The World of BattleTech
Registrierung Kalender Mitgliederliste Teammitglieder Suche Häufig gestellte Fragen Zur Startseite

The World of BattleTech » BattleTech Foren » Kurzgeschichten » Chevaliers Season V » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | Thema zu Favoriten hinzufügen
Seiten (7): « erste ... « vorherige 5 6 [7] Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Chevaliers Season V
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
Thorsten Kerensky
Colonel


images/avatars/avatar-474.gif

Dabei seit: 01.10.2002
Beiträge: 2.992

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Sulafat, Präfektur Buckminster, Militärdistrikt Benjamin, Drakonis Kombinat
Landezone der Danton’s Chevaliers
26. Juli 3067, 07:30 Uhr

Das blasse Licht der ersten Sonnenstrahlen leuchtete beinahe gespenstisch auf dem Nebel, der aus dem dichten Dschungel Sulafats empor stieg und tauchte die gesamte Szenerie in eine unwirkliche Ruhe. Die Landezone der Chevaliers brodelte vor hektischen Vorbereitungen, während sich die Pioniere, die Sanitäter, aber natürlich auch die Kampftruppen bereit machten für eine Konfrontation mit einer unbekannten Anzahl an Clankriegern der Geisterbären. Natürlich waren sie nicht komplett fertig geworden, natürlich hätten sie mehr Zeit gebraucht, bestenfalls sogar noch etwas Ruhezeit obendrauf. Aber sie hatten viel geschafft und erledigten mit jeder verstreichenden Minute etwas mehr von ihrem Arbeitspensum.
Jara wusste, dass es ihre Aufgabe war, zusätzliche Zeit zu erkaufen. Ihre Lanze war vorbestimmt für den ersten Feindkontakt und sollte jetzt eigentlich genauso hektisch beschäftigt sein, wie der Rest der Einheit. Aber hier oben, mehr als zehn Meter über dem Erdboden, im Cockpit ihres Waldwolf-OmniMechs, spürte Jara eine Ruhe und einen Frieden, den sie sonst nirgendwo fand. Diese letzten Augenblicke vor einer Schlacht waren ihr persönlicher Moment der Meditation, hier bekam sie ihren Kopf frei von allen störenden Gedanken und wurde eins mit den fünfundsiebzig Tonnen Stahl, Myomeren und Waffen, die sie ins Gefecht zu führen gedachte.
Ein letztes Mal ging sie im Kopf alles durch, führte sie die Stärken und Schwächen ihrer Lanzenmitglieder vor Augen, fokussierte sich mit einfachen Atemübungen und – vor allem – drückte die Ängste und Zweifel beiseite. Das Gespräch mit Fleischer hatte sie stärker aufgewühlt, als sie ihm oder Copeland oder auch nur sich selbst einzugestehen bereit war und Jara brauchte ein paar zusätzliche Atemzüge, um sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.
Einatmen. Corporal Hanna Dünkirch, Callsign Hope, in einem Natter-Mech in der Primär-Konfiguration. Klein, leidlich wendig und flink, starker Punch für die Gewichtsklasse, aber eben auch nur leicht geschützt. Die Pilotin vergleichsweise unerfahren, aber solide in der Führung ihres Waffensystems.
Ausatmen. Sergeant Haruka Yamada, Callsign Katana, ihre Stellvertreterin in einem Bluthund, Beta-Konfiguration. Der Jack-of-all-Trades in der Lanze mit einer guten Mischung aus Reichweite, Feuerkraft und Durchhaltevermögen. Haruka war eine erfahrene, sehr gute Pilotin und hatte sich auch unter Feindfeuer mehr als einmal bewiesen. Jara war froh, sie dabei zu haben.
Einatmen. Corporal Eliden Kush, Callsign Zelot, ein vielversprechender Mechpilot, der als ihr Fanboy den Weg zu den Chevaliers gefunden hatte. Mittlerweile war er davon zum Glück etwas abgerückt und hatte sich gut eingelebt. Ihm fehlte jegliche echte Kampferfahrung, aber er hatte bisher gute Leistungen auf seinem Mech gezeigt. Steuerte einen Bluthund in der Primär-Konfiguration mit massiver Langstrecken-Power.
Ausatmen. Major Jara Fokker höchstselbst, Callsign Sparrow. Je nachdem, wen man fragte, entweder völlig überbewerteter Emporkömmling ohne nennenswerte militärische Qualität oder aber der hellste Stern am Söldnerhimmel. Sie war entschlossen, auch heute wieder zu beweisen, dass sie mit ihrem Waldwolf eine Kraft auf dem Gefechtsfeld war, mit der man rechnen sollte.
Einatmen. Wie gerne hätte sie Kyle Kotare an ihrer Seite gewusst, den ehemaligen Nebelparder, mit dem sie so oft durch Dick und Dünn gegangen war. Sie hatte kurz mit der Idee gespielt, ihn für diesen Einsatz in ihre Lanze zurückzuholen, aber er war als stellvertretender Kompaniechef und Anführer ihrer 2. Lanze zu wichtig.
Ausatmen. Blieben ihre Gegner. Zwei überschwere Giganten, geführt vermutlich von den besten Pilotinnen oder Piloten aus den Reihen der Geisterbären. Jara hatte sich so gut wie möglich über StarCaptain Rhayla informiert und musste zugeben, dass ihre Gegnerin ihr Respekt abverlangte. Das bevorstehende Duell konnte ausgesprochen hässlich werden, zumal die traditionellen Ehrenregeln der Clans hier wohl kaum Anwendung würden finden werden.
Trotzdem – oder gerade deswegen – brannte Jara förmlich darauf, endlich zu beginnen. Am liebsten wäre sie jetzt schon vorgeprescht, um die langsamen feindlichen Maschinen aufzuscheuchen, zu stellen und zu bekämpfen. Aber mehrere Gründe sprachen dagegen. Einerseits hatte das Duell noch gar nicht formell begonnen, andererseits sollte sie möglichst viel Zeit erkaufen. Was auch immer nach diesem ersten Gefecht passierte, sollte die Chevaliers so gut vorbereitet wie möglich treffen. Und zusätzlich sollte sie ihre Lanze mit möglichst geringen Schäden aus der Affäre ziehen, um im Anschluss weiterhin gefechtstauglich zu sein. Und so wurde aus der ganzen Sache tatsächlich eine ambitionierte Herausforderungen.
Die Ruhe wurde abrupt unterbrochen, als eine Folge von Pfiffen über den Lanzenfunk ertönte. Hoch-tief-tief. Hoch-hoch-tief. Hoch-tief-tief. Hoch-hoch-hoch-tief. Lang-kurz-kurz-kurz-lang. Und so weiter. Jara erkannte die Melodie und rollte innerlich mit den Augen.
„Zelot, ist das nicht ein wenig übertrieben? Die Musik zur finalen Schlacht von ‚Ewiger Krieger, Sieg auf Donegal‘? Wäre es eine Nummer kleiner nicht auch gegangen?“, meldete sich Yamada zu Wort.
Kush lachte: „Ich kann auch das Lied des Himmelfahrtskommandos aus ‚Die eiserne Kompanie‘, aber das erschien mir noch unpassender.“
„Es ist beides fürchterlicher Schund“, kommentierte Yamada. „Kulturell bestenfalls Mittelmaß.“
„Oh, kein Problem“, lenkte Kush ein. „Wie wäre es mit einem aus dem Kombinat? ‚Blut auf den Wiesen | noch ist es nicht vorüber | das Schwert in der Hand?‘ Passt das besser?“
Nun musste auch Yamada lachen: „Unbedingt. Das ist vermutlich mit Abstand das schlechteste Haiku, dass jemals gedichtet wurde. Und die Darstellung der Kombinatstruppen war auch sehr… idealistisch.“
„Ein Propaganda-Film. Aber da sind sie am Ende doch alle“, mischte sich Dünkirch ein. „Und nach all den Wochen im Landungsschiff fühle ich mich so gar nicht nach Propaganda.“
„Bessere Vorschläge?“
„Natürlich“, kam es zurück. „Es gibt da ein Gedicht, dass mich sehr bewegt hat. Ist aber nicht aus einem der ganz großen Filme.“
„Lass hören!“, forderten Kush und Yamada fast synchron.
„Na gut“, gab Dünkirch nach und räusperte sich.
„Wohin uns auch der Wind geweht,
wo staubig-stolz die Fahne weht…“
Jara, die bisher nur mit einem Ohr und bestenfalls amüsiert zugehört hatte, während ihre Lanze sich die Wartezeit verkürzte, horchte auf. Sie kannte dieses Gedicht.
„…und wir in Tag und Nacht versinken,
wenn Valkyren grüßend winken.“
Die Worte kamen nach nur einem winzigen Moment wieder ins Gedächtnis geschossen und sie stimmte ein.
„Fand ich nicht Ruhm, noch Vaterland,
reicht mir zum Tanz der Tod die Hand,
dort reißt der Krieg mich mit sich fort,
und ich leb dennoch weiter,
klingt mein Name trüb und heiter,
in meiner Kameraden Wort.“
„Seht, seht“, spöttelte Yamada. „Unser Chefin hat nicht nur jedes einzelne Handbuch, sondern auch noch Gedichte gelesen.“
„Man mag es kaum glauben“, gab Jara zurück. „Und da jetzt rausgekommen ist, dass ich lesen kann, wissen wir auch, warum ich die Chefin bin.“
Das brachte ihr ehrliche Lacher ein. Soldaten und Söldner, Kämpfende aller Waffengattungen quer durch die Innere Sphäre und den Clan-Raum mochten so verschieden sein, wie es nur ging. Jara hatte in ihrem kurzen Menschen- und langen Söldnerleben schon so viele unterschiedliche Personen getroffen. Nur eins hatte sie alle, ausnahmslos alle geeint – ein mehr oder weniger offener Hang zum Pathos und ein trockener und teils extrem zynischer Humor. Möglicherweise war das der Preis für ein Leben in einem hochriskanten Beruf.
Allerdings – und das zeigte das Verstummen des Gequatsches über den Funk – schlummerte darunter oft auch eine sehr tiefe Nachdenklichkeit und Verletzlichkeit. Und so blieb jeder von ihnen für sich, still und in sich gekehrt, bei den ganz eigenen Gedanken über Krieg und Frieden, Sieg und Niederlagen, Leben und Tod.

Als ihr Funkgerät erneut zu Leben erwachte, war Jara vollkommen präsent im Augenblick und mit jeder Faser ihres Seins bereit zum Kampf.
„An den Stern der Einheit Danton’s Chevaliers, der unser Gegner für dem Widerspruchstest sein soll! Hier spricht StarCaptain Rhayla von Clan Geisterbär. Ich stelle mich dem Test und bin bereit, das Ergebnis zu akzeptieren. Wer vertritt das Haus Odaga und die Danton’s Chevaliers?“
Jara öffnete ihr Mikrofon und antwortete mit emotionsloser Stimme, fest, klar und deutlich: „StarCaptain Rhayla von den Geisterbären! Hier spricht Major Jara Fokker von den Danton’s Chevaliers. Im Namen von Haus Odaga werde ich im Widerspruchstest gegen dich antreten und bin bereit, das Ergebnis zu akzeptieren. Möge dieser Tag uns allen Ehre bringen.“
„Gut gehandelt und akzeptiert, Jara von den Wölfen“, tönte Rhaylas Stimme mit einer Prise Spott über die Funkverbindung.
Jara war nicht überrascht. Ihr Lebenslauf war kein Geheimnis. Sie fragte sich kurz, was ihre Gegnerin sich von der vermeintlichen Stichelei versprach, verdrängte den Gedanken dann aber wieder. „Bis eine Seite besiegt ist oder sich aus dem Kampfgebiet zurückzieht“, hielt sie der Form halber fest und schloss dann ihr Mikrofon wieder.
Sie wechselte auf den internen Kommunikationskanal ihrer Lanze: „Rhaylas Funkspruch kam über ein offenes Breitband, entsprechend nicht gut zu orten. Das Gefechtsfeld ist mehrere Kilometer in jeder Richtung groß und im Moment können wir dank Sulafats Besonderheiten nur raten, wo sich die beiden Sturmklasse-Mechs aufhalten. Wir haben es aber zum Glück auch nicht eilig. Wir gehen vor wie abgesprochen. Hope, du setzt dich leicht flankierend von uns ab. Zelot, Katana, wir bleiben zusammen, wenn auch mit ausreichend Abstand zwischen unseren Positionen. Achtet auf Eigenschutz. Wir haben es nicht eilig. Haltet den Munitionsverbrauch gering. Passt auf euch auf und gute Jagd!“
Die anderen Lanzenmitglieder bestätigten nacheinander und begannen, in aller Ruhe und Gelassenheit mit der Ausführung der Pläne. Wie geplant ließen sie sich Zeit, vermieden hektische Bewegungen und Jara ließ die Lanze zunächst sehr gründlich und umschauend den dichten Dschungel absuchen. Je länger dies dauerte, je mehr Zeit sie damit zubrachten, desto stärker wurde ihr Eindruck, dass auch StarCaptain Rhayla keine Eile dabei hatte, den Kampf aufzunehmen. Spielte sie ebenfalls auf Zeit?
Bedeutete das tatsächlich eine Invasion durch einen ganzen Sternhaufen an Clan-Mechs? Oder führte sie die Chevaliers nur in Richtung ihres lauernden Trinärsterns? Oder war sie einfach eine sehr defensive Kriegerin, die darauf wartete, dass Jara den ersten Fehler machte?
Ganz egal, was die Gründe waren, das Abtasten zog sich hin und begann, die Söldner langsam zu zermürben. In einer Stresssituation funktionierte das Zeitgefühl anders als üblich. Minuten konnten sich wie Stunden anfühlen, wenn man auf etwas wartete. Stunden konnten sich aber auch wie Minuten anfühlen, wenn man erstmal so richtig tief in der Scheiße steckte.
Gerade die Phase vor einem Gefecht war übel. Während man einerseits lediglich Routineaufgaben ausführte, durfte man andererseits gleichzeitig nie in seiner Aufmerksamkeit nachlassen. Oft genug war das der Punkt, an dem irgendwann die Disziplin nachließ und eine Einheit überrumpelt werden konnte. Jara unterband daher jeglichen SmallTalk und ließ die Lanze ein Suchraster abarbeiten, gründlich und vor allem langsam. Auch wenn sie heimlich hoffte, zu scheitern und nicht genug Zeit rauszuholen, denn der Wunsch zu kämpfen, brannte heiß in ihr. Und auch für die anderen drei Chevaliers ihrer Lanze galt, dass die Anspannung, das ständige Rechnen mit einem Überraschungsangriff und die lauernde Gefahr begannen, Wirkung zu zeigen und eine Belastung darzustellen.
Vielleicht waren es deswegen die Geisterbären, die ihre Gegner zuerst entdeckten.
Wie aus dem Nichts war die Ruhe vorbei. Das erste war Hopes panisches Rufen über den Lanzenfunk: „Waffenfeuer auf meine Position. PPKs und Laser. Ich versuche auszuweichen. Sparrow, ich hab den verdammten Giftzwerg entdeckt. Oder er mich. Ich könnte hier Hilfe gebrauchen.“
„Ruhig bleiben“, befahl Jara. „Katana, vorrücken, Feuerdeckung für Hope. Hope, zwei Schüsse mit deinen PPKs auf die Distanz und dann lass dich auf Katanas Position zurückfallen. Hat wenig Sinn, wenn du dich alleine mit einem Sturmklasse-Mech anlegst.“
„Und ich?“, wollte Zelot wissen.
„Abwarten, ruhig bleiben. Wir greifen nur ein, wenn nötig. Irgendwo läuft hier auch noch ein Höhlenwolf rum.“
Über den Funkkanal drang Gefechtslärm und Jara verschaffte sich auf dem Taktikdisplay eine grobe Übersicht über die Situation. Hope war dem Beschuss ziemlich gut ausgewichen und hatte bisher nur oberflächliche Panzerungsschäden verkraften müssen. Katana schloss zügig auf, würde aber vermutlich zu lange brauchen.
„Hope, Absetzbewegung, jetzt!“
„Verstanden. Eine Salve PPKs, dann bin ich hier weg!“
Das unverwechselbare Knistern und Zischen der Partikelprojektorkanonen dröhnte durch den Äther, dann verschwand das rote Symbol auf Jaras Taktikdisplay so unverhofft wieder, wie es aufgetaucht war und schlagartig setzte wieder diese gespenstische Stille ein.
„Hope, Bericht!“, verlangte Jara.
„Ich… Ma’am… der Giftzwerg ist umgefallen. Mein Bordcomputer berechnet die Schäden, moment… Scheiße, ich glaub es nicht. Ma’am… Ich…“
„Hope!“, blaffte Jara. „Eine ordentliche Meldung! Was ist da los?“
Katana mischte sich ein und ihre Erfahrung machte sich bemerkbar, als sie ruhig und sachlich ein Update zur Lage gab: „Ma’am, Hope hat einen direkten Treffer in das Cockpit des Giftzwergs erzielt.“
„Mit einer PPK?“, hakte Jara nach.
„Korrekt“, bestätigte ihre Stellvertreterin. Nicht dass die Natter nennenswert andere Waffen geführt hätte. „Der Giftzwerg ist raus. Das kann der Pilot nicht überlebt haben.“
„Respekt. Glückwunsch zum ersten Abschuss, Hope. Aber nicht zu früh freuen, einen haben wir noch vor uns. Wir stoßen erst an, wenn hier alles vorbei ist, verstanden?“
„Verstanden, Ma’am“, kam die Bestätigung.
Nur Augenblicke später überschlugen sich die Ereignisse erneut. „Zweite Ortung“, schrie Katana. „Höhlenwolf, stürmt direkt auf unsere Position zu. Hope, aufpassen!“
„Verflucht, der hat mich in der Ortung. Shit, shit, shit! Ich hau ab, das wird… Argh! Ich bin getroffen. Meine halbe rechte Seite ist weg. Ich brauch hier Hilfe!“
„Schon da“, kommentierte Katana trocken und Jara konnte Langstreckenraketen und Laserstrahlen in der Ferne durch den Dschungel rasen sehen.
„Zelot, los geht’s. Wir gehen auf Gefechtsweite ran. Raketen scharf stellen, wir feuern sobald wir in Reichweite sind. Zwei Salven in der Breite, danach nach eigenem Ermessen.“
„Verstanden“, bestätigte ihr Flügelmann und die beiden schweren Maschinen setzten sich in Bewegung.
Innerlich fluchte Jara lauthals. Wenn sie nicht wollte, dass Rhayla mit ihrem Höhlenwolf einfach durch Hope und Katana durchwalzte, musste sie massives Sperrfeuer legen und ihre Munitionsbestände über Gebühr belasten. Zusammen mit den Schäden an dem leichten Mech hatte sie das Ziel der möglichst geringen Materialbelastung bereits jetzt gründlich verfehlt.

Vielleicht war es die massive Wand aus anfliegenden Langstreckenraketen, vielleicht war es die Aussicht auf den Kampf mit gleich drei schweren OmniMechs – vielleicht war es aber auch etwas völlig anderes, aber der Höhlenwolf brach seinen Sturmlauf abrupt ab und begann eine Absetzbewegung, wobei er weiterhin massives Feuer in Richtung des leichtesten Mechs aus Jaras Lanze gab. Jetzt aber fahriger und schlechter gezielt, was es Hope ermöglichte, weiteren kritischen Treffern auszuweichen.
„Er haut ab!“, jubelte Zelot triumphierend.
„Vorerst“, dämpfte Jara die vorschnelle Siegesfreude. „Wir sind hier noch nicht fertig und müssen immer noch einen Sturmklasse-Mech stellen und zur Strecke bringen.“
Sie studierte ihre Taktik-Bildschirme und freute sich über den Moment der Ruhe. Den Höhlenwolf sich zurückziehen zu lassen, fiel ihr leicht – immerhin war ihre Aufgabe ja vor allem, Zeit zu erkaufen und nur in zweiter Linie ein erfolgreicher Test.
„Hope, du siehst zu, dass du zurück zu unseren Stellungen gelangst und deinen Mech zusammenflicken lässt. Hier kannst du im Moment nicht mehr viel ausrichten. Ich biete dich für den Rest des Tests weg.“
„Wirklich?“, kam der halbherzige Protest. „Ich bin die einzige hier, die bisher einen Abschuss verbucht hat.“
Jara musste grinsen: „Gut gehandelt, aber nicht akzeptiert. Ruh dich aus, pinsel dir einen Abschussmarker unters Cockpit und sieh zu, dass du später fit bist. Ich würde meinen linken Arm darauf verwetten, dass das heute noch ein langer Tag wird.“
„Verstanden, Sparrow“, gab die Mechpilotin nach. „Gute Jagd euch weiterhin, ich geh mich Duschen und frühstücken.“
„Dusche und Frühstück?“, echote Katana. „Ich hätte meinen Mech vielleicht auch zerschießen lassen sollen. Hat nicht funktioniert, wie geht’s dann für uns weiter, Sparrow?“
Mit geschickten Bewegungen markierte Jara taktische Punkte auf ihrer Geländekarte und teilte sie mit den verbliebenen zwei Mitstreitern. „Wir schauen, dass wir den Höhlenwolf langsam und vorsichtig einkreisen. Wir sind ihm vor allem auf der Distanz überlegen, also werden wir versuchen, ihm nicht zu nahe zu kommen. Danach ist der Plan vergleichsweise simpel. Möglichst viel Schaden anrichten bei möglichst großem Eigenschutz. Energiewaffen priorisieren, wir wollen den Munitionsverbrauch nicht noch weiter hochschrauben. Fragen?“
„Negativ“, bestätigten Katana und Zelot und begannen, ihre Mechs entsprechend Jaras taktischer Vorgaben im Gelände einschwenken zu lassen.
Danach breitete sich konzentrierte Stille aus, die Jara Zeit ließ, ihren Gedanken nachzugehen.
Sie war von Kindesbeinen an Söldnerin und seit ihrem sechszehnten Geburtstag nahm sie als Mechkriegerin an Gefechten teil. Man konnte mit gutem Recht sagen, sie sei auf dem Schlachtfeld aufgewachsen und bisher hatte ihr das einen enormen Vorteil verschafft. Jara war geradezu stolz darauf, im Einsatz wie eine Maschine zu funktionieren, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und auch in kritischen Momenten hochkonzentriert zu sein. Auch deswegen hatte sie es bei den Chevaliers geschafft, in vergleichsweise kurzer Zeit eine extrem steile Karriere hinzulegen. Die Einheit und die Mission an erster Stelle zu sehen, Entscheidungen ohne Rücksicht auf sich selbst treffen zu können und jede Herausforderungen und jeden Rückschlag stoisch zu ertragen, das waren ihre Markenzeichen geworden. Das alles hatte Jara zur perfekten Kriegerin und Offizierin gemacht und zu einer Hoffnungsträgerin für so viele verschiedene Gruppen.
Und jetzt?
Sie seufzte leise genug, um das Funkgerät nicht auszulösen. Was war jetzt?
Jetzt hatte sie das Gespräch mit Dr. Fleischer geführt. Ein Gespräch, das sie nachdenklich stimmte, das sie aus ihrem inneren Gleichgewicht gebracht hatte. Fragen, die durch ihren Kopf kreisten, Sorgen, Unsicherheiten. Und zum ersten Mal, zum allerersten Mal war da ein neues Gefühl, eines, das sie noch nicht gekannt hatte. So eine Mischung aus Angst und Hoffnung und Ungeduld und Widerspenstigkeit und ganz vielen anderen Dingen.
Jara versuchte, dieses Gefühl nicht an sich heranzulassen, es zur Seite zu schieben. Sonst war sie darin sehr gut, aber diesmal wollte es ihr nicht ganz gelingen.
Hätte sie auf Fleischer hören sollen? Zurückbleiben? Die Verantwortung, ihr Kommando abgeben? Aber an wen? Und was hätte das für einen Effekt auf die Moral gehabt?
Wieder seufzte sie leise, während die Minuten sich zu Stunden dehnten.
Wohin war der Höhlenwolf verschwunden? Warum stellte er sich nicht zum Kampf? Wie konnte man ein derart schweres und gewaltiges Stahlungetüm verstecken? Und mit welcher…
Ein Laserblitz riss Jara aus den Gedanken und ins Hier und Jetzt zurück.
„Beschuss aus 10 Uhr!“, rief Zelot über Funk. „Scheint, als hätten wir ihn gefunden.“
„Oder er uns“, kommentierte Katana bissig, während sie selber Laserfeuer in die Richtung abgab, aus der sie beschossen worden sind.
„Ortung?“, wollte Jara wissen.
„Negativ, ich hab nichts auf den Sensoren“, antwortete ihr Flügelmann. „Aber Sparrow, das ist seltsam…“
„Was ist seltsam?“, hakte Jara nach.
„Ich hab einen Treffer am Bein kassiert. Direkter Beschuss. Der Schaden ist aber minimal. Der Höhlenwolf hat so kleine Laserwaffen aber doch gar nicht, oder?“
„Zumindest keine, die er einsetzen könnte, bevor wir ihn orten“, pflichtete Jara bei. Wenn aber nicht der feindliche Mech auf sie gefeuert hatte, wer dann?“
„Kurzstreckenraketen aus 03 Uhr!“, gellte Katanas Stimme plötzlich auf.
Und dann sah Jara den Grund, als sich mehrere kleine Gestalten auf Sprungdüsenstrahlen aus ihren versteckten Stellungen erhoben und die beiden Bluthund-Mechs mit Laser- und Raketenfeuer eindeckten.
„Kröten!“, schrien Zelot und Katana fast gleichzeitig, als sie von den Clan-Elementaren angegriffen wurden.
„Zurückfallen!“, kommandierte Jara und schob ihren Waldwolf vor, um ihre schwerere Laserbewaffnung zum Tragen zu bringen. „Lasst sie nicht an euch rankommen.“
Sie feuerte auf den ihr nächsten Elementar, verfehlte ihn und grunzte zufrieden, als sie durch puren Dusel den dahinter laufenden Angreifer mit ihren Laserstrahlen aufspießte.
Dann öffnete sie den Funkkanal zur Einheit. „Copycat von Sparrow! Hörst du mich?“
„Sparrow, hier ist Copycat. Ich höre dich laut und deutlich. Meldung!“, antwortete die ruhige Stimme von Harrison Copeland aus dem Aufmarschbereich der Chevaliers.
„Wir werden von Elementaren angegriffen. Scheint als sei der Test hinfällig. Sollen wir an dem Höhlenwolf dranbleiben, franeg?“
„Negativ. Kümmert euch um die Elementare, bevor ihr… Moment!“
Der Funkkanal wurde für einen Augenblick stumm, während Jara und ihre beiden Mitstreiter damit beschäftigt waren, die Elementare auf Abstand zu halten.
Endlich drang Copelands Stimme wieder über den Äther: „Sparrow, sammelt euch und fallt bis auf unsere Höhe zurück!“
„Verstanden, Copycat. Sammeln und zurückfallen. Ich nehme an, das liegt nicht daran, dass die Geisterbären ihren Fehler eingesehen haben und aufgeben?“
„Leider nicht. Eher das Gegenteil. Ich hätte euch gerne wieder zurück bei uns. Bevor ihr Sternhaufen eintrifft.“

__________________
Ama-e-ur-e
is-o-uv-Tycom‘Tyco
is-o-tures-Tesi is-o-tures-Oro
is-u-tures-Vo-e-e

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Thorsten Kerensky: 16.02.2026 01:04.

12.01.2026 00:53 Thorsten Kerensky ist offline E-Mail an Thorsten Kerensky senden Beiträge von Thorsten Kerensky suchen Nehmen Sie Thorsten Kerensky in Ihre Freundesliste auf
Seiten (7): « erste ... « vorherige 5 6 [7] Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
The World of BattleTech » BattleTech Foren » Kurzgeschichten » Chevaliers Season V

Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH