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Zum Ende der Seite springen Chevaliers Season IV 7 Bewertungen - Durchschnitt: 10,007 Bewertungen - Durchschnitt: 10,007 Bewertungen - Durchschnitt: 10,007 Bewertungen - Durchschnitt: 10,007 Bewertungen - Durchschnitt: 10,00
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Ace Kaiser Ace Kaiser ist männlich
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Chevaliers Season IV Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Himmel, sie waren erst fünf Tage zurück, und schon brach weit mehr als die Routine über Germaine Danton herein. Richtig, es war das reine Chaos.
"Nein", sagte er bestimmt, während sein Blick auf den Exerzierplatz der Kaserne der Chevaliers ging.
"Aber...", antwortete eine aufbegehrende Frauenstimme.
"Nein, habe ich gesagt!"
"Germaine!", quengelte sie.
"Nein heißt nein heißt nein!" Er wandte sich seinem Gast zu und sah ihr in die Augen. "Dawn, du wirst nicht wieder als Mechkrieger in die Einheit aufgenommen. Aber du und deine Tochter sind selbstverständlich eingeladen, den Tross der Chevaliers zu begleiten. Ganz einmal davon abgesehen, dass sie nicht nur deine sondern auch van der Rooses Tochter ist."
"Na, danke", brummte sie unzufrieden.
"Dawn Ferrow, ich werde es nicht dulden, dass du deiner Tochter auch nur einen weiteren läppischen Tag die Mutter vorenthältst. Du wirst deinen neuen Job ernst nehmen! Ja, ich weiß, was du durch gemacht hast. Ich weiß auch wie schwer dir die Entscheidung fiel, dein Kind fort zu schicken. Und genau deshalb machen wir es diesmal besser."
Germaine wandte sich wieder dem Fenster zu. "Wenn sie drei Jahre alt ist, lass uns noch mal darüber reden, dich zu reaktivieren. Bis dahin würde es mich freuen, wenn du im Simulator bei der Ausbildung und den Leistungstest der neuen Leute hilfst. Ist das in Ordnung?"
"Immerhin besser als nichts", murrte die junge Mutter. "Ehrlich, ich habe mit mehr gerechnet."
"Und ich bin nicht bereit mehr zu geben. Sie können wegtreten, Corporal Ferrow."
Immer noch murrend verließ sie sein Büro.
Dabei gab sie sich mit Decius Metellus und Scharnhorst die Klinke in die Hand. "Hat schlechte Laune heute", brummte sie den Männern zu.

"Germaine, es gibt da noch ein paar Details, die wir besprechen sollten. Der Unterkontrakt steht. Aber einige wichtige Fakten bedürfen noch der Klärung."
"Sicher Manfred." Er gab seinen Platz am Fenster auf und setzte sich zu den anderen beiden Offizieren an den Konferenztisch. "Wir nehmen unsere auf drei Lanzen geschmolzene Panzerkompanie mit an die Rasalhaag-Grenze. Wir sind eine eher offensive Truppe mit Defensiv-Kapital, also würde ich es gerne sehen, wenn wir die Sprungtruppen und die Pioniere zugewiesen bekommen. Außerdem denke ich, dass die CRYING FREEDOM ein angemessener Transporter wäre."
"So weit habe ich auch schon gedacht. Also gut, Lieutenant Bishop kriegt Order für einen Halbzug und schwerem Gerät euch zu begleiten."
"Nur ein Halbzug?", fragte Metellus.
"Ich brauche die sprengen und entschärfen-Fähigkeiten. Für einen Schützengraben oder ein Panzerloch braucht man keine Sprengungen. Für einen Hinterhalt hingegen schon."
"Mit dem Overlord bist du einverstanden?"
Germaine nickte.
"Nächster Punkt: Stabsdienst, Medizin, Luft/Raumjäger und Hubschrauber."
"Ich behalte vier Luft/Raumjäger", sagt Germaine. "Wir werden drei weitere Piloten mit Maschinen bei den Hounds ausborgen, damit du auf zwei Lanzen kommst, Manfred."
"Zu gnädig. Aber bei Kell Hound-Piloten sage ich nicht nein."
"Was Medizin und Stabsdienst angeht, so werde ich Captain Harris behalten, die Panzer aber mit einer ausreichenden Zahl ausstatten. Das mobile HQ bleibt bei den Mechs. Ihr kriegt Doktor Malossi, den Evac und die Hälfte des Personals sowie eine angemessene Zahl weiterer Unterstützer."
"Leon?", fragte Manfred hoffnungsvoll in Anspielung auf den Chefkoch der Chevaliers.
Germaine schüttelte den Kopf. "Keine Chance."
"Mechs?", fragte Metellus.
"Keine Mechs. Ich bin froh, wenn wir uns einigermaßen auf drei Lanzen einpendeln können, nach all unseren Verlusten und der Heimkehr von Rebecca Geisterbär. Ich will keine zusätzlichen Piloten und Maschinen verlieren. Im Gegenteil, wir werden noch wen anwerben müssen."
"Eine Lanze leichter Mechs hätte mir schon gereicht", murrte Scharnhorst.
"Keine Chance", erwiderte Germaine fest. "Vor allem nicht, da nun auch noch Thomas Fokker und Sheila Kree uns wieder verlassen werden. Ich habe so schon genügend Mühe, aus den Fragmenten funktionierende Lanzen zu machen."
"Von der Zusammenstellung einmal abgesehen."
"Über die wir noch nicht geredet haben", warf Scharnhorst ein.
"Ein andernmal." Germaine bedeckte ein weißes Blatt Papier mit zwei provisorischen Aufstellungen. "Sind alle damit einverstanden?"
"Ich denke, damit können wir alle leben", erwiderte Scharnhorst.
Metellus nickte. "Damit haben wir die Höllenhunde zu unserem Amboss gemacht, und die Chevaliers zu einem schnellen, geschickten Jäger, der überraschend überall zuschlagen kann. Schade das wir nur Garnisonsdienst schieben."
"Das wird wohl nicht lange so bleiben, wie ich Germaine kenne", spöttelte Scharnhorst.
"Im Moment geht es darum, unsere Finanzen etwas aufzupolieren, indem wir die Höllenhunde einen Unterkontrakt ausführen lassen", mahnte Germaine. "Die Prämien, die wir erhalten haben, waren letztendlich nicht so hoch wie erhofft. Zudem konnte ich Jara zwar ihren Mad Cat retten, aber dafür wird der Thor fortan fehlen. Wenn wir das alles an- und umrechnen, haben wir zwar ein paar neue Maschinen für unser Bergegut und die Verluste erhalten, aber alleine die Überstunden und die Wartungskosten der letzten Wochen haben ein riesiges Loch in unser Budget getrieben. Dazu kommen weitere Pensions- und Hinterbliebenen-Zahlungen. Wir brauchen den Unterkontrakt dringend. Und wenn es irgendwie geht, Manfred, bemühe dich keine Schäden an den Panzern zu zu lassen. Wir wären nicht die erste Einheit, die sich zu Tode repariert."
"Stehen die Finanzen wirklich so schlimm?", fragte Scharnhorst ernst.
Metellus räusperte sich. "Unsere Reserve ist beträchtlich abgeschmolzen, ausgelöst durch die neuen Verluste und die Auszahlungen derjenigen Chevaliers, die uns wieder verlassen. Sagen wir, es ist eine Warnstufe erreicht. Die zweite sollten wir besser gar nicht erst in Betracht ziehen."
"Darüber hinaus werden wir auch in Zukunft öfters in Teileinheiten arbeiten. Entweder das, oder wir blähen uns auf Regimentsgröße auf und machen unsere Finanzen noch verletzlicher."
"Vergessen wir das mit dem Regiment schnell wieder", erwiderte Scharnhorst. Er schüttelte sich wie nach einem Magenbitter. "Schreckliche Vorstellung. Womöglich hätte uns das sogar noch in den Bürgerkrieg rein gezogen."
"Gut, dann bleibt es dabei." Germaine erhob sich wieder. "Jetzt brauchen wir nur noch neue Piloten."

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01.09.2009 13:27 Ace Kaiser ist offline E-Mail an Ace Kaiser senden Beiträge von Ace Kaiser suchen Nehmen Sie Ace Kaiser in Ihre Freundesliste auf
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Der Weg ins Cockpit nimmt eine überraschende Wendung

Rudi „Chappi“ Teuteburg, stolzer Erstbesitzer eines Enforcer III, den er als Auszeichnung für seine Leistungen bekam, nachdem ihm sein mitgebrachter alter Victor in einem Kurita Scharmützel vor 5 Jahren weggeschossen worden war. Damals konnte er aber gleichzeitig zwei Kurita Assaultmechs mit aus dem Gefecht nehmen.

Seit 11 Monaten nun war Chappi nicht mehr beim NAIS und das zu guterletzt aufgrund der widrigen Erlebnisse des letzten Einsatzes bei Operation Bulldog.

Eigentlich begann der Einsatz damals ganz normal. Naja normal ist übertrieben, aber der Gefechtsabwurf auf den von Clan Nebelparder besetzten Planeten war für eine solche Operation überraschend ruhig verlaufen. Die LZ lag idyllisch am Rande eines Berges und bot den drei Landungsschiffen eine gute Deckung. Die weite Ebene mit wenigen Sichthindernissen erlaubte so auch den Einsatz der Artillerie, also alles perfekt. Die nächste Siedlung befand sich 70 Km südwestlich und der nächste Parderstützpunkt war 120 Km entfernt. Jedenfalls, der Absprung lief hervorragend, bis seine Lanze am Boden war. Dann ging alles ganz schnell. Plötzlich tauchten aus Erdlöchern mindestens 50 Elementare auf, es entbrannte eine furchtbare Schlacht auf engstem Raum.

In den ersten 5 Minuten dieses Scharmützels verlor er 2 seiner Lanzenkameraden, jeder kämpfte für sich und sein Überleben, und noch nie war ihm so bewusst geworden, wie brutal und schnell Elementare Mechs zerlegen konnten. Er selbst schoss, trat und schlug wild um sich und hatte das Glück das sein Enforcer „Useless“ nicht als die größte Bedrohung gesehen wurde. Nach 1 Stunde war das Gefecht vorbei, als die Landungsschiffe aufsetzten und die eigenen Truppen ausschifften. Diese heiße LZ war die Hölle. Auf den Gefechtsroms sah man später, wie er zufällig auf einem Erdloch aufsetzte und so 2 Elementare tötete, leider sah man auch wie von der abgesprungenen Kompanie 7 Mechs in kürzester Zeit zerlegt wurden und die Piloten aus ihren Kanzeln gezerrt oder gleich in ihnen getötet wurden. Es war ein blutiges Gefecht, und Gnade gab es nicht. Die weiteren Gefechte auf dem Planeten waren eher normal und fanden bis auf das letzte Gefecht am Raumhafen immer ein schnelles Ende. Am Raumhafen jedoch entwickelte sich ein tödliches Inferno, die Nebelparder, eigentlich geschlagen und auf dem Rückzug, wurden durch irgendwas provoziert, drehten wieder um und stürmten durch das verfolgende Bataillon. Es gab keinen Überlebenden, als der führende Frontklasse Trinärstern durch ihre Reihen wie ein Messer durch warme Butter fuhr. Er selbst war eine Einhait hinter diesem Bataillon und hatte auf einmal 2 Clanner am Hals, ein Mad Dog, und sein Kumpel eine Adder. Es entwickelte sich ein schnelles Gefecht und er konnte nicht sagen wie die Adder starb, aber sein letztes Gausgeschoss schien dem Mech praktisch den Reaktor raus geschossen zu haben. Dafür verpasste ihm der Mad Dog den Gnadenstoß, indem 2 Wolken LSR sein rechtes Mechbein zu Schrott verwandelten. Als er nach dem folgenden Sturz wieder die Augen aufmachte sah er in 20 Meter Entfernung einen stillgelegten Mad Dog stehen, der sich nicht mehr bewegte und es wohl auch ohne neues Cockpit nie wieder tun würde. Ein Angriff von Luftraumjägern hatte ihm buchstäblich das Leben gerettet.

Während seiner Genesung im Hospital wurde ihm mitgeteilt das sein Mech repariert wurde und einige Modifikationen vorgenommen wurden. Leider erfuhr er auch das seine Kompanie aufgelöst wurde und er der letzte war als Einheitsmitglied geführt wurde. Er bekam 48 Stunden Zeit zu überlegen ob er sich in eine andere Kompanie einer anderen Einheit versetzen lassen oder ob er seinen Abschied nehmen wollte. Chappi dachte nicht nach und nahm seinen Abschied, seinen Sold und seinen Mech, verließ die Armee der Sonnen und diesen fürchterlichen Alptraum.
Nach 2 Monaten kam er auf Outreach endlich an und begann in Harlech eine neue Anstellung und eine neue Aufgabe zu suchen. Aber es war ihm klar das er sich nicht einer großen Einheit anschließen wollte, da diese meist sofort in eine große Operation der Häuser eingebunden wurde und das hieß Bürgerkrieg oder Himmelfahrtkommandos in die Clanzone.

Heute nach fast einem Jahr musste er endlich eine Anstellung finden, denn seine Finanzen waren fast aufgebraucht. Also schaltete er den Terminal in der Anwerbungshalle ein und begab sich ans Studium der Angebote. Er sah viele gehetzte und unglückliche Leute die verzweifelt eine Anstellung suchten, so schlimm stand es noch nicht um ihn. Obwohl ihm auch nicht wohl war und er bei sich dachte: "In 6 Monaten, wenn alles schief geht komme ich auch in diese Lage..."
Er schüttelte sich und begann zu lesen. Eigentlich wollte er schon weiter scrollen als er am unteren Rand der Seite einen Einheitsnamen las der ihm gefiel: Chevaliers...
Hm... Er klickte auf den Namen und sofort tat sich ein Fenster auf, in dem stand wer die Einheit war, die Größe und auch die freien Stellen. Anscheinend fehlten dieser Verbundwaffen Einheit 2-3 Mechpiloten. Da die Einheit zur Zeit bei den Kell Hounds unter Vertrag stand und anscheinend einen guten Ruf genoss notierte er sich die Adresse des Anwerbungsbüros, loggte sich aus und verließ die Anwerbungshalle. Die Devise war immer ein interessantes Angebot finden und sofort losziehen und sich vorstellen.
Bei seinen bisherigen 4 Treffen mit anderen Einheitsführern und Anwerbern lief das ganz meist sehr positiv, leider waren die Angebote nicht das was er sich erhofft hatte. Eines der Treffen endete in einer wüsten Schlägerei als einer der Offiziere lachte und meinte Galtor III sei ein Märchen, und die Menschen die dort gewesen waren als Weicheier beschimpfte. Es endete damit das Chappi 3 Tage im hiesigen Gewahrsam saß und sein Gegenüber für 4 Wochen ein Bett im Hospital lag.

Das Problem war nur das die Chevaliers komplett auf Arc Royal standen und er dort hin musste. Also versetzte Chappi seinen Wagen und einige andere Sachen, schloss die Tür zu seiner Wohnung und übergab diese zur Nachvermietung an einen Makler. Er buchte eine Passage nach Arc Royal und startet am nächsten Morgen mit einem Landungsschiff in dem er seinen Mech und einige persönliche Dinge untergebracht hatte. Alles in allem war dies eine teure Fahrt ins Ungewisse, vor allem da die Hafengebühren und der Zoll von Outreach bei so kurzfristigen Aktionen einen hohen Preis nahmen.
Als er endlich auf Arc Royal angekommen war, fand er nach kurzer Diskussion und einigen C-Noten auch einen Unterstellplatz für seine Useless und eine passable Herberge.
Am nächsten Tag, der ihn mit Sonne und blauem Himmel freundlich begrüßte, machte sich Chappi gut gelaunt mit einem Taxi auf den Weg zu der Kaserne dieser Chevaliers. Amüsiert pfiff er vor sich hin und genoss die Fahrt. Es war gegen 14 Uhr als er das Kasernengelände erreichte, aus dem Taxi stieg und zum Wachhäuschen hinüber schlenderte.

Die Wache der Chevaliers bemerkte den Neuankömmling und musterte diesen eingehend und kam zum Entschluss, dass da ein neuer Infanterierekrut , vielleicht Sergeant, sich vorstellen wollte. Denn der Mann der da kam war klein, kompakt, und sah sehr entspannt aus mit einer von der Sonne gebräunten Haut und vom Wetter gezeichnet, und als der Wachhabende so darüber nachdachte klopfte auch schon der Posten an die Tür. „Lassen Sie den Mann zu mir, ich möchte mal hören was er will!“ „Jawohl Sir!“

Chappi marschierte jetzt mit festem Schritt in das Wachhäuschen und baute sich vor dem Mann auf und sagte: “Ich heisse Rudi Teuteburg und habe gehört das Sie noch Mechpiloten suchen. Deshalb möchte ich mich bei Ihrem zuständigen Offizier vorstellen.“
Der Wachhabende musterte ihn und entgegnete: „ Haben Sie sich beworben und einen Termin?“ „Nein, ich dachte ich probiere es einfach mal und Outreach war nach 11 Monaten zu langweilig für mich.“
"Schneid und Wagemut haben Sie ja schon mal", erwiderte der Offizier beeindruckt und griff zum Telefon.
Da in letzter Zeit nicht viel los war und jeder Bewerber erstmal angeschaut werden sollte, sagte der Wachhabende nach einem kurzen Gespräch: „ Sie haben Glück, Mister Teuteburg, mein Chef Major Danton hat Zeit, und die wichtigen Offiziere sind auch da. Eine Wache holt sie ab und dann werden sie zum Büro des Chefs gebracht. Sind sie wirklich Mechpilot?“ Chappi guckte jetzt ganz verdutzt den Wachhabenden an, grinste und entgegnete: „Naja, obwohl die alte Useless es wohl manchmal mir auch nicht abnimmt und mein Äußeres schon einige getäuscht hat, bin ich doch ein Mechjockey und kein Moosrutscher.“
Diese Erwiderung führt beim Wachhabenden erst zu einem Grinsen und dann zu einem schiefen Lächeln. „Mister Teuteburg, ich denke Sie sind verrückt oder dämlich, aber Sie gefallen mir irgendwie. Da ist schon der Wagen zu Ihrem Gespräch. Wenn sie danach noch Lust haben könnten wir uns vor der Kaserne treffen und ich zeige ihnen wie gut es tut Moosrutscher zu spielen.“ Chappi grinste schief und verließ wortlos das Wachhäuschen.

Nach kurzer Fahrt hielt der Jeep vor einem kleinen Bürohaus in welchem das Gespräch statt finden soll. Die Ordonanz brachte ihn zu einer kleinen Bürotür und klopfte, man hörte ein herein und so trat Chappi in das überraschend große Büro.
Ihm gegenüber saßen drei Offiziere der Chevaliers und schauten den Neuankömmling neugierig an. Am Schreibtisch saß Germaine Danton, groß, schwarze Haare, kräftig; rechts daneben stand Decius Metellus, Master Sergeant, mittelgroß schlank, sehr drahtig; und links lehnte an der Wand Captain Juliette Harris, sehr groß und schlank für eine Frau, schwarzhaarig, legt bereits hier und da ein Streßfettpölsterchen an.
Vor Ihnen stand ein durchschnittlich großer Kerl, kleiner Bauchansatz ansonsten sehr drahtig wirkend mit gebräunten Gesicht und Wetter gegerbter Haut und einem Blick aus seinen grauen Augen die sehr offen und intelligent wirkten. Dieser kurze Moment der Ruhe wurde unterbrochen durch das Räuspern des Neuankömmlings.

„Rudi Teuteburg, Rufname Chappi, bittet darum sich bei Ihrer Einheit vorstellen zu dürfen. Ich bin mir bewusst darüber, das ich ohne vorherige Bewerbung nicht viel erwarten kann, würde mich freuen Ihnen aber etwas über mich zu erzählen. Hier in diesem Ordner finden Sie in mehrfacher Ausführung meinen Lebenslauf.“ Er reichte die Unterlagen dem am Schreibtisch sitzenden Germaine Danton und wartete bis dieser seinen beiden Offizierskollegen jeweils einen Blick in den Lebenslauf ermöglicht hatte.
Chappi war irgendwie nervös, wartete aber geduldig ab. Nach 10 Minuten der Stille stand Germaine Danton auf, reichte ihm die Hand und sagte „ Guten Tag, Herr Teuteburg, mein Name ist Germaine Danton. Zu meiner Linken ist Master Sergeant Decius Metellus und zu meiner Rechten steht Captain Juliette Harris. Eine ungewöhnliche Art sich bei einer Einheit zu bewerben und vor zu stellen. Sie haben viel Glück das heute noch keine Termine vergeben sind, und wir Sie aus Neugier mal anhören wollen wieso sich jemand ohne einen Termin zu haben auf den Weg von Outreach nach Arc Royal macht. Entweder Sie sind so von sich überzeugt das nichts schief gehen kann oder sind einfach nur ein Träumer. Beides können wir bei uns nicht gebrauchen.“
Nach dieser Begrüßung wurde Chappi ruhiger, aber in seinem Inneren war er gespannt wie die Sehne eines Bogen. Er hatte tatsächlich viel riskiert, war das ein Fehler? Dieser Mister Danton hatte recht, es war ein Himmelfahrtskommando einfach so loszuziehen und sich vorzustellen.
Chappi überlegte kurz und erwiderte dann: „Mister Danton, es ist ungewöhnlich einfach so aufzutauchen, aber noch länger untätig auf Outreach zu sitzen wäre nichts für mich gewesen. Ich bin weder ein selbstherrlicher Kerl noch ein Träumer.“ Chappi sah die anderen beiden Personen im Raum an, es schien so das die Rechte Frau Mechpilotin war und der Linke ein Infanterist. Nach dieser ungewöhnlichen Einleitung kam es zu einem Gespräch über seine Freizeitaktivitäten und das Interesse des Infanteristen richtet sich auf das Boxen und die Thailändischen Kampfsportarten. Chappi gab bereitwillig Auskunft, das er seit 26 Jahren boxte und sich seit 20 Jahren mit Thailändischem Bo-Karate auseinander setzte. Dann kam es zum Gespräch über seinen Mech und was er sucht. Hier wurde es wieder etwas militärischer.
„Ja, Ma´am. Ich bin stolzer Erstbesitzer eines Enforcer III mit ein wenig Clantech. Das heißt er ist modifiziert mit einem Clangauß und einem Clan MedPulser, und falls ich mal was verlieren sollte, habe ich noch meinen mittleren ER Laser. Mein Useless und ich sind ein gutes Team, durch die Sprungfähigkeit und die Panzerung kann ich gut und lange im Gefecht stehen. Genauso kann ich an beweglichen Operationen oder Aufklärungen teilnehmen. Meine Sporen habe ich mir bei Davion im NAIS verdient bei 2 Einsätzen gegen die Nebelparder, und davor bei einigen Einsätzen an der Kuritagrenze. An der Kuritagrenze habe ich meinen ersten Mech verloren, einen alten Victor aus Familienbesitz. Der Enforcer wurde mir dann als Belohnung zugeteilt und nach einigen Jahren hatte ich das Kaufrecht erworben und genutzt. Davor bin ich durch die Hölle des Krieges von Galtor III gegangen, meiner Heimat. Eine schlimme Zeit, dieses Gefecht der Dracs gegen die Davies, und nur durch Glück bin ich da raus gekommen. Leider wurde der Rest meiner Familie getötet. Ich denke, mehr möchte ich über meinen Privatbereich nicht sagen.“

Die drei Offiziere schauten sich an und verabschiedeten dann Chappi, und sagten ihm zu sich in den nächsten 2 Wochen zu melden.
Chappi verließ das Büro und wurde wieder zum Wachhäuschen gebracht. Dort stand schon ganz selbstsicher der Wachhabende, doch bevor der irgendwas sagen konnte ging Chappi einfach an ihm vorbei, so sah es jedenfalls aus. Der Wachabende wollte den Neuling aufhalten und wie versprochen ihm das Moosrutschen beibringen, doch bevor man sich versah sackte der Wachhabende zusammen und Chappi schlenderte zum wartenden Taxi und fuhr davon. Keine der Wachenposten hatte reagierte, alle schauten verdutzt auf den am Boden liegenden Wachhabenden. Der stand auf und hielt sich die Leber, da wo er unglücklich drauf gelandet war. Denn Chappi hatte ihn mit einer kleinen feinen thailändischen Grifftechnik kurzerhand umgestossen. Leider hatte er nicht bedacht das der überraschte Wachhabende nicht richtig fallen konnte.

Der Vorfall blieb nicht geheim und schnell drang er auch an Germaine Dantons Ohren. Es gab eine kurze Diskussion mit dem Wachhabenden über den Vorfall und nachdem klar war wie es dazu kam wurden eine Zeitlang nur Witze über den damaligen Wachhabenden gemacht. Es endete damit das dieser in seinem Zimmer täglich eine rohe Leber fand. Aber nach einer Woche war der Spuk auch vorbei und alles wieder normal. Germaine war sich noch nicht sicher ob er diesen Mechkrieger nehmen sollte, obwohl seine Unterlagen gut waren und es den Anschein hatte das dieser Mechkrieger gut zu den Chevalliers passen würde. Am besten gefiel ihm das Mister Teuteburg seinen eigenen Mech mitbrachte.

Der Vorfall zwischen Chappi und dem Wachhabenden hatte noch ein kurzes Nachspiel. Denn nach einer Woche an einem schönen warmen Abend traf man sich zufällig in einer Kneipe und Chappi schmiss soviele Runden für den Wachhabenden, das dessen Leber ganz andere Probleme hatte. Jedenfalls gingen dann beide volltrunkend schaukelnd aus der Kneipe und schworen Waffenkameradschaft, egal wo sie sich auf dem Schlachtfeld wieder treffen sollten.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Marodeur74: 03.09.2009 07:02.

03.09.2009 06:57 Marodeur74 ist offline E-Mail an Marodeur74 senden Beiträge von Marodeur74 suchen Nehmen Sie Marodeur74 in Ihre Freundesliste auf
Thorsten Kerensky
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Vorsichtig, beinahe behutsam fuhr die blonde Frau mit ihrer rechten Hand über die Panzerplatten am Fuße des gewaltigen Stahlgiganten, der stumm über ihr aufragte. „So zerbrechlich, so fragil und doch so tödlich“, murmelte sie und es war nicht ganz klar, ob sie die Kriegsmaschine oder ihren erst kürzlich verheilten Arm meinte.
Mit halb geschlossenen Augen ließ sie ihre Finger über den kalten Stahl gleiten, fast als könne sie mit dem BattleMech durch ihre Fingerspitzen kommunizieren. Aber die fünfundsiebzig Tonnen mechanisierte Vernichtung gaben ihr keine Antwort. „Bist du sauer, weil ich nicht auf dich aufgepasst habe?“, fragte sie leise und blickte am frisch wiederhergestellten Torso des Clan-Omnis empor.
Sie hatten beide viel mitgemacht und waren schwer gebeutelt worden, die junge Frau und der stählerner Riese. Freunde hatten sie verloren und Illusionen und am Ende waren sie abgeschossen worden. Sie hatten sich nicht unter Wert verkauft, aber doch hatten sie es nicht geschafft, den letzten Kampf zu überstehen.
Der Mechkriegerin sah man die Strapazen nicht mehr an. Ihre langen blonden Haare, zu einem Zopf geflochten und an den Schläfen ausrasiert, fielen über ihre rechte Schulter nach vorne auf die eng geschnittene Felduniform. Sie war durchtrainiert und durchaus nicht unansehnlich, auch wenn sie viel von der Niedlichkeit verloren hatte, die zu Beginn ihrer Zeit hier vielen Kameraden den Kopf verdreht hatte. Aus dem Mädchen, das damals den Weg in die Ränge der Chevaliers gefunden hatte, war eine junge Frau geworden.
Eine Offizierin, wie die Rangabzeichen eines Lieutenant auf ihren Schultern bewiesen. Noch hatte sie zwar die Prüfungen für ihr Offizierspatent nicht abgelegt, aber in einer Söldnereinheit waren diese Formalitäten sowieso freiwillig. Und bislang hatte ihr Kommando und danach ihre Verletzung sie von der Theorie abgehalten.
Der Waldwolf hingegen trug noch Spuren der Gefechte. Die Panzerung war stellenweise noch nicht ersetzt, an manchen Stellen hingen Kabel, Drähte und Myomerfasern aus dem offenen Torso. Dieser Gigant war noch nicht wieder in der Lage zu kämpfen. Aber lange würde es nicht mehr dauern.
„Gewährst du mir noch eine Chance? Darf ich dir meinen Wert beweise?“, wandte sie sich erneut an die Maschine.
Jara Fokker erschrak, als eine Stimme ihr antwortete.
„Wenn du mit deinem Mech sprichst, sollte ich vielleicht doch noch bleiben, Schwesterherz.“
Sie öffnete die Augen und lächelte: „Nein, Thomas. Es ist schon okay. Ich…“ Sie suchte die passenden Worte und fand sie nicht. „Ich hab mir angewöhnt, mit meinem Mech zu reden. Komisch, oder?“
„Das ist völlig normal“, lachte ihr Bruder. „Ich kenne kaum Soldaten, die nicht irgendwann anfangen, mit ihrem Gerät zu reden.“
Übergangslos wurden beide ernst. „Ihr geht jetzt, oder?“, fragte die Frau.
„Unser Shuttle wartet. Sheila ist draußen und verabschiedet sich von ihrer Lanze. Es wird Zeit.“
Sie nickte und stand für einen Moment etwas verloren da. Dann fiel sie ihrem Bruder um den Hals und drückte ihn. Sie weinte nicht, auch wenn sie etwas traurig war. Aber Thomas und Sheila hatten beschlossen, ihre Mechs zu verkaufen und sich ein Leben abseits von Krieg, Tod und Verlust aufzubauen. Vielleicht war es besser so. Und wenigstens einer aus der Familie hatte die Chance, an Altersschwäche zu sterben. Nicht wie ihre Eltern, nicht wie ihre große Schwester, die alle den Tod auf dem Schlachtfeld gefunden hatten.
Für einen langen Moment, aus dem Minuten wurden, standen die beiden Geschwister nur in dem menschenleeren Hangar und hielten sich fest, dann löste Jara sich langsam. „Wir werden uns wiedersehen. Ich schreibe dir auf jeden Fall regelmäßig.“
„Das ist ja wohl das Mindeste“, grinste Thomas. „Du kommst nicht mit raus?“
„Ich habe mich von Sheila schon verabschiedet. Und ich möchte nicht dastehen und winken und dann doch noch heulen müssen.“
Thomas nickte. „Wenn wir uns wiedersehen, bist du bestimmt schon Captain oder Major, so wie du dich hier hocharbeitest. Ich freue mich dann auf deine Geschichten.“
„Und ich mich auf deine Abenteuer als Zivilist.“ Beide grinsten und wussten nicht recht, was sie sagen sollten.
Es war Jara, die schließlich nickte und ihrem Bruder einen Kuss auf die Wange drückte: „Hau schon ab! Dein Shuttle wartet!“
„Bis dann, Schwesterherz!“
„Bis dann, Thomas!“
Mehr sagten sie nicht und mehr war auch nicht mehr zu sagen. Als der Bruder sich umdrehte und den Hangar in Richtung ungewisse Zukunft verließ, sank Jara gegen den Fuß ihrer Maschine und atmete tief durch. „Bis dann…“, murmelte sie.

Sie kam voran. In kleinen Schritten, zugegeben, aber sie kam voran. Sie unterbrach ihre Arbeit für einen Moment, tauschte Unterlagen gegen mittlerweile kalten Kaffee und ließ den Computer die Musikschleife von vorne beginnen.
Es war doch immer wieder erstaunlich, fand Jara, wie viel Arbeit eine Lanze unter Sollstärke selbst dann machte, wenn sie einfach nur im Hangar stand.
Natürlich gab es die Routine. Simulatortraining, Sport, Wachdienste, taktischer Unterricht und so weiter. Dazu kamen Reparatur-Formalitäten und die Tatsache, dass Friedensdienst auch immer hieß, dass jede kleine Aktion dokumentiert werden sollte. Damit ging man im Einsatz deutlich entspannter um. Jara ahnte langsam, warum so viele Offiziere an die Front wollten.
Neben ihren Pflichten als Soldatin und Offizier arbeitete sie nebenbei an ihrer Arbeit für das Offizierspatent. Sie konnte selbst nicht wirklich erklären, warum sie sich dort so rein steigerte. Vielleicht erhoffte sie sich damit, den Tumult in ihrem Privatleben verdrängen zu können.
Die bevorstehende, und nun vollzogene, Trennung von Thomas und Sheila, Dawns Rückkehr und die Aufarbeitung vom Tod eines Lanzenkameraden nagten auf die ein oder andere Art und Weise an ihr. Und dann war da noch Frederic. Der Exilwolf hatte sich zweimal bei ihr gemeldet und zweimal hatte sie nicht reagiert und ihn mit einer fadenscheinigen Begründung abgewiesen. Tatsache war, dass sie einfach nicht wusste, was sie wollte oder nicht wollte.
Noch vor einem Jahr hätte sie sich daraus wohl eine echte Sinnkrise konstruiert. Nun stürzte sie sich zwar in ihre Arbeit, aber sie drohte wenigstens nicht, wieder zu einer tickenden Zeitbombe für die Einheit zu werden.
Danton hatte sie erst vor Kurzem gebeten, aus ihrer Isolation auszubrechen und wieder die inoffizielle Seelsorge-Position einzunehmen, die sie früher mal hatte. Halb im Scherz, halb ernst gemeint hatte er das. „Mal sehen“, hatte sie gesagt. Es war doch so, dass sie mittlerweile fast zu den alten Hasen der Truppe zählte und die meisten Leute von damals tot oder ausgeschieden waren und irgendwie hatte sie es auch verpasst, zu den Neuen Kontakt aufzubauen.
Das realisierend hatte sie sich direkt als Junioroffizierin vorgeschlagen, hatte Germaine damit angeboten, als Vertrauensperson und Ansprechpartnerin für das „Frischfleisch“ zur Verfügung zu stehen. Mal schauen, was daraus noch werden würde. Und ob das viel zusätzliche Arbeit darstellen würde.
Jara merkte, dass ihre Gedanken abgeschweift waren und riss sich zurück in die Realität. Sie griff nach ihren Unterlagen, kam aber nicht weit, denn ihre Bürotür wurde aufgerissen.
Irritiert sah sie auf und blickte in Dawns Gesicht. Die rothaarige Freundin war aufgebracht. Sehr aufgebracht.
„Der Alte steckt mich in die Etappe!“, brach es aus ihr heraus. „Ich darf keinen Frontdienst verrichten!“
Jara seufzte innerlich, deutete auf den zweiten Stuhl im Raum und schickte sich an, eine zweite Kanne Kaffee aufzustellen. „Wegen dem Kind?“, fragte sie, während sie zu werkeln begann.
„Ja, wegen dem Kind. Ich soll die Neuen im Training überwachen“, erzählte sie.
Jara grinste ihr über die Schulter zu: „Dann sollte ich mir wohl kein Kind anlachen.“
„Das findest du witzig?“ Dawn versuchte zu schmollen, ließ sich dann vom Grinsen der Freundin doch anstecken.
„Ich finde es witzig, dass wir dann eventuell doch zusammenarbeiten. Ich habe Germaine angeboten, Junioroffizierin zu spielen.“
„Wow. Noch mehr Arbeit?“ Dawn griff nach der angebotenen Tasse und setzte sich. „Erzähl mal!“
Jara schob die Unterlagen beiseite und setzte sich ebenfalls. Das konnte ein langer Abend werden. Mal wieder…

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Ama-e-ur-e
is-o-uv-Tycom‘Tyco
is-o-tures-Tesi is-o-tures-Oro
is-u-tures-Vo-e-e

03.09.2009 23:36 Thorsten Kerensky ist offline E-Mail an Thorsten Kerensky senden Homepage von Thorsten Kerensky Beiträge von Thorsten Kerensky suchen Nehmen Sie Thorsten Kerensky in Ihre Freundesliste auf
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Die Besprechung begann für Germaine mit einem widerlichen Jucken unter seinem Verband. Egal wie alt er wurde, egal wie oft er verletzt wurde, das Schlimmste an Verwundungen war immer noch der Moment, wenn es heilte. Diese wimmelnden Ameisen, das jucken, das ziepen, es konnte einen Mann in den Wahnsinn treiben. Äquivalent konnte man die Einheit sehen. Auch sie heilte gerade, und die Heilschmerzen machten die ganze Einheit nervös.
Germaine kratzte sich ausgiebig am Ansatz des Verbandes und sah in die Runde. "Beginnen wir, Herrschaften."
Manfred Scharnhorst nickte und erhob sich. "Ich melde die Höllenhunde, den Begleitfuhrpark der Pioniere sowie unsere Sprungtruppen für einsatzbereit. Alles in allem sind wir dreihundert Leute. Die CRYING FREEDOM ist zu einhundert Prozent bereit, und der Flug nach Rasalhaag organisiert.
Wir haben uns auf drei Lanzen, also eine reguläre Kompanie, gesund gestoßen.
Die Scoutlanze wurde aufgelöst, der überlebende Pegasus in die Schweberlanze übernommen, die nun unsere neue Scoutlanze ist. Für Lieutenant Khe San und seine Crew ist es uns gelungen, einen Bandit A zu erwerben. Er übernimmt die Lanze auch. Der Drilllson kam in die Kampflanze, und für die Artillerielanze haben wir tatsächlich einen Partisam besorgen können. Corporal Myers und Private Röhl sitzen zur Zeit darauf, aber wir werden mindestens noch drei erfahrene Panzerfahrer nachwerben müssen. Am liebsten solche, die sich mit großen Panzern auskennen. Dennoch, meine Aufstellung steht. Allerdings bin ich immer noch der Meinung, du hättest uns eine Lanze Mechs mitgeben sollen."
Germaine lächelte dünn. "Und was will eine Panzereinheit mit zehn Meter hohen Zielscheiben machen?"
Gelächter erklang am Tisch. "Wie besprochen behalte ich Sergeant Gordon für besondere Aufgaben hier. Angström übernimmt die neue Artillerielanze.
Captain Lane, Sie übernehmen das Kommando über die Sprungtruppen und die Pioniere. Ich behalte van der Roose als Chef der Infanterie und Sergeant Decaroux im Zuge seiner Gegenspionage hier."
Der breitschultrige Mann nickte.
"Wie sieht es mit den Luft/Raumjägern aus, Manfred?"
"Du willst ja ums verrecken Kiki und Icecream behalten", erwiderte der Captain mit Spott in der Stimme, "deshalb habe ich mich für den Jagatai und Lieutenant To-wa Zhai entschieden. Wie du versprochen hast, haben die Kell Hounds uns bereits Jägerunterstützung zugesichert. Sie stellen den Staffelchef und zwei weitere Piloten. Zwei Killer und eine Visigoth auf dem Höhepunkt der Technik. Das ist besonders erfreulich, weil wir so die Ersatzteillage für den Jagatai entspannen können, weil wir zwei Clan-Maschinen im Kader haben."
Germaine nickte zufrieden. "Captain Harris?"
"Ich habe eine Abteilung von achtzehn Stabsdienstlern abgeteilt. Sie werden von Cindy angeführt werden und dafür sorgen, dass die Höllenhunde kriegen was sie brauchen. Stabsarzt Malossi, sein Team und weitere vierzehn MedTechs sowie dreißig in Panzerwartung erfahrene Techs unter SeniorTech Gregory werden die Höllenhunde begleiten." Verlegen sah sie Germaine an. "Manfred hat darum gebeten, auch den einen oder anderen Offizier der ersten Reihe zu erhalten."
"Damit er nicht so alleine ist?", scherzte Decius Metellus. Die Anwesenden lachten.
"Kommen wir zu den Mechs. Auch dort mussten wir heftig bluten, und das nicht nur weil wir Verluste hatten. Einige unserer Tauschmaschinen sind auch für den Panzerkauf der Höllenhunde drauf gegangen."
Gespielt desinteressiert sah Scharnhorst zur Decke und pfiff vergnügt.
"Letztendlich haben wir uns gegen die Austauschmaschinen entschieden, vor allem deshalb, weil unsere Piloten und Techs mit ihren bisherigen Typen sehr vertraut sind. Es kam zu einigen schmerzhaften Umstellungen, und der unerwartete Geldsegen durch den Verkauf von acht Mechs hat dazu geführt, dass alle zur Zeit aktiven Chevaliers-Mechs nicht nur auf dem neuesten Stand sind, sondern auch über Ersatzteile im Überfluss verfügen. Im Nachhinein hat das aber leider dazu geführt, dass unser ergiebiges Geldpolster erneut abgeschmolzen ist. Wir können uns also nicht zurücklehnen und kein Geld mehr verdienen. Ein Mech im Einsatz ebenso wie ein Soldat ist ein laufender Kostenpunkt."
Zustimmendes Gemurmel erklang.
"Die schmerzhaften Umstellungen. Es gab einigie Umbrüche durch den Weggang von Rebecca. Deshalb haben wir die Kampflanze aufgelöst. Sergeant Bauer fällt auf unbestimmte Zeit aus, unser Verbindungsoffizier ist zu Clan Wolf im Exil zurück gekehrt und Sergeant Brenstein wurde samt seines Nightstars in die neue Kampflanze unter Lieutenant Fokker abkommandiert, um den Flügel mit Corporal Kotare anzuführen.
Im Gegenzug habe ich die Corporals Wiachinsky und Mulgrew in die Kommandolanze geholt. Kuma wird mein Flügelmann, Sniper der von Decius Metellus. Kuma bekommt den Warhammer von Rebecca Geisterbär. Mulgrew erbt den Tempest, den Sergeant Fokker geführt hat.
Sergeant Tsuno hat am meisten zu knapsen. Ihre Scoutlanze wurde quasi neu aus dem Boden gestampft. Für sie eingeplant haben wir zwei neue Rekruten, die als Flügelmänner in der Scoutlanze anfangen. Beide verfügen über einen eigenen Mech.
Private First Class Anton Bramert wird Sergeant Tsunos Flügelmann. Er bringt einen Spector mit.
Flügelmann von Corporal Yamada wird Private First Class Rudi Teuteburg. Er besitzt einen Enforcer III. Damit haben sich die Chevaliers bis auf weiteres auf eine Standardkompanie gesund geschrumpft."
Metellus hob die Hand. "Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Wir verfügen über drei Ersatzmaschinen. Eingelagert wurden ein Clint, ein Feuerfalke, und als schwerste Maschine ein Kreuzritter. Alle drei Maschinen waren relativ günstig zu bekommen, sind leicht zu warten und den meisten Piloten bekannt. Sie wurden ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht. Es sind nicht die besten Maschinen der Inneren Sphäre, aber sie werden eventuelle Lücken schließen, wenn es sein muss."
Germaine sah in die Runde. Dann holte er tief Luft und sprach die beiden Worte, die Kommandeure am meisten von allen hassten: "Noch Fragen?"

Eine geschlagene Stunde später verließ Germaine Danton den Besprechungsraum. Sein Verband juckte immer noch, und er konnte nichts dagegen tun. Andererseits waren viele Fragen geklärt worden, und dank des Unterkontrakts in Rasalhaag konnten sie ihre Finanzen dauerhaft konsolidieren.
"Juliette?"
Captain Harris wandte sich ihm zu. "Ja?"
"Sorge bitte dafür, dass Bramert und Teuteburg samt ihren Mechs transferiert werden. Sie sollen so schnell wie möglich bei Sergeant Tsuno vorstellig werden und mit dem Einheitstraining beginnen."
Captain Harris nickte bestätigend. "Wird erledigt, Chef."
"Ach, und gib bitte eine Notiz an das Kell Hounds-Kommando heraus, das ich ab sofort den Rang eines Oberstleutnants annehme."
Harris beäugte ihn interessiert. "Willst du dir selbst mehr Sold zahlen, Germaine?"
Danton winkte ab. "Nein, das ist es nicht. Aber wenn ich mich nicht selbst befördere, kann ich Manfred wohl kaum zum Major befördern, oder?"
Eine Zeitlang starrte Juliette Harris Germaine sprachlos an. Irgendwann legte sie den Kopf schräg und murmelte: "Eigentlich keine schlechte Idee." Sie nickte erneut und machte sich auf dem Weg an ihren Schreibtisch.
Danton lächelte matt. Der alte Panzerfahrer nahm zwei Leute im Range eines Captains mit. Es war von essentieller Wichtigkeit, dass Manfred auf einen höheren Rang befördert wurde. Außerdem hatte er es sich verdient.

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Zoetermeer
Vor nicht allzulanger Zeit

„Kann ihn nicht halten..!“
„Dieser Thor haut ordentlich rein…!“
„Swoboda zieh den Kopf ein!“
„Sparrow ist am Boden, wiederhole, Sparrow am Boden!“
Das ganze war wie ein Albtraum, als Sandy ihren Stingray in eine enge Kehre zog, dicht am Heck des Korsar ihres Flügelmannes.
Die Chevaliers waren prinzipiell ein gut organisierter Trupp, aber die Schlacht artete so langsam aus. Die Kampflinien vermengten sich immer mehr, es ging immer mehr in ein wüstes Geschlachte über. Lange schon waren die konzentrierten Feuerfelder vorbei und in Einzelgefechte übergegangen.
Sie konnte nur wenig Details ausmachen, aber das, was sie sah gefiel ihr nicht.
Brennstein zog sich gerade aus einem Duell zurück, in dem er einen gegnerischen Loki schwer zugesetzt hatte. Seine Laser und die beiden Gaussgeschütze schienen unablässig einen Strom tödlicher Energie und silbriger Blitze zu schleudern.
Bauer in seinem Archer hatte dieses Glück nicht mehr. Irgendwoher hatte er sich einen Baum geschnappt und drosch damit um sich, wie ein Wilder.
Im Vorbeiflug konnte sie Jara Fokker in ihrem Mad Cat sehen, wie sich langsam wieder hoch mühte, nachdem ein Haufen Kröten sie zu Fall gebracht hatten. Ihr Mech sah auch nicht mehr gut aus, die Panzerung reichte bestenfalls noch für einen leichten Mech aus.
Und das war noch das Beste, was sie mit ihren Augen und dem Gefechtscomputer erkennen konnte. Mit einem leichten Schrecken nahm sie die drei Binärnovas wahr, die auf die Frontale Position der Chevaliers zu hielten. Das würde den Truppen dort den Rest geben.
„Okay Angels es reicht! Wir greifen ein!“
Erleichtert atmete Sandy aus, während Kiki weiter redete.
„Wir gehen schnell in gerader Linie rein. Die Hauptfront bietet sich gerade dazu aus. Es sind wenig unserer Jungs und Mädels in direkte Nahkämpfe verstrickt. Bauer ist gerade mit seinem Archer runter gegangen. Hotshot, Hellboy, ihr macht den Anfang, klopft sie ein wenig weich. Anschließend folgen Icecream und ich und den Abschluss bilden Snap und Dagger.
Gebt ihnen alles war ihr habt!“
Sandy bestätigte knapp und beschleunigte dann, Danté in seinem Korsar dicht an ihrem Flügel. Die beiden Jäger rasten mit voller Geschwindigkeit auf das Zentrum der Schlacht zu.
Der Boden sauste auf ihren Flügelmann und sie zu und erst im letzten Monat zog sie den Steuerknüppel nach oben und hielt geradewegs auf einen gegnerischen Masakari zu. Sie wartete nicht auf die Feuerfreigabe oder die Bestätigung ihres Zielcomputer. Ihr Daumen presste sich auf den Auslöser und ließ ihre Waffen Tod und Verderben speien.
Die PPK ließ ihren azurblauen Blitz davon jagen, gefolgt von den heißen Lichtlanzen ihrer Laser.
Danté tat es ihr gleich und die beiden Jäger ließen Panzerung in Maßen von den Mechs strömen. Noch bevor die anderen vier Jäger sich einschalteten, begann der 85 Tonnen schwere Koloss zu wanken und fiel.
Doch dann kamen die restlichen Angels und vervollständigten das Orchester des Todes.
So schnell wie sie gekommen waren, jagten die sechs Jäger wieder davon. Hinter sich eine Spur der Verwüstung, deren Ausmaßes aufgrund des dichten Rauches nur schwer zu erkennen waren.
„Enge Wende und dann noch mal. Diesmal Icecream und ich vorne, wir fangen den Großteil ab. Hellboy und Hotshot bilden die Schlussrotte!“
Wieder jagte die Jägerstaffel heran und brachte weiteres Verderben, allerdings hatten die ersten Krieger sich gefangen und vereinzelte Schüssen blitzten auf.
Doch die Schäden blieben moderat.
„Icecream, Snap und Dagger ihr bleibt bei der Hauptstreitmacht und heizten ihnen ein. Hotshot, Hellboy, wir gehen Knave helfen!“


*******

„Snap verdammt, antworte!“
Sarah Slibowitz schwitzte in ihrem Cockpit, und als sie den rauchenden Killer an sich vorbei rasen sah, nicht nur aufgrund der Hitze.
Ihre Stuka lief allmählich heiß und die beiden Avar die urplötzlich aufgetaucht waren, erwiesen sich als äußerst zähe Gegner.
„Dagger ich bekomme keine Verbindung zu Snap, es scheint ihn erwischt zu haben!“
„Verstanden, mir schien so, als hätte ein Schuss sein Cockpit erwischt, vielleicht ist er bewusstlos!“
Das wäre nicht gut, schoss es Sarah durch den Kopf und während sie weiter auf den herumtänzelnden Avar vor sich schoss, ging sie ihre Möglichkeiten durch.
Es gab keine.
Nahezu wie in Trance musste sie mit ansehen, wie der Killer auf den Boden zuflog, während sie den leichten, feindlichen Jäger vor sich mit allem beschoss, was ihr noch blieb. Diese Mistfliege war wirklich gut. Es gelangen ihr kaum Treffer und wenn waren sie scheinbar nicht schwer.
Dann tauchte der Avar ab, direkt hinter den Killer und begann weiter auf ihn zu feuern.
Die dichte Rauchwolke, die von dem schweren Jäger ausging machte es Sarah kaum leichter den herumhüpften Avar zu treffen.
Sie löste ihre schweren Laser aus, verfehlte abermals, gefährlich dicht jagten die roten Lichtlanzen am Killer vorbei.
Noch immer keine Reaktion von Snap. Fluchend drehte Sarah den Nachbrenner auf und jagte auf den Avar zu.
Als sie den Jäger fast mit der bloßen Hand hätte berühren können löste sie die Laser wiederholt aus. Ein Volltreffer. Trudelnd brach der Avar nach steuerbord weg, nur um kurz darauf eine volle Salve von Sarahs Flügelmann zu kassieren.
„Damit wären zwei down!“
„Sehr gut. Icecream an Snap! Antworte verdammt noch mal!“
Keine Reaktion.
Das laute Wummern einer nahen Autokanonensalve und die Einschläge in ihren Jäger ließen Sarah die Stuka fluchend nach oben ziehen, weg aus dem Flakfeuer der Mechs.
Traurig musste sie mit ansehen, wie der Killer direkt in die Hauptstreitmacht der Wölfe prallte und in einem riesigen Feuerball verging. Vielleicht war es der Wunsch, als Vater des Gedanken, doch sie hatte den Eindruck gehabt, dass der Killer kurz vor dem Einschlag noch leicht nach Backbord geruckt war, eine kleine Kurskorrektur, aber ein kleines Zeichen von Leben. Eines, das nun endgültig erloschen war, eines von vielen.

***
Old Connaugh, Arc Royal
Arc Royal Defensiv Kordon
Sommer 3066

„Hey Hotshot! Was ist los? So in Gedanken?”
Sandy drehte den Kopf leicht, während sie auf die Cockpitkonsole ihres Stingray blickte und sah Jean Danté kurz an.
„Ein wenig, ja!“
Danté nickte nur, ging aber nicht weiter darauf ein, als er sich auf die Sprosse zum Cockpit stellte und seinen Blick ins Cockpit schweifen ließ.
„Hm sieht nicht so aus, als hättest du viel zu tun. Schon gehört? Es geht abld wieder los.“
„Ja, aber noch nichts konkretes. Ich frage mich nur…“
Danté guckte sie fragend an und legte den Kopf leicht schief?
„Was? Wer diesmal stirbt?“
„Ja.“
Er strich ihr in einer sanften Berührung eine Strähne aus dem Haar und grinste dann schief.
„Ich denke, das solltest du dich nicht fragen. Krieg ist hässlich, aber sterben würden wir auch ohne ihn, irgendwann!“
„Na super, diese abgedroschene Phrase kannst du dir auch schenken!“
Er zuckte nur mit den Schultern, während er sich wieder zurücklehnte.
„Aber es ist so. Du kannst trauern und dich tag für Tag fragen, wer als nächstes geht oder du machst weiter und hältst die, die von uns gingen in Ehren. Zumindest ist dies meine Meinung und ich denke keiner hätte gewollt, dass du so da sitzt und vor dich hinstarrst. Vor allem seit Monaten. Irgendwann musst du aufhören!“
Sandy starrte wieder auf ihre Konsole und tippte leicht gegen den Höhenmesser.
„Ich weiß.“
„Gut. Schon was gegessen? Lass uns gehen, gucken, ob wir was feines stibitzen können. Ich glaube Leon hat heute ein kleines Festmahl angesetzt, kriegen wohl hohen Besuch, da fällt es doch nicht auf, wenn wir kleinen Flieger mal eben was für uns abklauben.“
Er grinste wieder, während er salopp rückwärts von der Leitersprosse sprang.
Sandy konnte nicht anders als mit zu grinsen, wenn auch nicht halb so ehrlich wie er und hievte sich aus dem Cockpit.
***

__________________
Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein!

"Ich treffe alles, was ich sehe!"
Starcolonel Kurt Sehhilfe, Clan SeeBug

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08.09.2009 15:31 Andai Pryde ist offline E-Mail an Andai Pryde senden Homepage von Andai Pryde Beiträge von Andai Pryde suchen Nehmen Sie Andai Pryde in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie Andai Pryde in Ihre Kontaktliste ein
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Anton Bramert betrachtete zufrieden seinen frisch reparierten Spector und strich abwesend über das neue Einheitsabzeichen, das auf der linken Brustseite seines Mechkriegeroveralls gestickt worden war. Die Chevaliers hatten ihn tatsächlich angenommen und in die neugebildete Scoutlanze gesteckt. Dann hatten sich die Techs der Einheit seinen Mech vorgenommen und so runderneuert, dass er fast schon wieder fabrikneu aussah. Bramert lächelte, als er an das ungewöhnliche Bewerbungsgespräch zurückdachte, das er mit Germaine Danton, dem Kommandeur der Chevaliers persönlich, geführt hatte.

"Guten Tag, junger Mann", Major Danton erhob sich kurz und reichte dem jüngeren Mechkrieger die Hand. "Mir wurde mitgeteilt, dass Sie sich um einen Platz in unseren Reihen bemühen."
"Das ist korrekt, Sir", antwortete Bramert. "Hier ist meine Akte."
Er reichte Danton die dünne Mappe, der sie aufschlug, kurz überflog und an dem Namen seines letzten Standorts hängen blieb. "Kikuyu. Sie waren auf Kikuyu stationiert?"
"Das ist korrekt, Major. Ich hatte dort einen Platz bei Storms Metal Thunder."
"Also haben Sie die dortigen Schlachten mitgemacht - gegen die 8th Light Deneb und die Jadefalken."
"Auch das ist korrekt, Sir."
"Wie haben Sie überlebt?", wollte der ältere Mechkrieger wissen und Bramert zuckte mit den Schultern. "Irgendwie. Als SMT aufhörte, als Einheit zu existieren und zwei unserer Landungsschiffe die Flucht gelang, verloren die Jadefalken irgendwann das Interesse an uns restlichen Überlebenden. Ich hab mich durch die Wälder geschlagen, einen privaten Händler gefunden, der mich mitnahm und wir konnten den Falken irgendwie entkommen. Und dann bin ich hierher zurückgekehrt. Nach Hause."
"Halten Sie sich für einen guten Mechkrieger, Mr. Bramert?"
Bramert runzelte die Stirn. Er wusste nicht, was er von dieser Frage halten sollte. "Das kann ich nciht beurteilen, Major. Ich war Testpilot bei NorseStorm, dann war ich Scout bei SMT und in meinem ersten echten Kampfeinsatz ist meine Einheit fast völlig zusammengeschossen worden. Ich fürchte, meine Fähigkeiten müssen andere Leute beurteilen."
Danton strich sich über das Kinn, dann klappte er die Akte zu. "Nun, dann werden wir sehen, was passiert. Erst einmal sage ich Ihnen: Willkommen bei den Chevaliers, Mr. Bramert. Sie werden zunächst als Private First Class bei uns aufgenommen. Mit etwas Glück und guten Führungsqualitäten können Sie vielleicht sogar befördert werden."
Bramert blinzelte. Er hatte nicht mit einem so schnellen Ergebnis gerechnet, aber dann stahl sich ein freudiges Grinsen über sein Gesicht. "Danke, Sir!"
"Keine Ursache, Mr. Bramert. Sie bekommen eine entsprechende Nachricht, wann Sie sich bei uns einzufinden haben."
Die beiden Männer schüttelten sich noch einmal die Hand und Bramert verließ das Büro als frischgebackener Chevalier.

Die entsprechende Nachricht kam und Bramert fand sich mit seinem Mech im Hauptquartier der Chevaliers ein, wo sein Mech dann repariert wurde und man ihn der Scoutlanze zuteilte. Und jetzt, wo sein Mech repariert und für wieder einsatzfähig erklärt worden war, wartete er darauf, dass jemand kam und ihm sagte, was er zu tun hätte.

__________________
A rose by any other name is still a rose

Ein Narr ist eine gefährliche Waffe im Haus der Vernunft

Tu as dèjá le baton fleurdelisé dans ta giberne
10.09.2009 13:07 CeGrudke ist offline E-Mail an CeGrudke senden Beiträge von CeGrudke suchen Nehmen Sie CeGrudke in Ihre Freundesliste auf
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Es schien ein schöner Tag auf Arc Royal zu werden, als Chappi nach dem Frühstück zurück in sein Hotelzimmer ging. Zuerst bemerkte er das Blinken auf seiner Konsole am Scheibtisch nicht. Doch dann sah er, das es Post von den Chevaliers gab.
Mit einem komischen Gefühl von Hoffnung öffnete er den Posteingang und sprang dann jubelnd auf. Es war sein Marschbefehl und zugleich die Annahme seiner Bewerbung. Laut dem Schreiben war er nun Private First Class und sollte sich schnellst möglich samt Mech bei
den Chevaliers zum Dienst melden. Alle notwendigen Formulare waren im Anhang, die es ihm erlaubten mit seinem Enforcer vom Raumhafenhangar zur Kaserne der Chevaliers zu verlegen.
Nach einer gründlichen Dusche und dem packen seiner Sachen bestellte Chappi sich ein Taxi und fuhr gut gelaunt Richtung Chevalierskaserne, um sich wie aufgefordert schnellst möglich zu melden und zwar bei einem Sergeant Tsuno.

Die Fahrt dauerte nur 30 Minuten, in denen sich Chappi fragte ob alles so gut weiter lief und er die richtige Wahl getroffen hatte. Na ja, einen Freund hatte er bereits bei den Chevaliers gefunden, wenn auch unter sehr komplizierten Umständen. Ob Fritz wohl wieder Wachdienst hatte? Fragte er sich gedankenverloren, als das Taxi an der Kaserne bereits hielt. Natürlich hatte Fritz keinen Wachdienst, sondern ein Riese von einem Kerl stand am Wachhäuschen und beäugte den Ankömmling. Der Elementar hatte von dem Neuen und seiner Eskapade beim Vorstellungsbesuch gehört und auch das dieser heute oder morgen wohl zur Einheit stoßen sollte, war dann doch überrascht über den Mann der da auf ihn zu kam. Er schätzte sein gegenüber ab und ordnete ihn als ungefährlich für sich ein.

Chappi trat dem Hünen gegenüber und reichte diesem einen Ausdruck vom Befehl sich zu melden. Der Elementar las den Ausdruck und ließ Chappi passieren, nachdem er ihm erklärt hatte wo die Unterkünfte der Mechkrieger waren und er eine Ordnanz gerufen hatte die Chappis Sachen zur Unterkunft bringen sollte. Gegen 11 Uhr klopfte Chappi bereits an der Tür von Sergeant Tsuno, von drinnen kam ein kräftiges „Herein!“ und so öffnete Chappi die Tür. Vor einigen Jahren hätte er wohl sofort eine Waffe gezogen und wild los geschossen, denn eine Frau mit japanischen Gesichtszügen saß hinter einem Schreibtisch und blickte gelassen auf. Sie schien aus dem Kombinat zu kommen. „Private First Class Rudi Teuteburg, Rufzeichen Chappi, meldet sich wie befohlen schnellst möglich zum Dienst, Ma´am!“ Tsuno stand auf, guckte Chappi aus schwarzen harten Augen an und reichte ihm die Hand. Ein fester Händedruck, wie Rudi feststellen musste. „Guten Tag Herr Teuteburg. Wie weit sind sie mit dem Umzug in die Kaserne?“
„Meine privaten Sachen sind bereits in meinem Quartier, meine Useless steht noch im Hangar am Raumhafen. Ich wollte mich so schnell es geht bei Ihnen melden und fürs erste meinen Dienstplan holen und fragen wann und wie ich meinen Mech überführen soll.“
Tsuno blickte gelassen aufs Pad. „Ah ja, Sie werden zusammen mit Private Bramert um 14 Uhr zum Raumhafen gebracht und dort mit Ihren Mechs den Weg hierher antreten. Sie werden von 2 Exil Wölfen hierher gebracht, das ist eine reine Sicherheitsangelegenheit, nicht das Sie plötzlich am Raumhafen anfangen wild um sich zu schießen", scherzte sie. "In welchem Zustand und Konfiguration befindet sich ihr Enforcer III?“
„Meine Useless ist in Topform, sie ist voll ausgepanzert, besitzt ein Clan Gaussgeschütz im rechten Arm inklusive 2 Tonnen Munition, einen Clan Medium Pulslaser im linken Arm und im Kopf habe ich noch einen IS ER Medium Laser. Die Wärmetauscher sind doppelte IS-Modelle, meine Sprungdüsen sind entsprechend gut gewartet und einsatzbereit. Außer einigen Schießübungen auf Outreach hat meine Useless nach ihrem letzten Gefecht nichts weiter erlebt.“
Tsuno verglich die Angaben von Chappi mit den Daten auf dem Pad und war vorerst zufrieden mit den Ausführungen. „Sie werden Ihren Mech in Hangar 2, Platz 4 unterstellen. Wenn Sie zurück sind werden Sie die anderen der Scoutlanze kennenlernen, vor allem ihre Flügelleaderin Corporal Yamada. Also auf eine gute Zusammenarbeit Mr. Teuteburg.“
„Das hoffe ich doch. Eine Frage habe ich noch, wo finde ich die Kantine? Bis 14 Uhr sind es ja noch 2 Stunden und ich würde gern etwas essen bevor ich dann wieder hier sein muss.“
„Einfach über den Ex-Platz und dann das kleine flache weiße Gebäude, das ist die Kantine der Chevaliers“, entgegnete Tsuno. "Sie werden nicht enttäuscht sein. Wir Chevaliers sind für unsere erstklassige Kantine berühmt." Als Chappi den Raum verließ, vertiefte sie sich wieder in ihr Pad.
... so far ...

Gegen 13:30 stand Chappi bereits wieder vor dem Quartier der Mechkrieger und wartete auf Corporal Yamada und Privat First Class Bramert. Nach 5 Minuten erschienen Yamada und Tsuno aus dem Gebäude und Chappi ging auf Yamada zu um sich vorzustellen. Er hielt kurz Abstand bis die beiden ihn bemerkt hatten, machte eine leichte Verbeugung und sagte: “Mein Name ist Rudi Teuteburg, seit heute Private First Class bei den Chevaliers, und mein
derzeitiges Callsign ist Chappi. Ich lenke einen Enforcer III und hoffe wir werden zusammen ein gutes Team werden.“
Yamada war natürlich informiert und überrascht wie höflich sich dieser Mister Teuteburg vorstellte. Er machte einen guten Eindruck, auch wenn er schon etwas älter schien. „ Guten Tag Mister Teuteburg, ich bin Corporal Yamada und freue mich Sie persönlich kennen zu lernen. Ich habe mir Ihre Unterlagen angesehen und bin gespannt wie Sie sich in ihrem Enforcer so auf dem Übungsgelände schlagen werden.“
Tsuno, Yamada und Chappi brauchten nicht lange zu warten bis Bramert kam und sich zu ihnen gesellte. Dann ging es auf direktem Weg zu den Mechhangars am Raumhafen, von wo die beiden Mechs der Neuen abgeholt wurden. Der Weg zurück verlief unspektakulär und zügig.
Nachdem Chappi seine Useless geparkt hatte, kam auch schon ein Chevaliers-Techteam und betrachtet das gute Stück. Tsuno sagte irgendwas zu den Techs und dann kam sie auf Chappi zu. „Mister Teuteburg, das Waldtarnschema ist erstmal in Ordnung. Nur noch die Einheitsabzeichen ändern, denn wir sind nicht bei Davion und nicht im NAIW-Kader. Ansonsten ein schöner Mech. Seniortech Simstein und Ihr zuständiger AsTech haben sicher einige Fragen und werden dann den Mech einmal komplett checken. Sie erstellen für mich einen Bericht über den Zsutand Ihrer Maschine, über den wir morgen Mittag reden werden. Dann wird es die erste Einheit auf dem Schießplatz geben, sofern es keine Bedenken der Techs gibt. Danach eine Lanzenübung über Nacht auf einem großen Trainigsgelände der Hounds. Ach ja, morgen früh um 05:00 ist hier antreten zum Sport.
06:30 ist Frühstück und um 08:00 sind Sie in der Kleiderkammer. Danach ab 10 Uhr sind Sie bitte mit dabei, um Ihrem Mech die neuen Einheitslogos aufzumalen.
Weggetreten und bis morgen."
11.09.2009 07:13 Marodeur74 ist offline E-Mail an Marodeur74 senden Beiträge von Marodeur74 suchen Nehmen Sie Marodeur74 in Ihre Freundesliste auf
Thorsten Kerensky
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„Der moderne Offizier sollte seinen Untergebenen stets Vorbild sein. Er sollte ihnen nichts zumuten, dass er nicht selber leisten kann oder leisten würde, hätte er die entsprechende Fachkenntnis. Auch sollte sein Verhalten im Kameradenkreis immer herausragend und engagiert sein.“
Jara legte den Kopf schief und das Buch aus der Hand. Seit über fünfzig Seiten las sie nun im Wälzer „Der moderne Offizier – ein Ratgeber für Kadetten“ und irgendwie stand auf jeder Seite das Gleiche. Theorie. Das klang alles ausgesprochen klasse, aber die Praxis sah dann in der Tat ein wenig anders aus. Selbst die besten Offiziere konnten oder wollten nicht sämtliche dreihundertachtundfünzigtausendsiebenhundertfünfzehn Ratschläge dieses dämlichen Buches befolgen. Da war „Grundlagen der BattleMech-Taktik“ oder „Gefechtsfeldlogistik“ definitiv spannender gewesen.
Gerade wollte sie resignierend wieder nach dem Buch greifen, als es an ihrer Bürotür klopfte. Ein Büro. Daran hatte sie sich immer noch nicht so richtig gewöhnt. Erleichtert über die Ablenkung bat sie herein.
Der großgewachsene junge Mann, der eintrat, musterte sie einen Moment und salutierte dann lax: „Lieutenant, melde mich wie befohlen!“
Jara deutete auf den Besucherstuhl: „Setzen Sie sich, Corporal Mulgrew!“
Der Söldner schloss die Tür und nahm Platz.
„Erst einmal willkommen in der neuformierten Kampflanze, Corporal. Kaffee?“
Stumm schüttelte der dunkelblonde Mechpilot seinen Kopf.
Jara zuckte mit den Schultern und schob dem Soldaten einen Datenträger zu. „Ihr neuer Dienstplan. Das Training und der Unterricht in der Lanze sind dort vermerkt, ebenso Ihr neuer Wachzyklus, ein bisschen Drumherum und der übliche Formalitätenkram. Der Major hat Sie offiziell als meinen Flügelpartner eingetragen, aber ich habe vor, die Lanze anders zu strukturieren. Das heißt für Sie, dass Sie sowohl mit mir, wie auch mit Sergeant Stein intensiv zusammenarbeiten werden, da wir für beide Aufstellungen in Top-Form sein wollen. Soweit alles klar?“
„Ich denke schon, Ma’am.“
„Gut. Ich erwarte natürlich von Ihnen den gleichen Höchsteinsatz wie von allen anderen Lanzenkameraden. Ich stelle an mich und meine Leute den Anspruch, immer zu 110 Prozent einsatzbereit zu sein. Ich erwarte, dass meine Leute den Techs regelmäßig zur Hand gehen. Ich habe mir sagen lassen, dass Sie auf dem Gebiet sowieso nicht ganz unerfahren sind?“
Der Mechkrieger nickte langsam: „Ich gebe mir Mühe.“
Lächelnd fuhr die junge Offizierin fort: „Wunderbar. Ansonsten wünsche ich mir lediglich, dass alle Probleme und Sorgen umgehend und offen angesprochen werden. Ich möchte keine verschleppten Aggressionen oder Ähnliches in meiner Lanze. Können Sie damit leben?“
Mulgrew nickte und seine Augen fixierten Jara abschätzend.
„Wunderbar. Dann steht ja einer guten Teamarbeit nichts im Wege. Wenn Sie keine Fragen haben, sehe ich Sie zum ersten Training Morgen früh. Das heißt… wenn Sie möchten, dann dürfen Sie sich schon heute Abend Ihrer neuen Lanze anschließen. Ich möchte mit der Kampflanze und ein paar Freunden auf diverse Kleinigkeiten anstoßen. Sie sind natürlich herzlich eingeladen.“
„Danke, Ma’am.“ Kurz schien er zu überlegen, dann erhob er sich vom Stuhl. „Wann und wo feiern Sie?“
„Um 19 Uhr im Speisesaal. Unser Chefkoch war so freundlich, mir nach dem Abendessen den Raum zu überlassen.“
„In Ordnung. Melde mich ab.“
Die beiden Chevaliers salutierten kurz und Damien Mulgrew, Neuzugang der Kampflanze, verließ das Büro seiner Lanzenkommandantin.
Jara verharrte einige Augenblicke und runzelte dann schließlich die Stirn. Ein schweigsamer Kerl, etwas mürrisch, ein wenig verschlossen. Aber sie hatte das Gefühl, dass er durchaus ein fähiger Teamspieler war und sich gut in das Gefüge der Lanze einpassen würde. Kotare war nun auch nicht der Partylöwe vor dem Herrn und kam trotzdem mit ihr und dem leicht chaotischen Eric Stein zurecht.
Wenn nicht… nun, solange er funktionierte und die Lanze funktionierte konnte sie mehr nicht erwarten. Alles darüber hinaus war Bonus. Ein Bonus, den sie haben wollte. Vielleicht konnte ihr „Der moderne Offizier“ ja dabei helfen.
Sie seufzte gequält, als sie nach dem Buch griff und weiterlas…

„Ach, da versteckst du dich. Hätte ich mir auch denken können.“
Jara sah auf. Danton hatte es geschafft, ihr Büro zu betreten, ohne dass sie ihn gehört hätte. Eins musste sie dem Alten lassen: er war immer noch durch und durch Soldat.
„Wieso verstecken? Sollte ich nicht während meines Dienstes hier sein?“
„Dein Dienst ist seit fast einer Stunde beendet.“
Jara war einen Blick auf die Uhr und setzte ein überraschtes Gesicht auf. „Oh. Du hast Recht. Ich hab’s gar nicht gemerkt.“
„Warst du nicht zum Essen?“ Leichter Tadel schwang in der Stimme des Majors mit und die blonde Offizierin fühlte sich an die Zeit erinnert, als sie ihren Körper sträflich vernachlässigt hatte.
Grinsend deutete sie dann auf einen Teller am Rande ihres Schreibtisches, auf dem nur noch Krümel lagen. „Schokoladenkuchen.“
„Von Leon?“
„Höchstpersönlich.“
Danton verzog in gespielter Verstimmung die Miene: „Was hast du dafür tun müssen?“
„Lächeln und winken. Das hilft bei allen alten Männern.“
„Wird da jemand frech?“ Aber auch der Major grinste und setzte sich dann auf den freien Stuhl. Jara hatte langsam eine Ahnung davon, warum sie ein eigenes Büro brauchte, so oft, wie dieser Platz den Besitzer wechselte.
Ihr Vorgesetzter deutete auf die Bücher, durch die sie sich kämpfte: „Wie kommst du voran?“
„Ganz gut, glaube ich. Logistik, Taktik und der Kram geht schneller, Etikette und Co eher schleppend. Aber ich denke, in ein bis zwei Monaten hab ich die Sachen durch. Dann könnt ihr mich prüfen.“
„Und das alles machst du neben deiner Arbeit?“
„Ja, sicher. Momentan ist ja außer dem normalen Training nicht viel zu tun. Und ich möchte den Unterricht für meine Lanze so schnell wie möglich selbst leiten und nicht dauernd die anderen Offiziere fragen müssen.“
„Und deine Leute machen dir nicht zu viel Stress?“
Sie schüttelte energisch den Kopf: „Ach, nein, gar nicht. Kotare und Stein hatten ja Zeit, sich an mich zu gewöhnen. Und Mulgrew ist erst vorhin hier gewesen. Aber ich habe nicht das Gefühl, das es schwer wird, ihn aufzunehmen. Er wirkte nicht wie jemand, der Probleme macht.“
„Nein, da hast du wohl Recht“, lachte Germaine, wurde dann aber wieder ernst. „Deine Arbeit hier, deine Studien, dann verbringst du viel Zeit mit Dawn und Susan… wann warst du das letzte Mal in Freizeit?“
„Das Thema schon wieder?“ Jara verzog das Gesicht. „Die Zeit mit Dawn und Susan ist für mich Freizeit. Und nachher die Feier ist auch Freizeit.“
Er schüttelte den Kopf: „Das ist keine wirkliche Freizeit. Ich meine, du müsstest dir auch mal Zeit für dich nehmen.“
Ein Schulterzucken antwortete ihm: „So? Ich wüsste gar nicht, was ich momentan damit anfangen sollte. Mir steht der Sinn momentan nicht nach Party, Smalltalk und dem ganzen Zeug. Ich bin ganz froh, dass ich genug zu tun habe, um mich abzulenken. Und keine Sorge, ich übertreib es diesmal nicht wieder.“
„Dann ist es ja in Ordnung.“
„Deswegen bist du aber nicht vorbeigekommen, oder?“
Danton verneinte: „Ich wollte dir hauptsächlich sagen, dass du die Zusatzarbeit als JuniorOffizierin machen darfst. Allerdings nur, solange es dir nicht über den Kopf wächst. Aber so viel wird da eh nicht zu tun sein, denke ich.“
Die junge Frau strahlte: „Danke. Ich geb mir Mühe.“
„Ich weiß. Ich verrate dir noch was, das im Ratgeber für Offiziere nicht drinsteht. Eigentlich die einzige Regel, die wirklich zählt: Sei dir stets sicher, dass du noch das Kommando hast und deine Leute auf deine Befehle hören! Und jetzt muss ich weiter, ich habe noch anderen Offizieren auf die Finger zu sehen.“
Jara lehnte sich zurück, musterte grinsend ihre Hände und sah dann frech zu Germaine hoch: „Gib’s zu, meine Finger sind die schönsten!“
Halb Grinsend, halb Kopfschüttelnd stand der Major auf und wandte sich zum Gehen.
„Ach, Germaine?“
Mit einem Brummen drehte der Chef sich noch einmal um. „Hm?“
„Ich wollte dir nur noch sagen, dass ich dir für den Waldwolf dankbar bin.“ Sie stand auf und kramte in einer Schublade. „So dankbar, dass ich dir ein Stück Schoko-Kuchen aufgehoben habe.“

„Zufrieden, Jara? Du siehst so gut gelaunt aus.“
Jara nickte. „Ja, doch. Die Feier gestern war sehr schön. Ich glaube, die Leute haben sich ganz gut amüsiert. Schade nur, dass Du keine Zeit hattest, Markus.“
Van der Roose zuckte mit den Schultern: „Einer musste ja auf die Kleine aufpassen. Und Dawn hätte mich einen Kopf kürzer gemacht, wenn sie nicht hätte gehen können. Was hab ich denn verpasst?“
Die Mechkriegerin steckte die Hände in die Taschen und erzählte: „So viel auch wieder nicht. Ich habe ein bisschen geredet, gesagt, dass ich sowohl den Erhalt des Waldwolfes, sowie meine offizielle Bestätigung im Dienstgrad feiern möchte. Dann halt ein bisschen getrunken, ein bisschen gegessen.“
„Ja, Dawn hat mir vom Buffet noch was mitgebracht. War lecker. Teuer?“
Sie grinste: „Draußen hätte ich deutlich mehr bezahlt. Und ich komm ja sonst eh nicht dazu, meinen Sold auszugeben. Ich habe frei Kost und Logis und bekomme dann noch Geld. Und du kennst den Gehaltscheck für Offiziere ja selber.“
Der Infanterist lachte leise, als sie in den Hangar traten: „Aye. Nur zu gut. Wer war denn alles da? Dawn, deine Lanze… und sonst?“
„Naja, ein paar Leute von überall her. Der Alte natürlich, Miko, Fleischer, ein paar von deinen Jungs, ein paar von den Höllenhunden.“
„Ah, querbeet. Und Training läuft auch?“
„Klar. Wir haben heute Morgen angefangen, wieder in Sollstärke zu machen. Aber nur Sport und ein wenig Grundlagen, wir waren noch nicht im Simulator. Und raus kann ich eh nicht, solange die Techs mir kein grünes Licht für meine Mühle geben.“
„Und jetzt haste mal ‘ne Stunde frei?“
Jara schüttelte den Kopf. „Eigentlich nicht. Aber ich muss mein Schießbuch für Handfeuerwaffen auf den neuesten Stand bringen. Hab mich viel zu lange vorm Schießstand gedrückt. Und da ihr ja heute eh rausgeht, musste ich die Chance nutzen und mich eben mal vordrängeln.“
Markus grinste: „Jaja, wenn ich nicht wäre…“ Er warf ihr den Schlüssel für den Geländewagen zu, den er sich zum Munitionstransport geschnappt hatte. „Dann darfste dich beim Fahren auch vordrängeln.“
Die Mechkriegerin blieb stehen, etwas unschlüssig und ließ dann die Schultern leicht hängen: „Das geht nicht. Fahr du.“
„Wieso geht das nicht?“
Verlegen trat sie von einem Fuß auf den anderen. „Darf nicht“, murmelte sie schließlich.
Markus setzte ein verwirrtes Gesicht auf: „Wieso darfst du nicht?“
Als sie gestand, dass sie keinen Führerschein besaß, lachte er schallend los.
„Was ist daran so witzig?“
Der Fußsoldat grinste sie breit an: „Du steuerst 75 Tonnen Stahl über das Schlachtfeld, aber du kannst kein Auto fahren? Das ist einfach zu bizarr…“
„Was heißt hier können… ich kann das schon. Ich darf es nur nicht. In meiner alten Einheit war das alles nicht so das Thema. Da hatte ich keinen Grund, einen Führerschein zu machen. Die paar Mal, die ich fahren musste, hab ich‘s einfach ohne gemacht.“
„Aber Offizier und keinen Führerschein? Kommt auf Dauer nicht gut, oder?“ Er nahm den Schlüssel wieder an sich und deutete auf die Beifahrertür. „Frag doch mal rum. Irgendjemand in dieser Einheit wird schon ‘ne Prüfung machen dürfen. Wenn du schon fahren kannst, geht’s ja nur noch um die Formalitäten.“
Jara seufzte: „Und noch ein Punkt auf meiner Liste der bislang unerledigten Dinge. Ich hab ja auch sonst nichts zu tun…“

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16.09.2009 14:10 Thorsten Kerensky ist offline E-Mail an Thorsten Kerensky senden Homepage von Thorsten Kerensky Beiträge von Thorsten Kerensky suchen Nehmen Sie Thorsten Kerensky in Ihre Freundesliste auf
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10:45 Uhr

Was kann ein Testpilot machen, wenn ihm von seinen Vorgesetzten etwas freie Zeit zugestanden wurde? Er macht natürlich das, was er am besten kann und wofür er ausgebildet wurde: er steuert seinen Mech durch die Landschaft.
Im Fall von Anton Bramert und seinem Spector bedeutete dies, dass er den leichten Mech durch ein Trainingsgelände steuerte, das eigentlich den Kell Hounds gehörte, von den Chevaliers aber mitbenutzt werden durfte. Bramert freute sich, seinen Spector mal wieder so richtig schön durchheizen zu können.
Er betrat das Trainingsgelände und aktivierte zum einen seine Zielerfassung und zum anderen das Trainingsprogramm. Dann aktivierte er eine Stoppuhr und rannte los. Bereits nach wenigen Schritten hatte er die Höchstgeschwindigkeit von fast hundertzwanzig km/h erreicht, machte eine scharfe Rechtskurze, schoss um einen Felsen und wäre fast gegen einen anderen Steinbrocken gestoßen, wenn er sich nicht hart in die Gurte geworfen hätte, um das Gleichgewicht zu halten. Über seine Ortung flimmerten die verschiedenen Ziele und das Simulatorprogramm lieferte entsprechende Angriffsmeldungen, bei denen der Spector beschossen wurde, aber seine wilden Ausweichmanöver machten den leichten Mech zu einem schwierigen Ziel und bisher hatte keiner seiner simulierten Gegner einen Treffer landen können. Dann aktivierte Bramert seine Sprungdüsen, schoss über zweihundert Meter in die Lüfte und machte in der Luft eine mehrfache Pirouette, ähnlich einem Eislaufkünstler, bevor er wieder auf dem Boden ankam und mit voller Geschwindigkeit einem weiteren simulierten Schuss auswich. Er sah bereits das Ende des Trainingsgeländes, beugte den Oberkörper des leichten Mechs nach unten, breitete seine Arme aus und griff mit der vollmodellierten Hand des linken Arms nach einem spitzen Felsen. Dann schleuderte er sich selbst herum und wich einem weiteren Schuss aus, bevor er das Ziel des Trainingsgeländes erreichte und die Simulation damit beendete. Er schaltete schnell die Stoppuhr ab. "58,33 Sekunden", meinte er dann mit einem Stirnrunzeln. "Ich glaub, ich sollte die Pirouette weglassen. Es kostet mich eindeutig zuviel Zeit, dann wieder die Kontrolle über den Mech zu behalten."
Er wendete seinen Mech und wanderte zum Mechhangar zurück, ohne die kleine Gruppe Kell Hounds-Techs zu bemerken, die ihm mit offenen Mündern hinterhersah. Dann meinte der Dienstälteste von ihnen. "Unmöglich. Einfach unmöglich."

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25.09.2009 10:36 CeGrudke ist offline E-Mail an CeGrudke senden Beiträge von CeGrudke suchen Nehmen Sie CeGrudke in Ihre Freundesliste auf
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Der nächste Morgen dämmerte und Chappi befand sich auf seiner ersten Kasernenrunde bei den Chevaliers. Es war ein gutes Gefühl wieder im Dienst zu sein und seine drei Lanzenkameraden waren zwar jünger, machten zusammen aber einen netten Eindruck.

Nachdem man seinen Sport gemacht hatte ging es in die Kantine und er musste zugeben, dass der Koch eine Perle war. Alles schmeckte hervorragend und Tsuno, Yamada und Bramert saßen mit ihm am Tisch und aßen.
Yamada blickte auf und begann das Tischgespräch. „Mister Teuteburg, wie kommt man mit einem Enforcer zu dem Rufnamen Chappi?“ Die anderen beiden schauten erwartungsvoll. Chappi stutzte und schluckte den Bissen Brötchen runter und sagte: "Bei meiner letzten Einheit hab ich das Glück gehabt der älteste zu sein. Zuerst nannten mich die jungen Kerle Pappi, aber das war kein echter Rufname. Also erfand der damaligen Lanzenkommandeur den Rufnamen Chappi. Einmal weil es lustig war und später weil ich ihm mal das Leben gerettet habe, vor einem Parder Mad Dog. Den habe ich mit einem Glücksschuss das Cockpit verwüstet und über Funk kam dann von einem Neuling, „Oh ha, Chappi hat den Clanner zu Hundefutter zermatscht mit seiner Gauss!“ Also nichts wirklich berühmtes.“
Yamada schmunzelte: "Ich hoffe dass Sie wirklich so gut schießen wie Sie antworten, Chappi.“

Wenig später betrat Chappi den Mechhangar, seine Useless stand friedlich im Gerüst und vor ihr am linken Fuss stand Seniortech Simstein mit seinem Compblock. „Hallo Mr. Teuteburg. Ihr Mech ist in guter Verfassung. Alle Systeme grün, Waffen voll Einsatzbereit. Trotzdem habe ich da zwei Fragen. Wir haben einige tote Kabelbündel gefunden, können Sie was dazu sagen? Zweitens, der Umbau ist sehr gut, wer hat das gemacht?“
"Guten Tag, Seniortech Simstein. Also zu ihrer ersten Frage, es war die Standardausführung 6T mit einem Zielcomputer, jedenfalls so war Useless vor ihrer schweren Abreibung von 40 LSR´s eines wütenden Nebelparder´s. Ich denke dadurch sind noch die überzähligen Leitungen zu erklären. Zu Frage zwei kann ich Ihnen keinen Namen nennen, es waren Techs des NAIW, die den Mech wieder fit gemacht haben. Leider muss ich sagen hätte ich gern wieder einen Zielcomputer gehabt, aber so bin ich mehr als zufrieden, durch die verstärkte Nahkampffähigkeit und die Clanwaffen.“
Simstein nickte und machte sich zwei Notizen, dann blickte er auf „Na dann, Mr. Teuteburg, viel Spaß beim spielen heute auf dem Schießplatz und auf der Nachtübung. Ich werde Sie zwischen 23:00 und 01:00 auf dem Übungsgelände sehen und hoffen das Sie diesem Baby nicht zuviel Schaden zugefügt haben.“
Chappi grinste, reichte Simstein die Hand und sagte: „Nennen Sie mich Chappi, das finde ich besser, Mister Teuteburg klingt so als wäre ich ein Opa.“ Simstein nickte und ging.

Nach einigen Stunden waren die Einheitszeichen am Mech fertig und Chappi mit seiner Useless auf dem Weg zum Übungsstand. Die ersten Schüsse mit den Lasern verliefen fast schon beängstigend optimal, bis der erste Schuss aus dem Gaussgeschütz kam. Dieser ging völlig daneben und schlug krachend vor dem Ziel ein. Fluchend guckte Chappi auf seine Anzeigen und eine Anzeige schaltete auf gelb, einer der Kondensatoren im Gaussgeschütz schien einen Wackelkontakt zu haben. Über Funk teilte er dies mit und brachte Useless zum Wartungshangar der Chevaliers zurück. Simstein kam mit zwei Techs, einer stieg über die Leiter zu Chappi ins Cockpit und gab die Meldungen des Diagnose Pads weiter an Simstein.
Nach 5 Minuten meldet das Gauss wieder volle Betriebsbereitschaft, Simstein sagte ihm, das er die Nachtübung zwar mitmachen könne, er aber jederzeit damit rechnen müsse dass das Gaussgeschütz ausfiele. Man müsste es erst einmal auseinander nehmen und schauen wo das Problem genau lag. Seine Vermutung war es, das irgendwo noch eine Verbindung zum ehemaligen Zielcomputer bestand, und eine Platine versucht Kontakt zu bekommen und das Gauss deshalb so ungenau sei. Chappi war sauer, fuhr Useless wieder hoch und marschierte wieder zum Schiessplatz. Sein Gauss funktionierte wieder einwandfrei und so konnte er sich gegen 20 Uhr mit Yamada zusammen eine Pause gönnen, bevor sie zur Nachtübung aufbrachen. Simstein und Techs nutzen die kurze Gelegenheit eine kurze Diagnose der Waffensysteme durchzuführen.

Chappi kam mit Yamada gerade wieder in den Hangar, als er wie vom Blitz getroffen im Hangartor stehen blieb. Auch Yamada gucke ungläubig. Simstein hatte den Mech voll eingerüstet und begonnen das Gauss auseinander zunehmen, was bedeutete das die Nachtübung für Useless gelaufen war. Yamada war genauso überrascht und ärgerlich. Simstein kam herüber, grüßte die beiden und sagte „Ihre Useless hatte drei Platinen die einen Zielcomputer gesucht haben, zwei waren leicht erreichbar, die dritte war aber intern verbaut. Das Problem daran war, das sie auch die Geschützkondensatoren steuert und auch die Munitionszufuhr. Außerdem ist sie an den Hauptfeuerleitkreis gekoppelt. Das heißt, bei einem vollen Waffeneinsatz hätte ihr Mech gar nicht geschossen, oder jedes Geschütz woanders hin, oder das Gauss hätte sich überladen und wäre explodiert. Deshalb habe ich Sergeant Tsuno informiert das Sie nicht teilnehmen, was dazu führt das Sie und Yamada heute frei haben und morgen alleine mit den Kell Hounds an einer Übung gegen die Exil Wölfe teilnehmen.“ Yamada schluckte „ Ich soll mit jemanden, den ich kaum kenne in einer Übung gegen Exil Wölfe, mit den Kell Hounds als Rückendeckung und Partner? Na das wird lustig.“
Chappi hört sich das ganze an und zuckte die Schultern „Sergeant, kann ich Sie auf einen Drink einladen? Wir haben ja jetzt frei. Oder wollen Sie ein wenig ihre Ruhe? Ich jedenfalls gehe jetzt einen heben und dann ganz gepflegt schlafen. Morgen scheint es sehr anstrengend zu werden.“

Der nächste Tag. Die Übung mit den Kell Hounds gegen einen Binär Stern Wölfe war die Hölle und das Gefecht war nach 5 Stunden zu Ende. Chappi und Yamada standen gut zusammen und konnten auch jeder einen Wolf abschießen, wurden dann aber auch abgeschossen. Die Wölfe gewannen diese Übung gegen die verstärkte Kompanie der Hounds, aber mit acht Verlusten zu vierzehn Verlusten. Lediglich ein Axeman und eine Supernova der Hounds und ein Daishi und Thor der Exil Wölfe standen am Ende.
Die Ergebnisse wurden von Tsuno und Bramert im Übungsstand der Hounds betrachtet und Tsuno lächelte zufrieden. Wie man jedoch mit diesen beiden schlagkräftigen Mechs eine Scoutlanze darstellen wollte war ihr noch unklar. Es sah fast nach einer leichten Schlaglanze aus, aber Sie hatte schon eine Idee. Man könnte Germain ja ein offensive Scoutlanze verkaufen mit dem Spector und ihrem Mech als eigentliche Scouts und Yamada mit Chappi als Rückendeckung für einen Rückzug unter Feuer. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie freute sich auf den Feierabend.
28.09.2009 20:09 Marodeur74 ist offline E-Mail an Marodeur74 senden Beiträge von Marodeur74 suchen Nehmen Sie Marodeur74 in Ihre Freundesliste auf
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Feierabend:

Die Übung von Yamada und Chappi war vorbei und die vier Mitglieder der "Scoutlanze" versammelten sich in der nahegelegenen Kneipe zum abendlichen Umtrunk. Yamada und Chappi erzählten, wie sie die Übung mit den berühmten Kell Hounds und den Exilwölfen empfunden hatten, während Bramert gedankenverloren in sein Glas, das mit Wasser gefüllt war, schaute. Tsuno beobachtete ihn kurz schweigend, dann richtete sie sich auf. "PFC Bramert!"
Bramert schreckte hoch. "Was?"
"Haben Sie irgendwelche Sorgen, Bramert?", wollte Tsuno wissen. "Dann sollten Sie sie uns mitteilen."
Bramert schüttelte den Kopf. "Keine Sorgen, Sergeant. Also keine wirklichen. Aber ich überlege, ob ich mir einen Rufnamen zulegen sollte. Und ich hab keine Idee, welchen ich nehmen könnte."
Chappi grinste in sein Bier. "Wie wär's mit Ballerina? So wie du deinen Mech durch die Luft schleudern kannst, würde das doch gut zu dir passen!"
Tsuno blickte leicht verwirrt, während Bramert nur die Augen verengte. "Woher weißt du davon?", wollte der jüngere Mann wissen und Chappi grinste noch breiter. "Du wurdest beobachtet, Kleiner. Ein paar Techs von den Kell Hounds haben dich auf ihrem Trainingsgelände gesehen, während du da deine Kür durchgezogen hast. Und natürlich mussten sie es brühwarm erzählen. Du bist inzwischen Gesprächsthema Nummer Eins bei den KH-Techs."
Bramert ließ den Kopf sinken. "Schöne Scheiße!"
Tsuno schien immer noch leicht verwirrt zu sein. "Gentlemen, könnten Sie mich vielleicht aufklären?"
Bramert hätte nicht gedacht, dass man ein Grinsen von einem Ohr zum anderen hinbekommt, aber sein Lanzenkollege schien das irgendwie trainiert zu haben. "Och, das war eigentlich nix weiter, Sarge. Unser Jungspund hier ist bloß aufs Trainingsgelände gegangen, hat seinen Mech voll durchgestartet und ist über das Gelände gebrettert. Und zwischendurch hat er bei voller Geschwindigkeit einen 200 m - Sprung gemacht und in der Luft noch ne Pirouette gedreht. Dann hat er noch irgendwie eine Kehre an einem Felsen durchgezogen und hat in... wieviel Sekunden das Trainingsfeld durchquert? 50?"
"Es waren fast 59 Sekunden", antwortete Bramert und Chappi nickte. "Also, fast 59 Sekunden. Und nach den Aufzeichnungen des Trainingscomputers hat er nicht einen Treffer abbekommen."
Tsuno und Yamada blickten den jungen PFC anerkennend an, der nur mit den Schultern zuckte. "Ich war schließlich Testpilot. Und als solcher wurde ich dafür ausgebildet, einen Mech auf alle erdenkliche Arten auszureizen, die er theoretisch schaffen könnte. Dafür muss man halt auch mal gewisse Risiken eingehen."
Tsuno schüttelte den Kopf. "Und wie steht's mit Ihren Schießkünsten, Bramert?"
Auf einmal sah der junge Mann sehr müde und zehn Jahre älter aus. "Ich würde nicht mal ein Scheunentor treffen, wenn ich das Waffenrohr direkt dagegen halte. Die Schießübungen hat man bei NorseStorm immer anderen Leuten übergeben. Ich war nur für die Bewegungen zuständig."
"Und was ist mit Kikuyu? Haben Sie da nie geschossen?"
"Kikuyu war ein Sonderfall", meinte Bramert und schloss kurz die Augen, als die seelischen Narben wieder zu brennen anfingen. "Der Kampf gegen die Light Deneb und später gegen die Jadefalken war so chaotisch, dass niemand auch nur annähernd hätte konstruieren können, ob ich einen Mech getroffen hatte oder nicht. Man kann Kikuyu also nicht wirklich mitzählen."
Tsuno nickte. "Ich verstehe. Dann werden wir wohl dafür sorgen müssen, dass Sie ihre Schießkünste verbessern, Mr. Bramert. Aber das löst natürlich noch nicht das Problem mit Ihrem Rufnamen. Vorschläge, Gentlemen? Und bitte ernsthafte Vorschläge, nicht so ein Blödsinn, Chappi."
Chappi seufzte theatralisch, dann überlegte er kurz. "Wie wär's mit Skycraper? Klingt doch nicht übel, oder?"
"Wolkenkratzer?", Bramert verzog das Gesicht. "Na danke schön."
Tsuno grinste verschlagen. "Warum eigentlich nicht? Ich finde, der Name hat was. Und er passt zu Ihnen, Bramert. Zumindest, wenn die Story stimmt."
Yamada stimmte zu und bevor Bramert noch protestieren konnte, meinte Chappi mit einem breiten Grinsen. "Die Sache ist entschieden! Dein neuer Rufname ist Skycraper, Kleiner."
Bramert wollte widersprechen, aber Tsuno ließ ihm gar keine Chance. "Keine Widerrede, PFC Bramert. Ab sofort hören Sie auf den Rufnamen Skycraper. Gewöhnen Sie sich schon mal dran."
Bramert ließ wieder die Schultern sinken und kapitulierte vor dieser Übermacht. Also war er jetzt Skycraper.

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03.10.2009 15:36 CeGrudke ist offline E-Mail an CeGrudke senden Beiträge von CeGrudke suchen Nehmen Sie CeGrudke in Ihre Freundesliste auf
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Der Auftrag vom Boss Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Prolog:

„Jo, Sky! Der Alte will Chappi und dich sehen! Ich hab Chappi schon Bescheid gesagt, er wartet bei eurer Unterkunft auf dich.“
Bramert, dem es nicht gelungen war, den Rufnamen „Skyscraper“ abzulegen – obwohl manche den Rufnamen aufgrund der Einfachheit zu „Sky“ abkürzten – winkte dem Infanteristen stumm zu und legte die Laserpistole, die er für Schießübungen genutzt hatte, auf den Tisch vor sich. Der Waffenausbilder sah auf die Zielscheibe und schüttelte mit einem gespielten Seufzen den Kopf. „Daran üben wir noch ein wenig, Skyscraper. Zwanzig Schüsse und du hast gerademal vier Treffer gelandet. Bist du in deinem Mech ein genauso schlechter Schütze?“
„Eher noch schlechter, Sarge.“
Der Ausbilder schüttelte erneut den Kopf. „Oh Himmel. Na gut, für heute soll’s das gewesen sein. Sieh zu, dass du zum Alten kommst.“
Bramert nickte bekümmert und verließ den Schießübungsplatz. Er ging noch schnell in die angrenzende Umkleidekabine, zog sich kurz um und eilte dann zu den Mechkriegerunterkünften, wo Chappi ihn bereits erwartete. Gemeinsam gingen sie dann gemütlich zum Stabsgebäude, wo sie erwartet wurden.

Germaine Danton erwiderte den Salut der beiden Mechkrieger und deutete auf die beiden bequemen Stühle vor sich. Dann setzte er sich selbst und musterte die beiden Männer nachdenklich.
"Um es kurz zu machen, Sie zwei sind neu bei den Chevaliers. Normalerweise lasse ich den Neuen viel Zeit und Raum zum eingewöhnen, aber diesmal haben wir nur zwei neue Rekruten aufgenommen. Einer kam extra von Outreach zu uns raus, der andere überlebte nur für den Beitritt eines der größten Massaker des Clan-Krieges. Das reicht mir noch nicht. Deshalb werden Sie zwei an einer Übung teil nehmen.
Wir werden Sie zwei in einem Waldgebiet aussetzen, das Ihnen unbekannt ist. Sie kriegen die Nav-Daten und die aktuellen Karten erst kurz nach dem Start hoch geladen. Ihre Waffen werden leistungsreduziert, aber einsatzbereit sein. Raketen sowie alle Treffern werden von den Bordcomputern virtuell gerechnet werden. Diese werden auch als vernichtet geltende Partien abstellen, das nur als Warnung.
Ihr Ziel wird es sein, eine jeweils fünfzehn Kilometer entfernte Lichtung zu erreichen und dort die Flagge in Besitz zu nehmen. Danach bringen Sie die Flagge mir. Mein Kommandostand wird weitere dreißig Klicks entfernt sein.
Sie haben acht Stunden Zeit für die Mission. Wenn Sie sie erfolgreich abschließen, werde ich ernsthaft darüber nachdenken, den Status als PFC zu bestätigen. Das bringt Sie einen Schritt näher an den Corporal. Missionsbeginn ist in acht Stunden. Weggetreten."

Nach einer kurzen Nacht und der Vorbereitung der Mechs trafen sich Rudi „Chappi“ Teuteburg und Anton „Skyscraper“ Bramert im Mechhanger, um ihre Mechs hoch zu fahren. Sie marschierten dann zu einem Union Landungsschiff und hoben kurz nach 0900 Ortszeit ab. Jetzt erwachte der Navicomputer zum Leben und lud sich die Navidaten runter.
Bramert, der von Strategie und Taktik keine Ahnung hatte, sah sich die Daten an und man konnte seinem Gesicht so deutlich die Verwirrung ansehen, dass jeder in seiner Umgebung breit grinsen musste. Chappi studierte ebenfalls die Daten und innerlich fluchte er „Verdammt durch dichten Wald, kaum sicht und dann auch noch irgendein Wettlauf gegen die Zeit!“ .

Während des Fluges einigten sich die beiden auf einen Funkkreis für normalen Funk und 2 Ersatz Funkkreise mit kurzer Reichweite, die ein wenig Abhörsicher waren. Desweiteren wurde ein 4 Kanal programmiert über den man Kontakt zu den Chevalliers hatte. Das Landungschiff sank nieder und öffnete die Mechtore. Draussen sah man eine große Lichtung und in 2 km Entfernung nur Wald, das Funkgerät erwachte zum Leben und der Captain des Landungsschiff gab das Zeichen zum Ausschiffen sowie den Start des Countdowns die die beiden Neulinge hatten um die Missionsziele zu erreichen.

Bramert saß sicher eingepackt in seinem Fünfunddreißigtonner und war gerade dabei, die Funkkreise einzustellen, als das Signal kam. Er beendete die letzten Einstellungen, dann umfasste er die Steuerkontrollen seines Mechs ein wenig fester. Obwohl sein Mech völlig kühl lief – selbst mit voller Sprungleistung und unter Einsatz all seiner Waffen konnte der Spector nicht warmlaufen – spürte er erste Schweißperlen auf dem Gesicht und den nackten Oberarmen. Er wusste auch, dass dies kein Hitzeschweiß war, sondern etwas anderes. Es war die Angst, die ihn schwitzen ließ. Seit seine Kompanie auf Kikuyu völlig zusammengeschossen worden war und ihm nichts anderes als die Flucht blieb, spürte er die Angst zurückkehren. Er wusste, dass dies nur eine Übung war, er wusste, dass niemanden etwas passieren würde, aber trotzdem hatte er Angst. Vor allem hatte er Angst davor, wieder davonzulaufen und seine Kameraden, die schon fast sowas wie Freunde waren, zurückzulassen.

Chappi fuhr Useless komplett hoch, überprüfte sehr sorgfältig das Gauss und die Lasergeschütze und nachdem alle Leuchtioden Grün signalisierten war er zufrieden. Useless Reaktor wummert in einem leisen sonorren Ton und meldet alle Systeme klar. Sky stapfte schon aus dem Union.

Skyscraper trat als erstes aus dem Schiff und Chappi folgte ein wenig langsamer. Nach einer kurzen Orientierung und scannen der Umgebung ging es dann auch los. Chappi schaltete auf die normale Funkfrequenz und öffnete einen Kanal „ Anton hast Du irgendwas auf Deinem Schirm? Alles sieht so ruhig aus, keine Tiere, keine Laute nur toten stille. Nichtmal irgendwelche anzeichen auf meinen Sensoren. Lass uns schnell von der Lichtung verschwinden und Richtung Wald und dem ersten Ziel maschieren, ich habe keine Lust von dem Union beim Start umgeworfen zu werden noch will ich hier als Zielscheibe für irgendwelche Leute stehen.“

„Bestätige, Chappi“, antwortete Bramert und die beiden setzten sich in nördlicher Richtung in Bewegung, um wie angegeben nach fünfzehn Kilometern auf das Missionsziel, die Flagge zu treffen.

Bramert hatte seitdem sie gestartet waren ununterbrochen die Ortung im Auge, aber niemand war in ihrer Nähe. Er überlegte, ob er einen schnellen Vorstoß wagen sollte, aber er machte sich Sorgen, dass er dann in eine Falle geraten könnte und Chappi nicht schnell genug hinterherkam, um ihn dann zu unterstützen. Also hielt er sich zurück. Zwischendurch nahm er immer wieder eine Hand von den Steuerkontrollen. Er hatte die Handschuhe ausgezogen, damit er seine schweißnassen Hände an der Kühlweste, die er mehr aus Gewohnheit, denn wegen ihrer Leistung trug, abwischen konnte. Die Umgebung verwandelte sich langsam in ein immer dichteres Waldgebiet und Bramert schob einige tiefliegende Äste mit einer seiner vollmodelierten Mechhände zur Seite. Dann bemerkte er am Rande seiner Sensorenreichweite ein Signal. „Chappi, ich hab hier was auf der Ortung. Könnte Infanterie sein – oder eine größere Gruppe Holzfäller.“
„Bestätige Sky! Ich denke das werden unsere ersten Gäste sein heute.“ Plötzlich sah Chappi die Bilder seines letzten Einsatzes wieder vor Augen und die beiden wilden Nebelparder die es auf Ihn abgesehen hatten. Diesmal nicht, diesmal würde er nicht wieder mit sovielen überlegenen Gegnern kämpfen. Nun war ja auch noch Bramert dabei und irgendwie mochte Chappi den anderen Mechpiloten und nach dessem Kunststück auf dem Trainingsgelände der Hounds hatte er auch Respekt und Vertrauen. Sie würden das schon hinbekommen.

Die Lichtung war nicht mehr weit entfernt. Bramert glaubte, sie quasi schon sehen zu können und wollte gerade losstürmen, als die Ortung alamierend aufleuchtete. Mehrere Fahrzeuge, hauptsächlich Kettenfahrzeuge, brachen aus dem umliegenden Gehölz und eröffneten das Feuer auf die beiden Mechs. Bramert sah auf seine Schadensanzeige. Ein Galleon hatte ihn getroffen und Panzerung vom rechten Arm und Torso abgescheuert. Es war zwar nicht viel gewesen, aber dennoch, war jede Platte, die er verlor, eine Platte, die ihm später nicht mehr zur Verfügung stand. Er zog das Fadenkreuz über den Galleon, machte einige Schritte nach vorne, um den Panzer besser in die Zielerfassung zu bekommen, löste fast sein volles Waffenarsenal aus – nur den leichten Laser ließ er aufgrund der zu hohen Entfernung weg – und… verfehlte den leichten Panzer. Die Energie aus einem schweren Laser und zwei mittelschweren Lasern schoss ohne Wirkung an dem leichten Fahrzeug vorbei. Bramert fluchte leise – genau das hatte er befürchtet. Sein Partner war ein eindeutig besserer Schütze. Sein simuliertes Waffenfeuer hatte bereits einen Vedette ausgeschaltet, dessen Crew bereits ausstieg und jetzt bearbeitete er einen Myrmidon. Bramerts Kom erwachte krachend zum Leben. „Sky, wenn du sie nicht treffen kannst, dann wirf sie um, zum Teufel!“
Bramert fand diese Idee zwar Klasse, aber er machte sich dabei auch Sorgen um die Leute in dem Panzer – immerhin gehörten sie zu den Chevaliers. Also zielte er erneut und feuerte. Dieses Mal hatte er sogar einen Erfolg – einen Teilerfolg, der allerdings der bessere Teilerfolg war. Der schwere Laser traf den Galleon in die Seite. Es reichte nicht, um den Panzer in irgendeiner Form zu behindern, aber es reichte zumindest, um die Crew darüber nachdenken zu lassen, ob es sinnvoll war, sich mit einem fünfunddreißig Tonnen schweren Mech anzulegen – der zudem noch ziemlich gute bewaffnet war und anscheinend auch das Treffen doch noch noch nicht verlernt hatte. Die Crew des Galleon schien zumindest erstmal genug zu haben und legte den Rückwärtsgang ein. Allerdings schossen sie noch einmal auf Bramerts Spector und waren dabei deutlich erfolgreicher. Fast das komplette Waffenarsenal des leichten Panzers traf und Bramert konnte auf der Schadensanzeige einige gelbe Zonen entdecken – für seinen Geschmack eindeutig zu viele.

Als erstes sah Chappi den Galleon, um den kümmerte sich Anton. Nach der ersten Breitseite von Sky die völlig daneben ging bekam Chappi einen Vedette ins Visir, ein kurzes grinsen und ein Schuss aus dem Gauss machte der Vedette Crew klar das der kampf verloren war. Der Vedette erhielt einen direkten simulierten Treffer in den Mannschaftsbereich. Dann tauchte ein Myrmidon auf, Chappi fluchte, da sah er gerade im auf seiner Anzeige wie Sky endlich den Galleon traf und dieser sich zurück zog. Chappi kassierte einige Treffer vom Myrmidon, und schlug dann mit den Clan Pulsern zurück und auch der Myrmidon zog sich zurück, simuliert hatte er seine Bewaffnung verloren.
„Sky! Lauf los und schnapp dir die Fahne. Schiess einfach in den Waldrand westlich hinter der Fahne. Ich werde den südlichen Bereich kurz unter Feuer nehmen um Überraschungen zu verhindern. Danach spring in Richtung Norden. Ich werde zeitgleich 1-2 Breitseiten in nördliche Richtung abgeben. Wenn Du landest springe ich! Wir schaffen das.“
Anton rannte und schoss ein ... zwei ... drei Breitseiten in den Wald hinter der Fahne. Nichts!

Chappi nahm den Waldrand im Süden unter Beschuss und scheuchte einige Infanterie davon. Als er auf seine Anzeigen schaute sah er gearde noch wie Anton die Sprungdüsen zündete und Richtung Norden sprang. Am Zenit des Sprunges trat Useless auf die Lichtung und gab zwei Gausschüsse in den Wald und ein Lasergewitter in nördlich Richtung ab. Die Temperatur kletterte nun schon in den gelben Bereich, aber warum? Eigenlich sollte er noch kühl sein. Ein Blick auf die Schadensanzeige zeigte es. Gleich zwei Wärmetauscher liefen nur noch mit 50% ihrer normalen Leistung. Es blieb aber keine Zeit für irgendwelche Gedanken, Chappi zündete nun seine Sprungdüsen und landete nach seinem zweiten Sprung neben Anton.

„Anton, Kreis Engel“ dies war der Code zum Umschalten auf den Funkkreis 2, der nur über kurze Strecke funktionierte und Ihnen zur internen Kommunikation diente. „Rudi?! Habe umgeschaltet, was ist?“ klang Antons stimme ein wenig aufgeregt. „Nichts besonderes. Welche Schäden hast Du abbekommen? Zwei meiner Wärmetauscher haben nur noch 50% Leistung und ich muss nun ein wenig abkühlen. Wir sollten langsam Richtung Norden gehen und uns einen besseren Weg suchen. Ich möchte nicht wieder durch den Wald, das kostet uns auch zuviel Zeit.“
„Verstanden. Ich übernehm die Vorhut“, antwortete Bramert und versuchte gleichzeitig, sein Händezittern in den Griff zu bekommen. Seitdem die Panzer angekommen waren und er die Fahne in die vollmodellierten Hände seines Mechs genommen hatte, zitterten sie ununterbrochen wie Espenlaub. Keine gute Voraussetzung für den Rückweg.
Chappi und Sky bewegten sich langsam durch den lichten Wald und kamen gut voran, während beide nach einem guten Weg zum Zielpunkt der Chevalliers suchten. Da kinsterete der Funk und der Boss meldete sich:

„Glückwunsch zum Erreichen des ersten Ziels. Jetzt haben Sie noch genau 4 Stunden zum Treffpunkt und machen Sie ja nicht unsere Fahne kaputt oder verlieren Sie diese. Auch wenn ich nicht weiß, was diese wilde Schießerei auf der Lichtung bezwecken sollte ausser den Munitionsvorrat zu reduzieren, sie müssen noch effektiver werden. Also 3 Stunden 55 Minuten noch meine Herren. Danton Ende“

Chappi der nur halb zugehört hatte räusperte sich und studierte die Geländekarte. Es gab 2 Möglichkeiten zum Zielpunkt. Der eine Weg würde Sky und Ihn über eine kleine Hügelkette führen und dann in einem Linksbogen zum Ziel. Der andere Weg führte erst ein wenig rechts in Richtung eines Flusses und dann über leicht bewaldetes Gebiet in gerader Linie direkt zum Treffpunkt. Er schickte Sky die Daten und bat ihn sich das anzugucken und sich zu melden welcher Weg der Bessere sei. Dann sah Chappi plötzlich wieder Raketen auf sich zu kommen und reagierte instinktiv, riss Useless zur Seite und rammte einen Baum. Sky war völlig überrascht, denn er sagte nichts und bemerkte nur wie Chappi nach links durch den Baum stürmte. Er machte einen Funkkanal auf. „Chappi! Was ist los, Alter?“
„Nichts, alles gut. Keine Ahnung, ich hatte irgendwie das Gefühl eine Menge Raketen würden auf mich zukommen“, antwortete Chappi und fluchte leise. „Mist verdammter!“
Er hatte lange mit Psychologen gesprochen, nach seinem Abschuss in der Nebelparder-Besatzungszone und man hatte ihn gewarnt das es zu posttraumatischen Sinnesstörungen kommen konnte, auch und vor allem in einem echten Gefecht. Die bisherige Erfahrung der Ärzte hatte gezeigt, dass man dieses psychische Problem nur in der Schlacht lösen konnte – wenn man das Glück hatte, die Schlacht zu überleben.

Bramert war gerade dabei die von Chappi rübergesendeten Karten zu studieren und nach einem passenden Weg zum Zielpunkt zu suchen, als sein Partner völlig grundlos und unerwartet durch einen Baum krachte. Er war erstmal viel zu geschockt, um zu reagieren, dann fragte er was los war. Die Antwort des anderen Mechkriegers beruhigte ihn in keinster Weise und er konnte den leisen Fluch über die Komleitung hören. Obwohl er sich dafür überhaupt nicht geschaffen fühlte, meinte er, Verantwortung übernehmen und die Leitung des Unternehmens an sich reißen zu müssen, um schnell zum Ziel zu kommen. „Okay, Chappi, hör mir zu. Wir nehmen jetzt den Weg über die Hügelkette da drüben. Den Karten nach geht das schneller, als wenn wir uns jetzt wieder durch das Gestrüpp kämpfen müssen. Am Ende der Hügel soll sich ein Fluss befinden, aber der ist für uns wohl kein Problem. Schaffst du das?“

Chappi hörte die Besorgnis in der Stimme seines Partners selbst durch die Filter der Komanlage heraus. „Ja, kein Problem. Also los, lass uns starten!“

Sie bewegten sich mit Höchstgeschwindigkeit die Hügel hoch, dann bemerkte Bramert als erster die neue ankommende Gefahr. „Luftangriff!“, konnte er Chappi noch zubrüllen, dann waren die beiden Luft/Raumjäger schon über ihnen und überschütteten ihren Standort mit Waffenfeuer. Mehrere simulierte Raketen schlugen in den leichten Mech ein und der Strahl eines schweren Lasers schmolz die restliche Panzerung vom rechten Torso weg. Bramert kämpfte mit den Kontrollen, während er gleichzeitig sah, wie Chappi von ebensoviel Waffenfeuer durchgeschüttelt wurde, dann waren die beiden Luft/Raumjäger über sie hinweggedonnert. Bramert hörte Chappis Stimme über die Komanlage brüllen. „Wir müssen hier weg! Hol alles an Leistung aus dem Reaktor, was geht und dann Vollgas!“
Bramert beschleunigte seinen Mech zur Höchstleistung und sah, wie Chappi hinter ihm herstürmte. Allerdings bemerkte er über die Ortung auch, wie die beiden Luft/Raumjäger in einer Kehre zurückkehrten und überlegte nicht lange. Er zündete die Sprungdüsen, jagte senkrecht in die Höhe und konnte direkt über sich einen der beiden Luft/Raumjäger erkennen. Er zielte mit beiden Armen und löste die dortigen Waffen aus. Sowohl der schwere als auch die beiden mittelschweren Laser trafen und das simulierte Feuer schlug durch die Panzerung des Luft/Raumjägers, zerstörte das Cockpit und tötete den Piloten. Dieser flog natürlich weiter, aber er nahm nicht mehr aktiv am Geschehen teil. Sein Partner allerdings schon und Bramert musste für diesen Treffer teuer bezahlen. Der zweite Luft/Raumjäger erwischte den linken Arm des Spector und trennte ihn sauber an der Schulter ab. Bramert landete auf dem Boden, konnte das Gleichgewicht nicht halten und krachte auf die Erde. Dabei zertrümmerte er sich einen Wärmetauscher und die ECM-Phalanx, aber er lebte noch. Der Mech von Chappi sah total zerfleddert aus – zumindest auf der Ortungsanzeige – aber auch er lebte noch und war einigermaßen einsatzfähig. Bramert fiel nun aber auf, dass er mit seinem linken Mecharm auch die Fahne verloren hatte und fluchte wie ein Rohrspatz. „Scheiße, Scheiße, Scheiße! Wo ist diese drecksverdammte Fahne?“

Chappi hatte mit vor Schreck geweiteten Augen das außergewöhnliche und halsbrecherische Manöver seines Partners gesehen und hörte ihn jetzt über die Komleitung fluchen. „Du hast die Fahne verloren? Anton, das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“
„Ich hatte sie in der linken Mechhand. Jetzt ist mein linker Arm futsch, also muss ich die Fahne fallengelassen haben.“
Chappi ging in die Knie und schob mit seinen Armen, die leider keine vollmodellierten Hände hatten, einige Blätter und Holzstücke zur Seite. „Ich hab sie gefunden.“
Bramert nahm die Fahne mit seinem rechten Arm an sich. „Wir müssen zusehen, dass wir schnell zum Zielpunkt kommen. Wir haben nur noch anderthalb Stunden.“
Die beiden Mechs liefen los und Chappi behielt vorrangig die Ortung im Auge. Aber anscheinend hatte der zweite Luft/Raumjäger erstmal genug Schaden angerichtet, denn er verschwand aus ihrem Ortungsbereich. Chappi schätzte die restliche Entfernung auf fünf Klicks. Als er Bramert dies mitteilte hörte er zunächst nur Schweigen, dann antwortete der jüngere Mechkrieger. „Kopfrechnen. Ja, das hab ich auch raus. Wir können es schaffen – geradeso.“

Was Bramert seinem Partner nicht mitteilte war, dass sein ganzer Körper vom Angstschweiß durchtränkt war. Er hatte nicht wirklich nachgedacht, als er den Luft/Raumjäger angesprungen hatte, aber als er jetzt wieder am Boden war und sich im Nachhinein über seine Aktion klar wurde, zitterten nicht mehr nur seine Hände, sondern sein ganzer Körper wie bei einem unkontrollierbaren Anfall von Spatismen. Das wirkte sich natürlich auch auf die Steuerung des Spector aus und der leichte Mech geriet ins Wanken. Chappi bemerkte natürlich die Probleme seines Partners. „Sky, was ist los mit dir?“
„Nichts, alles gut“, antwortete Bramert. „Ich hatte nur den Mech einen Augenblick nicht unter Kontrolle, das ist alles.“
Das Schweigen, das ihm antwortete, schien ihn aufzufordern, die Wahrheit zu sagen, aber er konnte Chappi die Wahrheit nicht erzählen – niemand, nichtmal der Alte, durfte von seinen Angstzuständen und seinen zitternden Händen erfahren.

Chappi wollte gerade wieder etwas sagen, als die Ortung erneut ansprang. „Stopp!“, befahl er und die beiden Mechs hielten an. Chappi kontrollierte noch einmal die Ortung, dann meinte er. „Kontakt. Eine Lanze Mechs, leicht bis mittelschwer, dazu eine Lanze Fahrzeuge, hauptsächlich Kettenfahrzeuge, auch schwere Brocken sind dabei. Es ist besser, wir umgehen sie. Wir bewegen uns nach Osten, dann können wir ihnen ausweichen, ohne großartig vom Zielpunkt abzuweichen.“
Bramert studierte die Karten, dann meinte er. „Einverstanden“, und die beiden stiefelten los. Sie hatten noch etwa fünfundzwanzig Minuten Zeit, um den Zielpunkt rechzeitig zu erreichen.

Sie waren nur noch wenige hundert Meter vom Zielpunkt entfernt und hatten die Mechlanze fast umgangen, als die Panzer auf einmal aus dem Gehölz hervorbrachen und sofort das Feuer eröffneten. Chappi und Bramert konnten ihnen geradeso noch ausweichen und erwiderten das Feuer, aber die schweren Panzer waren deutlich härtere Brocken als ihre leichteren Pendants vor ein paar Stunden. Der Kampf dauerte an und die Zeit arbeitete gegen die beiden Neu-Chevaliere. Nachdem sie endlich mit konzentriertem Feuer einen Manticore hatten ausschalten können und ihnen nur noch fünf Minuten blieben, bevor die Zeit ablief, brüllte Chappi ins Kom. „Sky! Lauf los! Ich geb dir Feuerschutz!“
Bramert wollte dagegen protestieren, aber Chappi ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. „Verdammt, tu, was ich dir sage! Ich bin direkt hinter dir, also lauf gefälligst los!“
„Scheißdreck!“, brüllte Bramert und sprintete los. Unterwegs versuchte er noch, mit seinem schweren Laser einen Bulldog abzuschießen, aber er verfehlte den Panzer knapp. Dieser drehte den Turm nach dem leichten Mech um – und wurde von einer Gausskugel von Chappis Mech getroffen, die den sechzig Tonnen schweren Panzer völlig zerstörte. Chappi rannte an dem virtuellen Wrach vorbei, drehte den Torso und feuerte eine weitere Gausskugel – ihm blieben nur noch fünf übrig – auf einen herannahenden Vedette, der von der Kugel getroffen und ebenfalls zerstört wurde. Dann tauchten allerdings die gegnerischen Mechs auf und stellten sich zwischen Chappi und den weiterstürmenden Bramert. Chappi duellierte sich daraufhin mit einem Vindicator und einer Javelin, während ein Clint und eine Stinger hinter dem Spector hinterherrannten. Bramert erreichte den Zielpunkt genau in der Zeit, drehte sich um, ließ die Fahne einfach fallen und stürmte auf die beiden herannahenden Mechs zu.
„Nie mehr! Ich lasse nie mehr einen Kameraden im Stich“, brüllte er noch in die Komleitung, bevor er wie ein Berserker auf die beiden gegnerischen Mechs einstürmte, als ob er sie rammen wollte.
Kurz bevor es zur Kollision kommen konnte, zündete er seine Sprungdüsen und landete im Rücken der Javelin. Er löste seine verbliebene Bewaffnung, den schweren und den leichten Laser, aus, traf die Javelin allerdings nur mit dem leichten Laser und konnte ein wenig von der Beinpanzerung abkratzen. Der Vindicator wandte sich jetzt dem leichteren Mech zu und feuerte seine ER-PPK auf den Spector. Der Energieblitz schmolz sich über das linke Bein des Fünfunddreißigtonners und verbrannte fast alles an dortiger Panzerung. Bramert ignorierte die Schäden und aktivierte sein Kom. „Chappi! Beweg deinen Arsch! Wir müssen zum Zielpunkt kommen, los, los!“
Er löste erneut die Sprungdüsen aus, wurde dabei erneut von der ER-PPK des Vindicator getroffen, die diesmal in den rechten Arm einschlug und den schweren Laser zerstörte, dann landete er knapp hinter den beiden anderen Mechs und lief erneut zum Zielpunkt. Chappi folgte ihm etwas schwerfälliger – ein Treffer der Javelin hatte die rechte Hüfte seines Mechs zerstört und ließ ihn nur noch humpeln. Außerdem verlor der mittelschwere Mech beide Arme mitsamt Bewaffnung und die beiden nur noch halb laufenden Wärmetauscher durch das Waffenfeuer des Clint. Chappi löste nun ebenfalls seine Sprungdüsen aus und landete neben Bramert. Die zerstörte Hüfte sorgte allerdings dafür, dass er erst einmal zusammenkrachte und sich nur mühsam und mit Hilfe des Spectors wieder aufrichten konnte. Sie hatten den Zielpunkt damit zwar erreicht, aber sie hatten fast zehn Minuten länger gebraucht als vorgeben war – und in einer Schlacht konnte schon eine Zehntelsekunde Verspätung für schwere Verluste sorgen. Sie mussten als die Entscheidung von Germaine Danton abwarten, ob sie den Test dennoch bestanden hatten.

"Anton? Danke, vielen Dank. Dir vertraue ich jederzeit meinen Rücken an und falls es bei uns nicht klappt mit der Aufnahme ist es mir egal. Wenn Du Hilfe brauchst: Ich bin da und nachher treffen wir uns abends zu einem kleinen tollen Essen und Trinken auf meine kosten. Ich danke Dir, mein ... Freund. Ich bin stolz mit dir das erlebt zu haben."

Bramert löste die Hände von den Kontrollen seines Spector und lehnte sich mit einem Seufzen zurück. Er war völlig fertig, total durchgeschwitzt und mit den Nerven am Ende. Wenn er wieder in der Kaserne war musste er dringend mit dem Einheitsarzt sprechen.

"Rudi, kein Problem. Ich danke dir auch. Es war eine harte Feuerprobe und ich habe auch einige Sachen erlebt und durchlebt. Vor allem am Ende habe ich sogar besser schiessen gelernt. Ich bin auch stolz dich als meinen Freund und Kameraden zu haben. Heute Abend zahlst du und morgen ich."

Chappi besah sich die virtuellen Schäden seines Useless und seufzte leise, aber auch mit einem gewissen Maß an Erleichterung. Während der Kämpfe mit der schwereren Panzerlanze und den Mech hatte er gemerkt, dass seine psychischen Probleme langsam verschwanden. Er würde noch lange und hart an sich arbeiten müssen, aber mit Glück konnte er schon bald wieder normal in den Einsatz gehen.

So warteten sie darauf, dass ihr Boss sich meldete und ihnen seine Entscheidung mitteilte.

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Ein Narr ist eine gefährliche Waffe im Haus der Vernunft

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30.11.2009 11:39 CeGrudke ist offline E-Mail an CeGrudke senden Beiträge von CeGrudke suchen Nehmen Sie CeGrudke in Ihre Freundesliste auf
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"Gratuliere, meine Herren!", sagte Germaine und besah sich die durchgeschwitzten zwei MechPiloten vor sich. "Sie beide haben in dieser Übung einen Schaden von vierundachtzigtausend Steiner-Kronen am Gelände angerichtet. Abgerundet. Dazu kommen zwei Tage Reparatur- und Wartungszeit für Ihre Mechs sowie Reparaturkosten von glücklicherweise nur zwanzigtausend Steiner-Kronen. Sprich knappe viertausend C-Noten. Und wissen Sie beide was das Schlimmste daran ist, Skyscraper, Chappi?" Germaine Danton, Lt. Colonel der Danton Chevaliers, weidete sich einen Augenblick an den präzise zerschlagenen beiden Zielen vor sich, die bereits nach Erwähnung der Kosten zerknirscht zu Boden blickten.
"Augen auf mich, Privates First Class!", rief er scharf.
Die beiden Krieger sahen wieder auf.
Skyscraper stutzte. "Moment Mal, Sir! Sie haben uns Privates First Class genannt und unsere inoffiziellen Callsigns benutzt! Heißt das, wir..."
"Wer hat Ihnen erlaubt zu sprechen, Private? Wenn der Boss redet, haben die Untergebenen zu schweigen. Hat Ihr Drillsergeant Ihnen das nicht beigebracht, Sky?"
"Doch, Sir." Verdutzt verstummte der ehemalige Testpilot.
"Ihr Glück, das ich für diese Übung nur eines wissen wollte: Nämlich wie Sie beide ticken. Und ich denke, Sie zwei passen hervorragend zu den Chevaliers. Sie lassen Ihre Kameraden nicht im Stich, wagen selbst in einer Übung Ihre Leben zum Schutz des anderen. Wenn wir Ihnen jetzt noch beibringen, auf Vorgesetzte zu hören, ist alles unter Dach und Fach.
Chappi, Sie waren sehr tapfer da draußen, als Sie Ihrem Flügelmann den Weg frei gehalten haben, damit er die Fahne abgeben konnte. Wir schätzen so ein Verhalten bei den Chevaliers."
"Danke, Sir."
"Skyscraper, als Sie umgekehrt sind, um Chappi zu helfen, hat mich das mehr beeindruckt als Ihr wahnsinniger Stunt mit dem Luft/Raumjäger. Aber trotzdem verdonnere ich Sie zu Therapiesitzungen mit Father O'Hierlihy. Mit einem Syndrom der Schuld des Überlebenden ist nicht zu spaßen. Dennoch, meine Herren, willkommen bei Dantons Chevaliers."
"Danke, Sir!", sagten die beiden Männer zugleich.
Germaine schüttelte jedem einzelnen die Hand und klopfte ihnen auf die Schultern. "Miko, übernimm."
"Ja, Sir. Also, da ihr zwei jetzt vollwertige Chevaliers seid, brauche ich die Samthandschuhe ja nicht mehr. Ab heute gilt für euch das gleiche Trainingsaufkommen, mit dem Lieutenant Fokker ihre Lanze schleift. Ihr dürft beginnen, indem ihr Katana und mich morgen früh beim Zehn Kilometer-Aufwärmlauf begleitet." Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. "Morgen früh. Das heißt, Freizeit ab sofort, Männer, die wir zu einem Umtrunk nutzen werden."
"Aye, Ma'am!" "Willkommen in der Truppe. Willkommen in meiner Lanze."
Sie schüttelte jedem die Hand. Ihr folgte auf dem Fuß Katana. "Wir starten um acht am Haupttor. Seid pünktlich. Lieutenant Fokker hat uns eine Tour zu den angesagteren Clubs der Stadt versprochen."

Germaine beobachtete das Treiben einige Zeit. Dann verließ er die Szene und winkte einen Bodenwagen heran. "Zurück in die Kaserne." "Ja, Sir."
Er dachte für einen Moment an die zwei Gespräche, die er heute morgen vor der Übung geführt hatte. Und er überlegte, welche Konsequenzen sich daraus für die Chevaliers ergeben würden. Bisher hatte er immer auf sicher gespielt, und wenn die Chancen schlecht standen, dann hatte er sie manipuliert, bis die Quote wieder stimmte. So wie damals auf Bryant, als er den Angreifern genügend Material für einen schnellen Vorstoß geliefert hatte, um die Verteidiger schwer zu dezimieren. Was auch geklappt hatte. Dummerweise war danach Word of Blake ihr Gegner geworden. Das war eine eher kleine Wahrscheinlichkeit in seiner Prognose gewesen.
Die erste Unterhaltung hatte mit Herzog Kell statt gefunden. Dabei hatte der große, bullige Mann ihm erklärt, das er die Gefangenen der Chevaliers weder inhaftieren noch in die Lyranische Allianz patriieren konnte. Damit blieben ihm nur drei Möglichkeiten: Die drei Überlebenden der Maestu-Miliz, MeisterTech Klaus Schwarze, Hauptmann Jesse Stonefield und Leutnant Robert Steinberger illegal in einem zivilen Gefängnis festzuhalten war die erste. Die zweite war, sie zu erschießen und kam natürlich nicht in Frage, nachdem Germaine Wolf Steinberger sein Wort gegeben hatte. Die letzte Möglichkeit gefiel ihm am allerwenigsten, aber darauf würde es hinaus laufen.

Und da war noch der andere Besuch gewesen, der diesmal ihm abgestattet worden war. Ein Präzentor von ComStar hatte ihn besucht, und als erstes eröffnet, der direkte Vorgesetzte von Andrea Hallas zu sein, der Demi-Präzentorin, die ihn damals für den Bryant-Auftrag angeworben hatte. Der weitere Besuch war interessant und spektakulär verlaufen, bis hin zu einer besonderen persönlichen Erkenntnis: Germaine hatte sich eingestehen müssen, das ihn schwierige Aufgaben reizten. So wie es diese tat. Und merkwürdigerweise war der Auftrag auf seine kastrierte Einheit erstaunlich gut zugeschnitten. Er würde ernsthaft und lange drüber nachdenken müssen, wie viele C-Noten er für diesen beinahe unmöglichen Job aus ComStar heraus quetschen würde.
"Fahren Sie mich direkt vor das Wachhaus", befahl Germaine.
Der Wagen hielt, der Kommandeur der Chevaliers stieg aus. Der Wachhabende, Corporal Jensen, wirkte überrascht, als der Chef persönlich eintrat. "Keine Sorge, Jan, das ist keine Inspektion. Ich will zu unseren Gefangenen. Versammeln Sie sie im Aufenthaltsraum."
"Sir, das ist vielleicht eine schlechte Idee, weil im Speiseraum..."
"Beruhigen Sie sich, Jan. Solange ich dort keine strippende Nutte vorfinden werde, sehe ich drüber hinweg."
Der Corporal seufzte ergeben. "Ja, Sir." Die Tür zum Aufenthaltsraum der Wache wurde geöffnet, und Germaine runzelte die Stirn. "Viel Farbe. Fleischrosa überwiegt."
"Einige der Männer malen, Sir. Die Motive stammen aus dem Kama Sutra. Es ist ein Hobby. Und die meisten Chevaliers meinen, wenn wir schon nackte Frauen an die Wände knallen, dann auch nackte Männer."
Germaine runzelte die Stirn. "Erkenne ich da hinten Lieutenant Fokker wieder, Corporal?"
"Es besteht eine flüchtige Ähnlichkeit, Sir."
"Und das da, das soll dann wohl ich sein, verbunden mit Lieutenant Tsuno." Er beugte den Kopf und senkte ihn fast auf den Boden. "Himmel, tut das nicht weh?"
"Es ist eine ordentliche Version aus dem Buch, Sir", verteidigte Jensen das Bild gekränkt.
"So, so. Dann sollten Sie das mal bei nächster Gelegenheit ausprobieren. Falls Sie sich dabei nicht die Hüfte ausrenken, sollte ich darüber mal nachdenken."
Die Tür öffnete sich, und die drei Gefangenen der Chevaliers traten ein. Wie immer war Robert Steinbergers Blick voller Hass für Germaine, denn er folgerichtig für den Tod von Wolf, seinem älteren Bruder, verantwortlich machte. Ob er jemals verstehen würde, dass sein großer Bruder ihm damit das Leben gerettet hatte?
"Mr. Schwarz! Mr. Stonefield! Mr. Steinberger! Es sieht so aus als würde der Arc Royal Defensiv-Kordon Sie drei nicht haben wollen." Germaine seufzte. "Ich werde Sie wohl alle erschießen lassen müssen."
Der ehemalige Meistertech keuchte erschrocken auf. Stonefield ächzte erschrocken. Nur Steinberger fixierte Germaine voller Hass. "Ich wusste es!"
"Es gibt natürlich eine Alternative. Und da ich die Verantwortung für Sie drei übernommen habe, will ich sie Ihnen anbieten. Treten Sie als Rekruten in die Chevaliers ein. Machen Sie gute Jobs, und wir werden sehr, sehr viel Sand über Ihre Vergangenheit werfen."
"Sie glauben doch nicht...", begann Steinberger.
Germaine erhob sich. "Wählen Sie die Chevaliers, oder wählen Sie das Erschießungskommando. Das ist mein letztes Wort." Damit verließ er den Besprechungsraum. Erschießen wäre einfacher und sicherer gewesen. Andererseits würde es eine Herausforderung der kleinen Gegenspionagetruppe werden, die drei davon abzuhalten, den Chevaliers ernsthaft zu schaden. So taugten sie in jedem Fall zu etwas. Germaine grinste dünn. Blieb immer noch das Angebot ComStars. Wieder einmal. Die ComStar-Angebote waren immer heikel, gefährlich und aufregend. Er freute sich schon jetzt darauf.

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05.12.2009 22:40 Ace Kaiser ist offline E-Mail an Ace Kaiser senden Beiträge von Ace Kaiser suchen Nehmen Sie Ace Kaiser in Ihre Freundesliste auf
Thorsten Kerensky
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Aufwachen gehörte zu den wichtigsten Dingen am Tag. Nach einem erholsamen und ruhigen Schlaf frisch und munter in den Tag zu starten, war ein Luxus, der die folgenden Stunden positiv beeinflusste.
Dummerweise hatte Jara weder viel, noch ruhig, noch erholsam geschlafen. Ihr Schädel dröhnte, als würden die Höllenhunde dort drinnen ein Manöver abhalten und schmerzlich spürte sie jeden Muskel und jeden Kochen im Körper.
Unter leichten Kreislaufproblemen quälte sie sich aus dem Bett und in ihre Nasszelle. So viel hatte sie doch gar nicht getrunken. Kneipen-Tour mit den Neuen, den Heimgekehrten und so ziemlich dem Rest der jungen Chevaliers. Es war sehr amüsant geworden, aber da sie als ranghöchster Soldat die Verantwortung trug, hatte sie sich zurückgehalten.
Mit dem positiven Ergebnis, dass niemand im Krankenhaus, oder schlimmer noch, in einer Polizeizelle endete.
Kurz wurde ihr schwindlig und sie putzte ihre Zähne vorsichtshalber im Sitzen. Himmel, sah sie fertig aus. Fünf Kneipen, fünf Bier. Das dürfte sie nicht so aus dem Rennen werfen.
Wenigstens war Wochenende und sie hatte sich und ihrer Lanze, entgegen den kursierenden Gerüchten, frei gegeben. Eigentlich wollte sie heute mal wieder länger in die Schwimmhalle und dann den Techs an ihrem Waldwolf zur Hand gehen. Da stand ein routinemäßiger Systemcheck an.
Eine halbe Stunde und eine Dusche später, begann sie zu zittern. Langsam dämmerte ihr, dass ihre Schwäche vielleicht nicht am Alkohol lag. Sie schlüpfte in ihre Uniform und machte sich resignierend auf den Weg zum Sanitätsbereich.
Dort angekommen, empfing sie der Doc persönlich: „Ah, Jara, was verschafft mir die Ehre?“
„Ich hoffe, das können Sie mir sagen. Ich tippe auf Fieber, Kreislaufprobleme, Kopf- und Gliederschmerzen, vermutlich irgendeine Grippe.“
Der Stabsarzt der Chevaliers nickte und deutete auf eine Liege: „Setz dich, ich hol mal schnell das Fieberthermometer und die anderen Spielsachen und dann schauen wir, was dir fehlt. Kannst den Oberkörper schon mal frei machen, damit ich dich abhorchen kann.“
Jara tat, was Fleischer gesagt hatte, und wartet, frierend, nur im BH und mit einem Gesichtsausdruck, der nur als elendig beschrieben werden konnte, auf die folgende Untersuchung, als die Tür aufging und Dawn eintrat. Verdutzt blieb die rothaarige Frau stehen: „Oh. Hi, Jara. Du siehst ja scheiße aus. Krank?“
„Das werden wir gleich sehen“, kommentierte Fleischer, der gerade in dem Augenblick zurückkam.
„Er sagte es. Besser, du hältst dich von mir fern, sonst ist morgen die Kleine krank.“
„Wo wir beim Thema sind: Du bist wegen einem weiteren Vorsorge-Termin da, Dawn?“
„Ja. Das und die Impfungen. Ich wollte nur fragen, wann wir vorbeikommen sollen.“
Fleischer überlegte kurz: „Hm… mit der Impfung… also Mittwoch gegen elf Uhr wäre eine gute Zeit. Da dürfte es hier sehr ruhig sein.“
„Gut, dann machen wir das. Dankeschön. Und dir eine gute Besserung, Jara!“
Jara konnte sich kaum bedanken, da war ihre Freundin schon wieder zur Tür hinaus. „Nanu? Die hatte es ja eilig.“
Der Arzt, der nun begann, seine Patientin zu untersuchen, deutete ein Schulterzucken an: „Vielleicht ein romantisches Mittagessen mit ihrem Freund?“
„Ich weiß es gar nicht.“ Sie verstummte, damit der Doc ihren Rachen unter die Lupe nehmen konnte und fuhr anschließend, leicht grübelnd, fort: „Sie war gestern Abend mit dabei, aber sie hat nichts davon erzählt. Naja… sie wird schon wissen, was sie tut.“
„Das kann ich nicht beurteilen. Aber ich weiß, was du tun wirst, Jara.“
„Verraten Sie’s mir?“
„Na klar. Du nimmst die Tabletten, die ich dir gleich gebe, drei Stück am Tag, drei Tage lang und hütest solange das Bett. Ich schreib dir eine Dienstbefreiung.“
„Drei Tage?“, echote Jara. „Montag kann ich nicht krank machen. Da geht das Training wieder los.“
„Du hast einen ausgewachsenen grippalen Infekt. Keinen besonders Netten. Aber auch nichts, was dich umbringt. Komm Montag früh vorm Dienst vorbei, dann schau ich, ob ich dich wieder arbeiten lasse, okay?“
Die Mechkriegerin seufzte und nickte. Es hatte keinen Sinn, mit dem Arzt zu streiten, er saß am längeren Hebel. „Dann so.“
Fleischer suchte ihr, während sie sich wieder anzog, eine Packung Medikament-Pillen heraus und schrieb ihr einen Krankenschein. „Und nachdem du dich beim Chef krankgemeldet hast, lässt du dir in der Küche ein paar Extra-Vitamine einpacken. Iss viel Obst, trink viel. Und ruh dich aus.“
Jara widersprach nicht. Zurück ins Bett zu kriechen, klang wirklich verlockend. Aber zum Alten würde sie vorher noch gehen müssen. Der Form wegen.

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Ama-e-ur-e
is-o-uv-Tycom‘Tyco
is-o-tures-Tesi is-o-tures-Oro
is-u-tures-Vo-e-e

06.12.2009 17:37 Thorsten Kerensky ist offline E-Mail an Thorsten Kerensky senden Homepage von Thorsten Kerensky Beiträge von Thorsten Kerensky suchen Nehmen Sie Thorsten Kerensky in Ihre Freundesliste auf
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Nachdem Germaine Danton zehn Kilometer hinter sich hatte, setzte er sich an den Rand der Laufstrecke, die zum Kasernengelände der Chevaliers gehörte. Die milde Frühjahrsluft trocknete seinen Schweiß ein wenig, und den Rest besorgte ein Frottee-Handtuch, das er in weiser Voraussicht mit gebracht hatte. Auf der Strecke liefen die Chevaliers, die nicht so schnell wie ihr Boss gewesen waren. Erstaunlicherweise waren die meisten Offiziere darunter, ebenso das Gros der Infanterie. Lediglich Jaras Truppe war gut genug im Training gewesen, um die zehn Kilometer am Stück erstens zu schaffen und zweitens schneller zu sein als der Chef. Dabei hatte Germaine aber von vorne herein darauf geachtet, die fittesten Chevaliers wie Charles gar nicht ernst antreten zu lassen. Ihm ging es vor allem darum, dass sich alle ein klein wenig blamierten und danach an ihren Leistungen arbeiteten. Gerade hatte ein weiterer Chevalier die zehn Kilometer beendet, lief noch ein paar Meter aus und beugte sich dann vor, um besser Luft zu kriegen. Anschließend wankte er zu Germaine auf die Bank. "Wie schnell war ich?", fragte Miko Tsuno und nahm dankbar das Handtuch ihres Vorgesetzten entgegen.
"Zwei Minuten langsamer als ich. Und damit bist du noch gut. Dahinten ist der Rest deiner Lanze." Germaine runzelte die Stirn, als Katana vorbei lief. "Sie ist noch recht gut bei Puste. Damit hätte sie den Lauf aber auch früher abschließen können."
Miko verdrehte gespielt die Augen. "Liegt wohl an mir. Gute alte draconische Wurzeln. Sie wagt es nicht schneller, besser oder schlauer zu sein als ich. Das kriegen wir aus ihr wohl auch nicht mehr raus. Ebenso wenig wie jemals wieder die Einheit zu wechseln. Wir Dracs haben eine recht persönliche Einstellung zu Ehrenschuld und Leibeigenschaft. Für sie bist du ihr Käufer oder auch Meister. Und sie wird dir mindestens das Leben retten müssen, bevor sie auch nur daran denken darf, etwas anderes zu tun als für dich zu kämpfen. Dreimal das Leben retten, übrigens."
"Du hast sie gefragt, ob sie die Einheit wechselt?"
"Nein, so plump war ich nicht. Ich habe nur angedeutet, das ich in einer anderen Truppe vielleicht schon Captain wäre."
"Nanu? Werden wir gierig mit der Zeit, mein Schatz?"
Miko legte sich das Handtuch um den Hals und seufzte. "Keine Sorge, so schnell wirst du alter Pirat mich nicht los. Ich wollte nur um drei Ecken wissen wie sie tickt. Ich meine, sie ist ein guter Flügelführer, und deshalb habe ich mich immer gewundert, was sie in der Söldnereinheit gemacht hat, die Bryant angegriffen hat. Aber ich bin zumindest zu der Erkenntnis gekommen, dass der Clanlaser, den du für sie bezahlt hast, mehr als gut angelegt ist."
"Gut zu wissen. Was machen deine beiden Neuen, außer das sie noch zwei Runden zurück liegen?"
Miko unterdrückte ein Lachen und suchte ihre beiden neuen Schützlinge mit den Augen. "Gut machen sie sich. Brahmert hat sich zuerst mit Händen und Füßen gesträubt, zum Gehirnklempner zu gehen, wie er sich ausdrückt, aber die Sitzungen wegen seiner Schuldgefühle und der Verlustängste tun ihm gut. Er trifft siebzehn Prozent mehr, und er wird ausgeglichener. Teuteburg... Anfangs dachte ich, ich sollte schon mal den Vergleich mit dem Sack Flöhen bemühen, aber da habe ich mich wohl geirrt. Er ist weder der Klassenclown, noch ein um Aufmerksamkeit heischender Star. Er ist ein wenig lauter als die anderen, und etwas schneller bei den Antworten. Ansonsten aber konzentriert, korrekt und wissbegierig. Bis jetzt bin ich zufrieden. Aber ein abschließendes Urteil kann ich erst nach einer richtigen Kampfsituation sagen." Sie musterte Danton beiläufig. "Dazu hast du nicht zufällig etwas zu sagen, Germaine?"
Der Herr der Chevaliers lächelte dünn. "Wie man es nimmt. ComStar hat mir einen tollen Unterkontrakt angeboten, aber eigentlich wollte ich ihn ausschlagen. Ich meine, unser letztes Gefecht mit den Wölfen war schwer und verlustreich, und ich wollte die Chevaliers gerne noch ein wenig ausruhen lassen. Aber da ist etwas an der Mission, das... Hast du jemals etwas von Wayside V gehört?"
"Du fragst hier eine Draconierin, ja? Natürlich kenne ich Wayside V, ebenso wie die Gefechtsgeschichte seiner Eroberung. Soll mir das jetzt irgend etwas sagen? Weil, für Garnisonsdienst können wir auch hier bleiben."
"Oh, es geht schon etwas tiefer. Was sagen dir Begriffe wie Titan, Tantal und Germanium?"
"In früheren Zeiten hättest du stattdessen Gold, Silber und Diamanten gesagt. Ich gebe zu, ich bin interessiert. Wayside V ist?"
"Potentiell, falls wir den Kontrakt annehmen, unsere Ausgangsbasis. Nicht mehr und nicht weniger. Die ganze Operation ist ohnehin zweigeteilt."
Miko seufzte leise. "Oh, bitte nicht schon wieder so ein Scheiß wie mit der Operation auf Bryant mit Leipzig."
"Oh doch, etwas in der Art. Aber bevor ich diesen Kontrakt annehme, muss Herzog Kell noch zustimmen. Nicht, das er einem Ersuchen ComStars nicht statt geben würde. Und mein vages Interesse muss vorher in ernsthaftes Interesse umschlagen." Er musterte seine Gefährtin von der Seite. "Hast du noch was schwarzes röhrenartiges kurz gehaltenes, das du als Kleidungsstück und andere als Stirnband bezeichnen würden?"
"Du meinst ein Abendkleid? Ich müsste mal schauen was ich im Schrank habe, oder einkaufen gehen. Warum?"
"Ich bräuchte heute für einen kleinen Ausflug in, Hm, ein bestimmtes Milieu etwas starkes, was mich beschützt - und das wird Rowan sein. Und was hübsches, was das Interesse von mir ablenkt. Das wirst dann du sein."
"Anders herum wäre es auch schwierig geworden", scherzte sie. "Sergeant Rowan macht im kleinen Schwarzen keine gute Figur."
"Na ja, man müsste es mal ausprobieren", erwiderte Germaine todernst. Sie lachten.
"Nimm einen Nadler mit", bat der Oberstleutnant.
"Wo, sagtest du, gehen wir noch mal genau hin?"
"In ein kleines Casino, mit Blackjack und Nutten."
"Oh, gut. Mir wurde schon langweilig."
***
Raumhäfen hatten, egal auf welchem Planeten sie standen, ihre ganz eigene Kultur und ihre eigenes Ambiente. Kleinere Häfen wie auf Trellwan, die an sechzig von hundert Tagen ohne Schutzanzug nicht betreten werden konnten, kannten bestenfalls eine Subkultur. Hoch frequentierte Häfen auf Zentralwelten hingegen bildeten eine Art zweiter Gesellschaft, und anhängig von der Nachlässigkeit oder Bestechlichkeit der Behörden traten diese Gesellschaften eher offen oder eher versteckt auf.
Morgan Kell, der planetare Herzog, führte ein recht strenges, gut strukturiertes Regiment. Alleine schon für den Erhalt der Kell Hounds und der Exilwölfe wäre es für ihn tödlich gewesen, ausgerechnet die Situation an den Häfen von Arc Royal schleifen zu lassen oder sogar aus der Hand zu geben. Also hatte sich die zweite Gesellschaft versteckt, zurückgezogen. Und wurde durch diese Heimlichkeit und den Reiz des Verbotenen für bestimmte Kreise nur noch attraktiver. Dabei war das, was man im Allgemeinen als Arc Royals Unterwelt bezeichnete, teilweise sogar von den Kells gefördert, weil, wenn man etwas nicht verhindern konnte, dann sollte man es wenigstens kontrollieren. Dem entsprechend leicht hatte es ein Freund der Herrscherfamilie, im Raumhafenmilieu an die richtige Adresse zu kommen.
Im Fall von Germaine Danton und seiner drei Begleiter hatte ein Tipp von Chris Kell gereicht, dazu ein paar Steiner-Scheinchen in die richtige Hand, und die Limousine der vier, die der blichen Vorliebe des hiesigen reichen Establishments entsprach, fuhr vor einem ganz offiziellen, legalen Tanzlokal mit VIP-Bereich vor.
Dort angekommen erweckte der elegante Mann im schwarzen Anzug mit Stehkragen mit der schlanken Asiatin im Schlauchkleid allerdings nicht so viel Aufmerksamkeit wie das Pärchen hinter ihm. Er war ein Riese, dem man den Elementare auf tausend Meilen bei Gegenlicht ansah, wenngleich er im weißen Smoking eine ziemlich gute Figur machte. Sie war für eine Elementare eigentlich zu klein geraten, für eine normale Frau wiederum viel zu groß. Dennoch war ihre geballte Weiblichkeit durchaus ein Blickfang. Oh, man konnte vermuten, dass die beiden Riesen die Leibwächter der vorweg gehenden waren, allerdings benahmen sie sich nicht so. Im Gegenteil, beide hatten große Erfahrungen im Umgang und mit den Etiketten der Inneren Sphäre. Aus diesem Grund hatte Germaine sie ja auch ausgesucht. Soweit man zwei Elementare in Abendgarderobe abkaufen konnte, keine Leibwächter zu sein.

"Guten Abend und willkommen im Clochard, Mesdames, Messieurs. Ich bin Paul, Ihr Oberkellner. Womit kann ich Ihnen dienen?"
"Ich habe reserviert. Ein Tisch für sechs Personen um acht Uhr. Germaine Danton."
"Ah, Monsieur Danton. Es tut mir furchtbar Leid, aber ich kann keine Reservierung finden."
"Schauen Sie noch mal nach, Paul. Ich bin sicher, Sie werden meine Reservierung finden. Herr Takahara hat sie persönlich für mich vermittelt", sagte der Lt. Colonel und schob dem Kellner einen Schein über einhundert C-Noten in sein Reservierungsbuch.
"Oh, natürlich, ich sehe hier den Fehler. Herr Takahara hat für seine Gäste gebucht, und Ihr Name, Sir, steht erst darunter. Wie ungeschickt von mir. Sie haben einen Tisch im VIP-Bereich." Der Oberkellner schnippte mit dem Finger. "William, führen Sie Monsieur Danton und seine drei Begleiter bitte in den VIP-Bereich. Und versuchen Sie nicht ihn mit französisch zu beeindrucken. Monsieur Danton ist Terraner."
"Sie haben Ihre Hausaufgaben gut gemacht", sagte Germaine anerkennend, bevor er dem neuen Kellner folgte.
"Nur ein Hobby von mir. Ich interessiere mich für alle militärischen Einheiten und deren Anführer, die den Jadefalken oder den Wölfen, pardon, kräftig in den Arsch treten."
Ein Lächeln huschte über Germaines Züge. "Ich werde einen für Sie abschießen, Paul."
"Zu gütig. Erfreuen Sie sich bitte an Ihrem Aufenthalt."
"Bitte folgen sie mir, Messieurs."

Für Raumhafenmilieu war das Lokal edel aufgezogen. Genau die Sorte an Restaurant, die genau jene Klientel anzog, welche die Betreiber des illegalen Casinos haben wollten. Der vordere Raum war gediegen, hell erleuchtet und geschmackvoll eingerichtet.
Aber durch eine Tür neben der Küche, auf der verheißungsvoll das Wort "Privat" prangte, gelangte man in einen Korridor, der zu einem mit einer Stahltur gesicherten Treppenabgang brachte. Am Fuß der Treppe wartete wieder eine Stahltür. Der Kellner führte sie hinab und klopfte. Ein Türspion schoss auf, laute Musik drang durch die Öffnung, und zwei zornige Männeraugen musterten sie kurz. "Was?"
"Monsieur Danton als Gast von Monsieur Takahara, Ben."
der Türspion schoss wieder zu, und kurz darauf schwang die Tür nach innen. eine unglaubliche Lärmkulisse aus Musik und den Stimmen Dutzender Leute drang ungebremst auf sie ein.
"Sie können eintreten, Sir. Haben Sie Waffen abzugeben?"
"Nur meine persönliche Handfeuerwaffe. Ein Laser im Schulterpolster. Die Lady hat einen Nadler, will mir aber nicht verraten, wo sie ihn versteckt hat. Und meine beiden Begleiter brauchen so einen Firlefanz wie Waffen nicht. Sie sind Waffen."
"Monsieur Takahara hat darum gebeten, Monsieur Danton seine Waffe zu belassen", mahnte William, bevor er sich verneigte und wieder nach oben ging.
"Ich denke mal, die Kleine ist kein schießwütiges Rotzgör. Meinetwegen. Aber wenn ich ein blankes Rohr sehe, brate ich Ihnen entweder eine Bullenkugel über, oder zwanzigtausend Volt durch die Venen. Je nachdem wie nahe Sie mir stehen."
"Oh, der Laden gefällt mir schon jetzt", murmelte Germaine und betrat das Casino.
Die große unterirdische Halle bot vielleicht einhundert Menschen bequem Platz. Leider hielten sich zweihundert hier unten auf und drängten sich ums Roulette und Tischen für Vierer-Drax, Poker, Black Jack und einigen anderen Spielen, die Germaine noch nicht näher kannte. Und obwohl die Nacht noch jung war, ging es bereits heiß her. Die Mixtur der Gäste war interessant, weil die holde Frau im Abendkleid hier direkt neben dem Arbeiter im schlechten Anzug spielte - oder wahlweise dem Industriellensohn in Blue Jeans und Seidenhemd. "Keine Jetons?", fragte Germaine in Bens Richtung.
"Wir spielen hier nur um die richtige Kohle. Gehen Sie, wenn es Ihnen nicht gefällt."
Germaine grinste schief und gab dem Mann die Hand. Dabei wechselten einhundert Steiner-Kronen den Besitzer. "Seien Sie mir gewogen, Ben."
"Ha. Für einen Hunderter schreibe ich Ihnen zum Geburtstag und zu Weihnachten."
Germaine nickte der Türwache noch einmal zu, dann tauchten sie direkt in das Gewühl aus Menschen jeder Schicht, jeder Couleur, aber sicher nicht jeder moralischen Vorstellungen ein.
Zielsicher steuerte Germaine einen Roulette-Tisch an. Dort sicherte er Miko einen Sitzplatz und deutete Sergeant Rowan und Corporal Saya, sich in die Nähe an einen Pokertisch zu setzen oder Glücksrad zu spielen. Für das was er vorhatte, brauchte er sie nur in der Nähe, aber nicht in Sichtweite, was seinen potentiellen Kontakt abschrecken würde. "Die sieben, Schatz. Setz auf die sieben", raunte Germaine der Draconierin ins Ohr und legte ihr einen Stapel C-Noten in die Hand.
Miko lächelte und legte die dreihundert C-Creds aus zwanzigern auf die sieben.
"Neuve rouge. Die Bank gewinnt."
Enttäuscht sah sie Germaine an. "Das war ein schlechter Rat."
Germaine legte ihr einen weiteren Packen Scheine in die Hand. "Versuch es noch mal, Schatz."
"Trente-huit, noir." Ein junger Mann gegenüber sackte das Sechsunddreißigfache seines Gewinns ein, während die dreihundert C-Noten von Miko den Weg allen irdischen gingen.
"Ruhig, Schatz, aller guten Dinge sind drei", raunte Germaine ihr von hinten ins Ohr. Er pustete ihr in die Ohrmuschel, was sie mit einem Kichern quittierte. Diesmal wanderten fünfhundert C-Noten in ihre Hände. Entschlossen lächelnd legte sie das Geld auf der sieben ab.
"Sept, noir. Mademoiselle, Sie haben gewonnen!"
Als der packen an C-Noten erheblich aufgestockt wurde und den Weg zu Miko fand, kreischte sie begeistert auf. "Gewonnen! Germaine, wir haben gewonnen!"
Danton lächelte unsicher. Okay, das war nicht geplant gewesen. Er hatte Geld verlieren und Aufmerksamkeit erwecken wollen, dazu gehörte nicht, die Betreiber zu schröpfen.
"Haben wir jetzt eine Strähne?", fragte sie hoffnungsvoll. Zwischen den Zeilen aber fragte sie: Wenn wir noch mal gewinnen, werden wir dann gleich erschossen, oder erst ausgeplündert?
"Nein, ich denke, das war unser Höhepunkt. Lass uns etwas anderes ausprobieren."
Als er Miko auf half, klatschten die anderen Spieler höflich. Germaine deutete eine Verneigung an, die Miko selbst um einiges theatralischer ausführte.

Am nächsten Black Jack-Tisch nahmen sie Platz. Diesmal hatten sie zwei Plätze. "Also gut, spielen wir." Germaine eröffnete sein Spiel mit achtzehn, splittete und endete mit zwanzig und sechzehn. Miko überriss vor dem Split und war raus. Einer der anderen Spieler aber erreichte einundzwanzig.
Im zweiten Spiel überriss Germaine mit zweiundzwanzig und dreiundzwanzig, Miko schaffte es auf neunzehn, wurde aber von der Bank überboten.
"Sie spielen aber sehr risikolastig", sagte einer der anderen Spieler, ein elegant gekleideter Mann mit gepflegten Haaren. "Jedes Mal eintausend C-Noten zu setzen macht die Bank nervös."
"Oh, wir haben gerade am Roulette-Tisch gewonnen, und jetzt wollen wir etwas Spaß haben. Zehntausend ComStar-Bucks mehr oder weniger, was macht das schon."
"Darf ich dich an diese Worte erinnern, wenn wir neu über meinen Sold verhandeln?", flüsterte Miko ihm grinsend zu.
"Unterstehe dich", flüsterte Germaine zurück und grinste offen für den Dandy.
In der dritten Runde kam Germaine auf die erhofften einundzwanzig, bevor er splitten konnte. Die Bank kam nur auf achtzehn, und einer der anderen Spieler erreichte ebenfalls einundzwanzig. Damit hatte Germaine gewonnen, und das war nicht geplant gewesen. Doch dafür hatte Miko ihren Einsatz in den Sand gesetzt.
"Monsieur Danton? Mademoiselle? Haben sie zwei vielleicht einen Moment?", erklang eine dunkle Stimme hinter ihnen.
"Wofür exakt?" "Der Chef würde sie gerne einmal privat sprechen."
Germaine seufzte und erhob sich. Galant reichte er seiner Begleiterin die Hand zum aufstehen. "Dann sollten wir wohl."

Sie folgen dem bulligen Kerl im schwarzen Anzug eine kleine Empore hinauf, zu eine Tür neben einem verspiegelten Panorama-Fenster. Im Zeitalter der Technik und der überall postierten Kameras nur ein wahr gewordenes Klischee, aber wenigstens hatte der Hausherr Stil.
Als sie eintraten, stand ein kleiner, ernster Mann vor dem Fenster und sah hinaus. Auf der Rückseite des Raums liefen mehrere Monitore mit Bildern der Überwachungskameras. Zwei zeigten Rowan und Saya.
"Ah, Monsieur Danton. Darf ich fragen, was ich Ihnen getan habe?"
"Getan? Ich bin sicher, die paar C-Noten vom Roulette habe ich schnell wieder verloren", erwiderte Germaine.
"Was? Wer redet von diesem Kleckerbetrag? Ihr riesiger Elementare räumt gerade beim pokern ab. Und die übergroße Lady hat beim Glücksrad schon zweimal den Hauptgewinn erdreht! Wissen Sie, was mich das kostet? Zweihunderttausend C-Noten! Was also muss ich tun, damit das aufhört?"
Germaines Grinsen sackte in sich zusammen. Das nannte man dann wohl Anfängerglück.
"Miko, hole die beiden, bitte."
"Natürlich, Germaine."
Ohne ihn anzusehen, nickte der Mann am Fenster. "Danke. Was also führt Sie wirklich hierher, Monsieur Danton? Ich meine, außer denen die Sie mitgebracht haben, gibt es hier keine Clanner, die Sie in den Arsch treten könnten."
"Herr Takahara hat mich empfohlen."
"Das ist mir bewusst. Allerdings ist das nur Ihre Eintrittskarte, Colonel, nicht Ihr "Du kommst aus dem Gefängnis frei"-Schein! Das sollte Ihnen bewusst sein."
Unaufgefordert setzte sich Germaine in einen Sessel vor dem Schreibtisch. "Loren Cole. Mit mir in einem Privatraum, an einem Pokertisch. Wenn Sie mir das arrangieren, hören meine Leute auf zu spielen."
"Loren Cole?" Der Mann sah amüsiert herüber und grinste ihn mit dem Gesicht eines Buchhalters an. "Wollen Sie ein Sprungschiff erpokern?"
"Etwas ganz ähnliches. Ich bin sicher, dass Cole da unten ist. Also, sind wir im Geschäft?"
"Ich werde Ihnen für diesen Dienst vierzigtausend Steiner-Kronen berechnen."
"Wir sind im Geschäft. Kann ich mit C-Noten zahlen?"
"Natürlich. Jeder nimmt C-Noten. Manche spucken drauf, manche fluchen drüber, manche wischen sich damit den Arsch ab. Aber annehmen und ausgeben tun sie sie alle."
"So, da sind die beiden, Germaine. Was jetzt?"
Der Colonel drehte sich zu den dreien um. "Jetzt haben wir ein ganz klassisches Pokermatch in einem Nebenraum. Nicht wahr?"
Der Mann am Fenster lächelte dünn. "In der Tat."
***
Etwa zwei Stunden später saß ein breit grinsender, bärbeißiger Raumbär mit Germaine an einem Tisch, biss in seine rauchende Zigarre und zog zwanzigtausend C-Noten zu sich heran. "Herzlichen Dank für Speise und Trank. Germaine, Sie sind ein sehr williges Opfer. Damit haben Sie in den letzten Stunden sechzigtausend und ein paar Zerquetschte an mich verloren."
"Ja, eine Menge Geld", sagte der Chevalier abfällig. Er schnippte mit der Rechten, und Rowan trat vor. Als der Elementare seine Anzugjacke öffnete und hinein langte, rutschte der Sprungschiffskapitän vom Tisch ab. "Wowowowowowow! Germaine, Sie machen doch jetzt keine unschönen Sachen, oder?"
Verständnislos musterte der Colonel seinen Gegner, während Rowan ihm ein Bündel weiterer Geldscheine in die Hand legte. "Sie sollten nicht zu sehr auf andere schließen, Loren." Er nahm das Bündel und warf es Cole zu. "Hunderttausend C-Noten, Loren."
Einigermaßen beruhigt rückte der Mann wieder an den Tisch. "Was denn? Geben Sie mir Ihr Geld schon freiwillig, bevor Sie es verlieren können?"
Germaine grinste schief. "Natürlich nicht, guter Mann. Es ist ein Vorschuss."
"Ein Vorschuss?", fragte Cole interessiert.
"Ein Vorschuss für Ihre Dienste im Caliban-System."
Entsetzt wich Cole wieder zurück. "Was wissen Sie davon?", blaffte er aufgebracht.
"Einer Ihrer Leute hat etwas von dem Tantal beiseite geschafft, das Sie gefunden haben, Loren. Er hat es auf Wolcott unter der Hand verkauft und eine interessante Geschichte dazu erzählt. Die war so interessant, das einige Leute bereit sind, einiges an Unkosten zu kompensieren, die Ihnen entstehen könnten." Germaine lächelte gefährlich. "Wenn wir wieder ins Caliban-System fliegen. Damit meine ich meine Chevaliers und Ihr Sprungschiff, Loren."
"Wessen Interesse hat es geweckt?", fragte Cole vorsichtig.
"Der Vorschuss hier ist von Anastasius Focht. Sehen Sie es als Anzahlung für die Metalle, die Sie im Caliban-System schürfen werden. Wenn Sie die Vorräte auch nur ansatzweise korrekt eingeschätzt haben, dann lohnt sich der Transport in die Innere Sphäre."
Cole kaute wieder auf seiner Zigarre herum. "Eher habe ich die Lagerstätten zu klein eingeschätzt. Ich bin ein pessimistischer Mensch. Allerdings hatte ich nicht vor, dorthin zurück zu fliegen."
"Und ich habe vor, hin zu fliegen. Aber leider sind Sie und Ihr Navigator die einzigen Menschen, die wissen wie wir dort hin kommen."
"Hören Sie, Germaine, ich mag es ja, Geld zu verdienen. Und es juckt mir als altem Prospektor natürlich in den Fingern, auf diesem staubigen, heißen Drecksball ein paar hundert Tonnen Tantal und Germanium zu schürfen und reich zu werden. Aber ich lasse ungern auf mich schießen. Meinen letzten Trip haben acht meiner Leute mit dem Leben bezahlt, weil diese merkwürdigen Verrückten auf uns gefeuert haben."
Germaine zog einen Stofffetzen hervor und warf ihn Cole zu. "Trugen diese Verrückten zufällig Uniformen wie dies hier?"
Cole schnaubte halb frustriert und halb amüsiert. "Das muss Jackson gewesen sein. Er hat ein Faible für Fetische. Er muss den Toten, der unserem Lander zum Opfer fiel, geplündert haben."
Germaine betrachtete sinnend den grauen Stoff mit den goldenen Kragentressen. "Nicht ganz. Dieses Stück stammt von Wayside V und wurde ComStar übergeben. Ihr Matrose hat trotzdem Teile einer Uniform wie dieser verkauft. Recht geschäftstüchtig, der Mann."
"Ihr Interesse gilt also dieser Uniform, Germaine? Und warum, wenn ich fragen darf?"
"Rowan?" Der Elementare trat vor, nahm den Stoff in die Hand und grunzte angewidert. "Nebelparder."
"Ganz Recht. Dieses Fragment gehört zu einer Nebelparder-Uniform. Der Besitzer dieser Jacke und der Besitzer der Jacke, die Ihr Lander abgeschossen hat, stammen aus derselben Einheit. Einer Truppe, von der man nie wieder etwas gehört hat, nachdem sie sich auf Wayside V eine mehr als blutige Nase geholt hat. Sagen wir es mal so: Die Nebelparder sind tot, und sie sollen tot bleiben. Haben wir es tatsächlich mit versprengten Pardern zu tun, die immer noch weiter kämpfen, werde ich sie besiegen. Sind es Piraten, die sich als Parder ausgeben oder fühlen, werde ich sie auslöschen. Und Sie, Loren, werden mir diese Bastarde mit Ihrer Prospektorentätigkeit hervor locken."
Der Skipper schaubte abfällig. "Sie brauchen eine Armee für diesen Job, Germaine!"
"Oh, ich habe eine Armee. Zu ihr gehört eine Mech-Kompanie mit moderner Ausrüstung. Meinen Sie, das wird reichen?"
"Das weiß man vorher nie. Aber eventuell reicht es. Eventuell kommen wir ins Geschäft. Wann, sagten Sie, wollte Anastasius Focht, das wir diese verrückte Mission beginnen?"
"Wie wäre es mit übermorgen?"
Nachdenklich strich sich Cole über den Bart. "Ich würde wirklich sehr gerne noch mehr schürfen. Und ich bekommen umsonst eine eigene Leibgarde."
"Etwas in der Art", sagte Germaine lächelnd.
"Ich glaube, Sie sollten Ihren Stabschef verständigen und ein Treffen mit meiner Buchhaltung organisieren, damit sie die Details unserer Übereinkunft ausarbeiten. Wir haben einen Deal."
"Und wir werden voraussichtlich beide unseren Spaß haben", sagte Germaine, erhob sich und reichte Cole die Hand. "Noch ein Spiel, Loren? Ein richtiges diesmal?"
"Ich glaube, wir werden noch sehr viel Zeit für sehr viele Spiele haben, Germaine", erwiderte Cole, biss auf seine Zigarre und grinste frech.

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Dawn war seit sie wieder bei den Chevs war aufgebracht, wütend und sogar unglücklich.

Es fing an das der Alte sie in die Etappe steckte. Naja, dies konnte sie ja auch noch nachvollziehen, auch wenn es ihr nicht schmeckte. Aber wieso gerade in die Personalabteilung… sie hatte doch extra Logistikkurse besucht, und die Daten hatte sie auch pflichtgemäß nachgereicht zu ihrer Personalakte. Germanie wusste es also und hat sie trotzdem Simulatordaten auswerten lassen… und selbst das nur eingeschränkt. Von der großen Übung hatte sie nichts gehört. Und der Rest war einfach nur vergleichen mit den alten Daten. Dazu könnte man auch einfach ein Programm schreiben. Es war einfach ein Posten der überflüssig war und sie dafür nicht qualifiziert.

Der zweite Grund war Markus. Irgendwie hatte er sich verändert. Er Freute sich zwar auf die Zeit mit seiner Tochter, aber mit Dawn unternahm er immer weniger. Es ging schon soweit das er öfters mit seiner Mannschaft zusammen war als mit ihr.

Und zu guter Letzt war da noch Jara, auch sie hatte sich verändert. Sie hatte es geschafft und war nun Offizierin, doch das ging sehr zu ihren Lasten. Sie hatte kaum Freizeit, und Dawn fühlte sich auch schuldig weil Jara die wenige Zeit fast immer bei Ihr und der Kleinen zubrachte. All das brodelte in ihr.

Nach aussen hin zeigte sie das natürlich niemanden. Bzw. sie versuchte dies, bei Jara fiel ihr das immer schwer. Doch bis jetzt war sie zum Glück immer zu sehr abgelenkt gewesen und nun anscheinend krank. Ihr bleib nur eine Möglichkeit diesen Frust raus zu lassen: Das Training! Sowohl im Simulator als auch auf der Trainingsbahn meldete sie sich so oft an wie es ging. Anfrage bezüglich der Häufigkeit wimmelte Dawn mit Ausreden wie Standardstunden zur regulären Mechkriegerqualifikation und vertraut werden mit dem neuen Mech ab. Das ganze ging schon so weit das sie ihre Trefferquote um 75% gesteigert hatte, im Vergleich zu ihren besten Daten. Dawn war noch nie eine wirklich gute Bordschützin gewesen, ihr Talent war eher das steuern eines Mechs. Doch langsam hatte sie den durchschnitt der meisten erreicht und hatte Tage da kam sie an die Leistungen der Clanner heran, wenn nicht drüber. Dies waren natürlich Tage wo ihr Frust sehr stark war. Und diese Daten ließen sie nun darüber nachdenken, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte mit den Chevaliers. Sie war froh ihre Freunde wiederzusehen, zumindest zum Teil. Aber im gesamten hatten sich die Chevaliers geändert, oder war sie es die sich geändert hatte? Sie wusste es nicht, und momentan war es ihr egal. Gestern Abend hatte sie sich wieder mit Markus gestritten und nun durfte sie zum Glück in den Simulator. Sie hatte ein Standardtrainingsprogramm geladen, variables Gelände und variable Feindeinheiten, insgesamt ein Stern Clanner.

Sie saß in ihrem Donnerkeil, den sie inoffiziell „Revenge“ getauft hatte, und betrachtet die Landschaft die sich vor ihr auftat. Sie stand auf einem hohen Berg, die Instrumente zeigte eine Höhe von knapp 3000m über NN an. Unter ihr, ca. 200m befand sich eine Art Plateau, durchzogen von labyrinthartigen Gängen. Sie verfluchte das Fehlen der Sprungdüsen und machte sich an den langsamen Abstieg auf das Plateau.

Nach zwei Stunden stieg Dawn aus dem Simulator. Sie war schweißgebadet und erschöpft, hatten ihr die Clanner einen harten Kampf geliefert. Mit den Scout des Sterns hatte sie schnell kurzen Prozess gemacht, der Myst Lynx war quasi in dem Labyrinth in sie reingelaufen und sie hatte ihn mit einer starken Salve begrüßt. Nach einem kurzen Schusswechsel hatte Revenge ein wenig Panzerung eingebüßt und der Lynx war zerstört. Das war der leichtest Teil gewesen. Der Thor und der Loki hatten mehr Probleme bereitet, sind aber ebenfalls gefallen, allerdings mit schweren Schäden an Dawns Donnerkeil. Das Finale war ein Daishi mit Elementarunterstützung, die Elementare hatten leichtes Spiel mit ihr, da vieles von der Panzerung schon weg war und der Daishi sie hinderte, sich um die Elementare zu kümmern. Aber wenigstens konnte sie sich abreagieren und ihr Tod hatte etwas Erlösendes gehabt. Nun musste sie sich duschen und um ihre Tochter kümmern. Sie meldete sich beim Verlassen wieder für den nächsten Tag an, ahnend das es nötig werden könnte.

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Die Taufe Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Bramert und Teuteburg saßen in der Kantine und waren gerade am Austauschen der neusten Gerüchte bezüglich eines möglichen Auftrags für Comstar, als die Tür der Kantine aufgerissen wurde und eine sehr ärgerliche Miko reingestampft kam.

Erst steuerte Sie direkt auf die beiden zu blieb aber abrupt stehen, hollte eine Wasserpistole raus und beschoss die beiden völlig überraschten Lanzenmitglieder mit einem dicken Wasserschwall. Danach drehte sie sich um und lief lachend weg.

Der halb volle Saal sah die beiden nassen Chevaliers an und fing auch an zu raunen, dann zu schmunzeln und einige lachten ebenfalls. Als nächstes kam Germaine in den Saal und wunderte sich über das Spektakel und den Anblick. Da saßen die Sprunginfantrie an einem Tisch und lachten, schauten immer wieder zum Tisch von Sky und Chappi. Die beiden saßen völlig Nass und ungläubig am Tisch. Beide schauten sich mit großen Augen an und plötzlich sprangen beiden auf und stürmten hinter der kleinen Miko hinterher, die kurz zuvor lachend schon an Germaine vorbei gerannt war in Richtung der Mechhangar.
Beim passieren von Germaine wurden die beiden kurz langsamer, aber sobald Sie ihren Chef passiert hatten nahmen sie wieder Tempo auf. Nun waren die beiden Außerhalb der Kantine und schauten sich um wo Miko wohl hin war. Im selben Augenblick hielt ein Jeep vor der Kantine und eine Ordonanz sprang aus dem Wagen und lief auf die beiden zu und sagte:“ Ich soll Ihnen sagen von Sergeant. Tsuno, man erwarte ihre Anwesenheit im Mechhanger. Es sei dringend.“ Als nächstes zog der Mann auch eine Wasserpistole und spritzte die beiden schon nassen Kameraden und Freunde voll. Dann sagte er schnell als die beiden leicht wütend auf ihn zu kamen: „Jungs, nicht! Das war ein Befehl und eine Botschaft die ich so überbringen sollte. Okay, vielleicht nicht ganz nett, aber Befehl ist Befehl, oder? Jungs nicht ... !“ Zu mehr kam er nicht denn Chappi hat den Mann schon am Kragen und Sky suchte die Wasserpistole und entleerten den spärlichen Rest über den armen Mann. „So. Jetzt geht es mir auch schon ein wenig besser.“ Sagte Anton zu Rudi, jetzt lass uns mal nach unserer witzigen Lanzenkameradin suchen und uns rächen, ich habe da auch schon eine Idee.“ Rudi war mit Anton zur Halle gefahren und hatte sich dann die Uniform der Ordonanz geliehen, nur um Miko zu täuschen. 3 Minuten nachdem Rudi die Halle betreten hatte sollte sich Anton durch einen Seiteneingang schleichen und einen der Feuerlöschschläuche schnappen und alles Nass machen was sich im Hangar bewegte, soweit der Plan.

Miko hatte natürlich nicht im Alleingang gehandelt und so war es nicht verwunderlich das Miko und Yamada sich vorbereitet hatten und wartet ebenfalls völlig unschuldig aussehend mitten in der Halle. Yamada hatte sich in einem kleinen Seitenraum versteckt, von dem aus die Löschanlagen gesteuert werden konnten. Es war ein Zufall das genau durch diesen Seitenflur Bramert schlich und sich nur durch das Geräusch verriet als sich der Feuerlöschschlau abwickelte. Tsuno stand natürlich neben einer Schaufensterpuppe mit den Klamotten von Yamada, in dem leeren Torso waren eine volle Wasserpistole und einige Wasserbomben versteckt. Sie sah den Jeep am Tor halten und die Ordonanz aussteigen und auf sie zukommen. Erst als der Mann schon auf fünf Meter heran war erkannte sie Rudi, begann zu lachen und holte ihre Waffe hervor und begann zu schiessen. Rudi konnte dem meisten Wasser ausweichen und wartete nun auf Anton, da flog auch schon eine Seitentür auf und Anton kam mit einem Feuerwehrschlauch im Anschlag hereingelaufen und begann sofort diesen zu benutzen, der erste Strahl traf Miko auch und durchnässte sie doch einige Augenblicke später kam kein Wasser mehr aus dem Schlauch, Anton dreht sich um und sah nun ganz verdutzt in das lächelnde Gesicht von Yamada im kleinen Kontrollraum die gerade irgendeinen Kopf drückte. Und dann wurde die ganze Halle nass.

Natürlich hatte das alles auch ein Nachspiel für die vier von der Scoutlanze, denn als die Techs von ihrer Mittagspause wieder kamen und auch etliche Leute der Infantrie heranstürmten, weil ein riesger Wasserstrom aus dem Mechhangar kam begann erst der Ärger richtig.

Am Abend gab es eine Einsatzbesprechung unter der Leitung von Miko, die nach einigen Stunden des Trocknens von Werkzeugen der Techs auch sich endlich abgetrocknet und geduscht im kleinen Büro wieder fand, so wie ihre ganze Lanze.
„ So meine Herren, nun sind sie offiziell getauft und in meine Lanze aufgenommen. Yamada kommt auch gleich und wir beginnen mit der eigentlichen Besprechung.“ Verschmitzt grinsten sich die drei an, denn als einzige war Yamada bei der ganzen Aktion trocken geblieben. Das sollte noch geändert werden und so hatten sie einen großen Eimer Wasser über die Bürotür gehängt und sobald die Tür aufging würde Yamada eine eiskalte Dusche abbekommen. Leider hatten die drei nicht damit gerechnet das Germaine mit der Lanze ein paar ernste Worte über ihre Vorstellung des Mittags zu wechseln hatte und so kam es das urplötzlich ein völlig nasser Germaine Danton im kleinen Büro von Miko Tsuno stand, in drei erst erschrockene und dann laut lachende Gesichter starrte. Die einzigen Worte die Germaine sagen konnte waren „Wieso? Was geht denn hier vor sich? Was soll das?“ Miko wurde leicht rot, Anton und Rudi versucht ernst zu werden, schafften dies aber nicht richtig. Dann kam auch schon Yamada und trat grinsend in den Raum. „ Aha, ihr wolltet mich also auch nass machen. Schade dass ich mich leicht verspätet habe. Der arme Kerl .... oh ... Oberst .... ich hatte Sie nicht gleich erkannt ...“ grinsend setzte sie sich auf einen Stuhl. „Meine Damen und Herren der Scoutlanze, ich weiss nicht was hier passiert ist und eigentlich geht es mich auch nichts an, nur hätte ich gern eine Erklärung für solch eine Art von Benehmen und zwar sofort. Sergeant Tsuno, was sollte dieses Theater? Simstein hat mich angerufen und geschimpft und geflucht. Ihr habt den halben Mechhanger geflutet und etliche Werkzeuge nass gemacht.“

„Germaine“ , begann Tsuno langsam,“ es war eigentlich als Übung gedacht. Den Neuen zu zeigen das sie immer bereit sein müssen mit etwas unerwartetem zu rechnen. Dann hatte ich die Idee die beiden zu taufen und Yamada fand die Idee auch gut. Und da dachte ich wir verbinden eine Übung mit etwas vergnügen. Es ist ein wenig aus dem Ruder gelaufen, aber glaub mir es hat die Moral hier in der Garnison bestimmt gut getan. Ausserdem sind so diese absurden Gerüchte über einen Einsatz im Kombinaten unter Comstar auch erstmal vergessen und alles redet über diese etwas undurchsichtige Aktion.“ Tsuno war sich nicht sicher ob Germaine ihr diese übertriebene Aktion so leicht entschuldigen würde. „Das geht so nicht, Sergeant Tsuno. Sie sind die Lanzenführerin der Scoutlanze und ich erwarte mehr Verantwortung und Verstand in Ihren Aktionen. Ich kann über so was nicht tadellos drüber hinwegsehen. Hiermit wird ihre Lanze zum ständigen Nachtdienst abgestellt und zwar als Fusspatroullie am Zaun. Sie melden sich mit Ihren Leuten um 22:00 Uhr beim zuständigen Offizier der Wache.“

Bevor der Nachtdienst begann, wurde noch ein wenig geplaudert und der Dienstplan für die kommenden Tage geändert. So wurde das Training der Lanze auf die Nachmittage gelegt. Vorallem Schusstraining und Bewegungs- / Erkundungsmissionen wurden eingeübt, Abläufe vertieft und ein System für die Scoutlanze entwickelt. Später sollten dann Übungseinheiten mit der Infantrie und anderen Truppenteilen der Chevalliers stattfinden.

Kurz bevor der erste Nachtdienst begann hatte Miko noch mit Germaine privat gesprochen und sich dann mit einem langen Kuss zum Nachtdienst verabschiedet. Alles war Privat in Ordnung zwischen Germaine und Ihr und das war das wichtigste.

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Die Reihen der angetretenen Chevaliers salutierten auf Befehl, als Jerrys Augen auf ihnen ruhten. Das Musketier-Maskottchen grinste sie alle keck von seinem Platz an der Fahne an und beobachtete gut gelaunt den Abzug der halben Kompanie.
Germaine Danton besah sich die Soldaten, die ihrem Gerät nur noch in die Crying Freedom folgen mussten: Die gesamte Panzerkompanie, ein Zug Infanterie und ein Halbzug der Pioniere, unterstützt von Stab-, Tech-, und San-Dienste ebenfalls in Zugstärke.
Germaines Blick ging über die angetretenen Offiziere, die dem Kontingent vorstanden. Major Scharnhorst als Oberkommandeur, Captain Lane als Chef der Infanterie, Captain Bligh Ross von den Hounds, der die beiden Rotten Jäger anführte, Stabsarzt Malossi vom Sanitätsdienst, Lieutenant Bishop von den Pionieren, MeisterTech Simstein für die Techs, Lieutenant Alice Malone vom Stabsdienst und Chefkoch Train McAllister, der treue Gefolgsmann des großen Meisters Leon Decaroux. Sie hatten Gerät im Wert von knapp drei Millionen C-Noten verladen und waren auf dem Weg nach Rasalhaag, wo eine Aufgabe in der Verteidigung auf sie wartete. Durch die neuesten Spannungen mit den Wölfen und einigen Undurchsichtigkeiten mit den Höllenrössern lechzte das Restgebiet des kleinen Nachfolgerstaats nach erfahrenen Soldaten für Verteidigungsmaßnahmen. Die Panzer der Chevaliers waren genau das - ein erfahrenes Bollwerk der Verteidigung, das aber auch zu blitzschnellen, schmerzhaften Vorstößen in der Lage war.
Wo das Halbbataillion eingesetzt werden würde, stand noch nicht fest. Aber da ComStar die Zeche bezahlte, konnte es auf Tukkayyid sein, oder einer anderen Rasalhaagischen Welt. Die Chevaliers würden als Löschtruppe dienen, die eine prekäre Sicherheitslage drehen sollte.
Vor nicht einmal tausend Jahren hätte man dazu eine Division Panzer gebraucht, mit entsprechendem organisatorischem Rückhalt. Aber heutzutage war die Panzerwaffe erschreckend effektiver als damals, und teilweise überflügelte sie sogar die Mechs, die sich hochtrabend als Könige des Schlachtfeldes heroisierten. Dabei war es ein gängiger Witz unter Piloten, dass sie unter sich keine Könige sahen, sondern nur Bodenziele.
"Sind die Höllenhunde bereit, Major Scharnhorst?"
"Sie sind es, Colonel. So bereit wie sie sein können."
"Dann wünsche ich viel Glück, viel Erfolg und eine ruhige Zeit." Germaine reichte dem Freund und Untergebenen die Hand. Manfred Scharnhorst ergriff sie und drückte fest zu.
Germaine zog Manfred zu sich heran, solange sie sich noch an den Händen hielten. "Vergiss nicht, was du bist, Panzerfahrer. Vergiss nicht wofür du eingesetzt werden sollst. Komme mir nicht wieder und erzähle mir, du hättest die Höllenhunde heldenhaft geopfert. Ihr seid für Defensive angeheuert, inklusive schneller Entlastungsvorstöße, falls sich die Gelegenheit ergibt. Sieht es mies aus und soll jemand geopfert werden, machst du einen Rückzieher, hast du gehört? Wenn es sein muss, gehe mit allen in den Untergrund, in deine eigene Stellung, was weiß ich. Das ist mein direkter Befehl an dich, und ich bade liebend gerne all den ganzen Ärger für die Höllenhunde aus. Solange ich euch in einem Jahr nur wiedersehe."
"Das hast du mir schon alles gesagt", tadelte Manfred grinsend. "Und ich gebe es eins zu eins wieder zurück. Vergiss nicht da draußen, auf deine Leute aufzupassen. Du hast keine Ahnung wer dich erwartet, wie viele es sind und wie sie ausgerüstet sind. Und ob sie nicht mittlerweile Freunde mitgebracht haben. Du hast eine gut ausgebildete, ausgewogene Mech-Kompanie zu deiner Verfügung und führst sie als schnelle Angriffstruppe. Du hast unsere Spähkommandos, als nutze sie auch entsprechend. Meide es, eine Übermacht zu vernichten. Nicht, dass du dich plötzlich mehr gegenüber siehst als du bewältigen kannst. Und wenn du tatsächlich da draußen auf echte Parder triffst, vergiss nicht Regel eins im Umgang mit ihnen."
"Und die wäre, Major, Sir?", fragte Germaine grinsend.
"Erst zu Leibeigenen machen... Dann ihnen sagen, dass ihr Clan nicht mehr existiert."
"Ein guter Tipp." Die beiden traten nach einem letzten Schmunzeln auseinander. "Gute Reise, Major Scharnhorst."
"Gute Jagd, Colonel Danton."
"Auf das Landungsschiff wegtreten."
"Aye, Sir. Captain Lane, wir treten ab!"
"Aye, Sir! Bataillon, rechts um! In Reih' und Glied ohne Tritt marsch!"
Während sich die Panzerfahrer und ihre Unterstützungstruppen, flankiert von ihren Offizieren, im Gleichschritt auf die FREEDOM zu bewegten, klang Master Sergeant Metellus' Stimme auf. "Bataillon... Stillgestanden! Salutiert!"
Die MechKrieger mit ihren Unterstützungskontinenten erwiesen den Kameraden geschlossen Respekt. Dies war das erste Mal, dass die Einheit aufgeteilt wurde, in zwei nahezu gleich große Teile. Es war nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft noch kleinere Segmente Separatverträge annahmen. Es gab diese Variante, oder die Expansion auf Regimentsstärke. Germaine hatte sich für ersteres entschieden. Vorerst.
"Bataillon... Rührt euch! Und jetzt gebt euren Kameraden mal einen richtigen Gruß mit auf den Weg!" Die überraschten Chevaliers stockten für einen Moment, dann klang zaghafter Applaus auf, unterstützt von Pfiffen und Jubel, der schnell an schwoll. Dantons Höllenhunde bedankten sich durch markige Sprüche und winkten ihren Kameraden.
Als schließlich der letzte Chevalier im Lander war und der Overlord seine Hangars schloss, traten auch die Chevaliers ab. Zu einem Landungsschiff hielt man in der Startphase Abstand. Viel Abstand. Damit waren sie nur noch die Hälfte wert. Und das zu einer Zeit, in der sie in ein echtes Abenteuer aufbrachen.
***
"Ja, was gibt es, Sergeant Tsuno?", sagte Germaine, als die Draconierin spät abends sein Büro betrat.
"Ich melde mich zur Strafwache ab, Sir", sagte sie schmunzelnd.
"Beklage dich bei mir nicht über Dinge, die du selbst über dich gebracht hast, Miko", erwiderte Germaine und gähnte herzhaft. Nach diesem Packen Formulare wurde es Zeit für seinen extrem späten Termin bei Herzog Kell.
"Ich beklage mich auch gar nicht. Es war die Sache wert." Sie kicherte leise. "Irgendwie müssen wir Frauen ja unsere Dominanz über die Männer bestätigen."
"So?" Argwöhnisch zog Germaine eine Augenbraue hoch. "Und, hat es was gebracht?"
"Oh ja." Miko nickte gewichtig. "Wir sind jetzt alle mit Wasserpistolen ausgerüstet."
Germaine fiel in das Kichern seiner Untergebenen nicht ein. "Du weißt wo die Grenze ist", mahnte er.
"Ach, komm, Germaine. Es war nur ein Spaß. Und ich trage ja auch stolz und ohne zu zögern die Folgen meiner Aktion, nicht wahr? Die Disziplin ist also gewahrt. Auch wenn das bedeutet, das du den Rest der Strafe allein schlafen musst."
"Ach ja, da war ja noch was. Strafen sind so eine zweischneidige Sache."
"Aber ich werde dich besuchen, bevor ich schlafen gehe und du deinen Dienst beginnst."
Ein flüchtiges Schmunzeln ging über Germaines Züge. "Da war ja noch was."
"Allerdings. Und das nicht zu knapp. Melde mich ab zum Dienst, Colonel." Sie salutierte und verließ danach mit provozierendem Hüftschwung das Büro.
Stirn runzelnd sah Germaine ihr hinterher. Oh, bisher hatte ihr Verhältnis gut funktioniert, überraschend gut funktioniert. Er war noch schwer angeschlagen gewesen, wegen der Art und Weise, wie Belinda ihn verlassen hatte. Und sie hatte eine schwere Abfuhr von Manfred erhalten. Mit gebrochenen Herzen hatten sie sich dann aneinander wieder aufgerichtet - etwas, was Germaine normalerweise nie zugelassen hätte. Man konnte ja nie sagen, ob dann nicht irgendwann ein ISA-Killer hinter ihm stand. Andererseits, geschehen war geschehen, und solange es funktionierte, würde es laufen. Ein sowohl beruhigender wie beunruhigender Gedanke.
Aber dann? Später? Was würde noch passieren? Würden sie zusammen bleiben? Eine Familie gründen? Kinder haben? So weit in der Ferne lag das gar nicht.
"Sir, Sie haben gleich den Termin", sagte Corporal Jensen. Er hatte die Vertretung für Cindy übernommen, die Manfred begleitete. Und bisher war der Rasalhaager nicht vollkommen gescheitert. Das war nicht schlecht für den ersten Tag.
"Danke, Jan. Ich mache mich auf den Weg. Machen Sie danach Feierabend."
Der Infanterist unterdrückte einen erleichterten Seufzer. "Aye."
Germaine erhob sich, griff nach Jacke und Dienstuniform und klopfte dem Unteroffizier auf die Schulter. "Denken Sie immer daran, mein Junge, ein Chevalier kämpft da wo er hin gestellt wird. Und er nimmt dazu die Waffen, die er vorfindet."
"Aye, Sir", erwiderte Jensen mürrisch, und fügte schnell an: "Ich gebe mein Bestes, Sir."
"Das habe ich auch nicht anders erwartet", erwiderte Germaine und verließ das Büro.

Unten auf dem Hof erwartete ihn bereits der Fahrer. Hinter ihm stapfte der Puma über den Kasernenhof, und aus dem Mech-Hangar erklang noch immer Lärm, obwohl es schon spät war und alle Maschinen auf dem neuesten Stand sein sollten. Aber Theorie und Praxis hatten noch nie zueinander gepasst. Immerhin machte man diesen Unterschied nicht aus blauem Dunst heraus.
Germaine stieg ein, der Fahrer versicherte sich kurz, dass sein Ziel sich nicht geändert hatte, und fuhr los.
Für Germaine bedeutete dies eine halbe Stunde Fahrt durch Arc Royals Hauptstadt. Mehr als genug Gelegenheit, um die Metropole des ARDK gedankenverloren in Augenschein zu nehmen.
Als er wieder ausstieg, brachte ihn das einem weiteren ungeliebten Gespräch mit dem Herrscher näher. Der Mann war ihm unheimlich, und das nicht nur wegen der Fähigkeiten, die ihm angedichtet wurden. Nein, er hatte Germaine sofort und auf den ersten Blick als jemanden entlarvt, der sich normalerweise nie für ein Kommando entschieden hätte. Eine äußerst unangenehme Erfahrung, die er ungern wiederholen wollte. Auch seine von Zorn gezeichneten Besuche, in denen er das Recht hatte erzwingen wollen, seinen Leuten zu folgen, hatte er nicht in bester Erinnerung. Morgan Kell sicher auch nicht.

Als er also am Büro des Herzogs anklopfte, geschah dies recht zaghaft.
"Herein." Kell sah auf, und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Ah, Robin of the Hood. Darf ich vorstellen: Lieutenant Colonel Germaine Danton, Herr über die Dantons Chevaliers. Colonel, Sie kennen Oberst Allard ja bereits. Dies hier ist Mr. Smith vom Lyranischen Geheimdienst Loki."
Germaine stockte, als er diese Erklärung hörte. "Loki? Hier auf Arc Royal?"
Der kleine, freundliche Mann lachte herzlich auf und strahlte dabei wie ein Honigkuchenpferd. "Es gibt gewisse Kontakte, Colonel. So wie die lyranische Gesellschaft gespaltet ist, so sind auch wir bei Loki, Hm, aufgeteilt in die Realisten und die Fundamentalisten. Während die Fundamentalisten zum Halali auf Victor Davion blasen, versuchen die Realisten, dieses Land stabil zu halten. Nicht für den jetzigen oder zukünftigen Herrscher, sondern für das Volk. Nennen Sie es eine zweite Gesinnung. Genauso wie General Adam Steiner hauptsächlich für die Allianz kämpft, nicht für jemanden, der auf dem Thron sitzt."
"Oh. Ist das die Langspielplatte für Arc Royal? Wollen Sie nicht auch die von Tharkad zum Besten geben?", stichelte Germaine.
"Ich bitte Sie, Colonel. Ihre Einheit hat mit unseren internen Querelen doch überhaupt nichts zu tun. Kein Grund, mich zu reizen." Für einen Augenblick lag echter Schmerz in seinen Augen.
Der Kerl war entweder ehrlich, oder ein verdammt guter Schauspieler.
"Mr. Smith ist als mein Gast hier, Germaine. Können Sie das akzeptieren?"
"Natürlich, Mylord."
"Gut, dann kommen Sie. Wir diskutieren gerade Ihre Tour de Force."
Langsam trat Germaine zu den drei Männern an den Holotisch.
"Wir sind beinahe durch. Das Gefecht mit der Wolf-Garde war recht effizient, und auch auf Vulcan haben Sie ja das eine oder andere Wunder vollbracht, wenngleich keine Widerstandsgruppe versorgt", referierte Smith. "Wir konzentrieren uns gerade ausschließlich auf Thannhausen. Diese Welt hat mittelfristig vielleicht die Chance, sich von Clan Wolf zu befreien und wieder lyranisch zu werden. Unsere Anweisungen lauten eigentlich, nichts gegen die Wölfe zu unternehmen, und auch Wolf im Exil versucht es nicht gerade zu provozieren. Aber nicht wenige meiner Kollegen denken darüber nach, Thannhausen betreffend, langfristiger zu denken." Der Geheimdienstmann nickte stoisch und machte sich dann Notizen. "Ich habe gehört, Sie gehen wieder raus?"
Germaine räusperte sich überrascht. "Ein ComStar-Auftrag. Es geht um Tantal, Titan, Germanium."
"Und um einen Haufen Nebelparder. Oder solchen, die es erst werden wollen", schloss Smith. Er sah Germaine ernst an. "Falls Sie da draußen tatsächlich auf echte Parder treffen, dann wissen Sie hoffentlich, dass die Lyranische Allianz ein paar Leibeigene gebrauchen kann. Egal was Clan Wolf im Exil sagt. Die Parder sind... Waren ganz hervorragende, hoch aggressive und sehr erfolgreiche Krieger. Einige von ihnen in unseren Reihen könnte selbst die Jadefalken vorsichtiger machen, bevor sie uns erneut überfallen."
"Mein Auftrag kommt von ComStar", erinnerte Germaine. "Sicher wissen Sie, dass ComStar damit die Hoheit über die Leibeigenen hat."
"Papperlapapp. Sie werden von Herzog Kell nur ausgeliehen. Also gilt Ihr Kontrakt mit dem ARDK. Nichts sonst."
"So einfach ist es dann doch nicht", warf Morgan Kell schmunzelnd ein, "aber Ausrüstung dürfte nicht die Hauptbeute sein, Germaine. Im Gegenteil. Mein Sohn hat mir zu verstehen gegeben, dass Wolf im Exil über einige Giftake hoch erfreut sein dürfte. Ein Umstand den auch die Allianz geäußert hat, ebenso wie Wolfs Dragoner. Wenn es denn Giftakes da draußen gibt. Falls es echte Clanner sind."
Allard räusperte sich. "Der Witz an der Geschichte ist, dass wir und die Clans uns gegenseitig ein Bein stellen. Ihre Giftakes sind nicht mehr historisch korrekt, weil die Wissenschaftlerkaste sie eigenmächtig mit Erbgut aus der Inneren Sphäre vermengt haben. Also brauchen wir quasi lebende Exemplare von Leuten, die zwanzig Jahre oder älter sind, also bevor die Clans die Innere Sphäre erreichten. Wir könnten da aus reinem Wissensdurst Giftakes von allen gebrauchen: Krieger, Wissenschaftler, Mediziner, Techniker, also alles was einmal Wahrgeboren gewesen sein könnte. Das große Archiv der Parder auf Huntress kann die Korrektur sicher gut gebrauchen." Allard räusperte sich erneut. "Wir tun das nicht, um die Nebelparder zu reaktivieren. Aber Blutnamen und Bluthäuser sind ein wichtiges Handelsgut, auch für die Innere Sphäre. Vielleicht brauchen wir es eines Tages zu unserem Überleben."
Germaine grinste das falscheste Lächeln, zu dem er in der Lage war. "Mylord, Herr Oberst, Mr. Smith, jetzt mal ganz ehrlich: Was wollen Sie von mir?"
"Hm", machte der Geheimdienstmann. "Sie haben prophezeit, das er uns nicht glauben würde, Morgan. Aber er ist nicht von selbst drauf gekommen."
"Das käme auf einen Versuch an. Germaine, was wir Ihnen gesagt haben, ist einer der Gründe, warum ich der Mission zugestimmt habe. Tatsächlich können die Wölfe im Exil noch das eine oder andere Giftake gebrauchen, immerhin haben sie schon komplette Sterne der Parder absorbiert."
"Ebenso die Allianz", warf Smith ein.
"Was könnte noch dahinter stecken?"
"Wenn ich mal ganz klassisch denke, dann haben Operation Bulldog und Schlange mindestens einen Nebelparder von Großkaliber nicht erwischt. Entweder ist er entkommen, oder er wurde einfach nie identifiziert. Und nun befürchten einige Eingeweihte - also der Rat des Sternenbunds - dass dieser Mann oder diese Frau die Nebelparder neu gründet. Und zufällig hat Kapitän Cole genau in der Weltraumregion gebuddelt, in der Sie Ihren untergetauchten Nebelparder vermuten."
"Gut, gut, das war schon nicht schlecht", stellte Smith fest. "Allerdings geht es nicht um einen Mann oder eine Frau, sondern um eine Blutlinie. Die Showers-Sektion, aus der Leo Showers abstammt, der ilKhan, der die Invasion anführte, wurde auf Huntress gegen eine Innere Sphäre-Sequenz ausgetauscht. Wir haben seine Nachfahren und GeschKameraden, soweit sie überlebt haben, unter unserer Kontrolle. Alle bis auf zwei. SternCaptain Ikan Furey und SternCommander Damien aus dem Bluthaus Wimmer stammen direkt von ihm ab. Und ja, wir vermuten sie in der Region, in die Sie unterwegs sind, Colonel. Es wäre... Nett, wenn Sie Beweise für ihr Ableben mitbrächten, um die Neugründung der Parder unmöglich zu machen. Wenigstens für die nächste Zeit."
Morgan Kell wandte ein: "Verstehen Sie uns nicht falsch, Germaine. Uns liegt nichts daran, sie unbedingt tot zu sehen. Als Leibeigene sind sie noch wertvoller für uns und die Innere Sphäre. Aber frei und da draußen haben wir einen zweiten Minnesota-Tribe, der irgendwann auf uns zurück schlägt."
"Auf uns oder die anderen Clans. Wobei ersteres wahrscheinlicher ist", fügte Allard an.
"Minnesota-Tribe? Da klingelt was bei mir", sagte Germaine konzentriert.
"Eine gut ausgerüstete Einheit, die nur für ein paar Monate auftauchte, im Draconis-Kombinat ein paar tausend Menschen aus einem Bergwerk entführte und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand. Ihr Wappen enthielt die Umrisse des terranischen Nordamerika-Staates Minnesota. Zufällig ein Symbol, das mit Clan Vielfraß, dem ungenannten Clan, in Verbindung stand. Man nimmt heute an, dass der Clan, der eigentlich von Clan Wolf vernichtet wurde, nicht vollkommen ausgelöscht war, und dass die Überlebenden als Minnesota-Tribe ins Kombinat kamen, sich mit Menschen und Material versorgten und danach die Innere Sphäre wieder verließen."
"Diese Theorie ist hoch umstritten", warf Smith ein, "aber die Vermutung, dass der Minnesota-Tribe aus dem Clanraum stammte, ist es nicht."
"Also, Germaine, wir können gute Nachrichten gebrauchen. Schlechte wie: "Die Nebelparder sind doch wieder da, und Dutzende absorbierte Sternhaufen machen sich auf dem Weg zurück zu ihnen" wollen wir lieber nicht hören."
"Ich verstehe und bin im Bilde. Na, das wird ja ein Spaß werden. Ich kriege Dossiers über die beiden?"
"Alles was Sie brauchen", versicherte der Geheimdienstmann.
"Wir werden Sie etwas aufpeppen, Germaine", versprach der Herzog. "Clan Wolf stellt Ihnen wieder einen Verbindungsmann zur Verfügung, einen Mechpiloten, der einen Höhlenwolf steuert. Er dürfte Ihnen noch bekannt sein: SternCaptain Frederic."
Germaine nickte. Frederic gehörte zu jenen Wölfen, die er zurück geholt hatte.
"Des Weiteren verstärken wir Ihre Infanterie ein klein wenig. Sie haben Ihre Rüstungssektion beachtlich aufgestockt, habe ich gehört. Auf unsere Bitte hin hat Clan Wolf im Exil zugesagt, Ihren unterbesetzten Stern aufzufüllen. Dies aus Dankbarkeit und aus Respekt für Ihre große Unterstützung in einer schwierigen Lage."
"Danke dafür, Mylord."
"Das wäre dann eigentlich alles. Haben Sie noch Lust auf einen verspäteten Imbiss, Germaine?"
"Gerne doch, Mylord." Innerlich frohlockte der Kommandeur der Chevaliers. Zehn Elementare von Clan Wolf... Er musste bei Hall und Kell wirklich einen Stein im Brett haben.

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„Wieso genau mache ich das nochmal?“, fragte Jara, während sie missmutig das Chaos an Zetteln auf ihrem Schreibtisch zu sortieren versuchte.
„Weil du die ranghöchste Mechpilotin der Einheit bist und damit bist du für diese Teileinheit verantwortlich“, gab Danton zurück und reichte ihr ein Formular.
„Das stimmt aber gar nicht. Du bist immerhin Oberstleutnant. Das macht dich zum ranghöchsten Mechkrieger.“ Sinnlos. Diesen Punkt hatte sie schon dreimal vergeblich versucht, anzubringen.
Der oberste Chevalier grinste: „Aber ich habe nebenbei auch den Rest der Einheit zu führen und so bleibt diese wichtige Aufgabe eben meiner stellvertretenden Mechoffizierin überlassen.“
„Wichtige Aufgabe? Und Stellvertreterin bin ich auch nur dann, wenn es um Pflichten geht“, murrte die blonde Offizierin und schrieb Versorgungsnummern auf den Verbrauchsnachweis.
Germaine ignorierte den zweiten Teil und deutete auf die Lehrbücher, die auch noch in ihrem kleinen Büro herumlagen: „Außerdem willst du dein Patent ja unbedingt schriftlich haben und da gehört nun einmal auch die Verwaltung und nicht nur das Kämpfen. Außerdem bin ich ja noch hier und helfe dir.“
„Ich dachte nur immer, für den Kram hätten wir unseren Stabsdienst.“
„Auch. Aber jede Teileinheit muss nun einmal ihre Sachen selber sortieren und das dann an den Stab weitergeben. So läuft es eben. Und ich will ehrlich sein: Je mehr ich davon dir aufdrücken kann, desto besser für mich. Ich habe eigentlich genug anderes zu tun. Wenn ich keinen anderen Offizier geschenkt bekomme, wirst du mittelfristig zumindest organisatorisch und verwaltungstechnisch Teileinheitsführerin werden.“
„Und wenn ich mir das noch nicht zutraue?“ Jara sah von einem Materialanforderungsbogen auf. „Reichen 12 Rollen Sportverband für einen Monat?“
„Bei dem Verbrauch deiner Lanze mach mal besser 15 drauf. Juliette streicht dir eh wieder welche. Und es geht ja nur um den Papierkram. Wenn du dir die Führung im Gefecht nicht zutraust, ist das halb so wild, denn da musst du nur etwas tun, wenn ich ausfalle und das habe ich ja noch gar nicht vor.“
Für eine Weile arbeitete Jara schweigend und Germaine passte genauso still darauf auf, dass sie keine Fehler machte. Dann lehnte sie sich zurück, nahm einen Schluck Kaffee und sah zu ihm auf: „Warum ich? Ich bin noch so jung. Ich fühle mich gar nicht reif genug dafür.“
„Ich habe dich nicht ohne Grund im Offiziersrang bestätigt. Du hast in deinen anderthalb Jahren bei den Chevaliers gelernt, auf andere aufzupassen, auf dich aufzupassen, für andere Verantwortung zu tragen, für dich Verantwortung zu tragen und schließlich, deine eigene Lanze zu führen. Ganz davon abgesehen, dass du gelernt hast, deine Grenzen zu akzeptieren und eine wundervolle Patentante für unser erstes Einheits-Baby bist. Und freiwillig die Arbeit als Junior-Offizier machst. Und ich glaube, mit ein wenig Übung und Erfahrung wirst du auch nicht sehr lange brauchen, um eine Kompanie führen zu können. Denn dazu soll ein Offizierspatent befähigen.“
Jara wollte sagen, dass es daran nicht lag. Dass sie Angst hatte, neben ihrem Beruf sich selbst zu verlieren. Dass sie seit Monaten keinen Sex mehr hatte, weil sie einfach keine Menschen kennen lernte. Sie wollte sagen, dass sie bei den Chevaliers auch eigentlich keine richtigen Freunde gefunden hatte, sah man von Dawn ab. Und dass es ihr manchmal wirklich auf die Nerven ging, von allen Seiten neidische und teils missgönnende Blicke zu erhalten.
Sie wollte all das sagen, aber sie tat es nicht. Vermutlich ahnte Danton eh, was in ihre vorging, aber auch er schnitt das Thema nicht an.
Stattdessen nickte er in Richtung der Papierstapel: „Für heute wollen wir es gut sein lassen. Mach hier morgen weiter und wenn du fragen hast, wende dich an Juliette oder an mich. Schönen Dienstschluss, Jara.“

Später traf sich Jara dann mit Miko zum Kommunikativen Ausschuss der Frauen in Führungspositionen erdgebundener Einsatztruppen. Die beiden jungen Lanzenführerinnen veranstalteten so ein Treffen einmal in der Woche, hauptsächlich zum Austausch von Tipps, Neuigkeiten und Tratsch und zur Planung von gemeinsamen Übungen oder Unterrichtsstunden.
„Wie läuft die Arbeit?“, begrüßte die Draconierin ihre Freundin.
„Frag nicht!“ Jara seufzte und schüttelte den Kopf. „Der Papierkram bringt mich um.“
„Kenn ich.“
„Ich glaube nicht. Du hast nur deine Lanze. Ich darf mich jetzt in die Kompanieversorgung einarbeiten. Von wegen stellvertretende Mechoffizierin, Offizierspatent und so.“
Miko grinste und goss Jara Kaffee ein. „Und das hat dir vorher niemand gesagt?“, stichelte sie mit deutlich ironischem Unterton.
„Doch. Doch, ja. Germaine hat es erwähnt. Und Juliette hat es mich sogar unterschreiben lassen. Ihr Gesichtsausdruck hätte mich warnen sollen.“ Hilflos hob sie die Schultern. „Viel Feind, viel Ehr. Oder so.“
„Und wie schlägst du dich?“
„Ganz gut. Ich bekomme nur noch jedes fünfte Dokument zur Verbesserung zurück. Und meine Lanze schaffe ich auch irgendwie im Training zu halten.“
„Oh. Und ich hatte gehofft, ich könnte zu deiner Elite-Truppe aufschließen. Neue Leute einzuarbeiten wirft einen immer ein wenig zurück“, klagte Miko.
„Keine Chance“, gab die blonde Söldnerin lachend zurück. „Und ich habe auch nicht vor, das Tempo rauszunehmen. Wenn wir wirklich auf Katzenjagd gehen, brauchen die Leute jedes bisschen Übung, dass sie vorher bekommen können. Und Wasserpistolen helfen gegen Claner nicht.“
Die Draconierin verzog das Gesicht bei der Anspielung auf ihren Strafdienst: „Sehr witzig. Immerhin haben wir so eine Art Sozialleben.“
„Das haben wir auch. Zum Beispiel gehen wir einen Abend in der Woche als Lanze irgendwo hin. Kino, Kneipe oder so.“
„Ich meinte jetzt weniger deine Truppe. Ich sprach von dir. Frederic ist seit zwei Tagen bei der Einheit und du scheinst ihm gekonnt aus dem Weg zu gehen.“
Das Absacken von Jaras Schultern signalisierte einen Treffer. „Was soll ich sagen?“, fragte sie. „Ich weiß nicht, ob ich dort anknüpfen will, wo wir aufgehört haben. Das war eine ganz andere Situation.“
„Keine Gefühle oder so?“
„Er ist Claner.“
„Er ist Exilwolf. Die sind deutlich menschlicher als der Rest der Bande.“
Jara zuckte mit den Schultern: „Vielleicht. Vielleicht verzeihe ich ihm auch einfach nicht, dass er den größeren Omni hat. Weiß auch gar nicht, wie der Chef einen Höhlenwolf integrieren und warten will.“
„Womit wir wieder bei deinem Papierkram wären“, gab Miko zurück und akzeptierte den Themenwechsel.
Jara seufzte: „Und das für einen Omni von hundert Tonnen…“

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Ama-e-ur-e
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is-u-tures-Vo-e-e

29.01.2010 08:57 Thorsten Kerensky ist offline E-Mail an Thorsten Kerensky senden Homepage von Thorsten Kerensky Beiträge von Thorsten Kerensky suchen Nehmen Sie Thorsten Kerensky in Ihre Freundesliste auf
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Father Duncan O’Hierlihy, der Kaplan der Chevaliers, wies lächelnd auf einen der beiden Sessel, die an einem frisch entfachten Kamin standen. „Setzen Sie sich, Anton. Es redet sich viel besser, wenn man bequem sitzt.“
Der junge Mechkrieger und Chevaliers-Frischling nickte leicht eingeschüchtert, obwohl die Präsenz des Geistlichen ihm Vertrauen einflößte. „Danke, Father.“
O’Hierlihy nahm dem Private 1st Class gegenüber Platz, dann sagte er. „Colonel Danton wollte, dass wir uns treffen, damit Sie über Ihre Probleme sprechen können. Es tut mir ehrlich leid, dass ich erst jetzt einen Termin für Sie finden konnte.“
„Um Himmels willen…“, Bramert merkte selbst, dass diese Formulierung gerade nicht angepasst war. „Verzeihung, Father. Ich wollte eigentlich sagen, dass das überhaupt kein Problem ist. Meine Zeit war auch eher begrenzt in den letzten Tagen. Sie haben ja vielleicht davon gehört.“
„Allerdings. Wasserschlachten, Strafpredigten und Training. Doch, Sie waren in der letzten Zeit sehr beschäftigt, Private“, antwortete O’Hierlihy mit einem Schmunzeln. „Also, wollen wir beginnen?“
Er holte einen kleinen Block und einen Stift hervor, schlug die Beine übereinander und setzte eine altmodische Lesebrille auf. Bramert zögerte kurz. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.“
„Da wo Sie wollen, Anton. Sie bestimmen das Thema und das Tempo. Wir beide haben den ganzen Tag Zeit und wenn Sie wollen können wir auch weitere Sitzungen anberaumen. Ich richte mich völlig nach Ihnen.“
Bramert seufzte leise und verzog schmerzhaft das Gesicht, als die Erinnerungen an die Vergangenheit wieder durch seinen Geist zogen. Die alten seelischen Narben brannten wieder wie frische. „Was wissen Sie bisher?“
„Sie waren auf Kikuyu“, antwortete O’Hierlihy sanft. „Und Sie mussten gegen die Leichte Deneb und danach gegen die Jadefalken kämpfen, wären fast gestorben und waren mehrere Monate auf der Flucht, bevor Sie den Planeten verlassen konnten. Das sind die Informationen, die ich von Colonel Danton über Sie bekommen habe.“
Bramert nickte und musste ein Zittern unterdrücken, als er wieder an die schreckliche Zeit auf Kikuyu zurückdachte. „Das war das bisher Schrecklichste, was ich jemals erlebt habe. Viele Leute, die ich kannte und die wenigen Freunde, die ich hatte, sind auf dem Planeten gestorben, weil ich einen Fehler gemacht habe.“
„Ich höre Ihnen zu, Anton. Sie können mir alles erzählen“, meinte O’Hierlihy und der junge Mann folgte dieser Aufforderung.

Kikuyu:

„Also schön, Leute, hergehört. Wir haben die Nachricht erhalten, dass die Jadefalken im Anflug sind. Wir wissen nicht, wieviele es sind, aber wir müssen davon ausgehen, dass sie uns mit allem angreifen, was sie in das System gebracht haben und das wird jede Menge sein“, Hauptmann Regina Schulter, die Kommandeurin der Aufklärungskompanie des 3. Bataillons, Storm’s Metal Thunder, hielt nicht hinter dem Berg. Warum auch? Damit tat sie ihren Leuten keinen Gefallen. „Der Oberst will sich mit unseren „Freunden“ von der Leichten Deneb zusammenschließen, damit wir eine Strategie entwickeln können, um uns solange gegen die Falken zu schlagen, bis wir uns geordnet zurückziehen können. Dafür müssen wir unseren schweren Jungs mitteilen, wo sich die Gegner einfinden könnten. Das heißt für uns, gute Aufklärungsarbeit leisten, verstanden? Also schön, Lanzenführer, ihr wisst Bescheid. Und passt da draußen auf euch auf! Wir haben keine Möglichkeit, euch Unterstützung zu liefern, die nicht zu eurer Lanze gehört. Jeder von euch ist auf seine Lanzenpartner angewiesen, aber mehr könnt wir nicht erwarten. Das war’s, Leute. Viel Glück da draußen.“
Acht Mechs verschwanden in den Wäldern von Kikuyu und Schulter wandte sich an ihre drei Lanzenpartner, unter ihnen auch der Frischling Anton Bramert, dessen erster Kampfeinsatz in den Schlachten gegen die 8. Leichte Deneb-Kavallerie bestanden hatte, wo er sich nicht sonderlich gut geschlagen hatte – aber das hatte keiner von ihnen getan. Schulter hatte sich Bramert als Flügelmann ausgesucht, weil sie ihn ein wenig im Auge behalten wollte – und weil sein Spector eine gute Ergänzung zu ihrem Stealth darstellte. Die beiden anderen Mitglieder ihrer Lanze sahen das anscheinend ähnlich, denn sie bildeten bereits ein Team und begannen damit, sich durch den Dschungel zu kämpfen. Schulter schob ihren Fünfundvierzigtonner nach vorne und meinte zu Bramert. „Kommen Sie, Junge. Suchen wir uns einen Weg durch diese Hölle.“

„Die Falken erwischten uns völlig überraschend“, sagte Bramert und sah O’Hierlihy mit traurigen Augen an. „Wir verloren nur eine Minute vorher den Kontakt zur zweiten Lanze. Später stellte sich heraus, dass die Falken einen Stern leichter Mechs abgestellt hatten, um uns zu jagen. Stellen Sie sich das vor! Ein einzelner Stern leichter Mechs erledigt eine komplette Kompanie! Als wären wir nichts als ein paar Trainingsziele!“
Der Father nickte verstehend. „Und was passierte dann?“

Kikuyu:

Der Strahl eines mittelschweren ER-Lasers schoss knapp an Bramert vorbei und er versuchte, das Feuer zu erwidern, aber der Clanner war so schnell, dass er seinem Feuer geschickt auswich. Schulter und er waren die letzten Mitglieder ihrer Lanze. Feldwebel Homburg und Mechkrieger Duggan waren eben in ihre Einzelteile zerlegt worden – und damit waren nicht nur die Mechs gemeint, die die beiden gesteuert hatten. Die Clanner dagegen hatten höchstens leichte Panzerschäden, weil sie so schnell und geschickt waren, dass sie dem Feuer der AufklärungsMechs locker ausweichen konnten. Schulter verschoss ihre Raketen als wären es Kieselsteine und immer wieder blitzten ihre mittelschweren Laser auf. Dank des MASC, das sie großzügig einsetzte, war sie schnell genug, um scheinbar überall zu sein, aber Bramert, der zwar kaum schießen konnte, sich aber mit der Beweglichkeit von Mechs auskannte, merkte schnell, dass der mittelschwere Mech diese Belastung nicht mehr lange aushalten würde. Und Schulter merkte es anscheinend auch. „Bramert! Verschwinden Sie von hier! Ich versuche währenddessen, unsere miesen kleinen Freunde hier zu beschäftigen.“
„Aber Hauptmann“, wollte Bramert sagen, kam aber gar nicht dazu. „Keine Widerrede!“, brüllte Schulter und sandte eine weitere Salve Kurzstreckenraketen auf einen der Clanner. „Sie haben Ihre Befehle, Mister! Verschwinden Sie und schlagen Sie sich zum Rest des Regiments durch. Sie sind schnell und ich weiß, welche Fähigkeiten Sie als Pilot an dem Spector haben. Aber als Schütze sind Sie miserabel und wären für mich eher eine Behinderung, denn eine Hilfe. Also los! Hauen Sie endlich ab!“
Bramert wollte noch etwas sagen, aber er merkte, dass Schulter ihm gar nicht mehr zuhörte. Also wendete er seinen Mech, wich damit gleichzeitig einem weiteren Laserstrahl aus, der dafür in einen großen Baum krachte und diesen regelrecht verdampfte, und verschwand mit Höchstgeschwindigkeit vom Schlachtfeld.

„Wäre ich geblieben, dann hätte ich den Hauptmann vielleicht retten können. Vielleicht hätten wir uns zusammen zum Regiment durchschlagen können und vielleicht hätten wir uns zusammen ins All gerettet. Aber ich war feige und bin einfach geflohen. Ich bin auch nie zum Regiment zurückgekehrt, wie es mir eigentlich befohlen wurde. Ich bin einfach in die Wälder geflohen, habe mich in Sicherheit gebracht und gar nicht darüber nachgedacht, was die anderen vielleicht brauchen könnten. In meinem Egoismus habe ich nur daran gedacht, selber zu überleben. Und ich habe mir geschworen, dass ich das niemals wieder zulassen würde und kam mir auch noch toll dabei vor, obwohl es nicht mehr als bloße Heuchelei war.“
Bramert spürte, dass ihm wieder die Tränen hochsteigen wollten – wie damals, als er geflohen war, als er seine Vorgesetzte alleine und seine Einheit im Stich gelassen hatte.
O’Hierlihy überlegte, ob er dem jungen Mann jetzt schon antworten sollte, machte stattdessen aber eine auffordernde Handbewegung. „Erzählen Sie weiter.“

Kikuyu:

Bramert war alleine. Er hatte über TakKom noch mitbekommen, wie Schulter gestorben war, hatte ihren Todesschrei gehört, der eher ein Fluch auf die Clanner zu sein schien, als das er Angst oder Schmerzen ausdrückte. Er hatte versucht, Kontakt mit einigen anderen Leuten aus dem Regiment aufzunehmen, aber niemand hatte auf seine Nachrichten geantwortet. Sie waren entweder tot oder zu weit entfernt, um ihn zu hören. Dann sah er drei Landungsschiffe starten. Er zoomte eines von ihnen heran und konnte gerade noch das Wappen des Regiments erkennen, bevor das Schiff aus seinem Ortungsbereich verschwand. Dann wurde es still um ihn herum, nur die Geräusche des Dschungels waren zu hören. Er wusste nicht, ob die Clanner ihn verfolgten oder ob sie sich sagten, dass ein einzelner Aufklärer unwichtig war, wenn dem Regiment die Flucht geglückt war. Er wusste nur, dass er sich verstecken musste. Und er wusste, dass niemand kommen würde, um ihm zu helfen. Er war völlig allein. Und während ihm diese Tatsache bewusst wurde, zerbrach etwas in ihm. Er fühlte sich schuldig. Wenn er zurückgekehrt wäre, dann hätte er Hauptmann Schulter retten oder ihr wenigstens beistehen können. Wahrscheinlich hatte sie nicht nur die Clanner sondern auch ihn gleich mit verflucht. Und er wusste, er hatte es verdient. So wie er den Tod verdient hatte. Aber er war zu feige, um dem Tod entgegenzublicken. Stattdessen trieb er seinen Mech zur Höchstgeschwindigkeit an und rannte weiter in den Dschungel hinein, um sich irgendwo vor den Clannern und seinen Schuldgefühlen zu verstecken.

„Zwei Monate lang war ich auf der Flucht. Wissen Sie, wie lange zwei Monate sind, wenn man von Schuldgefühlen zerfressen wird? Es kommt einem vor, als wenn man mehrere Jahrhunderte immer nur wegrennen würde. Damals fühlte ich mich wie ein alter Mann.“
Der Geistliche legte den Stift auf den Block und faltete dann seine Hände wie zum Gebet darüber. „Wie sind Sie dann von Kikuyu entkommen?“
„Die Clanner zogen irgendwann ab. Also ein Teil von ihnen. Und Händler konnten die Welt ganz normal anfliegen, auch solche aus der Inneren Sphäre, solange sie sich von Clannern durchsuchen ließen, wenn sie ankamen. Sobald sie abreisten war es den Clannern allerdings egal, was sie transportierten. Ich fand einen Händler, der so freundlich war, mich mitzunehmen, ohne Geld dafür zu verlangen. Dafür musste ich bloß die gesamte Reise auf dem Schiff arbeiten, aber das war nicht weiter schlimm. So bin ich wenigstens nach Arc-Royal zurückgekommen.“
O’Hierlihy nickte, dann nahm er seine Brille ab und legte sie bedächtig neben sich. „Anton, Sie glauben, dass Sie Ihre Einheit im Stich gelassen haben? Sie glauben, dass Sie egoistisch zunächst an das eigene Überleben dachten?“
„Ja“, antwortete der junge Mann leise mit erstickter Stimme. O’Hierlihy legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Es ist ganz normal, dass man, wenn es um das Überleben geht, erst an sich selbst denkt. Das nennt man Selbsterhaltungstrieb und dieser ist jedem Menschen eingegeben. Eltern können diesen Trieb ausschalten um ihre Kinder zu schützen und manch anderer Mensch schafft das auch, aber jeder Andere hätte in Ihrer Situation wahrscheinlich so wie Sie gehandelt, Anton. Es ist keine Schande und kein Zeichen von Feigheit, wenn man zunächst an sein Überleben denkt. Und ich glaube, wenn Sie damals wirklich Ihrem Hauptmann beigestanden hätten, dann könnten Sie heute nicht mehr hier sitzen und sich mit mir unterhalten, weil Sie dann nämlich tot wären. Verstehen Sie das?“
„Ja“, lautete die leise Antwort. „Aber zwischen Verstehen und Akzeptieren besteht noch ein großer Unterschied, Father.“
„Natürlich, mein Sohn“, antwortete der Geistliche. „Aber Sie haben einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan, indem Sie sich jemandem geöffnet haben und indem Sie Ihr Problem erkannt haben. Und, wenn ich richtig informiert bin, dann haben Sie seit Ihrer Ankunft und Aufnahme bei den Chevaliers gezeigt, dass Sie sich geändert haben. Sie sind bereit, für die Menschen, die Ihnen wichtig sind, einzutreten und notfalls auch in den Tod zu gehen. Das kann ich zwar nicht gutheißen, aber ich kann es verstehen – vom militärischen Standpunkt aus gesehen.“
Bramert schien noch nicht wirklich überzeugt, aber O’Hierlihy hatte ihn mit seinen Worten sehr nachdenklich gestimmt. „Danke, Father. Ich werde über Ihre Worte nachdenken.“
„Tun Sie das, mein Junge. Und denken Sie auch an etwas anderes: Gott ist allgegenwärtig und immer gerecht zu all seinen Kindern. Er hat Ihnen Ihre Sünden und Verfehlungen längst verziehen. Jetzt müssen nur noch Sie selbst sich diese Verfehlungen verzeihen können.“
Bramert erhob sich und reichte dem ebenfalls aufstehenden Geistlichen die Hand. „Danke, Father. Es tat gut, mit Ihnen zu sprechen. Vielleicht bekomme ich irgendwann Gelegenheit, Ihnen davon berichten zu können, wie ich meine Schuld abgetragen habe.“
„Das will ich hoffen, mein Sohn. Der Segen Gottes sei mit Ihnen.“
Sie schüttelten sich die Hände, dann verließ Bramert das Büro. Er hatte über viele Dinge nachzudenken.

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A rose by any other name is still a rose

Ein Narr ist eine gefährliche Waffe im Haus der Vernunft

Tu as dèjá le baton fleurdelisé dans ta giberne

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