The World of BattleTech
Registrierung Kalender Mitgliederliste Teammitglieder Suche Häufig gestellte Fragen Zur Startseite

The World of BattleTech » Suche » Suchergebnis » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Zeige Beiträge 1 bis 20 von 3.245 Treffern Seiten (163): [1] 2 3 nächste » ... letzte »
Autor Beitrag
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
23.06.2019 22:00 Forum: Söldner


Erstmal vielen Dank für eure schönen Texte. Ich habe die sehr zügig gelesen, komme aber erst jetzt zum Antworten. Ich bin derzeit fast ausschließlich am Handy hier unterwegs und da ist Lesen zwar noch okay, aber Schreiben nicht so richtig bequem.
Dann habe ich gerade einen Platzhalter für den Chevaliers-Aufenthalt auf Avon Mitte Juli gesetzt. Ich könnte zwar auch zu den Stationen dazwischen was schreiben (Ideen habe ich genug), aber realistisch betrachtet muss ich meine geplanten Texte wohl etwas straffen und ausdünnen, um überhaupt etwas liefern zu können. Seht mir die verpassten Texte bitte nach. :-)
Thema: Chevaliers Season V
Thorsten Kerensky

Antworten: 88
Hits: 43.462
23.06.2019 21:44 Forum: Kurzgeschichten


Platzhalter Avon
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
08.05.2019 06:06 Forum: Söldner


Ich finde Urin und Blutkontrollen jetzt auch nicht so ungewöhnlich, zumal es ja mit dem Fund auch einen Anlass gibt. Am Ende haben sich sicher alle im Kleingedruckten damit einverstanden erklärt, als sie angeheuert haben und einen Teil ihrer 3066 sowieso geringen bürgerlichen Freiheiten aufgegeben. Vielleicht bin ich da aber auch zu sehr auf Dystopie geeicht.
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
07.05.2019 06:04 Forum: Söldner


Nun ja, eine Söldnereinheit ist ja nicht unbedingt ein Rechtsstaat. Und wer weiß, was da alles untersucht wird. Ich hatte tatsächlich den Plan, das noch zu begründen, aber dann hätte ich den Text nicht fertig bekommen und es hätte eventuell wieder Monate länger gedauert. Das war es mir nicht wert.
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
06.05.2019 03:43 Forum: Söldner


So, ich habe also meinen Platzhalter zu Kabah gefüllt.

Chevaliers Season V

So viele Ideen für den Rest der Season und so wenig Zeit. Mir tut es jetzt schon leid, um die ganzen Handlungsstränge, die ich nicht werde schreiben können. Hier also wenigstens ein bisschen was. Ich hoffe, es unterhält.
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Thorsten Kerensky

Antworten: 363
Hits: 51.120
06.05.2019 03:42 Forum: Kurzgeschichten


Yeah, ich habe es nach... Ewigkeiten geschafft, meinen letzten Platzhalter zu füllen:

Chevaliers Season V
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Thorsten Kerensky

Antworten: 1.165
Hits: 93.467
21.03.2019 19:36 Forum: Kurzgeschichten


Ohne Ace' Spoiler hätte es bei mir sicher auch funktioniert. So bleibt ein sehr guter Text und die Freude auf mehr. Ich sollte mir aber angewöhnen, die Kommentare erst nach dem Text zu lesen. ^^"
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
06.03.2019 06:08 Forum: Söldner


Wem sagst du das? ^^
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
04.03.2019 04:37 Forum: Söldner


Ich bin heute leider nicht fertig geworden. Zu spät dazu gekommen und jetzt ist auch nicht mehr so wahnsinnig viel Energie übrig.
Ich habe euch, Ace und Cattaneo, mal geschickt, was ich bisher habe. Die [...] stehen für die offenen Baustellen. Ich freue mich auf Feedback von euch und ihr habt auf jeden Fall schonmal eine Idee, welche zwei/drei Erzählstränge ich noch etwas verfolgen möchte.
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Thorsten Kerensky

Antworten: 363
Hits: 51.120
02.03.2019 04:14 Forum: Kurzgeschichten


Ich habe auf Seite 4 noch einen Platzhalter zu Kabah. Den habe ich noch vor zu füllen und komme (mal wieder) seit Wochen nicht zum Schreiben. Familie, neuer Job, die üblichen Ausreden eben. Ich hoffe, dass ich Sonntag Nacht da noch was schaffe, der Text wird aber vorläufig auch nicht so ultra spannend und soll vor allem ein bisschen das Hintergrundrauschen verstärken. Ihr müsst also nicht auf mich warten.

P.S: falscher Thread, sorry Augenzwinkern
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
04.02.2019 21:07 Forum: Söldner


Zitat:
Original von Cattaneo
Nimmt man noch die konventionellen Flugmaschinen und die leichten Panzer der dritten Lanze hinzu, dann seid ihr ziemlich dicht dran an einem Zusammenbruch der Zwischendecke/Laderampe. Wenn ich mal ein wenig meckern darf smile


Ich habe darüber jetzt nochmal nachgedacht.
In heutigen Frachtflugzeugen beträgt die maximale Bodenbelastung knapp unter einer Tonne/m² an den strukturell stärksten Stellen.
Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass ein BattleMech eine Fußgrundfläche von vielleicht 5m² hat, dann beträgt die Bodenbelastung beim Gehen mindestens 4t/m² (bei einem 20-Tonner) und maximal über 20t/m² bei einem 100t-Mech. Raketen unterliegen heutzutage bei Start- und vor allem Landung Belastungen von bis zu 8G, das heißt, es würden dann bis zu 160t/m² wirken.
Mir erscheint es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass es ein Material gibt (oder geben wird, selbst nach dem Ende der LosTech-Ära), das solchen extremen Belastungen standhalten kann. Andererseits kann sich auch jeder ausrechnen, dass gerade Assault-Mechs eigentlich auf so ziemlich keinem Untergrund (vor allem nicht auf unbefestigten und möglicherweise nassen Böden) bewegt werden können, ohne sehr tief einzusinken.
Die Logik würde eigentlich (!) erfordern, dass Mechs mindestens im Liegen und extrem gut verzurrt auf entsprechend großen Paletten verfrachtet werden und nach der Landung erst umständlich einsatzbereit gemacht werden müssten. Schnelles Ein- und Ausschiffen wäre somit unmöglich. Vermutlich wäre es sogar so, dass BattleMechs in Einzelteilen transportiert werden würden.
Das alles ist für mich zwar sehr spannend, aber zeigt eben auch, dass bestimmte Logik-Regeln eben einfach nicht greifen. Ich denke, dann können wir auch guten Gewissens ein wenig die Transportkapazitäten kreativ zu unseren Gunsten auslegen.
Ich will damit sagen: Ich bin mit unserer Dropship-Ausstattung zufrieden. ;-)
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
29.01.2019 20:04 Forum: Söldner


Zitat:
Original von Cattaneo
Aber ja, es gibt tatsächlich offizielle Angaben, was welcher Typ von Landungsschiff tragen kann. Nur kann das natürlich immer mal modifiziert worden sein - so lange also niemand ein ganzes Panzerbataillon der Sturmklasse auf ein Seeker verfrachtet, geht es noch.


Aus beruflicher Neugier würde mich das tatsächlich mal interessieren. Also mehr Details zu haben als nur "Kapazität: 12 Mechs". Gibt es dort eine Internet-Quelle oder ein Sourcebook oder etwas Ähnliches, aus dem du die Infos ziehst?
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
28.01.2019 19:38 Forum: Söldner


Neben dem Seeker haben wir dann auch noch einen Leopard (die DEVON'S PRIDE) und ein weiters Union (die MIKLAGAARD) für die konventionellen Truppen. Ob das reicht, kannst du aber vermutlich besser einschätzen als ich.
Ich finde deinen Einwand aber grundsätzlich berechtigt, auch wenn ich überhaupt keine Ahnung habe, wie das Lade- und Schiebegewicht für die einzelnen Dropship-Decks ist. Gibt es da ernsthaft detailierte Ladepläne?
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
28.01.2019 02:28 Forum: Söldner


Ich merke gerade, dass ich echt aufgeschmissen bin. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass alle unsere Mechkompanien schon irgendwie gemeinsam auf einem Landungsschiff untergebracht sind. Ich bin ferner davon ausgegangen, dass die alle auf der BOREAS sind.
Jetzt will ich schreiben, schaue nach und stelle fest, dass die BOREAS ein Seeker ist und bloß eine Lanze Mechs transportiere kann und kein Bataillon. Und dass wir kein Landungsschiff haben, das mehr als eine Kompanie tragen kann.
Zuerst einmal also Sorry für meine schlampige Recherche bisher und dann jetzt mein eigentliches Anliegen: Ich werde mal davon ausgehen, dass die Lanze an Bord der BOREAS die Kommandolanze von Brennstein ist und die Kompanien jeweils geschlosse auf je einem UNION fahren. Ich würde jetzt, sofern niemand widerspricht, folgende Zuteilung festlegen:
1. Kp (Hildebrandt): ROSEMARIE
2. Kp (Fokker): DORNKAAT
3. Kp (Hellmann): DEN HAAG
Okay für alle?
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
15.01.2019 17:23 Forum: Söldner


Ich habe noch einen Text in Arbeit. Der wird aber noch ein Weilchen brauchen, da ich gerade beruflich mitten im Umbruch bin. Ihr könnt ruhig weitermachen.
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
22.12.2018 20:36 Forum: Söldner


Ich habe es leider immer noch nicht geschafft, meinen aktuellen Platzhalter zu füllen. Das tut mir sehr leid und ich bemühe mich, den zügig im neuen Jahr aufzulösen.

Das bringt mich zum eigentlichen Thema: Ich wünsche allen Leser*innen und Autor*innen der Chevaliers ein friedliches und schönes Weihnachtsfest und einen sicheren Rutsch sowie einen erfolgreichen Start ins neue Jahr. Passt auf euch auf und ich freue mich darauf, euch 2019 an dieser Stelle wieder zu lesen.

Mit den besten Wünschen
Thorsten
Thema: Battletech kommt morgen raus
Thorsten Kerensky

Antworten: 38
Hits: 3.938
12.12.2018 17:04 Forum: BattleTech Computerspiele


Da ich nur sehr selten zum Spielen komme und maximal so 4-5 Missionen pro Woche schaffe, spiele ich auch immer noch langsam, aber konstant, die Kampagne. Ich habe mir den DLC schon alleine deswegen noch nicht geholt, weil ich noch nicht einmal das Grundspiel absolviert habe, liebäugel aber ganz generell immer mit Erweiterungen.
Thema: Chevaliers
Thorsten Kerensky

Antworten: 8.192
Hits: 857.037
30.10.2018 19:45 Forum: Söldner


Danke für die Blumen.
Es wird sicher nicht direkt unruhig werden, aber über kurz oder lang wird es schon Probleme geben. Auch die Weiterreise verzögert sich etwas, aber wir bleiben da auch keine Wochen. Ich nehme an, die werden uns dann auch irgendwann wieder loswerden wollen...
Thema: Chevaliers Season V
Thorsten Kerensky

Antworten: 88
Hits: 43.462
24.10.2018 20:57 Forum: Kurzgeschichten


Kabah, Präfektur Bjarred, Militärdistrikt Albiero, Drakonis Kombinat
Landungsschiff DORNKAAT
13. Juni 3067, 14:00 Uhr

Für Chevalier-Verhältnisse war die Szenerie bizarr. Das mochte etwas heißen, denn in der Einheit passierten immer wieder die absonderlichsten Dinge. Ein Teil des Mechhangars der Dornkaat war aufgeräumt, nein, gründlich gesäubert worden und strahlte und glänzte, als wäre das alte und erprobte Landungsschiff fabrikneu. Über diesem penibel sauberen Teil des Hangars thronte ein schwerer Clan-OmniMech vom Typ Waldwolf, akkurat und frisch lackiert und ebenfalls auf Hochglanz poliert.
Davor ausgebreitet war eine Bastmatte, vor der eine Kamera auf einem Stativ stand. Hinter der Kamera stand Ivana Sanders, eine der besten Filmerinnen der randwärtigen Kombinatswelten. Rechts von ihr, mit einem Teleskopmikrofon locker in der Hand, wartete der Tontechniker Takashi Abe auf seinen Einsatz. Auf der anderen Seite stand ein stummer, kritisch blickender Corbin May und betrachtete die Szenerie.
Genauer gesagt, betrachtete er die junge blonde Frau, die mit kunstvollem Make-Up, sorgsam hochgesteckten Haaren und konzentriert ruhigem Gesicht in einem prachtvollen Seidenkimono auf der Bastmatte kniete und in die Kamera blickte.
Zu behaupten, Jara wäre sich in ihrer Aufmachung albern vorgekommen, wäre eine starke Untertreibung gewesen. Sie fühlte sich lächerlich, deplatziert und so unselbstständig und objektiviert wie lange nicht mehr. Ein beschissenes Gefühl, dass zu den beschissenen letzten Tagen passte.
Auf Bjarred war die Einheit aufgehalten worden, viel zu lange nach ihrem Geschmack. Der nächste Stopp, Stapelfeld, war ereignislos verlaufen, aber sie hatten auch die fehlenden Vorräte dort nicht auffüllen können. Und nun hatten sie Kabah erreicht und der Mangel an Medikamenten sorgte dafür, dass ihnen die Erlaubnis verwehrt wurde, ihre Landungsschiffe zu verlassen. Auf der Welt existierten Stämme eines hämorrhagischen Fiebers, gegen das die Einheimischen zwar mittlerweile immun geworden waren, dass aber natürlich auch nicht ausgeschleppt werden sollte. Ausnahmen waren nur unter extrem wichtigen Gründen möglich und selbst dann mussten alle Chevaliers achtundvierzig Stunden in Quarantäne verbringen, ehe sie an Bord der Landungsschiffe zurückkehren durften. Selbst Copeland und Jara hatten keine Freigabe für repräsentative Zwecke erhalten.
Dazu kam, dass die Stimmung in der Einheit schlechter geworden war. Zwei Wochen auf engstem Raum ohne große Ablenkungen und ohne die Aussicht auf Besserung nagten an der Moral der Chevaliers. Bisher hatten die Offiziere und Unteroffiziere die Lage unter Kontrolle, aber es rumorte unter den Soldaten und selbst Jara fand inzwischen keine wirklich sinnvollen Tätigkeiten mehr für ihre Kompanie, die über Training und Wartung hinausgingen.
Mays seufzendes Räuspern – ein akustischer Unmutsbeweis, den er in der Zusammenarbeit mit ihr perfektioniert hatte – riss sie aus ihren Gedanken. „Jara, du sollst nicht einfach nur stumpf in die Gegend starren, sondern entspannt in die Kamera schauen.“
„Tue ich doch!“, protestierte sie.
„Nein, das tust du nicht. Ich will dich meditativ darstellen, ausgeglichen, tiefenentspannt… nicht als einen abgestellten Roboter.“
„Ich bin doch völlig ruhig.“
„Ruhig, ja. Aber du bist nicht hier. Du bist nicht in deiner Mitte. Das ist nicht Zen, das ist irgendwas anderes.“
„Den Unterschied merkt doch keiner“, meckerte Jara.
May seufzte erneut: „Doch. Die Menschen im Kombinat, die Wert auf solche Gesten legen, merken das. Sie merken, wenn du nicht bei der Sache bist und dann werden sie den Clip nicht als Werbung, sondern als eine Beleidigung verstehen.“
Die Söldnerin verdrehte die Augen: „Aber das bin nicht ich. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und Buddha sein.“
„Buddha hat damit nichts zu tun“, verbesserte May sie. „Und du bist eine Adlige des Kombinats, es wird von dir erwartet.“
Jara, die nicht davon ausging, in der nächsten Zeit meditative Erleuchtung zu erleben, stand auf und sorgte dafür, dass Sanders von ihrer Kamera zurück trat, offenkundig froh darüber, eine Pause einlegen zu können.
„So ein Bullshit“, fluchte sie, völlig frei vom Wunsch, als feine Dame des Adels ernstgenommen zu werden. „Wenn ich meine Mitte finden will, dann geh ich zum Nahkampftraining oder spiel Gitarre. Aber beides kann ich knicken, wenn ich danach hier Püppchen spielen soll. Still sein und entspannen, das ist doch Blödsinn!“
May reagierte anders, als sie erwartet hatte. Anstatt ihr zu widersprechen, lockerte er seinen Körper etwas, drehte seine Handflächen leicht nach vorne, schloss die Augen und atmete ruhig und gleichmäßig ein und aus. Jara, die zwar nicht unbedingt eine Expertin für Entspannungstechniken war, aber ein gutes Gefühl für ihre Mitmenschen hatte, konnte förmlich sehen, wie die Unruhe und Unzufriedenheit von dem Journalisten abfiel. Mit jedem Atemzug veränderte er sich. Es war als würde der Stress und die Anspannung einfach aus ihrem Herausfließen.
Keine Minute später öffnete er die Augen wieder und jeglicher Stress, jeglicher Frust der letzten zwei Stunden Filmaufnahmen waren aus seiner Stimme gewichen. „Natürlich geht das“ lächelte er. Das war keine Provokation, kein Vorschlag, das war die Wahrheit.
Jara gab sich geschlagen: „Okay. Wie?“
„Ich praktiziere seit 15 Jahren Yoga. Hatha Yoga. Eine Mischung aus Meditation, Atemtechnik, Spiritualität, Selbstbetrachtung und Körperbeherrschung.“
Die Söldnerin musterte den Journalisten neugierig, nachdenklich und zum ersten Mal vielleicht ohne die Brille ihrer Vorurteile. Er war für einen Zivilisten relativ sportlich und körperlich präsent, das stimmte. Und Yoga… sie hatte natürlich davon gehört, aber das bisher als Hippie-Kram für esoterische Spinner abgetan. Wenn es ihr nicht half, jemanden im Nahkampf zu besiegen, dann war es sinnlos. Bis jetzt. Jetzt brauchte sie Techniken, um in der Diplomatie, in feiner Gesellschaft und der Politik die Ruhe und Würde zu wahren und einen klaren Kopf. Vielleicht…
Sie kniff die Augen zusammen: „Kannst du mir das zeigen und erklären?“
„Es braucht lange Übung, um einen Zustand der echten Entspannung zu erreichen“, wich May ihrer Frage aus.
„Ich lerne schnell“, beharrte sie.
„Es geht nicht ums Lernen. Es geht um das Entdecken und Loslassen.“
„Ich will es ausprobieren.“ Jara war es gewohnt, zu bekommen, was sie haben wollte.
Das hatte scheinbar auch Corbin May mittlerweile gelernt: „Wir können es versuchen.“
„Schön“, lächelte die junge Söldnerin. „Was brauche ich?“
„Bequeme Kleidung, die dich nicht behindert. Eine Yogamatte kann ich dir ausleihen. Zeit und Ruhe und einen Ort, wo etwas weniger Betrieb herrscht, als auf dem Rest des Schiffes.“
„Reicht ein Besprechungsraum aus?“
„Für zwei Leute sollte der Platz reichen.“
„Gut. Dann heute Abend um Zwanzig-Dreißig Terranormalzeit im Besprechungsraum Bravo“, entschied Jara, die sonst zu der Zeit bloß an ihrem völlig intakten Mech gearbeitet hätte und bereit war, ihre daran anschließende Freizeit zu opfern. „Wie viel Zeit soll ich mitbringen?“
„Wenn ich dir erklären soll, was Yoga ist und wie es funktioniert, dann wären zwei Stunden sinnvoll.“
„Gut gehandelt und akzeptiert.“ Jara blickte von May zu Sanders und dann zu Abe: „Wenn das hier irgendjemand aus der Einheit hört, dann kann ich meinen Ruf nur durch unnötig übertriebene körperliche Gewalt retten. Also bleibt das besser unter uns.“ Sie ließ offen, wie viel davon ernst gemeint war.
„Können wir dann noch die Einstellung mit der Gitarre drehen?“, wechselte May das Thema.
„Um Himmels Willen Nein!“, antwortete sie, beinahe fröhlich. Sie hatte ihr Lanzentraining für diese Filmerei ausfallen lasse müssen, aber ihr Flügeltraining mit Eliden würde sie sich nicht auch noch nehmen lassen. Der Junge brauchte die Simulatorstunden. „Ich muss jetzt wieder Soldat sein. Ich habe lange genug Starlett gespielt. Zwischendurch habe ich eine Kompanie zu führen und ein Regiment zu beaufsichtigen.“
Wenig später war sie abgeschminkt und umgezogen und auf dem Weg zu den Simulatorkapseln, als Kyle Kotare sie abfing.
„Jara, ich habe Befehle von Major Brennstein“, begrüßte ihr stellvertretender Kompaniechef sie.
„Ich bin ganz Ohr. Was will er denn?“
Der ehemalige Nebelparder zeigte ein leichtes Grinsen: „Das wird dir gefallen. Für das Mechbataillon ist heute eine Stubenkontrolle angesetzt. Der Major möchte überprüfen, ob sich alle seine Mechkrieger an die verschärften Auflagen halten.“
Die verschärften Auflagen hatte Jara zusammen mit Dr. Fleischer und dem Father erarbeitet und umfassten unter anderem ein Verbot von Alkoholika in den Quartieren, eine strengere Regelung zur Aufbewahrung von privaten Waffen und ähnliche Vorgaben, die verhindern sollten, dass die unausgelasteten Söldner in irgendeiner Art übereinander herfielen, zumal die Vorräte an verschiedenen Medikamenten zur Detoxikation, Empfängnisverhütung und Schlafunterstützung rationiert werden mussten.
Private Alkoholvorräte mussten beispielsweise in den Entspannungs- und Aufenthaltsräumen abgegeben werden und durften dort nur zu bestimmten Zeiten, in bestimmten Mengen und unter Kontrolle des zuständigen Küchenpersonals verbraucht werden.
Offiziere und der Spieß waren von der Regelung bisher ausgenommen, aber Jara hatte unmissverständlich klargemacht, was passieren würde, sollte ein Offizier der Chevaliers seiner Vorbildfunktion nicht ausreichend gerecht werden. Die Regeln waren auf wenig Gegenliebe gestoßen, bisher war größeres Klagen allerdings ausgeblieben.
Es stellte sich daher nicht nur die Frage, ob sich auch wirklich alle an die Vorgaben hielten, sondern es musste natürlich schon aus Prinzip auch auf die Durchsetzung gepocht werden. Schon alleine aus diesem Grund fand Jara die Idee ihres Vorgesetzten ganz bezaubernd und sie war entschlossen, diese Regeln – ihre Regeln – durchzusetzen.
„Das ist doch eine ganz wunderbare Idee“, antwortete sie lächelnd. „Dann sollten wird dafür sorgen, dass das auch was bringt. Streich die Arbeitszeit im Mechhangar und bau noch ein forderndes Nahkampftraining ein. Zieht das so lange durch, dass ihr danach die Zeit in den Aufenthaltsräumen streichen und die Kompanie gleich auf die Quartiere schicken könnt. Also Dienstschluss circa 2215, danach dann eine halbe Stunde Zeit zum Duschen und nach 2245 will ich niemanden mehr außerhalb der Quartiere sehen. Punkt 2300 machen wir dann die Kontrolle.“
„Verstanden“, bestätigte Kotare. „Ich setzte Miles in Kenntnis.“
„Sehr schön. Dann sehe ich euch heute Abend, fünf Minuten vor der Kontrolle, vor meinem Quartier.“


Kabah, Präfektur Bjarred, Militärdistrikt Albiero, Drakonis Kombinat
Landungsschiff DORNKAAT
13. Juni 3067, 20:55 Uhr

Corbin May war tatsächlich aufgetaucht und hatte zwei Yoga-Matten und eine Menge Informationen mitgebracht. Jara war es gewohnt, sich auf neue körperliche Erfahrungen einzulassen und auch sonst eine schnelle Lernerin und sie hatte interessiert zugehört, als er kurz die Geschichte des Yoga als Meditations- und Kräftigungsübung erklärt und einige Grundzüge der traditionsreichen Disziplinen des Yoga erklärt hatte.
Schwerer war es ihr gefallen, zu Beginn des gemeinsamen Trainings mehrere Minuten mit geschlossenen Augen auf dem Rücken zu liegen und ihrem Atem und ihrem Körper ein maximales Maß an Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht, dass ihr die Selbstbetrachtung fremd gewesen wäre, aber die Dauer war ihr sehr viel länger vorgekommen und es war nicht leicht für sie gewesen, ihre Ungeduld im Zaum zu halten.
Als sie die ersten Figuren ausprobiert hatten, war sie überrascht davon, auf welche ungewohnte Art ihre Muskeln und Gelenke beansprucht worden waren. Sie war fordernden Sport gewohnt und hielt sich für durchaus leistungsfähig, aber diese Art von Belastung war ihr neu und sie bewunderte heimlich die scheinbare Leichtigkeit und Entspannung, mit der Corbin May die Positionen wechselte und gleichzeitig noch in ruhiger und gelassener Stimme erklärte, woraus es zu achten galt.
Jara hatte erst befürchtet, dass sie in der langen Trainingshose und dem engen Top, das sie ausgesucht hatte, frieren würde, aber schnell gemerkt, dass sie zumindest da nicht Gefahr lief. Gut, sie ging nicht an ihre körperlichen Grenzen und sie war auch gelenkig und dehnbar genug für die verschiedenen Stellungen mit den phantasievollen Tiernamen und als Mechkriegerin war auch ihr Gleichgewichtssinn mehr als ausreichend ausgeprägt, aber die Mischung aus Muskelanspannung, Atemübung und Balanceakt war definitiv anstrengender, als May es aussehen ließ.
Außerdem lenkte sie der Fakt ab, dass ihr zum ersten Mal auffiel, wie trainiert der Journalist eigentlich war. Seine Arbeitskleidung verbarg es normalerweise gut, aber jetzt, als er nur in Sporthose und T-Shirt vor ihr seinen Körper in alle möglichen Richtungen streckte, konnte sie nur zu gut die Konturen seiner Muskeln und Sehnen erkennen und das harmonische und anmutige Fließen seiner Bewegungen.
Sie sah, dass er körperlich hier in seinem Element war und wie sich Jahre der Übungsroutine mit einer tiefgreifenden Spiritualität zu einem physischen Gesamtwerk verbanden, das sie durchaus faszinierte.
Nicht zum ersten Mal, seit ihr das bewusst geworden war, riss ihre Konzentration und ein Zittern verriet die Unachtsamkeit.
„Denk an das Atmen. Ruhig und gleichmäßig, wie Wellen an einem Strand. Lass deinen Geist fallen, lass dich fallen“, erinnerte er sie geduldig.
Jara verkniff sich die bissige Antwort, die ihr auf der Zunge lag und folgte ihm in eine Figur, die seine Körperformen unterstrich und ihre eigenen Rundungen überdeutlich betonen musste. Warum wurmte es sie, dass er scheinbar überhaupt keine Notiz davon nahm? War sie es schon so gewöhnt, dass Männer sie ständig anstarrten, dass sie jetzt gekränkt war?
„Gleichmäßig atmen“, korrigierte May und erwischte sie – schon wieder – beim Abschweifen ihrer Gedanken. Warum zur Hölle bekam sie ihren verdammten Kopf nicht frei?
Die Stunde des gemeinsamen Training verging wie im Fluge und Jara ertappte sich trotzdem immer wieder dabei, wie sie die Bewegungen, die Ruhe und… den Körper des Journalisten musterte mit einer Mischung aus Respekt, Bewunderung und, ja, Begehren. Ihre soldatische Disziplin hinderte sie glücklicherweise daran, sich wie ein dummes Mädchen zu benehmen, aber irgendwo in ihrem Hinterkopf reifte, zwischen einigen derzeit sehr lauten und obszönen Zeitgenossen, der Gedanke, dass sie ganz möglicherweise einen gewissen Teil ihres Privatlebens in letzter Zeit vernachlässigt hatte.
Wenig überraschend konnte sie bei der abschließenden Meditationsübung ihren Geist nicht von sämtlichen Gedanken befreien, aber wenigstens schaffte sie es, relativ zügig ihre Atmung unter Kontrolle zu bekommen und ihren Ruhepuls wiederzufinden. An Kondition mangelte es ihr nun wirklich nicht.
„Es war eine lehrreiche Stunde“, bedankte sie sich bei May nachdem er die Übung für beendet erklärt hatte.
„Hast du Lust auf mehr bekommen?“, wollte er wissen.
Jara musste sich bemühen, die Worte nicht falsch zu interpretieren und ihren Impulsen freien Lauf zu lassen. Sie verfluchte ihre Menschlichkeit und riss sich zusammen. „Ich würde die Erfahrung gerne vertiefen“, gab sie zu. „Ich weiß nur nicht, ob ich die Zeit finden werde.“
„Sag Bescheid, wenn du weitere Übungseinheiten möchtest“, bot der Journalist ihr an. „Vielleicht lässt es sich noch einrichten, solange deine Einheit im Transit ist.“
„Ich schaue, was ich tun kann“, versprach sie und meinte es sogar ernst. Wollte sie wirklich wissen, woher ihr plötzliches Interesse an Yoga kam? „Aber nebenbei stehen noch so ein paar Dinge auf meiner Liste, die wichtiger sind“, fing sie ihre eigene Offenheit wieder ein. „Zum Beispiel unsere Filmerei. Womit geht es weiter?“
„Ich würde gerne die Gitarren-Szene noch filmen und dann möglicherweise deinen Sport. Was machst du da alles?“
„Frühsport nach dem Aufstehen und Kompaniesport am Nachmittag. Abends dann gelegentlich noch Nahkampftraining mit meinem Stellvertreter.“
„Gut. Dann hatte ich es richtig in Erinnerung. Ich würde gerne alles begleiten und davon eine Art Übersicht zusammenschneiden, um deinen Willen, deinen Ehrgeiz und deine Disziplin zu unterstreichen.“
Jara, die sich innerlich irritierenderweise freute, May Einblick in ein paar ziemlich intime Bereiche ihres Lebens geben zu können, blockte schon aus Gewohnheit ab: „Ich verspreche nichts. Kompaniesport ist kein Problem, aber mein Frühsport ist ziemlich zeitig und das Nahkampftraining vielleicht nicht unbedingt geeignet, um meinen Ruf als Adlige zu unterstützen.“
„Ich bin kein Langschläfer“, bekräftigte May seine Absicht. „Ich werde kein Material verwenden, das unvorteilhaft ist. Aber ich muss wissen, was du tust, um die richtigen Akzente zu setzen.“
„Von mir aus“, gab sie nach. „Frühsport ist morgen um 05:00 Uhr.“
„So früh? Dann gehst du jetzt vermutlich schlafen?“
Jara lachte: „Nicht wirklich. Ich habe noch einen Termin mit meinen Lanzenführern. Vor 00:30 Uhr bin ich vermutlich nicht im Bett. Du solltest dich aber vielleicht besser ausruhen gehen, wenn du meinen Frühsport begleiten willst. Wenn ich schon beobachtet werde, dann möchte ich keine müden Gesichter sehen.“
Der Journalist deutete ein Schulterzucken an und wandte sich zum Gehen: „Ich werde mein Team unterrichten. Wir sehen uns dann morgen früh?“
„Von mir aus“, gab sie scheinbar teilnahmslos zurück, musste sich aber eine Vorfreude eingestehen, die ihr sogar vor sich selbst peinlich war. Ihr fiel ein, dass Dr. Fleischer sie gewarnt hatte, dass die Rationierung der Verhütungsmittel zu einem erstarken der hormonellen Reaktionen führen könnte. Jara, die es gewohnt war, die Kontrolle auch über ihren eigenen Körper zu haben, fand sich irgendwo in der Mitte zwischen alberner Aufregung und Hass auf den beginnenden Kontrollverlust. Die anstehende Stubenkontrolle kam ihr gerade Recht, um ihre widersprüchlichen Gefühle zu verdrängen und ihre Gedanken in gewohntere, klarere Bahnen zu lenken.


Kabah, Präfektur Bjarred, Militärdistrikt Albiero, Drakonis Kombinat
Landungsschiff DORNKAAT
13. Juni 3067, 22:50 Uhr

„Was guckst du denn da? Das sieht ja uralt aus. 2D?“ James Campbell war einen neugierigen Blick auf das DataPad seines Stubengenossen Noah-Joel van Eening, auf dem die bunten Szenen irgendeiner Videosendung flimmerten.
„Eine Serie aus dem frühen 21. Jahrhundert, über die ich zufällig gestolpert bin. Ein wenig ulkig, aber sehr spannend, wenn du einmal angefangen hast.“ Die Antwort klang müde. Kein Wunder, denn heute hatten Kotare und Sharpe sie erbarmungslos geschleift und selbst einen Teil ihres kurzen Feierabends noch für Nahkampftraining genutzt, nur um sie dann direkt auf die Quartiere zu schicken. Kein Aufenthalt in der Messe, ausdrücklicher Befehl.
Die Szene wechselte und James versuchte zu verstehen, was er sah: „Oh. Was ist das? Gefechtsrüstungen?“
„Nein. Das sind… also, das ist eine Fantasy-Serie. Das heißt, die Technik bildet irgendwie das terranische Mittelalter ab, aber es gibt auch Zauberer und Drachen und sowas. Die Leute dort tragen Metall-Rüstungen und kämpfen mit Schwertern und Pfeil und Bogen und so.“
„Ich verstehe“, sagte er und fühlte, wie die Szenerie ihn in ihren Bann zog.
„Warte, es wird noch besser“, grinste van Eening und stoppte die Bildwiedergabe einen kurzen Augenblick später. „Hier, guck mal.“
Auf dem Bildschirm war nun eine junge Frau in einem langen blauen Kleid zu sehen, die hellblonden Locken zu einer aufwendigen Frisur geflochten. Sie war hübsch, keine Frage, und strahlte etwas Anmutiges aus, das James faszinierte. „Niedlich. Wer ist das?“
„Dachte mir, dass sie genau dein Typ ist. Die Haare…“, stichelte sein Kamerad.
James verzog das Gesicht. „Leck mich!“, gab er in gespielter Entrüstung zurück.
„Nein, im Ernst, hör dir ihre Story an: Die Eltern früh verloren, aber in einer Umgebung aufgewachsen, die sie zu Führungsaufgaben erzogen hat. Dann zu einer anderen Fraktion gewechselt, so einem wilden Kriegervolk; dort unfassbar schnell aufgestiegen und schließlich so eine Art Fürstin geworden. Willensstark, clever, stolz und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeits- und Fürsorgesinn. Und jetzt schickt sie gerade eine gewaltige Menge Soldaten quer durch die Welt, um ihre Untergebenen zu retten, während sie gleichzeitig ihre Rolle als Adlige lernen muss.“
„Okay, ich gebe zu, das klingt ein ganz bisschen vertraut…“
Er unterbrach seinen Satz, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Die Stubentür ging auf und Master Sergeant Miles Sharpe trat ein.
„Achtung!“, rief James reflexartig und nahm Haltung an. „Master Sergeant, ich melde Ihnen…“
„Lassen Sie’s gut sein, Puck“, winkte der Spieß ab. Sie lassen beide alles stehen und liegen und verlassen unverzüglich ihre Stube. Stellen Sie sich im Gang zu ihren Kameraden und warten Sie auf weitere Instruktionen.“
„Ich trage nur Shorts“, protestierte van Eening halbherzig.
„Mein Gott, Junge, Sie sind Mechkrieger. Sie rennen dauernd in Shorts rum. Und erfrieren werden Sie so schnell auch nicht. Und jetzt raus!“
Die beiden Mechkrieger fügten sich ohne weitere Proteste in ihr Schicksal und begaben sich auf den Gang, wo sich nach und nach der Rest der Kompanie einfand. Fokker, Kotare und Sharpe schienen systematisch sämtliche Soldaten aus den Quartieren zu holen. Das müde Dutzend der Kompanie sah sich gegenseitig fragend in die Augen, aber fand dort nichts außer Müdigkeit und Verwirrung.
„Zwote Kompanie: Achtung!“, bellte die befehlsgewohnte Stimme von Jara Fokker durch den Korridor und ließ die Männer und Frauen schlagartig so viel Haltung annehmen, wie es in ihrem Zustand und ihrem jeweiligen Aufzug möglich war. James war sich nicht sicher, aber er bildete sich ein, dass die Stimme der Kompaniechefin etwas weniger schneidend klang als üblich. Vielleicht ein Hinweis auf den Sinn dieser späten Aktion?
„Ihre Lanzenführer und ich führen heute eine allgemeine Stubenkontrolle durch. Wenn wir Ihre Stubennummer nennen, werden Sie mit einem von uns Ihre Stube betreten. Sie werden dort nichts anfassen und nichts kommentieren, außer Sie werden darum gebeten. Nach Abschluss der Kontrolle kehren Sie zurück auf den Korridor und warten weitere Befehle ab. Und nur, damit Sie sich nicht wundern: Auch Ihre Kameraden aus den anderen beiden Kompanien haben gerade die gleiche Ehre. Fragen?“
Scheinbar wollte niemand das Offensichtliche fragen und es blieb unangenehm ruhig in der Reihe der Mechkrieger. Fokker schien es recht zu sein: „Gut. Stube A-02: Sergeant Yamada, Corporal Dünkirch. Mir nach.“
Die beiden Frauen folgten ihrer Kompaniechefin mit offenkundiger Nervosität, während Kyle Kotare bereits die nächsten aufrief: „Stube A-05: Corporal Kush, Private Endo. Los geht’s!“
Die fünf Kompaniemitglieder, die in der Obhut von Master Sergeant Miles Sharpe zurückblieben, wechselten unsichere Blicke. Natürlich wollten sie alle wissen, was eigentlich los war. Stubenkontrollen waren selbst bei den Chevaliers äußerst selten und eigentlich nur dann angesetzt, wenn es ein konkretes Verdachtsmoment gab. Aber das gesamte Bataillon zu filzen? Das machte auch auf den zweiten Blick nicht wirklich Sinn.
Wenn es aber nicht um etwas Konkretes ging, dann blieb nur ein ganz allgemeines Thema. James tippte auf Konterbande, schon alleine, weil ihm sonst nichts Stichhaltiges einfiel. Seit einiger Zeit galt ein Alkoholverbot in den Unterkünften und auch einiges anderes war eingeschränkt worden. Aber so wenig Vertrauen? Er war sich ziemlich sicher, dass niemand in der Kompanie etwas zu befürchten hatte. Sahen seine Vorgesetzten das etwa anders?
Er revidierte sein Vertrauen in seine Kameraden, als sein Blick auf Elisa „Whiskey“ Bräuning fiel, die lässig und offenbar tiefenentspannt an der Wand lehnte und sich auch nichts daraus zu machen schien, dass sie nur in Slip und T-Shirt auf dem kalten Landungsschiff-Gang verharren musste.
Sein Verhältnis zu der Frau, deren Haare noch einen Tick roter waren als sein, konnte er getrost als kompliziert beschreiben. Sie waren etwa gleich alt und hatten viele Wesenszüge gemeinsam – Offenheit, Kontaktfreude, Dickköpfigkeit und Temperament zum Beispiel – und er konnte nicht leugnen, dass er sie durchaus attraktiv fand. Er vermutete, ihr ging es andersherum nicht anders, denn er hatte sie schon ein paar Mal dabei ertappt, wie sie beim Sport oder Simulatortraining sehr viel eingehender als nötig seine Tattoos an Armen und Oberkörper gemustert hatte. Trotzdem hatte keiner von beiden einen Versuch in Richtung einer Romanze oder auch nur eines One-Night-Stands gemacht und stattdessen hatte sich so etwas wie eine Freundschaft entwickelt.
Das wiederum hatte dazu geführt, dass er vielleicht der einzige war, der mitbekommen hatte, wie sie heimlich trank und das nicht nur außerhalb des Dienstes. Ihre Gelassenheit überraschte ihn deshalb umso mehr und er fragte sich, ob er seine Kameradin wirklich so gut kannte, wie er gedacht hatte.
Die Rückkehr von Fokker und Kotare mit ihren jeweiligen Delinquenten riss ihn aus seinen Gedanken und schon peitschte die Stimme der Chefin wieder durch den Gang: „Stube A-03: Sergeant Bräuning, Private Furukawa.“
Er erhaschte einen Blick auf die immer noch sehr sicher wirkende Whiskey, als er seinen Namen hörte. „Stube A-06: Corporal van Eening, Corporal Campbell. Auf, auf!“, erklang die ruhige Stimme vom Spieß. James verspürte etwas Erleichterung, dass es nicht Kotare war, der ihn aufgerufen hatte. Gefasst und etwas beruhigter folgte er dem Master Sergeant in seine Stube.
„Bitten öffnen Sie jetzt alle Schlösser an Ihren Spinden, Taschen und sonstigen Aufbewahrungsvorrichtungen!“, forderte der Veteran sie auf.
Die beiden Stubenkameraden rührten sich nicht. „Es ist momentan nichts abgeschlossen, Sir“, beeilte sich James als älterer der beiden zu sagen. „Wir waren dabei, uns bettfertig zu machen. Bitte entschuldigen Sie das Chaos, das deswegen gerade hier herrscht.“
Im Grunde hätte er sich die Worte sparen können. Sie alle drei trainierten gemeinsam mindestens einmal in der Woche Aikido. Sharpe wusste also ziemlich gut, dass die beiden jungen Mechkrieger vergleichsweise ordentliche und strukturierte Menschen waren, zumindest nach Söldnermaßstäben.
„Machen Sie sich darum mal keine Sorgen, Puck“, winkte der Spieß ab. „Bevor ich jetzt hier alles auf den Kopf stelle: Möchten Sie von sich aus irgendwelche Güter aushändigen, die unter die aktuellen Einschränkungen fallen, insbesondere Alkoholika und regulierte Waffen?“
Also hatte er richtig geraten, kombinierte James und schüttelte umgehend den Kopf: „Nein, Sir, ich habe nichts abzugeben.“
Nachdem auch van Eening verneint hatte, begann Sharpe, die Unterkunft systematisch zu durchsuchen, ohne dabei jedoch das angekündigte Chaos anzurichten. Er verfügte über ausreichend Erfahrung als Unteroffizier, um gezielt vorzugehen und alles in Augenschein zu nehmen, was den meisten Soldaten als sicheres Versteck galt.
Nach einer Weile hatte er sich durch die gesamte Unterkunft gearbeitet, ohne etwas zu finden und James war sich ziemlich sicher, dass der Spieß ihnen ein gutes Stück Vertrauen entgegengebracht und seine Möglichkeiten nicht wirklich ausgeschöpft hatte. Als Warnschuss für die nächste Zeit reichte es so oder so, denn jedem Mechkrieger der Einheit war jetzt bewusst, dass solche Kontrollen jederzeit unangekündigt stattfinden konnten. Kein besonders gutes Gefühl, aber für James durchaus erträglich, da er gar nicht vorhatte, irgendwelche Regeln zu brechen.
Sie kamen gerade rechtzeitig zurück in den Korridor, um mitzubekommen, wie Fokker einen undurchsichtigen Beutel aus der Stube von Bräuning und Furukawa trug, der bei jedem Schritt ein leises gläsernes Klirren vernehmen ließ. James fluchte innerlich und versuchte, Blickkontakt zu der rothaarigen Söldnerin herzustellen, aber Whiskey blickte nur stoisch geradeaus, immer noch die Ruhe in Person.
Es dauerte nicht lange, bis auch die letzten beiden Stuben durchsucht waren. Allerdings wurden die Mechkrieger, die gehofft hatten, jetzt endlich in die Freizeit entlassen zu werden, enttäuscht, denn Fokker schickte die gesamte Kompanie geschlossen zum Sanitätsbereich zur Blutentnahme. Einen medizinischen Drogentest fand selbst James etwas überzogen, aber das aufkommende Gemurre erstarb nach einer deutlichen Ansage Fokker recht schnell und kurz darauf trottete die gesamte Kompanie in einer Reihe in Richtung Arztbesuch.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Thorsten Kerensky

Antworten: 1.165
Hits: 93.467
24.10.2018 19:08 Forum: Kurzgeschichten


Gelesen und für gut befunden.
Wie übrigens auch die anderen neuen Texte. Ich freue mich jedes Mal, wenn es wieder etwas zu lesen gibt. smile
Zeige Beiträge 1 bis 20 von 3.245 Treffern Seiten (163): [1] 2 3 nächste » ... letzte »

Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH