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Beiträge zu diesem Thema Autor Datum
 Red Reapers – A Mercenary´s Tale Andai Pryde 06.10.2026 13:38
 RE: Red Reapers – A Mercenary´s Tale Andai Pryde 08.10.2026 10:56

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Red Reapers – A Mercenary´s Tale


Kapitel 1

Avalon City, New Avalon
20. April 3067


Der erste PPC-Schuss verfehlte den Night Gyr um kaum mehr als eine Mechbreite, strich blauweiß zwischen den Häusern hindurch und überstrahlte Vivians rechte Außenkamera, ehe die Entladung hinter ihr in die Fassade eines Bürogebäudes fuhr. Beton brach aus zwei Stockwerken, Fenster zerplatzten, und eine graue Wolke quoll über die Straße. Vivian Estelle McFairley hatte den fünfundsiebzig Tonnen schweren OmniMech bereits aus der Schusslinie gezogen. Sein rechter Fuß setzte zwischen zwei ausgebrannten Personenwagen auf, der linke zerdrückte den niedrigen Sockel einer Verkehrsinsel, und mit dem nächsten Schritt brachte sie eine Gebäudeecke zwischen sich und den Schützen.
Der zweite Schuss ging tiefer. Er traf die Fahrbahn, riss Asphalt aus seiner Bettung und schleuderte faustgroße Bruchstücke und Staub gegen die Beine des Night Gyr. Auf dem Panzerdiagramm leuchteten zwei Bereiche für einen Augenblick gelb auf; die darunterliegende Struktur blieb unbeschädigt.
„Valkyrie Actual, Slate. Kontakt bestätigt. Uziel, Zwei-Sierra.“
Jonas Kerr klang, als melde er einen verspäteten Transporter. Je schwieriger eine Lage wurde, desto sorgfältiger setzte Slate seine Worte, und nach Jahren gemeinsamer Einsätze erkannte Vivian inzwischen an kleinen Veränderungen seiner Stimme, ob er eine Information weitergab oder bereits überlegte, wie er sie nutzen konnte.
Sie zog das Fadenkreuz über die Hausecke, aus deren Richtung die beiden Schüsse gekommen waren, und erhöhte die optische Vergrößerung. Knapp fünfhundert Meter entfernt stand der UZL-2S hinter dem vorspringenden Teil eines Parkhauses. Kopf, oberer Torso und beide Arme lagen frei, Beton deckte Hüfte und Beine. Seine beiden PPCs folgten bereits dem Night Gyr.
„Guter Platz“, murmelte Vivian.
„Leider ja“, antwortete Slate.
Sie nahm die Vergrößerung zurück und verzog den Mund. „Ich meinte den Uziel.“
„Das dachte ich mir.“
Der Night Gyr ging dicht an der Häuserfront weiter. In der breiten Straße fanden sich ausgebrannte Fahrzeuge, umgestürzte Beleuchtungsmasten und Teile einer Stadtbahn, deren Vorderwagen quer über zwei Fahrspuren lag. Wochen des Kampfes hatten Fahrbahn und Gehwege mit Einschlägen überzogen, Fassaden geöffnet und an mehreren Stellen die Versorgungsleitungen unter dem Asphalt freigelegt. Wasser quoll aus einem geborstenen Schacht, lief zwischen Glasscherben über den Gehweg und sammelte sich in einem flachen Krater.
Weiter nördlich blitzte eine Energiewaffe zwischen zwei Hochhäusern auf. Eine Salve Langstreckenraketen stieg fast gleichzeitig hinter einem Gebäuderiegel hoch, zog über die Dächer und verschwand einige Straßenzüge weiter östlich. Sekunden später rollten die Detonationen durch die Häuserschluchten. Von Westen antwortete eine Autokanone mit einem langen, harten Feuerstoß, und im Bataillonsnetz meldete eine der Lanzen der dritten Kompanie einen schweren Kontakt, den sie nur für wenige Sekunden gesehen hatte.
Auf Vivians taktischer Karte lagen die drei Kompanien über mehrere Häuserblocks verteilt. Slates erste Kompanie arbeitete sich westlich ihrer Position durch die Querstraßen vor; seine eigene Lanze stand am nächsten zu ihr. Adrienne Locke führte die zweite Kompanie einige Blocks weiter östlich. Die dritte hielt südlich versetzt den Anschluss an die nachrückende Infanterie und die übrigen Elemente der Sechsten.
Adrienne hieß im Funk Ledger, ein Rufname, der ihr geblieben war, nachdem der Stab begriffen hatte, dass sie selbst nach einer durchwachten Nacht wusste, welche Lanze noch Ersatzteile erwartete, welchem Piloten Cockpitzeit fehlte und welcher Tech bei der letzten Personalplanung übersehen worden war. Vivian hatte in mehr als zwanzig Jahren auf Schlachtfeldern und in Stäben nur wenige Stellvertreter erlebt, deren Anwesenheit ihre eigene Arbeit so spürbar erleichterte. Adrienne gehörte als Mechkriegerin zum soliden Mittelfeld des Regiments; als Offizierin brachte sie beinahe alles mit, was Vivian von einer Stellvertreterin erwartete. Sie verstand Menschen, behielt Reparaturstände und Personalprobleme im Kopf und erfasste Vivians Absicht oft, bevor diese einen Befehl vollständig ausgesprochen hatte. Gerade bei der Logistik besaß sie einen Instinkt, den Vivian selbst nach all den Jahren nur mit Disziplin und Erfahrung ausglich.
Zwischen den Mechgruppen bewegten sich Groundhogs Infanteristen durch Bürohäuser, Tiefgaragen und Innenhöfe. Kleine Trupps verschwanden in Seiteneingängen, tauchten an rückwärtigen Zufahrten wieder auf und durchsuchten jene Bereiche, die sich aus zehn Metern Cockpithöhe kaum einsehen ließen. Panzerabwehrwaffen in einem dritten Stockwerk oder einer Tiefgaragenrampe konnten einem BattleMech mehr Schwierigkeiten bereiten als ein offen sichtbarer Gegner auf der Straße.
Auch die Sensoren machten Avalon City nicht übersichtlicher. Radarechos sprangen zwischen den Fassaden hin und her, während im Infrarotbild Brände, Generatoren, beschädigte Fahrzeuge und aufgeheizte Gebäudefronten übereinanderlagen. Der Gefechtsrechner markierte nördlich des Uziel mehrere mögliche Kontakte. Einige bestanden nur wenige Sekunden, verschwanden hinter Beton und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Vivian behandelte sie als Gegner, bis jemand das Gegenteil bewies.
Eine klarere Signatur zeigte sich westlich des Parkhauses. Der Mech trat für wenige Augenblicke in eine Querstraße, verschwand wieder und gab dem Rechner bei der nächsten Sichtung genügend Daten für eine Identifizierung.
CES-3R CAESAR.
Vivian vergrößerte den Kartenausschnitt. Der siebzig Tonnen schwere Mech bewegte sich nach Norden und bog anschließend ostwärts. Mit seinem Gaussgeschütz und der ER-PPC konnte er jeden längeren Straßenzug in ein Feuerfeld verwandeln.
„Slate, Caesar westlich vom Uziel. Er geht Richtung Nordblock.“
Ein leises Klacken begleitete Jonas’ Antwort; vermutlich wechselte er gerade eine Anzeige. „Hab ihn. Über die Passage am Parkhaus komme ich ihm links in die Seite und halte mich aus der Linie seiner Gauss. Die Straße sieht allerdings aus, als hätte sie ein persönliches Problem mit Enforcern.“
Vivian legte sein vorgeschlagenes Manöver über das Kartenbild. Zwischen zwei Gebäuden führte eine schmale Zufahrt zur Rückseite des Parkhauses. Für seinen ENF-5D war sie breit genug. Direkt hinter der Einmündung lagen allerdings die Überreste zweier BattleMechs, von denen einer einem Enforcer zumindest ähnlich genug sah, um Jonas’ Misstrauen zu rechtfertigen.
„Nimm deine Lanze mit. Der Rest hält dir den Rückweg offen.“
„Verstanden.“
Vier blaue Symbole lösten sich von Slates Kompanie. Neben seinem Enforcer gingen ein Garm, ein Clint und ein Watchman in die Passage. Sie hielten genügend Abstand, um einander in den engen Straßen Bewegungsraum zu lassen.
Vivian schaltete auf Adriennes Kanal. „Ledger, Caesar läuft nördlich von Slate auf deinen Bereich zu. Uziel südwestlich davon. Dahinter mehrere Kontakte, noch keine saubere Identifizierung.“
„Beide gesehen.“ Adriennes Stimme kam hell und klar durch das Funkrauschen. „Ich nehme Romeo etwas zurück und verteile den Rest an den Fassaden. Wenn der Caesar weiterkommt, bekommt er mehrere schlechte Möglichkeiten.“
„Gib ihm Zeit, sich eine auszusuchen. Vielleicht bekommen wir seine Kameraden dann auch noch.“
„Mit Vergnügen.“
Romeos CN9-D Centurion wich in den Schutz einer zurückgesetzten Häuserfront. Bandits BattleMech ging auf die gegenüberliegende Straßenseite, während Adriennes eigener DGR-3F Dragon Fire etwas weiter hinten blieb und von dort zwei Kreuzungen gleichzeitig einsehen konnte. Ledger machte aus dem Straßenzug keinen komplizierten Hinterhalt. Sie gab jedem Mech eine brauchbare Deckung, einen freien Schussbereich und genügend Platz, um sich wieder zu lösen.
Auf dem Führungsnetz meldete sich die Infanterie. „Valkyrie Actual, Groundhog Actual. Sind in der Westpassage, brauchen noch drei Minuten. Zwei Gefangene, ein Verwundeter. Im dritten und vierten Stock sitzen allerdings noch versprengte Zivilisten.“
Vivian nahm Druck vom Pedal. „Verstanden. Ich bleibe südlich. Meldet euch nach der Tiefgarage.“
„Roger.“
Sie hielt den Night Gyr hinter der Gebäudekante. Die Kühlweste arbeitete zuverlässig, trotzdem hatte sich nach mehreren Einsatzstunden eine dumpfe Wärme im Cockpit festgesetzt. Unter dem Neurohelm klebte ihr Haar an den Schläfen. Eine gelbe Anzeige für einen sekundären Kühlkreislauf blinkte seit fast einer halben Stunde am Rand ihres Sichtfelds.
Miriam Dace würde sich darum kümmern.
Und Miriam würde Vivian dabei ausführlich erklären, wer die Verantwortung dafür trug.
Vor dem Ausrücken hatte die ältere Tech auf den Night Gyr gezeigt. „Bring ihn mir vollständig zurück.“
Vivian hatte den Helm unter den Arm geklemmt und sie angesehen. „Den Mech oder seine Pilotin?“
Miriam hatte über den Rand ihres Datenpads zurückgeblickt. „Eine lebende Pilotin verursacht weniger Verwaltungsaufwand. Einen Clan-OmniMech können viele steuern. Aber nur wenige bringen ihn mir in einem Stück zurück.“
Bei Miriam kam das einer herzlichen Verabschiedung ziemlich nahe. Vivian wusste zugleich, wie sehr die Maschine ihre Gegner anzog. Ein Night Gyr war auf jedem Schlachtfeld ein lohnendes Ziel, und mit seiner Clanbewaffnung gehörte Vivians Prime zu den Maschinen, die ein gegnerischer Kommandeur lieber früh als spät aus dem Gefecht nahm.

„Caesar dreht weiter nach Osten“, meldete Slate. „Und er bringt Freunde mit.“
Vivian sah die Markierungen ebenfalls. Hinter dem bekannten schweren Mech bewegten sich mindestens fünf weitere Dreieckssymbole, einige nur für Sekunden belastbar. Einer der Kontakte war groß genug, dass der Rechner zwischen schwerem und SturmMech schwankte.
„Haben sie euch gesehen?“
„Falls ja, zeigen sie erstaunliche Selbstbeherrschung und beißen nicht an.“
„Genieß es, solange es anhält.“
„Oh, ich beschwere mich nie, wenn man nicht auf mich feuert.“
Drei Autokanonengeschosse schlugen unmittelbar danach in die Fassade über Slates Lanze. Betonstücke regneten auf den Clint und den Watchman, während beide Mechs tiefer in die Deckung gingen.
Jonas räusperte sich. „Ich möchte meine Aussage teilweise zurücknehmen.“
Vivian musste grinsen.
„Groundhog Actual an Valkyrie. Passage frei.“
„Verstanden.“
Sie brachte den Night Gyr wieder in Bewegung. Die Lücke zwischen den Verwaltungsgebäuden war knapp bemessen. Vivian zog den rechten Arm mit der Ultra AC/10 näher an den Rumpf und drehte den Oberkörper leicht gegen die Hüfte. Die Schulterpanzerung strich trotzdem über eine Betonkante und löste mehrere Brocken aus der Fassade.
Unterhalb des Cockpits kamen Infanteristen aus einem Seiteneingang. Zwei führten Gefangene ab, ein dritter trug die Ausrüstung eines verwundeten Kameraden. Dazwischen bewegten sich Zivilisten, einige mit Taschen, eine Frau mit einem Kind auf dem Arm. Ein Sergeant hob kurz die Hand und zeigte zum Ende der Passage. Vivian bestätigte mit einer kleinen Bewegung des Mechkopfs und ging weiter.
Der Innenhof dahinter gab ihr mehr Raum. Niedrige Bäume trennten Reihen von Parkflächen, in der Mitte stand ein trockengelegter Brunnen. Am nördlichen Rand verlief eine Mauer vor einem fünfgeschossigen Bürokomplex.
Der Uziel kam über diese Mauer.
Seine Sprungdüsen zündeten fast gleichzeitig und hoben die fünfzig Tonnen schwere Maschine über die Dachkante eines niedrigen Anbaus. Staub und lose Trümmer schossen unter ihm auseinander, als er mitten im Hof aufsetzte. Die Knieaktivatoren fingen die Landung ab, während beide Arme bereits auf den Night Gyr einschwenkten.
Vivian trat das linke Pedal durch.
Der erste PPC-Schuss fuhr an ihrer Maschine vorbei und hinterließ einen grellen Reflex auf der Cockpitscheibe. Der zweite traf die linke Schulter. Blauweißes Licht fraß sich über die Panzerung, Warnanzeigen sprangen an, und der schwere OmniMech wurde aus seinem Schritt gedrückt. Auf dem Panzerdiagramm wechselte ein größerer Bereich auf Gelb; die darunterliegende Struktur blieb intakt.
Vivian richtete den rechten Arm aus und drückte den Feuergeber der Ultra AC/10.
Die Clanwaffe bellte zweimal kurz hintereinander. Beide Granaten trafen den Uziel am rechten Torso. Große Stücke Panzerung brachen heraus, und die zweite Detonation drückte den mittelschweren Mech mit der Hüfte gegen den Rand des Brunnens.
Vivian brachte den linken Arm nach und feuerte eine der Clan-ER-PPCs. Die azurblaue Entladung schlug in die bereits beschädigte Schulter, ließ Metall im Trefferzentrum aufglühen und riss weitere Panzerung aus der Verankerung. Der rechte Arm des Uziel sank mehrere Grad ab.
„Uh, die Walküre schlägt wieder mal erbarmungslos zu. Jetzt hast du ihn beleidigt“, sagte Slate.
Sein Enforcer erschien fast gleichzeitig auf der erhöhten Zufahrt des Parkhauses.
„Du redest zu viel.“
„Nur wenn es gut läuft.“
Die LB-10X-Autokanone im rechten Arm des Enforcer donnerte. Eine Vollgeschossgranate schlug in die linke Seite des Uziel und drehte dessen Oberkörper herum. Der ER-Large-Laser folgte einen Augenblick später und zog eine glühende Linie über die Brustpanzerung.
Der Uziel schwenkte endgültig zu Slate.
Vivian verkürzte die Entfernung und brachte die drei Medium-Pulse-Laser des Prime ins Spiel. Grüne Energieimpulse schlugen dicht beieinander in Torso und Oberarm, während weitere Panzerstücke über den Hof flogen. Die Abwärme der Waffen drückte gegen die Kühlung und ließ die Temperaturanzeige steigen. Der Night Gyr konnte auf kurze Zeit eine beeindruckende Menge Feuer ins Ziel bringen; Vivian wusste ebenso gut, wie schnell daraus ein Mech wurde, dessen Pilotin mehr mit der Wärme als mit dem Gegner kämpfte.
Aus der nördlichen Häuserzeile kamen Raketen.
Die erste Salve ging lang und schlug hinter dem Brunnen in eine Fassade. Die zweite verteilte sich über Slates Stellung, traf den Watchman an Schulter und Torso und jagte Splitter über die Parkhauszufahrt. Fast gleichzeitig zuckte weiter westlich ein schwerer Laser durch eine Lücke zwischen zwei Gebäuden. Der Strahl verfehlte den Clint knapp und zog eine glühende Furche durch einen parkenden Lastwagen.
Vivian sah die Abschusspositionen nur als kurze Sensorblitze.
Der Uziel nutzte die Feuerunterstützung. Seine Sprungdüsen zündeten erneut, trugen die angeschlagene Maschine über die nördliche Mauer und ließen sie hinter dem Bürokomplex verschwinden.

„Kite, ich brauche Augen nördlich des Hofes.“
Mehrere Sekunden vergingen. Helena befand sich bereits wieder weit außerhalb des unmittelbaren Kampfgebiets und musste ihren nächsten Überflug erst aufbauen.
Dann kam ihre Stimme schnell über den Luft-Boden-Kanal.
„Valkyrie Actual, Kite. Caesar bestätigt, Uziel weiter westlich. Hinter dem ersten Gebäuderiegel mindestens fünf weitere Wärmesignaturen. Einer davon sehr groß. Mehr bekomme ich bei diesem Anflug nicht.“
Im Hintergrund lag das hohe Rauschen ihres eigenen Triebwerks.
„Reicht. Halt dich aus ihrem Feuer.“
„Roger. Ich bin raus.“
Kite verschwand wieder aus dem Funk.
Vivian führte den Night Gyr aus dem Hof. Zwei Straßen weiter östlich schlug eine Gausskugel in eine Hausecke und warf eine Wolke aus Beton über die Straße. Ein eigener BattleMech antwortete mit PPC-Feuer. Westlich von Slate wechselte ein weiterer loyalistischer Mech kurz die Position; Vivian sah nur einen Teil des Torsos, bevor er hinter einem Wohnblock verschwand.
Auf dem Bataillonsnetz überlagerten sich Meldungen. Die dritte Kompanie meldete zwei Kontakte nördlich ihrer Stellung und einen beschädigten eigenen Mech. Groundhogs vorderste Gruppen hatten den nächsten Gebäudekomplex erreicht. Von Slates Lanze kam die Warnung vor weiteren Raketenabschüssen.
Vivian betrachtete das Kartenbild. Ihre Leute hatten die größere Zahl an BattleMechs im unmittelbaren Raum und bewegten sich auf mehreren Straßen gleichzeitig nach Norden. Die Loyalisten gaben ihnen jedoch nur einzelne Ziele und deckten diese aus der Tiefe. Wer dem Uziel oder dem Caesar zu weit folgte, lief geradewegs in Schussfelder, deren Grenzen noch niemand kannte.
Sie öffnete den Bataillonskanal. „Alle Elemente: Druck halten. Niemand überschreitet die nördlichen Kreuzungen ohne Freigabe. Groundhog arbeitet weiter durch die Gebäude. Wir lassen sie aus ihren Stellungen kommen.“
Die Bestätigungen folgten nacheinander.
Eine Gausskugel beendete die kurze Ruhe.
Romeos Centurion wurde am rechten Torso getroffen. Die Wucht riss die Maschine aus dem Schritt, Panzerplatten flogen gegen die Fassade hinter ihm, und der Mech musste zwei schwere Schritte seitwärts setzen, um auf den Beinen zu bleiben. Romeo brachte den Centurion hinter die nächste Hausecke, während ein Teil der beschädigten Seitenpanzerung über den Asphalt schliff.
„Romeo, Schaden?“, fragte Ledger.
Seine Antwort kam gepresst. „Rechter Torso aufgerissen. Interne Anzeigen halten. Bin beweglich.“
„Dann raus da. Hinter den nächsten Block.“
„Roger.“
Adrienne wechselte zu Vivian. „Gib mir dreißig Sekunden.“
„Du hast sie.“
„Großzügig.“
Vivian brachte den Night Gyr nach Norden.
Der Caesar stand tief in einem langen Straßenzug und nutzte einen zurückgesetzten Gebäudeeingang als Deckung. Sein Oberkörper war leicht nach Osten verdreht; damit lag das im Torso verbaute Gaussgeschütz ungefähr auf Romeos Rückzugsweg. Der Pilot gab nur so viel von seiner Maschine frei, wie er für einen Schuss brauchte, und veränderte anschließend seine Stellung um wenige Meter.
Slate kam über den Direktkanal. „Noch ein Block, dann habe ich seine linke Seite. Dafür muss ich über eine Kreuzung, die mir überhaupt nicht gefällt.“
Vivian prüfte seinen Weg. Hinter dem Caesar bewegten sich weitere Markierungen, der Uziel konnte jederzeit von Westen zurückkommen.
„Warte, bis ich ihnen etwas zur Beschäftigung gebe.“
„Das klingt verdächtig nach einem richtig bescheuerten Plan.“
„Du darfst dich später beschweren.“
„Ich beschwere mich grundsätzlich vorher. Dann weiß jeder, was er an mir hat.“
Vivian erreichte die Ecke des nächsten Blocks und bekam den Caesar zum ersten Mal vollständig ins Bild. Etwa fünfhundertfünfzig Meter trennten beide Maschinen. Helle Reparaturfelder unterbrachen die dunkle Panzerung des CES-3R; auf der rechten Torsohälfte lagen frische Brandspuren von Ledgers Leuten.
Der gegnerische Pilot bemerkte sie. Der Oberkörper des Caesar drehte sich einige Grad in ihre Richtung. Für die Gauss fehlte ihm nur noch ein kleines Stück.
Vivian feuerte zuerst.
Beide ER-PPCs entluden sich nahezu gleichzeitig. Eine traf zentral in den Torso, die zweite weiter außen an der Hüfte. Panzerung brach in glühenden Stücken aus dem Caesar und schlug gegen Fahrzeuge und Fassaden.

„Slate, los.“
Der Enforcer trat über die westliche Kreuzung. Seine LB-10X feuerte, bevor der Caesar den Torso weit genug zu ihm herumbringen konnte, und jagte eine schwere Granate in dessen linke Seite.
Der Caesar drehte zurück zu Vivian. Das Gaussgeschoss verfehlte den Night Gyr knapp, schlug vor ihm in die Fahrbahn und riss Asphalt und Unterbau auf. Seine ER-PPC fuhr rechts an Vivian vorbei und bohrte sich in eine Hauswand.
Gleichzeitig eröffneten weitere Loyalisten das Feuer.
Autokanonengeschosse hämmerten aus einer Nebenstraße gegen Slates Stellung und zwangen den Clint hinter die Fassade. Raketen schlugen vor Groundhogs vordersten Gruppen in die oberen Stockwerke eines Bürohauses. Weiter östlich zog ein roter Laserstrahl über die Straße und traf einen Mech aus Ledgers Bereich am Arm; zwei eigene PPCs antworteten fast augenblicklich in Richtung des Schützen.
Ledger erhöhte den Druck auf den Caesar. Romeo blieb hinter den Gebäuden, während Bandit zwischen zwei Hausecken wechselte. Adriennes Dragon Fire trat für einen kurzen Feuerstoß weit genug hervor, dass der Caesar-Pilot erneut entscheiden musste, welche Richtung er deckte.
Das Gaussgeschütz des Dragon Fire feuerte.
Der Treffer schlug in die Brust des Caesar und riss Panzerung heraus.
„Er bewegt sich“, meldete Adrienne.
Der CES-3R trat rückwärts aus dem Straßenzug, bog nach Osten und verschwand hinter einem großen Verwaltungsbau.
„Ich gehe bis zur nächsten Kreuzung“, sagte Ledger. „Wenn er dort weiterzieht, sehe ich es.“
Vivian prüfte den Stadtplan. Die Bebauung gab Adriennes Leuten bis zu dieser Kreuzung mehrere brauchbare Deckungen; jenseits davon öffnete sich eine lange Straße, und einige der unbekannten Kontakte lagen genau in diesem Bereich.
„Bis zur Kreuzung. Halt dich an den Fassaden.“
„Verstanden.“
Der Uziel tauchte wieder auf.
Er kam aus einer westlichen Seitenstraße und lief direkt in Slates Verbindung zu Vivian. Der rechte Arm hing tiefer als zuvor, die Beine arbeiteten weiterhin sauber.
„Slate, links.“
„Gesehen.“
Der Enforcer machte zwei Schritte rückwärts und schwenkte die Autokanone herum. Das LB-10X-Geschoss traf den Uziel tief am linken Bein, genau als dieser den Fuß an den Rand eines Bombentrichters setzte. Der Asphalt brach unter der Last weg, das Knie knickte zur Seite, und der mittelschwere Mech schlug mit der Schulter in eine Gebäudewand. Mauerwerk stürzte über seinen Oberkörper.
Jonas hielt die Waffe auf der liegenden Maschine.
„Lass ihn dort“, sagte Vivian.
Slate atmete hörbar aus. „Er liegt so einladend.“
„Genau deswegen.“
„Schon unterwegs.“
Der Enforcer drehte ab. Sein Watchman deckte den Rückweg, während Garm und Clint näher an die übrige Kompanie herangingen.
Vivians Aufmerksamkeit lag wieder im Osten. Der Caesar war nach seinem Stellungswechsel stehen geblieben. Adrienne hatte ihn ebenfalls.
„Ledger, halt deine Leute an der Kreuzung. Der Caesar wartet dort vorne und ziemlich sicher nicht alleine.“
„Hab ihn.“ Adrienne wechselte kurz auf ihren Kompaniekanal. „Bandit geht auf die Westseite. Romeo bleibt hinten.“
Der Night Gyr bog nach Osten. Noch trennte ihn ein kompletter Häuserblock von Ledgers Kompanie.
Raketen kamen aus dem Norden und schlugen auf beiden Seiten der Kreuzung ein. Splitter und Fassadenstücke prasselten auf Bandits Mech. Ein schwerer Laser zog über die Straße und fraß eine glühende Spur durch ein Parkdeck.
„Die versuchen uns festzuhalten“, sagte Adrienne.
„Sie haben Platz dafür.“
„Dann nehmen wir ihnen den.“
Vivian musste lächeln. Typisch Ledger. Wenn ein Gegner Bewegungsraum hatte, nahm sie ihn ihm weg; über den Rest konnte man danach reden.
„Noch acht Sekunden.“
„Dann mach fünf draus.“
„Unverschämt.“
„Du hast mich eingestellt.“
Vivian erhöhte das Tempo.
Durch den offenen Funk hörte sie Adrienne mit Bandit sprechen. „Zwei Schritte zurück. Er hat deine Schulter.“
Die Antwort des Piloten ging im Rauschen unter.
„Ja, sehe ich. Bleib dort. Wenn er feuert, bekommt er Mauer.“
Ein PPC-Blitz leuchtete am nördlichen Ende der Straße auf. Die Entladung traf die Gebäudeecke vor Bandit. Beton und Glas stürzten auf den Gehweg und schlugen gegen die Beine seines BattleMechs.
Adrienne fluchte. „Er frisst mir die Deckung weg.“
Der Night Gyr hatte noch knapp zweihundert Meter bis zur nächsten Kreuzung.
Der Caesar schob sich einige Meter weiter nach Süden. Hinter ihm zeigte sich kurz die Silhouette eines zweiten BattleMechs, breit in den Schultern und deutlich schwerer als der Uziel. Ein weiterer Waffenblitz kam aus der Tiefe des Straßenzugs. Für eine Identifizierung reichte beides nicht.
Bandit musste seine Stellung räumen.
„Bandit, raus. Zurück hinter den Innenhof“, befahl Adrienne. „Romeo bleibt.“
Bandits BattleMech setzte sich in Bewegung.
Der Caesar drehte den Oberkörper hinter ihm her. Mit jedem Grad kam das im Torso verbaute Gaussgeschütz näher an Bandits Rückzugsweg.
Vivian verstand Adriennes Absicht sofort. Wenn Ledger den gegnerischen Piloten zwang, den Torso wieder zu ihr herumzunehmen, bekam Bandit die nötigen Sekunden für den Rückweg und Vivian zugleich den seitlichen Schusswinkel.
„Ledger, ich bin gleich da.“
„Ich weiß.“
Der Dragon Fire trat an der Gebäudekante hervor.
Sein Gaussgeschütz feuerte.
Der schwere Treffer schlug in die Brust des Caesar und riss weitere Panzerung heraus. Der gegnerische Pilot reagierte und drehte seinen Oberkörper von Bandit weg.
„Caesar hat mich“, sagte Adrienne. Ihr Atem ging schneller, die Stimme blieb klar. „Dein Fenster.“
Die ER-PPC des Caesar antwortete und traf die Fassade neben dem Dragon Fire. Mauerwerk brach über Adriennes Maschine und prasselte über Schulter und Rücken.
Vivian brachte den Night Gyr um die südliche Ecke.
Noch ein kurzes Stück bis zur freien Schusslinie.
„Ledger, Deckung.“
„Noch zwei Sekunden.“
„Ledger.“
Adrienne feuerte die LB-10X. Die Granate traf den Caesar und hielt den gegnerischen Piloten bei ihr, während Bandit hinter der nächsten Häuserfront verschwand.
Vivian sah den Torso des Caesar ein weiteres Stück herumschwenken.
Dann feuerte die Gauss.
Es gab keinen sichtbaren Strahl, dem das Auge hätte folgen können. In einem Augenblick stand der Dragon Fire noch an der Gebäudekante, im nächsten brach seine Kopfsektion auseinander. Panzerung und Cockpitglas wurden nach hinten über die Straße geschleudert. Der fünfundsiebzig Tonnen schwere Mech blieb einen Herzschlag aufrecht, weil die Beine den begonnenen Bewegungsablauf noch ausführten. Der linke Fuß setzte auf, der rechte zog halb nach, dann sackte der Torso nach vorn. Ein Arm schlug gegen die Fassade, der Dragon Fire ging auf die Knie und rutschte über den Asphalt, bis seine Schulter einen abgestellten Lastwagen zerdrückte.
Fast gleichzeitig brach entlang der nördlichen Häuserzeile ein massiver Feuerstoß los.
Laser durchschnitten die Straße, PPC-Entladungen rissen blauweiße Reflexe über Fenster und Fassaden, Autokanonengeschosse schlugen in Asphalt und Beton. Raketen detonierten um Bandits Rückzugsweg und entlang der Gebäude, hinter denen Ledgers Kompanie Deckung suchte. Für einige Sekunden lagen plötzlich fast alle bislang verborgenen Gegner im Gefecht, ohne lange genug sichtbar zu bleiben, dass der Rechner sie sauber identifizieren konnte.
Ledgers Symbol verschwand vom taktischen Display und kehrte grau zurück.
Die Telemetrie war abgebrochen.
Vivian fluchte und öffnete den Kanal. „Ledger, Status.“
Nur statisches Rauschen.
Der Night Gyr ging weiter.
„Ledger, Valkyrie Actual. Status.“
Keine Antwort.
Jetzt lag der Caesar vor ihr. Der schwere Mech begann bereits, hinter den Verwaltungsblock zurückzugehen. Vivian legte das Fadenkreuz auf seinen rechten Torso und drückte den Feuergeber.
Die Ultra AC/10 hämmerte zweimal.
Die erste Granate riss die verbliebene Panzerung weiter auf. Die zweite schlug tiefer ein und brachte den Caesar aus dem Gleichgewicht. Vivian hob den linken Arm für die PPCs, doch der Gegner verschwand hinter der Gebäudekante, bevor die Zielmarkierung stabil wurde.
Slate kam über ihren Direktkanal. Der trockene Unterton seiner Stimme war verschwunden. „Ich habe ihn. Nordwest. Wenn ich sofort gehe, bleibe ich dran.“
Der Wunsch, Jonas hinterherzuschicken, war sofort da.

Vivian schob ihn beiseite und betrachtete die gesamte Lage. Slates Kompanie stand über mehrere Straßen verteilt, der beschädigte Uziel war weiterhin kampffähig, und hinter dem Caesar hatten gerade mehrere bislang verborgene Gegner das Feuer eröffnet. Bandit war getroffen, Romeo schwer beschädigt, und Ledgers Kompanie musste sich erst neu ordnen.
„Negativ. Sammel deine Lanze und sicher West.“
Jonas antwortete nach einem Atemzug. „Verstanden.“
Vivian wechselte auf den Kanal der zweiten Kompanie.
„Bandit.“
„Hört.“
Seine Stimme klang angespannt.
„Du übernimmst Ledgers Kompanie. Romeo bleibt zurück. Halt die Kreuzung und geh keinen Meter weiter.“
Eine kurze Pause.
„Verstanden, Valkyrie.“
Auf dem taktischen Display begann sich das Bild zu verändern.
Der Caesar ging weiter nach Norden.
Einer der Kontakte hinter ihm löste sich ebenfalls aus seiner Stellung. Dann ein zweiter. Drei weitere Markierungen bewegten sich nahezu gleichzeitig rückwärts durch die Häuserblocks. Westlich stemmte sich der beschädigte Uziel von der Gebäudewand hoch, brachte sein angeschlagenes Bein unter den Körper und humpelte nach Norden, soweit die beschädigten Aktivatoren es zuließen.
Das gegnerische Feuer wurde dünner.
Eine Autokanone schwieg. Kurz darauf brach das Raketenfeuer ab. Ein PPC-Schuss ging noch über die Straße, dann verschwand auch diese Signatur tiefer zwischen den Gebäuden.
Etwas später kam Kite wieder über Funk. Ihr zweiter Anflug führte sie nur für wenige Sekunden über den nördlichen Teil des Gefechtsraums.
„Valkyrie Actual, Kite. Bestätige Rückzug. Die ganze Gruppe löst sich nach Norden und Nordwesten. Auch der große Kontakt.“
„Verstanden. Weiterfliegen.“
„Roger.“
Slate meldete sich. „Jetzt haben wir sie offen.“
Vivian beobachtete die gegnerischen Symbole. Die Loyalisten waren noch kampffähig. Mehrere ihrer Maschinen hatten aus vorbereiteten Stellungen geschossen und keine erkennbaren schweren Schäden genommen. Trotzdem brachen sie gemeinsam den Kontakt ab.
„Wir laufen ihnen nicht hinterher“, sagte sie. „Halt deine Leute.“
„Roger.“
Der priorisierte Regimentskanal öffnete sich fast unmittelbar danach.
„Alle Elemente der Sechsten im Raum Avalon City: Stellung halten. Offensive Bewegungen einstellen. Feuer nur bei unmittelbarer Bedrohung. Wiederhole: Stellung halten. Weitere Befehle folgen.“
Vivian sah einen Augenblick auf das Funksymbol.
„Valkyrie Actual bestätigt.“
Warum der Befehl kam, wusste sie nicht.
Groundhog meldete sich beinahe gleichzeitig. „Valkyrie Actual, Groundhog Actual. Wir kommen an Ledger ran. Medics unterwegs.“
Vivian stellte den Night Gyr hinter eine Hausecke, die ihr Sicht auf die Kreuzung gab und zugleich den größten Teil der Maschine vor dem Norden deckte. „Meldet ihren Zustand.“
Bandit hatte die zweite Kompanie inzwischen übernommen. Seine nächsten Befehle kamen kontrollierter. Romeo zog sich tiefer in die Straße zurück, die übrigen Mechs verteilten sich an den Fassaden und hielten ihre Waffen auf die nördlichen Zugänge gerichtet.
Sechs Infanteristen rannten geduckt aus einem Hauseingang zum Dragon Fire. Einer trug eine kurze Leiter, zwei medizinische Taschen. Durch die Seitenlage des schweren Mechs hing die zerstörte Kopfsektion tief genug, dass sie ohne Bergefahrzeug an das Cockpit herankamen.
Vivian stand hundertfünfzig Meter entfernt.
Ein Medic stieg am Torso hoch, zog sich an einer Panzerkante vorbei und beugte sich in das beschädigte Cockpit. Er blieb einige Sekunden dort. Als er sich wieder aufrichtete, bewegte er sich langsam und schüttelte nur den Kopf.
Groundhog meldete sich.
Seine Stimme hatte sich verändert.
„Valkyrie Actual.“
Vivian hielt den Steuergriff fester. „Hört.“
„Ledger ist gefallen.“
Sie hatte es gewusst, seit die Gausskugel das Cockpit getroffen hatte. Die Meldung ließ keinen Raum mehr für den kleinen Rest an Unsicherheit, den eine abgebrochene Telemetrie offenließ.
Die Lüftung des Night Gyr arbeitete gegen die Restwärme. Auf dem Schadensdiagramm blinkte die linke Schulter gelb. Unterhalb des Cockpits liefen Soldaten durch die Kreuzung. Weiter nördlich verschwanden die letzten gegnerischen Signaturen zwischen den Gebäuden.
Vivian öffnete das Bataillonsnetz.
„Valkyrie Actual an alle Elemente. Ledger ist gefallen. Bandit führt die zweite Kompanie. Wir halten gemäß Regimentsbefehl die erreichten Positionen. Slate sichert West, Groundhog die Gebäude zwischen den Kompanien. Meldet jeden Kontakt, der wieder nach Süden kommt.“
Die Bestätigungen folgten nacheinander. Einige Stimmen klangen gepresst, andere bewusst nüchtern.
Slate antwortete zuletzt.
„Bei dir, Valkyrie.“
Vivian sah noch einmal zum Dragon Fire. Die Medics waren am Cockpit geblieben; zwei weitere Infanteristen sicherten die Straße.
Dann richtete sie die Außenkameras nach Norden.
Das Feuer in diesem Teil Avalon Citys verstummte allmählich. Weiter entfernt waren noch einzelne Detonationen zu hören, und irgendwo westlich feuerte eine Autokanone ein letztes Mal. Danach blieb nur das Echo zwischen den Häusern.
Vivian hielt ihr Bataillon zusammen und wartete auf den nächsten Befehl.
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Avalon City, New Avalon
23. April 3067


Albert Jehlik hatte Kaffee auf dem Tisch und zwei Personalakten daneben.
Vivian bemerkte zuerst die Akten.
„Das verheißt selten etwas Gutes.“
Albert stand am Fenster und drehte sich zu ihr um. „Sieben Jahre Zusammenarbeit, und du erkennst meine Methoden immer noch hauptsächlich an den unangenehmen Details.“
„Die angenehmen Details sind selten.“
„Ich habe Kaffee.“
Vivian nahm den angebotenen Becher und roch daran. „Tee wäre mir lieber, aber gut gehandelt und akzeptiert.“
Albert lachte und deutete auf den Stuhl gegenüber. „Setz dich, bevor ich meinen neuen Rang missbrauche und dich Möchtegern-Clanabschaum einsperren lasse.“
Vivian sah zu ihrem Becher, dann wieder zu ihm. „Das ging schnell.“
„Ich bin lernfähig.“
„Das behauptest du seit Jahren.“
Sie setzte sich.
Die neuen Rangabzeichen wirkten an Albert noch ungewohnt. Seit Patricia Vineman wenige Tage zuvor gefallen war, hatte ihr bisheriger XO die Führung der 6. Crucis Lancers übernommen. Aus der unmittelbaren Nachfolge auf dem Gefechtsstand war inzwischen ein offizieller Auftrag geworden: Lieutenant General Albert Jehlik sollte den schwer angeschlagenen Verband durch die ersten Schritte des Wiederaufbaus führen.
Seinem Gesicht sah Vivian vor allem an, dass er seit Tagen zu wenig schlief.
Albert strich mit einem Finger über eines der neuen Rangabzeichen. „Seit sechs Uhr vierzig offiziell. Um sechs Uhr zweiundvierzig standen drei Leute in meinem Büro und wollten Dinge von mir, die ich als Major offenbar noch nicht leisten konnte.“
„Vielleicht werden Ersatzmechs zusammen mit den Sternen ausgegeben.“
„Dann fehlt meiner Lieferung einiges.“
Vivian nahm einen Schluck und verzog das Gesicht. „Der Kaffee macht deine Beförderung auch nicht überzeugender.“
„Du hast ihn akzeptiert.“
„Unter Vorbehalt.“
„Zu spät.“
Sie lächelte. Sein Blick wanderte zu den Akten.
„Patricia ist noch keine Woche tot, und ich habe bereits Leute, die wissen wollen, wie die Sechste in einem Jahr aussehen soll.“ Albert nahm seinen Becher und schüttelte leicht den Kopf. „Im Augenblick wäre ich froh, wenn ich vernünftig sagen könnte, wie sie nächsten Monat aussieht.“
„Wie schlimm?“
„Schlimm genug. Zu viele Maschinen stehen. Zu viele Leute fehlen. Und genug vom Regiment ist übrig, dass niemand auf die Idee kommt, uns ein Jahr in Ruhe zu lassen.“
Vivian kannte diese Art von Bilanz. „Also wiederaufbauen.“
„Also wiederaufbauen.“
Albert nahm die obere Akte.
„Die hier lag schon vor dem Zwanzigsten.“
Er schob sie über den Tisch.

Vivian erkannte ihren Namen auf dem Deckblatt. Die ersten Seiten ihrer Personalakte kannte sie: Verwendungen, Beurteilungen, Auszeichnungen und die trockene Zusammenfassung einer Laufbahn, die fast fünfundzwanzig Jahre umfasste. Auf der zweiten Seite fand sie etwas Neues.

Vorgeschlagene Beförderung: Colonel.Vorgesehene Verwendung: Kommandierende Offizierin, BattleMech-Regiment, 6. Crucis Lancers.

Vivian las die beiden Zeilen zweimal und hob den Kopf.
„Du wolltest mir das Mech-Regiment geben.“
„Ja.“
„Seit wann?“
Albert drehte den Kaffeebecher ein Stück zwischen den Händen. „Der Vorschlag ist älter als diese Woche. Patricia kannte ihn.“
Vivian blickte wieder auf die Akte. „Und war einverstanden?“
„Sie hat ihn unterstützt.“
Das überraschte Vivian weniger, als es vielleicht sollte. Patricia Vineman hatte Lob selten großzügig verteilt, aber sie hatte immer gewusst, welche ihrer Offiziere welche Aufgaben bewältigen konnten.
„Und du?“
Albert schnaubte. „Ich hatte keinerlei Interesse, das Mech-Regiment zu übernehmen. Ich war Patricias XO und hatte dort bereits genügend Möglichkeiten, mir den Tag verderben zu lassen.“
Vivian sah zu seinen neuen Rangabzeichen.
„Jetzt sitzt du auf ihrem Stuhl.“
Sein Gesicht wurde für einen Augenblick ernst. „Ja. Das war in keinem unserer Pläne vorgesehen.“ Er tippte auf Vivians Personalakte. „Dein Teil schon. Patricia sollte die Sechste führen, ich ihren Stab zusammenhalten, und du solltest das BattleMech-Regiment übernehmen, sobald die Neuordnung durch war. Dann ist Patricia gefallen, und innerhalb von drei Tagen sieht die ganze Führungsebene anders aus.“
„Bis auf meinen Teil.“
„Genau. Den wollte ich behalten.“
Vivian lehnte sich zurück. „Sehr rücksichtsvoll.“
„Ich habe gelegentlich lichte Momente.“
Albert deutete auf ihre Akte. „Du kennst die Sechste, du kennst das Regiment und die Leute, die noch da sind. Beim Wiederaufbau bekomme ich neue Piloten, zurückkehrende Verwundete, Ersatzmaschinen und Offiziere aus Verbänden, die anders geführt wurden. Ich wollte oben im Mech-Regiment jemanden, dessen Lageberichte ich verstehe, ohne vorher ein Wörterbuch anzulegen.“
Vivian hob den Blick. „Das ist das Netteste, was du seit Monaten zu mir gesagt hast.“
„Dann solltest du es genießen. Die Quote ist verbraucht.“
Sie lächelte und sah zur zweiten Akte.
Alberts Miene veränderte sich.
„Die gehörte zum selben Plan.“
Er schob die Mappe zu ihr.

LOCKE, ADRIENNE.

Vivian ließ die Hand einige Sekunden auf dem Deckblatt liegen, bevor sie es öffnete.

Vorgeschlagene Beförderung: Major.
Vorgesehene Verwendung: Kommandierende Offizierin, 2. Bataillon, BattleMech-Regiment, 6. Crucis Lancers.


Der Aufbau war sauber gewesen. Vivian sollte das BattleMech-Regiment übernehmen, Adrienne ihr bisheriges Bataillon.
„Sie wusste davon nichts.“
„Ich wollte zuerst mit dir sprechen und danach mit ihr.“
Vivian lehnte sich zurück. „Sie hätte mich mindestens zwei Monate lang für den Zustand des Bataillons verantwortlich gemacht.“
„Am zweiten Tag hätte sie dir die erste Liste geschickt.“
„Listen. Mehrzahl.“
Albert lächelte müde. „Personal, Maschinen und diese dritte Liste, die sie offiziell nie geführt hat.“
Vivian lachte. Es kam leichter, als sie erwartet hatte, und schmerzte gleichzeitig.
„Und sie hätte behauptet, die dritte Liste existiert überhaupt nicht.“
„Während sie daraus vorliest.“
„Natürlich.“
Albert fuhr mit zwei Fingern über den Rand von Adriennes Akte. „Sie war bereit.“
Vivian sah auf den Namen.
„Ja.“
Eine Weile sagte keiner von beiden etwas.
Dann schob Vivian ihre eigene Mappe ein Stück von sich fort.
Albert bemerkte es sofort. „Was?“
„Ich nehme das Regiment nicht.“
Seine Stirn legte sich in Falten. „Vivian, das ist keine Frage des Wollens.“
„Ich trete aus.“
Jetzt schwieg er.
Im Korridor vor dem Büro ging jemand vorbei. Stimmen entfernten sich wieder. Durch das Fenster hinter Albert sah man Kräne zwischen den beschädigten Gebäuden von Avalon City arbeiten.
Er stellte seinen Becher langsam ab. „Seit wann?“
„Der Gedanke? Vielleicht ein Jahr. Die Entscheidung ist jünger.“
„Liegt es am Zwanzigsten?“
Vivian nahm sich Zeit mit der Antwort. „Der gehört zu allem, was gerade in meinem Kopf herumgeht. Adrienne ist der Grund, weshalb es sich heute härter anfühlt. Sie ist nicht der Grund, weshalb ich gehe.“
Albert stützte die Unterarme auf den Tisch und wartete.
Bei ihm konnte sie auf eine sauber ausgearbeitete Begründung verzichten. Nach sieben Jahren gemeinsamer Arbeit hätte er ohnehin gemerkt, wenn sie ihm einen Satz verkaufte, den sie sich vorher zurechtgelegt hatte.
„Ich bin seit 3042 im Dienst“, begann Vivian. „Als die Clan-Invasion kam, hatte ich schon Jahre hinter mir. Danach die Hussars, Suk II, die Guards, Bulldog, die Sechste und der Bürgerkrieg. Dazwischen lagen genügend kleinere Einsätze, Verlegungen und Bereitschaften, um die Lücken zu füllen.“
Albert nickte leicht.
Vivian strich mit dem Daumen über eine Schramme im Tisch. „Fast fünfundzwanzig Jahre lang wusste ich meistens, wo ich im nächsten Quartal sein sollte, weil irgendein Operationsplan es mir gesagt hat. Ich habe mehr Zeit in Gefechtsständen, Transportern und Mechcockpits verbracht als an irgendeinem Ort, den man Zuhause nennen könnte.“ Sie hob den Blick. „Ich glaube, ich habe genug davon.“
Albert musterte sie. „Vom Kämpfen?“
„Das wäre einfacher, aber nein.“
Sie nahm den Becher, stellte ihn wieder hin und schob ihn einige Zentimeter von sich fort.
„Wenn morgen draußen eine feindliche Einheit auftaucht, sitze ich wahrscheinlich als Erste wieder im Cockpit. Das kann ich. Vielleicht kann ich es sogar zu gut.“ Sie atmete langsam durch. „Ich bin des Soldatenlebens müde, Albert. Zumindest gerade. Ich möchte ein paar Monate haben, in denen niemand von mir erwartet, dass ich eine Kompanie auffülle, einen Marschbefehl unterschreibe oder herausfinde, welche meiner Leute dieses Mal nicht zurückkommen.“
Albert senkte den Blick auf die Akten.
„Das klingt ziemlich endgültig.“
„Der Austritt ist endgültig.“
„Der Rest?“
Vivian hob die Schultern. „Keine Ahnung.“
Jetzt musste Albert trotz allem lächeln. „Ich glaube, ich habe diesen Satz von dir in sieben Jahren genau einmal gehört.“
„Dann solltest du den Tag markieren.“
„Was machst du jetzt?“
„Zunächst fliege ich nach Hause.“
„Argyle?“
Vivian nickte. „Argyle.“
„Das ist ein Anfang. Und was machst du dann dort?“
„Mehr habe ich gerade nicht.“
Albert drehte den Becher zwischen den Händen. „Willst du das Familienunternehmen übernehmen?“
Vivian lachte. „Meine Mutter würde wahrscheinlich noch vor meiner Landung einen Vertragsentwurf vorbereiten.“
„Also ja?“
„Also: Ich weiß es wirklich nicht.“ Sie strich eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Vielleicht helfe ich meinen Eltern eine Weile. Mein Vater wird genügend Arbeit finden, bei der niemand mit einer PPC auf mich schießt.“
Albert hob eine Braue. „Du und Landwirtschaft.“
„Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen.“
„Du bist mit zwölf auf eine Militärschule gegangen.“
„Ich kann trotzdem Getreide von einem BattleMech unterscheiden.“
„Das beruhigt mich ungemein.“

Vivian grinste und griff wieder nach dem Kaffee, offenbar überzeugt, dass er sich durch Zeit doch noch in Tee verwandeln könnte. Der nächste Schluck widerlegte diese Hoffnung.
„Fiona ist ebenfalls auf Argyle. Meine Eltern sind Anfang siebzig. In den letzten Jahren habe ich mehr Zeit auf Feldzügen als bei ihnen verbracht.“ Sie stellte den Becher endgültig ab. „Vielleicht gehe ich einfach nach Hause und sehe, wie sich das anfühlt.“
Albert lehnte sich zurück und rieb sich über das Kinn.
„Verdammt.“
„Überzeugend?“
„Bedauerlich.“
Der Humor verschwand aus seiner Stimme.
„Ich hatte wirklich mit dir geplant, Vivian. Deine Akte ist dabei der unwichtigere Teil.“ Er tippte mit einem Finger auf die Mappe. „Ich weiß nach sieben Jahren, wie du führst. Du sagst mir, wenn ein Plan Unsinn ist. Wenn ich danach daran festhalte, setzt du ihn um und sorgst dafür, dass deine Leute verstehen, wofür. Vor allem sorgst du dafür, dass möglichst viele wieder zurückkommen. Bei Problemen bekomme ich von dir eine Meldung, bevor jemand versucht, sie in einem Bericht kleiner zu machen.“ Albert schüttelte leicht den Kopf. „Solche Offiziere ersetzt man ungern.“
Vivian hielt seinen Blick.
„Ich werde die Zusammenarbeit mit dir auch vermissen.“
Seine Brauen gingen hoch. „Das klang beinahe freundlich.“
„Gewöhn dich nicht daran.“
„Zu spät. Ich habe Zeugen im Flur.“
„Die Tür ist geschlossen.“
„Ich bin Lieutenant General. Ich finde welche.“
Beide lachten. Für einige Sekunden war es wieder das vertraute Miteinander aus sieben Jahren, aus langen Stabssitzungen, schlechten Mahlzeiten, Karten voller unbrauchbarer Pfeile und Gesprächen, die erst begonnen hatten, nachdem alle anderen gegangen waren.
Albert nahm Adriennes Akte an sich.
„Ihre Beförderung geht durch.“
Vivian wurde wieder ernst. „Postum.“
„Die Entscheidung war getroffen. Der Papierweg war langsamer als der Krieg.“ Seine Hand blieb auf der Mappe liegen. „Ich will in ihrer Akte den Rang stehen haben, für den sie vorgesehen war.“
Vivian nickte.
„Major Locke.“
„Major Locke.“
Sie stellte sich Adriennes Reaktion vor und musste lächeln. „Sie hätte zwei Tage lang über den zusätzlichen Papierkram geschimpft.“
„Und jeden korrigiert, der sie am dritten Tag noch Captain nennt.“
„Wahrscheinlich schon am ersten.“
Albert schloss die Mappe.
Dann nahm er Vivians Akte wieder auf.
„Deine Beförderung geht übrigens ebenfalls durch.“
Vivian blinzelte. „Nein.“
„Doch.“
„Albert.“
„Vivian.“
Der Ausdruck in seinem Gesicht war ihr aus sieben Dienstjahren vertraut. Er hatte eine Entscheidung getroffen und war geradezu unangemessen zufrieden damit.
„Ich trete mit Wirkung zum fünften Mai aus der AFFS aus.“
„Das habe ich verstanden.“
„Dann brauche ich die Beförderung zum Colonel nicht.“
„Das interessiert mich nur begrenzt.“
Vivian starrte ihn an.
Albert lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Die Empfehlung ist vorbereitet, deine Leistung rechtfertigt sie, und ich bekomme sie noch vor deinem Ausscheiden durch. Das Mech-Regiment geht an jemand anderen. Mit dem Colonel wirst du leben müssen.“
„Für ein paar Tage.“
„Auch ein paar Tage reichen für eine Personalakte.“
Vivian begann zu lachen. „Du machst das nur, weil ich das Regiment abgelehnt habe.“
„Das spielt möglicherweise eine befriedigende Nebenrolle.“
„Kleinlich.“
„Ich nenne es Abschlussverwaltung.“
„Machtmissbrauch.“
„Frühe Gewöhnung an meinen neuen Dienstgrad.“
Sie schüttelte den Kopf. Albert hatte sichtlich Spaß daran.
„Ich kann die Beförderung ablehnen.“
„Dann findet dein Schreiben drei Wochen lang den falschen Schreibtisch.“
„Du hast vorhin behauptet, mit dem neuen Rang mehr Verantwortung zu haben.“
„Verantwortung heißt, Prioritäten zu setzen und das System zu kennen.“
Vivian sank etwas tiefer in den Stuhl. „Du bist unmöglich.“
„Und du wirst als Colonel aus der AFFS ausscheiden.“
Sie betrachtete ihre Personalakte.
Jahrelang hätte eine solche Beförderung einen neuen Abschnitt ihrer Laufbahn eröffnet. Jetzt bekam sie den Rang unmittelbar vor deren Ende und würde das damit verbundene Kommando nie antreten. Die Ironie war zu offensichtlich, um sie bitter zu finden.
„Gut“, sagte sie schließlich. „Dann kannst du irgendwann erzählen, dass Colonel McFairley dein Regiment abgelehnt hat.“
Albert grinste. „Ich werde die Geschichte jedes Jahr besser machen.“
„Davon gehe ich aus.“
Er legte ihre Akte neben Adriennes.
„Wann fliegst du?“
„Am fünften. Der Abflug ist bestätigt. Wenn wir am Sprungpunkt keinen Anschluss verpassen, bin ich in zehn, vielleicht zwölf Tagen auf Argyle.“
Albert nickte. „Das ist ja fast unverschämt bequem.“
„Ein Sprung. Ich hatte nach den letzten Jahren offenbar einmal Glück.“
„Der Night Gyr reist mit?“
„Natürlich.“
Albert hob die Hände. „Man durfte hoffen.“
„Darauf, dass ich dir einen fünfundsiebzig Tonnen schweren Clan-OmniMech schenke?“
„Ich habe seit heute Sterne. Offenbar macht das optimistisch.“
„Dann wirst du enttäuscht.“
„Wäre nicht das erste Mal.“
Vivian stand auf. Albert folgte ihr.
„Also Argyle.“
„Argyle.“
„Familienunternehmen vielleicht.“
„Vielleicht.“
„Und danach weißt du es tatsächlich nicht.“
Vivian lächelte. „Du lernst schnell.“
Albert sah sie einen Moment lang an. „Dann finde es heraus.“
Sie trat um den Tisch und hielt ihm die Hand hin.
Albert blickte darauf. „Nach sieben Jahren bekomme ich einen Handschlag?“
„Ich könnte salutieren, Lieutenant General.“
„Nimm sofort die Hand zurück und gib sie mir.“
Vivian lachte und schlug ein.
Der Griff hielt länger als bei einem gewöhnlichen dienstlichen Abschied. Albert legte seine freie Hand kurz auf ihren Unterarm.
„Flieg nach Hause, Vivian.“
„Bau die Sechste wieder auf.“
„Ich fange damit an.“
Er ließ sie los, und Vivian ging zur Tür.
„Colonel“, rief Albert ihr hinterher.
Sie blieb stehen und drehte den Kopf.
Er grinste.
Vivian zeigte ihm wortlos den Mittelfinger und verließ das Büro, während er hinter ihr lachte.
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Avalon City, New Avalon
28. April 3067


Victor Steiner-Davions Ansprache wurde in einer Fahrzeughalle übertragen, die man für einige Stunden freigeräumt hatte. Mehrere hundert Soldaten, Mechkrieger, Techs und Angehörige der Unterstützungseinheiten standen zwischen Versorgungsfahrzeugen und mobilen Werkbänken. Verwundete hatten Plätze am Rand bekommen; manche saßen auf Stühlen, andere auf Werkzeugkisten oder zusammengelegten Decken.
Vivian lehnte mit einer Schulter an einem Pfeiler und hielt einen Becher starken schwarzen Tee in beiden Händen.
Auf der großen Projektionsfläche sprach Victor über das Ende des Bürgerkriegs, über Katherine, die Zukunft der Vereinigten Sonnen und der Lyranischen Allianz und über den Wiederaufbau nach Jahren, in denen sich ein Staat gegen sich selbst gewandt hatte.
Die Menschen in der Halle hörten sehr unterschiedlich zu.
Ein junger Lieutenant neben Vivian trug die linke Hand in einem festen Verband und stand während der gesamten Ansprache beinahe regungslos. Einige Reihen weiter vorn saß ein Mechkrieger mit frischen Verbrennungen auf einer Gesichtshälfte. Ein Infanterist hatte die Krücken quer über die Knie gelegt und klopfte mit zwei Fingern unregelmäßig gegen einen der Griffe.
Bei einigen Passagen kam Beifall auf. Andere ließen die Halle ruhig.
Vivian hörte Victor bis zum Ende zu. Seine Worte gehörten zu demselben Krieg wie die Kreuzung vom zwanzigsten April, Adriennes Dragon Fire und die Namen in den Verlustmeldungen, nur aus einer anderen Entfernung betrachtet.
Als die Übertragung endete, blieb es einige Sekunden still. Dann standen die ersten Leute auf, Gespräche begannen zwischen den Reihen, Stühle wurden zur Seite getragen. Ein Tech zog seine Werkzeugkiste bereits wieder zu einem Radpanzer, während auf der Projektionsfläche noch das Abschlussbild der Übertragung stand.
Vivian trank den letzten Schluck Tee, stellte den Becher auf einen Arbeitstisch und ging mit den anderen hinaus.

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Raumhafen Avalon City, New Avalon
05. Mai 3067


Das Landungsschiff stand auf einem der äußeren Pads, umgeben von Frachtcontainern, Zugmaschinen und Bodenmannschaften. Unterschiedliche Farbtöne auf den Rumpfplatten verrieten ältere Reparaturen; mehrere Wartungsbereiche waren frisch versiegelt worden, und an der Backbordseite zog sich neue Lackierung über einen größeren Abschnitt der Außenhaut.
Vivians Night Gyr stand seit dem Morgen verzurrt in der Mech-Transportbucht des Landungsschiffs.
Sie hatte sich die Sicherung selbst angesehen. Der Lademeister hatte ihre Gegenwart eine Weile mit professioneller Höflichkeit ertragen und schließlich gefragt, ob sie auch während des Starts neben der Maschine stehen wolle.
Vivian hatte erklärt, sie denke darüber nach.
Der Mann hatte sie einige Sekunden angesehen und danach beschlossen, wieder zu arbeiten.
Jetzt standen nur noch eine Reisetasche und ein Hartschalenkoffer bei ihr. Weitere persönliche Dinge würden später folgen. Ein Vierteljahrhundert Dienstzeit ließ sich ohnehin schlecht in zwei Gepäckstücke aufteilen.
Vom Nachbarpad hob ein anderes Landungsschiff ab. Die Triebwerke bauten Schub auf, und der Druck rollte über den Raumhafen. Warme Luft trieb Staub zwischen den Markierungen hindurch, während die Maschine über die Gebäude stieg und langsam kleiner wurde.
Hinter dem Raumhafen lag Avalon City.
Von hier aus wirkten viele Schäden weniger unmittelbar als aus dem Cockpit eines BattleMechs. Zwischen den Hochhäusern standen Kräne, an einigen Türmen fehlten ganze Fassadenteile, und Kolonnen von Arbeitsfahrzeugen bewegten sich durch Straßen, in denen zwei Wochen zuvor noch geschossen worden war.
Wenn die Verbindung am Sprungpunkt hielt, würde Vivian in zehn oder zwölf Tagen auf Argyle sein.
Ihre Eltern warteten dort.
Fiona ebenfalls.
Vivian konnte sich ziemlich genau vorstellen, wie die ersten Stunden ablaufen würden. Ihr Vater würde wissen wollen, ob sie auf der Reise ordentlich gegessen hatte. Ihre Mutter würde spätestens nach dem ersten gemeinsamen Essen nach dem Wartungszustand des Night Gyr, der Ersatzteilversorgung und den Kosten von Clan-Technik fragen. Fiona würde wahrscheinlich mehrere Fragen stellen, während irgendjemand noch die erste beantwortete.
Was Vivian einige Wochen später tun würde, konnte sie deutlich schlechter vorhersagen.
Ein Besatzungsmitglied trat aus der geöffneten Passagierschleuse und überprüfte die letzten Namen auf seinem Datenpad.
„Colonel McFairley?“
Vivian reagierte mit einer kleinen Verzögerung.
Der Mann sah noch einmal auf sein Pad. „Colonel Vivian Estelle McFairley?“
Sie hob ihre Reisetasche auf.
„Ja. Das bin ich.“
Er setzte einen Haken neben ihren Namen. „Kabine C-achtzehn. Das Handgepäck können Sie mitnehmen.“
„Danke.“
Vivian ging über das Pad zum Landungsschiff.
Am Fuß der Einstiegstreppe musste sie kurz warten, bis eine Zugmaschine mit zwei Frachtcontainern den Weg geräumt hatte. Danach stieg sie hinauf und trat durch die Schleuse.
Im Inneren nahm ihr ein Besatzungsmitglied den größeren Koffer ab und wies ihr den Weg zu den Passagierkabinen. Vivian fand C-achtzehn, schob die Reisetasche unter die untere Liege und setzte sich auf die schmale Matratze.
Wenig später meldete der Bordlautsprecher den Beginn der Startvorbereitungen. Vivian zog den Sicherheitsgurt über die Schulter und schloss ihn. Kurz darauf ging ein tiefes Vibrieren durch die Schiffszelle, als die Systeme für den Start hochfuhren.

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Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein!

"Ich treffe alles, was ich sehe!"
Starcolonel Kurt Sehhilfe, Clan SeeBug
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Kapitel 2

Dún Mór, Argyle
17. Mai 3067


Die Wärme erreichte Vivian bereits in der Fluggastbrücke. Nach zwölf Tagen zwischen Kabinen, Schleusen, künstlicher Beleuchtung und den immer gleichen metallischen Gerüchen von Landungs- und Sprungschiffen fühlte sich die Luft von Argyle beinahe verschwenderisch an. Durch die geöffneten Außentüren des Terminals drangen warmer Wind, der Geruch aufgeheizter Steinflächen und das schwere Aroma von Vegetation herein. Irgendwo außerhalb mussten frisch bewässerte Grünanlagen liegen; Vivian roch feuchte Erde und etwas Blühendes, das sie keiner Pflanze mehr zuordnen konnte.
Sie verlangsamte unwillkürlich den Schritt. Vor den hohen Fenstern des Terminals lag der Raumhafen von Dún Mór. Seit ihrem letzten längeren Aufenthalt auf Argyle waren neue Frachthallen hinzugekommen, und mehrere Abfertigungsgebäude wirkten deutlich größer, als sie sie in Erinnerung hatte. Schlepper bewegten Container zwischen den Pads, Lastfahrzeuge verschwanden in überdachten Logistikbereichen, und hinter den flachen Gebäuden ragten die Rümpfe dreier Landungsschiffe in den hellen Himmel.
Weiter südlich ging die Stadt in breite Agrarflächen über. Sattes Grün wechselte mit helleren Getreideschlägen, goldgelben Feldern und dunklem Boden, auf dem Bewässerungsanlagen schmale glänzende Linien hinterlassen hatten. Baumreihen folgten Wasserläufen und Zufahrtswegen. Dazwischen standen Speicherkomplexe, Verarbeitungsanlagen und landwirtschaftliche Hallen, deren Dimensionen deutlich machten, welche Bedeutung die Landwirtschaft für Argyle hatte. Von hier gingen Lebensmittel und verarbeitete Agrarprodukte zu zahlreichen Welten der Vereinigten Sonnen.
Vivian blieb einen Moment vor der Glasfront stehen. Sie erinnerte sich an diese Weite. Mit zwölf hatte sie Argyle verlassen. Danach waren Vorbereitungsschule, Akademie und AFFS gekommen, und aus gelegentlichen Heimreisen waren mit den Jahren immer größere Abstände geworden. Seit Beginn des Bürgerkriegs hatte sie das Landgut ihrer Eltern überhaupt nicht mehr gesehen.
Fast sieben Jahre. Die Zahl überraschte sie, als sie darüber nachdachte. In dieser Zeit hatte Fiona sich von einer Dreizehnjährigen zu einer jungen Frau entwickelt. Ihre Eltern waren älter geworden. Das Unternehmen hatte expandiert. Vivian selbst hatte mehrere Feldzüge, unzählige Verlegungen und einen Bürgerkrieg hinter sich gebracht.


Hinter ihr kamen Schritte näher.
„Colonel McFairley?“
Vivian drehte sich um. Der Mann, der sie angesprochen hatte, war vielleicht Mitte dreißig und trug einen dunkelgrauen Anzug, der für einen Mitarbeiter des Raumhafens ungewöhnlich elegant wirkte. Das kleine Firmenzeichen an seiner Brust erkannte Vivian sofort. Es gehörte zum Unternehmen ihrer Eltern. Neben ihm stand ihr Hartschalenkoffer. Ihre Reisetasche hielt er bereits in der Hand. Vivians Blick blieb daran hängen.
„Das ist meine.“
Der Mann zögerte. „Ja, Ma'am.“
„Ich meinte …“ Vivian brach ab und musste über ihre eigene Reaktion lächeln. „Entschuldigung. Wer sind Sie?“
„Daniel Corren. Gästeservice der McFairley-Verwaltung. Ihr Vater hat mich gebeten, mich um Ihr Gepäck und die Freigabe der persönlichen Fracht zu kümmern.“
Gästeservice. Das Wort gehörte zu einem Leben, das Vivian beinahe vergessen hatte. Seit fast dreißig Jahren trug sie ihr eigenes Gepäck. Meistens bestand es aus einem Seesack, einer Reisetasche, Uniformteilen und persönlicher Ausrüstung, die irgendwo zwischen Kaserne, Transportfahrzeug und Landungsschiff verstaut werden musste. Andere Menschen griffen danach, wenn ein Quartiermeister eine Verladung organisierte oder ein Lademeister verlangte, dass sämtliche Taschen endlich aus einer Schleuse verschwanden.
Ein Angestellter des Familienunternehmens, der sie am Raumhafen erwartete und ihr höflich die Reisetasche abnahm, fühlte sich wesentlich fremder an als die meisten militärischen Abläufe der vergangenen Jahrzehnte.
„Meine Eltern schicken jemanden, um mir den Koffer zu tragen.“
Corren schien nicht sicher, ob sie sich beschwerte.
„Ihr Vater sagte, Sie würden vermutlich darauf bestehen, es selbst zu tun.“
Vivian hob eine Braue. „Hat er das.“
„Ja, Ma'am.“
„Und was sollten Sie in diesem Fall machen?“
Jetzt lächelte der Mann vorsichtig. „Trotzdem hier sein.“
Das klang eindeutig nach Alistair. Vivian gab die Reisetasche endgültig frei. „Dann möchte ich Sie nicht wegen mir in Schwierigkeiten bringen.“
„Danke, Ma'am.“
„Und Colonel müssen Sie nicht jedes Mal sagen. Der Rang ist noch neu genug, dass ich gelegentlich vergesse, dass jemand mich meint.“
Corren nickte. „Verstanden.“
Er nahm auch den Koffer. Vivian folgte ihm durch die Halle und war sich ihrer leeren Hände dabei unangenehm bewusst. Zweimal wollte sie beinahe wieder nach ihrer Tasche greifen. Die Gewohnheit saß tiefer, als sie gedacht hatte.
Vor dem Terminal wartete ihr Vater. Alistair Graham McFairley stand neben einem dunkelblauen Geländewagen und sprach mit einem Mitarbeiter des Raumhafens. Als er Vivian sah, beendete er das Gespräch, gab dem Mann die Hand und ging ihr entgegen.
Vivian blieb stehen. Mit vierundsiebzig war er schmaler geworden. Seine Schultern wirkten noch immer breit, die Haltung aufrecht, doch sein Haar war inzwischen fast vollständig weiß und die Linien um Augen und Mund hatten sich vertieft. Er trug eine helle Arbeitshose und ein offenes Hemd über einem einfachen T-Shirt. An den Schuhen klebte getrocknete Erde. Dann lächelte er. Es war dasselbe breite, offene Lächeln, das Vivian aus ihrer Kindheit kannte. Für einige Sekunden fielen Rang, Dienstzeit und die letzten Wochen auf New Avalon weit genug zurück, dass sie einfach seine Tochter sein konnte.
„Da bist du ja.“
Alistair schloss sie in die Arme. Vivian erwiderte die Umarmung sofort. Er hielt sie fest, eine Hand zwischen ihren Schulterblättern, die andere an ihrem Hinterkopf. Vivian legte für einen Moment die Stirn an seine Schulter und ließ sich halten.
„Hallo, Dad.“
„Hallo, mein Mädchen.“
Normalerweise hätte sie gegen diese Bezeichnung protestiert. Heute passte sie.
Alistair trat ein Stück zurück, behielt beide Hände an ihren Oberarmen und betrachtete sie ausführlich. Vivian kannte auch diesen Blick. Er hatte sie als Achtjährige so angesehen, wenn sie von irgendwoher mit aufgeschlagenen Knien zurückgekommen war. „Du bist dünner geworden.“
Vivian lachte. „Ich stehe seit ungefähr vier Minuten auf Argyle.“
„Dann habe ich schnell gearbeitet.“
„Du könntest auch zuerst fragen, wie es mir geht.“
„Das sehe ich mir gerade an.“
Er fasste ihr kurz an die Wange und wurde dabei für einen Augenblick ernster. „Du bist wirklich da.“
Vivian nickte. „Ja.“
Sein Lächeln kam zurück. „Gut. Deine Mutter läuft seit heute Morgen herum, als müsste sie persönlich den ganzen Planeten für deine Ankunft vorbereiten.“
„Das klingt überhaupt nicht nach Mom.“
„Überhaupt nicht.“
Corren kam mit dem Gepäck. Alistair begrüßte ihn beim Namen, fragte nach seiner Frau und erfuhr nebenbei, dass eines seiner Kinder gerade die Abschlussprüfung bestanden hatte. Vivian hörte zu und erinnerte sich daran, wie mühelos ihr Vater sich Namen merkte. Auch nach Jahrzehnten Unternehmensführung sprach er mit Mitarbeitern als Menschen, denen er regelmäßig begegnete. Corren verstaute Koffer und Reisetasche im Wagen.
Vivian wartete, bis er sich verabschiedet hatte. „Du hast jemanden geschickt, damit er mein Gepäck trägt.“
Alistair öffnete die Fahrertür. „Eleanor wollte einen Wagen mit Fahrer schicken.“
„Und du?“
„Ich wollte dich selbst abholen.“
Vivian lächelte. „Danke.“
„Außerdem habe ich ihr erklärt, dass ich noch weiß, wie man ein Auto steuert.“
„Hat sie daran gezweifelt?“
„Sie hat nichts gesagt. Das ist bei deiner Mutter manchmal schlimmer.“
Vivian stieg auf der Beifahrerseite ein. Der Wagen war hochwertig, geräumig und mehrere Jahre alt. Auf dem Armaturenbrett lag ein Datenpad mit Ertragszahlen, hinter dem Fahrersitz standen zwei staubige Arbeitsschuhe, und im Seitenfach steckte ein halb aufgegessenes Päckchen Nüsse. Ihr Vater kaufte noch immer gute Dinge und benutzte sie anschließend so lange, bis eine Reparatur wirtschaftlich endgültig keinen Sinn mehr ergab.
Alistair startete den Motor und sah zu ihr. „Hast du gegessen?“
Vivian begann zu lachen. „Was?“
„Nichts.“
„Vivian.“
„Ich habe vor der Landung gefrühstückt.“
„Ordentlich?“
„Ja.“
Er nickte zufrieden und setzte den Wagen in Bewegung. Die ersten Kilometer führten durch die Außenbezirke von Dún Mór. Wohnquartiere wechselten sich mit Verwaltungsgebäuden, Lagerhäusern und großen Verarbeitungsbetrieben ab. Schwere Lastzüge dominierten die breiteren Straßen. Auf einem Tieflader stand ein AgrarMech zwischen zusammengeklappten Erntegeräten, ein Stück weiter warteten mehrere autonome Transportfahrzeuge vor einer Einfahrt.
Vivian beobachtete die Stadt. „Sie ist größer geworden.“
„Wir haben inzwischen fast ein Drittel mehr Einwohner als bei deinem letzten längeren Aufenthalt.“
„Mein letzter längerer Aufenthalt war vor einer Ewigkeit.“
„Das stimmt.“ Alistair sagte es ruhig. Die Feststellung reichte ihm.
Nach ungefähr zwanzig Minuten wurden die Gebäude niedriger. Häusergruppen wichen großen Betrieben, dann kamen die ersten offenen Flächen. Schließlich führte die Straße nahezu gerade durch das Agrarland.
Vivian ließ das Seitenfenster herunter. Der Wind strömte warm herein und brachte den Geruch von Erde, Pflanzen und Wasser mit. Auf einem frisch abgeernteten Feld arbeitete ein großer autonomer Pflug. Weiter dahinter zog ein AgrarMech eine Reihe von Wartungsfahrzeugen entlang einer Bewässerungsanlage. Getreide bewegte sich in breiten Wellen unter dem Wind.
Sie lehnte den Kopf ein wenig näher ans offene Fenster. Alistair sah kurz zu ihr. „Gut?“
Vivian brauchte einen Moment. „Ja.“
Ihr Vater lächelte und ließ es dabei. Sie fuhren einige Minuten schweigend weiter. Bei Alistair hatte sich Stille schon immer selbstverständlich angefühlt. Während ihrer Kindheit hatte er selten versucht, Antworten aus ihr herauszubekommen. Meistens wartete er, bis sie selbst zu reden begann.
„Wie schlimm war New Avalon?“, fragte er irgendwann.
Vivian sah weiter über die Felder. „Am Ende?“
„So viel, wie du erzählen möchtest.“
Sie überlegte. „Es war lang. Irgendwann verschwimmen die Einsätze. Du schläfst, wenn du kannst, reparierst, was noch zu reparieren ist, füllst Verluste auf und versuchst, am nächsten Morgen wieder genügend Maschinen und Leute zusammenzubekommen. Nach einer Weile denkt man kaum noch darüber nach, wie lange es schon so geht.“
Alistairs Gesicht wurde ernster. „Das Gefühl kenne ich.“
„Ich weiß.“
„Meine Kriege waren kürzer.“
Vivian sah ihn an. Ihr Vater hatte den Vierten Nachfolgekrieg erlebt und anschließend die Uniform abgelegt. Er war nach Argyle zurückgekommen, hatte sich dem Familienunternehmen gewidmet und einer Tochter, die damals sieben Jahre alt gewesen war. Vivian erinnerte sich kaum an seine damalige Uniform. Sie erinnerte sich viel deutlicher daran, wie er sie bei seiner Rückkehr hochgehoben hatte.
„Du warst damals fertig damit“, sagte sie.
Alistair nickte. „Vollständig genug, um zu wissen, wo ich hingehöre.“
„Und du hattest nie das Gefühl, vielleicht doch wieder zurückzumüssen?“
Er dachte einen Moment darüber nach. „Es gab Tage, an denen ich mich gefragt habe, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Etwas, das lange zum eigenen Leben gehört hat, verschwindet nicht mit einem Entlassungspapier. Ich wusste aber, was ich danach wollte. Deine Mutter, dich, das Unternehmen. Ich hatte genug Jahre anderswo verbracht.“
Vivian blickte wieder aus dem Fenster. „Ich weiß noch nicht, ob es bei mir genauso ist.“
„Dann wirst du es herausfinden.“ Die Antwort kam mit derselben Ruhe, mit der Alistair über einen Wetterbericht oder einen Ernteplan gesprochen hätte. Vivian lächelte. Ihr Vater hatte eine besondere Begabung dafür, komplizierte Dinge auf einen brauchbaren Kern zurückzuführen und ihr den Rest zum eigenen Nachdenken zu überlassen.
„Albert fand diese Antwort beunruhigend.“
Alistair runzelte die Stirn. „Albert Jehlik? Patricias XO bei den Crucis Lancers?“
„War er.“ Vivian strich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die der Wind durch das offene Fenster hereingeweht hatte. „Patricia ist in den letzten Kämpfen gefallen. Albert hat übernommen. Mittlerweile Lieutenant General und zumindest im Augenblick Kommandeur der Sechsten.“
Ihr Vater pfiff leise durch die Zähne. „Das ging schnell.“
„Für ihn vermutlich deutlich schneller, als ihm lieb war.“
„Und der frischgebackene General macht sich Sorgen, weil du einmal keine Antwort auf deinen Lebensplan hast.“
„Im Wesentlichen.“
Alistair grinste. „Dann hat er dich offenbar gut kennengelernt.“
Vivian lachte. Das Gespräch wandte sich Argyle zu. Alistair erzählte von den vergangenen Jahren, von politisch gewordenen Lieferverträgen, beschlagnahmten Transporten und Geschäftspartnern, die plötzlich wissen wollten, auf welcher Seite die McFairleys standen.
„Die Loyalisten haben irgendwann angefangen, bei den Lebensmittellieferungen Druck zu machen“, sagte er. „Ein paar Leute aus Katherines Verwaltung fanden, dass bestimmte Welten weniger dringend beliefert werden müssten. Galax war einer der Fälle. Die Versorgung dort war ohnehin angespannt, und plötzlich sollte ausgerechnet Nahrung als politisches Werkzeug herhalten.“
Vivian wandte den Kopf. „Und ihr habt weiter geliefert.“
Alistair sah sie an, als wäre die Antwort selbstverständlich.
„Natürlich. Ich habe mich mein Leben lang mit Politikern arrangiert. Hungernde Familien gehören für mich in eine andere Kategorie.“ Er wechselte eine Fahrspur, weil vor ihnen ein langsamer Erntetransporter unterwegs war. „Wir haben Verträge erfüllt, solange wir die Transportwege offenhalten konnten. Einige Leute waren darüber ausgesprochen unglücklich.“
„Wie unglücklich?“
„Briefe. Drohungen mit Kontrollen. Zwei eingefrorene Transportgenehmigungen. Ein Beamter hat versucht, uns für drei Wochen den Zugang zu einem Lagerkomplex zu sperren.“
Vivian sah ihn an. „Und?“
„Deine Mutter hat Anwälte auf ihn angesetzt.“
Vivian musste lachen. „Das klingt tatsächlich nach Mom.“
„Ich habe vorher freundlich mit ihm gesprochen.“
„Hat das geholfen?“
„Nein. Aber ich hatte es versucht.“
Sein sonniges Lächeln kehrte zurück. „Am Ende sind die Lieferungen rausgegangen.“
Vivian nickte verständig.
Nach einer weiteren halben Stunde verließen sie die Hauptstraße. Ein schlichtes Schild an der Zufahrt trug den Namen McFairley und darunter das ebenso einfache Firmenzeichen des Familienunternehmens. Die Straße dahinter führte mehrere Kilometer über eigenen Grund. Vivian erkannte Teile der Landschaft wieder. Ein breiter Wasserlauf verlief links der Zufahrt, danach kam eine flache Senke, die im Frühjahr oft feucht gewesen war. Die alte Baumreihe stand noch. Dahinter waren inzwischen zwei große Speicherkomplexe entstanden. Eine neue Verarbeitungsanlage erhob sich dort, wo Vivian früher mit ihrem Vater auf einem offenen Feld gestanden hatte.
Ihr Blick folgte der Straße bis zur nächsten Geländekante. Von dort ließ sich die Zufahrt über fast einen Kilometer einsehen. Rechts bot dichterer Baumbestand Sichtschutz, links blieb das Feld offen. Die Wirtschaftsgebäude weiter oben standen mit breiten Zwischenräumen, groß genug für schwere Fahrzeuge und ebenso brauchbar für BattleMechs.
Sie bemerkte erst, dass sie Entfernungen abschätzte, als Alistair leise lachte. Vivian sah ihn an. „Was?“
„Eleanor gewinnt schon wieder.“
„Womit?“
Er grinste. „Sie hat gesagt, du würdest auf der Fahrt zum Haus erst die neuen Hallen ansehen, danach den Mechhangar und unterwegs mehrfach prüfen, von welchen Punkten aus man die Zufahrt überblicken kann.“
Vivian wandte den Kopf zurück zur Straße. „Ich habe mir das Gelände angesehen.“
„Das sehe ich.“
„Das ist etwas anderes.“
„Ich habe dreißig Jahre mit Soldaten verbracht, Vivian.“
Sie wollte widersprechen und ließ es bleiben.
Alistairs Lächeln wurde breiter. „Deine Mutter macht übrigens genau dasselbe. Bei ihr heißen mögliche Feuerstellungen nur Aussichtspunkte.“
Vivian musste lachen. Das Haupthaus erschien hinter einer flachen Anhöhe. Der älteste Teil bestand aus hellem Naturstein, an den im Laufe mehrerer Generationen zwei Seitenflügel angebaut worden waren. Große Fenster öffneten sich zu den Gärten und den Feldern dahinter. Ein kleiner See lag etwas tiefer zwischen Baumgruppen. Die Zufahrt teilte sich vor dem Haus; ein Weg führte zum privaten Bereich, ein anderer weiter zu den Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden. Hinter dem Wohnhaus erstreckte sich der technische Teil des Anwesens. Werkstätten, Lagerhallen, Fahrzeugunterstände und die Verwaltungsgebäude des Unternehmens standen in großzügigem Abstand zueinander. Neue Dächer glänzten zwischen älteren Bauten. Auf einer befestigten Fläche arbeiteten Mechaniker an zwei AgrarMechs. Lastfahrzeuge kamen und gingen, Mitarbeiter bewegten sich zwischen den Hallen.
Weiter hinten stand der Mechhangar. Vivians Blick blieb dort hängen.
Alistair sagte nichts. Sein Gesicht genügte.
„Kein Wort.“
„Ich habe nichts gesagt.“
„Aber gedacht.“
„Das ist meines Wissens noch erlaubt.“

Er parkte vor dem Haupteingang. Noch bevor Vivian die Tür vollständig geöffnet hatte, kam Fiona aus dem Haus. Ihre Schwester lief die letzten Meter. Vivian stand gerade auf, als Fiona sie umarmte. Mit zwanzig war Fiona eine junge Frau, doch in diesem Augenblick erinnerte wenig an die angehende Offizierin und Mechkriegerin, von der ihre Eltern in den vergangenen Jahren geschrieben hatten. Ihr kupferrotes Haar fiel offen über die Schultern, die graublauen Augen glänzten, und sie legte beide Arme so fest um Vivian, dass diese einen halben Schritt zurücksetzen musste.
„Du bist endlich da.“
Vivian schloss die Arme um sie. „Hallo, Fiona.“
Ihre Schwester blieb einen Moment länger an ihr hängen, bevor sie zurücktrat. Dann kam der Vorwurf. „Du hast kaum geschrieben.“
Vivian sah sie an. Fiona schien selbst nicht ganz sicher, ob sie den Satz hatte sagen wollen. Sie strich eine Haarsträhne hinter das Ohr und blickte kurz zum Wagen. „Ich weiß, dass du unterwegs warst. Und vorher war Krieg und alles. Trotzdem hätte ich manchmal gern mehr als drei Sätze bekommen.“
Vivian konnte die sieben Jahre zwischen ihnen beinahe körperlich spüren. Fiona war dreizehn gewesen, als Vivian das letzte Mal längere Zeit hier verbracht hatte. Damals hatte sie noch davon erzählt, irgendwann vielleicht Tierärztin zu werden, Pilotin, Mechkriegerin oder alles gleichzeitig. Die Frau vor Vivian besaß dieselben Augen, dieselbe schnelle Mimik und eine Stimme, die tiefer geworden war, ohne dass Vivian den Übergang miterlebt hatte.
Sie berührte Fionas Oberarm. „Du hast recht. Ich hätte öfter schreiben sollen.“
Fiona sah sie an, offenbar überrascht, dass kein Einwand kam. „Okay.“ Dann wusste sie sichtbar nicht, was sie mit der Zustimmung anfangen sollte.
Vivian lächelte. „Ich bin jetzt hier.“
Fiona nickte. „Ja.“
Hinter ihnen öffnete Alistair den Kofferraum. „Deine Schwester hat übrigens behauptet, ich würde zuerst sagen, dass du zu dünn bist.“
Fiona wandte sich sofort zu ihm. „Weil du das bei jedem machst.“
„Sie ist dünner.“
„Sie war im Krieg, Dad.“
Alistair hob beschwichtigend eine Hand. „Ich habe nur eine Beobachtung gemacht.“
Vivian sah zwischen beiden hin und her. „Schön zu wissen, dass ihr meine Ernährung schon besprochen habt.“
Fiona grinste.
Die Haustür öffnete sich. Eleanor Anne McFairley trat heraus. Sie bewegte sich langsamer als Fiona und mit der kontrollierten Ruhe einer Frau, die ihr ganzes Leben lang selten einen Grund gesehen hatte, sich zu beeilen, nur weil andere es taten. Ihr früher dunkles Haar war inzwischen fast vollständig silbern und endete knapp unter den Ohren. Die bernsteinfarbenen Augen hatte Vivian von ihr geerbt, ebenso die ausgeprägten Wangenknochen und den ruhigen Blick, der Menschen sehr schnell das Gefühl geben konnte, gründlich betrachtet zu werden.
Eleanor blieb direkt vor Vivian stehen. Für einige Sekunden sagte sie nichts. Ihr Blick wanderte über das Gesicht ihrer älteren Tochter, über die Schläfen, die kleine Narbe im Haaransatz, Schultern und Hände. Dann hob sie beide Hände und legte sie Vivian an die Wangen. „Komm her.“
Vivian lächelte. „Hallo, Mom.“
Eleanor zog sie in die Arme. Die Umarmung war fest und ruhig. Vivian schloss die Augen und atmete gegen die Schulter ihrer Mutter.
„Willkommen zu Hause“, sagte Eleanor leise.
„Danke.“
Als sie sich voneinander lösten, behielt Eleanor eine Hand an Vivians Arm. „Du siehst müde aus.“
„Dad sagt, ich bin dünn.“
„Das bist du auch.“
Vivian sah zu ihrem Vater. Alistair hob beide Hände. „Siehst du?“
Eleanor ignorierte ihn. Ihr Blick wanderte über Vivians Schulter zum Gelände hinter dem Wagen, als könnte der Night Gyr dort irgendwo auf dem Parkplatz stehen. „Wann kommt er?“
Alistair begann zu lachen.
Eleanor drehte den Kopf. „Was ist?“
„Nichts.“
Vivian musste ebenfalls lächeln. „Morgen Vormittag. Der Schwertransport ist für neun angesetzt.“
„Gut. Ich wollte ihn eigentlich selbst vom Raumhafen holen.“
Vivian sah sie an. „Natürlich wolltest du das.“
„Der technische Leiter dort war der Meinung, ich bräuchte dafür deine vollständige Pilotenfreigabe.“
„Damit hatte er recht.“
„Mit dem Wartungsschlüssel kann ich ihn rangieren.“
„Ein paar Meter, langsam und mit eingeschränkten Systemen. Für alles Weitere brauchst du meine Pilotenkennung, den Neurohelmabgleich und die persönlichen Sicherheitsfreigaben.“
Eleanor zog leicht eine Braue hoch. „Ich kenne BattleMechs.“
Vivian erkannte den Ton sofort. „Mom.“
„Ich habe lediglich gesagt, dass ich ihn auf den Transportstand hätte bringen können. Seit 3039 habe ich genug Gelegenheiten ausgelassen, mich wieder in ein Cockpit zu setzen. Bei einem Clan-OmniMech wäre ich fast schwach geworden.“
Vivian lachte. „Du hast noch nie einen Clan-Mech gesteuert.“
„Eben.“ Eleanor sagte es mit solcher Selbstverständlichkeit, dass Alistair hinter ihnen wieder zu grinsen begann.
„Außerdem“, fuhr Vivian fort, „hast du seit Jahren keinen Mech mehr regelmäßig gesteuert.“
„Regelmäßig ist ein sehr dehnbarer Begriff.“
Vivian sah sie an. „Darauf komme ich später zurück.“
Fiona hatte dem Wortwechsel mit wachsendem Interesse zugehört. „Dann darf ich ihn morgen steuern?“
Vivian und Eleanor drehten gleichzeitig den Kopf.
Fiona hob sofort die Hände. „Ich habe nur gefragt.“
„Nein“, sagte Vivian.
Ihre Schwester zog ein Gesicht. „Du hast überhaupt nicht darüber nachgedacht.“
„Doch. Sehr schnell.“
„Ich könnte nur ein Stück über das Gelände gehen. Vielleicht bis hinter die Werkstätten. Ich kenne die Grundlagen und würde nichts mit den Waffen machen.“
Vivian sah ihr an, dass sie den Vorschlag für vollkommen vernünftig hielt. „Fiona, du kennst einen Night Gyr aus Simulatoren. Meine Maschine ist auf mich eingestellt und trägt Clan-Systeme, mit denen du bisher keine praktische Erfahrung hast. Wenn er im Hangar steht und die Techniker fertig sind, kannst du ins Cockpit. Ich zeige dir die Systeme und die Bedienung.“
Fionas Miene hellte sich auf. „Wirklich?“
„Ja. Steuern wirst du ihn trotzdem nicht.“
Fiona nickte, auch wenn sie den letzten Satz sichtbar weniger interessant fand.
Eleanor legte ihr die Hand auf die Schulter. „Für heute lässt du deine Schwester erst einmal im Haus ankommen.“
Fiona sah zu Vivian und danach zum Eingang. „Okay.“ Sie ging voraus.
Vivian beobachtete sie einige Sekunden. „Sie ist erwachsen geworden.“
Eleanor trat neben sie. „Weitestgehend.“
„Ich habe viel verpasst.“
Ihre Mutter antwortete ruhig. „Ja.“ Das Wort traf genau deshalb, weil Eleanor daraus keinen Vorwurf machte.
Alistair stellte den Koffer neben Vivian ab und legte ihr einen Arm um die Schultern. „Dafür bist du jetzt da.“
Vivian sah zu ihm. Sein Lächeln war warm und vollkommen selbstverständlich. Sie legte ihm für einen Augenblick den Kopf an die Schulter. „Ja.“

Das Abendessen fand im kleineren Speisezimmer an der Westseite des Hauses statt. Vivian war froh darüber. Das große Esszimmer kannte sie aus Empfängen, Geschäftsterminen und den wenigen gesellschaftlichen Veranstaltungen, die sie als Jugendliche hatte ertragen müssen. Der kleinere Raum gehörte zur Familie. Hohe Fenster blickten über Garten und Felder, und das Licht der tiefstehenden Sonne lag warm auf dem langen Holztisch. Die Möbel waren hochwertig und teilweise älter als Vivian. Auf einer Kommode standen Familienbilder neben Datenpads und einer Schale mit Obst.
Frisches Brot, Gemüse und Fleisch stammten aus der Region, ein Teil direkt vom eigenen Betrieb. Der Wein kam von einem Gut weiter südlich. Eine Angestellte half beim Auftragen und zog sich anschließend zurück.
Auf dem Sideboard lagen Akademieunterlagen.
Eleanor sah hin.
Fiona folgte dem Blick und seufzte. „Ich räume sie nachher weg.“
Ihre Mutter sagte nichts.
Fiona stand auf. „Schon gut.“
Vivian musste lächeln. „Akademie?“
Fiona nahm den Stapel und legte ihn in einen Nebenraum. Als sie zurückkam, ließ sie sich auf den Stuhl fallen. „Prüfungsvorbereitung. Ich muss in knapp zwei Wochen wieder nach New Avalon.“
Eleanor hob den Blick. „Du willst zurück.“
Fiona presste kurz die Lippen zusammen. „Ja, Mom. Ich will zurück. Und ich muss meine Abschlussprüfungen machen.“
Vivian sah zwischen beiden hin und her.
Fiona bemerkte es. „Sie korrigiert mich seit Tagen.“
„Weil du seit Tagen so klingst, als würde dich jemand gegen deinen Willen dort hinschicken.“
Fiona bewegte die Gabel zwischen den Fingern. „Ich bin einfach nervös. Das ist was anderes.“
Eleanor nickte. „Das glaube ich dir.“
Damit war der kleine Streit beendet.
Vivian griff nach dem Brotkorb. „Also auf dem NAIS College haben sie uns jedenfalls nicht zwischendurch nach Hause gelassen.“
Fiona sah sie an. „Es war Bürgerkrieg, es gab am MANA Demonstrationen, Aufstände, Kadetten wurden verhaftet, also beschloss man die Opposition gering zu halten und schickte uns heim. Außerdem bist du mit zwölf auf eine Militärschule gegangen. Freiwillig. Du bist kein normaler Vergleich.“
Alistair schenkte Wein ein und lächelte in sein Glas.
Vivian hob eine Braue. „Ich war ehrgeizig.“
„Du warst zwölf.“
„Das eine schließt das andere nicht aus.“
Fiona lehnte sich zurück. „Genau das meine ich. Wenn Leute über dich reden, klingt es immer, als hättest du mit zwölf schon einen vollständigen Karriereplan gehabt. Dann Akademie, gute Noten, Offizierin, Mechkriegerin und immer der nächste Schritt.“ Der Ton war schärfer geworden, ohne wirklich feindselig zu sein.
Vivian legte das Brot auf ihren Teller. „Ich war mit zwölf ziemlich sicher, dass ich alles verstanden hatte.“
Fiona blinzelte. „Hattest du nicht?“
„Natürlich nicht.“
„Mom erzählt das anders.“
Vivian sah zu ihrer Mutter.
Eleanor schnitt ruhig das Fleisch. „Ich erzähle, dass Vivian fleißiger war.“
„Das klingt nicht besser“, murmelte Fiona.
Vivian lächelte. „Du musst auch nicht so werden wie ich. Ich war gut in Theorie, weil ich Stunden damit verbracht habe. Und ich habe ziemlich lange gebraucht, um zu lernen, dass ein sauberer Plan nur so lange gut ist, bis draußen jemand etwas tut, das darin nicht vorgesehen war.“
Alistair hob sein Glas leicht. „Das klingt nach einer späten, aber wertvollen Erkenntnis.“
„Danke, Dad.“
Fiona spielte mit der Gabel. „Meine Noten sind nicht schlecht.“
„Hat niemand gesagt“, erwiderte Vivian.
„Mom schon.“
Eleanor hob eine Braue. „Ich habe gesagt, deine letzte taktische Ausarbeitung war schlecht. Deine anderen Ergebnisse sind ordentlich, und praktisch gehörst du zu den Besten deines Jahrgangs.“
Fiona öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Die ausdrückliche Anerkennung hatte sie offenbar nicht erwartet.

Vivian gab ihr ein paar Sekunden. „Wie laufen die Simulatorprüfungen?“
Fionas Haltung änderte sich sofort. „Gut. Wirklich gut.“ Jetzt sprach sie schneller. „Vor allem in Bewegung und auf Karten mit Höhenunterschieden. Die Sprungmanöver liegen mir auch. Letzte Woche habe ich zwei ältere Kadetten geschlagen, obwohl einer einen schwereren Mech hatte. Ich habe ihn ständig gezwungen, seinen Torso neu auszurichten, und irgendwann konnte er mit meinem Tempo nicht mehr mithalten.“
Eleanor nickte. „Die Ausbilder haben den Lauf sehr gut bewertet.“
Fiona sah ihre Mutter überrascht an. „Du hast das Ergebnis gesehen?“
„Natürlich.“
„Warum hast du nichts gesagt?“
„Weil ich davon ausgegangen bin, dass du selbst weißt, wenn etwas gut gelaufen ist.“
Fiona dachte darüber nach. „Man könnte es trotzdem mal sagen.“
Eleanor betrachtete sie einen Augenblick. „Dann sage ich es jetzt. Der Lauf war sehr gut.“
Fionas Mundwinkel hoben sich. „Danke.“
Vivian sah ihre Schwester an. „Welche Mechs steuerst du im Simulator am liebsten?“
Die Antwort kam sofort. „Mittelschwere. Schnelle. Am besten mit Sprungdüsen.“
Fiona legte die Gabel weg und wurde jetzt deutlich lebhafter. „Ich mag es, die Entfernung selbst bestimmen zu können. Wenn die Maschine schnell genug ist, kann ich entscheiden, wann ich einen Gegner nehme und wann ich die Position wechsle. Schwere Mechs sind beeindruckend, aber ich werde ungeduldig, wenn ich mich mit siebzig oder achtzig Tonnen irgendwo hinstellen und Panzerung austauschen soll.“
Vivian warf ihrer Mutter einen kurzen Blick zu. Eleanor aß ruhig weiter. Interessant. „Das erklärt einiges“, sagte Vivian.
Fiona runzelte die Stirn. „Was?“
„Das erzähle ich dir vielleicht später.“
Ihre Schwester sah von Vivian zu Eleanor. „Ihr habt irgendwas.“
Eleanor deutete mit der Gabel auf Fionas Teller. „Du hast vor zehn Minuten behauptet, Dad würde dich wegen deiner Essgeschwindigkeit kritisieren. Heute hat er noch gar keine Gelegenheit dazu bekommen.“
Fiona verzog das Gesicht, nahm aber wieder einen Bissen. Im weiteren Verlauf des Essens erzählte sie von ihrer Akademie, von einem Ausbilder, der ihrer Meinung nach seit Jahren dieselben drei Fragen stellte, und von mehreren Freunden, deren Kurse durch die Kämpfe auf New Avalon durcheinandergeraten waren. Alistair berichtete über neue Anlagen auf dem Betrieb. Eleanor erwähnte zwei Exportverträge, bei denen sie Vivian gern hinzuziehen wollte. Die Familie sprach lange über gewöhnliche Dinge. Vivian merkte irgendwann, wie sehr sie genau solche Abende vermisst hatte.
Das Thema Krieg kam beim Dessert. Alistair wartete, bis Fiona ihre Schale abgestellt hatte. „Wie viele habt ihr verloren?“
Vivian sah zu ihm. Die Frage war direkt. Bei ihrem Vater hatte sie nichts anderes erwartet. „Die endgültigen Zahlen habe ich noch nicht.“
Unvollständige Verlustlisten störten sie seit Jahren. Namen, Einheiten, Verwundungsgrade, beschädigte Maschinen – solange irgendwo Fragezeichen standen, fühlte sich ein Gefecht für sie organisatorisch offen an.
Alistair wartete.
Vivian strich mit dem Daumen über den Rand ihrer Serviette. „Zu viele.“
Eleanor sah sie ruhig an. „Adrienne Locke?“
Vivian hob den Kopf. Ihre Mutter kannte den Namen. „Ja.“
Fiona blickte zwischen ihnen hin und her. „Wer war sie?“
Vivian atmete langsam aus. „Meine Stellvertreterin. Eine ausgezeichnete Offizierin.“ Sie hielt kurz inne. „Und eine sehr gute Freundin.“ Der zweite Satz kam leiser.
Fiona verlor den letzten Rest ihrer vorherigen Unruhe. „Sie ist auf New Avalon gefallen?“
Vivian nickte. „Am zwanzigsten April. Am letzten Tag der Kämpfe. Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass ein paar Stunden später wirklich Schluss sein würde.“
Alistairs Blick blieb auf seiner Tochter. „Warst du dabei?“
„Ja.“
Vivian sah für einen Moment wieder eine Straße zwischen Verwaltungsgebäuden, einen Dragon Fire an einer Hausecke und einen Gauss-Treffer, der keine sichtbare Flugbahn gehabt hatte. „Ihr Cockpit wurde getroffen.“ Mehr brachte die Erinnerung für den Augenblick nicht hervor.
Eleanor legte zwei Finger an Vivians Handgelenk. Vivian drehte die Hand und schloss ihre Finger kurz um die ihrer Mutter.
Fiona saß ihnen gegenüber und sah auf den Tisch. „Ich weiß nicht, was man darauf sagt.“
Vivian löste die Hand ihrer Mutter, lehnte sich etwas vor und legte ihre Hand auf den Tisch zwischen sich und Fiona.
Ihre Schwester zögerte, dann schob sie ihre Finger hinein.
Vivian drückte sie sanft. „Du musst gar nichts sagen.“
Fiona nickte. Sie ließ Vivians Hand erst einige Sekunden später los.
Alistair goss Wein nach und gab dem Gespräch Zeit, sich von selbst weiterzubewegen.
Erst später kam der neue Rang zur Sprache. Fiona hatte offenbar darauf gewartet. „Dad hat erzählt, dass du jetzt tatsächlich Colonel bist.“
Vivian lehnte sich zurück. „Albert hat beschlossen, dass ich als Colonel aus der AFFS ausscheide. Meine Einwände fand er offenbar nicht besonders überzeugend.“
Fiona runzelte die Stirn. „Du wurdest befördert und bist dann gegangen?“
„In dieser Reihenfolge, ja.“
„Warum macht man sowas?“
„Weil Albert ein kleinlicher Mann mit neuen Generalssternen ist.“
Alistair lachte. „Den Mann würde ich gern kennenlernen.“
„Du würdest ihn mögen.“
Vivian nahm einen Schluck Wein. „Das wäre wahrscheinlich mein nächstes Problem.“
Fiona grinste.
Später, als Teller und Dessertschalen verschwunden waren, fragte Eleanor: „Was möchtest du morgen machen?“
Vivian sah zu ihr. „Du wolltest mir die Exportverträge zeigen.“
„Das kann ich.“
„Dann fangen wir damit an.“
Eleanor nickte. „Gut. Vormittags die laufenden Verträge. Danach zeige ich dir die neue Verarbeitungslinie, damit du wenigstens weißt, worüber du am nächsten Tag Beschwerden bekommst.“
Vivian lächelte. „Klingt fast wie eine Stabseinweisung.“
„Dann solltest du dich schnell zurechtfinden.“

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McFairley-Anwesen, Argyle
19. Mai 3067


Der Night Gyr sollte gegen neun Uhr eintreffen. Eine knappe Stunde vorher stand Vivian bereits auf dem oberen Laufsteg des privaten Mechhangars.
Zunächst beschäftigte sie allerdings der andere BattleMech. Die breiten Schultern, der gedrungene Torso und die charakteristische Form der Beine hätten gereicht, um die Baureihe zu erkennen. Bei dieser Maschine brauchte Vivian nicht einmal das. Sie kannte jede Unebenheit der alten Silhouette. Jede Stelle, an der eine Panzerplatte früher etwas anders gesessen hatte. Jede Kontur, die sich über Jahre tief genug in ihr Gedächtnis eingeprägt hatte, dass sie sie noch immer mit geschlossenen Augen hätte zeichnen können.
Nur sah der Mech viel zu gut aus. Die Panzerung war nahezu vollständig erneuert. Mehrere Verkleidungen trugen modernere Konturen, an den Armen und am Torso saßen Waffengehäuse, die dort früher nie gewesen waren. Die Sensorik um den Kopf war ersetzt worden, die Beinpanzerung überarbeitet. Unter den hellen Hallenleuchten wirkte die Maschine beinahe so, als wäre sie erst vor wenigen Monaten aus einer Fabrikhalle gekommen. Dabei hätte sie nach Vivians letzter Erinnerung kaum noch stehen dürfen.
„Das kann nicht deiner sein.“
Eleanor trat neben sie. „Doch.“
Vivian betrachtete den BattleMech erneut. „Der Grasshopper.“
Ihre Mutter nickte.
Vivian legte beide Hände auf das Geländer. „Du hast ihn wirklich wieder aufgebaut.“
„Ich habe dir geschrieben, dass wir ihn restaurieren.“
Vivian wandte den Kopf zu ihr. „Du hast von Restaurierung gesprochen. Nach Luzerne hätte ich erwartet, dass man ihn restauriert, indem man eine Gedenkplakette neben die Reste stellt.“
Eleanor lachte.
Vivian sah wieder hinunter. Der Grasshopper war ursprünglich der Mech ihrer Mutter gewesen. Später hatte Vivian ihn übernommen und einen erheblichen Teil ihrer eigenen Laufbahn darin verbracht. Operation BULLDOG hatte die Maschine schließlich so schwer beschädigt, dass eine vollständige Wiederherstellung für den aktiven Dienst wirtschaftlich kaum noch sinnvoll erschienen war.
„Wie hast du das gemacht?“
„Mit viel Zeit, viel Geld und Menschen, die besser schweißen können als ich.“
„Mom.“
Eleanor lehnte die Unterarme auf das Geländer. „Die Bergung war damals besser, als du dachtest. Ein Teil der Struktur konnte gerettet werden. Andere Segmente mussten neu aufgebaut werden. Einige Baugruppen habe ich ersetzt, weil ich keinen Sinn darin gesehen habe, dreißig Jahre alte Technik zu rekonstruieren, wenn modernere verfügbar war.“
Vivians Blick wanderte zu den Waffen. „Clan-Komponenten.“
„Einige.“
„Wie viele sind einige?“
„Genug, dass du gerade genauer hinsiehst.“
Vivian schnaubte leise. „Kühlung?“
„Unter anderem.“
„Feuerleitung?“
„Ja.“
„Bewaffnung?“
Eleanor lächelte. „Teilweise.“
Vivian schüttelte den Kopf. „Und er läuft?“
„Ausgezeichnet.“
Sie sah ihre Mutter an. „Du hast ihn gesteuert.“
„Natürlich.“
„Wann?“
„Vor sechs Wochen.“
Vivian starrte sie an.
Eleanor hob eine Braue. „Bevor du mein Alter erwähnst: Ich kenne es.“
Vivian musste lachen. „Du hast seit Jahrzehnten keinen Mech mehr regelmäßig gesteuert.“
„Regelmäßig ist das entscheidende Wort.“
„Dad weiß davon?“
„Dein Vater war dabei.“
„Warum überrascht mich das nicht?“
Unten begann sich das große Hangartor zu öffnen. Das tiefe Brummen eines Schwertransporters füllte die Halle. Vivian drehte sich sofort um. Der Night Gyr lag auf seinem Transportgestell, von schweren Stützen und Halterungen gesichert. Mehrere Mitarbeiter der McFairley-Werkstatt gingen neben dem Fahrzeug her, während der Fahrer langsam rückwärts in die Halle setzte.
Vivian folgte dem Winkel der Maschine. Die linke Schulter kam nahe an eine seitliche Stütze. „Stopp.“ Ihre Stimme trug weit genug durch den Hangar, dass unten mehrere Köpfe hochgingen.
Der Transporter hielt tatsächlich an.
Vivian beugte sich über das Geländer. „Die linke Schulter läuft zu dicht am Stützrahmen. Zwei Grad mehr nach rechts, sonst setzt ihr beim Absenken Druck auf die Panzerkante.“
Der Vorarbeiter sah nach oben. Er blickte auf die Schulter, danach zu seinem Einweiser und wieder zu Vivian. „Wir drehen ihn beim letzten Meter ein, Ma'am.“
„Wenn ihr erst beim letzten Meter—“
Eleanor legte Vivian zwei Finger an den Unterarm. Vivian verstummte.
Ihre Mutter sprach leise genug, dass nur sie es hörte. „Die Männer und Frauen dort unten verladen seit Jahren BattleMechs, AgrarMechs und Maschinen, die mehr kosten als manche kleine Firma. Gib ihnen die Gelegenheit, ihre Arbeit zu machen.“
Vivian blickte nach unten. Der Vorarbeiter wartete noch immer geduldig. Sie bemerkte, dass ihre Haltung inzwischen derjenigen entsprach, mit der sie früher auf Wartungsdecks gestanden hatte. „Gewohnheit“, murmelte sie.
„Das dachte ich mir.“
Eleanor lächelte.
Vivian beugte sich noch einmal über das Geländer. „Weitermachen.“
Der Vorarbeiter hob zwei Finger. „Jawohl.“
Der Transporter setzte sich wieder in Bewegung. Kurz vor dem Wartungsstand ließ der Fahrer das Heck tatsächlich leicht nach rechts laufen. Die Schulter des Night Gyr gewann deutlich mehr Abstand zum Rahmen.
Vivian beobachtete es.
Eleanor ebenfalls. „Siehst du.“
„Ich hatte trotzdem recht.“
„Das habe ich nie bestritten.“
Vivian sah ihre Mutter an. „Das war Absicht.“
„Was?“
„Du hast mich gerade wie eine übereifrige Kadettin aussehen lassen.“
„Du hast dich selbst wie eine übereifrige Colonel aufgeführt.“
Vivian begann zu lachen.
Die Bodenmannschaft richtete das Transportgestell aus und begann, die Stützen zu setzen.
Eleanor deutete auf den Night Gyr. „Du hast ihn gut behandelt.“
„Miriam würde dir widersprechen.“
„Miriam widerspricht grundsätzlich.“
Vivian drehte sich langsam zu ihr. „Seit wann kennst du Miriam gut genug, um das zu wissen?“
Eleanor wirkte vollkommen ungerührt. „Wir schreiben uns.“
„Ihr was?“
„Seit mehreren Jahren.“
„Warum?“
„Weil sie deinen Mech wartet.“
Vivian starrte sie an.
Ihre Mutter zuckte leicht mit einer Schulter. „Dein Vater und ich haben damals das Bergerecht, den Wiederaufbau und einen erheblichen Teil der Ersatzteile bezahlt. Ich wollte wissen, ob unsere Tochter und die Investition ordentlich behandelt werden.“
Vivian schüttelte den Kopf. „Ich hatte mich schon gefragt, wann du das erwähnst.“
Eleanor sah zum Night Gyr. „Nach Luzerne war dein Grasshopper praktisch ausgefallen und du wolltest im aktiven Dienst bleiben. Über unsere Kontakte ergab sich die Gelegenheit, dieses Clan-Bergegut zu erwerben. Wir hatten die Mittel dafür und haben sie genutzt.“
Vivian betrachtete die Maschine. „Ich habe später nie erfahren, was er euch gekostet hat.“
„Das war Absicht.“
„So schlimm?“
Eleanor lächelte. „Du wolltest damals wieder in ein Cockpit. Der Rest war für uns eine finanzielle Frage.“
„Eine sehr große finanzielle Frage.“
„Dafür ist Geld da.“
Vivian sah ihre Mutter an.
Eleanor erwiderte den Blick ruhig. „Wenn meine Tochter weiter in Kriege fliegt, sitzt sie dabei vorzugsweise in einem BattleMech, der ihr möglichst viele Vorteile verschafft.“
Vivian musste lächeln. „Das klingt schon mehr nach dir.“
„Gut.“

Ihre Mutter legte ihr eine Hand auf den Arm. „Komm. Ich will dir etwas zeigen.“
Am hinteren Ende des Hangars stand eine dritte Maschine unter einer Schutzplane. Die Silhouette darunter war deutlich schlanker. Lange Beine, kompakter Torso, schmalere Schultern. Schon die Proportionen wirkten jünger als die Konstruktionen, die Vivian aus ihrer frühen Laufbahn kannte.
„Fiona weiß davon nichts?“
„Kein Wort.“
Eleanor löste die ersten Befestigungen. Gemeinsam zogen sie die Plane zurück. Darunter stand ein HSN-7D Hellspawn.
Vivian ging langsam näher. Der fünfundvierzig Tonnen schwere BattleMech gehörte zu den neueren Entwürfen der Vereinigten Sonnen. Seine langen Beine und der kompakte Rumpf passten zu einer Maschine, die von Bewegung lebte. Sprungdüsen saßen sauber in die Konstruktion integriert, und mehrere Sensorfelder verrieten moderne Elektronik.
Einige geöffnete Wartungsabdeckungen machten Vivian neugierig. Sie trat näher. „Der ist modifiziert.“
„Etwas.“
Vivian blickte zu ihrer Mutter. „Clan-Komponenten.“
„Teile der Kühlung, Elektronik und einzelne Waffensysteme. Unsere Werkstatt kann alles davon selbst warten.“
Vivian ging einmal um den vorderen Bereich des Mechs. „Der ist für Fiona.“
„Wenn sie ihren Abschluss macht.“
Vivian konnte sich das Gesicht ihrer Schwester bereits vorstellen. „Sie wird komplett den Verstand verlieren.“
„Vermutlich.“
„Warum ein Hellspawn?“
Eleanor legte die Hand an die Panzerung. „Weil sie Geschwindigkeit mag. Sie denkt in Bewegung und nutzt Sprungdüsen intuitiv. Gleichzeitig hat der Mech genug Masse, dass sie lernen muss, mit einer Position zu arbeiten und Verantwortung für ihren Raum zu übernehmen.“
Vivian nickte. „Ein schwerer Mech würde sie innerhalb einer Woche wahnsinnig machen.“
„Meine Einschätzung.“
„Und mit einem sehr leichten würde sie jeden Fehler mit Geschwindigkeit ausgleichen wollen.“
Eleanor sah zu ihr. „Genau.“
Vivian lächelte. „Gute Wahl.“
„Ich weiß.“
Sie standen zwischen den drei Maschinen. Der restaurierte Grasshopper hatte zunächst Eleanor und später Vivian getragen. Im nächsten Wartungsstand wurde der Night Gyr vom Transportgestell gelöst. Dahinter wartete der Hellspawn auf eine junge Pilotin, die von seiner Existenz noch nichts wusste.
Eleanor legte die Unterarme auf das Geländer. „Du bist nach Hause gekommen, weil du Ruhe wolltest.“
Vivian sah weiter auf die Mechs. „Ja.“
„Dann nimm sie dir. Lern das Unternehmen kennen. Fahr mit deinem Vater über die Felder. Verbring Zeit mit Fiona, bevor sie wieder abreist. Du wirst irgendwann merken, was du danach willst.“
Vivian betrachtete sie. „Ich dachte, du würdest mich analysieren.“
„Das mache ich längst.“
„Und?“
„Ich behalte das Ergebnis vorerst für mich.“
Vivian lachte. „Seit wann kannst du das?“
„Seit meine ältere Tochter fünfundvierzig ist.“
Sie gingen gemeinsam zur Treppe. Hinter ihnen senkten sich die ersten Stützen des Transportgestells ab. Vivian blickte noch einmal zurück. Eleanor folgte ihrem Blick und ging weiter.

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McFairley-Anwesen, Argyle
14. Juni 3067


Nach vier Wochen wusste Vivian erheblich mehr über die Getreideexporte des südlichen Argyle, als sie je hatte wissen wollen. Zu ihrer Überraschung fiel ihr die Arbeit leicht. Ein großes Agrarunternehmen verlangte viele Fähigkeiten, die ihr aus militärischer Führung vertraut waren. Transporte mussten geplant, Mitarbeiter eingeteilt, Wartungszyklen abgestimmt und Termine eingehalten werden. Vivian verstand die Zusammenhänge, und bei größeren organisatorischen Problemen konnte sie schnell erkennen, wo Verantwortlichkeiten unklar wurden oder Entscheidungen fehlten.
Die Detailarbeit der Logistik fiel ihr schwerer. Eleanor konnte eine Lieferkette ansehen und innerhalb weniger Minuten erkennen, welche Lagerbestände in drei Wochen Probleme bereiten würden. Vivian brauchte dafür Zahlen, Rückfragen und meistens jemanden aus der zuständigen Abteilung. In einem Regiment hatte sie genau für solche Dinge Offiziere wie Adrienne gehabt. Sie konnte Logistik führen. Sie würde sich niemals freiwillig einreden, sie könne sie besser als ein guter Logistiker.
Dafür lagen ihre Stärken an anderer Stelle. Innerhalb weniger Wochen hatte sie zwei Wartungsabläufe verändert, einen Streit zwischen drei Abteilungen beendet und bei mehreren Schichtplänen Verantwortlichkeiten neu geordnet. Eleanor setzte ihre Vorschläge um, wenn sie sinnvoll waren. Alistair gab ihr ein eigenes Büro.
An diesem Nachmittag saß Vivian darin und las zum dritten Mal dieselbe Seite eines Berichts über Lagerkapazitäten. Als ihr auffiel, dass sie wieder bei derselben Zahl angekommen war, legte sie das Datenpad auf den Tisch. Durch das Fenster sah sie auf den technischen Bereich des Unternehmens. Lastfahrzeuge bewegten sich zwischen Hallen und Silos. Zwei Mitarbeiter standen neben einem AgrarMech und diskutierten mit einem Tech. Dahinter zog sich ein Bewässerungsfahrzeug über ein Feld.
Vivian mochte das Unternehmen. Sie respektierte die Arbeit und verstand ihren Wert. Trotzdem wanderte ihr Blick häufiger zur Uhr, als ihr lieb war.
Auf dem Schreibtisch lag eine Nachricht von Fiona. Ihre Schwester war zwei Wochen zuvor nach New Avalon zurückgekehrt und hatte inzwischen die erste ihrer ausstehenden Prüfungen bestanden. Der größte Teil der Nachricht bestand aus Beschwerden über eine schriftliche Ausarbeitung. Danach folgte eine erheblich längere Beschreibung eines Simulatorgefechts, das offenbar ausgezeichnet gelaufen war. Vom Hellspawn wusste sie weiterhin nichts. Eleanor hütete dieses Geheimnis mit erstaunlicher Konsequenz.
Vivian stand auf, nahm ihr Jackett und verließ das Büro. Alistair saß zwei Räume weiter mit mehreren Mitarbeitern an einem Konferenztisch. Als Vivian vorbeiging, sah er auf. „Schon fertig?“
„Für heute.“
Er warf einen Blick auf die Uhr. „Es ist kurz nach zwei.“
„Ich bin Colonel a. D. Ich darf meine Arbeitszeit flexibel gestalten.“
Einer der Mitarbeiter sah plötzlich sehr konzentriert auf sein Datenpad.
Alistair lächelte. „Deine Mutter weiß ohnehin, wohin du gehst.“
Vivian blieb stehen. „Woher?“
„Weil du jeden zweiten Nachmittag dasselbe machst.“
Sie sah ihn an. Ihr Vater wandte sich wieder der Besprechung zu.
Zwanzig Minuten später betrat Vivian den Mechhangar. Nach drei Schritten blieb sie stehen. Der Night Gyr sah anders aus. Gestern hatte er noch die überarbeiteten, unterschiedlich ausgebesserten Lackflächen getragen, mit denen er nach New Avalon auf Argyle angekommen war. Jetzt bedeckte helles Grau die gesamte Maschine. Darüber liefen unregelmäßige rote Flächen und schmalere Muster über Schultern, Torso und die Außenseiten der Beine. Das Rot war dunkel genug, um nicht grell zu wirken, hob sich unter den Hallenleuchten aber deutlich von der Grundfarbe ab.
Vivian legte den Kopf leicht zur Seite. „Wer hat dich denn angemalt?“
Sie ging langsam näher. Die Lackierung war professionell ausgeführt. Übergänge folgten den Panzerplatten, Wartungsmarkierungen waren sauber neu gesetzt worden, selbst die kleinen Kennzeichnungen an den Beinsegmenten waren bereits wieder vorhanden.
Vivian blieb unter dem linken Fuß stehen. Gestern hatte niemand etwas davon erwähnt. Sie verschränkte die Arme und sah hoch zum Cockpit. „Du bist eine Maschine.“
„Das klingt nicht besonders überzeugend, wenn man vorher mit ihr spricht.“
Die Stimme kam aus dem hinteren Bereich der Halle. Vivian drehte sich um. Der Mann, der zwischen zwei abgestellten Wartungsfahrzeugen auf sie zukam, war breit gebaut. Das kurze Haar und der sauber gestutzte Bart waren fast vollständig grau. Sein rechtes Bein blieb bei jedem zweiten Schritt ein wenig steifer, und er trug eine abgewetzte Reisetasche über der Schulter, die aussah, als hätte sie bereits mehrere Feldzüge hinter sich.
Vivian starrte ihn einen Augenblick an. Dann breitete sich ein Lächeln über ihr Gesicht aus. „Brick.“
Owen Bell grinste. „Hallo, Vivian.“
Sie ging ihm entgegen. Die Umarmung fiel kräftiger aus als geplant. Owen fing sie problemlos auf und legte beide Arme um sie. „Was machst du hier?“
„Dich besuchen.“
Vivian trat zurück. „Du reist mehrere hundert Lichtjahre für einen Besuch.“
„Ich hatte unterwegs Zeit.“
Sie betrachtete ihn.
Brick hielt ihrem Blick einige Sekunden stand. „Und einen zweiten Grund.“
„Dachte ich mir.“
Owen blickte zum Night Gyr. „Hübsche Farbe.“
„Die hatte er gestern noch nicht.“
„Dann war jemand fleißig.“
Vivian sah wieder hoch zur Maschine. „Wenn du irgendetwas damit zu tun hast—“
„Ich bin vor einer Stunde gelandet.“
„Das ist keine vollständige Entlastung.“
Brick grinste. „Du hast dich nicht verändert.“
„Das sagen in letzter Zeit erstaunlich viele Leute.“
„Vielleicht stimmt es.“
Vivian verschränkte die Arme. „Also. Zweiter Grund.“
Brick setzte die Reisetasche ab. „Galatea.“
Ihre Haltung veränderte sich leicht. „Was ist auf Galatea?“
„Gavin.“
Vivian brauchte keinen Nachnamen. „Brannock?“
Owen nickte.
„Seit wann ist Gavin auf Galatea?“
„Knapp zwei Wochen.“
„Und was macht er dort?“
Brick lächelte. „Etwas, das du dir besser nach dem Abendessen erklären lässt.“
Vivian zeigte mit dem Finger auf ihn. „Wenn du mich jetzt bis sieben warten lässt, bereust du den Besuch.“
„Dein Vater hat mich eingeladen.“
„Natürlich hat er das.“
Hinter Owen erschien Alistair in der Hangartür. „Ich habe gehört, dass über mich gesprochen wird.“
Vivian sah ihn an. „Du wusstest, dass er kommt.“
„Seit gestern.“
„Und hast nichts gesagt.“
„Owen wollte dich überraschen.“
Brick hob eine Hand. „Das stimmt.“
Vivian sah zwischen beiden Männern hin und her. „Ich bin eindeutig zu lange nicht mehr zu Hause gewesen. Ihr bildet bereits Allianzen.“
Alistair legte Brick freundschaftlich eine Hand auf die Schulter. „Er mag meine alten Kriegsgeschichten.“
„Ich habe höflich zugehört“, sagte Owen.
„Das ist praktisch dasselbe.“
Vivian musste lachen.

Beim Abendessen saß Brick zwischen Alistair und Vivian. Fionas leerer Platz fiel Vivian stärker auf, als sie erwartet hatte.
Die beiden älteren Männer brauchten kaum zehn Minuten, um beim Thema Infanterieausrüstung des Vierten Nachfolgekriegs zu landen. „Die Rucksäcke waren damals schlechter“, erklärte Alistair.
Brick schüttelte den Kopf. „Wir waren schlechter darin, sie zu packen. Das ist ein Unterschied.“
„Ich habe hervorragend gepackt.“
Owen sah zu Vivian. „Infanteristen erzählen ihren Kindern grundsätzlich, sie hätten hervorragend gepackt.“
Alistair legte die Gabel hin. „Ich hatte niemals Probleme mit meinem Gepäck.“
„Natürlich.“
Vivian sah zwischen beiden hin und her. „Ihr kennt euch seit ein paar Stunden.“
Eleanor nahm einen Schluck Wasser. „Die beiden haben vorhin zwanzig Minuten über Stiefel gesprochen.“
Brick nickte ernst. „Ein wichtiges Thema.“
Alistair deutete mit der Gabel auf ihn. „Der Mann versteht mich.“
Vivian musste lachen.
Später erzählte Owen von Luzerne und einem Marschplan, den Vivian als junge Captain ausgearbeitet hatte.
„Die Karte hat den Weg als begehbar ausgewiesen“, verteidigte sie sich.
Brick sah zu Alistair. „Genau das hat sie damals auch gesagt.“
„Die Karte war falsch.“
„Meine Worte waren: Wunderbare Route für Soldaten ohne Beine.“
Alistair lachte so laut, dass Eleanor ihn ansah.
Vivian grinste schließlich ebenfalls. „Du warst Sergeant Major und hattest keinerlei Respekt vor Dienstgraden.“
„Doch. Ich hatte großen Respekt vor vernünftigen Dienstgraden.“
„Das ist keine Kategorie.“
„Für mich schon.“
Vivian schüttelte den Kopf. Damals hatte sie Owen beinahe aus dem Gefechtsstand geworfen. Zwanzig Minuten später hatte sie seinen Routenvorschlag übernommen. Brick war einer der ersten Menschen gewesen, die ihr deutlich gemacht hatten, wie viel Gewicht Erfahrung in einem Gespräch haben konnte.
Nach dem Essen gingen sie auf die Terrasse. Die Luft war noch warm. Über den Feldern lagen vereinzelte Lichter, und in der Ferne bewegten sich automatische Maschinen durch die Dunkelheit. Alistair brachte Wein mit, Eleanor starken Tee. Vivian nahm ebenfalls Tee und setzte sich Brick gegenüber.
Sie wartete, bis alle saßen. „Jetzt Galatea.“
Owen stellte sein Glas ab. „Gavin ist aus der AFFS raus.“
Vivian wurde sofort aufmerksamer. „Komplett?“
„Die Papiere sind durch.“
„Und er sitzt seit zwei Wochen auf Galatea.“
„Ja.“
„Warum?“
Brick legte die Hände auf den Tisch. „Weil er seine Leute zusammenhalten will.“
Vivian wartete.
„Es geht um seinen Infanteriezug und einige weitere Leute aus seinem alten Umfeld. Spezialisten, ein paar Techniker. Mehrere haben nach dem Bürgerkrieg ebenfalls ihren Abschied genommen oder stehen kurz davor.“
„Wie viele insgesamt?“
„Die Zahl verändert sich noch. Genug, dass man nicht mehr von ein paar Leuten spricht.“
Vivian nickte langsam. „Und eine bestehende Einheit will die Gruppe nicht geschlossen übernehmen.“
„Einige würden es tun. Unter Bedingungen, die Gavin nicht gefallen.“
„Welche?“
„Die meisten Verbände sind selbst ausgedünnt. Erfahrene Leute sind gerade überall gefragt. Ein eingespielter Zug wie seiner wäre für viele Einheiten besonders wertvoll, wenn sie ihn auf mehrere Kompanien verteilen und damit unerfahrene Soldaten verstärken könnten.“
Vivian verstand sofort. „Multiplikatoren.“
„Genau.“
Brick nahm einen Schluck. „Ein Sergeant hier, zwei erfahrene Leute dort, Gavin in irgendeinen Stab und den Rest dorthin, wo gerade Lücken sind. Militärisch nachvollziehbar. Für das, was Gavin will, völlig unbrauchbar.“
„Er hat seine Leute jahrelang aufgebaut.“
„Und genug davon durch den Krieg gebracht. Er möchte nicht zusehen, wie sie jetzt auf sechs verschiedene Arbeitgeber verteilt werden.“
Vivian sah hinaus auf die dunklen Felder. „Also baut er etwas Eigenes auf.“
„Er versucht herauszufinden, ob es machbar ist.“
Vivian drehte sich wieder zu ihm. „Was hat er inzwischen?“
Brick lehnte sich zurück. „Mehr, als ich erwartet hatte.“ Er hob einen Finger. „Sein Infanteriezug ist der Kern. Dazu kommen einige Spezialisten und Techniker aus dem alten Umfeld.“
Ein zweiter Finger. „Eine Luftraumjägerpilotin.“
Vivians Blick ging sofort zu ihm.
Owen bemerkte es, sagte aber noch nichts. „Ohne Maschine“, ergänzte er.
„Wer?“
„Später.“
Vivian verengte die Augen.
Brick hob den dritten Finger. „Zwei Mechkrieger mit eigenen BattleMechs.“
Jetzt saß Vivian gerader. „Welche Maschinen?“
„Ein Enforcer und ein modifizierter Dervish.“
Der Enforcer genügte. Vivian sah Owen an. „Jonas.“
Brick lächelte schwach. „Ja.“
„Slate ist auf Galatea.“
„Seit einigen Tagen.“
Vivian lehnte sich zurück. Das musste sie erst einmal einordnen. „Warum hat er mir nichts gesagt?“
„Frag ihn.“
„Das werde ich.“
Ein kurzer Zug ging über Owens Mund. „Ich würde vorher Tee trinken.“
Vivian ignorierte die Bemerkung. „Und der Dervish?“
„Ein Mann namens Nathan Sherman. Ehemaliger Davion-Soldat. Eigener Mech, stark modifiziert. Gavin hat ihn auf Galatea kennengelernt.“
„Gut?“
„Im Cockpit brauchbar. Bei Beschaffung und Logistik auffallend gut.“
Vivian hob leicht die Brauen. „Wie gut?“
Brick dachte darüber nach. „Gut genug, dass er innerhalb von drei Tagen Ersatzteile gefunden hat, nach denen Gavin vorher eine Woche gefragt hatte.“
„Legal?“
Owen nahm sein Glas. „Das wäre eine Frage für später.“
Vivian sah ihn einige Sekunden an. „Interessant.“
„Das ist ein Wort dafür.“
„Wer ist die Pilotin?“
Brick gab nach. „Helena Sato.“
Vivian schwieg. Kite. Sie stellte den Teebecher ab. „Helena ist ebenfalls dort.“
„Ja.“
Das veränderte den Charakter der Sache. Gavin Brannock war ein erfahrener Infanterieoffizier. Owen Bell konnte aus Soldaten beinahe alles herausholen, wenn man ihm genügend Zeit gab. Jonas Kerr war ein bewährter Mechkrieger und Kompaniechef. Helena Sato gehörte zu den besten Luftraumpiloten, denen Vivian vertraute. Das war bereits mehr als ein zufälliger Haufen Veteranen.
„Noch jemand, den ich kenne?“
„Vielleicht.“
„Owen.“
Er lächelte. „Die Liste bekommst du gleich.“
„Was hat Gavin außerdem?“
Brick wurde wieder sachlicher. „Einen Panzer.“
„Einen Panzer?“
„Komplette Besatzung. Der Kommandeur heißt Douglas Goldstein. Kommt aus der Liga Freier Welten, viel Erfahrung. Gavin hat ihn auf Galatea angeworben.“
„Was für ein Fahrzeug?“
„Steht in den Unterlagen. Ich wollte mir nicht jede technische Einzelheit merken.“
Vivian akzeptierte das. „Also zwei BattleMechs, ein Panzer, ein Infanteriezug mit Spezialisten und Technikern und eine Luftraumjägerpilotin ohne Maschine.“
„Im Kern.“
„Transport?“
„Teilweise organisiert. Weit entfernt von einer dauerhaften Lösung.“
Vivian schob den Teebecher einige Zentimeter zur Seite. „Und deshalb bist du hier.“
Brick sah sie direkt an. „Ja.“
Eine Weile sagte niemand etwas. Alistair lehnte sich im Stuhl zurück. Eleanor hielt ihren Teebecher zwischen beiden Händen und hörte zu.
Vivian dachte über die Zusammensetzung nach. Bei einem Verband dieser Größe interessierten sie zuerst die Menschen. Wer konnte führen? Welche Erfahrungen überschnitten sich? Wer kannte wen? Welche Kompetenzen fehlten? Wie viele der Leute wollten tatsächlich gemeinsam eine Einheit aufbauen und wie viele suchten nur eine Übergangslösung? Danach kamen die taktischen Möglichkeiten. Zwei BattleMechs waren noch keine Lanze, konnten mit einem Panzer und Infanterie aber bereits Aufgaben erfüllen, für die ein reiner Infanterieverband kaum infrage kam. Helena eröffnete eine weitere Ebene, sobald sie ein geeignetes Flugzeug bekam. Die Logistik dahinter würde kompliziert werden. Vivian wusste genug darüber, um die Größe des Problems zu erkennen.
„Gavin braucht jemanden, der die Unterstützungsseite wirklich beherrscht“, sagte sie nach einer Weile. „Ich kann eine Einheit führen und weiß, welche Versorgung ich für einen Einsatz brauche. Wenn wir anfangen, Ersatzteilketten für zwei verschiedene BattleMechs, einen Panzer und irgendwann einen Luftraumjäger aufzubauen, möchte ich jemanden daneben haben, der darin besser ist als ich.“
Brick nickte. „Sherman könnte ein Teil dieser Antwort sein.“
„Der Mann mit dem Dervish.“
„Ja.“
„Du klingst vorsichtig.“
„Ich kenne ihn erst kurz.“
Das gefiel Vivian als Antwort. „Und Gavin?“
„Hält viel von ihm.“
„Das reicht fürs Erste.“
Sie sah wieder über die Felder.
Alistair beobachtete sie. „Du klingst gerade ziemlich interessiert.“
Vivian warf ihm einen Blick zu. „Ich stelle Fragen.“
„Das tust du seit zehn Minuten sehr konzentriert.“
„Das Thema ist interessant.“
Ihr Vater lächelte.
Eleanor sagte ruhig: „Und heute Vormittag hast du dieselbe Seite eines Lagerberichts dreimal gelesen.“
Vivian drehte den Kopf. „Woher weißt du das?“
„Du hast mir den Bericht danach gebracht. Auf der Seite waren drei unterschiedliche Markierungen von dir an derselben Stelle.“
Vivian schwieg.
Brick sah zu Alistair. Alistair versteckte sein Lächeln hinter dem Weinglas.
„Ihr seid heute ausgesprochen hilfreich.“
Eleanor stellte ihren Becher ab. „Du bist gut in unserem Unternehmen. Sehr gut sogar. Du findest schnell heraus, wo Menschen aneinander vorbeiarbeiten, und du bringst Entscheidungen in Bewegung. Ich würde dich morgen in die Geschäftsführung setzen, wenn du das möchtest.“
Vivian sah sie an. „Das klingt gefährlich.“
„Für einige unserer Abteilungsleiter möglicherweise.“
Ein kleines Lächeln erschien in Eleanors Gesicht. Dann wurde sie wieder ernst. „Du suchst trotzdem jeden Nachmittag einen Grund, in den Mechhangar zu gehen.“
Vivian blickte hinaus. „Ich vermisse die AFFS nicht.“
Brick antwortete. „Das glaube ich dir.“
„Ich will auch nicht zurück.“
„Das glaube ich dir ebenfalls.“
Vivian legte beide Hände um ihren Teebecher. „Ich habe fast fünfundzwanzig Jahre in einer Befehlskette gelebt. Irgendwann entscheidet immer jemand anderes, welche Welt wichtig ist, welcher Einsatz stattfindet und wie viel Risiko dafür akzeptabel ist.“
Owen nickte langsam. „So funktionieren Armeen.“
„Ich weiß. Ich habe dieses System lange akzeptiert.“
Sie strich mit dem Daumen über den warmen Rand des Bechers. „Der Bürgerkrieg hat etwas daran verändert. Sechs Jahre lang haben wir Menschen bekämpft, die dieselben Akademien besucht haben, dieselben Uniformen trugen und oft dieselben Feinde wie wir bekämpft hatten. Ich würde wieder auf Victors Seite stehen. Ich weiß, warum ich dort gestanden habe.“
Vivian hielt kurz inne. „Aber ich möchte mein nächstes Leben stärker selbst bestimmen. Ich möchte wissen, warum jemand kämpfen will, bevor ich Menschen dafür einsetze.“
Alistair hörte schweigend zu. Eleanor ebenfalls.
Brick sah sie lange an. „Du willst selbst entscheiden, wofür du kämpfst.“
Vivian dachte darüber nach. „Ja.“ Dann ergänzte sie: „Und ob.“
Owen nickte.
Vivian nahm einen Schluck Tee. „Ich vermisse den eigentlichen Kampf weniger, als manche wahrscheinlich denken würden. Was mir fehlt, ist eine Einheit. Menschen, die ich kenne und für die ich Verantwortung trage. Eine Aufgabe, bei der meine Entscheidung unmittelbar etwas bewirkt. Planung, Ausbildung, Taktik. Selbst die verdammten Wartungsbesprechungen manchmal.“
Brick verzog das Gesicht. „Bei den Wartungsbesprechungen würde ich einen Arzt aufsuchen.“
Vivian lächelte. „Ich wusste, dass du an genau der Stelle etwas sagen musst.“
„Es klang ernst.“
Alistair betrachtete seine Tochter. „Dieser Teil von dir war immer da.“
„Schon als Kind?“
„Du hast mit neun Jahren entschieden, wie wir drei Tage lang eine kaputte Bewässerungspumpe reparieren sollten.“
Vivian runzelte die Stirn. „Hat mein Plan funktioniert?“
„Nein.“
Brick lachte.
Alistair grinste. „Aber du hast ihn mit großer Überzeugung vorgetragen.“
Vivian schüttelte den Kopf.
Owen beugte sich ein wenig vor. „Wenn du wieder führen willst, könntest du Jehlik anrufen. Ein Mann in seiner Position würde vermutlich einen Weg finden, dich zurückzuholen.“
„Dann wäre ich wieder genau in der Struktur, die ich gerade verlassen habe.“
„Was wäre bei einer Söldnereinheit anders?“
Vivian sah ihn an. Sie kannte diese Art von Frage. Brick wollte keine schnelle Antwort. Er wollte wissen, ob ihr Gedanke standhielt, wenn jemand dagegen drückte.
„Ich könnte am Anfang der Entscheidung sitzen“, sagte Vivian nach einem Moment. „Ein Auftraggeber kommt zu uns. Wir hören uns an, was er will, sehen uns die Bedingungen an und entscheiden, ob wir unterschreiben.“
„Solange die Kasse voll genug ist, um einen Auftrag abzulehnen.“
„Dann muss die Kasse voll genug sein.“
„Auftraggeber lügen.“
„Deshalb brauchen wir Verträge und Aufklärung.“
„Und manchmal erfährst du die Wahrheit erst vor Ort.“
„Dann treffe ich dort eine Entscheidung.“
Owen lehnte sich wieder zurück.
Vivian fuhr fort. „Ich will wissen, wer uns anheuert, was er erreichen möchte und welchen Preis meine Leute dafür wahrscheinlich bezahlen. Wenn die Aufgabe diesen Preis nicht rechtfertigt, möchte ich die Möglichkeit haben, Nein zu sagen.“
Das Wort meine blieb einen Augenblick zwischen ihnen hängen. Vivian bemerkte es selbst. Eleanor ebenfalls.
„Das klingt nach einer ziemlich aktiven Form von Ruhestand“, sagte ihre Mutter.
Vivian sah sie an. „Ja.“ Es war das erste Mal, dass sie es so klar aussprach.
Alistair setzte sein Glas ab. „Ich bin nach dem Vierten Nachfolgekrieg nach Hause gekommen, weil dieses Leben hier zu mir gepasst hat.“ Er deutete über die dunklen Felder. „Ich wollte morgens wissen, dass meine Familie hier ist. Ich wollte sehen, wie du aufwächst. Und ich wollte Probleme lösen, die mir gehörten.“
Vivian sah ihn an. „Das hast du.“
„Zumindest bis du beschlossen hast, mit zwölf Jahren erwachsen zu sein.“
Sie lächelte.
Alistair wurde wieder ernster. „Du freust dich, hier zu sein. Das sehe ich. Du wirst auch immer einen Platz hier haben. Das Unternehmen wird dich auf Dauer trotzdem kaum ausfüllen.“
Vivian senkte kurz den Blick. „Das klingt undankbar.“
„Für mich überhaupt nicht.“ Er antwortete ohne Zögern. „Deine Mutter und ich haben gearbeitet, damit ihr beide Möglichkeiten habt. Wenn du am Ende genau dasselbe Leben führen müsstest wie wir, hätten wir den wichtigsten Teil davon schlecht gemacht.“
Eleanor legte die Hand auf seinen Unterarm.
„Dein Vater hat recht.“
Vivian sah sie an. „Das solltest du öfter laut sagen.“
„Gewöhn dich nicht daran.“
Brick lachte leise.
Vivian wandte sich wieder zu ihm. „Du bist von Galatea direkt hierhergekommen.“
„Ja.“
„Nur für dieses Gespräch?“
Owen kratzte sich kurz am Bart. „Gavin hat gefragt, ob ich glaube, dass du Interesse haben könntest. Ich habe gesagt, dass ich das nicht über eine Nachricht herausfinden will.“
Vivian sah ihn eine Weile an. „Und wenn ich Nein gesagt hätte?“
„Dann hätte ich ein paar Tage auf Argyle verbracht, deinen Vater weiter über Rucksäcke belehrt und wäre wieder zurückgeflogen.“
Alistair hob sein Glas. „Ein guter Plan.“
Vivian lächelte. „Wann fliegst du zurück?“
„Übermorgen.“
Sie sah zu den dunklen Feldern hinaus. Der Gedanke fühlte sich nicht wie eine plötzliche Eingebung an. Er hatte sich seit ihrer Ankunft entwickelt, während sie Exportzahlen gelesen, Reparaturpläne überprüft und immer wieder im Mechhangar gestanden hatte. Galatea gab ihm einen konkreten nächsten Schritt.
„Ich komme mit.“
Brick reagierte zunächst nur mit einem Nicken.
Vivian runzelte die Stirn. „Mehr hast du dazu nicht zu sagen?“
„Ich bin mehrere hundert Lichtjahre gereist, um dich zu fragen.“
Alistair begann zu lachen.
Vivian sah zu ihren Eltern. „Ihr habt damit gerechnet.“
„Ich nicht“, sagte ihr Vater. „Ich habe gehofft, dass du etwas findest, das zu dir passt.“
Eleanor hob den Teebecher. „Ich habe damit gerechnet.“
Vivian schüttelte den Kopf. „Natürlich.“
Sie wandte sich wieder Owen zu. „Ich fliege mit und sehe mir an, was Gavin aufgebaut hat. Mehr verspreche ich dir heute nicht.“
„Das reicht.“
„Wenn das organisatorisch, finanziell oder personell keinen Sinn ergibt, sage ich es ihm.“
„Das erwartet er.“
„Und ich möchte die Leute sehen, bevor wir über irgendeinen Namen, irgendeinen Vertrag oder irgendeine Struktur sprechen.“
Brick griff in seine Jackentasche.
Vivian sah die Bewegung.
„Owen.“
Er legte ein Datenpad auf den Tisch. „Deshalb habe ich das mitgebracht.“
Vivian zog es zu sich. Auf der ersten Seite stand Gavin Brannocks Name. Darunter folgten die Leute aus seinem Infanteriezug und weitere Personen, die sich seinem Kern angeschlossen hatten. Dienstzeiten, Qualifikationen, bisherige Einheiten und kurze Vermerke füllten die Spalten.
Vivian scrollte. Ein Name hielt ihren Finger an. JONAS KERR. Daneben stand der Vermerk über seinen persönlichen ENF-5D Enforcer.
Vivian las die Zeile zweimal. „Slate.“
„Ja.“
Sie scrollte weiter. HELENA SATO. Luftraumjägerpilotin. Derzeit ohne eigene Maschine.
Vivian hob kurz den Blick zu Brick, der nur wartete.
Weiter unten standen zwei Namen, mit denen sie nichts verband.
NATHAN SHERMAN – MECHKRIEGER. Persönlicher, modifizierter Dervish. Zusätzliche Erfahrung: Logistik, Beschaffung.
DOUGLAS GOLDSTEEN – PANZERKOMMANDANT. Ehemals Liga Freier Welten. Eigene Panzerbesatzung und Fahrzeug.
Vivian ging zurück an den Anfang. „Gavin hat in zwei Wochen ziemlich viel zusammengebracht.“
„Er war beschäftigt.“
„Und Sherman?“
„Auf Galatea angeworben.“
„Goldsteen ebenfalls?“
„Ja.“
Vivian öffnete den nächsten Ordner. Eine kurze Übersicht zeigte den derzeitigen Bestand. Infanterie, Spezialisten, einige Techniker, zwei BattleMechs, ein Kampfpanzer mit Besatzung und eine erfahrene Luftraumpilotin, der noch ein Flugzeug fehlte. Das war klein. Aber es war bereits ein militärischer Kern.
Vivian scrollte erneut zu den Personalakten. „Ich möchte medizinische Einschränkungen, Führungsqualifikationen und bei den Infanteristen wissen, wer innerhalb der Gruppe welche Funktion tatsächlich ausfüllt. Bei den Technikern brauche ich eine Übersicht der Systeme, an denen sie gearbeitet haben.“
Brick deutete auf den nächsten Ordner. „Da ist ein Teil davon.“
„Ein Teil?“
„Gavin sammelt den Rest noch.“
Vivian öffnete ihn. „Gut.“
Sie las einige Zeilen und hielt wieder an. „Sherman hat tatsächlich Logistikerfahrung.“
„Mehr als sein Dienstgrad vermuten lässt.“
„Gavin vertraut ihm?“
„Bisher ja.“
Vivian nickte langsam. „Dann höre ich ihn mir an.“
Eleanor stand auf und nahm ihren leeren Becher. „Ich mache noch Tee.“
Brick blickte ihr nach. „Kaffee wäre mir lieber.“
Eleanor blieb in der Tür stehen. „Die Küche ist dort.“
Alistair grinste.
Owen sah zu Vivian. „Deine Mutter mag mich.“
„Das ist bei ihr schwer zu erkennen.“
„Ich nehme es als gutes Zeichen.“
Vivian öffnete wieder die erste Personalübersicht. Diesmal begann sie oben und las jeden Namen.

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Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein!

"Ich treffe alles, was ich sehe!"
Starcolonel Kurt Sehhilfe, Clan SeeBug

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