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Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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Heute, 09:37 Forum: Kurzgeschichten


Hm, also abgesehen von kleineren Fehlern habe ich im ersten Teil (die auch in Tyrs Text stecken können) nicht wirklich was auszusetzen. Auch nicht an Liljas Auftritt.

"Sie werden ihn doch nicht nur einbestellt haben, nur um noch mal wegen dieser Geschichte mit dem abgebrochenen Luftangriff den Kopf zu waschen.“

Hier sollte man ev. ein "ihm" nach dem "nur" einfügen, und generell noch einmal über den ganzen Text wegen Rechtschreibung und Grammatik drüberschauen, aber im Großen und Ganzen scheint es mir gut passen und ist eine schöne Geschichte von euch beiden.

Mit dem zweiten Teil habe ich, wenig überraschend, hingegen doch deutliche Bedenken, und das nicht nur, weil meine Leute die Bösen sind.
Aber die schicke ich lieber per E-Mail... Augenzwinkern
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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Hits: 92.846
01.12.2021 20:16 Forum: Kurzgeschichten


Marodeur: Freut mich, dass du es interessant fandest.
Was das knapp angeht...
Aufgeschoben ist nicht in JEDEM Fall auch aufgehoben Teufel
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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30.11.2021 13:20 Forum: Söldner


Ich habe meinen nächsten Text reingestellt, womit die Kampfhandlungen fürs erste dem Ende zugehen...
Thema: Kritik: Danton Chevaliers Season V
Cattaneo

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Hits: 92.846
30.11.2021 13:19 Forum: Kurzgeschichten


So, hier kommt mein nächster Text. Falls es noch Fragen gibt, bitte Bescheid sagen, ich kann immer noch Ergänzungen vornehmen...
Thema: Chevaliers Season V
Cattaneo

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30.11.2021 13:18 Forum: Kurzgeschichten


Am Wendepunkt

17. Juni 3067, Sulafat, Odaga-Verwaltungszone, Provinz Aomori, im Tao-Delta

Eine Minute – mehr hatte es nicht gebraucht, um alle Planungen über den Haufen zu werfen. Lupus war ein erprobter Soldat, und es war nicht das erste Mal, dass er so etwas erlebt hatte. Doch ungeachtet aller Kampferfahrung riss einem so etwas immer die Beine unter dem Leib weg.
Für einen Moment hatten sie die Höllenhunde in der Falle gehabt. In einer taktisch ungünstigen Situation, an Feuerkraft unterlegen und offenkundig etwas konfus in ihren Gegenmaßnahmen, hatte es sehr schlecht für die Com-Star-Lakaien ausgesehen.
Doch dann war das passiert, was eigentlich nicht hätte passieren sollen, und auf eine Art und Weise, die nicht vorhersehbar gewesen war – die Odaga hatten sich eingemischt. Und nicht etwa indem sie konventionelle Truppen heranführten, obwohl auch das noch passieren konnte. Nein, sie hatten Marschflugkörper eingesetzt – Lupus kannte die Feuerkraft der schweren Arrow-Artillerieraketen, die mit kaum etwas anderem zu verwechseln war.
Und das Feuer lag unangenehm genau. Einer der ersten Marschflugkörper hatte einen leichten Mech von Lupus‘ Einheit getroffen. Die Detonation hatte die 20-Tonnen-Maschine getroffen wie ein Schlag mit dem Vorschlaghammer einen Menschen.
„Holt den stravag Heli herunter!“
Lupus bemühte sich, die Clan-Charade aufrecht zu halten – doch war unklar, wie effektiv das jetzt noch war.
Es war unwahrscheinlich, dass die kuritanische Artillerieeinheit nach den Zielangaben der Söldner feuerte. Die waren gar nicht in der Lage, verlässliche Peilungen abzugeben, zumal ihr Langstreckenfunk und Sensoren ohnehin weiterhin gestört wurden. Aber ihm war ein kuritanischer Hubschrauber gemeldet worden. Er hatte das nicht ernst genug genommen – immerhin handelte es sich nur um eine leichte Maschine, und alle Feindinformationen und Sensordaten hatten klar darauf hingedeutet, dass die Odaga nicht eben begierig waren, den Höllenhunden zu Hilfe zu eilen.
,Ich Narr! Ich hätte das nicht als gegeben voraussetzen sollen!‘
Jetzt war es zu spät – und er würde den Teufel tun und sich darauf verlassen, dass die Odaga nicht mehr tun würden als aus Entfernung feuern. Lupus überflog die Anzeigen: ja, genau das würde er tun.
Der Mechkrieger öffnete einen Funkkanal und begann Befehle zu erteilen.

***

Zur selben Zeit, nahe der Brücke

In dem Moment, in dem die Brücke in die Luft flog, beschleunigte Spike ihren Mech. Der Plan war bisher erstaunlich gut gelaufen. Die Elementare hatten sich – den Fluss als Deckung nutzend – an die Brücke herangepirscht und sie in die Luft gejagt. Die Höllenhunde mussten schandhaft bei der Wache geschlampt. Aber jetzt waren sie aufgeweckt, und wenn sie ihren Brüdern und Schwestern von der Schlammstapfer-und-Grashüpfer-Abteilung helfen wollte, musste sie tätig werden.
Das klang im Grund suizidal – immerhin wurde die Furt von einer kompletten schwere Artillerielanze gehalten, und weitere Feinde waren nicht zu weit weg. Aber Spike vertraute darauf, dass ihre Gegner langsam aber sicher mit dem von ihm verlangten Multitasking überlastet waren. Die explodierende Brücke, der Funkverkehr ihrer unter schwerem Beschuss stehenden Kameraden auf der anderen Flussseite – das musste langsam aber sicher zu Unachtsamkeit in anderen Dingen führen. Und ihr Mech konnte sich dank seiner Geschwindigkeit extrem schnell nähern – und dank der ECM- und ECCM-Ausstattung war er dabei nur schwer zu erfassen.

Der Mech raste förmlich dahin. Bei gut 200 Kilometern die Stunde brauchte sie keine zehn Sekunden für rund 500 Meter. Viel zu schnell für die feindlichen Artilleristen. Vor allem für einen Gegner, bei dem drei von vier Panzern praktisch wehrlos waren, so wie man sich ihnen erst einmal genähert hatte. Sie musste sich nur vor dem Ontos in Acht nehmen, der die Einheit anführte.
Noch im Rennen feuerte sie einmal mehr ihren Infernowerfer ab. Auf Maximalentfernung und bei ihrer Geschwindigkeit war die Trefferwahrscheinlichkeit minimal, aber darum ging es gar nicht. Wichtig war das Chaos, das die aufpilzenden Brandgelwolken für die Sensoren und auch in den Gehirnen der gegnerischen Panzerfahrer anrichteten. Der LSR-Partisan reagierte als erster, schwenkte den massiven Turm, während die schwerfälligen LSR-Lafetten erst ihre Motoren anwarfen um die Stellung zu wechseln – konnten sie doch ausschließlich nach vorne feuern.
Spike wusste nicht, ob sie fluchte oder betete, als sie den Turm des Flakpanzers in einer wahren Feuerwolke verschwinden sah, ausgelöst durch die zündenden Langstreckenraketen der drei massiven Werfer. Sie peitschte ihre Maschine einmal mehr vorn, vornübergebeugt, als könne sie sich klein genug machen, um dem Beschuss zu entgehen.

Es war eine geradezu surreale Erfahrung. Die feurigen Bahnen der Raketen rahmten ihrem Mech förmlich ein – ein, zwei Schläge erschütterten die Maschine, doch mehr passierte nicht. Dafür schien hinter ihrem Mech das halbe Flussufer zu explodieren, als die Flakraketen blindlings aufschlugen und detonierten.
Die Pilotin brüllte vor Begeisterung, eine Mischung aus Lachen und halbem Schluchzen, und hämmerte auf die Feuerknöpfe. Wie ein wildgewordener Dämon raste ihre leichte Maschine zwischen den Kampfkolossen einher, teilte nach allen Seiten aus. Mit zwei mittleren Langstrecken und einem leichten Impulslaser und der Zwillings-KSR war ihre Bewaffnung geradezu lachhaft m Vergleich zu der ihrer Gegner, selbst wenn man bedachte, dass sie über Clan-Waffen verfügte. Doch waren gerade die Raketen-Selbstfahrlafetten nicht für den Nahkampf gebaut. Die Strahlenbahnen verwüsteten Panzerplatten und stießen schnell ins Innere vor – dort, wo interne Komponenten, Motoren, Treibstoff, vor allem aber hunderte hochexplosive Raketen lagerten. In dem Durcheinander waren die Panzer sich selbst im Weg, boten sie Spike eine gewisse Deckung.
Natürlich konnte das nicht lange andauern. Spike brauchte IMMER Glück, die Panzer nur ein einziges Mal. Und so begnügte sich die Mechpiloten damit, für ein paar Sekunden Verwüstung zu stiften. Sie registrierte, dass einer der Raketenwerfer offenbar schwer, vielleicht tödlich getroffen war – und getreu ihrem Motto trat sie noch einmal nach, feuerte eine volle Salve auf ihn ab. Das Ergebnis wartete sie nicht erst ab.
Dann ergriff Spike bereits wieder die Flucht. Sie betätigte ihren Raketenwerfer, setzte die Uferböschung vor sich in Brand. Blindlings raste sie durch die Flammen, welche die Innentemperatur ihrer Maschine rapide in die Höhe trieben – sie aber gleichzeitig vor den Verfolgern verbargen.

Es reichte nicht ganz. Die Serie von Treffern war mörderisch, zumal sie zum Teil ihre Taschentuchdünne Rückenpanzer trafen, und sofort die innere Struktur beschädigten. Mindestens drei oder vier mittelschwere Laser hatten sie getroffen – ein Abschiedsgruß des Ontos. Einer ihrer Laser war ausgefallen, der eine Arm ihres Mechs blockierte. Weitere Alarmlampen leuchteten auf, signalisierten, dass sie keinen weiteren Treffer dieser Art verkraften konnte.
Aber das musste sie auch nicht, denn schon entfernte sie sich weiter und weiter, hinter sich Feuer und Verwüstung zurücklassen. Ihr Mech mochte schwer beschädigt sein, aber an diesem Tag hatte sie es diesem aufgeblassen Affen Lupus gezeigt, dass sie ihr Geld wert war!

***

Im Dschungel

Es war noch stets ein atemberaubender Anblick, wenn ein Kampfkoloss, dutzende Tonnen schwer, die Naturgesetze Lügen strafte und sich auf Sprungdüsen in die Luft erhob. Lupus hatte den Sprung genau berechnet. Ein einziger Satz katapultierte ihn mehr als 100 Meter vorwärts, und ließ ihn mit knochenbrechender Wucht auf einem unbewaldeten Uferstreifen aufsetzen. Er hatte vorsorglich die Zähne zusammengebissen und federte die Erschütterung so gut ab, wie es ging. Mehr als ein unerfahrener Pilot hatte sich einen Zahn ausgebrochen oder war nach einem Sprung für entscheidende Sekundenbruchteile benommen gewesen. Doch nicht so in diesem Fall. Mit sicherer Hand führte der Veteran seinen Mech.
Mit einer fließenden Bewegung hob er die Arme seiner Maschine, mit einer Eleganz, die wenige Beobachter einem schweren Kampfkoloss zugetraut hätten, und feuerte. Der Doppelstrahl geladener Teilchen aus den beiden Langstrecken-PPK raste über den Himmel – genau dorthin, wo sich der kuritanische Helikopter befand.
Der Pilot hatte offenkundig nicht mit einem Angriff aus dieser extremen Entfernung gerechnet. Lupus‘ Sprung hatte ihn gerade so weit getragen, dass die Maschine sich am Rand der maximalen Reichweite seiner Waffen befand.
Der schlanke Helikopter legte sich auf die Seite, versuchte ein Ausweichmanöver. Er wich einer der Strahlenbahnen aus – die zweite aber traf ihn in der Flanke. Selbst auf diese Entfernung, und schon recht weit aufgefasert, hatte die Waffe dennoch genug Feuerkraft, um den Hubschrauber schwer zu beschädigen, so dass er qualmend abdrehte – auf der Flucht, auf der Suche nach einem Platz zum Notlanden. Es war zweifelhaft, dass er sei Ziel bei dem herrschenden Wetter erreichen würde.

,Die angemessene Strafe für unseren Peeping Tom.‘ in Lupus‘ innerem Monolog schwang bittere Belustigung mit. Für das was er plante, konnte er keine ungebetenen Beobachter gebrauchen.
Die Höllenhunde – nun, das was von ihnen übrig war – hatte sich am Flussufer eingeigelt. Nicht die schlechteste Wahl – da die Brücke in die Luft geflogen war, saßen die Kettenfahrzeuge erst einmal fest. Unter feindlichem Beschuss ein Wasserhindernis von dieser Tiefe und ohne gesicherte Furt zu durchfahren, war ein Rezept für Verluste, und mit der Feuerunterstützung durch ihre Artillerielanze hatten die Panzer zumindest eine Chance, Gegenwehr zu leisten.
Freilich war offenbar gerade auch auf der anderen Flussseite die Hölle los, und das eröffnete Lupus‘ Truppe eine Chance, die Sache doch noch zu einem Ende zu bringen. Im Unterschied zu den Höllenhunden, deren kampfstarke Kettenpanzer an die Straße gebunden waren, konnten seine Mechs fast beliebig durch den Dschungel vorstoßen, und seine Schweber waren auf dem Fluss ebenso beweglich wie auf einer Straße – mehr noch, sie hatten wesentlich mehr Platz zum Manövrieren, so dass sie ihre überlegene Geschwindigkeit voll ausspielen konnten. Der Gegner hingegen verwandelte sich, so eng zusammengepfercht, wie er im Moment war, in eine Galerie von Zielscheiben, verwundbar für ein Langstreckenbombardement mit Schwärmer-Raketen. Natürlich konnten diese Zielscheiben zurückschießen, aber es kam nur darauf an, schnell und hart genug zuzuschlagen – und nicht etwa so töricht zu sein und den Gegner entlang der Dschungelpiste anzugreifen, die er gerade entlanggeflüchtet war. Ein heftiger Angriff durch die Mechs, unterstützt durch das Langstreckenfeuer der Schweber. Und dann noch flächendeckender Beschuss der feindlichen Stellung mit Infernoraketen und Napalmgranaten… Ein Sieg in diesem Gefecht war immer noch möglich, wenn sie schnell genug handelten.

Lupus öffnete eine Funkverbindung zu Spike: „Gekämpft wie eine wahre Bekker*. Kämpfe weiter so, und du bekommst deine Zeile in der Erinnerung.“
Er hörte sich den Schadensbericht der Pilotin an: „Halte Abstand. Kein Grund, den Surats einen leichten Sieg zu gönnen. Du bist weiterhin meine Augen und Ohren – und wirst der Schneesturm für die ihren sein. Seyla.“
Auf Befehl ihres Kommandeurs hin schwärmten die Mechs aus, beschleunigten die Schwebepanzer und bereiteten sich darauf vor, den Höllenhunden in die Flanke zu fallen. Die Langstreckenwerfer feuerten unablässig, ließen heulend Tod und Verderben auf den Feind herabregnen. Es zahlte sich aus, dass die Angreifer noch immer ihre Beobachter auf der Hugelkette hatten und damit ziemlich genau wussten, wo der Feind stand – der seinerseits nur ungezielt zurückschießen konnte.

***

An der Hügelflanke

Dadifs Handflächen brannten, trotz der schützenden Handschuhe. In den letzten Minuten hatte er eine Granate nach der anderen herangereicht, eine ebenso anstrengende wie im Grund stupide Arbeit.
„Feuer einstellen.“ Skadis Stimme war vollkommen ruhig, ungeachtet des Kampflärms.
„Einpacken, wir nehmen einen Stellungswechsel vor. Nahe genug, dass wir das Flussufer bestreichen können. Schutzanzüge anlegen. Bereitmachen für Einsatz von Grün- und Gelbgranaten.“
Der junge Soldat zuckte zusammen. Er wusste nur zu gut, wofür die Deckbezeichnung stand. Natürlich verfügte die Einheit über Standard-Gasgranaten, die eher dafür gedacht waren den Gegner auszuschalten. Grün- und Gelbmunition hingegen…nun, die war eine andere Sache. Die Codebezeichnungen standen für die verfüllten Kampfstoffe – Grün beispielsweise für Chlorgas, was schon schlimm genug war. Gelbgranaten enthielten jedoch eine wahrhaft tückische Sulfidverbindung, die sich als Aerosol über das Gefechtsfeld verteilen konnte. Eine einzige leichte Mörsergranate konnte ein Areal von gut zwei Dutzend Meter Durchmesser verseuchen. Der Kampfstoff griff nicht nur die Lungen an, sondern verursachte auch schreckliche Verätzungen auf der Haut, schwer heilende Wunden. Es reichte also nicht, eine Gasmaske zu tragen. Getroffene Fahrzeuge, ja selbst das Gelände blieb noch lange nach dem Einsatz vergiftet. Dadif hatte in seiner Zeit bei der Einheit eine Grundausbildung für den Umgang mit dieser Art Munition durchlaufen. Doch ihn schockierte noch immer, mit wie wenig Hemmung seine Kameraden eine so scheußliche Waffe einfach wie ein nützliches Werkzeug betrachteten.
Natürlich, wenn man es genau nahm – würde ihm eine normale oder Infernogranate unter den Händen explodieren, wären die Folgen für ihn ebenso verheerend wie für den Gegner im Falle eines Volltreffers. Brandgel oder eine Handvoll Splitter verursachten natürlich einen nicht weniger qualvollen Tod. Aber dennoch...
„He, du Nase! Schwing deine Hufe!“
Der harsche Weckruf der Truppführerin riss ihn aus den Gedanken. Er fasste hastig mit an, den Granatwerfer abzubauen und für den Stellungswechsel vorzubereiten. Auch die anderen Mörsertrupps bauten ab, doch sie würden in wenigen Minuten ihre neue Feuerstellung erreichen.
Insgeheim betete Dadif ein Stück weit, etwas, IRGENDETWAS möge ihren und seinen Einsatz verhindern…

***

Tai-i Anatoli Tanigaki war harte Gefechte und schwierige Entscheidungen gewöhnt. Er hatte gegen die Clans gekämpft und für seinen Vater einen Aufstand auf Sulafat niedergeworfen, mehr als einmal vor Krisen gestanden. Einmal ganz abgesehen davon, dass die kuritanische Militärausbildung wie auch das Navigieren in der höfischen Gesellschaft nichts für nervenschwache Personen waren. Dennoch hatte er sich schon lange nicht mehr so unsicher gefühlt wie in diesem Moment. Er hatte sich entschieden – teils durch Worte, teils durch eigene Zweifel – den Höllenhunden zu helfen. Die beiden ,strategischen‘ Unterseeboote, die er als Vorsichtsmaßnahme gegen einen Verrat der Söldner hatte auslaufen lassen, waren nun zu deren Rettung eingesetzt worden. Er hatte gezögert, diese Trumpfkarte so prominent auszuspielen, doch es war die einzige Option gewesen, schnell und wirksam einzugreifen.
Dass er dafür den Zorn seines Vaters riskierte war schlimm genug, doch wurde er zugleich das Gefühl nicht los, dass er zugleich in das geöffnete Maul einer Falle marschierte, egal wie auch immer er sich verhielt.
Doch das war etwas, womit er sich zu gegebener Zeit befassen musste. Im Moment hatte er ein Gefecht zu koordinieren – und das war nicht eben leichter geworden, seit dieser Idiot von Helikopterpilot sich zu weit vorgewagt hatte. Damit hatte der Tai-i erst einmal seine ,Augen‘ verloren. Er wusste nicht genau, wo sich die Angreifer befanden, und ehe seine Bodentruppen das Areal erreichten, würde noch eine Weile vergehen.
Selbstverständlich hätte man einen weiteren Heli schicken können, aber die übrigen Maschinen hatten auch noch andere Aufgaben zu erledigen, ihr Treibstoffvorrat neigte sich dem Ende zu. Außerdem waren die Claner inzwischen natürlich vorgewarnt, und das Wohl der Höllenhunde lag ihm gewiss nicht so sehr am Herzen, dass er das Leben seiner eigenen Leute darüber geringschätzte.
,Der Schwachkopf hätte, wenn er sich schon unbedingt einmischen muss, anstatt Arispotter zu spielen, entweder ausreichend auf Abstand bleiben oder im Tiefflug seine Abwurfsensoren einsetzen sollen.‘
Damit blieb ihm eigentlich nur eine Option – eine eher mittelmäßige Alternative, aber die beste die er hatte. Er öffnete einen Funkkanal…

***

In Scharnhorsts Panzer – wie auch um ihn herum – regierte weiterhin das Chaos. Die Meldungen der anderen Maschinen prasselten auf ihn ein, und vor allem jenseits des Flusses schien ein einziges Durcheinander zu herrschen. Der Umstand, dass nur eine einzige leichte Maschine so viel Schaden anrichten konnte, war eine deutliche Warnung. Schließlich konnte der Gegner auch mehr schnelle Mechs über den Fluss senden. Der Söldnerführer konnte natürlich die Schweber zu Hilfe schicken – mit ihrer zumeist dünneren Panzerung waren sie auf seiner Flussseite ohnehin besonders gefährdet. Dann fehlte ihm allerdings die Unterstützung und Feuerkraft, und es sah nicht so aus, als ob der Gegner in seinem Angriff nachlassen wollte.
Noch immer standen seine Fahrzeuge unter Druck. Der Gegner griff nicht blindwütig an, im Moment beschränkte er sich darauf, den Brückenkopf systematisch zu bombardieren. Salve auf Salve von Langstreckenraketen, zumeist Schwärmer, hagelte herab. Dazu torkelten ein um das andere Mal Infernogranaten herab, ohne Zweifel von Mörsern abgefeuert. Bald, da war er sich sicher, würde ein erneuter massierter Angriff erfolgen. Und auch wenn viele seiner Fahrzeuge schwer gepanzert und bewaffnet waren – sie befanden sich in einer taktisch mehr als kritischen Position, und der Gegner war ihnen an Zahl, Beweglichkeit und Feuerkraft überlegen.
Nicht zu vergessen – wie er sich eingestehen musste – waren die gegnerischen Soldaten offenbar bestens ausgebildet und wurden effektiv geführt. Dass es nicht deutlich schlimmer stand lag wohl nur daran, dass ihre Feinde systematisch vorgingen, um die eigenen Verluste zu minimieren. Aber das konnte sich am Ende ebenso tödlich erweisen wie ein rücksichtsloser Sturmangriff, der seine Einheit überrannte.

In diese wenig erfreulichen Gedanken schnitt ein Meldeton des Funkgerätes. Kommunikation war während des gesamten Gefechtes ein kritischer Punkt gewesen. Der Gegner verfügte zweifellos über mehrere Mechs oder Fahrzeuge mit moderner ECM- und ECCM-Ausstattung, die es problemlos mit derjenigen der Höllenhunde aufnahm, ja sie übertraf. Folglich waren bereits die einheitsinterne Kommunikation wie auch die Langstreckensensoren alles andere als verlässlich. Umso mehr überraschte es ihn, dass sich mitten im dem Durcheinander ein kuritanischer Kanal meldete: „Lagebericht. Melden Sie eigene und Gegnerpositionen.“
Es war nicht etwa das HQ von Tai-i Tanigaki in Taonami, vielmehr eine gänzlich andere Frequenz. Die unbekannte Stimme klang barsch und hielt sich offenbar nicht mit Smalltalk auf.
Für einen Moment zögerte der Söldnerkommandeur. Er war sich nicht sicher, ob die Kuritaner ihn nicht zu Beginn des Gefechtes absichtlich hängen gelassen hatten. Doch andererseits hatten sie es sich offenbar wieder anders überlegt. Und Bettler wie auch jene, denen das Wasser bis zum Hals stand, konnten schwerlich wählerisch sein.
Dennoch…: „Wer spricht da?“
Die Antwort war noch ein Stück barscher: „Marinefunkstation Funayurei**. Und Sie geben mir jetzt entweder schleunigst eine vernünftige Antwort, Nanbanjin***. Oder Sie können sehen, wie sie allein klarkommen.“
Das machte sogar ein Stückweit Sinn. Eine Marinefunkstation auf einer Welt wie Sulafat musste nicht nur in der Lage sein, über große Entfernungen zu senden, sondern auch mit schweren atmosphärischen Störungen klarkommen.
Und letztlich blieb ihm ohnehin keine Wahl. In der Hoffnung, dass er keinen Fehler beging, öffnete er einen Kanal zu seinen Untergebenen.

***

Das Gros der Mechs von Lupus‘ Truppe rückten geduckt vor – und inzwischen hatten sie das Feuer eingestellt. Die Rad- und Kettenfahrzeuge hingegen wie auch die Infanterie und ausgewählte Mechs ballerten was das Zeug hielt. Der Kommandeur gab sich nicht der Illusion hin, seine Feinde erneut überraschen zu können. Aber es musste ihnen ja auch nicht mit Fanfaren ankündigen auf welcher Gefechtsachse er angreifen wollte. Er wusste, im selben Moment rückten die Schweber seiner Einheit vor, um vom Fluss aus dem Feind in die Zange zu nehmen. Sie hatten Deckung durch ein ECM-Gefechtsfahrzeug, der Feind sollte sie also erst recht spät erfassen können. Ihr Hauptziel würde die feindliche Artillerie sein.
Die Mechs würden sich der geballten Feuerkraft der feindlichen Panzer ausgesetzt sehen, doch mit ihrer kombinierten Feuerkraft sollte es möglich sein…

Die Explosion war förmlich ohrenbetäubend, ein Doppelschlag, der eine gigantische Wolke aus Feuer, Dreck und Wasserstaub emporschleuderte. Selbst aus einiger Entfernung und im Inneren seines schweren Mechs konnte Lupus ein Zusammenzucken nicht unterdrücken. Er wusste natürlich, worum es sich dabei handelte – die kuritanische schwere Artillerie hatte sich erneut eingemischt: „Lagebericht!“
Die Meldung von den Schwebern war sachlich, aber die Stimme klang ernst: „Feind hat seine Schweber als Später vorgeschoben. ECM-Schweber getroffen und am Sinken.“

Keine zehn Sekunden später erfolgte der nächste Doppelschlag – diesmal lagen die Einschläge dicht vor den vorrückenden Mechs unter Lupus‘ Kommando. Der Feind feuerte nicht perfekt, aber genau genug, dass die Explosion Panzerplatten verwüstete, Mechs wankten, durch den Luftdruck wie durch entwurzelte Dschungelriesen aus dem Gleichgewicht gebracht.
Der Kommandeur fluchte. Ohne diese verdammte…
Noch während er fieberhaft überlegte, ob es aussichtsreich war, zu stürmen – dann würde die feindliche Artillerie natürlich schweigen müssen, waren die Höllenhunde doch weit verwundbarer als die angreifenden Mechs – erwachte sein Funkgerät. Es war ein Kanal, von dem er gehofft hatte, er würde stumm bleiben. Die ganze Nachricht bestand aus einer Zahlenfolge, die automatisch umgewandelt wurde. ,Bodentruppen im Anmarsch – Söldner und Odaga.‘

Das brachte die Entscheidung. Lupus mochte vielleicht nicht wissen, wann ein Krieg verloren war – doch er hatte ein gutes Gefühl, wann er ein Gefecht abbrechen musste. Er war nicht hier, um seine Leute bei dem Versuch zu verschleißen, die Höllenhunde zu vernichten. Ihr Tod war ein netter Bonus, aber nicht das eigentliche Ziel.
„Absetzen. Notfallprotokoll Solhama.“
Jetzt galt es, die Verluste zu begrenzen und Spuren zu beseitigen. Die Höllenhunde mochten aus der Falle entkommen sein. Grund zum Feiern aber würden sie keinen haben – dafür würde er sorgen.

***

„Beeilung!“ Skadis Stimme kannte kein Erbarmen. Ihr Mörsertrupp – in den Schutzanzügen, die in Flecktarn gehalten waren, wirkten sie wie merkwürdige Dschungelwesen – baute hastig die Waffe auf. Ihr Mörser war der einzige, der für diese Art des Angriffs ausersehen war – schließlich war es unpraktisch, alle Artilleristen in Schutzanzüge zu stecken. Und trotz der hinderlichen Kluft, die Arbeit ging den Männern und Frauen schnell von der Hand. Schon war Granatwerfer aufgebaut, zwei Soldaten schleppten eine neue Kiste Munition heran. Selbst im Dunkeln war das große giftiggelbe Kreuz zu erkennen, das man darauf gepinselt hatte.
Die Kommandeurin kontrollierte die Einstellung. Ihre Stimme klang schrecklich nüchtern, als sie an den Kommandeur ihrer Truppe meldete: „Feuerstellung bereit. Vier Gelbgranaten mit Abstandzündung einsatzbereit. Freigabe für Einsatz erbeten.“
Vier Granaten nur – aber damit konnte sie mindestens einen Hektar Wald in eine Hölle der Schmerzen, wenn nicht gar des Todes verwandeln für all jene, die nicht in einem hermetisch gesicherten Fahrzeug und Gefechtsanzug steckten.

Dadif wusste es besser als zu protestieren. Das hatte zu den ersten Dingen gehört, die er bei der Einheit gelernt hatte – im Gefecht wurde nicht diskutiert. Man hatte ihm eine Zuflucht, ja Heimat geboten, doch dafür wurde Loyalität verlangt.
Es war nicht so, dass ihm die Höllenhunde irgendetwas bedeuteten. Aber dennoch…
Und in dem Moment, als sich Skadi abwandte – offenbar holte sie letzte Zielkoordinaten ein – handelte er, ohne wirklich zu überlegen.
Behutsam, darauf bedacht nicht zu viel Hast an den Tag zu legen und damit Aufmerksamkeit zu wecken, beugte er sich vor und veränderte die Zieleinstellung des Werfers ein wenig. Nur eine kleine Drehung an der Stellschraube, aber sie sollte dafür sorgen, dass die Granaten ihr Ziel verfehlten.

Als die Kommandeurin an den Mörser trat, schien sie kurz zu zögern. Und dann beugte sie sich vor, und korrigierte die Zieleinstellung. Hatte sie Dadifs Sabotage bemerkt? Oder wollte sie einfach sicher gehen, dass die Granaten nicht die eigenen Truppen gefährdeten und kontrollierte noch einmal nach?
So oder so, die Tat des jungen Soldaten war offenkundig wirkungslos geblieben. Und sollte die Truppführerin erkennen, dass er versucht hatte, die Waffe zu manipulieren…
„Granate.“
Skadi klang in etwa so gelassen, als ob sie ein Bier an der Bar orderte – vermutlich hätte sie dies sogar mit größerer Emphase bestellt.
Das erste todbringende Geschoss wanderte von Hand zu Hand, verharrte über der Mündung des Mörsers…

***

„Ich wiederhole, KEIN Einsatz von Gelbmunition. Setzen Sie sich ab. Infanterie geht zuerst zurück.“
Lupus‘ Stimme blieb gelassen wie immer. Natürlich war es kein schlechtes Gewissen, das ihn hinderte. Für einige Gegner hatte er sich dergleichen schon seit langem abgewöhnt. Dazu gehörten Claner, aber auch jene, die sich als ihre Lakaien erniedrigten.
Aber das spielte im Moment keine Rolle. So sehr er die Söldner verachtete, so wenig Hass empfand er gegen die Kuritaner, auch wenn er im Moment gegen sie kämpfte. Und da sich deren Truppen den Stellungen der Söldner rasch näherten, würde ein Einsatz chemischer Kampfstoffe auch die Draconier bedrohen. Und das wollte er vermeiden – zumal er diesbezüglich klare Anweisungen hatte, seit seine Einheit mit den Angriffen auf kuritanischem Gebiet begonnen hatte. Die blutigen Verluste – auch und gerade jene der Odaga – waren auf das notwendige Minimum zu begrenzen.
,Ihr wisst gar nicht, wie viel Glück ihr habt, ihr Drecksäcke!‘ – das galt den Höllenhunden. Nun, aufgeschoben war nicht aufgehoben. Vielleicht fand sich später eine bessere Gelegenheit. Wenn nicht hier und gegen diese Gegner, dann eben für andere.
Im Moment gab es wichtigere Dinge zu erledigen.

***

Tai-i Anatoli Tanigaki betrachtete prüfend die Verwüstungen, kalkulierend, abwägend, doch nicht erschüttert. Er mochte den Höllenhunden geholfen haben, aber er traute ihnen auch weiterhin nicht wirklich, zumindest nicht ihren Hintermännern und Geldgebern. Es mochte am Ende sogar von Vorteil sein, wie das Gefecht verlaufen war. Die Höllenhunde waren ordentlich gerupft worden. Der Gegner hatte sich mit moderaten Verlusten zurückgezogen, doch dabei reichlich Gebrauch von seinen Waffen gemacht – der Wald brannte an Dutzenden Stellen, besonders entlang der Straße. Damit war eine Verfolgung erst einmal unmöglich. Zwar war die zurückgebliebene schwere Panzerlanze der Söldner eingetroffen, und er selber hatte nicht nur seine persönliche Lanze Sturmklasse-Mechs herangeführt, sondern über den Fluss auch einige leichte Kampfschiffe und Schweberfahrzeuge nachrücken lassen. Doch angesichts der Stärke des Feindes – sicher mehr als ein Binärstern Mechs, dazu Panzerfahrzeuge und Unterstützungseinheiten – sowie der jüngsten Erfahrungen der Höllenhunde hatte er es nicht eilig, den Raidern überstürzt zu folgen. Ehe er daran ging, wollte er sichergestellt haben, dass die Höllenhunde weiterhin die Hauptlast der Kämpfe und unvermeidlichen Verluste trugen.

,Die Söldner brauchen mindestens 48 Stunden, bevor ihre beschädigten Maschinen wieder einsatzbereit sind. Bis dahin sollten wir versuchen, mehr über unseren Gegner herauszufinden. Vielleicht können wir auch Hilfe von den Shimatze erhalten.‘
Zwar bestand die Gefahr, dass die Claner einen Fluchtversuch von Sulafat unternahmen. Bei ihrer Stärke mussten sie mit zwei Landungsschiffen gekommen sein. Aber selbst wenn die Odaga und Shimatze nicht über Luft-/Raumjäger verfügten, und jene der Höllenhunde auf Dauer oder zumindest fürs erste kaum einsatzbereit waren – wenn die einzelnen Parteien zusammenarbeiteten, besaßen sie mehrere Landungsschiffe, die nötigenfalls die Flüchtigen verfolgen konnten. Ob nun am Boden oder im Raum, die Claner saßen in der Falle.
Vielleicht spross ja doch noch etwas Gutes aus der Situation – und es gelang, die Schuldigen für die Angriffe auf kuritanischem Boden zu identifizieren. Der Tai-i zweifelte nicht daran, dass das Komplott auf Alshain ausgebrütet worden war.
Aber sei dem so oder auch nicht, dies konnte zum Wendepunkt für die monatelangen Piratenangriffe werden.

*****

* Bekker ist ein verbreiteter Blutname unter den Geisterbären, dessen Träger seit den Anfängen der Geschichte des Clans belegt sind.

** Funayurei sind rachegierige Seegeister der japanischen Folklore.

*** Eine veraltete japanische Bezeichnung für Fremde, die so viel wie „südliche Barbaren“ bedeutet.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

Antworten: 1.870
Hits: 213.304
28.11.2021 08:33 Forum: Kurzgeschichten


Nun, das freut mich natürlich zu hören.
Aber GANZ so schnell braucht es nicht zu kommen. Das ermöglicht es, das Posten etwas zu strecken. Wenn du deinen Text im Verlauf oder am Ende der Woche reinstellst, wäre es vollkommen ausreichend.
Der Grund dafür ist simpel - über die Feiertage werden wir nicht so sehr zum Schreiben kommen, und wir möchten eine längere Flaute vermeiden...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

Antworten: 1.870
Hits: 213.304
27.11.2021 21:10 Forum: Kurzgeschichten


Ich stell mal den nächsten Text rein, auch damit wir nicht vergessen, wo die Haupthandlung spielt... großes Grinsen

Ace, was denkst du, wann schreibst du was zur Ankunft von Cliff auf der COLUMBIA? Nur damit wir abschätzen können, ob Tyr vorher einen seiner Texte posten soll (wenn du sagst, du brauchst noch zwei Wochen, was kein Problem wäre).
Thema: Hinter den feindlichen Linien - Season 7 - Zwischen Himmel und Hölle
Cattaneo

Antworten: 191
Hits: 81.984
27.11.2021 21:08 Forum: Kurzgeschichten


Zielwechsel I

Hangar der TRS COLUMBIA, Gamma-Eridon

Als Commander Staffords schwerer Nighthawk-Jäger schließlich auf dem Landedeck der COLUMBIA aufsetzte und als gesichert durchgewunken wurde, atmete der Geschwaderchef der Angry Angels auf. Nicht, dass er sich wegen des Manövers wirklich Sorgen gemacht hätte. Allerdings hatte seine Maschine während des Einsatzes über Arta’Rijen gleich zwei leichte SAM-Treffer kassierte. Es hätte ihm gerade noch gefehlt, wenn sich eine Funktionsstörung im falschen Moment bemerkbar gemacht hätte.
Wie wohl jeder Pilot der Angels hatte er in den letzten Tagen eine Menge Flugstunden angesammelt, und das machte sich bemerkbar. Stafford wusste, dass sein Terminkalender voll war, denn als Geschwaderkommandeur hatte er neben dem Staffelbetrieb – bei dem ihm seine XO weitgehend entlastete – eine Menge Verpflichtungen, die sich eben NICHT delegieren ließen. Aber er hoffte, dass ihm zumindest eine kleine Ruhepause blieb, obwohl natürlich der letzte Einsatz des Geschwaders ausgewertet und der nächste vorbereitet werden musste. Der Geleitschutzeinsatz für die COLUMBIA schien glücklicherweise weitgehend als Selbstläufer zu funktionieren, ohne dass er sich einmischen musste. Man konnte vieles über Lilja sagen, und einiges davon war Schlechtes, aber ihr Handwerk verstand sie. Allerdings hatte der Kommandeur der Angels so das Gefühl, dass er seine persönliche Sicherheit der narbengesichtigen Russin zumindest im Moment besser nicht anvertrauen sollte.
Was er freilich nicht erwartet hätte, war der Anblick ebendieser Russin in Dienstuniform, die direkt neben seinem Jäger wie aus dem Nichts auftauchte, als habe sie nur auf diesen Moment gelauert. Was sie vermutlich tatsächlich hatte.

Liljas Gesicht wirkte oft düster, und in den letzten Tagen war sie dem Geschwaderkommandeur sogar noch reservierter gegenübertreten als zuvor. Sie war freilich nicht die einzige gewesen. Stafford hatte sich ausrechnen können, dass nicht jeder im Geschwader mit ihm gut klarkommen würde, aber selbst nach dem etwas holperigen Start hatte ihn die Reaktion auf seine Entscheidung überrascht, den Luftangriff auf den feindlichen Armeeoberbefehlshaber abzubrechen. Zahlreiche Geschwaderangehörige aller Dienstgrade – und sogar einige Angehörige der Schiffscrew – waren spürbar auf Distanz zu ihm gegangen. Die militärische Grußpflicht wurde gerade so im Rahmen des Akzeptablen befolgt, die Mienen etlicher Piloten blieben jedoch ebenso eisig wie die Stimmen und seine sozialen Kontakte zu den Untergebenen hatten sich von deren Seite drastisch reduziert. Zudem merkte er natürlich, dass man hinter seinem Rücken über ihn tuschelte. Bisher hatte noch niemand im direkten Kontakt eine Grenze überschritten – aber das mochte noch kommen.
Diese Krise kam genau zur falschen Zeit. Ein Geschwader, in deren Führung es kriselte, drohte an Effizienz zu verlieren – und zugleich hatte er sich in den Augen vieler Angels noch nicht „bewähren“ können. Idealerweise hätten die Piloten ihn von Anfang an fraglos akzeptieren sollen, aber er war nun einmal ein Seiteneinsteiger, kein langgedienter Pilot des Geschwaders. Schon das schuf Vorbehalte, wenn nicht gar insgeheim Frustration bei einigen Staffelchefs, die sich den Posten des Geschwaderchefs selbst zugetraut hatten. Man wurde nicht Schwadronskommandeur ohne ein gewisses Ego, und die meisten hatten genug Ehrgeiz, um auf noch höhere Positionen zu zielen.
Einem Kommandeur den man kannte, hätte man eine umstrittene Entscheidung eher nachgesehen. Man murrte vielleicht und schimpfte, aber Jahre des gemeinsamen Einsatzes fungierten als Kitt, der zumeist über solche Konflikte hinweghalf. Doch Stafford hatte im Geschwader kaum jemanden, der ihn mehr als ein paar Monate kannte, und seine Zeit bei den Angels war nahezu ausschließlich mit Trainingseinsätzen und einem Transferflug ausgefüllt gewesen. Kampferfahrung hatte man nur wenig gemeinsam sammeln können. Und er war dazu noch nicht einmal ein ,waschechter Terry‘ – was mit Sicherheit zum Murren angesichts seiner jüngsten Entscheidungen beitrug.

Stafford hatte lernen müssen, dass die Angels durchaus in der Lage waren, ihr Missfallen kreativ auszudrücken – wie sie bereits in der Vergangenheit mit Karikaturen und Flüsterwitzen bewiesen hatten. So war neuerdings ein Flugblatt mit einem mäßig gut gereimten Spottgedicht im Umlauf, das sich des Langen und Breiten über einen „einsamen Cowboy“ ausließ, der aus falschem Ehrgefühl einem gesuchten Verbrecher laufen ließ, aber einem Sheriff in einem albernen Streit niedergeschossen hatte. Stafford hatte im Moment nicht die Zeit herauszufinden, wem er diesen Tiefschlag zu verdanken hatte. Und er konnte sich auch nicht darauf verlassen, dass seine Staffelchefs sich darum kümmern würden oder es überhaupt wollten.
Möglicherweise waren einige ja sogar eher Teil des Problems als der Lösung. Er meinte, sich auf Razor verlassen zu können. Lilja allerdings hatte sich anscheinend die Zeit genommen, sowohl physisch als auch elektronisch das Schwarze Brett des Geschwaders mit einer auserlesenen Sammlung von Berichten und Aufnahmen von imperialen Kriegsverbrechen auf Gamma Eridon zu versehen – vorzugsweise solche, für die man Tyrosch Anwhar direkt oder mittelbar verantwortlich machte. Zweifellos hatte sie sich die Sammlung über den Konkordats-Verbindungsoffizier beschafft. Und der Commander konnte der Russin schwerlich einen Strick daraus drehen, dass sie, wie sie es ausdrückte, das Geschwader daran erinnern wollte, gegen wen sie kämpften. Es war ja auch nicht das erste Mal, dass sie die Kommissarin spielte.
Natürlich war ihm klar, dass dies direkt gegen ihn gerichtet war. Aber die Russin aufzufordern ihr Propagandamaterial zu entfernen würde zwar vermutlich befolgt werden, aber seine Position eher noch mehr untergraben als stärken. Im Grund war es Irrsinn, dass er sich in der momentanen Lage um das Vertrauen seiner Untergebenen fast ebenso sorgen musste wie um den Gegner – doch bisher war ihm kein Weg eingefallen, das Problem zu lösen.
Schlimmer noch, er war sich nicht einmal sicher, wie die kommandierende Admirälin die Sache sah. Girad war nicht umsonst für ihr ,unorthodoxes‘, rücksichtsloses Vorgehen gegen die ehemaligen Verbündeten bekannt. Wenn sie zu einer ähnlichen Ansicht kam wie Lilja und Konsorten, würde er wohl nicht lange CAG bleiben.

Als der Commander aus dem Jäger kletterte, nahm die Russin Haltung an. Sie salutierte, keineswegs enthusiastisch, aber akzeptabel, auch wenn ihr Gesicht einen verbissenen Ausdruck zeigte: „Commander.“
Für einen Moment spielte Stafford mit dem Gedanken, sie stehen zu lassen, zur Rede zu stellen – doch wofür? – oder sonst IRGEND ETWAS zu tun, aber er wusste, auf dem Feld konnte er eigentlich nicht gewinnen.
„Was gibt es?“ Er klang möglicherweise etwas erschöpft bis genervt, aber das lag zum Gutteil auch daran, dass er einen anstrengenden Einsatz hinter sich hatte.
„Ich werde Sie zur Geschwaderbesprechung briefen. Die anderen Staffelchefs sind schon benachrichtigt und warten auf uns.“
Das kam nun wirklich überraschend: „Geschwaderbesprechung? Wer hat die angeordnet? Und warum?“
Die Russin fixierte einen Punkt über seiner Schulter. Ihre Stimme klang kühl und monoton: „Anordnung von Admiral Girad. Was den Grund angeht, möglicherweise steht es Offizieren vom Rang eines Lieutenant-Commanders – und auch anderen – nicht unbedingt zu, die Beweggründe eines Admirals erraten zu wollen, sondern ihre oder seine Befehle auszuführen...Sir. Aber vermutlich soll ich Sie aus dem Grund briefen.“ Das kam einer Unverschämtheit schon ziemlich nahe, aber die Russin hatte ihre Worte mit Bedacht gewählt.
Tatsächlich sah es so aus, als ob die Staffelchefs der Angels sich von ihren Maschinen entfernten, alle mit demselben Ziel. Das Gefühl des Unheils, dass Stafford beschlichen hatte, verstärkte sich nur noch – sofort nach einem Einsatz alle Offiziere zu versammeln, und ihnen nicht einmal groß Zeit zu geben sich frisch zu machen oder zu erholen, konnte einfach nichts Gutes bedeuten.
Er biss die Zähne zusammen: „Gehen Sie voran, Lieutenant Commander.“

***

Eine halbe Stunde später, Besprechungsraum

Als der Lagebericht endete, wirkten die Gesichter der meisten Offiziere sehr ernst – und das lag nicht nur daran, dass viele deutliche Zeichen von Erschöpfung zeigten. Es war eine recht große Runde, die hier versammelt war. Neben den Staffelchefs der Angels – zwei davon allerdings bloße Nachrücker, auch wenn Huntress wirkte, als würde sie damit rechnen, den Posten als Kommandeurin der Schwarzen Staffel auf Dauer auszufüllen – waren natürlich die Admirälin wie auch die Kapitänin der COLUMBIA anwesend. Commodore Schupp und der Kommandeur der leichten Begleitschiffe des Trägergeschwaders hatten sich per Bildschirm zugeschaltet. Dass Commander Stacy dem Treffen fernblieb, war vielen sicher Recht – jemand musste ja auf der Brücke stehen. Aus demselben Grund fehlten auch die Staffel-XOs der Angels. Stafford hatte fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil er so viel Arbeit auf Kali ablud. Es war bewundernswert, wie die Pilotin sich hielt, wenn man bedachte, dass ihre Vergangenheit mit Ace und ihre…Freundschaft…mit Ohka nicht wirklich geheim waren. Jetzt saß Ace irgendwo bei der Guerilla fest und Ohka war verschollen. Sein Absprung hinter der imperialen Front war bestätigt, doch seitdem fehlte jede Spur von dem Chef der Schwarzen Staffel. Aber egal wie es Kali emotional gehen mochte, sie versah eisern ihre Pflicht – wenngleich sie mit Sicherheit nicht die professionelle Gefühlkälte einiger anderer Piloten besaß.

Admiral Girad war niemand, der lange um den heißen Brei herumredete: „Sie sehen also, die Lage ist ernst. Wir müssen davon ausgehen, dass die Akarii tatsächlich weit früher als berechnet einen Konvoi auf den Weg geschickt haben. Dies ist offenkundig kein Täuschungsmanöver, um die Columbia vom Planeten wegzulocken. Alles deutet darauf hin, dass der Gegner das Gegenstück zu wenigstens einer kompletten Divisionen und zwei unabhängigen Brigaden – nach terranischen und Peshten-Maßstäben, vielleicht zwei imperialen Brigaden nach ihren Maßstäben – mit Luftunterstützung geladen hat. Im Moment haben sie noch Jägerdeckung vom Sprungpunkt her, aber sie werden diesen Bereich in den nächsten Stunden verlassen. Bei den gegenwärtigen Beschleunigungsdaten können sie in sechs Tagen über dem Planeten sein, wobei freilich nur am letzten Tag irgendwelche Unterstützung von den bodengestützten Imperialen zu erwarten ist.“
Commodore Schupp klang keineswegs eingeschüchtert, aber ernst: „Ich nehme an, man wünscht sich, dass wir den Konvoi weit genug vor seinem Ziel abfangen, damit es dem Gegner nicht gelingt, irgendwelche Schiffe durchzubringen.“
Girad nickte: „Die Peshten haben das klar gemacht. Es steht auch so schlecht genug am Boden. Kaiserliche Verstärkung könnte in dieser Situation in die Katastrophe führen. Und dabei reden wir schlimmstenfalls vom totalen Zusammenbruch der Verteidigungsfront und dem Verlust von tausenden, zehntausenden Quadratkilometern Land. Außerdem…Sie haben das nicht gesagt, aber jede Stunde in der dieser Konvoi unangefochten näherkommt, ist natürlich eine Ermutigung für den Feind, und lässt die Sorge bei unseren Verbündeten wachsen – und Sie können darauf wetten, dass es nicht lange geheim bleiben wird, was hier im Anmarsch ist. Wir können uns also auch nicht zu viel Zeit lassen, ehe wir den Feind stellen.“
Stafford sah sich genötigt, auf das Offensichtliche hinzuweisen: „Wir können aber nicht gleichzeitig den Konvoi im Tiefraum abfangen und Unterstützung für Arta’Rijen fliegen. Ganz abgesehen davon, dass die Piloten das nicht auf Dauer durchhalten. Nachdem wir unseren eigenen Konvoi durchgebracht UND die letzten Tage fast pausenlos Atmosphäreneinsätze geflogen sind, sind sie ohnehin erschöpft.“ Er sprach es nicht aus, aber kaum eine Staffel hatte noch Sollstärke.

„Dann müssen die Marines ohne uns klarkommen. Vielleicht kann man dem Konkordat eine Zusage auf verstärkte Unterstützung aus dem Kreuz leiern.“
Es kam nicht allzu oft vor, dass sich Lilja so forsch einmischte, aber die Russin hatte ihren vergleichsweise ruhigen Posten als Trägerschutz offenbar genutzt und war wesentlich besser im Bilde – und ausgeruhter – als ihre Kameraden. Ihre Position war natürlich ebenso kaltherzig wie effizient. Die Beziehungen zwischen dem Geschwader und den ,Fußlatschern‘ von den Bordmarines waren zwar schwerlich herzlich zu nennen. Aber etliche Staffelchefs schienen sich doch etwas unbehaglich zu fühlen, diesen Punkt einfach so abzuhaken. Lilja sprach hastig weiter, ehe ihr jemand ins Wort fallen konnte: „Ich meine, wenn die Kaiserlichen durchkommen, reden wir von tausenden Toten, wenn nicht mehr. Commodore, wenn ich das richtig sehe, dann hat der Gegner etwa 50 Prozent mehr Kriegsschiffe in allen Klassen, abgesehen in Punkto Trägerunterstützung.“
Schupp nickte: „Korrekt. Was die feindlichen Flieger angeht – die Aufklärung hat die Flugmuster analysiert und ist sich relativ sicher, dass die Kaiserlichen nur zwei bordgestützte Staffeln einsetzen – Maschinen des Golf-Kreuzers. Allerdings wäre es denkbar, dass sie einen ihrer Frachter mit Jägern bestückt haben oder der Golf über Normalbelegung fährt. Ich meine, es wäre nur sinnvoll, wenn sie nach den letzten Verlusten auch das bodengestützte Raumfliegerkorps verstärken wollen. Einen direkten Austausch Geschütz gegen Geschütz können wir jedenfalls schwerlich gewinnen. Wir haben nur zwei schwere Kreuzer, einen leichten und einen Flakkreuzer – plus die COLUMBIA – gegen vier schwere und zwei leichte Kreuzer. Und einige unsere Schiffe sind nicht gerade das modernste Material. Bei leichten Schiffen steht es vierzehn zu neun. Die vier Frachter und drei Truppentransporter des imperialen Konvois sind zwar im direkten Schlagabtausch nicht viel wert, aber besonders die Whiskey-Transporter haben eine ziemlich schwere Abwehr.“
Er lächelte schwach, wenn auch nicht ohne Ironie und neigte den Kopf gegenüber Stafford: „In dem Fall müssen wohl eher die Velites als die Triarier fechten.“ Das brachte ihm von den meist ,ungebildeten‘ Anwesenden mehrheitlich verständnislose Blicke ein.

Stafford hatte so etwas vermutet: „Sie reden von einem Langstreckengefecht mit Jägern? Machbar, aber das ist nicht so einfach, wie es vielleicht scheint. Auf dem Papier steht es acht – nun, sagen wir eher knapp sieben – Staffeln gegen zwei bis drei. Aber wir müssen nicht nur den Golf als Flugabwehrschiff berücksichtigen. Mit Sicher hat der Feind einige Flakschiffe unter seinen leichten Einheiten. Und wir können die COLUMBIA nicht schutzlos lassen. Es ist durchaus denkbar, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass die Imperialen noch einmal so etwas versuchen wie gegen unseren Konvoi – dass sie elektronisch abgeschirmte oder ballistisch fliegende Schnellboote und Jagdbomber loszuschicken. Es braucht ja nicht mehr als eine Staffel oder ein halbes Dutzend Schnellboote um einigen Schaden anzurichten. Wir brauchen mindestens eine, eher anderthalb Staffeln für unseren Träger.“
„Können wir den Gegner nicht etwas aufweichen?“ Irons hielt sich bei Geschwaderbesprechungen oft zurück, aber was die Bomberpilotin sagte, hatte so gut wie immer Hand und Fuß: „Ich meine, die Echsen haben uns das ja vorexerziert. Wir lassen ihnen ein paar Minen in den Weg treiben, oder ein paar passive ortende Selbstschusssatelliten mit Antijägeraketen, um ihre Jäger und Shuttles auszudünnen. Sie haben es ja eilig, also werden sie kaum zacken und wir können ihre Flugbahn halbwegs gut vorausberechnen. Wir werden vielleicht nicht viel Schaden anrichten, aber jedes bisschen hilft, und entnervt die Echsen.“
Der Commodore nickte: „Das ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Aber ich muss gestehen, viele unserer Schiffe haben kaum einen halben Minensatz parat. Schließlich sind wir nicht zu einem Einsatz hinter den feindlichen Linien vorgesehen gewesen. Und die Peshten werden uns auf die Schnelle auch nicht wirklich weiterhelfen können. Aber ich setze meine Waffenabteilung darauf an.“

Girad übernahm wieder die Führung: „Commander, können die Angels das schaffen? Dem Konvoi einen harten Schlag versetzen? So hart, dass er weder ausreichend Schiffe durchbringen kann, um die feindliche Armee zu verstärken, noch unseren Trägerverband im Nahkampf anzugehen wagt?“ Es war klar, dass auch die Ankunft von gut 20 feindlichen Kriegsschiffen das Gleichgewicht über dem Planeten kippen konnte. Selbst wenn die Schiffe nur den „umstrittenen“ Bereich bombardieren konnten, ohne Gefahr zu laufen, von bodengestützten Atomraketen beschädigt oder gar zerstört zu werden, auch dies konnte jede Offensive des Konkordats in Blut ersticken. Es ging also auch darum, den Geleitschutz des Konvois abzufangen.
Für einen Moment zögerte Stafford. Er wusste, er konnte eigentlich nur eine Antwort geben – der Ruf des Geschwaders und die Situation ließ eigentlich nichts anderes zu. Dann nickte er: „Jawohl, Admiral.“
Er wünschte nur, er hätte Gewissheit verspürt, dass er das Versprechen auch erfüllen konnte.
„Allerdings müssen wir unsere Ziele mit Bedacht wählen. Die Feuerkraft unserer Jabos und Bomber reicht nicht aus, um die Kreuzer und die Frachter zeitgleich gesichert auszuschalten. Andererseits…wenn wir erst einmal das Flaggschiff und ein, zwei andere Dickschiffe flügellahm schießen…“
„Wir können weit mehr tun als das.“ Das war wieder Lilja. Der Blick, den ihr Stafford zuwarf, war eine deutliche Warnung wegen ihrer Einmischung, wurde aber trotzig ignoriert: „Schließlich sollen wir den Echsen nicht nur einen Denkzettel verpassen. Die Jabos und Crusaders kümmern sich um die Dickschiffe…“ Ihr Stimme bekam einen leicht giftigen Unterton: „Und die Schwarzen braten ein paar tausend Echsen kross. Ist das nicht der Grund aus dem wir Krieg führen – um den Feind zu erledigen? Also tun wir das auch. Wozu haben wir denn die neuen Knallfrösche an Bord, wenn nicht, um sie in genau so einer Situation einzusetzen? Lasst uns die Jäger der Schwarzen Staffel mit Arrows bestücken, die haben die meiste Übung. Die Echsen werden nie erwarten, dass ein paar Nighthawks ihre Transporter einfach so auseinanderreißen. Eine Sektion auf jeden Whiskey, und falls sie am Ende nicht alle Raketen verbrauchen, kriegen die leichten Frachter den Rest ab…“
Stafford war sich nicht sicher, ob Liljas wenig subtile Spitze gegen ihn gerichtet war oder gegen Martin ,Razor‘ Durfee, den Chef der Silbernen Staffel. Dass der Jabopilot lange damit zu kämpfen gehabt hatte, gleich zweimal einen voll besetzten Truppentransporter der Imperialen zerstört zu haben war nichts, wofür jemand wie Lilja Verständnis aufbringen konnte.
Huntress hingegen schien förmlich aufzublühen bei dem Gedanken, sich derart beweisen zu können: „Lilienmädchen, für die Idee könnte ich dich auf der Stelle küssen!“
Die Russin schnaubte sarkastisch: „Jägerin, so einen Spruch klopfst du noch einmal wie oft an einem Tag?“ Das brachte ihr einige Lacher ein. Huntress war in der Tat nicht gerade dafür bekannt, sonderlich zurückhaltend zu sein was das Fraternisierungsverbot betraf – ein Punkt, an dem sie und Lilja offenbar über Kreuz lagen.

Das war etwas, woran sich Stafford immer noch nicht gewöhnt hatte. Die Staffelchefs der Angels waren zumeist altgediente Veteranen und – wie er zugeben musste – ihm an Gefechtserfahrung mitunter deutlich voraus. Wenn sie eine Idee hatten, dann hielten sie selten den Dienstweg ein, sondern platzten direkt damit heraus. Zweifellos brachte das Ergebnisse, denn einige dieser Ideen waren wirklich gut. Aber wenn man nicht einen festen Stand als Kommandeur hatte – und seiner wackelte im Moment etwas – ließ dies den Geschwaderchef leicht als schwach erscheinen.
„Immer vorausgesetzt, Decker gibt seine Lieblinge frei.“, schränkte er ein.
Die Russin zuckte mit den Schultern, dann verneigte sie sich leicht vor Admiral Girad: „Sein Ego ist ja enorm, aber Ihnen wird er garantiert nichts abschlagen!“ Auch das mochte eine verdeckte Spitze gegen Stafford sein – oder auch nur Liljas berühmte Zielstrebigkeit, die nie viel darüber nachdachte, ob sie jemanden damit kränkte.
Es war nicht zu übersehen, dass der Vorschlag der Russin der Admirälin sichtlich gefiel. Doch Girad war zu sehr Profi, um sich blindlings mitreißen zu lassen: „Ich will so schnell als mögliche eine Machbarkeitseinschätzung. Commander Stafford, schließen Sie sich mit Decker zusammen. Falls er Einwände hat, sagen Sie ihm, ich sanktioniere es. Wenn er Proteste erhebt, soll er das meinethalben in den Akten archivieren. Ich will wissen – und das am besten VOR EINER STUNDE – wie die Erfolgschancen sind, wie viele Arrows wir haben – und dass die noch einmal Stück für Stück gründlich überprüft werden. Finden Sie heraus, ob er dem Einsatz der Schwarzen zustimmt oder wir zusätzlich auch noch andere Sektionen einsetzen sollten. Aber wir dürfen uns nicht auf EINE Möglichkeit verlassen.“
Schupp war bereits einen Schritt weiter: „Können wir nicht versuchen, den Peshten zumindest etwas Unterstützung aus dem Kreuz zu leiern? Wer alles defendieren will, defendiert gar nichts – es nützt ja wohl wenig, wenn sie irgendwelche Reserven zurückhalten, nur um zuzusehen wie sie den halben Planeten verlieren.“

Girad wirkte nicht sonderlich optimistisch: „Wenn man ihre Flottenchefs so hört…aber vielleicht gibt es ja wirklich eine Möglichkeit. Die Einheiten der Konvoisicherung für die Transportschiffe der Vierten Sturmdivision sind noch in Reichweite. Das sind zwei Brandenburg-Fregatten und vier Duquesne-Zerstörer. Alte Schiffe, aber modernisiert. Die Fregatten sind in einem Nahkampf nicht viel wert, aber die Zerstörer sind schon etwas anderes. Wenn das Konkordat sie uns unterstellen würden, gleicht das die Unterlegenheit gegenüber den Schiffen der Kaiserlichen etwas aus.“
Stafford überlegte laut: „Die Peshten haben ja auch drei…ja, ich glaube drei Hilfsträger im System. Ich denke nicht, dass sie die riskieren wollen und uns einen als direkten Begleiter für die COLUMBIA überlassen. Aber wenn sie einen, vielleicht gesichert von den beiden Fregatten, ein Stück achtern von unserem Verband platzieren, könnten ihre Jäger helfen unser Mutterschiff abzusichern. Auch wenn dabei nur eine oder eine halbe Staffel Jäger herausspringt, das macht ein paar unserer Maschinen frei.“
Die Amirälin lachte bitter: „Das ist aber eine lange Wunschliste, die ich dem Konkordat vorlegen soll. Aber schließlich geht es um ihren Planeten. Also gut. Wir machen es so…“
In wenigen Sätzen umriss sie das weitere Vorgehen – wobei sie die Vorschläge der Offiziere aufnahm.
„Nächste Besprechung in spätestens acht Stunden. Das Geschwader fliegt weiterhin Unterstützung für die Marines am Rijen, aber wir werden ihnen klarmachen müssen, dass das bestenfalls noch anderthalb Tage so weitergeht. Die Piloten haben dann die Transferzeit bis zum Einsatz gegen den feindlichen Verband, um sich auszuruhen. Ich werde beim Oberkommando unseres Expeditionskorps anregen, zwei oder drei Schwadronen Erdkampfflieger bereitzuhalten, damit Arta’Rijen auch künftig Luftunterstützung erhält. Aber dass dies klappt ist vermutlich der unwahrscheinlichste Teil unseres Vorhabens. Meine Damen und Herren – an die Arbeit.“

Die Anwesenden erhoben sich, als die Admirälin den Besprechungsraum verließ. Es wäre zu viel gesagt gewesen, hätte man behauptet, dass Tatendrang und Kampfgeist sie beseelte – nun ja, zumindest bei den meisten, denn Lilja und Huntress beispielsweise hielten sich anscheinend in der Tat durch einen gehörigen Adrenalinschub in Schwung. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Aber auch die übrigen Offiziere wirkten entschlossen, trotz aller Müdigkeit. Der Kampf gegen den feindlichen Konvoi war etwas anderes als die kaum minder gefährlichen Bodenangriffe, die jedoch nur wenig Einfluss auf das Kampfgeschehen zu haben schienen.
Die Angry Angels bildeten sich einiges darauf ein, ein Geschwader der Entscheidungsschlachten zu sein – verdrängten aber dabei standhaft, dass dies stets einen hohen Preis gefordert hatte.
Stafford wusste, er würde etwas wegen der Stimmung im Geschwader unternehmen müssen, aber im Moment war dazu einfach keine Zeit. Das musste warten bis nach der Schlacht. Wenn es denn ein ,danach‘ gab…
Als er auf den Gang trat, bemerkte er, dass Lilja sich mit einem Unteroffizier von der Crew unterhielt. Und – oh Wunder – die Russin schien tatsächlich zu lächeln. Diese Regung – zumindest wenn es kein grimmiges Grinsen war – war derart selten, dass sie das Gesicht der Staffelchefin förmlich verwandelte, und sie so jung erscheinen ließ, wie sie wirklich war: „Wir haben soeben Meldung von den Marines bekommen. Sie haben Ohka und Ace eingesammelt!“
Manchmal geschahen eben doch noch Wunder. Stafford entschied, dies als ein gutes Omen zu nehmen. Sie konnten jedes Quäntchen Glück gebrauchen.
Die Angels bereiten sich vor auf neue, größere Ziele…

Ende
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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27.11.2021 05:19 Forum: Kurzgeschichten


Ich persönlich denke ja, wir sollten nichts aus Filmen nehmen als Referenz, die ungefähr noch so viel Relevanz haben wie alte Stummfilme heutzutage. Sprich, dürfte er nicht eher was aus SEINEM Jahrhundert denken, wenn denn? Augenzwinkern
Ich weiß, es ist schwierig sich so was auszudenken, weil man es erklären muss, aber er kommt mir nicht wie jemand vor der auf URALTE Gangsterfilme steht.

Oder an etwas Historisches wie sagen wir die Schlacht von Shiroyama oder Iwo Jima...

Schiene mir passender.
Thema: Chevaliers
Cattaneo

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26.11.2021 11:42 Forum: Söldner


Hallo

Entschuldigung. Ich bin mit dem nächsten Text fast fertig. Ich werde ihn hoffentlich am Wochenende fertig bekommen, dann kriegt ihn Ace zur Durchsicht.

Aber da ich noch bei HdfL eingebunden bin und beruflich ebenso bin ich im Moment etwas langsam...
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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25.11.2021 22:28 Forum: Kurzgeschichten


Hallo

Ich vermute, Tyr meinte die Stelle (die immer noch dasteht im geposteten Text):

Zitat:
Ohka wägte ab, dann drückte er die Abstrahlmündung der Laserpistole unter sein Kinn. Nein, er würde nicht zurück in die Gefangenschaft gehen. Ohkas Hand krampfte sich um den Auslöser, sein Notfallplan, die letzte Rettung und drückte ab. Das hieß, er wollte abdrücken, aber sein Zeigefinger bewegte sich nicht auf dem Sensor.

Erstaunt registrierte er eine dritte Hand, die den Lauf der erbeuteten Waffe wegdrückte, sodass der Laserimpuls, der ihm eigentlich das Gehirn hätte frittieren sollen, harmlos in den Himmel gegangen wäre.


Ich denke, es wäre ihm lieber, wenn du das rausstreichen würdest.

Zaubberer:
Hm, ja, du musst wissen, es gibt zwei Arten wie Cliff gesehen wird.
Wie man ihn in Ace Texten sieht...
und in den Texten von anderen Autoren... großes Grinsen
Da gibt es manchmal gewisse Unterschiede. Augenzwinkern
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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23.11.2021 17:40 Forum: Kurzgeschichten


Aber am Boden ist er nicht viel nütze, jedenfalls weniger denn als Pilot. Als Lieutenant-Commander ist er als Fußlatscher ja wohl etwas überbezahlt und überqualifiziert. Ich denke, sowie er bei den Marines landet, sitzt er in einem Shuttle nach draußen (sobald eines fliegt).

Ich meine, immerhin ist es Staffelchef und seine Vertretung ist nicht zu 100 Prozent in der Lage seine Schuhe auszufüllen großes Grinsen
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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22.11.2021 19:26 Forum: Kurzgeschichten


So lange es nicht Cliff ist, DER hängt, geht es ja noch... großes Grinsen
Ok, genug geblödelt.

Du könntest in der Tat recht zügig zum Landungsplatz springen (der vermutlich auf dem Sudüfer liegt, vermutlich im Park).
Wobei die Shuttles nicht permanent starten, aus Sicherheitsgründen. Deines könnte also mit ein, zwei anderen starten, die Verwundete, Gefangene und Zivilisten ausfliegen (die Gefangenen natürlich im gesonderten Shuttle und streng bewacht, am besten gefesselt).
Nur müsst ihr eben warten, bis ein paar Angels zur Verfügung stehen, die euch beim Abflug eskortieren, nachdem sie zuvor ein paar Frachtshuttles runtergebracht haben.
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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19.11.2021 10:16 Forum: Kurzgeschichten


Taj, das habe ich vor einem Jahr auch gehofft, von daher... unglücklich
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Cattaneo

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15.11.2021 14:44 Forum: Kurzgeschichten


ja, was die leichten angeht, gelten Locust und Valkyrie als die typischsten. Die anderen gehen auch, sind aber wohl etwas seltener...
Ich vermute freilich eine Wespe würde fast überall passen...
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Cattaneo

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15.11.2021 08:16 Forum: Kurzgeschichten


Ich gehe davon aus, dass man die Hangarbucht des Union für die zwei Jäger zur Not auch umbauen könnte um noch zwei weitere Mechs zu tragen, allerdings hängt das auch von Toren/Aufzügen ab. Von der Tragkraft geht es jedenfalls, Jäger sind ja nicht leichter...

Was das Seeker angeht, so werden die Frachthangs üblicherweise nicht genutzt für Mechs oder ähnliches (sondern wenn, wird der Fahrzeughangar umgebaut um weniger Fahrzeuge aber auch eine Lanze Mechs tragen zu können). Das könnte was mit der Position im Schiff, Toren und Aufzügen etc. zu tun haben (ich meine, wenn dein Hangar etliche Meter über dem Boden ist wird es schwierig mit dem Ausladen von 50 Tonnen-Kolossen...

Ich nehme mal an, ein paar Panzer könnte man da unterbringen, die dann mit einem Kran ausgeladen werden, was aber den Ausladeprozess kompliziert und störanfällig macht. Der Seeker muss auch modifiziert sein um schwere Panzer tragen zu können, normalerweise ist er auf 50er und leichter gepeilt. Aber das sollte machbar sein, er trägt dann eben weniger. Ich denke eine schwere Panzerkompanie und 4 Mechs können in den Fahrzeughangar gerade noch so rein, auch wenn das Ausladen der Mechs ein Problem ist und die Maschine vermutlich in der Vergangenheit modifiziert worden ist.
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Cattaneo

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14.11.2021 21:56 Forum: Kurzgeschichten


Vielleicht ein Fortress? Aber wenn dann eher eines, das etwas abgerüstet wurde und nicht mehr über die volle Ausstattung verfügt. Mit 6.000 Tonnen nur zwei Drittel so groß wie ein Overlord, dürfte es das Zeug schleppen können.

Allerdings würde ich sagen, ein Union und ein Seeker wäre ebenso gut.
Thema: Kritik zu: "A Cavaliers Legend"
Cattaneo

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13.11.2021 08:31 Forum: Kurzgeschichten


Ich sehe schon, dass etwa die Panzer in eine ähm typische Richtung gehen, schwer und überschwer... großes Grinsen
Thema: Kritik: Hinter den feindlichen Linien
Cattaneo

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06.11.2021 18:48 Forum: Kurzgeschichten


So, ich habe mal meinen nächsten Text gepostet.

Ace, ich hoffe mal, das kollidiert nicht mit deinen Planungen was die Guerillagruppe in der Stadt angeht. Schau mal besser drüber, ehe du deinen postest.
Aber ich gehe davon aus, dass die Peshten und die TSN da klare Verhältnisse schaffen wollen. Und das bedeutet eine eindeutige Befehlskette etablieren bei der sie das Sagen haben.
Wir wissen ja, wie so etwas in der Realität gelaufen ist... Augenzwinkern
Thema: Hinter den feindlichen Linien - Season 7 - Zwischen Himmel und Hölle
Cattaneo

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06.11.2021 18:45 Forum: Kurzgeschichten


Das Warten beginnt

Brücke über den Rijen zwischen Nera’Rijen und Arta’Rijen, Gamma Eridon

Urutu kostete den Moment aus. Er würde natürlich nicht lange währen, bis man sie wieder zum Einsatz hetzte, aber für ein paar Minuten wollte sie einen wichtigen Etappensieg genießen.
Begleitet von einer Handvoll ihrer Kameraden spazierte sie durch die zerschossenen Sandsackstellungen der Imperialen, die bis vor kurzem noch die Auffahrt zum Nordende der Brücke über den Rijen bewacht hatten. An einigen Stellen rauchte es noch immer, ein scharfer Geruch nach Feuer, Blut und Tod hing in der Luft. Die Brücke ragte aus den sich langsam auflösen Rauch- und Nebelschwaden und bot im roten Licht der emporsteigenden Sonne ein fast unirdisches Bild. Freilich – seit der Landung war noch nicht so viel Zeit vergangen.
Der Fluss präsentierte sich in trügerischer Friedfertigkeit. Die feindlichen Boote waren vertrieben oder schwammen in Einzelteile zerlegt inzwischen ein paar Meilen stromabwärts. Freilich würde man im Hinterkopf behalten müssen, dass der Flusslauf ein potentielles Einfallstor für Schweber und feindliche Angriffsboote blieb.
Eine imperiale Flagge lag am Boden, gierig beäugt von einigen Soldaten – vermutlich fragten sie sich, ob sie damit durchkommen würden, das gute Stück verschwinden zu lassen. Die Scharfschützin kicherte leise, als sie sich eine ausbrechende Massenprügelei um die Fahne vorstellte. Grundlos wäre dies nicht – solche Souvenirs waren nicht nur eine Karte für Freigetränke bis ans Lebensende, wenn man sie in den richtigen Kneipen herumzeigte. In einigen Fällen hatten sie auch einen beträchtlichen monetären Wert.
Zeitgleich hisste ein Nationalgardist ein neues Banner – überraschenderweise weder ein Truppenbanner seiner Einheit mit der aufgehenden Sonne noch die Flagge der Republik, sondern die Fahne des Konkordats. Zweifellos eine Geste für das kleine Grüppchen Verbindungsoffiziere, die über die Brücke marschierten, um sich mit ihren Kameraden auf der anderen Flussseite zu treffen.

Eskortiert von terranischen Soldaten und angetrieben mit einem Mischmasch aus Befehlen in den verschiedenen Akarii-Dialekten – und gelegentlichen Stößen mit dem Gewehrkolben – taumelten die überlebenden kaiserlichen Soldaten der Brückenverteidigung davon. Es waren einige Dutzend, etliche von ihnen verwundet. An ihrer Spitze humpelte ein Infanterieoffizier in der Uniform eines Hauptmanns, sicher der Kommandeur der Einheit. Die Wachen hielten argwöhnisch Abstand zu ihm und seinen Untergebenen – auch unbewaffnet waren die Echsen im Nahkampf achtungsgebietende Gegner. Die Besiegten wirkten zwar desorientiert und entmutigt, aber darauf konnte man sich nicht verlassen. Und tatsächlich hatten einige noch genug Widerstandswillen um trotzig dreinzublicken, als sie bemerkten, dass ihr Abmarsch von einzelnen Soldaten aufgenommen wurde – Bilder für die terranischen und Konkordats-Nachrichten, oder simple individuelle Andenken.
Man würde sie vermutlich zu den Shuttles bringen und direkt zu den Peshten oder dem terranischen Expeditionskorps abschieben.

Urutu, die reflexartig jeden Gedanken an die erschossenen Gefangenen vor dem ,Blockhaus‘ am Flussufer verdrängte, musste ein dreckiges Grinsen unterdrücken, als sie daran dachte, wie die Drähte wegen diesen Gefangenen heißlaufen mochten. Denn eigentlich waren dies ja Gefangene des USMC, das freilich auf Gamma Eridon die kleinste Teilstreitmacht stellte. Würde die terranische Armee sie bekommen oder die Peshten, schließlich war dies ja ihr Planet?
Nicht jeder Imperiale hatte dem Leben und der Schande Vorzug vor der Ehre und dem Tod gegeben. Inmitten einer Handvoll toter Kaiserlicher lag eine Akarii im Rang eines Hauptmanns. Ihr Truppenabzeichen wies sie als eine Angehörige der Instandsetzungsdienste aus, und auch die Toten um sie gehörten zu den „Schraubern“ oder Nachschubtruppen. Dennoch hatten sie sich offenbar bis zuletzt verteidigt. Die meisten Toten wiesen mehrere Verletzungen auf, mit Ausnahme eines Akarii, dessen Gesicht von einer schweren Energieentladung zerfetzt worden war. ,Ob ich das wohl war?‘ dachte Urutu unwillkürlich.
Die letzte Verteidigerin war offenkundig im Nahkampf gefallen, wenn man die klaffende Schwertwunde in ihrem Gedicht bedachte.
Nationalgardisten durchsuchten die Stellungen und sogar die Leichen und stapelten Ausrüstungsteile und Waffen auf.
Allerdings lagen auch etliche tote Marines und Nationalgardisten direkt neben der Brückenauffahrt. Man hatte sie notdürftig mit Zeltplanen bedeckt und diese mit Sandsäcken gesichert, damit der Wind die Gesichter und furchtbaren Wunden nicht enthüllte. Der Kampf war kurz, aber hart gewesen. Für die Toten und Gefangenen war er erst einmal vorbei – doch wie viele mochten ihnen noch folgen?
Mitten in diese Gedanken meldete sich der Kompaniefunk: „Urutu? Dein Typ wird verlangt. Wir haben Meldungen von ungeklärten Fahrzeugbewegungen.“
Die Scharfschützin seufzte. Nicht nur für die Bösen gab es offenkundig keine Ruhe. Es war freilich verständlich – ihre Kompanie hatte nur eine Handvoll Panzerjäger, und so musste sie sich bereithalten um als Ersatz herzuhalten. Sie überprüfte den Ladestand ihres Gewehres – noch neun Schuss im Energiemagazin. Und sie hatte noch drei von den sechs 15-Schuss-Reservemagazinen, die sie bei der Landung am Körper getragen hatte. Das sollte ausreichen.
Die gesicherte Waffe in Händen trabte sie geduckt los.

***

Kommandostand der Brigade Schlüter, Ai’Shan-Park, Arta’Rijen

USMC-Major Ariane Schlüter hatte schon an schlimmeren Orten gekämpft. Ihr momentaner Kommandostand war verglichen mit den Tunneln von Hellmountain geradezu paradiesisch zu nennen, wenngleich auch etwas beengt und exponierter als ihr lieb war.
Man hatte ganz einfach ein S-41 Landungsshuttle modifiziert, damit es als Behelfs-HQ fungieren konnte. So war sie von der ersten Minute der Invasion an voll einsatzbereit. Sollte der Gegner sie natürlich mit schwerer Artillerie anpeilen oder die Luftüberlegenheit zurückgewinnen…aber dann waren sie sowieso im Arsch.
Der Gefechtslärm hatte sich zu einem fernen Murmeln abgeschwächt, obwohl die Shuttleluke offen stand. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen, denn es galt immer noch Fracht auszuladen, und manche Information war zu sensibel für eine nur notdürftig gesicherte Funkverbindung. Aber inzwischen waren die meisten Imperialen einige Kilometer zurückgewichen, und die restlichen Widerstandsnester – ebenso wie die terranischen Landungstruppen, die sie blockierten oder angriffen – setzten ihre Munition nur sparsam ein.
Auf einem der Kartenbildschirm prangte ganz Nera’Rijen und große Teile Arta’Rijens in freundlichem Blau. Das mochte etwas optimistisch sein – in Nera’Rijen waren die terranischen Streifen erst dabei, das Stadtgebiet wirklich zu durchkämmen. Aber bisher war kein Widerstand mehr gemeldet worden und es gab Berichte, dass sich zumindest die Echsen nördlich des Flusses komplett aus dem Stadtgebiet abgesetzt hatten.

Die Kommandeurin unterdrückte ihr erleichtertes Lächeln nicht. Das hätte auch ganz anders laufen können. Im Moment waren die Kaiserlichen in Arta’Rijen im Wesentlichen bis in die südlichen Vororte zurückgeworfen. Dort allerdings – und in einigen eingekreisten Widerstandsnestern im Stadtinnern – hielten sie sich weiterhin. Und ohne ausreichend schwere Waffen, reichlich Munition und präzise Luftunterstützung war die Brigade einfach nicht stark genug, sie ohne unverhältnismäßig hohe Verluste ganz aus der Stadt zu werfen. Es würde schwierig genug werden, die letzten Stützpunkte in relativer Nähe zur Brücke auszuräuchern. Verluste aber konnte sie sich nicht leisten.
Die Angels waren erst einmal abgeflogen und würden frühestens in zwei Stunden wieder jemanden schicken können, und selbst dann bestenfalls ein paar Maschinen. Schließlich mussten die Kampfflieger gewartet und aufmunitioniert werden, und irgendwann sollten die Piloten sich ja auch ausruhen, um für den Notfall frisch zu sein. Schlüter hatte zwar die COLUMBIA in der Standleitung, aber das hieß nicht, dass die Trägermaschinen auf Abruf bereitstanden.
Am besten wäre es natürlich, die Peshten oder das terranische Interventionskorps hätte Heeresflieger in Arta’Rijen stationieren können – aber ebenso gut hätte sie sich auch ein persönliches Artillerieregiment und eine Panzerbrigade wünschen können. Dass man ihr Flieger aus dem Frontbereich schicken würde, war auch kaum zu erwarten. Zu gefährlich, und man hatte viel zu wenig davon…
Aber selbst wenn sie am Ende Luftunterstützung erhielt, war diese zu wichtig um sie für ein oder zwei Dutzend oder eingekreiste Echsen einzusetzen. Die Luftwaffe würde genug zu tun haben, um die praktisch unvermeidlichen feindliche Gegenangriffe zu erschweren – oder die Vierte auf ihrem Vormarsch zu unterstützen. Bei den Kämpfen im Stadtgebiet würde die Brigade also mit dem klarkommen müssen, was sie hatte.

Die Aufgabe eines Kommandeurs war ein Stück weit Strategie, etwas Taktik, ein wenig Psychologie und Diplomatie, aber vor allem viel Logistik. Und so hatte sie vor allem mit letzterem zu kämpfen. Die ersten Stunden bei Einrichtung eines Landungskopfes waren entscheidend, denn die Fehler, die sie jetzt machte – so lange der Gegner noch in Schockstarre war, und ihre Leute nicht mehr in vollem Einsatz standen – würden schwer wiegen, und alle Erfolge sich doppelt und dreifach auszahlen.
Inzwischen lagen ihr von den einzelnen Bataillonen Gefechtsberichte vor. Die Zahlen konnten sich natürlich stündlich ändern.
Die Brigade hatte bisher etwa 100 Verluste an Toten und Verletzten zu verzeichnen. Dem standen wohl um die 400 bis 500 Imperiale gegenüber, die im Zuge der chaotischen Kampfhandlungen gefallen waren. Diese Rechnung trog in ihrer Eindeutigkeit natürlich. Ein Teil der kaiserlichen Verluste ging auf das Konto der Guerilla, und vor allem hatten die Angry Angels großen Anteil an den Zerstörungen. Was sie freilich mit dem Verlust von mehreren Maschinen bezahlt hatten – so waren drei terranische Kampfflieger im Stadtgebiet abgeschmiert, und mehrere nur noch flügellahm nach Hause gekrochen.
Außerdem mussten zu den Gefallenen und Verwundeten der Terraner die Verluste der Guerilla hinzugerechnet werden. Die Brigade hatte nur Kontakte zum einen Teil der Untergrundkämpfer. Es hakte mit der Kommunikation, und andere Gruppen hatten sich bereits wieder abgesetzt. Aber insgesamt waren wohl mindestens ebenso viele Untergrundkämpfer wie Marines getötet oder verletzt worden. Und was die ehemaligen Kriegsgefangenen anging, die sich in die Kämpfe eingemischt hatten, so waren deren Verluste sogar noch höher.

Was sie zum nächsten Punkt brachte…
Die Majorin wandte sich an einer der Funker, die ihr bei der Koordination ihrer Truppen half: „Haben Sie Verbindung mit Major Tash? Dann rufen Sie ihn!“
Kurz darauf hatte sie den Peshten am Apparat: „Wie sieht es aus? Konnten Sie Ordnung in die befreiten Gefangenen bringen?“
Ihr Gegenüber war ihr zwar im Rang ebenbürtig, hatte aber weit weniger Kampferfahrung, und wirkte deshalb ein wenig nervös, obwohl an seiner Professionalität kein Zweifel bestand. Sonst hätte man ihn nicht zum obersten Verbindungsoffizier ihrer Brigade gemacht: „Durchwachsen. Es gibt einen harten Kern von Kampfbereiten, die haben freilich ernste Verluste einstecken müssen. Ein Gutteil der ehemaligen Gefangenen sind jedoch Instandsetzungsdienste und Nachschubfahrer, die sich nach dem Ausbruch der Gefangenen vielfach erst einmal abgeduckt haben. Man könnte sie in einer Einsatzkompanie organisieren, aber ich bezweifle, dass die viel wert wäre. Ihre Gefangenenahme hat sie schon erschüttert, und die heutige Nacht…“
„Ich fürchte, Sie werden ihnen in den Hintern treten müssen. Möglicherweise – vermutlich – werden wir bald jeden Mann und jede Frau brauchen, die eine Waffe halten können. Ich kann es mir nicht leisten, kampffähiges Personal auszufliegen, wir haben genug damit zu tun, Verwundete und Gefangene zu evakuieren – und da sind auch noch die Zivilisten, die ich gerne zügig los wäre…“
Die Zahl der imperialen Gefangenen hielt sich in Grenzen, die meisten davon waren beim Sturm auf die Brücke geschnappt worden. Über die genauen Gründe, warum etliche Kompanien nur relativ wenige Gefangene eingebracht hatten, wollte die Majorin lieber nicht spekulieren…
Aber es waren immer noch gut 100, vielfach verwundete, entwaffnete Imperiale, die sie schleunigst aus der Stadt haben wollte. Glücklicherweise standen ihr einige Landungsboote zur Verfügung, die neben Verwundeten auch Gefangene und eben auch Zivilisten ausfliegen konnten, sobald sie abhoben. Einen Gutteil ihrer eigenen Verwundeten hatte sie bereits evakuiert – die Shuttles konnten natürlich nur starten, wenn sie Geleitschutz hatten, also würden die nächsten Flüge noch eine Weile warten müssen.
Schlüter wollte nicht schuld sein, falls peshtische Zivilisten in das Kreuzfeuer einer ausgewachsenen Schlacht gerieten. Sicher konnte deren Unterstützung wertvoll sein, aber wie sollte man sie versorgen und nötigenfalls beschützen? Außerdem traute sie den Einheimischen die in der besetzten Stadt geblieben waren nicht wirklich. Die Mehrheit waren sicher keine Kollaborateure – aber wie sollte man die einen von den anderen unterscheiden?
Leider war abzusehen, dass der Platz an Bord der Shuttles nicht für jeden reichen würde, selbst wenn man berücksichtigte, dass man ihr weitere Flüge mit nachrangigen Diensten und Nachschub versprochen hatte. Ihre Soldaten bereiteten bereits eine Landezone vor und versuchten Transportfahrzeuge zusammenzubekommen, um jegliche Ladung schnell verteilen zu können. Man musste es feindlichen Fliegern und Artillerie ja nicht ZU einfach machen…
„Sehen Sie zu, dass Sie mir aus den Befreiten ein oder zwei Kompanien aufstellen. Denken Sie, man kann erfahrene Soldaten und Grünlinge mischen, damit uns die Leute nicht beim ersten Schuss auseinanderlaufen?
Alle regulären Terraner gehen an unsere Truppen, aber es ist natürlich Ihre Sache, wen man als Offizier für die Peshten und Söldner einsetzt. Sobald das klar ist, würde ich diese Offiziere gerne sprechen. Und wie steht es mit den Guerilla?“
Tash gab ein merkwürdig gepresstes Knurren von sich: „Da ist es noch schwieriger. Nicht zuletzt, weil sich bei denen jeder, der auch nur 50 Leute führt, mindestens Major wenn nicht gar Oberst oder was weiß ich noch nennt. Versprengten Soldaten kann ich vielleicht mit ihrem Diensteid kommen…“
„Verstehe. Nun, wen Sie nicht einreihen können – können Sie versuchen den zu überzeugen, dass er NICHT eine Woche lang wegrennt? Ein paar Untergrundgruppen im Umfeld der Stadt wären nützlich. Selbst wenn sie die Echsen nicht angreifen, ihre Informationen können hilfreich sein.“
,Und der Gegner wird todsicher jemand abstellen, um sie zu jagen. Das Risiko kann er nicht eingehen, dass sie sagen wir seine Artilleriestellungen angreifen.‘ Kein sehr mitfühlendes Kalkül, aber sie konnte es sich nicht erlauben, zimperlich zu sein.
„Das kann ich versuchen. Sie haben nicht zufällig einen Koffer mit Bestechungsgeld dabei?“
Schlüter war sich nicht sicher, ob der Peshte scherzte oder nicht. Vermutlich ersteres, denn er sprach unvermittelt weiter: „Die Guerilla hat halbwegs grundlegende Ausrüstung, doch was die ehemaligen Kriegsgefangenen angeht…Ich brauche in jedem Fall mehr Waffen, Munition und sonstige Ausrüstungsteile.“
„Verstehe. Ich weiß nicht, ob ich was einfliegen lassen kann – unsere Schiffe sind nicht gerade für einen längeren Bodenkrieg ausgerüstet. Aber ich habe meinen Leuten schon Befehl gegeben, jede Waffe, jedes bisschen Munition, jeden Helm, jede Eiserne Ration und jedes Medpack zu sammeln, das den Kaiserlichen gehört hat.“
Schlüter wusste, dass einige der Marines Souvenirs beiseiteschaffen würden, aber das beschränkte sich hoffentlich auf ein Dreeh oder eine Laserpistole.
Sie hatte gehört, dass einige Nachschubdepots entdeckt worden waren. Hoffentlich enthielten die nicht nur Militärunterwäsche und Vitaminpillen. Mit Sicherheit würden ihre Leute nicht gerade über volle Waffen- und Munitionsmagazine stolpern, aber jedes bisschen half. Wenn sie ihren Leuten ein wenig mehr Feuerkraft verschaffen konnte…
„Lassen Sie rumfragen, wer sich unter den Befreiten mit imperialer Technik auskennt. Wir haben nach den letzten Meldungen einen Schweber-Schützenpanzer und zwei Radpanzerwagen erbeutet, die noch halbwegs einsatzbereit sind, und schlachten ein paar Wracks aus. Keine Ahnung, ob wir mehr als diese drei Fahrzeuge zum Laufen bringen können, aber ich brauche Fahrer, die schon mal eine kaiserliche Maschine von innen gesehen haben und vielleicht sogar mit den Bordwaffen umgehen können.“
Schlüter wusste, dass die Peshten seit Jahren erbeutete Technik einsetzten. Die Chancen waren also nicht schlecht. Und sie würde jedes bisschen an Feuerkraft benötigen, das sie kriegen konnte. Ihre Leute versuchten auch alles an Transportfahrzeugen greifbare und sogar die wenigen noch in der Stadt befindlichen zivilen Vehikel einsatzbereit zu machen, um Material und Menschen schnell von einem Ort zum anderen befördern zu können. Einzelne Fahrzeuge waren als Verwundetentransporter vorgesehen und würden eine entsprechende Kennzeichnung erhalten – obwohl es zweifelhaft war, dass die Imperialen deren theoretische Unantastbarkeit respektieren würden.
Ein eher phantasievoller denn erfahrener Kommandant hätte geplant, mit Hilfe der Beutefahrzeuge die eingeschlossenen imperialen Stützpunkte auszuheben oder gar die Auffangstellungen der Kaiserlichen zu infiltrieren um ihnen noch ein paar schmerzhafte Schläge zu verpassen. Aber Schlüter wusste, solche Husarenstücke waren eher etwas für den Bildschirm oder einen E-Roman als den richtigen Krieg. Zuviel konnte schiefgehen, zu viel stand auf dem Spiel. So einen Stunt konnte man vielleicht einmal durchziehen, und es stellte sich immer die Frage, ob er das Risiko wert war…

***

Randgebiete von Nera‘Rijen

Urutus Atem ging schnell als sie die Stufen zum Keller hinunterhastete. Ein anderer Marine wies ihr den Weg. Das Haus – ein Apartmentblock mit drei Etagen – war von den vorrückenden Terranern zumindest flüchtig durchsucht und als gesichert eingeordnet worden – ein Farbspritzer neben der Tür bewies das.
Was für die meisten Gebäude in Nera’Rijen noch lange nicht galt. Bis auf weiteres musste man deshalb davon ausgingen, dass sich noch immer versprengte Kaiserliche in der nördlichen Vorstadt herumtrieben. Wenigstens war der Angriff so überraschend und schnell erfolgt, dass der Gegner kaum Gelegenheit gehabt hatte, Sprengfallen und ähnliche Sauereien zu hinterlassen. Allerdings, um eine Tür mit einer entsicherten Handgranaten zu ,verminen‘ brauchte man nicht viel Zeit…
Die Scharfschützin huschte in die Richtung, die ihr gewiesen wurde. Der Keller glich einerseits sehr einem menschlichen – auch eine Peshten-Warmwasser- und Fernwärmeanlage unterschied sich nicht SO sehr von einer terranischen, und über die Jahre angefallener Alien-Plunder unterschied sich nicht so sehr von irdischem, wie man vielleicht angenommen hätte.
Andererseits wiederrum…da war der Raum mit zugemauerten Fenstern an dem sie vorbeimusste und in dem SEHR beunruhigend wirkende Schriftzüge und schemenhafte Gesichter im Dunkel leuchteten, offenbar weil man sie mit selbstleuchtender Farbe an die Wände gemalt hatten – selbst der Fußboden leuchtete in einem matten Rot. Dergleichen erinnerte einen daran, wie ANDERS die Peshten in bestimmten Dingen waren.
Sie erreichte ihr Ziel, einen kleinen Trocken- oder Vorratsraum. Mit zwei Schritten war sie am Fenster, drehte den Kopf weg, während sie ausholte und mit einem einzigen wohlgezielten Kolbenschlag das Glas zerschmetterte. Sie stützte die Mündung ihres Gewehres auf den Fensterrand und visierte die Straße an. Keine Sekunde zu früh…

„Sehen Sie etwas?“ Die Stimme von Private Jaeger klang hochgradig nervös. Erstaunlich für jemanden, der sich durch besetztes Gebiet geschlagen und Teil einer amorphen Guerillaorganisation geworden war. Aber vermutlich machte sogar ihm der Gedanke Angst, von den eigenen Leuten erschossen zu werden.
Kano verdrängte den Gedanken daran, was ein Laserimpuls mit der Frontscheibe des zivilen Schwebers und seinem Gesicht dahinter anstellen konnte und spähte nach draußen: „Nicht wirklich. Ich glaube, da vorne war Bewegung, aber es ist nichts Genaues zu erkennen.“
Was wenig verwunderlich war, denn nach Luftangriff, Anschlägen der Guerilla und Nahkämpfen lag einiges an Rauch und Staub über Nera’Rijen und der eigentlichen Stadt Arta’Rijen.
Er war durch den Angriff seiner Geschwaderkameraden auf das Stadtgebiet aus dem unruhigen Schlaf gerissen worden. Es war frustrierend, dass es keinen Kontakt mit den Angels gab, aber fürs Erste hatte man nur abwarten können und hoffen, dass keine Bombe zufällig ihr Versteck traf. Das Auslegen einer Konkordatsflagge war erwogen worden, aber bei dem Rauch und der Geschwindigkeit der Kampfflieger hätte es schon ein gigantisches Banner sein müssen, damit Chancen bestanden, dass es auffiel. Und das mochte wiederrum imperialen Beschuss provozieren. Also hatte man nur abwarten können, und die dezimierten Guerilla hatten ohnehin alle Kampfhandlungen einstellen müssen. Ihre begrenzten Munitionsvorräte waren deutlich zusammengeschmolzen, etliche der besten Kämpfer tot oder verwundet.
Sowie die Luftangriffe nachgelassen hatte, hatten die Guerilla entschieden, dass es an der Zeit war, den Kontakt mit den Terranern zu suchen. Schließlich wollte man nicht irrtümlich zum Ziel werden, und hoffte auf deren medizinische und materielle Unterstützung. Es war nur logisch gewesen – wenn auch vielleicht nicht sehr rücksichtsvoll – für diese Aufgabe die Terraner loszuschicken. Und deshalb waren sie hier.

„Meldung?“ Lieutenant Nadals Stimme erklang flüsternd – offenbar war die Zugführerin in einer exponierten Position, und zog es vor leise zu sprechen.
Mariza spähte durch die Optik ihres Gewehres. Normalerweise übernahm ihr Spotter so etwas, aber der war an anderer Stelle im Einsatz um die Säuberung von Nera’Rijen zu unterstützen: „Ziviler Schweber, drehbarer Hardpoint auf dem Dach, kein Schütze an der Waffe, ich vermute, das Fahrzeug hat provisorische Innenpanzerung. Eine große Konkordatsflagge und improvisierte Hoheitsabzeichen. Insassen nicht eindeutig erkennbar.“
Sie visierte die Fahrerkabine an. Das KONNTE Guerilla sein – oder ein mieser Trick der Imperialen. Wenn da ein halbes Dutzend kaiserliche Infanteristen in dem Fahrzeug saßen, konnte es blutig werden: „Feuerfreigabe?“
Nadal schien zu zögern…dann fasste sie offenbar einen Entschluss: „Wir klopfen erst einmal an. Mariza, halt du dich bereit, ihnen das Licht auszuknipsen…“

Die Lasersalve kam gleichsam aus dem Nichts und hinterließ kleine Einschlaglöcher im Straßenbelag. Jaeger trat auf die Bremse. Er wusste, wer da geschossen hatte, war entweder ein ganz miserabler Schütze, oder er wollte, dass seine Botschaft verstanden wurde.
„Nicht schießen! Wir sind Terraner und arbeiten für den Konkordatswiderstand!“
Er hatte von vorneherein vermutet, dass die Hoheitszeichen und die Flagge nicht ausreichen würden. Hoffentlich half der Lautsprecher.
Irgendwo weiter vorne erklang eine Stimme, elektronisch verstärkt: „Aussteigen, ohne Waffen und mit den Händen über dem Kopf. Und keine schnelle Bewegung, oder ihr seid tot!“
Die Terraner schauten sich an – jetzt galt es. Das konnte leicht ins Auge gehen. Einer nach dem anderen legten sie ihre Waffen ab und stiegen aus.

Kano war fast stolz darauf, immer noch schaffte halbwegs aufrecht zu stehen und Fassung bewahren zu können. Nach den physischen und psychischen Strapazen der letzten zwei Tage war das keine Selbstverständlichkeit. Mit dem ,Hände über den Kopf‘ sah es freilich nicht so toll aus, da seine eine Schulter lädiert war und er den Arm stützen musste. Seine beiden Kameraden sahen in etwa so nervös aus, wie er sich fühlte.
Der Pilot hatte Verständnis für das Misstrauen der Marines. Immerhin war ja nicht auszuschließen, dass die Kaiserlichen menschliche Gefangene als Schutzschilde benutzten. Blieb nur zu hoffen, dass die Paranoia und Nervosität der terranischen Soldaten nicht ZU ausgeprägt war.
Und tatsächlich – sie hatten sich erst ein paar Meter von ihrem Fahrzeug entfernt, als der erste Marine sich blicken ließ. Ein drahtiger Mann mit dem Sturmgewehr an der Hüfte glitt um eine Häuserecke. Seine Finger lagen nahe am Abzug, sodass er binnen Sekundenbruchteilen eine Salve oder auch eine Granate aus seinem Unterlaufwerfer abfeuern konnte.
,Wenn auch nur einer im falschen Moment niest, gibt es ein Blutbad – in unserem Blut.‘, dachte der Japaner
Langsam, ständig nach allen Seiten sichernd, kam der Marine näher. Er passierte die drei anderen Terraner und kontrollierte das Fahrzeug. Dann entspannte er sich. Er musste per Funk Mitteilung gemacht haben, denn jetzt tauchten weitere Marines aus der Deckung auf. Sie rückten langsam vor und dehnten ihren Kontrollbereich aus, bis sie hinter dem Schweber in Stellung gegangen waren.

Erst dann wandte sich eine hochgewachsene dunkelhäutige Marine – vermutlich die Kommandeurin der kleinen Truppe – den ,Gästen‘ zu: „Ich bin Lieutenant Nadal.“ Sie trug keine sichtbaren Rangabzeichen, sicher wegen den feindlichen Scharfschützen, die mit Vorliebe Offiziere aufs Korn nahmen.
Kano salutierte: „Lieutenant Commander Nakakura, TSN-Fliegerkorps.“ Nach ihm machten seine beiden Begleiter Meldung. Die Marine erwiderte den Gruß: „Ein Angel? Sie sehen ja zum Fürchten aus. Dann wollen wir mal sehen, dass Sie wieder in den Himmel kommen. Am besten schicken wir Sie mit dem Schweber zum Hauptverbandplatz. Das sind drei Kilometer von hier, in Arta‘Rijen.“ Sie schien nicht zu glauben, dass Kano einen so weiten Fußmarsch durchhalten konnte, und hatte vermutlich auch Recht: „Brauchen Sie Schmerzmittel?“
Der japanische Pilot hätte am liebsten die Frage bejaht, aber er riss sich zusammen. Die Marines würden sehr wahrscheinlich jedes bisschen Medizin noch dringend benötigen. Außerdem wollte er nicht mit einem Kopf wie in Watte gepackt auf der COLUMBIA ankommen.
„Ich halte es auch so durch.“
Nadal nickte fast respektvoll: „Gut.“
Jaeger mischte sich ein: „Lieutenant, die Guerillagruppe benötigt medizinische Hilfe. Wir haben Verwundete nach den Gefechten der letzten Nacht und…“
Nadal musterte ihn prüfend, vielleicht etwas kühl: „Wir werden sehen. Führen Sie mich hin. Und informieren Sie mich über Stärke und Bewaffnung unserer Verbündeten. Wir sind zwar nicht ausgerüstet für die Versorgung von Aliens, aber ich hoffe wir können wenigstens eine Evakuierung organisieren. Haben Sie Handfeuerwaffen in ihrem Fahrzeug? Gut, nehmen Sie die wieder an sich.“
Jaeger nickte dankbar, musste aber bei den folgenden Worten vermutlich ein Stirnrunzeln unterdrücken: „Und von jetzt an, Ensign, gehören Sie wieder zum USMC, nicht zur Guerilla. Und wir werden Ihnen – wie jedem Terraner – einen Platz in einer republikanischen Einheit zuweisen.“

Wenige Minuten bahnte sich der ehemalige Guerilla-Schweber seinen Weg durch die Straßen von Nera’Rijen. Offenbar hatte man ihre Ankunft angekündigt, denn trotz des eher exotischen Aussehens wurde das Fahrzeug nicht aufgehalten. Dazu trug wohl auch der Marine bei, der an der Dachlafette stand und deutlich demonstrierte, wer hier das Sagen hatte.
Kano presste die Hände zusammen, um ein Zittern zu unterdrücken. Nach zu viel Stress, Schmerzen und Anstrengung bei zu wenig…nun, im Grunde zu wenig von allem – Schlaf, Wasser, Essen und medizinische Versorgung – zeigte sein Körper ihm deutlich die Grenzen auf. Es war vor allem die antrainierte Selbstdisziplin, die ihn noch aufrecht hielt. Das, und die Aussicht, die COLUMBIA, seine Kameraden und vor allem Helen wiederzusehen.
Dennoch schaute er sich neugierig um. Letzte Nacht hatte er nicht viel sehen können. Bei Tag wirkten die im Dunkeln scheinbar endlosen Straßen und Gassen weit weniger bedrohlich, die Entfernungen schienen förmlich zu schrumpfen. Vielfach waren Spuren von Kämpfen zu sehen: durch Bomben und Granaten beschädigte Häuser, hin und wieder ein ausgebranntes Fahrzeug, und vor allem Tote. Es handelte sich dabei ausschließlich um Imperiale und andere Peshten. Vermutlich hatten die Terraner ihre Opfer bereits geborgen, waren aber noch nicht dazu gekommen, sich um die gefallenen Feinde und Guerillakämpfer zu kümmern. Begleitet von einzelnen Marines waren Konkordats-Zivilisten dabei, dies nachzuholen.

Das nunmehr dritte Mal erblickte der Kommandeur der Schwarzen Staffel die große Brücke über den Rijen. Das erste Mal war während des so katastrophal gescheiterten Luftangriffs gewesen, das zweite Mal als Gefangener während der nächtlichen Fahrt. Überall herrschte emsige Geschäftigkeit. Es war offensichtlich, dass die Terraner sich darauf einrichteten, eine Weile zu bleiben und nötigenfalls um den Besitz der Brücke zu kämpfen. Die imperialen Stellungen wurden eifrig ausgebessert.
Der Schweber stoppte an der Auffahrt zur Brücke. Eine Marine seiner Eskorte – die viel zu klein für ihr schweres Scharfschützengewehr erschien – sprang aus dem Fahrzeug und parlierte mit einem Offizier. Vermutlich konnte auch ein terranisches Fahrzeug – zumal eines, das keine terranischen Abzeichen trug – nicht einfach so über die Brücke fahren.
„Wir sollen warten.“ Die Marine die sich mit dem unmöglichen Namen Urutu vorgestellt hatte, klang unzufrieden. Offenbar hatte sie es eilig, ihre Fracht loszuwerden.
„Stimmt etwas nicht?“
„Nein, wir müssen nur auf ein paar andere Maschinen warten. Wir sollen zusammenbleiben. In Arta‘Rijen sind sie noch nicht mit den Säuberungsarbeiten fertig.“ Natürlich, es konnte ja noch versprengte Imperiale geben.
Es dauerte in der Tat nicht lange, bis sich zwei weitere Fahrzeuge näherten. Es handelte sich offenbar um provisorische Verwundeten- und Gefangenentransporter – einen erbeuteten imperialen Rad-Lastkraftwagen und einen zivilen Schweber, die beide ein halbes Dutzend Einschusslöcher aufwiesen. Mehr als ein Dutzend schwer bewaffnete Terraner sicherten den Transport.
Der kommandierende Offizier bellte einen Befehl, und seine Untergebenen sprangen von den Transportern.
Kano zuckte unwillkürlich zusammen und wäre beinahe selber aus dem Schweber gesprungen. Für einen Moment hatte er sich in seine paramilitärische Ausbildung versetzt gefühlt, eher er der TSN beigetreten war. Wie seine damaligen Ausbilder sprach der Offizier nicht etwa Englisch, sondern Japanisch – und das mit einiger Lautstärke. Das kam wohl nicht von ungefähr. Nahezu jeder der Soldaten trug ein Stirnband mit japanischen Schriftzeichen, mal Kanji-Zeichen, mal andere. Und auf ihren Schultern prangte statt dem Abzeichen der USMC die aufgehende Sonne der Nationalgarde der Japanischen Republik. Der Pilot musste über die Ironie lächeln, dass er so weit von der Erde entfernt wie man sich nur vorstellen konnte ausgerechnet einer Einheit seiner Landsleute begegnete. Kano hatte nie der Nationalgarde angehört, aber vermutlich hatten viele der Gardisten eine ähnliche ,traditionelle‘ Ausbildung genossen wie er. Für so manchen musste dieser Morgen der erste wirkliche Kampfeinsatz gewesen sein, aber sie ließen sich keine Schwäche anmerken.
Ein weiterer Radtransporter fuhr an den Rand der Brückenrampe. Auf seiner Ladefläche lagen die Leichen imperialer Soldaten, zum Teil furchtbar verstümmelt.
Für einen Moment fühlte Kano Übelkeit – es war etwas anderes, Bomben zu werfen oder auf den Abzug zu drücken, als zu sehen, was die Waffen am Boden anrichten konnten. Selbst wenn es nur Akarii waren…

Doch Schwäche zu zeigen stand natürlich außer Zweifel. Und so wahrte er stoische Ruhe – auch, als die terranischen Soldaten und einige Zivilisten begannen, die Leichen nach einer kurzen Untersuchung – bei der sie ihnen letzte Besitztümer, aber auch noch verwendungsfähige Rüstungsteile abnahmen – eine nach der anderen in den Fluss zu werfen.
Urutu freilich war seine Irritation aufgefallen: „Ein kleiner Gruß an die Imperialen. Der Unterlauf des Rijen ist noch in kaiserlicher Hand. Ich denke ja nicht, dass es viel helfen wird, aber vielleicht gibt es ja doch der einen oder anderen Echse was zu denken.“
Sie lachte: „Und immer noch besser, als ihre Köpfe zu sammeln und zu präsentieren, ne?“
Der Pilot lächelte schwach. Offenkundig hatte sie so einiges von ihren Kameraden aufgeschnappt, auch wenn sie nicht wie eine Japanerin aussah.
Mit einmal wurde die Marine wieder ernst: „Es geht weiter!“
Sie nickte Kano zu: „Denken Sie daran, in Arta’Rijen wird noch gekämpft. Halten Sie die Pistole bereit.“
Der kleine Konvoi setzte sich in Bewegung und überquerte die Brücke. Kano war auf dem Weg nach Hause.

***

Kommandostand der Brigade Schlüter, Ai’Shan-Park, Arta’Rijen

Die Brigadekommandeurin trommelte nachdenklich mit den Fingern, während sie die Daten auf dem Bildschirm überflog: „Wie ist Ihr Eindruck – werden die Guerilla Schwierigkeiten machen? Ich weiß, dass kann man unmöglich mit Sicherheit sagen, aber was DENKEN Sie?“
Sie lauschte der Einschätzung: „Verstehe. Gut, hier meine Anweisungen. Ich schicke gleich jemanden von unseren Verbindungsoffizieren rüber, der die Truppe eingliedern soll. Sie geben ihm Rückendeckung. Und damit meine ich VOLLE Unterstützung. Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt, aber im Notfall müssen wir den Untergrundgruppen klar machen, wer hier das Sagen hat. Was wir NICHT gebrauchen können sind irgendwelche Möchtegernsoldaten, die in der Stadt auf eigene Faust Krieg spielen. Und wenn das heißt, dass wir für unsere Peshten-Freunde ein oder zwei größenwahnsinniger Guerillaführer festnehmen müssen und ihren Leuten klarmachen, dass die Dinge nun anders laufen, dann muss es halt so sein. Aber wie gesagt, das ist nur der letzte Ausweg. Stellen Sie sicherheitshalber schon mal ein Eingreifteam zusammen das bereit ist, sollte es soweit kommen.“
Wenigstens war nicht zu erwarten, dass die versprengten Terraner Probleme machen würden. Deren Loyalitäten waren ja wohl hoffentlich klar, und sie würden umgehend in die Brigade eingegliedert werden.

Schlüter beendete das Gespräch, da sie sah, dass einer ihrer Untergebenen ihre Aufmerksamkeit benötigte: „Was gibt’s?“
„Meldung von der Brücke – Lieutenant Yatims Leute sind mit der Überprüfung fertig. Die Sprengkammern sind leer, die Echsen haben diese wohl ausgeräumt.“ Bei der Eroberung der Stadt durch die Imperialen war die Siedlung so schnell gefallen, dass die Peshten keine Zeit mehr gehabt hatten die Brücke in die Luft zu jagen, obwohl eigentlich Befehl bestand, kriegswichtige Infrastruktur in Frontnähe entsprechend zu präparieren.
„Myisha ist ganz aufgekratzt, dass die Imperialen den Sprengstoff nicht abgekarrt, sondern in der Nähe eingelagert haben, getrennt von den Zündern. Ich nehme an, bei dem rapiden Vormarsch hatten sie noch keine Gelegenheit, das Zeug wegzuschaffen. Sie sagt, damit haben wir eine Vierteltonne hochexplosiven Sprengstoff parat.“
Schlüter musste ein Lächeln unterdrücken. ,Aufgekratzt‘ war nicht das Wort, das ihr in den Sinn kam, wenn sie an die toternste Seaforterin dachte, die das kleine Pionierkontingent der Brigade befehligte.
Das war ein weiterer unerfreulicher Punkt. Eine Einheit in der Größe der „Brigade“ hatte normalerweise mindestens eine verstärkte Pionierkompanie zur Verfügung, aber sie musste mit gerade einmal einem Zug zurechtkommen, zusammengekratzt aus einem guten Dutzend unterschiedlicher USMC- und sogar Heereseinheiten.
„Dann soll sie sofort daran gehen, das Zeug einzusetzen. Holen Sie sie her, wir gehen die Ziele durch.“
Den Marines fehlte es vor allem an schweren Waffen, und falls der Gegner mit Panzerunterstützung zum Gegenangriff überging, würden Minen und Sprengfallen überlebenswichtig sein. Nur hatte sie von all dem viel zu wenig, um alle möglichen Einfallwege zu blockieren. Sie plante, ein paar Gebäude zur Sprengung vorzubereiten, um nötigenfalls den feindlichen Schwebern den Vormarsch zu erschweren, und die feindlichen Truppen in eine bestimmte Marschrichtung zu lenken, wo Minen und Marines mit Raketenwerfern in Stellung gebracht wurden. Und natürlich musste sie auch daran denken, dass der Gegner versuchen konnte, sie über den Fluss zu flankieren – für Schweber war der fast so gut wie jede Straße.
Für den Feind, aber auch für die Vierte Sturmdivision und das 30. Korps würde es ein Wettrennen werden – ihre Leute konnten nur warten, sich so gut es ging vorbereiten und durchhalten.
Sie fürchtete, das Warten bis zum ersten Angriff würde nicht mehr allzu lange währen…

Ende
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