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Thema: Chevaliers
Cattaneo

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01.04.2020 21:10 Forum: Söldner


Hallo

Ich denke, dafür haben alle vollstes Verständnis - bei den Co-Autoren wie den Lesern. Es ist ja auch nicht so, als ob wir einen fixen Zeitplan im Nacken haben.

Natürlich sollten wir aufpassen, dass deine Texte für die Reise der Chevs nicht zu sehr zeitlich mit denen für die HH ins Gehege kommen, aber ich denke wir können ohne weiteres die Beschreibung der Ereignisse auf Sulafat auch noch etwas hinauszögern... (oder?)

Ich wünsche dir (wie allen anderen) viel Glück und Ausdauer in dieser schwierigen Situation.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.03.2020 20:57 Forum: Kurzgeschichten


Nun, ich habe da nicht den besten Durchblick (der gebührt ja Cunningham und Tyr was das operative angeht), ich war mir nur nicht sicher ob dann nicht etwas mehr Erklärung notwendig wäre, sprich die Patrouille als etwas ungewöhnlicher hinstellen.
Aber ich mag mich irren.

Du bist übrigens recht großzügig mit den Abschüssen für deine Leute. WIEDER MAL böse Augenzwinkern großes Grinsen
Andere Piloten stauben in zwei Wochen über der Peshten-Welt nicht so viele Abschüsse ab. unglücklich
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.03.2020 19:46 Forum: Kurzgeschichten


Ach ja, ich glaube übrigens, der gute Mann heißt Decker und nicht Dekker. Dekker war ein Peshten-Söldner den du ein paar mal erwähnt hast
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.03.2020 06:50 Forum: Kurzgeschichten


Ironheart: Entschuldige die Frage, aber da ich versuche eine Backup-Datei der Texte zu erstellen (nach den Textverlusten, die wir mal in grauer Vorzeit hatten), änderst du in deinem letzten Text eigentlich noch ein bisschen was (wegen der Tag-Nacht-Sache auf Seafort)?

Ich will nur nicht die falsche Version abspeichern...

Ace: Freut mich auch sehr, dass du wieder Zeit hattest (hoffentlich nicht aufgrund von Zwangsurlaub).
Wir müssen nur aufpassen, dass wir mit der Timeline nicht durcheinander kommen, im Moment ist die Columbia - genauer ihre Jäger (wenn ich Tyr richtig verstanden hatte) - eher vom Unterstützungsdienst am Boden abgezogen weil die Piloten als Konvoischutz malochen... verwirrt
Das wäre also dann vorher passiert?

Dir ist aber schon klar, dass es möglicherweise nicht gerade Ace's Popularität erhöht, wenn er so viel mit "Miss Stacy" und Dekker abhängt? Die beiden sind ja nun wirklich nicht gerade beliebt (Stacy scheint nachgerade verhasst), und einige werden Ace Strebertum und Snobismus unterstellen... Augenzwinkern


An alle: Ach ja, ehe ich es vergesse - ich wünsche allen Mitautoren und Lesern und natürlich auch den Familien alles Gute.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.03.2020 06:46 Forum: Kurzgeschichten


Also für solche Fragen sind eigentlich die technischen Hintergründe da, damit man nachschlagen kann... großes Grinsen

Da die Peshten zum Gutteil terranisches Material verwenden, wäre etwa ein (ev. älterer) teranischer Raumjäger eine Option, die ältere Griphen-Variante (Griphen B) etwa, oder vielleicht Mirage-Jagdbomber oder Phantome-Jäger.

Und ich denke, die Peshten KÖNNTEN auch terranische Atmosphärenmaschinen haben, wie etwa

I-27 Eagle : Erdkampfflugzeug

Die Eagle ist ein zweisitzieges Erdkampfflugzeug, das hauptsächlich zur Bekämpfung von Panzern und feindlicher Bodenstellungen eingesetzt wird.
Die Eagle ging wie alle anderen Interceptoren aus dem Joint Strike Fighter Programm der USAF des früen 21. Jahrhunderts hervor.
Als letztes Wort in der modernen Luftkampftechnik erreicht die Eagle eine Spitzengeschwindigkeit von 3,1 Mach und kann aufgrund der im Raumkampf erprobten Trägheitsdämpfer quasi innerhalb weniger Sekunden aus dem Parallelflug in den Senkrechtflug übergehen.

Seine Bewaffnung setzt sich folgender Maßen zusammen:
Unter dem Rumpf ist ein doppelläufiger Geschützturm angebracht, der zwei Neutronenkanonen enthält.
An den Tragflächen befinden sich außen Halterungen für je eine Sidewinder Luftkampfrakete.
Unter den Tragflächen befinden sich Halterungen für sechs lasergelenkte Bomben oder für zwei Hellfire-Raketenbehälter (auf denen das neue Hydrasystem für den Raumkampf basiert) und zwei lasergelenkte Bomben.

I-29 Vulture : Jäger

Bei der Vulture handelt es sich um einen Allzweckjäger der Bodenstreitkräfte. In erster Linie für den Kampf gegen feindliche Kampfflieger konzipiert, kann sie auch gegen Ziele am Erdboden eingesetzt werden, wenn auch weniger erfolgreich als etwa eine Eagle. Sie ist ähnlich wendig wie die Eagle, und wohl noch ein wenig schneller – Mach 3,3. Ihr Profil ist so konstruiert, daß es für feindliches Radar nur ein geringes Ziel bietet – ein Vorteil bei der nur einsitzigen Maschine. Allerdings kann sie auch weniger Waffen tragen. Sie ist im Stande auch auf relativ simplen Landeplätzen abzuheben.
Die Bewaffnung besteht aus einer gekoppelten Zwillings-Laserkanone im Bug, dazu kommen Halterungen für eine der folgenden Waffenvarianten: im reinen Jägerkampf bevorzugt man eine Kampflast aus 4 Sidewinder oder ähnlichen Raketen. Sollen Bodenziele angegriffen werden, so behält man zwei Lenkraketen bei und bestückt die inneren Waffenträger mit 4 lasergelenkten Bomben oder Luft-Boden-Lenkwaffen. Die neuen Hydras können von den bisherigen Maschinen nicht geführt werden, bei neueren Baulosen will man dies eventuell ändern.

I-31 Aurora : Schlachtflieger

Der Aurora-Interceptor löst den veralteten I-27 Eagle als Erdkampfjäger der Bodenstreitkräfte ab. Anders als der Eagle kann sich dieser Interceptor nicht wirklich im Luftkampf behaupten, sein Gegner sind feindliche Panzer und Bunkerstellungen.
Er basiert nicht nur auf dem Joint Strike Fighter Programm des späten 21. Jahrhunderts, sondern auch auf dem Stealth-Helikopter-Programm der europäischen Truppen im frühen 22. Jahrhunderts.
Dennoch hat er eine Marschgeschwindigkeit von Mach 2,8.
Seine Bewaffnung ist weit aus vielfältiger als die früherer Interceptoren.
Unter dem Rupf und Flügeln kann er lasergelenkte Bomben und Hellfire-Behälter tragen.
Unter dem zweisitzrigen Cockpit befindet sich ein 360 Grad schwenkbares 75mm Gaussgeschütz, sowie zwei Impulslaser zur Infanteriebekämpfung.
Unter dem Rupf befindet sich ein ebenfalls 360 Grad schwenkbarer Kuppelturm, der eine Schallwaffe beinhaltet.
Diese Waffe wird aus weiter Entfernung auf einen feindlichen Bunker oder Panzer gerichtet und sendet einen weder für menschliche noch akariischer Ohren hörbaren Ton aus, der der gegnerischen Besatzung das Gefühl vermittelt ihr Kopf würde innerhalb der nächsten Sekunden platzen.
Forschungen ergeben, dass Akarii schon nachdem sie nur kurze Zeit diesem Ton ausgesetzt waren (wenige Minuten) dauerhafte Schädigungen des Hörorgans und auch des Gleichgewichtssinns erhalten. Diese Schäden sind jedoch durch die fortgeschrittene akariische Medizin wieder behebbar.

Noch nicht oder kaum in Gebrauch sind übergebene ex-Konföderierte:

Bezeichnung: I-45 Emu

Beim Emu handelt es sich um eine weitere der wenigen Eigenentwicklungen der Konföderation im Bereich Kampfflugzeuge (auch hier verwendet die Konföderation primär FRT-Modelle, meistens veraltete Baureihen, für Panzer gilt das selbe). Der zweisitzige Emu wurde als Bodenkampfflugzeug geschaffen und sollte die Armee der CC bei Angriff wie Verteidigung gegen die imperialen Streitkräfte unterstützen. Er ist ein Kind des Akarii-Krieges. Der Emu verfügt über ein ungemein leistungsstarkes Bodenradar, das eine Marschhöhe von nicht mehr als zwei Metern erlaubt, verbunden mit einem der am höchsten entwickelten Autopiloten, den FRT und CC aufzuweisen haben. Die maximale Marschgeschwindigkeit liegt bei Mach 1, doch im Tiefflug ist die Maschine meist etwas langsamer. Die Maschine ist gegen Bodenbeschuss zusätzlich gepanzert. Neben zwei Impulslaserwaffen zum Bodenbeschuss verfügt die Maschine über Raks, an denen sie meist Raketenbomben (die Geschosse bohren sich in den Boden und explodieren mit leichter Zeitverzögerung, damit der Bomber sich entfernen kann, ohne in die Explosionswolke hineingerät) und Abprallermunition (die Bomben sollen vom Boden abprallen, in der Luft öffnet sich dann ein Fallschirm, der ihren Fall verlangsamt, kurz vor dem zweiten Aufprall detonieren sie selbsttätig). Im Notfall kann der Emu auch bei Verlust eines Teils der Kampflast zwei Luft-Luft-Lenkwaffen einsetzen. Die Maschine wurde in Kooperation mit der FRT entwickelt und war zum Zeitpunkt der Kapitulation der Konföderation erst in geringer Zahl bei der Truppe. Es ist zu erwarten, dass der Wegfall der terranischen Unterstützung eine weitere Auslieferung erheblich erschweren wird. Die terranischen Verbände haben eine Anzahl Maschinen erbeutet bzw. beschlagnahmt, und setzt sie selber ein, bzw. werden sie voraussichtlich an die CAV und die Peshten-Streitkräfte liefern.



Auf Seiten der Akarii hatte ich mir eigens ein paar Dinger ausgedacht die für den planetaren Einsatz gedacht sind - die sollten wir im Hinterkopf behalten, falls es in Zukunft mehr auf dem Planeten zu tun gibt:

Chu'kara
Der Chu'kara - bei den Menschen unter dem Namen Aardvark (Erdferkel) bekannt - wurde nach einer eleganten Raubwanze der Heimatwelt der Akarii benannt, etwa dem Gegenstück der terranischen Gottesanbeterin, allerdings ist das Tier ein viel aktiverer Räuber. Das Fahrzeug ist der Hauptkampfpanzer der Echsen, und wie die terranischen Gegenstücke Jackhammer und Striker eine Grav-Einheit. Er ist deutlich leichter als die menschlichen Modelle. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h, in ebenem Terrain und für kurze Strecken sind durchaus auch 300 km/h möglich. Der Panzer verfügt über zwei autonome ferngesteuerte Minitürme mit Impulslasern sowie einen schweren zweirohrigen Raketenwerfer, der ferngelenkte Spreng-, Napalm- und Panzersprengraketen verfeuert, außerdem verfügt das Fahrzeug über vier Einweg Boden-Luft-Raketen sowie hochentwickelte Rauch- und Störeinrichtungen. Das Fahrzeug kann in einem separaten Abteil zusätzlich zur dreiköpfigen Crew sechs voll bewaffnete Infanteristen mitführen.



Sa'toko
Der Sa'toko (benannt nach einem räuberischen Hundertfüßler auf Akar, der auch kochend heiße Toxine versprühen kann), wird von den Menschen Warthog (Warzenschwein) genannt. Er ist die primäre Artillerieeinheit der Echsen, die sowohl im Bodenkampf als auch zur Luftabwehr (d. h. als Flakpanzer) zum Einsatz kommt. Die Nahbereichsverteidigung besteht lediglich aus einem drehbaren Impulslaser. Er ist als Gravfahrzeug weitaus beweglicher als der menschliche Paladin und operiert mit bis zu 240 km/h Gefechtsgeschwindigkeit. Das Fahrzeug verfügt über einen primären zehnrohrigen und einen sekundären fünfrohrigen Raketenwerfer, die beide über extrem leistungsfähige Nachlademechanismen verfügen. Vielfach ist der eine Werfer für Boden-Luft, der andere für Boden-Boden-Lenkwaffen konzipiert. Der Sa'toko verfügt über sehr leistungsfähige Ortungsgeräte und kann in jedem Wetter und jedem Terrain sein Ziel finden. Es ist Usus bei den Akarii, jeden Raketenpanzer im Einsatz von ein bis zwei Schützenpanzern als Munitionstransportern begleiten zu lassen. Die Crew besteht aus vier Mann.



Chr'Chr
Ein terranischer Offizier hat diese Maschine mit widerwilligem Respekt einmal als "eierlegende Wollmichsau" bezeichnet (dass es den Namen Pot-bellied pig - Hängebauschwein - bekam, oft liebvoll zu Pot-belly oder auch einfach Poty verkürzt, war da nur logisch). Die Akarii benannten es nicht weniger treffend nach einer großen, ungemein arbeitsamen aber auch wehrhaften und räuberischen Ameisenart auf ihrer Heimatwelt (der Name kommt von den Warngeräuschen, mit denen die Soldaten/Arbeiter sich gegenseitig und Fressfeinde warnen, bevor sie zustechen). Ursprünglich als Schützenpanzer für zwölf Mann konzipiert (und drei Mann Crew). Er erreicht bis zu 250 km/h und verfügt über einen Zwillings-Impulslaser und einen dreirohrigen Raketenwerfer, der ein breites Spektrum an leichten Lenkwaffen verfeuert. In leicht modifizierten Modellen fungiert das Fahrzeug auch als Spähpanzer (dann mit besserer Elektronik und einem zusätzlichen schweren einrohrigen Raketenwerfer), Kommandofahrzeug (wie Schützenpanzer, aber mit exzellenter Kommunikationsausrüstung), Munitionstransporter, Sankra, Pionierfahrzeug, Bergepanzer...



Tasta
Dieser nach einer Raubwespe auf Akar benannte zweisitzige Helikopter brilliert als Gefechtsfahrzeug gegen Luft- wie Bodenziele. Er verfügt über eine hochentwickelte Stealth-Technologie und geräuschgeminderte Rotoren, kann praktisch überall landen und mit seinen exzellenten Sensoren in jedem Wetter operieren. Er ist mit einem Doppelimpulslaser bewaffnet und verfügt zudem über einen Kampfsatz von nicht weniger als acht Lenkwaffen, je nach Wunsch gegen Boden- und Luftziele konzipiert. Er hat keine leichten Stand gegen vollwertige Raumjäger, deren hochentwickelte Schilde sie schützen, doch für bodengestützten terranische Kampfflieger und vor allem für Panzerfahrzeuge kann er ein Alptraum sein. Die Menschen nennen ihn Bed Bug (Bettwanze), da er gerne zusticht, und dann in Deckung geht.



Kalleeh-ta
Der Kalleeh-ta (was übersetzt soviel wie Rosentänzer bedeutet und auf einen leuchtend roten, blauen oder purpurnen großen Schmetterling der Akarii verweist), wird von den Menschen Cockroach (Kakerlake) genannt. Es handelt sich dabei um den primären Erdkampfflieger der Akarii. Die einsitzige Maschine erreicht mindestens Mach 3 und kann wie der terranische Eagle blitzschnell in den Senkrechtflug übergehen. Seine Bewaffnung besteht aus zwei Plasma-Kanonen und einer gemischten Bewaffnung an acht Raks - hier sind je nach Mission entweder Luft-Luftraketen (maximal sechs Stück) oder Lenkbomben bzw. ungelenkte Abwurf- und Raketenmunition untergebracht (ebenfalls maximal auf sechs der acht Stationen).
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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29.02.2020 06:26 Forum: Kurzgeschichten


Ich habe mal Zweiter Offizier oder Fischer/Fisher als Suchbegriff eingegeben, und in den letzten zwei Seasons da nichts gefunden. Mitte Seasons VI war der Posten gerade vakant.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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27.02.2020 06:10 Forum: Kurzgeschichten


Hallo

Ich finde es schön, dass du die Zeit gefunden hast, wieder etwas zu schreiben. Ich bin mir nur nicht sicher, ob du nicht ein bisschen viel Abnormitäten für Seafort eingebaut hast - immerhin haben wir den Planeten schon mehrfach besprochen und dabei kam soweit ich mich erinnere nichts davon zur Sprache. An einer Stelle wurde erwähnt, dass der Sommer Melissas neue Dienststelle fest im Griff hatte (es also Jahreszeiten gibt). Das könnte natürlich auch einfach der Eindruck einer Nicht-Einheimischen sein.

Vor allem aber die Zeitumstellung taucht auch nicht auf. Der Planet gilt ja zum Teil geradezu als Ferienparadies, und das widerspricht deinen Ausführungen direkt. Vielleicht sollte man das besser anpassen? Denn sonst hätte man das ja wohl irgendwo erwähnen müssen, immerhin hat fast die gesamte Crew hier Urlaub gemacht und keiner von denen hatte Probleme.
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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26.01.2020 19:46 Forum: Söldner


Ich stelle mal meinen nächsten kleinen Text rein.
Thema: Chevaliers Season V
Cattaneo

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26.01.2020 19:45 Forum: Kurzgeschichten


Tausend Schnitte

16. Juni 3067, Sulafat, Odaga-Verwaltungszone, Provinz Aomori, die Ortschaft Kisakata, 40 Kilometer Tao-aufwärts von Taonami

Der gigantische Fäller-Mech – gut zehn Meter hoch und mit einem Gewicht von 30 Tonnen – bewegte sich durch den Mangrovenwald wie ein gestaltgewordener Bote der Vernichtung. Vornübergebeugt ausschreitend glich er einer Figur aus einer Horrorgeschichte, einem Sumpfungeheuer, das sich seinem Opfer näherte. Die Beine wühlten den Schlamm auf und ließen das Wasser aufgischten, seine Arme mit den schweren Sägeblättern fuhren – dicht über der Wasseroberfläche – durch die Stämme. Das Heulen des schweren Dieselmotors, der sowohl den Mech als auch die Sägen antrieb, klang wie das wütende Röhren eines Ungetüms. Jeder der Bäume die hier scheinbar mühelos wie Schilfrohr vor der Sichel fielen war mindestens 80 bis 100 Jahre alt, ein bis zwei Fuß dick und acht bis zehn Meter hoch. Meterlange Holzsplitter zischten durch die Luft wie tödliche Geschosse.
Die Boote, die dem Giganten folgten, hielten respektvoll Abstand. Mit gedrosselten Motoren – manchmal auch nur durch Paddel angetrieben – glitten sie zwischen die gekappten Stämme und vertäuten sie. Die Insassen – Männer und einige wenige Frauen in ärmlicher Kleidung – gehörten zu den Erntearbeitern. Sie bauten die Reichtümer ihrer Welt ab, doch für sie selber blieb dabei wenig übrig. Es ging ihnen zwar besser als den Slumbewohnern, doch die Sterblichkeit durch Unfälle, Krankheiten, Angriffe von Tieren und durch Gewalt war hoch.
Immer wieder warf einer der Arbeiter einen besorgten Blick zum Horizont, wo sich dunkle Wolkenbänke abzeichneten. Ein für Sulafat typischer Wintersturm kündigte sich an, und das konnte im ungünstigsten Fall bedeuten, dass die Arbeit für Tage ruhen musste. Tage, in denen sie nicht nur auf den Lohn verzichten mussten – Lebensmittel, Strom und Wasser in ihren Quartieren wurden ihnen zudem in Rechnung gestellt.
Bald schon würde hoffentlich eine neue Ladung flussabwärts ihre Reise antreten. Wie eine große Anzahl anderer Pflanzen auf Sulafat waren auch die Mangroven vielseitig nutzbar, nicht nur als Baumaterial. Die Öle, an denen die Stämme reich waren, fanden vielfältige Verwendung, und auch das unbehandelte Holz wurde gerne verbrannt, wegen des Duftes, den es verströmte.

Keiner der Arbeiter blickte zurück, auf das flachkielige Boot, das ihnen folgte. Neben einer Schraube verfügte es über einen Luft-Druck-Propeller, die Reling und der Rumpf waren offensichtlich gepanzert. Die schemenhaften Gestalten, die aufmerksam nach allen Seiten Ausschau hielten, trugen Gewehre, und das Fahrzeug wies zudem eine lafettierte Waffe auf.
Sulafat war eine Welt, auf der noch immer Krieg herrschte, und nirgendwo war dies offensichtlicher als in den Randgebieten der „Zivilisation“. Hier, wo die Entfernungen zwischen Siedlungen groß, die meisten Menschen arm und unwegsamer Wald und Wildnis nah war, stellten Partisanen und Kriminelle permanent eine zumindest potentielle Gefahr dar. Aus diesem Grund wurde der Fälltrupp von einem bewaffneten Boot begleitet. Es trug nicht das Wappen der Odaga sondern einen stilisierten Baum mit blutenden Wunden, das Zeichen der Kodama* Inc., einem der größeren Biotech-Konzerne. Unternehmen wie Kodama unterhielten mit Erlaubnis der regierenden Häuser paramilitärische Wachdienste, die ebenso der Abwehr äußerer Angriffe wie der Disziplinierung der Arbeiter dienten. Sie waren oft fast genau so verhasst wie das Militär und die Kempeitai.

Der Angriff kam ebenso plötzlich wie er brutal war. Leuchtspurgeschosse von mindestens zwei Maschinengewehren schnitten durch den Nebel. Kugeln zwitscherten, als sie von der dicken Haut des Fällermechs abprallten, doch das waren offenkundig eher Zufallstreffer. Das Wachboot bekam die volle Wucht des Angriffs ab.
Gleich zu Anfang erwischte es einen der Wachposten – er stieß einen gurgelnden Schrei aus und sackte hinter der Reling zusammen. Der Bootsführer jedoch reagierte instinktiv richtig – er beschleunigte abrupt. Ein gedämpfter „Rumps“, gefolgt von einer wesentlich lauteren, zweiten Explosion und einer baumhohen Wasserfontäne, kündeten davon, dass die Angreifer über mindestens einen Granatwerfer verfügten. Nur dank der Beschleunigung des Bootes hatten sie ihr Ziel verfehlt. Während das Boot scheinbar planlos hin und her schoss, spie die Maschinenwaffe Salven von Leuchtspurgeschossen aus, die im Mangrovendickicht nach den Angreifern suchten. Wagemutige Wachmänner unterstützten das Feuer durch einzelne Schüsse ihrer Gewehre, wenngleich das mehr psychologische Wirkung haben mochte, denn an sicheres Zielen war nicht zu denken.
Die kleinen Holzfällerboote spritzen auseinander, als die Erntearbeiter zwischen den Mangrovenstämmen Deckung suchten – obwohl nicht jeder den Querschlägern und Kreuzfeuer der Kontrahenten entkam. Sie dachten natürlich nicht daran, aktiv in den Kampf einzugreifen. Richtige Waffen durften sie ohnehin nicht tragen, und warum sollten sie ihr Leben riskieren, wenn jemand gegen ihre Herren und Ausbeuter losschlug? Doch auch für die Aufständischen hatten die wenigsten viel Liebe übrig – da diese kaum Rücksicht auf Kollateralschäden nahmen, und für ihr eignes Überleben nicht selten Schutzgelder und Naturalabgaben von Arbeitern und Dschungeldörfern erpressten.
Der Fällermech hingegen war eine andere Geschichte. Das Führen eines industriellen Mechs war Arbeit für einen Spezialisten, und solche Männer und Frauen waren gut bezahlt und wurden wertgeschätzt. Schließlich steuerten sie ein Gefährt im Wert von hunderttausend oder mehr C-Noten. Diese Mechs waren zwar nicht für den Kampf konstruiert, doch sie waren robust, extrem geländegängig, und ihre Arme selbst ohne aktivierte Sägeblätter tödliche Waffen. Maschinen wie diese waren zudem bevorzugte Ziele der Guerilla – einen zu erbeuteten war ein rarer Glücksfall, denn sie konnten relativ leicht für den Kampf umgerüstet werden. Zwar waren sie kein Gegner für vollwertige Gefechtsmechs, aber beweglicher als Panzer.
Wer auch immer diesen Mech steuerte, er verstand jedenfalls sein Handwerk. Die gewaltige Maschine duckte sich noch tiefer, um ein geringeres Ziel zu bieten. Und während der Mech Geschwindigkeit aufnahm und gegen die vermutete Feuerstellung vorrückte, ließ er seine Arme durch die Luft sausen wie jemand, der in die Luft boxte. Nicht nur erzeugten die Sägen einen ohrenbetäubenden und beängstigenden Höllenlärm. Sie schleuderten auch Baumstämme wie Streichhölzer umher, was nicht nur sehr eindrucksvoll aussah, sondern zudem auch Deckung bot.

Doch auch die Angreifer waren keine Amateure. Zunächst nahmen sie den Mech unter Feuer – was freilich dem Wachboot etwas Luft verschaffte. Der Mech hatte sich keine fünfzig Meter der Feuerstellung eines der MG genähert, als plötzlich eine Explosion donnerte, offenbar durch eine im Wasser verborgene Sprengladung ausgelöst – deutlich stärker als die Einschläge des leichten Granatwerfers der Guerilla. Wenige Meter vor dem Mech wurde ein riesiger Mangrovenbaum entwurzelt und beiseite geschleudert wie ein morscher Zweig. Er streifte den Mech nur, aber das reichte, um die Maschine aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der Gigant wankte – und fiel.
Gurgelnd schlossen sich die schlammbraunen Wassermaßen über dem Mech. Für einen Augenblick erstarb sowohl das Feuer der Guerilla als auch die Salven vom Wachboot. Doch dann brach der Kopf des Mechs wieder durch die Wasseroberfläche. Mühsam kämpfte sich die Maschine wieder auf die Beine. Das Wachboot preschte näher heran, um seinem Kameraden zumindest etwas Schutz zu geben. Die Crew zündete mehrere Rauchgranaten, und indem sie hin und her kurvte, legte sie einen recht effektiven Rauchvorhang, in dessen Deckung der Mech humpelnd zurückwich. Das Feuer der Partisanen stockte und verstimmte schließlich – kein Grund, Munition zu verschwenden.
Als die Verstärkung eintraf – drei leichte Schweber-SPW der lokalen Streitkräfte – waren die Angreifer schon längst verschwunden.
Doch das war erst der Anfang.

***

Die Stadt Taonami, einige Stunden später

Der Auftritt von Tai-i Anatoli Tanigaki war voller Dramatik, wenngleich dies zweifellos nicht beabsichtigt war. In dem Moment als er den Raum betrat, spaltete ein bizarr verzweigter Blitz den Himmel, und der ohrenbetäubende Donner der unmittelbar darauf folgte, übertöne sogar das Heulen des Windes. Die Beleuchtung flackerte und erlosch für einen Moment, so dass die Bildschirme die angespannten Gesichter der Männer und Frauen in ein gespenstisches Licht hüllten. Offenkundig waren die Computer nicht an die reguläre Stromversorgung angeschlossen, ebenso wenig die Kommunikationsgeräte, wenngleich diese mit sturmbedingter Statik zu kämpfen hatten.
Der Tai-i hatte seinen schweren Regelmantel zurückgestreift, und an seinem Gürtel zeichneten sich Pistolenholster und der Schwertgriff ab. Das Gesicht war gerötet und nass, obwohl er nur wenige Meter durch den Sturm gerannt war.
Obwohl der Offizier bereits einen vollen Arbeitstag hinter sich hatte und soeben aus einem kurzen Schlaf gerissen worden war, wirkte er energiegeladen: „Bericht?“

Der Nachmittag hatte nicht weniger als fünf Anschläge im Umland von Taonami gesehen, was selbst für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich war. Die Maglev-Bahn zur Hauptstadt Gifu war an drei Stellen gesprengt worden. Angesichts der Länge der Strecke war es unmöglich, überall Präsenz zu zeigen. Zwar hatte man die Vegetation auf 300 Meter zu beiden Seiten zurückgestutzt, es brauchte aber nur zwei oder drei Angreifer, die sich im Küstenwald näherten und die letzten paar hundert Meter im Dauerlauf überwanden, um ihre Sprengladungen zu platzieren. Die Reparaturtrupps der Odaga hatten inzwischen Übung, Schäden aller Arten in erstaunlich kurzer Zeit auszubessern. Aber so ein Einsatz bedurfte natürlich Absicherung.
Parallel zu den Sprengungen hatten Partisanen einen Holzfällertrupp im Tao-Delta angegriffen, und ein Erntecamp mit angeschlossenem Verarbeitungslabor war mit schwerem Mörserfeuer belegt worden. In Reaktion auf die Angriffe hatte der Tai-i mehr als eine Kompanie Infanterie und zwei Lanzen Panzerfahrzeugen von der Garnison der Provinzhauptstadt mobilisiert, die bei der Verfolgung der Schuldigen helfen und die Reparaturtrupps sichern sollten. Es war ja nicht auszuschließen, dass weitere Überfälle folgten.
Der Einsatz von konventionellen Flieger, normalerweise das Mittel der Wahl, empfahl sich angesichts der näherrückenden Schlechtwetterfront nicht. Die Sturmböen konnten einem Helikopter ohne weiteres vom Himmel holen. Tanigaki hatte zudem die Polizeikontrollen an den Zufahrtsrouten zur Stadt verschärfte – wenngleich es schwer war, alle potentiellen Mauselöcher zu schließen.

Die befürchteten Angriffe waren in der Tat erfolgt, und nicht im Landesinnern. Und angesichts der Gesamtsituation hatte man es für nötig erachtet, den Tai-i zu alarmieren.
Eine Go-cho der Polizei fasste die Situation zusammen, während der wachhabende Sho-ko Befehle in ein Sprechfunkgerät bellte.
„An einem Kontrollposten ins Umland hat es eine Schießerei gegeben, als wir einen Lkw kontrollieren wollten. Die Lage dort ist bereits unter Kontrolle. In der letzten halben Stunde hatten wir zudem gezielten Beschuss auf drei Stromtrassen im Stadtgebiet, vermutlich ein oder zwei mobile Gruppen, die über Granatwerfer verfügen. Ein Drittel der Stadt hat starke Spannungsabfälle. Bisher konnten wir die Angreifer noch nicht einkesseln. Wir versuchen sie mit Polizisten auf Motorrädern und Sprungtruppen einzukreisen, aber das Wetter behindert uns. Auf der Tenno-Kurita Brücke sind zwei Autos mit Sprengladungen detoniert – ein Kamikaze als Zugangssprengung, um den Polizeiposten abzulenken, das zweite mitten auf der Brücke. Wir wissen noch nicht, wie schwer der Schaden ist.“ Anatoli Tanigaki unterdrückte einen Fluch. Die Beschädigung der wichtigsten Brücke von Taonami war für sich schon eine Hiobsbotschaft, auch wenn man seit langem sensible Bauwerke mit solchen Gefahren im Hinterkopf konstruierte. Und das war offenkundig noch nicht alles…
„In den letzten zehn Minuten kamen zudem Meldungen von weiteren Schießereien aus der Stadt rein. Eine Kaserne wurde mit Granaten beschossen, drei Polizeistreifen oder Posten mit Gewehrfeuer belegt. Verlustmeldungen stehen noch aus.“
Anatoli verlor nicht die Fassung – es war nicht das erste Mal, dass er sich mit einer solchen Situation konfrontiert sah. Innerlich mochte er wüten – vor allem gegen die Polizei, deren Informanten offenkundig versagt hatten. ,Wieso bei den Kami gab es keinen Hinweis auf den üblichen Kanälen? Wieso ist gerade einmal eine verdammte Angriffsgruppe an unseren Kontrollen gescheitert? Vermutlich waren sie schon in der Stadt, als die Angriffe im Umland losgingen. Dennoch, so schlecht ist unsere Aufklärung eigentlich nicht! Ich weiß, die Rebellen haben Übung, aber inzwischen hatten wir ihre besten Leute eigentlich aus dem Spiel genommen.‘

Aber das war Fragen für später. Zunächst galt es die Krise zu bewältigen.
„Höchste Alarmstufe ist bereits ausgerufen.“ Das war keine Frage. Das Kurita-Militär galt als ungemein hierarchisch, aber in einem Guerillakrieg musste man solche Dinge etwas elastischer handhaben. Tanigaki überlegte kurz: „Ich will zwei Ketten-Panzerlanzen – aufgeteilt in vier Paare – und vier Züge Polizei auf den Straßen. Wir müssen verhindern, dass irgendwelche Narren in den Slums auf falsche Gedanken kommen. Ausgangssperre verhängen über Risikozonen Eins bis Drei.“ Natürlich hatten die Odaga schon längst die Gebiete identifiziert, in denen es am leichtesten zu Aufständen kommen konnte. Stromausfall und allgemeines Chaos führte leicht zu Plünderungen, selbst bei einem so scheußliches Wetter wie diesem, und Plünderungen wuchsen sich schnell zu Volksaufständen aus – wenn man nicht Beizeiten eine deutliche Botschaft sendete.
„Wer gegen die Ausgangssperre verstößt, auf den darf nach EINMALIGEM Anruf geschossen werden. Ich will drei Schweber- und Radpanzerlanzen von der Polizei und den Truppen – ebenfalls in Paaren – an den Reservepunkten. Es steht den Gruppenkommandanten frei, auf Hilferufe zu reagieren. Vier Züge Kempeitai und unsere zwei Mechlanzen…“, Anatoli unterstanden neben seiner Sturmlanze im Moment noch sieben einsatzbereite leichte Maschinen, „…als mobile Gefechtsgruppe bereitstellen. Aktivieren Sie sofort alle Zivilaufklärer, auch die Reserveleute. Wenn sich eine größere Gruppe Rebellen im Umland herumtreibt, will ich das wissen. Einsatzbefehl behalte ich mir vor. Meldung an Gifu ist schon heraus?“
„Ja. Chu-sa Obuchi erwartet Ihre Meldung auf versiegeltem Kanal Zwei.“
Für einen Moment verzog Anatoli Tanigaki die Lippen zu einem grimmigen Lächeln. Er mochte ja der Sohn des Lords und ein Veteran der Kämpfe gegen die Clans und Rebellenabschaum sein – aber auf dieses Gespräch freute er sich keineswegs. „Danke.“
Und damit betrat er einen kleinen Nebenraum. Das hatte einerseits Geheimhaltungsgründe. Außerdem, falls Offiziere von ihren Vorgesetzten zusammenfaltet wurden, dann geschah dies nur dann öffentlich, wenn man sie absichtlich demütigen wollte. Der Verlust des ,Gesichts‘ war schlimmer als eine Bestrafung.

„Sie werden mit dem auskommen müssen, was Sie haben.“ Der Chu-sa hatte nicht wütend reagiert, obwohl er ähnlich wie Anatoli sichtlich irritiert war. „Ich kann keinen Lufttransport schicken – das Wetter ist zu schlecht. Meine Mechs sind im Einsatz oder müssen gewartet werden. Und die Maglev-Bahn ist noch nicht wieder einsatzbereit. Straßen- und Seetransport dauert zu lange.“ Er sprach nicht das Offensichtliche aus – die Rebellen hatten die Bahnverbindung aus gutem Grund beschädigt.
Anatoli nickte knapp: „Wir können natürlich noch nicht einschätzen, was noch kommt – so lange wir keine Gefangene haben, wissen wir nicht GENAU, wer dahintersteckt. Aber ich tippe auf einige dieser abergläubischen Irren. Kamikaze und Bomben mitten auf einer benutzten Brücke sind normalerweise nicht die Handschrift der Imagawa-Loyalisten oder der lokalen Hungerleider.“
Chu-sa Obuchi klang nachdenklich: „Bei uns gibt es keine Anzeichen für Ärger, aber nach Ihren Erfahrungen können wir uns auf die Meldungen wohl nur bedingt verlassen. Hm…ich überlege, ob ich eine Unterstützungsanfrage an die Höllenhunde stellen soll. Oder Sie übernehmen das, immerhin kennen Sie die Söldner.“
Der jüngere Offizier schnaubte, knapp an einer Respektlosigkeit vorbei: „Sie haben das Oberkommando, aber ich würde lieber darauf verzichten. Das letzte was ich erleben will sind Söldner, die sich nicht mit meinen Truppen abstimmen und aus Rache für ihre Kameraden leichtfertig um sich ballern. Am Ende schießen wir uns noch unabsichtlich gegenseitig über den Haufen. WENN es keine Absicht ist. Was, wenn sie mit der Sache zu tun haben? Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Guerilla verdächtig gut ausgerüstet ist und professioneller vorgeht als wir es in den letzten zwölf, fünfzehn Monaten gemeinhin erlebt haben. Das mag paranoid klingen, aber mir passt der Zeitpunkt gar nicht. Schlimm genug, dass ich jetzt meine Überwachungstruppen bei dem Söldnerlager abziehen muss, abgesehen von einigen Spähern.“
Der ältere Offizier lachte bellend: „Paranoid zu sein heißt nicht, dass nicht dennoch jemand hinter einem her ist!“ echote er Anatolis geheime Gedanken: „Aber die Entscheidung überlasse ich in diesem Fall Ihnen.“ Er sprach es nicht aus, aber da sein Untergebener auch der Erbe des Lords war, trug er auch eine hohe Verantwortung, die eher auf ihn, als auf den Chu-sa zurückfallen würde, sollte er versagen: „Ich nehme an, deshalb wollen Sie ihre Sturmlanze auch nicht ausrücken lassen?“
„Ja. Wenn die Söldner ein doppeltes Spiel planen – oder aber ein größerer Rebellenangriff bevorsteht – habe ich gerne gute 330 Tonnen schwere Argumente parat, um sie zu überzeugen, dass das eine schlechte Idee war.“
Chu-sa Obuchi schwieg einen Moment. Mit einem Mal klang seine Stimme ungewöhnlich förmlich: „Sollen die Haie die Höhle verlassen?“ Eigentlich war er der Oberbefehlshaber der Odaga-Truppen auf dieser Welt, doch es gab einen gewissen, ganz speziellen Aspekt, bei dem er sich in jedem Fall Anatoli unterzuordnen hatte.
Die Antwort kam ohne Zögern, denn der junge Kuritaner hatte sich genau diese Frage gestellt, seit er mit den Höllenhunden auf dieser Welt angekommen war: „Ja. Mögen ihre Zähne scharf sein. ALLE ihre Zähne.“
„Jawohl, mein Lord.“

Als Anatoli Tanigaki die Kommandozentrale betrat, wirkte sein Gesicht wie versteinert. Die Entscheidung, die er getroffen hatte, wog schwer. Noch war es nicht so weit, zu diesem letzten Mittel Zuflucht zu nehmen, noch lange nicht. Aber er musste vorbereitet sein. Und für seinen Geschmack kamen hier zu viele Ungereimtheiten zusammen. Die momentane Krise war nichts, was er nicht auch alleine zu meistern vermochte. Doch die Gegenwart eines gemischten leichten Söldnerregiments unklarer Loyalität war genau das, was er im Moment NICHT gebrauchten konnte. Falls sie sich gegen ihn stellten… Nun er war ein Mann, der zu seinem Wort stand. Was immer ihn das auch kosten mochte.

***

Eine halbe Stunde darauf, Hafen von Gifu

Es gab kein Zeremoniell, keine wehenden Fahnen, keinen Appell. Im Herzen des Militärhafens, inmitten unzähliger anderer, identisch aussehender Lagerhallen, Bootsbunker – groß genug, um mehreren Schnellbooten oder einem Paar Kanonenschaluppen Unterschlupf zu geben – grollten starke Motoren, öffneten unsichtbare Panzertore. Hier, wo eine große Halle direkt an das Wasser stieß, änderte sich mit einmal der Verlauf der Wellen, die – vom fernen Sturm bis hierher aufgewühlt – gegen das Kai brandeten. Tief, tief drunten, unsichtbar, schnell und lautlos, glitt der Tod durch die nachtschwarzen Fluten, größer als jedes Seeungeheuer, das Sulafats Meere unsicher machte. Die Haie bereiteten sich auf die Jagd vor.

******

* Kodama sind Waldgeister der kuritanischen Folklore, die von Bäumen Besitz ergreifen. Diese Bäume werden von den örtlichen Ältesten beschützt, denn einen solchen Baum zu beschädigen bringt Unglück. Es heißt auch, dass solche Bäume bluten würden wie Menschen.
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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26.01.2020 19:44 Forum: Kurzgeschichten


So, ich poste mal meine nächste kleine Story. Der Tanz beginnt...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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20.01.2020 17:03 Forum: Kurzgeschichten


Hallo

Ich wollte nur Bescheid geben, dass ich meinen Platzhalter auf S. 8 aufgelöst habe.
Nicht so potentiell dramatisch wie der Flottenstab, natürlich, aber der Krieg findet ja auch ein paar Nummern kleiner statt.
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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16.01.2020 05:02 Forum: Söldner


Wenn ich noch um ein bisschen Geduld bitten darf? Du hast natürlich Recht, aber ich war die letzten Wochen aus verschiedenen gründen stark eingebunden bzw. gehandicapt. Ich würde dann einen Einleitungstext schreiben, an den du anknüpfen kannst (ich schicke ihn dir zur Voransicht wie immer).
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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10.01.2020 14:14 Forum: Kurzgeschichten


Also ich denke, DER Punkt wird doch gerade angesprochen? Deshalb sind doch etliche darüber besorgt, dass die Terraner zurückschlagen werden wenn sie etwas besonderes aus dem Hut zaubern.

Und sein wir ehrlich, diese Einschleusungs-Sache ist nichts, was die TSN im Moment unbedingt machen braucht. Sie könnte eher Atomwaffen auf die traditionelle Weise transportieren und abschießen.

Allerdings hast du Recht, man hätte die Befürchtung einstreuen können, dass die TSN dann anfängt Atomwaffen sagen wir an Aufständische zu liefern (ich meine jägergestützte oder subtaktische Sprengköpfe). So könnte sie die Probleme der Echsen mit ihrer Unterworfenen erheblich anheizen.
Ist übrigens eine Sache, falls man sich mal zurückziehen muss, man lässt den Einheimischen was zum Spielen da... großes Grinsen
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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01.01.2020 11:47 Forum: Söldner


Hallo

Ich wünsche ebenfalls allen einen guten Start ins neue Jahr!

Was die 20er angeht...
ich hoffe, nicht, wenn ich dran denke, wie sie anfingen und wie sie endeten... Augenzwinkern
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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17.12.2019 21:30 Forum: Kurzgeschichten


Ich habe meinen nächsten Text zu drei Vierteln fertig, muss nur zusehen - ich habe gerade beruflich viel an den Hacken. Sollte aber nicht zu lange brauchen.

Sorry
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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12.12.2019 21:31 Forum: Kurzgeschichten


Nun, damit können es die TSN-Träger (die schweren) im Schnitt immer noch mit einem Kreuzer aufnehmen was Raketen angeht, und verfügen über eine ebenbürtige Rohrartillerie. Vor allem sind sie ziemlich gut geschützt.
Wenn man das (sagen wir mal) mit einer USA-Nimitz-Klasse vergleicht, ist das schon bezogen auf die vergleichbaren Kampfschiffe schon ein deutlicher Unterschied. Ich stimme zu, dass sie nicht primär als Schiffe der Linie konzipiert wurden, aber anders als die Zeus sind sie deutlich besser für die Art Schlagabtausch geeignet (wobei die ihrerseits über eine recht starke Rohrartillerie, wenn auch eine schlechte sonstige Bewaffnung verfügte).
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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12.12.2019 08:53 Forum: Kurzgeschichten


Hallo

Hm,da muss ich mir wohl mal irgendwann den Schimäre-Entwurf vornehmen. Ein Großkampfschiff, das autonom operieren kann und über eigene Kampfflieger und ein gewisses Bodentruppenkontingent verfügt... Augenzwinkern
Thema: Mech der Charaktere
Cattaneo

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09.12.2019 23:07 Forum: Innere Sphäre


Eine deutliche Abweichung dürfte es aber geben - nämlich Solaris. Dort dürften die meisten bekannteren Piloten (und etliche Möchtegerns) ihre Mechs entsprechend hervorheben...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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01.12.2019 06:06 Forum: Kurzgeschichten


Dem würde ich zustimmen, vor allem, da zumindest einige Systeme wie Sterntor mehrere Sprungpunkte haben. Die Marschdistanzen zwischen den Sprungpunkten und den Planeten oder aber den Sprungpunkten im System ist zwar nicht gerade kurz, für die enormen Entfernungen innerhalb eines Systems aber auch nicht SO groß.

Vielleicht sollten wir das einfach etwas im Ungefähren lassen.
Thema: Hinter den feindlichen Linien - Season 7 - Zwischen Himmel und Hölle
Cattaneo

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21.11.2019 06:05 Forum: Kurzgeschichten


Auf der Zielgeraden

Gamma-Eridon-System, zwei Tage nach Ankunft des Konvois

Die Mine detonierte mit der Gewalt mehrerer Megatonnen – genug Sprengkraft, um eine Großstadt in eine Flammenhölle zu verwandeln. Die unendliche Schwärze des Weltalls jedoch verschluckte die Explosion mühelos. Auf der Brücke der PHILOKETES war alles was man wahrnahm ein Ausschlag der Sensoren – und natürlich die Vollzugmeldung.
Captain Narendra Mathradas Nanda blickte kaum von dem Teebecher auf, den er sinnend in den Händen drehte. Eigentlich eine Verschwendung, so ein edles Getränk in verschlossenen Kunststoffbehältern zu servieren. Aber für den Fall eines plötzlichen Schwerkraftverlustes war dies nun einmal die beste Lösung. Dennoch…eine Schande.
Auf manchen Schiffen wurde während der Schichten nur ein synthetisches Gemisch ohne wirklichen Geschmack angeboten – Wasser mit reichlich Koffein, Traubenzucker und Mineralien, alles was man brauchte um konzentriert zu bleiben. Aber Captain Nanda war der Meinung, man konnte der Mannschaft mehr bieten. Und sich selbst etwas gönnen.
Das hieß nicht, dass er als überbezahlter Müßiggänger einfach seinen Hintern im Kapitänssessel wärmte. Aber die Brückencrew arbeitete wie eine gut geölte Maschine, wenngleich ihre Pflicht sich nach dem dramatischen Auftakt der Mission als recht eintönig entpuppt hatte. Während der endlosen Stunden seiner Brückenschichten blieb ihm nicht wirklich viel zu tun – nicht, wenn die Crew ihr Handwerk verstand. Doch er durfte natürlich auch nicht nachlässig werden. Und wenn es schon nichts zu erledigen gab, musste er zumindest seinen Untergebenen den Eindruck vermitteln, dass sie gute Arbeit leisteten.

„Die wievielte war das jetzt eigentlich?“ erkundigte er sich.
„Am heutigen Tag bis 16-45 Uhr Erd-Standartzeit Nummer 27, Sir.“ Kam prompt die Rückmeldung: „Seit Beginn der Gleitzugsoperation 83 Minen im Aufklärungs- und Marschstreifen registriert, 72 davon gesprengt, Driftvektoren der übrigen gemeldet.“
Der Captain nickte. Die Echsen meinten es offenbar ernst bei dem Versuch, den Konvoi aufzuhalten. „Wenn die 100 voll sind, werde ich wohl nicht umhin kommen, ein paar Runden für die Freiwache zu spendieren.“ Sinnierte er, was einige seiner Untergebenen grinsen ließ – bis er hinzufügte: „Natürlich wäre auch ein Dankeschön an die Angels fällig, immerhin haben die mehr als die Hälfte der Minen geortet und vernichtet.“ Die Rivalität zwischen den Dickschiffmatrosen und der Raumjockeys war eine Konstante seit den Tagen von Baums.
Imperiale Minen waren – ähnlich wie die terranischen – darauf programmiert, im Fall einer Räumung zu detonieren. Normalerweise wäre eine Atommine nicht explodiert, wenn man sie mit Bordwaffen oder Raketen beschoss. Aber es war eine beliebte Sicherheitsvorkehrung, nach Abschuss einer Rakete oder Mine einen Selbstzerstörungssicherung zu aktivieren, die bei einer ernsten Beschädigung den Sprengkörper auslöste. Schließlich sollte der Gegner nicht die Überreste einfach bergen, untersuchen oder ausschlachten können. Das funktionierte nicht immer, erschwerte die Arbeit der Kampfmittelräumer aber zusätzlich.
Minenkrieg im Tiefraum war freilich auch für den Angreifer eine heikle Sache. Stationäre Minenfelder ließen sich nur an wenigen Punkten legen – schließlich bewegte sich fast alles im All. Und militärisch berechenbare Bewegungsmuster gab es auch nur wenige. Deshalb verminte man gerne Sprungpunkte. Dort musste der Gegner ja hindurch, wenn er das System verließ oder betrat, und sie waren zumindest semistationär. Die andere Alternative – Minen im planetaren Orbit zu legen – war nur etwas für die Rücksichtslosen und Verzweifelten. Schließlich KONNTE ja mal was Unvorhergesehenes passieren. Eine Treibmine konnte jederzeit mit einem Mikroasteroiden kollidieren, ein wenig vom Kurs abkommen – und wenn sie dann zu dicht an den Planeten herandriftete…
Natürlich konnte man Minen konzipieren, die ihre Position hielten, aber das funktionierte nur, solange kein Feind im System war, der die Triebwerksemmissionen orten konnte. Alternative Antriebsformen, die nicht so leicht zu orten waren, hatten sich bisher als unpraktisch erwiesen.
Deshalb war es schwierig, einen gegnerischen Verband auf dem Marsch im Tiefraum zu bekämpfen – wenn man die Minen nicht via Raketen oder Shuttles relativ dicht beim Gegner auf vorher berechneten Bahnen aussetzte. Je mehr Abstand man dabei behielt, desto größer war die Gefahr, dass die Minen einfach irgendwo im All verschwanden.
Die Echsen aber investierten offenbar einiges, um gezielt Minenketten gegen den Konvoi auszulegen. Und auch wenn sie ebenso so oft falsch rieten wie richtig, sie nötigten den Geleitschutz zu ständiger Wachsamkeit. Man sollte ja meinen, die Kaiserlichen wären ausreichend blockiert – entweder auf den Planeten oder ihren Sprungpunkt, während der tiefe Raum den Peshten gehörte. Aber sie schafften es immer noch, Minenleger weit genug rauszubringen, dass sie ihre Minen driften lassen konnten. Captain Nanda hatte deshalb durchgesetzt, dass der Verband zumindest im begrenzten Umfang „zackte“. Das hatte ihn zwei Stunden Debatten mit den Peshten UND der Columbia gekostet. Die Einheimischen wollten die Sturmdivision möglichst schnell am Boden, und die TSN ihre Jäger wieder zur eigenen Verfügung haben. Aber am Ende hatte er sich durchsetzen können. Das machte es für den Feind NOCH schwerer vorauszuberechnen, ob er seine Minen in die richtige Richtung treiben ließ. Und bisher hatte sich das bewährt.

Theoretisch war die PHILOKETES wie geschaffen für die Aufgabe als Geleitführer und Kommandoschiff eines Räumverbandes. Sie war agil, verfügte über starke Schilde – wenn auch eine eher dürftige Panzerung – sowie gute Abwehrwaffen und eine exzellente Sensorik. Der Teufel aber lag wie so oft im Detail. Eigentlich war der Dauntless-Kreuzer dafür konzipiert, sich mit den Begleitschiffen zu einem Netzwerk zu verbinden, in dem die einzelnen Komponenten von den Sensormeldungen der Mitstreiter profitierten und ein Alarm oder Minensichtung sofort automatisch weitergemeldet wurde. Idealiter ließ sich dieses Netzwerk noch durch Shuttles als Relaisstationen erheblich ausweiten und konnte sogar patrouillierende Jäger einbeziehen. In einer Großkampflage war dies natürlich nicht so einfach realisierbar – die gegnerischen Störsender und EMP der detonierenden Atomwaffen sorgten für erhebliche Interferenzen. Und in diesem speziellen Fall…
Selbstverständlich hatte Nanda gleich nach der Ankunft ein Netzwerk aufbauen lassen. Aber es lief nicht annähernd so effektiv wie gewünscht. Die Schiffe des Geleits waren zwar terranischen Ursprungs, aber von den Peshten umfassend modernisiert worden. Und bei aller Waffenbrüderschaft taten sich TSN und Peshten schwer, ihre modernste Software passgenau aufeinander abzustimmen. Die TSN fürchtete – wobei rassistische Vorurteile eine Rolle spielen mochten – dass Peshten-Offiziere oder Techniker Betriebsgeheimnisse an den Meistbietenden weiterverkaufen könnten. Und die Nichtmenschen waren ebenfalls vorsichtig damit, ihre wichtigsten militärisch-wirtschaftlichen Geheimnisse auf dem Silbertablett zu servieren. Schließlich war dies ein wichtiger Teil ihrer Exportwirtschaft, und vielleicht wollten sie sich den Terraner auch nicht VOLLKOMMEN ausliefern.
Deshalb war die Kommunikation zwischen den Schiffen etwas schwerfälliger als in einem modernen TSN-Verband. Es war kein großer Unterschied, aber er konnte im Ernstfall den Ausschlag geben zwischen einer ernsten Krise und einer Katastrophe. Und auch mit den zusätzlichen Komponenten haperte es. Die PHILOKETES war das einzige Schiff im Verband, das über die Sollbestückung an Shuttles verfügte, genauer gesagt nicht weniger als sechs, davon zwei E-21-Radarshuttles sowie einen S-41-Tanker. Die Peshten-Schiffe, die anders als die TSN weitaus seltener autonome Langstreckenoperationen durchführten, verfügten jedoch nur über eine rudimentäre Bestückung mit ,Beibooten‘. Und darunter war kaum ein einsatzbereites Shuttle für die elektronische Kriegführung oder ein Tanker. Tanker aber waren wichtig, damit die Shuttles weiter fliegen konnten und nötigenfalls auch etwas zusätzlicher Treibstoff für die Geleitjäger bereitstand.

Captain Nanda war gezwungen gewesen, das Beste aus der Situation zu machen. Er hatte natürlich die Begleitjäger einbezogen und mit ihrer Hilfe wie durch den Einsatz terranischer und Peshten-Shuttles einen vorgeschobenen Sicherungsschirm gebildet.
Es war nicht perfekt gelaufen. Ein Zerstörer war durch eine mobile Mine beschädigt worden, glücklicherweise nicht schwer. Und sein Schiff hatte bluten müssen – ein RADARSHUTTLE war auf eine Mine gelaufen und zerfetzt worden, ohne Überlebende.
Das machte diese Art von Krieg zermürbend. Man musste immer – über Tage hinweg – mit einem tödlichen Schlag rechnen, und das einzige, was man selber zerstören konnte, waren einige Punkte auf den Sensortafeln. Dabei hatte die Crew seines Schiffes genug Grund, Rache zu nehmen. Doch solange die Echsen nicht unvorsichtig wurden und ihre Minenleger zu weit vorschickten, gab es keine Möglichkeit, wie man zurückschlagen konnte. Der Captain hatte angeregt, dass die Peshten die Patrouillen ihrer Jäger ausdehnten oder Hunter-Killer-Gruppen aus drei oder vier armierten Shuttles losschickten um feindliche Minenleger abzufangen. Aber das hatte nicht viel gebracht – man hatte ihn mehr oder weniger auflaufen lassen. Die Systemflotte hatte einfach zu wenige Hilfsträger, und die Zahl der bewaffneten Shuttles mit ausreichend trainierten Piloten war auch überschaubar. Außerdem bestand da immer die Gefahr, dass sie in einen Hinterhalt liefen. Wenn die Echsen ein paar Jäger schickten oder einige ihrer neuen Schnellboote…
Commodore Schupp hatte wie immer eine historische Weisheit zum Besten gegeben und ihm empfohlen sich in Geduld zu fassen. Und das tat er denn auch.
So konnte die Konvoisicherung nur einstecken, nicht austeilen. Und eines war klar – die Zahl der Minen würde eher zunehmen, je näher man dem Planeten kam. Umso geringer die Distanz war, desto besser konnten die Echsen vorherberechnen, wo sie ihre Minen aussetzen mussten, desto kürzer die Anmarschwege für ihre Minenleger, die mehr Missionen in derselben Zeit durchführen konnten…

***

Lieutenant Commander Tatjana Pawlitschenko alias Lilja bewegte lautlos ihre Lippen, während sie einige der wüstesten Schimpfworte rekapitulierte, die sie kannte. Die Sorte, nach denen man nicht nur den Mund mit Seife auswaschen, sondern am besten noch mit Bleiche gurgeln sollte, wie man so sagte. ,Ich HASSE den Teil meines Jobs!‘
Sie verzichtete wohlweißlich darauf, mit den Zähnen zu knirschen, denn wenn sie das getan hätte, wäre ihr Gebiss vermutlich inzwischen im Eimer gewesen. Ihr Blick wanderte argwöhnisch über die Anzeigen, während sie den Jäger mit sparsamen Bewegungen steuerte. Ausnahmsweise hatte sie einmal keine Freude an der mühelosen Eleganz, mit der sich die Falcon – wie ihr gefiederter Namensgeber – bewegte. Aber im Moment war sie einfach zu nervös. Jede noch so kleine Anomalie auf den Anzeigen ließ das Adrenalinlevel in ihrem Blut steigen.
Jemand mit weniger Erfahrung hätte sich vermutlich ablenken lassen durch das ätzende Gefühl, seit nunmehr über einer Stunde in einem vollkommen verschwitzten Raumanzug zu stecken. Lilja konnte so etwas wegstecken. Langstreckenoperationen waren für sie längst Teil des Alltags geworden. Doch der Umstand, dass sie mit solchen Unannehmlichkeiten umgehen konnte, bedeutete noch lange nicht, dass sie sich nicht scheußlich fühlte.

Die Russin war – neben ihrer kaltherzigen, mitunter rüden und vielfach verletzenden Art und ihrem erbarmungslosen Hass auf die Imperialen – vor allem dafür bekannt, wie kompromisslos und effizient sie ihre Befehle ausführte. Das war sozusagen ihr Markenzeichen, ihr höchst eigener Stolz – und einer der Gründe, warum sie Karriere gemacht hatte. Wann immer es etwas zu erledigen gab, wenn es für den Krieg war, dann war auf Lilja Verlass. Egal wie gefährlich, wie anstrengend oder auch moralisch fragwürdig.
Von daher bedeutete es schon einiges, dass sie sich so am Riemen reißen musste um sich nicht vernehmlich über ihre gegenwärtige Aufgabe zu beschweren.
Sie selber hatte es auf den Punkt gebracht, als sie sich mit einer Mischung aus Kanarienvogel und Trüffelschwein beschrieben hatte. Denn im Moment flog sie – ebenso wie Sokol von Flight Vier – Voraussicherung für den Konvoi, weit über 20.000 Kilometer vor den ersten Schiffen. Sie und ihr Kamerad saßen in Maschinen, die sowohl einen Sensorpod als auch Zusatztanks schleppten, und deshalb nur vier Raketen mitführten. Das heißt, sie spürten mit ihren Sensoren nach Minen, aber auch nach gegnerischen Schnellbooten oder Jagdbombern, die sich vielleicht anschleichen mochten. Die moderne Sensorik prädestinierte den Abfangjäger für diese Aufgabe, und seine rasante Beschleunigung versprach eine Chance zu entkommen, falls sie die falsche Trüffel erschnüffelten. Das änderte aber nichts daran, dass sie ziemlich allein waren – sogar ihr jeweiliger Wingman hielt deutlichen Sicherheitsabstand. Vor sich wussten sie Sprengkörper, die nicht nur möglichst gut getarnt waren, sondern zudem ausreichend Sprengkraft hatten, um ihre Jäger wie eine Mücke zu zerquetschen.
Nach Liljas letzter Nahtoderfahrung bei genau dieser Art von Job im Orbit um Gamma Eridon war es ja wohl nur verständlich, dass sie das nervös machte. Schlimmer noch – wiewohl ihr Kampfflieger eines der schnellsten Modelle der TSN war, musste sie mit geradezu beschämend geringer Geschwindigkeit dahinkriechen. Logischerweise war der Treibstoff knapp kalkuliert, trotz Zusatztanks und Shuttle-Betankung auf dem Marsch. Für den Fall, dass man doch vor einer Mine türmen musste oder ein Schwarm imperialen Jagdbomber oder Schnellboote einen Angriff versuchte, durfte man sich nicht mit leeren Tanks erwischen lassen. Und so flogen sie und Sokol vor dem Konvoi quälend langsam Schlangenlinien.

Sie hätte die Arbeit natürlich delegieren können, und sich eine einfachere Position suchen. Während zwei Flights ihrer Staffel Voraussicherung flogen, war je ein weiterer an den Flanken des Konvois unterwegs, und die beiden letzten bildeten eine Einsatzreserve in unmittelbarer Kovoinähe. Die Butcher Bears, die ebenfalls am Konvoi flogen, hatten gleichfalls eine Sektion zur Voraussicherung abgestellt. Die flog im Moment etwas zurückgesetzt und gab Feuerunterstützung, um geortete Minen schnell auszuschalten – eine zweite Sektion fungierte als Direktsicherung des ersten Konvoischiffs. Vier Maschinen flogen über dem Konvoi, je zwei an jeder Flanke. Die Nighthawks waren nicht nur wegen ihrer geringeren Geschwindigkeit weniger gut als Aufklärer geeignet, zudem schleppt eine der kovoinahen Sektionen Arrow-Atomraketen und musste sich etwas zurückhalten.
Die Seitensicherung war nicht annähernd so nervenaufreibend wie der Einsatz an der Spitze, denn die meisten Minen tauchten natürlich direkt voraus auf. Aber diese Alternative – geschweige denn einen Platz direkt beim Konvoi – gestattete Liljas snobistisches Dienstethos nicht. Sie war nun einmal Staffelchefin und die wohl erfahrenste Pilotin der Fighting Stallions, also MUSSTE sie die wichtigste und schwerste Aufgabe übernehmen…
Nur eine dritte Falcon der Stallions verfügte ebenfalls über einen Sensorpod und konnte als Ablösung fungieren – man durfte die Schlagkraft der Staffel nicht zu sehr reduzieren, falls es doch zu einem Gefecht kam. Und natürlich hatte sich Lilja dagegen entschieden, die Ablösung für sich in Anspruch zu nehmen. Inzwischen bereute sie dies insgeheim.
,Man sollte meinen, ich bin langsam darüber hinaus, Fleißsternchen zu sammeln.‘ murrte sie innerlich.

Minen aufzuspüren war ein kniffliges Unterfangen. Sie nutzten üblicherweise nur passive Ortung, waren zumeist mit einer Radar-absorbierenden Beschichtung versehen und wiesen eine dicke Hülle auf, die ihr Innerstes sowohl vor Mikrometeoriten als auch gegnerischen Sensoren abschirmen sollte. Der einzige Umstand, der ihre Ortung erleichterte war, dass der Weltraum…nun ja…eben ziemlich leer war. Doch in einem System wie diesem gab es nach Jahrhunderten der kommerziellen Raumfahrt natürlich neben dem üblichen Weltraumtreibgut auch einiges an künstlich produzierten Schrott. Teile von Satelliten und Raumfahrzeugen, Müll, gefrorener Treibstoff… Dazu kamen die Überreste der Kampfhandlungen. Eine einzige Korvette konnte tausende Bruchstücke produzieren, die groß genug waren, um für die Sensoren auch als eine signaturreduzierte Mine durchzugehen. Sah man mal ganz davon ab, dass hier noch ganz andere Dinge ins All geschickt wurden – etwa Leichen, aus Gründen der Religion oder Notwendigkeit.
Und deshalb konnte man oft nicht genau sagen, ob der winzige Blip, der auf den Anzeigen zu sehen war, nun ein kleiner Fels- oder Eisbrocken, der Rest eines Kommunikationssatelliten, eines zerschossenen Jägers oder aber doch eine Mine war. Und das wurde umso komplizierter, je näher man – wie in diesem Fall – an dicht befahrene Routen herankam.

Commander Pawlitschenko war also rechtschaffend frustriert. Natürlich hatte man ihr an Informationen geliefert, was über kartierte Trümmerfelder und dergleichen vorlag. Aber das war enervierend wenig. Normalerweise wurden im Zeitalter von modernen Schilden nur größere Bruchstücke kartiert, die selbst für die gut geschützten Jäger und Shuttles eine potentielle Gefahr darstellten. Ansonsten gab es meist nur allgemeine Hinweise.
Im Moment schlug sich mal wieder mit einem solchen Dilemma herum. Ihre Sensoren hatten einige bisher unverzeichnete Kontakte aufgefasst, die ein Stück voraus lagen und potentiell in den Kurs des Konvois hinendrifteten. Hinweise auf Strahlungsanomalien gab es allerdings nicht, und die Signaturen variierten deutlich in Größe und Struktur, beides sprach gegen Minen. Dennoch, irgendetwas daran irritierte sie, sie konnte nur im Moment nicht den Finger drauf legen. Sollte sie näher heranfliegen und sich die Sache genauer anschauen? Das war auch nicht ohne Risiko, wenn es DOCH Minen waren, und eine davon von der mobilen Sorte…
Sie berührte leicht den Steuerknüppel, wollte schon beschleunigen, doch dann zögerte sie. Was wenn…

Mit einmal verzog sich ihr verschwitztes Gesicht unter dem Visier des Helmes zu einem triumphierenden Grinsen. Aber natürlich, das war es, was sie gestört hatte! Diese verdammten Schweinehunde! Aber auch die verdammten ,Fritzen‘ machten eben Fehler.
„Pfeil Dreizehn an Pfeil Vierzehn, Neun und Zehn…“ womit sie sowohl Knight, als auch La Reine und Marat von den Butcher Bears ansprach: „Ich habe was für die Abrissbirne. Bereit machen zur Feuereröffnung. Telemetriedaten folgen. Achtet auf mögliches Raketenfeuer und mobile Minen.“
Denn das war es, was ihr aufgefallen war. Die fraglichen Sensorblips waren zwar unterschiedlich was die Signatur anging – was eigentlich auf unterschiedliche Größe und Beschaffenheit hindeutete. Aber ihr ABSTAND zueinander war relativ einheitlich. So, als ob ein gegnerisches Shuttle einen Minenkette ausgesetzt hatte – Minen, deren Tarnbeschichtung ausreichend variabel war, um die Signaturen uneinheitlich zu gestalten. Aber die Echsen hatten nicht daran gedacht, das Intervall ihres Werfers ausreichend zu variieren…
Die Russin fletschte die Zähne: „Köcher, hier Pfeil Dreizehn. Ich hoffe, ihr schaut genau zu…FEUER!“ Und mit diesen Worten eröffnete sie das Feuer, unterstützt durch ihre Kameraden und die Spitzensektion der Butcher Bears. Eine Minute später war alles vorbei.

***

Der Captain der PHILOKETES genoss das Feuerwerk, das ihm über das Sensornetzwerke übertragen wurde. Fünf Minen mehr auf der Abschussliste. Ein kleiner Sieg, fast bedeutungslos – doch bedachte man, was diese Sprengkörper für Unheil hätten anrichten können…

„Commodore.“ Als er die Stimme hörte, unterdrückte Captain Nanda unwillkürlich eine Grimasse. Das lag nicht so sehr daran, dass er sich nie ganz sicher war, ob nicht ein leicht spöttischer Unterton darin mitschwang, der sich gegen seine „temporäre Beförderung“ richtete. Es lag auch nicht daran, dass Commander Jael Lines relativ jung war, geschweige denn, weil Nanda etwa Probleme mit weiblichen Offizieren gehabt hätte. Nein, all das störte ihn nicht – aber dennoch empfand er Lines als eine irritierende Anomalie, die sich seiner Kontrolle entzog.
Zum einen gehörte sie nicht zur TSN, sondern stand in den Diensten der Peshten, für die sie als Verbindungsoffizierin zu den Terranern während der Geleitoperation fungierte. Und auch wenn er es zu schätzen wusste, dass die Aliens eine menschliche Verbindungsfrau abgestellt hatten – Nichtmenschen an Bord von TSN-Schiffen waren noch immer extrem ungewöhnlich, und er war heilfroh, keinen Taku-Taku auf seinem Schiff zu haben* – so war ihr übriger Hintergrund vorsichtig ausgedrückt…farbig. Zum einen kam sie weder aus der FRT noch der CC, sondern war eine gebürtige „Indyan“**. Und darüber hinaus keine echte Soldatin, zumindest nach den Standards der TSN. Sie hatte sich vielmehr auf Handels- und später privaten Wachschiffen am Rand des zivilisierten Raums hochgedient und als Söldnerin für wechselnde und dubiose Auftraggeber gearbeitet, bevor sie in den Dienst der Peshten getreten war.

Aber Captain Nanda durfte sich seine Vorbehalte natürlich nicht anmerken lassen, deshalb nickte er nur knapp, wenn auch etwas kühl: „Commander?“
„Ich habe soeben codierte Nachrichten vom Flottenkommando erhalten. Wir verzeichnen verstärkte Bewegungen beim imperialen Sprungpunkt. Mit Ihrer Erlaubnis…“
Tatsächlich wartete sie gar nicht ab, bis Nanda nickte. Möglicherweise wollte sie ihm seine Reserviertheit heimzahlen, aber es mochte auch der Dringlichkeit liegen.
Auf den Sensorschirmen tauchten neue Symbole auf, flackernd zunächst – Schiffe, deren Identifikation und Flugvektoren noch als fraglich eingeschätzt wurde. Aber mit jedem neuen Puzzleteil gewann das Gesamtbild an Schärfe – und gestaltete sich zunehmend bedrohlich.
Commander Lines erläuterte die Details: „Wir haben hier eine Korvettendivsion des Gegners, die anscheinend eine defensive Minensperre legen sollte – die Kaiserlichen machen das gelegentlich. Die Rückendeckung bestand aus einer Zerstörerdivsion. Das ist nichts Ungewöhnliches. Aber inzwischen…“
Auf den Anzeigen tauchte neue Symbole auf, erste einzeln, dann immer mehr – und einige von ihnen waren beunruhigend groß. Kreuzer – mindestens eine komplette Division und ein Flugdeck-Führungskreuzer, und damit mindestens die Hälfte der schweren Schiffe, die das Kaiserreich zum Schutz des Sprungpunktes bereitgestellt hatte. Dazu kamen je ein Zerstörer- und Fregatten-Geschwader, Jäger, Shuttles…
„Wie um Varunas Willen ist ihnen gelungen, diese Truppen zusammenzuziehen, ohne dass es aufgefallen ist?“
Der Commander ließ sich durch die implizierte Kritik nicht aus der Ruhe bringen: „Ich vermute, sie haben dank der Deckung des Asteroidengürtels und ihrer elektronischen Störmaßnahmen unsere Sensoren eine Zeitlang an der Nase herumführen können.“
Die Position der Kaiserlichen im System Gamma Eridon war kompliziert – sie hielten natürlich einen erheblichen Teil des besiedelten Planeten selber. Aber ansonsten hatten sie nur den dem Imperium zugewandte Sprungpunkt unter Kontrolle, gestützt auf die dort versammelten Kriegsschiffe und einige militarisierte Bergbaustützpunkte im relativ „nahe“ gelegenen äußeren Asteroidengürtel. Nachschub für die Truppen auf dem Planeten kam nur in stark gesicherten, sporadischen Konvoi durch, ansonsten waren sie auf das angewiesen, was sie aus den besetzten Gebieten herauspressen konnten.

Nanda unterdrückte ein Schnauben. Das mochte ja sein, aber es war beunruhigend, dass die Echsen ihre Schiffen relativ ungestört umdirigieren konnten: „Worauf zielen sie?“
„Wir besitzen im kernwärtigen Gürtel Überwachungsstationen, von denen aus wir auch Patrouillen fliegen – und wir haben natürlich Wachschiffe draußen.“
Die kaiserlichen und Peshten-Stützpunkte litten etwas daran, dass sie nicht einen soliden Planeten unter den Füßen hatten, sondern bestenfalls einen instabilen mondgroßen Kleinplaneten. Sie waren unbeweglich und damit ein leichtes Ziel – deshalb waren die Stützpunkte beider Seiten durch massive Schilde gesichert und verfügten über Dutzende von Impulslasern und leichten Raketenwerfern, die anfliegende Atomraketen abfangen sollten. Dennoch, wenn so eine Armada herandampfte und aus allen Rohren ballerte…

Doch die Peshten hatten noch mehr als die TSN auf die harte Tour gelernt, was Krieg bedeutete, und sie reagierten rasch. Ihre Flotte verfügte zwar nur über wenige Kreuzer, doch die Armada aus kleineren, modernisierten Schiffe konnte sich durchaus sehen lassen.

Captain Nanda hätte liebend gerne irgendetwas unternommen, um zu helfen – aber ihm waren natürlich die Hände gebunden. Die Jäger des Begleitschutzes wären niemals in der Lage, rechtzeitig einzugreifen – sie hatten auch gar nicht den Treibstoff dafür. Und auf die Entfernung konnte er nicht einmal Sensorunterstützung bieten. Also konnte er nur zusehen.
Die Stationen der Peshten schleusten in bewundernswerter Geschwindigkeit Jäger aus. Hier bewies sich einmal mehr, was für ein gelungenes Konzept diese Hornet war – auch wenn ein Teil der Jäger noch verschiedene konventionelle terranische Modelle waren, war leicht zu erkennen, wie die modernen, von Konkordat und Bundesrepublik gemeinsam entwickelten Abfangjäger spielend die Führung übernahmen. Sie bildeten einen Abfangschirm, hinter dem sich Fregatten und Zerstörer formierten, unterstützt durch einige umgerüstete Flak-Schiffe. Schon bald leuchteten auf den Bildschirmen die ersten Raketen-Signale auf – zuerst auf Seiten der Kaiserlichen, denn nur wenige Peshten-Schiffe verfügten über die den kaiserlichen Waffen ebenbürtigen Exocet-II-Marschflugkörper.

Commander Lines betrachtete die Anzeigen mit professioneller Gelassenheit, das musste man ihr lassen: „Das sieht nicht so aus, als ob die ,Hausbesetzer‘“, ein Peshten-Spitznahme für die Imperialen, „es wirklich ausfechten wollten.“
Nanda betrachtete die Bildschirme prüfen: „In der Tat. Ihre Kreuzer beschleunigen nicht annähernd mit voller Kraft…da, einige bremsen sogar schon wieder ab. Wenn sie es ernst meinen würden, müsste ihnen daran gelegen sein, ihre Bordgeschütze gegen die leichten Schiffe des Konkordats ins Spiel zu bringen. Gegen die Schiffe der Linie würden die einen Nahkampf nicht lange überleben. Und auch ihre Kampfflieger sind eher in einer Blockadeformation als einem Angriffskeil formiert…“
Er überlegte kurz: „Sieht aber nach recht vielen Kampffliegern aus…“
Nanda sprach es nicht aus, aber Commander Lines verstand ihn auch so. Seit Monaten orakelte die TSN wie ihre Verbündeten darüber, ob die Kaiserlichen einen Träger in das System abstellen wollten oder es vielleicht insgeheim vielleicht bereits getan hatten. Ein vollwertiger Flottenträger – der natürlich nicht allein eintreffen, sondern von mindestens drei bis fünf Divisionen leichterer Schiffe als Geleitschutz begleitet sein würde – wäre geeignet das Gleichgewicht vollständig zu kippen, das sich mit dem Eintreffen der COLUMBIA deutlich zugunsten der Alliierten verändert hatte. War die Anzahl von Kampffliegern ein Hinweis, dass die befürchtete Verstärkung bereits eingetroffen war?
Mühsam riss der Captain sich von dem Schauspiel los: „Kommunikation – ich brauche eine Breitbandverbindung zum Konvoi, einschließlich den Jägern…vielen Dank.“ Er räusperte sich: „Achtung, hier Köcher an ALLE. Wie Sie möglicherweise bereits bemerkt haben, führen die kaiserlichen Streitkräfte gerade einen Angriff auf die Streitkräfte des Konkordats. Wir alles wissen, dass wir uns auf die Verteidigung des Asteroidenbelts verlassen können. Lassen Sie sich nicht eine Sekunde von unserer eigentlichen Aufgabe ablenken. Die Truppen und Waffen, die wir eskortieren, sind von entscheidender Bedeutung für den Krieg am Boden und damit für das Schicksal des gesamten Systems. Wir helfen unseren Kameraden im Belt am besten, indem wir die sichere Ankunft unserer Fracht garantieren. Köcher Ende.“

Die taktische Situation entwickelte sich rasch – und es schien, als ob die Echsen angriffslustiger waren, als es zunächst den Anschein gehabt hatte. Die feindlichen Kampfflieger rückten in mehreren Angriffskeilen vor, wobei die imperialen Großkampfschiffe sie mit Schwärmen von Schiff-Schiff-Raketen unterstützten.
Die Peshten-Jäger formierten sich neu um den zu erwartenden Angriff abzufangen…
In diesem Moment explodierten die Bildschirme förmlich in einem irrwitzigen Feuerwerk. Dutzende imperiale Jäger stießen simultan Täuschkörper aus, feuerten mit leichten Langstreckenraketen und sogar Bordwaffen, obwohl sie noch bei weitem außerhalb sicherer Feuerreichweite waren.
Der Sinn des Manövers wurde bald sichtbar: „Schiff-Schiff-Raketen, 20…30…beinahe 50!“ sang einer der Unteroffiziere der Sensorabteilung aus.
Captain Nanda unterdrückte einen Fluch. Diese dreckigen Eidechsen hatten in ihren Jägerschwarm mindestens ein Dutzend ihrer Schnellboote eingeschleust, damit diese Schiff-Schiff-Raketen abfeuern konnten. Und er – mit dem besten Schiff im ganzen System zur Bekämpfung solcher Ziele – konnte nur zusehen.
Aber die Echsen hatten die Peshten wieder einmal unterschätzt. Trotzdem Kriegsschiffe und Schnellboote ganze Schwärme von Schiff-Schiff-Raketen abgefeuert hatten, der Umstand, dass es nicht zu wirklichen Nahkämpfen kam, gab den Konkordats-Jägern und schwereren Einheiten genug Spielraum, um die meisten Marschflugkörper rechtzeitig abzufangen.

„Das war dann ja wohl der letzte Pfeil in ihrem Köcher.“, kommentierte Jael trocken, als die Kaiserlichen sich langsam zurückzogen. Unaufgefordert lieferte sie gleich eine Analyse des Gefechtes: „Soweit ich dies beurteilen kann, haben die Echsen leichte Treffer auf drei und mittelschwere Treffer auf einem Kreuzer erhalten. Wobei sie die leichten Treffer wohl schnell wieder ausbessern können. Eine ihrer Korvetten ist zerstört. Das Konkordat hat eine Fregatte verloren. Ein Zerstörer wurde schwer beschädigt, dazu kommen leichtere Schäden auf einigen weiteren Schiffen. Hätten die Kaiserlichen ihre Kreuzer nicht so früh zurückgezogen, hätten sie den Zerstörer ohne Zweifel vernichten können. Jägerverluste auf beiden Seiten minimal. Die Treffer durch Langstreckenbeschuss auf den Gürtel-Basen scheinen ebenfalls unbedeutend.“
Captain Nanda schnaubte: „Die Frage ist, wollten sie nur austesten, wie gut die Konkordats-Verteidigung ist, einfach für ein wenig Unruhe sorgen, oder hat sie auf halber Strecke der Mut verlassen?“
Commander Lines schüttelte den Kopf: „Ein definitives Nein zum Dritten, und auch an dem Zweiten zweifle ich – das hätten sie auch nur mit den Jägern haben können. Ich denke, sie wollten austesten, wie schnell wir reagieren. Vielleicht kommt ja wirklich bald wieder ein Konvoi für ihre Bodentruppen. Dann kommt es für sie drauf an, wie gut sie unser Verhalten und Stärke einschätzen können…“

***

Was keiner der Menschen und Nichtmenschen auf alliierter Seite ahnte – irgendwo da draußen flogen gut zwei Dutzend Jagdbomber. Bis an die Zähne bewaffnet, aber ohne ihre Triebwerke zu benutzen, rasten sie in ballistischer Bahn dahin. Das ganze Manöver hatte dazu gedient, ihren Anmarsch im Schutz von elektronischen Gegenmaßnahmen und Asteroiden zu decken. Und als das große Feuerwerk begann, hatten sie noch einmal mit voller Kraft beschleunigt – und dann die Triebwerke und Aktivortungen ausgeschaltet. Vor ihnen stand ein ,kalter‘ – im wahrsten Sinne des Wortes – tagelanger Flug, und einer, der leicht zu ihrem letzten werden könnte. Selbst wenn sie den Konvoi ungesehen erreichten, für ihren Rückzug galt dies nicht mehr. Zwar würden sie es dann nicht mehr weit bis zum Planeten haben, aber das galt auch für die Kampfflieger der Peshten und Terraner.
Bis dahin konnten sie nur die Zähne zusammenbeißen, und warten…

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* Taku-Taku war der „Quoten-Nichtmensch“ an Bord der ENDEAVOUR, das Storyschiff in „Deep Stars“, einer beliebten Sci-fi Serie aus der Zeit des Kalten Krieges zwischen der FRT und dem Imperium. Er war damit etwa vergleichbar mit dem Spock oder Worf in der 2. Hälfte des terranischen 20. Jahrhunderts bei der einstmals bekannten Serie „Star Trek“ oder Lieutenant Elyana von der AURORA aus der neosowjetischen „Burning Borders“-Serie im letzten Drittel des 25. Jahrhundert. Inzwischen werden die Folgen von Deep Stars auch wegen ihres naiven Optimismus allerdings nur noch von Nostalgikern und alternden Fans geschätzt. Taku-Taku präsentierte sich als etwas wie eine Mischung aus Akarii und T’rr, und angesichts der latenten menschlichen Vorurteile brauchte er sechs Staffeln, um sich wirklich von der Rolle des Comic Relief zu emanzipieren.

** Indyan sind Bewohner, im engeren Sinne aber vor allem dort geborene Kinder eines unabhängigen Planeten. Davon gibt es einige an den Grenzen der menschlichen Reiche – Siedlungen, die weder der FRT noch der CC angehören, manche von ihnen sind bereits einige hundert Jahre besiedelt. Sie haben freilich einen alles anderen als guten Ruf, übrigens selbst unter vielen der eher unkonventionellen Konföderierten. Die Einwohner gelten als die Nachkommen von religiösen Fanatikern oder Sonderlingen, stehen im Ruf mit Piraten Geschäfte zu machen – von den üblichen dummen Witzen über ihre…Familiendynamik oder die…Art der Kontakte zu intelligenten und anderen Aliens mal ganz abgesehen.
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