A Cavaliers Legend |
Ace Kaiser
Lieutenant General

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Zenturio Hannes Faber musste an sich halten, um nicht nervös in der Zentrale der SWASHBUCKLER auf und ab zu laufen. Stattdessen saß er auf einem Gastsitz im Hintergrund und verfolgte den Anflug des Union-Landungsschiffs aus der Flugparabel ins Conrad-Mittelgebirge. Genauer gesagt ins Norad-Tal, in dem die Miliz vor ewigen Zeiten Fort Wegener angelegt hatte, um eine schlecht angreifbare Position zu haben, während man gleichzeitig die Pässe übers Gebirge schützen konnte. Eigentlich eine gute Idee für den Fall, dass die als Conrad-Zacke bekannte Tiefebene südlich der Berge ins Weltmeer ragte, Aufmarschgebiet für eine Invasion wurde.
Nun gab es zwar besagte Invasion, aber sie erfolgte von zwei Seiten, da die Miliz des Planeten gleichzeitig gegen die amtierende Gouverneurin putschte. Zumindest jene Teile der Miliz, die sich mit dem Kopf des Putsches, der Wengenbaum-Familie, gemein gemacht hatten. Damit verlor Fort Wegener keinesfalls seine Aufgabe. Aber seine Position war dadurch prekär, weil von zwei Seiten Angriffe geführt wurden.
Nun war das Fort von vorne herein kein großer Stützpunkt und kaum ausgerüstet. Aber eben eine Festung. Solange die Besatzung still gehalten hätte, zum Beispiel wenn die Akugawa-Miliz das Gebirge unbehelligt hätte überqueren können, hätte man Stützpunkt und Besatzung ignorieren können. Aber zwei Faktoren waren hinzu gekommen, die sich nicht ignorieren ließen.
Einerseits, dass die Familie Wengenbaum die Parole ausgegeben hatte, dass wer nicht mit ihr war, gegen sie war.
Und andererseits, dass sich Zorn Kenderson in diesem Tal befinden sollte, jener junge, charismatische Anführer der Kenderson Cavaliers, der nicht nur ein ganzes Regiment an nagelneuem, zeitlos eingelagertem Kriegsgerät gefunden haben sollte, sondern schon auf einem anderen Planeten ein anderes Depot entdeckt und geplündert hatte. Was die Einheit theoretisch reich genug gemacht hatte, damit jedermann in den vorzeitigen Ruhestand hätte gehen können. Kenderson aber hatte sich dazu entschieden, sich und seine Einheit aktiv zu halten. Die Details waren Faber nicht bekannt, aber er wusste, dass militärische Macht ein guter Antrieb war. Wenn es auf Allans World wirklich ein ganzes Regiment aus Mechs und Panzern gab, die während der Nachfolgekriege hier versteckt worden waren, dann war das ein Milliardenwert! Mehrfach! In C-Noten! Jene Einheit, die darauf ihre Hand legen und die Beute auch noch vom Planeten abtransportieren konnte, würde genug ausgesorgt haben, um sich einen Peripherieplaneten samt Bevölkerung zu kaufen.
Soweit das Briefing diese Themen behandelt hatte, war ihm und seinen Leuten gesagt worden, dass Kenderson einen Überfall auf die Conrad-Zacke angeführt hatte. Während der Mission sei er mit einem zweiten Mech von seinen Leuten getrennt worden und beide Piloten hatten hier oben Zuflucht gefunden. Das machte ihn zu einem Ziel auf dem Präsentierteller, denn sein Leben oder sein Tod würden eine Eintrittskarte ins Brian-Kastell sein, in dem die Kriegsmaschinen verborgen gewesen waren. Wengenbaumspione berichteten, dass diese Beute real war. Andere Spione wiederum berichteten, dass Kenderson im Norad-Tal mittlerweile um die zwanzig Mechs aller Klassen zusammengezogen haben sollte.
Das hatten die Wengenbaums aber verworfen. Eher waren sie bereit daran zu glauben, dass Kenderson noch vor der Mission auf der Zacke einen Teil seiner Leute ins Tal entsandt hatte, um hier auf ihn zu warten. Da es mindestens acht verschiedene gesichert beobachtete Mechs bei den Verteidigern gab, welche den Südpass und die Straße im Nordwesten verteidigten, schien das plausibler. Aber warum sollten die Spione lügen? Oder konnte man ihnen nicht trauen?
Fakt war, dass sich die Führung der Miliz dazu entschlossen hatte, das Tal zu nehmen und Kendersons Einheit zu vernichten, was die Chance, das Brian-Kastell samt der militärischen Güter in die Hände zu bekommen, massiv erhöhen würde. Der Hauptpreis in diesem Konflikt, der unter ein wenig Zeitdruck stand, denn egal wie sich die Wengenbaums legitimierten, wenn ihr Putsch nicht abgeschlossen war, bevor New Avalon eine kampfstarke Einheit schickte, war mindestens die Beute im Brian-Kastell verloren.
Die Aufgabe seiner Latin Striders würde es sein, mit der SWASHBUCKLER ins Tal zu fliegen, an einem sicheren Punkt, der von der Artillerie des Forts nicht beschossen werden konnte, zu landen, und von diesem Punkt aus den Nordwestpass von innen zu nehmen und damit das Tal für eine Invasion zu öffnen, während zeitgleich die Akugawa-Miliz als Ablenkung von Süden aus angriff. Das würde die acht Mechs unter Kenderson erfolgreich aufsplitten und beschäftigt halten. Soweit sagte es der Plan.
Nun waren die Latin Striders keine große Einheit, sondern nur eine kleine, überschaubare Söldnertruppe aus der Peripherie, die sich nicht den Luxus gönnen konnte, bei ihren Aufträgen wählerisch zu sein. Aber im Idealfall fanden ihre Einsätze, meistens Wachdienste, Verteidigung strategischer Ziele und ab und an mal eine Kampagne gegen Piraten, in der Peripherie statt, jenem Gürtel aus besiedelten Planeten rund um die Innere Sphäre, die keinem der sechs großen Reiche zugeordnet waren. Die Striders eine Kompanie zu nennen, war gerade so gerechtfertigt. Dreizehn Piloten, elf Maschinen, achtzehn Techs, das war alles. Hinzu kamen normalerweise noch die Familien, noch einmal achtundneunzig Leute, aber Hannes hatte sie auf dem letzten Zwischenstopp, einem freundlichen, ruhigen Planeten, untergebracht. Die Unterbringung war bescheiden, aber weit besser, als sie es manches Mal während der Reisen der Striders gewohnt waren.
Zwar zahlte der Auftraggeber gut und hatte im voraus die Hälfte bezahlt, die andere Hälfte bei ComStar hinterlegt, großzügige Prämien für Tote und Verletzte ausgelobt, und kleine, aber immerhin zehn Jahre laufende Hinterbliebenenrenten. Aber genau das war der Punkt, an dem der Zenturio misstrauisch geworden war. Wer sein Geld derart festlegte, nach genau abgesprochenen Konditionen, der brauchte seine kleine Einheit wirklich dringend. Und das war bei der eher nicht so hohen Qualität der Truppe eine gefährliche Aussage. Denn das bedeutete, dass seine Jungs und Mädels als Kanonenfutter benötigt wurden.
Dennoch hatte Faber zugesagt, denn das Geld, das es zu verdienen galt, würde, selbst wenn alle Striders sterben würden, ihren Familien zugute kommen.
Der Verlust der Mechs, einige seit Jahrhunderten in Familienbesitz, und keiner nicht mindestens aus zwei verschiedenden Maschinen bestehend, und nicht immer das gleiche Modell, wurde damit nicht kompensiert. Auch ihre uralten Kampfroboter, tausendfach geflickt, waren Geld wert. Gerade, weil der Zenturio immer Wert darauf gelegt hatte, die besten Techs anzuheuern, die er mit dem Geld der Einheit bezahlen konnte. Und die sich nicht zu fein waren, die jungen AsTechs der Striders auszubilden. Der Sold, welcher bereits geflossen war und noch fließen würde, war bei weitem nicht ausreichend, um selbst den pessimistischen Schätzwert der elf Maschinen zu kompensieren. Aber wurde die Einheit vernichtet und die Striders aufgelöst, war gutes, bares Geld für seine Familien da, das für ein bürgerliches Leben auf ihrer neuen Heimatwelt reichen würde.
Zugleich fielen die immensen Wartungskosten weg, die jede Mech-Kampfeinheit stemmen musste. Summa summarum ein guter Deal für die Latin Striders.
Und angenommen, sie wurden nicht verheizt, angenommen, sie, oder das Gros seiner Leute überlebte diesen Kontrakt, dann bestand sogar die Möglichkeit, nein, natürlich nicht einen oder mehrere Mechs aus dem Depot zu erhalten. So vermessen, das zu glauben, war Faber nicht, auch wenn ihr Mittelsmann, dieser Janard Medice, so etwas ein paarmal angedeutet hatte. Aber wenn sich die Sieger an der Beute bedienten, wurden vielleicht andere Mechs in den beiden Milizenn nicht mehr benötigt. Oder es fiel eine Beutemaschine der Cavaliers für sie ab. Jeder weitere Mech mehr war dann ein Segen für seine Leute. Selbst eine uralte, geflickte Maschine war dann in einem besseren Zustand als die Mechs seiner Leute. Zumindest hoffte er das.
„T minus eine Stunde“, sagte Kapitän Björn Philip. Er sah zu Faber herüber. „Besser, Sie machen sich jetzt fertig, Zenturio.“
Der Anführer der Striders nickte und erhob sich. „Danke, dass ich bis hierhin in der Zentrale sein durfte, Kapitän Philip.“
„Gerne. Mit Dingen, die mich nichts kosten, bin ich normalerweise großzügig“, scherzte er. Die beiden Männer nickten sich noch einmal zu, dann verließ Faber die Brücke. Die SWASHBUCKLER war nicht ihr eigentliches Transportmittel zwischen den Sternen. Das war die KAYNE, ein umgebautes Maultier. Für diesen Auftrag war das schlecht bewaffnete zivile Schiff nicht geeignet genug gewesen, sodass ihnen die SWASHBUCKLER zugewiesen worden war, welches der Miliz gehörte. Also im Moment den Wengenbaums.
Der Union war wesentlich besser bewaffnet und auch besser gepanzert als ihr altehrwürdiges Maultier. Es würde den Landeanflug gewiss überstehen. Und anschließend würde Philip mit der Bewaffnung nicht nur dafür Sorge tragen, dass der Anmarschweg zum Pass von den Schiffsgeschützen der SWASHBUCKLER gedecjt wurde. Sondern dass die Striders auch tatsächlich ihren Auftrag erfüllten. Trotzdem, sicher zu Boden kommen war ein Vorteil, weshalb er dankbar für diese Zuteilung war.
Über mehrere Treppen kletterte Faber im Union in die Tiefe, bis er die Ladebucht 1 erreichte. Hier standen acht ihrer Maschinen, darunter auch sein Donnerkeil. Kurz ging er zu den Spinden, um sich bis auf seine Glücksshorts auszuziehen, damit er der kommenden Hitze im Cockpit besser widerstehen konnte. Dann ging er zu seiner Maschine.
MeisterTech Frohn stand schon bereit, in der Hand eine Kühlweste und den Neurohelm. „D's Baby schnurrt“, empfing er den Zenturio mit seinem harten Peripherie-Akzent, und reichte ihm die Ausrüstung. „All' Babies sinh fit“, fügte er an.
„Na, dann wollen wir doch mal das Schlechteste erwarten und das Beste hoffen“, sagte Faber frohgemut, extra ein wenig lauter, damit seine Piloten, die weitestgehend bereits in ihren Cockpits saßen und auf das Ende des Drops warteten, ihn hörten und glaubten, er ginge zuversichtlich in diese sehr gewagte Mission.
Er nahm die Sachen entgegen und wollte gerade die Strickleiter zum Cockpit erklimmen, da legte der MeisterTech seine Hand auf seine Schulter. „Nich' vergess'n. Kenderson isn feiner Kerl. Wenn sich wer ergibt, schießt er nich' mehr.“
„Äh, ja“, machte Faber. Er hatte nicht vor, mit schießen aufzuhören, bevor der Auftrag nicht erfüllt war. Vor allem nicht, wenn ihre einzige Fluchtmöglichkeit in Form des Unions jederzeit anfangen konnte, auf sie zu schießen, um sie für einen weiteren Angriff zu motivieren. Rechnerisch würden sie gewinnen. Allein von der Tonnageverteilung konnte es nicht anders sein. Sie und das 5. Bataillon der Miliz gegen vier oder fünf BattleMechs? Das konnte doch nur gutgehen, vor allem weil die Sprengladungen, die in den Steilwänden rund um den Pass installiert worden waren, von der Zündung abgetrennt waren. Aber man wusste ja nie, und vielleicht waren es sogar sechs Mechs. So oder so, sie würden die Passage mindestens bis zur SWASHBUCKER öffnen, etwas anderes war logisch gesehen unmöglich. Oder es musste ein Wunder für die Cavaliers geschehen.
Die Frage für ihn war nur, wie hoch der Preis war, den die Latin Striders dafür bezahlen mussten. Wieder einmal.
Faber kletterte ins Cockpit, warf die Weste über und schloss sie an. Nach dem kalten Schauder des Kühlmittels, welches nun zu zirkulieren begann, setzte er den Neurohelm auf, vergewisserte sich, dass die neuronalen Sensoren an den richtigen Stellen saßen und schloss die Riemen. Sein letzter Blick ging zu seiner Notfallausrüstung im Sockel der Pilotenliege. Darin waren unter anderem ein Nadler und eine Autopistole. Falls er abgeschossen wurde. Falls er sich mit der Pilotenliege raus schießen konnte. Falls er es schaffte, lebend auf dem Boden anzukommen. Falls er es schaffte, am Boden zu überleben. Lang genug, dass er sich den Weg in eine Deckung freischießen konnte.Wirklich, konnte er nicht positiver denken? Eigentlich lagen alle Karten bei der Miliz, den Dracs und ihnen, den Striders. Aber sie standen gegen einen Mann und seine Leute, die jetzt schon das zweite Sternenbunddepot entdeckt hatten. Der einen Überfall auf die Conrad-Zacke nicht nur überstanden, sondern seine Leute heil rausgebracht hatte und selbst entkommen konnte. Der mit nur einem einzigen Mech vom Typ Tomahawk einen gut ausgedachten Hinterhalt nahezu pulverisiert hatte. Gut, das war gewesen, weil seine Gegner viel zu nahe herangekommen waren und offenbar keine Ahnung hatten, was die große Karbonstahlaxt mit genau so unvorsichtigen Gegnern anrichten konnte. Aber dennoch. Kenderson war auf der einen Seite, sie waren auf der anderen Seite. Und es wäre ein Fehler gewesen, ihn zu unterschätzen. 'Na wenigstens', dachte Faber in einem Anflug von Sarkasmus, 'hat er nicht auch noch die Wolfs Dragoner in der Hinterhand'.
***
Während die SWASHBUCKLER dem Boden entgegen fiel, begann Kapitän Philip ruhiger und ruhiger zu werden. Er begann vor jeder Landung eigentlich immer mit etwas Nervosität oder einem dummen Tick, wie populäre Melodien pfeifend, auf Dinge klopfend, mit einem Fuß wippend, sowas halt. Je näher aber der Grund für die Anspannung kam, desto gelassener wurde er. Manchmal verglich er das mit Lampenfieber, welches verschwand, sobald sich der Vorhang der Bühne hob – und oh Boy, der Vorhang hob sich rasant.
Der schwierige Part der Mission war nicht unbedingt der Parabelflug. Die Berechnungen waren korrekt, auf den Millimeter genau, und wenn sich die Landezone nicht radikal verändert hatte, würden sie sicher aufsetzen. Einen direkten Anflug zu nehmen wäre wegen der Berge riskanter gewesen, oder wenn sein Schiff höher geflogen wäre, um über die Bergspitzen zu kommen, hätten sie ein leichteres Ziel geboten. Eine Landung nach Parabelflug aber bot große Sicherheit, Präzision, und das kleinste Zeitfenster, in dem die Artillerie von Fort Wegener sie beschießen konnte.
Die kritische Zeit war natürlich kurz vor dem Bodenkontakt. Sein Union musste stark reduzieren, fast die ganze Fahrt aufheben, um nicht zu hart aufzusetzen, damit er einerseits hinterher noch ein Schiff hatte, und andererseits die Mech-Kompanie, welche er absetzen sollte, nicht schon an Bord zerstört wurde. Oder so sehr durcheinander geschüttelt, dass der ganze Überraschungsvorteil dahin war und Kenderson Zeit hatte, Mechs am Lander zusammen zu ziehen, um das Ausschiffen zu sabotieren. Oder zumindest zu erschweren. Da machte sich Philip nichts vor. Die Maschinen, die Kenderson besaß, waren von wesentlich besserer Qualität als jene der Latin Striders. Diese brauchten die Überraschung, den Vorteil, um selbst mit einer Kompanie Mechs die Nordwestpassage zu öffnen. Je mehr Verteidiger auf der Sohle des Passes warteten, desto schwieriger würde es werden, selbst mit dem 5. im direkten Angriff.
„T minus zehn“, sagte Trondheim, der Navigator.
Zehn Minuten noch. Das bedeutete, die Steuerdüsen feuerten bereits, um die Fallgeschwindigkeit aufzuzehren. Davon hatte die SWASHBUCKLER nicht viel aufgebaut, nur so viel, um die Anziehungskraft des Planeten zu überwinden und der Parabel zu folgen. Zeit hatten sie genug gehabt. Aber trotzdem kamen sie jetzt runter wie ein nach allen Seiten leuchtender Komet. Zehn Minuten bedeuteten noch etwa dreitausend Meter. Weniger ging nicht, weil die Parabel die Höhe vorgegeben hatte. Immerhin, jetzt erst waren sie sehr gut am Nachthimmel zu sehen, und bisher hatte sie keine Radarsignale getroffen.
„ORTUNG!“, kam es von Lieutenant Lucksteen, „WIE ES SCHEINT VON EINEM KAMPFSCHÜTZE!“
Na, das hatte ja gut funktioniert. Ein Kampfschütze war einer jener Mechs, die auf Luftabwehr ausgelegt waren. Dabei wurden sie Luft/Raum-Jägern, VTOL und atmosphäregebundenen Jägern natürlich gefährlicher als einem militärischen Landungsschiff, aber dennoch würden seine Waffen Schäden verursachen. Zusätzlich zu jenen Schäden, die zweifellos dazu kommen würden, wenn die SWASHBUCKLER in den Neigungswinkel der Fort-Artillerie eintrat und ohnehin fast keine Fahrt mehr hatte. Für über eine Minute würden sie eine wunderbare Zielscheibe abgeben, und man konnte nur hoffen, dass die Artillerie in der Zeit nicht allzu häufig schoss.
Und durch den Wall aus militärischem Rauch, den sein Schiff kurz vor der Landung erzeugen würde, natürlich so wenig wie möglich treffen würde. Der Rauch war nicht nur optisch undurchsichtig, sondern verhinderte auch Radar-, und Magnetbandortung. Aber jeder halbwegs kompetente Gunner würde sich die Fallgeschwindigkeit seines Unions nehmen, zweimal kurz drüber rechnen und dann genau wissen, wohin er mit seiner Kanone zielen und wann er nur noch abdrücken musste. Dazu kam, dass die Ortungsfähigkeit des Kampfschütze den Überrraschungsmoment teilweise aufgehoben hatte. Nun konnten sie nur noch auf ein wenig Glück hoffen – und dass ihre Panzerung dick genug war. Ein unglücklicher Treffer, der eine Landeluke außer Betrieb setzte und verhinderte, dass ein Teil der Latin Striders sofort ausschleusen und gefechtsbereit werden konnte, wäre ein absoluter Horror, der den ganzen Plan womöglich scheitern lassen würde.
„T minus fünf.“
Noch etwa tausendzweihundert Meter. Llord, sein Pilot, reduzierte mit Hilfe des Bordcomputers genau in dem Maß, wie die Parabel es vorschrieb. Leider machte es ja auch berechenbar. Aber schnell runterkommen hielt Philip für besser als ein oder zwei irrationale Manöver, um der direkten Schusslinie zu entgehen, die zudem Zeit kosten würden. Und wer wusste das schon, vielleicht hatten sie Glück, und die besten Kanoniere von Fort Wegener waren nicht an den Lafetten? Eine irrwitzige Hoffnung, zugegeben.
„T minus eine Minute!“
„Ortung jetzt auch von Fort Wegener“, meldete Lucksteen, diesmal wesentlich ruhiger. Gut. Ihre schrille Stimme hatte fast eintausend Meter Fallweg lang in seinen Ohren geklingelt.
„Waffenmaat“, sagte der Kapitän. „Feuer frei.“
„Aye, Sir“, erwiderte Jensen und feuerte die vorbereitete Vierziger-Salve LSR ab. Die Raketen verließen die Werferrohre genau wie in einer unspektakulären Übung, und detonierten, als wären Zielmarkierungen für Jensen vorhanden gewesen, sehr exakt auf dem Kamm westlich des Passwegs, der sich hier schon deutlich ins Tal eingeschnitten hatte. Schnell bildete sich eine dichte, undurchdringliche Wand aus Nebel. Sein Sichtschutz.
„Signal zur Landung“, sagte er. Damit gab es keinen Weg zurück, kein Durchstarten und Entkommen mehr. Allerdings hielt er das Risiko auch für vertretbar.
„Aye, Sir.“ Der Signalmaat ließ die Sirene durchs Schiff hallen. Wer noch keinen Sitz, festen Halt oder eine Stelle zum Anschnallen gefunden hatte, sollte spätestens jetzt erfolgreich suchen.
Leise Glockenschläge gingen durch die Hülle. Der Kampfschütze schickte mit seinen Autokanonen auf fünfhundert Meter seine ersten Grüße hoch. Philip lächelte verbissen. Das konnte sein altes Ross ab, das war nicht so schlimm.
„T minus dreißig Sekunden!“
Weitere Erschütterungen kamen hinzu, als die Artillerie von Fort Wegener eingriff. Drei schnelle Treffer, zwanzig Sekunden Pause, wieder drei Treffer. Dann waren sie im Deckschatten der Nebelwolken, und das Feuer hörte auf. Eventuell, weil die Geschütze nachladen mussten. Eventuell, weil die Nebelwand doch wirkte.
„TOUCHDOWN!“
„Gut gemacht, EinsWO! Hangartore öffnen! Die Striders können ausschiffen!“, rief er. Na, abgesehen vom Beschuss war das doch eine Landung wie im Bilderbuch gewesen. Alles, was sie jetzt noch tun mussten, war, den Pass zur Tal-Innenseite zu decken, bis das 5. Bataillon den Weg hoch kam. Das würden sie auch noch hinkriegen.
Auf einem seiner Monitore sah er Hangarbucht eins. Die große Rampe war bereits fast heruntergefahren, und die ersten Mechs machten sich bereit, verließen ihre Transportbühnen und stampften aus dem Hangar in Richtung Gefechtsfeld. Der Donnerkeil von Faber war der dritte. Sehr diszipliniert, die Burschen. Immerhin das. Man konnte sich einiges von dieser Truppe erhoffen.
Das Ausschiffen ging zügig vonstatten und dauerte nicht mal eine Minute. Dann bewegten sich die Latin Striders schon auf ihr Einsatzgebiet zu. Wirklich, ihre Mechs mochten alt sein, ihr Training aber war akkurat.
„Auf FeindMechs achten!“, mahnte Philip. Immerhin, die Polkuppe der SWASHBUCKLER war jetzt unterhalb der Felsklippe, wenn auch nur lausige zwei Meter, aber damit konnten sie nicht mehr direkt beschossen werden. Ihre größte Gefährdung waren jetzt die Mechs, und mit vier bis acht Maschinen sollte ein Union eventuell fertig werden. Aber so viele konnte Kenderson kaum einsetzen, wegen der Angriffe auf beiden Seiten. Eigentlich lief es doch gut für sie. Bis er den Fluch von Kershaw hörte.
„Was ist, EinsWo?“
„Schäden an der Hydraulik von Hangarrampe eins, Sir. Ich schicke die Techs hin, um das zu flicken!“
„So schnell wie möglich. Ich mag es nicht, mitten in Feindgebiet mit offenen Luken rumzusitzen!“
„Aye, Sir!“
War das auch geklärt. Also, Zorn Kenderson, was war der nächste Zug nach dieser unheilvollen Überraschung?
***
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02.05.2026 00:04 |
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„Na also, da hast du doch, was du dir gewünscht hast, alter Junge“, sagte Thomas Jackson zu sich selbst, als er seinen Donnerkeil zur Seite warf, um die fünfundsechzig Tonnen schwere Maschine aus dem Sniperfeuer des feindlichen Kampfschützen zu bringen. Da Warnington die gegnerische Maschine mit seinem Panther noch in der Ortung hatte und die Daten mit ihm teilte, schickte er aus der Deckung heraus eine Salve der Fünfzehner LSR raus, von denen immerhin acht Raketen in die gleich schwere Maschine einschlugen und großflächige Schäden verursachten. Schwer genug, dass der vorwitzige mittelschwere Mech, der sich bis auf vierhundert Meter an den Pass herangetraut hatte, wieder ein wenig zurückfiel, um wieder hinter eine Biegung aus massivem Gestein zu kommen.
„Gut geschossen“, sagte der Unteroffizier der Miliz, den der Alte zusammen mit dessen Lanze auf der Conrad-Zacke adoptiert hatte.
„Gut gezielt“, erwiderte Thomas, nicht nur ein klein wenig erleichtert, dass er es aus der direkten Schusslinie rausgeschafft hatte – für den Moment. Vier Mechs standen hier Wache, und das in einer ziemlich guten Abwehrposition, um jeden Angreifer auf dem Nordöstlichen Pass gut bekämpfen zu können. In diesem Fall die Mech-Einheiten des 5. Milizbataillons. Im Moment zwei Lanzen, die sich abwechselnd bemühten, den Pass zu stürmen. Aber der Alte hatte ihnen im Briefing bereits gesagt, dass dies nur der Ablenkungsangriff sein würde, und er nur dann zu einer vehementen Attacke mutierte, falls das Abwehrfeuer nicht stark genug war. Denn das eigentliche Ziel war, die Landung eines Unions der Miliz mit einer Kompanie Mechs an Bord zu verschleiern, zumindest solange das möglich war.
„Konzentration, Jungs. GAZ des Landers in zwei Minuten“, sagte Captain Winningham, der ihre kleine Verteidigerlanze anführte. Ihm zur Seite stand dabei Corporal Johannis in seinem Dunkelfalke, was aus ihnen eine durchmischte mittelschwere Lanze machte.
„Ja, Sir“, erwiderte Jackson. Wie war er gleich noch mal in diese Situation geraten? Im Gegensatz zu Ellie hatte er sich nicht bewährt und noch nicht die ersten Abschüsse auf seiner Maschine aufmalen lassen können. Er hatte gute Werte und gute Simulatorergebnisse, weshalb ihm immer mehr zugetraut worden war. Das ging soweit, dass, als der erste Mech aus dem Brian-Kastell betriebsbereit war, namentlich genau dieser Donnerkeil, ihm erlaubt worden war, von der doch recht alten Wespe auf den nagelneuen mittelschweren Mech zu wechseln. Darüberhinaus hatte er sich freiwillig gemeldet, als Winningham zu den acht Mechs seiner Wolfs Dragoner noch vier weitere Maschinen hatte mitnehmen wollen. Er und Ellie sowie Lieutenant Chan und ihr Flügelmann hatten das Rennen gemacht. Tja, und als es darum gegangen war, den Köder zu spielen bei der angeblichen Überrumpelung des Nordostpasses, hatte er sich auch freiwillig gemeldet. Und das alles nur, weil es ihn wurmte, dass die kleine Ellie ihm gegenüber schon so viel Vorsprung aufgebaut hatte. Oh, es war kein Neid, kein Hass, überhaupt kein negatives Gefühl wie Eifersucht oder so. Es war einfach nur der Gedanke, von der Jüngeren abgehängt zu werden, bevor er sich überhaupt als Mech-Pilot hatten empfehlen können. Aber hier und jetzt, auf der Liege des Donnerkeils, mit einer Maschine, die ihm gehorchte, als wäre sie eine Prothese seines Körpers, da musste es doch verflixt noch mal möglich sein, dass er sich zumindest im Gefecht bewährte. Von Abschüssen wollte er ja gar nicht träumen, das war ja auch gar nicht der Plan. Und ehrlich gesagt waren ihm die Kugeln schon öfter um die Ohren geflogen, seit er ein Cavalier war, nur meistens hatte er dann keine mehrere Tonnen Blech zu seinem Schutz vor eben diesen.
Unten auf dem tieferen Teil des Passes sprang eine vorwitzige Valkyrie einige Dutzend Meter die Steigung rauf, feuerte seine 10er LSR und den Medium-Laser ab, ohne Schaden anzurichten, und sprang danach wieder in Deckung.
„Bei einer Minute werden sie vermutlich versuchen zu stürmen“, sagte Winningham mit einer Ruhe in der Stimme, die unnatürlich wirkte. Aber natürlich, ein Wolfs Dragoner hatte ganz andere Konflikte gesehen als ein kleiner Söldner bei den Cavaliers. Gerade jemand, der es zum Offizier gebracht hatte, war etwas Besonderes. Wenn er so unterkühlt wie ein Finne nach dem Eisbad klang, dann war das nicht gespielt, dann war er das auch. Thomas hatte ihn jetzt einige Tage richtig kennengelernt, nachdem sie einander mehrmals über den Weg gelaufen waren, und auch seine direkte Erfahrung mit ihm war, dass Winningham die Kühlflüssigkeit seines Mechs direkt an seine Adern angeschlossen haben mochte. „Sie werden drauf hoffen, dass wir uns dann nicht der Bedrohung in unserem Rücken zuwenden können“, fügte er an. „Und ich will, dass es genauso wirkt. Warnington, Sie haben die leichteste Maschine. Sobald wir offiziell vom Union wissen, sehen Sie nach. Das ist plausibel.“
„Ja, Sir“, erwiderte der erfahrene Unteroffizier. Eigentlich war James nur auf seiner Reserveübung, als der Putsch ihn kalt erwischt hatte, und das auch noch auf der falschen Seite des Konflikts. Aber der Mann ergriff seine Chancen und war mutig. Nicht angstlos. Der Alte sagte immer, dass nur Narren keine Angst kannten. Angst war gut, bewahrte vor zu großen Risiken. Aber auch hier galt, alles war in Maßen zu genießen. Angst sollte nie in Panik umschlagen.
„Rauchvorhang auf dem Kamm“, meldete Johannis. „Und ich sehe den Union.“
„Na also. Da unten kommen jetzt auch die großen Brocken. Ist das ein Todesbote, der da hochgestapft kommt?“
Warnington pfiff anerkennend. „Achtzig Tonnen und vier PPK. Das ist die Mühle von Vin Jahn, Sergeant, und ziemlich nerviger Wengenbaum-Loyalist. Hat sich die Maschine eher dadurch als durch Leistung verdient.“
„Danke für die Information. Ich werde mal schauen, wie gut sein Gleichgewichtssinn so ist. Warnington, Sie kennen Ihre Aufgabe. Und Jackson, wie lange wollen Sie noch hinter dem Felsen stehen? Lugen Sie drüber und feuern Sie.“
„Ja, Sir!“, rief Thomas hastig und nahm wieder eine Schussposition ein. Mit freier Sicht den Pass hinab erkannte er den skurril geformten Todesbote und seinen Begleiter, einen gedrungenen Schütze, der seine beiden 20er Werfer aber noch geschlossen hatte. Hinter ihnen ging ein Steppenwolf einher. Das machte insgesamt vier PPKs, die da zu ihnen hoch kamen. Und ein PPK-Treffer war nie zu unterschätzen. Ein richtig gesetzter einzelner Schuss konnte einen zwanzig Tonnen schweren Scout aus der Bahn werfen oder gar zerstören. Also feuerte er seine LSR auf ihn ab, kaum dass eine Feuerleitlösung hereinkam. Die KSR-Salve aus ungelenkten, aber kräftigen Raketen jagte er aufs Geratewohl auf die beiden Mechs vorne ab und wurde mit drei Treffern am Todesbote belohnt. Die anderen landeten seitlich in der Felswand links vom Achtzigtonner und sprengten dort Gestein als Schrapnell ab, der teilweise gegen den Steppenwolf flog und dessen Piloten sichtlich irritierte.
„Sir, ich sag's nur ungern, aber da kommen elf Maschinen aus dem Tal auf uns zu“, sagte Warnington. „Die sehen dafür, dass sie aus der Peripherie kommen, gut in Schuss aus. Gefeuert haben sie auch schon auf mich, und das gar nicht mal schlecht. Da geht ein Donnerkeil mit, der hat mir einen Streifschuss verpasst.“
„An den Plan halten, Sergeant. Geben Sie denen einen Gruß und kommen Sie dann zu uns zurück.“
„Aye, Captain“, sagte der Milizionär. Der Plan war, die Kompanie in den Pass zur Stellung zu locken, also genau dahin, wohin sie ohnehin wollten. Damit begann für die vier Piloten der gefährliche Teil, eingequetscht zwischen den beiden Backen eines Schraubstocks, der sich mehr und mehr schloss. Thomas kannte den Plan des Alten, und Winningham hatte dem zugestimmt. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr Zweifel stiegen im jungen Mech-Anwärter auf. Nicht nur einmal hatte er heute daran gedacht, dass es in der Infanterie vielleicht nicht so gefährlich wurde wie in der Mech-Truppe. Dann aber erinnerte er sich daran, dass Ellie immer noch einen Vorsprung vor ihm hatte, was die Reputation auf einem Mech anging, und das ärgerte ihn genug, um wieder runterzukommen und stattdessen noch ein paar Lasertreffer auf den Todesbote zu setzen, bevor der versuchte, seinen vorwitzigen Donnerkeil dafür zu bestrafen. Zugegeben, solange er nicht in akute Lebensgefahr geriet, machte diese Arbeit schon Spaß.
***
„John Brown’s body lies a-mouldering in the grave. John Brown’s body lies a-mouldering in the grave. But his soul goes marching on!“ Der Sniper sang laut und falsch. Aber das war in Ordnung, denn die elf Kampfkolosse, die unter ihnen über die Passsohle zum Übergang auf die Passstraße marschierten, verursachten einen solchen Lärm, dass wahrscheinlich eine Begleitmusik aus Pauken, Posaunen und Trompeten nicht gehört werden würde. Und das waren die Mech-Geräusche, welche diese Giganten nur beim Marschieren machten. Ein Geräusch, das ein normaler Infanterist nicht gerne hörte. Zwar hieß es, fünfzig Infanteristen konnten es gemeinsam mit einem Mech aufnehmen, aber das bedeutete auch eine entsprechende Verlustrate – außer, die Infanterie verfügte über Infernowerfer und konnte genug dieser Eier auf einen Mech ihrer Wahl abfeuern, um ihn und seinen Piloten durchzurösten. Bevor sie selbst durchgeröstet wurden.
Ausnahmen gab es genau zwei auf den Schlachtfeldern der Nachfolgestaaten und der Peripherie. Nummer eins war die Schleichkampfausrüstung. Dunkle, Lichtabsorbierende und Infrarotabdeckende Kampfanzüge mit Multifunktionsvisieren, die es einem Kämpfer ermöglichten, in totaler Dunkelheit zu operieren, und, wie der Name schon sagte, sich unerkannt an ein Ziel anzuschleichen. Weil ein MechPilot, der nicht in seinem Cockpit steckte, nur ein schlecht bewaffneter Infanterist war. Sofern es gelang, ihn zu überraschen. Ja, Schleichkampfanzüge erlaubten sogar eine gewisse Zeit unter Wasser, ohne Nachteile zu erleiden. Zudem bestand die Außenhülle aus Kevlar, was Kugeln abfing, und aus Nanotuch, das spitze Gegenstände und Nadlerplastikgeschosse abwehrte. Alles natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt.
Nummer zwei war die Sprungtruppenausrüstung. Mit etwas Hybris konnte man sagen, dass es sich hierbei um kleine Rüstungen für einen Infanteristen handelte, welche seine Panzerung verstärkten, ihn sprungfähig machten und, bei guten Modellen, externe Waffen bis hin zu tragbaren Kurzstreckenraketen unterstützten.
Jorge Hiller kannte natürlich beide Ausrüstungen, hatte auf beiden viel trainiert, und, da war er stolz drauf, auch echte Einsätze damit absolviert. Sowie diese überlebt. Mit nur leichten Verletzungen. Worauf er auch nicht nur wenig stolz war.
Als der Union unter ihnen die Frachtluken öffnete, die Rampen senkte und die ersten schweren Maschinen die Rampe runter kamen – das war der Moment, an dem Michelle Winston angefangen hatte, laut und falsch zu singen – meldete Corporal Roderik, ihr Spotter über den Kurzstreckenfunk: „Keine Infanterie im Hangar.“
Hiller griff sich an die Kehle und aktivierte so sein eigenes Mikrofon. „Gut, Roderik. Suchen Sie ein Ziel für Winston.“
„Hat es. Hydraulikansatz Rampe eins, linke Seite.“
„Hab ihn.“
„Feuer.“
Das schwere ZEUS-Gewehr von Private First Class – lange würde sie das nicht bleiben, wenn sie so weitermachte – ruckte auf, den Schuss hörte man normalerweise mehrere hundert Meter weit, und fuhr durch den von den Mechs verursachten Trubel und Lärm nahezu unerkannt durch eben diese Hydraulikstrebe und zerfetzte sie. Hiller wusste als langjähriges Söldnerkind, dass auf der Brücke des Unions nun eine relativ harmlose Warnung aufblinken würde, dass besagte Hydraulik ausgefallen war. So etwas kam immer mal wieder vor und bedeutete eigentlich nicht viel. Außer, man stand mit heruntergelassenen Rampen mitten in einem Kampfgebiet. Und die Hydraulik war nicht einfach nur ausgefallen oder hatte Öldruck verloren, sondern war so nachhaltig zerstört, dass eigentlich das Kopfstück ersetzt werden musste. Und das in solch einer Situation. „Ziel zerstört“, meldete Winston.
„Gutes Mädchen“, gurrte Hiller, wohlweislich dabei nicht das Mikrofon aktivierend. Das tat er einen Augenblick später, nachdem er einen letzten Blick auf die Gesamtsituation geworfen hatte. „Die Kompanie ist weit genug abgerückt. Schaffen wir vollendete Tatsachen. ANGRIFF!“
Hiller selbst sprang auf, dabei die Plane abstreifend, die über ihm gelegen hatte und die ihn vor Magnetbandortungen und Infarotsichtungen bewahrt hatte. Neben und hinter ihm taten es die anderen neunzehn Mitglieder seines Kommandos gleich, und kurz darauf standen zwanzig Soldaten in voller Sprungkampfausrüstung auf der Klippe über dem Union-Landungsschiff SWASHBUCKER. Das dauerte aber nur eine Sekunde, dann sprangen die zwanzig Mann in die Tiefe. Winston und Roderik würden ihren Angriff von außen decken, aber nachrücken, sobald der Hangar sicher war.
Von unten musste es jetzt so aussehen, falls überhaupt jemand auf die richtigen Bildschirme sah, als würden die zwanzig Infanteristen aus dem Nebel brechen, den das Union-Landungsschiff mit seinen eigenen Rauchgranaten auf der Klippe platziert hatte. Wie kleine Mechs stürzten sie hervor und ließen sich auf den Plasma-Flammenzungen ihrer Ausrüstung die Wand hinab und die Rampe hinauf tragen. Schnelligkeit war das Ziel der Aktion und ihr Lohn. Scheitern und siegen lagen nun sehr dicht beieinander, vor allem weil der Alte befohlen hatte, dass unnötige Opfer zu vermeiden waren. Wer nicht auf sie schoss, wurde auch nicht beschossen. Rational unterstützte Hiller diese Haltung natürlich. Aber der Soldat in ihm drin, ganz tief in seinen Eingeweiden, der fand es wesentlich sicherer, jeden, der in diesen Landungsschiff atmete und nicht zu den Cavaliers gehörte, als potentielles Risiko einfach zu erschießen. Seine Einheit wäre nicht die erste gewesen, die zu milde gegen ihre Gegner vorging, und die anschließend den Preis dafür bezahlen würde. Vornehmlich mit dem eigenen Tod. Aber der rationale Hiller war stärker als der Bauchgefühlsoldat, also gab er mit seinem Autogewehr lediglich eine Salve als Warnung ab, bevor er mitten im Hangar landete und die Waffe drohend auf die anwesenden Techniker richtete. „AUF DEN BODEN!“, brüllte er und unterstrich seine Worte mit einer weiteren Salve an die nächste Hangarwand. Seine Leute landeten neben und hinter ihm. Eine Fünfergruppe jagte gleich weiter Richtung Reaktor, während fünf andere Leute die Besatzung im Hangar zusammentrieb und zu Boden zwang, wenn sie es denn noch nicht war, schön brav mit Händen über dem Kopf.
Hiller und die restlichen neun Mann eilten da aber schon weiter. Die Waffenkammer stand an, und die Brücke musste besetzt werden. Dafür teilten sie sich diesmal zwei zu acht auf.
Im Gang, der den Hangar mit dem Rest des Schiffs verband, stießen sie das erste Mal auf bewaffneten Widerstand. Aber der Matrose war schlau genug, Hände und Waffe nach oben zu richten. Dennoch verpasste ihm einer seiner Leute einen kräftigen Stoß in den Bauch – nicht in den Magen, das hätte ihn durch die Kraftverstärker getötet – und nahm dem dann wehrlosen die Waffe ab. Nach einer schnellen Visitation, die zwei Magazine zutage förderte, schleifte er den halb bewusstlosen Mann in den Hangar zu den anderen Gefangenen. Dann war das erste Treppenhaus erreicht, und bevor Hiller es verhindern konnte, sprang einer seiner Leute hinein, das Gewehr nach oben gerichtet. „SICHER!“ Der Captain folgte ohne zu zögern und stürmte als Erster die schmale Treppe hinauf. Somit war er auch der Erste, der es auf Höhe der Kommandobrücke wieder verließ.
„Waffenkammer gesichert“, erklang eine Meldung über den Kurzstreckenfunk.
„Reaktor gesichert“, kam die nächste Meldung.
„Acht Mann in Gewahrsam“, meldete der Hangar. Gut, das bedeutete, nur noch neun weitere Leute waren auszuschalten. Zog man die Brückenbesatzung ab, bedeutete das, dass es vier, höchstens noch fünf Matrosen sein konnten, die theoretisch in der Enterabwehr ausgebildet worden waren. Zwei von ihnen hatten sich vor dem Schott zur Zentrale eine provisorische Deckung aufgebaut. Sie trugen sogar Kevlar-Westen, aber keine weitere Schutzausrüstung, geschweige denn Helme. Es widerstrebte Hiller auf einmal zutiefst, die Männer regelrecht abzuschlachten. Hatte der zynische Soldat also doch verloren?
Also feuerte er eine Salve über ihre Köpfe hinweg, und in der Enge des Korridors verursachten die Autogranaten einen markerschütternden Radau. Die beiden jungen Männer begriffen wohl, dass sie zu jung zum Sterben waren und am Leben blieben, wenn sie es nicht drauf ankommen ließen. Sie streckten daraufhin die Waffen und traten von der Barrikade zurück, die aus einigen nicht besonders stabilen Möbeln bestand.
Einer seiner Leute schoss in den Haufen hinein, aber es gab keine versteckte Sprengfalle, die ausgelöst wurde, die Möbelstücke wurden nur teilweise zerfetzt, und Splitter verletzten einender Matrosen am Arm. Zwei seiner Leute eilten vor, rangen die beiden zu Boden, nahmen ihnen die Waffen ab und durchsuchten sie oberflächlich. Derweil verteilten sich Hiller und die anderen fünf Kommandos über die drei Zugänge zur Brück.
„Elf Mann gesichert“, meldete der Hangar erneut. Mit ihren beiden machte das dann dreizehn.
Hiller stellte sich an das Hauptschott und ließ es aufgleiten. Sofort klangen die Schüsse mehrere Autopistolen auf, die durch die Öffnung fuhren, obwohl sich keiner seiner Leute zeigte. „Auf mein Kommando“, befahl er über Funk. Dann stellte er den Lautsprecher an. „KAPITÄN PHILIP!“, rief er über die Schüsse hinweg. „GEBEN SIE AUF! DIE SWASHBUCKLER IST IN UNSERER HAND!“
Als Antwort fielen weitere Schüsse. Also irgendjemand rechnete sich Chancen aus, ungepanzert gegen Sprungtruppen zu bestehen. Auf den Bordkameras musste die Brückenbesatzung doch irgendwann gesehen haben, wer sie hier angriff.
„LASSEN SIE DEN QUATSCH! WAS HINDERT MICH, EINFACH EINE INFERNO IN IHRE ZENTRALE ZU FEUERN?“
„Dann können Sie die SWASHBUCKLER nicht mehr starten!“, klang die Stimme eines Mannes auf, der laut der Dossiers in seinen Vierzigern steckte. Hiller wollte ihn korrigieren und erklären, dass ein Start und ein kurzer Flug auch von den Kontrollmöglichkeiten am Fusionsreaktor möglich war. Aber niemand mochte Klugscheißer besonders. Außerdem gehörte es zum Plan, sich als die „Guten“ hinzustellen und die Wengenbaum-Miliz als die ehrlosen Arschlöcher, die sie waren. Zumindest jene, die an das glaubten, was sie taten.
„WAS SIND IHRE FORDERUNGEN?“, fragte er daher.
„Na, verlassen Sie mein Schiff, und zwar sofort! Ich habe hier den Daumen auf der Selbstzerstörung!“, antwortete der Landungsschiffskapitän.
„SIE WOLLEN FÜR DIE WENGENBAUMS STERBEN?“, rief Hiller.
„Ich würde mit meinen Leuten sterben!“, erwiderte er.
„NIEMAND MUSS STERBEN! ICH BIN CAPTAIN HILLER VON DEN CAVALIERS! SIE HABEN DAS WORT VON LIEUTENANT COLONEL KENDERSON, DASS SIE ALS KRIEGSGEFANGENE MIT ALLEN RECHTEN UND EHREN BEHANDELT WERDEN!“
„Das sieht Ihr Kenderson vielleicht so, aber was sagt die Gettysburg-Miliz wohl?“
„LIEUTENANT COLONEL KENDERSON IST DIE MILIZ!“ Das war zwar etwas übertrieben, aber wenn es half, die Situation zu entschärfen, bevor die Striders zurückkamen und sie ganz, ganz schnell eine sehr blutige Lösung brauchten, dann musste er es versuchen. Bevor er ein Bündel Granaten auf die Brücke werfen und die Schotts mit Hilfe der Hydrauliken der Rüstungen verschließen ließ.
Derweil waren seine Leute schon einige Zeit auf Position und warteten auf sein Zeichen, durch die anderen beiden Zugänge auf die Brücke einzudringen.
„Erklären Sie das, Hiller!“
„DER CHEF WURDE ZUM LIEUTENANT COLONEL DER MILIZ ERNANNT UND IST NUN KYRENSKYS STELLVERTRETER!“ Der Part war überhaupt nicht gelogen, sondern äußerst wahr. „ICH WIEDERHOLE MICH! SIE HABEN SEIN WORT, ALS KRIEGSGEFANGENE BEHANDELT ZU WERDEN! ALSO NEHMEN SIE DEN DAUMEN VON DER SELBSTZERSTÖRUNG UND ERGEBEN SIE SICH!“
Nicht, dass mit der Kontrolle des Fusionsreaktors durch seine Leute die Selbstzerstörung funktionieren würde, wohlgemerkt.
„Ich haben Frauen in meiner Crew!“, erwiderte der Kapitän.
„DIE HABE ICH AUCH! UND?“
„Garantieren Sie mir die Einhaltung der Ares-Konvention?“
„ACH! AUF EINMAL INTERESSIERT EINEN OFFIZIER DER WENGENBAUM-MILIZ DIE ARES-KONVENTION?“ Hiller tadelte sich selbst dafür, diesen Satz rausgehauen zu haben, aber irgendwie brauchte dieser Mann einen echten Denkzettel. „KEINE SORGE! WIR HALTEN UNS AN DIE ARES-KONVENTION, KAPITÄN PHILIP! IHRE WEIBLICHEN BESATZUNGSMITGLIEDER WERDEN ALS SOLDATEN BEHANDELT, UND NICHTS ANDERES!“
„Wir senken die Waffen!“ Kurz darauf war das Klicken von Magazinen zu hören, die herausgenommen wurden, und das typische Geräusch der Entnahme der ersten Salve aus den Läufen. Zumindest von den Autopistolen. Laserwaffen konnte man auf diese Weise nicht sichern.
„SAGEN SIE, DASS SIE SICH ERGEBEN UND UNS DAS SCHIFF ÜBERGEBEN!“, setzte Hiller nach.
„Ich ergebe mich und übergebe Ihnen mein Schiff!“
„UND IHRE LEUTE!“
„Und meine Leute!“
Hiller schaltete den Lautsprecher wieder stumm und sagte: „Auf drei gehen wir durch alle drei Schotten rein. Eins, zwei, drei!“
Die anderen beiden Schotten sprangen auf. Hiller sah es, als er sich in die Tür des Hauptschotts stellte und mit der Waffe den Raum absuchte. Das heißt, eines ging auf, das andere ließ sich nur zur Hälfte öffnen. Seine Leute machten das Beste draus und steckten die Läufe ihrer Autogewehre hindurch und suchten nach Zielen. An der Spitze seiner restlichen Leute drang er in die Zentrale ein, in der sechs Leute waren. Vier Offiziere, zwei weitere Matrosen, die diesmal sogar Helme zu den Gefechtswesten trugen. Alle hatten die Arme erhoben. Hiller senkte seine Waffe. „Ich nehme Ihre Kapitulation an, Kapitän Philip“, sagte er über den Lautsprecher, nur diesmal ohne Verstärker. „Rennie, James, durchsucht die Frauen. Kleen, Jordick, die Männer. Der Rest durchforstet die Brücke nach versteckten Waffen und dergleichen.“
Zwei seiner Soldaten gingen auf die drei Frauen zu. Die Waffen hatten sie bereits in Ruhestellung. „Na, dann kommt mal her, Schätzchen“, sagte einer von ihnen.
Entsetzt sah Philip zu Hiller herüber. „Ich habe Ihr Wort!“
„Und Rennie und James sind Frauen“, erwiderte der Captain trocken. „Entschuldigen Sie, wenn die beiden in einer ungewissen Gefechtssituation ihre Kampfausrüstung nicht ablegen.“
„Oh“, machte der Kapitän.
„Ja, oh.“
Zwei Minuten später waren die Leibesvisitationen und die Durchsuchungen erledigt. Keine Minen, keine versteckten Waffen. Hiller wechselte die Frequenz. „Olymp ist gefallen. Ich wiederhole, Olymp ist gefallen.“
„Gute Arbeit“, klang die Stimme von Zorn Kenderson auf. „Jetzt räumen Sie das Ding mal aus dem Weg, Captain.“
„Ja, Sir.“ Er öffnete das Visier seines Helms. „Wir starten.“
Entsetzt sah Philips, der als Einziger noch keine Handschellen trug, zu ihm herüber. „Mit offener Rampe? Wollen Sie, dass das Ding abreißt und mein Schiff irreparabel beschädigt?“
„Erstens ist es jetzt mein Schiff“, sagte Hiller mit leiser Betonung. „Sie haben kapituliert, oder? Und zweitens fliegen wir nur ein Stück die Klippe rauf. Um Platz zu machen für den Chef und seine Mech-Kompanie.“
„Sie wollen den Striders in den Rücken fallen?“
Hiller schüttelte den Kopf. „Wenn die Striders klug sind, werden sie sich ergeben, wann immer sie können. Der Lieutenant Colonel hat ein anderes Ziel.“ Er schlug mit der Rechten auf ein Pult. „Also, Leute, wie geübt. Ein kurzer Hüpfer um achtzig Meter, dabei drehen wir die SWASHBUCKLER so, dass die offene Klappe ins Talinnere zeigt. Anschließend Feuerunterstützung für unsere Leute auf dem Pass!“
„Ja, Sir!“
Hiller wechselte wieder auf die Kompaniefrequenz. „Roderik, Winston, nach der Landung auf der Klippe selbstständig neues Ziel suchen. Nicht auf die Nebelfront verlassen, die besteht höchstens noch ein paar Minuten.“
„Verstanden, Sir“, klang das erste Mal Winstons Stimme auf. Eiskalt wie immer. Fast. Irgendwie hatte die eigentlich melodische Sopranstimme auch ein wenig … fröhlich geklungen. Na, das konnte ja was werden.
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Kaum, dass sie ausgeboardet hatten, dirigierte Zenturio Faber seine Latin Striders vom Platz drei in der Marschkolonne Richtung Nordostpass. Die SWASHBUCKLER würde wie ein natürlicher, zudem auch noch gut bewaffneter Pfropfen die kleine Schlucht verstopfen, welche sie gerade benutzten, und das Einzige, was sie fürchten mussten, war Beschuss von oben. Falls der mögliche Entsatz schneller in Position gelangen konnte, als sie die Mechs erreichten, die gerade den Angriff der Wengenbaum-Miliz abwehrten.
Geschah das nicht, waren alle Vorteile auf ihrer Seite. Wenn das Sandwich schnell und präzise durchgeführt wurde, würden sechs, sieben weitere Mechs und eine halbe Kompanie Panzer ihre Streitmacht ergänzen. Mit dieser Walze aus Stahl und Myomer würde es dann in die andere Richtung gehen, und die Südpassage würde freigekämpft werden. Mit beiden Wegen offen blieb Kenderson nur noch der Rückzug in das Innenleben von Fort Wegener. Gut verteidigt mit der Artillerie des Forts, aber angeblich hatte es ein Kommando-Unternehmen der Miliz geschafft, zumindest einen Teil der Geschütze zu verminen.
Aber solange er keine Explosionen hörte, schloss er das aus, schob diese „Information“ in den Bereich der Märchen. Zu oft hatte er erlebt, dass eigentlich sichere Informationen absolute Nullnummern gewesen waren, die zudem auch noch jene, die sich auf sie verlassen hatten, extrem gefährdeten. Deshalb ging Faber auch Schritt für Schritt vor. Mit einer eigenen Einschätzung der Lage zum Beispiel. Die Latin Striders hätten den Hangar nie verlassen, wenn nicht der Rauchvorhang funktioniert hätte. Wenn die Ortung der SWASHBUCKLER nicht die vier erwarteten Mechs der Cavaliers auf dem Pass geortet hätte. Wenn mehr auf sie geschossen hätten als ein Kampfschütze und ein wenig Artillerie. Wobei, von einem Kampfschütze hatte keiner was gesagt. Kenderson, der laut Nachrichtendienst selbst im Tal war, sollte zwei Marodeure mitgebracht haben, was an sich schon ein Problem war. Aber die Kämpfe der letzten Tage hatten gezeigt, dass er mittlerweile weitere Mechs nachgezogen hatte. Wie die ins Tal gekommen waren, wusste niemand zu sagen, auch wenn einige Gerüchte wissen wollten, dass es eine geheime Passage ins Tal gab, die von Mechs begangen werden konnte. Doch ein Kampfschütze? Aber der war nun mal da, und das machte ihn misstrauisch. Vielleicht war alles nach Plan gelaufen, vielleicht hatten sie die Cavaliers und die hiesige Miliz überrascht. Vielleicht verlief alles nach Plan. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Aber Hannes Faber machte sich klar, dass sie ausgeschifft hatten. Damit blieb ihnen nur noch, den Angriff durchzuführen und die Operation abzuschließen. Irgendwie.
„Magnetbandortung“, meldete Kevin Maguire, der Pilot des Feuerfalken, der vorweg marschierte. „Identifiziere einen Mech vom Typ Dunkelfalke.“
Das war schon mal einer der Mechs, die auch Kapitän Philips' Crew geortet hatte. Das verschaffte ihm ein wenig Sicherheit. Für den Bruchteil einer Sekunde erlaubte er sich einen fröhlichen Gedanken: „Was soll jetzt noch schief gehen?“
Kaum war der Gedanke vergangen, fühlte er sich, als würde ihn jemand zwingen, den Blick von der Mitte der auf 180° komprimierten Rundumortung von 360° nach oben links zu richten, wo sich die talseitige Klippe befand, auf denen der Union seinen undurchdringlichen Rauchfächer platziert hatte. War der Kampfschütze etwa schon da? Theoretisch keine Unmöglichkeit, praktisch eher Wahnsinn, gegen seine elf Maschinen antreten zu wollen. Das dachte er zumindest, bis er sah, wie sich zwei kräftige Unterarme aus eben jenem Nebel schoben, denen ein Autokanonenrohr folgte, bevor er den Rumpf des dazu gehörigen avioniden Mechs erkannte. Ein Marodeur. Aber nicht irgendein Marodeur, sondern dieses Monster, von dem er gehört hatte, dass Kenderson darüber verfügte. Eigentlich nur ein Gerücht, aber angeblich wurde er von Wolfs Dragonern modifiziert und eingesetzt. Jedoch war die Aufrüstung dieses Koloss auf einhundert Tonnen so interessant für vermögendere Einheiten, dass auch andere mittlerweile nachgezogen hatten. Was es trotzdem unwahrscheinlich machte, ausgerechnet hier einem dieser Biester zu begegnen. Eigentlich.
Allerdings ging in der Peripherie das Gerücht, dass mittlerweile mehrere dieser Giganten gesichtet worden waren – in Konflikten, die jemanden, der solche Monster besaß, eigentlich gar nicht interessierten. Zwar hatte er pro Arm nur je einen Medium-Laser wie das Original, dafür aber eine verstärkte, panzerbrechende LBX-10 Autokanone auf dem Chassis statt der üblichen 5er, und die Zweitwaffen in den Unterarmen bestanden aus PPK's, die reichweitenstärker waren als die Standard-PPK's. Zugegeben, die Reichweite war hier kein Vorteil für Kenderson. „Gegner elf Uhr auf der Klippe. Kampflanze in den Angriff, und ...“, begann Faber schon routiniert seine Befehle gebend, als sich ein zweiter Marodeur aus dem Rauch schob, diesmal zum Glück ein „normaler“. Na ja, Glück. Darauf folgten ein Schütze, ein Kampftitan und ein Tomahawk. Alles in allem hatten sich da oben, in bester Schussposition nach unten, fast vierhundert Tonnen schwer bewaffneter Stahl versammelt. Das wog so ziemlich seine ganze Kompanie auf, auch wenn man nicht noch addierte, dass diese Maschinen keinesfalls eine Millionen Mal geflickt und teilweise mit anderen Modellen als Hybride wieder hergestellt worden waren.
Ohne ein weiteres Wort eröffneten die fünf Modelle das Feuer auf seine Maschinen, lange bevor diese ihre Waffenarme nach oben richten konnten. Sein eigener Mech ruckte heftig, als die große Autokanone des Marodeur II die Unverschämtheit besaß, seinen Donnerkeil zu treffen und ihm den rechten Arm abzureißen. Die PPK's gingen beide in Maguires Feuerfalken und rissen ihm die Beine unter dem Mechleib fort, sodass die mittelschwere Maschine schwer zu Boden ging, gerade als er den schweren Laser hatte einsetzen wollen. Der Schütze hatte beide 20er LSR-Werfer geöffnet und feuerte eine Salve über seine ganze Kompanie verteilt, die PPK des Kampftitans erwischte den Stadtkoloss und warf ihn schwer auf die Seite. Der Tomahawk feuerte seine M-Laser unablässig nach unten, aber so, wie er die auf einer Seite deformierte Axt hielt wollte der Pilot etwas völlig anderes tun, und diese merkwürdigen zuckenden Bewegungen ließen Faber Angstschweiß vom Rücken bis in die Poritze laufen. Was, wenn Kenderson da drin saß, bereit, hier runterzuspringen und ihnen Saures zu geben? Faber hatte einige Gefechts-ROMs von ihm gesehen, und er wusste, was dieser Wahnsinnige mit dem Titanstahlbeil anrichten konnte und bereits hatte.
Übergangslos endete das Inferno aus Lärm und Warnsignalen. Alle fünf Feindmaschinen stoppten den Beschuss. Ein schneller Blick auf den Hilfsmonitor, der ihm die Einsatzbereitschaft der Kompanie zeigte, meldete, dass zwei Maschinen ausgeschaltet waren und drei weitere kurz davor standen. Noch war keiner der Mechs explodiert, was in der Enge der Schlucht auch noch das Ende weiterer Mechs bedeutet hätte. Noch nicht. Aber alle Maschinen hatten mehr oder minder schwere Schäden erlitten. Die Angriffsposition und der Winkel auf seine Kompanie waren gut gewählt worden, und Hannes beschlich der Verdacht, dass die verdammte Überraschung nicht von ihnen ausging und über Kenderson kam, sondern genau umgekehrt! Verdammt!
Wie zur Bestätigung knackte es in seinem Funkempfänger, als ein Funkspruch über die offene Frequenz kam. „Latin Striders, hier spricht Lieutenant Colonel Zorn Kenderson von der Mallorys World Miliz. Die SWASHBUCKLER wurde von unserer Infanterie erobert und wird gerade auf die Klippe geflogen, eure Kompanie bildet für uns perfekte Zielscheiben, und der Entlastungsangriff der Miliz auf die Nordwestpassage wird gerade abgefangen. Die Fünfte wartet darauf, dass ihr die Tür aufmacht und wird nicht vorher eingreifen.“
Faber checkte die Information. Tatsächlich hob der Union wieder ab und machte einen kurzen Hüpfer aus der Schlucht hinaus. Nicht, dass sie eine Chance gehabt hätten, die Sicherheit seiner Hangarbuchten zu erreichen.
„Hier spricht Zenturio Hannes Faber von den Latin Striders. Was wollen Sie, Kenderson?“, fragte er barscher, als er vorgehabt hatte.
„Helfen Sie mir, Munition zu sparen, Zenturio.“
Faber stutzte, als er das hörte, und hätte am liebsten aufgelacht. Wenn es nicht so wahr gewesen wäre. „Sie wollen, dass wir uns ergeben?“
„Richtig. Ich kann Sie und ihre Leute hier auch einfach zu Klump schießen. Aber Sie sind eine Söldnereinheit, und ich gewinne nichts dabei, ihre Maschinen zu vernichten. Aber ich kann Kampfkraft konservieren, die ich später noch benötigen werde, wenn Sie sich ergeben. Um ihnen die Sache schmackhaft zu machen, Zenturio, komme ich ihnen entgegen. Sie ergeben sich jetzt sofort und verlassen ihre Maschinen. Im Gegenzug erlaube ich ihnen die komplette Bergung ihres kompletten Geräts und dessen Reparatur mit meinen Mitteln. Alle Mechs bleiben in ihrem Besitz und werden ihnen zurückgegeben, sobald es ihnen möglich ist, diesen Konflikt zu verlassen. Das wird wahrscheinlich erst sein, wenn wir diesen Bürgerkrieg beendet haben. Aber außer den Reparaturen werden Sie keine weiteren Verluste haben. Sie haben drei Sekunden.“
Was hatte sein MeisterTech doch gleich noch gesagt? „Nich' vergess'n. Kenderson isn feiner Kerl. Wenn sich wer ergibt, schießt er nich' mehr.“
Faber war versucht, ihm zuzustimmen. Aber schlussendlich war ihre Situation zu aussichtslos. Von da oben konnten die gegnerischen Maschinen Feuer und Stahl auf sie herabregnen lassen, bis keiner seiner Kolosse mehr stand. Dabei würden sie vielleicht einen oder zwei ihrer Gegner abschießen. Vielleicht auch nur beschädigen. War es das wert? „Wir ergeben uns“, sagte Faber. Und er wunderte sich darüber, wie lang drei Sekunden sein konnten. „Kompanie, Reaktoren runterfahren, Waffen im Cockpit lassen und die Mechs verlassen.“
„Sind Sie sich sicher, Zenturio?“, fragte Gernsback.
„Ich bin mir sicher, dass wenn der zornige Tomahawk zu uns runter kommt, wir so richtig Saures kriegen. Also ja, wir ergeben uns, Martha.“
„Wollte nur sichergehen, dass wir hier einer Meinung sind. Die Konditionen sind auch zu gut, um wahr zu sein. Also, Leute, steigt aus und seid nett zu den Cavaliers. Dann sind sie hoffentlich auch nett zu uns.“
Die Worte seiner Stellvertreterin waren letztendlich ausschlaggebend. Ein Mech der Striders nach dem anderen fuhr seinen Reaktor runter. Das internationale Zeichen für „ich ergebe mich bedingungslos“.
„Gute Wahl“, lobte Kenderson. „Ellie, geh jetzt Winningham helfen.“
„Ja, Sir!“ Wie von imaginären Fesseln befreit startete der Tomahawk auf seinen Sprundüsen durch und ließ sich auf seinem Plasmastrahl reitend in die Schlucht hinunter tragen. Dies tat die Maschine mit einer solchen Eleganz und Zielstrebigkeit, dass er erschreckte. Faber hatte schon viele gute Piloten gesehen. Gerade in der Peripherie, wo die Ausrüstung alt und oft repariert war, mussten Piloten gut bis genial sein, um ihre tausendfach geflickten Kolosse von Schlacht zu Schlacht zu tragen. Aber dieser hier, den Kenderson „Ellie“ gerufen hatte, der machte ihm Angst. Andererseits aber auch froh, denn auf einmal war er sicher, dass es eine sehr gute Idee gewesen war, den weiteren Kampf mit der fünfundfünfzig Tonnen schweren Maschine zu vermeiden.
***
Es war eine Sache, die Stellung zu halten. Es war eine vollkommen andere Sache, dies zu tun, während hinter einem die Blips von elf BattleMechs näher und näher kamen, von denen man sehr genau wusste, dass sie feindlich waren. Und das, während auf der anderen Seite weitere BattleMechs immer wieder versuchten, die eigene Stellung zu stürmen. Etwas, was Thomas mittlerweile persönlich nahm.
Im Moment kämpfte er hauptsächlich mit seinem LSR-Werfer dank der Leitzieldaten seiner Kameraden gegen versteckte Ziele, und mit dem schweren und dem mittleren Laser gegen den Todesbote, der sich die ausgebaute Straße nach oben wälzte. Auch die anderen Mechs der improvisierten Lanze unter Darnell Winninghams Kommando schossen auf den Giganten, der seinerseits versuchte, mit seiner PPK Treffer zu landen. Und ja, so ein PPK-Treffer war nichts, was ein Mech auf die leichte Schulter nehmen sollte.
Dazu kam, dass sein Donnerkeil genau genommen brandneu war. Er wusste genau, dass MeisterTech Crawford ihm jeden einzelnen Kratzer krumm nehmen würde. Und davon hatte es schon einige gegeben. Auf der Haben-Seite aber war, dass die Waffen alle funktionierten. Was für einen frisch erweckten Mech mit neu hochgefahrenem Reaktor nicht unbedingt zu einhundert Prozent zu erwarten gewesen war. Aber Tante Jeannie, wie die MeisterTech hinter vorgehaltener Hand in der Einheit hieß, hatte sich sehr viel Zeit genommen, um den ersten Schwung von drei Maschinen aus dem Depot optimal vorzubereiten, damit es eben nicht zu Fehlern kam.
Gerade ließ Thomas seinen Donnerkeil einen Seitenschritt tun, um die 2er Kurzstreckenraketen abzufeuern, ungelenkte, aber kampfstarke Raketen, die deshalb am besten auf kurze Distanz eingesetzt wurden. Die hundertdreißig Meter, die der Todesbote noch entfernt war, waren solch eine kurze Instanz, entschied Thomas. Zwei Treffer auf der Brust gaben ihm Recht, und die Schadensanalyse seines Bordcomputers behauptete, die Treffer hätten an dieser Stelle die Panzerung zumindest beschädigt.
„Wo sind die Valkyrien? Sieht jemand die Valkyrien?“, fragte Louis Johannis, der Flügelmann von Winningham. Eine berechtigte Frage, denn beide Maschinen waren sprungfähig und konnten sie theoretisch überspringen. Oder versuchen, irgendwo auf den schmalen Felsgrat zu beiden Seiten des Passes zu springen und sich dort oben einen alternativen Weg ins Tal zu suchen, ihnen quasi in den Rücken zu fallen.
„Negativ“, erwiderte Thomas Jackson. „Auch der Brandstifter, den ich vorhin kurz in der Ortung hatte, ist nicht mehr zu sehen.“
„Insgesamt gesehen, von der Tonnage, sind sie kein Problem für uns“, sagte Winningham mit einer so ruhigen Stimme, als wäre er nicht in einem Gefecht, sondern in einer Raucherpause. „Wir sind außerdem in der besseren Position. Aber wenn sie tatsächlich mit den Sprungdüsen einen Weg suchen, uns seitlich zu attackieren, können sie einem oder zwei von uns gefährlich werden.“
„Sie werden uns nicht umgehen?“, fragte Thomas.
„Nein, das ist unnötig. Hinter uns kommen ja die Striders. Aber ich kann mir vorstellen, dass sie sich einen Abschuss holen wollen, und das wäre ein effektiver Weg. Unser Vorteil: Viele Sprünge bedeutet, dass alle drei Maschinen überhitzen. Gerade der Brandstifter mit seinem beiden S-Lasern und M-Lasern kann nicht gleichzeitig springen und sein ganzes Arsenal abfeuern.“
Ach ja, da war noch was, ging es Thomas durch den Kopf. Ein Problem, das er selbst gerade nicht hatte, die Abwärme. Alle Waffen, alle Bewegungen, alle Sprünge, aber auch Schäden durch Beschuss nicht nur von Lasern und PPK's verursachten Wärme. Wärme, die sich stauen konnte. Gerade sprungfähige Mechs litten darunter. Abwärme bedeutete, den eigenen Reaktor hochzujagen, wenn man es übertrieb. Schon mehr als ein Mech-Pilot war daran gestorben, dass sein Reaktor notabschalten wollte, wegen eben dieser Abwärme, und er zu oft auf den Veto-Schalter geschlagen hatte, der genau das verhinderte. Nur, um das zweifelhafte Erlebnis zu haben, auf einem durchgehenden Reaktor zu sitzen. Auf jeden Fall ein schneller Tod.
Er selbst hatte da wenig Sorgen. Die im Brian-Kastell eingelagerte Kühlflüssigkeit war von Tante Jeannie getestet und freigegeben worden, und sein nagelneuer Mech, kaum angenagt vom Zahn der Zeit, verfügte über brandneue Wärmetauscher.
Wenn man es in Argumente packen wollte, dann war sein taufrischer Mech in etwa zwei Donnerkeile wert, die schon das eine oder Jahrhundert auf den Schlachtfeldern der Inneren Sphäre gesehen hatten, und damit auch jede Menge Reparaturen. Das alte Dilemma der modernen Kriegsführung war eben jenes, dass Mechs in der Inneren Sphäre nicht nur selten waren, jedenfalls wenn man bedachte, dass die Menschheit über eintausend Welten besiedelt hatte, und auf jede Welt bestenfalls vier bis fünf Mechs kamen, wenn man alle zusammenzählte. Neue Mechs produzierten nur die vollautomatisierten Fabriken, von denen es vielleicht acht oder neun gab, und die Stückzahlen im Ausstoß reichten bei weitem nicht aus, um die Verluste zu ersetzen. Deshalb wurden alle Maschinen repariert, solange es ging, und manchmal auch aus zwei Mechs einer gemacht. Mit etwas Glück aus zwei Mechs des gleichen Typs. Da war ein Mech, der noch alle Originalkomponenten besaß, natürlich automatisch überlegen. Und mit der vollen Einsetzbarkeit seines Arsenals stieg die Kampfkraft seiner Maschine nun mal locker auf das Doppelte. Das war aber auch eine Hypothek, die ihn quasi zum Siegen verdammte, wenn er schon den besten Mech der ganzen Lanze unter dem Arsch hatte, im wahrsten Sinn des Wortes.
„DREI UHR, TOM!“
Der warnende Ruf von Winningham klingelte ihm in den Ohren, und er reagierte automatisch, wandte den Mechtorso nach rechts, also auf die drei Uhr-Position und hob den rechten Waffenarm mit dem Schweren Laser. Bevor er noch eine Zielerfassung hatte, löste er zudem die 2er KSR aus, auf gut Glück. Sobald das Fadenkreuz golden aufblinkte, ein sicheres Zeichen, dass der Bordcomputer einen Feind identifiziert hatte, folgte der Schwere Laser im rechten Arm.
Über ihm stand tatsächlich der Brandstifter, und eine volle Salve seiner vier Laser prasselte auf ihn hernieder. Sein Schwerer Laser hingegen ging daneben, dafür aber trafen beide Kurzstreckenraketen den Torso und ließen die Maschine taumeln. Kurz darauf verließ sie ihre Position auf der Klippe über ihn, aber Thomas war gewarnt. Noch mal würde ihm das nicht passieren.
„Alles in Ordnung, Tom?“
„Danke für die Warnung, Sir“, erwiderte Thomas und hoffte, dass sich seine Stimme nicht so erbärmlich anhörte, wie er sich insgesamt fühlte. „Mir geht es gut. Der Mech hat nur ein wenig Panzerung verloren.“
„Freut mich zu hören. Wir konzentrieren uns wieder auf den Todesboten. In seinem Deckschatten folgt ein Kreuzritter, und diese Biester sind sprungfähig.“
„Verstehe, Sir“, erwiderte Thomas. Der Kreuzritter würde hinter dem schwereren AngriffsMech bleiben, bis er die Distanz und Gelegenheit hatte, einen gezielten Sprung auszulösen, um in eine bessere Position für einen Angriff zu kommen. „Für einen Ablenkungsangriff geben sich die Wengenbaumer jedenfalls alle Mühe“, zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Die wollen sich augenscheinlich von den Mietlingssöldnern der Striders nicht ausstechen lassen. Das ist etwas, was wir nutzen können“, merkte Johannis an, der nicht weniger ruhig klang als der Captain der Wolfs Dragoner.
„Report!“, klang Warningtons Stimme in der Lanzenfrequenz auf. „Die Latin Striders haben gestoppt! Der Hinterhalt vom Colonel hat funktioniert!“
„Stoppen ist schon mal gut“, brummte Winningham. „Aufgeben wäre aber noch besser für uns.“ Gezielt gab sein humanoider Mech vom Typ Vollstrecker abwechselnd Feuer aus seinem M-Laser und dem S-Laser ab, während er zwischendurch Salven seiner 15schüssigen Langstreckenlaffette auf den Todesbote auslöste, von denen, wie Thomas neidisch feststellen musste, mindestens zehn immer trafen. Und von denen, die vorbei gingen, fing sich der Kreuzritter jedes mal mindestens eine ein. Wie konnte jemand mit LSR so gut schießen? Ob die Wolfs Dragoner irgendwelche Tricks hatten, irgendwas technisches aus Sternenbundzeiten?
„Report! Die Mechs der Striders fahren runter! Ich komme zurück!“
„Copy, Warnington. Sie werden hier auch gebraucht“, versprach der Captain und klang dabei regelrecht fröhlich. „Sehen wir zu, dass wir den Job hier beenden, bevor die Milizionäre bemerken, dass ihr Entlastungsangriff gerade in sich zusammengefallen ist.“
„Verstanden!“, riefen Thomas und Louis Johannis beinahe synchron. Der Todesbote also, hm?
„CAPTAIN! NEUN UHR!“, gellte Warningtons Ruf auf, als er gerade mal auf dem Rundumbild von Thomas' Cockpit wieder zu sehen war. Instinktiv sah er auf, aber nicht nach links in Richtung neun Uhr, sondern wieder die Klippe hoch. Und ja, er behielt recht. Der Brandstifter schob sich gerade über die Kante. Erfassungsalarm ging durch seine Maschine, doch er feuerte die LSR ab, ungezielt wie zuvor die KSR, nur diesmal einen Schwarm von fünfzehn Raketen. Sofort setzte er mit dem S-Laser im rechten Arm nach und hatte die Unverschämtheit, zu treffen. Auf die nahe Distanz war sein gut dreißig Tonnen schwererer Mech ein wahres Monster gegenüber dem feindlichen ScoutMech. Mit einem Auge aber schielte er auf seine Magnetbandortung und erkannte dort den Grund für den Warnruf des Milizionärs. Auf der anderen Seite der Schlucht waren die beiden Valkyrien aufgetaucht und deckten Winningham und Johannis mit ihren 10er LSR-Werfern ein, während der Todesbote nun noch einen Gang zulegte und mit dem Kreuzritter im Schlepp für seine Begriffe die steile Straße hochpreschte.
Über ihm geschah ein kleines Wunder. Die LSR schlugen voll durch, nachdem der Schwere Laser die Brust verwüstet hatte. Ohne nachzudenken oder auf die Abwärme zu achten jagte er die weit gefährlicheren KSR hinterher, kaum dass die Lafette Feuerbereitschaft meldete, und mindestens eine ging in die Eingeweide, wo sie detonierte. Daraufhin erstarrte die Maschine und kippte wie in Zeitlupe nach vorne.
Thomas hatte erwartet, dass der Reaktor durchgehen würde. Das erwartete er immer noch, und das war schlimm. Wenn die Maschine explodierte, während sie zu Boden stürzte, oder noch schlimmer, zwischen den Cavaliers-Mechs gestürzt war, bedeutete das auch für sie Schäden. Aber danach sah es nicht aus. Ein durchgehender Reaktor hätte die Maschine bereits wie ein Feuerwerk in der Infrarotortung aufleuchten lassen, ach was, wie ein brennender Weihnachtsbaum.
Nun fiel sie einfach vornüber, und anstatt sich über seinen ersten Abschuss zu freuen, auch wenn er vermutlich zulasten eines menschlichen Lebens ging, war sich Thomas absolut unschlüssig, was er nun tun sollte. War es klug, den gegnerischen Mech aufzufangen? Es würde doch auf jeden Fall verhindern, dass das Ding doch noch explodierte, oder? Also griff er beherzt mit der linken vollmodulierten Hand zu, als der Gegner seine Höhe erreicht hatte, stemmte sich in den Sturz und nahm die Rechte mit dem Laser zu Hilfe. Sein Mech wurde mehrere Meter zurückgeschoben, aber die Maschine schaffte es ohne weitere Schäden. Er stieß den Brandstifter von sich, der mit dem Rücken gegen der Felswand zu liegen kam und wandte sich wieder dem Todesbote zu, indem er die erneut auf Bereitschaft gewechselte 15er LSR einsetzte.
Die Valkyrien hatten derweil schon die zweite Salve an LSR abgeschossen, von den Lasern ganz zu schweigen, aber eine von ihnen stand nur noch auf einem Bein, weil Warnington einen wunderschönen Treffer mit seiner PPK platziert hatte. Jedoch schienen sie davon unbeeidruckt. Beide Gegner schossen weiter. Warnington trat die Sprungdüsen durch, wollte ebenfalls auf die Klippe, brach aber ab, als zwei PPK-Schüsse des Todesboten deutlich zeigten, dass der Koloss etwas dagegen hatte. Er fluchte etwas wirklich fieses über Geschlechtskrankheiten und einer heimischen Krebsart, was er mit dem gegnerischen Piloten in Verbindung brachte, während er wieder landete.
In diesem Moment erlebte der Pilot der Valkyrie mit zwei Beinen die Überraschung seines Lebens. Genauer gesagt die letzte Überraschung seines Lebens. Denn eine Titanstahlaxt fuhr seiner Maschine ziemlich genau von der rechten Schulter aus gesehen in den Torso und zerschnitt dabei das Cockpit. Die Axt steckte dabei in der Hand des Tomahawks. Dann nutzte der zwanzig Tonnen schwerere Mech seinen Gewichtsvorteil und schwang die Axt samt ScoutMech gegen die Valkyrie auf einem Bein und brachte damit beide zu Boden. Ellie befreite ihre Axt aus der ersten Maschine und holte gerade aus, als die einbeinige Valkyrie den Reaktor herunterfuhr. Der Pilot ergab sich. Leider nutzte der Kreuzritter diese, sagen wir, Beschäftigung, und setzte seine LSR an. Nur durch den Einsatz der Sprungdüsen entkam Ellie, denn um niemand anderen handelte es sich, diesem direkten Beschuss, musste aber trotzdem vier Raketentreffer hinnehmen. Dabei sprang sie nicht wirklich, sondern gab gerade so viel Schub, das sie quasi einen Meter über dem Boden schwebte und einen Impuls in eine bestimmte Richtung bekam, der sie aus der Schussrichtung brachte. Fast zumindest. Trotzdem eine beeindruckende Leistung.
Warnington hatte derweil wieder aufgeschlossen und reihte sich ein, um das Feuer auf den Todesbote zu verstärken. „Gratuliere zum Abschuss, Tom“, funkte er herüber.
Ach ja, da war ja noch was. „Danke“, erwiderte er erstaunlich ruhig. „Holen wir uns den Todesbote.“
Als hätte der gegnerische Mech sie gehört, schoss er erneut seine PPK ab, direkt auf Winninghams Maschine. Das war auch der Moment, in denen er nur noch achtzig Meter entfernt war, und dies war wohl die Distanz, auf die der Kreuzritter gewartet hatte. Er zündete seine Sprungdüsen, zog am Todesboten vorbei, um den Kameraden in der Flammenhölle seiner Plasmadüsen nicht zu Kebab zu rösten – ein Manöver, das man in Pilotenkreisen „Todessprung“ nannte, weil es entweder den Gegner tötete, oder den ausführenden Piloten – und ließ sich in Richtung der Ausweichstellung tragen. Auf halbem Weg aber kam ihm ein anderer Mech entgegen, stürzte die Klippe herab, setzte kaum die Sprungdüsen ein, um seinen Sturz zu mildern und traf exakt in etwa fünf Metern Höhe, von den Sohlen gemessen, mit dem Feind zusammen. Die Axt sauste auch diesmal von oben in den Torso und erwischte die zehn Tonnen schwerere Maschine. Gemeinsam gingen sie dann zu Boden, der Tomahawk kontrolliert, der Kreuzritter wie eine Marionette ohne Fäden.
„Ich kümmere mich um diesen hier! Macht ihr den Todesboten platt!“, rief Ellie über Funk.
Derweil war die Distanz des MonsterMechs bis zu ihrer Stellung aber weiter geschmolzen, während die Tomahawk-Pilotin versuchte, ihre Axt zu befreien, um ihrem Gegner den Rest zu geben. Der Todesbote, achtzig Tonne geballte, gepanzerte Macht, marschierte einfach weiter, obwohl er mittlerweile ahnen musste, dass der Entlastungsangriff der Striders gescheitert war. Erhoffte er sich, allein zu schaffen, woran seine Halbkompanie gescheitert war? Oder die Striders? Oder war er einfach durchgedreht wegen der Verluste und reagierte nur noch wie eine Maschine?
Jedenfalls blühten zwei PPK-Treffer auf seiner Brust auf, stoppten ihn jäh und warfen ihn fast um bei der schieren Gewalt der Treffer. Über ihnen auf der Klippe, von der die beiden Valkyrien geschossen hatten, schob sich ein Marodeur in Schussposition und zielte in die Tiefe. „Sergeant Jahn, lassen Sie es sein und ergeben Sie sich!“, erklang die feste Stimme ihrer Kontaktoffizierin Jessica Bloodbourne über die starken Lautsprecher des Fünfundsiebzigtonners. „Der nächste Schuss geht in die gleiche Stelle!“ Wie um ihre Worte zu bestätigen, bewegte sich die auf dem Torso des avioniden Mechs angebrachte Fünfer Autokanone in Position.
Es vergingen bange Sekunden, Sekunden, in denen die Mechs der Verteidiger runterkühlen konnten und alle Waffen, vor allem die Raketenwerfer des Donnerkeils, wieder grüne Werte zeigten, Schussbereitschaft. Dann erlosch die Signatur des Kreuzritters, und Sekunden darauf auch die des Todesbote. Die Maschinen fuhren ihre Reaktoren herunter.
Erleichterung überkam Thomas. Sein erstes reales Gefecht hatte er also nicht nur überlebt, sondern sich sogar einen Abschuss gesichert. Aber was nützte ihm das, wenn Ellie sich in der gleichen Situation zwei geholt hatte, eventuell sogar drei, je nachdem wie der Kreuzritter gewertet wurde? Er spürte eine gewisse Eifersucht und ließ sie zu. Ehrgeiz, in Maßen genossen, war gut. Sich etwas mehr anzustrengen, ohne gleich den Hals zu riskieren, war gut. Und wenn er sich an Ellie maß, hatte er sich ein ziemlich hohes Ziel gesetzt. Aber wenn schon, dann musste es sich ja auch lohnen. Was ihn zu einem anderen Punkt brachte, den er bisher so gut er gekonnt hatte, verdrängt hatte. Wie ging er jetzt genau mit Ellie um?
„Für einen Augenblick hatte ich vier Panzer in der Ortung“, klang nun Warningtons Stimme auf, „aber die sind nach einer kurzen Ortung gleich wieder zurückgerollt. Anscheinend hat ihnen nicht gefallen, was sie gesehen haben.“
„Holen wir sie uns?“, fragte Ellie, nachdem sie ihre Titanstahlaxt endlich aus dem Kreuzritter befreit hatte.
„Nun, warum auch nicht? Cavaliers, wir stürmen!“, rief Winningham.
„Ja, Sir!“, rief Thomas begeistert, und er war da nicht der einzige.
***
Mehrere hundert Lichtjahre entfernt, in einer vollkommen anderen Region der Inneren Sphäre, die „Konföderation Capella“ genannt wurde, kamen ein kräftiger Mann und eine nicht weniger kräftige Frau durch eine kleine Zeltstadt gestapft, einem ausgetretenen Pfad folgend, der kaum einen Tag alt war. Sie hielten auf ein großes Zelt zu, das sich durch eine Funkantenne auszeichnete und augenscheinlich eine wichtige Funktion erfüllte. Auf der Plane des sichtbaren Teils prangte das stilisierte Bild eines Musketenschützen mit roten Stiefeln, weißen Hosen und einer langen roten Rockjacke, gekrönt von einer schwarzen Bärenfellmütze. Das Symbol der Red Longjacks.
Zwischen sich trugen sie einen geschunden aussehenden Mann, den sie mehr trugen und schleiften, als dass er ging.
Als die beiden Infanteristen, die vor dem Zelt Wache standen, sie kommen sahen, wollte einer, das Gesicht krebsrot, das Lasergewehr von der Schulter nehmen. Bevor er aber seine Absicht, was auch immer die war, aber eindeutig mit den lädierten Menschen vor ihm zu tun hatte, ausführen konnte, legte ein älterer Mann, der gerade aus dem Zelt trat, ihm eine Hand auf die Schulter. „Ruhig Blut, José.“
Der Infanterist verharrte dabei, seine Waffe runter zu nehmen, zögerte noch einen Moment länger, dann nahm er sie wieder über die Schulter. „Jawohl, Colonel.“
Der Ältere tätschelte die Schulter des Mannes, dann trat er vor die drei Gestalten, die stehengeblieben waren. „Das ist er also?“
Der Mann nickte seiner Kameradin zu, und beide ließen den Mann zwischen sich los, sodass er zu Boden ging. „Jawohl, Colonel. Das ist der Cappie, der uns die letzten Tage terrorisiert hat. Liane hatte ein tolle Idee, wie wir ihn erwischen, und tja, hat funktioniert.“
Colonel Raymond Alonso seufzte. „Habt ihr ihn so zugerichtet, Cayne?“
Der große, kräftige Mann hob beide Hände in einer abwehrenden Geste. „Nein, oh nein, Sir, das war keiner von uns. Er ist so matschig wegen dem Giftpfeil, der ihn weg gepflückt hat. Ansonsten hat er keinen körperlichen Schaden erlitten, zumindest nicht durch uns. Nicht, Liane?“
Die kräftige eurasische Frau mit dem militärischen Kurzhaarschnitt dachte an ein, zwei belebende Tritte und auch einen kräftigen Schlag in die Nieren des Capellaners, die sie selbst ausgeführt hatte, bevor sie das Lager erreicht hatten. Immerhin war dies vermutlich der Scharfschütze, der mehrere ihrer Freunde getötet hatte. „Richtig. Wir haben nichts getan, ganz gemäß unseres Mottos, Colonel.“
„Hm, gut, nehmen wir an, er sieht so wild aus, weil er drei Tage lang durchs Unterholz gekrochen ist. Aber wenn er sich dabei verletzt hat, hätte euer erster Weg zum SanTech sein müssen.“
Cayne wiegelte ab. „Wir haben ihn abgetastet. Dabei konnte ich keine Brüche feststellen. Alles andere ist zu gut für ihn. Guter Soldat, nur leider gegen uns.“
Liane schnaufte. Das fasste es perfekt zusammen. Und „gegen“ hieß für sie: „Auf der Liste, um zu sterben.“
Alonso trat vor den Mann, ging in die Hocke und griff zu. So zog er ihn in eine sitzende Position. „Sie müssen nicht salutieren, Soldat. Seien Sie versichert, dass unser Ruf noch immer unser bestes Kapital ist und wir uns an die Ares-Konvention halten. In der Schlacht und außerhalb. Laut dieser sind Sie nur verpflichtet, uns ihren Rang und Namen zu nennen. Also? Halten sich die Capellaner auch an die Ares-Konvention?“
Der Mann hustete. Der Colonel zog seine Trinkflasche vom Gürtel und hielt sie dem Milizionär hin, der sie mit zittrigen Fingern annahm, kaum aufgeschraubt bekam und daraus trank. Dann gab er das Gefäß zurück. „Leutnant Harrison Chan, Larsha-Miliz.“
„Na also, das ist doch ein Anfang“, lobte Alonso. „Schafft ihn zum MedTech, danach ins Duschzelt, und wenn er weniger stinkt, bringt ihn wieder ins HQ-Zelt.“
„Ach, verhätscheln sollen wir ihn auch noch? Soll ich vielleicht mein Rasierzeug rausholen und ihm die Babyhaut pflegen?“, blaffte Liane böse.
„Ja“, sagte Alonso schlicht, während er langsam wieder in die Höhe kam. Dabei sah er der Kriegerin direkt in die Augen. Sie blinzelte zuerst. „Ja, Sir. Verstehe.“
„Sobald ihr ihn wieder hier abgeliefert habt, könnt ihr ihn übergeben und selbst Dienstschluss machen. Seid versichert, das gibt einen Bonus und einen positiven Eintrag in euren Dienstakten“, sagte Alonso in versöhnlichem Ton.
Tatsächlich schien das die kräftige Frau zu besänftigen. Sie griff wieder zu und zog Chan auf die Beine. „Kannst du wieder laufen? Der Colonel hat uns einen Befehl gegeben, und wir werden ihn ausführen, obwohl ich finde, dass eine Dusche viel zu gut für dich ist!“
Auch Cayne griff zu und half dem Leutnant hoch. „Komm, Junge. Nach der Dusche schauen wir kurz nach, ob nicht 'ne Portion Reis für dich bereitliegt, bevor es wieder zum Colonel geht“, versprach er. „Ist vermutlich besser als alles, was du die letzten Tage essen musstest, oder? Wir haben deinen halb verbrannten Rucksack mit den Essensrationen gefunden.“
Alonso schmunzelte, als sich die drei entfernten. Mit der Ausschaltung des Leutnants würde Ruhe in die Einheit einkehren, und er konnte sich endlich darauf konzentrieren, dieses verdammte Depot zu finden, das ihm versprochen worden war. Kenderson hatte, so sagten die Gerüchte, auf St. Jones Gerät, Mechs und Ersatzteile im Wert von einer halben Milliarde C-Noten gefunden. Das war eine Summe, für die seine Oma sehr lange stricken musste, und er würde sie sich nicht entgehen lassen. Diesmal nicht. Aber alles im richtigen Rahmen, mahnte er sich. Zumindest solange es nicht anderweitig notwendig wurde.
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10.06.2026 22:53 |
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