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Zum Ende der Seite springen Chevaliers Season V
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Marlin
Sergeant


Dabei seit: 27.03.2005
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Herkunft: Berlin, Terra

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Letzte Vorbereitungen
Naraka
Welch ein erhebendes Gefühl, in einem BattleMech zu sitzen! Der Hangar, bestückt mit diesen Maschinen, war schon ein erhabener Anblick, jedoch vor seinem Mech zu stehen, zu seinem Cockpit aufzusehen und seine Größe zu erleben, war besser. Ein weiterer Sprung war es, darin zu sitzen und auf die Menschen hinabzusehen. Wie klein und hilflos sie alle waren! Spike und ihr kleiner ScoutMech war natürlich kein Vergleich zu noch erheblich schwereren und größeren Maschinen, aber unterschied sich schon fast unvorstellbar von normalen Menschen, trotz seiner humanoiden Form.

Heute war der letzte Tag der Manöver, bevor es in den Einsatz ging, und es würde sich final entscheiden, ob Spike ihr Cockpit behielt, oder doch wieder entrechtet war. Für sie war es entschieden. Seit dem Gespräch mit dem XO, in dem sie ihre Vorstellungen und Erkenntnisse dargestellt hatte, war sie, was den Mech betraf, wie in Trance gewesen. Sie wurde dem Sprinter offiziell zugeteilt! Damals hatte sie nicht viel zu sagen gewusst, aber es schien, dass selbst Lupus mit ihren Ausführungen zufrieden war, zumindest vorläufig.
Die letzten Tage ließen ebenfalls, zumindest aus Spikes Sicht, nichts zu wünschen übrig, was ihre Performance im Mech betraf. Mit geübten Fingern schnippte sie im kleinen Cockpit die verschiedenen Schalter um, die die Sicherheits- und Startprozedur einleiteten. Diagnoseprogramme, Checks, Routinen, der Reaktor, der hochfuhr, alles löste eine Kaskade an Lichtern und Geräuschen aus. Hier fühlte sie sich wohl. Ja, die bekannten Probleme der Maschine, ein Hilfsmonitor mit Wackelkontakt, alles kein Problem, aber sie würde es im Anschluss dem zuständigen Tech mitteilen. Oh, der Hüftaktivator links meldete Probleme? Eine Neuprüfung ergab zum Glück jedoch keinen Schaden. Nach Monaten im Gebrauch ohne die reguläre Claninfrastruktur waren einige Basteleien unumgänglich gewesen, wo einfach der Austausch von Teilen die schnellere und bessere Lösung gewesen wäre. Aber sie hatten nun einmal nur sehr begrenzten Zugang zum freien Markt, geschweige denn zu Clan-Vorratshäusern. Dafür hatten sie, was den Clans oft abging, zumindest, was man typischen Clankriegern absprach: Improvisationstalent. Das hielt Maschinen im Einsatz, die normalerweise mindestens runderneuert werden mussten. Spike wusste nicht genau, woher die Omnis stammten, aber an ihrer Einsatzbereitschaft gab es keinen Zweifel.

Und die Einheit war sehr effektiv. Soweit die Informationen Spikes' stimmten, waren schon mehrere Einsätze hintereinander erfolgreich verlaufen. Diese Quote sollte sich nicht ändern, wenn es nach ihr ging. Allerdings wurden diesmal alle Maschinen genutzt, zusammen mit Lupus' Aussagen ergab sich damit ein anderes, gefährlicheres Bild. Sie würde bald erfahren, gegen wen es ging. "Kennsatz eingeben!", forderte die weibliche Computerstimme sie auf. "Für die Gräfin, nie mehr entrechtet!", antwortete Spike. "Autorisation bestätigt. Spike, willkommen und gute Jagd." den letzten Satz hatte Spike dazuprogrammiert, um sich etwas aufgehobener zu fühlen. Sie konnte nicht viel mehr tun als ihre Leistung zu geben, ihre bisherige Geschichte konnte sie nicht ändern, also galt nur die Zukunft. Auch wenn sie nach außen hart wirkte, war sie doch nur ein Mensch. Gavril "OK" Schuster, der Tech ihrer Maschine, gab ihr von unten das "Clear"-Signal, um zu zeigen, dass der Mech frei von allen Verbindungen und Leitungen war. Dazu kam sein Handzeichen, für das er seinen Spitznamen erhalten hatte, dafür und die häufige verbalisierte Variante, auch wenn manchmal nicht alles in Ordnung war. Und war das auf seinem Gesicht ein freundliches Lächeln? Spike war sich nicht sicher, aber sie nahm es als gutes Omen.

Über Funk kam der Befehl zum Abmarsch, den sie rasch bestätigte. Die Waffensysteme würde sie erst draußen aktivieren. Für die ersten Schießübungen wurden noch gefährliche Energiemengen benötigt, anschließend ging es zur Jagd, bei der es gegen andere Untereinheiten ging. Ab dann wurde streng darauf geachtet, niemanden zu gefährden. Unfälle ohne Waffenwirkung waren in Verbindung mit tonnenschweren Kampfmaschinen wie Mechs oder Panzern natürlich nie ausgeschlossen, aber die Zeit auf Naraka war für die Einheit in der Hinsicht überaus erfreulich gewesen. Die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden ließen sich an einer Hand abzählen. Und die schlimmste Verletzung war ein gebrochenes Bein gewesen. Es würde nicht an Spike liegen, wenn es heute anders laufen sollte. Sie war bisher immer vorsichtig gewesen, was als leichter Aufklärer auch nötig war. Also erst auf zu den Schieß- und Bewegungsübungen.
***
Die Fahrt zum Manövergelände hatte Dadif nicht gefallen. Die Stimmung im MTW war schlecht gewesen, der Fahrer war wie ein Idiot über die holperige Piste gerast, so dass sie alle durchgeschüttelt wurden, und kalt war es auch. Die Zusatzausrüstung, die sie heute mitgebracht hatten und die schon vorausfuhr, war anstrengend zu verladen gewesen. Aber sie würde heute genutzt werden. Natürlich waren die meisten davon Übungswaffen, nur die Zugführergruppen hatten entsprechende Munition für Ernstfälle dabei, aber falls sie nicht von fremden Einheiten angegriffen würden, waren sie bestenfalls zur Beruhigung der Gemüter dabei. Die Tierwelt hier war nicht dazu geeignet, schwere Waffen auszuprobieren. Der letzte, der sinnlos herumgeballert hatte, war effektiv bestraft worden, womit so etwas ausgeschlossen wurde. Interessanterweise, resümierte Dadif, waren die Einsatzkräfte am zurückhaltendsten, was solcherlei Aktionen betraf. Die wussten vermutlich, was echter Kampf bedeutete, und hatten genug von Action.

Ihre Abreise war bereits verkündet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden. Das betraf die Massenimpfungen und Schulungen, was ihren Zielplaneten betraf. Dadif war hin- und hergerissen. Einerseits klang das Ganze wirklich ätzend, was die unangenehmen Begleiterscheinungen der Impfungen unterstrichen; der drohende Kampfeinsatz tat sein übriges. Andererseits war es vermutlich schön, einen neuen Planeten kennenzulernen. Wenige waren so privilegiert, ihren Planeten zu verlassen, auch wenn er selbst dies so hätte haben können, wäre er folgsamer gewesen.
Nun würde er also mit der Einheit vermutlich in einem wilden Dschungel landen und helfen, ihm fremde Leute zu töten. Angesichts der Realität des Söldner- und Soldatenwesens war es nur verwunderlich, dass es nicht schon früher dazu gekommen war. Das Training hatte ihn durchaus sicherer im Umgang mit Waffen gemacht, sogar im Angesicht von monströsen Kampfmaschinen war er noch nicht ausgeflippt. Er machte sich nichts vor: mit der Ausrüstung, die sie als Infanteristen besaßen, war die Überlebenschance gegen Mechs sehr gering, selbst unter den besten Umständen.
Wie es wirklich sein würde, konnte er nur erahnen. Andererseits gab es immer wieder Begebenheiten, die auch Mechs gegen inferiore Gegner scheitern ließen. Er dachte an die Statistiken und die Wahrscheinlichkeiten einen Mech oder eine entsprechende Einheit an sie zu vergeuden und beruhigte sich damit. Mehrere Bände solcher digitalen Wälzer hatte er sich mit Erlaubnis des entsprechenden Vorgesetzten aus dem Einheitsspeicher übertragen lassen und hatte sie durchgelesen. Neben den ganzen anderen Werken verschiedenster Art, natürlich. "Nase!" Er wurde unsanft aus seinen Gedanken gerissen, als ihn Sergeant Hieronymus Markle an der Schulter packte. Markle war ein Veteran der Infanterie, nicht nur der Einheit. Er hatte außer dem Überleben kaum Ambitionen und war auch sonst ein seltsamer Kauz. Aber er hatte alles drauf, was ein Infanterist können musste, und vermutlich noch mehr Dreck am Stecken, wie man munkelte. Innerhalb der Einheit hatte er sich jedoch ohne Fehl und Tadel gezeigt, soweit dies überhaupt möglich war. "Begib dich jetzt lieber in Deckung und zieh' dir Handschuhe an, das Warten kann etwas dauern.", empfahl er Dadif ruhig. Dann stapfte er wieder in die provisorische Stellung zurück, während Dadif ihm folgte. Seine Nachdenklichkeit könnte ihm irgendwann gefährlich werden, schalt er sich selbst. Daran musste er arbeiten.

Die Stellung selbst hatten sie am Vormittag vorbereitet, ein paar Gräben und Wälle, nicht viel mehr, aber es lag alles innerhalb einer bewaldeten Ansteigung und war damit schon gut getarnt. Natürlich war es möglich eine Stellung zu bauen, die wirklich kaum zu entdecken war, aber dies hätte viel mehr Zeit und Ressourcen gekostet und war für eine Übung hier und auf diese Art nicht sinnvoll. Markle und die ihnen zugeteilten erfahrenen Leute hatten mehrfach angedeutet, wie etwas besser, effizienter und widerstandsfähiger zu bauen gewesen wäre. Gegebenenfalls würde dieses Wissen auf dem Zielplaneten zu Anwendung kommen.

Da! War das ein Mech? Dadif spürte den Boden erzittern, jedoch nicht in gleichmäßigen Abständen. Die Anspannung machte sich jetzt bei seinen Kameraden bemerkbar. Er selbst prüfte sein Autogewehr und dann den Raketenwerfer seines Nebenmannes, mit dem er heute eins der KSR-Teams war. Weitere zwei Schuss Übungsmunition lagerten hinter ihnen. Devon, so hieß der Mann, war etwas ruhiger, er war erfahrener als Dadif. Jetzt lächelte er. "Entwarnung, Leute, das sind Panzer von uns." Dadif sah genauer hin. Tatsächlich, eine kurze Kolonne schwerer Schweber brauste an ihrer Stellung vorbei.
Durch die Reihen ging Erleichterung und die Erklärung, dass diese zu ihrer Verteidigung hinzugefügt würden. Das war für die meisten vermutlich beruhigend, überlegte sich Dadif, er dachte jedoch anders. Je mehr sich hier versammelten, um so eher würden sie interessant für ihre Gegner sein. Man konnte jetzt weiteres Dröhnen hören, nicht ganz so laut, was vor ihrer Stellung blieb. Danach war es wieder still. Nachdem sie eine gefühlte Ewigkeit gewartet hatten, wurde Essen verteilt, Devon und Dadif kamen hierbei in den Genuss, von einer kleinen, ziemlich attraktiven jungen Frau ausgeschenkt zu bekommen. Die Stimmung um sie herum besserte sich merklich, auch wenn es kalt blieb. Nachdem sie in Ruhe essen konnten, war es überwiegend ruhig; Dadif vertrat sich kurz die Beine, als Sgt. Markle zu ihm trat. "Es geht bald los, Nase. Mach dich bereit." Er begleitete ihn, als er sich zurückbegab. "Der Plan ist wie folgt: die Panzer locken die Mechs zu uns und verwickeln sie in ein Gefecht. Sind sie nahe genug, können wir sie entweder weiter beschädigen, oder sogar ausschalten. Also streng' dich an, Junge.", erläuterte er ihm. Dadif blickte ihn dankbar an. Das klang nach einem sinnvollen Plan. Es würde ihm helfen, sich während der heißen Phase zu konzentrieren. Als er wieder in der Stellung lag, vergingen kaum 30 Minuten bis sie wieder Erschütterungen spürten, diesmal waren sie unregelmäßiger. Kurz darauf dröhnten Panzermotoren, dazu kamen Raketenabschüsse und charakteristische Geräusche von Energiewaffen.
Die Manövergeräte auf ihren Helmen waren aktiv, also konnten er und seine Kameraden jederzeit ausfallen, sofern Waffen in ihre Stellung geschossen wurde.

***

Als Ermhards Kolonne an der designierten Stellung vorbeifuhr, konnte er sich einen längeren Blick erlauben. 'Hey, wenn ich nicht wüsste, dass sie da wären, würde ich nichts sehen.', dachte er bei sich. Sie fuhren einige Klicks weiter, um später überraschend eingreifen zu können. Der Hunter und noch ein paar leichte LSR-Werfer lagerten bereits hinter Nase, so dass die Infanterie beobachten würde. Es war keine so schlechte Stellung, laut dem Kommandeur der Verteidigung, allerdings war die Theaterlanze ein heftiger Brocken. Nur Spikes Sprinter/Feuervogel würde nicht viel Feuerkraft aufbieten können, der Rest, ob leicht, schwer oder sogar der Führungsmech in überschwer, geführt von 'Sica', konnte theoretisch jeden ihrer Schweber oder Panzer mit einer Salve zerstören. Es war also schon ziemlich ernst heute. Der Plan war es, die Theaterlanze so weit wie möglich zu schwächen. Die sechs Mechs waren für jeden ein harter Brocken, um so mehr für konventionelle Kräfte. Die Clans waren nicht umsonst von solcherart Garnison praktisch nie auch nur verlangsamt worden. Sie konnten also nur hoffen, dass sie der Lanze mit vereinten Kräften in Erinnerung riefen, dass man sie nicht unterschätzen sollte. Vielleicht würde ein Teilerfolg auch helfen, einige der Verlorenen näher an die echte Kampftruppe zu führen. Ermhard wusste, dass er nicht sehr klug war, für Nase galt das aber nicht. Der war intelligent und in der Infanterie verschwendet. Hoffentlich fand sich für ihn noch ein spezielles Feld, bevor er bei den Hilfstruppen umkam. Wenigstens deutete bisher nichts darauf hin, dass die Kommandeure in der Infanterie nur reines Kanonenfutter sahen. Es stimmte eben doch nicht alles, was man über Kommandeure von anderen Waffengattungen sagte.

Die Schwebergruppe aktivierte jetzt, nach einiger Wartezeit, ihre Gebläse, um schnellstmöglich eingreifen zu können. Die Kollegen der Köderlanze hatten Feindkontakt gemeldet. Langsam wurde es spannend, auch für Ermhard, der ein wenig bei den Planungen mitwirken durfte.

***

"Sica von Spike, habe eine Gruppe Kontakte vor mir, zwei Klicks. Soll ich näher heran?" Spike war müde, aber guter Stimmung. Die Tests und Übungen bisher waren annehmbar verlaufen, sie hatte sich dabei gut verkauft. Jetzt kam die eigentliche Manöverübung, bei der sie Jagd auf fast alle konventionellen Elemente machten. Wenn sie Pech hatten, konnte dies auch in die Hose gehen, jedenfalls hatte Spike nicht die Absicht, ihren Mech zu verlieren, in jedweder Form. Diesmal hatte sie nur wenig wirksame Waffen dabei, Flammer, leichte Impulslaser und einen mittleren Laser. Dafür war ihr Scoutmech mit ECM und Aktivsonde ausgerüstet. Das machte sie schwerer zu erfassen und dazu war es einfacher, Feindeinheiten aufzuspüren, was auch ihre Rolle war.

Wenn sich die Chance bot, konnte sie auch zuschlagen, aber vor allem gegen Infanterie wäre sie tödlich. Der Kontrast dazu war Sicas Maschine, ein monströser Kriegsfalke in Primärversion, die jeden anderen Mech oder Panzer in wenigen Sekunden zu Schlacke verarbeiten konnte. Gegen Infanterie war diese Maschine jedoch extrem im Nachteil, weshalb Sica sich immer im Hintergrund halten würde. Die beiden Bluthunde - oder Geier in der FIS - würden im Kampf flexibler sein, während die zwei leichten Nattern/Pumas in der unmittelbaren Nähe kämpfen würden. Ihre kleinere Silhouette und höhere Beweglichkeit machten sie in Spikes Augen zu kniffligen Zielen. Sie selbst war natürlich noch schneller, kleiner und wendiger und würde so hoffentlich nicht getroffen werden. Zumindest war dies eins ihrer Primärziele. "Spike, ich brauche mehr Daten, geh näher. Bereite LSR vor, gib uns Ziele.", befahl Sica. Das könnte Spikes Vorhaben erschweren, sofern diese Panzer entsprechende Waffen und Fähigkeiten besaßen. "T-Vier und Fünnef geht mit ihr, lenkt sie ab, sie dürfen sich nicht fokussieren! T Zwo und Drei aufrücken.", befahl Sica kurz darauf. Die ruhig gesprochenen Befehle zeigten Spike, dass Sica wusste, dass sie und ihr Mech wertvoll war. Sie näherte sich der Stellung. Noch keine Zielerfassungen. Dafür konnte die Aktivortung ihr einige Ziele markieren.
"Sica, es sind 4 oder mehr gepanzerte Fahrzeuge und schweres Gelände. Markiere Ziel." die taktische Darstellung ließ kurz darauf einige LSR auf die Ziele regnen. Es waren aber nicht viele. Das würde die Panzer nicht aufhalten. Spike mühte sich ab, das schlechtestmögliche Ziel abzugeben, während sie eine weitere Salve ins Ziel leitete. Zu ihrer Überraschung wurde sie nicht anvisiert, dafür traten jetzt zwei gedrungene Pumas in Erscheinung, Black Flagg und Namid. Einer von beiden wurde von der Panzergruppe beschossen, allerdings war dies noch nicht bedrohlich, die Panzerung hielt, auch wenn der Computer ihn straucheln ließ. Die andere Maschine erwiderte das Feuer mit ihren schweren Clanwaffen. Das wirkte. Die Panzer schossen kaum noch und schienen sich absetzen zu wollen. Spike setzte etwas nach, jedoch gerade als die nächste simulierte Salve in der Stellung einschlug, schossen Mörser eine dichte Nebelwand. Beide Pumas rückten hinterher. "Sica von Black Flagg, wir setzen nach, sie ziehen sich zurück." "Verstanden, Flagg, wir rücken mit vor", kam es von Sica zurück "Spike, du gehst an ihnen vorbei und prüfst auf Verstärkungen, los!" Der Sprinter war schon unterwegs in einer Kehre um die Stellung herum. "Verstanden, bin unterwegs."

Es wurde warm im Cockpit, jedoch alles im grünen Bereich für Spike. Ohne gute Sicht waren die LSR nutzlos, also würde die Theaterlanze die Panzer nach der typischen Methode erledigen müssen. Sie empfing jetzt die Spezifikationen der Panzer von den beiden Pumas, die den schweren, aber flinken Schwebern nachsetzten. Auf dem Radar sah sie auch die beiden schweren Bluthunde/Geier, geführt von Mukua und Starschina, zwei sehr guten Piloten. "Verdammt, Black Flagg hier, sie nebeln weiter und entkommen uns!" Sica schien ungeduldiger zu werden: "Bleibt dran und schaltet sie aus, aber werdet nicht unvorsichtig. Spike, gibt es was Neues?"
"Negativ, Sica, die Panzerlanze weicht vor T-Vier und Fünnef zurück, aber noch keine neuen Kontakte. Soll ich versuchen, sie abzuschneiden?" bot sie an. Es würde sehr gefährlich sein, aber sie könnte diese Panzer vielleicht verlangsamen.
"Negativ, T-Sechs, bleibe weiter auf der Flanke. Starschina, beweg dich nach rechts, sichere uns ab, Mukua, wir unterstützen T-Vier und Fünnef. Beeilung, wir müssen sie schneller ausschalten!"

Die Theaterlanze war jetzt in voller Bewegung. Namid und Black Flagg meldeten vereinzelte Treffer bei den Schwebern, bekamen jedoch auch ein paar Treffer ab. Endlich war ungefähr die Hälfte der Gegner ausgeschaltet, die anderen waren teils schwer beschädigt, als Spike neue Kontakte ortete, viel zu nah und offenbar schnell näherkommend. Sie meldete dies den anderen und bewegte sich zu ihnen um zu unterstützen. Mittlerweile waren die Pumas nach einem weiteren Panzerabschuss etwas langsamer geworden und ließen die schweren Mechs aufrücken, als LSR-Salven auf die Mechs regneten. Sofort schwärmten sie wieder, aus aber die Bedrohung durch die flankierenden Panzer konnte nicht ignoriert werden. Sica entschied sich sofort: "T-Lanze, sofort in Richtung Feindgruppe Beta, wir müssen sie ausschalten! Spike, mach die LSR-Stellung ausfindig, T-Vier und -Fünf sichern uns gegen die beiden Alphas." Die beiden Panzergruppen wurden auf dem TakDisp entsprechend nach ihrem Auftrittszeitpunkt markiert. Noch während die Piloten der Theaterlanze ihre Bestätigungen meldeten, wurde Mukuas Geier von weiteren LSR erschüttert. Noch waren es keine durchschlagenden Treffer und er hielt sich gegen die Daten des Bordcomputers aufrecht, der sein Gyroskop absichtlich aus dem Gleichgewicht brachte, aber sie waren bemerkbar und ernst. Spike setzte in ihrer Richtung fort und würde so vielleicht mit den übrigen angeschlagenen Schwebern zusammentreffen und hoffentlich die LSR-Stellung aufstöbern. Starschina, der Lanzenälteste, war jetzt fast auf Höhe der beiden Pumas, die beiden anderen schweren Maschinen befanden sich im Gefecht mit der Verstärkung, als die Hölle losbrach.
***
Dadif konnte vor ihm nur wenig ausmachen, dass aber die zwei Pumas schossen und beschossen wurden, war klar. Die LSRs, die Sgt. Markle koordinierte, schienen den großen Clanmech zu treffen, auch wenn sie als Schlammhüpfer nichts davon sahen. Doch jetzt! Die Pumas waren ihrer Stellung immer näher gekommen, nun trat noch ein neuer Geier auf den Plan. Der Chef der Infanterie, eigentlich der Boss der Gefechtspanzer, ließ alle für einen Kernschuss, nach Dadifs Vorstellung eher eine Salve, bereit machen. Er zählte laut, während die Mechfüße der drei avoiden Mechs dröhnten. Dadif und sein Nebenmann, genau wie alle anderen, waren aufs Äußerste angespannt. Das war der Hauptpunkt der Schlacht für ihn. Jeder Schritt des Geiers war eine Zahl vom hünenhafte Boss, dessen Codename Ahab war: "Drei! Zwei! Eins! Feuer!!" Alle KSRS und Laserschützen beschossen den schweren Mech in die rechte Seite und während die Übungsraketen an ihm abprallten und Laser auf ihn schienen, schüttelte er sich schwer. Gleichzeitig schienen wieder LSR auf einen der Pumas zu regnen, der den Torso schwenkte, um die Einschläge zu verteilen. Dadif bekam weiter nichts davon mit, weil er zur Ersatzmunition eilte, um Devon mit einem neuen Schuss zu versorgen.

Der Befehlshabende, er hatte ein künstliches Bein, dem er seinen Codenamen verdankte, brüllte weiter Befehle. Das letzte, was Dadif von ihm hörte, war "Feuer frei!" Während er die KSR nachlud konnte er sehen, dass der andere Puma seinen Torso ihnen zugewandt hatte und ihn leicht schwenkte. Der Boss fluchte daraufhin kurz und verstummte. "Geladen!", rief Dadif, begab sich aus der Rückstrahlzone und klopfte Devon auf den Helm. Der visierte bereits den sie angreifenden Puma an und schoss erneut. Die anderen Mechs entfernten sich von ihrer Stellung und schienen sie kaum zu beachten, auch wenn immer wieder einige Infanteristen ihre Arme hoben und zum Zeichen, dass sie ausgeschaltet waren. Dadif rannte wieder zurück, um die letzte Rakete zu holen. Vielleicht würde er das überleben können? Der Puma schüttelte sich wieder, wie unter unsichtbaren Schlägen und wich jetzt auch zurück, jedoch erheblich uneleganter als die anderen beiden. Er humpelte stark! War das die Chance ihn auszuschalten?

Als er zurückhasten wollte, sah er Devons Arm nach oben gehen. Also war er aus dem Gefecht. "Der blöde Geier mit seinen Impulslasern...", schimpfte er. Dadif übernahm das Werferrohr etwas unruhiger als noch zuvor und lud es nach. Kurz brandete Jubel auf, als der lahme Puma außer Gefecht gesetzt wurde, jedoch fluchte Markle gleich danach. Dadif sah nach ihm, da kein Ziel in Reichweite war. Der Arm blieb unten. "Unser Hunter wurde grade als letzter abgefackelt.", erklärte er mürrisch. Damit war es mit der LSR-Unterstützung vorbei. Er setzte sich hin und begann an einer E-Cig zu ziehen. Dadif sah sich um, ungefähr die Hälfte der Infanterie saß entspannt und mit roten Leuchten auf den Helmen in einem ungefährdeten Areal herum und sahen dem Rest der Schlacht zu. Weiter vor ihnen tobte immer noch der Kampf, auch wenn sie nicht viel sehen konnten. Die anderen Infanteristen lagen oder standen in ihrer Stellung, und warteten auf eine Gelegenheit zum Schuss.
Dadif überlegte, während der Boden zitterte: wenn weiter hinter ihnen der Hunter mit den anderen LSRs gestanden hatte, dann war irgendjemand dort hingelangt. Aber alle Mechs waren doch hier? 'Spike!', fiel es ihm siedendheiß ein, als das Dröhnen von Mechfüßen unüberhörbar wurde und sich der Sprinter krachend von der linken Seite einige Meter in den Wald neben der ausgedünnten Stellung schob. Auch wenn der Koloss nur 20 Tonnen schwer war und eigentlich weniger bedrohlich wirken sollte als seine schwereren Kumpane, war Dadif starr vor Schreck. Die Lasermündungen schwenkten über die Stellung und mehr und mehr Infanteristen hoben die Arme zum Zeichen ihrer Ausschaltung. Markle stand plötzlich neben ihm und rief Dadif ins Ohr: "Nase! Reiß dich zusammen! Entweder volle Deckung oder verpass' ihm eine!" aus dem Gewühl rauschte eine einzelne Übungsrakete auf die schlanke Maschine zu und prallte dumpf, in dem Chaos allerdings kaum hörbar vom Torso ab. Dadif dachte nicht weiter nach, sondern hob den Werfer, zielte und schoss. Treffer! Die fast unbewusste Zufriedenheit über seine Treffsicherheit war von kurzer Dauer, als die Laseröffnungen auch ihn kurz ansahen. Sein integriertes Helmvisier bewahrte ihn davor, blind zu werden. Einige Sekunden weiter und der Mech entfernte sich wieder. Das Signallicht brannte rot in seinen Augen als Zeichen, dass er jetzt tot war. Er trottete nach einigen Augenblicken mit Markle zur Sammelstelle, wo der Rest der Einheit wartete. Spikes Mech war mit ihnen fertig und entfernte sich wieder
Der Befehlshaber sah auf sein Datacomp und erhob sich: "Alle mal herhören, die Infanterieeinheit wurde gerade als kampfunfähig aus der Übung genommen. Wir sind tot." Er schien nicht allzu unzufrieden zu sein, als er fortfuhr: "Wir haben uns gut geschlagen. Technisch steht uns ein Abschuss zu. Im Ernstfall verlange ich jedoch, dass ein immobiler Mech so schnell wie möglich bis zu völligen Kampfunfähigkeit geschossen wird. Das bedeutet, im Zweifel lieber weniger Bergegut aber mehr Lebende von uns, verstanden?"
Die müde Truppe signalisierte Zustimmung. Dadif fühlte sich plötzlich sehr erschöpft, ganz im Gegensatz zu gerade eben. Er setzte den Werfer ab und hockte sich hin. Der Boss setzt kurz fort. "Wir müssen noch etwas durchhalten, weil die Übung noch andauert, aber unser Hinterhalt hat die feindliche Mecheinheit geschwächt. Sofern ich die Daten richtig deute, erhalten unsere Kräfte in wenigen Augenblicken Verstärkung. Das bedeutet, dass sich die Theaterlanze zurückziehen könnte. Leute, nochmal, gut gemacht,“ hier lächelte er vorsichtig, „aber das nächste mal haben wir genug Sprengfallen und Sensoren bei unserer Stellung, dass kein Mech uns überraschen wird."

***

Spike hatte nach der Vernichtung der Infanterie Black Flagg von seinem "zerstörten" Puma abgeholt. Er war erwartungsgemäß schlechter Laune und musste sich noch dazu in ihr ohnehin schon sehr enges Cockpit zwängen. 'Besser als gefangen oder tot," dachte sie nur bei sich. Sie wusste, dass die Infanterie der Einheit extra dafür ausgebildet wurde, nach Ausfall eines Mechs auch den Piloten nicht entkommen zu lassen. Es blieb abzuwarten, ob das auch für ihre künftigen Gegner galt.

Die Schweber waren jetzt praktisch kampfunfähig, als sie vom Gefechtscomputer neue Ziele angezeigt bekam. "Verdammt. Sica von Spike, ich habe eine vermutlich schwere Mechlanze in ungefähr drei Klicks nördlich von uns. Was soll ich tun?" Sica antwortete müde über den Lanzenkanal: "Wir gehen auf taktischen Rückzug. Langsam Richtung südlicher Phasenlinie mit euch." Nach einer kurzen Pause meldete sie sich erneut: "Spike, wir haben ebenfalls Verstärkung erhalten, eine Gruppe Gefechtspanzer; Begib dich zum Navpunkt Delta und transportiere sie an meine Position. Schnell! Ich will ebenfalls einen Hinterhalt oder Abschreckung einsetzen. Auf Langstrecke können wir sie noch zerlegen." Spike tat, was von ihr verlangt wurde. Als Taxi für gepanzerte Infanterie war der Sprinter hervorragend geeignet. Black Flagg übernahm dabei die Koordination per Funk, während sie sich auf das Radar und die Steuerung konzentrierte. Anschließend waren sie so schnell es möglich war, ohne jemanden zu gefährden, wieder bei der Theaterlanze. Bis auf Sica hatten alle anderen Status orange bis rot mit teils schweren Schäden, Spike selbst hatte nur ihre Panzerungsschäden durch die Infanterie. Die gegnerischen Panzer waren keine effektive Bedrohung mehr, da der Großteil ausgeschaltet war und zwei Fahrzeuge zu langsam und beschädigt, um ihnen in dieser Stellung noch gefährlich zu werden. Die Theaterlanze war immer noch schlagkräftig, aber sie hatten die Initiative abgeben müssen. Nachdem sie die Gefechtspanzer abgesetzt hatten und noch etwas aufklärten, während die feindliche Lanze kaum noch Kontakt riskierte, kam von der Übungsleitung die Nachricht, dass der Kampf unentschieden beendet war.
***
'Endlich.", dachte sich nicht nur Dadif, als sie im Lager ankamen. Die Zeit außerhalb war hart gewesen, und auch wenn sie Luftvorräte mitgenommen hatten, war typische Anlagenluft, ob auf einem Schiff oder in den begrenzten Unterkünften, dem doch erheblich vorzuziehen. Das galt für die Kälte natürlich analog. Trotz der entsprechenden Kleidung war sie jetzt überall, umso mehr, als sie alle müde waren. Vor der Einschiffung gab es noch etwas Urlaub für die meisten, das bedeutete, dass wenigstens heute oder morgen die Nacht etwas länger werden würde. Die Kommandeure hatten sogar ein "Taxi" für die Fahrt zur nächsten Siedlung besorgt, allerdings auch keinen Hehl daraus gemacht was jenen blühte, die sich nicht rechtzeitig zurückmeldeten oder gar zuviel redeten. Aber erstmal war für Dadif etwas Ruhe angesagt. Er musste den heutigen Tag erst einmal verarbeiten.
***
Ermhard ließ den schweren Hovercraft langsam absetzen. Die leistungsstarken Propeller liefen langsamer und leiser, fast wie die Atmung bei einem einschlafenden, gewaltigen Tier. Seine Crew ließ ihn allein, nachdem sie sich mit ihm zum "Umtrunk", verabredet hatten. Er war zufrieden mit dem heutigen Tag. Zwar war er nur noch Fahrer und kein Panzerkommandant, aber Kotzi war froh, seine Fähigkeiten überhaupt einbringen zu können. Sie konnten einer verstärkten Clanlanze gut Paroli bieten, oder vielmehr, sie effektiv ablenken, wenn das Terrain und ihre Vorbereitungen stimmten. Niemand sollte Panzer unterschätzen, und da sie bald wohl eine konventionelle Söldnerbande gegen sich hatten, so die Gerüchteküche, würde diese Lektion hoffentlich auch bei allen anderen Mechjockeys angekommen sein. Natürlich hatten sie schwere Verluste eingesteckt, das war im Grunde unvermeidlich, immerhin waren sie nicht gegen Idioten angetreten. In einer rein kostenbasierten Rechnung, die nur Hardware und durchschnittliche Ausbildungskosten beinhaltete, hätten sie jedoch positiv abgeschnitten. Er nahm an, dass dies selbst mit der Mechverstärkung am Ende der Übung stimmte.

Morgen würde jedenfalls die Nachbesprechung stattfinden, in der nochmals alles Wichtige zur Sprache kam. Als er seinen Panzer verließ und ihn abschloss, dachte Ermhard nur noch kurz an Spike. Ein Fortschritt zu den letzte Tagen. Er lächelte melancholisch. Ob sie ihren Platz im Cockpit sicher hatte? Sie war im Kampf nicht direkt gegen seine Panzergruppe aufgetreten, aber er wusste, dass sie mindestens den Hunter ausgeschaltet hatte. 'Vielleicht nach dem nächsten Einsatz,' dachte er bei sich. Nach den Übungen war er etwas zuversichtlicher, dass sie den gut überstehen würde.

__________________
Combined Arms Mechwarrior, hier fahre ich Epona, stampfe mit NovaCat, fliege Shiva und bin BA.
Stand-alone, ohne irgendwelche Voraussetzungen. Kostenfrei.

http://www.mechlivinglegends.net/2017-01/mechwarrior-living-legends-communi
ty-edition/
18.11.2017 21:55 Marlin ist offline E-Mail an Marlin senden Beiträge von Marlin suchen Nehmen Sie Marlin in Ihre Freundesliste auf
Thorsten Kerensky
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Wayside V, Dantonville
Decius-Cecilius-Metellus-Kaserne, Block 13: Büro der Einheitseignerin
03. April 3067, 18:15 Uhr

„Herein!“, blaffte Jara, als es pünktlich an der Tür klopfte.
Den Raum betrat PFC Caroline Cook. Die junge Frau – tatsächlich gehörte sie zu den wenigen Mitgliedern der Einheit, die jünger waren als Jara – schloss die Tür hinter sich und salutierte vor ihrer Vorgesetzten: „Private First Class Cook meldet sich wie befohlen, Ma’am!“
„Rühren!“, erlaubte Jara mit einem Nicken.
Als Cook, so wie sie es aus der täglichen Arbeit im S2-Bereicht gewöhnt war, auf einem der Besucherstühle Platz nehmen wollte, fuhr Jara sie an: „Ich habe Ihnen keinen Stuhl angeboten, Private. Also bleiben sie gefälligst stehen.“
Das Funkeln in den Augen der Söldneroffizierin, ihre angespannte, beinahe vibrierende Körperhaltung, machten deutlich, dass sie geladen war und so kurz vor der Explosion wie eine heißgeladene LSR-Lafette bei Überhitze. In ihre brodelte es und Cook war das erste Ziel für diese Wut.
„Private Cook, ich würde Sie normalerweise lediglich fragen, welcher Offizier Ihre Sicherheitsbelehrung durchgeführt hat, mir diesen Offizier zur Brust nehmen und es für Sie bei einer Verwarnung belassen. Zufällig erinnere ich mich aber noch sehr gut daran, dass ich dieser Offizier war und ich erinnere mich auch noch sehr gut daran, dass ich diese Belehrung gründlich und verständlich durchgeführt habe.“ Sie griff nach einem Blatt Papier und legte es so auf den Schreibtisch, dass Cook es lesen konnte. „Hier haben Sie unterschrieben, dass Sie die Belehrung gehört und verstanden haben. Korrekt?“
„Ja, Ma’am.“
„Private, Sie sind Teil des S2-Bereichs. Dieser Bereich ist besonders sensibel und entsprechend sind die Interna dieses Bereichs gegenüber anderen Teilen der Einheit und vor allem gegenüber Fremden als streng vertraulich zu behandeln.“ Jaras Stimme machte deutlich, was sie davon hielt, diese Regeln zu missachten. Sie war als S2-Stabsoffizierin verantwortlich für die Sicherheit der Einheit. Dass ausgerechnet ihr eigener nachgeordneter Bereich schlampig mit den Schutzbestimmungen umging, das brachte sie auf die Palme.
„Sie haben unüberlegt gehandelt und Interna gegenüber zwei Bewerbern preisgegeben, die noch nicht abschließend von uns durchleuchtet worden sind. Sie haben den Ruf und vor allem die Sicherheit der Chevaliers gefährdet, entgegen Ihres besseren Wissens. Ist Ihnen bewusst, welche Strafen darauf stehen können, Private?“
„Arrest und unehrenhafte Entlassung samt Eintrag in meiner Akte, Ma’am“, antwortete die Soldatin zerknirscht, niedergeschlagen und offenbar den Tränen nahe.
„Korrekt.“ Jara atmete hörbar aus. „Das werde ich nicht tun. Ich werde es bei einer Verwarnung belassen, die ich auf Bewährung für zwei Jahre Ihrer Akte beifügen werde. Nach diesen zwei Jahren verschwindet der Eintrag und Ihre Akte ist wieder in Ordnung. Sehen Sie das als Warnschuss. Ich gebe davon nur einen. Verstanden, Private?“
„Ja, Ma’am. Danke, Ma’am.“
Jara seufzte: „Sie sind das kleinste Rädchen in dieser ganzen Sache, Caroline, das ist mir klar. Ich kann Sie nicht ohne eine Konsequenz gehen lassen, aber außer in einer hektischen Situation etwas zu hastig zu sprechen, haben Sie nichts getan. Passen Sie da in Zukunft besser auf. Ihre Arbeit ist Geheimsache. Das wissen Sie auch. Sie sind pfiffig und lernen schnell, sonst wären Sie gar nicht in meinem Stab. Ich habe vor, Sie so schnell es geht zum Corporal zu befördern und Ihnen die Chance zu geben, sich zu entwickeln, denn Sie haben Potenzial. Schmeißen Sie das nicht weg, bloß weil Sie nicht nachdenken.“
„Es wird nicht wieder vorkommen, Ma’am“, beeilte Cook sich zu sagen, offensichtlich froh, vergleichsweise glimpflich davongekommen zu sein.
„Gut“, sagte Jara. „Ich werde Lieutenant Asai über meine Entscheidung informieren. Er wird vermutlich mit Ihnen noch einmal die Sicherheitsvorschriften besprechen wollen. Schauen Sie sich das Material besser noch einmal genau an.“
Asai, Jaras rechte Hand im S2-Bereich, galt als strenger und fordernder Offizier. Seine Art, den Private zu schulen, würde als zusätzliche Strafe vermutlich ausreichen. Der Japaner war ein kompetenter, loyaler, aber nicht besonders rücksichtsvoller Soldat. „Das werde ich machen, Ma’am“, kam Cooks Antwort und ihrer Stimme war anzuhören, dass sie sich auf die nächste Zeit mit ihrem direkten Vorgesetzten nicht sonderlich freute.
„Gut, das wäre dann alles. Sie können wegtreten. Und schicken Sie Lieutenant Decaroux rein.“

Jara erwiderte den Gruß ihrer Soldatin pflichtschuldig und sammelte sich gleichzeitig innerlich. Eine junge Untergebene zu disziplinieren war der leichte Part gewesen. Decaroux war der ein ganz anderes Kaliber. Der Mann war nicht nur Offizier, sondern auch Chevalier der ersten Stunde und ein gestandener Veteran, der nicht so einfach zu beeindrucken war. Außerdem war er mit seinem Lebenslauf und seiner Expertise nicht zwingend auf die Chevaliers angewiesen, diese aber auf ihn. Jara würde den Infanteristen nicht einfach anfahren und niedermachen können. Hier war ein anderes Vorgehen gefragt.
Folglich war ihre Stimme sehr viel ruhiger, beinahe leise, als der Chef der Gegenspionage eintrat und einen mustergültigen Salut hinlegte. Er machte auch gar nicht erst den Versuch, sich zu setzen, sondern strahlte vielmehr die Gewissheit aus, länger in Hab-Acht-Stellung aushalten zu können, als Jara im Sitzen.
Die Söldnerin versuchte auch gar nicht erst, ihren höheren Rang auszuspielen, sondern blieb in den Gesprächsstrukturen, die zwischen ihnen üblich waren, auch wenn es ihr nicht gelang, die Wut und Enttäuschung aus ihrer Stimme zu halten.
„Charles, ich bin ehrlich gesagt überrascht. Ich hatte gedacht, die Zusammenarbeit zwischen uns würde besser funktionieren. Wie kann es denn sein, dass einer meiner Offiziere und eine meiner Soldatinnen an einer sicherheitsdienstlichen Ermittlung beteiligt sind, dass die Militärpolizei an einer Ermittlung beteiligt ist, dass es einen sicherheitsrelevanten Vorfall in der Kantine gibt und ich erfahre dadurch erst über Umwege und den Abschlussbericht von Lieutenant van Baaren und werde an den Vorgängen nicht beteiligt?“
„Entschuldige, Jara.“ Der abgebrühte Veteran klang kein wenig beeindruckt, schien aber wenigstens zu verstehen, dass hier etwas nicht wirklich so gelaufen war, wie es hätte laufen sollen. „Ich bin die Arbeit mit und in einem derart großen Stab noch nicht richtig gewohnt. Ich habe noch verinnerlicht, dass kurze Wege effektive Wege sind. Als der Colonel angefangen hat, Anweisungen zu geben, bin ich davon ausgegangen, dass alles seine Richtigkeit hat. Ich hätte dich informieren müssen und ich hätte den Colonel darauf hinweisen müssen, dass er dafür seine Stabsoffiziere hat. Ich nehme an, er wird ähnlich pragmatisch gedacht haben.“
„Du musst keine Ausreden und Entschuldigungen für Copycat liefern“, antwortete Jara spitz. „Du sollst Captain werden, wenn deine Abteilung sich eingespielt hat. Wenn ich das unterschreiben soll, muss ich mich auf dich verlassen können. Und zwar blind.“
„Ich kann aber ja die Befehle vom Colonel kaum ignorieren“, brachte Decaroux das Dilemma auf den Punkt.
„Natürlich nicht“, lenkte Jara ein. „Aber es kann nicht sein, dass ich nicht informiert werde. Außerdem steht die Gegenspionage nicht ohne Grund etwas außerhalb der militärischen Einheitsstruktur. Harry führt das militärische Kommando, er ist zuständig für die Strategien, die Taktik, die Einsatzplanung. Alles, was er in diesem Rahmen befiehlt, ist natürlich umzusetzen. Aber als Eigentümerin bin ich verantwortlich für so ziemlich alles andere. Das heißt, dass die Ergebnisse geheimdienstlicher Tätigkeiten mir vorgelegt werden, außer sie betreffen unseren Kampfauftrag. Das heißt auch, dass der gesamte Bereich S2, vor allem aber deine Truppe, Charles, am Ende vom Tag auf mein Wort hören muss.“
„Also im Zweifel gegen die Befehle des Colonels?“, hakte der Veteran nach.
„Wenn es nicht unseren Kampfauftrag betrifft, ja.“ Jara wusste, was sie sagte, aber sie hielt es für unvermeidlich, hier und jetzt deutlich zu machen, wo sie ihre Rolle sah. Hier ging es natürlich zum einen um interne Machtspiele. Sie musste ihre Position in der Truppe sichern, wenn sie nicht als bloße Marionette von Danton und Copeland dastehen wollte. Hier ging es aber auch um das Vermächtnis der Chevaliers und hier ging es ein Stückweit auch darum, im Notfall jeden ihrer Angestellten auszählen zu können – selbst Colonel Harrison Copeland. Er mochte das militärische Kommando führen, aber es war ihre Einheit.
Was für ein Dilemma.
Dass Decaroux die Situation umgehend begriff, sprach für ihn. Allerdings wäre er ohne eine schnelle Auffassungsgabe auch nie dort gelandet, wo er nun war. Er dachte einen kurzen Augenblick nach und sah Jara dann fest in die Augen. Ganz offensichtlich hatte er seine Entscheidung getroffen: „Ich habe verstanden, Jara. Du bist der Boss.“

Wenig später stand sie vor dem vorerst letzten und vermutlich brisantesten Teil ihrer Aufarbeitung. Den kommandierenden Offizier und ihren militärischen Vorgesetzten konnte sie nicht so ohne weiteres in ihr Büro zitieren, also stand sie nun vor seiner Tür und sammelte sich kurz. Die Wut, die immer noch in ihr brodelte, schluckte sie so gut es ihr möglich war runter und rief sich noch einmal die schwierigen Machtverhältnisse vor ihr geistiges Auge.
Dann betrat sie ohne zu Klopfen das Vorzimmer und wandte sich an eine sichtlich überraschte Corporal Hellingsdottir: „Ist der Colonel da?“
„Ja, Ma’am“, kam prompt die pflichtbewusste Antwort. „Soll ich Sie anmelden?“
„Nicht nötig“, winkte Jara ab. „Ich melde mich selbst an.“
Ohne auf eine Reaktion der Soldatin zu warten, öffnete sie die Tür zum eigentlichen Büro, schreckte einen über Akten gebeugten Copeland damit auf, trat ein und schloss die Tür wieder hinter sich.
Bevor der ältere Söldner irgendetwas sagen oder gar seine Fassung wieder erlangen konnte, eröffnete sie das Gespräch: „Haben wir ein Vertrauensproblem?“
„Was?“, brachte Copeland hervor und wusste offensichtlich wirklich nicht, wovon sie sprach.
„Ein Vertrauensproblem“, wiederholte Jara. „Vertraust du mir nicht? Traust du mir nicht zu, meine Arbeit sauber, ordentlich, effektiv, effizient, vernünftig und zügig zu erledigen? Glaubst du, ich habe meinen Bereich nicht im Griff?“
Sie hatte sich bemüht, jegliche Emotion aus ihren Fragen herauszuhalten, aber die Tragweite ihrer Worte traf den erfahrenen Veteranen dennoch sichtbar. „Wie kommst du denn auf sowas?“
„Weil offensichtlich eine Explosion in der Küche samt nachfolgender Ermittlung und allem, was dazugehört, passiert, ohne dass jemand auf den Gedanken kommt, die zuständige Person, also mich als S2-Stabsoffizier, zu informieren. Ich habe vermutlich großes Glück gehabt, dass wenigstens van Baaren nett genug war, mir einen Bericht zukommen zu lassen.“
„Ich hätte dich vor der nächsten Stabsbesprechung informiert“, gab Copeland zurück, der offensichtlich nicht wirklich verstand, wo das Problem lag.
„Also in… drei Tagen?“, hakte Jara nach. „Das ist ein Vorkommnis in meiner Zuständigkeit, das meine Arbeit beeinflusst und für das du meine Leute eingeteilt hast.“
„Eine Kleinigkeit, ein blöder Streich vermutlich“, wiegelte der Kommandeur ab, immer noch eher irritiert als wirklich aus der Bahn geworfen.
Jara schnaubte: „Das konnte aber niemand wissen. Eine Explosion in der Küche, vielleicht ein Angriff auf die Gesundheit der Truppe, auf jeden Fall aber ein offensichtliches Sicherheitsleck… da muss ich handeln können und dafür muss ich informiert sein. Wer auch immer da Schwarzpulver bis in die Küche gebracht hat, hätte auch eine größere Menge davon einschleusen können. Oder Gift. Dann hätten wir jetzt möglicherweise dutzende Tote. Das ist doch keine Lappalie!“
Copeland schien es langsam zu bunt zu werden, denn sein Gesicht wurde zunehmend ernster und seine Stimme fester und bestimmter: „Ich habe mich darum gekümmert, wie ich mich als Kommandeur bisher immer um solche Dinge gekümmert habe. Auf dem kurzen Dienstweg und mit den Ressourcen, die mir zur Verfügung standen. Außerdem war es eine großartige Gelegenheit, unsere Bewerber zu testen.“
„Fang mir damit gar nicht erst an“, brauste Jara auf. „Das ist gleich das nächste Ding: Erstens halte ich es für ein gewaltiges Risiko, interne Aufgaben an Leute zu delegieren, die nicht zur Einheit gehören und zweitens kannst du nicht alleine entscheiden, wer eingestellt wird. In letzter Konsequenz muss ich die Entscheidung darüber treffen.“
Der Colonel seufzte leise, führte seine Fingerspitzen zusammen und stützte seine Stirn auf die Zeigefingerkuppen. „Gut“, sagte er schließlich, „wenn ich dich richtig verstanden habe, fühlst du dich von mir übergangen, korrekt?“
„Ja“, gab die Söldnerin unumwunden zu. „Als Sicherheitsoffizier und als Eigentümerin.“
„Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann waren die Chevaliers immer eine Söldnereinheit. Das bedeutet auch Improvisation, Bauchgefühl und kurze Wege. Das unterscheidet uns von Hauseinheiten und macht uns flexibel und zäh.“
„Die Chevaliers sind ein Regiment und haben viele mächtige Neider und Feinde. Wir müssen vor allem professionell und vorsichtig sein und uns von der Vorstellung lösen, diese Einheit wie eine Kompanie oder ein Bataillon führen zu können“, beharrte Jara auf ihrem Standpunkt. „Wir haben einen Stab, damit die Verwaltung reibungslos funktioniert und die Informationen dort landen, wo sie gebraucht werden – und nirgendwo anders. Die Sicherheit der Einheit muss an erster Stelle stehen und dazu gehört eben mehr als die physische Sicherheit. Wir können unser Herz nicht auf der Zunge tragen, Harry.“
„Lass das Germaine nicht hören, Jara. Du weißt, dass er immer auf das Gute in den Menschen vertraut und immer bereit ist, ein Risiko einzugehen, um seine Überzeugung nicht verlieren zu müssen.“
„Ich bin nicht Germaine“, gab Jara zurück. „Und ich habe zu viel Familie verloren, um jetzt auch noch mein Zuhause bei den Chevaliers aufs Spiel zu setzen. Ich will diese Menschen so gut wie möglich schützen. Wenn ich dafür weniger herzensgut sein muss als Germaine, dann nehme ich das auf mich. Aber ich muss… wir müssen diese Einheit so führen, dass sie überlebt. Und dafür müssen wir uns vertrauen.“
„Aber ich vertraue dir doch“, erwiderte Copeland. „Ich habe nur einen anderen Ansatz als du… aber sei’s drum.“ Er lehnte sich zurück und sah der jungen Frau neugierig ins Gesicht. „Ich werde dich in Zukunft in solchen Situationen umgehend informieren lassen und ich werde versuchen, daran zu denken, dass ich einen Stab habe, der mir Aufgaben abnehmen kann und soll. Zufrieden?“
„Ich bin zufrieden, wenn wir gut zusammenarbeiten“, antwortete sie ausweichen, um nicht zugeben zu müssen, dass der Sieg ihr schal vorkam. Wie viel vom guten Draht zu Copeland hatte sie gerade zerschnitten, wie viel war zu retten?
„Wunderbar“, lächelte der Colonel. „Hast du sonst noch etwas auf dem Herzen?“
„Nein, das wäre alles.“
„Dann habe ich noch zwei Bitten.“
„Nur zu.“
„Erstens: Fass deine Leute nicht zu hart an. Du kannst ihnen nicht vorwerfen, ihrem CO gehorcht zu haben.“
„Zu spät“, warf Jara ein. „Ich konnte und habe ihnen angekreidet, dass sie nicht selber denken und ihre eigenen Befehle nicht kennen.“
„Na gut. Zweitens: Stell Mac Lain und diese Elementare ein. Der Junge hat wirklich was drauf.“
Die Söldnerin seufzte: „Hätte ich jetzt eh machen müssen. Die beiden wissen zu viel.“
„War das etwa ein Witz?“, fragte Copeland mit hochgezogener Augenbraue.
„Nur halb“, sagte Jara im Gehen, „nur halb.“

__________________
Ama-e-ur-e
is-o-uv-Tycom‘Tyco
is-o-tures-Tesi is-o-tures-Oro
is-u-tures-Vo-e-e

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Ort: unbekannt.

Spike erwachte aus unruhigem Schlaf. Es war heiß, die Luft schien zu brennen. Gefechtslärm. Warum hatte sie niemand geweckt? Außer vereinzelten Autogewehrsalven gab es nur eine Wand aus Lärm, ohne die einzelnen Waffentypen bestimmen zu können. Ihr Mech? Im Dunkeln kaum zu erkennen, dort stand er.

Sie rannte zur Leiter, ihr Gleichgewicht und ihr Verstand schien beeinträchtigt zu sein. Hatten die Schweine Nervengas eingesetzt? Es war also wahr, was über die Typen erzählt wurde. Fokussieren!

Sie war jetzt angekommen und begann, hastig hochzusteigen. Die ersten zig Sprossen hielt sie durch, ihre Sicht verschwamm, ihre Kraft ließ nach. Nicht jetzt! Mit größter Anstrengung kletterte sie weiter, aber jede weitere Stufe schien länger zu dauern als die Vorige. Es wurde wärmer. Infernos? Ihre Maschine hatte auch eine Lafette davon. Der Boden bebte. Waren Mechs so nahe? Ihr wurde klar, dass offenbar ihr Mech in Bewegung geriet. Diese Bewegungen konnte sie besser. Aber sie war nicht im Cockpit! Bitte nicht! Sie mühte sich, weiterzukommen, noch 10 Sprossen. Die Kräfte ließen nach, ein Fuß rutschte ab. In Panik hielt sie sich fest. Weiter!

Eine Hand griff jetzt ins Leere, die Bewegungen der Maschine waren zu stark. Als sie fiel wunderte sie sich noch, wer in ihrer Nähe schluchzte. Den Aufprall bekam sie nicht mehr mit.

***

Landungsschiff Bloody Nose

"Haha," dröhnte Devon, "diesmal habe ich wohl die Oberhand. Dann zahlt mal schön." Er grinste in die Runde. Seine hellen Zähne bildeten einen deutlichen Kontrast zu seiner dunklen Haut. Dadif schwitzte sehr und bereute es wiederholt, beim Drax mit Sgt. Markle, Devon, Ermhard und "Cashier", dem kleinen, unscheinbaren Verwalter der Kasse aus der Riege der Elektrotechs, mitgemacht zu haben. Immerhin, "Cashier" hatte den Ruf, absolut unbestechlich, genau und völlig humorlos zu sein.

Daher führte er die Daten aller Spielrunden, an denen er teilnahm, was bei der Art der Bezahlung durch die Einheit die Übersicht stark verbesserte. Er spielte sehr konservativ und schien eher die Gesellschaft und seine Aufgabe zu genießen. Die anderen waren sehr verschieden. Die Offiziere tolerierten das Glücksspiel, und einige mischten sich sogar unter die Spieler. Standesschranken gab es kaum. Allerdings waren strenge Strafen angedroht, sollte es etwa zu einer ernsthaften Prügelei kommen. Ebenso war es strikt verboten, Ausrüstungsstücke der Einheit wie Privatbesitz zu verpfänden.

Hieronymus Markle war ein kalkulierender Spieler, mit viel Erfahrung, dem es nichts ausmachte, zu gewinnen oder zu verlieren. Er ging sehr selten auf Risiko. Devon war eher ein chaotischer Spieler und schien gerade auf der Erfolgsspur zu sein. Ermhard war meist unbekümmert, kühl aber enthusiastisch in einer einladenden Mischung. Dadif selbst bemühte sich mitzuhalten, aber das Spiel war nichts für ihn. Wenigstens redete er sich das ein. Die Interaktionen, Wahrscheinlichkeiten und das Verhalten der Mitspieler fand er schon interessant. Vielleicht ließ er sich daher immer wieder überreden. Er hatte allerdings einiges gelernt, seit ihm Zwerg und "Kotzi" Koslowski das Spiel beigebracht hatten. Kein Zweifel, ihre Gründe waren egoistisch gewesen und er hatte ihnen schon sehr viel seines kargen Soldes überlassen, aber jetzt schien er wirklich gut dazustehen. Die Einsätze waren hoch und bei seinem Blatt war die Chance gegeben, das Spiel zu gewinnen.

Bis Devon seine Ansage machte. "Cashier" war erwartungsgemäß schon vorher ausgestiegen, es war selten aber eindeutig, dass er eine gute Hand hatte. Hieronymus blieb verdammt cool. Das war doch noch gefährlicher für ihn, dachte Dadif. Was mochte der haben, wenn Devon sich schon als Gewinner sah? Kotzi sah mürrisch drein, als der auch noch mitging. Die Einsätze waren schrecklich hoch. Dadif wischte sich mit zitternden Händen den Schweiß von der Stirn. Wenigstens stank Markles E-Cig nicht wie echter Tabakrauch. Aber dass es hier nicht mehr gut roch war ihm jetzt bewusst. Dazu kam, dass es schon verdammt spät war und er morgen eine Tour auf das Sprungschiff genehmigt bekommen hatte. Darauf hatte er sich schon intensiv vorbereitet. Aber mit dieser Hand auszusteigen? Nein! "Ich geh mit.", sprach er etwas kläglich, aber es schien die anderen doch etwas nachdenklicher zu machen. Devon war jedoch gleich wieder der Alte. "Na dann zeigt mal was ihr habt, Freunde. Diesmal schaffst du mich nicht, Kotzi!" Er legte seine Karten auf den Tisch.

"Hey, verdammt!," keuchte Ermhard "Kotzi" Koslowski. Er warf seine Karten ab. Sein Blatt war zwar gut, aber nicht genug um Devons Karten zu überbieten. Dadif sah müde zu Markle. Der besah sich die Lage und schob seine Handkarten zusammen. Seine Miene wechselte von nachdenklich zu freundlich. "Verdammt gutes Spiel, Devon. Da kann ich auch nicht mithalten. Ihr kennt ja die Sprüche, mal verliert man, mal gewinnen Andere, eckzettra." Er sah jetzt Dadif an, der seine Karten noch in der Hand hielt und darauf verzichtete, ihn zu korrigieren. 'Zum Glück sind die aus Kunststoff.', dachte der sich. Bei seiner Menge an Transpiration wären papierne Karten wohl schon zerfallen. Er warf seine Karten hin. Devons Grinsen versteinerte, ehe es erstarb. Ermhard entfuhr ein herzhaftes "Hey, da leck' mich doch der Erste Prinz!", während Markles Miene Anerkennung ausdrückte. Für Dadif drehte sich alles. Er hätte keinen der Synteholdrinks nehmen sollen. Nicht einen. "Cashier" meinte nur ruhig: "Tjaja, die gute alte Zufallsverteilung.", was Ermhard ergänzte: "...und der Koordinator gleich mit!"

Nach einer Weile war Stille und Dadif krächzte: "Ich kann nicht mehr." Es kam kläglicher heraus als beabsichtigt, aber es wirkte. Außer Devon freuten sich alle für ihn. "Cashier" zählte alles zusammen. Als Dadif abzog, hörte er noch Devon, wie er sich beschwerte: "Der hat uns ordentlich in den Arsch ge.. uns verarscht." Von Ermhard kam noch dazu: ".. Hey und der Generalhauptmann!"

Dadif wankte in sein Quartier und hatte eine unruhige und kurze Nacht vor sich.

***


Kojen der Theaterlanze, Landungsschiff Privateer

Starschina sah ernsthaft besorgt aus. "Spike, du hast schlecht geträumt. Schon wieder. Die meisten von uns kennen so was, aber wenn du Hilfe brauchst, bin ich da, charasho?" Spike war noch halb schlaftrunken, aber sie verstand. Starschina war immer der gewesen, der am freundlichsten war. Die anderen schienen sie langsam zu akzeptieren. Aber es war nie leicht gewesen. Der glatzköpfige Mechpilot schien jedoch nur selten unausgeglichen zu sein und hatte trotz ihrer Vorgeschichte nicht viel Aufhebens um sie gemacht. Ob aus Desinteresse oder anderen Gründen war ihr dabei egal.

"Wir sind eine Einheit und Familie.", setzte er getragen aber einfühlsam fort. "Also wenn du mal darüber reden willst, sag' mir Bescheid. Morgen docken wir an, dann wird es wieder spannend, in circa zwei Stunden haben wir eine kurze Besprechung. Also mach dich am besten frisch."

Er zögerte einen Moment: "Du weist, dass du auch zu jemandem vom medizinischen Dienst gehen kannst." Er wuste, dass das ein heikles Thema war. Die beiden Personen, die als Seelenklempner in Frage kamen, leiteten die Nachrichtenabteilung. So fürsorglich die Kommandeure sich auch gaben, die Einsatzbereitschaft der Truppe ging vor - so etwas wie das Arztgeheimnis zählte im Einsatz wenig. Und für jemanden wie Spike, die gerade erst einen Mech erhalten hatte, bestand die Gefahr, dass man sie wieder aus dem aktiven Dienst nahm. deshalb fügte er hinzu: "Du mußt das allein entscheiden. Aber es nützt niemanden, wenn du dich kaputt machst. Denk einfach darüber nach." Spike nickte benommen. Es schien alles so real...

__________________
Combined Arms Mechwarrior, hier fahre ich Epona, stampfe mit NovaCat, fliege Shiva und bin BA.
Stand-alone, ohne irgendwelche Voraussetzungen. Kostenfrei.

http://www.mechlivinglegends.net/2017-01/mechwarrior-living-legends-communi
ty-edition/

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Ein zwiespältiges Willkommen

Anfang Mai 3067
Raumflughafen Raijin, Stadt Iga, Provinz Iga, Planet Numki, Draconis-Kombinat

Der Antrieb des rieseigen eiförmigen Landungsschiffes - mit knapp 10.000 Tonnen gehörten Schiffe wie dieses Overlord zu den größeren Modellen - stieß gewaltige Feuerlanzen aus, während es sich langsam herabsenkte. Der Pilot verstand offenbar sein Handwerk, allerdings war die Landung auf einem befreundeten Planeten keine wirkliche Herausforderung.
Anatoli Tanigaki fühlte sich bei dem Anblick wirklich, wirklich unbehaglich - aber er war durch eine harte Schule gegangen und wusste, jegliche unangebrachte Regung zu unterdrücken. Selbst auf seiner eigenen Welt wäre es unangemessen gewesen, Nervosität zu zeigen, und hier verbot es sich um so mehr.
Nicht, dass er sich über die Gastfreundschaft der Shimatze bisher beklagen konnte, vor allem wenn man berücksichtigte, dass sein Vater die Erben des Lords von Numki in den letzten Jahren mehr als einmal unter Druck gesetzt hatte. Aber Hanzo und seine Schwester Tomoe waren die perfekten Gastgeber gewesen. Sie hatten ihn und seine Soldaten mit aller Höflichkeit empfangen, die Neuankömmlinge bestens untergebracht und versorgt, hatten zudem einige Zeit geopfert, politische, militärische und wirtschaftliche Fragen mit ihm zu diskutieren. Sie behandelten ihn nicht ganz als ebenbürtig, aber daran war er gewöhnt, und hatte schon wesentlich verletzenderes Verhalten ertragen müssen. Oder besser, sie behandelten ihn als Person nicht ganz als ihresgleichen - aber als Vertreter seines Vaters. Beide hatten ernst und aufmerksam seinen Warnungen und Vorschlägen bezüglich der Gaijin-Söldner gelauscht, die soeben mit der "Crying Freedom" - was für ein dummer Name! - landeten.
Doch auch wenn die Shimatze ihm das Gefühl vermittelten, ihn ernst zu nehmen, ihm auch einen Ehrenplatz bei dem Empfang der Com Star-Mietlinge überlassen hatten - er hatte sie nicht überzeugen können, eine gemeinsame Frontlinie gegenüber diesen Barbaren zu präsentieren. Aber konnte er ihnen da einen Vorwurf machen? Die beiden hatten genug Rivalen, die nur auf einen Fehler warteten, jede Schwäche auszunutzen gedachten. Da war es unwahrscheinlich, dass sie bereit waren, auch noch eine Verärgerung von Com Star zu riskieren, indem sie dessen zweifelhafte Handlanger allein auf einen Verdacht hin brüskierten. Folglich würden sie mit den Söldnern bei den geplanten Ermittlungen zum Thema Piratenangriffe kooperieren. Tomoe hatte einige ominöse Andeutungen gemacht, wie gründlich man die Söldner dabei im Auge behalten würde - was bedeuten konnte, dass sie ihre Ninja und die Spitzel ihrer Polizei auf die Höllenhunde angesetzt hatte. Oder auch nicht - eine genaue Zusage war von ihr nicht zu bekommen gewesen.

In jedem Fall würden die Söldner einen ehrenvollen Empfang bekommen - ebenso ehrenvoll wie er selber. Das war im Grunde natürlich eine Beleidigung, aber Hanzo hatte angedeutet, dass man nicht in erster Linie die Söldner ehren würde - sondern die Mächte, die hinter ihnen standen. Es war jedoch anzunehmen, dass diese Feinheiten bei den Barbaren verschwendet waren - die würden dererlei Subtilitäten sowieso nie kapieren. Wie hatte es Anatolis Vater ausgedrückt? Ach ja - ,Vermutlich können sich die Schimatze glücklich schätzen, wenn dieses Pack nicht in ihre Blumenbeete pinkelt und die Zierkarpfen aus den Teichen fischt. Mit Handgranaten.'
Doch da er selber nur Gast war, musste der Bastardsohn von Lord Odaga gute Miene zum unerfreulichen Spiel machen. Der Empfang, der die Höllenhunde erwartete, war weit weniger martialisch als Anatoli ihn organisiert hätte. Tomoe wusste, wie man eine eindrucksvolle Kulisse mit überschaubaren Mitteln organisierte. Sie hatte keine großen Menschenmassen aufgeboten, aber das Umfeld des Landeplatzes der Söldner - und ihr voraussichtlicher Weg - waren nur so gesäumt von Fahnen mit den Mons des Kombinats und der Shimatze. Es war noch nicht abschließend klar, ob die Söldner zum größten Teil am Raumflughafen bleiben wollten - manche Söldner zogen die vertraute Umgebung ihres Landungsschiffes einem unbekannten Planeten vor - oder die angebotenen Quartiere beziehen wollten. In jedem Fall waren die Kommandeure zu einem Empfang im Regierungssitz geladen - der nahtlos in eine Arbeitsbesprechung übergehen würde. Zu der man auch ihn eingeladen hatte. Einerseits, weil er die ,Höllenhunde' nach Darius begleiten würde, andererseits weil er eventuell eigene Anmerkungen zu machen hatte. Das war ein nicht geringes Entgegenkommen seitens der Shimatze - immerhin ging es um Details der planetaren Verteidigung, und kein Kurita-Adliger ließ sich gerne von seinen Nachbarn zu tief in die Karten schauen. Und seine Gastgeber brachten sich so um die Gelegenheit, mit den Söldnern ohne seine Kenntnis zu verhandeln.
Wenn die Söldner Fehler begingen, würde er es bemerken, und es vielleicht sogar ausnutzen können. Und wenn die Shimatze Schwäche zeigten - denkbar angesichts ihrer begrenzten Möglichkeiten - war es ebenfalls seine Pflicht, seinem Vater davon zu berichten. Aber natürlich war das Hanzo und Tomoe nur zu klar. Deshalb war es ein ziemliches Wagnis, dass sie ihn einbezogen, und ein Vertrauensbeweis. Vielleicht hatten seine Argumente ja doch mehr gefruchtet, als er angenommen hatten.

Anatoli hatte sich die vorbereiteten Quartiere der Mietlinge angeschaut, und sie machten einen ganz guten Eindruck. Viel ZU gut für dieses Gesindel, so viel war klar. Die Shimatze hatten vorgefertigte Container genutzt, die sie sonst auf ihrer Welt für temporäre Quartiere nutzen, etwa bei Ernteeinsätzen. Das Lager war neu aufgebaut, die Wohnräume und sonstige Infrastruktur großzügig kalkuliert und im besten Zustand - und nicht etwa am äußersten Rand der Hauptstadt gelegen, sondern in einem Grünpark relativ zentrumsnah. Ebenso standen vorgefertigte Garagen für die Fahrzeuge der Einheit bereit - natürlich mit Ausnahme der Kampfflieger. Und eine kleine Polizeistation mit unbewaffneten Sicherheitskräften war eingerichtet worden, um die Kontakte zwischen den Auswärtigen und Einheimischen zu regeln. Anatoli hoffte, dass ein paar Ecken weiter ein bis an die Zähne bewaffnetes Einsatzteam lauerte für den Fall, dass dies nicht glückte. Aber wenn dem so war, hatte man es ihm nicht mitgeteilt.

Auf der Fahrt zum Raumflughafen hatte der Erbe der Odaga auch gesehen, dass sich bereits einige Menschen entlang des voraussichtlichen Weges der Söldner versammelten. Nicht gerade die großen Demonstrationszüge, die ein Herrscher einer Welt zumeist leicht auf die Straße bringen konnte - einen Heldenempfang sollte es für die Söldner wohl frühestens dann geben, falls sie taten, wofür sie angeblich bezahlt wurden. Aber da war doch einiges an Neugierigen. Und die Transparente, die an einigen Stellen aufgehängt wurden, waren freundlich, und grüßten die Gäste.
Einen Moment lang fragte sich Anatoli, ob die Regentin der Shimatze, die geduldig neben ihm wartete - oder auch ihre Eltern, was das anging - sich nicht zusätzlich noch einen Witz erlaubt hatten, den nur Eingeweihte verstanden. Der Raumflughafen der Hauptstadt von Numki waren nämlich nach dem Kami für Blitz, Donner und Stürme benannt. Tatsächlich gab es sogar einen Schrein für ihn gleich in der Nähe, und auf dem Gelände fanden sich auch einige durchaus gut gearbeitete, wenn auch furchteinflößende Bilder oder Skulpturen. Raijin war ein Gott oder Geist, der eher wie ein Dämon aussah. Die Trommeln aber, die er häufig schlug um Donner zu erzeugen, trugen zumeist ein bestimmtes Symbol, das so viel wie "hoffen" oder "wünschen" bedeutete - im Japanischen "tomoe".
Das war ein Punkt, bei dem er sich selbst nicht sicher war. Beschränkte sich Tomoe Shimatze in erster Linie darauf, zu hoffen und zu wünschen - oder konnte sie notfalls auch den Sturm entfachen? Da er zu den wenigen gehörte, die sie auf Sulafat unmittelbar in Aktion erlebt hatte, neigte er dazu, letzteres anzunehmen. Wenn die Söldner in ihr nur die blutjunge Adlige in formellen Kleidern sahen, erwartete sie vermutlich eine böse Überraschung. Fast wünschte er, dass er dabei sein könnte, falls es dazu kam...
Sie wäre damit freilich nicht die erste ihres Namens gewesen. Die wohl berühmteste Kriegerin des alten Japan war eine Frau mit dem Namen Tomoe Gozen gewesen, die während des Gempei-Krieges im 12. Jahrhundert gelebt hatte. Tomoe Shimatze hatte sicherlich nicht deren gerühmte Schönheit und kämpferisches Geschick aufzuweisen - doch soweit Anatoli dies beurteilen konnte, verfügte sie über einen unbeugsamen Willen.

Im Augenblick freilich schwiegen Raijins Trommeln offenkundig, sie grollten nicht einmal. Die Regentin hatte lediglich eine Ehrenkompanie regulärer Infanterie mitgebracht, die mit konventionellen Gewehren angetreten war. Dazu kam eine Anzahl Leibgardisten in Gefechtspanzern. Mehr als genug, um dem Zeremoniell und dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis Genüge zu tun, aber zu wenig, um diesem Söldnergesindel den heiligen Schrecken einzujagen, den sie verdienten. Und ein Beweis, dass die Shimatze den Söldner weit genug vertrauten, um ihnen nicht mit genug Feuerkraft entgegenzutreten, um sie nötigenfalls pulverisieren zu können.
Es würde wohl nicht einmal einen Überflug der konventionellen Kampfflieger von Sulafat geben, obwohl ein halbes Dutzend Mechkiller bestens geeignet gewesen wären, die Außenwelter daran zu erinnern, wie dumm es wäre, wenn sie die Gastfreundschaft zu sehr strapazierten.
Nicht, dass die Shimatze vorbehaltlos vertrauenselig waren. Es gab einen Grund, weshalb Tomoe den Empfang leitete - ihr Bruder war im Herrschaftssitz geblieben. So konnten sich die Söldner in ausreichender Art und Weise geehrt fühlen, doch die Herrscher von Numki benahmen sich nicht unterwürfig. Und der Erbe der Welt war in Sicherheit, sollte wieder Erwartens doch etwas...Unerfreuliches...geschehen. Alles in allem war Tomoe als Regentin entbehrlich, ihr Bruder als eigentlicher Erbe war es nicht.

Inzwischen war das Söldnerschiff sicher gelandet. Es ruhte auf massiven Stützstreben und wirkte angesichts seiner kolossalen Ausmaße fast unbezwingbar. Allerdings war ein Overlord nicht sehr schwer bewaffnet und am Boden wie in der Luft ein vergleichbar empfindliches Ziel.
Anatoli fragte sich in einem müßigen wenngleich vergnüglichen Moment, ob die Männer und Frauen an Bord des Landers EBENFALLS nervös und verunsichert waren. Die Shimatze mochten sich für ein geradezu ziviles Empfangskomitee entschieden haben - er selber hatte freilich nicht vor, ein ähnlich ,ziviles' Profil zu wahren wie seine Gastgeber. Man war so zuvorkommend gewesen, ihm freie Hand zu lassen. Das mochte Berechnung sein - so konnten die Shimatze vermeiden, die Söldner direkt zu brüskieren, aber Anatoli hatte nicht vor, sich die Gelegenheit entgehen zu lassen, Pflöcke einzuschlagen. Und deshalb war er persönlich zwar zu Fuß und in kuritanischer Galauniform - wenn auch nicht ohne Waffen - anwesend. Doch am Rande des vorgesehenen Landeplatzes war seine komplette Sturmklasse-Lanze aufgereiht, mehr als 300 Tonnen Tod und Vernichtung, geschmückt mit dem Pferde-Mon der Odaga. Die Mechs, die die Höllenhunde begleiten sollten - vorgeblich als Eskorte, tatsächlich aber als Überwachung. Sein eigener Mech, eine Galeere-A, wurde gegenwärtig von seinem Leib-Tech gesteuert, einem Veteranen, der die Maschine vielleicht nicht bis zur Perfektion beherrschte, aber sie doch akzeptabel bewegen und einsetzen konnte. Der Umstand, dass es sich um einen Omni handelte, machte so einen Pilotenwechsel erheblich einfacher.

Die Söldner konnten ihrerseits natürlich im Moment ebenfalls nicht zu martialisch auftreten. Schließlich waren sie weder eine Garnisons- noch eine Besatzungsstreitmacht, sondern standen in Diensten einer vorgeblich neutralen Partei, die auf den Welten des Kombinats außerhalb ihrer exterritorialen Enklaven nur äußerst begrenzte Befugnisse hatte. Hätten sie ihre nach Diesel stinkenden Panzer die Rampe herunterrollen lassen, während die Regentin der Shimatze auf sie wartete, hätte das leicht als schwere Kränkung oder Beweis der Feigheit verstanden werden können. Sie hätten sich bestenfalls einfach nur lächerlich gemacht - die vier angetretenen überschweren Mechs hin oder her.
Und tatsächlich, die fünf Personen - alles Männer - die das Schiff zuerst verließen, trugen keine Gefechtsanzüge, sondern Galauniformen. Hinter ihnen kamen einige Soldaten als formelle Ehrenwache - sie machten freilich einen wesentlich weniger perfekten Eindruck als die Wachkompanie der Shimatze.
Nichts desto trotz musste Anatoli seine Wut unterdrücken, als die Neuankömmlinge näher kamen. Das lag zum einen an den Uniformen und Abzeichen. Es handelte sich nämlich um nicht weniger als einen Major und drei Captains. Das war ja an und für sich nicht ungewöhnlich, schließlich waren die Höllenhunde ein verstärktes Bataillon. Aber natürlich hatten die wenigsten von ihnen sich ihren augenblicklichen Rang in einer regulären Streitmacht verdient, und sei es nur eine planetare Miliz. Vor allem aber, er wusste genau, wer der Kommandeur der Truppe war - schließlich hatte er die verfügbaren Dossiers über die Offiziere, Einsätze und Struktur der Söldner praktisch auswendig gelernt. Dieser Manfred Scharnhorst hatte es bis 3063/64, in seinem 38. Lebensjahr, gerade einmal zum First Lieutenant und Lanzenführer bei den neu gegründeten Chevaliers gebracht, nachdem er sich bei den Skye-Jägern davongemacht hatte. Schon das war keine Empfehlung. Anatoli hatte keine Vorurteile gegen Kriegswaisen oder Leute, die sich von unten hochdienen mussten, aber gleichgültig ob dieser Scharnhorst den Lyraner gegenüber loyal gewesen war oder sich einfach aus der Verantwortung gestohlen hatte als sein Heimatland von Bürgerkrieg zerrissen wurde - nichts davon sprach für ihn, jedenfalls in den Augen eines Kuritaners. Als Chevalier der ersten Stunde hatte Scharnhorst zudem großen Anteil am Mord an Anatoli Kenda und dessen Männern gehabt. Dass er in wenigen Jahren vom Lanzenkommandeur bis zum Bataillonschef einer autonomen Einheit aufgestiegen war, bewies wohl eher die zweifelhaften Beförderungspraktiken der Mietlinge als eine überragende Begabung - von der er immerhin in den Reihen der Lyraner in gut zwei Jahrzehnten nichts gezeigt hatte. Er war sicher ein guter Krieger, aber als Soldat wohl bestenfalls etwas über Durchschnitt.

All das ging Anatoli Tanigaki durch den Kopf, doch er achtete sorgsam darauf, dass sich diese Gedanken nicht in seiner Miene widerspiegelten. Er hatte nicht vor, den Kommandeuren der Söldner Herzlichkeit vorzugaukeln, aber wie sehr er sie in Wahrheit verabscheute und ihnen misstraute, dass blieb besser sein Geheimnis. Nicht, dass er sich Hoffnungen machte, einen von ihnen überzeugen oder bestechen zu können. Die mittleren und niederen Dienstränge und der Tross waren da meist...zugänglicher. Ärmer, verzweifelter - ambitionierter. Aber so etwas musste sorgfältig geplant und behutsam in Gang gesetzt werden. Nicht nur Rache war ein Gericht, das am besten kalt serviert und genossen wurde.
Für den Moment reihte er sich - wie es sich gehörte - hinter Tomoe als Regentin von Numki ein, als es darum ging, die Söldner zu begrüßen. Seine Zeit würde kommen.

Palast der Odaga, Stadt Iga, Provinz Iga, Planet Numki, Draconis-Kombinat
Einige Zeit später

Manfred Scharnhorst hatte in seinem Leben - inzwischen gut 42 Jahre - schon einiges erlebt. Allerdings eher auf dem Schlachtfeld als auf dem höfischen Parkett oder in den mitunter eisigen Höhen der Politik, und dieser Umstand sorgte dafür, dass er sich momentan etwas unbehaglich fühlte. Er hatte einige Erfahrungen sammeln können, seitdem er die Höllenhunde kommandierte, aber trotz allem war er als Kommandeur noch recht "jung" und musste befürchten, dass ihm Feinheiten entgingen oder er sie falsch verstand.
Die Begrüßung auf Numki war durchaus zuvorkommend zu nennen. Die amtierende Regentin hatte zwar nur eine kurze Ansprache gehalten, aber ihre Worte waren freundlich gewesen - und in Englisch gesprochen, so dass er und seine Untergebenen sich direkt angesprochen fühlen konnten. Schon das war eine Höflichkeit, die viele höherrangige Kuritaner bewusst vermieden, schaffte doch ein Dolmetscher zusätzliche Distanz zwischen ihnen und den fremdländischen Barbaren, dem gemeinen Volk. Selbst als Bataillonskommandeur einer Söldnereinheit erhielt man selten Vorschusslorbeeren von der de facto Herrin über einige Millionen Menschen. Und der anschließende Empfang, an dem einige Vertreter der Oberschicht des Planeten teilgenommen hatten, hielt zwar nicht annähernd mit den Feierlichkeiten mit, von denen einige seiner Kameraden in den lyranischen Streitkräften geschwärmt hatten - ob nun Tharkad oder Skye der Sehnsuchtsort war. Aber auch ein deutlich bescheidener Rahmen gehörte nicht gerade zum Söldneralltag, wenn man nicht ein Regiment oder dergleichen kommandierte. Von der bekannten kuritanischen Ablehnung gegenüber Ausländern und Söldnern - und besonders ausländischen Söldnern - war nicht viel zu merken gewesen.
Natürlich war er nicht naiv. Die Shimatze verfolgten mit Sicherheit ihre eigenen Ziele - sei es, dass sie sich einfach mit Com Star gutstellen wollten, dessen Söldner als potentielle Verbündete sahen, Unterstützung für eine dauerhafte Stationierung zusätzlicher Truppen wünschten oder gar von eigenen Verfehlungen und Intrigen ablenken wollten, FALLS sie hinter den Angriffen steckten - was genau diese waren ließ sich unmöglich sagen. Aber es war schwer, die professionelle Distanz zu wahren, wenn man ausnahmsweise einmal nicht wie ein Dienstbote oder besserer Straßenschläger behandelt wurde.

Im Anschluss an den Empfang war die Atmosphäre freilich schnell dienstlich geworden. Manfred, seine Vize, Captain Andre Laine von der Infanterie, und der Kommandeur der Jäger, Captain Bligh Ross, waren die einzigen Höllenhunde, die an der Besprechung teilnehmen durften. Die Shimatze waren höflich aber unnachgiebig gewesen - und gegen Geheimhaltung ließ sich ja auch wenig sagen. Auch sonst war die Runde überschaubar. Einen eigenen Vertreter Com Stars gab es nicht - das sollten die Höllenhunde übernehmen - und auch niemanden, der direkt für die VSDK sprach. Was ja, wie Manfred wusste, einer der Beschwerdepunkte der Lokaladligen war - das in ihren Augen mangelnde Eingreifen der regulären Streitkräfte. Die Versammlung schloss aber auch ein Paar Leibwächter in Gefechtsrüstungen ein. Die Gastgeber schienen auf Nummer sicher gehen zu wollen. Die Frage war, ob sich das nur, in erster Linie oder aber nur beiläufig auch gegen seine Leute richtete.
Bereits der Auftakt des Treffens verlief nicht ohne Spannungen. Der Vertreter von Haus Odaga - Tai-i Anatoli Tanigaki - hielt mit seinen Zweifeln nicht hinter den Berg. Er hatte sich während des Empfangs sehr zugeknöpft verhalten, und der Grund wurde nun offensichtlich:
"Ehe wir zu den Details kommen, möchte ich doch gerne erfahren, wieso die Ermittlungen Com Stars sich zunächst auf das Kombinat konzentrieren. Mal abgesehen von Bequemlichkeitsgründen - und die sollten NIE den Ausschlag geben. Ich kann nämlich nicht recht nachvollziehen, wie man glaubt, Sie könnten hier Dinge herausfinden, die unsere Ermittler nicht bereits bemerkt haben. Sie sind Söldner, keine Forensiker oder Analysten. Um eine vernünftige Verstärkung unserer Garnisonen zu bilden, sind Sie zu schwach, vor allem wenn man bedenkt wie flexibel die Angreifer vorgehen. Ihre Panzer können ja maximal ein paar Ziele auf dem Planeten beschützen, auf dem sie gerade sind. Und vier Jäger sind zwar wertvoll - aber nach allem was wir wissen haben die Müllgeburten ihre Aufklärung so weit verbessert, dass sie in etwa wissen, wer welchen Planeten verteidigt. Sie werden also kaum vor die Mündungen Ihrer Kampfflieger spazieren."
Manfred sah sich genötigt zu widersprechen, wiewohl er nicht unbedingt gewillt war, für die Claner als Prügelknabe herzuhalten: "Wir sollen klären, ob es sich wirklich um Claner handelt, ehe wir das als gesetzt hinnehmen, und wenn ja, um welche. Eine Geisterbärenaktion mag Ihnen naheliegend erscheinen. Es können aber auch Schwarzkastler sein, Angehörige eines anderen Clans, die nur den Anschein erwecken wollen, es handele sich um Geisterbären - oder gar um FIS-Truppen, die dieses Ziel haben."
Der Kuritaner lachte bellend: "Ein schönes Märchen! Spielen Sie gerade das Sprachrohr ihrer kuttentragenden Herren, oder haben sich das ihre Clan-,Freunde' ausgedacht? In beiden Fällen wissen wir ja wohl, was von Worten aus solcher Quelle zu halten ist."
Com Star hatte in der Tat ein gewisses Glaubwürdigkeitsproblem. Die Politik der Organisation während der ursprünglichen Invasion der Claner wie auch die langjährige Verheimlichung der Vorläufer der Com Guards war bei vielen Adligen und Militärs unvergessen. Und den Clans traute man natürlich erst recht nicht.

Während Manfred noch überlegte, wie scharf er Kontra geben sollte, mischte sich der junge Shimatze-Lord ein: "Tai-i Tanigaki, ich verstehe Ihre Bedenken und teile sie zumindest partiell. Wir sollten aber nicht vergessen, dass unsere Gäste nur Befehle ausführen. Und je schneller wir unsere Erkenntnisse präsentieren, desto schneller können sie sich von der Richtigkeit unserer Analysen überzeugen und den eigentlichen Schuldigen stellen." Anatoli neigte den Kopf - eine Entschuldigung von dem Gastgeber, NICHT gegenüber den Höllenhunden.
Der junge Lord von Numki legte das Haupt schief, als er fortfuhr: "Ich muss aber dem Tai-i beipflichten. Die Struktur der Höllenhunde erscheint mir nicht optimal für das Aufgabenprofil. Ihre schweren Panzer sind zu unbeweglich den Gegner zu stellen, schließlich ist selbst das schwerste bisher beobachtete Modell in der Lage 85 Kilometer in der Stunde zurückzulegen. Ihre leichten Maschinen wären im Verbund mit den Kampffliegern vermutlich in der Lage, die Angreifer zu stellen, aber auch das vor allem im offenen Gelände, und dies würde voraussichtlich einige Verluste an Mensch und Personal bedeuten. Immerhin hat der Gegner auch Elementare - und was wir bisher erlebte haben, vor allem was der Tai-i uns zu berichten hatte, lässt vermuten, dass der gegnerische Kommandeur seine Mittel einzusetzen weiß. Infernoraketen, Hafthohlladungen...zwei, drei Strahle Elementare könnten leicht mehrere Ihrer Panzer beschädigen oder gar zerstören."
Manfred hatte genickt: "Da habt Ihr zweifellos recht, mein Lord. Aber gerade deshalb eignen sich die Höllenhunde gut, denn wir haben gewisse Erfahrung im Kampf gegen mit Clan-Technik ausgerüstete, bewegliche Feinde."
Der Tai-i hatte ihm einen giftigen Blick zugeworfen - richtig, der Kampf gegen Kendas Ronin würde ihm hier wenig Bewunderung bringen - sich aber erst einmal zurückgehalten.

Nach diesem Auftakt hatte der Kommandeur der Haustruppen Numkis übernommen. Er hatte zusammengefasst, was über den gescheiterten Angriff auf Numki bekannt war. Das war nicht viel, doch offenbar hatte man vor Ort sehr genau hingeschaut. Die Kuritaner hatten nicht nur die Sensoraufzeichnungen zu den feindlichen Truppen analysiert, die freilich durch feindliche Störsender teilweise arg verzerrt wurden, sondern auch die Fußspuren der Mechs - ein Sprinter, ein Geier und zwei Libellen. Sie hatten darüber hinaus jeden Fetzen Panzerung und die Bestandteile von zwei Elementarrüstungen gründlich analysiert, die sie gefunden hatten: "So etwas wie eine Einheitskennung oder Seriennummer fehlt - ich gehe davon aus, dass die Angreifer ohnehin dergleichen entfernt haben. Die Farbgebung ist unspezifisch und eher an das Zielgelände angepasst, als einer bestimmten Einheit zuzurechnen. Auch die Tarnfarbe ist nichts besonderes - wurde aber vermutlich in der Besatzungszone produziert, denn die Zusammensetzung entspricht Produkten der ehemaligen FRR. Sowohl Panzerung als auch die Reste der Gefechtsanzüge zeigten gewisse Abnutzungserscheinungen, wie sie eher typisch für Einheiten ,verbrauchter' älterer Krieger sein dürften." Bei dem folgenden Vortrag musste Manfred sich bemühen, um seine partielle Unkenntnis nicht zu deutlich zu zeigen - der Offizier hielt einen kurzen Vortrag darüber, wie man die Blutspuren analysiert hatte, die an den Elementar-Panzerungsteilen hafteten. Worte wie Genmarker, Sequenzierung, Fremd-DNA-Kontamination und Teildenaturierung gehörten nicht gerade zum Erfahrungsschatz eines Söldneroffiziers. Entweder die Kuritaner waren gebildeter als er gedacht hatte, oder jemand hatte diesen Sho-sa Toyonori Maeda gründlich gebrieft.
"Eine Zuordnung zu einer Einzelperson war deshalb unmöglich - das Blut war teilkontaminiert durch den Medikamentencocktail, den die Anzüge abgeben. Aber wir konnten genügend Genmarker finden, um durch Kreuzabgleiche mit den Datenbanken des Kombinats das Blut zwei Blutlinien der Geisterbären-Elementare zuzuordnen - Kabrinski und Vong."

An diesem Punkt übernahm Tai-i Anatoli Tanigaki. Er sprach frei, hatte die Details offenbar vollständig verinnerlicht. Da er gut eine Stunde brauchte, ohne sich zu wiederholen oder weitschweifige Nichtigkeiten von sich zu geben, musste er sich gut vorbereitet haben, und hatte zweifelsohne eine exzellente Ausbildung genossen, was seinen analytischen Sachverstand anging. Er skizzierte detailliert und kenntnisreich die drei Angriffe, die Darius getroffen hatten. Zudem präsentierte er einige Datenträger - sie sollten Sensoraufzeichnungen der Truppen enthalten, die mit den Angreifern im Gefecht gestanden hatten, aber auch Aussagen von zivilen und militärischen Augenzeugen. Er griff auch auf einige Analysen zurück, die Dinge wie die Trefferquoten der gegnerischen Soldaten auflisteten - Hinweise, dass es sich um Elitepiloten handelte, wie von Clanern zu erwarten war. Anatoli betonte ausdrücklich, welche erheblichen Schäden das Haus seines Herren erlitten hatte. Vor allem aber wagte er abschließend eine weitergehende Analyse: "Ungeachtet dessen, was Sie oder Com Star - geschweige denn die Geisterbären - behaupten, scheint folgendes klar: es handelt sich hier nicht nur um den Überfall einer kleinen Piratenbande. Dafür waren die Überfälle viel zu gut geplant. Claner sind vielleicht exzellente Kämpfer - Schwarzkastler übrigens weit weniger, da es sich dabei ja oft um Gescheiterte handelt - aber selbst ,erfolgreiche' Kanistergeburten sind meistens miserable Planer, was Fragen der Aufklärung jenseits des Offensichtlichen angeht. Sie sind gut darin, andere zu überwältigen, nicht sie zu überlisten. Das ist hier anders. Die Angreifer beherrschen ihre Maschinen und Waffen UND wissen fast immer genau, wer wann wo zu finden ist, wie sie ihr Ziel erreichen und von dort wieder verschwinden können, von wo Verstärkung kommen kann, welches Tarnmuster für das Zielgebiet am besten geeignet, welche Konfiguration ihrer Mechs die sinnvollste ist. Aber wir alle wissen ja, dass die verdammten Besatzer dazulernen, je länger sie Kontakt mit zivilisierten Menschen haben."
Manche hätten das vielleicht als Sarkasmus verstanden - immerhin hatte sich die Innere Sphäre die letzten zweihundert Jahre ebenso leidenschaftlich dezimiert wie die Kerensky-Brut untereinander. Aber er meinte es offenbar ernst.

"Interessant ist, dass zwar die Zusammensetzung der feindlichen Einheit eine geringe Stärke und ein Fehlen an Reserven suggeriert. Es waren nach unseren Analysen niemals mehr als vier bis sechs Mechs, höchstens zwei davon schwer, und vielleicht anderthalb bis zweieinhalb Dutzend Elementare sowie ein paar Techs und dergleichen. Aber wir haben die Fußspuren der Mechs analysiert, die Aufnahmen abgeglichen - und unsere Untersuchungen belegen, dass der Gegner offenbar seine Maschinen austauschen kann. Die wechselnde Position von Antennen, die Muster von ausgebesserten Panzerungsschäden, Details bei der Trittspuren, die Tarnbemalung, Funkverhaltensanalysen was die Frequenz des Sprechfunks angeht - kleinste Details, die dem unbedarften Auge entgehen müssen - beweisen, dass der Feind seine Maschinen und Männer rotieren lassen kann. Und da liegt nahe, dass jemand mit reichlich Ressourcen dahintersteckt. Jemand, der dicht genug von den Angriffszielen operiert, dass er mit wenigen Sprüngen zuschlagen kann. Der genau über uns Bescheid weiß."
Er schnaubte verächtlich: "Sie können sich das Material natürlich gerne anschauen, wenn Sie denken, sie wären so viel klüger als wir. Es mag ja sein, das dahinter ein geheimnisvolles Superhirn, ein mysteriöser Meisterverbrecher steckt. Eine gigantische Verschwörung von irgendjemanden in der Inneren Sphäre. Aber ich halte diese Vorstellung für abwegig. Ich bin kein Autor von Märchen, sondern Soldat und, im Rahmen meiner Fähigkeiten, Verwalter und Politiker. Und meine Erfahrung hat mich gelehrt, die naheliegende und logische Erklärung ist in neun von zehn, in 99 von 100 Fällen auch die richtige. Wenn der Angreifer Maschinen der Geisterbären verwendet, ihre Taktiken benutzt, wenn er offenkundig aus Positionen operiert, die nicht weiter entfernt sein können als die Geisterbären-Besatzungszone - soviel zur Idee, andere Claner würden dahinterstecken, und eine Operation unter den Augen der ISA von Kombinatgebiet aus wäre viel zu riskant - dann gebietet es der gesunde Menschenverstand, dass dahinter auch tatsächlich Geisterbären stecken. Die Geisterbären sind die einzige logische Erklärung - und Ausmaß an Ressourcen und Planung legt nahe, dass es mehr als ein paar abgehalfterte Krieger oder ehrgeizige Jungspunde sind, die auf eigene Faust agieren. Das ist ein heimtückischer Terrorkrieg um die Verteidiger des Kombinats zu schwächen und um sie zu testen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die VSDK und in ihre Herrscher zu untergraben. Und man muss darauf reagieren - nicht nur gegen die Handlanger, sondern auch gegen die Drahtzieher! Nicht einfach nur wie ein einbeiniger Bettler ihrer Spur der Zerstörung hinterher humpeln!"

Manfred hatte in etwa mit so einem Appell gerechnet. Man hatte ihn vorgewarnt, dass die Odaga ob der Untätigkeit Com Stars und der VSDK - und der nonchalanten Dementis der Geisterbären - Gift und Galle spuckten. Das Hauptproblem war, wie er darauf reagierte, ohne die Kuritaner zu sehr zu vergrätzen. Immer mal vorausgesetzt, sie steckten nicht selber dahinter, brauchte er ihre Unterstützung. Com Star hatte hier wenig zu sagen, zumal die wenigsten Welten so weit "draußen" über eine HPG-Station verfügten, und der Orden konnte vor allem gar nicht die Logistik aufbieten, um seine Einheit zu versorgen. Die Unterstützung aus Luthien waren erst einmal nur Worte, und so lange die örtlichen Akteure den Bogen nicht überspannte, konnten sie ihn und seine Männer am ausgestreckten Arm verhungern lassen oder sinnlos im Kreis herum schicken. Andererseits durfte er auch nicht seinen Auftrag vergessen, und der gebot gehöriges Misstrauen gegenüber Odaga und Shimatze - wie auch gegenüber den Geisterbären.
"Wir werden uns das Material natürlich genau anschauen, dass Sie zusammengestellt haben, und Ihre Analysen und Einschätzungen umfassend berücksichtigen. Und ich bin sicher, bei unserem Besuch auf Darius bietet sich die Gelegenheit, eventuell auch noch einige zusätzliche Überprüfungen vorzunehmen. Davon ausgehend werde ich - in Abstimmung mit meinen Auftraggebern und mit dem Segen der Kombinats - über unsere weiteren Schritte entscheiden. Ich verstehe Ihre Argumentation, dass die wahrscheinlichste Erklärung meist die richtige ist und muss Ihnen sagen, Tai-i, dass ich dies auch selbst schon erlebt habe. Aber, und auch das hat meine Erfahrung oft bestätigt, ist eine genauso wichtige Frage die nach dem Motiv. Welches Motiv hätten Solahma, mit möglichst guter Aufklärung möglichst wenig Verluste zu haben? Und was wäre das Motiv von Schwarzkastlern? Einen Krieg zu provozieren? Große Beute zu machen? Die Frage nach dem Motiv birgt oft auch die Antwort auf die Täter.""

Der Tai-i starrte ihn düster an. Seine Hand trommelte auf den Griff seines Katanas - wohl kaum zufällig. Immerhin konnte man die Worte des Söldners so verstehen, dass er den Einschätzungen der Odaga nicht traute. Was ja auch den Tatsachen entsprach.
Doch ehe er einen - vermutlich scharfe - Antwort geben konnte, schaltete sich Tomoe Shimatze ein: "Ich verstehe natürlich nicht so viel von Kriegsführung, aber eine gründliche Prüfung der von Odaga und Shimatze gesammelten Informationen durch die Höllenhunde schadet nicht und könnte durchaus von Vorteil sein. Ein fremdes Paar Augen sieht manchmal Dinge, die einem selber entgehen - zugleich sollte man aber auch den Wert der Erfahrung und die schmerzlichen Opfer derer nicht ignorieren, die besonders unter den Angriffen der...Piraten...gelitten haben."
Der Tai-i entspannte sich etwas. Zweifelsohne lag ihm an der Meinung der Shimatze über sein Verhalten wesentlich mehr, als am Urteil der Höllenhunde.
Die Lady fuhr fort: "Ich gebe meinem geschätzten Gast von Darius aber Recht. Auch unsere Analysten sind zur Ansicht gekommen, dass die Beteiligung von Clanern - sehr wahrscheinlich Geisterbären - die bei weitem plausibelste ist. Bei jedem der geglückten Angriffe wurde auch gezielt Beute gemacht, deshalb ist auch ein...ökonomisches Motiv, eine Mitwirkung von Clanbanditen nicht auszuschließen. Zudem - auch Solahma-Soldaten werfen ihr Leben nicht immer weg, sondern könnten versucht sein, durch wiederholte harte Schläge gegen das Kombinat ihre Ehre in den Augen der regulären Verbände wiederherzustellen. Viel hängt von der Weitsicht ihres Kommandanten ab, und wer immer er ist - er ist offenbar ein fähiger Gegner. Aber dies einzuschätzen ist, wie gesagt, Sache der Militärs." Sie nickte dem Sho-sa zu.

Der altgediente Offizier räusperte sich. Möglicherweise hatte auch er leichte Probleme, ausländische Söldner als ebenbürtige Gesprächspartner zu akzeptieren, doch wenn er Ressentiments verspürte, kaschierte er sie weit besser als Tai-i Tanigaki.
"Wir müssen zudem konstatieren, dass sich die Kapazitäten der Clans in Bezug auf verdeckte Kriegsführung und Aufklärung in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, gerade bei den Bären. Durch die Integration von Bewohnern der FRR - begrenzt auch des Kombinats beziehungsweise kuritanischen Leibeigenen - hat sich die Clanwacht der Geisterbären von einem eher marginalen Akteur zu einem vergleichsweise fähigen Nachrichtendient entwickelt. Wir schätzen ihre Fähigkeiten als etwa so groß ein wie unsere planetaren Verbände - mit der ISA oder den Agenturen anderer großer Häuser können sie natürlich nicht mithalten. Sollten nicht etwa nur kriegslüsternde Teile der Geisterbären dahinterstecken..." Offenbar war man auf Numki etwas zurückhaltender, einen systematischen Angriff des GANZEN Clans zu unterstellen... "wäre dies eine Erklärung, warum die nachrichtendienstliche Unterstützung der Überfalle für Claner so untypisch gut organisiert ist. Wie meine Lady andeutet, gibt es in der Tat belastende Hinweise über die bereits sehr aussagekräftigen Hinweise hinaus, die wir während des fehlgeschlagenen Angriffs auf Numki gewinnen konnten. Vor wenigen Wochen zerschlugen unsere Polizeikräfte einen lokalen Schmugglerring, der tief in den Handel mit Biomaterial von Sulafat - und einigen Gütern hier auf Numki - verwickelt war. Dabei kam zutage, dass der Anführer offenbar erst kürzlich Besuch von zwei Personen erhalten hatte, die von den Augenzeugen mit hoher Wahrscheinlichkeit als Claner identifiziert wurden. Wenn Sie wünschen, können Sie das Material dazu einsehen.
Leider haben wir nur mittelmäßige Beschreibungen dieser ,Besucher', ihre An- und Abreise muss sich getarnt in Frachtschiffen vollzogen haben, oder sie haben sich verkleidet und falsche ID's genutzt. Wir müssen davon ausgehen, dass sie uns bereits entwischt sind. Wir konnten immerhin einen Teil des Datenmaterials auswerten, das sie hiergelassen haben, eine Art Wunschliste, die eigentlich zur Vernichtung vorgesehen war - doch anscheinend wollte der Schmugglerchef sich absichern. Bei diesem Gesindel weiß man nie, wann es zusammenarbeitet, und wann es sich betrügen will. Die Claner waren alles andere als sorglos - ein Gutteil der Daten fiel einer in den Code eingebetteten digitalen Bombe zum Opfer. Aber wir haben einiges dechiffrieren können, und arbeiten an dem Rest. Das Problem ist, dass das Material teilweise einen variablen Code verwendet - vermutlich eine zusätzliche Sicherung. Wenn Sie wünschen, können sie auch ihr Glück versuchen." Der Gesichtsausdruck des Offiziers deutete freilich an, dass er nicht damit rechnete, die Söldner würden viel Erfolg haben. Damit hatte er nicht Unrecht, schließlich verfügte selbst eine Welt mit so "wenig" Einwohnern wie Numki über weit bessere Ressourcen als ein Söldnerbataillon.
"Es handelt sich offenbar um zum Teil sehr detaillierte Anfragen zu Patrouillerouten, der Verteilung von Streitkräften, von potentiellen Zielen - aber auch Fragen zum Terrain, Bodenbeschaffenheit, sogar eine Bitte um Bildmaterial. Was wir entschlüsseln konnten, bezog sich zum Teil auf Numki, doch es scheint, als ob ein Teil des Materials sich auch auf Sulafat konzentriert. Und die Besucher haben offenbar eine Anzahlung in Form von Perlen von Sulafat geleistet. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sie etwa mit Terroristen oder Kriminellen auf dieser Welt bei der Planung künftiger Angriffe zusammenarbeiten."
Er straffte sich: "Möglicherweise, Manfred-sama, bietet Ihnen das die Gelegenheit, den Angreifern auf die Spur zu kommen und ihr nächstes Angriffsziel einzugrenzen - und der Sache ein für allemal ein Ende zu bereiten."

Ende
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Die Runde, die sich in dem besten Büro der Kaserne versammelt hatte, bestand aus fünf Personen.
Es waren Major Manfred Scharnhorst, Captain Andrew Lane, Captain James Battaglini, Corporal Manfred Kleinweich und Tai-i Marcus Kurosawa.
Es war früher Abend, und drei von ihnen hatten den Tag damit verbracht, das Schlachtfeld zu sichten, auf dem Haus Shimatze die unbekannten, potentiellen Geisterbäreneinheit gestellt und zurückgeschlagen hatte. Zudem hatten sie die Trümmer inspiziert, die von den Angreifern zurückgelassen worden waren.
Das alles konzentriert und verbunden mit der holographischen Besprechung sollte nun zu einem ersten Fazit führen. Zwischen ihnen stand ein kleiner Holotisch, der von Kleinweich bedient wurde. Die Offiziere unterhielten sich lautstark über Geländedetails, über die Angriffsvektoren der Jäger, die die Clanner zusammengebombt hatten, über die Mechtypen, die eingesetzt worden waren, und, und, und. Bis Kleinweich ein Zeichen gab. „Uuund wir sind auf Endlosschleife.“
Manfred warf unwillkürlich einen Blick zur Decke, wo sie die ferngesteuerte Holomine wussten, die jedes Gespräch aufzeichnete, das in diesem Raum stattfand, gut getarnt in der Deckenlampe. Weniger gut getarnt war das draconische Schriftzeichen an der Lampe, dessen Wortlaut übersetzt „Kamera“ lautete und augenscheinlich hatte gesehen werden sollen. „Gut. Wie lange?“
„Da fragen Sie mich zu viel, Chef. Ich kann der Mine ewig vorgaukeln, dass Sie vier sich wiederholen, aber den Leuten am Monitor wird es irgendwann auffallen.“
„Wie lange, Corporal?“
„ICH gebe Ihnen acht Minuten ab jetzt maximal.“
„Gut. James, Andrew, lassen Sie in Ihren Teileinheiten durchblicken, dass wir in dieser Kaserne augenscheinlich überwacht werden. Lassen Sie auch durchblicken, dass wir es augenscheinlich entdecken sollten. Sagen Sie es allen Teileinheitsführern.“
Die beiden Männer nickten bestätigend.
„Willem, können Sie erkennen, wohin der Stream geht?“
„Es ist hochmoderne Hightech. Der Stream geht zu einer Antenne auf dem Dach, und die sendet das Signal mit Bild und Ton auf einer recht hohen Frequenz über einen Umkreis von achthundert Metern. Das schließt fast einen Wohnblock in Nachbarschaft der Kaserne ein. Und es bedeutet, dass es nicht unbedingt heißt, dass wir einen Beobachtungsposten ausheben können, würde unsere Infanterie reingehen. Eventuell gibt es nur ein weiteres Relais.“
„Jemand will also wissen, was wir hier drin sagen. Und jemand will, dass wir es auch wissen. Das müssen nicht unbedingt zwei verschiedene Personen sein“, schloss Manfred.
„Odaga vielleicht? Als Warnung? Er persönlich ist nicht gerade das, was man umgänglich nennt“, meinte Battaglini. „Der Gedanke, dass wir Anatoli Tanigaki an der Backe haben, solange wir im Draconis-Kombinat sind, macht mir diesen Sonnenschein auch nicht gerade sympathischer.“
„Sei nicht zu streng mit dem Burschen. Seine Heimat und sein Clan wurden härter getroffen als Haus Shimatze, sehr viel härter, und dann wird seinem Vater eine Bande ausländischer Söldner aufgedrückt, die einen alten Freund der Familie auf dem Gewissen hat. Meinetwegen kann er so unfreundlich zu uns sein, wie er will, solange er uns nicht schikaniert. Oder Schlimmeres.“
„Ist das jetzt nicht zu freundlich von ihm gedacht? Das Verhalten der Odagas gleicht durchaus dem von ertappten Schülern, die nun mit markiger Sprache von sich ablenken wollen“, sagte Lane. „Und der alte Odaga ist hart genug, um der Tarnung willen einen harten Preis von seinen eigenen Leuten abzufordern. Tai-i?“
Der Draconier räusperte sich. „Die ISA geht derzeit, wie in der Besprechung mit Haus Shimatze hervorgehoben, vom wahrscheinlichsten Fall aus, und das ist, dass wir es mit echten Clannern zu tun haben. Ob es sich um Schwarzkastler handelt, ob sie in Diensten eines hiesigen Adligen stehen, der die Region destabilisieren möchte, oder ob sie im Auftrag der Clanswache handeln, ist unbekannt. Die Wahrscheinlichkeiten werden allerdings unterschiedlich gewichtet.“
Battaglini schüttelte sich kurz. „Wenn Odaga wirklich so hart ist, die Verwüstungen, von denen Anatoli uns berichtet hat, in Kauf zu nehmen, um den Angriff vorzutäuschen, dann wird er dafür einen großartigen Gewinn erwarten.“
„Gut mitgedacht, James. Und was könnte dieser Gewinn sein?“
Der Panzerfahrer sah sich plötzlich Kurosawas scharfen Augen ausgesetzt. „Nun, angenommen, angenommen, Odaga hat die Angriffe selbst inszeniert, was will der Graf damit erreichen? Die wahrscheinlichste Variante wäre, dass das Kombinat doch noch Truppen freimacht, um sie auf Darius zu stationieren, und ihm damit gewährt, Haustruppen freizumachen.“
„Um was zu tun?“
„Im folgenden Krieg gegen das Geisterbärendominion zu dienen, Manfred. Du hast die Geschichte der Hauseinheit gelesen und weißt, dass Odaga immer eigene Leute bis vorne an die Front schickt.“
„Rache also? Für den getöteten Sohn des Clanchefs? Etwas, was nur möglich ist, wenn es Krieg gibt?“, sinnierte Lane.
„Dann wären die Jägerangriffe auf der anderen Seite der Grenze dazu da, die Clanner so sehr aufzustacheln, dass sie einen Konflikt dankbar annehmen, oder gar selbst eröffnen“, sagte Kurosawa. „Auch nicht gerade eine nette Variante.“
„Achtung, wir wiederholen jetzt die Schleife“, warnte Kleinweich.
„Laufen lassen, Willem. Die sollen ruhig wissen, dass wir es wissen. Wenn der, der uns gewarnt hat, und der, der uns überwachen lässt, verschiedene Personen sind, dann bin ich gewillt, sie wissen zu lassen, dass wir Bescheid wissen.“
„Gut, Sir.“
„Die Ergebnisse vom Schlachtfeld?“, sagte Scharnhorst.
„Eindeutig Clan-Hardware. Die teilweise gewonnenen DNS-Spuren wurden geborgen, analysiert, und deuten auf Geisterbären hin, aber nicht gerade auf wichtige Blutnamensträger. Stark fragmentiert, gerade so zu entziffern“, sagte Kurosawa. „Das haben wir allerdings schon vor Wochen herausgefunden.“
„Ich fasse also zusammen: Entweder sind die Angreifer auf Numki Clankrieger. Schwarzkastler, eine Angriffseinheit, Deserteure. Oder aber sie haben Zugriff auf Clansblut und die Möglichkeit, es zu manipulieren und uns unterzuschieben. Und seien wir ehrlich: Geisterbärenblut und andere DNS-Spuren sind sehr leicht zu bekommen“, sagte Lane mit Betonung. „Wenn es keine Clanner waren, dann wollten sie, dass das Blut gefunden wird.“
„Was sagt das über das Gefecht aus? Sag mir, Andrew, sieht es für dich gestellt aus?“
„Wenn es gestellt war, dann hatte der Kommandeur keinerlei Schwierigkeiten damit, seine Leute dem Fraß vorzuwerfen, denn die Shimatze-Einheiten haben sie keinesfalls geschont. Das war ein Luftabwehrgefecht, das für die Angreifer deutlich glücklich verlaufen ist, aber es wirkt nicht dirigiert. Ohne einen guten Sternführer hätte die Einheit aufgerieben werden können.“
„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Einheit hat entdecken lassen, Andrew?“
„Die Flugraster der Patrouillenflüge sind erratisch. Es ist auch keine auffällige Änderung am besagten Tag und besagtem Gebiet zu erkennen. So wie ich das beurteile, wurde der Flugkorridor für eine außergewöhnliche Patrouille bestimmt und dann ganz normal abgeflogen. Die Entdeckung der Clanner war dann eher eine Überraschung. Der Gefechtsfunk spricht Bände. Ich halte das für authentisch. Funk der ClanMechs liegt nicht vor.“
„War es also Haus Shimatze, hat es seine eigenen Truppen geopfert. War es Haus Odaga, wurde es erwischt, wie es auf Numki ähnliche Schäden wie daheim anrichten wollte. Das Gleiche gilt, wenn wir es wirklich mit Clannern zu tun haben. Die wurden schlicht und einfach überrascht, weil die Patrouillen auch erratische Flüge, die zufällig ausgesucht werden, beinhalten.“
„Option Nummer vier: Es war ein anderes Haus in der Umgebung“, sagte Kurosawa. „Haus Odaga und Haus Shimatze kontrollieren, wie Sie wissen, je zur Hälfte Sulafat. Das dort regierende Haus gilt als ausgerottet, aber es gehen Gerüchte über einen Erben zweiten Grades um. Es könnte sein, dass es diese Person gibt, und dass sie zum Beispiel von einem entfernten Verwandten mit Truppen ausgerüstet wurde, um den Planeten zurückzuerobern. Die einfachste Methode wäre dann, Haus Shimatze und Haus Odaga in einen Krieg mit den Geisterbären zu stürzen, während man selbst als lachender Dritter Sulafat wieder einnehmen könnte.
Das kann auch passieren, wenn ein planetarer Herrscher in näherer Umgebung meint, er könne beide Häuser genug schwächen, um sich Sulafat selbst einzuverleiben. Dazu passt der Datenträger, den wir von Shimatze-sama erhalten haben und der teilweise Daten über Sulafat beinhaltet, dem größten Gewinn in diesem Spiel.“
„Müssen Sie es unbedingt noch komplizierter machen, Tai-i?“, tadelte Battaglini.
„Entschuldigen Sie, Captain, aber das ist mein Job.“
„Leider.“ James sah ins Rund. „Ich denke, wir können schon eines klar sagen, bevor wir unsere Ermittlungen in den Clanraum ausdehnen.“
„Und das wäre, James?“
„Nun, Boss, ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass sich dieser ganze Scheiß tatsächlich um Sulafat dreht, und ich denke, diese Welt kann auch für Clan Geisterbär interessant sein, da die Biodiversität enorm ist. Das würde dann bedeuten, dass die Angreifer auf dieser Seite der Grenze, ob Clanner oder nicht, und die Angreifer drüben bei den Geisterbären zusammenarbeiten, um Bären und Dracs gegeneinander aufzuhetzen. Sind es zwei verschiedene Einheiten, dann ist das aber ein ganz merkwürdiger und passender Zufall. Beide Einheiten sind keine Eroberer, sondern eher Special Ops. Sie führen harte, fiese Schläge aus und hauen wieder ab. Teilweise mit Beute, aber erobert von Zielen, die nicht gerade exponiert sind. Zu professionell für Piraten, zu gut ausgerüstet, und zu schwammig in dem, was sie wirklich wollen, wenn Ihr mich fragt.“
Kurosawa sagte. „Dem kann ich zustimmen. Die ganze Grenze war nach dem Krieg eher ruhig. Und jetzt sollen zwei unterschiedliche Einheiten auf beiden Seiten der Grenze quasi in Nachbarschaft ihr Unwesen treiben, während der große ganze Rest immer noch Ruhe hält... Das muss schon ein geradezu bösartiger Zufall sein.“
„Wir behalten das im Hinterkopf, meine Herren. Aber das sind alles nur Verdachtsfälle, solange uns nichts Belastbares in die Hände fällt. Oder noch besser, gleich die ganze verdammte Einheit vor die Kanonen kommt. Ich gebe euch allen eine Denksportaufgabe mit. Augenscheinlich hat jemand was gegen uns. Es muss nicht heißen, dass diese Person am hiesigen Konflikt beteiligt ist. Aber ausschließen kann man es auch nicht. Ich gebe zu, diese Person oder Gruppe muss sehr lange Arme haben, um ausgerechnet bei ComStar nach uns greifen zu können, deshalb räume ich dieser Option wenig Priorität ein. Und es gibt jemanden, der uns hier vor Ort zu überwachen versucht. Die Chance steht gut, dass es sich dabei mindestens um eine höhere Figur in diesem Spiel handelt. Wie also können wir sie so sehr provozieren, dass sie Fehler macht, sie zu provozieren, uns anzugreifen?“
Kurosawa sagte: „Herr Major, den Feind zu vernichten mag eine Lösung sein, aber sowohl der Khan der Geisterbären als auch der Koordinator hätten lieber einen Schuldigen.“
Scharnhorst schnaubte amüsiert. „Wenn wir diese Bande vor die Rohre kriegen, werden schon noch ein paar Beweise übrig bleiben, Tai-i.“ Er sah zu Kleinweich herüber. „Willem, schalten Sie die Schleife ab.“
„Ja, Sir.“
Scharnhorst trat zu einem Schrank und öffnete ihn. Er hatte ihn selbst eingerichtet. „Meine Herren, nachdem uns Haus Shimatze mit Katana und Wakizashi geehrt hat und wir mit dem erhaltenen Gold ein soziales Projekt auf Wayside V finanzieren konnten, das mit dem Namen dieses Hauses stets verbunden sein wird, sollten wir, um die Gastfreundschaft von Tomoe-chan zu ehren, einen schnellen Job tun, und die feigen Clan-Angreifer hart und heftig treffen. Wie groß sind die Chancen, sie zu unseren Bedingungen auf eine Clanwelt unserer Wahl zu locken? Es wäre nicht das erste Mal, dass uns so etwas gelingt, richtig?“ Er schenkte fünf Gläser mit goldenem Whisky ein und reichte jedem der Männer eines.
Battaglini seufzte verträumt. „Hach, ja, goldene Erinnerungen.“
Lane sagte: „Provokation? Sie spielen auf Anatoli Kenda an. Magst du mir aus deiner Sicht erzählen, wie es Danton damals gelungen ist, ihn in eine Falle zu locken?“
Scharnhorst nahm sein eigenes Glas. „Aber gerne doch.“ Er prostete den versammelten Männern zu, widerstand aber dem Drang, auch der Holomine zuzuprosten. „Es fing damit an, dass wir herausfanden, dass Kenda für einen Ronin von sich und seinen Leuten sehr überzeugt war. Zu sehr...“

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Wellen und Zedern

Mitte Mai 3067, Landungsschiff CRYING FREEDOM, auf dem Weg zum Sprungpunkt des Numki-System, Draconis-Kombinat

Tai-ming Koshina - ihren halb chinesisch/halb russischen Namen verdankte sie der Herkunft von einem Planeten der ehemaligen Konföderation Capella - hatte diese Zeit schon immer gemocht. Das geschäftige Treiben an Bord des gigantischen Landungsschiffs, immerhin gut 100 Meter im Durchmesser und mehr als 130 Meter hoch, Heimat für etwa 300 Passagiere und Crewmitglieder, war vorläufig zur Ruhe gekommen. Nach der Bordzeit war Nacht, und auch wenn niemals wirklich alle schliefen, so wirkten die riesigen Hangars verwaist, wie gewaltige Hallen einer uralten Festung, in denen gigantische Statuen oder versteinerte Ungetüme - Panzer, Kampfflieger und Mechs - ruhten, selbst in ihrer Reglosigkeit noch bedrohlich und ehrfurchtgebietend. Die Triebwerke hatten bereits begonnen konstant abzubremsen, um auf der zweiten Hälfte der Reise zum Sprungschiff für künstliche Schwerkraft zu sorgen, ohne die ein erträgliches Leben für so viele Leute kaum denkbar war.
Genau die richtige Zeit für jemanden wie sie, um ungesehen, vor allem aber ungestört ihrer Arbeit nachzugehen. Sie gehörte zum Wartungsdienst der Höllenhunde, und da der mit nicht einmal anderthalb Dutzend Techs aller Dienstgrade für eine Einheit von dieser Größe sehr knapp bemessen war, gab es für sie mehr als genug zu tun. Immerhin warteten die Höllenhunde mit vier schweren beziehungsweise überschweren Kampffliegern und 22 Panzerfahrzeugen auf, darunter mehrere moderne, technisch hoch komplexe Monster von 80 bis 100 Tonnen. Die Seniortechs Bensch und Marquiso lagen Major Scharnhorst folglich seit Jahr und Tag in den Ohren, dass sie deutlich mehr Personal - insgesamt mindestens einen vollen Zug - und vielleicht auch ein oder zwei Bergepanzer brauchten. Aber dazu hatte es bisher einfach nicht gereicht. Gute Techs waren nicht selten ebenso begehrt wenn nicht noch gefragter wie erfahrene Fronttruppen. Natürlich besaß mancher der Panzerfahrer zumindest rudimentäre Fähigkeiten auf dem technischen Gebiet, aber das genügte vielleicht für den Garnisonsdienst, den die Höllenhunde seit ihrer "Unabhängigkeitserklärung" versehen hatten. In einem echten Kampfeinsatz, wenn die Panzer bei jedem Wetter, unter Beschuss, bedroht von Minen und Luftangriffen hunderte Kilometer durch oft schwieriges Gelände fahren mussten, würde man schnell an die Grenzen stoßen. Doch Tai-ming war momentan nicht hier, um eine überfällige Reparatur oder Routineüberprüfung vorzunehmen.

Der Aufenthalt auf Numki war für die meisten Höllenhunde angenehm verlaufen. Die Führungsspitze mochte sich Sorgen machen oder auch nicht - es war ja nicht so, als ob die dem einfachen Fußvolk viel erzählten. Aber für das Gros der Mannschaften und NCO's und den ganzen Anhang vom medizinischen Personal über die Küche bis zu Tai-mings Kameraden war es nach der Raumreise von Tukayyid eine willkommene Erholung gewesen, mal wieder einen echten Himmel über sich zu haben. Zwar war die Entfernung nach Numki überschaubar, aber allein der Flug von der Oberfläche zum Sprungpunkt von Tukayyid hatte eine volle Woche gedauert. Und dann noch die Ladezeiten auf den Zwischenstationen, und der Flug nach Numki...

Außerdem hatten sich die Höllenhunde ein wenig an das relativ friedliche und bequeme Garnisonsleben gewöhnt. Einige hatten auch enge Kontakte vor Ort geknüpft, die jetzt abgerissen oder zumindest unterbrochen worden waren. Von daher war die Reise doch eine gewisse Belastung. Die von schwereren Pflichten für die meisten freie Zeit auf Numki war eine gewisse Entlastung gewesen. Dass die allgemeine Atmosphäre den Söldnern gegenüber eher aufgeschlossen war, kam als Bonus hinzu - das war hier im Kombinat, aber auch im kläglichen Rest der FRR alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
Das Rätselraten über den weiteren Verlauf der Mission dauerte natürlich an und war mitunter ein Quell für Verunsicherung. Kaum einer ging davon aus, dass sich der weitere Verlauf der Reise so angenehm gestalten würde. Natürlich waren Informationen, Mutmaßungen oder auch Befürchtungen von den Offiziersrängen nach unten durchgesickert. Einige Mitglieder der Höllenhunde waren beunruhigt, dass nicht einmal klar war, nach WEM man eigentlich suchte. Vielleicht nur eine Bande Piraten - doch wie einige wenige Veteranen zu berichten wussten, hatte eine kleine Piratenbande die Muttereinheit der Höllenhunde vor Jahren schwer bluten lassen. Vielleicht waren es auch versprengte Claner, die hinter all dem steckten - auch mit denen hatten einige der Söldner schlechte Erfahrungen gemacht.
Vielleicht auch beides.
Alles was man bisher über die potentiellen Feinde wusste, klang aber doch ziemlich beruhigend. Schlimmstenfalls handelte es sich um einen gemischten Binärstern aus zumeist leichteren Mechs und Elementaren, respektive eine unterbesetzte Luft-/Raumjägerstaffel von Hellcats. Maschinen also, die den Jägern der Höllenhunde deutlich unterlegen waren. Selbst falls die mysteriösen Einheiten zusammenarbeiteten - was wenig wahrscheinlich war - sobald sie erst einmal gestellt waren, hatten sie keine Chance gegen die Söldnereinheit. Schon gar nicht, falls man nicht allein kämpfte. Viel wahrscheinlicher war da, dass sie sich einfach abduckten und warteten, bis die Höllenhunde abgezogen waren, schließlich war der Weltraum groß.

Genau der Punkt des ‚vielleicht nicht alleine gegen die Piraten kämpfen‘ hatte die junge Technikerin zu nachtschlafender Stunde in den Hangar geführt. Sie war eine versierte ‚Schrauberin‘, die - wie sie selber wusste - durchaus das Zeug hatte, zum Seniortech aufzusteigen.
Der Dienst bei den Höllenhunden war nichts für Amateure. Einzelne der Bodenfahrzeuge waren FIS-Omni-Panzer, auch wenn die Einheit zumeist nur über eine, selten mal mehr Rüstvarianten verfügte. Ähnlich sah es bei den zwei Clan-Omnijägern ihrer Truppe aus.
Es hatte ihr in den Fingern gejuckt, die Galeere/Gargoyle der Kuritaner genauer in Augenschein nehmen zu können, sobald die Odaga-Gesandschaft kurz vor dem Abflug von Numki an Bord gekommen war. Clan-Omnimechs waren immer noch so etwas wie der heilige Gral der Gefechtsmechaniker, und wer wirklich etwas unter ihresgleichen gelten wollte, musste sie warten können. Trockenübungen waren da eher unbefriedigend.
Bedauerlicherweise war die Stimmung zwischen den Odaga-Piloten und den Höllenhunden gelinde gesagt frostig. Major Scharnhorst bemühte sich um professionelles Auftreten, das musste man ihm zugute halten. Doch Tai-i Tanigaki erwies ihm bestenfalls halbherzig den Respekt, der dem Söldnerkommandeur auf Grund seines höheren Ranges gebührte und trat auf, als ob er sich nicht sicher sei, ob die Höllenhunde nicht eher Feinde als Verbündete waren. Entweder er hielt die Söldner für inkompetent, oder für nicht vertrauenswürdig - vielleicht auch beides. Zwar hatte es noch keinen Eklat gegeben, aber die Stimmung war doch angespannt. Bei taktischen Besprechungen sollte es dem Vernehmen nach mitunter etwas gewittrig zugegangen sein. Und manchmal musterte der Tai-i den Söldnerführer mit einer Miene, bei der man sich fragte, ob er nicht insgeheim darüber nachsann, wie sich Scharnhorsts Haupt bei der traditionellen "Kopfschau" machen würde. Gegenüber den meisten niedrigrangigen Höllenhunden war er weniger feindselig, blieb aber ebenfalls auf Distanz. Dennoch wusste natürlich jeder an Bord darüber Bescheid. Eine Söldnereinheit – vor allem wenn sie an Bord eines Landungsschiffes zusammengepfercht war - war eben auch nur ein Dorf, in dem endlos getratscht wurde.
Seine Untergebenen, drei kampferprobte Mechpiloten, waren von ähnlichem Schlag. Ihre Mienen blieben verschlossen und sie machten sich kaum mit den Offizieren der Höllenhunde gemein. Das konnte NATÜRLICH auch daran liegen, dass sie eben Mechkrieger waren - wie die Luft-/Raumjockeys hielten sich viele Piloten für etwas Besseres als Panzerfahrer oder gar Infanteristen, Rang oder Herkunft hin oder her.

Eines musste man den Odaga aber fraglos lassen, in technisch-logistischer Hinsicht hatten sie jedenfalls nicht gespart. Ihre Mechs mochten alt sein - selbst die Galeere/Gargoyle war schon vor mehr als fünfzehn Jahren in die Hände der FIS gefallen, und die anderen Mechs waren noch älter - aber sie waren bestens in Schuss, vielfach individuell modifiziert und aufgewertet. Und die drei Astechs und der Seniortech verstanden ihr Handwerk. Ironischerweise waren die Kuritaner in Punkto Wartung besser versorgt als ihre Gastgeber. Sie verfügten sogar über ein kleines aber gut sortiertes Sortiment an Ersatzteilen. Die Galeere, standartgemäß mit dem Rüstsatz A ausgerüstet, verfügte zwar nicht über einen vollen Satz an Alternativwaffen, aber es reichte aus, um sie zur Not in eine Galeere-C zu verwandeln.
Die kuritanischen Techs waren Anfangs ebenfalls zurückhaltend gewesen. Doch anders als ihre Vorgesetzten waren sie doch recht schnell etwas aufgetaut. Techniker waren, wie man so schön sagte, nun einmal Angehörige einer grenzüberschreitenden Kaste oder Klasse, verbunden durch die immer gleichen Geschichten und Nöte. Die knappen Ersatzteile, unfähige Nachschubsoffiziere, endlose Schichten, die Inkompetenz der Besatzungen, die sich nie groß darum kümmerte, wie viel Arbeit ihr rücksichtsloses Verhalten den Wartungstrupps machte, die immer gleichen arroganten Forderungen, diese oder jene Maschine UNBEDINGT bis dann und dann einsatzbereit zu machen...
Und so hatte Tai-ming mit einiger Geduld und dem gezielten Einsatz alkoholischer Getränke Seniortech Masajuro Nakata die Erlaubnis abschwatzen können, ihm zunächst über die Schulter schauen zu können, später auch - wenn keiner seiner Vorgesetzten dabei war - auch ein paar Handgriffe unter seiner Aufsicht auszuführen. Und heute hatte sie ihn soweit weichgeklopft, dass er ihr erlaubt hatte, unbeaufsichtigt zu nachtschlafender Stunde ein paar kleinere Kalibrierungsarbeiten an dem Omnimech vornehmen zu dürfen. Masajuro war weit über 50 Jahre alt, in Ehren ergraut und vielleicht ganz froh, nicht zu so später Stunde werkeln zu müssen.
Sie war sich natürlich darüber im Klaren, dass er ihre Arbeit später überprüfen würde, schließlich musste er für Fehler gerade stehen. ,Ich frage mich, ob die Kuritaner immer noch Versagern den Kopf vor die Füße legen, wie man gelegentlich erzählt. Vermutlich nicht, aber warum es darauf ankommen lassen?'

Und deshalb war sie hier, gut acht, neun Meter über dem Boden - glücklicherweise verfügte die CRYING FREEDOM trotz ihrer Umrüstung zum Panzer- und Infanterietransporter noch über die alten Laufgänge und festen Wartungsplattformen aus ihrer Zeit als Mechtransporter, die den Schraubern bequemen Zugang zu den Arm-, Schulter- und Kopfpartien der Kampfgiganten gewährleisteten. Die Bewaffnung war momentan entfernt worden, und das gab ihr ungestörten Zugang zum elektronischen Innenleben des Kolosses - eines der großen Vorteile der Omnis.

Sie wusste selber nicht, wie lange sie gearbeitet hatte. Die Aufgabe war komplex, ihre Erfahrung auf dem Gebiet begrenzt, und außerdem hatte sie wirklich Freude an ihrem Tun. Sie wollte nicht so weit gehen wie einige ihrer Kollegen, welche die Arbeit an einem faszinierenden Problem, einer Herausforderung wie das Schreiben eines Gedichtes oder das Malen eines Bildes beschrieben, aber ein Mechaniker der mit Herz und Seele bei der Sache war, konnte sich wirklich in die Arbeit vertiefen. Die kleine Lampe, die sie am Gestänge befestigt hatte, gab dem Ganzen eine anheimelnde Atmosphäre - wenn man darauf stand, in schwindelnder Höhe mit nur einem niedrige Gitter zwischen sich und einem möglicherweise tödlichen Sturz an einer gigantischen Mordmaschine herumzumachen.
Ein vernehmliches Räuspern riss sie aus der Versunkenheit in die Arbeit. Seniortech Nakata war wohl doch schon aufgestanden, um frühzeitig den Fortgang ihrer Arbeit zu prüfen und achtzugeben, dass nicht das falsche Auge sie hier oben erblickte... Ohne sich umzudrehen murmelte sie, fast ein wenig bedauernd: "Ich bin gleich fertig."
Die kalte Stimme in akzentfreiem Englisch war ganz gewiss nicht die von Masajuro und traf die junge Technikerin wie ein Eimer eisigen Wassers aus dem Nichts: "Das ist aber gut zu hören."
Als Tai-ming herumwirbelte, sah sie sich Auge in Auge mit ihrem schlimmsten Alptraum konfrontiert. Hinter ihr, die Arme abwehrend verschränkt, stand Tai-i Tanigaki. Selbst zu dieser nachtschlafenden Stunde saß seine Uniform perfekt. Der drohende, mitunter brutal wirkende Zug um seine Mundwinkel unterstrich den finsteren Blick seiner dunklen Augen noch. Seine Hände blieben in einigem Abstand zu Schwert und Pistole, die er stets trug - für sich bereits deutliches Zeichen, dass er sich an Bord der CRYING FREEDOM weder zuhause noch wirklich sicher fühlte - doch das nahm ihm wenig von seiner bedrohlichen Wirkung. Er hob nicht mal die Stimme, aber die Worte waren von schneidender Schärfe: "Was...machen...Sie...hier?!"
Die Technikerin hasste sich selbst ein stückweit dafür, wie sehr sie sich ins Bockshorn jagen ließ von einer finsteren Miene: "Mein Lord...äh, ich meine Tai-i, ich wollte nicht, ich meine das sollte nicht, ich habe nur..."
Der Kuritaner hob schweigend die Hand in einer gebieterischen Geste, und sie verstummte: "Bleib genau wo du bist."
Dann trat er vor und nahm ihre Arbeit in Augenschein. Er ließ sich viel Zeit, und Tai-ming schwitzte währenddessen Blut und Wasser. Für einen kurzen Moment des Wahnsinns dachte sie darüber nach wegzulaufen, um Hilfe zu rufen oder dem Tai-i eines mit einem soliden Werkzeug überzuziehen, besann sich aber eines Besseren. Das würde die Dinge nur noch verschlimmern. Sie war ohnehin in großen Schwierigkeiten, das war ihr klar, und falls der Kuritaner einen Fehler entdecken sollte, würde das die Sache noch viel, viel übler machen. So wie die Dinge zwischen den Odaga und den Höllenhunden standen, würde er vermutlich behaupten, das sei gezielte Sabotage gewesen. Bedauerlicherweise war gut zu erkennen, dass Anatoli Tanigaki etwas vom Fach verstand - WENN sie einen Fehler gemacht haben sollte, würde der ihm kaum entgehen. An einigen Stellen prüfte er Platinen, entfernte Klappen, die sie bereits wieder zugeschraubte hatte, ohne auch nur eine Sekunde nach dem richtigen Werkzeug zu suchen. Erstaunlich für einen Offizier, der dem Bordklatsch zufolge Bastard eines kuritanischen Grafen und sogar dessen Erbe war.

Schließlich war die Überprüfung beendet und der Tai-i drehte sich zu Tai-ming um. Er wirkte ein WENIG entspannter, was sich daran zeigte, dass er sie nicht mehr duzte: "Na gut. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Und jetzt will ich wissen, wer von Ihren Offizieren Ihnen den BEFEHL dazu gegeben hat. Und ob und vor allem von WEM von MEINEN Leuten Sie eine Erlaubnis bekommen haben."
Tai-ming überlegte einen Moment krampfhaft. Es machte natürlich keinen Sinn, einen ihrer Vorgesetzten gewissermaßen vor den Bus zu schubsen - das würde sehr schnell auffliegen. Und den kuritanischen Seniortech wollte sie auch nicht anschwärzen, das wäre der Gipfel des Undanks gewesen - und die sichere Fahrkarte in Abseits, um bei allen anderen Technikern als Verräterin zur Unberührbaren abgestempelt zu werden. Das hieß aber auch, dass sie ein persönliches Risiko eingehen musste.
"Entschuldigen Sie, Tai-i ich hatte keinen Befehl dazu...und leider auch keine Erlaubnis. Meine Chefs würden ausflippen, wenn sie davon gewusst hätten. Ich weiß, das war eine Riesendummheit, aber ich wollte nur sehen, wie gut Ihre Techniker arbeiten, um was zu lernen."
Der Offizier lachte bellend und wechselt unvermittelt wieder in die zweite Person: "Den ersten Teil will ich dir noch glauben. Wenn einer deiner...Chefs...dir den Befehl gegeben hätte, an meinem Mech Eingriffe vorzunehmen, dann sicher nicht, um ihn zu reparieren." Die letzten Worte dehnte er höhnisch und bestätigte damit den Verdacht der Wartungstechnikerin.
"Was den zweiten Teil angeht - hältst du mich für so dumm, dass ich dir das abnehme? Du musstest doch wissen, dass deine Arbeiten bei der nächsten Inspektion MEINER Leute auffallen würden, da wäre es töricht, sich nicht vorher abzusichern. Und nicht mal Söldner sind derart ignorant, dass sie sich ohne Erlaubnis an den Mech von jemand anderen heranmachen. GERADE Söldner, die schließlich einigen Respekt vor Besitzverhältnissen haben müssen, wenn schon nichts anderes. Also - bekomme ich jetzt einen Namen? Ich kriege ihn sowieso heraus, unter meinen Leuten, oder nachdem ich dich zu deinen Vorgesetzten geschleift habe, damit DIE dir befehlen zu reden."
Die junge Technikerin öffnete den Mund, schloss ihn aber unvermittelt wieder. Sie spürte, wie sie blass wurde: "Tai-i, es wäre unehrenhaft, einen Eurer Untergebenen fälschlicherweise zu beschuldigen. Und ich kann nichts als die Wahrheit sagen."

Der Kuritaner starrte sie eine qualvoll lange Weile nur schweigend an. Nicht drohend oder feindselig wie zuvor, eher nachdenklich. Dann entspannte er sich. Ein leichtes, ironisches Lächeln zuckte um seine Mundwinkel, und milderte die auf viele Betrachter grausam wirkende Miene ganz erheblich ab. Für einen Moment wirkte er geradezu sympathisch, sah man davon ab, dass er einen Moment zuvor offenbar kurz davor gewesen war, ihr die Finger abzuhacken: "Na gut. Ich lasse es erst einmal so stehen. Wenn Sie mich belügen, dann aus Loyalität - mehr als ich bei einer Söldnerin erwartet hätte, zumal zu jemanden, der nicht einmal zu Ihrer Einheit gehört. Wenn Sie aber die Wahrheit sagen, dann war das wirklich ziemlich dumm von Ihnen." Der ironische Zug um seine Mundwinkel und der Unterton seiner Stimme verstärkten sich, fast klang so etwas wie Spott über sich selbst, vielleicht auch ein wenig Anzüglichkeit: "Es ist schließlich allgemein bekannt, wie sehr die Mechs die Heiligtümer von uns Piloten sind, und wie wenig wir es ertragen können, wenn jemand anderes als die von uns damit beauftragten Personen...Hand anlegen."
Dann wurde er wieder ernst: "Sie können von Glück reden, dass ich nichts gefunden habe, was für mich auf Sabotage hindeutet."
Tai-ming gestattete es sich, aufzuatmen. Das Gewitter war offenbar vorbeigezogen, ohne dass der Blitz eingeschlagen war. Und JA, sie war WIRKLICH eine Närrin gewesen.
Und um das zu beweisen, konnte sie sich nicht beherrschen: "Aber Tai-i, wir sind Verbündete. Wie sollte ich überhaupt auf die Idee kommen, Sie sabotieren zu wollen - zumal Ihre Techs das vor dem nächsten Einsatz unzweifelhaft herausfinden würden? Wir stehen auf derselben Seite."

Anatoli musterte sie. Er reagierte nicht etwa wütend auf die Einwände, sondern mit einer Gegenfrage: "Wie lange sind Sie bei den Höllenhunden? Und wo haben Sie vorher gedient, in welcher Einheit, meine ich."
"Ein knappes Jahr, Sir. Und es ist mein erster Einsatz, sieht man von drei Monaten bei einer Auffrischungs-Marschkompanie aus zusammengewürfelten Neulingen ab, die ich von Outreach aus nach Tukayyid begleitet habe."
Das war es wieder, das schiefe, Lächeln, doch diesmal wirkte es fast wehmütig: "So in etwa dachte ich mir das, sonst müssten Sie nicht fragen. Denn das heißt, Sie haben keine Ahnung, wie SCHWER es für mich ist, eine Einheit wie Ihre zu begleiten. Erst recht auf meinen Heimatplaneten. Erst Recht DIESE Einheit. Das fängt schon damit am für wen Sie arbeiten. Wie kann ich Com Star vertrauen, wo die Kuttenträger das Kombinat um ein Haar ans Messer geliefert hätten, und sich jetzt doch als Retter und Beschützer des Inneren Sphäre aufspielen, obwohl sie ein guten Stück Schuld daran tragen, dass die Clans überhaupt so weit kommen konnten? Und es hat auch etwas mit der Vergangenheit Ihrer Einheit im speziellen zu tun - Sie kennen vielleicht die Perspektive IHRER Leute auf die Anfänge ihrer Truppe, aber ich kann versichern, von MEINER Warte sieht das ganz anders aus. Ihre Leute und die Freunde ihrer Leute haben Menschen getötet oder ins Unglück gestürzt, die mir viel bedeutet haben. Auf Befehl, aber das ändert auch nichts. Dass Ihre Leute in der Mehrzahl Steiner und Davions sind, macht die Sache auch nicht einfacher."

Der Kuritaner hob die Arme in einer gleichsam allumfassenden Geste: "Aber das geht noch viel tiefer. Dieses Schiff, Ihre ganze Einheit - Sie verstehen wirklich nicht, wie ANDERS das alles zu all dem ist, was ich als verlässlich und loyal kenne. Was dem entspricht, das ich für richtig halte. Sie, ihre Leute, Sie sind alle RONIN im wahrsten Sinne des Wortes - wissen Sie eigentlich, was das heißt?"
Die junge Technikerin nickte: "Natürlich - herrenlose Samurai - aber ich verstehe nicht..."
Der Tai-i schüttelte traurig den Kopf: "Nein. Nein, Sie verstehen nicht. Aber wie könnten Sie auch? Das mit dem Krieger ohne Herren ist nur ein Teil. Ronin heißt zunächst einmal ,Wellenmensch'. Und das sind Menschen wie Ihre Kameraden, wie Sie. Sie haben keine Wurzeln, wissen oft nicht mal genau woher sie kommen, wandern auf dem Wasser, den Fluss oder See hinauf und hinunter, heute hier und morgen dort. Von welchem Ufer sie zurückgeworfen werden, an welchen Steinen sie sich brechen, das ist ihnen egal. Sie sehen viel, aber sie kommen nie wirklich zur Ruhe. Wir hingegen, unsere Familien, sind nicht so. Wir sind wie die Sugi, die Japanischen Zedern. Wir sind an einen Ort gebunden, auf Jahrhunderte. Und wenn wir noch so hoch aufragen - wir sehen stets nur das, was um uns ist, leben auf immer mit dem, was uns umgibt. Was hinter der nächsten Biegung den Fluss hinauf oder hinunter, in der übernächsten Bucht des Sees passiert, das betrifft uns wenig. Aber dafür haben wir unzählige kleinere Bäume und Sträucher kommen und gehen gesehen, eine endlose Abfolge von Jahreszeiten. Die Abkömmlinge des ersten Baumes, der ursprünglichen Familie, sie stehen um uns herum und werden noch emporragen, wenn wir längst gefallen sind. Und wenn wir uns so sehr unterscheiden, wie kann die Welle und die Zeder in IRGEND ETWAS übereinstimmen? Wohlgemerkt, ich halte Sie - anders als viele meiner Landsleute - nicht für schlechte Menschen, nur weil Sie keine Heimat haben außer anderen Leuten ihres Schlages. Sie sind eben einfach anders als wir, leben anders als wir. Aber Sie verstehen uns nicht, und wir verstehen Sie nicht, einfach weil wir die Welt auf unterschiedliche Art und Weise sehen. Sie verstehen nicht, wie verstörend es für uns ist, dass wir Verantwortung abgeben sollen an jemanden, dem unsere Heimat nicht annähernd so viel bedeutet wie uns. Denn es gibt NICHTS, was ich nicht für meine Familie, meine Heimat, die loyalen Untertanen meines Vaters tun würde - gleichgültig was mich dies persönlich kosten sollte. Das aber verstehen nun wiederum Sie nicht. Und ohne dieses Verständnis - wie könnten wir uns da jemals trauen? Wie kann ich darauf vertrauen, dass Sie das beschützen können, beschützen WOLLEN, was für unsereins heilig ist?"

Der Offizier wusste es nicht, aber mit seiner wenn auch freundlichen...nun ja, es war vielleicht nicht einmal Herablassung, aber sicher doch Ignoranz hatte er einen sehr, sehr wunden Punkt getroffen. Und deshalb fauchte die junge Technikerin den Kuritaner mit einmal wutentbrannt an, während sie doch zugleich mit den Tränen kämpfen musste: "Allerdings, Sie und wir verstehen einander wirklich nicht! Sie bilden sich vielleicht ein, alles über uns zu wissen, aber in Wahrheit..."
Und damit verstummte sie. Was fiel ihr ein, einen Offizier so anzufahren, dazu einen, der in gewisser Weise ihr gegenüber sehr großzügig gewesen war? Er konnte ja nicht ahnen, dass Tai-mings Großmutter noch eine Diem, ein de facto Adlige - wenn auch nicht erbberechtigt - auf Capolla gewesen war, eine Frau, die durchaus darauf hoffen konnte, eines ihrer Kinder mit einer Mandrisa oder Mandrinn zu verheiraten? Zwei von Tai-mings Großonkeln hatten zugleich als Mechkrieger in den Streitkräften der Konföderation Capella gedient. Sie alle hatten Reichtum besessen, und Ansehen, einen Platz in der Gesellschaft. Sie waren selber wie einer der Bäume gewesen, von denen der Tai-i fabulierte. Doch das hatte ein Ende gefunden mit Hanses dem Verfluchten Davion Vierten Nachfolgekrieg. Als Pavel Ridzik seinen Kanzler verriet, um Herrscher der ,Freien Republik Tikonov' von Davions Gnaden zu werden, hatte er praktisch als erste Amtshandlung viele Liao-Loyalisten ermorden lassen. Manche würden sagen, er hatte keine andere Wahl gehabt. Verräter lebten gefährlich, und ein Mann mit Charisma und großer Hausmacht war er nie gewesen. Tai-mings Großmutter war unter den Opfern dieser Säuberungen gewesen, ihre Großonkel waren in den blutigen Abwehrkämpfen der Konföderation gegen die Horden Davions gefallen. Ridzik war zwar ebenso schnell gestürzt wie emporgestiegen - viele nahmen bis heute an, dass Davion seiner Marionette überdrüssig geworden war, obwohl offiziell die Maskirovka für den Mord verantwortlich gemacht wurde. Niemand hatte den Tod des Verräters beklagt, weder in der Konföderation, noch in den Vereinigten Sonnen und schon gar nicht in der ,Freien Republik', die allerdings weder frei noch eine Republik war. Danach aber hatten die Vereinigten Sonnen das Ruder direkt übernommen. Sie waren weniger brutal vorgegangen, aber Menschen die offenkundig noch immer Loyalität für Sian verspürten, hatten auch unter der Herrschaft des Prinzen kein leichtes Leben gehabt. Die Davions schwätzten gerne von Freiheit, aber der Gehorsam kam auch bei ihnen aus den Mündungen der Gewehrläufe. Die Familie Koshin hatte in den Jahren nach dem Vierten Nachfolgekrieg viel von ihrem Besitz verloren, war beiseite gedrängt worden von jenen, die sich den Besatzern andienten, die eilfertiger und überzeugender Ergebenheit heuchelten.
Als Marik und Liao Davion 3057 herausforderten, schien die Gelegenheit günstig, ein altes Unrecht wieder gut zu machen. Tai-mings Eltern waren vorne dabei gewesen bei den Liao-Loyalisten, die auf Capolla - ähnlich wie auf vielen anderen Welten der späteren Chaosmarken - den Aufstand probten. Doch die Söldner, die Haus Marik ihnen zu Hilfe geschickt hatte, hatten ebenso wenig ausgereicht, wie die Waffen und Geldmittel der Konföderation. Die Marik-Söldner waren vertrieben worden, und mit Hilfe einer anderen Söldnereinheit, der Faust von Mokal, hatten separatistische Terroristen die Liao-Loyalisten abgeschlachtet. Tai-mings Vater war verschwunden - seine Familie hatte nie erfahren, was aus ihm geworden war. Vermutlich hatte man ihm eine Kugel in den Hinterkopf gejagt und unter einer Müllhalde verscharrt, wie so viele. Tai-ming selbst, damals gerade sechzehn, war mit ihrer Mutter nur mit Mühe von Capolla entkommen, der Welt, auf der ihre Familie seit Jahrhunderten gelebt hatte. Ihre Mutter hatte diesen letzten Schicksalsschlag, den Verlust von Heimat UND Ehemann, nicht verwunden. Ebenso wenig das, was sie ihren Augen der Verrat der Konföderation war, die ihre treuen Untertanen im Stich gelassen hatte und nicht einen Panzer zu Hilfe sandte, während turmhohe Kampfgiganten die Aufständischen massakrierten. Binnen drei Jahren war die energiegeladene, kämpferische Frau zu einer Greisin geworden, die schließlich in einer elenden Absteige Outreach zugrunde gegangen war, während ihre Tochter mühsam das Geld für Miete und Essen als Aushilfstechnikerin verdiente. Vielleicht war das eine Erlösung für ihre Mutter gewesen - im Tod gab es wenigstens keine Trauer um Verlorenes mehr.

All das war mit einmal hochgekommen. Sie hatte solche ,...nun, nennen wir es emotionalen Ausbrüche...' schon in der Vergangenheit erlebt. Jemand hatte ihr mal geraten, damit zu einem Psychiater zu gehen, oder ihren Schmerz in einer Flasche Alkohol zu ertränken. Wenn Tai-ming genauer darüber nachdachte, war sie fast sicher, sie hatte dem hilfreichen Samariter seinerzeit eine LEERE Flasche Alkohol über den Schädel gezogen. Aber es war ihr noch nie in einer so unpassenden Situation passiert.
Doch das erwartete Donnerwetter - oder Schlimmeres - blieb aus. Der Tai-i musterte sie nur schweigend, so wie zuvor, als sei er nicht ganz sicher, woran er bei ihr sei. Seine Stimme klang abweisend, aber eher so, als wäre er unsicher, ja peinlich berührt: "Gut...dass Sie mir zustimmen. Es war nicht meine Absicht, Sie herabzusetzen. Besonders nicht, falls das bei Ihnen ebenfalls schmerzliche Erinnerungen weckt...und..." Er stockte, als müsse er sich in Erinnerung rufen, dass nicht er sich zu entschuldigen hätte: "Ich erwarte, dass Sie sich nicht noch einmal einfach so und ohne Aufsicht an einem der Mechs meiner Lanze zu schaffen machen. Und auch keiner Ihrer Kollegen. Aber ich sehe keinen Grund, irgend jemanden darüber etwas zu erzählen - sicher nicht Ihren Vorgesetzten und außerdem..." wieder zögerte er, und vermied es diesmal, ihr ins Gesicht zu schauen: "Wenn Sie Seniortech Nakata treffen sollten, können Sie ihm sagen, dass Sie meine Erlaubnis haben, ihm hin und wieder zur Hand zu gehen. In vernünftigem Rahmen." Und mit diesen Worten nickte er knapp als Antwort auf ihre verdatterte Ehrenbezeigung, drehte sich um und ging. Er kletterte eine der Leitern hinauf und verschwand in einer Tür in der Wand, vielleicht auf dem Weg zu seinem Quartier.

Tai-ming starrte dem Kuritaner noch eine Weile hinterher, diesmal wirklich erstaunt. Er hatte wohl wirklich Recht, und seinesgleichen WAR verschieden. Das war erheblich anders gelaufen, als sie gedacht und befürchtet hatte. Wesentlich besser, wenn man es genau nahm. ,Frechheit siegt' war eigentlich kein Sprichwort, das im Kombinat galt - soviel wusste sogar sie. Ob das vielleicht daran lag, dass der Tai-i selber einen recht irregulären Lebensweg hinter sich hatte, nach allem was man so munkelte? Jedenfalls schien er ein wesentlich angenehmerer Zeitgenosse zu sein, als sie zunächst gedacht hatte. Etwas merkwürdig vielleicht, aber was erwartete man von einem Volk, das seit Jahrhunderten Gedichte über Kirschblüten verfasste und offenbar trotzdem dieses Zeitvertreibs nie müde wurde? Nun, wenn sie ihre Karten gut ausspielte, dann würde sie von der Anwesenheit der Kuritaner auf der CRYING FREEDOM mehr profitieren, als sie ursprünglich gedacht hatte, angefangen von der Möglichkeit, die Wartung eines Omnimechs zu erlernen...

Tai-ming konnte es natürlich nicht wissen, aber die Gedanken von Anatoli Tanigaki ähnelten den ihren in erstaunlicher Art und Weise, als er sich auf den Weg zu seinem Quartier machte. Er hatte schon vor Jahren, lange bevor man ihn zur Akademie schickte, die Grundlagen der Lehren des weisen Sun Tzu verstanden. Man musste nicht nur sich selbst kennen, sondern auch sein Gegenüber. Und dies galt nicht nur im Kampf.
,Erkenne was du fürchtest, was du dir wünschst, was der oder die Andere fürchtet oder begehrt. Denn es gab immer etwas, was Menschen mehr als alles andere fürchteten, wonach sie mehr als alles andere hungerten. Anerkennung, eine Heimat oder Reichtum - biete ihnen das an, und du kannst dein Gegenüber dazu bringen, deine Kämpfe auszutragen. Präsentiere ihnen ihre größte Furcht und zeig ihnen, dass du sie davor bewahren kannst. Gib ihm oder ihr Grund zu glauben, du hättest ihnen einen Gefallen getan, oder dass ihr etwas gemeinsam habt. Baue schrittweise Vertrauen auf. Am besten ist es, wie man auch an diesem Fall sehen konnte, wenn das, was du sagst, was du versprichst, auch wirklich wahr und im Bereich des Möglichen ist. Keine Bestechung, keine Manipulation ist so erfolgreich wie die Wahrheit. Und dann, im rechten Moment...'
Schon bevor er auf Numki eingetroffen war, hatte sich Anatoli mit den Informationen vertraut gemacht, die sein Vater über die Höllenhunde zusammengetragen hatte, hatte sich durch die Personalprofile gearbeitet und die Empfehlungen abgewogen. Die Spezialisten auf Darius hatten seit dem Moment wo der Name der Einheit, die Com Star schicken würde, bekannt geworden war, jeden Fetzen Information durchleuchtet, den man von Tukayyid und Outreach auf legalem Wege erhalten konnte. Und einiges, was man auf...nicht ganz legale Weise beschafft hatte. Haus Odaga mochte nicht besonders mächtig sein, aber es hatte Verbindungen - bis in die höheren Ränge der VSDK und ISA. Männer (und einige Frauen), die Haus Odaga entweder etwas schuldeten, oder für künftige Gefälligkeiten vorsorgen wollten. Sie würden sich nicht ZU weit aus dem Fenster lehnen, aber das richtige Wort an der richtigen Stelle konnte viele Dinge enorm beschleunigen oder auch verzögern. Und es konnte ganz bestimmt die Türen öffnen zu den Informationen über eine Söldnereinheit, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Nicht, dass die Höllenhunde oder Chevaliers als besonders wichtig angesehen wurden. Aber spätestens seit dem Tod-allen-Söldnern-Befehl Takashi Kuritas hatten vorausschauende Offiziere Sorge getragen, dass auf Luthien möglichst viel an Informationen verfügbar war über Mietlinge, die dem Kombinat als Gegner gegenüberstehen, seit einigen Jahren aber auch als Verbündete dienen konnten. Gewisse...Fehlkalkulationen über Söldnereinheiten wie gegenüber dem Gesindel von Morgan Kell and Jaime Wolf sollten sich schließlich nicht wiederholen. Und es gab Menschen, die ein ganz eigenes Interesse an den Chevaliers und ihrer Schwestereinheit hatten, deren analytischer Sachverstand scharf wie ein Skalpell war - und die bereit waren, dieses Wissen weiterzugeben.
Und so wusste Anatoli bei weitem nicht alles über alle Höllenhunde. Aber vieles über etliche - gerade über die Offiziere. Die Analysten seines Vaters hatten sich zudem intensiv für die Neuzugänge der Söldner interessiert. Deren Loyalität war noch nicht gefestigt - falls es das bei Söldnern wirklich gab - und sie waren voraussichtlich offener für...weitergehende Vorschläge.

Und so war dieses Zusammentreffen sorgfältig inszeniert worden. Tai-ming Koshina war eine potentielle Rekrutin, wenn auch nicht der einzige Höllenhund, den man vielleicht gewinnen konnte. So etwas bedurfte Zeit, Geduld und Fingerspitzengefühl, und gerade Zeit war etwas, was nur sehr begrenzt zur Verfügung stand. Aber wenn es ihm gelang, ein oder zwei Agenten anzuwerben, würde Haus Odaga einen entscheidenden Vorteil haben, falls die ,Ermittlung' der Söldner sich in die falsche Richtung zu entwickeln schien. Man musste nur aufpassen, dass die Mietlinge ihm keinen Doppelagenten unterjubelten.
Unter normalen Umständen wäre es Sache eines Spezialisten gewesen, eines nachrichtendienstlich geschulten Agenten, dieses Eröffnungsgespräch zu führen. Aber Anatoli hatte nur sieben Untergebene zur Verfügung, und die drei Mechpiloten waren exzellente Soldaten - aber nicht unbedingt gute Intriganten.
Das Profil von Tai-ming hatte zudem nahegelegt, dass er persönlich einen entscheidenden Vorteil im Gespräch mit ihr hatte. Er stand für den Status, die Sicherheit, die ihre Familie verloren hatte - und die sie sich vermutlich sehnlich wünschte. Der Verlauf des Gespräches hatten diese Annahme bestätigt. Wenn jemand eine Verbindung mit ihr aufbauen sollte, dann war er der beste Kandidat gewesen - nach seinem Seniortech, der aber seinerseits bereits einen vielversprechenden Kandidaten im Küchenpersonal im Auge hatte. Bisher waren keine großen Fortschritte erzielt worden, aber dergleichen brauchte eben Geduld - und man war auf dem richtigen Weg.

Die Zeit an Bord der CRYING FREEDOM war freilich auch für Anatoli selbst mehr als belastend gewesen. Und das lag nicht nur an der Paranoia, die sich jeder angewöhnte, der eine verdeckte Agenda inmitten eines Haufens Bewaffneter unzuverlässiger Loyalität verfolgte. Nicht zu wissen, wem man trauen konnte, ständig in Gefahr beobachtet und belauscht zu werden, jemanden ausgeliefert, auf den er nicht den geringsten Einfluss hatte - das zerrte an den Nerven. Vor allem, da er sich nicht anmerken lassen durfte, WIE sehr es ihn belastete. Er war bisher einfach nicht recht klug aus der Truppe geworden. Die Fixierung der Söldner-Offiziere, die weit eher davon auszugehen schienen, dass der Grund für die Angriffe der...,Piraten'...auf der kuritanischen Seite der Grenze zu suchen waren, gar eine Art Verschwörung hinter all dem steckte, auch hinter den Überfällen auf Clangebiet - das war beunruhigend und gefährlich. Doch war es nur Teil ihrer Voreingenommenheit zugunsten der Clans, Loyalität gegenüber dem, was ihnen ihre Com-Star-Herren eingeflüstert hatten, oder hatte es andere Gründe? Verfolgten die Höllenhunde einen ganz eigenen Plan, alleine oder im Bund mit jemand anderen? War dieses Gerede für eine Verschwörung Vorbereitung für eigenes Handeln, wussten sie mehr, als sie im Moment zu zeigen bereit waren?
Klare Anzeichen, dass man sich auf ein Gefecht mit den Odaga - oder Shimatze - vorbereitete gab es nicht. Man hatte seine Bewegungen auf dem Schiff nur im Rahmen des Üblichen eingeschränkt, so dass der junge Kuritaner sich ein gutes Bild von der Kampfkraft der Einheit hatte machen können - angeblich war man ja verbündet. Die Zahl und den Typ ihrer Fahrzeuge hatte er natürlich schon vorher gekannt, doch inzwischen hatte er auch ein ganz gutes Bild vom Zustand und den Munitionsvorräten. Das waren Details, die noch einmal von Nutzen sein konnten. Auch die Infanterie hatte er inspiziert. Sie war gut mit leichten Handfeuerwaffen ausgerüstet, doch fehlten ihr Infanteriegeschütze. Auch Mörser und andere schwerere Unterstützungswaffen standen kaum zur Verfügung. Die Truppe war offenbar eher für schnelle Angriffe gedacht als für einen blutigen Graben- und Häuserkrieg. Sollte es zum Kampf gegen die Odaga-Verbände kommen, würde sich dieses Manko sehr zuungunsten der Söldner auswirken.

Anatoli hatte eine gute Nase für die Dinge, die man heimlich über ihn sagte oder dachte. Und bei den meisten Höllenhunden spürte er bisher weder Feindseligkeit noch Häme über seine ,Ahnungslosigkeit'. Doch das besagte nicht viel. Nicht einmal Mietlinge würden so dumm sein, einen Angriff offen anzukündigen, auch den eigenen Soldaten gegenüber nicht. Die einfachen Soldaten und der Anhang - Männer und Frauen wie diese junge Technikerin - wussten offenkundig nichts, ahnten nichts, argwöhnten nichts. Einige mochten Vorbehalte gegen die Odaga oder Kuritaner im Allgemeinen haben, aber das nicht mehr als der übliche Innere-Sphären-Rassismus nahelegte, kulturell und traditionell begründet - oder durch unerfreuliche Erfahrungen. Sie hatten keine Ahnung, was ihre Anführer möglicherweise planten - oder in welch gefährliches Terrain diese sie bereits jetzt geführt hatten. Das hieß freilich nicht, dass sie ihren Anführern nicht folgen würden, wenn die Stunde der Wahrheit - oder der Lüge - kam. Wenn man ihnen die Geschichte ,Verschwörung' bereits vorher vermittelte, waren sie unter Umständen bereit, auf die Soldaten eines kuritanischen Adelshauses zu schießen im Glauben, das Richtige zu tun. Gerade ihre Ahnungslosigkeit über das Ausmaß der Konsequenzen, die das für sie haben konnte, machte sie dann gefährlich.

Anatoli wünschte sich sehr, dass es nicht zum Kampf kommen würde - einen Kampf, den sein Vater vermutlich als fast unausweichlich betrachtete, und das aus guten Gründen. Er selber hasste die Höllenhunde als Ganzes nicht - er empfand freilich auch keine besondere Zuneigung ihnen gegenüber. Ihre Offiziere und Veteranen verabscheute er aufrichtig, zumindest sofern sie an der Jagd auf Anatoli Kenda teilgenommen hatten. Doch von den Mitgliedern der ersten Stunde gab es nicht mehr viele. Gegen den Rest der Truppe hegte er weit weniger Vorbehalte. Einige waren ihm sympathisch, und er wünschte ihnen nichts Böses.
Doch letztendlich spielte das keine Rolle. Er wollte nicht, dass die Soldaten seines Vaters und die Söldner sich umbrachten, nur damit ein Dritter den Nutzen daraus zog. Denn dass zumindest das Fußvolk der Söldner nichts als Schachfiguren waren, entbehrliche Werkzeuge für ihre Herren, dessen war er sich inzwischen sicher. Nun ging es vor allem darum zu verhindern, dass das Spiel einen für Haus Odaga verhängnisvollen Verlauf nahm. Anatoli Tanigaki hatte nicht gelogen, als er Tai-ming gesagt hatte, dass er für seine Familie, seine Heimat und die loyalen Untertanen seines Vaters alles tun würde. Blieb nur die Frage, gegen wen er sie verteidigen musste...
Mit diesen düsteren Gedanken erreichte er sein Quartier. In ein paar Stunden stand die nächste Besprechung mit ,Major' Scharnhorst und seinem Stab an, eine weitere Runde Analysegespräche zu dem Material, dass die Shimatze und Tanigakis Vater den Söldnern weitergegeben hatten. Wieder würde er versuchen müssen zu ergründen, was die Söldner wussten, was sie vorgaben zu wussten, was sie argwöhnten, was sie planten - während die Höllenhund-Offiziere genau das selbe bei ihm versuchen würden. Ein Stück weit wünschte er sich, endlich Klarheit zu haben, einen Feind, gegen den er offen antreten konnte. Aber er hatte früh gelernt, dass der verborgene Dolch nicht weniger tödlich als das gezogene Schwert war, und dass man beide Sorten des Kampfes mit der gleichen Entschlossenheit führen musste. Und das würde er. Er würde seine Pflicht erfüllen, mit Worten, dem Dolch oder dem Schwert - bis jede mögliche Bedrohung beseitigt war und die Befehle seines Vaters erfüllt.

Ende
20.04.2018 18:30 Cattaneo ist offline E-Mail an Cattaneo senden Beiträge von Cattaneo suchen Nehmen Sie Cattaneo in Ihre Freundesliste auf
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Sorry ich versuche den ersten noch zu beenden, aber hier würde ich auch gern noch was beitragen, paar Eindrücke meiner Pilotin und .... mal sehen was ich noch hinbekomme von den heranspringenden Chevalliers ... schreibt aber weiter denn das kann noch ein wenig mir noch dauern.



12. Mai 3067 / Bjarred Aufladestation / Militärdistrikt Pesht / Landungsschiff

Endlich mal wieder was anderes als das Landungsschiff oder die Korridore des Sprungschiffes. So dachten etliche der schnellen Eingreiftruppe der Chevaliers, die aufgebrochen waren um ihren Freunden zur Hilfe zu eilen. Trotz aller Bemühmungen die Systeme und Sprungzeiten zu verkürzen, gab es doch ab und an mal einen längeren Aufenthalt. Sei es wegen einiger zufällig entstandenen Verzögerungen beim Aufladen der Sprungantriebe oder weil nebenher auch die WErbetrommel gerührt wurde und so die Popularität der Einheit und ihrer Kommandeurin gefördert werden sollte.

So war es auch nicht verwunderlich, das in einer festgelegteen Rotation immer einige der Chevaliers auf dieser Station verweilten und die Erholungseinrichtungen und Läden besuchten.



Unbekannter ehemalige Bergbaukolonie / Draconis Kombinat

Emma „Simple“ Thorvalson, stand mal wieder vor ihrem Jäger. Die Hellcat war noch immer nicht ihrs. Daran gewöhnt hatte sie sich und ihr fiel der Umgang nicht schwer, aber eigentlich flog sie ja lieber eine Stingray, aber als Entrechtete hatte sie keine Wahl.
Die Mission sollte auf dem Flug noch bekannt gegeben werden. Offensichtlich ging es aber wiedermal in den Clanraum, ansonsten wäre unsere Tarnung sinnlos, auch wenn es Gerüchte gab die einen kleinen Dschungelplaneten favorisierten. Aber was soll man in so einer grünen Hölle mit Hellcats schon machen. Gott sei Dank waren das nicht ihre Probleme.
Ihr Problem war nur die Missionen zu überleben. Beim letzten war es knapp und hätten sie nicht auch Glück gehabt, würden sie in einem Knast der Geisterbären sitzen, wenn es gut lief. Schließlich waren sie Banditen für die Geisterbären.
Für wen sie das alles machten war nur den Chefs bekannt und der Chefin vertraute sie Blind, aber ihrem Vertreter, da war sie sich nicht sicher.
Die Überführung begann, es passierte nichts. Die paar Einheimischen dieser alten Bergwerkskolonie schauten uns nach, aber vermissen würden sie uns nicht. Doch diesmal flog nicht nur ein Teil von uns ab, es schien das alle Teileinheiten mitkamen. Das war doch eine Überraschung, das konnte aber auch heißen das wir hier so gut wie fertig waren. Wir operierten ja immer getrennt und so konnte es gut sein, daß wir zusammen aufbrachen, aber getrennt arbeiteten.
Mulligan, der Tech, hatte noch angemerkt das die Hellcat auf Abfangjäger beladen war, das hieß Zusatztanks und Raketen gegen andere Jäger, keine Bomben.
Es dauerte nicht lange, bis wir ins Landungschiff geholt wurden, an das schlanke Sprungschiff andockten. Nachdem alle an Bord waren, trafen wir uns an der Preflight … es hing nichts aus, eigenartig. Also schnell die Terminals mit den Daten füttern und dann ging es in das vorübergehende Quartier. Es dauerte nicht lange da erklang auch schon die erste Sprungwarnung und wir verließen dieses für viele unbekannte und unbedeutende System.
Dann kommt auch schon das Sprungsignal … alles verzerrt sich, verschwimmt und aufeinmal ist alles wieder normal. Es scheint ein Blitzschlag, aber es fühlt sich anders an. Nach einigen Minuten geht es wieder, über ihr Pad erhielt sie die Nachricht das eine Einsatzbesprechung im großen Hangar stattfindet, mal sehen ob das Geheimnis der nächsten Mission gelüftet wird.
„Ladies und Gentlemen, wir sind nun im Zielsystem. Wir docken gleich ab und werden uns dann versteckt halten. Wann wir in Aktion treten hängt davon ab wann wir gebraucht werden oder sich eine Evakuierungssituation ergibt. Auf alle Fälle sollen wir uns ruhig verhalten, d.h. Nicht das nichts passieren wird, nein. Wir sind hinter dem größten Mond und werden dort trainieren. Es wird sich auch die Möglichkeit für den ein oder anderen ergeben auf einen anderen Jäger zu wechseln, einige sind ja auch auf der Stingray qualifiziert. Also es gibt viele Daten von ihnen zu sichten, für den Fall das wir in den Einsatz gehen, der grüne Planet hat viele Gefahren und ich möchte niemanden verlieren der heil aussteigt und dann sich von einer Pflanze oder einem Tier vergiften lässst. Also lest alle die Daten, ihr bekommt als MedPak etliche Salben und eine kleine Sammlung Gegengifte mit, für alle Fälle. Ausserdem werden wir wieder Bodenangriffe üben und da der Mond eine gute Möglichkeit bietet auch Luftkampf in Bodennähe. Dann viel Glück und ab mit euch.“ So beendete der CAG die erste Einsatzbesprechung.

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28.04.2018 10:49 Marodeur74 ist offline E-Mail an Marodeur74 senden Beiträge von Marodeur74 suchen Nehmen Sie Marodeur74 in Ihre Freundesliste auf
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Die Versammlung war exklusiv, und das war vielleicht der Grund, warum sich Chu-i Adam Harata so unwohl fühlte. Neben Chu-sa Imara, dem designierten Chef der 13. Ryuken waren dies Sho-sa Inaho, seine direkte Vorgesetzte, Sho-sa Nelson Torinari, Chef des 2. Bataillons, Tai-i Ana Kobe als Chefin des noch im Aufbau befindlichen 3. Bataillons, Elden Parkensen als Statthalter des Koordinators auf Wayside V, und natürlich der Alte selbst. Der Alte. Graf Danton. Adam hatte bereits ein paarmal die Ehre gehabt, mit ihm zu sprechen, und jedes Mal hatte er sich bemüht, zu erkennen, welches der Gerüchte über ihn wohl zutraf. War er ein waghalsiger Hasardeur, der mit seinem eigenen Leben spielte? Ein aufgeschlossener, umsichtiger Mann, der jeden einzelnen seiner Leute mit Vornamen und Lebenslauf kannte? Ein regelrechter Mörder mit Killerinstinkt und dem Glück des Teufels persönlich? Fest stand nur eines: Mit der Erhebung in den Adelsstand durch Herzog Mikado, den Herrn der wichtigsten Zwischenstation des Handels zwischen Innerer Sphäre und Kerensky-Cluster stand er weit über Adam. Dennoch hatte der Graf sich neulich mit ihm über sein Hobby unterhalten und sich sehr interessiert gezeigt. Dazu kamen selbstverständlich noch mehr Stellvertreter, sodass der kleine Besprechungsraum des Stützpunkts unter den Three Sisters, den jemand großspurig Kaserne genannt hatte, gut gefüllt war.
Ein Gast war anwesend, und Adam kannte ihn nicht. Er war bisher auch noch nicht vorgestellt worden, aber seine beherrschte Persönlichkeit und die Art, mit der er Danton behandelte, zeigten, dass er den anderen weder für seine Söldnervergangenheit verachtete, noch sich selbst über ihn erhob.
„Haben alle was zu trinken?“, durchschnitt Dantons Stimme die leisen Unterhaltungen am Tisch. „Ja? Dann können wir ja anfangen. Aaron?“
Der stellvertretende Kommandeur der 13. Ryuken nickte. „Arita?“
Die kleine, aber gut trainierte Frau erhob sich, raffte ihre Unterlagen zusammen und öffnete sie. „Zuerst die gute Seite. Mit der Lieferung von acht mittelschweren Mechs der Garnisonsklasse aus Beständen der Geisterbären ist das 1. Bataillon einsatzbereit. Aber wir verfügen weder über Reservekapazitäten, noch über Reservepiloten. Das wird sicher auch noch einige Zeit so bleiben, solange die anderen Regimenter nicht aufgefüllt sind.“
„Danke, Arita. Nelson?“
„Ja, Sir. Die D-Kompanie ist komplett. Ausrichtung schwer. Die E-Kompanie steht mit neun Mechs und einer leichten bis mittelschweren Sortierung auch schon gut da. Die F-Kompanie hingegen hat bisher erst fünf Sturmklasse-Maschinen und ist daher auch nicht einsatzbereit. Immerhin steht meine Kommandolanze.“
„Danke, Nelson. Tai-i Kobe?“
„Hai, Chu-sa.“ Torinari setzte sich, Ana Kobe erhob sich. „Die Situation des 3. Bataillons ist bisher noch immer schlecht. Ich komme durch alle drei Kompanien hindurch nur auf dreiunddreißig Prozent Mannschaften, aber immerhin auf fünfzehn Maschinen, die bisher zu je anderthalb Lanzen in der G-Kompanie und der H-Kompanie aufgeteilt sind. Der Rest bildet eine unvollständige Lanze in der I-Kompanie. Somit bin ich in der wundervollen Lage, jeden Mech auch zu besetzen. Aber auch hier, keine Ersatzpiloten.“
„Danke, Tai-i. Dazu möchte ich noch ergänzen, dass unsere Tech-Situation ebenso schlecht ist. Wir kommen gerade mal Regimentsübergreifend auf fünfzig Prozent AsTech-Unterstützung und dreißig Prozent der empfohlenen SeniorTechs. Wir werden uns die Techs selbst heranbilden müssen, denn auf dieser Welt kämpfen vier Einheiten ganz offiziell um Rekruten und Techs, und das kann nicht wirklich gut gehen. Werbungen auf anderen Planeten laufen, immerhin. Tai-i Krüger, wie sieht es bei Ihnen aus?“
Der schmale, dünnlippige Draconier stand auf. „Ich habe für meine Kompanie geschützter Infanterie bisher zwei von drei Gruppen voll, also zweiundfünzig Leute. Das ist noch wenig, aber Ausrüstung und Ausbildung ist für alle Teams vorhanden, sodass ich den Schutz des Regiments gegen Infanterie garantieren kann.“
„Danke, Tai-i Krüger. Soweit der Bericht meiner Leute, Koshaku-sama.“
Danton nickte bestätigend, sah ins Rund und schien kurz nachzudenken. „Das geht wesentlich schneller als ich erwartet habe. Das sind gute Nachrichten. So gut, dass ich Ihnen auch eine gute Nachricht geben möchte. An meiner Seite ist Tai-sa Bordino. Er ist zuständig für Neuaufstellungen im Hauptquartier der Vereinigten Streitkräfte des Draconis-Kombinats. Nach dem letzten Scharmützel zwischen Kombinat und Dominion ist da einiges zu tun, nämlich an Wiederaufstellung von Einheiten, und bei der Gelegenheit hat er den Weg von Wolcott zu uns genommen. Der Tai-sa hat uns einiges zur Einheitsdoktrin zu sagen. Bitte, Tai-sa.“

Tai-sa Bordino war ein großer, schwarzhaariger Mann mit dem Körperbau eines Sumo-Ringers, aber er wirkte nicht ansatzweise gemütlich. „Danke, Koshaku Danton. Wie Ihr Graf und Kommandeur bereits gesagt hat, ich war in der Nähe und habe die Gelegenheit genutzt, um zu schauen, wie sich der Aufbau macht. Sowohl der Angry Eagles und der Miliz als auch der Chevaliers, die ich ja knapp verpasst habe. Aber vor allem die Aufstellung der Ryuken interessiert mich.“
Er sah mit großen, dunklen Augen ins Rund. „Sie haben Fragen.“
„Wie viel dürfen wir denn wissen?“, fragte Imara.
„Fragen Sie, und Sie werden sehen, worauf ich antworte.“
Diplomatisch, diplomatisch. Aber im Kombinat musste man auf seine Fragen achten, wollte man nicht ins Visier der ISA rücken. Aber eine Frage konnte er sich nicht verkneifen. „Tai-sa, ich bin Chu-i Adam Harata von der A-Kompanie. Sagen Sie, das Kombinat hat fünf Ryuken-Regimenter aufgestellt. Warum sind wir Nummer dreizehn?“
Der große Mann lächelte. Und das war durchaus ein gespenstischer Anblick. „Eine gute Frage. Die mich auch gleich zu einem wichtigen Punkt bringt. Sie alle wissen, dass die Ryuken nach Vorbild der Wolfs Dragoner ausgebildet wurden. Seither wurden sie immer an Brennpunkten eingesetzt, und nicht immer war das Schlachtenglück auf Seiten der fünf Regimenter.“
Die Anwesenden nickten wissend.
„Die Ryuken haben eine alte Tradition, sich stets an den neuesten Maßstäben für den Kampfeinsatz zu orientieren und ihre Truppen entsprechend auszubilden. Dies hat sich als erträglich erwiesen, sodass der Koordinator entschieden hat, mehrere weitere Regimenter zu bilden, die im Sinne der Ryuken ausgebildet werden. Lassen Sie mich das erklären“, sagte der Tai-sa.
„Die letzten Auseinandersetzungen, mit denen wir uns herumplagen mussten, haben deutlich gezeigt, dass wir unorthodoxe Herangehensweisen an Gefechtssituationen dringend brauchen. Vor allem brauchen wir entsprechend ausgebildete Einheiten an bestimmten Punkten im Kombinat. Unorthodoxe Strategien, und das Wissen, wann man sie einsetzt, das ist es, was die Ryuken grob gesagt ausmacht. Ihre 13., die unter dem offiziellen Namen 13. Wayside-Regiment Ryuken-Standard auftreten wird, ist eine solche Eingreiftruppe. Beziehungsweise sie wird es sein. Die Position Ihrer Heimatwelt hat mehrerlei Gründe. Die Sicherheitslage im Kombinat hat uns klar gezeigt, dass es nicht genügt, ausreichend Regimenter zu haben. Sie müssen auch da sein, wo man sie braucht. Ich rede hier ausdrücklich von Elite-Einheiten wie die, welche die 13. werden soll. Mit ihrer Platzierung auf Wayside V deckt sie nicht nur den Handelsweg zu den Clans, Wolcott und große Teile des Novakatzen-Raums, sondern sie ist eine Abschreckung an die gesamte kernseitige Peripherie. Und natürlich eine deutliche Warnung an Clan Wolf. Nicht an den ganzen, versteht sich. Wenn wir alles zusammenfassen, dann wollen wir, dass die Existenz der 13. Ryuken bekannt wird, und dass sie als nahezu so gut wie eine der ursprünglichen fünf Ryuken-Einheiten wahrgenommen wird. Als regionaler Machtfaktor. Und deshalb ermutige ich Sie, besser zu werden als die Ryuken.“
Das war eine gewaltige Aussage, fand Harata, und als er sich umschaute, sah er in Gesichter, die diese Herausforderung bereit waren anzunehmen. Die Augen leuchteten, und es waren nicht nur die Augen des Grafen.
„Danke für diese Erklärung, Tai-sa Bordino“, sagte Danton. „Ich bedanke mit vor allem, im Namen der 13. Ryuken, versteht sich, dass Sie den Weg zu uns heraus gefunden haben. Das bedeutet uns allen eine Menge und wird der Ausbildung einen Schub geben.“
„Es war mir ein Anliegen, diese Einheit, und vor allem Sie, Koshaku Danton, kennenzulernen. Es ist mir eine Freude, dass meine Erwartungen bis jetzt bestätigt wurden.“ Der Tai-sa sah ins Rund. „Sie alle, machen Sie sich klar, dass wir in interessanten Zeiten leben. In sehr interessanten Zeiten, wie in dem alten chinesischen Fluch. Das bedeutet, eine flexible Truppe wie die, die Sie alle sein sollen, wird sehr viel Arbeit bekommen. Die Feinde des Drachen sind zahlreich, und sie kommen von innen wie von außen. Aber nur der Koordinator ist der Garant dafür, dass Milliarden Menschen auf einer gemeinsamen Basis, einer gemeinsamen Gesetzgebung miteinander leben und miteinander auskommen. Diese Menschen zu beschützen, das ist seine Aufgabe, und jetzt ist es auch Ihre Aufgabe.“
Leiser Applaus klang für die Worte des Tai-sas auf, in den auch Harata einfiel, nachdem er sich vergewissert hatte, dass niemand ein dreifaches Banzai anzustimmen gedachte. Ein klares Zeichen dafür, dass die Truppe eventuell nicht so drakonisch war, und vielleicht auch ein Zeichen für die Zukunft, dass solche Truppen in Zukunft stärker gebraucht werden würden.

„Wenn wir schon mal dabei sind, etwas richtig zu machen“, sagte Danton schmunzelnd und tauschte mit Inaho einen kurzen Blick aus, „würde ich jetzt gerne eine dienstliche Angelegenheit der 13. in Angriff nehmen, Tai-sa.“
„Nur zu. Genau dafür sind wir hier.“
„Dann bitte ich alle Anwesenden, aufzustehen.“
Gehorsam erhoben sich alle von ihren Stühlen auch Harata.
„Chu-i Harata, bitte kommen Sie zu mir. Sho-sa Inaho, kommen Sie auch zu mir.“
Überrascht setzte sich Harata in Bewegung, stellte sich vor Danton und postierte sich in seiner besten Grundhaltung. Arita Inaho stellte sich daneben. „Tai-sho.“
„Sho-sa, Sie haben vorhin das 1. Bataillon einsatzbereit genannt.
„Ja, Tai-sho.“
„Stehen Sie zu dieser Aussage?“
„Jawohl, Tai-sho.“
Danton nickte zufrieden. „Ich denke, dann ist jetzt der beste Zeitpunkt dafür gekommen, dass Sie die Sache tun, über die wir schon seit einiger Zeit reden.“
Harata zeigte es nicht nach außen, aber innerlich schwitzte er Blut und Wasser. Inaho hatte ihn die letzten Wochen hart rangenommen und öfter auch mal durchfallen lassen. Kam jetzt die Absage? Wurde er fallengelassen, musste zurück ins Glied treten? Immerhin, abgesehen von der Blamage bedeutete das weniger Arbeit, weil er sich nur noch um eine Kompanie kümmern musste. Oder würde man ihm die auch noch weg nehmen?
„Chu-i Adam Harata“, sprach sie ihn an.
„Tai-sho“, sagte er vorsichtshalber, da sie seine Bataillonskommandeurin war.
„Ich habe Sie die letzten Wochen ausgiebig getestet. Körperlich. Geistig. Ihre Möglichkeiten, Ihre Grenzen, ihre Belastbarkeit. Ihr Umgang mit Fehlern. Ich denke, es ist wirklich an der Zeit, dass ich Ihnen etwas sage.“
Nun wurden ihm die Hände klamm.
„Als mein Stellvertreter können Sie nicht in einem Leutnantsrang herumlaufen, Harata. Im Namen des Koshaku spreche ich eine Beförderung zum Tai-i aus. Herzlichen Glückwunsch, Adam.“
Da waren plötzlich Torinari und Kobe neben ihm und nahmen ihm die Chu-i-Abzeichen ab, während Inaho ihm die Hand schüttelte.
„Dem möchte ich mich auch anschließen, Tai-i, Harata“, sagte Danton und schüttelte ihm als Nächster die Hand, während die beiden Bataillonskommandeure neue Abzeichen anbrachten, jene eines Tai-i. „Ich erwarte viel von Ihnen, Harata, aber sicher nicht so viel wie Sho-sa Inaho.“
Dies ließ die Versammelten leise lachen. „Danke, Tai-sho“, sagte er verdutzt. „Ich werde Sie nicht enttäuschen, und ich werde Sho-sa Inaho nicht enttäuschen.“ Zumindest hoffte er das.
„Ich beglückwünsche Sie ebenso, Tai-i Harata“, sagte der Tai-sa von Luthien und drückte ihm ebenfalls die Hand. „Ich weiß nicht, ist es bei Ihnen üblich...“
„Was üblich, Tai-sa?“, fragte Harata erstaunt.
„Dass ein frisch beförderter Offizier seinen Offizierskollegen die Getränke ausgibt, die sie anschließend bei einer Feier trinken werden?“
Danton lachte auf. „Bei den Chevaliers war das durchaus so üblich. Und ich denke, wir werden das auch für die 13. Ryuken einführen. Nicht wahr, Tai-i Harata?“
Erleichtert atmete Adam auf. „Selbstverständlich sollten wir das tun, Koshaku-sama.“

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Hallo Leute bin wieder da, aber momentan hab ich noch nicht so viel Zeit.

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Abschiede

Mai 3067, Naraka, Draconis-Kombinat

Dadif hatte das Gefühl, seine Arme würden gleich abfallen. Die Atemmaske, die man auf Naraka tragen musste, machte körperliche Anstrengungen nicht gerade leichter, auch wenn er viel Zeit gehabt hatte, sich an dieses lebensnotwendige Ausrüstungsstück zu gewöhnen. Woran er freilich nicht gewöhnt war, war das mörderische Arbeitspensum, das ihnen in den letzten zwei Tagen abverlangt worden war. Die Einheit machte sich bereit in den Krieg zu ziehen - und diesmal würde jeder Mann und jede Frau, die kämpfen konnte und jeder relevante Bestandteil der Ausrüstung und Vorräte, der für ein Gefecht von Nutzen war mitgenommen werden. Die Soldaten wussten, was das bedeutete. Es ging aufs Ganze.
Nicht, dass die meisten irgendwelche Bindungen zu diesem Stück rauer und noch immer giftverseuchter Erde aufgebaut hatten, als welches sie Naraka kannten. Das galt natürlich nicht für die Handvoll Rekruten der Einheit, die man auf der Welt selbst geworben hatte. Doch das waren junge Frauen und Männer, die ohnehin um jeden Preis fort wollten - auch wenn manchem wohl jetzt, da es ernst wurde, mulmig zumute war. Aber sie alle waren in den letzten Monaten durch eine harte Schule gegangen, die sie an die Einheit band. Es blieb natürlich abzuwarten, ob sich dieses Band auch im Einsatz bewährend würde.
Die meisten übrigen Soldaten und Trossangehörigen waren das Vagabundenleben gewöhnt. Sie wussten, dass es für sie zumindest im Moment und wohl auch noch auf lange Zeit keine Rückkehr zu dem gab, was sie einst Heimat genannt hatten. Die Kontakte zu den Einheimischen auf Naraka waren so sporadisch gewesen, dass kaum die Gefahr bestand, dass jemand hier ernsthaft Wurzeln schlagen wollte. Selbst die klassische ,Soldatin findet Farmerjungen'-Geschichte - eventuell erzählt mit anderer Geschlechterverteilung - hatte wenig Überzeugungskraft, wenn der Farmerjunge auf einer Welt lebte, die SO weit von aller Zivilisation entfernt war. Und wo die Ernte so stark mit Schwermetallen oder anderen Rückständen belastet war, dass sie auf anderen Welten auf der Sondermülldeponie gelandet wäre. Da war man eher versucht, den Partner oder die Partnerin zum Mitkommen zu bewegen. Oder schrieb einen Abschiedsbrief beziehungsweise verschwand ganz einfach ohne ein Wort - darin waren Soldaten notgedrungen seit jeher Meister.

Die Totalmobilmachung bedeutete, dass gewaltige Materialmengen befördert und verstaut werden mussten. Vieles war von Hand zu befördern, auch wenn die Elementare natürlich als Packesel gute Dienste leisteten. Aber auch die übrigen Mitglieder mussten kräftig anpacken.
Da hatte noch Glück, wer wie Ermhard alias Kotzi inzwischen nicht mehr zu den Schlammstapfern gehörte. Er war einem Schwebe-Schützenpanzer zugeteilt worden, eine Beförderung, die ihn offenkundig zufriedenstellte, auch wenn das nicht eines der Clan-Omni-Gefechtsfahrzeuge war, von denen er immer schwärmte. Als Panzerfahrer hatte Kotzi sich vor allem um seine Maschine zu kümmern - aufmunitionieren, das Fahrzeug von Innen und Außen für den nächsten Einsatz vorzubereiten, theoretische Kurse und dergleichen mehr. Durchaus keine leichte Kost, aber immer noch besser als Kisten schleppen.

Die Infanterie, namentlich Hilfsinfanteristen wie Dadif, waren weit eher für manuelle Arbeiten gefragt. Sie wurden als ,Springer' zu den verschiedensten Aufgaben eingesetzt und hatten nicht nur die Ausrüstung des eigenen Trupps zu bewältigen, obwohl auch das schon eine ziemliche Strapaze sein konnte, wie er inzwischen wusste.
Auch ihn hatte man nämlich befördert - wenn man das so nennen konnte. Er galt nun als Hilfsladeschütze eines aus sieben Soldaten bestehenden Grabenmörser-Trupps. Seine Kameraden und er hatten einen 82-mm-Mörser zu bedienen, und nötigenfalls auch im Fußmarsch durchs Gelände zu befördern. Normalerweise würden sie natürlich motorisiert in den Einsatz gehen, und er hoffte, dass man ihn Ermhards MTW zuteilen würde. Aber man konnte nie wissen. Im Einsatz würden sie sich ihren MTW wohl entweder mit einer weiteren ,schweren' Gruppe oder zwei Schützenteams teilen. Die genaue Verteilung hing von den taktischen Gegebenheiten ab, und sie hatten in den letzten Wochen die Zusammenarbeit sowohl mit Unterstützungswaffen als auch mit einer Sturmtruppe oder Sicherungslinie der Infanterie geprobt. Dabei war es nicht so sehr das Problem, eine feindliche Stellung oder Kolonne zu bombardieren, selbst wenn man das ,blind' aufgrund von Spähermeldungen tat. Die knifflige Arbeit war das koordinierte Schießen, wenn man eigener gepanzerter oder ungepanzerter Infanterie beim Angriff, Verteidigung oder Rückzug Feuerschutz geben sollte. Schoss man zu weit, war die Wirkung minimal, schoss man zu kurz, würden die Granaten die eigenen Leute treffen. Selbst Gefechtsrüstungen waren nicht gefeit gegen den Volltreffer einer Sprenggranate oder das Brandgel eines Infernogeschosses.

Im Moment freilich waren sie bei der Arbeit, unter dem anfeuernden Gebrüll ihrer Teamschefin, die aus gutem Grund den nicht sehr originellen Spitznamen Skadi trug und fast schon als waschechte Elementarkriegerin hätte durchgehen können - und mitunter auch einen ähnlichen Charakter an den Tag legte. Sie packte zwar auch selber kräftig mit an, doch das hinderte sie nicht daran, ihre oft etwas schwächeren Untergebenen gnadenlos anzutreiben.
Der 50-Kilo-Mörser, der sich in Rohr, Zweibein und Bodenplatte zerlegen ließ, war noch das kleinste Problem und schnell verstaut. Auch die persönliche Ausrüstung der Soldaten war zu bewältigen. Die Männer und Frauen trugen leichte Handfeuerwaffen wie Maschinenpistolen oder Pistolen, dazu kamen Munition sowie ein Vorrat an Handgranaten. Außerdem war da noch das übliche Marschgepäck, Kleidung und was immer an persönlicher Habe sie hatten. Ein Allwetterzelt, Schlafsäcke, zwei Wasserfilteranlagen, eiserne Rationen für eine Woche, eine solargetriebene Ladestation für Energiezellen, Kommunikationstechnik, Medkits, Schanzwerkzeug...die Liste erschien endlos. Aber auch das war schließlich verstaut. Der eigentliche Haken war jedoch die Munition des Mörsers. Die Granaten kamen in stabilen Kunststoffkisten zu je sechs Schuss. Und von denen brachte jede je nach Munitionssorte zwischen dreizehn und zwanzig Kilogramm auf die Waage. Und es waren VIELE Kisten. Glücklicherweise musste man sie nicht aus dem Lagerhaus zum Landungsschiff tragen. Sondern sie ,nur' in einen MTW einladen, sichern, zum Schiff fahren, die Munitionskisten herausholen, in einen weiteren Lagerraum schaffen, erneut sichern...und dabei nicht daran denken, dass man vermutlich das ganze Vergnügen am Zielort NOCH EINMAL haben würde.

Die Arbeit schien sich endlos hinzuziehen. Am Ende taumelte Dadif mehr, als dass er lief. Es war zum Teil die Angst sich zu blamieren, die ihn daran hinderte einfach umzufallen, wie auch das ständige: "Schneller! Schneller! Los, los, los!" und die wüsten und zugleich penetrant gutgelaunten Schimpfnamen, die ihre Truppchefin ihnen zubrüllte. In der Einheit wurde auf Ehrenbezeugung und dergleichen nicht sehr viel Wert gelegt, aber das änderte nichts am straffen Dienstplan. Das Essen war gut, die Betreuung auch - aber dafür wurde Höchstleistung erwartet, und unbedingter Gehorsam. Wenn er die Gesichter seiner Kameraden betrachtete - in den kurzen Pausen, in denen sie im Schutz des Landungsschiffes die Masken abnahmen und sich von Alptraumgestalten zurück in Männer und Frauen mit schweißnassen Gesichtern verwandelten, die Mienen erstarrt zu Grimassen der Erschöpfung - fühlte er einmal mehr, dass er noch immer nicht wirklich zur Truppe gehörte, Freigeist aus besserem Hause, der er nun mal war. Die Ausdauer seiner Kameraden speiste sich zum erheblichen Teil aus ihrer Verbundenheit mit den Zielen der Einheit, auch wenn sie wie er die Details ihrer Mission nicht wirklich kannten. Etwas, das er noch immer nicht recht aufbringen konnte. Die meisten von ihnen waren Veteranen, die weit mehr hinter sich hatten als die eine Schlacht, die er eher durchgestanden als ausgefochten hatte. Es sah so aus, als würde die Einheit jetzt die Bezahlung dafür einfordern, dass man ihn seinerzeit aufgesammelt...nun ja gerettet hatte.
Er fragte sich, ob er das überleben würde. Und er fragte sich auch, was man von ihm erwartete. Er hatte mehr als genug Geschichten über ihre früheren Missionen gehört, und er war sich nicht sicher, ob er abgebrüht genug war, jede Aufgabe zu übernehmen. Manchmal schockierte ihn die beiläufige Brutalität, mit der die Männer und Frauen über das redeten, was sie in der Vergangenheit getan hatten.
Aber solche Bedenken durfte er vor seinen Kameraden nicht laut äußern. Entweder vertrauten sie ihren Offizieren blind, oder sie sahen einfach keine andere Alternative, hatten gar kein anderes Zuhause mehr. Das war ihre Stärke und machte sie so gefährlich. Für Bedenken gab es bei ihnen kein Verständnis - zumindest zeigten sie keines. Natürlich trennte ihn auch die soziale Herkunft von den meisten seiner Kameraden, auch wenn er selber darauf nicht so viel gab. Aber nicht jeder konnte es vergessen.

Skadi schien erst zufrieden, als sie auch den MTW sicher vertäut und die Frachtbehälter ein zweites und drittes Mal kontrolliert hatte, sowohl in Bezug auf den Inhalt als auch auf dessen Sicherung: "82er Munition... wir haben hier Spreng 22 Kisten, Splitter 16, Minenspreng und Minensplitter je sechs, Leucht fünf, Inferno elf, Rauch sieben, Schock zwei - weiß der Geier wozu das mal gut sein soll. Gas neun - vier weiß, drei grün, zwei gelb..." Sie nickte knapp und kontrollierte ihr Datengerät: "Ausgezeichnet, stimmt alles, das wär' es dann erst mal." Sie musterte den erschöpften Haufen und grinste knapp: "Ihr seid vom Haken, könnt die Duschen in der Basis nutzen, so lange es dort noch warmes Wasser gibt. Ab morgen steht wieder Schiffsleben an, also genießt den Aufenthalt am Boden, so lange es geht. Dann holt euch was zu essen. In einer Stunde antreten zum Appell. Nun schwirrt schon ab..."

******

Das Zimmer war vergleichsweise geräumig, einer der Vorteile, wenn man eine Basis am Boden besaß. Zahlreiche Strahler - die freilich alle eher dazu konstruiert waren, indirektes Licht zu verströmen - erhellten den Raum. Er sah aus, als hätte jemand eine Handgranate in einen Stapel Farbeimer geworfen.
Fast jeder Quadratfuß der Wände war mit Bildern bedeckt, von einfachen Skizzen bis zu detaillierten farbigen Gemälden. Einige waren eher abstrakter Natur, stilisierte Abbildungen von Menschen, Tieren und Fabelwesen. Die meisten waren im realistischen Stil gehalten. Da gab es Landschaftsgemälde, sei es ein Wald, Gebirge, sehr oft aber weite Steppenlandschaften, und fast ebenso viele Bilder von Tieren wie von Menschen. Manche Kunstwerke waren von einer geradezu anmutigen Schönheit, andere hingegen zeigten Szenen von schonungsloser Brutalität. Moderne Technik fehlte auf nahezu allen Gemälden und Skizzen, oder sie beschränkte sich auf wenige Ausrüstungsteile. Wer auch immer sie angefertigt hatte, er oder sie bevorzugte zweifellos historische Themen.
Die Frau, die mit in die Seite gestützten Armen in dem Raum stand, hätte ein gutes Bild für eine siegreiche Eroberin abgegeben, die gerade eine Auswahl aus der Beute treffen wollte. Die Schirmmütze saß ein wenig verwegen-schief, die schwere Handfeuerwaffe an der Hüfte gab ihr eine gewisse Aura der Bedrohlichkeit. Das lange schwarze Haar war straff zurückgebunden und nahm zusammen mit dem prüfenden Blick dem Gesicht jede Weichheit oder Verletzlichkeit.

Tatsächlich waren all diese Bilder und Skizzen ihr eigenes Werk, einschließlich des letzten, das erst vor kurzem fixiert und versiegelt worden war. Es zeigte offenkundig ein antikes Militärlager. Im Hintergrund waren weißgekalkte, langgestreckte Barackenblöcke zu erkennen. Dazu kam ein Erdwall, der von einer niedrigen Palisade und einer Anzahl von offenen Türmen gekrönt war. Im Vordergrund war ein Trupp Soldaten gerade dabei, eine kärgliche Mahlzeit einzunehmen. Sie wirkten nicht sehr heroisch, wie sie sich über die kleinen Ein-Mann-Essgeschirre beugten, die an Topfpfannen erinnerten. Die Gesichter der Männer wirkten ausgezehrt und erschöpft. Die Panzerhemden schienen zum Teil beschädigt, die Helme und Schilde, die neben den Soldaten lagen, wiesen Abnutzungsspuren auf, und auch die Baracken zeigten Anzeichen von Vernachlässigung.
Wen auch immer die Malerin darstellen wollte, es war in jedem Fall ein ziemlich bunter Haufen. Die meisten Männer waren hochgewachsene Blond- und Rotschöpfe, aber an einer Barackewand kauerten auch drei Männer, deren dunkle Haut und Gesichtszüge eher zu Einwohnern eines Arkab-Planeten gepasst hätten. Sie hatten Bogenköcher und Pfeilbündel neben sich liegen. Andere Soldaten waren kleingewachsen und wiesen ein eher mediterranes Erscheinungsbild auf. Und schließlich war da noch, ein paar Schritt von den übrigen entfernt, Teil der Gruppe und doch nicht ganz zu ihr gehörend, ein drahtiger, mittelgroßer Mann mit scharfen Gesichtszügen, der düster vor sich hin brütete. Er trug einen teilweise beschädigten und einst wohl kostbaren Schuppenpanzer. Sonderbarerweise war er nicht nur mit Schwert und Dolch bewaffnet, sondern hatte auch einen knorrigen Knüppel neben sich liegen.

In just diesem Moment klopfte es dreimal an die Tür - deutliche, kräftige Schläge, mit einem genau abgemessenen Intervall. Sie wirkten nicht hastig oder ungeduldig, verlangten aber Aufmerksamkeit. Die Frau, für die meisten Menschen einfach ,die Kommandantin', aber auch die ,Gräfin' genannt, unterdrückte ein schiefes Grinsen - die Pünktlichkeit wie die Art des Klopfens verriet ihr, wer draußen wartete: "Es ist offen."
Für eine kleine Weile ignorierte sie den Eingetretenen, nahm die Atmosphäre des Raumes noch einen Moment länger in sich auf, ehe sie sich umdrehte. Sie war sich ziemlich sicher, dass ihre Zeit auf Naraka vorbei war. Nicht, dass sie hier sehr oft hatte verweilen können.
Falls ihr ,Gast' wegen der Wartezeit ungeduldig geworden sein sollte oder sich beleidigt fühlte, zeigte er es jedenfalls nicht. Er nahm im Gegenteil sofort Haltung an. Während bei der Einheit im Allgemeinen eher eine laxe Grußordnung herrschte, wäre es ihm nie eingefallen, ihr eine nur saloppe Ehrbezeugung zu erweisen. Das hagere Gesicht zeigte keine Spur von Missbilligung. Einem aufmerksamen Betrachter wäre vielleicht aufgefallen, dass es dem Mann in dem Schuppenpanzer auf dem Bild bemerkenswert glich.
In vielen Streitkräften wäre ein "unnützes Hobby" wie das Malen allermindestens hinter vorgehaltener Hand bekrittelt worden. Als unpassend, Zeitverschwendung, vielleicht sogar Ausdruck der Verweichlichung. Nicht wenige Mechkrieger, und das schloss viele Frauen mit ein, gebärdeten sich, als ob sie jeden Morgen mit Testosteron gurgelten. Für die .Gräfin' war es hingegen eine dringend benötigte Möglichkeit, abzuschalten und ihren Kopf zu klären. Zudem war es eines der wenigen Bindeglieder zu der Zeit ,vorher'. Eine letzte Erinnerung an friedlichere Zeiten, bevor Verantwortung sowie miterlebtes und von ihr verursachtes Blutvergießen jedes Maß gesprengt hatten. So etwas brauchte man, wenn man als...nun, manche würden sagen verdammte Seele... nicht ganz durchdrehen wollte.

Zudem galt die ,antikreative' Attitüde vieler Militärs ohnehin nicht für alle Streitkräfte. Manche ermutigten dergleichen Bestrebungen sogar, so lange es nicht auf Kosten der Dienstzeiten ging. Im Draconis-Kombinat gehörten künstlerische Aktivitäten - Kaligraphie, Malerei, Dichtkunst - geradezu zu standesgemäßen Beschäftigungen eines kultivierten Kriegers. Und sogar die Geisterbären erwarteten von jedem Mitglied - Krieger, aber auch Angehörigen anderer Kasten - dass sie spätestens ab einem gewissen Alter Tag für Tag an ihrem "Großen Werk" arbeiteten. Das mochte ein Versepos sein, eine Metallskulptur oder ein Bild - es wurde erwartet, dass man sein Leben lang daran arbeitete. Es hieß, das Werk sei in dem Augenblick vollendet, in dem auch das eigene Leben vollendet sei. Die Kunstwerke wurden bei dem Begräbnis des Schöpfers präsentiert und waren Teil seines Codex, und Clan Geisterbär bewahrte viele davon für immer auf. Besonders komplexe Werke waren oft das Werk von Geschko-Kameraden oder engen Freunden, ein Brauch, der gut zu den Geisterbären passte, aber im Widerspruch zu dem von vielen Clanern geforderten Konkurrenzdenken stand. Manche der am meisten geschätzten Werke wirkten bei aller letztendlichen Perfektion an der einen oder anderen Stelle unfertig, weil der oder die überlebenden Künstler es verstanden hatten, die unvollendete Arbeit ihrer gefallenen Brüder und Schwestern einzubeziehen, ohne sie ganz zu überdecken.

Die Stimme ihres XO, bekannt und mitunter gefürchtet unter dem Spitznamen Lupus, klang respektvoll, doch ein leichter Akzent verriet, dass er nicht seine Muttersprache verwendete: "Die Beladung ist abgeschlossen, die Bordwaffen sind voll aufmunitioniert und einsatzbereit. Die Munitionsvorräte sind im grünen Bereich, Lebensmittel ebenso. Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Wir hatten fünf Verletzte während der Beladearbeiten, aber keiner davon ist ernsthaft eingeschränkt. Die Räumung der Basis ist fast abgeschlossen..." Er unterließ es auch jetzt, auf die Bilder zu schauen, die zu den wenigen Dingen gehörten, welche noch abtransportiert werden mussten: "Ich habe Anordnung gegeben, dass die Truppe in einer halben Stunde zum Abschlussappell antritt."
Die Gräfin grinste: "Und da sollte ich mich vielleicht besser geistig und moralisch darauf vorbereiten? Damit ich den richtigen Ton treffe, bevor ich unsere Leute wieder ins Feuer führe?"
Ihr Untergebener erwiderte das Lächeln nur zögernd: "Das wäre zweifellos wünschenswert. Obwohl die meisten zweifellos jedes Wort von diesen Lippen kritiklos annehmen werden." Er klang, als meine er das ernst, und nicht mit verdeckter Ironie.

Sie kämpften nun schon eine gefühlte halbe Ewigkeit Seite an Seite, und dem Sprichwort nach zählten Kriegsjahre ohnehin mindestens doppelt. Inzwischen, vor allem nach den Ereignissen der letzten Monate, schätzte die Gräfin ihren Untergebenen sogar als Freund.
Aber es kam selten vor, dass er ein wenig von dem ehrerbietig-distanzierten Respekt gemischt mit unbedingtem Gehorsam abwich, den er im Laufe der Zeit kultiviert hatte. Manchmal war diese Art von Standesdenken - oder Heldenverehrung oder was es auch immer war - schon fast nervtötend.
Sie lachte offen: "Da sollte ich doch mal die Probe aufs Exempel machen...schon gut. Ich bin gleich soweit."
Sie hatte inzwischen Übung darin, die scheinbar undurchdringliche Miene zu lesen: "Immer noch unzufrieden mit dem Plan? Ich dachte, wir hätten das gründlich durchgesprochen."

Ihr Untergebener seufzte kaum hörbar: "Der Plan ist gut, aber er ist komplex. Für meinen Geschmack ist er abhängig von zu vielen Faktoren, die ich nicht einmal alle kenne, und die sich unmöglich sicher beurteilen lassen. Ich habe kein gutes Gefühl dabei. So als würde im nächsten Moment irgendetwas passieren, und die ganze Situation entgleitet endgültig unserer Kontrolle. Ich weiß, das nennt man gemeinhin Krieg, und wir haben das bisher immer noch zu unserem Vorteil wenden können, aber dennoch...
Ich verstehe natürlich den Sinn, dass wir unsere Feinde bis zuletzt über unsere Ziele und Stärke im Unklaren lassen müssen. Zumindest teilweise. Aber wir riskieren, dass unsere Truppen stückweise aufgerieben werden. Gewiss, wir müssen die Infiltrationsgruppe ans Ziel bekommen, BEVOR die Höllenhunde vor Ort sind. Schließlich wollen wir ja unsere Überraschungsparty ausreichend vorbereiten, ohne dass die Ehrengäste Lunte riechen. Wenn wir mit ihnen die Klingen kreuzen, dann zu unseren Bedingungen. Damit alles nach Wunsch läuft, müssen wir entweder ihre Kampfflieger...ausdünnen...oder sie dürfen uns erst so spät bemerken, dass ihre Jäger nicht auf dumme Gedanken kommen. Also können wir das Infiltrationsteam und das Kampfkommando nicht einfach zeitgleich, aber auf getrennten Routen reinschmuggeln...
Das alles verstehe ich. Aber warum schlagen wir nicht massiert gegen dieses Gesindel los, wenn sie im Sulafat-System eintreffen? Schon draußen, am Sprungpunkt! Wir wissen doch, wann und wo sie kommen. Ein einziges Overlord mit vier Jägern, die dazu noch in den Hangars stecken? Das schaffen wir, erst Recht mit dem Überraschungsvorteil. Draufhalten mit allem was wir haben...dann kommen nicht einmal Trümmer am Boden an."
Die Kommandeurin schnaubte: "Das klingt ungemein verlockend. Aber es gibt Gründe, warum eine Vernichtung des Schiffes im offenen Raum KEINE Option ist. Es ist keine Frage des Vertrauens, dass ich nicht alles erzähle...aber ich habe meine Befehle. Und ja, ich HATTE genau das nachgefragt." Sie brauchte es nicht auszusprechen - was waren sie noch, ohne Befehle? Was blieb ihnen sonst?

"Man sollte ja meinen, es würde keine Rolle spielen, angesichts dessen, was wir bisher getan haben...aber so ist es nicht. Den Erben eines kuritanischen Lords in einem Landungsschiff erledigen...davon müssen wir die Finger lassen. Ich verstehe auch dein..." sie wählte bewusst die vertrauliche Anrede: "Misstrauen. Aber ich hoffe, wenn du schon denen nicht vertraust, die sich den Plan ausgedacht haben...vertraust du MEINEM Urteil?"
Sie wusste, die besten Fragen waren die, deren Antwort man schon von vorneherein kannte.
Der Offizier nahm wieder Haltung an: "Ohne jeden Zweifel!" Er lächelte aufrichtig, eine Regung, die er nur selten zeigte, und die sein Gesicht einiges weicher erscheinen ließ: "Und ich fühle mich wesentlich besser bei dem Gedanken, dass Eure Leute und Ihr uns den Rücken decken. Mit dieser Unterstützung sorgen wir dafür, dass die Höllenhunde auf Sulafat ihr Grab finden..."

******

Hadriana Framma alias Spike stimmte in den lauten Jubel ein. Und das lag nicht nur daran, dass sie es sich nicht leisten konnte, als unsichere Kantonistin zu gelten und deshalb besondere Einsatzbereitschaft heuchelte. Die Gräfin hatte wieder einmal den richtigen Ton getroffen - die Männer und Frauen daran erinnert, wofür sie kämpften. Dass es immer noch Hoffnung für sie gab, sich durch vergossenes Blut - vorzugsweise das des Gegners - zu rehabilitieren. Bedenken dabei, WEN sie töteten hatten ohnehin die wenigsten, und auch sie selber bekam davon keine schlaflosen Nächte.
Es war in jedem Fall ein beeindruckender Anblick - die gesamte Einheit angetreten, all die Kampffahrzeuge, Männer und Frauen in Uniform, diese geballte Vernichtungskraft...

Ihre Begeisterung speiste sich zum Gutteil daraus, dass sie immer noch Teil der ,Theaterlanze' war, obwohl der Name inzwischen strenggenommen nicht mehr ganz zutraf. Ihre Position war nicht revidiert worden. Das mochte AUCH daran liegen, dass die Einheit im Moment jeden einsatzbereiten Piloten und jede Soldatin brauchte, aber sie wusste, hätte Lupus, sein XO oder auch nur Spikes unmittelbare Vorgesetzte, ,Sica', irgendwelche ernsthaften Zweifel an ihrer Einsatzbereitschaft gehabt, hätte man sie wieder auf die Reservebank geschickt. Das war nicht geschehen, und sie fieberte geradezu dem Kampfeinsatz entgegen. Nicht aus Blutdurst, sondern um sich zu beweisen.
Dazu kam noch ein nicht ZU kleines Sahnehäubchen. Lupus würde ihr kaum auf die Nerven gehen können, da er sich um das Infiltrationsteam zu kümmern hatte. Sicher würde er auf der Reise nach Sulafat seine Untergebenen weiter im Auge behalten, aber er hatte ja noch genug andere Verpflichtungen. Und deshalb würde sein XO die Oberaufsicht über Spikes Einheit haben. Und die Scoutpilotin hatte gelernt, dass ,Chance' ein wesentlich pflegeleichterer Vorgesetzter war. Es mochte sie vielleicht ein wenig - oder auch mal mehr als nur ein wenig - fuchsen, dass der Offizier gut 15 Jahre jünger war als sie und doch im Rang so weit über ihr stand. Aber er war unbestreitbar ein erstklassiger Soldat und übertraf in mancher Hinsicht sogar Lupus um ein Beträchtliches. Im Zweifelsfall stand sie also lieber vor ihm stramm als vor diesem eisherzigen Killer mit seinen kalten Augen.

Natürlich würde ihre Unterbringung weitaus weniger komfortabel sein als bisher - die Union-Landungsschiffe waren seit Jahrhunderten für ihre ,suboptimalen' Quartiere bekannt. Aber auch das war ein geringer Preis. Wie auch der Umstand, dass sie sich kaum noch mit Kotzi würde treffen können. Sie war ohnehin zunehmend auf Distanz gegangen. Beziehungen wurden in der Einheit akzeptiert, auch zwischen Paaren, die rangmäßig noch deutlich weiter auseinander waren - so lange der Dienst nicht beeinträchtigt wurde. Aber wenn sie etwas im Moment nicht gebrauchen konnte, dann irgendwelche Irritationen und Ablenkungen. Und dass sie diese Trauergestalt Dadif nicht länger ertragen musste, mit der sich Ermhard aus ihr unverständlichen Gründen oft abgab, war ein zusätzlicher Bonus.
Sie hatte weiß Gott keine warmherzigen Gefühle für Naraka entwickelt. Aber wenn der Aufenthalt auf diesem Klumpen Dreck ihr den Weg zurück in die Reihen der vollwertigen Mechkrieger geebnet hatte, würde sie ihn sicher nicht so schnell vergessen.

Dann ertönte das Signal zum Aufsitzen. Gewandt wie ein Affe kletterte die Mechpilotin ihren Kampfgiganten empor. Es störte sie nicht im Geringsten, dass ihre Maschine die leichteste in der Lanze war - der eine oder andere Kampfgigant wog ein Mehrfaches. Es war IHR Mech, und sie würde ihm Ehre machen!
Sorgfältig einen Fuß vor den anderen setzend, steuerte sie ihren Kampfgiganten in den Hangar des Landers, erfreute sich an dem Gefühl, zwanzig Tonnen Stahl und Vernichtung mit der Kraft ihrer Gedanken und sparsamen Bewegungen zu dirigieren als wären sie Teil ihres Körpers selbst. Um sie herum waren ihre Lanzenkameraden:
Sica - sie hatte im Laufe ihrer Karriere bereits fast einen Trinärstern Mechs und Jäger vernichtet. Dann war da Mukua mit den Fingerprothesen, kaum weniger erfahren und gefährlich, Black Flagg - alias ,das Arschloch', wie Spike ihn insgeheim nannte, wie sie erst kürzlich von der Reservebank nachgerückt, und wohl auch deshalb ihr größter Rivale. Starschina, ein in Ehren ergrauter, kampferprobter Veteran, und schließlich Namid, bereits ein Ass, obwohl sie noch jung war. Der Tarnanstrich der Mechs und die gekonnten Kostümierungen der Truppe gingen zum Gutteil auf ihr Konto. Es hieß, sie und die Gräfin wären gute Freundinnen.
Und dann kam der Rest der Einheit, darunter auch Ermhards MTW...
Sie wusste inzwischen einiges über ihre Gegner, denn die Dossiers waren sehr detailliert gewesen. Aber egal wie kompetent und gut ausgerüstet diese Höllenhunde auch waren, egal wie scheinbar unüberwindlich ihre Phalanx aus überschweren Panzern wirkte - hätten sie gesehen, was auf sie zukam, wie viel Einfaltsreichtum und skrupellose Finesse in die Plänen zu ihrem Untergang investiert wurden - sie hätten gut daran getan, wie die Schlosshunde zu heulen...

Ende
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