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Ace Kaiser Ace Kaiser ist männlich
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1.
01.10.3029 a.D.
New Avalon
New Avalon City, Palast des Prinzen

„Das können sie nicht machen!“, rief Soryu Walker aufgeregt. Seine leicht geschlitzten Augen verzerrten sich vor Wut, und seine schmalen Hände ballten sich zu Fäusten. „Der Prinz kann das nicht zulassen! Heine, sag doch auch was!“
Der Angesprochene sah den alten Freund ernst an. „Was erwartest du von mir? Dass ich gegen Prinz Hanse rebelliere? Dass ich alles umwerfe, woran ich glaube?“ Heine Rosenstark sah müde in weite Fernen. „Nein, mein Freund, das werde ich Hanse nicht antun. Nicht heute, nicht morgen, und gewiss nicht übermorgen.“
„Es gibt eine weitere Möglichkeit“, raunte eine Stimme hinter ihnen. Obwohl, raunen war das falsche Wort, denn wenn ein Drache mit vierzig Metern Flügelspannweite raunte, dann vibrierten die Wände. „Du könntest die ganze Affaire aufklären, deinen Namen reinwaschen und in den Beraterkreis Prinz Hanes zurückkehren. Ich habe mit Protectus gesprochen. Die Chancen stehen gut, dass der Prinz dich unterstützt.“
Heine sah den riesigen, rotschwarz gefärbten Assault-Drachen der Griffin-Linie an, bevor er tief seufzte. „Und wie viel Blut wird dafür fließen? Wie viel Ärger wird es geben? Welchen Dienst erweise ich Hanse damit, indem ich das Land auseinander reiße?“
„Dennoch!“, ereiferte sich Soryu. „Dennoch! Du kannst deinen Namen doch nicht mit dieser Schande beladen! Du hast kein verdammtes Dorf in der verdammten Mark Capella ausradiert! Du hast keine Drachen exekutieren lassen! Du hast...“
Heine hob seine Rechte. Es war keine gebieterische Geste, dennoch verstummte der junge Sandoval-Spross auf der Stelle. „Es ist gut so, Soryu. Da draußen sind Drachen gestorben, und das weil ich sie nicht habe beschützen können. Neun Drachen bedeutet für die Menschheit einen enormen Verlust, und ich muss dafür die Verantwortung übernehmen.“
Pacificus schnaubte verächtlich aus beiden Nüstern. Der riesige Griffin musterte seinen Piloten verärgert. „Tsss! Diese neun Drachen waren ohnehin von vorne herein auf dem Holzweg, weil sie der Konföderation Capella gedient haben, und nicht dem Unvollendeten Buch!“
„Nun habe dich nicht so, alter Freund. Es ist ja nicht so als würde ich zum Tode verurteilt werden. Und um über deine Artgenossen herzuziehen ist die Angelegenheit wahrlich zu ernst.“
„Was ist mit dir, Heine?“, meldete sich Schnitter zu Wort, der drahtige Scoutdrache von Soryu mit gerade mal neunzehn Metern Flügelspannweite. „Warum musst ausgerechnet du die Angelegenheit so ernst nehmen? Warum bietest du dich als Bauernopfer an?“
Heine seufzte schwer und tief. „Weil ich Militärgouverneur von St. Ives war, als dieses Massaker geschah. Und wenn wir schon nicht jene verteufelten Menschen fangen konnten, die dieses unglaubliche Verbrechen begangen haben, dann will ich mich wenigstens nicht meiner Verantwortung entziehen.“
„Es ist nicht gerecht“, widersprach der junge Sandoval. „Es ist nicht gerecht.“
„Das Leben an sich ist nicht gerecht, Soryu“, tadelte Heine ernst.
„Aber sie sollte es sein“, warf Schnitter ein. Der austrainierte Colt-Drache spreizte seine Flügel und zog sie dann wieder eng um den Körper zusammen. Dabei sparte er am Leib einen guten Meter aus. Dies war der Platz, den normalerweise seine Waffen und seine Rüstung einnahmen.
„Sie ist es aber nicht!“, blaffte Heine unvermittelt, und der junge Colt zuckte erschrocken zusammen. Er verbarg den Kopf hinter dem rechten Flügel.
„Nun siehst du was du angerichtet hast“, tadelte Soryu ernst. „In fünf Kampagnen haben wir neunzig Gefechte bestritten, aber ausgerechnet du machst ihm Angst!“
Der junge Sandoval trat an seinen Drachen heran und tätschelte seine Flanke. „Er hat es nicht so gemeint, Schnitter. Er ist nur manchmal laut und polternd. Wie die meisten Menschen.“
„Ich habe es doch nur gut gemeint“, wimmerte der riesige Dreißigtonner. „Ich wollte doch nur nicht, dass Heine für etwas bestraft wird, was er gar nicht begangen hat.“
Der junge Rosenstark gab sich einen Ruck. Langsam ging er auf Schnitter zu und legte ihm eine Hand auf den Hals. „Du hast ja Recht, alter Junge. Ich habe diese Tat nicht begangen. Aber ich habe sie zugelassen. Und darum...“ Er atmete tief ein und wieder aus. „Und darum muss ich die Verantwortung übernehmen.“
„Ich bin da anderer Ansicht“, ließ sich Pacificus vernehmen, „aber wann geht es schon mal nach mir?“
***
„Hiermit verkündet Hanse Davion, Prinz der Vereinigten Sonnen und Beschützer des Unvollendeten Buches, dass Heine Rosenstark, Fünfter Earl von Towne, seines Amtes enthoben wird. Im Angesicht größter Not war es ihm nicht möglich, neun Drachen zu beschützen, und hat damit der Menschheit den größten Verlust seit der Vereinigungskriege zugefügt.
Heine Rosenstark verliert seinen Titel, sein miltitärisches Kommando und seinen weltlichen Besitz auf Towne. Weiterhin verkünden wir, dass Heine Rosenstark binnen dieses Jahres das Hoheitsgebiet der Vereinten Sonnen zu verlassen hat. Auf Androhung der Todesstrafe darf er es nie wieder betreten.
Im Namen der Vereinigten Sonnen, Hanse Davion, Erster Prinz.“

__________________
Ace Kaiser,
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Corrand Lewis,
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15.11.2008 23:05 Ace Kaiser ist offline E-Mail an Ace Kaiser senden Beiträge von Ace Kaiser suchen Nehmen Sie Ace Kaiser in Ihre Freundesliste auf
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2.
Als sich die Menschheit mit Hilfe des revolutionären Kearny-Fuchida-Triebwerks zu den Sternen aufmachte, erwies sich bereits die erste Reise nach New Earth für sie als Überraschung. Wie die Astronomen vorher gesagt hatten, fanden sie in dem Sonnensystem einen erdähnlichen Planeten – New Earth. Was sie aber nicht vorhersagen und den jungen Pionieren hatten mitgeben können, waren die Bewohner dieser Welt. Die intelligenten Bewohner dieser Welt: Drachen.
Die Drachen erwiesen sich als gefährliche, intelligente, vielschichtige und artenreiche Rasse, welche sich nicht scheute, die neu eingetroffenen Menschen in ihre Gespinste um Territorium, Paarung und Dominanz einzubeziehen. Die Menschen ihrerseits scheuten sich nicht, die Drachen zu benutzen – oder vielleicht gelang es den Drachen auch nur, die Menschen glauben zu machen, sie seien die Nutznießer. Jedenfalls entwickelte sich eine ungewöhnliche Symbiose zwischen den acht Drachenarten von New Earth und den wagemutigen Kolonisten von der Erde, die sich schließlich zu Dragonclans weiter entwickelte. Drachen und Menschen taten sich zusammen und bildeten einen gemeinsamen Clan, in dem die Menschen taten was die Drachen nicht konnten und die Drachen vollbrachten, was den Menschen versagt blieb. Natürlich konnte dieses Prinzip nicht lange gut gehen, und irgendwann kam es auf New Earth zum Krieg zwischen den Clans, nur diesmal verstärkt durch menschliche Technologie. Es sollte nicht der letzte Krieg der Dragonclans werden, und beileibe nicht der blutigste. Am Ende dieses Krieges gab es dreizehn große Gewinnerclans, neun wurden ausradiert, und siebzehn wagten die eigentlich aussichtslose Flucht in die Weiten des Alls.

Jahre später, zu Zeiten der Terranischen Föderation, konnte man Drachen auch auf allen anderen Welten entdecken, welche terranische Explorer mittlerweile erkundet und wagemutige Menschen danach besiedelt hatten, indem ihnen zu ihrem Schutz oder einfach weil sie die Geldmittel hatten, Dracheneier anvertraut worden waren. Dadurch verteilten sich die Clans weiter über die Sterne und schützten ihre eigene Art vor dem Erlöschen.
Die Föderationsflotte suchte zu dieser Zeit nach den von New Earth geflohenen Clans, denn nichts konnte so viel Übel über die Zivilisation an sich bringen, wie ein verärgerter und unbesiegter Feind. Es sollte noch dreihundert Jahre dauern, bevor man Spuren dieser Dragonclans fand, die sich in alle Richtungen des Universums ausgebreitet hatten. Dafür stießen die Explorer der Flotte neben einigen unbewohnten Sauerstoffwelten auf sieben Sonnensysteme, auf deren zentralen Sauerstoffwelten weitere Drachen in teilweise bekannten, teilweise neuen Arten existierten. Diese Welten waren: Samarkand, Dieron, New Avalon, Siam, Atreus, Tharkad und Tamar.
Auch hier bedienten sich die Drachen der Menschen, oder die Menschen der Drachen, mochte die Geschichte auslegen, wer mehr von ihnen profitierte. Wieder bildeten sich Dragonclans.
Prominente Wissenschaftler stellten nach spektakulären Erbgutuntersuchungen fest, dass die Drachen als Spezies einst von der Erde gekommen waren, wo man sie schließlich noch vor der Römerzeit ausgerottet hatte. Irgendjemand aber hatte die Arten vor dem Ende bewahrt und im Universum verteilt, auf acht Welten, die einen losen Kreis um Terra bildeten. Wer waren diese Wesen? Warum hatten sie die Drachen gerettet? Wie hatten sie auf der Erde ausgerottet werden können? Und wo waren diese Wesen jetzt?
Als das neue HPG-Kommunikationsnetz diese wichtige Neuigkeit in jener Zone, die man heute Innere Sphäre nannte, verbreitete, wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, die das Angesicht der Galaxis für immer umkrempeln sollte. Auf jedes Detail einzugehen ist hier unmöglich, aber diese Umwälzungen erschufen Tatsachen. Eine Tatsache war, dass die Clans ihre Einflussbereiche erweiterten, bis sie an die Sphären anderer Clans stießen. Tatsache ist auch, dass es in dieser Zeit zu großen Kriegen um Welten, Ressourcen und neue Drachengene kam. Tatsache ist auch, dass es Haus Steiner war, das Drachen als erste mit Hightech ausrüstete und in Verbundwaffeneinheiten in den Kampf schickte. Leider machten alle Häuser dies nach. Und je besser Waffen und Schutz der Drachen wurde, desto intelligenter, raffinierter und gefährlicher wurde die Technologie, um sie abzuwehren.
Am Ende der Kriege, nein, eigentlich in ihrer Mitte, denn in der heutigen Zeit ruhten sie vielleicht, waren aber nicht beendet, hatte sich die Innere Sphäre in sechs bedeutende Großreiche und zwei Zwergstaaten inmitten ihrer Grenzen aufgeteilt, welche den größeren Nationen teilweise als Puffer dienten.
Die kleinste, aber stärkste Großmacht war die Terranische Zentralunion. Sie galt als technologisch versiert und setzte Drachen militärisch nur auf eine Art ein. Indem sie Dragonclans für den Krieg kaufte und für das töten bezahlte. Ansonsten hatten Drachen auf Terra keinen Nutzen und keine Rechte.
Dem folgten die Vereinigten Sonnen. Die Menschen dieser Welten kannten Drachen meistens nicht, denn die Dragonclans, die einst von New Avalon entsprungen waren, dienten in den drei Enklaven, der Mark Draconis, der Mark Crucis und der Mark Capella, meistens auf den Hauptwelten, da sie zahlenmäßig die kleinste Drachenarmee aufzubieten hatten. Das lag zum großen Teil auch daran, dass die Drachen in diesem Reich oft zu sehr in Regierungsarbeit, Forschung und Gesellschaft eingebunden waren und eher selten selbst in einen Kampf eingriffen. Es hieß jedoch, dass neun von zehn Drachen bei ihrer heimischen Miliz eine Kampfrüstung stehen hatten und diese regelmäßig benutzten, um in Form zu bleiben.
Darauf folgte die Föderation Capella. Die zweitkleinste Nation setzte Drachen nur selten ein, in Spezialkommandos, als Generäle und selten um jungen Drachen die Chance auf Bewährung zu geben. Denn die Herrscher Capellas waren Drachen. Die riesigen, weisen und langlebigen Wesen hatten erkannt, dass die Menschen einer gütigen, aber strikten Führung bedurften und regierten nun mit dem Sohn des Himmels an der Spitze das weite Paradies der Drachen.
Die Liga Freier Drachenwelten war eine bunte Mixtur aus verschiedenen Ideologien, Weltanschauungen und Drachensymbiosen. Sie hatte nur zusammen gefunden, um in den Kämpfen mit den anderen Nationen, vor allem der Terranischen Zentralunion, zu bestehen. Ständig war das Land, deren Armeen sämtliche Philosophien der Inneren Sphäre widerspiegelten, vom Drachenfeind bis zur von Drachen befehligten Truppe, von Sezession bedroht, der es schwächen und letztendlich vernichten würde. Aber seit dreihundert Jahren leistete es einen erbitterten Kampf um jede Grenzwelt.
Das Lyranische Commonwealth hatte nicht nur das Glück gehabt, ebenfalls auf Symbiose mit den Drachen zu setzen; die Drachendichte war hier so hoch wie in kaum einem anderen Land der Inneren Sphäre, nein, durch geschickte Hochzeiten und taktisch klug verschenkte Dracheneier verfügte dieses Reich mit Tharkad und Tamar gleich um zwei Kernwelten neuer Drachenspezies. Und auch wenn das Königsgeschlecht des Commonwealth sicher nie vor einem Drachen gekniet hätte, so gab es doch einen Dragonclan, der seit jeher zum Schutz des Archons diente und dies heute noch tat. Hoch angesehen, selbstverständlich.
Das Draconis-Kombinat war die letzte Nation von Größe in der Inneren Sphäre. Sie wurde von Drachen verwaltet, von Drachen verteidigt – und von einem Menschen regiert. Allerdings konnte nur Koordinator werden, wer von Drachen von jüngster Kindheit aufgezogen wurde. Drachen, die mystischen Wesen voller Weisheit, waren die einzigen, die einem Menschen einen Hauch von Gottesnähe zu verschaffen mochten und ihn auf dem Chrysanthementhron zu erheben vermochten.
Der innigste Wunsch dieser Drachen war es, die gesamte Innere Sphäre, und damit alle Drachen unter der weisen Führung ihres elitären Schülers zu vereinigen. Dafür dienten Drachen selbst als gemeine Soldaten in Miliz und Militär.
Das kleine Königreich Rasalhaag war der erste der Kleinstaaten in den Grenzen der Inneren Sphäre. Dieses eher winzig anmutende Reich verdankte seine Existenz drei Gründen. Der erste war, damit es als Puffer zwischen Kombinat und Commonwealth dienen konnte. Der zweite war, dass die Menschen grundsätzlich in einem Dragonclan lebten oder einem zugeteilt wurden.
Der dritte war, dass diese Dragonclans ihre Welten mit Zähnen und Klauen bis zum letzten verteidigten, denn sie sahen sich und ihre Lebensweise als die einzig richtige an, und sowohl Drachen aus auch Menschen starben bereitwillig dafür. Ein Umstand, der diesem kleinen Königreich Jahrzehnte des Friedens zwischen den Jahren irrsinniger Kriege und Gewalt schenkte.
Die Isle of Skye war die kleinste Nation der Inneren Sphäre. Sie bestand nur aus zwei Dutzend Welten, und Drachen galten hier eher als Luxusgut, als hoch gebildete Sklaven, jedoch gewiss nicht als gleichwertig. Für einen Puffer war das Land zu klein, aber seine Welten waren reich, unermesslich reich. Geschickter Handel, neueste Technologien und gigantische Ressourcen sorgten dafür, dass es so blieb. Und deshalb konnte sich der Earl of Skye jede Armee leisten, die er zur Verteidigung seiner Nation brauchte.

Zwei wichtige Welten müssen in dieser Aufzählung natürlich noch erwähnt werden. Die eine war Solaris, ein Planet im Grenzbereich zwischen Commonwealth und Liga. Auf ihr standen die Dome, gigantische Spielarenen, in denen Drachen und ihre menschlichen Partner in Turnieren gegeneinander antraten, um ewigen Ruhm oder flüchtiges Glück zu erwerben. Auch wenn ein Drache nicht so oft starb wie sein Partner, galten diese Spiele als verpönt, dekadent und verderbt bis ins Mark. Deshalb waren die Übertragungen wohl auch so beliebt.
Galatea nun war eine Freihandelswelt, eine von vielleicht siebzehn über die gesamte Innere Sphäre verteilt. Auf ihr gab es keinen Zoll, keine Oberhoheit und keine Gesetze außer dem des Stärkeren. Deshalb war diese Welt der Tummelplatz für all jene, denen das Gesetz auf der Fährte war, oder die hofften im ältesten Gewerbe der Welt an einem der Kriegsschauplätze in der Inneren Sphäre ihr Futter zu verdienen: Söldner.
Manchmal waren dies ganze Dragonclans mit tausenden Menschen und Dutzenden Drachen. Manchmal waren es aber auch nur zwei Männer und zwei Drachen. So wie die zwei Männer und zwei Drachen, die mit einem kommerziellen Drachentransporter der Union-Klasse bis auf diese Welt gereist gekommen waren, um ihrer Existenz einen neuen Sinn zu geben.

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Ace Kaiser,
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18.11.2008 21:53 Ace Kaiser ist offline E-Mail an Ace Kaiser senden Beiträge von Ace Kaiser suchen Nehmen Sie Ace Kaiser in Ihre Freundesliste auf
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***
Vier Wochen zuvor,
Palast des Earl of Towne,
Port Arthur,
Towne

Etwas gedankenverloren betrachtete Heine die in den Boden eingelassene Karte jenes Bereichs, den man im Allgemeinen Innere Sphäre nannte. Die Karte war dreidimensional und bestand zu diesem Zweck aus einer vier Meter starken Glasschicht. Jede besiedelte Sonne war als farbiges Juwel eingelassen worden, und mit Hilfe eines Handscanners konnte man die in ihr gespeicherten Daten abfragen. Die Big Map, wie sie im Volksmund genannt wurde, gehörte fraglos zu einem der unbedingten kulturellen Schätze hier auf Towne.
Die Peripherie-Nationen waren in ihr ebenso wenig eingetragen wie jene Welten, die in den letzten zweihundert Jahren hinzu gekommen waren, aber dennoch, dieses Meisterwerk suchte seinesgleichen.
„Großer Bruder!“
Heine wandte sich um. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Dann verbeugte er sich formvollendet vor dem neuen Earl of Towne. „Mylord.“
Kensington Rosenstark stockte mitten im Gang. Ein Schatten legte sich über sein Gesicht. „Warum bist du so förmlich? Ich...“
„Ken, ich bin ein Verbannter. Ich habe noch eine verdammte Woche Zeit, um in die Terranische Zentralunion zu kommen. Werde ich dann noch in den Vereinigten Sonnen angetroffen, bin ich vogelfrei. Du solltest mich nicht mehr als deinen großen Bruder behandeln.“
Trotz regte sich im Gesicht des jungen Mannes, der aufgrund des Versagen seines älteren Bruders die legendäre Sandhurst-Akademie hatte verlassen müssen, um formell die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. „Heine, ich... Ich...“
„Ich weiß“, murmelte der Ältere und trat näher. Er legte seine Rechte auf Kensingtons strohblondes Haar, wie er es oft getan hatte als ihre Eltern noch gelebt und er erheblich kleiner gewesen war. Aber mittlerweile war der Bursche vor ihm vierundzwanzig und musste alt genug sein, um es alleine mit dem Universum aufzunehmen. „Aber ich bin heute nicht als dein Bruder hier. Ich bin auch nicht hier um deine Unterstützung einzufordern. Ich bin nur hier, um ein paar Sachen mitzunehmen und dir Lebewohl zu sagen.“
Der sechste Earl of Towne kämpfte sichtbar mit den Tränen. Seit dem frühen Tod ihrer Eltern war Heine sein einziger enger Verwandter gewesen, der Ältere hatte ihn quasi aufgezogen. Er war sein Idol gewesen, sein ein und alles. Und nun wurde ihm ein Verbrechen zur Last gelegt, das er unmöglich begangen haben konnte, und wurde ins Exil gejagt.
„Ich werde nach New Avalon gehen! Ich werde...“, begann Kensington, wurde aber von einer rauen Bassstimme unterbrochen.
„Ken... Lass es. Mach das Opfer deines Bruders nicht wertlos, indem du etwas unbedachtes tust.“
Die beiden Brüder wandten sich um. Durch das Ostportal wälzte sich Apollon herein, der uralte Sonnendrache, der damals schon Ian, ihrem Vorfahren und ersten Earl of Towne zur Seite gestanden hatte. Der grellgelbe Drache war übersät mit den Narben eines Lebens im Kampf, aber seine Weisheit, seine Erfahrung und seine Güte waren unbestritten. Er selbst pflegte immer zu sagen, er hätte, was seine Intrigenkunst angeht, in den Menschen seinen Meister gefunden und müsse sich auf anderen Gebieten versuchen. Aber Heine wusste ganz genau, dass es kaum eine edlere Seele geben konnte als diesen vierhundert Jahre alten Drachen aus der New Avalon-Linie der Sonnendrachen.
Der riesige Sturm-Drache wuchtete sich näher an Heine heran. Er senkte den gewaltigen Kopf und spreizte die schimmernde Halskrause. Seine Schnauze stupste den kleinen Menschen in die Seite. „Na, na, was ist das denn für eine Begrüßung? Hat dir der Prinz so übel mitgespielt, dass du für deinen alten Großvater nicht einmal ein liebes Wort übrig hast? Dann muss ich wohl mal ernsthaft mit Protectus schimpfen.“
Heine lächelte und legte eine Wange an die riesige Drachenschnauze. „Hallo, Opa. Es tut gut, dich noch einmal zu sehen.“
„Du hast gut daran getan, so wie es jetzt geschieht“, sagte der alte Drache mit Wohlwollen in der Stimme.
„Was? Du hast Heine aufgezogen! Du hast ihm das Kämpfen beigebracht! Du hast ihm Pacificus geschenkt! Und jetzt siehst du dabei zu, wie er ins Exil geht?“, ereiferte sich Kensington anklagend.
„Ich habe auch dich aufgezogen!“, rief der Drache erzürnt, und das bedeutete bei einem Feuerspeier der Sonnenlinie immer, dass auch irgendwo etwas in Brand geriet. „Und ich bin sehr dankbar dafür, dass du nicht auch noch von meiner Seite gerissen wirst!“
Erschrocken sah der sechste Earl den gigantischen Drachen an, während Heine hilfreich einen kleinen Schwelbrand auf seiner Uniformjacke löschte.
„Ken, so weh es mir auch tut, aber Heine verhält sich richtig. Auf St. Ives sind neun Drachen getötet worden. Egal ob er den Befehl dazu gegeben hat oder ob er es einfach zugelassen hat, es ändert nichts. Der Palast des Himmels hätte uns längst den Krieg erklärt, wenn Hanse deinen Bruder nicht verurteilt hätte! Die Folge wäre ein Krieg gewesen! Ein Krieg, der uns etliche Systeme kosten würde! Systeme auf denen Menschen und Drachen leben, die fortan unter der Herrschaft eines Drachen leben müssen!“ Der alte Sonnendrache schüttelte sich schaudernd. „Ich halte nichts davon, dass Menschen die Drachen beherrschen. Ich halte aber auch nichts davon dass die Drachen Menschen beherrschen. In beidem steckt Übel, in beidem wohnt der Funke zum Untergang. Wir dürfen ihnen keinen Vorwand in die Hand geben, noch mehr Drachen zu vereinnahmen, noch mehr Menschen zu unterdrücken. Wir können sie nur so leben lassen wie sie es wollen und hoffen das wir leben können wie wir es wollen.“
„Und darum muss Heine fliehen? Seine Heimat verlassen?“, fragte Kensington deprimiert.
„Einer muss das Opfer sein. Vielleicht, eines Tages, wenn Ian Davions Hochzeit mit seiner Kurita-Lady Konstance Früchte trägt... Vielleicht, eines Tages... Können wir daran denken, die Föderation Capella und dem Sohn des Himmels Widerstand zu leisten, weil auf Kombinatsseite Friede herrscht. Aber bis dahin heißt es, einen schlafenden Riesen nicht zu wecken.“
Kensington ließ deprimiert den Kopf hängen. Ihm war sehr wohl bekannt, welche Macht und welche Schlagkraft die Föderation Capella aufbringen konnte. Vor allem, solange die Liga Freie Drachenwelten in sich selbst zerschlagen und zersplittert war, hatten sie die Macht, ein paar Dutzend Welten der Mark Capella zu erobern und zu halten. Dies hatten sie schon einmal vor vierzig Jahren getan, im großen Drachennachfolgekrieg, in dem der neue Sohn des Himmels damit bestimmt wurde, welcher Aspirant mehr Welten der Vereinigten Sonnen erobern konnte. Für ihre vollkommen unvorbereiteten Truppen war es ein Massaker gewesen, und die siebzehn Welten in Capella-Hand waren nun eine Generation lang indoktriniert und auf die Drachenregentschaft eingeschworen worden. Manche Politiker stellten ernsthaft den Sinn einer Rückeroberung in Frage, um die Probleme im Innern der VS nicht noch zu verschärfen. Mit einer Kobra wie Capella am Hals mussten sie zurückstecken, wollten sie nicht den All Out-Krieg riskieren, mit dem Schicksal beider Länder auf des Messers Schneide. Aber das war nicht ihre Politik. Das war nicht der Konsens des Unvollendeten Buchs, ihrer Staatsphilosophie. In den Vereinigten Sonnen sollten alle Denkweisen, alle Glaubensrichtungen und alle Philosophien gleich berechtigt existieren können und im Buch zusammengefasst worden sein. Da man auch neuen Ideen den Zugang zur VS gestatten wollte, galt es als unvollendet.
All dies aber stand zwei starken Philosophien gegenüber, der Drachenmonogamie Capellas und der Drachenbürokratie des Kombinats.
„Jedenfalls verbringst du diese Nacht in deinem Zuhause“, bestimmte Apollon energisch, „und keine Widerrede. Ob du nun in sechs oder in sieben Tagen, oder meinetwegen in acht die Terraner erreichst, darauf kommt es auch nicht mehr an. Und morgen werden wir uns über deine Zukunft unterhalten.“
Kensington war immer noch verbittert, aber immerhin hellte der Gedanke, etwas für seinen Bruder tun zu können, seine Stimmung erheblich auf. „Hast du Pacificus mitgebracht?“
„Er ist im Innenhof und versucht den Geschmack vom Pemmikan los zu werden. Ich hatte vorgehabt ihn auf Towne zu lassen“, gestand Heine, „aber er besteht darauf mich zu begleiten.“
„Da wird er sicher nicht der einzige sein. Du hast doch sicherlich Soryu und Schnitter mitgebracht“, stellte Apollon fest. „Alles andere würde mich doch sehr verwundern.“
„Noch zwei Dummköpfe, die mich unbedingt begleiten wollen. Dabei weiß ich selbst nicht einmal was ich in Zukunft tun will.“
„Vielleicht kann ich da etwas... Licht in das Dunkel deiner Gedanken bringen“, grollte eine Stimme wie ein fernes Beben.
Heine wirbelte herum und erstarrte. Ein riesiger Drache schob sich durch das Westtor. Seine Haut war pechschwarz, und die drei Halsstachel waren perfekt symmetrisch als Achsen eines gleichschenkligen Dreiecks mit der Spitze gen Boden geformt. Seine Krallen steckten in Juwelenverzierten Überschuhen, in denen, wie Heine wusste, Datenterminals integriert waren, und seine feuerroten Augen leuchteten wie Rubine. Wenn sich dieser Drache aufrichtete, schaffte er es, mit seinem Kopf die dreißig Meter hohe Kuppel zu berühren. Der gigantische Atlas-Drache war von einer Handvoll eindrucksvoller Narben bedeckt, aber es waren immer noch viel weniger als man nach zweihundertsiebzig Jahren Militärdienst vermutet hätte. Dieser Drache hatte mit siebenundsechzig Metern die höchste Spannweite, die ein solches Wesen haben konnte. Selbst in seiner Rasse, den Atlas-Drachen, galt er als Gigant.
„Protectus“, hauchte Heine erschrocken und verneigte sich hastig.
Auch Apollon und Kensington senkten ehrerbietig die Häupter, als der Erste Berater des Ersten Prinzen die Halle betrat.
„Welche Ehre. Ich...“
„Oh, ob es wirklich eine Ehre sein wird, sei dahin gestellt. Aber es gibt einiges worüber wir reden müssen, junger Heine Rosenstark. Rufe deine Freunde zusammen. Wir werden heute Abend gemeinsam speisen.“
Wieder verneigte sich Heine vor dem alten, weisen Drachen. „Ich bin sehr gespannt darauf, Sir.“
„Oh, das bin ich auch, junger Rosenstark. Das bin ich auch“, brummte Protectus amüsiert.
***
„Ab heute heißen wir Schmidt“, murmelte Heine mit einem grinsen vor sich hin, während die NORTHWIND der Planetenoberfläche von Galatea entgegen fiel.
„Gibt es was am Namen Schmidt auszusetzen?“, giftete Soryu von seinem Sitzplatz neben ihm. „Wenigstens heißt du nicht Takahara!“
„Du hättest auch Honda, Chun oder Meyer heißen können. Du selbst hast dir Takahara ausgesucht“, tadelte Heine mit übertrieben ernster Miene.
„Ja, weil meine Großmutter eine Takahara war. Und weil Takeru gedacht hat, ich gehe eher als Kombinatler denn als VerCommie durch.“ Soryu schnaubte frustriert. „Taugt sowieso nicht als Tarnung, diese Sache mit den neuen Nachnamen. Sie werden uns schneller erkennen als uns lieb ist, und dann geht der Ärger nämlich los, sage ich dir.“
„Ruhig Blut, wir haben einen der stärksten Bodyguards der Inneren Sphäre bei uns. Und Galatea City ist auf Drachen mehr als gut ausgelegt.“
„Ja, wenn er endlich aufhört zu kotzen“, giftete der Sandoval-Spross. „Die letzte Tonne Pemmikan muss selbst für einen Drachen schlecht gewesen sein. Pacificus kotzt bereits das Pemmikan von letzter Woche hinterher. Wir können froh sein, dass er Schallwellen speit, und keine Säure. Sonst hätten wir echt ein Problem.“
„Ich habe mit dem Kapitän gesprochen. Er kann sich nicht erklären, was an dem Pemmikan so schlecht sein soll. Sein eigener Drache Lydia schwört darauf. Und ein wenig Haggis hat noch niemandem geschadet.“
„Im Pemmikan war Haggis? Heine, du hast Pacificus tatsächlich Schafsdärme fressen lassen?“ In purem Unverständnis schüttelte Soryu den Kopf. „Innereien für einen Griffin? Kein Wunder dass er kotzt. Das muss für ihn ein vollkommen neues Erlebnis sein.“
„Vor allem ein Geschmackserlebnis“, pflichtete Heine bei. „Ich finde, er zickt zu sehr mit seinem Fressen. Er muss sich nun mal dran gewöhnen, dass wir nun ein wenig knapp bei Kasse sind. Da kann es nicht jeden Tag gebratenes Naturzuchtfleisch geben. Da muss es schon mal ein Stück aus der Proteinzucht sein, oder sogar auf einem Planeten Pemmikan.“
„Ich glaube, es reicht ihm, wenn kein Haggis mehr im Pemmikan ist“, murmelte Soryu nachdenklich. „Also, was machen wir da unten zuerst? Pacificus den Magen ausspülen, oder uns um eine Bleibe kümmern? Ich kann dir auf Anhieb drei, vier gute Drachenställe nennen, die in der Nähe des Raumhafens liegen, wo wir es ein paar Monate aushalten können.“
Heine schüttelte den Kopf. „Ich bin hierher gekommen, um mit meinem bescheidenen Vermögen im Exil zu leben. Ich denke, wir werden uns um ein Landhaus bemühen, vielleicht mit eigener Viehzucht. Das Hotel kann nur eine Interimslösung für ein paar Tage sein.“
„Und das ist dann der Lauf der Dinge? Willst du Rinderzüchter und Farmer werden?“ Soryu grinste gemein. „Das passt nicht zu dir, Heine.“
„Ich denke mal, ich werde erstmal den Trubel aussitzen, den unsere Ankunft mit sich bringen wird, sobald sie in Heine Schmidt Heine Rosenstark wieder erkennen. Und danach werde ich Farmer und Rancher.“
„Natürlich“, spottete Soryu.
„Natürlich“, erwiderte Heine.

Ihre Ankunft verlief relativ unspektakulär, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass auf dem Raumhafen einer berühmten Freihandelswelt wie Galatea grundsätzlich aufregenderes geschah als die Entladung eines Schweren und eines Mittelschweren Drachen. Diese Welt war unter anderem auch für seine Söldnervermittlung berühmt, weshalb Heine in den zweifelhaften Genuss kam dabei zu zu sehen, wie die Dragon Highlander von Northwind ein komplettes gemischtes Bataillon an Truppen und Drachen entluden. Deutlich dominierten zwei Warhammer-Drachen mit schätzungsweise fünfunddreißig Metern Flügelspannweite das Geschehen. Ihre grüngelben Schuppenkleider leuchteten bis zu ihnen herüber, während sie stolz zum Klang des Marschdudelsacks ihre Köpfe hoben.
„Au! Seid doch vorsichtig“, klang die klagende Stimme von Pacificus auf. Er wurde gerade entladen, und das bedeutete, dass sein Leib nach und nach aus der Halbstarre erwachte, die ein interstellarer Transport benötigte, um einen Drachen fliegen zu können. Man stelle sich vor, ein Drache von fünfundsiebzig Tonnen würde während eines Landemanövers frei durch den Drachentransporter wandern. Das Ergebnis wäre eine Katastrophe gewesen.
Zuerst wurde das Gestell heraus gefahren, auf dem sich Pacificus eingerollt hatte. Danach löste das Personal der NORTHWIND die Gurte und Ketten. Der große Griffin richtete sich gemächlich auf und sortierte seine Gliedmaßen. Die meisten Drachen verbrachten einen solchen Transport dösend oder gar im Tiefschlaf und wachten nur selten auf um konzentrierte Drachennahrung, das Pemmikan, zu sich zu nehmen. Pacificus nutzte den Großteil jedes Fluges entweder zum exzessiven Fernsehen oder für private Studien, weshalb er nun reichlich übermüdet und körperlich extrem empfindlich war. Außerdem liebte er Aufmerksamkeit über alles, weshalb er nicht umhin konnte, den Techs hilfreiche Tipps zu geben, um ihn optimal zu befreien, begleitet von Wehklagen und leisen Schmerzenslauten, sobald sie ihn ignorierten.
Schließlich und endlich aber war er frei, und die Beinmuskeln gehorchten ihm gut genug, dass er ein paar Schritte machen konnte.
Nach ihm war Schnitter an der Reihe. Der Colt-Drache aus der New Avalon-Linie schwatzte noch während er aus dem Hangar gefahren wurde mit den anderen drei Drachen auf dem Ladedeck.
Als die Verlademannschaft an den Gurten des Dreißigtonners zu arbeiten begann, brauchte es etliche Ermahnungen still zu halten, bis der Colt seine vorzeitigen Aufstehversuche sein ließ. Stattdessen begann Schnitter mit allem was in Reichweite war ein Pläuschchen zu beginnen – egal ob sein Gegenüber wollte oder nicht.
Pacificus zog sich wie immer galant aus der Affäre und stöhnte und ächzte zum Herzerweichen, um der Hyperaktivität des frisch erwachten Colts zu entkommen. Die Verladetechs hatten weniger Glück, aber wenigstens hatte der ChefTech ein Einsehen und pflegte eine belanglose Konversation mit ihm.
„Und dieses Pemmikan, das wir zuletzt bekommen haben, das wird auf Northwind hergestellt? Wie heißt der Lieferant? Ich fand vor allem die nussige Note so angenehm. Ist mal was anderes als der Davy-Brei.“
Pacificus lachte wiehernd bei diesen Worten. Seiner Meinung nach war Schnitter, was Nahrung anging, erschreckend wahllos. Er fraß alles was man ihm vor die Schnauze setzte. Der hochkonzentrierte, sättigende Mixbrei aus Fleisch und Gemüse, der Drachen während einer Raumreise vorgesetzt wurde, fand vor seiner Schnauze ebenso wenig Erbarmen wie ein halbes Rind, oder wenn es sein musste ein lebendes Schaf. Dementsprechend konnte sich der Griffin nicht vorstellen, dass Schnitter die Kritik am Vereinigte Sonnen-Pemmikan ernst gemeint hatte.
Jedoch ließ ihn der Gedanke an die Tierdärme verstummen und erneut mit seinem Magen kämpfen. Er hatte noch nie Gedärme gegessen, geschweige denn selbst gejagt. Er war Soldat, und kein Rasenmäher.

Cornwallis kam zu ihnen herüber, der Lademeister des Drachentransporters. „Herr Schmidt, Sie müssen noch mit Herrn Takahara und den beiden Babys durch die Registratur!“
„Sie meinen durch den Zoll.“
Für einen Moment sah der alte Schotte den VerCommie verblüfft an. Dann begann er schallend zu lachen. „Zoll? Zoll auf Galatea? Junger Mann, dies hier ist eine Freihandelswelt! Mit unserer Landegebühr ist bereits alles abgegolten. Was Sie danach auf dieser Welt anstellen ist einzig und allein Ihre Sache. Lediglich die Drachen müssen registriert und vermessen werden.“
„Ich dachte, es würde zumindest ein Einfuhrzoll erhoben werden. Wie finanziert sich der Staat überhaupt?“
„Welcher Staat?“ Der alte Mann schien sich köstlich zu amüsieren. „Die Polizei kommt zu Ihnen wenn Sie sie bezahlen, der Raumhafen lässt Sie landen, wenn Sie bezahlen, und die Händler verkaufen Ihnen etwas, wenn Sie bezahlen. Quitt pro quo. Mehr Organisation braucht Galatea nicht.“
„Und so ein Gebilde funktioniert?“, fragte Soryu argwöhnisch. „Wie wird die Verwaltung bezahlt? Wie der Straßenbau? Wie... soll das überhaupt möglich sein?“
„Oh, soweit ich weiß gibt es Dinge wie Komitees, Bürgermeister und dergleichen. Es wird auch eine Mehrwertsteuer erhoben, und die Hauptaufgabe der Polizei ist es darauf zu achten, das sie auch abgeführt wird. Aber Sie könnten hier eine komplette Gefechtskampagne abhalten, solange Sie Privatgelände meiden und keine Schäden in den Städten anrichten. Galatea ist hart im nehmen. Nicht umsonst nennt man diese Welt auch Drachennest und Söldnerstern. Bei dem ganzen Ärger, den so viele aufeinander gepresste Ideologien und Nationen mit sich bringen, zusammen mit ehrlosen Deserteuren, abenteuerlustigen Draufgängern und einem Haufen Piraten hätte die Polizei sonst auch viel zu tun. Aber sie zwei werden es erleben.“ Cornwallis winkte einen grün uniformierten Mann heran. „Wu, hier sind die beiden Passagiere, die Sie suchen! Sie sind Begleiter des Colt und des Griffin.“
„Ah, danke, Stuart.“ Der Mann mittleren Alters trat näher und musterte die beiden. „Name?“
„Heine Schmidt und Soryu Takahara.“
Misstrauisch fixierte er die beiden Männer. „Name und Rasse der Drachen?“
„Pacificus, Griffin-Drache, aus der New Avalon-Linie und Schnitter, Colt-Drache aus der New Avalon-Linie.“
„Sind beide Drachen männlich? Wenn nein, haben sie schon mal gelegt? Wenn ja, haben sie schon mal einen weiblichen Drachen befruchtet?“
„Sagen Sie mal, was sind das denn für Fragen? Wen geht das denn an?“, brauste Soryu auf.
„Für die Statistik. Wir markieren alle gebärfähigen und zeugungsfähigen Drachen, weil sie wertvoller als ihre jungen Artgenossen sind. Drachen sind hier so ziemlich das einzige was heilig ist, und Ärger mit Drachen fällt auf die ganze Welt zurück. Deshalb schauen wir uns die Problemfälle von vorne herein an.“
„Beide Drachen sind männlich. Sie haben noch keinen weiblichen Drachen befruchtet“, sagte Heine sachlich und versuchte mit einer versteckten Geste, den jungen Soryu zu beruhigen. „Sagen Sie, wie hoch ist die Einfuhrgebühr für die beiden Drachen?“
„Einfuhrgebühr? Diese Welt lebt davon, dass Dragonclans ihre Kriegstalente für Geld verleihen. Glauben Sie wirklich wir treiben die Drachenreiter freiwillig auf Welten wie Outreach oder Tamar und machen uns unser eigenes Geschäft kaputt?“ In Unverstand schüttelte der Beamte den Kopf.
„Sind beide Drachen flugfähig, oder muss ein Drachentransporter gerufen werden? Wir würden in dem Fall eine geringe Gebühr berechnen.“
„Beide Drachen sind flugfähig, aber wir benötigen einen Transporter für unsere Ausrüstung.“
„Welchen Umfang hat ihre Ausrüstung, Herr Rosen... Ich meine Herr Schmidt?“
„Zwei Standardcontainer mit Drachenrüstungen und privaten Gegenständen.“
„Ich werde das Nötige veranlassen. Ihre Drachen müssen das rot lackierte Gebäude aufsuchen, um vermessen zu werden. Danach können sie und ihre Drachen sich frei in Galatea City bewegen oder auch die Stadt verlassen. Im Register-Center gibt es übrigens ein Stadtverzeichnis mit verschiedenen Drachenställen in der Stadt. Wenn sie sich für einen entscheiden, bringen wir die Container direkt dort hin. Damit erlischt unsere Garantiepflicht, und sie sind für ihr Eigentum wieder selbst verantwortlich.“
„Wir haben verstanden und bedanken uns.“ Heine gab dem Mann die Hand und deutete mit dem linken Zeigefinger ein Schweigen an.
„Natürlich erfährt niemand von mir, dass der Schwarze Drachentöter heute gelandet ist“, versicherte der Beamte.
Heine seufzte und zog zusätzlich zu den Scheinen, die er dem anderen beim Händedruck in die Hand gegeben hatte, einen weiteren zusammengefalteten Schein hervor. Er lautete auf eintausend TraNotes, was etwas zweihundert Steiner-Mark entsprach.
„TraNotes. Sehr schön. Harte Währung mit konstantem Wert“, sagte der Beamte erfreut und steckte die Scheine lose in die Tasche. „Und jetzt sollten sei weiterkommen, meine unbekannten Gentlemen. Ich leite den Rest in die Wege. Ach, und eines noch, das Georg dürfte für sie sehr passend sein. Es wird von einem Lyraner betrieben und hat sieben Tra-Sterne. Falls sie sich solchen Luxus leisten können. Die Drachenhöhlen sind jedenfalls sehr komfortabel.“
„Danke für den Hinweis“, erwiderte Heine und nickte dem Mann zu.

Mittlerweile waren den beiden Drachen leichte Reitgeschirre angelegt worden, gerade genug um einem ungepanzerten Reiter Platz zu bieten, und in jedem Fall ausreichend, um den knappen Kilometer bis zur Drachenregistratur sicher zurück zu legen.
„Wir müssen noch durch die Registratur, mein Großer“, sagte Heine, klopfte Pacificus auf den langen, schlanken Hals und ergriff die Strickleiter. Normalerweise war sein Cockpit erheblich tiefer montiert, zwischen Hals und Körper. Mit dem leichten Geschirr aber musste er sich auf dem Nacken festschnallen. Eine exponierte Position, nicht für ein Gefecht geeignet.
Nach dem Go der Verladetruppe breitete Pacificus seine Schwingen aus. Er sah zum kleineren Colt herüber. „Bereit, Kleiner?“
„Willst du ein Rennen? Du kriegst achthundert Meter Vorsprung“, spottete der mittelschwere Drache.
„Sehr witzig“, brummte der Griffin und schwang sich in die Luft. Dabei wandte er eine Technik an, die sich Kreuzschlag nannte, eine spezielle Flügeltechnik, die ihm erlaubte, dreimal so viel Luft zu verdrängen als er aufgrund seiner Flügelfläche eigentlich überhaupt können dürfte. Damit erreichte der Drache Höhe. Später, im Beschleunigungsflug oder im Segelflug gab es wieder eigene Techniken. Ein gut ausgebildeter Drache beherrschte über dreißig Arten um mit seinen Flügeln zu schlagen, und war ein dementsprechend gefährlicher Gegner.
Neben Pacificus schoss der Colt in die Höhe, umtanzte ihn einmal, lachte hämisch und flog dann mit Soryu voraus.
Pacificus atmete tief ein, aber eine mahnend tätschelnde Hand seines Reiters ließ ihn den Gedanken, dem kleineren Drachen eine Salve Ultraschall hinterher zu schicken, wieder aufgeben. „Ich hätte ihn nicht direkt getroffen. Nur ein wenig aus der Flugbahn geworfen“, maulte er.
„Der Klügere gibt nach, das weißt du doch“, mahnte Heine.
„Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist“, beschwerte sich der Griffin und flog dem leichteren Colt hinterher.
***
Nach der Registrierung zogen sie in das George um. Zu diesem Zweck nahmen sie einen Drachentransporter, denn die Luft über Galatea City war erfüllt mit Drachen aller Größen, Arten und Couleur. Uniformierte Drachen, erkennbar an den Unisono-Farben ihrer Aufbauten und der breiten blauschwarzen Gurte, regelten den Luftverkehr und maßregelten allzu eifrige Teilnehmer. Bevor Heine ihre beiden Drachen in diesem Chaos sehen wollte, würde wohl noch etwas Akklimatisierung notwendig sein.
Das George erwies sich tatsächlich als gehobenes Etablissement. Zudem wurden hier keine überflüssigen Fragen gestellt, nachdem Heine sowohl die Drachenställe als auch sein und Soryus Zimmer auf eine Woche im voraus bezahlt hatten.
Beide Drachen bekamen á la Carte zu fressen, was für Schnitter ein lebendes Schwein bedeutete, für Pacificus eine gebratene Ochsenhälfte. Solange sie sich nicht bewegten würden die beiden Drachen gut eine Woche mit diesem Nahrungsschub auskommen.
Soryu und Heine verbrachten nach dem Abendessen ungefähr bis zur Mitternacht Zeit bei ihren Drachen, sahen gemeinsam die Schaukämpfe von Solaris an oder diskutierten über die Politik im Allgemeinen, bis eine erzürnte Drachenlady der Aoba-Linie lautstark nach ihrem Recht auf ungestörten Schlaf verlangte. Daraufhin verabschiedeten sich die beiden Männer von ihren Drachen und gingen in die Lobby.

Wie Heine erwartet hatte, erregten sie einiges an Aufsehen, als sie eintraten. Der neue Spitzname, der ihm gegeben worden war, Schwarzer Drachentöter, musste trotz – oder gerade wegen – seiner kleinen Bestechung am Raumhafen bereits die Runde gemacht haben. Nun, wenigstens erregten sie hier nur Interesse, und nicht wie andernorts offene Ablehnung oder sogar Feindseligkeit. Es gab Orte in der Inneren Sphäre, in denen Drachen noch immer als sakrosant, als unberührbar galten. Er, der für den Tod von neun dieser Intelligenzen auf einem Schlag verantwortlich war, galt dort schon als halber Antichrist. Zum Glück waren die TraStar-Sprungpunktstationen säkulares Gebiet, außerdem neutral. Wenn er das Interesse der Anwesenden an sich und seinem Begleiter bemerkte, wünschte er sich durchaus wieder auf eine Sprungpunktstation und in der Sicherheit der Länderübergreifenden Organisation, die zum Wohle aller Geld- und Warenfluss zwischen den Systemen aufrecht erhielt. Die TraNote war dafür das beste Beispiel. Der Wert einer TraNote, eigentlich nicht mehr als ein Wechsel, war relativ niedrig. Dafür aber war er von jeglicher Inflation nahezu unberührt. Während die Steiner-Mark, der Davion-Dollar, der capellanische Ryu, die Liga-Krone und der Kombinats-Yen in den letzten einhundert Jahren dreitausend Prozent Inflation erlebt hatten, konnte man für eine TraNote noch immer die gleiche Anzahl Waren kaufen wie 2900.
Heine gestattete den Gästen, ihn und Soryu eine Zeitlang zu betrachten, dann suchte er für sich und seinen jungen Schüler einen abseits gelegenen Tisch.

Sofort widmete sich ihnen ein junger Kellner. „Was darf ich bringen?“
„Drachenatem“, sagte Soryu. Er mochte seinen Alkohol ungern stark, aber scharf durfte es ruhig sein. Der Drink, der mit Wasabi und Dracal-Chili angerührt wurde, war scharf. Sehr scharf.
„Ein DCR, Davion-Art.“
Der Kellner nickte. „Und was zum löschen, meine Herren?“
„Das gleiche nochmal“, sagte Heine mit einem dünnen Lächeln und stürzte den Kellner damit in Entsetzen.
„Na Klasse“, murmelte Soryu, ohne seinen Unmut auf seinem Gesicht erscheinen zu lassen, „jetzt fühlt sich der hiesige Barkeeper herausgefordert und macht meinen Drachenatem besonders scharf und deinen DragonClawRipper besonders stark. Und du hast auch noch Davion bestellt. Strohrum und Davion-Bourbon im Verhältnis vier zu eins, vielleicht fünf zu eins ist eine tolle Mischung. Warum hast du nicht gleich einen Strohhalm geordert?“
Heine schmunzelte. „Ich werde mir Zeit lassen, versprochen. Hauptsache, der erste Eindruck, den wir hier hinterlassen, ist gut.“
„Die Soryu und Heine-Show rollt also wieder“, erwiderte der Mark Draconier und nickte einer jungen Frau in einem wirklich eleganten und engen Abendkleid zu, die scheinbar zufällig zu ihm herüber sah.
„Da starrt dich einer an, Heine.“
„Hier starren uns alle an“, erwiderte der ehemalige Generalgouverneur von St. Ives.
„Ja, aber das tun sie nicht mit einem Blick, als hätten sie meine beiden Drachenatem und deine beiden DCR auf ex trinken müssen.“ Soryu zuckte zusammen und griff halb im Reflex in seine Jacke, wo seine Hesperus Colt IV im Schulterholster ruhte. „Er kommt herüber.“
Heine wandte sich so weit um wie er sich selbst zugestand, um es noch wie eine ungewollte Bewegung aussehen zu lassen. Der Bursche, der auf sie zukam, trug eine schwarze Uniform ohne Rangabzeichen. Ein mittelgroßer, athletischer Bursche mit herbem, aber nicht hässlichen Gesicht. Grüne Augen, die irgendwie emotionslos wirkten, und ein raspelkurzer Blondhaarschnitt gaben ihm etwas militärisches. Der Mann roch nach Kommandos. Heine kannte sein Gesicht nicht, aber er konnte in den Zügen des anderen keinerlei Anzeichen für Gefahr erkennen, deshalb unterließ er den Griff zu seinem Sunshreddernadler.
„Entschuldigen sie meine Unhöflichkeit, aber kann es sein, meine Herren, dass ich es hier mit Earl of Towne Heine Rosenstark und Vicomte Soryu Walker zu tun habe?“
„Sie irren sich“, sagte Heine kühl. „Mein Name ist Schmidt, er heißt Takahara.“
„Natürlich“, erwiderte der junge Bursche und ließ sich zu einem durchaus sympathischen Lächeln hinreißen. „Nun ich möchte sie nicht mehr als unnötig belästigen, wenn sie nicht die Herren sind, für die ich sie beide halte.“ Er griff mit Bedacht an seine rechte Brusttasche, vorsichtig darauf konzentriert, keine hektische Bewegung zu machen. Der Mann war bis aufs Mark trainiert. Heine schätzte ihn als Kampfsportgroßmeister oder Fallschirmjäger ein.
Je eine Karte landeten vor Soryu und Heine. „Meine Kontaktinformationen. Falls sie beide zufällig auf diese Welt gekommen sind, um, sagen wir, Arbeitsplätze zu schaffen, dann würde ich mich interessiert zeigen.“
Heine nahm die Karte an sich. Sie enthielt nur einen Namen und eine Kontaktnummer. „Und warum denken Sie, Mr. Ryan, wir könnten an Ihnen interessiert sein?“
„Ich sage nicht, dass Sie an mir interessiert sind, Myl... Herr Schmidt. Ich sage, dass ich an Ihnen interessiert bin. Und wer könnte schon Interesse an einem Drachentöter haben, wenn nicht der Schwarze Drachentöter selbst?“
„Drachentöter?“, raunte Soryu mit Argwohn in der Stimme. „Die korrekte Bezeichnung für Ihren Berufsstand ist Drachenjäger, oder, Mr. Ryan?“
Ein kaltes Lächeln huschte über das Gesicht des jungen Mannes. „Nicht wenn man Drachen nicht nur bekämpft, sondern auch getötet hat.“
Soryu wurde bleich. „Aha. Wie viele Drachen haben Sie denn vom Himmel geholt?“
„Drei, Myl... Herr Takahara.“
„Wie interessant. Heine bringt es auf neun. Guten Tag, Mr. Ryan.“
Die Gesichtsmuskeln des Kommandosoldaten kontraktierten und ließen für einen Moment Ärger auf seinem Gesicht erscheinen. Aber er überwand dieses Gefühl. „Guten Abend noch, meine Herren.“
Als er sich zum gehen wandte, fragte Heine: „Was für eine Waffe bevorzugen Sie, Mr. Ryan?“
„Ich nehme einen Langbogen. Pfeile mit Magnesiumbrandladung. Ich suche mir die Schwachstellen einer Drachenrüstung aus.“
„Arbeiten Sie alleine?“
„Ich bleibe regelmäßig übrig, falls Sie das meinen. Und ja, ich arbeite gerne alleine.“
„Hm.“ Heine drehte die Karte in seinen Händen hin und her. „Sie müssen nahe heran, um einem Drachen mit einem Bogen gefährlich zu werden, nicht?“
„Ich beherrsche auch das Tokarev-Scharfschützengewehr. Ich bin auf alle Distanzen gut.“
„Sie leben noch. Also müssen Sie es sein.“ Heine warf die Karte zurück. „Einen Drachentöter brauchen wir nicht. Aber ein Bodyguard wäre nicht schlecht. Melden Sie sich morgen früh im Zimmer, das ich Ihnen auf der Karte notiert habe. Punkt neun Uhr. Wenn Sie Interesse haben.“
Der Mann steckte die Karte fort und bemühte sich, nicht zu erfreut auszusehen. Es gelang ihm nicht ganz. „Natürlich Myl... Herr Schmidt.“ Mit diesen Worten wandte er sich ab.
„So, so. Wir brauchen also einen Bodyguard. Was werden unsere Drachen sagen, wenn wir mit einem Drachentöter zu ihnen kommen?“
„Entweder werden sie ihn fressen, oder sie werden ihn lieben. In jedem Fall haben wir unseren Spaß“, erwiderte Heine.
„So wie ich, wenn du das da getrunken hast“, meinte Soryu hämisch mit einem Blick auf den näher kommenden Kellner und die vier Gläser auf seinem Tablett.

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Das Landungsschiff landete unbehelligt auf Galatea. Es gehörte nicht zu den größten Landungsschiffen, war aber groß genug, um den Drachen und seinen Passagier sicher von New Avalon nach Galatea zu bringen.
Robert Hammer blickte an sich herunter und lächelte schwach. Obwohl die Dragon Shadows aufgelöst worden waren, trug er noch immer und mit Stolz die Uniform dieser ehemaligen Sonderabteilung des DMI. Das schwarz-blau-graue Camouflagemuster hatte ein ungewöhnliches Muster, aber die Dragon Shadows waren ja auch eine ungewöhnliche Einheit gewesen.
100 Jahre waren vergangen, seit eine Gruppe von 6 Agenten des MI6 in die Liga der Freien Drachenwelten aufgebrochen war, um einige Eier der Wraith-Drachen zu stehlen. Diese Drachen waren für ihre Schnelligkeit und Tarnfähigkeit bekannt und der MI6 wollte eben genau diese Fähigkeit für sich nutzen. Vier Eier hatte man mitnehmen können und nach New Avalon gebracht. Als die vier Wraith-Drachen ausschlüpften wurden sie sofort in das soziale Gefüge der auf New Avalon lebenden Drachen eingefügt und passten sich schnell an. Sie wurden zu Wraith-Drachen ausgebildet aber nie, wie das in der Liga Freier Drachenwelten üblich war, für den regulären Kampf bzw. die Aufklärung eingesetzt. Stattdessen wurden sie zu Kommandosoldaten ausgebildet, die dafür sorgen sollten, dass ihre menschlichen Reiter in feindliche Kommandobasen eindringen und die ranghohen Offiziere ausschalten konnten. Diese Aktionen waren so erfolgreich, dass man überlegte, das Shadow-Programm zu erweitern. Bevor man diese Idee allerdings umsetzen konnte, kam es zwischen dem Leiter der Dragon Shadows, Major General Kenneth St. Claire, und dem Direktor des DMI, Field Marshal Roger Barren, zu einem Streit darüber, ob die Dragon Shadows weiterhin dem DMI unterstellt oder unabhängig sein sollten. St. Claire verlor diesen Streit und die Dragon Shadows wurden daraufhin aufgelöst - offiziell sprach man von finanziellen Schwierigkeit aufgrund von Budgetkürzungen. Die Analytiker der Abteilung wurden in die anderen Bereiche des DMI verteilt, während die Feldagenten - speziell die, die eine Partnerschaft mit einem Wraith-Drachen eingegangen waren - vor die Wahl gestellt wurden. Entweder konnten sie sich den regulären Streitkräften anschließen oder aber sie wurden fristlos entlassen und müssten sich eine andere Anstellung suchen. Robert Hammer war einer der Feldagenten, der sich für die Kündigung entschied. Sein Partnerdrache Nova entschied sich dafür, seinem Partner zu folgen, sodass die beiden eigentlich als Söldner auf Outreach gelandet wären - wenn ihnen nicht ein weißhaariger älterer Herr über den Weg gelaufen wäre, der ihnen einen speziellen Job anbot: Einen Posten als Feldagent beim MIIO.
Hammers erster Auftrag war eigentlich ziemlich einfach. Er sollte sich einem Mann namens Heine Schmidt anschließen, der sich zurzeit auf Galatea aufhalten sollte. Hammer wusste nicht, warum dieser Schmidt für das MIIO so wichtig war, aber er hatte seinem neuen Vorgesetzten keine Frage gestellt, sondern einfach eine Passage nach Galatea gebucht und sich dann auf den Weg gemacht - Nova selbstverständlich immer dabei.

"Erklär mir bitte noch einmal, was wir machen sollen, Robert." erklang es hinter dem jungen Drachenkrieger. Hammer drehte sich zu dem schlanken dunklen Drachen um und strich ihm über die langgezogene Schnauze. "Wir sollen einen Mann namens Heine Schmidt begleiten und nach Möglichkeit beschützen, Nova."
Der junge Wraith schnaubte leise, was eine leichte Erschütterung des Hangarraums, in dem sie sich befanden zur Folge hatte und das Gestell, in dem er festgeschnallt war zum Wackeln brachte. Er gehörte zu den kleinsten Drachen, war gerade mal 10 m lang und hatte nur eine Flügelspannweite von 17 m. Aber gerade diese geringe Größe und Flügelspannweite war sein Vorteil, denn so war der Luftwiderstand bei seinen Flügen sehr viel geringer und er konnte so eine höhere Geschwindigkeit als die meisten Drachen entwickeln. Dies war nützlich, um feindliche Linien schnell zu überqueren und seinen Reiter bzw. die Person, die er gerade trug bei der feindlichen Kommandobasis abzuwerfen - oder aber, um einen anderen Drachen anzugreifen, wobei auch hier wieder Drache und Reiter eine Einheit bilden mussten, da ein Wraith nicht für einen Kampf ausgelegt war. Hammer und Nova bildeten in dieser Hinsicht eines der besten Wraith-Kriegerteams der Vereinigten Sonnen. Hammer wusste nicht, ob die Liga Freier Drachenwelten ebenfalls ihre Wraith-Drachen für diese Art des Kampfes benutzte, aber vielleicht würde er es irgendwann einmal herausfinden - sollte er jemals gegen die Liga kämpfen müssen.

Die Luken des Schiffes öffneten sich und Hammer rückte sein Schwert, das er auf dem Rücken trug, zurecht. Nova wurde langsam heruntergelassen und Hammer half dabei, das Gestell von seinem Reittier zu lösen. Dann machte der Drache ein paar zögerliche Schritte nach vorne und schloss halb die Augen, als er vom Sonnenlicht von Galatea getroffen wurde. "Hell.", war sein einziger Kommentar dazu. Hammer musste grinsen und führte seinen Partner endgültig aus dem Landungsschiff heraus. Die Formalitäten hatten sie bereits abgearbeitet und der Drache erhob sich kurze Zeit später in die Lüfte. Da er aufgrund des Gewichts keinen Sattel tragen konnte hatte Hammer an seiner Kleidung spezielle Punkte, mit denen er sich am Drachen festhalten konnte - auch auf dessen Rücken. Nova war überglücklich, wieder selbst in der Luft sein zu können und schlug einen Salto nach dem anderen, gefolgt von mehreren Rollen. Dabei musste man sich vorstellen, dass dieser Drache mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit durch den Himmel raste. Hammer, der an diese Spielereien und Geschwindigkeiten gewöhnt war, hielt sich einfach nur fest, bis sein verspielter Partner endlich zur Ruhe kam und in einen Gleitflug überging und sich nur mit gelegentlichen Flügelschlägen in der Luft hielt. "Und wo wollen wir jetzt hin, Robert?"
"Ich denke, wir suchen uns eine nette Bleibe. Mal sehen, ob wir hier nicht jemanden finden, der uns ein gutes Hotel mit Drachenstall empfehlen kann."
Nova warf seinen Kopf zur Seite und ließ sein zähnestarrendes Maul sehen. "Wie wär es mit diesen netten Drachen dort drüben? Die tragen so schicke Uniformen."
Hammer blickte in dieselbe Richtung wie sein Partner. Die Drachen, die Nova meinte, befanden sich ein Stück unter ihnen und befanden sich gerade mit einem anderen Drachen in Gespräch. Hammer blickte seinem Partner in eines seiner Augen, dann grinsten sie beide. "Dann los!"
Nova ließ ein Lachen hören, schoss kurz in die Höhe, dann ging er wieder in den Gleitflug über. Er achtete darauf, dass er sich direkt über einem der beiden uniformierten Drachen befand, dann meinte er. "Absprung!"
Hammer löste sich von seinem Partner und ließ sich fallen. Er schoss durch die Luft, an einigen anderen Drachen und mechanischen Fluggeräten vorbei, dann breitete er die Arme aus, um seinen Flug abzubremsen. Er drehte sich ein Stück, um auf den Füßen zu landen, dann landete er auf dem Drachen und hörte ein lautes "Uff", gefolgt von heftigem Knurren. Ein großer Kopf drehte sich zu ihm um und er grinste breit. "Hallo auch. Alles senkrecht?"
Nova tauchte direkt neben ihm auf, um ihn auffangen zu können, für den Fall, dass der uniformierte Drache auf den Gedanken kommen könnte, seinen ungebetenen Fahrgast abschütteln zu wollen. Der größere Drache schien allerdings nicht daran interessiert zu sein, irgendjemanden abzuschütteln. "Wer seid ihr und was wollt ihr?"
Hammer grinste immer noch. "Wir sind zwei Reisende, die gerade frisch auf Galatea angekommen sind und eine nette Bleibe suchen."
Der größere Drache sah seinen Kollegen an, der inzwischen näher gekommen war, dann wandte er sich wieder Hammer zu. "Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst!"
Sein Kollege schien das Ganze aus einer anderen Warte zu betrachten. "Wie konnten Sie überhaupt auf meinem Kollegen landen? Ihr Partner scheint schließlich nicht ruhig neben ihm gewartet zu haben."
Hammer nickte fröhlich. "Ich bin abgesprungen und gelandet. Ganz einfach."
Die beiden uniformierten Drachen blickten sich wieder an, dann meinte der passagierlose Drache. "Also schön. Gehen wir mal davon aus, dass Sie die Wahrheit sagen - warum sollten wir beide Sie nicht einfach verhaften?"
Hammer erkannte, dass er es mit Polizisten zu tun hatte und verlor sofort sein Grinsen. "Verzeihung, ich hatte Ihre Uniformen nicht erkannt. Wie gesagt, wir sind nicht von hier."
Der Drache, auf dem Hammer sich befand, schüttelte kurz seinen großen Kopf, dann meinte er. "Also schön, ich denke, wir werden euch diesen Streich noch einmal durchgehen lassen, solange ihr solche Aktionen in der Zukunft unterlasst."
Hammer nickte vorsichtig und der Drache wies in Richtung Westen. "Ihr müsst zunächst zur Drachenregistratur, falls ihr das nicht schon erledigt habt. Und dann würde ich euch das George empfehlen. Eines der besseren Hotels in der Gegend und die Versorgung für die Drachen ist dort auch sehr gut."
Hammer bedankte sich höflich, stieg auf Nova um und ließ diesen wieder in die Höhe steigen. Und die ganze Zeit war der junge Drachen am Lachen. "Einen Polizisten angesprungen, hahahahahaha."
Hammer machte ein wütendes Gesicht, ohne seinem Partner wirklich böse zu sein. "Hauptsache du hattest deinen Spaß. Na los, lass uns zur Drachenregistratur fliegen, damit wir dich im Hotel unterbringen können."

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A rose by any other name is still a rose

Ein Narr ist eine gefährliche Waffe im Haus der Vernunft

Tu as dèjá le baton fleurdelisé dans ta giberne

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Da waren sie also, auf Galatea. Das erste mal seit zwanzig Jahren auf dem Söldnerstern. Tostan saß in einer kleinen Kneipe welche sich nicht so sehr von den Peripherie-Kneipen unterschied in denen er sich die letzten zwanzig Jahre herumgetrieben hatte. Seit zwanzig Jahren wieder auf Arbeitssuche und im wesentlichen ohne passendes Equipment. Er hatte zwar eine Drachenrüstung für Garm, aber viel mehr als eine Rüstung war es auch nicht. Und ohne Waffen war sie nunmal wenig wert. Wenigstens sah es finanziell glänzend aus, sie brauchten nicht dringend in der nächsten Zeit einen Job. Und in der Zwischenzeit konnte man daran gehen, die Ausrüstung zu vervollständigen. Deshalb saß er nun auch in dieser heruntergekommenen Kneipe. Nach einigem Suchen hatte er Kontakt zu Joe Winter bekommen, welcher scheinbar interessante Sachen zu günstigen Preisen abzugeben hatte.
Er schaute in die Runde. Etwa zehn Gäste waren es zu dieser recht frühen Abendstunde, die meisten dem aussehen nach Söldner oder artverwandte Berufe. Über der Bar liefen Solaris-Kämpfe, und es wurde kräftig gewettet.

Tostan grinste ... Galatea hatte sich seit seinem letzten Besuch nicht verändert. Die Kundschaft in diesen Kneipen war immer noch dieselbe, die Barkeeper immer noch die bestinformiertesten des Universums, solange man seine Fragen mit entsprechenden Argumenten untermauerte. Und wie auf nur wenigen anderen Planeten war ihnen die Form der Argumente völlig egal, sie akzeptierten Tra-Noten genauso wie jede Hauswährung. Und der Schwarzmarkt florierte ebenso wie eh und je. Übermorgen würde er sehen, ob dieser Joe Winter auch halten konnte, was er soeben versprochen hatte.

Noch ein, zwei ruhige Bierchen und dann sollte seine Tochter so langsam von ihrem Einkaufsbummel zurückkommen, so dass sie ins George zurückkehren könnten. Aber erstmal waren andere Geschäfte an der Tagesordnung. Tostan erhob sich und ging in Richtung der Toiletten. Die Schalldämmung dieser Kneipe war wirklich hervorragend. Sobald die Tür zum Barraum geschlossen war, herrschte Ruhe. Tostan grinste ... wem war wohl daran gelegen, hier in irgendwelchen Hinterzimmern ungestört sein zu wollen?

Fünf Minuten später öffnete er die diese Tür wieder, aber die Situation hatte sich gründlich geändert. Knapp hundert Kilo Mann kamen auf ihn zugeflogen, auf die Reise geschickt durch den Kick eines leicht asiatisch aussehenden jungen Kerls. Platz zum Ausweichen blieb nicht, so schickte Tostan den Kerl mit einem Schulterstoß zurück zu seiner Party, denn die wollte er ja offensichtlich nicht auf diese Weise verlassen. Eine Handvoll Männer gegen einen einzelnen, nicht gerade die zivilisierte Art, aber was ging's ihn an, er versuchte an den Streitenden vorbei in eine ruhige Ecke zu kommen. Dummerweise hatte der Kerl, dem er vorhin geholfen hatte, zu seinem Gegner zurückzukehren, etwas dagegen. Er hatte wohl die Hilfestellung missverstanden, sich ein schweres Bierglas gegriffen und versuchte nun mit dieser Argumentationshilfe Tostan seine Meinung näher zu bringen. Mist verfluchter, soviel zum ruhigen Ausklang des Tages.

Zum Glück hatte der Kerl wohl vorher reichlich Mutwasser zu sich genommen, so dass er kein echter Gegner war. Eine angetäuschte Ausweichbewegung und einen Kinnhaken später entschloss er sich dazu auf dem Boden eine Pause einzulegen. Damit war es allerdings noch nicht vorbei, denn seine Freunde waren davon nicht sehr begeistert, und drei der Kerle wandten sich nun Tostan zu. Und sie waren wesentlich nüchterner als der erste Gegner. Tostan hatte plötzlich alle Hände voll zu tun, um nicht allzu viel einstecken zu müssen. Wenigstens bekam der junge Mann so etwas Luft, und die Chancen waren wesentlich ausgeglichener. Die Gegner waren zwar kräftig und keine Neulinge in Sachen Kneipenprügelei, aber scheinbar hatten sie keinerlei echte Nahkampf-Ausbildung, so dass es durchaus kein aussichtsloser Kampf war. Trotzdem wurde es hart, und beide mussten kräftig einstecken, die Gegner gingen allerdings nacheinander zu Boden. Die letzten beiden kamen wohl nach einer realistischen Einschätzung der Lage zum Schluss dass es Zeit war, die Party zu beenden, und verließen fluchtartig die Kneipe.... zumindest versuchten sie es, denn der Türsteher setzte sofort hinterher, vermutlich um die Rechnung zu präsentieren. So war das nunmal in solchen Kneipen. Solange niemand getötet wurde, hielt sich das Personal aus Streitigkeiten heraus und kassierte nur später für den entstandenen Schaden.
Der junge Kerl schaute den Flüchtenden noch hinterher, ob sie es sich nicht doch noch anders überlegen. Tostan griff sich eine nun herrenlose Whisky-Flasche, welche wie durch ein Wunder die Schlägerei überlebt hatte und begann sie zu entkorken. Er musterte den jungen Kerl. Irgendwo hatter er ihn schon mal gesehen .... ja, natürlich, heute morgen in den Drachenställen des George, er war scheinbar der Reiter des Colt-Drachen neben Garm. Er machte da einen vernünftigen Eindruck. Die letzten beiden Gegner verließen gerade den Barraum, nur um dem Türsteher in die Arme zu laufen, als von der anderen Seite jemand krächzte: "Verfluchter Drachentöterfreund".
Ein schneller Blick, da ist doch tatsächlich einer der Kerle aufgewacht und dabei seine Pistole zu ziehen! Da nichts anderes greifbar war, schickte Tostan die Whiskyflasche auf die Reise und den Kerl zurück ins Land der Träume.

"Schade um den Stoff", meinte er und reichte seinem Mitkämpfer die Hand. "Ich bin Tostan, ich glaube, wir haben uns heute morgen im Drachenstall des George schonmal gesehen?"
Der andere schug ein. "Soryu Walker. Du bist der Reiter des Paladin-Drachen neben Schnitter?"
Tostan grinste und zwinkerte mit dem rechten Auge, das linke schwoll langsam zu nach einem Treffer... "Gut möglich, wenn Schnitter der Name des Colt neben Garm ist. Was war das vorhin für ein Gefasel vom Drachentöterfreund? Du bist ein Drachenreiter!"
"Lange Geschichte...", begann Soryu, wurde aber sofort wieder unterbrochen.
"Typisch Vater, sowas nennst du einen ruhigen Abend bei einigen Bierchen. Dabei hast du gestern noch behauptet, Galatea wäre viel zivilisierter als die Peripherie!"
Soryu drehte sich zu der neuen Stimme um. Eine junge Frau hatte die Kneipe betreten und kam auf sie zu, verfolgt von den Blicken der meisten Anwesenden. Was auch kein Wunder war. Fünfundsechzig Kilo verteilen sich ansprechend auf Einmeterfünfundsiebzig Körperhöhe, und den Gesichtszügen nach zu urteilen stammten ihre Vorfahren von allen Kontinenten des alten Terra. "Was kann ich dafür, wenn die anderen noch nichts davon gehört haben?", fragte Tostan und deutete auf seinen Mitkämpfer. "Soryu Walker, er ist der Reiter des Colt neben Gam. - Meine Tochter Svenja."
Svenja wandte sich zu ihm und ergriff die ausgestreckte Hand. "Sie gehören also zu Schnitter? Ein sehr netter Drache, ich habe mich heute mit ihm und Garm unterhalten."
Der Barkeeper hatte mittlerweile den Schaden an der Einrichtung von den bewusstlosen Gegnern eingesammelt und kam auf sie zu. "Es bleiben noch fünfundziebzig Mark für zerstörte Einrichtung übrig", meinte er und hielt die Hand auf.
Soryu beglich die Rechnung und meinte: "Ich denke es wäre besser, hier zu verschwinden bevor die Kerle wieder aufwachen. Was halten sie von der Bar des George?"
08.12.2008 13:32 Tostan ist offline E-Mail an Tostan senden Beiträge von Tostan suchen Nehmen Sie Tostan in Ihre Freundesliste auf
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Sie hasste die Uniform. Deshalb war sie froh endlich aus diesen Klamotten raus zu kommen. Auf das Getuschel im Hintergrund achtete sie wenig. Es war eben eine Frauenumkleide, und da wurde des Öfteren mal über das eine oder andere gelästert. Cortana wusste auch, das sie gelegentlich ein Ziel dieser Lästerattacken war. Nun, sie kümmerte sich nicht darum. Den schwarzen Anzug hängte sie ordentlich über den Bügel und dann in den Spind. Die Lederhandschuhe kamen ins obere Fach, genauso wie die Mütze. Indessen kamen die Schuhe nach unten. Sie mochte die Kleidung nicht, weil sie darin aussah wie eine Totengräberin, dabei war sie doch nur Fahrerin. Sie fuhr VIPs von einem Ort zum anderen, oder holte sie von irgendwo ab… es war halt ein Service des Hotels für das sie arbeitete.
Schnell zog sie sich ihre Kleidung an: blaue Jeans, Holzfällerhemd und Sicherheitsstiefel. Letzteres war als Zivilkleidung ungewöhnlich, aber sie wusste ja, dass sie nachher noch an ihren Fuchs arbeiten wollte. Wenn man an einen leichten Transportpanzer arbeitete konnte es durchaus mal sein das etwas auf den Boden fällt, und wenn dann die Füße da drunter lagen… wäre es das Aus für ihren Job gewesen. Krank werden durfte sie nicht, das wusste sie. Krank bedeutete Arbeitslosigkeit, die wiederum zog Geldmangel nach sich, der wiederum den Verlust ihres Fuchs bedeuten konnte.
Nach wenigen Minuten war sie fertig und verlies den Umkleideraum der Frauen, ignorierte dabei die Jungen Mädels, welche immer noch tuschelnd rumstanden. Kurz überlegte sie die Mädels zu melden, wusste sie doch das deren Pause schon lange um war. Entschied sich dann doch da gegen, weil es nur Zeitverlust bedeuten würde. Ändern würde sich dadurch nichts.

Bevor sie aber das Hotel verlies tat sie das was sie fast täglich machte: sie ging noch mal durch den Drachenstall. Gelegentlich ergab sich da ein Gespräch mit den Drachenhaltern, manche waren nicht so angenehm, andere waren durchaus bereit ein paar Informationen preis zu geben.
Denn beiden Stalljungen, die gerade dabei waren in einer der Boxen auszumisten, nickte sie zu. Man kannte sich. Den Einen hatte sie sogar einmal vor Schaden bewahrt, an seinem zweiten Tag, als er auf einen Drachen zu gehen wollte. Sie hatte den Drachen schon für sich abgecheckt und war zu dem Schluss gekommen das er sehr schreckhaft war. Der Stallbursche wollte gerade seine Hochdrucklanze anmachen, als sie ihn rief. Er ging somit auf sie zu, weg von der Box neben der der schreckhafte Drache ruhte. Sie sagte ihm dass sie vermutet das der Drache sehr schreckhaft sei. Doch der Bursche lächelte nur. Er machte die Lanze an. Beim Anmachen gab es das charakteristische Stottern, mit mehreren Knällen welches vom Rauschen des Wassers untermahlt wurde. Das Stottern und leichte Knallen kam durch die Luft in der Leitung der Hochdrucklanze. Genau dieses Knallen und Stottern erschreckte den Drachen und er randalierte. Hätte Cortana den Stallburschen nicht zu sich gerufen, wäre er von den raus stürmenden Drachen verletzt wurden.
Ihre Vermutungen waren zwar nicht immer zutreffend, aber häufig genug, so dass ihre Worte zumindest Erwägt wurden. Natürlich tuschelten auch die Stallburschen über Cortana, jedoch nicht so gehässig wie die Spülhilfen welche vorhin in der Umkleide eine überlange Pause machten.

Cortana wusste das es neue „Gäste“ gab, also gab es wieder etwas einzuschätzen. Wie immer fing sie von vorne an. Die erste besetzte Box enthielt einen ruhenden Drachen der vor sich hin döste. Er lies ihre Inspektion ohne Regung über sich ergehen. Diese Inspektion bestand lediglich in einen vor-der-Box stehen und den Drachen beobachten, mal nach links gehen oder nach rechts um mehr von den riesigem Wesen zu erkennen.
Dabei gab es eine einfache Grundregel die sie sich selbst auferlegt hatte: tue nichts was du nicht bei dir getan haben möchtest. Dagegen von Jemanden angesehen zu werden, konnte man nichts haben, solange die Person nicht zu nahe kam und auch irgendwann verschwand. Und wenn doch, musste man es nur sagen. Genauso hielt sie es mit den Drachen. Sie sah sich diese Wesen an, musterte sie, verschwand aber auch und hielt Abstand. Sie sagte normalerweise nichts. Und wenn der Drache sie ansprach, was durchaus vorkam, reagierte sie dementsprechend. Erst letzte Woche hatte sie mit einem Drachen eine mehrstündige Diskussion geführt, die er jedoch angefangen hatte. Es war für beide recht interessant gewesen.
Der zweite Drache war nicht so ruhig als sie ihn betrachtete. Er fragte sie, während er langsam bedrohlich näher kam: „Warum betrachtest du mich wie Vieh?“
Es war klar dass er sie vertreiben wollte. Nur forderte die Frage eine Antwort. Deshalb gab sie ihn diese ruhig: „Nicht wie Vieh…wie einen möglichen Gegner.“
Der Drache war nun wirklich nahe, er überragte sie um viele Längen, schien aber leicht belustig über ihre trockene Antwort: „Meinst du, du könntest mich besiegen?“ Wenn schon seine Größe eigentlich beeindruckend war, zusammen mit der Nähe von nicht mal zwei Metern, schließlich war er direkt an der Begrenzung zu seiner Box, dann war nun das vorschießende Maul und das Anblasen der warmen Luft mit den Nüstern sehr bedrohlich. Aber Cortanas Reaktion bestand lediglich in einen fragenden Hochziehen der Augenbrauen. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und erwiderte: „Das habe ich schon“.
Der Drache zuckte kurz mit dem Maul hoch, lies aber plötzlich seine rechte Klaue vorschießen, welche wenige Zentimeter über ihr schwebte. „Wie?“ fragte der Drache ungläubig.
Während er mit der Klaue vorgezuckt war hatte Cortana nur die Luft eingesogen, und lies sie nun hörbar und schnell durch die Nase wieder ausweichen und machte dabei einen eher gelangweilten Eindruck, verlagerte das Gewicht aufs andere Bein und antwortete kühl: „Du hast Angst“
Der Drache war vollkommen Perplex. Er wollte etwas darauf sagen… aber ihm fiel scheinbar nichts Passendes ein. Zweimal machte er den Eindruck als ob er etwas sagen wollte, doch… es kam nichts. Um ihn nicht weiter zu belästigen nickte sie ihm abschließend zu und wandte sich dem nächsten Drachen zu.
Der Drache war gerade wach geworden und hatte die Unterhaltung gehört. Als die Frau vor ihm stand sahen sich beide direkt in die Augen. „Ich kenne dich“ sagte sie.
Innerlich schauderte der Drache: „Ja“ gab er zu. Dann nach fast einer Minute des Schweigens, wo sie ihn von links und dann von rechts betrachtete fragte er verwundert: „Du bist nicht böse?“
„Nein. Es war damals eine Unbedachtheit von dir. Sie ist durch nichts widergutmachbar. Und sie ist lange her.“ Bei diesen Worten legte sie den Kopf schräg nach links und etwas nach vorne, so dass der Drache beim Näherkommen besser die rechte Seite und den Hinterkopf sehen konnte. Aufgrund der Größe musste er nur den Hals aus der Box strecken, und konnte alles sehen. Dabei kam ein leises Grollen von ihm, weniger Aggressiv, mehr Seufzend.
„Gut verheilt.“ Mehr sagte er nicht. Sein Gesicht war nun ebenso nahe wie das des Drachen nebenan gewesen, allerdings fehlte jede Form von Aggressivität in seinen derzeitigen Zügen. Er betrachtete sie diesmal aus kürzester Distanz. Dann tat sie etwas vollkommen Unerwartetes, ja Unerhörtes: sie legte ihre rechte Hand an sein Kinn, welches nur Zentimeter von ihr entfernt war. Überraschenderweise lies der Drache das zu.
„Und du bist gross geworden, aber auch etwas reifer. Nicht mehr ganz so unbedacht wie damals.“ Diesmal lächelte sie leicht, was ein wirklich ungewohnter Anblick bei ihr war… .
09.12.2008 03:31 eikyu ist offline E-Mail an eikyu senden Beiträge von eikyu suchen Nehmen Sie eikyu in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie eikyu in Ihre Kontaktliste ein
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Vor einem halben Jahr:
Pacificus war rotschwarz. Bei der ungünstigen Witterung, der tiefhängenden, dunklen Wolkendecke war er deshalb ebenso wenig auszumachen wie sein Gegner, der Liao-Drache Xiang mit seiner nahezu nachtschwarzen Drachenhaut. Man hätte erwarten können, dass ein zweihundert Jahre alter Drache mit einer Flügelspannweite von fast fünfzig Metern, einem gerade mal zwölfjährigen Griffin überlegen sein würde, aber Pacificus hatte acht dieser Jahre in diversen Gefechtskampagnen verbracht und sowohl Geist als auch Körper gestählt. Seine Erfahrung machte den Kampf beinahe zur Farce, und das musste auch Xiang über kurz oder lang einsehen, der sich vor dem düsteren Wolkenhintergrund Vorteile für dieses Duell versprochen hatte.
Heine Rosenstark runzelte die Stirn. „Lady Candace, lassen Sie uns dieses Spektakel abbrechen. Es ist offensichtlich, dass Xiang nicht mithalten kann. Bereits jetzt sind seine Wunden tief genug, um ihm zwei Wochen Flugverbot zu geben. Ich will nicht, dass er auch noch stirbt.“
„So?“ Candace Liao, Reichsverweserin der Kommunalität St. Ives, sah den jungen Diplomaten und Krieger über die Kante ihres Fächers hinweg an. „Und was würden Sie tun, wenn ich das Duell abbreche?“
„Ich bin mir bewusst, dass es der Liao-Drache war, der meinen Griffin zum Duell getrieben hat. Und ich bin mir bewusst, dass ihr Land, Lady Candace, eindeutig vorschreibt, dass Drachenhändel Ehrenhändel sind. Aber ich bin nicht hier, um Drachen sterben zu sehen.“
„Sie sind ein merkwürdiger Mann, Heine“, meinte die junge Frau mit gelangweiltem Ton in der Stimme. „Keinem Capellaner würde es einfallen, einen Gegner zu schonen, nur weil er unterlegen ist.“ Sie sah wieder in den Himmel, wo just eine Drachenlanze aufblitzte und die ohnehin schon lädierte Rüstung Xiangs über dem rechten Schulterblatt absprengte. Der große Liao brüllte auf vor Schmerz und Wut. „Außerdem können Sie die Konsequenzen eines solchen Duellabbruchs gar nicht ermessen.“
Rosenstark sah ebenfalls wieder gen Himmel. Die Vibroklauen an Pacificus´ Pranken leuchteten für einen Moment auf, dann fuhren sie durch die empfindliche Lederhaut des rechten Flügels. Xiang verlor dadurch den Auftrieb und sackte durch.
Der Diplomat schnaubte frustriert. „PACIFICUS!“
Der schlanke Drache, der dem taumelnden Liao gerade den Rest hatte geben wollen, zog die Vibrokrallen der Beinklauen wieder an den Leib, legte die Flügel an und ließ sich zweihundert Meter fallen. Knapp über dem Boden fing er sich ab, entfaltete seine Flügel wieder und ließ sich zu dem Aussichtsturm tragen, auf dem Candace Liao und ihr Gefolge zusammen mit Heines Begleitern warteten.
Auch Xiang fing sich und flog schleppend in ihre Richtung. Besorgt musterte Heine den Flug des Drachen. Er musste es nur bis zu seinem Landeplatz schaffen. Die Risse in der Schwinge würden schon von alleine heilen, aber bis dahin hatte er noch einen guten Kilometer vor sich.
Pacificus landete auf der Balustrade, um den Marmorboden des Turms nicht mit seinen Kampfkrallen zu zerkratzen. Er senkte den Kopf in Heines Richtung. „Du hast gerufen, Boss?“
„Du sollst mich doch nicht Boss nennen. Wir sind ein Team. Da gibt es keinen Boss und keinen Untergebenen.“
„Ich spreche dich nicht als meinen Reiter an. Sondern als den Diplomaten und Kommandeur, der mir einen Befehl gegeben hat“, erwiderte der Griffin kühl. Vorwurf war in seinen Augen zu sehen. Ich hätte ihn fast gehabt, stand darin zu lesen.
Heine nickte unmerklich. Ich weiß, Pacificus.
Eifrige capellanische Helfer machten sich daran die Klauen abzunehmen, damit der Drache auf den Turm steigen konnte. Dabei gingen sie mit der langjährigen Erfahrung eines Drachenpflegemeisters vor. Schnell, geschickt, effizient. Binnen weniger Minuten konnten seine Klauenfüßen den Boden berühren.
„Es war notwendig, Pacificus. Du hättest Xiang beinahe getötet“, sagte Heine Rosenstark ohne Tadel in der Stimme.
„Ich dachte, darum ging es in diesem Duell. Habe ich da etwas missverstanden?“ Der Kopf des Drachen ruckte zu Candace Liao herüber. „Lady Liao, habe ich einen Fehler gemacht?“
Die junge Frau in der höfischen capellanischen Kleidung einer hohen Ministerin trat auf den Griffin zu und berührte ihn mit einer weißhäutigen, filigranen Hand an den Nüstern. Sanft strich sie über die Ränder. „Nein, Pacificus. Du hast keinen Fehler gemacht. Xiang hat dich provoziert, dich beleidigt und schließlich herausgefordert. Du hättest alles Recht der Welt gehabt, ihn zu töten. Und ich danke deinem Kommandeur, dass er so voller Gnade war, dies zu verhindern. Du warst ihm überlegen, das konnte jeder sehen.“
„Und das ohne meinen Reiter“, stellte Pacificus fest, bemühte aber sich nicht zu bewegen, um die Liebkosung nicht zu unterbrechen. Sein Blick tadelte dabei Heine: Du streichelst mich nie so.
Ein spöttischer Blick des Diplomaten ging auf seine rauen, verschwielten Hände, dem Ergebnis seines Soldatenlebens. Ich habe nicht so zarte Finger wie sie, signalisierte er dem Griffin-Drachen.

Hinter ihnen klangen mehrere Schwingen auf. Zuàn und Gang waren herbei geflogen, um ihrem Herrn beizustehen. Die Sian-Drachen flogen so, dass der Liao sich bequem mit den Hinterklauen auf ihnen abstützen und sein Gewicht dadurch reduzieren konnte. Sie setzten mit ihm über den Turm hinweg und landeten schwer; Xiang sprang ab, und niemand wagte auch nur einen Kommentar bezüglich der Kampfklauen des Drachen und des nun ruinierten Marmorbodens. Das wäre auch definitiv tödlich gewesen, denn vor ihnen stand das Oberhaupt der Kommunalität St. Ives, der Sohn des capellanischen Herrschers, Nachfahre des Sohns des Himmels.
Eifrige Ärzte eilten herbei, aber Xiang hielt sie auf Abstand. Er blutete aus mehreren schweren Wunden, allerdings erkannte Heine mit sicherem Blick, dass keine davon schwer genug war, um ihn zu verkrüppeln oder gar zu töten.
Der riesige Kopf des pechschwarzen Liao-Drachen ruckte zu Heine, der dadurch unvermittelt nur einen halben Meter vom der Zungenspitze des hiesigen Herrschers entfernt war.
Pacificus knurrte erschrocken auf und wollte Heine schon zu Hilfe eilen, aber der Diplomat winkte ab. Es war einem Menschen bei Todesstrafe verboten, einem Himmelsdrachen ohne Aufforderung näher als fünfzig Meter zu kommen. In eine Entfernung zu gelangen, die es einem Menschen erlauben würde, den Drachen zu berühren, hätte die sofortige Exekution ohne Anklage zur Folge.
Dass Xiang nun von sich aus so nahe kam, musste etwas zu bedeuten haben.
„Du hast den Jungen hier zurückgerufen“, stellte Xiang mit atemloser Stimme fest.
„Ja, das habe ich“, erwiderte Heine fest.
„Warum, Heine Rosenstark?“
Der Diplomat erwiderte den Blick aus den rubinroten Drachenaugen fest. „Es war offensichtlich, dass Pacificus gewinnen würde. Er war Euch in jeder Hinsicht überlegen, Mylord. Seine Ehre war dadurch wiederhergestellt, als er bewiesen hat, dass er auch ohne mich als Reiter ein überragender Krieger ist. Euch zu töten, Mylord, hätte nicht seinen Ruhm anwachsen lassen, sondern wäre meine Schande geworden.“ Heine breitete die Hände aus, und umfasste damit auch Zuàn und Gang, die beiden Sian-Drachen. „Jeder tote Drache ist ein unglaublicher Verlust für alle Menschen. Ich bin nicht bereit, einen solchen Verlust aus Eitelkeit oder verletztem Stolz mitzutragen.“
Pacificus brummte verstimmt bei Heines Worten.
„Du sprichst von meiner Eitelkeit und meinem verletzten Stolz“, sagte der Liao-Drache fest.
Heine lächelte dünn. „Natürlich, Mylord.“
Entsetztes raunen ging durch die Reihen der Höflinge. Gang und Zuàn rückten erbost näher, was wiederum den Griffin auf den Plan brachte. Er spreizte seine Schwingen in einer Drohgebärde und stellte seinen Halskamm auf.
Dies ließen sich die Sian-Drachen nicht bieten und hoben ihre langen Hälse. Einige verirrte Gifttropfen aus ihren Nüstern ruinierten zusätzlich den Marmorboden.
In diese bedrohliche Stimmung hallte ein kräftiges Lachen.
Es dauerte einen Moment, bis Heine erkannte, dass dieses Lachen von einem Drachen stammte. Es dauerte einen weiteren Moment um zu merken, dass es Xiang selbst war. Der große Liao lachte aus voller Kehle. Ein Umstand, der sowohl die Drachen als auch die capellanischen Würdenträger wieder beruhigte.
„Du bist sein Vorgesetzter, richtig, Heine Rosenstark, Earl von Towne, Colonel der DAVS?“
„Ich bin sein Vorgesetzter in diplomatischen und in soldatischen Belangen. Ja, Mylord.“
Der riesige Kopf des schwarzen Drachen ruckte herum. „Du hast ihm viel beigebracht. Das Wichtigste ist wohl seine soldatische Disziplin. Sie hat mir heute das Leben gerettet.“ Sein Blick kehrte zu Heine zurück. Er richtete sich weiter auf und trat noch näher. Die rechte Vorderklaue senkte sich auf Heines Schulter. „Du hast mir das Leben gerettet, Heine Rosenstark.“
Der riesige Liao ging drei Schritte zurück, dann legte er sich der Länge nach vor dem Diplomaten zu Boden.

Ein eisiger Schauder ging durch Heine Rosenstark! Er kannte diese Geste, und er wusste was sie bedeutete!
„KOTAU!“, klang Candace Liaos Stimme laut und herrisch auf. Die capellanischen Bediensteten, die Edelleute und die Drachen vollzogen den Kniefall vor Heine, Gang und Zuàn warfen sich ebenfalls zu Boden.
Kotau, der Ausdruck höchster Achtung und Unterordnung. Das Blut rauschte in Heines Ohren und seine Beine drohten nachzugeben. Beinahe wäre er gestürzt, wenn nicht sein Adjutant hinzu gesprungen wäre, um ihn zu stützen.
„Was ist hier passiert?“, fragte Soryu Walker überrascht. „Ich dachte er frisst dich jetzt. Stattdessen... Ja, was passiert stattdessen?“
Heine fühlte sich trotz der Stütze durch den jungen Sandoval schwindlig. „Es bedeutet, das wir dringend mit Prinz Hanse reden müssen“, hauchte er.
***
Xiang City hatte eine erstklassige Funkanbindung an die beiden Sprungpunktstationen des Sonnensystems, eine TraCom-Anlage sogar, die überlichtschnelle Echtzeitkommunikation erlaubte. Es gab bestenfalls vierzig Welten in der gesamten Inneren Sphäre, in der dieser gigantische Handelskonzern die Notwendigkeit sah, nicht nur in den Sprungpunktstationen, sondern auch auf dem Planeten eine Anlage zur Wurmlochkommunikation zu errichten. Heine war dankbar dafür, denn nie war ihm eine Echtzeitverbindung so wichtig erschienen wie heute.
Es dauerte nicht lange, bis das Wappen Capellas – der schwarze Drache mit dem Schwert in den Klauen vor dem grünen Dreieck – durch die Sonnenscheibe der Vereinigten Sonnen ersetzt wurde. Kurz darauf erschien Hanse Davion, Prinz der Vereinigten Sonnen und sein höchster Vorgesetzter.
„Majestät“, sagte Heine ehrfurchtsvoll und verbeugte sich steif in der Hüfte. Candace Liao, die neben ihm stand, setzte zum Kotau an, aber Heine hatte vorsorglich ihren linken Arm ergriffen und ließ nur eine Verbeugung zu.
„Heine. Mein guter Freund.“ Über Hanses Gesicht huschte Besorgnis. „Und Lady Candace. Was verschafft mir die Ehre einer Direktkommunikation? Zudem auch noch bei TraCom im voraus bezahlt?“ Seine Stimmlage ließ erkennen, dass er diese Worte komisch gemeint hatte. Dennoch waren seine Augen wach und voller Anspannung.
„Jede Menge Sorgen und Probleme, Majestät“, erwiderte Heine.
Ein Schatten legte sich unter Hanses Augen. Theatralisch schlug er sich eine Hand vor die Stirn. „Ich habe es geahnt. Geh auf eine diplomatische Mission, Heine, habe ich gesagt. Sorge für einen guten Eindruck bei Prinz Xiang und seiner Schwester Candace, habe ich gesagt. Und was hast du stattdessen getan?“
Heine schluckte schwer. „St. Ives erobert, Majestät.“
Hanse nickte schwer und zustimmend. „Was zu erwarten war. Du hast St. Ives erobert. Ich...“
Für einen Augenblick sackte dem Herrscher der Vereinigten Sonnen der Kiefer weg. „WAS?“
„Majestät, vielleicht sollte ich das erklären“, nahm Candace den Faden auf. „Mein Bruder Xiang, er... Hat Lord Pacificus zum Duell gefordert. Er unterlag in diesem Duell, aber sein Leben wurde durch die Gnade Lord Rosenstarks gerettet.“ Sie senkte den Blick. „Deshalb hat sich Xiang dem Earl of Towne unterworfen. Der Earl aber lehnte die Ehre, Regent von St. Ives zu werden, ab. Stattdessen erklärte er, dass er nur in Eurem Namen gehandelt hat, Majestät. Dadurch ergibt sich eindeutig die Erkenntnis, dass sich Xiang Euch unterworfen hat.“ Wieder verbeugte sich die capellanische Ministerin vor Hanse Davion.
„Moment mal, Moment, nicht so schnell. Wollt ihr mit etwa weis machen, eine ganze capellanische Kommunalität mit siebzehn Systemen...“
„Achtzehn“, verbesserte Candace.
„Mit achtzehn Systemen schließt sich den Vereinigten Sonnen an?“
„Ich würde den Terminus unterwerfen benutzen“, merkte die Ministerin an.
Rigoros breitete Hanse die Arme aus. „Kein unterwerfen! Alles, nur kein unterwerfen! Ich bin gerne bereit, die Kommunalität als integeres, selbstständiges Staatsgebilde in den Vereinigten Sonnen willkommen zu heißen, aber es liegt mir fern, im freisten Staat der Inneren Sphäre eine Zweiklassengesellschaft zu erschaffen! Alle Rechte und alle Pflichten für unsere Bürger gelten auch für St. Ives. Ohne Einschränkungen und ohne Doppeldeutigkeiten.“
Candace lächelte still und verhalten. „Da Ihr die Unterwer... den Beitritt von St. Ives genehmigt habt, erwartet bitte meinen Bruder für die Anschlusszeremonie auf New Avalon. Er ist bereits los geflogen und dürfte in weniger als vier Stunden die Mark Capella erreichen.“
Hanses Gesicht legte sich in Sorgenfalten. Er war noch jung, aber das hohe Amt, in das ihn die Liebesheirat seines älteren Bruders Ian gedrängt hatte, hinterließ ihre Spuren.
„Ein capellanisches Sprungschiff, dass ohne Anmeldung in eines unserer Systeme springt, an Bord ein Kind des Himmels...“ Man konnte dabei zusehen wie er sichtlich erbleichte. „Entschuldigen Sie mich, Lady Candace, Colonel Rosenstark, aber ich werde die nächsten Stunden viel zu tun haben.“
„Natürlich, Majestät“, erwiderte Candace und verbeugte sich erneut.
„Ach, und Heine, egal wie sich das entwickeln wird, richte Pacificus doch etwas von mir aus.“
Der Diplomat hob fragend die Brauen.
Prinz Hanse lächelte. „Sage ihm bitte: Gut gemacht.“
Ein Lächeln glitt über Heines Züge. „Jawohl, Majestät.“
„Und bis auf weiteres bist du Militärgouverneur von St. Ives. Einwände, Lady Candace?“
„Natürlich nicht, Majestät. Ich sehe große Weisheit in dieser Entscheidung.“
„Dann ist ja gut.“ Der Prinz nickte noch einmal und deaktivierte die Verbindung.
„Damit gehört St. Ives offiziell zu den Vereinigten Sonnen“, stellte Candace zufrieden fest.
„Sie haben das geplant, Mylady“, warf Heine ihr nicht ohne Spott in der Stimme vor.
„Wir haben was geplant?“ Candace entfaltete ihren Fächer und verbarg ihr Gesicht bis auf die Augen dahinter. „Glauben Sie wirklich, Herr Militärgouverneur, mein Bruder hätte absichtlich einen viel zu jungen Drachen provoziert, um sich von ihm besiegen zu lassen und darauf zu hoffen, dass Ihr ihm das Leben retten würdet, nur um St. Ives Haus Davion anzuschließen? Was ist das denn für eine furchtbare Geschichte? Wer denkt sich denn so etwas aus?“
„Vielleicht jeder, der unter der Regentschaft des Unvollendeten Buchs leben will, anstatt in einem Staat, in dem Drachen wie Götter über Menschen erhoben sind“, murmelte Heine ernst.
„Was Sie für Ideen haben, Militärgouverneur.“ Tadelnd schüttelte sie den Kopf. Dann ergriff sie seine Rechte und zog ihn mit sich. „Kommen Sie, Heine, ich zeige Ihnen Ihr Büro. Es wartet viel Arbeit. Vor allem müssen wir ein paar Drachendickschädeln klar machen, dass ein Großteil ihrer Privilegien Schnee von gestern ist, wie ihr Davies immer so gerne sagt.“
„Warum habe ich nur das Gefühl, in eine riesige Falle gelaufen zu sein?“
Candace lächelte ihn nur an, aber Heine hatte das Gefühl, dass alleine dieses Lächeln all den Ärger wert sein würde, der ihn fortan erwartete.

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Guangzho war eine ländliche Gemeinde auf St. Ives, jenseits der Industrien und Großstädte. Man konnte es recht treffend auf einen Punkt bringen: Das Kaff lag am Arsch der Welt. Es war so abgelegen, dass nicht einmal der landschaftliche Reiz den Abstand zum nächsten Flughafen kompensieren konnte. Deshalb galt das Umland als Geheimtipp und diskretes Rückzugsgebiet für ein paar Spitzenpolitiker, die sich nahezu unangefochten in den unwirtlichen Schluchten, welche das Guangzho umgebende Berggebiet durchschnitten, ansiedeln konnten. Der nächste Nachbar war beinahe weiter entfernt als die Stadt selbst, es gab keine besonderen Vorkommen an Edelmetalle, und fruchtbarer Boden musste heran geschafft werden. Ein Aufwand, den sich nur wenige reiche Leute leisten würden. Die wenigsten taten es. Und diese waren alle Drachen aus hohen Positionen.

Im Tiannamen-Tal hatte es sich Weng gemütlich gemacht, ein uralter, konservativer Sian-Drache. Sein Landhaus galt unter Kennern als ein Ort der besonderen Zurückgezogenheit, ohne dabei aber auf den angenehmen Luxus zu verzichten, den man als hoher Beamter gewohnt war. Es hieß, Guangzho, das Weng als Lehen gehörte, zahlte ein Drittel aller Steuereinnahmen für den Lebensstil des alten Ministers.
Im Moment hatten acht Drachen der Sian- und der Kanton-Rasse die Gelegenheit, den Luxus aus erster Hand zu genießen. Zwanzig Tonnen frisch geschlachtetes Vieh waren heran geschafft worden, vierzig Köche arbeiteten rund um die Uhr, um jederzeit jede gewünschte Speise zu liefern. Flinke menschliche Helfer verwöhnten die Drachen mit Warmluft- und Sandstrahlgebläsen, heizten ihre Liegeflächen auf und pflegten die Schuppenhaut. Weng ließ einiges auffahren, um es seinen Gästen gemütlich zu machen. Das war vielleicht nicht verkehrt, denn immerhin hing viel vom Wohlwollen seiner Gäste ab. Sie waren zwar alle wie er – strikte Gegner der Unterwerfung von Prinz Xiang unter den Ursupator Hanse Davion – aber konnten es nicht offen aussprechen. Zu tief waren die Traditionen und Werte der Drachenkultur in ihnen allen verankert, zu hoch wurde der Wert und der Ausgang eines Duells geschätzt. Außerdem hatte kein Drache auf St. Ives ernsthaft angenommen, ein junger Griffin-Welpe, der nach menschlichen Begriffen, geschweige denn nach Zählart der Drachen noch nicht mal vollständig war, es wirklich mit dem erfahrenen, kampfstarken Xiang hätte aufnehmen können, geschweige denn seine Hoheit besiegen.
Sie alle hatten die Holos vom Kampf gesehen. Und sie alle wussten, das ihre Köpfe gerollt wären, wenn Heine Rosenstark seinen Drachenpartner nicht in letzter Sekunde zurückgerufen hätte.
Allerdings reichte dieses Wissen nicht, um irgendeine Form von Dankbarkeit zu entwickeln.
Zwar war Prinz Xiang abgereist, um seine Unterwerfung unter Hanse Davion zu zelebrieren, aber seine Schwester hatte ein waches Auge auf alle Aktivitäten der Regierung, und damit auch auf diese neun Drachen. Mit ein Grund dafür, warum sich Weng dazu entschlossen hatte, sein kleines privates, und weit entferntes Reich für dieses Treffen unzufriedener Politiker zu wählen.

Nach einem ausgiebigen Festmahl und intensiver Körperpflege schickte der alte Sian-Drache die menschlichen Angestellten fort und ließ den großen Pavillon abriegeln, in dem sich die Drachen unterhalten wollten. Ein Orchester begann draußen zu spielen, bewaffnete Wachen hatten Eingänge und Wege im Auge, und im Pavillon suchte der Kanton-Drache Tóng mit Hilfe seines Krallencomputers nach versteckten Abhörgeräten. Wegen seines ungewöhnlich silbrig schimmernden Schuppenkleids wurde er oft auch Bai Tóng genannt, was sich mit Kupfernickel übersetzen ließ, einer Legierung die silbrig schimmerte. Allerdings implizierte man damit auch, dass der Kanton-Drache, der nur wenig der wunderschönen Karamellfarbe seiner Art an sich hatte, ein Mischling und damit von niederem Wert war. Dabei hatte seine Mutter ihn extra Kupfer genannt, um ihn vor solcher Nachrede zu bewahren.
Nun, Weng war dankbar dafür, denn der junge, ehrgeizige Minister war für ein wenig Zuneigung bereit gewesen, sich dem Älteren bedingungslos anzuschließen und sich unterzuordnen. Mit ein wenig väterlichem Verhalten hatte er den Jungen, der zweifellos über grandiose Fähigkeiten verfügte und ein strebsamer, fleißiger Arbeiter war, auf seine Seite gezogen. Oh, war Eitelkeit nicht eine wahre Tugend vor den Göttern?
Als Tóng verneinend den Kopf schüttelte, richtete sich Weng auf seinem Platz auf. „Meine Damen und Herren, die Lage ist ernst.“
Auch die anderen Drachen hoben zumindest ihre Hälse. Die Sian-Drachen am weitesten, allerdings nur um sich an den leckeren Snacks zu bedienen, die in großen Schalen zwischen ihnen standen.
„Und? Das wissen wir alle“, murmelte Hao Hàn mit vollem Mund, während er auf Menschenkopfgroßen Krokantkugeln herumknabberte. „Xiang hat sich diesmal wirklich übernommen. Ich habe ihm gesagt, Xiang, dieser Griffin ist nicht ohne. Er ist vielleicht jung und benimmt sich noch wie ein grüner Junge, aber die Narben, Xiang, die Narben, die muss er ja irgendwo gekriegt haben. Und dann hat er die Verletzungen, die zu den Narben geführt haben, überstanden. Aber wollte ja nicht hören.“ Hao Hàn seufzte tief und lang und legte den Kopf zurück aufs Polster. „Und was ist das Ende vom Lied? Heute unterwirft er sich Hanse Davion, dieser Eintagsfliege, und morgen sprechen wir vielleicht schon von Gleichberechtigung von Menschen und Drachen. Ich meine, Gleichberechtigung. Warum haben die Götter überhaupt erst so perfekte Geschöpfe wie uns Drachen erschaffen, wenn sie wollen, dass wir uns mit den Menschen auf eine Stufe stellen?“
„Nun, ich nehme an, wir sind uns alle einig, dass wir als Hofbeamte am meisten zu leiden haben werden. Hanse Davion wird durch drücken, das die Gerichtssprechung der Vereinigten Sonnen auch für St. Ives gelten wird. Und darin sind Drachen und Menschen nun mal gleich an Rechten und Pflichten“, sagte Weng und schüttelte damit verbales Öl ins Feuer.
„Gleich an Rechten und Pflichten“, murrte Tóng wie auf Bestellung, „wenn ich so etwas schon höre. Es mag ja Menschen geben, die man mit niederen Drachen auf eine Stufe stellen kann. Aber könnt ihr euch vorstellen, von einem Menschen regiert zu werden? Ich kann es nicht.“
Dá Zhén reckte den mächtigen Hals und gähnte lautstark. Ein paar Tropfen Säure traten aus seinen Nüstern und versengten den kostbaren Brokat, auf dem er lag. Weng seufzte ergeben. Ja, ja, die Jungen ließen sich die Säuredrüsen nicht beschneiden, obwohl sie sicher niemals in einen Kampf ziehen mussten. Lieber nahmen sie Schäden an ihren Häusern und am fremden Eigentum in Kauf, so wie dieser bornierte Landwirtschaftsminister vor ihm. Wäre da nicht das gemeinsame Ziel gewesen, hätte er den Drachen niemals eingeladen. Alleine der Name war Borniertheit pur. Hoher Minister, was für eine Hybris hatte die Mutter ihrem Kind mit diesem Namen aufgegeben. Und der Drache hatte diese Hybris realisiert.
„Und was wollen wir tun? Hier liegen und abwarten, wie Candace für Xiang den Hauswächter spielt, bis alles unter Dach und Fach ist? Cang Tian wird nicht sehr erfreut über diese Entwicklung sein. Das verspreche ich euch.“
Die anderen Drachen raunten erschrocken, als der Sian-Drache es wagte, den Namen des Heiligen, des Sohn des Himmels, so unverblümt auszusprechen. Doch Dá Zhén tat dies mit rollenden Augen ab.
„Candace ist ein Drache!“, bestimmte Lán Mán bestimmt. Die alte Drachenfrau war nicht nur bei ihrer Arbeit im Verteidigungsministerium recht konservativ. Sie war auch eine absolute Verfechterin der Drachenherrschaft, einer der Gründe, warum Weng sie eingeladen hatte.
Die meisten anderen raunten zustimmend. Nur Dá Zhén machte einen spöttischen Laut. „Narren seid ihr. Narren alle miteinander. Ein Mensch kann kein Drache sein, egal wie oft man es behauptet.“
„Was maßt du dir an?“, fauchte Lán Mán wütend und kam halb auf die Beine. „Seine Herrlichkeit Prinz Xiang hat sich diese wundervolle Chrysanthemenblüte als Partnerin für seinen Lebensweg ausgewählt und sie an Schwesters Statt angenommen! Was obliegt es uns Normalsterblichen, solch göttliche Weisheit anzuzweifeln?“
Wieder schnaubte der Drache, doch diesmal eher empört. „Ich habe nichts gegen Candace. Ich würde nur gerne sehen, dass sie ihren wahren Platz bei den Menschen einnimmt, anstatt in dieser Farce mitzuspielen, die sie zum Drachen erhebt, nur weil ein Mitglied der königlichen Familie sie zu seiner Reiterin ernannt hat. Der ganze menschliche Liao-Zweig ist meiner Ansicht nach pure Zeitverschwendung und unnütz vergeudetes Geld.“
„Junger Mann!“, rief Weng entrüstet, während er sich zur vollen Größe aufrichtete. „Wir sind nicht hier, um dir eine Plattform für deine Unvernunft oder deine revolutionären Ansichten zu bieten! Wir sind hier, um über die kommenden Wochen und Tage zu sprechen! Prinz Xiang ist auf dem Weg nach New Avalon, geschlagen im Duell und gerettet von seinem ärgsten Gegner! Wir alle wissen, dass der Sohn des Himmels dies zähneknirschend hinnimmt, will er nicht die Gesetze in Frage stellen, die er selbst erlassen hat. Eine Katastrophe. Aber in unserer Sprache wird Katastrophe mit den gleichen Buchstaben geschrieben wie Chance.“ Sein Blick wanderte von einem Drachen zum anderen. „Und ich bin mir sicher, dass wir diese Chance so nutzen können, dass es seiner Herrlichkeit, Majestät Cang Tian dazu nützt, diese Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Bedenkt doch einmal die Möglichkeiten, wenn wir plötzlich Bürger der Vereinigten Sonnen sind, und das auf einen Schlag!“
Si Chóu, Ministerin für Soziales und Drachenpaarungen, sah auf. „Wir hätten Reisefreiheit als Bürger der Vereinigten Sonnen. Wir könnten an Orte gelangen, die uns derzeit verschlossen sind. Wir könnten auf Planeten gelangen, die noch nie einen Drachen gesehen haben, weil die New Avalon-Drachen von so geringer Zahl sind. Wir könnten... Weng, du alter, gerissener Schlüpfling, ich dachte du rufst uns zusammen, um mit uns über den Erhalt unserer alten Privilegien zu reden. Aber das wovon du hier reden willst, ist nichts weiter als die Eroberung der Mark Draconis!“
Die Drachen raunten überrascht und fröhlich auf. Weng hatte einige Mühe, sie wieder zu beruhigen. „Wie ich schon sagte, eine Katastrophe ist auch eine Chance. Und wenn uns gelänge, was selbst die Maskirovka nie erreicht hat, dann stehen uns vielleicht sogar New Avalon und die dortigen Brutstätten offen.“ Der alte Drache lachte fauchend. „Ich bin schon lange der Ansicht, dass wir unser Blut ein wenig auffrischen sollten. Und die New Avalon-Arten sind sehr viel versprechend, wie wir an diesem jungen Griffin haben sehen könnten.“
„Wie schnell, denkst du, könnten wir das erreichen?“, fragte Tóng mit ernster Stimme.
„In zwei Jahren gehört New Syrtis zur Föderation Capella. In drei oder vier kehrt St. Ives zurück, wo es hin gehört. Und nach spätestens sieben Jahren weht der Schwertdrache über New Avalon. Allerdings nur, wenn wir uns jetzt zusammen setzen und unsere Chancen und Strategien besprechen. Einige von uns müssten ihre Ämter niederlegen, um offiziell Platz für menschliche Minister zu machen, aber in Wirklichkeit natürlich, um die Gelegenheit zu kriegen, unsere neue Freiheit zu nutzen. Geldmittel stehen uns reichlich zur Verfügung.“
Si Chóu schüttelte fasziniert und angewidert zugleich den Kopf. „Du hast das wirklich geplant. Du hast es alles schon ausgearbeitet. Wer kann dich überhaupt aufhalten?“
„Nur die Götter“, erwiderte Weng in einem Anflug von Hochmut, den er aber sofort wieder bereute. Hochmut kam stets vor dem Fall, und er war noch weit davon entfernt, die Früchte seiner Pläne zu genießen. Davor hatten die Götter Schweiß und Tränen und viel Arbeit gesetzt.
***
Die staubigen, kargen Berge waren alleine wegen ihrer lehmbraunen Farbe besonders widerlich, fand der junge Soldat, der in eintausendachthundert Metern Höhe auf einem dieser ekligen Berge hockte und ins Tal blickte. Dabei half ihm ein handlicher Feldstecher. Von seinem Standort aus konnte er direkt ins Tal sehen, das rund um das Anwesen grün und gemütlich wirkte.
Er beobachtete das Anwesen schon seit dem frühen Morgen, und längst war ihm die Kälte in die Glieder gekrochen. Wenn er Pech hatte, würde er seine Blase erkälten oder gar entzünden, und all das nur wegen ein paar widerlichen Drachen.
„Queequeg von Ahab, kommen.“
Mit einem lauten Fluchen aktivierte der junge Soldat den Funk. „Queequeg hier.“ Auf so eine Schnapsidee konnte auch nur ihr Boss kommen, Codenamen aus dem uralten Roman Moby Dick auszuwählen, in dem es um die Besessenheit eines Mannes ging, der einen weißen Wal jagte, aber eigentlich Gott finden und treffen wollte. Das passte ganz gut zur Einstellung ihres Auftraggebers, Drachen betreffend, hatte Boss gemeint und anschließend die Codenamen verteilt. Sich selbst Ahab zu nennen war vielleicht Hybris zu nennen.
„Wie viele Drachen zählst du jetzt, mein großer Harpunierer?“, neckte die Frauenstimme.
„Mit dem Gastgeber sind es neun. Seit einer Stunde ist keiner hinzu gekommen. Die Bediensteten beginnen den Drachenpavillon zu verlassen.“
„Nun, dann wird es wohl bald Zeit zum spielen. Starbuck, hörst du mich?“
Die verdrießliche Stimme ihres Sprengmeisters klang auf. „Das nächste Mal suche ich die Codenamen aus, das verspreche ich dir. Wenn du anrufst um zu fragen, ob wir soweit sind, habe ich eine positive Meldung für dich. Wir haben alles vernetzt und bereit.“
„Gut, gut“, klang Ahabs Stimme auf. „Wenn etwas gut gemacht werden soll, sollte man es eben eine Frau machen lassen.“
Für einen Augenblick erschrak der junge Soldat, weil er die Stimme vom Boss sowohl über Funk als auch hinter sich hörte. Kurz darauf kletterte ihre schlanke Anführerin mit ins Schützenloch. „Gut gearbeitet, Amy. Und eine gute Position. Du wirst besser.“
„Danke, Boss“, murmelte sie.
„Von hier haben wir einen echten Logenplatz. Man bringe mir meine Harpune.“
Zwei weitere Soldatinnen der Einheit erschienen und brachten einen großen Kondensator herbei. Eine dritte trug die Drachenlanze von Ahab, schloss sie an den Kondensator an und machte sie feuerbereit. „Ich habe den Kondensator manipuliert. Fünf Hochenergieschüsse sind jetzt möglich, dann ist das Ding leer. Neuaufladezeit ist dreißig Sekunden. Jeder Schuss muss sitzen, Boss.“
„Wenn Stacy gut gearbeitet hat, komme ich gar nicht zum schießen. Geschweige denn die anderen“, erwiderte Ahab, als sie die Lanze übernahm. „Autofokus?“
„Bis auf drei Kilometer stabil. Du solltest keine Probleme haben zu treffen. Immerhin sind es keine anderthalb Kilometer bis da unten.“
„Gut, gut. Macht den Abmarsch fertig. Wenn diese Jagd zuende ist, sollten wir so schnell es geht hier weg kommen.“ Ahab gab der Technikerin einen wohlmeinenden Klaps auf den Hintern und scheuchte sie wieder aus dem Loch.
„An alle von Ahab. Kommt zum Gebet.“
„Roger.“
Amy wusste was nun geschah. Vier weitere Teams eilten auf die Positionen, die sie in der Nacht gegraben hatten. Sie alle waren ebenfalls mit Drachenlanzen ausgerüstet, und wenn die Party los ging, würde sich zeigen, ob diese Planung den Feindkontakt überdauern würde.
Ahab atmete ein und hielt die Luft an. Als sie wieder ausatmete war sie für einen winzigen Moment wieder Pearl, und nicht der manisch getriebene Kapitän, den sie spielte, seit die Codenamen verteilt worden waren. Dann flackerte wieder der Fanatismus in ihren Augen. Sie betätigte das Funkgerät. „Elijah ist Zuhause. Ich wiederhole, Elijah ist Zuhause.“
Dreihundert Meter westlich von ihnen erklangen nun eine Reihe von Explosionen. Auf einer Breite von zweihundert Metern wurde ein dreckig lehmbrauner Hang gesprengt. Damit geriet eine Masse ins Rutschen, die locker mal zwanzigtausend Tonnen wog. Mit einem Laut, der wie ein kleiner Weltuntergang klang, geriet die Masse in Bewegung, und dann in Fahrt. Amy sah nach unten. Für die da unten würde es ein Weltuntergang sein. Die Lawine zielte genau auf das Anwesen des Drachenministers Weng, genauer gesagt auf den Pavillon, in dem sich die neun Drachen versammelt hatten. Vom Haupthaus würde allerdings auch nicht viel übrig bleiben, erkannte sie.
Überraschend schnell rauschte das Gestein hinab, fast erschien es Amy wie ein Film mit Zeitfaffer zu sein, und kein realer Vorgang. Der Pavillon wurde nicht zerquetscht, er verschwand einfach, als hätte es ihn nie gegeben. Mit ungläubigem Blick sah Amy in die Tiefe. Das konnte niemand überlebt haben.
„Ahab von Flask. Moby Dick ist im Wasser. Und er ist wütend!“
„Dann wird er wohl zuerst hier hoch kommen“, stellte Ahab zufrieden fest. „Einer?“
„Ein Sian. Wir vermuten, es könnte Dá Zhén sein.“
„Es ist egal wer er ist! Harpunen frei!“, zischte sie.
Unter ihnen erschien über der Lawine ein dunkler Fleck. Amy nahm ihr Fernglas zu Hilfe und erkannte einen großen schwarzen und ziemlich wütenden Drachen. Sian-Rasse bedeutete, dass er Gift spucken konnte. Eine wirklich gefährliche Eigenschaft, die oft und gerne gegen Infanterie eingesetzt wurde. Amys Griff um ihre Waffe wurde fester. Infanterie wie sie selbst.
Von den Bergflanken griffen die schlanken Laserpfeile der Drachenlanzen nach dem Giganten. Der erste Strahl traf und versehrte seine linke Flanke. Der Drache heulte auf vor Wut und Schmerz, aber die nächsten Schüsse trafen schon nicht mehr.
Ahab erhob sich halb und richtete ihre eigene Lanze aus. „Komm schon, Moby, ich weiß genau, du willst es“, murmelte sie, während sie die Lanze auf Dá Zhén ausrichtete. Sie schoss, als der Drache durch das Sperrfeuer bis auf einhundert Meter zu ihnen herauf gekommen war – und verfehlte!
Der Kondensator brummte auf, um schnellstmöglich die Spannung für einen zweiten Schuss zu liefern, aber Dá Zhén kam zu schnell näher. Schon troffen die ersten Tropfen seiner Säure aus dem Nüstern, er öffnete sein Maul für einen Schrei. Er war wütend, und er wusste, dass er im Vorteil war.
Dann blitzte die Magnesiumladung direkt vor seinen Augen auf. Irritiert geriet er aus dem Takt, schlug die Flügel so, dass er auf der Stelle blieb. Der größte und letzte Fehler seines Lebens.
Ein weiterer Magnesiumpfeil landete auf seinem Körper, am weichen Hals, der normalerweise von einer Rüstung geschützt gewesen wäre, wenn dieser hier Soldat gewesen wäre. Entsetzt heulte der Drache auf, und bot für einen winzigen Augenblick freies Schussfeld. Ein weiterer Pfeil mit Magnesiumladung landete in seinem weit geöffneten Maul. Es gab einen Lichtblitz, als das Magnesium reagierte, die Säuredrüsen fingen Feuer, und der Drache schien von innen heraus zu explodieren. Dann fiel er wie ein Stein in die Tiefe.
Neben der zu Tode erschöpften Amy summte die Drachenlanze auf und jagte einen Strahl durch das rechte Drachenauge direkt ins Gehirn.
Überrascht sah Amy ihre Vorgesetzte an. Der Sturz hätte Dá Zhén in jedem Fall getötet. Woher dieser Akt der Gnade? Doch statt auf ihre unausgesprochene Frage zu antworten, lächelte Ahab nur matt und deutete auf den schweren Sportbogen in Amys Händen. „Und wieder einmal hat sich deine mittelalterliche Waffentechnologie als nützlich erwiesen.“
Sie sah wieder hinab auf das zerstörte Landhaus. „An alle von Ahab. Weitere Moby Dicks?“
„Negativ.“ „Negativ.“ „Negativ.“
„Gut, dann rauf auf den Sarg!“
Amy und ihre Vorgesetzte huschten aus dem Schützenloch, einen Trampelpfad den Abhang hoch. Auf der anderen Seite des Berges erwartete sie ein Transporthubschrauber, aber das war nur die halbe Miete. Danach mussten sie es schaffen den Planeten zu verlassen.
***
Mit Entsetzen beobachtete Heine Rosenstark die Aufräumarbeiten. Nachdem er von dem Attentat gehört hatte, hatte er Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um einerseits genügend Arbeiter vor Ort zu haben und andererseits selbst so schnell es ging hier zu erscheinen. Wenn neun Drachen angegriffen wurden, dann war das definitiv Chefsache für den Militärgouverneur.
„Das ist der siebte Drache“, sagte Candace Liao tonlos, als man den Kopf eines vierten Sian-Drachen aus der Lawine geschält hatte. Er war entsetzlich deformiert und verletzt. „Hao Hán.“
„Der achte“, korrigierte Heine. „Man hat Dá Zhén auf dem Abhang gefunden. Er hat diverse Lanzenwunden am Leib, dazu Magnesiumverbrennungen am Hals und im Rachen. Seine Giftdrüsen müssen ihm im Nüstern explodiert sein.“
„Also können wir ein Unglück ausschließen“, murmelte Candace betreten. „Wer um alles im Universum tut so etwas? Es waren Drachen, Heine, Drachen!“
„Ich weiß es nicht, verdammt! Aber ich weiß, dass ich den ganzen Berg umgraben werde, um Antworten zu erhalten! Soryu ist mit Schnitter bereits da oben auf Spurensuche. Mehr können wir nicht tun. Aber jemand wird die Verantwortung hierfür übernehmen müssen.“
Candace schluckte für einen Moment. „In Abwesenheit von Prinz Xiang habe selbstverständlich ich...“
„Nein, Candace. Ich bin der Militärgouverneur. Ich werde die Verantwortung übernehmen. Wenn man es genau nimmt, habe ich sie ja auch. Ich kehre so schnell es geht nach Xiang City zurück und beantrage eine weitere Premiumverbindung über TraStar nach New Avalon.“
Er sah zur Seite und klopfte Pacificus auf die Nüstern, der dem Schauspiel mit Entsetzen zusah. „Auf diese Weise bleiben Xiangs Pläne unberührt.“
„Woher...“, begann Candace, verstummte jedoch wieder. Sie entfaltete ihren Fächer und verbarg ihr Gesicht dahinter. „Danke“, hauchte sie.
Heine Rosenstark neigte das Haupt vor ihr. Er hatte einen schweren Weg vor sich.

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"So, geschafft, zumindest die Diagnosecomputer im Cockpit melden, dass nun alle Waffen korrekt integriert sind." Tostan schwang sich aus dem Cockpit einer alten, kampfgezeichneten Drachenrüstung, welche in der Rüstkammer des Drachenstalls aufgebaut war. Garm, der die Arbeiten zusammen mit Schnitter verfolgt hatte, kommentierte dies mit: "Ist ein beruhigendes Gefühl, wieder mit angemessener Bewaffnung unterwegs sein zu können."

"Sind das etwa Hesperus Arms Drachenlanzen? Ist das nicht etwas antiquarisch? Die Firma ist doch schon vor hundertfünfzig Jahren in Konkurs gegangen." Mit diesen Worten trat Soryu Walker näher an die Szene heran.
"Stimmt", meinte Tostan. "Diese alten Lanzen sind zwar Energiefresser ohnegleichen und außerdem etwas schwerer als modernes Gerät, aber die Fokussiertechnologie von Hesperus Arms ist immer noch unübertroffen, und die Qualität der Waffen ist besser als so manches was heute produziert wird. Und sie sind problemlos in diese Rüstung integrierbar." Tostan kletterte von der Rüstung und griff nach einer Flasche Bier. "Allerdings wissen das heutzutage viele nicht mehr zu schätzen, so dass diese Schätzchen billig zu haben waren. Dafür sind die Hovertec Raketen modern. Sechsunddreißig Raketen, von denen sechs gleichzeitig abgefeuert werden können. Die Zielmarkierung erfolgt durch einen Helmsensor. Was man sieht, das trifft man auch. Zusammen mit der schweren Blitzlanze und den drei Lichtlanzen ist das eine beruhigende Schlagkraft. Und für den direkten Kontakt sind da die Vibroklauen und der Kondensator am Schwanz." Tostan nahm einen langen Schluck aus der Bierflasche. "Nachdem uns in den letzten Jahren die Waffen nach und nach kaputt gingen und weit und breit keine Reparaturmöglichkeit zu finden war, war es jetzt billiger, die Reste als Ersatzteile zu verkaufen und neue Waffen anzuschaffen. Was die neuen leisten, werden wir aber erst Morgen sehen, ich habe Zeit auf einem Übungsgelände gebucht."
Soryu schüttelt zweifelnd den Kopf "Sicher habt ihr für eure Gewichtsklasse eine beeindruckende Feuerkraft, aber nur für kurze Zeit. Wenn die Lanzen leer sind, bleibt nicht viel übrig. Und gerade diese antiken Hesperus Arms Lanzen sind schneller leer, als einem lieb sein kann."
"Ja, aber normalerweise arbeite ich als Scout.... für einen einzelnen Gegner sollte es allemal reichen, und bei einer Überzahl mache ich mich lieber auf den Rückweg. Garm entdeckt die meisten Gegner, bevor sie überhaupt ahnen dass er da ist. Nur wenige Drachenarten sind da besser, und diese sind meist kleiner als er.
So, nun aber Schluss für heute, kümmern wir uns erstmal um deine Schuppen", meinte Tostan zu Garm.
"Genau deswegen bin ich eigentlich gekommen", meinte Soryu, und die vier machen sich auf zum Sanitärbereich, wo diverse Hilfsmittel zur Drachenpflege auf die Benutzung warteten. Natürlich gab es Pflegepersonal im Drachenstall des George, aber wie so viele Reiter zogen es die beiden vor, sich so oft wie möglich selbst um ihre Drachen zu kümmern.

Nach der schweisstreibenden Drachenpflege und anschließender Dusche saßen die beiden in einer Bar in der Nähe des Drachenstalls. "Sag mal, du bist doch Rasalhaager. Man hört so einige Geschichten über eure Berserker-Drachen, was ist denn da wahres dran?", meinte Soryu bei einem Bier.
"Du meinst Drachen, welche im Kampf wie in blinder Wut agieren und dabei Kräfte entwickeln, die weit über das normale Maß hinausgehen? Gehört habe ich davon auch schon, aber nichts aus verlässlicher Quelle. Wenn es solche gibt, dann wohl nur wenige und man hält es geheim. Aber ich habe einmal Garm richtig wütend erlebt und glaube mir, ich möchte da nicht sein Gegner sein."
Soryu schüttelte den Kopf und meinte: "Natürlich, Drachen sind intelligente Wesen und kennen alle menschlichen Emotionen, aber das ist doch nichts ungewöhnliches."
"Nein, das meine ich nicht." Tostan nahm einen Schluck Bier und fing nach einer kurzen Pause an zu erzählen. "Wie du weißt, haben wir ja lange Zeit als Prospektoren gearbeitet. Es war vor etwa dreizehn Jahren in der tiefsten Peripherie. Wir sind gerade auf einem neuen Planeten angekommen, allen Datenbanken nach war er unbewohnt. Aber es ist in der Peripherie ja nicht ungewöhnlich, dass es unregistrierte Siedlungen gibt. Oft Schiffbrüchige oder Leute welche aus ideologischen oder religiösen Gründen die Innere Sphäre verlassen haben. So war es auch dort. Nur leider wurde eine Banditenbande auf diese Siedlung aufmerksam. Als Garm und ich die Siedlung entdeckten, waren die Piraten gerade dabei ihre Eroberung zu feiern. Die Bewohner waren fast alle tot und die betrunken Piraten machten sich einen Spaß daraus ein kleines Mädchen zu hetzen. Das Kind war völlig verängstigt und flüchtete von Versteck zu Versteck, die Piraten ließen sie scheinbar entkommen um sie gleich wieder zu entdecken und weiter zu hetzen.
Bevor ich begriff was da passiert, hatte Garm verstanden. Er brüllte auf wie ich ihn noch nie gehört hatte und stürzte sich auf die Piraten. Plötzlich waren die Piraten die Gejagten, Garm holte sich einen nach dem anderen. Ich saß im Cockpit und konnte kaum etwas machen außer einige Waffen abzufeuern. Es war völlig anders als ein normaler Kampf. Garm hat ja wie alle Paladin-Drachen eine hervorragende Wahrnehmung, aber was er da gezeigt hat ging weit über das normale Maß hinaus. Es gab kein Versteck was er nicht entdeckte, die Piraten wurden geröstet, zerquetscht oder zerbissen. Ich bin mir sicher dass keiner überlebt hat. Garm beruhigte sich erst wieder, nachdem er wirklich nirgendwo mehr einen Banditen entdecken konnte.
Tja, wenn Drachen oder ihre Reiter es gelernt haben, solche Wut gezielt hervorzurufen, dann gibt es Berserkerdrachen. Aber sicher weiß ich es nicht."

Souru schwieg eine Weile und meinte dann: "Und das kleine Mädchen? Hat sie überlebt?"
"Du hast Svenja ja schon kennengelernt. sie war die einzige Überlebende. Und Garm passt immer noch sehr genau auf unsere Tochter auf. Was ihr nicht immer recht ist, sie ist der Meinung, dass sie sich mittlerweile recht gut selbst schützen kann."
"Und was meinst du dazu?"
"Mit ihren beiden Laserpistolen hantiert sie beinahe noch präziser als mit ihrem chirurgischen Laserskalpell. Trotzdem ist es nie verkehrt, wenn ein Paladin als Leibwächter da ist."
"Ständig überwacht zu werden würde mir wohl auch nicht gefallen." murmelte Soryu leise. Da in diesem Augenblick die Lautstärke in der Bar anschwoll war dies aber nicht zu verstehen.
"Was hast du gesagt?" fragte Tostan nach.
Soryu winkte ab, "Ach, nichts. Du willst morgen also deine Waffen testen?"
"Ja, ich habe schon Zeit auf einem Übungsgelände gebucht. ein Trainingskampf wäre auch nicht übel, nur leider fanden sich noch keine Partner. Wie wäre es mit dir und Schnitter?"
Soryu hebt die Hände "Wir sind wohl kaum in eurer Gewichtsklasse, aber aber ich könnte ja den Reiter des Griffin-Drachen im Stall fragen, eventuell haben die beiden Lust auf eine Trainingsrunde."
"Das wäre wirklich gut, Sagst du mir dann Bescheid? Ich habe von zehn bis zwölf gebucht. Es ist das MacLennon Trainingsfeld im Süden der Stadt."
"Dann sehen wir uns spätestens dort. Ich werde sicher auch da sein, Schnitter braucht mal wieder etwas Bewegung. Falls Heine dem Training zustimmt, werden wir wohl den Schiedsrichtern über die Schulter sehen."
16.12.2008 16:08 Tostan ist offline E-Mail an Tostan senden Beiträge von Tostan suchen Nehmen Sie Tostan in Ihre Freundesliste auf
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Als sich Heine Rosenstark seine Krawatte band, ging sein Blick unwillkürlich auf die rechte Halsseite hoch. Die lange, weiße Narbe sah aus als hätte eine Drachenkralle sie hinein gekratzt. Das Pikante daran war, dass sie die Halsschlagader überquerte. Heine erinnerte sich noch als wäre es gestern gewesen als die fingerdicke Ader aufgetrennt worden war. Das Blut war mit unheimlicher Wucht aus ihm heraus geflossen, es hatte eine wahnsinnige Sauerei gegeben und er selbst hatte kurz vor dem verbluten gestanden. Mittlerweile war die Narbe fast verblasst und erzählte nicht mehr sehr viel über den Wagemut eines Achtjährigen und sein halsbrecherisches Kletterabenteuer, aber sie hatte Heine seither immer ermahnt, dass seine Lebenszeit begrenzt war, irgendwann enden musste, und dass er das Beste aus ihr machen sollte.
Im Moment war er nicht gerade dabei, dieses sich selbst gegebene Versprechen einzuhalten, aber ein anderer seiner Lehrsätze für sich selbst hieß: Besser Ehre zu verdienen und sie nicht zu haben als umgekehrt.
Er war Hanse Davion verpflichtet. Er hatte sich freiwillig und in vollem Bewusstsein dem Prinzen untergeordnet und ihn bei seinem Kampf um den Prinzenthron unterstützt, so hilfreich die Unterstützung eines blutjungen planetaren Grafen auch sein konnte, wenn es um das Amt überhaupt ging, das die Vereinigten Sonnen zu vergeben hatten. Aber nachdem Hanses Bruder Ian durch seine Liebesheirat den Frieden von Dieron mit dem Kombinat herbei geführt hatte, war der junge Hanse Thronfolger geworden, war aus seiner militärischen Karriere in eine politische gerissen worden. Heine, damals ein unbedarfter junger Adliger mit Akademie-Abschluss, hatte sein Bestes gegeben, um zusammen mit dem legendären Ardan Sortek die Feinde seiner künftigen Regentschaft aufzuspüren und zu bekämpfen. Ausgerechnet Michael Hasek, der Mann von Hanses Halbschwester, hatte sich als schärfster Konkurrent mit dem naheliegensten Anspruch auf den Thron heraus gestellt. Schließlich und endlich aber hatte Protectus ein Machtwort gesprochen und sich zu Hanse bekannt. Diese Entscheidung wurde mittlerweile als „erstklassig“ anerkannt, und das nicht nur weil man dem Ersten Prinzen nicht auf die Füße treten sollte.
Danach hatte Heine sein Bestes gegeben um die Lücke zu füllen, die Hanses Austritt aus der DAVS mit sich gebracht hatte; er war Feuerwehroffizier geworden. Ein mit vielen Rechten, weitreichenden Vollmachten und eigener Streitmacht ausgestatteter Stabsdienstoffizier, der direkt an die Brennpunkte geschickt wurde, um militärisch, politisch oder persönlich einzugreifen. Bei dieser Tätigkeit hatte er den jungen Soryu Walker getroffen und unter seine Fittiche genommen. Das gleiche hatte Pacificus mit Schnitter gemacht, und man konnte sagen, zwei sehr gute Teams waren damals entstanden und bewährten sich immer noch jeden einzelnen Tag.
Seine militärische Funktion war damals recht schwammig gewesen. Er war nie mit Armee gereist, um schnell und flexibel zu bleiben. Sein Stab hatte nur aus einem halben Dutzend handverlesener Leute bestanden, die nun bis auf Soryu Dienst auf New Avalon taten. Zwei Drachen war das Maximum gewesen, was Heine als Berater und Kampfeinheiten mitzunehmen gepflegt hatte. Tatsächlich hatte er Soryu ausgewählt, weil der schnelle, wendige und freche Schnitter ihm auf Anhieb gefallen hatte. Die Chemie zwischen dem Reiter und ihm hatte sich erst hinterher als so perfekt heraus gestellt.
Allerdings hatten seine Papiere es ihm erlaubt, notfalls Divisionen unter sein Kommando zu stellen. Ein von Hanse unterschriebener Verigraph-Brief verlieh ihm wann immer er das Schreiben zückte den Titel eines Generals. Damit war er den meisten Garnisonsführern gegenüber weisungsbefugt gewesen. Natürlich hatte er die „Keule“, wie er diese temporäre Beförderung nannte, nur äußerst selten benutzt.
Darum war es eigentlich kein Wunder gewesen, dass Hanse ihn auf eine diplomatische Mission in den semi-autarken St. Ives-Pakt geschickt hatte, als Prinz Xiang um eine Unterredung unter vier Augen gebeten hatte. Wie sie alle wussten hatte die Geschichte für ihn persönlich katastrophale Auswirkungen gehabt. St. Ives war aber dennoch Teil der Vereinigten Sonnen geworden und würde es vorerst auch bleiben, solange Prinz Xiang vor seinem Vater vorgeben konnte, aus dem tiefsten Grund seiner Ehre heraus zu handeln. Starb der Prinz jedoch oder stellten die DAVS etwas wirklich dummes an, wie etwa neun Drachen zu töten, dann... Heine seufzte laut. Es brachte nichts, diese Gedanken zu wälzen. Er hatte sich dazu entschlossen, all die Schande auf sich zu laden und den Preis dafür zu bezahlen. Selbst Candace Liao hatte die Weisheit seiner Tat anerkannt und ihn gewähren lassen.
Wenn Heine nun daran zurückdachte, dann kam es ihm in den Sinn, dass aus dem herzlichen Abschied und dem Mitgefühl der Capellanerin vielleicht mehr zu machen gewesen wäre. Immerhin war Candace eine Frau mit bildhübschen Gesicht, die, wenn sie mal nicht ihre Zeremonienkleidung, sondern moderne Kleider oder Anzüge trug, überdies noch eine gute Figur machte. Darüber hinaus wusste Heine, dass sie sich mit T´ai Chi Chuan fit hielt, seit ihr als blutjunger Drachenreiterin der rechte Arm mehrfach gebrochen worden war und dieser steif zu werden gedroht hatte. Ein halb capellanischer, halb davionischer Jugendfreund hatte ihr die Übungen regelrecht eingeprügelt, und das hatte der Mann nur überlebt, weil sein Drache Yen-Lo-Wang war, ein Himmelsdrache, der Sian vor über dreihundert Jahren verlassen hatte, um die Innere Sphäre zu erkunden. Er genoss immer noch viel Respekt in der Föderation, auch wenn er in den gottlosen Vereinigten Sonnen lebte, aber man erzählte sich hinter vorgehaltener Hand, dass das Ei, aus dem Cang Tian geschlüpft war, von ihm befruchtet worden war. Unter normalen Umständen hatten sie ein tolles Team abgegeben, der Jugendfreund mit seinem mächtigen Drachen Yen-Lo-Wang, aber das Leben war kompliziert. Und warum sollte es für seinen alten Freund und Kameraden Justin Allard leichter sein, als für den jungen Rosenstark selbst?
Vergangene Chance bei Candace. Damit war er schon der zweite glücklose Davion, der dieser wunderschönen, hoch intelligenten Frau so nahe gekommen war und nichts daraus zu machen verstanden hat.

Heine hielt inne und betrachtete die Misere, die er angerichtet hatte. Die Krawatte war nun vollkommen verknotet, und er beschloss, auf das Mistding zu verzichten. Immerhin wollte er den Abend bei Tee und mit einem guten Buch bei Pacificus und Schnitter verbringen, um seine aufgewühlten Gedanken wieder in den Griff zu kriegen. Die Begegnung mit dem Drachentöter hatte ihn weit mehr beunruhigt als er hätte sagen können. Es war keine Abscheu gewesen, kein Entsetzen, eher eine... Morbide Faszination. Der Mann hatte eine Energie ausgestrahlt, eine Entschlossenheit, die Heine selten bei einem Mann gesehen hatte. Das war eine Aura, wie man sie in der hohen Politik brauchte – und leider viel zu selten vorfand. Seine Worte kreisten in seinem Kopf, und er musste sie mit Gewalt vertreiben. Er war NICHT nach Galatea gekommen, um hier seine eigene Einheit aufzubauen, sondern um auf einer Welt leben zu können, die für genügend Geld sogar ihn in Frieden leben ließ.
„Bin wieder da“, erklang es von der Tür, als Soryu ihr gemeinsames Appartement betrat. „Heine?“
„Badezimmer“, rief der junge Rosenstark zurück.
Soryu steckte den Kopf zur Tür herein und grinste ihn an. Mit der Linken drückte er ein Kühlpack aufs Auge. Jodtinktur und Schmetterlingspflaster waren großzügig auf dem jungenhaften Gesicht verteilt worden.
Heine wandte sich halb um. „Kenne ich den Lastschweber, der dich angefahren hat?“
„Ach, der hat Totalschaden. Aber es war den Spaß wert.“
„Nanu, du hast ja gute Laune. Das ist das erste Mal seit du Schnitter auf Towne so richtig hast ausfliegen lassen, bis er nicht mehr wollte. Woher kommt´s, wenn du aussiehst wie einmal überfahren?“
„Ach, ich bin ein bisschen durch die Stadt geschlendert und in einer Kneipe eingekehrt. Eine von den Dingern in die wir rein sind, wenn wir etwas wissen wollten, du weißt schon.“
„Eine Soldatenkneipe.“
„Ja. Waren auch ein paar Drachenreiter da.“
Heine stutzte und unterdrückte ein Prusten. Drachen waren selten, ergo auch die Drachenreiter. Höchstens ein gutes Tausend befand sich in der Inneren Sphäre in militärischem Dienst, das ergab einen recht elitären Club, in dem jeder jeden kannte. Theoretisch zumindest. Aber jeder anständige Drachenreiter kannte Namen wie Maximilian Liao, Katrina Steiner oder Theodore Kurita, um einige der besten Drachenreiter der Inneren Sphäre aufzuzählen. Er konnte sich also denken was passiert war.
„Lass mich raten. Ein Wort gab das andere, und dann flogen die Fetzen.“
„Ganz so war es nicht. Ich habe gar nichts gesagt, aber plötzlich kam so ein Idiot an und nannte mich irgendwas wie einen Drachenmörderfreund. Ich habe nicht so genau zugehört, ich hatte zu viel zu tun, um mein Leben zu retten.“
„Anscheinend hast du es geschafft. Was ist passiert? Hast du gewonnen oder verloren?“
„Viel besser“, erwiderte Soryu grinsend. Bei dieser Bewegung dehnte sich seine Gesichtshaut und ein Cut begann wieder zu bluten. „Autsch.“
„Lass mich mal sehen.“ Heine nahm das Pflaster ab, reinigte die Wunde und setzte ein neues auf. Jeder gute Drachenreiter kannte zwei medizinische Dinge: Wie man Wunden aus Drachenkämpfen versorgte und wie man bleibende Narben vermied. „Du hast also was besseres erlebt als zu gewinnen?“
„Tostan.“
„Tostan?“
„Tostan“, wiederholte Soryu und nickte bekräftigend. „Feiner Kerl. Hat mich raus gehauen. Ist ein Prospektor aus Rasalhaag mit eigenem Scoutdrachen. Garm heißt er. Ich glaube er steht rechts von Schnitter.“
„Der Paladin-Drache? Aus unserem Hotel? Was für ein Zufall.“
„Ein glücklicher Zufall. Tostan gibt nichts auf Gerüchte, deshalb hat er mir auch zur Seite gestanden. Nicht ganz freiwillig, aber letztendlich erfolgreich. Wir sind zu einem Bier verabredet. Ich wollte nur schnell duschen, um den Geruch nach Idioten los zu werden.“
„Und?“, hakte Heine amüsiert nach.
„Und dann ist da natürlich noch seine Adoptivtochter Svenja. Blutjung, Ärztin für Traumatherapie, Biologin und Traumfrau. Nicht unbedingt in der Reihenfolge. Das einzige Problem ist, dass Tostan etwas überbeschützend ist. Garm übrigens auch.“
„Hast du etwa die Jagd auf die junge Dame eröffnet?“, fragte Heine amüsiert. Nun, der Junge war ein hübscher Mann, der zudem das Temperament eines brünftigen Zuchtstiers hatte, und auf den Kopf gefallen war er auch nicht. Es gab viele Frauen, die den leichten asiatischen Touch von Soryu Walker unwiderstehlich fanden. Ein Wunder, dass die Zahl seiner Verflossenen noch nicht vierstellig war.
„I wo, bewahre. Ich werde mich doch nicht mit meinem einzigen Freund auf dem Planeten anlegen“, erwiderte Soryu und führte eine abwehrende Geste aus. „Andererseits, wenn es passiert, dann passiert es wohl. Schicksal, Karma, Bestimmung, irgendwas wird dann schon als Erklärung dienen.“
„Garm wiegt etwa zehn Tonnen mehr als Schnitter, vergiss das nicht“, mahnte Heine amüsiert.
„Wie dem auch sei, ich trinke mit den beiden unten in der Bar ein paar Biere. Sie sind schon etwas länger hier und kennen ein paar mehr Leute. Für dein Landhaus vielleicht eine Super Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen.“
„Hm“, machte Heine. „Ich wollte mit den Jungs was lesen.“
„Oh. Gute Idee. Dann kannst du Garm ablenken. Oder noch besser, lobe mich vor ihm. Aber trage nicht zu dick auf, okay? Ich bin dann duschen.“
„Komm auf dem Rückweg bei mir vorbei. Ich verarzte dich dann neu“, erwiderte Heine amüsiert.
„Oh, das werde ich, das werde ich. Wenn ich schon grün und blau geschlagen bin, dann muss der Anblick sich ja auch lohnen, um ihr weibliches Mitgefühl zu wecken.“ Soryu lächelte und zwinkerte ihm zu.

Heine sah ihm nach, nahm die Krawatte erneut auf und ließ sie dann doch wieder sinken. Anschließend zog er Sakko und Leinenhose aus, um in eine bequemere Stoffhose und ein weißes, unspektakuläres Hemd zu wechseln. Himmel, er wollte sich auf eine Drachenklaue setzen, und nicht ausgehen.
Er grinste über das ganze Gesicht, als drüben in Soryus Zimmer die Dusche zu rauschen begann und der Sandoval-Spross laut aber schief zu singen begann. Und wieder ein Klassiker der Schlagerszene, der von Soryu ergriffen und misshandelt wurde.
Das Grinsen erstarb. Der ruhige Landsitz. Verdammt, der Landsitz. Heine fragte sich nicht zum ersten Mal, ob er so ein ruhiges Leben aushalten konnte, nachdem er so oft und so weit gereist war.
Er erinnerte sich an das Abendessen mit Protectus, dem persönlichen Drachen von Hanse Davion. Er erinnerte sich daran, wie Protectus versichert hatte, dass der MI6 alles daran setzte, um die wahren Hintergründe für das Attentat auf die capellanischen Minister herauszufinden und den wahren Täter aufzuspüren, damit er, Heine, entlastet werden konnte. Hanse hatte ihm mitteilen lassen, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis hieb- und stichfeste Beweise gefunden waren, die beweisen würden, wer den Tod der Drachen in Auftrag gegeben hatte. Damit hatte Heine immer noch neun tote Drachen auf dem Gewissen, aber Cang Tian würde sich vielleicht besänftigen lassen, wenn er die wahren Täter und deren Motive kannte und anschließend Hanse bitten, Heines Exil aufzuheben. Alles was der junge Rosenstark bis dahin zu tun hatte war sich aus jedem Ärger raus zu halten und mit den reichlichen Geldmitteln aus Hanses persönlicher Börse ein komfortables Leben zu führen. Ach, und er sollte natürlich auch noch am Leben bleiben. Das war vielleicht das schwierigste Versprechen, das Protectus ihm abgenommen hatte.
Aber er war sehr froh darüber, dass zwei sehr wichtige Freunde diesen Schicksalsgang mit ihm und Pacificus teilten. Worüber er nicht so froh war, das war die Inaktivität, die ihm aufgezwungen worden war.

Nachdem Soryu mitleidheischend genug wiederhergerichtet war - Heine fragte sich mittlerweile, ob er einen guten Vater abgeben würde – nahm er sich ein Buch aus seiner persönlichen Sammlung und ging hinab in den Drachenstall. Bis auf eine junge Frau mit rasiertem Schädel und ein gutes Dutzend Drachen war er leer. Sie unterhielt sich ohne Scheu mit einem Vulkan, und das große Tier ging äußerst vertraut, vielleicht sogar ein wenig ängstlich mit ihr um. Danach wandte sich die junge Frau ab und verließ den Drachenstall.
„Was war denn los?“, fragte Heine, als er sich auf den rechten Vorderlauf seines Drachen setzte.
„Ach, die Kleine kommt jeden Tag einmal rein und mustert die neuen Drachen. Sie hat echt Chuzpe, das muss man ihr lassen. Sie hat keine Angst vor den Drachen. Aber ein paar Drachen haben Angst vor ihr.“
Heine schnaufte amüsiert auf. „Müssen alles Männchen sein“, kommentierte er. „Wo waren wir stehen geblieben?“
„Wir durchquerten Moria“, half Pacificus aus.
„Lest ihr wieder Herr der Ringe?“, klang die Stimme von Schnitter auf. Der Scoutdrache schlängelte sich aus seiner Box und drängte sich zu dem Griffin und Heine herein. „Ich will mithören. Ich will wissen, wie es mit Pippin und Merry weiter geht.“
„Mich interessiert mehr wie Frodo mit seiner Bürde umgeht. Der Ring wiegt ja so viel wie die Verantwortung für ein ganzes Königreich“, murmelte Pacificus.
„Herr der Ringe?“ Ein weiteres Drachengesicht tauchte vor ihnen auf. Die blauviolette Färbung ebenso wie das kantig-markante Gesicht identifizierten ihn als Angehörigen der Rasalhaag-Rassen. „Das habe ich schon seit Jahren nicht mehr gelesen. Darf ich mich dazu gesellen?“
„Garm ist in Ordnung“, warf Pacificus ein. „Ein mieser Schachspieler, aber er ist in Ordnung.“
„Im Boxen habe ich dich geschlagen“, erwiderte Garm pikiert in Anspielung an die vielen virtuellen Spiele, die den Drachen zur Verfügung standen.
„Ich habe nichts dagegen“, sagte Heine schnell, bevor die Diskussion ausufern konnte.
Also zog sich Pacificus etwas nach hinten, und Garm drängte sich Seite an Seite mit Schnitter etwas tiefer in die Box.
Am Servo bestellte Heine etwas niedrigere Temperatur für den Griffin, denn die Körperwärme von drei Drachen würde es bald schon warm genug werden lassen. Bei der Gelegenheit bestellte er sich auch gleich noch ein kaltes Bier. Mit ruhiger und sonorer Stimme begann er zu lesen...

Eine gute halbe Stunde später war Heine von Drachen umgeben. Mittlerweile war die Zahl seiner Zuhörer auf acht gewachsen, was die gesamte Anzahl an schuppigen Gästen ausmachte. Und sie heulten sprichwörtlich Rotz und Wasser.
„Das kann doch nicht sein!“, rief Schnitter aufgebracht und stupste Heine mit seiner Schnauze an. „Gandalf ist doch nicht wirklich in das bodenlose Loch gestürzt, oder?“
„Ist der Balrog wirklich um soviel mächtiger als Gandalf?“, fügte Pacificus hinzu. „Ich meine, Gandalf hat die Gruppe doch so sicher geführt, bis zu diesem Moment.“
„Ihr versteht das nicht, Kinder“, mischte sich Garm ein. „Es war ein notwendiges Opfer. Keiner aus der Gruppe hatte die richtige Macht zur richtigen Zeit, nur Gandalf war in dem Moment in der Lage etwas zu tun.“
„Richtige Macht zur richtigen Zeit?“, argwöhnte Silk, ein weiblicher Eisdrache der Regin-Linie von den Gletschern Tharkads.
„Boromirs Arm ist stark und ausdauernd mit dem Schwert, Legolas hat treffsichere und schnelle Pfeile, Aragorns Blick ist scharf und sein Waffenarm ist flink und Gimlis Axtarm fährt wie die Sichel von Gevatter Tod durch die Reihen seiner Feinde. Ihre Zeiten werden kommen, sie werden gebraucht, sie werden sich bewähren. Aber der Balrog ist ein Geschöpf von Morgoth selbst, der das Übel in die Welt gebracht hat. Nur ein ähnlich mächtiges Wesen kann ihn aufhalten. Das hat Gandalf getan. Er hatte die richtige Macht zur richtigen Zeit.“
„Ja, aber Gandalf ist doch die Hauptfigur“, jammerte Schnitter.
„Nein, nicht Gandalf ist die Hauptfigur“, sagte Heine belustigt. „Samweis ist es.“
„Samweis?“, fragten die Drachen erstaunt.
Garm, der das Buch bereits kannte, nickte wohlgefällig.
„Ich hätte zumindest erwartet, dass du Frodo zum Hauptprotagonisten erklärst“, murrte Pacificus. „Warum Sam?“
„Das wirst du schon noch erleben, wenn ich weiter lese.“ Heine klopfte dem Gefährten auf die großen Pranken. „Jeder einzelne ist eine Hauptfigur und muss seine ganz persönliche Hürde überwinden. Jeder hat eine Aufgabe, die eigentlich größer ist als er selbst. Und nur wenn es jeder einzelne auch schafft, dann kann gelingen, was eigentlich unmöglich ist. Samweis hat die schwerste aller Lasten zu tragen. Und er ist auch der Tapferste.“
„Das will ich sehen!“, rief Schnitter aufgeregt. „Schnell, lies weiter, Heine!“
Auch die anderen Drachen drängten den ehemaligen Diplomaten.
Er schlug das Buch erneut auf und begann die Flucht zu schildern, kurz nach Gandalfs Sturz. Das „Flieht, ihr Narren“ stand noch immer im Raum.

Als sich Heine um Mitternacht von den aufgewühlten Drachen verabschiedet hatte, waren die schuppigen Kunstliebhaber noch immer am diskutieren. Das würde sich sicherlich bis weit in den Morgen fortsetzen; Wenn Drachen sich erst einmal festgebissen hatten, dann investierten sie erstaunlich viel Energie in eine Sache. Faramir, Bruder vom toten Boromir bot aber auch exzellenten Diskussionsstoff. Was war er nun? Weiser Mann, über den einen Ring erhaben, oder auch nur ein geblendeter Mensch, der die Macht sah und nach ihr griff?
Irgendwie war das alles auch eine Metapher für sein eigenes Leben, ging es Heine durch den Kopf. Auch er war der einzige gewesen, der zur richtigen Zeit die richtige Macht gehabt hatte. Und auch er war gestürzt, tief gefallen, nur hatte ihm das Schicksal nicht erlaubt, den Balrog mit sich zu reißen.
Im Appartement angekommen erwartete ihn ein sichtlich angetrunkener Soryu mit zwei frisch gezapften Bieren. „Ich war so frei und habe Timbiqui bestellt. Da kann man echt auf den Geschmack kommen. Nach den ganzen Weinen und den Hors D'oeuvres von all den diplomatischen Empfängen tut ein wenig back to the roots vielleicht ganz gut.“
Heine setzte sich dem Freund gegenüber. „Du willst doch irgendwas, oder?“
„Wie man es nimmt. Unser Kontaktmann ist noch nicht aufgetaucht. Und ich frage mich, wie lange wir noch auf ihn warten müssen.“
Heine seufzte. Protectus hatte ihnen gesagt, dass zwei Elitesoldaten zum persönlichen Schutz Rosenstarks abgestellt worden waren. Sie sollten nur wenig später nach ihnen auf Galatea eintreffen und dann möglichst unauffällig in ihre Dienste treten. Zu diesem Zweck mussten sie sich zufällig treffen, und der beste Weg um das zu erreichen war, dass einer von ihnen beiden irgendwo in der Öffentlichkeit präsent war.
„Er lässt auf sich warten. Und da dachte ich mir, Hey, wenn der Aufpasser noch nicht da ist, hast du vielleicht Lust auf ein wenig Schweiß und Blut.“ Soryu grinste schief. „Garm und Tostan haben morgen ein Trainingsgelände angemietet. Ich habe versprochen, mit dir und Pacificus zu reden. Nur ein kleiner, harmloser Testkampf. Damit er sieht wo er steht.“
„Ich habe Garm vorhin kennen gelernt. Ein distinguierter Drache von Erfahrung. Er hat Format, wenngleich es ihm etwas an Wissen mangelt. Ich schätze, die Peripherie ist in manchen Dingen kein guter Lehrmeister.“
„Literatur ist da draußen schwer zu bekommen“, pflichtete Soryu bei. „Ach komm, sei kein Snob und kämpfe mit den beiden. Du wirst das Workout gebrauchen können. Und vielleicht treffen wir da auch unseren Kontaktmann.“
„Ich habe das nicht herablassend gemeint“, versicherte Heine. „Er ist halt... Ausbaufähig.“
„Also ist das ein ja?“
„Es ist ein ja.“
„Sehr gut. Ich habe nämlich schon zugesagt.“ Soryu zwinkerte ihm über den Rand seines Glases zu und nahm einen tiefen Schluck.
Heine schluckte die Tatsache, ohne den jungen Sandoval zu tadeln. Stattdessen schmunzelte er. „Leute trifft man hier. Wir warten auf zwei Elitesoldaten, die uns Hanse aufs Auge gedrückt hat, freunden uns mit einem Prospektor und seinem Drachen aus Rasalhaag an, werden von einem Drachentöter angesprochen und treffen eine junge Frau, vor der Drachen Angst haben.“
„Da war ich aber nicht dabei. Denn daran würde ich mich erinnern.“
„Eine beeindruckende Szene. Hat ein paar Drachenfeuerverbrennungen, die Gute, aber nicht den Hauch von Angst.“
„In der Tat. Das ist beeindruckend.“ Nachdenklich drehte Soryu sein Glas in der Hand. „Eine ideale Drachenpflegerin, oder?“
„Ich bevorzuge den Begriff Betreuerin“, erwiderte Heine. „Morgen also? Ich freue mich drauf. Es ist schon etwas her, seit ich wirklich ernsthaft geflogen bin.“
„Ich weiß“, erwiderte Soryu zufrieden mit sich, der Welt und seinem besten Freund.

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Vor fünf Millionen Jahren schlug ein größerer Asteroid auf Galatea ein und erschuf einen Krater von etwa fünfundvierzig Kilometern Durchmesser. Der Kraterwall ist heute noch bis zu zwei Kilometer hoch. Dieser Asteroid brachte bedeutende Mengen an wertvollen Erzen.

Kurz nach der Besiedlung Galateas entdeckte Jim MacLennon diese Vorkommen und begann sie abzubauen. Im Krater entstanden eine Bergarbeiterstadt und Erzhütten. Natürlich weckte dieses Unternehmen die Gier anderer und so kam es zu häufigeren Überfällen. Daher baute MacLennon in den Kraterwall ein Fort, welches sich nach und nach zu einer bedeutenden Festung entwickelte.

Heute sind die Erzvorkommen erschöpft, aber das Gelände mit dem ebenen Kraterboden, den Ruinen der Siedlung und Werke und dem Kraterwallgebirge bietet abwechslungsreiche Trainingsumgebungen. So entstand eines der bedeutendsten Übungsgelände Galateas. Das gesamte Gebiet ist in Sektoren unterteilt welche separat vermietet werden.
Und was auf kleineren Trainingsfeldern ein einfacher Bunker für die Gefechtsbeurteilung ist, ist hier die alte Festung. Diese beherbergt Drachenställe, Rüstkammern, Kasernen und einen recht umfangreichen technischen Bereich, welcher vor allem die stationären und mobilen Sensoren wartet mit deren Hilfe Schiedsrichter jeden Kampf überwachen.

In den Rüstkammern lagern Übungsrüstungen für die meisten Drachenarten, welche an Trainingsteilnehmer vermietet werden können. Diese Rüstungen sind ähnlich flexibel wie normale Drachenrüstungen und können Trainingsversionen der verbreitetsten Drachenwaffen aufnehmen. Die Rüstungen sind beim Training mit den Schiedsrichtern verbunden. Werden Treffer gemeldet, so versteifen sich die getroffenen Bereiche der Rüstung und simulieren so eine Behinderung durch eine Verletzung. Alles in allem sind Manöver mit solchem Equipment das realitätsnahste, was man bekommen kann.

Bei dem Aufwand, welcher hier betrieben wird, ist es nur natürlich, dass das MacLennon Manövergelände nicht nur eins der bekanntesten sondern auch eins der teuersten auf Galatea ist. Normalerweise trainieren hier große und finanziell gut ausgestattete Einheiten wie die Dragon Highlander, Wolfs Dragonrider oder ähnliche. Kleinere Einheiten oder einzelne Söldner können üblicherweise nur mit Glück bei Last Minute Vermietungen einzelne Parzellen erhalten. So auch Tostan, welcher Schießübungen mit scharfen Waffen beendet hatte und nun zusammen mit Svenja dabei war, die Drachenrüstung gegen eine Trainingsrüstung zu tauschen, als eine Gruppe von Menschen und Drachen die Rüstkammer betrat.

"Tostan, das ist Heine Rosenstark, der Reiter von Pacificus und derzeit leider als der schwarze Drachentöter berüchtigt. Heine, Tostan und Garm, deine Trainingspartner" mit diesem Worten stellte Soryu die beiden Trainingspartner einander vor. Sie reichten sich die Hände.
"Tostan ..." begann Heine fragend.
"Nur Tostan, auf meinem Heimatplaneten sind Nachnamen unüblich. Und Sie sollen also neun Drachen getötet haben? Garm kann es nicht glauben, und ich vertrauen ihm, er hat weit mehr Menschenkenntnis als ich."
"Ich konnte ihren Tod nicht verhindern, und ich war verantwortlich für den Planeten, also ist es meine Schuld."
"Pah, neuen Drachen sollen genug sein um für ihre eigene Sicherheit zu sorgen, würden sie auch die Schuld auf sich nehmen, wenn sich die Sonne in eine Nova verwandelt?"
"Nein, für die Sprungpunkte und indirekt damit für die Sonne ist TraStar verantwortlich" antwortete Heine mit einem leichten Grinsen.
"Egal, was passiert ist ist passiert und nicht mehr zu ändern. Lasst uns anfangen, leider ist die gebuchte Zeit hier knapp. Auf ein faires Manöver."
Tostan und Heine Schüttelten sich noch einmal die Hände um dann zu Ihren Drachen und den Techs zu gehen, welche schon begonnen hatten die Trainingsrüstungen anzulegen und zu justieren. Die Reiter sprachen mit den Techs die Konfiguration ihrer Kampfrüstungen durch und die Rüstungen wurden entsprechend angepasst. Dann lies ein Schiedsrichter sie Lose ziehen um die Startposition festzulegen und die beiden Drachen flogen los, während sich der Rest der Gesellschaft in den Beobachtungsraum begab. Dort konnte das Manöver aus mehreren Kamerapositionen verfolgt werden.

Tostan hatte Glück beim losen, er startete in einer hoch gelegenen Schlucht. Pünktlich zur vereinbarten Startzeit erhob sich Garm in die Luft und flog dicht am Boden in Richtung Zentrum dieser Manöverparzelle. "Dann auf in den Kampf und denk dran, das ist ein kampferfahrener Drache, kein Peripheriebandit"
"Jaja, geradewegs auf in den Untergang! Im Drachenstall gab es genügend Geschichten über Pacificus zu hören. Er ist einer der besten! Warum können wir nicht gegen Schnitter antreten, den würde ich schon zeigen, was Sache ist." murrte Garm
"Ach, komm, der Mensch und auch der Drache wächst mit seinen Aufgaben ... und die beiden sind eine echte Herausforderung. Zeigen wir ihnen, dass sie auch nicht unschlagbar sind. Wir müssen versuchen sie schnell zu erledigen, in einem langen Kampf sind sie uns weit überlegen. Aber wenn wir sie überraschen können, dann hilft ihnen nichts."
"Ich glaube, sie sind vor uns!" Garm bewegte die Schwingen kaum noch. Er glitt lautlos und elegant durch die Schlucht. Das legendäre Wahrnehmungsvermögen der Paladin-Drachen verschaffte ihnen hier einen enormen Vorteil.
Im Cockpit verfolgte Tostan den Flug auf der Karte. "In dreihundert Metern endet die Schlucht und es geht zweihundert Meter steil bergab! Damit geht unsere Deckung flöten!"
"Dann sind sie irgendwo da unten..." mit diesen Worten glitt Garm aus der Schlucht und ging sofort in einen Sturzflug über.
"Da sind sie!" Direkt unter ihnen flog Pacificus und suchte die Gegend ab. Tostan jonglierte das Fadenkreuz blitzschnell über den Gegner und wartete kaum die Zielerfassung ab, dann löster er in schneller Folge alle Waffen aus. Die schwere Blitzlanze ging weit daneben, aber zwei der Lichtlanzen sprengten Segmente aus der Rumpfpanzerung. Tostan konnte sich nur schwer daran gewöhnen, dass seine Sensoren etwas völlig anderes anzeigten als das was er sah. Optisch war die Panzerung von Pazificus natürlich unbeschädigt, nur die Sensoren zeigten an, dass die hintere Rückenpanzerung angeschlagen war. Er verfolgte Pacificus weiter mit seinem Blick um mit dem Helmsensor eine Zielhilfe für die sechs Kurzstreckenraketen zu liefern, welche noch im Flug waren. Garm fuhr die Vibroklauen aus und stürzte sich auf den Gegner, aber mit unheimlicher Geschicklichkeit wich dieser aus und vier Raketen als auch Garm flogen vorbei. Ehe man sich versah, waren die beiden Drachen in einem tödlichen Tanz und versuchten sich gegenseitig mit den Vibroklauen zu verletzen.
Tostan versuchte, eine saubere Zielerfassung auf Pacificus zu bekommen, aber bei diesen Entfernungen war dies kaum noch möglich, die beiden Drachen manövrierten einfach zu wild. Heine schien solche Probleme nicht zu haben, Garm wurde mehrfach von Lichtlanzen getroffen, welche seine Panzerung zerfetzten.
"Au!" entfuhr es Garm, als Pacificus die Vibroklauen in seine Schulter schlug und Heine gleichzeitig ein wahres Lichtgewitter auslöste. Garm rollte ich ab. Mehr durch Zufall bekam Tostan noch eine Zielerfassung und löste alle Waffen aus. Die Biltzlanze verfehlte nur knapp den Kopf von Pacificus und blendte ihn, aber die Lichtlanzen zerfetzten Panzerung und die Raketen nahmen die Zielerfassung auf und folgten dem Gegner welcher sich mit hoher Geschwindigkeit absetzte und versuchte, sein Sehvermögen wieder herzustellen.
"Garm! Da drüben, die Höhle! Auszeit!"
Während vier Raketen in Pacificus einschlugen und ihn kurz aus dem Gleichgewicht brachten, landete Garm auf einem kleinen Felsplateau und schlängelte sich rückwärts in eine Höhle. Der Eingang war kaum zu sehen, und schien zu klein für so einen massigen Drachen, aber Garm verschwand vollständig darin, während Tostan eine Kamerasonde ausklinkte.
"Mist, ich hätte ich fast gehabt!"maulte Garm.
"Quatsch, er war zu schnell weg und bevor die Lanzen wieder aufgeladen wären, hätte er auch sein Sehvermögen wieder, und das wäre es gewesen! Schau dich an, du fliegst gerade wie eine fluglahme Gans, er hat uns übel erwischt. Wir brauchen die Pause einfach!"
Garm bewegte die Gliedmaßen und prüfte, ob die Trainingsrüstung wieder beweglicher wurde. Die Trainingsrüstung simulierte auch die enorme Heilkraft der Drachen und wurde nach einiger Zeit wieder etwas beweglicher.
Tostan betrachtete die Schadensanzeige. "Von unserer Rüstung ist nicht viel übrig, zwei Lichtlanzen sind auch ausgefallen, sie laden einfach nicht mehr auf.... Kurz, es sieht übel aus!" Mit Hilfe der Drohne betrachtete er Pacificus. Solche Gadgets sind nicht gerade üblich im Kampf, allerdings war ja Tostan auch kein Krieger mit normaler Ausbildung. "Sie scheinen zu glauben, dass wir in den Wald da unten abgetaucht sind. Sie kreisen darüber und suchen. Wie siehts bei dir aus, kann es in die nächste Runde gehen?"
"Geht wieder." antwortete Garm und wollte die Höhle verlassen.
"Halt, erinnerst du dich an das Banditenlager auf New Dallas? Wir haben kaum noch Waffen, was hältst du davon, den Stunt noch einmal zu versuchen?"
Garm grinste, was bei einem Drachen wirklich komisch aussah. "Klar, wird zwar schwer werden, aber lassen wir ihnen den Himmel auf den Kopf fallen!"
Tostan schaltete auf die Schiedsrichterfrequenz und erläuterte kurz sein Vorhaben. "Ok, dreißig Meter in neun Uhr des Gegners ist ihr Ziel!" kam es zurück.
Garm verließ die Höhle, griff sich einen etwa sieben Tonnen schweren Felsbrocken vom Plateau und lies sich in die Tiefe fallen. Bevor Pacificus erkannte, was da passiert, warf Garm den Felsen, welcher rechts neben Pacificus in die Tiefe stürzte. Garm hatte natürlich absichtlich daneben gezielt, auf die Position welche die Schiedsrichter angegeben hatten. Denn im Gegensatz zu den simulierten Waffen der Rüstungen konnte so ein Angriff durchaus tödlich sein.

Der rechte Flügel von Pacificus versteifte sich und er hatte Probleme, sich in der Luft zu halten. Im Sturzflug löste Tostan noch einmal seine verbliebenen Waffen aus und die schwere Blitzlanze traf Pacificus am Schwanz. Wie Pacificus es schaffte, sich so verletzt noch zu drehen, war fast ein Wunder, aber bevor Garm seinen Sturzflug abfangen konnte wurde er von mehreren Lichtlanzen getroffen. Die Rüstung versteifte sich sofort und erlaubte nur noch eine halbwegs kontrollierte Landung, der mehrere Bäume zum Opfer fielen. Noch während dieser Landung schlug ein Schwarm Raketen ein und über Funk verkündete ein Gong das ende des Manövers.

"Das wars" kommentiere Garm. "Du wärest tot und ich würde wohl ein halbes Jahr lang meine Wunden lecken."
"Ein, Zwei Wochen würde aber auch Pacificus kaum kämpfen können, wir haben ihm doch etwas zugesetzt."
"Dieser junge Hüpfer fliegt als wenn er dreißig Tonnen leichter wäre, das ist doch kaum zu glauben."
"Stimmt, und schießen können sie auch noch. Lass uns zurückfliegen. Ich glaube, wir sollten noch öfter herkommen, bevor wir uns eine Söldnereinheit suchen."

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21.12.2008 08:58 Tostan ist offline E-Mail an Tostan senden Beiträge von Tostan suchen Nehmen Sie Tostan in Ihre Freundesliste auf
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Die Nachbesprechung des Manövers fand in einer großen Pflegehalle statt. Fachpersonal hatte die Drachen von den Übungsrüstungen befreit und Ärzte hatten nach möglichen Verwundungen gesucht. Dafür, dass Galatea eine wilde, ungestüme Freihandelswelt jenseits des Rechts war, gab es hier eine Menge exzellentes Fachpersonal. Als das Ärzteteam grünes Licht gegeben hatte, wurden Garm und Pacificus penibel gereinigt, luftgetrocknet eingeölt. Eine Prozedur, die keiner der beiden Drachen kannte, und bei der es ein Machtwort der Piloten brauchte, damit sie sie über sich ergehen ließen. Mit seidig glänzendem, gut gepflegten und imprägnierten Schuppenkleid scherzten der Paladin und der Griffin hinterher darüber, warum sie sich so vor dem Öl gesträubt hatten, bevor sie sich der Nachbesprechung anschlossen.
Dabei wurden sie von einem großen, blonden Mann begleitet, der sie schweigen eskortierte.
Tostan sah den Burschen mit dem steinernen Gesicht an und stellte Soryu eine entsprechende Frage.
„Mr. Ryan. Heine hat ihn als Leibwächter eingestellt.“ Der Sandoval hüstelte verlegen. „Er ist ein professioneller Drachentöter.“
„Heißt der Job nicht Drachenkämpfer oder so?“, erwiderte Tostan verwundert.
„Nicht wenn man erfolgreich war.“
Der Rasalhaager runzelte die Stirn. „Und Schnitter und Pacificus, was sagen sie zu ihm?“
Soryu grinste und warf einen kurzen Blick in Richtung des breitschultrigen Mannes. „Sie mögen ihn. Sie finden ihn sogar richtig sympathisch. Und Pacificus bettelt ihn dreimal täglich an, dass er mit ihm trainieren soll. Was ich persönlich für eine gute Idee halte.“
„Ihr spinnt doch, ihr VerCommies“, brummte Tostan, meinte es aber nicht wirklich ehrlich. Aber es half ihm, seine Überraschung zu überspielen.

Heine leitete die Manöveranalyse in einem speziellen Hologrammraum, der groß genug war, um mindestens acht Drachen plus Reiter und Stabsteam einzulassen. Ein Techniker der Anlage manipulierte die Anzeigen der drei Meter durchmessenden Kugel auf Heines Anweisungen. Deutlich war das Trainingsgelände zu erkennen. Eine Hostess verteilte Getränke, kleine Knabbereien und Süßigkeiten für die beiden Drachen.
Heine räusperte sich. Die Anwesenden sahen ihn an. „Beginnen wir, Herrschaften. Ihr hattet eine gute Startposition, Garm, Tostan. Pacificus und ich haben erwartet, dass ihr euch im Tiefflug anpirscht; das Plateau hatten wir nicht wirklich auf dem Plan.“
Pacificus lachte dazu. „Tatsächlich habe ich genau in dem Moment hoch gesehen als Garm über die Kante gekippt war. Ich muss zugeben, ich war so erschrocken, dass ich eine halbe Sekunde nichts sagen konnte.“
„Die Schäden waren eine marginale Ausbeute. Zwei Treffer mit den Standard-Drachenlanzen, zwei KSR-Raketentreffer. Dennoch potentielle Schwachstellen für weitere Treffer, und das ohne eurerseits Schäden erlitten zu haben. Die Situation wurde leidlich gut ausgenutzt. Wäre Pacificus dem Krallenangriff nicht ausgewichen, hättet ihr uns trotz des Tonnageunterschieds ausschalten können. Danach hättet ihr abbrechen sollen, um einen erneuten Angriffsflug aufzunehmen, einen schnellen harten Schlag. Stattdessen hat sich Garm auf einen Nahkampf eingelassen, der mir ermöglicht hat, die mittelschweren Drachenlanzen ins Spiel zu bringen und ihn ordentlich zu zerpflücken.“ Heine gab dem Tech ein Zeichen, der das Holo einfror und Garm heraus zoomte. Deutlich waren einige Regionen zu sehen, die als kritisch markiert waren. „Wie man sieht hat Pacificus hier die Saat für unseren Sieg gelegt.“
Das Holo fuhr fort. „Der Alpha-Schlag beim Absetzmanöver war einerseits gut, Pacificus wurde geblendet, aber im Gegenzug gelang es ihm, mit den Vibroklauen fast die Schulterpanzerung Garms zu durchschlagen. Die später entstehenden Schäden durch die KSR waren nur leicht.“
Heine deutete auf den Fluchtkurs des Paladin-Drachen, während der Griffin Höhe, und damit Sicherheit zu gewinnen versuchte. „Erstklassiges Absetzmanöver, vor allem euer Versteck war gut gewählt. Wir haben euch im Wald vermutet, nicht in den Ruinen.“ Heine lächelte Garm an. „Du musst mir beizeiten erklären, wie du da rein gepasst hast.“
„Erfahrung, Erfahrung“, antwortete der Paladin-Drache mit zufriedener Stimme.
„Kommen wir zum Finale, dem Steinwurf.“ Wieder ließ Heine das Hologramm stoppen. Deutlich war zu sehen wie der Felsbrocken den linken Flügel von Pacificus halbierte. Zumindest wäre es in einem echten Gefecht so gewesen. „Ich will es nicht verhehlen, dem Felsen nachzufolgen und auf einen Sturzangriff zu setzen war die richtige Entscheidung und eure letzte Chance. Dass sich Pacificus dennoch so schnell drehen konnte lag in diesem Fall an mir, dem Pilot. Ich habe die Abstoßwirkung eines Raketenabschuss genutzt, um ihm einem kleinen Boost zu geben. Dadurch kamen auch meine Lanzen in einen guten Winkel, und ich konnte Garm einen über brennen. Die Raketen, die Pacificus und ich euch dann noch nachgeschickt haben, waren zu dem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr nötig, aber wir gehen immer gerne auf Nummer sicher. Alles in allem ein guter Kampf mit einigen neuen Erfahrungen für Pacificus und mich mit dem erwarteten Ausgang.“
Tostan und Garm nickten dazu. Natürlich hatten sie erwartet zu verlieren, aber auch gehofft zu gewinnen. „Da sieht man halt den Unterschied zwischen einem militärischen Team und uns zwei Freizeitsoldaten“, lachte Tostan.
„Mit Verlaub, Herrschaften, ich denke ihr habt den Sieg verschenkt“, meldete sich Ryan zu Wort. „Nachdem Pacificus geblendet wurde, hat er seiner Ausbildung gehorcht und ist gerade nach oben gestiegen, ohne den Kurs zu verändern. Mit ein wenig Kreuzschlag hättet ihr durch euren Gewichtsvorteil schneller Höhe gewinnen können, wärt hinter ihm im Ortungsschatten hoch gekommen und hättet einerseits Herrn Schmidts Cockpit zerschlagen und andererseits den empfindlichen Hals des Griffin im Genick brechen können. Es war eine erstklassige Gelegenheit.“
„Eine nette Beobachtung“, kommentierte Soryu. „Man merkt dass Sie Drachenverhalten studiert haben, Ryan. Man überlebt in Ihren Beruf wohl nicht ohne ein wenig Talent in dieser Richtung.“
„Man tut was man kann“, erwiderte der Leibwächter.
Tostan kratzte sich am Stirnansatz. „Tatsächlich, das wäre eine waghalsige Möglichkeit gewesen. Dass mir altem Hinterhofkämpfer das nicht eingefallen ist...“
„Gut, dass du nicht dran gedacht hast.“ Soryu verdrängte den Tech von seinem Platz und rief die entsprechende Szene noch mal auf. Dann zoomte er auf den Schwanz des Griffin. Deutlich war zu sehen, wie nacheinander zwei kleine Gegenstände die Schwanzmechanik mit dem Schocker verließen. „Das, Gentlemen, sind Luftminen mit Annäherungszünder. Wäre etwas Pacificus auf seinem Sicherheitsflug um Höhe gefolgt, wären sie explodiert, und das mit dreißigtausend Lumen. Garm wäre blind gewesen, während Pacificus wieder hätte sehen können. Er wäre eine allzu leichte Beute gewesen. Diesen kleinen Trick verrate ich euch weil wir Freunde sind.“
Ryan begann dünn zu grinsen und deutete eine Flugkurve um Pacificus´ Flugbahn an, die genau dieses Szenario vermieden hätte, aber er sprach es nicht aus. Wenn man um ein neues Fakt wusste, vielen einem immer logische Alternativen ein. Dieses Wissen zu erlangen war das Problem.
„Wie dem auch sei, wir verlegen zurück. Ich habe ein spätes Mittagessen für uns alle bestellt.“ Heine lächelte in die Runde. „Geht auf mich. Tostan, Garm, vergesst nicht Svenja Bescheid zu sagen, das sie ebenfalls eingeladen ist. Ich habe gehört, sie soll recht hübsch sein, und in Gegenwart einer schönen Frau macht das Essen doch gleich mehr Spaß.“
Tostan wechselte einen fragenden Blick mit Garm. Der schien eine passende Antwort zu zerkauen und runter zu schlucken. „Wir fragen sie. Wenn sie Lust hat wird sie kommen“, erwiderte der Paladin-Drache.
„Sehr schön. Soryu, kann ich dir Pacificus anvertrauen? Ich will mir noch einen anderen Drachen ansehen, der mir vorhin aufgefallen ist.“
„Klar, mache ich. Aber warum willst du dir andere Drachen anschauen? Für dein geruhsames Leben als Rancher und Farmer?“ Mit einem breiten Grinsen ging Soryu an Heine vorbei und klopfte ihm auf die Schulter. „Inaktivität ist einfach nichts für dich, alter Freund. Kommt, meine Großen. Draußen wartet ein komfortabler Drachentransporter auf euch. Garm, willst du fliegen oder getragen werden?“
„Getragen werden ist mal ne schön Ausnahme!“, rief der Paladin und schloss sich den anderen beiden Drachen an.
Nun standen Tostan und Heine allein in der Halle, vom Techniker abgesehen. „Darf ich mich anschließen?“
„Natürlich, Tostan.“

Die beiden Männer verließen den Nachbesprechungsraum. Tostan folgte dem Schwarzen Drachentöter zur Beobachtungslounge. Sein Interesse galt einem Schießstand. Normalerweise trainierten hier die schwereren Assault-Drachen, die durch ihr eigenes Gewicht nicht mehr fliegen konnten, ohne mechanische Hilfen in Anspruch zu nehmen, ihre Waffenfertigkeiten. Im Moment aber zischte ein schlanker schwarzer Schatten auf die Zielscheiben zu und zerstörte eine nach der anderen. Und das ohne den Einsatz von Waffen, alleine mit den Vibroklauen. Alleine das war schon bemerkenswert, wäre da nicht ein schlanker Mann in Trainingskleidung gewesen, dessen blondes Haar in der Sonne leuchtete, und der dem Schemen mit wohldosierten Gesten Anweisungen gab.
„Was ist das für eine Rasse? Ich habe sie noch nie gesehen“, brummte Tostan.
„Ein Wraith. Eigentlich zu klein um eine Rüstung und ein Cockpit zu tragen. Aber ideale Scouts, und wie man sieht, nach einem entsprechenden Training tödlich mit den Vibroklauen. Ich nehme an, der Mann am Rand des Schießstand, der ihm Anweisungen durch Körpergesten gibt, ist sein Pilot.“
„Ich habe von dieser Rasse noch nie gehört.“
„Er gehört zu den Atreus-Drachen“, informierte ihn Heine. „Normalerweise rücken die Freien Drachenweltler ihre Gene nicht raus, der Austausch von Eiern ist sehr selten, vielleicht auch weil die Liga so unruhig und uneins ist. Aber es würde mich nicht wundern, wenn wir hier einen jener Wraith vor uns haben, die noch als Ei gestohlen wurden, damals, vom MI6. Wir haben danach die Freien Drachenwelten mit eigenen Eiern entschädigt und somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einerseits haben wir die Zuchtlinien verbunden und uns damit die Gelegenheit auf einen weiteren Tausch von Eiern eröffnet, andererseits aber konnten wir die Wraith behalten. Mich wundert nur, was ein Wraith auf dieser Welt macht. Sie gehören eigentlich alle zu einerm supergeheimen Kommandoeinheit. Wenn sie tatsächlich einen dieser kostbaren Drachen hierher kommen lassen, dann kann das nur bedeuten, dass sich im Ministerium niemand mehr dafür interessiert. Mit vier Worten: Ihre Abteilung wurde aufgelöst.“
„So, so“, brummte Tostan. „Der Drache ist also superselten und hat einen perfekt ausgebildeten Reiter. Wie man sieht ist er auch ein gefährlicher Nahkämpfer. Und? Was bringt uns das?“
Heine grinste. „Eine Chance. Eine riesige Chance. Soryu hat Recht. Ich kann einfach nicht aus meiner Haut raus. Ich werde den Piloten heute Abend zu einem Essen einladen. Hast du vielleicht Zeit?“
„Ich komme gerne.“ Tostan betrachtete die spärlichen Anweisungen, welche der Reiter in der Art eines Baseball-Coach seinem Drachen gab. Schnell hatte er einige primäre Signale identifiziert und wunderte sich über die Präzision, mit der der Wraith die Befehle ausführte. „Der Bursche interessiert mich.“

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Cortana wartete mit den anderen Fahrern darauf, daß sie Drachen transportieren konnten. Die anderen Fahrer standen beisammen, tratschten, tranken, lachten…das Übliche um sich die Zeit zu vertreiben. Nicht so Cortana. Als sie die Information von einem der Techs im Inneren der Anlage bekam, das sie einen Drachen transportieren sollte, fuhr sie schon mal die Heckklappe ihres Schwertlasttransporters herunter. Normalerweise hatte ein Schwerlasttransporter zwei Rampen, bei Drachentransportern wurde diese gegen eine einzelne Platte getauscht, damit der Schwanz des Drachen sich nicht aus versehen irgendwo verheddern konnte. Die etwa einen Meter hohen Seitenwände die vom Heck bis zum Anfang der Hinterräder gingen sollten verhindern das der Schwanz des Drachen hin und her pendeln konnte, und so eventuell in die Radkästen kam, oder ein Fahrzeug traf, welches an der Seite fuhr. Wie man unschwer erkennen konnte war ihr Anhänger einer, den man nur von hinten besteigen konnte, eben wegen den hinteren seitlichen Wänden. Theoretisch war es auch möglich einen kleinen Drachen von der Seite aufsteigen zu lassen, nur wurde das nie bei ihr gemacht. Sie war auf schwere und überschwere Drachen mit ihren Anhänger ausgelegt. Zudem hatte sie keinen von diesen Superluxusanhängern… die wo man von den Seiten einstieg, und die aussahen wie übergroße Kastenwagen, mit Klimaanlage und allem Schnickschnack.
Sie stellte das Radio leiser, welches sie im rechten Ohr hatte, im linken Ohr war der Funk. Dann besah sie sich noch mal die ganz vorne links, in der normalerwiese der Pilot des Drachen saß. Aber auch da war alles in Ordnung. Ein kurzer Soundcheck des Lautsprechers, dazu ein Test des Funkgeräts zu ihr… erneutes Zurechtschütteln des Sitzkissens… mehr gab es nicht zu tun. Sie war gerade fertig als die Drachen kamen. Ein Blick kurz zu ihren Kollegen… einige verabschiedeten sich gerade, aber keiner hatte so wie sie schon angefangen alles vorzubereiten… Amateure… .
Auch die Kopfablagefläche rechts von der Pilotenkabine war bereit. Und da kam auch schon ein Pilot mitsamt Drachen auf sie zu. Auch wenn sie heute ihre Zivilkleidung anhatte, was notwendig war aufgrund des Drachentransportes bei dem man immer schmutzig werden konnte, war sie doch deutlich als Fahrerin zu erkennen, schließlich stand sie nun mitten auf der Ladefläche des Anhängers. Die Ärmel des Holzfällerhemdes hatte sie hochgekrempelt, somit waren die knalligen Arbeitshandschuhe noch deutlicher zu erkennen. Das war wichtig den mit ihren Händen würde sie dem Drachen Handzeichen geben wo er hin musste. Auf den ersten Blick würde man dies für unnötig erachten, und in der Tat trug kaum jemand von den Anderen Handschuhe. Aber bei großen Drachen war es so, das sie nicht immer das sahen was direkt einen Meter vor ihren Füssen war. Sie konnten zwar fühlen, aber nicht sehen was da war…und damit er nicht aus versehen mit einer der Seitenkrallen daneben trat, sich dann beim Hochziehen des Fußes weh tat weil die Seitenkralle gegen etwas stieß, würde sie bereit sein Anweisungen zu geben. Das „Einweisen“ erforderte ein Zusammenspiel zwischen Ihr und dem Drachen, ansonsten würde er sich weh tun oder den Anhänger leicht beschädigen. Auch das unterschied sie von dem… Amateuren, welche erst jetzt sich um die Fahrzeuge kümmerte oder vor den Piloten katzbuckelte.
Der Pilot begrüßte sie freundlich, und sie grüßte auch zurück, er erwähnte noch: „Ich heiße Walker und das ist Schnitter…“ „Ich bin Cortana… und… , wenn sie sich schon mal in die Kabine setzen würden…ich habe da mal mit dem Großen zu reden“ Sie drehte sich um, kümmerte sich nicht weiter um Soryu Walker sondern sprach den Drachen vor sich an, der sie um mindestens das fünffache überragte.
„Ich hoffe du hast dich nochmal erleichtert, den wir werden sicherlich eine halbe bis dreiviertel Stunde fahren.“ „Kein Problem“ antwortete Schnitter.
„Gut, da du sicherlich schon mal mit einen Transporter mitgefahren bist, weist du ja auch das du NICHT auf die Heckklappe treten darfst. Sie hält leider dein Gewicht nicht aus. Noch etwas… die linke Seite ist etwas wackeliger, das liegt an der Federung die zu schwammig eingestellt ist (und was die Idioten in der Werkstatt nicht hinbekommen auch wenn ich denen schon dreimal gesagt habe was sie genau tun sollen), deshalb empfehle ich erst mit Rechts aufzusteigen.“
Während sie rückwärts vor dem Drachen zurückwich und dabei primär seine Füße im Auge behielt machte Schnitter den ersten Schritt auf den Anhänger…mit Rechts, so wie Cortana es empfohlen hatte. Der Anhänger schwankte minimal als der Colt-Drache das linke Bein anhob, um auch das auf das Heck des Anhängers zu setzen als Cortana plötzlich laut rief: „Linkes Bein weiter rechts“ gleichzeitig zeigte sie mit den Armen in die entsprechende Richtung. Die Reaktionsgeschwindigkeit von ihr war beeindruckend und zeigte einmal mehr dass sie wusste was sie tat. Und ihre Stimme hätte gerade eben selbst den stursten Drachen dazu gebracht ihrer Anweisung zu folgen. Hätte Schnitter nicht auf ihre Worte reagiert, oder hätte sie nichts gesagt, wäre er mit der einen seitlich abstehenden Kralle gegen die Seitenwand gehauen, welche ja verhindern sollte das der Schwanz des Drachen während der Fahrt „herausfiel“. Der Schmerz wäre vergleichbar gewesen mit einem großen Zeh mit dem man nackt gegen eine Wand tritt. Nichts weltbewegendes, aber unnötig.
Als Schnitter das linke Bein absetzte merkte er, wie der Anhänger sich nach links absenkte. Dank des vorigen Hinweises von Cortana konnte er das kompensieren indem er sein Gewicht mehr nach rechts verlagerte. Weitere Einweisungen brauchte er nicht.
„OK, Stop. Gut, jetzt kannst du dich in Ruhe hinlegen, während ich gleich die Sicherheitsleinen über dich hinweg werfen werde und die Heckklappe einfahre. Also… Flügel eingeklappt lassen und Schwanz einziehen… .“ meinte Cortana ernst und bestimmend. Während Schnitter sich auf die Schaumstoffmatratzen legte und versuchte eine angenehme Liegestellung zu finden ging Cortana nach rechts und schnappte sich den ersten von insgesamt drei Spanngurten, die schon mit der rechten Seite des Anhängers verbunden waren. Die Amateure bedienten sich einer Luftdruckpistole um die Gurte über die Drachen hinweg zu werfen, nicht so Cortana, sie warf die Gurte per Hand. Dann ging sie zum Heck und schloss die Klappe, somit war der Schwanz des Drachen „gesichert“. Weiter ging es nach links, wo sie die rüber geworfenen Gürte mit denen verband, die auf der linken Seite befestigt waren, und stramm zog.
„Ist das in Ordnung so, oder sitzt es irgendwo zu stramm?“ fragte sie Schnitter.
„Der Vordere erscheint mir zu locker.“ Kam die Antwort. Sie zog dort noch mal weitere fünf Zentimeter nach.
„Und jetzt?“
„Gut…“ Die Gurte saßen zwar fest, aber sie würden den Drachen nie festhalten können wenn er sich wirklich bewegen wollte. Das war auch nicht der Sinn der Gurte. Die Gurte sollten die Flügel an den Körper pressen, so dass der Drache nicht auf die Idee kam diese während der Fahrt auszustrecken.
Sie war gerade auf den Weg zur Fahrerkabine als sie stockte und dem Radio lauschte.
Sie sah zu Soryu, der sich gerade mit Schnitter leise unterhielt, und sagte dann laut und deutlich zu den beiden: „Es hat einen Unfall gegeben. Auf unserer direkten Strecke wird es deshalb zu einem Stau kommen. Wollen sie trotzdem die Strecke nehmen, oder lieber außen rum, so das wir von hinten an den Stall fahren, statt von vorne?“
„Wie sieht es mit der Fahrzeit aus?“ wollte Walker wissen.
„Die wird ungefähr die gleiche sein, etwas über eine Stunde. Könnte sogar sein das wir dann als Letzte eintreffen obwohl wir als erste losfahren. Allerdings dürften wir wesentlich stressfreier sein“
„Wir nehmen die längere Strecke“ entschied diesmal Schnitter.

Während der Fahrt fragte Soryu, der anhand der Anzeigen in seiner Kabine sehen konnte wie schnell Cortana fuhr, und welche Route sie gewählt hatte: „Fahren sie nicht etwas zu schnell?“
„Nein“ kam ihre Antwort.
„Aber sie sind doch gut 20 Km/h schneller als erlaubt…“.
„Stimmt. Aber niemand wird sich darum scheren solange wir auf dieser Spur für Schwersttransporter bleiben und kein Elefantenrennen veranstalten. Die Schilder sind eher als Hinweis zu verstehen. Theoretisch könnte ich auch auf einhundert Km/h versuchen zu kommen, aber dann ist der Anhänger unkontrollierbar. Mit Sechzig bin ich da noch voll auf der sicheren Seite. Und falls sie auf die Fliegen ansprechen die der Große jetzt an seinen ganzen Körper kleben hat, weil die sich am Öl festsaugen…die würde er auch bei niedrigerer Geschwindigkeit abbekommen.“


Als sie beim Hotel ankamen waren sie doch glatt die ersten. Cortana stellte den Motor ab nachdem sie einen Knopf betätigte. Ein mehrfaches Klappern war zu hören was sowohl Drachen als auch Piloten irritierten, kam es doch von unterhalb des Anhängers.
Der Kopf von Schnitter hob sich…und ein überraschtes „Oh“ kam von ihm. Den er konnte sich plötzlich aufrichten, die Gurte hinderten ihn nicht mehr, sie lagen nur noch locker auf ihn drauf.
Als Cortana ausstieg hatte sich der Colt-Drache schon aufgerichtet und entfaltete gerade die Flügel, während die Gurte einfach nach hinten weg fielen.
Soryu sah sie überrascht an während Schnitter sich sichtlich über die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit freute. „Ich hatte das Gefühl das der Große sich schnellstmöglich wieder bewegen möchte. Und da habe ich die Klammern an den Seiten gelöst, welche die Gurte wiederum halten.“ Diese Schnelllöser gab es nur bei militärischen Transportern, und dieser war eigentlich keiner. Aber Cortana hatte den Stall glaubhaft die Vorteile erklären können… die Freude des Drachen war einer davon, und so hatte man diese einfache Technik auch bei diesem Fahrzeug angebaut.
Und da kamen auch schon die anderen Transporter an… . Es gab ein großes Hallo, und die anderen beiden Drachen konnten es gar nicht erwarten auch wieder frei zu sein. Sie erzählten vom Stau, den Abgasen, den Gehupe, den Unfall…ein LKW der umgekippt war weil ein anderer ihn seitlich erwischt hatte… wie sich später herausstellte war der Unfallverursacher kurz eingenickt weil er ohne Pause eine 13-Stunden-Fahrt gemacht hatte. All dieser Stress war dem Piloten und dem Drachen erspart geblieben, welche mit Cortana gefahren waren. Und das nur, weil sie Radio gehört und den Verkehrsbericht beachtet hatte.
Soryu betrachtete kurz das Treiben, bevor er Cortana fragte. Das Verhalten von Schnitter ihr gegenüber war doch geringfügig… vorsichtiger gewesen als eigentlich üblich und das amüsierte ihn ein wenig. „Sie sind nicht zufälligerweise die Frau, vor der die Drachen Angst haben?“
Vollkommen unironisch bejahte sie die Frage, während sie sich an den gelösten Halterungen zu schaffen machte. Sie hatte den Auftrag erledigt, jetzt kam die Nacharbeit und wenn dieser Pilot mit ihr reden wollte, so würde er das tun müssen während sie ihren Job machte.
Offensichtlich machte es Soryu nichts aus den er fragte weiter.
„Nun, einen Menschen zu finden der Schnitter etwas vorsichtiger werden lässt ist schon etwas besonderes und macht mich als Pilot natürlich neugierig… . Und deshalb würde ich gerne etwas mehr darüber erfahren…“
„Sie meinen über mich?“
„Ja“
„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Wenn man zehn Jahre lang in einer Verbundwaffeneinheit gedient hat, dann bekommt man schon einiges mit. Und wenn man die letzten drei Jahre davon primär zum Drachentransport verdonnert wurde, weil der Stabspsychologe meint, man müsse das Trauma von drei unter-den-Hintern-zusammengeschossenen-Panzern auf die Art behandeln dann bekommt man halt ein wenig mehr von Drachen mit.“ Erklärte Cortana während sie mit der rechten Seite fertig wurde und nun zur Linken über ging.
Soryu folgte ihr und bohrte weiter mit Fragen: „Und bei welcher Einheit waren sie?“
Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen, als sie sich hinhockte um die erste Halterung auf der linken Seite wieder zu befestigen: „Ich war Sergeant bei den Kestrel-Lanciers“
„Und warum haben sie dort aufgehört?“
„Einen der hohen Herren hat es nicht gefallen das ich mehr Narben habe, als er Orden“ Dieses war eine sehr schöne Umschreibung für ein einfaches Problem: ein Offizier mochte jemanden nicht und erwirkte das man ging. Auch wenn die Worte aussagten, das dem Offizier scheinbar viel an Ruhm gelegen war, so waren diese Worte nicht so gemeint. Und jeder Soldat kannte diese schöne Umschreibung.
„Ich glaube jedoch…das da jemand auf sie wartet…“ meinte Cortana und sah in Richtung der Drachen. Und in der Tat sah man diese miteinander tuscheln und zu ihnen hinsehen.
„Ja, es scheint so als wenn ich da mal rüber gehen sollte. Sonst gehen heute Abend noch Gerüchte über mein shakern mit Ihnen um…“ dabei lächelte Soryu.
Cortana sah ihn nur ernst an, nickte bejahend und meinte: „Falls sie Hilfe beim Flausen-Austreiben brauchen… die Leute im Stall wissen immer wo ich gerade bin. Entweder ich befördere jemanden, schaue mir die Neuzugänge an oder habe Freizeit.“
Er konnte die Frage nicht lassen: „Und was machen sie in der Freizeit so?“
„Ich arbeite an meinen Fuchs… und wenn sie nicht gleich da rüber gehen…“, sie stand bei den Worten auf und holte eine einmeterlange Brechstange unter dem Hänger hervor, die sie mehrmals in die Hände schlug „…dann werden wir uns beide gleich wirklich mal über unser Date unterhalten.“
Soryu hob abwehrend die Hände: „Also…äh…ich gehe dann mal…“
Cortana nickte bejahend als sich Soryu umdrehte und zu den Drachen rüber ging. Ein leises Lächeln war bei ihr zu erkennen.
Erst als Soryu bei den Drachen war, wurde ihm klar, das sie gerade das erste mal gescherzt hatte…oder?
30.12.2008 14:12 eikyu ist offline E-Mail an eikyu senden Beiträge von eikyu suchen Nehmen Sie eikyu in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie eikyu in Ihre Kontaktliste ein
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Die bürokratischen Formalitäten in der Drachenregistratur waren schnell erledigt, dafür war es umso schwerer, eine passende Unterkunft zu finden. Hammer und sein Partner hatten beide aufgrund ihrer Arbeit bei den Dragon Shadows nur selten Kontakt zu anderen Drachen - und das zeigte sich auch in ihrem Verhalten. Besonders Nova schreckte davor zurück, einen Stall mit mehreren anderen Drachen zu teilen und obwohl das George wirklich einen hervorragenden Komfort für Menschen und Drachen anbot, war Hammer am Überlegen, ob sie sich nicht lieber ein anderes Hotel suchen sollten, wo sie ungestörter waren. Allerdings wurde diese Idee zunichte gemacht, als er zufällig auf den Namen eines Hotelgastes stieß: Heine Schmidt.
Nova war nicht begeistert, als Hammer ihm eröffnete, dass sie nun doch im George bleiben würden. "Ist das wirklich nötig, Robert? Wir könnten uns doch was anderes, beschauliches suchen oder vielleicht..."
"Schmidt ist hier.", unterbrach Hammer seinen Partner, dann strich er ihm sanft über die Schnauze. "Ich weiß, dass es dir nicht gefällt. Aber wenn wir uns unsere Arbeit durch diesen unglaublichen Zufall erleichtern können, dann sollten wir die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen!"
Nova seufzte leise - womit er fast einen Sessel, der in der Nähe stand, umgeworfen hätte und mehrere Meter verschob. "Also schön. Dann werde ich in das saure Pemmikan beißen."
Hammer lächelte über diese Kombination von menschlichem Sprichwort und kaum genießbarer Drachennahrung - zumindest für einen Wraith - dann meinte er. "Komm, gehen wir schlafen. Und morgen suchen wir dir eine Spielwiese, damit du dich mal wieder richtig austoben kannst."

Der nächste Tag schien sehr vielversprechend zu werden. Das Wetter war gut, Nova hatte eine Geschichte von einem Menschen vorgelesen bekommen, die ihn zum Heulen gebracht hatte und die Trainingsanlage, die Hammer ausfindig gemacht hatte, hatte alles, was ein Drachenreiter und ein Wraith-Drache brauchen konnten. Sie ignorierten allerdings die größeren Hallen und begaben sich zu einem der Schießstände, die normalerweise nur von Assault-Drachen benutzt wurden. Während Nova wie immer keine Rüstung trug, hatte Hammer einen Trainingsanzug angelegt. Die beiden gingen in Position und auf ein kurzes Handzeichen von Hammer stieg Nova in die Luft hinauf. Er stieg so hoch, dass man fast glauben könnte, er wolle durch die Atmosphäre des Planeten stoßen. Obwohl man kaum erwarten konnte, dass er den kleinen Menschen, der sich immer noch auf den Planetenoberfläche befand, sehen konnte, war sein Blick dennoch nach unten gerichtet - und tatsächlich sah er das Handzeichen, das ihm als Angriffssignal diente und er stieß auf eine der Zielscheiben herab - nicht mehr als ein schwarzer Schemen. Er fing seinen Sturz kurz vor dem Ziel ab, zerfetzte die Scheibe mit seinen Vibrokrallen und schoss direkt auf das nächste Ziel los - immer geleitet von den Handzeichen seines Partners. Die beiden ignorierten die Umgebung außerhalb des Schießstands völlig, daher bemerkten sie auch nicht die beiden Männer, die sie interessiert von der Beobachtungslounge aus betrachteten.
Die Zielscheiben waren nach zwanzig Minuten "besiegt" und Nova kam wieder zur Ruhe und landete sanft neben seinem Partner, als hinter den beiden ein lautes, kräftiges Klatschen erfolgte. Hammer wandte sich um und sah einen jungen Mann, der ihm ziemlich bekannt vorkam. Als Dragon Shadow bekam man nur selten etwas von der Außenwelt mit, außer es wurde einem direkt mitgeteilt, darum war es nicht weiter verwunderlich, dass Hammer den ehemaligen Militärgouverneur von St. Ives nicht erkannte. Dieser kam langsam näher und lächelte freundlich. "Eine beeindruckende Vorstellung. Sie haben Ihren Drachen hervorragend ausgebildet, Mr...?"
Nova wollte schon seinen Namen herausplärren, aber Hammer hielt ihn zurück. "Sie werden mir verzeihen, wenn ich gestehe, dass es mir lieber wäre, wenn wir zunächst Ihren Namen erfahren."
Sein Gegenüber nickte, immer noch freundlich lächelnd. "Natürlich, kein Problem. Mein Name ist Heine Schmidt."
Hammer zuckte leicht zusammen, als er den Namen hörte. Konnte es wirklich so einfach sein? Anstatt sich lange auf die Suche nach ihrer Zielperson zu machen kam die Zielperson zu ihnen. Warum konnte nicht alles so einfach sein? Dann regte sich Nova wieder. "Jetzt erkenne ich Sie. Sie waren doch der Mann von gestern. Der mit dieser schrecklichen Geschichte."
Hammer drehte sich zu seinem Partner um, der mit der Nase schniefte, dann wandte er sich wieder an den anderen Menschen. "Mein Name ist Robert Hammer. Und diese halbe Heulsuse hinter mir ist Nova."
"Heulsuse?", polterte der Drache los - trotz seiner für einen Drachen relativ geringen Größe hatte er, zumindest für Menschen, ein gewaltiges Stimmorgan. "Heulsuse? Pass mal auf, Hammer, sonst werd ich dich gleich durch das kleine Loch in der Wand schieben und dir zeigen, wer eine Heulsuse ist."
Hammer grinste bloß und strich seinem Partner über die Schnauze, dann meinte er zu Schmidt. "Sie haben uns beobachtet."
"Ist das eine Frage oder eine Feststellung?"
"Eine Feststellung.", antwortete Hammer und Schmidt grinste. "Stimmt, habe ich. Ich bin davon beeindruckt, wie Nova kämpft und wie Sie ihn koordinieren. Das zeugt von einer hervorragenden Ausbildung und von einem beidseitigen Vertrauen, dass ich zwischen Drachen und Menschen selten gesehen hab. Hätten Sie nicht Lust, mit mir und einem Freund heute abend essen zu gehen? Ich lade Sie ein. Und vielleicht habe ich ein besonderes Angebot für Sie."
Hammer überlegte einen kurzen Augenblick, dann entschied er sich. "Also schön. Aber ich sage Ihnen gleich: Wenn mir Ihr Angebot nicht gefällt, dann sehen Sie uns beide nie wieder - außer unseren Schatten vielleicht."
Er verriet Schmidt natürlich nicht, dass er dessen Angebot sofort annehmen würde, egal worum es ging. Immerhin durfte er sich nicht zu früh verraten. Was auch immer das MIIO von diesem Schmidt wollte, er würde es ausführen. Und zumindest der erste Kontakt war hergestellt.

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Ein Narr ist eine gefährliche Waffe im Haus der Vernunft

Tu as dèjá le baton fleurdelisé dans ta giberne
31.12.2008 12:48 CeGrudke ist offline E-Mail an CeGrudke senden Beiträge von CeGrudke suchen Nehmen Sie CeGrudke in Ihre Freundesliste auf
Aria Segeste Aria Segeste ist weiblich
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Die schweren Taschen wurde auf dem Boden abgestellt und die junge Frau bedankte sich und war heilfroh dass sie dies nicht hatte alleine machen müssen, sonder es die Aufgaben der Pagen war, den Gästen mit Gepäck zu helfen. Eben erwähnte Pagen, -es waren zwei-, gingen wieder zum Aufzug zurück und drückten den Aufzugsknopf, nur um dann fast von einem „Geist“ überrannt zu werden.
„Ts, dieffe Dinger find langsamer geworden, seig ich das letzte mal hier war“, beschwerte sich eine weibliche Stimme hinter ihr und ein schlanker, weißer Schemen huschte an der jungen Frau vorbei.
„Und ich dachte immer Express-Aufzüge würde mit dem Fortschreiten der Zeit immer schneller werden“, spöttelte die erwähnte junge Frau und strich sich eine störende Haarsträhne ihrer schwarzen Haare aus dem Gesicht. Sie beide hatten unterschiedliche Aufzüge benutzt und so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Drachin zeitverzögert angekommen war.
Doch wenn Mensch, Drachin und das Gepäck zusammen in ein und denselben Aufzug gestopft worden wären, wäre es wohl die letzte rasante Fahrt in Richtung Keller geworden und so hatten sich beide auf unterschiedliche Aufzüge verteilt. Mireille, so lautete der Name der jungen Frau mit den rabenschwarzen Haaren war mit dem Gepäck in den einen Aufzug, die Drachin mit ihrem persönlich ausgewählten Gepäckstück in einen anderen Aufzug gestiegen.
„Okay, einer von uns beiden sollte eine Schlüsselkarte dabei haben, damit wir endlich auf unser Zimmer kommen.“
„Fann öffne endlich die Tühre.“
Das die Drachin übrigens eine so merkwürdige Aussprache hatte lag daran, das sie den Gurt einer Umhängetasche zwischen den Zähnen trug. Mireille warf einen kurzen Seitenblick auf die Tasche deren geheimnisvoller Inhalt, sich wunderbar ausbeulte.
„Deine Notration, Tante?“
„Ohne daff kann ich nicht lefen“, bestätigte die Drachin mit den weißen Schuppen unschuldig.
„Wenn das stimmt was meine Eltern sagen, wundere ich mich wie du damit nur so alt werden konntest.“
„Deine Fürforge rührck mich. Jeff öffne enlich die Türe.“
„Soll ich dir die Tasche abnehmen?“
„Nein.“
„Stur wie eine immer“, murmelte Mireille leise, während sie die Schlüsselkarte suchte.
„Bifft du sischer dass du dich nischt in der Etage geirrt hascht?“
„Ich denke das es das richtige Zimmer ist, sonst-“
„-müfftest du alles wieder runterschleppen“, ergänzte der weibliche Drache mit einem amüsierten Schnauben.
„Dafür gibt es die Pagen.“
„Aber du mufft trotzdem runter, denn ich glaube das ich die Schlüsselkarte am Empfang vergeffen hage.“
„Nicht dein Ernst, oder?“, ächzte die Nichte und dachte mit Grauen an die lange Schlange im Foyer, die sich in der Zeit bestimmt nicht verkürzt hatte. Schon gereizter stiefelte sie zu den Aufzügen zurück und hämmerte fast schon gegen den Rufknopf, in der Hoffnung dass die Liftkabine dadurch schneller käme.
„Isch hage mich geirrt, sie ischt in der vorderen Tasche, von der Tasche da, Mireille“, rief die blauäugige Polardrachin mit zusammen gebissenen Zähnen ihrer Nichte hinterher, damit ihr das Trageband der Tasche nicht runterfiel.
Polardrachen verdankten diesem Namen einmal ihren weißen Schuppen, aber auch den strahlend, blauen Augen, bei denen schon mancher Poet ins Schwärmen geraten war.

Die Zimmertüre öffnete sich wie von Zauberhand, was aber weniger mit Zauberei als vielmehr mit Technik zu tun hatte, da Mireille inzwischen die Schlüsselkarte hervorgeholt und durch eine Lesegerät gezogen hatten.
Mireille machte große Augen als sie die Ausstattung des Zimmers begutachtete, wobei ihr gleich ein Tablett mit einem Wasserglas und einer Flasche ihres Lieblingsgetränks ins Auge fiel. Statt Dankbarkeit befiel sie jedoch vorsätzliches Misstrauen.
„Für mich oder sind wir doch im falschen Zimmer gelandet?“
„Nathürlich für disch“, grummelte der weibliche Drache, der noch immer die Tragetasche zwischen ihren Zähnen geklemmt trug.

Das George war wohl nicht umsonst ein Hotel mit Sternen, den guter Service schien hier zum Grundton zu gehören. Noch vor ihrer Ankunft hatte die Drachendame jedenfalls das Zimmer reserviert und darum gebeten gleich das pappsüße Zeug so hinzustellen, dass ihre Nichte es auch nach ihrer Ankunft problemlos sehen würde. Den leider konnte sie sich in fremder Umgebung als furchtbar kurzsichtig erweisen, wenn das Gesuchte nicht direkt vor der Nase der jungen Studentin aufblitzte.
Mireille griff sich die Flasche und goss sich durstig das Mischgetränk ein. Ein paar Minuten lang war nichts zu hören, außer wie das Glas erneut gefüllt und ausgetrunken wurde. Jedenfalls solange bis ihre Aufmerksamkeit sich dem einzigen Bett zuwandte und sie sich probehalber reinfallen ließ.
Aber die kleine Drachin hatte sich dieses Etablissement wohl kaum wegen der Anzahl der Sterne oder der Weichheit der Betten ausgesucht, sondern es musste noch einen anderen viel gewichtigeren Grund geben. Ob es etwas mit den schweren Taschen zu tun hatte, die ihre Nichte hatte schleppen dürfen?

„So wieder fit genug um den nächsten Punkt in Angriff zu nehmen?“
„Nächster Punkt?“, drang es mehr dumpf als gequält aus dem Kissen hervor. „Sofern der angesprochene Punkt nicht eine Ruhepause beinhaltet, mach ich nicht mit.“
„Ausruhen kannst du dich auch, nachdem du geduscht hast. Das heißt, sofern du keine Lust hast dein liebes Tantchen zu den Drachenwohneinheiten zu begleiten.“
Die Dunkelhaarige hob den Kopf da sie glaubte sich verhört zu haben. Nicht nur weil die weiße Drachin mit den himmelblauen Augen sich selber als „liebes Tantchen“ profilierte, wo sie doch ihre Nichte schon seit dem Flug mehr als einmal auf dem Arm genommen hatte.
„Drachenwohneinheiten?“
„Ihr Menschen vergleicht unsere Wohnhöhlen gerne mit Ställen, auch wenn ich bis heute nicht verstehe wieso. Ich meine, sind wir Pferde oder machen wir soviel Dreck wie sie?“

Mireille die scheinbar wieder zu Kräften gekommen war, hatte sich wieder aufgerichtet und starrte ihre „Tante“ verwirrt an. Natürlich war sie als Mensch ebenso wenig blutsverwandt mit dem Drachen, wie umgekehrt sie mit ihr. Aber um das genauer zu erklären, hätte es wohl einige Zeit gebraucht um über 100 Jahre menschlicher Familiengeschichte aufzurollen und wer sagte schon das dies der rechte Zeitpunkt war?

„Was willst du dort? Hast du dir etwa eine Box gemietet?“, kam es von der junge Frau die nicht sehr begeistert klang. Es konnte ja wohl kaum sein, dass ihre Tante schon so sehr die Nase voll von ihr hatte, das sie gleich im ersten Hotel getrennte Zimmer beordert hatte. Ihre Tante war eine der geduldigsten Drachen die sie jemals kennen gelernt hatte und sie hatte es auch schon mit so Leuten wie beispielsweise Mireilles Mutter ausgehalten, die sich in ihrer Jugend noch als viel störrischer als ihre eigene Tochter erwiesen hatte. Das konnte ja richtig heiter werden, wenn sie zusammen mit jemanden reisen musste, der sie jetzt schon mied. Wobei Galatea nur eine Zwischenstation ihrer Reise bilden würde.
„Höhle. Es heißt Höhle“, korrigierte die Polardrachin mit Nachdruck.
„Meinetwegen Höhle. Also, hast du dir eine solche Höhle gemietet- Tante Auris?“
Die Drachin die wohl den Namen Auris trug, stoppte kurz darin, das restliche Gepäck ins Zimmer zu schieben. Aufgrund ihrer, wie eben schon erwähnten, doch sehr geringen Körpergröße, passte sie mühelos durch die Türe der menschlichen Suite und keiner ihrer angelegten Flügel streifte den Türrahmen. Wenn sie diese geöffnet hätte, hätte sie schnell acht Meter Raum ausgefüllt.
„Nein, aber es ist der beste Platz um mit den Feldforschungen zu beginnen. Ich seh dich dann wohl in 20 Minuten, unten, mit der nötigen Ausrüstung.“
Damit dreht sich die Drachendame um und trabte wieder zur Türe, ehe sie durch einen Ruf aufgehalten wurde und sich nochmal umdrehte.
„Tante?“
„Noch etwas: Mach dir keine Gedanken um Fehler die du nicht begangen hast, sondern behalte die Fehler im Auge, die schon in Erscheinung getreten sind.“
Stirnrunzelnd beobachte die junge Frau, wie die Drachin den Raum verließ.

Etwa 20 Minuten und eine Dusche später, stand Mireille wirklich vor den Drachenställen mit dem geforderten Equippment oder genauer, mit der Tasche unter dem Arm die das geforderte enthielt. Ihre Tante hatte es nicht wirklich aufzählen müssen, den sie wusste ja was die weiße Drachin bei ihren Forschungen so benötigtet. Und sie konnte sich sehr gut vorstellen das Auris schon eifrig dabei war, etliche Drachen zu überreden sie bei ihren Forschungen zu unterstützen. Wie ernst die anderen Drachen sie nahmen oder sie überhaupt beachteten war eine andere Frage. Und wie sie ihre Tante in dieser Anlage finden sollte, war natürlich eine ganz anderes Kaliber. Immerhin konnte sie sich in der Zwischenzeit schon weiterbewegt haben. So in Richtung sanitäre Anlagen oder das Freilaufgelände der Drachen. Möglicherweise- Mireille sah nochmal auf ihre Armbanduhr, um sich auch zu vergewissern, das sie nicht einfach zu früh aufgetaucht war.
Währenddessen war Auris wirklich schon dabei zur nächsten Drachengruppe zu pilgern, nachdem sie einem Aoba-Drachen versichert hatte, dass sie nur ihre Nichte ansprechen müsste, um eine DNS-Probe bei ihr abzugeben. Dann wandte sie sich ein oder zwei Boxen weiter und sprach zuerst den jungen Coltdrachen an.
„Guten Tag, der werte Herr. Hätten sie Interesse daran, kurz einen Teil ihrer Zeit zu opfern, um meine Forschungen zu unterstützen? Meine Assistentin, sofern sie bald auftaucht, würde ihnen dann eine Speichelprobe entnehmen. Darf ich sie schonmal auf die Warteliste setzen?“
Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen wie sich ihnen ein Mann mit asiatischen Zügen näherte. Das war dann wohl sein Reiter oder zumindest ein Bekannter.
„Was wollen sie den mit seiner Speichelprobe machen?“, fragte ein anderer Drache neugierig.
„Ich analysiere die darin enthaltene DNS und bestimme wer mit wem verwandt ist um es mal simpel auszudrücken. Mein Ziel ist es die genetische Vernetzung zwischen den Rassen zu klären und...nein, das war es eigentlich schon.“

Mireille tigerte noch immer mit wachsender Ungeduld vor einem der Eingängen zu den Ställen auf-und ab, ehe sie vollkommen unerwartet von einer lauten Stimme angesprochen wurde.
„Hey, sieh da!“
Nach der Lautstärke und der Höhe der Stimmquelle zu urteilen hatte sie es wohl mit einem Drachen zu tun, was sich sogleich bestätigte als sie sich umwandte. Vor ihr stand wirklich eine Drache, dessen rechte Vorderklaue ungeduldig auf dem Boden drippte.
„Sind sie die Assistentin, dieser unsäglich, penetranten, kleinen Drachin?“
Mireille Augenbrauen wanderten in die Höhe. Unsägliche, penetrante, kleine Drachin? Damit konnte nur Tante Auris gemeint sein.
„Ja, sind sie von meiner Tante zur DNS-Erfassung hergeschickt worden?“
„Natürlich welchen Grund hätte ich sonst sie anzusprechen? Beeilen sie sich bitte, den ich bin in Eile“, merkte die Drachendame mit hoch erhobenen Kopf an.
„OK, wären sie dann bitte so nett mir etwas entgegenzukommen?“
Die Drachin hielt für einen Moment den Kopf schief, ehe sie zu verstehen begann und sich nach einigen Zaudern zu dem Menschen runterbeugte. Unter normalen Umständen hätte sie sich nicht zu so einem „Kniefall“ überzeugen lassen, aber sie hatte dieser Auris freimütig ihr Wort als Drache gegeben.
Cortana bog gerade um eine Ecke und ihr wäre wohl die Lakritztüte aus der Hand gefallen, wenn sie diese nicht so fest umklammert hätte. Was sie da sah, ließ sie einen Moment an dem Verstand anderer Leute zweifeln als sie sah, wie irgendein Vollidiot seinen Kopf gerade in das Maul einer Drachin steckte. Und wenn sie das sogar richtig erkannte hielt diese Person irgendetwas in der Hand und stocherte damit herum. Cortana erkannte sofort das es sich hierbei um den weiblichen Aoba-Drachen handelte, der schon seit einigen Tagen im George verweilte. Das eigentlich wichtige war ja jetzt, keinen von beiden unnötig zu erschrecken. Wenn die Drachin sich erschrecken würde, bestand die Gefahr dass sie den Mund zuklappte und damit diesen Idioten-nein Idiotin, wie sie beim beiläufigen Blick auf deren wackelndes Jeanshintern erkannte, in zwei Teile zerbeißen würde. Außer natürlich wenn diese Verrückte aus irgendwelchen Gründen das Gleichgewicht verlor und sich selber an den Zähnen der Drachin aufspießte. Warum konnten diese Suizidwilligen sich nicht einfach in ihren Hotelzimmern verschanzen und sich dort eine Kugel in den Kopf jagen, anstatt es hier auf ihrer „Arbeitsstelle“ zu versuchen? Oder war das möglicherweise eine von diesen Nahtoderfahrungs-Freaks die sich gerade einen Kick holte? Oder möglicherweise sogar eine von diesen dämlichen Touristen, die mal kurz ihre Köpfe in das Maul eines Drachen legten, um später zu Hause mit solchen hirnrissigen Bildern angeben zu können? Andererseits sah sie niemanden der besagtes Foto hätte schießen können, zumal hier nur die Hotelgäste und keine x-beliebigen Touristen Zutritt hatten.

Nachdem Mireille die erforderliche Speichelprobe entnommen hatte, steckte sie das Wattestäbchen in eine kleines Röhrchen und bedankte sich bei der Aoba-Drachin, die sogleich weitertrabte, ohne auch nur ein weiteres Wort zu verlieren. Währenddessen beschriftete sie das Röhrchen mit einem wasserfesten Marker und verstaute beides wieder in der Umhängetasche die sie ja nicht grundlos mit sich herumschleppte.
Die Drachenfahrerin beobachtete die Bewegungen der jungen Frau, die eine gewisse Geübtheit verrieten, aber da sie keinen Arztkittel oder Schildchen trug, konnte sie keine Ärztin sein. Zumal es so junge Ärzte gar nicht geben konnte und keiner der Pfleger etwas von einem kranken Drachen erwähnt hatte. Sie wäre eine der Ersten gewesen die es erfahren hätte. Schon alleine wegen der Rundgänge die sie hier zu tun pflegte.
„Sofern sie keine Ärztin sind, war das ein ziemlich gefährliches Kunststück“, sprach die kahl rasierte Frau, während sie überlegte wie und wo sie die junge Frau mit den schwarzen Haaren einzuordnen hatte. Kein Drache mit Selbstachtung, der sie noch alle beisammen hatte, wäre bereit für einen Fremden irgendwelche Tricks vorzuführen, wenn es sich hierbei nicht um einen Mediziner handelte. Das die Dunkelhaarige und die Drachin sich eigentlich total fremd waren, hatte Cortana aus dem Abschied der beiden geschlossen, der höflich-distanziert erfolgt war.
Mireille die gerade wieder die Umhängetasche verschlossen hatte, drehte sich erneut um, halb in der Erwartung irgendeinem neugierigen Passanten die Situation erklären zu müssen. Das war aber dann schon eine ungewöhnlichere Passantin oder wohl eher eine Person die hier für die Sicherheit verantwortlich war? Es war ihr unangenehm wie sie gerade angestarrt wurde. Der kahl rasierte Schädel in Kombination mit der Jeans und dem Holzfällerhemd, löste in ihr die Assoziation eines „Naturburschen“ aus. Jenen Leuten die Bäume fällten, und höchstens mal wieder zur Zivilisation zurückkehrten, um sich eine neue Zahnbürste und etwas Alkohol zu besorgen. Dann fiel ihr auf als die Person vor ihr zwar stämmig wirkte, aber nicht ganz so breite Schultern wie ein Mann hatte und demnach auch eine Frau sein konnte. Doch statt der obligatorischen Waldaxt führte diese Person eine Brechstange mit sich herum. Aber das beruhigte Mireille keineswegs, auch wenn Cortana diese wohl kurzerhand unter ihre Achsel geklemmt hatte, um freie Hände für ihre Lakritztüte zu haben. Ihre Arbeitshandschuhe steckten in ihrem Gürtel.
Auch die bunte Lakritztüte schien der jungen Studentin jetzt zum ersten Mal ins Auge zu fallen. Und sie wusste noch weniger ob sie diese Frau jetzt als gewaltbereit oder als Naschkatze einstufen sollte.
„Ich geh dann mal“, murmelte Mireille und war drauf und dran zu verschwinden. Einen Moment lang wünschte sie sich sogar, dass sie nicht die Tasche dabei hatte, den diese würde sie bei einer Flucht behindern.
„Warum hat der Drache sie so nah an sich heran gelassen?“, beeilte sich Cortana ihre eigentliche Frage zu stellen, da die junge Frau durchaus den Eindruck machte, einfach in den nächsten drei Sekunden abzuhauen. Mireille sah die Frau etwas verwundert an und hätte fast die Schultern über diese Frage gezuckt.
„Sie wurde darum gebeten.“
Diese Antwort war nicht ganz das was die Drachenfahrerin erhofft hatte zu hören. Das war nichtmal eine halbe Antwort. Irgendetwas schien die Schwarzhaarige nervös zu machen und wenn sie die Situation jetzt mit einem Drachen verglich, musste man erstmal dafür sorgen, dass die „Bedrohung“ verschwand. Selbstverständlich würde Cortana darauf verzichten sich selber in einen Sack einzuschnüren, wenn sie zufällig das war, was die Fremde als bedrohlich empfand. Sie war es ja gewohnt, dass andere Menschen die völlig falschen Schlüsse aus ihrem Aussehen und ihren Verbrennungen zogen. Also musste sie ihre Taktik ein bißchen ändern, wenn sie verhindern wollte, dass ihre Informationsquelle einfach so davonlief. Ob es möglicherweise half ein Friedensangebot in Form eines Leckerlies- ähm einer Süßigkeit zu machen?
„Wollen sie eine Lakritze?“, bot Cortana stattdessen an und bemühte sich die Entnervtheit aus ihrer Stimme zu verbannen.
Tatsächlich schien das Angebot insoweit wirksam zu sein, dass die Schwarzhaarige kurz darüber nachzusinnen schien und ihre Fluchtreflexe für´s Erste wieder in Griff hatte. Sie legte sogar den Kopf ein bißchen schief, was bei einem Drachen auf jeden Fall Unsicherheit verraten hätte. Mann, wieso war der Umgang mit anderen Menschen bloß zu kompliziert?
Mireille näherte sich einen halben Schritt, um sich die Tüte genauer anzusehen und erkannte dass es sich hierbei um eine Mischtüte handelte. Die verräterische Brechstange war vorerst vergessen und eigentlich schien die kahl rasierte Frau einen ganz normalen Eindruck zu machen. Wenn da nicht eben dieses blöde Werkzeug gewesen wäre, was sie sofort an Einbrecher und oder sonstige Verbrecher denken ließ.
Aber was sorgte sie sich eigentlich darum? In ihrer Suite gab es keinen Safe den es zu knacken galt, also musste sie wohl kaum mit unerwarteten, nächtlichen Besuch rechnen. Aber warum bot diese Frau stattdessen eine Lakritze an?
Als die Kahlrasierte die knisternde Tüte von sich streckte merkte sie endlich was wohl an ihrem Auftreten nicht stimmte. Sie hatte natürlich noch die Brechstange unter dem Arm und sie selber wäre wohl auf niemanden zugegangen, der so ein Ding offen mit sich rumtrug. Kein Wunder, dass die Kleine nahe dran war, Fersengeld zu geben. Langsam ließ sie das Werkzeug auf den Boden gleiten, damit ihr Gegenüber nicht verschreckt weglief.
„Danke für das Angebot. Aber kann ich stattdessen vielleicht lieber ein Weingummi haben?“
Cortana war überrascht, dass die andere überhaupt noch da war. Aber sie hielt ihr die Tüte weiterhin hin, was ein wirklich großzügiges Angebot war. So einfach war sie eigentlich nicht bereit ihr heißgeliebtes Lakritz mit jemanden zu teilen, aber wenn es der Beantwortung ihrer Frage diente- bitte.
Mireille lächelte erleichtert auf als die Frau endlich das Ding fallen ließ und somit sprach nichts mehr dagegen, sich ihr zu nähern.
„Also, wie hast du das hingekriegt, dass ein Drache sich darum bitten lässt, den Kopf eines Menschen ins Maul zu nehmen, ohne einmal abzubeißen?“, wiederholte Cortana ihre Frage, als die junge Frau ihr erstes Gummibärchen runtergeschluckt hatte.
„Das ist eher ein Verdienst meiner Tante. Sie hat die Aoba-Drachin vorher darum gebeten. So von Drache zu Drache, wenn sie das verstehen.“
Na, dass hörte sich doch interessant an! Cortana hatte selten von Menschen gehört, die irgendwie von Drachen adoptiert wurden, was in Capella zum Beispiel, sogar eine zusätzliche Ehrung darstellte. War das vielleicht ein Grund, warum sie die Reaktionen des Mädchens gedanklich mit denen eines Drachens verglich?
„Deine Tante ist ein Drache?“
Mireille nickte bejahend.
„Ein Polardrache um genauer zu sein“, fügte sie gleich viel entspannter hinzu.
„Über die habe ich einiges gelesen. Sie gehören zu den wenigsten Drachenarten die schwimmen und tauchen können. Das Fliegen mit eingeschlossen. Und sie würden im Gegensatz zu anderen Drachen auch recht niedrige Temperaturen vertragen“, meinte Cortana. Der Blick der jungen Frau mit den schwarzen Haaren schien in die Ferne zu gehen.
„Sie hat mich mal aus dem Wasser gefischt, als ich ins Eis eingebrochen bin. Und dann hat sie mir damit gedroht meinen Eltern zu sagen, dass sie den nötigen Schwimmkurs von meinem Taschengeld abzuziehen, wenn ich nicht endlich selber schwimmen lerne“, erzählte Mireille und sie lachte verlegen.
„Klingt nach einer guten Schwimmlehrerin, aber das macht sie wohl nicht beruflich oder?“
„Nein, Auris ist Drachengenetikerin. Deswegen habe ich vorhin auch ein paar Speichelproben eingesammelt. Wenn wir schon dabei sind, ich suche sie eigentlich“, erinnerte sich die Studentin und ihre grünen Augen weiteten sich vor Schreck.
Hm, damit neigte sich das Gespräch wohl dem Ende zu.
„Wenn deine Tante wirklich weiße Schuppen und blaue Augen hat, habe ich sie heute noch nicht gesehen. Ich gehe doch richtig davon aus, dass ihr erst vor kurzem angekommen seid?“
„Ja, ja und sie wird mir den Kopf abreißen, weil sich die Drachen schon bei ihr stapeln werden!“, jammerte Mireille und schulterte sich ihre Tasche richtig.
„Na, dann halte ich dich nicht weiter auf. Weißt du aber welche Box deine Tante sich reserviert hat?“
„Nein, sie hat keine! Danke für die Gummibärchen“, verabschiedete sich die Studentin und raste davon. Auch wenn sie eigentlich keine Ahnung hatte, wo im Stall sie eigentlich zu suchen hatte. Cortana hob ihre Brechstange wieder vom Boden auf. Jetzt hatte sie ja die Informationen erhalten die sie hatte haben wollen. Beizeiten würde sie mal versuchen herauszufinden, wie ein Drache ins Hotel einchecken konnte, ohne eine „Höhle“ zu brauchen. Und mit Verwunderung stellte sie fest, dass sie zwar ein fast normales Gespräch geführt hatten, aber keine von ihnen beiden ihren Namen genannt hatte. Und den Namen bräuchte sie wohl, um weiteres in Erfahrung zu bringen. Außer sie machte es wie gewöhnlich und unterhielt sich zuerst mit der Polardrachin Auris.

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„Kannst du da nicht was machen?“ fragte Bob, einer der Stallburschen.
„Hm..ich wüsste nicht was genau ich da machen kann. Ich bin schließlich nur eine einfache Fahrerin.“ antwortete Cortana.
„Ja, schon… aber irgendwie hören die Drachen manchmal auf dich, oder du kannst uns Hinweise geben…wie zum Beispiel vorletzte Woche als dieser Wüstendrache nicht in Box drei wollte und wir nicht verstanden warum. Erst als du sagtest, dass es an den Farben liegen könnte und mit den Drachen aus Box vier einen Tausch arrangiert hast war Ruhe.“
„Das kam nur weil ich da mal was drüber gelesen hatte….“
„Genau…und vielleicht weist du ja auch, wie man diesem Biest Manieren beibringt.“
„Und warum sprecht ihr nicht einfach mit dem Piloten?“ fragte Cortana
„Weil das ein superreicher eingebildeter Schnösel ist. Er denkt, nur weil er adelig ist, ist er etwas Besseres. Und mit sowas wie Uns will er nichts zu tun haben. Er hat sogar schon eine der Putzfrauen angeschrien und geohrfeigt weil das Kopfkissen nicht richtig ausgerichtet lag.“
„Mehr als ansehen kann ich da vermutlich nicht machen….“ meinte Cortana.
„Vielleicht kannst du ja irgendwas bewirken.“
Sie schüttelte verneinend den Kopf, ging aber in den Stall.
Wie immer betrachtete sie die Drachen auf ihre Art. Es gab kaum Neue, und die Alten kannten ihre „Beobachtungsrunden“ schon. Schon am Anfang hörte sie das Gezeter eines Drachen, der scheinbar Kommandos gab wo etwas hin sollte und sich dann auch noch über das angeblich inkompetente Personal ausließ. Deutlich konnte Cortana erkennen, das es einigen der Drachen auf die Nerven ging.
Sie beeilte sich jedoch nicht. Der flehende Blick des einen Drachen vor ihr sprach Bände. Drachen waren zwar in der Lage gegeneinander zu kämpfen, aber das taten sie meist nur, wenn es auch einen Grund gab. Provokationen versuchten sie meist zu ignorieren, oder sie diskutierten darüber. Doch hier war die Lage besonders. Ställe waren sowas wie „Friedenszonen“, hier griff man sich nicht an…wenn man jemanden nicht mochte, zog man sich einfach tiefer in seine Höhle zurück, welche auch als Boxen bezeichnet wurden. Meist reichte ein Knurren eines alten Drachen um einen Jüngeren zum ruhig-sein zu bewegen, doch hier schien das nicht zu funktionieren. Vermutlich konnte das Hotel auch nichts machen, weil der Kunde sehr zahlungskräftig oder gar ein VIP war.
Cortana erinnerte sich auch an etwas was Tischnachbaren in der Kantine gesagt hatten, das jemand zwar die Superluxushöhle gemietet hatte, der Drache sich dann aber für eine normale Höhle entschieden hatte in der all die Luxusobjekte rein getragen werden mussten. Das musste demnach dieser Drache sein, der da gerade so lautstark rumkommandierte: „Nein, da steht der Bildschirm ja vollkommen falsch, ihr Trampel…der muss weiter nach Links…“
Dass die Worte von einem Drachen kamen hörte sie nicht nur an der Lautstärke sondern auch an den Begleittönen in den Worten des Drachens. Wer nicht darauf achtete würde es auch nie erkennen, aber da waren noch kleinere Laute die mitschwangen wenn ein Drache sprach. Anhand dessen konnte man theoretisch sogar die Grundstimmung eines Drachen erkennen.
Sie ignorierte die Box in der dieser lautstarke Drache hauste und baute sich vor der Box gegenüber auf, suchte den Drachen der dort ruhte. Dieser hatte sich jedoch so weit zurück gezogen das er nicht mehr zu sehen war. Also betätigte sie die „Klingel“. Statt eines Tons, würde der Drache ein Licht blinken sehen, etwas was man mit geschlossenen Augen durchaus ignorieren konnte, und konnte nun seinerseits nach vorne kommen, oder aber einen Knopf betätigen, der Ihr zeigen würde das sie eintreten durfte.
Der Drache zeigte sich zwar nicht, aber sie erhielt die Erlaubnis die Höhle zu betreten. Das sie eingelassen wurde wäre für eine unbekannte Person unmöglich gewesen, aber Cortana war nicht unbekannt. Jeder der Drachen der vor drei Tagen dagewesen war hatte mitbekommen oder zumindest davon gehört wie sie den Vulkandrachen berührt hatte. Neugierig wie Drachen nun mal sind, hatten Diese den Vulkan später gelöchert und der hatte dann vom Unglück erzählt…das er damals Cortana ausversehen verbrannt hatte. Dazu kamen dann die weiteren Geschichten über sie, welche die Stalljungen zu berichten wussten… das ganze ergab ein gewisses Vertrauen was die Drachen zu Cortana aufbauten.
Sie näherte sich den Drachen zielgerichtet, der sich wirklich in die hinterste Ecke zusammengekauert hatte. Ein Mensch hätte vermutlich bei dieser Art der Annäherung die Muskeln angespannt… Drachen hatten jedoch ein Gespür dafür wann jemand ihnen böses wollte… zumal ein Drache auf diese Distanz nur einmal mit den Schwanz wedeln müsste um die Gefahr abzuwenden.
„Hallo, ich brauche Informationen über den Drachen gegenüber.“ Diese Form der Anrede war normal bei Cortana. Direkt drauf los, ohne Umschweif. Nur wenige mochten dies, in so einer Situation war dies jedoch hilfreich.
Dass ihr Gegenüber genervt war konnte sie deutlich erkennen.
„Du hörst es doch schon…“, als der Drache merkte das es Cortana ernst war mit ihrer Anforderung seufzte der Drache: „… der Drache dort ist erst seit heute Morgen da…dreiundzwanzig Jahre jung…tut so als wen ihn der ganze Planet gehören würde, nur weil sein Pilot der Sohn eines Mannes ist, der über einen ganzen Planeten herrscht. Und der Pilot erfüllt ihm natürlich jeden Wunsch. Ach wäre dieser Drache doch nur in die Luxushöhle gezogen…aber nein…er wollte unbedingt unter seinen Artgenossen sein.“
„Und warum bringt Ihr ihn nicht zum schweigen?“
„Wir haben ja schon etwas gesagt…aber von ihm kommt nur Verachtung und Spot“
Der Drache musste nicht erwähnen das er älter und auch stärker war… jedoch galt dieses Hier nichts, da dies ja ein Ort war, wo man sich nicht gegenseitig angriff. Aber das war nicht alles, wie Cortana mit ihren Worten feststellt: „Und du möchtest nicht zu direkt vorgehen, weil sonst dein Partner darunter leiden würde, wenn der Pilot Gegenüber aktiv werden würde….“
Die Augen ihres Gegenübers wurden kurz groß vor Überraschung. Cortana hatte die Problematik sehr genau erkannt, und zugleich etwas Wichtiges verdeutlicht. Die meisten Menschen dachten dass der Pilot eines Drachen auch zugleich dessen Besitzer war. Laut dem Gesetz war ein Pilot auch teilweise haftbar für Dinge die der Drache verbrochen hatte. Aber ein Drache war kein Eigentum. Dass sie das Wort „Partner“ nutzte machte dem Drachen klar dass sie die Freiheit der Drachen anerkannte. Ihre Betonung wiederum ließ keinen Zweifel darüber was sie vom Piloten des Drachen gegenüber hielt und wie sie ihn einschätzte.
Sie redete weiter: „Und genau vor dem Piloten hat auch das Hotel Angst, deshalb kann es nicht in diese Störung eingreifen. Kein Angestellter des Hotels kann etwas unternehmen….“
„Du bist auch eine Angestellte des Hotels“ sagte der Drache traurig.
„Ja…“ sagte sie plötzlich lächelnd. Irritiert legte der Drache wieder den Kopf auf den Boden, ein Zeichen das Cortana gehen sollte.

Cortana ging langsam aus der Box hinaus und trat in den Gang, als sie von oben angeschnauzt wurde: „Hey du da, helf mal diesen Bauerntrampel das sie die Sachen richtig hinstellen.“
Sie wusste das es dieser problematische Drache war der sie angesprochen hatte, sie tat jedoch so als ob sie ihn ignorieren würde, nicht mal bemerkt hätte, und ging weiter.
„Ich rede mit dir….“ brüllte der Drache und stampfte hinter ihr her. Er stoppte sie, indem er sie überholte und sich mit den Flügeln so breit machte, dass sie ihn nicht einfach umgehen konnte. Zudem kam er mit seiner Schnauze ihr nahe.
„Du…Helf den Anderen dabei meine Höhle einzurichten!“ Befahl er.
Sie stoppte und sah ihn gelassen an. Selbst als er absichtlich mit etwas mehr Druck die Luft aus seinen Nüstern blies blieb sie gelassen… uninteressiert und unbeeindruckt von einem Drachen, dessen kleinster Zahn so groß wie ihr Kopf war.
Statt zu antworten schüttelte sie verneinend den Kopf, lies den Augenkontakt aber nicht abbrechen.
„Du arbeitest hier, deine Uniform beweist es…also tust du auch was ich wünsche. Und ich will das du den Bauerntrampel dort hinten hilfst.“
„Ich bin Fahrerin. Keine Möbelpackerin und von verwöhnten Haustieren lasse ich mir nichts befehlen.“
„Äp…da…äh…wie kannst du es wagen?...weist du eigentlich wer ich bin?“
„Ein verhätschelter kleiner Drache der Meiner nicht würdig ist“
Diese emotionslos gesagten Worte hauten rein wie Ohrfeigen. Sie hatte erkannt das dieser Drache nie wirklich erzogen wurden war, das man ihn immer behütet hatte… und das er Aufmerksamkeit und Bewunderung haben wollte.
„So spricht man nicht mit meinen Drachen!!!“ kam die Stimme eines jungen Adeligen neben ihr. Er riss sie herum.
„Es ist also dein Drache?“ fragte Cortana mit gespieltem Unglauben. Der Adelige war jedoch zu aufgeregt um die Reichweite der Frage zu erkennen. Er erkannte nur dass sie ihn duzte.
„Ja, und wie kannst du es wagen mich zu duzen… ich bin Hinrich Nichin der Dritte.“
Er erwartete vermutlich sowas wie einen totalen Rückzug von Cortana, das sie ihn auf Knien um Verzeihung anbettelte. Stattdessen ging sie in die Offensive: „Sie sind also der Besitzer dieses Drachen…“ stellte sie fest.
„Ja der bin ich…“ er wollte noch weiter reden, ja sogar schimpfen. Auch sein Drache bestätigte mit einem Nicken die Frage.
„Dann sollten Sie Ihrem Haustier mal Manieren beibringen.“ Der Adelige als auch der Drache wollten protestieren. Doch Cortana sprach weiter: „Den IHR Drache scheucht die Angestellten dieses Hotels sinnlos hin und her, macht viel Lärm um unwichtige Dinge und hält sie davon ab wichtigere Dinge zu tun. Er hat nicht mal den Anstand sich Gedanken darüber zu machen inwieweit er die anderen Gäste des Hotels belästigt. Ja er ist sogar so frech und wagt es Andere zu bedrohen. Er ist so selbstverliebt das er nicht merkt wie lächerlich er sich damit eigentlich macht. Und wie wenig achtenswert er damit ist.“
„Also…das ist ja wohl…eine Unverschämtheit. Du Rotzgöre wirst…“ er hob die Hand um ihr eine Ohrfeige zu verpassen.
„Vorsicht“ warnte sie, „Ich schlage zurück“
Er stockte. Lies die Hand sinken. Sein Gesicht war rot vor Zorn.
„Ich werde dich…“ drohte er. Doch sie ergänzte bevor er ausreden konnte: „Zum Kampf auffordern?“
Er überlegte, während sie nachsetzte: „Wie viele Schlachten haben sie schon geschlagen, wie viele Menschen getötet, wie viele Narben haben sie davon getragen. Und ich meine jetzt nicht die Schlachten in irgendwelchen Simulatoren. Denn egal wie schwer man die auch einstellt, sie können nicht die Geräusche und den Geruch einer Schlacht nachstellen.“
„Ich…“ wollte der Adelige sich rechtfertigen.
„Nein, ich sage es ihnen: sie haben noch nie eine echte Schlacht geführt. Ihr Drache hat niemals wirklich gekämpft. Und Sie…haben bis heute noch nie etwas erreicht was den Menschen positiv in Erinnerung bleibt. Sicher, die eine oder andere Spende gegeben… aber haben sie jemals für jemanden etwas getan wofür er sich bei ihnen aus tiefstem Herzen bedanken konnte… ohne das es um Geld ging?“
„Haben sie dass den jemals getan?“ höhnte er sie an.
„Ja“ sagte sie, „in meiner zehn Jährigen Dienstzeit bei den zweiten Curcis-Lanciers-RKG habe ich unzählige Menschen getötet, teilweise mit meiner Dienstwaffe. Ich habe aber auch geholfen als es darum ging an Flüchtlinge Essen auszuteilen, oder einen Verwundeten zum MASH zu bringen. Ja sogar nach einen Erdbeben habe ich Verschüttete ausgegraben.“
Sie machte eine Pause. Er suchte nach einer Erwiderung… er konnte ihre Taten nicht aufwiegen.
„Also, gibt es irgendetwas was sie mir antun können, was ich im Krieg nicht schon erlebt hätte. Irgendetwas was schlimmer ist als die Alpträume und die Erinnerungen von den Schlachtfeldern? Von den verbrannten Fleisch, den aufgedunsenen Leichen, den Wehklagen der Verwundeten… .“
Er musste dies verneinen.
„Dann sollten sie mir auch nicht drohen. Sehen sie lieber zu das sie diesem verhätschelten Haustier hier Manieren beibringen. Ein bisschen Erziehung würde dem Drachen schon gut tun.“ Sowohl der Drache als auch der Adelige sahen sie vollkommen irritiert an. Keiner von beiden wusste damit umzugehen, denn noch nie hatte man es gewagt so mit ihnen zu reden.
Ohne Probleme konnte Cortana nun weiter gehen, da der Drache den Weg nicht mehr versperrte. Als sie an der ersten Box vorbeikam hörte sie von dem Drachen dort ein leise und Humorvoll geflüstertes „Haustier“, welches sie nur mit einem „Ja“ und einem Siegeslächeln quittierte.
Stunden später zog der adelige Drache in die Superluxushöhle. Er konnte in seiner Umgebung nicht mehr angeben oder prahlen, ja nicht mal drohen… weil ihn die anderen Drachen jedesmal als „Haustier“ ansprachen. Das war so ziemlich die schlimmste Demütigung für einen Drachen. Und dieser Drache hatte sich selbst dazu bekannt.
Für Cortana hatte das allerdings auch Konsequenzen. Sie wurde zum Geschäftsführer „gebeten“ der ihr erklärte das man so nicht mit wichtigen Kunden umgehen durfte und er nun gezwungen war sie aufgrund ihres Verhaltens fristlos zu kündigen. Sie nahm es gelassen. Sie würde schon einen Job finden. Fahrer wurden schließlich immer gesucht. Und im Notfall würde sie Taxifahrerin werden.
„Verdammt, das habe ich nicht gewollt.“ Meinte Bob der Stallbursche als sie aus der Umkleide kam.
„Mach dir keinen Kopf drum. Einer musste dem Typen mal die Meinung sagen…und die Kündigung ist die logische Konsequenz daraus. Ich hätte es nicht getan, wenn ich nicht gewusst hätte das ich nicht einen anderen Job bekommen würde.“ Erklärte Cortana ruhig.
„Was wirst du den jetzt machen?“
„Heute nichts mehr.“ Dabei lächelte sie ihn an.
„Und Morgen werde ich ausschlafen und dann mal in Ruhe bei einer der Speditionen nachfragen ob die mich haben wollen. Wie du weist suchen die immer Fahrer, steht ja jede Woche in der Zeitung. Und wenn das nicht klappt… ich weis dass ich jederzeit als Taxifahrerin eingestellt werden würde. Also mach dir um mich keine Sorgen.“ Cortana war wirklich davon überzeugt das sie einen Job bekommen würde. Obwohl sie zugeben musste, das Fernfahrer oder Taxifahrer eher langweilig sein würden.

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Als Heine Rosenstark das kleine Maklerbüro verließ, war er guter Dinge. Es gab tatsächlich in relativer Nähe zur Hauptstadt ein paar günstig gelegene Chalets mit großem Terrain und sogar Freizeitanlagen für Drachen. Der Makler hatte ihn davon überzeugt, dass die Trainingseinrichtungen von Galatea City nahe genug waren, um auf solchen Schnickschnack zu verzichten. Außerdem war ein gekauftes oder gemietetes Chalet im Unterhalt immer noch risikoloser als eine ganze Ranch, auf der man das Ernte- und Zuchtrisiko hatte, gerade wenn man wie der junge Rosenstark ein Amateur war. Er hatte vier Besichtigungstermine mit Mr. Johnston, dem Makler, vereinbart, und war nun guter Stimmung, als er auf der Straße von Fabian Ryan empfangen wurde.
„Ist alles gut gelaufen, Mylord?“
Heine hatte in den letzten Tagen einige Zeit darauf verwendet, dem Veteranen sein „Mylord“ auszutreiben, nun wo er Rang und Namen verloren hatten. Leider war gegen die Ignoranz des Drachentöters kein Kraut gewachsen. Und sein Argument, dass man den Titel Rosenstarks immer noch als Waffe verwenden konnte, ebenso wie das Mylord, leuchtete auf einem gewissen Weg sogar ein. „Vier Termine. Alle etwas abgelegen. Zwei in den Bergen, zwei im Tiefland. Alle haben großzügige Drachenhöhlen und bieten viel Natur. Dabei sind alle nicht weit von der Stadt entfernt. Es wird Ihnen gefallen, Fabian.“
Der junge Kommandosoldat grinste schief. „Ich kann etwas Abwechslung nach all dem Krieg gebrauchen, Mylord. Die Liga Freier Drachenwelten ist für Soldaten ein heißes Pflaster.“
Heine klopfte dem nur wenig kleineren Mann auf die breite Schulter. „Damit hat es sich erstmal, Fabian. Ich habe nicht vor, etwas anderes zu tun als mich erst einmal gründlich auszuruhen, eine ganze Bibliothek Bücher durch zu schmökern und die Beine hoch zu legen.“
Erneut huschte ein Grinsen über das Gesicht des Kommandos. „Mylord, Sie wissen doch, das Dinge die man sich allzu bunt ausmalt, nie eintreffen, sondern sich ins Gegenteil verkehren, oder?“
„Oh, ich hoffe das es diesmal nicht der Fall ist. Ich kann ein paar Jahre Ruhe gebrauchen, um etwas Gras über meinen zweifelhaften Ruf als Drachentöter wachsen zu lassen.“
„Schwarzer Drachentöter, Mylord. Ich habe in der Stadt auch schon Leute gehört, die Sie das Böse an sich oder den Antichristen genannt haben. Wobei es etwas komisch klang, als es ein taoistischer Priester sagte. Es scheint so das man sich in Zeiten der Multikultur die Dämonen teilt.“
„Wie man es nimmt. Ich persönlich hatte immer eine Schwäche für draconische Youma und ihr Faible, jedem und alles einen Gott zuzuteilen. Ist der Wagen bestellt? Es ist zwar noch etwas Zeit bis zum Abendessen mit Tostan, Garm und Svenja sowie Mr. Hammer und Nova, aber vielleicht nutze ich die Zeit und lese den Drachen weiter aus dem Herrn der Ringe vor. Kennen Sie das Buch?“
Ryan sah ihn entsetzt an. Für einen Moment wollte Heine auflachen und ihn aus der Falle mit der Weltliteratur befreien, doch dann erkannte er, dass das Entsetzen nicht dem erwähnten Buch galt, sondern etwas anderes seine Aufmerksamkeit eingefordert hatte.
„VORSICHT!“, rief er, griff in seine Innentasche und versuchte sich vor Rosenstark zu schieben.
Doch dazu war es zu spät, viel zu spät.
Nun fuhr Heine herum, brachte die Arme hoch, spürte aber schon den Aufprall eines entsetzlich leichten Körpers und... Etwas Weiches?
„HEEEEIIIINEEEEE!“
Von einem Moment zum anderen schien die Zeit einzufrieren. Ryan verharrte mit halb gezogener Waffe, auf seiner Stirn war eine steile Falte des Nichtverstehens zu sehen. Rosenstark selbst war umklammert, umschlungen und nicht in der Lage sich zu bewegen, während etwas kleines, schwarzhaariges Etwas weiblicher Abstammung ihr Bestes tat, um den einen Kopf größeren Drachenreiter zu umarmen und ihre üppige Oberweite an ihn zu drücken. Zugleich versuchte eine schlanke blonde Frau mit beachtlich langen Beinen in beachtlich hohen Lederstiefeln und regelrecht verzweifeltem Gesichtsausdruck, die Situation zu erklären, oder zumindest zu begreifen.
Dann lief die Zeit wieder normal. Heine Rosenstark seufzte. „Hallo, Pearl.“ Er wandte sich halb um und musterte die blonde Frau, die ihn fast um einen halben Kopf überragte. „Hallo, Stacy.“
Die mit Pearl angesprochene junge Frau nutzte die Bewegung Rosenstarks aus, um nach vorne zu wechseln. Bevor es sich der ehemalige Adlige versah, stand sie schon auf den Zehenspitzen und schenkte ihm einen langen Kuss. „Ich habe dich so vermisst.“
Fabian Ryan war der Situation sichtlich nicht gewachsen. Noch immer hielt er die Waffe umklammert und errötete bis unter die Haarspitzen, als die Frau mit der schwarzen Lockenpracht ihre Zunge in Rosenstarks Mund schob.
„Schon in Ordnung. Es ist in Ordnung“, versuchte die Blonde zu erklären. „Die beiden sind alte Feinde... Ich meine, sie sind Freunde.“
„So?“, erwiderte Ryan. „Begrüßt sie alle ihre Freunde auf diese Art?“
„Sehr gute Freunde“, präzisierte Stacy. „Jetzt ist aber genug, Boss!“
Mit einem sicheren Griff verkeilte sie ihre Rechte in Pearls Kragen, und dann riss sie die junge Frau mit einem kräftigen Ruck fort von Rosenstark. „Vielleicht sagen wir erst einmal Tag, bevor du über ihn herfällst, Pearl.“
„Tut mir Leid. Ich konnte mich irgendwie nicht zurückhalten, als ich ihn so unvermittelt gesehen habe“, murmelte sie wie ein getadeltes Schulmädchen. „Heine, du bist immer noch ein toller Küsser.“
„Oh, danke, ich...“ Rosenstark runzelte die Stirn. Dann sah er Ryans fragenden Blick und räusperte sich vernehmlich. „Mr. Ryan, dies ist Pearl Vincent, ehemals First Lieutenant der Davion Light Dragon Brigade. Wir haben zusammen auf dem NAIW studiert. Und dies ist Stacy Schollz, ehemals 1. Arkturus-Garde. Beide sind im Moment Söldner. Wolfs Dragoner, nicht wahr?“
„Du bist nicht auf dem Laufenden“, erwiderte Pearl ärgerlich. „Wir sind schon seit zwei Jahren selbstständig. Ich habe einige der besten Kommandosoldaten auf dem freien Markt um mich geschart und nehme nur die hochqualifizierten Aufträge an. Das habe ich dir aber eigentlich geschrieben und...“
„Nie abgeschickt“, brummte Stacy Schollz erklärend. „Wie du es immer machst. Du knallst deine Konsole mit Verwaltungsarbeit und persönlichen Briefen voll, und dann vergisst du sie. Es würde mich doch sehr wundern, wenn Lord Rosenstark auch nur einen einzigen Brief von dir erhalten hat, seit er seinen Rang verlo... Erschrocken sah die blonde Frau den jungen Rosenstark an. „Verzeihung, Mylord. Natürlich haben wir die Nachrichten über Euch verfolgt. Wir bedauern außerordentlich, dass... Dass...“ Stacy schluckte heftig.
„Na, na“, brummte Heine und klopfte der großen Blonden auf die Schulter, „Sie brauchen nicht so mitfühlend zu sein, Stacy. Es ist ja nicht so als waren Sie für meine Misere verantwortlich.“
„Nein. Natürlich nicht, Mylord. Dennoch, ich fand es sehr ungerecht, dass Ihr...“
„Bevor Sie zu tröstenden Worten finden, Stacy, schulden Sie mir zuerst eine Erklärung. Gehe ich Recht in der Annahme, das die junge Frau da drüben, die mich einem Blick ansieht als würde sie mich mit einem Feuerball vaporisieren wollen, zu Ihrer Einheit gehört?“
Die beiden Frauen wandten sich um. „Oh, ja, das ist Amy Kiribati. Sie sollte genau dein Typ sein, Heine. Klein, schlank und sportlich, genauso wie du deine Frauen bevorzugst. Dazu flach wie ein Brett und...“
„Pearl!“, mahnte Stacy. „Mylord, ich glaube für den Anfang wird es reichen, wenn Ihr die Hand von meiner Schulter nehmt. Sergeant Kiribati ist etwas, nun, überbeschützend. Sergeant, kommen Sie bitte.“
„Was? Oh, entschuldigen Sie, Stacy. Und was dich angeht, Pearl, seit wann stehe ich bitte auf...“
„Wenn es nicht so wäre, wärst du mir längst mit Haut und Haaren verfallen“, beschwerte sich die Söldnerführerin. „Ich habe lange drüber nachgedacht, und bin zur Erkenntnis gekommen, dass es meine Titten sein müssen. Sie sind dir zu groß.“ Als die dritte Frau zu ihnen trat, griff Pearl nach ihren Handgelenken und schob sie vor sich, bis sie beinahe Heine berührte. „Genau dein Typ, oder nicht? Du kannst sie dir gerne mal ausleihen, aber danach will ich meinen besten Späher wiederhaben.“
„Captain!“, rief die junge Frau zu Tode erschrocken.
„Darf ich dir vorstellen, Amy, der Mann vor dir ist Heine Rosenstark. Auch bekannt als der Schwarze Drachentöter. Sein Begleiter... Uninteressant, um den wird sich Stacy schon kümmern. Und, Heine, wie viele Punkte gibst du ihr?“
„Moment, Captain! Sie wissen doch genau, dass ich...“
„Jetzt ist keine Zeit für Schüchternheit, Mädchen. Immerhin ist der Mann hier ein planetarer Lord. Okay, er war es, aber glaube mir, mit seinem Titel hat er bestimmt nicht seine Kohle verloren.“
„Pearl, könntest du bitte aufhören, die junge Dame in solche Verlegenheit zu stürzen? Noch ein wenig näher, und sie stirbt an Kreislaufkollaps“, brummte Heine. „Ihr Gesicht ist schon tiefrot.“
„Wie ich schon sagte, sie ist überbeschützend“, erklärte Stacy. „Sie kann auch nicht so gut mit Männern. Keine Sorge, sie ist nicht traumatisiert oder sowas. Im Gegenteil, ich glaube wir schicken sie ungeöffnet an den Schöpfer zurück, wenn sie sich weiter so ziert. Und solange sie in einer reinen Fraueneinheit dient, geht es mit ihr nicht voran.“
„Stacy!“, rief die junge Frau mit hochrotem Kopf.
„Eine reine Fraueneinheit? Dazu Infanterie?“
„Kommandos! Kom-man-dos!“, rief Pearl entrüstet. Dieser Augenblick genügte Amy, um sich aus ihrem Griff zu winden und zur Seite zu treten.
„Wir sind eine spezialisierte Truppe, in der jede Frau mindestens drei Waffen beherrschen muss. Einige sind entrechtete Drachenreiter, einige Infanteristen, dann haben wir noch Piloten, Panzerfahrer, Scharfschützen, was immer du willst. Gib mir ein Vehikel, und ich gebe dir fünf Fahrer dafür. Oder meinetwegen Piloten.“
„Interessant. Gibt es einen besonderen Grund dafür, dass deine Einheit nur aus Frauen besteht?“
„Oh, da gibt es viele. Da wäre einmal der Umstand, dass man nicht auf schmierige, ungewaschene und stinkende Männer hören muss. Du bist eine Ausnahme, Heine. Du darfst ruhig riechen wie du willst.“
„Na, danke für das Kompliment“, erwiderte Rosenstark amüsiert.
„Und dann ist da die unbestrittene Tatsache, dass Frauen wesentlich ausdauernder, belastbarer und Stressresistenter sind als Männer. Sie halten einfach mehr aus. Habe ich Dir auch oft genug bewiesen, oder? Damals in der Sportgruppe am NAIW.“
„Du warst in der Sportgruppe. Ich war im Debattierclub.“
„Siehste. Beweisaufnahme beendet. Und dann ist da noch der wichtigste Vorteil: Sind Männer unsere Gegner, haben sie schon verloren. Denn entweder haben sie Skrupel auf uns zu schießen, oder sie kommen wegen ihrer Ständer nicht aus den Schützengräben raus. In beiden Fällen haben wir leichtes Spiel.“
„Pearl!“, rief die Blonde mahnend.
„Ja, ja. Als wäre das nicht die Wahrheit. Jedenfalls habe ich auf diese Art eine dreißig Frau starke Truppe aufgebaut, die mittlerweile so kurz vor dem Elite-Rating steht. Na, was sagst du dazu, Heine?“
„Ich gebe zu, ich bin nachhaltig beeindruckt. Was meinen Sie, Fabian, so als Drachentöter?“
„Miss Vincent hat eine sehr lose Klappe, eine sehr lockere Art und geht rabiat mit ihren Untergebenen um. Abgesehen von der, Hrm, Fleischbeschauszene vorhin komme ich trotzdem zu dem Schluss, dass ihre Bewegungen alle sehr koordiniert und ihre Sinne sehr scharf sind. Dies ist bei allen drei Frauen der Fall, wenn ich das anmerken darf.“
„Danke, zu gütig, Fabian. Siehst du, Amy, wozu ein wenig Peinlichkeit gut ist? Schon springt dir der erste weiße Ritter in schimmernder Rüstung zur Seite, um dich vor der bösen Hexe zu retten“, sagte die Söldneranführerin amüsiert.
Ryan räusperte sich vernehmlich und vermied für einen Augenblick den Sichtkontakt mit den Frauen.
„Sagtet Ihr Drachentöter, Mylord?“ Stacy Schollz musterte den jungen Burschen interessiert. „Drachenjäger, Drachenkämpfer und Drachenkommandos gibt es viele. Aber nur eine Handvoll vo ihnen nennt sich freiwillig Drachentöter, wenn sie nicht an ihren nicht vorhandenen Eiern aufgehängt werden wollen. Wie sieht es da bei Ihnen aus, Mr. Ryan? Haben Sie schon mal einen Drachen getötet?“
„Es gehört nicht zu meinen Ruhmestaten, Sergeant, aber ja, ich war auf dem Schlachtfeld gezwungen, Drachen zu töten, um nicht selbst zu sterben und um meine Aufträge auszuführen.“
„Und wie groß war Ihr Team, junger Mann? Welche Bewaffnung?“
„Ich kämpfe alleine, wenn Sie das meinen. Ich bevorzuge Magnesiumpfeile, aber ab und an setze ich auch ein Zeus ein, vor allem gegen bodengebundene Drachen.“
„So“, murmelte Stacy.
„So“, ewiderte Ryan und wich unter ihrem Blick nicht einen Schritt zurück.
„Ich sehe schon, das wird länger dauern. Wollen wir nicht was trinken gehen, Heine? Du darfst auch neben Amy sitzen“, sagte Pearl mit einem Augenzwinkern.
„Boss“, mahnte Stacy halbherzig.
***
Aus dem Drink wurde ein verspäteter Brunch in einem heimeligen Lokal in einer ruhigen Nebenstraße. Es war nicht viel los, aber das Essen war gut und reichlich.
„Du bist doch sicher mit den drei Kindern unterwegs, oder?“, fragte Pearl mit vollem Mund. „Und, was sagen sie zu deinem Drachentöter?“
„Wenn du mit den drei Kindern Schnitter, Soryu und Pacificus meinst, hast du Recht. Sie haben keine Vorbehalte gegen Fabian, falls du das meinst.“
„Habe ich auch nicht anders erwartet. Ein Drache, der es ohne seinen Reiter mit dem Sohn des Sohn des Himmels aufnimmt und ihm die Drachenflügel lang zieht, hat genügend Krallen, um sich nicht verunsichern zu lassen. Das ist der Pacificus, den ich kenne. Bei Soryu und Schnitter wundert mich das allerdings schon. Ist der kleine Sandoval endlich erwachsen geworden? Und kann der kleine Colt endlich sein Schandmaul halten?“
„Du würdest dich wundern, was aus dem kleinen Colt geworden ist“, erwiderte Heine amüsiert. „Aber er redet immer noch wie ein Wasserfall.“
„Was zu erwarten war“, murmelte Stacy. „Ach, Moment, wir reden hier nicht über Soryu, oder?“
Amüsiertes Gelächter der Eingeweihten klang auf.
„Willst du noch etwas Brot, Heine?“
„Danke, nein. Ich habe in drei Stunden noch ein Abendessen. Da werde ich noch kräftig zulangen müssen. Aber ihr, greift ruhig zu. Ich hasse Verschwendung.“
„Abendessen? Ich hatte gehofft, wir würden den Abend zusammen verbringen“, murrte Pearl. „Wenn wir uns schon so unvermittelt über den Weg laufen. Ich hätte auch Amy mitgebracht.“
Heine musterte die junge Untergebene, die bei den provokanten und sexuell unterlegten Worten ihrer Vorgesetzten erneut errötete. Wütend wurde sie nicht, aber sichtlich verzweifelter, je länger dieser Termin dauerte. Heine wusste, dass Frauen untereinander dazu neigten, sehr direkt und teilweise sogar grausam ehrlich zu sein. Einer der Gründe, warum er über die Gesellschaft seiner drei Jungs so erfreut war. Es war... Unkomplizierter.
„Lassen Sie sich nicht dauernd von Pearl ins Bockshorn jagen, Miss Kiribati. Sie ist bei weitem nicht so promiskuitiv wie sie hier vorgibt.“
„Ritter Nummer zwei. Mädchen, wenn du so weiter machst, reicht es vielleicht auch noch für Hanse Davion. Kannst du ihr nicht eine Audienz verschaffen, Heine?“
„Ich habe eine bessere Idee. Wollt ihr nicht zum Abendessen mitkommen? Ich erwarte einige interessante Gäste. Ein ausländisches Prospektorenteam sowie einen New Avalon-Wraith samt Begleiter.“
„Drei Drachen?“ Pearl zog die Stirn kraus. „Planst du deine eigene Söldnereinheit, Heine?“
„Vier. Im Prospektorenteam ist ein Rasalhaag-Drache namens Garm vertreten. Und nein, ich plane keine eigene Einheit.“
„Was zum Henker willst du dann mit so vielen Drachen? Und warum hast du Ryan eingestellt, einen Drachentöter?“
„Hat sich alles irgendwie ergeben. Es existiert kein wirklicher Grund“, wiegelte Heine ab. „Ich habe auch nicht vor, mich auf irgendwelche Abenteuer einzulassen, solange ich noch als Schwarzer Drachentöter gelte.“
„In manchen Gegenden der Inneren Sphäre wäre dieser Ruf bares Geld wert“, warf Stacy ein. „Zum Beispiel in der Isle of Skye. Dort würde man für vier Drachen und einen Mann mit deinem Ruf ein Vermögen bezahlen. Selbst wenn ihr eine Einstufung als grüne Einheit bekommen würdet.“
„Wie ich schon sagte, ich plane keine Einheit.“
„Wieso?“ Pearl beugte sich zu Heine herüber. „Keine Zeit?“
Rosenstark lachte rau auf. „Im Gegenteil. Zeit habe ich die nächsten drei Jahre wahrlich genug.“
Die schwarzhaarige Söldnerin lehnte sich zufrieden nach hinten. „Wo wohnst du, Heine? Wir werden wirklich gerne kommen. Aber nur wenn du ein eigenes Zimmer hast. Ich meine, Soryu würde beim zugucken noch was lernen, aber der Applaus bringt mich immer aus dem Rhythmus.“
„Sehr witzig. Wenn würde der Applaus ohnehin mir gelten“, konterte Heine. „Ich wohne im George, einem Drachenhotel.“
„George. Der Laden also? Ironie pur, ein Hotel für Drachen nach einem Drachentöter zu benennen“, murmelte Stacy.
„Ich fand es für mich sehr passend. Wir speisen im Drachensaal um acht Uhr. Ich lasse euch auf die Liste setzen.“
„Alle drei, bitte. Aber wieso eine Liste?“
„Weil wir seit unserer Ankunft ein paarmal in nicht erfreulichen Situationen verstrickt waren. Mein Ruf bringt nicht nur potentiell Geld, sondern real eine Menge Ärger.“
„Verstehe, Mylord“, murmelte Stacy verlegen.
„Aber das soll heute Abend nicht zählen. Kommt vorbei, wir haben etwas Spaß, tauschen alte Geschichten aus, ganz so wie früher.“
„Ich werde heftig mit Soryu und Schnitter aneinander geraten“, warnte Pearl.
„Na, das will ich doch schwer hoffen“, erwiderte Heine schmunzelnd.
Er erhob sich, und auch Ryan sprang auf. „Ich heiße jetzt übrigens Schmitt. Denkt da bitte dran. So, wir sehen euch nachher. Das Essen geht übrigens auf mich. Ich habe tatsächlich etwas von meinem Geld behalten können.“
Er nickte den Damen zu, die ihn zu zwei Dritteln freundlich verabschiedeten und ihrer Hoffnung auf einen tollen Abend Ausdruck gaben.

„Hoffentlich geht das gut“, murmelte Heine betreten, nachdem er bezahlt hatte und mit Fabian Ryan im Wagen saß.
„Geht was gut, Mylord?“
„Pearl Vincent hat das unbestreitbare Talent, alles und jeden in tiefsten Ärger zu stürzen. Sie braucht Aufregung zum leben wie andere Menschen die Luft zum atmen. Sie in meine Nähe zu lassen dürfte sehr gefährlich werden.“
„Aber interessant, wenn ich Sie richtig verstanden habe, Mylord.“
Heine schmunzelte bei den Worten des Kommandos. „Protectus hat mir eine Botschaft gebracht, wissen Sie? Er hat sie direkt von Prinz Hanse erhalten. Darin hieß es, dass der Geheimdienst mit Hochdruck daran arbeitet, meinen Namen wieder reinzuwaschen. Bis dahin soll ich den Ball flach halten und auf mein Leben aufpassen. Für einem Moment habe ich wirklich geglaubt, Sie wären mit meiner Sicherheit beauftragt gewesen, Fabian.“
„Was ich jetzt ja auch bin. Aber widerspricht das gemeinsame Abendessen mit diesen Damen nicht dem Sicherheitsempfinden? Wollen Sie den Prinzen mutwillig enttäuschen?“
Heine hob seine Rechte und betrachtete sie versonnen. „Sagen wir, tief in meinem Herzen weiß ich, dass ich Ruhe und Frieden ebenfalls nicht lange ertragen kann. Außerdem ist Pearl... Ich lasse es einfach auf mich zukommen.“
„Verstehe, Mylord“, erwiderte der Kommando schmunzelnd.

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Ein illustre Runde hatte sich im Drachensaal des George versammelt. Dominiert wurde die Szene natürlich vom Griffin-Drachen Pacificus, der sich auf seiner behaglich warm geheizten Matte hinter seinem Reiter niedergelassen hatte. Dabei stört es ihn überhaupt nicht, dass Nova beschlossen hatte, aus seinem Hinterleib eine Schlafstätte zu machen. Auch der junge Colt-Drache Schnitter war ausnahmsweise einmal wortkarg und schmiegte sich lediglich in die Flanke des Größeren.
Garm hingegen hatte sich ebenfalls hinter seinem Reiter niedergelassen. Im Gegensatz zur verschlafenen New-Avalon-Bande beteiligte er sich an den Gesprächen und gab ein paar Anekdoten zum Besten.
Am kleinen Tisch, der angesichts der gewaltigen Drachen beinahe schon wie Puppenspielzeug wirkte, hatten mehrere Menschen Platz genommen. Das Stirnende als Gastgeber der Runde nahmen Heine Rosenstark und sein Partner Soryu Walker ein. Links von ihnen saßen Tostan, der Prospektor, Amy Kiribati sowie der frisch angekommene Robert Hammer. Links davon fand sich Fabian Ryan in einem unheilvollen Sandwich aus Tostans Tochter Svenja und Stacy Schollz wieder. Pearl Vincent indes hatte es sich nicht nehmen lassen, direkt neben Heine zu sitzen.
„Hast du schon gehört?“, wandte sich Soryu an seinen Tischnachbarn. „Heute kam so ein adliges Gesindel mit seinem Spielzeugdrachen an. Der Rotzlöffel hat die komplette Drachenhöhle terrorisiert, und keiner hat es gewagt ihn zurecht zu weisen, weil sein Reiter Geld hat.“
Tostan zog die Augenbrauen zusammen. „Das muss gewesen sein, als unsere Drachen draußen waren. Sonst hätte ich nicht dafür garantiert, was Garm mit ihm gemacht hätte. Er ist... Sehr eigen.“ Tostan wandte sich zu seinem Drachen um. „Nicht, alter Junge? Wundert mich, dass ich keine Beschwerden über dein Benehmen gehört habe.“
„Schau mich nicht so an, alter Mann. Als wir wieder in die Höhle zurück kamen ist das Haustier schon umgezogen. In eine separate Luxushöhle. Aber glaube mir, ich hätte dem Bengel schon die Meinung gesagt, und seinem Herrchen obendrein.“
„Das ist mein Junge“, sagte Tostan stolz und klopfte dem Riesen auf die Schnauze.
„Hat sich ohnehin erledigt. Eine der Bediensteten hat sich Drachen und Herrn vorgeknöpft und ordentlich zusammen gestaucht. Seitdem nennen die anderen Drachen das verwöhnte Balg Haustier.“
„Mir kam so etwas zu Ohren“, murmelte Hammer amüsiert und nahm einen Schluck von seinem Apperitiv.
„Leider wurde sie dafür gefeuert. Es scheint so, dass unser adliges Arschloch keine Kritik verträgt. Heine, du solltest die Frau kennen. Sie hat Schnitter vom Trainingsgelände rüber gefahren. Und man erzählt sich, dass die Drachen Angst vor ihr haben.“
„Ach, die? Erstaunliche Person. Ich werde morgen mit dem Direktor sprechen und ihn bitten, sie wieder einzustellen, sobald der Popanz weiter gezogen ist.“
Pearl lauschte mit gespitzten Ohren. Sie beugte sich zu Heine herüber und brachte damit ihr offensiv ausgeschnittenes Dekolletée in sein Sichtfeld. „So ein Quatsch. Wenn die Frau wirklich so ein Kaliber ist, dann sollte ich sie einstellen. Frauen mit Eiern können wir immer gebrauchen.“
Stacy hüstelte verlegen. „Deine Ausdrucksweise, Boss. Wir sind hier nicht unter uns.“
Missmutig sah sie ihre Untergebene an. „Ich weiß gar nicht was du hast. Wir sind doch erwachsen und sexuell erfahren, oder? Warum Dinge umschreiben wenn man sie auf den Punkt bringen kann?“
Heine verzichtete darauf die Söldnerin für diesen Vergleich zu tadeln oder gar zu korrigieren. Es hätte nur in einem Disput über sexuelle Begriffe geendet, wie es ihre freiherzige, offene Art war.
Allerdings sah er die Röte in die Wangen von Tostans und Garms Adoptivtochter schießen und erinnerte sich daran, dass sie bei zwei so aufopferungsvollen Adoptiv-Vätern gewiss noch keine großen sexuellen Erfahrungen gemacht haben konnte, also lenkte er das Thema wieder um. „Um auf die junge Dame zurück zu kommen, sie ist militärische Fahrerin und hat gedient“, erklärte er. „Cortana. Sehr viel mehr ist über sie nicht bekannt. Ich spiele mit dem Gedanken, sie einzustellen. Wenn ich länger hier bleibe könnte ich einen guten Fahrer gebrauchen. Und Schnitter war ja voll des Lobes über sie.“
„Sie hat ein Vorstellungsgespräch, morgen um neun“, nuschelte Soryu in sein Glas und schielte vorsichtig zu Heine herüber.
Rosenstark seufzte leise. „Irgendwie habe ich das geahnt. Es laufen noch zwei sehr interessante Gestalten in unserem Hotel herum, eine Genetikerin und ihre Gehilfin. Hast du denen auch schon ein Vorstellungsgespräch verschafft?“
„Wieso? Wir brauchen bestimmt keine Genetiker auf unserem Anwesen. Außerdem ist sie auf Forschungsreise, um möglichst viele genetische Proben nehmen zu können.“ Soryu sah zu Tostan herüber. „Sie heißt Auris und ist ein Polardrache.“
Tostan runzelte die Stirn, als wolle er angestrengt nachdenken. „Ach, einer von den Menschendrachen? Die sieht man meistens eher selten außerhalb ihrer Universitäten und Forschungseinrichtungen. Ich habe lange keinen mehr gesehen und bin auch recht dankbar dafür. Diese Biester können dich zu Tode quatschen. Sie haben zwar immer was zu sagen, aber das interessiert mich meistens nicht die Bohne.“
Interessiert horchte Amy Kiribati auf. „Menschendrache?“
Heine räusperte sich. „So nennen wir jene Spezies, die in menschlichem Lebensraum leben können. Polardrachen wiegen meistens weniger als eine Tonne. Sie nehmen am menschlichen Leben wie normale Menschen teil – nur halt mit Krallen und Flügeln. Man trifft sie eher sporadisch in der Inneren Sphäre, und da die meisten Wissenschaftler sind, berichten die Medien nie oder selten über sie. Ein dicker Brocken wie mein Pacificus ist da interessanter für sie.“
Der große Griffin öffnete ein Auge und murrte vorwurfsvoll: „Ich bin NICHT dick, Heine.“
„Aber du bist eine verdammte Mimose, Pacificus“, erwiderte Heine grinsend.
„Zugegeben. Aber Mimosen sind nicht dick.“
„Du bist aber auch nicht gerade zu übersehen, Großer.“
Pacificus gähnte herzhaft. „Meine Art hat schwere Knochen.“
Die Anwesenden lachten herzhaft.
„Was ist mit ihrer Begleiterin?“, hakte Stacy nach. „Ist sie auch ein Drache?“
„Nein, dabei muss es sich um ihrer Reiterin oder einen eng mit ihr verbundenen Menschen handeln. Sie nennen sich Tante und Nichte“, warf Soryu ein. „Verrücktes Mädchen. Steigt bis zur Hüfte freiwillig in ein Drachenmaul, nur um besonders frischen Speichel direkt an der Drüse für ihre Probe zu bekommen.“
„Auch nicht verrückter als auf einem Drachenrücken in ein Gefecht zu ziehen“, erwiderte Heine amüsiert.
„Zugegeben.“ Soryu grinste dünn.
„Herrschaften, der erste Gang“, verkündete der Chefkellner. Hinter ihm folgte weiteres Personal, das einerseits abgedeckte Teller für die Menschen trug, andererseits große Wagen mit dem Festmahl für die Drachen vor sich her schoben. Zeitgleich nahmen sie die Hauben ab.
„Einheimische Krabbenschwänze an Cocktailsoße und frisch gebackenem Weißbrot. Ein persönlicher Wunsch von Herrn Schmitt!“, verkündete der Chefkellner in einem Tonfall als hätte man ihn gezwungen Fast Food zu servieren.
„Oh, Krabben. Mein Lieblingsessen“, hauchte Pearl ergriffen. „Das du dich daran noch erinnert hast, Heine...“
Für die Drachen fiel die Portion erheblich größer aus. Die Tiere hatten die Ausmaße eines Autoreifens und waren ungeschält. Als Appetizer sollten fünf Kilo für Pacificus und die anderen Drachen reichen.
„Ich konnte mich noch nie über ein schlechtes Gedächtnis beklagen“, erwiderte Heine mit Zufriedenheit in der Stimme.

„Sag mal, Heine“, sagte Pearl während des Essens, was den jungen Rosenstark zu der Erkenntnis brachte, dass die junge NAIW-Absolventin an diesem Abend überraschend, ja geradezu erschreckend brav war.
„Kommt jetzt das dicke Ende?“, fragte er schmunzelnd.
„Nun, dickes Ende“, druckste sie. „Wenn du meine Möpse meinst hast du Recht, aber...
„Boss“, kam es mahnend von Stacy.
Pearl Vincent räusperte sich verlegen. „Es ist so, Heine. Du hast doch gesagt, dass du Zeit hast. Und wie ich das sehe, hast du gerade... Vier Drachen um dich versammelt.“
„Worauf willst du hinaus?“
„Weißt du, wir haben da diesen Kontrakt in der Isle of Skye... Einfacher Garnisonsdienst im Lyonsdaumen. Nichts großartiges, eigentlich, aber Terra steht gleich im nächsten System. Es ist nicht so als müssten wir Aldo Lestrade persönlich bewachen, aber die Terrys werden schon etwas frech. Meine Truppe hat gerade erst einen wirklich harten Einsatz hinter sich, und ich hatte eigentlich vorgehabt, diese Kampagne zu benutzen, um uns allen etwas Erholung zu gönnen. Aber jetzt sieht es so aus, als würde es doch etwas heißer werden als ich erwartet habe.“
Heine schnaubte amüsiert. So zog der Drache also seine Bahnen. „Was habt ihr denn schönes zu beschützen, wenn ich fragen darf?“
„Nur eine klitzekleine Warenumschlagsstation. Nicht mehr als ein Verpflegungspunkt. Dafür gibt es sogar eine eigene Miliz. Wir sollten dort lediglich mit ein wenig Know How und Können aushelfen.“
„Und du willst mich da mit reinziehen? Du willst das ich kämpfe?“
Abwehrend hob sie die Arme. „Nein! Aber nein, Heine, nein! Aber ich dachte mir, wenn wir plötzlich vier Drachen mitbringen, angeführt von Schwarzen Drachentöter, dann lassen uns die Terrys in Ruhe. Ich meine, sie mögen Drachen nicht besonders, aber vor jemandem wie dir, unberechenbar und kampferfahren, haben sie vielleicht den nötigen Respekt.“
Stacy meldete sich zu Wort. „Mylord, wir würden natürlich die Hälfte der Soldzahlungen an Euch und Eure Einheit geben. Das sind für drei Monate Garnison immerhin sechzigtausend TraNotes, Hin- und Rückflug, sowie Nachschub und Verpflegung sind frei. Ohne die terranischen Hitzköpfe wäre das alles ein überbezahlter Spaziergang geworden. So aber...“
„Du weißt, dass ich dich übers Knie lege, wenn das Ärger bedeutet, Pearl?“, mahnte Heine.
„Was denn, was denn? Diese Spielchen wieder? Was brauchst du dafür? Wieder das Häschenkostüm? Oder soll ich diesmal grobmaschig tragen?“
Heine lachte amüsiert. „Wir können ja beides mal ausprobieren. Aber ich muss dich enttäuschen, ich habe keine vier Drachen. Ich kann nur für meinen Partner Pacificus sprechen.“
„Aber du bist interessiert“, hakte sie nach. In ihrer Stimme war große Erleichterung zu hören.
„Und ich würde das Kommando haben wollen“, fügte Heine im mahnenden Ton an.
„Das wäre nicht das Problem. Also, wie ist es?“
„Wie immer fällst du mit der Tür ins Haus, stürzt mich ins Unglück und wirst mich in Tod, Schmerz und Verderben geleiten, sodass ich den Tag bereuen werde, an dem ich dich kennen gelernt habe“, seufzte Heine aus dem tiefsten Grund seiner Seele.
„Also, ich wäre dabei“, meldete sich Soryu zu Wort. „Aber das weißt du ohnehin, oder, Heine?“
„Wenn Sie nichts dagegen hätten, Herr Schmitt“, meldete sich Hammer zu Wort, „wir suchen ohnehin gerade eine Anstellung. Die Isle of Skye bezahlt sehr gut, aber man hat Schwierigkeiten, Kontrakte zu bekommen. Sie wollen einen meist erst beschnüffeln und den Wert einer Truppe selbst festlegen. Ich würde gerne meine Visitenkarte hinterlassen.“
„Mit einem Wort, ich habe drei erfahrene Reiter und drei erfahrene Drachen, von denen nur zwei jemals miteinander geflogen sind“, merkte Heine sarkastisch an.“
„Vier Drachen und vier Reiter“, brummte Tostan. „Ihre Ausführungen klingen interessant. Ich denke es könnte eine tolle Erfahrung werden, für Garm, für mich und auch für Svenja. Außerdem würden doch so hübsche Mädchen einen Mann nicht wirklich ins Unglück führen, oder?“
Heine lachte rau auf. „Natürlich führen sie dich ins Unglück. Aber es macht dir bei diesen Mädchen überhaupt nichts aus. Wie ist es mit Ihnen, Fabian?“
„Mylord, ich bin Ihr Leibwächter. Ich gehe dahin, wohin Sie auch gehen.“
Heine lächelte tiefgründig. „Also nochmal, Mädchen. Wie hart kann es werden? Wie schlimm kann es werden?“
„Schlimm kann es immer werden. Aber die Mission war für eine Infanteriekompanie ausgeschrieben. Das kann ich dir schriftlich geben. Mit vier Drachen zusätzlich sollten wir absolut keine Probleme bekommen. Im Gegenteil, alles was uns dann gefährlich werden kann ist so groß, dass wir es schon sehr früh sehen können.“
„Ich will alle Fakten auf meinem Tisch, Pearl.“
„Natürlich.“ Sie lächelte verführerisch. „Gehöre ich auch zu den Fakten, Heine?“
„Wir werden sehen“, erwiderte Rosenstark amüsiert. Er erhob sich und hob sein Glas. „Damit hat das Abendessen eine erstaunliche Wendung genommen. Anstatt mit Freunden zu speisen wurde aus dem Essen die Gründung einer neuen Söldnereinheit. Willkommen in Heines Losem Haufen. Und möge der Auftrag wirklich so leicht sein wie Pearl ihn beschrieben hat. Sechzigtausend TraNotes sind jedenfalls viel Geld für drei Monate Wache stehen.“
„Niemand hat gesagt es sei verboten klein anzufangen“, erwiderte Robert Hammer und hob ebenfalls sein Glas.
Auch die anderen Anwesenden standen nun auf und hoben ihre Gläser. Die Drachen erhoben sich ebenfalls. „Das klingt nach Spaß“, raunte Pacificus.
„Definitiv. Also, ich bin dabei“, sagte Schnitter begeistert.
„Komisch“, sagte Garm, „ich höre Soryu sprechen, aber es kommt aus Schnitters Mund.“
Der Colt-Drache brummte eingeschnappt und ließ das Gelächter der anderen Drachen über sich ergehen.
„Ich bin dabei. Ich kann einen unbeholfenen Kerl wie Robert ja nicht alleine lassen“, sagte Nova übertrieben ernst, was ihm von seinem Reiter einen belustigten Blick einbrachte.
„Auf Heines Losen Haufen!“, rief Pearl, und die anderen fielen ein.
***
Am nächsten Morgen lagen die Dokumente den Einsatz betreffend vor Heine auf dem Schreibtisch. In der Tat sah es nicht so aus, als hätte Pearl versucht ihn über den Tisch zu ziehen. Es war ein ordentlich abgeschlossener Vertrag mit dem Lestrade-Haushalt und einem klar definierten Auftrag. Es gab die übliche Klausel, dass Unterkontrakte für erweiterte Missionen abgeschlossen werden konnten, deren Bezahlung separat ausgehandelt werden würde. Und die Nachrichten aus der Region, besonders von Lyons zeichneten kein allzu gefährliches Bild der Situation. Beinahe erschien es Heine, als wollte Pearl Vincent ihm einen persönlichen Gefallen tun.
Er schob den Gedanken beiseite und schickte das Gründungspamphlet für Heines Losen Haufen an die Kontraktkommission. Damit war er nicht nur Anführer der vier Drachen und ihrer drei Reiter, sondern hatte formell das Kommando über Pearls Amazonen übernommen. Obwohl er sich hüten würde, der jungen Frau in ihren Führungsstil allzu sehr drein zu reden.
Als der Türsummer der Suite ging, erwartete Heine eigentlich Pearl – um sich wie angekündigt zu den Fakten auf seinen Schreibtisch zu gesellen. Stattdessen starrte er in die Augen eines weißen Drachen. „Mylord, ich muss mit Ihnen reden.“
Bevor er etwas erwidern konnte, huschte der Polardrache an ihm vorbei in die Suite, eine junge Dame im Schlepp.
„Was kann ich für Sie tun, Professor Auris?“
„Oh, Sie haben Ihre Hausaufgaben gemacht wie ich sehe“, erwiderte der Drache ohne Spott in der Stimme. „Ich habe gehört, Sie fliegen in die Isle of Skye.“
„Ach, ist das schon im Haus rund?“
„Im Haus, in der Stadt, auf dem Planeten. Wenn sich der Schwarze Drachentöter bewegt, geraten alle umliegenden Gebirge in Vibration.“
„Ich kann das bestätigen. Ich fliege mit einigen Freunden nach Lyons.“
„Das ist gut. Das ist sehr gut. Mylord, würden Sie uns mitnehmen? Also mich und meine Nichte?“
„Gibt es dafür einen besonderen Grund?“, fragte Heine mit kraus gezogener Stirn.
„Nun, ich forsche der genetischen Vernetzung der Drachen nach. In der Isle of Skye gibt es nicht allzu viele Drachen, aber Lyons ist ein Handelsknotenpunkt. Dort werden viele Drachen passieren, die wir auf Freihandelswelten wie Galatea niemals treffen würden. Kurz und gut, wir sind beide keine Soldaten, aber ich könnte mich in Ihrer Logistik nützlich machen. Und meine Nichte Mireille ist eine gute angehende Genetikerin. Sie kann sich also auch auf medizinischem Gebiet nützlich machen, Mylord. Ich weiß, Sie haben eine Ärztin. Die beiden würden sich ergänzen.“ Der Polardrache lächelte verschwörerisch. „Und wir würden keinen Sold verlangen. Im Gegenzug würde ich Sie bitten meine Forschungen zu unterstützen, Mylord.“
Heine setzte sich den beiden gegenüber. Nachdenklich sah er sie an. Polardrachen galten auch als Braindrachen, also Intelligenzen mit überdurchschnittlicher Auffassungsgabe. Das konnte sich durchaus als Gewinn erweisen.
„Willkommen an Bord, sie zwei. Ich habe in den letzten vierundzwanzig Stunden so viele gewagte Entscheidungen getroffen, da kommt es auf eine mehr auch nicht mehr an.“

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1.
25. März 3030
Zenit-Sprungpunktstation PROFIT
TraStar-Organisation
Zenit-Sprungpunkt Skye-System

„Junge, Junge, TraStar lässt sich die Route aber einiges kosten“, brummte Soryu neben Heine, während er den Blick über die Fahrtroute schweifen ließ, und zupfte sich an der Fliege seines Smokings. „Ich meine, Hey, wir sind hier in einer Sprungpunktstation, und wir werden gerade gefahren! Gefahren, Heine, weil die Wege so lang sind!“ Fassungslos über seine eigenen Worte schüttelte er den Kopf.
„PROFIT hat einen Durchmesser von anderthalb Kilometern“, klang die Stimme von Cortana, ihrer Fahrerin, auf. Sie saß vorne im kleinen Elektrowagen und lenkte ihn sicher für ihre vier Passagiere durch das durchaus ernstzunehmende engere Fahrwasser auf einer der Hauptverkehrsrouten in den Außenbereich. Sie war in der beneidenswerten Lage, keine Abendgarderobe tragen zu müssen. „Sie ist aus Zellen aufgebaut. Die ursprünglichen Konstrukteure, Arno Kearny und Helen Banzai, haben die ursprüngliche Kernzelle mit lediglich einhundertzwanzig Metern Durchmesser erdacht und erbauen lassen, dort aber bereits Möglichkeiten für Anbauten von fünf Erweiterungsstufen integriert. PROFIT ist Erweiterungsstufe vier. Soweit ich weiß gibt es nur drei Stufe fünf in der Inneren Sphäre. Diese haben einen Durchmesser von drei Kilometern.“ Sie sah nach hinten und lächelte verschmitzt. „TraStar plant weit voraus, finden sie nicht? Wenn sich eine Route lohnt, bauen sie einfach das bestehende Segment weiter aus. Daran kann man sehr gut erkennen, wo die Haupttransferwege in der Inneren Sphäre entlanglaufen.“
„Moment Mal, wer hat denn die Drachenflüsterin plötzlich zur Expertin für Konstruktion gemacht, speziell bei Sprungpunktstationen?“, murrte Soryu gespielt verärgert und erhielt dafür einen amüsierten Blick der professionellen Fahrerin. „Abgesehen davon erschlagen mich einfach die Dimensionen, mit denen wir es hier zu tun haben. Ich meine, anderthalb Kilometer! Weißt du wie viel das Mistding hier wiegt, Heine?“
„Etwas weniger als einhundertsiebenundachtzigtausend Tonnen“, kommentierte Cortana von vorne. „Das liegt vor allem daran, dass die Erweiterungssegmente weder massiv sind, noch eine vollständige Sphäre bilden. Im Gegenteil. Sie bestehen zumeist aus Lager- und Habitatringsegmenten, welche anschließend durch Rotation der gesamten Station im Außenbereich Schwerkraft durch Fliehkraft simulieren. Achtung, wir kommen in den kritischen Bereich.“ Im Bereitschaftswagen leuchteten zwei Lampen auf, dann spürte man wie der Wagen aufsetzte. Sie hatten nun mindestens ein Zehntel normaler Erdschwere erreicht. Der Schnellweg begann nun zusehends anzusteigen, und das war keine optische Täuschung. Während Cortana die Hilfsdüsen abstellte, die ihr geholfen hatten, in der Schwerelosigkeit mit dem Wagen zu manövrieren, fuhr die fünfköpfige Truppe tatsächlich bergauf. Der weitere Weg war so angelegt worden, sodass zumindest ein Teil der Schwerkraft von „unten“ einwirken konnte. Das verhinderte, dass der Wagen ab einem bestimmten Punkt einfach seinem Ziel der höchsten Schwerkraft entgegen fiel, was Totalschaden bedeutet hätte – am Wagen und an den Insassen.
„Danke für den Technikunterricht“, murrte Pearl ärgerlich und nestelte an ihrem schwarzen Cocktailkleid, das mehr ent- als verhüllte. „Siehst du, Heine, hättest du mich fahren lassen, dann wäre uns die Technik-Lektion erspart geblieben.“
Heine Rosenstark tätschelte der jungen Frau die dunklen Haare. „Erstens kann man nie genug wissen, zweitens kannst du mit hohen Schuhen nicht fahren, und drittens... Cortana?“
Die Frau auf dem Fahrersitz grinste als Antwort. „Mylord, Sie haben mich als Fahrer angestellt, deshalb lassen Sie mich Sie fahren.“
Heine nahm ihr Lächeln auf und präsentierte es Pearl Vincent, der Anführerin von Pearls Amazonen. „Siehst du? Es hat alles seine Richtigkeit.“
Ärgerlich blies sie die Wangen auf, beließ es aber bei dieser Geste. „Fabian, sag doch auch mal was.“
Ryan, Heines Leibwächter, räusperte sich vernehmlich und setzte einen viel sagenden Blick auf: Ich werde mich hüten!
„Außerdem sagt man nicht ab, wenn einem Patrick Kell eine Einladung schickt“, führte Heine seine Argumentationskette fort.
„Ha!“, machte Pearl ärgerlich. „Und was ist mit Tostan? Und mit Robert? Und Stacy? Und...?“
„Hol zwischendurch mal Luft“, erwiderte Heine belustigt. „Okay, lass es mich anders formulieren. Ich sage nicht ab, wenn ich eine Einladung von Patrick Kell erhalte. Und du und Soryu wart eben nicht so schlau wie die anderen und konntet euch nicht schnell genug absetzen.“
„Was ist mit Fabian?“, murrte sie.
Der Infanterist beugte sich leicht vor, öffnete seine paramilitärische Uniformjacke und präsentierte einen Doppelhalfter mit Nadler und Projektilwaffe. „Ist mein Job, Ma´am.“
Dies nahm Pearl mit einem frustrierten Schnauben hin.
„Sag mal, bist du nicht ein kleines bisschen neugierig? Wir besuchen Patrick Kell! Den Patrick Kell! Eine der absoluten Legenden der Inneren Sphäre, sowohl als Militär, als auch politisch“, sagte Heine.
„Ich will ihn gar nicht kennen lernen“, maulte Pearl. „Ich bin Söldnerin. Vielleicht habe ich irgendwann man den Auftrag ihn zu töten. Das fällt mir schwer, wenn ich ihn persönlich kenne.“
„Na, deine Sorgen möchte ich haben“, brummte Soryu. „Siehst du? Jetzt habe ich wegen dir eine Gänsehaut bekommen.“
„Hm“, machte sie abfällig. „Kleine Würstchen töte ich ohnehin nicht, sei unbesorgt. Sollte ich dich jemals im Gefecht treffen, nehme ich dich gefangen und überlasse dich Stacy zum spielen. Die steht auf kleine, gelenkige Jungs mit unendlicher Energie. So hat sie dich zumindest beschrieben.“ Sie zwinkerte Soryu zu, der zunehmend an Gesichtsröte gewann.
„D-das hat sie gesagt?“
„Du kannst sie ja persönlich fragen.“
Heine beschloss, seinen besten Freund zu erlösen. „Heißt das, ich bin sicher?“
Pearl musterte ihn für einen Moment, dann schmiegte sie sich mit einem behaglichen Seufzer an seine Brust. „Keine Sorge. Mit dir habe ich schon geschlafen. Dich würde ich nur für den Rest deines Lebens versklaven.“
„Beinahe bin ich versucht gegen dich zu verlieren“, neckte Heine.

„Wir sind im Habitatring, Mylord“, meldete Cortana von vorne und zog die Aufmerksamkeit vom Wortgeplänkel zurück zur Umgebung. Der Wagen fuhr nun wieder auf ebenem Boden, allerdings folgte wieder er einer leichten Steigung. Einer unendlichen Steigung. Diese Schnellstraße, wusste Heine, folgte einem Kreis mit einem Radius von siebenhundert Metern und umfasste Ausbaustufe vier, den Wohn-, Hotel- und Geschäftsbereich für durchreisende Kunden. Hier fand das eigentliche Leben statt, weil die Schwerkraft an diesem Ort den phänomenalen Wert von null Komma sechs Gravo von der Erdnorm erreichte.
Dutzende Abfahrten, reich ausgeschildert, aber gerade groß genug, um einen der Elektrowagen passieren zu lassen, führten zu den verschiedenen Wohn- und Geschäftssegmenten. Relativ schnell fand Cortana ihre Ausfahrt zum Carlington-Hotel, der derzeitigen Adresse des amtierenden Herzogs von Arc Royal und Oppositionsführer im Lyranischen Parlament.

Ein Portier in voller Livree öffnete ihnen die Tür des Elektrowagens. „Willkommen im Carlington, Mylords, Madame“, begrüßte er Heine und seine Begleiter.
Während der ehemalige Graf ausstieg, warf er Cortana noch mal einen fragenden Blick zu.
„Ich bin der Fahrer. Selbstverständlich warte ich im Wagen, Mylord“, erwiderte sie auf die unausgesprochene Frage. Sie klopfte auf ein dickes Buch neben sich. „Ich bin gerüstet, Mylord.“
Ein flüchtiges Lächeln huschte über Heines Züge, bevor er mit seinen Begleitern das Hotel betrat.
„Willkommen im Carlington, Mylord Rosenstark und Begleitung“, empfing sie der Portier.
Heine schüttelte den Kopf. „Mein Name ist Schmitt, guter Mann.“
„Natürlich, natürlich. Herr Schmitt, selbstverständlich. Herzog Kell lässt Ihnen und Ihren Begleitern ausrichten, bitte in der Bar zu warten. Er lässt Sie dann von Graf Allard holen, sobald seine Vorbereitungen abgeschlossen sind.“
Heine nickte als Bestätigung. „Einverstanden.“
Ein Page führte sie in die Bar, die sich ebenfalls im Parterre befand. Heine vergegenwärtigte sich, dass das Hotel im Prinzip nichts weiter war als eines der vielen Segmente, aus denen die Wohnblocks hier bestanden. Jedoch war die Inneneinrichtung des Hotels jeder durchschnittlichen Dienstwohnung weit überlegen.
In der Bar angekommen nahmen sie am Tresen Platz. Ryan setzte sich mit den Rücken zum Barkeeper und nahm mit sichtlichem Eifer seine Arbeit auf, während Soryu, Heine und Pearl sich für einige Zeit der Karte widmeten.
„Ich will Sex on the Beach“, quengelte die Infanterieoffizierin.
„Für eine Sekunde glaubte ich wirklich, du würdest den Cocktail meinen“, scherzte Soryu mit einem breiten Grinsen.
„Vorsicht, Kleiner. Nichtschwimmer sollten nie ins tiefe Wasser gehen“, konterte sie mit kokettem Augenaufschlag.
„Drei Bier, bitte. Timbiqui, wenn Sie es haben“, orderte Heine beim Barkeeper, um dem Tumult ein Ende zu machen.
„Natürlich, Mylord.“
„Nie nimmst du auf meine Gefühle Rücksicht, Heine. Immer setzt du deinen Kopf durch. Es ist empörend.“
Der junge Rosenstark zog die linke Augenbraue hoch. „Von Pearl hätte ich eine solche Wortwahl erwartet. Aber von dir, Soryu?“
„Oh, ich wollte nur sichergehen, das Pearl merkt, das wir beide die längere und intensivere Beziehung haben“, erwiderte der junge Sandovalspross jovial.
Pearl sah ihn mit Entsetzen an, während Heine sein Lachen hinter einem Huster kaschierte. „Unrecht hast du damit jedenfalls nicht.“
Die beiden Männer tauschten einen verschworenen Blick aus und widmeten sich der Bestellung.
„Ich mag aber kein Bier“, beschwerte sich Pearl. „Außer vielleicht, wenn... Wenn du es für mich antrinkst, Heine.“
„Hey, du da. Kleines Mädchen mit den großen Ambitionen. Wirst du nicht manchmal müde, das verzogene Gör zu geben?“, murrte Soryu.
Ihr Blick wurde ernst. „Seit acht Jahren irre ich von Schlachtfeld zu Schlachtfeld, sehe Tod und Verwüstung, meine Leute kommen, meine Leute gehen, ich begrabe die Toten und sehe den Verbitterten zu wie sie gehen... Und dann kommt ein kleiner Fisch wie du daher und verlangt von mir, das bisschen Spaß in meinem Leben aufzugeben?“ Mit allen Anzeichen des Trotzes hängte sie sich an Heines Arm. „Heeeeiiiineeeeee, Soryu ärgert mich.“
„Böser Soryu“, tadelte Rosenstark. „Ich mag ihre Seite als Gör.“
„Siehste!“, sagte sie trotzig zu Soryu, bevor ihr die Erkenntnis dämmerte. „Heine, du bist unmöglich!“
Rosenstark lächelte und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf den Mund. „So hast du mich doch am liebsten, nicht wahr?“
„Zumindest hasse ich diese Facette an dir nicht.“
„Mylord!“, klang die warnende Stimme von Fabian Ryan auf. Der Drachentöter hatte sich nach vorne gebeugt und die Rechte in der Nähe des Doppelholsters platziert. Heine folgte seinem Blick und sah einen Mann in lyranischer Geschäftskleidung mit der Zielsicherheit einer LSR auf die Vierergruppe zusteuern. Er sah die Angriffslust in den Augen des Neuankömmlings, aber nichts wies auf eine Waffe hin. Also bedeutete Heine dem Leibwächter mit einer unauffälligen Geste, abzuwarten. Soryu, der sich nun ebenfalls umgewandt hatte, versteifte sich merklich.
„Interessant, was TraStar alles auf seine Sprungpunktstationen lässt“, sagte der Mann, kaum das er sicher war gehört zu werden, „Händler, Söldner, und sogar einen Abschaum wie den Schwarzen Drachentöter!“
Heine musterte ihn genauer. Von Training war an diesem Mann keine Spur zu erkennen. Das Jackett mochte eine flache Waffe verbergen, sicher zu erkennen war das nicht. Sein Gesicht war von Müßiggang und zu wenig Schlaf gezeichnet, also hielt Heine es durchaus für möglich, es hier mit einem ROMULUS-Agenten der TraStar-Organisation, einem Maskirovka-Agenten Liaos oder einem lyranischen Lohengrin-Agenten zu tun zu haben. Die Frage war nur, was diese Geheimdienste sich davon erhofften, wenn sie ihn provozierten.
„Sie irren sich“, erwiderte Heine kühl. „Mein Name ist Schmitt. Ich bin Drachenpilot, aber gewiss kein Drachentöter. Für solche Dinge ist mein Leibwächter zuständig.“
Fabian Ryan nahm diese Aufforderung bereitwillig an und rutschte von seinem Hocker. Damit hatte sich seine Bewegungsfreiheit beträchtlich erhöht.
„Aha. So ist die Welt also gemacht. Nimm genügend Geld, kauf dir einen neuen Namen, und du kannst tun und lassen was du willst. Du kommst sogar mit neunfachem Drachenmord davon.“ Hasserfüllt starrte er Heine an. Ryan würdigte er keines Blickes, was dieser erleichtert aufnahm. Unauffällig ließ er seinen Blick durch den Raum streifen, um eventuelle Komplizen rechtzeitig zu enttarnen.
„Hören Sie, ich will nicht mit Ihnen sprechen. Bitte lassen Sie uns in Ruhe“, brummte Heine und machte Anstalten, sich wieder umzudrehen.
„Seien Sie nicht so frech!“, klang die Stimme des Fremden auf. Eine harte Hand legte sich auf Heines Schulter. „Sie sind kein Graf mehr, vergessen Sie das nicht!“
„Deswegen bin ich aber auch kein Allgemeingut!“, erwiderte Rosenstark trotzig und wirbelte herum. Aber der Fremde war anderweitig zu beschäftigt, um ihm viel Aufmerksamkeit zu schenken. Ungläubig glitt sein Blick nach unten, zwischen seine Beine, wo eine beträchtlich lange Klinge zu sehen war, die seinen Schritt eindrückte. Am Griff dieser Klinge ruhten Pearls lange, grazile Finger. Ihr Gesicht war so ernst wie Heine es selten gesehen hat. „Mein Lord hat es nicht nötig, sich mit jedem dahergelaufenen Aasgeier zu beschäftigen“, zischte sie scharf. Die Klinge in ihrer Hand ruckte ein kleines Stück nach oben, und der Geschäftsmann zuckte sichtlich zusammen. „Abschneiden, Boss? Wird eh nicht viel sein, aber...“ Ihr erwartungsvoll-fröhlicher Blick trieb ihrem Opfer den Angstschweiß auf die Stirn.
„Nein. Diesmal nicht.“ Heine beugte sich so weit vor, dass sein Gesicht von dem des Händlers nur noch eine Handbreite entfernt war. „Es ist mir egal, wenn Sie mich Drachentöter nennen, oder meinetwegen den schwarzen Drachentöter. Aber es wundert mich doch, dass Sie die Chuzpe haben, mich anzusprechen. Immerhin ist es kein Geheimnis, dass ich mit bloßen Händen schon über ein halbes Dutzend Gegner getötet habe. Ich bewundere Ihren Wagemut. Oder sollte ich Ihre Dummheit bedauern?“
„Bitte...“, ächzte der Mann verzweifelt, während Pearl den Druck noch ein wenig erhöhte. „Mylord, ich...“ Der Schweiß perlte nun auf der Stirn herab und lief ihm übers Gesicht.
„Es ist genug, Pearl“, sagte Heine schließlich. „Der Herr möchte auf Toilette gehen.“
Mit einem ärgerlichen Schnauben nahm sie das Messer zurück, und bevor Heine es richtig sehen konnte hatte die Infanteristin es bereits irgendwo an ihrem Körper unter dem offenherzigen Cocktailkleid verstaut.
„Gehen Sie. Gehen Sie schnell“, sagte Heine angewidert.
„J-ja!“ Hastig, beinahe überstürzt ging, stolperte und lief der Mann davon.
„Das Messer nehmen Sie aber nicht mit rein, wenn wir zum Herzog gehen, Captain Vincent“, erklang eine Männerstimmen neben ihnen.
Heine sah herüber, und ehrliche Freude huschte über sein Gesicht. „Daniel!“
Der Neuankömmling grinste von einem Ohr bis zum anderen, bevor er einem nach dem anderen die Hand gab. Natürlich der Dame zuerst.
Heine schüttelte die Hand des Jüngeren mit Enthusiasmus. „Verdammt, es tut gut, dich mal wieder zu sehen, Daniel Allard.“
„Das beruht auf Gegenseitigkeit, Heine. Können wir? Lord Kell erwartet uns.“
Auffordernd hielt er Pearl die Hand hin.
Die junge Frau murrte ärgerlich, entblößte ihr linkes Bein fast bis zur Hüfte und zog die dreißig Zentimeter lange Klinge aus dem Beinfutter hervor. „Wenn es denn sein muss...“
„Ich halte es für Sie warm, Captain Vincent“, versprach er mit einem dünnlippigen Lächeln.

Patrick Kell erwartete sie in einem eher dezent kleinen Speisesaal. Er stand sofort auf, als sie herein geführt wurden und schoss geradezu auf Heine Rosenstark zu. „Mensch, Junge, tut gut, dich endlich wieder zu sehen. Habe von der Sache auf St. Ives gehört. Schlimme Geschichte. Aber ich respektiere die Entscheidungen, die du danach getroffen hast. Du bist ja auf die Füße gefallen, wie ich sehe.“
Heines Begleiter wirkten konsterniert von dieser Begrüßung. Vor allem Soryu, sonst den Kontakt mit den Größen der Inneren Sphäre gewohnt, wirkte schockiert. Im Moment machte er den Eindruck als hätte er Katrina Steiner persönlich kennen gelernt.
„Es tut auch gut, dich zu sehen, Pat. Noch immer kein einziges graues Haar in deiner schwarzen Pracht.“ Heine klopfte dem Herzog auf die Schulter. „Es tut wirklich, wirklich gut.“
Die beiden sahen sich lange an, und dann nickte Patrick Kell. „Heute soll das alles egal sein. Heute will ich mit einem alten Waffenkameraden und seinen Freunden essen. Schieben wir alle Sorgen und Nöte auf morgen. Stellst du mir deine Kids vor?“
„Captain Pearl Vincent von Vincents Amazonen. Wir bilden eine temporäre Einheit.“
„Freut mich Sie kennen zu lernen, Ma´am. Ich habe schon viel schlechtes und noch mehr Unglaubliches über Sie und Ihre Einheit gehört.“
„Oh, Mylord, bitte glauben Sie nur das Schlechte“, erwiderte sie auf den galanten Handkuss des Herzogs.
„Dies ist Soryu Takahara, mein Stellvertreter. Er ist Eigentum eines Colt-Drachen namens Schnitter.“
„Sie sind also in der bedauernswerten Lage, nicht nur von einem Drachen, sondern auch von Heine gegängelt zu werden? Sie haben mein tiefst empfundenes Mitleid. Ich war sein Lehrmeister. Ich weiß wie er ist.“
„Oh, ich habe sie mir zurecht gebogen, Mylord. Alle beide“, erwiderte Soryu mit einem schüchternen Lächeln.
„Gute Antwort. Und Sie, Sir, sind?“
Abwehrend hob Fabian Ryan beide Hände. Er hatte erfolglos versucht, hinter den drei eigentlichen Gästen unsichtbar zu bleiben und fand sich nun im Fokus von Patrick Kell wieder. „Niemand, Mylord! Ich bin lediglich der Leibwächter von Earl Rosenstark.“
Patrick Kell runzelte die Stirn. „Einen interessanten Namen haben Sie da, Sir. Niemand ist mir bisher noch nicht untergekommen. Oder darf ich das als Unhöflichkeit mir gegenüber verstehen?“
Der junge Drachentöter schluckte heftig. „Natürlich nicht, Mylord. Fabian Ryan, ehemals DADVS, Drachenabwehr.“
Ungerührt reichte Patrick Kell ihm die Hand. „Es ist mir egal woher meine Gäste kommen oder welchen Stand sie haben. Für mich zählt ihr Benehmen, ihre Leistung und ihr Auftreten. Seien Sie versichert, Fabian Ryan, dass ich in allen drei Parametern Ihnen gegenüber keine Beanstandungen habe. Sie werden doch mit uns essen? Zwanzig Lohengrin-Agenten bewachen diesen Saal. Ich bezweifle, dass Sie den Schutz noch wesentlich verstärken würden.“
Hilflos sah Ryan seinen Dienstherrn an.
„Antworten Sie bitte auf die Frage von Lord Kell“, sagte Heine mit einem unmerklichen Lächeln auf den Lippen.
Ryan räusperte sich erneut, dann endlich nickte er zustimmend. Mit Enthusiasmus schüttelte er die Hand des Kells. „N-natürlich, Mylord. Es ist mir eine große Ehre, Mylord!“
„Dann ist ja alles gesagt. Daniel, könntest du bitte schauen, wo meine Frau bleibt? Selbst für ihre Begriffe ist sie spät dran.“
„Natürlich, Patrick.“
Heine sah den Politiker überrascht an. „Du hast geheiratet? Und ich war nicht eingeladen?“
„Es ist nicht so als hätte ich es nicht versucht. Aber du warst ja gerade irgendwo im Taurus-Konkordat unterwegs, wo sie nicht einmal TraStar-Stationen haben. Außerdem hatte der Koordinator die Hochzeit festgelegt und... Ach, das erzähle ich nachher. Kommt, nehmt Platz. Ihr müsst ja am verdursten sein.“
In diesem Moment öffnete sich eine Seitentür, und eine junge Frau in einem wunderschön anzuschauenden Kimono erschien. Er war vom Grundton weiß und mit rosafarbenen Kirschblütenblättern verziert. Ihr langes Haar fiel ihr entgegen der Kimonomode locker auf den Rücken und gab ihr etwas erfrischend Mädchenhaftes. Hinter der Dame lugte ein verängstigt wirkendes Kleinkind hervor. „Entschuldige, Patrick, aber Chris lässt fragen, ob er deine Gäste kennen lernen darf. Er hat auch versprochen danach sofort ins Bett zu gehen.“
„So, hat er das?“, fragte der Herzog mit strenger Miene. Seine Züge wurden aber schnell wieder weich. Er ging in die Hocke und öffnete die Arme.
Dies nahm der Junge zum Anlass, um hinter seiner Mutter hervor zu kommen und zu seinem Vater zu laufen. „Darf ich vorstellen? Meine Frau Takara. Dies ist Chris, unser Sohn.“
„Wie beschäftigt war ich die letzten Jahre eigentlich, wenn ich so etwas Wichtiges nicht mitbekommen habe?“, fragte Heine konsterniert und massierte sich die plötzlich schmerzenden Schläfen.
„Komm wieder runter, Heine. Unsere Ehe ist geheim. Es... Es ist etwas kompliziert, aber man kann sich nicht gegen die Wünsche des Koordinators und seiner Berater stellen. Takashi fürchtet um ihr Leben, wenn sie meines auf Tharkad teilt. Deshalb hat er Takara und Chris verboten, weiter als bis nach Skye zu fliegen und... Ich sagte es schon, es ist kompliziert.“
„Und ungerecht“, warf Takara ein.“
„Und ungerecht. Aber der Koordinator beruft sich auf diesen alten Wahlspruch, das alle seine Untergebenen seine Kinder sind und er sich um alle zu kümmern hat und... Und außerdem hat Ian die Chance genutzt, die sich ihm geboten hat, und Takara und Chris an den Hof auf Luthien gerufen, um seiner Frau Constance Gesellschaft zu leisten.“
„Also für mich klingt das verdammt kompliziert. Es klingt nach Pflicht und Ehre und Ärger.“ Heine seufzte tief. „Zum Glück habe ich das hinter mir gelassen.“
„Dein Freund scheint ein interessanter Mensch zu sein“, sagte Takara in Patricks Richtung.
„Vor allem ist er ein Schmerz im Arsch“, fügte Kell amüsiert hinzu und stellte die Anwesenden vor.
Chris bekam große Augen, als er Heines Namen vernahm. „Du bist Heine Rosenstark?“ Misstrauisch musterte er den großen Mann. „Ich dachte du bist größer.“
„So? Wie groß soll ich denn sein, so deiner Meinung nach?“
Der junge Kell machte eine vage Geste in die Höhe. „Sooo hoch wie ein Haus! Und sooo stark wie ein Drache! Und... Und...“ Atemlos japste der Vierjährige nach Luft.
Patrick lachte und gab seinen Sohn an seine Frau weiter. „Setzen wir uns endlich. Ich denke, wir haben uns viel zu erzählen.“

Etwa eine Stunde später hatte Heine herausgefunden, warum er Patrick Kell mitten in der Isle of Skye begegnet war. Für ihn und Takara war dies neutrales Gebiet. Sie durfte das Lyranische Commonwealth nicht betreten, solange sich beide Staaten misstrauisch belauerten, und Patrick durfte das Kombinat nur in offizieller Funktion für seinen Archon betreten, was selten genug vorkam. Beide Herrscher aber waren überein gekommen, die Terranische Zentralunion, Rasalhaag und die Isle als neutrales Gebiet zu betrachten und dem Ehepaar wenigstens hier zu gestatten einander zu sehen. Zumindest solange sich Patrick politisch engagierte. Eigentlich eine traurige Geschichte, aber Patrick und Takara schienen mit diesem Schicksal nicht vollkommen unzufrieden zu sein. Jedenfalls hatten sie, nachdem der schnell übermüdete kleine Kell ins Bett geschafft worden war, angefangen, alte Anekdoten auszugraben. Mittlerweile waren sie bei der Schlacht um Mallorys World angekommen, dem entscheidenden Wendepunkt im Kampf zwischen Vereinigten Sonnen und Draconis-Kombinat.
Gerade lachte Patrick mitreißend und schlug sich vor Begeisterung auf die Schenkel. „Es war eine vollkommen unwirkliche Situation. Ich meine, mitten im Gefecht mit dem Zweiten Schwert des Lichts schlüpft ein Griffin! Weit und breit war kein erfahrener Drachenreiter ohne Tier zu finden, also mussten wir jemanden finden der bereit war, mit dem Tier zu arbeiten! Aus dem Orbit mussten wir ihn einfliegen! Und wen haben wir gekriegt? Einen pickligen, achtzehnjährigen Burschen, der es gerade mal zum Lieutenant geschafft hatte.“
„Immerhin schon mit achtzehn“, wandte Heine murrend ein. „Und ich hatte keine Pickel mehr!“
„Und ob du Pickel hattest. Ich weiß nämlich noch genau, wie du mit Daniel Tipps ausgetauscht hast, was man am besten dagegen tun konnte.“
„Mylord!“, rief Daniel Allard verlegen.
Kell winkte großzügig ab, während am Tisch Gelächter auf Kosten der beiden erklang. „Wie dem auch sei. Jedenfalls waren wir in der Defensive. Ich hatte mit dem zweiten Bataillon Abwehrstellung bezogen. Wir hatten acht Drachen, vierzig Panzer und vier Kompanien Infanterie zusammengezogen, und erwarteten den Ansturm des zweitbesten Regiments des Kombinats.“ Patrick grinste schief. „Eigentlich ist es das beste Regiment, aber Yorinaga Kurita sagt immer, man muss sich Luft nach oben lassen, sonst wird man nachlässig. Jedenfalls hatte es mein Bruder Morgan geschafft, mit seinem Drachen Archer zu uns zu stoßen. Eigentlich hatte es eine Routineinspektion werden sollen und nun wurde er Teil unseres verzweifelten Abwehrkampfs. Ehrlich, damals dachte ich, wir wären im Arsch. Zwanzig Drachen, unter ihnen der uralte Kabuto-Drache Katana no Hikari, geflogen von Yorinaga selbst, einhundertzwanzig Panzer und vierhundert Mann der besten Infanterie, welche die Innere Sphäre jemals gesehen hatten, standen uns gegenüber. Das Beste wäre gewesen, die Stellung aufzugeben, um sich irgendwann mit dem Rest der Sky Kell Hounds zu vereinigen und eine echte Chance zu haben, aber damals waren wir noch der Auffassung, dass ausgerechnet wir die Leiche von Ian Davion unserem Feind ausgeliefert hatten und... Egal. Jedenfalls packte Morgan Yorinaga bei seinen Samurai-Eiern und...“
„Patrick!“, mahnte Takara milde. „Wenn dir so ein Ausdruck mal Chris gegenüber rausrutscht.“
„Gut, gut“, murrte Kell. „Er packte Yorinaga bei seiner Ehre, zählte unsere Vorfahren und seine persönlichen Leistungen auf und forderte ihn zusammen mit Archer zum Drachenduell. Es versprach ein ausgewogenes Gefecht zu werden. Auf der einen Seite der Atlas-Drache, auf der anderen Seite der Kabuto, beide mit knapp einhundert Tonnen Bodengebunden, beide uralt und kampferfahren. Beide mit Piloten versehen, die zum zähesten gehören, was die Innere Sphäre zu bieten hat.“ Für einen Moment schien Patricks Blick in weite Fernen zu rücken. Auch Allard und Rosenstark hatten diesen Blick. Allerdings unterdrückten die Jüngeren mit Mühe ein Auflachen, das Patrick wieder in die Wirklichkeit zurückbrachte.
„Yori-chan und Morgan schenkten sich nichts. Das Duell der beiden Giganten war legendär. Die Wunden, die sie sich gegenseitig zufügten, waren Monumente von der Kampfkraft und des Geschicks zweier großartiger Kampfdrachen und zweier Piloten, die ihresgleichen in der Inneren Sphäre suchten. Sie hätten sich beinahe gegenseitig getötet. Und ich glaube, das war auch Morgans Plan gewesen. Hätte er verloren, dann hätten wir uns mit dem Anspruch, angemessen um unseren Anführer zu trauern, zurückziehen können. Hätte er gewonnen, hätte er den Draconiern gestatten können, ihren Anführer in Ehren aufzunehmen und nach Hause zu bringen. Aber es kam alles etwas anders.“
Heine begann zu glucksen, das Gesicht von Daniel Allard bekam eine ungesunde Röte, während er sein Glas die Kehle hinab stürzte.
„Jedenfalls öffneten sich auf Archers Schultern die LSR-Abdeckungen, um vierzig Raketen auf einmal auszuspeien. Katana no Hikari war lediglich zwanzig Meter entfernt, die Distanz zu gering, um die Sprengköpfe scharf zu machen. Aber das Trommelfeuer der Einschläge hätte ihn weit genug verwundet, vielleicht sogar getötet. Da kam plötzlich dieser vorwitzige kleine Drache angeschossen und flog eine Schleife um die Kämpfer!“ Patrick schlug mit der Rechten auf den Tisch, dass es knallte. „Gerade mal acht Wochen alt, aber schon frech genug, um sich zwei vierhundert Jahre alten Superschwergewichten zu nähern, während sie ein Duell ausführen! Nach dem ersten Schreck wandten sich die beiden Drachen und ihre Piloten dem Neuankömmling zu, der nur meinte, sie sollen sich nicht stören lassen, er wäre nur neugierig – zugleich versuchte ein verzweifelter Lieutenant mit Pickeln im Gesicht, seinen acht Wochen alten Schutzbefohlenen aus acht Meter Höhe zu pflücken, um ihn wieder aus der Gefahrenzone zu bringen!“
Schallendes Gelächter hallte über den Tisch, während Heine sein Gesicht auf dem Tisch unter den Armen vergrub. „Ich will es nicht hören!“
„Dieser Lieutenant war Heine Rosenstark, und der frisch geschlüpfte Drache Pacificus. Jedenfalls sahen beide Drachen den kleinen Wurm überrascht an, die Piloten öffneten ungläubig die Kanzeln, und dann begannen sie alle zu lachen, was die Lungen hergaben. Im Anschluss einigten sich beide auf einen temporären Waffenstillstand, damit Heine seinen Ausreißer einfangen konnte.“
„Du lässt wohl kein Detail aus, was?“, murrte der junge Rosenstark.
„Ich glaube, Yori-chan und mein Bruder haben einfach erkannt, dass sie drauf und dran waren, sich selbst und ihre Drachen umzubringen. Ich nenne solche Augenblicke „Moment der Erkenntnis“. Wir haben es dann mit einer Lesung aus einem Buch von Herman Menville geschafft, den kleinen Tunichtgut wieder auf den Boden zu locken, und die vier Kontrahenten nahmen ihr Duell vorerst nicht wieder auf. Der Rest ist Geschichte. Ian Davion, den wir für tot geglaubt hatten, meldete sich von Luthien aus bei uns und befahl die Einstellung aller Kampfhandlungen. Hanse, der damals provisorisch das Kommando als Interimsprinz führte, willigte aber erstmal nur einem Waffenstillstand zu, bis er erfuhr, dass Ian lebend gekapert worden war, während sein Drache Tempus gestorben war. Takashi Kurita hatte Ian in die Obhut des Ordens der Fünf Säulen übergeben, den Hütern der Hausehre der Kuritas, und damit der Oberaufsicht durch seine Cousine Constance. Ian stand für seine anderthalbjährige Genesung ein eigener Palast zur Verfügung, und während wir ihn für tot hielten, verliebte sich der glückliche Bastard in Constance und stieß dabei auf Gegenseitigkeit. Ihre Verlobung bedeutete auch das Ende des Krieges mit dem Kombinat, und auch wenn sich Ian verpflichtete, fortan im Kombinat zu leben, so war es doch ein annehmbarer Preis für den Frieden an dieser Grenze. Abgesehen von Dutzenden Übergriffen, Eigenmächtigkeiten und dergleichen.“
Heine und Soryu wechselten einen wissenden Blick. „Wie wahr, wie wahr.“
„Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls kam Heine so an seinen Griffin, und dieser vermaledeite Krieg zu seinem Ende.“ Ein zärtlicher Blick traf Takara. „Eine der anderen Geschichten, mit einem unwilligen Kriegsherrn und jede Menge verschollener Literatur zum Thema, hat mich dann drei Jahre später mit Takara zusammengeführt.“
Die junge Draconierin lächelte erfreut und ergriff die Rechte des Kells. „Und auch wenn unser Leben kompliziert ist, es ist nicht schlecht, so wie es ist.“
„Und es wird eines Tages besser werden“, schloss sie mit entschlossener Stimme. Sie wandte sich Heine zu. „Mylord, darf ich morgen mit Chris zu Ihnen auf den Transporter kommen? Er würde zu gerne Pacificus und die anderen Drachen kennen lernen.“
„Ich denke, das lässt sich einrichten. Wir brechen erst in dreißig Stunden weiter nach Lyons auf.“

Patrick Kell hob interessiert den Kopf. „Lyons?“
„Lyons.“
„Heine, hast du mal zehn Sekunden für mich?“ Patrick Kell erhob sich und schritt zur Bar. Mit einer Handbewegung scheuchte er den Hotelangestellten fort, der bisher ihre Drinks zurecht gemacht hatte, und begann mit der Arbeit an zwei Arc Royal Lowland Single Malts.
„Was zum Henker treibst du auf Lyons?“, flüsterte Kell aufgeregt.
„Ich suchte was zu tun. Nach Hause kann ich nicht mehr, die Hände in den Schoß legen will ich nicht. Da kam mir Pearls Angebot, für viel Geld gar nichts zu tun, gerade Recht. Stimmt damit etwas nicht?“
„Und ob! Eine Menge stimmt damit nicht. Was sind deine Auftragsparameter?“
„Pearls Auftragsparameter. Ich glaube, sie hat mich nur der alten Zeiten willen in den Kontrakt gelassen. Wir sollen Garnisonsdienst auf einem Warenumschlagsraumhafen schieben. Vielleicht kennst du ihn. Er heißt New Hope.“
Kell nickte bedächtig. „Der drittgrößte Raumhafen in einem Radius von siebzig Lichtjahre rund um Terra. Zwei Drittel aller Waren, welche die Teranische Zentralunion in Richtung Galaktisches Zentrum verlassen, fließen über das Lyons-System. Die Waren werden hier auf draconische oder rasalhaagische Frachter umgeladen, davon alleine die Hälfte nicht an den Sprungpunkten, sondern auf dem Planeten selbst. Außerdem fließt fast der gesamte Warenverkehr zwischen den Lyranern und den Draconiern über Lyons. Diese Welt ist ein verdammtes Nadelöhr. Soweit ich weiß bewacht ein ganzes Regiment den Hafen. Was also wollt ihr da?“
„Sieh mich nicht so an, Pat. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Pearl hat den Garnisonsdienst vor allem deswegen erhalten, um auch Ausbildungsdienst zu leisten. Die Garnison soll auf den neuesten Stand gebracht werden. Meine Drachenreiter und ihre Drachen sind dabei eher ein Bonus. Ich bezweifle, das jemand mit uns rechnet.“
„Das ist vielleicht nicht einmal das schlechteste“, brummte Patrick. „Was ich dir jetzt sage, muss unter uns bleiben, denn es ist offiziell niemandem bekannt. Ich habe es von einem Kontaktmann bei ROMULUS, und ich sage es dir nur, damit du nicht ins Verderben rennst. Die TZU befindet sich mitten in den Vorbereitungen für einen neuen Krieg.“
Die Augenmuskeln Rosenstarks kontraktierten stark. „Was für ein Krieg?“
„Wir wissen nicht in welche Richtung er zielt, denn sie ziehen Truppen gegenüber den Grenzen aller sie umgebenden Nationen zusammen, wie sie es immer tun. Sie werden kaum so vermessen sein und gegen alle sieben Nationen der Inneren Sphäre losschlagen, vor allem solange sie keine Drachenunterstützung haben. Aber gegen irgendwen werden sie losschlagen, und Lyons ist ein Hauptziel. Vergegenwärtige dir das.“
„Der Schlag kann gegen jeden und alles gerichtet sein. Die Unionisten sind Drachenhasser. Vielleicht versuchen sie wieder, Tikonov zu erobern, wie zuletzt 3001. Die Liga Freier Drachenwelten beinhaltet durchaus ein paar Fraktionen, die gewillt wären, einen Eroberungsfeldzug der Terraner zu unterstützen, wenn sie dafür ihr eigenes Gebiet vergrößern können. Denk nur an Andurien und Oriente. Zwei riesige Stachel im Fleisch jedes Generalhauptmanns seit Juliano Marik diesen Pakt geformt hat.“
„Ich sage ja auch nur sei vorsichtig. Nicht dass sie versuchen Skye zu schlucken, du stehst mitten in einem Krieg und gehst darin unter. Ich würde ungern an deinem Grab stehen und sagen müssen: Ich habe dich gewarnt, aber du wolltest nicht auf mich hören. Darüber hinaus werden die Nachbarstaaten nicht gerade zugunsten der Isle eingreifen. Im Gegenteil, eher bedienen sie sich selbst noch ein wenig.“
„Ja, das klingt nach einem plausiblen Szenario. Ich werde das im Hinterkopf behalten. Kannst du für mich für den Notfall einen Fluchtweg in den Dieron-Distrikt öffnen?“
Kell atmete erleichtert auf. „Hast ja doch nicht alles vergessen was ich dir beigebracht habe.“ Er drückte Heine ein Glas Whisky in die Hand. „Natürlich kann ich das. Lass uns zurückgehen. Sorgen machen können wir uns morgen noch.“

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2.
„Ein kluger Mann hat mal gesagt: Der Lohn für eine gut erledigte Aufgabe ist eine neue, noch schwerere Aufgabe“, murmelte Heine leise vor sich hin, während die LOCUST, ein Transporter der Union-Klasse, der Planetenoberfläche von Lyons stetig näher fiel.
„Hast du bei diesen Worten jemanden oder eine bestimmte Aufgabe im Hinterkopf, mein lieber Heine?“, fragte Takara Kell amüsiert von ihrem Platz aus. Sie hatte sich festgeschnallt, im Gegensatz zu Heine, der dies erst tun würde, wenn sie die Stratosphäre passieren würden – oder auch überhaupt nicht. Raumfahrt war heutzutage ein wesentlich stabilerer Reiseweg als noch vor eintausend Jahren. Auf ihrem Schoß saß der kleine Christian Kell, mit einem Hilfsgurt an seine Mutter angeschnallt, und spielte mit zwei Drachenmodellen, einem Thor und einem Sian.
„Mylady, ich habe selbstverständlich in keinster Weise an dich und deinen Sohn gedacht, als ich das sagte“, erwiderte Heine spöttisch und bequemte sich nun wenigstens dazu, sich nach einer angedeuteten Verbeugung zu setzen.

Heine dachte an Patrick Kells einziger Bitte, die dieser je an ihn gerichtet hatte, vor wenigen Tagen auf PROFIT. Er hatte von den Anzeichen für den bevorstehenden Krieg gesprochen, und dann hatte er gebeten, beinahe schon gebettelt, dass sein alter Schüler Heine ihn um eine wichtige Sorge erleichtere und seine Familie mit nach Lyons nehme. Dies würde dem draconischen Kurier, der die beiden abholen sollte, mindestens vier Wochen Reiseweg ersparen, und die beiden damit schneller aus der Schussbahn bringen, als er selbst es gekonnt hätte. Natürlich war dies auch ein Vabanque-Spiel, denn Lyons konnte das erste Ziel sein, und der Angriff konnte schon in vollem Gange sein. Auch wenn das nicht sehr wahrscheinlich klang, theoretisch war es möglich. Aber Patrick Kell war kein Mann, der viel auf Was wäre wenns gab, noch nie gegeben hatte. Also hatte der junge Rosenstark zugestimmt, genickt, und die Verantwortung für die zwei übernommen. Christian Kell und Takara waren nun offiziell seine Schutzbefohlenen.

„Man sieht deinem Gesicht die tiefe Ironie an, die du eigentlich nicht durchschimmern lassen solltest“, tadelte die Draconierin amüsiert und streichelte ihrem Sohn über die kurzen, tiefschwarzen Haare.
„Es ist nicht deine und Chris´ Begleitung, Takara“, brummte Heine als Antwort.
„Es ist die Tatsache, dass wir euch in Gefahr bringen“, meldete sich Soryu zu Wort. „Gewiss, die Chance ist gering, aber sie ist vorhanden. Und wir haben schon zu viel Scheiße gesehen, dass... Oh, Verzeihung, ich wollte dieses Wort nicht benutzen.“
„Man soll nicht Scheiße sagen, sonst ist die Kacke am dampfen“, sagte der kleine Kell mit einem strafenden Blick in Richtung Soryus.
„Da hörst du es, Soryu Takahara“, sagte Takara mit einem Lächeln. „Wer hat dir eigentlich diese Worte beigebracht. War es Onkel Akira? Oder hat Onkel Minoru das gesagt?“
Der kleine Bursche sah seine Mutter unsicher an, bevor er sich entschloss, bei der Wahrheit zu bleiben. „Papa hat das zu Onkel Heine gesagt und... Und...“
„Und du hast viel zu gute Ohren, kleiner Mann“, brummte Heine amüsiert. „Wie sieht es aus, willst du nachher zusehen, wenn wir die Drachen entladen? Bisher hast du sie ja nur angeschnallt gesehen.“
„Bis auf Tante Auris!“ Der kleine Bursche sah mit triumphierenden Augen auf.
„Oh. Sie ist eine Ausnahme. Sie bringt nicht gleich den ganzen Lander zum schlingern, nur weil sie das Deck wechselt. Andererseits wäre ich manchmal dankbar dafür gewesen, wenn sie die Reise ebenfalls im Dämmerschlaf und angeschnallt verbracht hätte.“
„Ich finde sie nett“, murmelte Takara.
„Ich finde sie auch nett. In Maßen“, brummte Heine amüsiert. „Möglichst kleinen, wohlgemerkt.“
Takara lachte leise bei diesen Worten.
„Übrigens, wie lange wird es dauern, bis der Kurier euch beide abholen kommt?“, fragte Soryu.
„Etwa eine Woche noch. Er wird auf Lyons landen, um Verigraph-Dokumente mit der hiesigen Botschaft auszutauschen. Danach hat er Befehl, sofort mit uns wieder ins Kombinat zurück zu kehren.“
„Der Koordinator scheint die Situation ebenfalls als bedrohlich für euch einzustufen“, murmelte Soryu bedrückt.
Wie bedrohlich die Situation wirklich war, vor allem für sie hier auf Lyons, konnte man schwer sagen. Wenn die Terranische Zentralunion wieder einmal ihre waffentechnische Überlegenheit ausspielte, dann tat sie dies voll und ganz. Da sie aber von nicht unbedingt freundlich gesonnenen Nationen umkränzt war, konnte sie nie ihr volles militärisches Potential ausspielen, sondern musste seine Einheiten im Gegenteil empfindlich aufsplittern, um eventuellen Gegenangriffen einen Riegel vorschieben zu können. Natürlich gab es da auch immer noch die Möglichkeit, dass die TZU gegen alle Nachbarstaaten zugleich losstürmen würde, aber eine solche Überheblichkeit wollte man selbst den ungeliebten Terranern und ihrer bekannten Streitfreudigkeit nicht zutrauen. Abgesehen davon, dass ihnen für ein solches Vorgehen die Truppen fehlten.

„Der Koordinator will vor allem, dass Christian nach Hause kommt. Er ist das Bindeglied, mit dem er seinen Einfluss auf Patrick aufrecht erhält, und damit Einfluss auf die Politik der Archontin.“
Vor Heines geistigem Auge erschien das Bild von Archon Katrina Steiner, einer großen, blonden Frau, deren Gesicht wenig von dem Kummer und den Sorgen widerspiegelte, die sie in ihrem Leben Zuhauf gehabt hatte. Sie war eine sehr entfernte Cousine der Kells, und durch ihren früh verstorbenen Ehemann Arthur Luvon, dem Vater ihrer Tochter Melissa auch direkt mit ihnen durch Blut verbunden, denn die Luvon-Familie lag den Kells genetisch näher als den Steiners.
Tatsächlich war es Arthur Luvons großzügiges Erbe gewesen, das es damals den Brüdern Morgan und Patrick gestattet hatte, auf der legendären Söldnerwelt Galatea ihre eigene Einheit zu gründen, die Sky Kell Hounds, mit denen sie anschließend die Innere Sphäre unsicher gemacht hatten. Dabei hatten beide enormes Talent bewiesen, Morgan für das Kommando im Feld vom Cockpit seines Drachen aus, Patrick für das Verständnis von Verbundfeuer. Dass letztendlich Morgan im selbst gewählten Exil in den Drachenbrutenklaven auf Dromini VI und Patrick in der Oppositionspolitik landen würden, hatte damals sicher keiner der beiden gedacht. Archer sollte sich ja über die ruhige Zeit der Drachenaufzucht und Pflege sehr freuen, aber Heine war sich sicher, Morgan gingen mittlerweile schon die Minuten auf den Wecker. „Verstehe“, murmelte er als Antwort auf Takaras Worte. „Und du hast nie daran gedacht, dir deinen Jungen und Patrick zu schnappen, und beispielsweise in die Vereinigten Sonnen zu fliehen?“
Die junge Frau sah ihn mit genau dem Gesichtsausdruck an, den er selbst aufgesetzt hätte, wenn ihm jemand den unmöglichen Vorschlag unterbreitet hätte, freiwillig schlecht über Hanse Davion zu reden. Natürlich, sie war ihrem Koordinator verpflichtet. Und durch dieses Kind, den kleinen, aufgeweckten Christian, noch mehr denn je. Ja, Chris Kell konnte ohne weiteres der Kitt sein, der fortan den Frieden zwischen Lyraniern und Draconiern schmieden würde. Dabei war Takara selbst nicht einmal von Adel. Im Gegenteil. Bei seiner ersten oberflächlichen Recherche hatte Heine schnell heraus gefunden, dass sie ihre, nun, Karriere als Mätresse eines planetaren Herzogs begonnen hatte, der ihr nach seinem Tod die Freiheit geschenkt hatte. Dessen Sohn jedoch hätte dies zu gerne wieder rückgängig gemacht, aber Takara, einmal in Freiheit gewesen, hatte ihr neues Leben viel zu schnell adaptiert und ihren eigenen Weg gefunden, bis... Bis sie ein anderer Mann einfangen und an sich hatte binden können. Wenn er sich ihr hübsches Gesicht und die intelligenten Augen so ansah, dann konnte er Patrick durchaus verstehen. Sie war etwas besonderes. Takara bedeutete im japanischen Schatz, und es wäre eine der wenigen Ausnahmen gewesen, denen er bisher begegnet war, dass der Name auch den Besitzer treffend zu beschreiben vermochte.
Nicht sehr wohlmeinende Zeitgenossen hätten sie vielleicht mit einem sehr unfeinen Wort beschrieben, das mit N begann und sie dem horizontalen Gewerbe zugeschrieben hätte, aber Heine kannte die draconische Kultur zu gut, wusste um die Bedeutung gewisser Künste, dem Stand der Geishas und Geliebten, um diese Frau nicht mit der engstirnigen Moral eines Hinterwäldleradligen zu beurteilen.
„Aber du wirst doch mit Chris bei uns bleiben?“, fragte Heine hoffnungsvoll.
Takara lächelte erfreut. „Danke, Heine. Natürlich würden wir sehr gerne bei euch und den Drachen bleiben. Nicht wahr, Christian?“
„Dürfen wir wirklich? Mama hatte mir versprochen dich zu fragen, aber sie sagt, es gab einfach keine Gelegenheit.“
Heine beugte sich vor und tätschelte dem Jungen den Kopf. „Natürlich dürft ihr. Ich bestehe sogar darauf. Entschuldigt bitte, das ich nicht früher gefragt habe. Aber ich dachte, ihr würdet in der Botschaft wohnen müssen. Ihr habt schließlich keine Leibwächter mit.“
„Ich denke, vier Drachen geben sehr effiziente Leibwächter ab“, murmelte Takara für einen Moment unkonzentriert.
Heine und Soryu nickten bestätigend.

Als das Landungsschiff zu ruckeln und zu vibrieren begann, durchschlug es gerade die Stratopause und schickte sich an, in die tieferen Atmosphäreschichten einzutauchen. Nun waren es nur noch wenige Minuten bis zum Boden, und als die schlimmsten Vibrationen abgeklungen waren, erhob sich Heine und sah wieder aus der Luke hinaus. „Himmel, ist das Landefeld groß!“
„Wenn du es aus fünfzehn Kilometern Höhe auf Anhieb erkennen kannst, wird es das sein“, murmelte Soryu und schnallte sich ebenfalls ab. „Teufel auch! Und das sollen wir beschützen? Ob wir uns ein Zehntel davon aussuchen können?“
Takara lächelte stumm. Sie kannte New Hope und seine Ausmaße schon. Lyons war der wichtigste Transitpunkt zwischen Commonwealth und Kombinat.
„Das Regiment, welches New Hope bewacht, ist eine Verbundwaffeneinheit. Eine Söldnertruppe, aber da sie bereits seit achtzig Jahren im Dauerdienst für die Isle of Skye ist, kann man sie schon fast als Hauseinheit bezeichnen“, zitierte Heine aus dem Gedächtnis. „Keine Drachen, aber Panzer, Infanterie und luftgebundene Jäger. Sie haben eine kleine VTOL-Flotte, wenn ich die Aufstellung noch richtig im Kopf habe.“
„VTOL?“, fragte Takara neugierig.
„Vertical take off and landing“, half Soryu aus. „Ein Fachbegriff, der Senkrechtstarter beschreibt. Kleine, gefährliche Mistdinger, die man oft zur Drachenabwehr benutzt. Hauptsächlich meint man damit Hubschrauber.“
„Die einzigen Flugfahrzeuge, die in der Luft stehen bleiben können sind VTOL und Drachen“, fügte Heine hinzu. Das macht sie zu natürlichen Gegnern. Wenn sie auf verschiedenen Seiten stehen.“
„Außerdem macht der Rotor es knifflig, sie im Nahkampf zu attackieren, was wiederum ihre größte Schwachstelle ist. Wir... Oh, entschuldige, Takara, wir langweilen dich bestimmt mit unserem militärischen Gebrabbel.“
„Nein, wirklich nicht, Soryu. Ich finde, man kann nie genug wissen. Man weiß ja nie, wann neues Wissen nützlich sein wird.“
„Gut mitgedacht“, murmelte Heine lobend.
Takara streichelte nachdenklich über die Haare ihres Sohns. „Ich kenne die Einheit übrigens. Wenn du gleich Schlag bei ihrem Kommandeur haben willst, dann nenne sie nicht bei ihrem offiziellen Namen.“
Interessiert hob Heine eine Augenbraue. „Die Einheit heißt Hannibals Hunters. Wie soll ich sie nennen?“
Die Draconierin lächelte dünn. „Sie nennen sich selbst Skye Rangers.“
„Skye Rangers? Ich sehe im Namen eine gewisse... Verbundenheit mit ihrem Auftraggeber.“ Bisher hatte Heine die Beherrscher der Isle of Skye, das uralte Handelshaus Lestrade, für Geldsäcke voller Arroganz gehalten, welche sich soldatische Treue erkauften. Aber anscheinend konnte Loyalität auch mit der Zeit wachsen. Wie sehr, würde er entscheiden, wenn er mit den Hunters... Mit den Skye Rangers zusammentreffen würde. Den Rest des Anflugs verbrachten sie schweigend.

Nachdem der Lander aufgesetzt hatte und sämtliche Warnleuchten auf grün gegangen waren, konnten sie sich abschnallen und die Wartekabine verlassen. Auf dem Gang kamen ihnen Mitglieder von Pearls Amazonen entgegen. Eine der Damen wurde verlegen beim Anblick der Männer, hielt sich die aufgeknöpfte Bluse zu und drückte sich mit einer Entschuldigung an ihnen vorbei.
Soryu grinste anzüglich. „Man sagt, es ist nur noch bei einem Start geiler, wenn sich der Lander aus der Atmosphäre freikämpft. Schätze, Pearl hatte Recht und ihre Mädels sind keine Kinder von Traurigkeit.“
„Was ist nur noch bei einem Start geiler?“, klang die dünne Kinderstimme von Chris auf.
Soryu errötete, sah nach hinten und schluckte, als er den ärgerlichen Blick der Mutter sah. „D-da hast du noch Zeit, bevor ich dir das erklären muss. So zwölf bis zweihundert Jahre.“
„Aber Menschen werden doch höchstens hundert“, protestierte der kleine Kell.
Hastig sah Soryu zu Heine herüber, der jedoch den „Löffel deine Suppe selber aus“-Blick aufgesetzt hatte. „Wi-willst du nicht jetzt gleich mit zu den Drachen kommen? Schnitter freut sich bestimmt, dich zu sehen. Vielleicht willst du ja mal auf ihm reiten, wenn deine Mutter es erlaubt.“
„Au ja!“ Strahlende, bettelnde und weiche Kinderaugen trafen auf die unerbittlichen Augen einer strengen, ungerechten Mutter. „Mami, darf ich?“
Takara war erstaunlich. Sie hielt dem bettelnden Kinderblick tatsächlich volle zehn Sekunden stand, bevor sie sich seufzend ergab. „Nur in einem Cockpit!“, befahl sie streng. „Und auch nur in der Nähe des Raumhafens.“
Der kleine Kell strahlte, umarmte zuerst dankbar seine Mutter, danach Soryu. Zumindest seine Beine.
„Gut gerettet, Kurzer“, murmelte Heine ihm zu.
Soryu wollte angemessen zurück grinsen, aber Takaras Blick hatte nichts von ihrem Vorwurf verloren.

Pearl trat auf den Gang heraus, sichtlich grün im Gesicht. Aber als sie Heine sah, strahlte sie übergangslos. „Willkommen auf Lyons. Wie ich sehe, bekommen dir Raumreisen noch immer sehr gut.“
„Und wie ich sehe, ist dein Magen schwach wie eh und je. Soll ich dir was gegen die Übelkeit holen?“, bot Heine mitfühlend an.
„Nein, nein, es geht schon. Ich trinke jetzt einen Kaffee, und dann bin ich für unseren Auftraggeber vorzeigbar. Dankenswerterweise habe ich ja jetzt dich, also brauche ich nicht zu hetzen.“
Heine schnaubte leise und amüsiert. Ihre Aversion gegen Sprünge, Landungen und Starts war ihm altbekannt. Auch ihre unbeschreibliche Fähigkeit, alles praktisch zu sehen und in jedem Hindernis eine Möglichkeit zu finden. Sie war unglaublich schlau, findig und hartnäckig. Diese Frau zu heiraten hätte ein Leben in Sklaverei bedeutet. Heine hatte es mehr als einmal erwägt, vor allem in letzter Zeit. „Ich brauche Stacy.“
„Natürlich, Mylord.“ Die hochgeschossene Blondine trat hinter Pearl aus der Kabine. Sie trug eine schwarze Uniform mit Stehkragen, dazu ein schwarzes Képi mit weißem Dach. Weiße Handschuhe und eine beeindruckende Anzahl an Ordens- und Kampagnenbändern vervollständigten das Bild.
Außerdem schmeichelte der schwarze Kontrast ihrem goldblonden Haar und der weißen Farbe ihrer Haut. Sie wirkte imposant, beinahe walkürenhaft, ernst und martialisch, vor allem wegen ihrer klobigen Dienstpistole im Seitenholster. „Wenn Sie erlauben, Mylord, fungiere ich vorerst in Adjutantsfunktion.“
„Die Uniform steht Ihnen hervorragend“, stellte Heine fest, nachdem er gemerkt hatte, dass er das Atmen unbewusst eingestellt hatte. „Vor allem die Ordensbänder und Kampagnenzeichen sind... Erschlagend.“
Sie lächelte dünnlippig. „Falls Sie fragen wollen, ob sie echt sind, nun, die Orden sind es. Was die Kampagnenbänder angeht... Einige sind für erreichte Ziele, andere für die Eliminierung bestimmter Gegner, wieder andere für abgeschlossene Missionen.“
„Ich nehme an, Pearls Amazonen haben ihren eigenen Code. Darf ich fragen, was das schwarze Band mit den vier roten Längsstreifen bedeutet?“
Kurz sah die Nummer zwei der weiblichen Söldner ihre Chefin an. Die nickte auffordernd.
„Nun, Mylord, sie steht für einen von mir getöteten Drachen.“
Heines Reaktion musste ihn überraschen. Der durchschnittliche Drachenreiter war ein ziemlich abergläubischer und mit seinem Drachen fast verwachsener Soldat. Daher versuchte er, sich von solchem „Abschaum“ wie Drachenjägern fern zu halten. Vor allem vor jenen, die in ihrem Beruf erfolgreich gewesen waren, einfach um zu verhindern, das ihre Aura auf ihn und seinen Drachen abfärbte. Der ehemalige Earl of Towne jedoch verzog nur die Lippen zu einer anerkennenden Miene. „Ich habe so etwas erwartet. Ich nehme nicht an, dass du mir Details zur entsprechenden Mission gibst, Stacy?“
Die Infanteristin versteifte sich. „Mylord, die meisten unserer Aufträge sind geheim. Ich bin gerne bereit mit Ihnen über jedes Detail zu sprechen, das den jetzigen Auftrag angeht, aber sicher keine vorherigen. Wir haben uns verpflichtet, Art und Ort geheim zu halten, es ist eine unserer Stärken, Geheimnisse eben nicht auszuplaudern. Ansonsten fänden wir uns auch schnell auf der Abschussliste unserer vorherigen Auftraggeber wieder.“
„Verstehe. Aber ich erwarte ein paar abgewandelte Berichte über diese Missionen, die keinen Rückschluss auf Auftraggeber und Zielplaneten zulassen.“ Heine wandte sich ab. „Es kann sein das von diesem Wissen einmal unser aller Leben abhängt.“
„Jawohl, Mylord.“ Stacys Stimme klang befremdlich. Irritiert, vielleicht ein wenig ängstlich. Auf jeden Fall lag ein wenig trockener Sarkasmus in der Antwort, fand Heine.

Im Gegensatz zu Stacy wirkten er und Soryu in ihren eher schmucklosen grünen Uniformen geradezu schäbig, auch wenn sie aus Tuch gemacht waren, womit Normalsterbliche ihr LKT hätten anzahlen können. Gegen die kühle Eleganz und natürliche Grazie der uniformierten Frau konnte man schlecht ankommen.
Aber dies war kein Schaulaufen, sondern eine militärische Handlung, und als Heine die Rampe aus dem Lander hinaus betrat, wäre ihm fast ein Seufzer der Erleichterung entfleucht. Endlich wieder in vertrauten Bahnen!
Die Crew der LOCUST hatte bereits ihre Bodenmannschaft ausgeschifft und begann mit den ersten notwendigen Befestigungsarbeiten. Die Raumhafenmannschaft verließ nun ebenfalls ihre Wartebunker, um ihren Teil der bevorstehenden Arbeiten zu beginnen.
Heine und Soryu nahmen am Fuß der Rampe Aufstellung. Unauffällig gesellte sich Ryan zu ihnen und hielt sich schräg rechts hinter den beiden Männern. In den letzten Wochen hatte er sehr viel über Auftreten und Aufgabe eines Leibwächters gelernt. Heine beschloss, die Bezüge des jungen Mannes deutlich anzuheben, wenn er das erste halbe Jahr überlebte.
Tostan und Hammer kümmerten sich, fürsorglich wie sie waren, natürlich persönlich um die Ausschiffung ihrer Drachen. Vor allem um ihre Launen. Dafür hatte sich Svenja ebenfalls schon am Fuß der Rampe eingefunden. Sie hielt sich ein wenig abseits, um „die militärischen Spinner machen zu lassen“, wie sie es liebevoll nannte. Auch Auris und ihre Nichte Mireille kamen die Rampe herab, womit ihre kleine Gruppe nahezu komplett war. Svenja nahm die quirligen zwei sofort an ihre Seite, um sie aus der Bahn der „militärischen Betonköpfe“ zu nehmen, wie sie sich blumig ausdrückte. Heine erinnerte sich daran, aus dritter Hand einiges über die Streitgespräche gehört zu haben, welche die Waise aus der Peripherie mit diversen Angehörigen von Pearls Amazonen geführt hatte. Und das über alle möglichen Themen. Die dickköpfige Medizinerin und Biologin hatte ihren beiden Ziehvätern alle Ehre gemacht und selten nachgegeben.
Im Schiff begann es nun zu rumoren. Ein gleichmäßiger, dumpfer Laut erklang. Er erinnerte an die mechanischen Exoskelette, mit denen Raumhafenpersonal oft arbeitete, um sperrige Ladungen umzuordnen, klang allerdings gewaltiger. Dann tauchten sie auf. Dreißig in Dreierrotten aufgeteilte uniformierte Frauen, mit Stacy Schollz an der Spitze. Mit vollendeter Disziplin kamen sie die Rampe herab. Als die letzte Frau die Rampe selbst verlassen hatte, gab Stacy einen scharfen Befehl. Die Frauen marschierten auf der Stelle weiter, bis sie einen neuen Befehl erhielten. Die Abteilung löste sich auf und sortierte sich in vier Gruppen von sehr unterschiedlicher Größe. Ein Unteroffizier machte vor Stacy Meldung, was diese mit einem militärischen Salut bestätigte. Dann wandte sie sich zackig um, blieb exakt zwei Meter vor Heine stehen, und schlug mit ihrem nächsten Salut beinahe ihr Képi vom Kopf. „Mylord, ich melde Pearls Amazonen angetreten. Wir erwarten Ihre Befehle.“
Reflexartig wollte Heine den Salut erwidern, aber er besann sich eines Besseren. Er verschränkte die Arme hinter dem Rücken und ging einen Schritt voran. „Soryu.“ „Ja, Chef.“
Er nickte Stacy zu, die sich nun auf gleicher Höhe mit Soryu hinter Heine hielt.
Vor der angetretenen Truppe blieb er stehen. Er hatte in den letzten Tagen jede einzelne Frau persönlich kennen gelernt, ihr Null-Gravo-Kampftraining und ihre Sim-Sitzungen begleitet. Er hatte an einigen Übungen selbst teilgenommen und dabei mit zwei Vorurteilen aufgeräumt. Einerseits das Männer Hemmungen hatten Frauen Schmerzen zuzufügen, andererseits, das Männer Frauen überlegen waren. Acht seiner zehn Randoris waren für ihn nicht gut ausgegangen, und zwei seiner Rippen hatten dies mit einem schmerzhaften Anbruch bezahlt.
Er ging die Gruppen ab, musterte die Reihen, sah jeder einzelnen Frau in die Augen. Das Alter der Gruppe begann bei achtzehn, soweit sie denn wussten, wann sie geboren waren. Offiziell endete es mit fünfzig und beinhaltete unter anderem eine grauhaarige und gewaltige Matrone aus der Versorgungsgruppe im Sergeants-Rang. Pearl hatte ihm versichert, dass diese Frau überall und jederzeit alles bekommen konnte. Die Gesichter stammten aus allen ethnischen Gruppen der Inneren Sphäre und darüber hinaus. Weiße, Schwarze, Rote und Gelbe dienten hier Seite an Seite, einige vereinigten sogar gleich mehrere Unterarten der Menschheit in ihrem Blut. Es waren solche Frauen dabei, die Heine selbst als hübsch bezeichnet hätte, zum Beispiel Sergeant Kiribati, da hatte Pearl durchaus Recht gehabt, und es waren einige dabei, die ihn vom Äußeren niemals angezogen hätten. Allen gemein war vor allem eines: Sie waren in dem was sie taten unglaublich gut, um nicht zu sagen tödlich. Jemand, namentlich Pearl Vincent, hatte ihnen die Chance gegeben, sich abseits des männlichen Chauvinismus zu beweisen. Sie hatten es getan, wieder und wieder. Die Verlustzahlen waren mit zwanzig Prozent im Schnitt und pro Einsatz recht hoch, beinhaltete aber auch Rekonvaleszenzfälle und Abgänger. Dennoch war die Liste von willigen weiblichen Rekruten recht lang. In Pearls Amazonen war man wer. Und man musste nicht mit dem Boss schlafen, um weiter nach oben zu kommen. Heine verstand, warum die Frauen davon angezogen wurden. Aber wie er Pearl kannte, sorgte sie stets dafür, dass ihre Untergebenen mit wem sie immer wollten schlafen konnten. Unwillkürlich fielen Heine ein Dutzend Klischees über homosexuelle Frauen ein. Aber es wäre sicher ungerecht gewesen, alle Amazonen mit diesem Label ad acta zu legen.
Nun standen diese Frauen zum ersten Mal unter dem Kommando eines Mannes. Viele waren damit nicht einverstanden gewesen. Nachdem er einigen von ihnen gestattet hatte, ihn zu verprügeln, waren es nach und nach weniger geworden. Nun wurde er zumindest von allen geduldet, während sich eine Handvoll zu seinen Fans entwickelt hatten. Die eine oder andere mochte sich sogar die Hoffnung auf die unbesetzte Stelle als Frau Rosenstark machen, und das war etwas, was einem Mann natürlich schmeichelte. Wenn man davon absah, dass Soryus Fanclub wesentlich größer war. Selbst die „Harten Mädchen“ in der Einheit schienen ihn als kleinen Bruder lieb gewonnen zu haben. Wider Erwarten hatten sie nur mit zwei Leuten aus Heines Losem Haufen Schwierigkeiten. Das war einmal die omnilinguale Svenja, und dann die bis zum Exzess verschlossene Cortana.
Heine schnaubte amüsiert bei diesem Gedanken. Er betrachtete die angetretene Reihen und sagte schließlich: „Ich bewundere eure Uniformen.“
Diese Bemerkung löste leises Gelächter aus, das Stacy ganze fünf Sekunden zuließ, bevor sie es generell unterband.
Der ehemalige Earl nickte zufrieden. Dieses Antreten hatte eigentlich nur einen Sinn: Es sollte allen heimlichen Beobachtern zeigen, dass er das Oberkommando hatte. Die Beteiligten selbst hatten sich mit dieser Tatsache schon lange abgefunden. Und deshalb hielt er es auch kurz. „Ich bin zufrieden, Lieutenant Schollz. Lassen Sie wegtreten und die Ausrüstung aufnehmen.“
„Ja, Sir.“ Die schlanke, große Blondine salutierte vor ihm und gab dann den schneidenden Befehl zum Sachen packen. Dies schloss sowohl die Ausrüstung als auch persönliches Gepäck ein.

„Mylord“, erklang Stacys Stimme neben ihm. Heine sah auf und erkannte einen Wagen, der mit reichlich überhöhter Geschwindigkeit heran gerauscht kam. „Ah, danke. Das sieht nach dem Hafenmeister aus. Hat die Garnison schon Kontakt mit uns aufgenommen?“
„Nein, bisher noch nicht. Ich nehme an, Colonel Hannibal wird den Hafenmeister begleiten.“
Heine nickte sachlich. Er ließ seinen Blick über die nähere Umgebung streifen. Der Raumhafen Last Hope war nicht ganz quadratisch. Er hatte eine Standfläche von vierunddreißig Quadratilometern und erlaubte damit zwanzig Landungsschiffen der Unionsklasse, zugleich be- und entladen zu werden. Zwischen den Landebuchten erhoben sich große Gebäude. Hauptsächlich Lagerhäuser und die Bodenbunker der Wartungs- und Versorgungscrews. Am Rand des Raumhafens, hinter einem Lärmwall im Norden, befanden sich die Bauten der zivilen Verwaltung, Läden, Geschäfte und Unterkünfte der Einheimischen und Arbeiter sowie die üblichen Betriebe, die zu einem internationalen Raumlandefeld gehörten. Nach Osten, Süden und Westen hin war das Gelände frei. Ungebändigter Wald, abgelöst von Sümpfen und weiten Savannengrasflächen, umgaben das Landefeld. Die einzigen Bauwerke, das man nicht im Norden finden konnte, waren die vorgeschobenen Bastionen der Verteidiger, die auf jedem Eckpunkt zu finden waren. Kleine Betonwürfel mit schweren, teils automatischen Waffen, die sogar auf den Hafen selbst feuern konnten. Kleine tückische Dinger, die man selbst mit einer mittlerweile geächteten taktischen Atomgranate nicht so ohne weiteres klein kriegen konnte. Im Nordosten selbst erstreckte sich die eigentliche Kaserne für eine Wachmannschaft von der Stärke eines Regiments. Auch sie war schwer befestigt und hatte Bastionähnlichen Charakter. Man hatte New Hope mitten ins unberührte Äquatorialland gebaut, um dem erhöhten Warenaufkommen gerecht zu werden. Die nächste Garnison, die Hannibals Hunters zur Hilfe eilen konnte, war ein halbes Planetenrund entfernt. Und eine Einheit, die ein kombiniertes Regiment mit Luftunterstützung in Bedrängnis bringen konnte, würde sicherlich auch die anderen militärischen Einrichtungen des Planeten beschäftigt halten wollen.
Hinter ihnen erklang das unendlich plappernde Mundwerk von Schnitter. Der Colt versuchte gerade wieder, die Landungsschiffer in unverbindliche Gespräche zu ziehen. Soryu schien sie gewarnt zu haben, denn keiner ging darauf ein. Schnitters heimliche Hoffnung, Cortana würde sich mit ihm unterhalten, erfüllte sich leider nicht. Die Fahrerin der Einheit war damit beschäftigt, ihr eigenes Fahrzeug zu enttäuen und aus dem Schiff zu bringen.

Mittlerweile war der Wagen angekommen und hatte abseits des Landers beim Bunker gestoppt. Mehrere Männer entstiegen dem Großraumwagen, unter ihnen ein kleiner dicker Mann im Anzug. Mit allen Anzeichen des Entsetzens beobachtete er die Entladung der vier Drachen.
„Das stand aber nicht im Kontrakt!“, stieß er laut genug hervor, sodass selbst Heine ihn hören konnte. Pearl, die gerade selbst die Rampe herab kam, zwinkerte ihrem Verflossenen amüsiert zu.
Mit trippelnden Schritten und heftig transpirierend kam der Dicke näher. „Captain Vincent, ich muss protestieren! Wir haben keine Dracheneinheit bestellt! Im Gegenteil, wenn die TZU hört, das hier Drachen stationiert sind, werden wir vielleicht ein Angriffsziel und...“
„Wie wäre es, wenn Sie das mit meinem Vorgesetzten besprechen, Direktor Marco?“, versetzte die schwarzhaarige Frau trocken. „Darf ich vorstellen? Heine Rosenstark. Anführer von Heines Losem Haufen. Ups, ich meinte natürlich Heine Schmitt.“
Der kleine Mann wirkte für einen Moment als würde er einen Herzanfall bekommen. Wahrscheinlich war er tatsächlich nahe dran. Dann aber beruhigte er sich schlagartig. „Der schwarze Drachentöter. Nun, das ist immerhin ein imposanter Name, der abschreckt. Aber glauben Sie ja nicht, die Corporation wird für die Drachenreiter extra bezahlen! Im Gegenteil, ich werde alle Ressourcen von Ihrem Sold abziehen!“
„Wie ich schon sagte, klären Sie das mit Major Schmitt!“
Der Dicke musterte Heine verstohlen und beschloss, sein Glück nicht heraus zu fordern. „Sie hören von meinem Büro!“, blaffte er kurz angebunden und marschierte zum Bunker.
„Hören sie nicht auf den alten Cäsar“, erklang eine amüsierte, angenehme Männerbaritonstimme. Zur Stimme gehörte ein Paar diebisch belustigt funkelnder Augen, die von einer grünbraunen Uniform eingerahmt wurden. Zwischen Schiffchen und Kragen gab es noch ein mageres Gesicht, das der eine als unterernährt, der andere als zäh wie Stiefelleder interpretiert hätte. „Ich für meinen Teil bin froh, eine Reihe guter Drachen hier zu haben.“
Der Mann in der Uniform ohne Rangabzeichen trat zu Heine und Pearl. „Gestatten, Colonel Hannibal. James Hannibal. Ich bin hier der Garnisonskommandeur. Willkommen auf Lyons, Major... Schmitt und Captain Vincent.“
„Ah. Sie kommandieren also die Skye Ranger“, murmelte Heine, und erntete damit einen dankbar-geschmeichelten Blick des älteren Soldaten.
„Ganz recht, Herr Major. Wir verteidigen diese Welt seit fast vierzig Jahren, und bisher haben wir immer gewonnen.“ Er musterte die beiden Männer und zwei Frauen aufmerksam. „Sollten sie auf den Gedanken kommen, aus dem Deckschatten des Landers zu treten und von Süden, also dem Wald, aus sichtbar zu sein, entfernen sie bitte zuvor alle Rangabzeichen. Wir haben Zurzeit ein wenig Ärger mit Scharfschützen, die auf alles ballern, was Lametta auf der Schulter und der Brust hat.“
„Scharfschützen?“, argwöhnte Heine.
„Terroristen. Sie kämpfen entweder für den Anschluss an das Draconis-Kombinat, für ein freies Skye, für die Rückkehr in den Schoß der Wiege der Menschheit, der Terranischen Zentralunion, oder für eine bedingungslose Assimilation durch die Lyraner.“
„Was denn, will keiner nach Rasalhaag?“, spöttelte Heine.
„Hm. Unsere Terroristen sind überraschend vernünftig, wenn Sie so wollen.“ Hannibal wandte sich um und deutete auf einen Konvoi von verschiedenen Fahrzeugen. „Wir bringen die Drachen und das Material der Amazonen per Tieflader fort. Ich will niemandem Gelegenheit geben, schon jetzt die Gesichter der Drachenpiloten zu identifizieren. Wundern Sie sich bitte nicht, Major. Ich bin ein vorsichtiger Mann.“
„Nach einem Flug sind Drachen ohnehin etwas steif. Ich nehme dankend an.“
„Und ich befürchte, das wir tatsächlich mehr brauchen als die Ausbildung der Amazonen, mit der wir ursprünglich gerechnet haben. Also lassen Sie mich danken, Mylord.“
Heine winkte ab. „Major oder Heine reicht vollkommen. Aber ich fürchte, ich muss Sie, kaum das ich angekommen bin, bereits um einen Gefallen bitten. In meiner Obhut befinden sich zwei draconische Zivilisten von hohem Rang. Sie werden für eine Woche hier festsitzen. Können Sie einen entsprechenden Wagen für sie rufen?“
„Darf ich bei Pacificus auf dem Anhänger mitfahren?“, klang die helle Stimme von Chris auf.
Hannibal zog die Augenbrauen hoch. „Familie Kell? Mit kleinen Fischen geben Sie sich wohl nicht zufrieden, was? Natürlich rufe ich sofort einen angemessenen, gepanzerten Wagen herbei. Ich würde in Teufels Küche kommen, wenn ausgerechnet auf meinem Raumhafen Takara und Christian Kell umkommen würden. Abgesehen davon das es eine Riesenschande wäre, den Jungen sterben zu lassen.“
„Ich sehe, wir werden uns glänzend verstehen, Sir“, brummte Heine zufrieden. Der alte Knochen war ein Haudegen ganz nach seinem Geschmack.

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Ace Kaiser,
Angry Eagles

Corrand Lewis,
Clan Blood Spirit

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03.02.2009 23:41 Ace Kaiser ist offline E-Mail an Ace Kaiser senden Beiträge von Ace Kaiser suchen Nehmen Sie Ace Kaiser in Ihre Freundesliste auf
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