasie eine Bejahung nennen konnte. Dann erhob er sich und ging zurück zu Koshina. Die junge Frau war mittlerweile wieder bei Bewusstsein, verhielt sich aber kooperativ und tapfer, wenn man bedachte, dass sie nichts mehr hören konnte und unter Schmerzen leiden musste.

Höllenhunde brachten die Trage aus dem Medevac und betteten die verletzte Frau um. Kelly hatte derweil ihre Kleidung aufgeschnitten und Druckverbände auf den Wunden angelegt. Was er an Schrapnell hatte finden können, hatte er entfernt und für eine Untersuchung eingetütet. Auf der Liege wurde Koshina zugedeckt, festgeschnallt und dann zum Hubschrauber getragen. Nur einmal entkam der jungen Frau dabei ein Schmerzenslaut, als sie auf der Ladefläche etwas zu hart abgesetzt wurde. Ansonsten hielt sie sich mit verbissenem Gesicht weit tapferer als es Battaglini in der gleichen Situation gehalten hätte.
Er trat neben den Captain. „Es scheint, wir haben hier ein paar unerwartete Probleme, Sir.“
„Das sehe ich auch so. Und es ist eine große Frechheit gegenüber Haus Odaga. Und eine große Dummheit, einen Truchseß zu töten. Geschweige denn...“ Er schwieg, so als wenn er nicht zu viel sagen wollte. Dann aber fügte er an: „Ab jetzt ist es persönlich zwischen mir und den Unbekannten. Es wird Blut fließen.“ Tanigaki nickte Battaglini zu, dann bestieg er den Medevac und wurde von ihm mit Koshina ausgeflogen.
***
Letztendlich, liebes Tagebuch, stellte sich heraus, dass tatsächlich ein Sprengsatz mit einer Art Wasseruhr an die Leitung gekoppelt war. An der Warmwasserleitung. Das bestärkt den Verdacht, dass die Bombe hochgehen sollte, wenn besonders viel heißes Wasser gebraucht wurde, also wenn besonders viele Höllenhunde duschten; es hätte in einer vollen Dusche mit einer Splitterbombe ein regelrechtes Massaker gegeben. Reste des Sprengsatz wurden von der Polizei gefunden und untersucht, aber großartig neue Erkenntnisse sind wohl nicht zu erwarten, außer dass der Sprengsatz nicht nur gut versteckt war, sondern auch die Höllenhunde zum Ziel hatte.
Das Schrapnell wurde von Doktor Malossi untersucht, kaum dass er dafür die Gelegenheit hatte. Es stellte sich heraus, dass es mit einem flüssigen Rattengift behandelt worden war, einem recht starken Gerinnungshemmer, aber keiner von der Sorte, die erst nach ein paar Tagen wirken. Dieser hat verhindert, dass sich die Schrapnell-Wunden von Koshina von selbst geschlossen haben. Ich stelle mir vor, das Ding wäre in einer vollbesetzten Dusche losgegangen, es hätte ein Dutzend von uns erwischt, und alle hätten mehr oder weniger schwere Wunden gehabt, die nicht aufhören wollen würden zu bluten. Ein schrecklicher Gedanke. Und wenn die Höllenhunde noch eine Bestätigung gebraucht hätten, gegen was für einen Gegner sie hier antreten, dann wäre das Schrapnell eine eindeutige Botschaft gewesen. Es gab ein Bekennerschreiben von einer nichtssagenden örtlichen Guerilla-Truppe, die uns als „Büttel der Odaga“ bezeichnet hatte und uns zum legitimen Ziel erklären wollte, aber nicht einer unserer Leute, geschweige denn Tanigaki, glaubt hier auch nur eine Sekunde daran, dass die so professionell vorgehen würde.
Es bleibt natürlich noch die Frage, wann die Mine gelegt wurde: Schon vor Wochen oder erst vor wenigen Tagen. Natürlich kann es trotz diverser Hinweise wie dem alten Loch im Zaun nur vor einigen Tagen gewesen sein, denn die Möglichkeit, dass wir Höllenhunde möglicherweise in die alte Fischfabrik ziehen würden, steht ja auch erst seit einigen Tagen fest. Bedeutet für uns: Unser Feind ist da und er ist vor Ort.

Morgen geht es dann zum Hafen runter, zu einer Lagerhalle am Tao-Fluss, noch ein ganzes Stück von der Mündung weg, aber bereits beeindruckend groß. Handel und Verkehr ist hier immer eine Frage der Seewege oder des Luftverkehrs. Ich weiß nicht, was uns dort erwarten wird, aber ich habe mir sagen lassen, die letzte Option, die Haus Odaga uns angeboten hat, würde in einem sehr zivilisierten und gut kontrolliertem Gebiet der Hauptstadt des Odaga-Gebiets liegen. Andererseits hat uns auch schon eine recht spöttische Botschaft von Haus Shimatze erreicht, die auch an Odaga gegangen ist, in der die Höllenhunde eingeladen wurden, Taonami zu verlassen und auf Shimatze-Gebiet unterzukommen, wenn auch die dritte Option eine große fette Falle wäre. Den Vertretern unseres Gastgebers hat das nicht besonders gut gefallen, zugegeben. Und wir stehen hier unter einem gewissen Druck, irgendetwas auf Odaga-Gebiet zu finden, weil wir nicht ewig auf der CRYING FREEDOM bleiben können, wollen wir ihn nicht brüskieren und die Shimatze bevorzugen, was einer Kriegserklärung gleich käme. Auf jeden Fall aber einer Absage an Tanigaki, uns mit seiner Lanze Mechs zu begleiten.
Ach ja, bevor ich mich im Morgen verliere: Allen Verletzten geht es soweit gut und sie werden durchkommen. Aber sie liegen alle ein paar Tage auf Quarantäne, wegen dem Fieber, das in die Hallenregion eingeschleppt wurde. Wer weiß, ob unsere Angreifer nicht mehr als Rattengift auf ihr Schrapnell geschmiert haben. Jedenfalls, liebes Tagebuch, liest du morgen wieder von mir. Hoffentlich. Dein James.
Thema: Verkaufe] Sammlungsauflösung
Ace Kaiser

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23.06.2019 15:56 Forum: Tauschbörse und Chapterfights


Na dann mal zu.
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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19.06.2019 21:25 Forum: Söldner


Die Texte könnten Verstärkung vertragen. *hustundmitdemzaunpfahlwink*
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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17.06.2019 20:11 Forum: Söldner


Urgs, mein Fehler. Baue ich noch irgendwie ein.
Danke für die Tipps per PN. Auch hier: Baue ich ein. ^^
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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16.06.2019 23:29 Forum: Söldner


So, nach Marl habe auch ich heute was in die Tasten gekloppt und poste es.
Ich hoffe, das passt so.
Anmerkungen, Lob und Kritik bitte an meine Adresse.

Great Job, Marlin, btw.
Thema: Chevaliers Season V
Ace Kaiser

Antworten: 88
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16.06.2019 23:28 Forum: Kurzgeschichten


Liebes Tagebuch. Ich habe Dir, meinem treuen Verbündeten, stets alles anvertrauen können. Du warst immer für mich da, Du warst immer ein sicheres Behältnis für meine Gedanken, meine Wünsche, meine Ziele. Ich verdanke Dir viel, denn oftmals war es der Vorgang, in Dich hinein zu schreiben, der mich viele Dinge hat klarer sehen lassen, der mich zu einem besseren Offizier für die Höllenhunde und meine Leute hat werden lassen. Dafür danke ich Dir sehr. Aber heute, heute muss ich Dich warnen, denn das, was ich Dir erzählen will, ist selbst für einen Höllenhund, ja, einen Chevalier hart an der Grenze des Glaubbaren. Du dachtest, die Schießerei mit dem Luftangriff beim Einkaufszentrum gestern wäre schon extrem gewesen? Oh Du naives Ding. Es kann tatsächlich noch schlimmer kommen. Und wir sind erst einen Tag auf dieser Höllenwelt Sulafat. Und ich bin sicher, es kann auch noch viel unglaubwürdiger werden, je länger wir hier sind. So ist das wohl, auf einer Welt, in der die eine Hälfte der Flora und Fauna versucht, dich zu töten, und die andere Hälfte versucht, dich zu fressen. Aber ich will von Anfang an erzählen. Es begann damit, dass der Alte zu mir kam und sagte: „James, ich möchte, dass Du Jim und die Pioniere zum Lagerkomplex begleitest, den wir heute gezeigt bekommen. Untersuche das Gelände auf Manövrierfähigkeit für unsere Panzer, auf Möglichkeiten, das Gelände mit Heckenschützen zu beschießen, auf Funktionalität der Einrichtung, und so weiter. Aber am Wichtigsten: Finde den Beweis, dass das Ding für uns untauglich ist. Wenn Du keinen findest, dann konstruiere einen. Warum? Das Ding ist ein ehemaliges Konzentrationslager, in dem die alte planetare Führung Angehörige des Widerstands gefangen gehalten, gefoltert und ermordet hat. Ich sehe, wir verstehen uns.“
Natürlich verstehen wir uns, Manfred. Vor allem verstehe ich, dass ich den Schwarzen Peter bei dieser Geschichte habe. Allerdings, wenn man bedenkt, wie aggressiv diese Welt gegen seine menschlichen Bewohner ist und wie schwierig es ist, Bauwerke bei der Feuchtigkeit und Pilzdichte über Jahre hinweg stabil zu halten, sollte es nicht besonders schwierig sein, ausgerechnet ein ehemaliges Konzentrationslager ablehnen zu können, indem man genügend Vorwände findet.
Oh, was war ich doch naiv. Ziemlich, muss ich sagen. Und da frage ich mich schon, was der alte Striker gemacht hätte, wäre er jetzt hier und würde uns weiter durch dick und dünn führen. Nicht, dass Manfred eine schlechte Wahl ist, aber der alte Haudegen hat einfach mehr Tricks auf dem Kasten, die er mir längst nicht alle gezeigt hat.
Ja, Striker wäre mit dieser Welt Schlitten gefahren, anstatt dass die Welt mit uns Schlitten gefahren ist. Aber... Beginnen wir beim Aufbruch.
(Aus dem Tagebuch von James Battaglini: „Die Höllenhunde und ich“, erschienen im WayFive-Verlag, Dantonville N.H. (Northern Hemisphere))

1.
„Morgen, James.“ „Morgen, Jim.“ Der Panzerfahrer und der Pionier, beide alte, erfahrene und altgediente Chevaliers, gaben einander die Hand zur Begrüßung. „Hat Manfred mit dir gesprochen?“
Der Pionier winkte ab. „Keine Sorge, ich sehe mich in keiner Form zurückgesetzt, wenn du uns begleitest. Im Gegenteil, ich habe so das Gefühl, dass wir die Hilfe noch gut brauchen können. Wenn du als Panzerfahrer einen Blick aufs Gelände wirfst, ist das gar nicht so verkehrt für uns. Wenn ich an die Geschichte in den Chaosmarken zurückdenke, wird mir heute noch übel. Der arme Cliff. So jung, und hinterrücks einfach abgeknallt. Und dann hat dieses durchgeknallte Weib Wallace auch nichts besseres zu tun und Germaine die Eier abzuschneiden, indem sie ihn entscheiden lässt, ob er Manfred oder Peterson sterben lässt. Ah, sorry, das führt etwas weit“, sagte Bishop, grummelte und griff in die Hosentasche, um einen halb zerbissenen Zigarillo hervor zu kramen, den er sich zwischen die Lippen steckte, aber nicht anzündete. Das Ding erfüllte mehr die Funktion eines Beissholzes für ihn, nicht den eines Rauchgegenstandes. Zumindest, wenn er eine Menge Stress hatte. So wie heute.
Battaglini schnaubte einmal laut aus. Cliff und er hatten sich gut verstanden. Und als die Nachricht von seinem Tod kam und als erzählt wurde, wie er gestorben war, hatte auch er den Alten nicht darum beneidet, zu dieser Entscheidung genötigt worden zu sein. Aber er hatte Germaine dafür bewundert, dass er unter der Last dieser Entscheidung nicht zusammengebrochen war und sie getroffen hatte. Ein Kerl, ein harter, das war Danton. Einer, mit dem man sich besser nicht anlegte, wenn man auf Streit aus war und meinte, man könne gewinnen. Der Alte zeigte ihnen schnell das Gegenteil, egal ob durchgeknallter Ronin, ausgeflippte religiöse Fanatiker, Clanner im Tötungsrausch, Schwarzkastler mit Großmachtphantasien, oder wer sonst da noch kommen sollte. „Ich bin verdammt froh, dass niemand von mir verlangt hat, so eine Entscheidung zu treffen. Noch nicht.“
Bishop lachte abgehackt auf. Er klopfte dem Panzerfahrer auf die Schulter. „Na, dann komm. Wir sehen zu, dass wir nicht in ein Gelände gedrängt werden, indem uns der gleiche Scheiß noch mal passieren kann wie damals.“

Wie auf Stichwort traf ein gepanzerter Wagen ein. Es war Haizo-san mit den anderen „Hausmeistern“. Nach einem kurzen, höflichen Geplänkel, bei dem Bishop den neuen Teilnehmer vorgestellt hatte, schwang sich Battaglini in einen der Chevaliers-Geländewagen und schloss sich mit Koshina als Fahrerin dem Konvoi aus drei Fahrzeugen an.
Sie verließen den Raumhafen relativ fix und ohne Hindernisse. Mit Haizo unterwegs zu sein öffnete viele Türen und ersparte viele Formalitäten. Aber vermutlich würden die Raumhafenbetreiber einfach nur froh sein, wenn sie die Höllenhunde und damit die Verantwortung für sie los waren. Was so nicht ganz funktionieren würde, denn die CRYING FREEDOM und die Luft/Raumjäger der Einheit würden mit einer kleinen Schutztruppe auf dem Hafen bleiben. Bleiben müssen. Verzetteln war jetzt keine gute Idee, aber unpragmatisch sein half auch nicht weiter.
Es folgte eine Fahrt durch das Raumfahrerviertel, das sich durch Gebäude auszeichnete, die auch auf Wolcott hätten stehen können, in den wohlhabenden Vierteln mit den Firmensitzen, wohlgemerkt. Dann kamen sie durch eine Ecke der Stadt, in der es tatsächlich Hochhäuser mit bis zu zwanzig Stockwerken gab, und schließlich passierten sie eine Gegend, in der kein Haus höher als zwei Stockwerke war und in dessen Srtaßen es vor Leben nur so wimmelte. Dabei ging es zu wie auf einem Großmarkt auf Galatea. Aber die Hauptstraßen waren frei und gut passierbar, und es waren sehr viele Fahrräder unterwegs, aber kaum Fahrzeuge.
Dann, so abrupt, als wäre es mit dem Lineal abgeschnitten worden, endeten die Häuser und machten einem schier endlosen Meer zusammengezimmerter, einstöckiger Baracken Platz. Battaglini deutete hinaus. „Elendsquartiere?“
Tai-ming Koshina lachte kurz und abgehackt, es klang überhaupt nicht lustig oder amüsiert. „Nein, Sir. HIER leben die Besserverdienenden. Die Elendsquartiere sind die Ecken, in denen es nur für ein Zelt reicht. Und mit Zelt meine ich alte, halb verrottete Plastikbahnen, die man mit Hilfe von ein paar einigermaßen gerade gewachsenen Ästen irgendwie stabilisiert. Aber da fahren wir nicht durch. Das ist zu gefährlich. Die würden sich sofort zusammenrotten und uns für ein paar C-Noten abschlachten.“
„Raues Pflaster“, staunte der Panzerfahrer.
„Ja. Erinnert mich fast an Zuhause.“ Ihr Blick wurde kurz wehmütig, dann ging ein Griff an ihren makellosen, gut sitzenden Overall, mit dem sie am Stoff zog, der aber nicht nachgab. „Ich möchte nebenbei bemerkt eher ungern wieder dahin zurück.“
„Bei Gelegenheit müssen Sie mir da ein paar Geschichten erzählen, Tai-ming, und ich erzähle Ihnen, woher ich komme und wie es bei mir Zuhause aussieht, okay?“
„Sie kommen doch von Skye“, erwiderte Koshina.
„Auf Skye sind beileibe nicht alle Menschen reich, wohlhabend oder gut genug situiert für ein Dach über dem Kopf. Was meinen Sie, wie man so Söldner wird in diesem Universum?“ Er lächelte, und es war eines von denen, die nicht die Augen erreichten. „Lang, lang ist es her.“
„Okay, das sollten wir tun. Bei einem Bier und einem guten Kartenspiel. Viererdrax oder Poker?“
„Was ist aus dem guten alten Schwarzen Peter geworden?“, murrte Battaglini.
Koshina wurde einer Antwort enthoben, denn die Szenerie wechselte erneut. Wieder kamen sie in ein Viertel mit geduckten, zweistöckigen Gebäuden, in der Ferne waren einige mehrstöckige Wohnkasernen zu sehen, die sich zehn, fünfzehn Stockwerke in den Himmel Sulafats schwangen. Wieder ging es auf den Straßen zu wie auf einem Basar der Südwestlichen Welten. Diesmal hatte die Kolonne einige Schwierigkeiten, flüssig durchzukommen, denn obwohl die verschiedensten Transportmittel, Rikschas, Fahrräder, kleine Lastwagen mit Rädern oder was auch immer zum Transport verwendet werden konnte, bereitwillig Platz machten, bekamen sie nicht immer den Platz, um ausweichen zu können.
Battaglini ließ dabei, wenn sie stehen mussten, seinen Blick über die Menge schweifen, versuchte einzelne Augen zu fixieren, um einschätzen zu können, mit wem er es zu tun haben würde. Viele sahen die drei Wagen mit unverhohlenem Neid an, nicht wenige mit Hass. Einige warfen nur versteckte Blicke herüber, manche griffen in ihre Taschen. Battaglini hielt es für eine gute Idee, seine Laserpistole zu ziehen und gut sichtbar für alle einem Funktionscheck zu unterziehen, was dazu führte, dass die Zahl möglicher Aspiranten für einen Überfall dramatisch sank. Aber definitiv war das der erste negative Punkt für ihre mögliche Kaserne.

Der Tross zog weiter, und dabei gingen die Hausmeister der Herrscher der halben Welt recht nett mit der Bevölkerung um. Es gab zwar ein paarmal Situationen, in denen die Wagen halten mussten, und einmal stieg Haizo aus und schimpfte den Besitzer eines Ochsenkarren – oder was immer das für ein Tier war, das er vor seine Holzkonstruktion gespannt hatte – weg von der Straße, aber nicht einmal bahnte sich das Bodenpersonal Haus Odagas mit Gewalt den Weg.
Schließlich änderte sich die Kulisse schlagartig, und die Häuser waren durchsetzt mit großen Lagerhallen. Es war offensichtlich, dass dieser Teil wichtig war, denn zwar nahm die Zahl der Menschen ab, aber die, die anwesend waren, zeichneten sich durch einen hohen Grad an Organisation aus. Battaglini begriff. In diesen Lagerhallen wurden die „Biostoffe“ zwischengelagert oder weiterverarbeitet, die unzählige unterbezahlte Hungerlöhnler mit hohem Risiko im Dschungel Sulafats ernteten, bevor die aufbereiteten Stoffe dann ihren Weg in den Distrikt antraten. Das war, zugegeben, eine interessante Nachbarschaft. Aber die Zahl der Diebe, vom kleinen Taschendieb, der aus einem offen stehenden Korb ein paar Früchte mitgehen ließ bis zu jenen, die gezielt diverse florale Erzeugnisse raubten, bevor sie verarbeitet waren und man noch Rauschgifte aus ihnen machen konnte, nahm extrem zu. Nicht, dass er Schüsse gehört hätte oder Leichen auf den Wegen sah. Oder auch nur große trockene Blutlachen, die darauf hinwiesen, dass es hier Leichen gegeben hatte. Nun. Aber die erwartete er auch nicht an der Hauptstraße, sondern auf den Rückseiten der Gebäude. Wie gesagt, eine interessante Nachbarschaft.

Dann kam ihr Gebäudekomplex in Sicht. Die besagte Kaserne mit dem schlechten Ruf. Die bewachte Kaserne. Groß genug, dass man sie sehen konnte, lange bevor sie sie erreicht hatten.
„Noch mal halt!“, sagte Battaglini zu Koshina. Die gab eine kurze Funkmeldung an die anderen Wagen ab und bremste. Als letztes Fahrzeug konnte sie das ohne Gefährdung tun, denn hier war der zivile Verkehr praktisch nicht mehr existent. „Zurück“, kommandierte der Panzerfahrer.
Koshina gehorchte und setzte zurück. „Stopp.“ Der Wagen hielt, und Battaglini konnte genau zwischen zwei Hallen schauen. Er griff nach dem Funkgerät. „Haizo-san. Die schwarzen Säcke, die hier gelagert werden, ist es das, was ich denke, das es ist?“
„Schwarze Säcke? Worüber reden Sie, Battaglini-san?“
Die anderen beiden Wagen setzten zurück, und Battaglini stieg aus. Dabei lockerte er sicherheitshalber die Holstertasche seiner Laserpistole.
Auch die anderen beiden Wagen hielten, und einige Leute, unter ihnen Bishop und Haizo, stiegen aus. Der Panzerfahrer deutete in die breite Gasse. Dort reihten sich wirklich lange, schwarze Säcke an der Wand einer Halle entlang.
„Ich sehe sie, aber ich weiß nicht, was... Moment mal.“ Haizo ging in die Gasse. Er warf einen Blick auf den ersten Sack und wich zurück. Dann griff er nach seinem Mobiltelefon, das seinen Stellenwert auf Sulafat herausstrich und führte ein kurzes, aber lautes Telefonat. Als er zurückkam, war er nachdenklich und ein wenig blass.
„Was gibt es, Haizo-san?“, fragte Bishop.
„Es sind Leichensäcke. Sie stehen zur Verbrennung an. Die Versorgung kümmert sich darum.“
Versorgung, so nannten die Bewohner dieser Welt den medizinischen Dienst, den Haus Odaga für seine Neubürger eingerichtet hatte. Eine primitive, oberflächliche Grundversorgung für Jedermann, die besser wurde, je höher man in der Hierarchie der Zuarbeiter Haus Odagas stand, aber es war weit mehr, als den Menschen auf anderen Welten zur Verfügung stand. Die Versorgung war aber auch für den Katastrophenschutz zuständig und wurde bei Seuchen eingesetzt, um zu verhindern, dass zu viel Arbeiter bei einer solchen Katastrophe umkamen.
„Leichensäcke? Hier?“, fragte Battaglini.
„Es gab einen Ausbruch an hämorraghem Fieber, nichts Lebensgefährliches. Eigentlich. Für einen gesunden Menschen wie Sie und mich, Battaglini-san. Aber viele Menschen, die in diesem Viertel leben und keine Arbeit haben, sind Mangelernährt, unterernährt oder wegen Vorerkrankungen anfälliger. Wie es scheint, ist hier im Umfeld der Hallen der Ausgang zu sehen, es ist sehr ansteckend, und bevor die Versorgung den Fall als Seuche einstufen und entsprechende Gelder für die Eindämmung bekam, auch sehr ausbreitend. Es gab bisher sieben Tote. Mehr als dreihundert Menschen haben Folgeschäden zu tragen, darunter Organschäden. Lunge, Leber, Magen, Herz. Nicht alle gleich intensiv, manche haben nur einen Ausschlag davon getragen, aber... Wie das halt so ist mit Krankheiten. Die Versorgung sagt, es wäre ein Bakterium, das mit den Biostoffen aus dem Dschungel eingeschleppt wurde. Genauer gesagt mit wilden Mäusen.“
„Teufel auch, Haizo-san, wollen Sie uns hier gerade erklären, die Ratten hätten die Pest in dieses Viertel geschleppt?“, brachte Battaglini erstaunt hervor.
„Nun. Nein, also, nicht ganz so, aber, ja, etwas in diese Richtung, wenngleich nicht so dramatisch.“ Er hob beide Hände in einer abwehrenden Geste. „Aber die Lage ist im Griff. Der Versorgung wurden seit zwei Tagen keine Neuansteckungen mehr gemeldet.“
„Wie überaus erfreulich, vor allem für die Bevölkerung. Fahren wir weiter.“ Bishop sah alles andere als zufrieden aus.

Sie setzten die Tour fort und kamen dabei an einem der großen Gebäude vorbei, mindestens fünfzehn Stockwerke, Innenhof, Platz für eintausend Menschen oder sogar noch mehr, wenn sie zusammenrückten. Was sie sicher auch taten.
„Eine gute Position für Scharfschützen“, brummte Battaglini unzufrieden.
Ihre Kaserne kam in Sicht, nur einen Steinwurf entfernt. Es handelte sich um eine ehemalige Konservenfabrik, die Fisch eingedost hatte. Die Produktionshalle war danach vielfältig verwendet worden, und zuletzt eben auch als Konzentrationslager für Querdenker und Revoluzzer, von denen es im alten System mehr als reichlich gegeben hatte. Unter Odaga und Shimatze war es weit besser, wie man sich erzählte, aber immer noch schlecht genug. Die Verhältnisse besserten sich eben erst, wenn genug Geld zurückfloss. Und solange die Hauptwelten beider Grafen unter den Angriffen litten, floss eben nicht so viel zurück, wie möglich gewesen wäre.
Ein Zaun umgab die alte Fabrik, ein Pförtnerhäuschen, mit Sandsäcken verbarrikadiert, schwerem Tor, bewaffneten Wachen, kam in Sicht. Ansonsten gab es keine besondere Überwachung, nicht einmal Kameras. „Ist hinter dem Gebäude noch ein Wachhäuschen?“, fragte James Battaglini mehr sich selbst als andere.
„Soweit uns gesagt wurde, gibt es regelmäßige Patrouillen, die ein weiteres Wachhäuschen überflüssig machen. Oder gar Kameras oder Wachtürme“, sagte Koshina, und bei diesen Worten klang sie wie eine Sechzehnjährige, die desillusioniert feststellte, dass ihr Sängerschwarm, den sie mit vierzehn zum Sexgott ihres Lebens erkoren hatte, ebenvieles war, aber sicher kein Sexgott, und garantiert auch kein Superstar.
Die Kolonne fuhr vors Tor und wurde sofort eingelassen. Dann ging es noch ein Stück weiter bis zum Haupttor der alten Kaserne. Die Höllenhunde und die Odaga-Leute stiegen aus. Battaglini teilte die Leute ein. Zwei von ihnen schickte er zum Zaun und ließ sie die Innenseite einmal komplett in Augenschein nehmen. Zu zweit, nicht jeder in eine Richtung. Ohne eine wirksame Überwachung, ohne Abdeckung durch Waffen würde ein einzelner Soldat am Zaun vielleicht Begehrlichkeiten wecken, sei es wegen seiner sauberen Kleidung, seiner Waffe oder der Chance, mit ihm eine gewisse Summe aus den Höllenhunden herauszupressen. Der Rest betrat das eigentliche Gebäude. Es war trostlos hier drin, und es fehlte der Flair des Kaufhauses, das sie am Vortag hatten inspizieren wollen, bevor ihnen ein Bandenkrieg dazwischen gekommen war, aber es gab Platz. Genug Platz. Sogar für ihre Panzer.
Die Höllenhunde folgten der Aufteilung und verschwanden im Gebäude. Nicht wenige hatten die Hände an den Waffen. Es war ihnen anzusehen, dass sie eine Erfahrung wie am Vortag ungern erneut machen wollten.
Bevor sich Battaglini einer Gruppe anschließen konnte, hielt Bishop ihn kurz zurück. Er musterte seine Uniform. „Gut. Unauffällig genug. Keiner kann sehen, dass du Offizier bist, James. Wenn du rausgehst und das Gelände checkst, versuche, dich nicht wie ein Offizier zu benehmen und gehe nicht zu nahe an den Zaun, okay?“
„Ja, Mama.“
Bishop zerbiss seinen Zigarillo und spuckte ihn aus. „Du weißt, was ich meine.“
„Schon gut, war nur Spaß.“ Battaglini sah Haizo hinterher, der Koshina folgte. „Hm?“
„Sie hat den Auftrag, zu „beweisen“, dass die Halle unseren Ansprüchen nicht genügt. Sie wird einen Belastungstest des Notstromgenerators durchführen und jede Menge heißes Wasser verschwenden. Haizo möchte natürlich das Gegenteil tun. Und während er beschäftigt ist, schaue ich mir die Schaltzentrale an und stelle fest, dass dieses Gebäude vollkommen ungeeignet ist. Abgesehen davon, dass sich Chevaliers und Massenvernichtungseinrichtungen gegenseitig ausschließen.“
„Zustimmung“, sagte der Panzerfahrer. „Diese Halle atmet was, das ich nicht mag. Gar nicht mag. Ich will hier keine unserer Leute unterbringen müssen. Abgesehen davon, dass die Front vom Wohnsilo aus komplett einzusehen ist. Ein Paradies für Scharfschützen, auf die wir nicht automatisch zurückschießen würden. Und das wissen sie.“
„Ja, das wissen sie, und sie halten es für unsere Schwäche. Dabei ist es eine Stärke der Chevaliers“, erwiderte Bishop. Er grinste breit. „Also, machen wir sie fertig.“
Die beiden Männer tauschten einen kräftigen Händedruck aus. „Tun wir das, Jim.“

Battaglini trat hinaus vor die Halle. Er besah sich das Muster der Verteilung der Hallen, dann suchte er das nahe Wohnhaus mit seinem Monokular nach Reflektionen zum Beispiel eines Feldstechers ab. Etwa ab dem sechsten Stock hatte man von dort über gut fünfhundert Meter Entfernung freies Schussfeld auf ein Drittel der Anlage. Eine Situation, die jedem Scharfschützen leichtes Herzklopfen bereitete. Da hätten sie es im Einkaufszentrum wirklich besser gehabt. Da hatten sie zumindest keine Nachbarn.
Als er keine Reflexionen fand, was nicht bedeutete, dass sie nicht von dort aus beobachtet wurden, und dass ihre Gegner, die Hasardeure, die Odaga und Shimatze das Leben schwer machten, nicht schon längst vor Ort waren, widmete er sich den anderen Häusern und Hallen. Auch hier boten die Dächer der Anlagen gute Positionen für Scharfschützen, aber wenig Deckung, und vor allem keine menschlichen Schutzschilde in Form von unschuldigen Hausbewohnern. Aber quasi das ganze Außengelände war einsehbar, und das war ganz, ganz schlecht.
Nein, kein gutes Gelände. Wirklich kein gutes Gelände.
Die beiden Höllenhunde, die den Zaun inspizierten, kamen ihm entgegen. „Wie sieht es aus, Maier?“, fragte er den Ranghöheren der Zweiergruppe.
Der AsTech schnaubte leise aus. „Loch im Zaun, Sir. Gut getarnt, aber leicht zu erkennen, wenn man sowas schon mal selbst gemacht hat. Augenscheinlich schon etliche Monate alt, den Korrosionsspuren nach zu urteilen.“
Battaglini machte einen abfälligen Laut. „Heißt das, seit einigen Monaten geht hier jemand ein und aus, wie es ihm oder ihr gefällt, und das unbehelligt von der Wache?“
„Das läge nahe, Sir.“
„Hm.“ James Battaglini war nicht erfreut über diese Neuigkeit. „Wenn Sie Ihre Runde beendet haben, machen wir noch eine um die ganze Halle. Wir suchen nach Einbruchsspuren.“
„Was sollte es hier zu holen geben außer dem Diesel für das Notstromaggregat?“, wandte Weber ein, der Pioniergefreite.
Battaglini wollte antworten, aber er ließ es sein. Ja, was wollte ein Einbrecher hier? Betten klauen? Matratzen? Es sah nicht so aus, als wäre die Halle geplündert worden. Ein lautes Rumoren aus dem Innern bewies auch, dass zumindest noch Diesel genug da war. Zuflucht hatte hier auch niemand gesucht, obwohl das Wetter dieser Welt sehr schnell sehr ungemütlich werden konnte, wie man ihnen erklärt hatte.
„Schauen wir nach den Einbruchspuren“, sagte James. So langsam bekam er ein wirklich, wirklich schlechtes Gefühl bei der Sache. Weit schlechter, als er von Anfang an gehabt hatte.

„Hier, Sir, das sind Kratzer. Die hat jemand mit Spray überlackiert. Hätten wir nicht gezielt danach gesucht, hätten wir sie nicht gesehen.“
„Dann ist also tatsächlich jemand rein.“ Battaglini runzelte die Stirn. Er hatte mit den Chevaliers schon einiges erlebt und war erfahren, vorsichtig, aber auch draufgängerisch, wie alle Höllenhunde. Hatte Verluste erlebt, Erfolge errungen. Aber er wollte gerne noch einige Zeit leben.
Das Team, das die Halle untersuchte, war auch vorsichtig. Vielleicht sogar bis zu einem paranoiden Grad. Eigentlich sprach nichts gegen die Höllenhunde, außer Murphy. „Wir sollten...“, begann er, aber eine heftige Detonation, die aus der Halle kam, sich an den Wänden brach und erneut an die Wände geworfen wurde, erschütterte ihn bis ins Mark. Immerhin, das Gebäude blieb stehen, aber er bekam einen Tinnitus. Ohne groß zu überlegen lief er zu den Wagen, ergriff das Mikrofon und forderte an eigenen Leuten an, was immer Scharnhorst ihm geben konnte. Vor allem aber Sanitäter. Die beiden Männer, die ihm gefolgt waren, wies er an, sich zu bewaffnen und aufzumunitionieren und das Gelände zu decken. Die Wachen, die aus dem Wachhäuschen stürzten, schienen genauso überrascht wie sie selbst. Mit einer Explosion im Gebäude hatte niemand gerechnet. James befürchtete das Schlimmste für die Höllenhunde, die die Halle untersucht hatten. Aber er fürchtete auch einen Angriff, während auf seiner Seite die Verwirrung am Größten war, deshalb ging er nicht hinein. Noch nicht. Als sich aber abzeichnete, dass niemand genau das tun würde, stürzte er zum Haupttor und öffnete es.
Als er eintrat, fiel ihm Bishop in die Hände, im sprichwörtliche Sinne. „Jim, alles in Ordnung?“
Der Mann war rußgeschwärzt, verdreckt und verdammt zornig. Er deutete auf seine Ohren und machte das Special Forces-Zeichen für taub. Battaglini verstand. In der Halle musste der Knall noch eine ganze Ecke schlimmer gewesen sein. Er nickte. Dann legte er siene Stirn auf die des Pioniers und rief: „Hilfe ist unterwegs! Höllenhunde sind unterwegs!“
Bishop verstand und zeigte einen Daumen nach oben. Weitere Höllenhunde und einer der Hausmeister der Odaga kamen heraus, traten förmlich aus einer dichten Staubwolke heraus. Aber es waren längst nicht alle, und neben diversen Höllenhudnen und Haizo fehlte auch Koshina. Verdammt. Sie waren ganz geschickt übers Glatteis geführt worden. Respekt. Aber ein Grund mehr, diese Verbrecher in die Finger zu kriegen. Der Rest war warten auf das Eingreifkommando der Höllenhunde.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Ace Kaiser

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04.06.2019 20:14 Forum: Kurzgeschichten


Ich schreibe gerade ein wenig an einem HDFL-Experiment herum...
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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02.06.2019 20:35 Forum: Söldner


Ich konnte mich aufraffen. Die Wohnraumsuche bringe ich als drei Einzelposts. Hat mir viel Spaß gemacht, den kleinen Text zu schreiben. Schade nur, dass fast dreieinhalb Seiten anschließend gepostet so schmal aussehen... Damnit.

Ja, ich habe jetzt weiterführende Pläne. Ja, es wird lustig werden. Ja, Ihr könnt weiter schreiben.
Thema: Chevaliers Season V
Ace Kaiser

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02.06.2019 20:33 Forum: Kurzgeschichten


Die Landung der Höllenhunde auf Sulafat erfolgte relativ unspektakulär. Der Overlord Crying Freedom setzte auf, und Manfred Scharnhorst mietete für relativ kleines Geld eine große Lagerhalle auf dem Gelände des Raumhafens, in die dann das Gros der Soldaten und des Materials verbracht wurden.
Anatoli Tanigaki war darüber recht verwundert. „Warum bereiten Sie nicht den Abmarsch vor, Manfred?“
Und Scharnhorst antwortete: „Weil Ihr Vater uns drei Möglichkeiten überlassen hat, von denen wir uns eine aussuchen dürfen. Ich schicke gleich ein Team meiner Leute los, das sich alle drei Objekte anschauen und dann eine Empfehlung für das beste aussprechen wird. Vergessen Sie nicht, die Höllenhunde sind das Ziel nicht nur einer Fraktion, und ich will meine Leute so sicher wie irgend möglich unterbringen. Wenn ich also die Wahl habe, dann will ich keine Dartpfeile werfen.“
„Wenn Sie es so ausdrücken...“, sagte der Erbe des Hauses Odaga in versöhnlichem Ton, wenngleich sein Gesicht keine Emotion zeigte.

Als Scharnhorst wieder allein war, schnappte er sich Lieutenant Bishop, den Chef der Pioniere. „Hören Sie, Jim, was uns Haus Odaga da angeboten hat, ist alles ganz großer Schrott.“
„Ich weiß, Sir. Da haben wir einmal ein ehemaliges Einkaufszentrum, dessen Tore für unsere Panzer zu schmal sind, sodass wir sie vor dem Gebäude parken und warten müssten, quasi eine Einladung für alle halbwegs fähigen Scharfschützen. Dann einen Hallenkomplex an einem Seehafen, der quasi nicht abgegrenzt werden kann und jeden Komfort vermissen lässt. Und schließlich und endlich eine Einrichtung, die einer Kaserne noch am nächsten kommt, aber in der früher Dissidenten gefangen gehalten und hingerichtet wurden. Alles keine Wunschoptionen.“
„Die zweite Option ist dabei noch die Beste. Auch wenn wir da nicht weniger auf dem Präsentierteller sitzen wie in dem Einkaufszentrum. Aber es lässt Scharfschützen weniger Spielraum. Hören Sie, wenn Sie da mit Ihrem Team rausgehen, sorgen Sie dafür, dass weder die Kaserne, noch das Kaufhaus in irgendeiner Form bestehen. Ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust darauf, den Hafenkomplex zu nehmen. Die ISA hat da einige Andeutungen gemacht. Ich bin sicher, sie würde uns eine sicherere Alternative suchen, wenn diese drei hier ausfallen würden. Aber wir brauchen Gründe, gute Gründe, haben Sie verstanden, Jim?“
„Ich werde Ihnen die Gründe liefern, Sir“, versprach der Pionier grinsend.
***
Das erste Objekt, das die zehnköpfige Truppe Bishops, bestehend aus Techs und Pionieren, besuchte, war das ehemalige Einkaufszentrum, das zumindest mit einem verwilderten, aber großzügigen Parkplatz aufwarten konnte. Ansonsten erstreckte es sich über drei Gebäude auf vier Ebenen mit großzügigen Atrien. Auf den ersten Blick sah James Bishop, dass es schlicht und einfach zu groß für ihre Zwecke war, wenn die Panzer tatsächlich „draußen“ bleiben mussten. Sie betraten das Gebäude in Begleitung dreier Odaga-Handlanger, die noch am ehesten in die Kategorie „Hausmeister“ fielen. In diesem Fall Hausmeister einer ganzen Stadt, nicht nur des Kaufhauses. Großzügige und außerdem intakte Fenster sorgten für eine gute Ausleuchtung, sodass Bishop die Misere auch sah, ohne Licht anschalten zu müssen. Das Gebäude war geplündert und verwüstet worden, und wie es ausschaute, war es auch noch illegal bewohnt. Die Bodenfliesen waren stellenweise geschwärzt, um manche dieser Flecken standen improvisierte Sitzgelegenheiten, ein Feuer glomm sogar noch. Bishop ließ seinen Blick über die höheren Stockwerke gleiten. Das Einkaufszentrum war derart aufgebaut, dass das Atrium mehrere Balkons besaß, hinter denen einzelne kleine Geschäfte zu finden gewesen waren. Heute waren das nur noch dunkle Löcher, oder provisorisch mit Brettern zugenagelt. Allein dieser Teil des Gebäudes hatte über fünfzig Geschäften mit bis zu eintausend Quadratmetern Verkaufsfläche Heimat geboten. Die anderen beiden Gebäude waren von ähnlichem Format, sodass alle drei Gebäude die Form eines Kleeblatts boten, mit einer gemeinsamen großen Halle im Zentrum, die Bishop am Ende des Gebäudes gut erkennen konnte. Ein großer Brunnen markierte das gemeinsame Zentrum, und er war sicher, früher einmal hatte er Wasser geführt. „Ist bewohnt hier, was, Haizo-san?“, knurrte er dem Anführer der Dreiertruppe zu.
Der Draconier lächelte nichtssagend. „War, Bishop-san. War.“
„Vier Ebenen, den Bodenbereich mitgerechnet. Auf drei Gebäude verteilt. Sechs Ausgänge, und keiner von ihnen groß genug für unsere Panzer.“
„Es gibt noch einen Warenlieferungszugang, der über eine versenkte Rampe zu erreichen ist und in die Tiefgarage führt. Zumindest Ihre Transportwagen dürften dort unterkommen. Von Panzern über vierzig Tonnen rate ich ab. Das Gebäude wurde gebaut mit dem Gedanken im Hintergrund, dass es einer feindlichen Mech-Einheit keinen Unterschlupf bieten kann.“ Haizo verbeugte sich mehrfach leicht und lächelte weiterhin nichtssagend. „Draconische Bauvorschriften.“
Bishop schnaubte, und niemand konnte sagen, ob es zustimmend oder ablehnend gewesen war.
„Hier hat doch jemand gelebt“, stellte AsTech Koshina fest. Die junge Frau hob einen Stofffetzen vom Boden auf, entfaltete ihn und hatte nun ein reichlich zerrissenes T-Shirt in Händen, das genauso oft geflickt worden war. Es war keine Erwachsenengröße.
„In der Tat hat es Bewohner gegeben. Illegale Bewohner. Aber niemand kommt wirklich freiwillig hier raus, so nahe am Dschungel, außer Verbrecherbanden, Drogenschmugglern und Prostituierten. Leider war das Einkaufszentrum lange Zeit ein sicherer Umschlagplatz für Biostoffe, die von den Rebellen illegal im Urwald geerntet wurden. Sie wurden hier im Gebäude gegen Lebensmittel und andere Vorräte eingetauscht, bevor man sie in die Stadt und dann zum Raumhafen schmuggelte. Sie können es heute nicht mehr sehen, aber vor zwanzig Jahren war die Stadt noch größer. Sie erstreckte sich rund zehn Kilometer tiefer ins Land und bestand gerade in dieser Region aus den Wohnungen bessergestellter Arbeiter, Kaufleute, Beamter und höheren Angestellten. Nach dem Aufstand war... für viele dieser Wohnungen kein Bedarf mehr und es waren auch etliche Gebäude in... besserer Lage frei, sodass diese Siedlung nach und nach aufgegeben wurde. Der Dschungel holte sie sich dann wieder zurück. Das Einkaufszentrum ist der letzte Rest Erinnerung aus dieser Zeit und unsere natürliche Barriere für den Dschungel selbst, denn als Grundlage für den Parkplatz hat man das gleiche Plastbetonmaterial genommen, das man im Kombinat auch für Raumhäfen verwendet. Was den Urwald natürlich nicht daran hindert, sich auf dem Beton auszubreiten.“
„Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit“, sagte Bishop, nicht ohne Sarkasmus in der Stimme. „Sie sagen also, der Dschungel, der direkt an dieses Gelände grenzt, steht zum Großteil auf Teilen der alten Parkfläche?“
„So in etwa, Bishop-san.“

Der Pionier dachte nach. Wieder sah er die Balkons hinauf. Stillgelegte Rolltreppen führten die Ebenen hinauf, und dies nicht durchgängig, sondern durchaus so, dass man einige Meter bewältigen musste, um zur nächsten Rolltreppe zu kommen. Damals zweifellos eine gute Idee, um die Menschen dazu zu bewegen, an mehr Geschäften vorbei zu gehen. Alles in allem schrie dieses Einkaufszentrum einen Wohlstand hinaus, den es so auf vielen draconischen Welten nicht gab. Gut, gut, mit Takashi Kurita hatte es eine Renaissance gegeben, ein kleines Wirtschaftswunder, und auf vielen Planeten hatte es einen Kultursprung gegeben, der sie dann eher einer Kernwelt der Vereinten Sonnen gleichen ließ als einem ihrer Peripherie-Systeme, die teilweise auch heute noch relativ ländlich waren, um es nett auszudrücken. Aber der Aufstand hatte dieses ganze Viertel ausradiert. Allerdings war der Wohlstand der Menschen, die hier eingekauft hatten, auch auf dem Rücken der Aufständischen erworben worden, aber das war auch eine ganz andere Geschichte.
„Was ist mit Strom?“
„Die alten Leitungen existieren noch, sind aber stellenweise unterbrochen.“
„Wasser?“ „Haben wir abgestellt, nachdem das Gebäude aufgegeben wurde. Wir erwarten, dass die Rohre in beide Richtungen noch immer gut funktionieren werden.“
„Aber garantieren können Sie das nicht?“ Das Schweigen des Odaga-Mannes sagte ihm genug.
„Was ist mit den sanitären Einrichtungen, was mit Duschen, Waschräumen?“
Haizo runzelte die Stirn. „Die Geschäfte haben alle Gästetoiletten und Einrichtungen für die Mitarbeiter. Die größeren Geschäfte haben auch Waschräume für die Mitarbeiter. Zudem gibt es auf dieser Ebene eine große öffentliche Toilette.“
Bishop runzelte die Stirn. „Hm. Sollen wir den Brunnen freiräumen, die Fontäne wieder anstellen und uns da drin waschen?“
Tai-ming Koshina lachte. „Das klingt doch lustig, Lieutenant.“
„Ja, AsTech lustig klingt es. Ich hoffe, Sie haben einen hübschen Badeanzug einstecken, dann können Sie im Brunnen auch ein paar Runden drehen.“
Sie grinste noch immer. „Da man auf diesem Planeten eher nicht in den Meeren baden sollte, wäre das eventuell nicht die schlechteste Idee, Sir.“
„Zugegeben.“ Er deutete auf zwei seiner Begleiter. „Tiefgarage aufsuchen, die Zufahrt kontrollieren, Zustand des Bodenbelags ermitteln.“ „Ja, Sir.“
Die nächsten beiden. „Ihr sucht mir zuerst die öffentlichen Toiletten auf, danach alle Geschäfte auf dieser Ebene.“ „Ja, Sir.“
„Der Rest folgt mir. Wir gehen in den zentralen Wachraum, und Sie, Tai-ming, gehen mit Garfield den Hauptverteiler untersuchen.“ „Ja, Sir.“
„Na, dann wollen wir keine Zeit verlieren. Wir...“ Seine Worte gingen durch einen sehr lauten Knall unter, der Bishop an den Abschuss einer Artilleriegranate erinnerte. „RUNTER!“, rief er und riss Haizo mit sich zu Boden. Auch die anderen Höllenhunde sprangen in provisorische Deckungen und rissen die anderen beiden Hausmeister mit sich zu Boden. Dann gab es tatsächlich einen Rumms und eine kleine Druckwelle, aber sie schien nicht aus Ihrem Kleeblatt des Gebäudes zu kommen. Das Feuern mehrerer Autopistolen und das charakteristische Singen eines Lasergewehrs antworteten, und irgendwo gab es einen Rumms, der Putz von der Decke über ihnen ablöste. Bishop schaltete sofort und sprang wieder auf die Beine, Haizo mit sich hochzerrend. „RAUS!“, brüllte er.
Die Höllenhunde, glücklicherweise noch nicht weit ins Gebäude vorgedrungen, hatten nur ein paar Meter bis zum Haupteingang, und von dort nur wenige Schritte bis zu den Fahrzeugen.
Ein paar Sekunden später befand sich die kleine Kolonne schon nicht mehr auf dem Parkplatz, während hinter ihnen weitere Schüsse ertönten, in das sich einmal sogar das Zischen einer abgeschossenen Kurzstreckenrakete mischte. Als sie die Ausfallstraße zurück zur Stadt erreicht hatten, fuhren sie automatisch ein Stück um das Kleeblattgebäude herum. Bishop konnte ein paar aufgemotzte Schweber entdecken, die am Stirnende eines der anderen Gebäude standen, Sie waren bemannt und mit MG und KSR-Werfern nachgerüstet worden. Im Gebäude selbst wurde augenscheinlich gekämpft.
„Hören Sie, Haizo“, sagte Bishop, nachdem sein Puls wieder normal schlug, „den Dschungel hätte ich Ihnen ja vom Parkplatz runter gekratzt, aber Ihre Bewohner sind noch immer da und augenscheinlich auch wehrhaft. Und auch nicht schlecht bewaffnet.“
Der Hausmeister schien hochgradig verstört zu sein. „Das sind Rebellenkräfte. Eine der augenscheinlich größeren Gruppen. Sie müssen versucht haben, illegale Ernte an einen Mittelsmann zu verkaufen, und das ist schief gegangen. Entschuldigen Sie mich, Bishop-san, das muss ich melden. Danach wird das Einkaufszentrum wohl aus der Wahl fallen.“ Der Mann beugte sich ein Stück vor, griff zum Funkgerät, justierte eine neue Frequenz und gab eine sehr militärische Meldung weiter.

Bishop ließ halten, als sie etwa zwei Kilometer entfernt waren. „Sagen Sie Ihren Leuten, sie sollen nicht auf uns schießen, Haizo-san.“ Der nickte und sprach erneut in den Funk. Bishop winkte seine Leute aus den Wagen auf die Straße. „Das sollten wir uns anschauen.“
Am Gebäude gab es Bewegung. Hinter dem Haus tauchten zivile Fahrzeuge auf, bodengebundene Radfahrzeuge, die auf den Dschungel zuhielten. Auch bei den Schwebern gab es Bewegung, einer hob ab und flog nahezu in die gleiche Richtung. „Jemand hat sie gewarnt“, sagte Haizo zähneknirschend. Kurz darauf zogen fünf Schatten über die Höllenhunde hinweg. Und dann brach über dem Einkaufszentrum und dem Parkplatz die Hölle in Form von Yellowjacket-VTOLs los. Sie beschossen den Gebäudeflügel, in dem gekämpft wurde und machten Jagd auf die fliehenden Fahrzeuge.
Bishop steckte sich eine Zigarre an, während er das Spektakel beobachtete. Ein Teil des beschossenen Gebäudes brach in sich zusammen, einer der VTOL zersägte mit seinen MG einen fliehenden Zivilwagen in handliche Einzelteile. „Haizo-san, ich gehe stark davon aus, dass dieses Gebäude für eine längere Zeit eher nicht als Unterbringungsmöglichkeit in Frage kommen wird.“
„Sicher nicht, solange es immer noch als Umschlagplatz für unser heimisches Verbrechen genutzt wird. Obwohl, die anderen beiden Flügel stehen noch, und...“ Dies war der Moment, in dem das zweite Gebäude teilweise zusammenbrach. „Ich halte wohl lieber die Klappe.“
Bishop ließ ein kurzes, kehliges Lachen vernehmen. Gut, jetzt wäre es nicht mehr zu groß. Aber wenn sie ständig mit solchem Besuch rechnen mussten und die einheimischen Hubschraubersoldaten die Rebellen mit solcher Konsequenz jagten, dann war es eine gute Idee, diese Ecke zu meiden.
„Die Show ist vorbei. Alle wieder einsteigen. Wir fahren zurück zur Kaserne. Haizo-san, wir schauen uns morgen den Sicherheitstrakt an.“
„Wollen Sie da heute nicht mehr hin? Wir haben noch fünf Stunden Tageslicht.“
Der Pionier warf einen vielsagenden Blick auf das ehemalige Kleeblatt. „Ich fürchte, für den Besuch müssen wir uns besser ausrüsten, als ich dachte. Morgen früh, Haizo-san.“
„Wie Sie es wünschen, Bishop-san.“
Bishop kurbelte das Seitenfenster runter und blies den Rauch seiner Zigarre nach draußen. In der Stadt musste es wieder hoch, wollte er keine Einladung für einen gezielten Schuss geben. Er beeilte sich mit der Zigarre. Verdammt, was sollte er jetzt Scharnhorst sagen? Auf jeden Fall, dass das erste Gebäude definitiv ausfiel. Vermutlich.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Ace Kaiser

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01.06.2019 16:32 Forum: Kurzgeschichten


Das fragst Du ausgerechnet mich? o_O

Edit: Nice. Die Reaktion der Akarii zur Situation war ja wohl auch überfällig.
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Ace Kaiser

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24.05.2019 00:05 Forum: Kurzgeschichten


Ich bin gerade ein wenig mit meinem nächsten Buch involviert.
Einiges ist on hold, anderes nicht.
Ich schreibe schon weiter. Nur wann ist die Frage...

Auch hier. Nächste Woche habe ich Urlaub, ich schaue mal, was da geht.
*hustichhabeschonachtseitenfüreinenredemptionspinoffgeschriebenderzwanzigja
hrevorhdflspieltdensichzaubberergewünschthatzahlsteigendhust'
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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14.05.2019 23:17 Forum: Söldner


So, die Woche geht es dann mal weiter.
...hoffentlich.
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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07.05.2019 20:48 Forum: Söldner


Eine Söldnereinheit ist eine soldatische Struktur, mal laxer, mal fester. Aber so eine Blutprobe ist schon ein massiver Eingriff, der begründet werden muss. Mit "Drogentest" ohne Verdachtsfall ist das schon relativ harsch. Das machen nicht mal Hauseinheiten.
Ich finde, das mit den Hormonen ist da eine gute, sinnvolle Begründung.
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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06.05.2019 21:54 Forum: Söldner


Guter Text, aber die Blutprobe am Schluss halte ich für schwer zu rechtfertigen.
Besser wäre gewesen, den hormonellen Stand der Soldaten zu überprüfen, nachdem der Wegfall der Medikamente nun allmählich den "normalen" Hormonhaushalt einkicken lässt.
Thema: Frühling 2019
Ace Kaiser

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24.04.2019 12:43 Forum: Anime


Wohoo, der Mittwoch ist LIT! Erst Tate no Yuusha, dann Kenja no Mago.
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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23.04.2019 20:24 Forum: Söldner


So, Herrschaften. Nach intensiver Arbeit mit Cattaneo präsentiere ich den Text, der das Finale der jetzigen Season einläutet. Also, Ideen und Texte her, es wird scharf geschossen. ^^
Thema: Chevaliers Season V
Ace Kaiser

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23.04.2019 20:23 Forum: Kurzgeschichten


„Danke, dass Sie mich so kurzfristig empfangen, Hakshaku.“ Manfred Scharnhorst verbeugte sich korrekt und zackig vor dem Grafen Odaga, wie es das Protokoll vorschrieb. Er trug die volle Ausgeh-Uniform der Chevaliers, und seine draconischen Belobigungen waren ganz oben auf seiner Ordensleiste angebracht, um seine Verdienst für das Kombinat hervor zu heben.“
Seizo Odaga nahm beides zur Kenntnis, sowohl das Kampagnenband, als auch die Verbeugung, und deutete dann auf einen freien Platz am Konferenztisch, an dem er mit seinem Sohn und einigen Beratern saß. „Sie sind willkommen, Sho-sa.“ Dies aber sagte er in einem Ton, der deutlich machte, dass er eben nicht willkommen war.
„Danke, Hakshaku.“ Scharnhorst nahm Platz, nur durch Anatoli Tanigakis Sitz vom Herrscher des Planeten Darius entfernt. Bei allem Unmut, den der Herrscher über die Höllenhunde und ihre Mission empfinden musste – als Bedrohung empfand er Scharnhorst und die Höllenhunde nicht.
Scharnhorst wartete, bis das Wort wieder an ihn gerichtet wurde, ein Benehmen, das Odaga verwunderte. Er hätte erwartet, dass der Gaijin-Söldner mit seinem Anliegen gleich herausplatzte. Da er es aber nicht tat, widmete sich Seizo Odaga wieder seinen Beratern und ließ sich im Detail erklären, wie die Stipendien für die Versehrten der Überfälle ausfallen würden, wie der Genesungsstand der Verwundeten war, und wie weit der Wiederaufbau der zerstörten Siedlungen. Dies dauerte über eine halbe Stunde, in der jeder Anwesende mindestens einmal zu Wort kam, aber nicht Scharnhorst. Nach fünfunddreißig Minuten erst richtete der Herrscher sein Wort an den Söldner. „Sie haben um dieses Treffen ersucht.“
Scharnhorst nickte so tief, dass es fast schon eine Verbeugung war. „Hai, Tai-sa. Ich meine, Hakshaku.“ Der Tai-sa – Einwurf war natürlich beabsichtigt gewesen und sollten den Hausherrn als Soldaten ehren und ihn für das weichkochen, was die Höllenhunde noch mit ihm vorhatten. Manfred Scharnhorst bemühte sich nach Leibeskräften, sein bestes Pokerface aufrecht zu erhalten. Er hatte, um dieses Treffen bekommen zu können, ein paar mächtige Köder ausgestreut, und es war sein verdammtes Recht, jetzt an deren Leinen zu ziehen und die Beute einzuholen. Also arbeitete er bedächtig und langsam – auch wegen der zweifellos auf ihn gerichtete Blicke der Wächter – nach seiner Aktentasche, öffnete sie und zog eine ROM hervor. „Wie ich bei der Anfrage nach dem Termin bereits gesagt habe, möchte ich gerne einen Zwischenbericht mit Euch teilen, Hakshaku. Dieser Bericht betrifft sämtliche unserer Ermittlungen auf Darius und liefern ein Fazit. Da die Zusammenarbeit mit Euren Institutionen und speziell mit Tai-i Tanigaki aber sehr gut war, komme ich nicht umhin, zumindest die wichtigsten Fazits der Darius-Ermittlungen mit Haus Odaga schon jetzt zu teilen.“ Scharnhorst sah dem Fürsten direkt in die Augen, als er die ROM über den Tisch schob. „Dabei sind die Einzigen, die ein Anrecht auf meinen Bericht haben, der Koordinator persönlich, der Präzentor Martialum und der Khan der Geisterbären.“ Und das war auch zu einhundert Prozent richtig. Einem quasi Verdächtigen noch während der Ermittlungen etwas über diese Ermittlungen zu erzählen, war normalerweise eine Riesendummheit. Oder ein sehr großer Vertrauensbeweis.

Odaga griff nach der Disk, ohne den Augenkontakt zu verlieren, und reichte sie dann seinem Sohn. „Fassen Sie es für mich zusammen, Sho-sa.“
Scharnhorst nickte erneut. „Odaga-Hakshaku, nach meinem Standpunkt und dem der ISA aus gesehen kommen wir zu dem vorläufigen Schluss, von dem wir nicht ausgehen, dass er sich ändern wird, dass Haus Odaga weder die Einheit ausgerüstet hat und unterhält, die das Geisterbärendominion angreift, noch dass es sich bei den Kämpfen mit der zweiten Einheit, der Bodeneinheit, um eine False Flag-Operation handelt.“ Ein zynisches Lächeln spielte um Scharnhorsts Mundwinkel. „Verstehen Sie mich nicht falsch, Odaga-Hakshaku, ich traue Ihnen durchaus all das zu: Dass Sie eine ganze Kompanie ausrüsten und in den Kampf gegen multiple Ziele schicken können, ohne dass die Kosten auch nur ansatzweise in Ihren Büchern auftauchen; dass Sie kaltblütig genug sind, um auf Ihre eigenen Leute zu schießen, wenn es dem Haus, dem Planeten oder dem Koordinator nützt; und ich bezweifle nicht, dass es einem erfahrenen und gestandenen Soldaten wie Euch an der nötigen Kaltblütigkeit fehlt, das zu tun, was getan werden muss, wenn es getan werden muss. Ihr seid zu lange im Geschäft, um sich von Gefühlen leiten zu lassen, wenn kalte Logik gefragt ist.“
„Ich bedanke mich für das große Kompliment“, sagte Odaga barsch. „Was also verschafft mir die Erkenntnis, dass ich nicht auf meine eigenen Schutzbefohlenen habe feuern lassen? Die Höhe des Schadenswertes?“
„Ich denke nicht, dass das Euch abschrecken würde, Odaga-Hakshaku, wenn der Nutzen nur groß genug wäre. Ihr seid es durch und durch gewöhnt, auch komplexe und schwierige Entscheidungen zu treffen. Nein, es gibt andere Gründe, warum wir Euch nicht verdächtigen, den Angriff auf Eure eigene Welt befohlen zu haben.“
„Ich denke, wir haben das jetzt alle kapiert, Manfred“, sagte Anatoli mit Schärfe in der Stimme.
„Also gut. Ich will nur klarstellen, dass ich nicht eine Sekunde daran glaube, dass Haus Odaga zimperlich oder gar weich ist. Jedenfalls muss ich weiter ausholen, um mich zu erklären.“
„Dann tun Sie das“, sagte der Graf, allerdings in einem wesentlich gefälligeren Ton als zu Anfang.

Manfred zog weitere Unterlagen aus der Tasche und verteilte sie auf dem Tisch. „Wie Sie alle wissen, gab es auf Darius diverse Angriffe durch eine Bodeneinheit, auf Numki allerdings nur einen, und der wurde auch noch abgewiesen, weil eine erratische Flugpatrouille die Mechs auf Angriffskurs auf eine Fabrik abfing und bombardierte, wodurch der Einsatz abgebrochen wurde.“
„Verdächtigen Sie Haus Shimatze, der Financier dieser Angreifer zu sein?“, fragte einer der Berater.
„Im Prinzip ist die Liste derjenigen, die ich verdächtige, relativ lang. Der Schwarze Drache, die Yakuza, eine rebellische Geisterbärenfraktion, die Schwarzkaste, ein anderer Clan, der davon profitieren will, wenn die Bären mit einem neuen Krieg abgelenkt sind, Blakes Wort, eine erratische Söldnereinheit, die von einem unbekannten Financier bezahlt wird, damit sie macht, was sie hier macht, zu einem Zweck, den ich durchaus vermute, und, ja, dazu gehört auch Haus Shimatze, und bis vor kurzem auch Haus Odaga. Und da kratzen wir noch nicht mal an der Operation der Boden/Luft-Einheit, die die Geisterbären aufstachelt.“
„Was machen Sie dann noch hier? Fliegen Sie zurück nach Numki und verhaften Sie das größenwahnsinnige Mädchen!“, forderte der gleiche Berater, der Scharnhorst nicht vorgestellt worden war.
Der lächelte matt. „Es ist ein Verdacht, kein stichhaltiger Beweis. Nicht einmal für die ISA reicht das aus, um Haus Shimatze zu beschuldigen. Und ehrlich gesagt, ist Haus Shimatze nicht mein Hauptverdächtiger. Warum das so ist, will ich weiter ausführen.“
Als alle Anwesenden erwartungsvoll schwiegen, fuhr der Major fort. „Wie ich schon sagte, gab es nur einen Angriff auf Numki, und dieser wurde zufällig entdeckt und rechtzeitig gestoppt, während auf Darius ein drei Angriffe durchgeführt wurden, die teilweise große Schäden angerichtet haben. Dazu kommt auch noch, dass auf Numki die zweifellos vorhandenen Informanten und Helfershelfer der geheimnisvollen Truppe nicht aufgedeckt wurden, während es Haus Shimatze gelang, einen Händler zu stellen, der augenscheinlich Material und Personen auf den Planeten geschleust hat. Besagter Händler wurde extrahiert, und in seinem Besitz wurden mehrere wertvolle Perlen gefunden, die nur auf Sulafat entstehen. Sie stellten ein nicht gerade kleines Vermögen dar, und Haus Shimatze geht davon aus, dass sie vom Planeten geschmuggelt wurden. Untersuchungen an der Numki-Akademie in den Biolabors haben eindeutig festgestellt, dass vier der Perlen aus Odaga-Gebieten kommen, beziehungsweise dort entstanden sind und an den Behörden vorbei geschmuggelt wurden.“ Als der Berater aufbrausen wollte, beschwichtigte Scharnhorst ihn mit beiden Händen. „Fünf der Perlen aber kamen aus Shimatze-Gebiet. Die chemische Zusammensetzung, die Isotopenverteilung und viele andere Feinheiten haben das eindeutig ergeben.
Ich muss weiter ausholen und wiederholen, was Sie alle hier schon wissen: Sulafat ist das größte natürliche Biolabor des Sektors. Bis auf wenige urbane Regionen ist der Planet ein Ozean und ein Dschungel. Er fließt geradezu über von Biostoffen und anderen Schätzen, die weiterverarbeitet werden können und im ganzen Distrikt reißenden Absatz finden. Diese Biostoffe werden seit Jahrhunderten im Dschungel und in den Meeren auf Kosten der Arbeiter und dies auch mit erheblichen Risiken geerntet, vorverarbeitet und vom Planeten geschafft. Die ursprünglichen Herrscher schaufelten sich damit das eigene Grab, indem sie durch die unzumutbaren Arbeitsbedingungen einen Aufstand provozierten, der die gesamte Herrscherfamilie und einen großen Teil der planetaren Elite davon wischte und eine anarchistische Zersplitterung des Planeten erbrachte, oder wie es auch oft genannt wurde, die Zeit der Stadt-Staaten, da jede Stadt ihre eigene Regierung bekam, die den Anspruch vertrat, für die ganze Welt zu sprechen. Das Ergebnis war ein Tohuwabohu, Kämpfe, und eine weitere Verschlechterung der Situation der Arbeiter. Daraufhin wurden Odaga und Shimatze als nächste Nachbarn damit beauftragt, die Ordnung auf Sulafat wieder herzustellen, und was noch wichtiger war, den Fluss der Bioprodukte wieder aufzunehmen. Dies gelang, und seither teilen sich Shimatze und Odaga den Planeten zu je fünfzig Prozent. Den Planeten, die Versorgung der Bevölkerung und auch dessen Verteidigung.
Ein Teil des alten Militärs und auch der Rebellen haben den Planeten verlassen, ein Teil schloss sich nach einigen Säuberungen der Ränge einem der beiden Häuser an, der Rest ging als Partisanen in den Dschungel, wo sie nicht ohne Weiteres ausgehoben werden können. Aus dieser Position führen einige dieser Einheiten einen Guerilla-Krieg gegen beide Häuser. Soweit richtig?“
„Sie haben Ihre Hausaufgaben zweifellos gemacht, Sho-sa“, lobte Odaga. Er kommentierte natürlich nicht, dass dies lediglich die offizielle Version der Ereignisse war: „Und weiter?“
„Wie ich schon erwähnte, deuten die Perlen bereits auf Sulafat hin. Aber es gab auch einen Zwischenfall bei den Höllenhunden, Sulafat betreffend. Wir bekamen einen gepanschten Impfstoff der A-Serie gegen die gängigsten Aerosolkrankheiten auf Sulafat, die wir über normale Wege gekauft haben.“
„Gepanscht bedeutet was?“, hakte Anatoli nach.
„Es war ein verkapselter Erreger integriert, der mitgeimpft worden wäre; die Kapsel hätte sich einige Tage nach der Impfung aufgelöst und einen Virus freigesetzt, der meine Einheit mit einem hochansteckenden, hämmorrhagen Fieber infiziert hätte, und das bei etwa acht Prozent Letalität.“
Nach dieser Eröffnung sprachen alle Anwesenden zugleich, aber der Hausherr schlug auf den Tisch, und alle verstummten. „Wie sind Sie dahinter gekommen?“
„Nun, Odaga-Hakshaku, wir bekamen einen Tipp der ISA. Die ISA versorgte uns auch mit einem nicht gepanschten Impfstoff, den ich aber trotzdem auf ähnliche Spielereien untersuchen ließ.“
„Das ist eine wichtige Information. Das hätten Sie uns sagen müssen, Sho-sa“, sagte Odaga bedächtig.
„Nun, ich hielt es bis dato für eine Sabotage aus einer anderen Richtung. Fakt ist, dass uns eine potente und gefährliche Partei auf dem Kieker hat, und ich vermute nicht zu Unrecht, dass es Blakes Wort ist, mit denen wir schon mal Auge in Auge standen, und denen wir eines blau gehauen haben. Erst im Nachhinein ergibt eine andere Interpretation auch Sinn. Nämlich die, dass unsere Arbeit auf Sulafat behindert werden soll. Und das ist der Punkt: Ich denke, bei der ganzen Sache hier geht es tatsächlich um Sulafat. Und um einen sehr potenten Geldgeber unbekannter Seite, der ein Vermögen investiert, um die Dinge am Laufen zu halten. Wir alle wissen, was allein eine Lanze Mechs an Unterhaltungskosten verursacht. Hier haben wir es mit ClanTech und auch noch einem Lander zu tun, von den Einheiten, die die Geisterbären ärgern, ganz zu schweigen. Und wir wollen auch nicht die Observationsteams vergessen, die zweifellos vor jedem Angriff ausgeschickt wurden. Die ganze Operation ist auf einem Niveau, das durchaus mit der ISA mithalten kann. Die Frage ist nur: Wer finanziert die Geschichte?“
„Haus Shimatze!“, sagte der Berater scharf. „Das Mädchen will den ganzen Planeten Sulafat für sich! Deshalb versucht sie, uns zu schwächen!“
Anatoli schüttelte den Kopf: „Unwahrscheinlich. Die Shimatze müssen bereits kämpfen, um nur das zu behalten, was sie im Moment besitzen. Sie wissen, wie angreifbar sie im Moment sind. Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass Clan Geisterbär – oder ein Teil davon – hinter den Angriffen steckt.
„Möglich. Aber nicht die einzigen Erklärungen“, sagte Scharnhorst. „Bisher gingen wir davon aus, dass es in jemandes Interesse wäre, den Krieg zwischen Kombinat und Geisterbären wieder aufflammen zu lassen. Der Gedanke ist noch nicht vom Tisch, gerade und weil bei der Eroberung Sulafats eine Jägereinheit keinen Sinn macht, die Bären jagt.“
„Das klingt schlüssig. Sagen Sie mir, Sho-sa, warum Sie ausschließen, dass dies mein Plan ist, dass es meine Einheit ist“, forderte der Graf.
„Seite sieben“, sagte Scharnhorst und öffnete eine der Akten, die er verteilt hatte. „Die Liste der zerstörten Gebäude und Güter.“
„Bekannt“, sagte der Berater barsch.
Anatoli Tanigaki las die Seite mit kräftiger Denkerfalte auf der Stirn, bevor ihm die Erleuchtung kam. „Aber das ist dünn, Manfred, ganz, ganz dünn.“
„Ich bevorzuge die Bezeichnung: Unauffällig.“
Graf Odaga brummte unwillig. Anatoli beeilte sich zu sagen: „Die vernichteten Fabriken und Waren, Odaga-sama. Auch die erbeuteten Waren. Insgesamt genommen sieht es so aus, als hätte es der Feind auf Hightech abgesehen und vornehmlich dieses geraubt. Aber etwa ein Drittel der Einrichtungen, die vernichtet wurden, haben unsere Einheiten auf Sulafat mit Nachschub und Waffen versorgt.“
„Das ist uns nicht selbst aufgefallen?“, fragte der Graf.
Einer der Berater sagte: „Bisher war Darius in unserem Fokus, weil diese Welt angegriffen wurde, und nicht Sulafat. Es ist, wie Tanigaki-kun sagt: Etwas dünn.“
„Aber nichts, was wir ignorieren sollten. Was also, schlagen Sie vor, was ich tun soll, Scharnhorst-dono? Haus Shimatze angreifen?“ Er klang freilich nicht unbedingt so, als meinte er es ernst.
Scharnhorst registrierte die veränderte Anrede mit unbewegter Miene, wenngleich ihm ein leichtes Zucken im rechten Mundwinkel entkam. „Nein, Odaga-Hakshaku. Wie ich schon sagte, haben wir keine Beweise gegen Haus Shimatze. Es gibt auch so viel zu viele mögliche Verdächtige, denn Sulafat ist ein Preis, den sich viele planetare Herrscher sichern würden wollen, und nicht nur die. Ich bin sicher, dass der Schwarze Drache auch involviert ist, und dann ist da auch noch Blakes Wort, in dem sich die fanatischen ComStar-Exilanten konzentrieren. Zweifellos hat Blakes Wort nicht nur den Größenwahn, sondern auch die Kontakte, um hier, fünfhundert Lichtjahre von ihrer Basisentfernt, einen solchen Einsatz zu planen und durchzuziehen. Und dann sind da noch die Gerüchte.“
„Gerüchte?“
„Gerüchte über einen Überlebenden der Herrscherfamilie, der von einem entfernten Verwandten finanziert wird“, sagte Scharnhorst. „Und der sein Lehen zurückhaben möchte, aber nicht kann, solange das Dekret des Koordinators besteht, dass Sulafat je zur Hälfte an Haus Shimatze und Haus Odaga geht. Betrachtet man die Geschehnisse in diesem Kontext, macht plötzlich vieles Sinn, sogar die Provokationen auf dem Geisterbärengebiet. Eine Bären-Einheit, die über die Grenze kommen würde, würde sowohl gegen Shimatze als auch gegen Odaga kämpfen und den Planet schutzlos zurücklassen. Bis beide Welten Militär gemustert haben, und das in einer Zeit, in der die Welten selbst angegriffen werden, um Sulafat nach den Geisterbären wieder zu sichern, kann eine dritte Partei kommen und Tatsachen schaffen. Im Anbetracht der nahezu gespenstischen Geheimhaltung, die wir hier erleben, halte ich im Moment diese Variante tatsächlich für die Wahrscheinlichste.
Ich habe dem Dossier einige Namen hinzugefügt von möglichen Erben und ihren möglichen Protektoren, die sich insgeheim um Sulafat bemühen, den größten Bioschatz im ganzen Distrikt.“
„Und Haus Shimatze...“
„Haus Shimatze hat es geschafft, einen Teil der Angreiferstrukturen aufzudecken und zu vernichten, bevor der Feind sich erst richtig um Numki kümmern konnte. Reines Glück also, und mehr, als Darius hatte.“
„Das ist Ihr Schluss, Scharnhorst-tono?“, fragte der Graf.
„Das sind alles nur Zwischenergebnisse, Odaga-Hakshaku. Die Höllenhunde sind noch lange nicht am Ende ihrer Ermittlungen angekommen. Wo wir uns aber ziemlich sicher sind, dass ist, dass sich der ganze Ärger letztendlich um Sulafat dreht. Also werden wir jetzt nach Sulafat fliegen, auf die Büsche klopfen und schauen, welche Schlangen hervor gekrochen kommen.“
„Was das sein könnte, was der unbekannte Angreifer will.“, wandte Anatoli ein.
„Das ist möglich, aber wir werden dafür bezahlt, dass wir Risiken eingehen, Tanigaki-tono“, sagte Scharnhorst.
Seizo Odaga griff nach einem Fächer, der neben ihm auf dem Tisch stand und entfaltete ihn. Dadurch wurde der Kombinatsdrache sichtbar. „Anatoli, du gehst mit.“
„Was?“
„Du und deine Lanze, Ihr begleitet die Höllenhunde. Außerdem werde ich Ihrer Einheit auf unserer Hälfte des Planeten eine Unterkunft auf meine Kosten zur Verfügung stellen, Scharnhorst-tono. Ich bin dankbar für Ihre Offenheit, und ich bin sehr interessiert an der Auflösung. Sehen Sie dies als mein Entgegenkommen, auch um Ihren Eindruck zu bestätigen, dass Haus Odaga sich nicht selbst angegriffen hat. Außerdem sichere ich Ihnen so viel Unterstützung des Hauses zu, wie mir möglich ist, ohne dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, ich würde versuchen, Sie zu korrumpieren, Doitsu-jin Yohei.“
Scharnhorst verbeugte sich bei diesen Worten leicht. Das konnte alles, aber auch nichts bedeuten. „Ich nehme dankbar an.“
„Wenn alles gesagt ist, können Sie gehen. Ich erwarte, alsbald Ihren Abflugtermin zu erfahren, Scharnhorst-tono.“
„Sobald dieser vorliegt, werde ich Ihr Büro sofort informieren. Entschuldigen Sie mich, Odaga-Hakshaku.“

Manfred Scharnhorst verließ das Besprechungszimmer. „Manfred!“
Er wandte sich um, als Anatoli ihm folgte. „Ja?“
„Für wie wahrscheinlich halten Sie die Theorie mit dem Erben, der seine Dynastie wieder aufleben lassen will?“
„Sulafat ist sehr wertvoll, richtig? Ein Großteil der Wiederaufbaumaßnahmen des Darius-Militärs wurde mit den Gewinnen aus den Bioverkäufen finanziert. Ich denke, es gibt eine Menge Personen, die Ansprüche auf diese Welt haben, und ebenso viele, die sie einfach nur besitzen wollen. Und es gibt genügend Menschen in der Inneren Sphäre, die bereit sind, über Leichen zu gehen. Das habe ich schon mit eigenen Augen gesehen.“
„Das sehe ich ein. Sie sind sich aber dessen gewahr, dass nicht wenige Gerüchte diesen ominösen Erben bei den Geisterbären vermuten? Oder das Com Star einen neuen Herrscher benutzen könnte, um Zugeständnisse zu erzielen? Haben Sie das in Betracht gezogen? Dass sie von Com Star oder den Bären nur als Marionetten benutzt werden?“
„Generell schließe ich nichts aus, wenngleich es nicht die Art der Bären ist, jemanden zu unterstützen, der sich nicht selbst bewiesen hat, nur weil er am richtigen Ort geboren ist. Glauben Sie mir, ich unterschätze die Rolle der Geisterbären keineswegs. Umso dankbarer bin ich, dass Sie dabei sein werden, wenn wir nach Sulafat gehen, Anatoli.“ Tanigaki schnaubte leise. „Was meine Lanze angeht, kann ich Ihnen nicht versichern, dass ich die Höllenhunde unterstützen kann. Die Interessen des Hauses...“
Scharnhorst lachte kurz auf. „Anatoli, Sie haben uns bereits mehrere Male geholfen, als es für uns dicke kam. Ich weiß das sehr zu schätzen, und glauben Sie mir, die Höllenhunde vergessen nichts, vor allem aber nicht Leute, denen sie dankbar sein müssen. Mir ist klar, dass für Sie zuerst das Haus kommt, dann der Planet, danach der Koordinator, und irgendwann später, viel später erst ein Haufen Gaijins, die sich als Söldner betätigen. Aber wenn ich mir einer Sache sicher bin, dann, dass Sie ein anständiger Soldat sind, der immer bemüht ist, die Menschen zu beschützen und der daher immer das Richtige zu tun versucht.Also, auf gute Zusammenarbeit.“ Er reichte Tanigaki die Hand, und dieser schlug ein. „Es schadet vermutlich nicht und könnte meiner Lanze weitere Erfahrungen bringen“, schloss Anatoli. Allerdings hatte er seine Zweifel und auch seine Prioritäten ernst gemeint. Scharnhorst wusste das.
Thema: Chevaliers
Ace Kaiser

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22.04.2019 22:35 Forum: Söldner


So, der Text ist zum Gegenlesen bei Cattaneo. Der nächste Text spielt dann schon auf Sulafat.
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