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Zum Ende der Seite springen A Cavaliers Legend
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A Cavaliers Legend Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

A Cavaliers Legend
Von Ace

Schweißgebadet fuhr Oberleutnant Zorn Kenderson von seinem Feldbett hoch. Er atmete schwer und sah sich gehetzt um! Doch da war nichts. Kein fünfundsiebzig Tonnen schwerer Mech vom Typ Marodeur, der versuchte, ihn zu zertrampeln, keine Lanze Burke-Panzer, die versuchten, seinen Tomahawk mit ihren Drillings-Partikelprojektorkanonen zu braten und auch das Gesicht von Major Cranston, das zum Totenschädel skelettierte, bevor der Knochen verbrannte, fehlte völlig.
Zorn beugte sich vor und stützte den Kopf auf seinen Handflächen ab. Es war nur ein Traum, machte er sich klar und versuchte, den rasselnden Atem unter Kontrolle zu bringen. Der Marodeur war nicht zurückgekommen, um nun auch noch ihn zu holen. Er hatte den Bastard ein für allemal zur Hölle geschickt. Aber leider war der Kerl da in bester Gesellschaft, denn bis auf ihn und MechKrieger Ventis waren ihm die anderen zehn MechPiloten der Söldnereinheit Cranstons Cavaliers in die Hölle gefolgt.
Aus der Panik, die Zorn aus dem Schlaf geweckt hatte, wurde Wut, aus der Wut schnell Hass. Nein, schlafen würde er heute nicht mehr, das wusste der junge Lyraner. Ein Blick zum Wecker. Achtundzwanzig Uhr vierzehn Minuten Ortszeit, fast Mitternacht. Bald würde der 9. Mai 3043 beginnen, eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen der interstellare terranische Kalender und der Kalender von St. Jones übereinstimmten. Zu dieser Zeit würden die Überlebenden des gemischten Bataillons fast alle schlafen - die Glücklichen.
Sofort schämte sich der Offizier bei diesem Gedanken, denn er wusste, dass sich viele in den Schlaf geweint hatten. Sie hatten in den letzten Tagen Freunde und - noch schlimmer - Familienmitglieder verloren. Major Cranston, der Kommandeur war in seinem Feuerfalken gefallen, als sein Mech auf eine Mine getreten war. Ein gegnerischer Infanterist hatte ihm mit einer Inferno-KSR den Rest gegeben. Stu Werner, der InfanterieCommander war ebenfalls tot. Einer der FeindMechs war auf ihn gesprungen, so als hätte der Bastard genau gewusst, wer der einzelne Infanterist mit Sprungtornister war.
Damit war Zorn Kommandeur von dem geworden, was ihre Angreifer von den Cavaliers übrig gelassen hatten. Okay, sie hatten gewonnen, irgendwie, aber Zorn war sich sicher, dass die Einheit sich auflösen würde. Würde müssen. Und das machte ihm Angst, denn dies war seit vier Jahren seine Heimat, hatte ihn auf fünf verschiedene Planeten begleitet und sechshundert Lichtjahre weit durch die Innere Sphäre getragen. Und jetzt sollte das alles vorbei sein... Für diesen Fall hatte die Einheit bei ComStar, dem mystischen Orden der sämtliche Hyperpulsgeneratoren der Inneren Sphäre kontrollierte, ein Konto eingerichtet, das aufgelöst wurde, wenn dieser unmögliche Fall eintrat. Die Versehrten und die Hinterbliebenen sollten daraus eine stattliche Rente beziehen. Schlecht würde es ihnen nicht gehen, aber ihre Heimat, Cranstons Cavaliers, würde verloren sein...
Nein, Schlaf konnte der Oberleutnant nicht mehr finden. Zorn schwang sich aus dem Bett, griff nach der nachtschwarzen Uniformhose. Es war gerade Sommer in dieser Region von St. Jones, also verzichtete er auf die Gefechtsweste und zog nur das alte Hemd vom Vorabend wieder an. Dazu setzte er die schwarze Schirmmütze mit dem goldenen Einheitslogo auf.

Leise verließ er sein Quartier. Im Moment war er zwar der einzige Offizier, der einen der neun Räume des Offizierstrakt bewohnte, aber über ihm schliefen die Zivilisten des Bataillons, und die hatten jede Sekunde Schlaf bitter nötig.
Er verließ das alte Kasernengebäude und spazierte über den Exerzierplatz zu den nahen MechHangars herüber. Sie teilten sich die Kaserne mit einer Einheit der Planetaren Miliz, einer Panzertruppe. Ihr Kommandeur, Captain Jorgenssen hatte ihnen diese Fluchtmöglichkeit geboten, nachdem ihr Auftraggeber, Haus Medice, eines der kleineren Handelshäuser der Mark Capella, Teilstaat des Vereinigten Commonwealth sie nach der Zerschlagung hatte fallen lassen wie eine saure Naranji. Der Captain war ein anständiger Kerl, Zorn wusste das zu schätzen. Eine Einheit, Söldner noch dazu, deren Kampftruppen aufgerieben worden waren, hatte nicht viele Freunde.

Im ersten MechHangar wurde noch gearbeitet. Licht drang aus dem halb geöffneten Haupttor, und immer wieder hallte das Geräusch von Metall auf Metall zu Zorn herüber. Das war natürlich auch eine Möglichkeit, mit dem Schmerz fertig zu werden. Einfach in die Arbeit stürzen, dachte Zorn amüsiert.
Als er den Hangar betrat, der beachtliche zwanzig Meter hoch war, um auch die riesigen hundert Tonnen schweren Monster der SturmMech-Klasse warten zu können, erschauerte er kurz, denn es war immer wieder ein erhebender und erschreckender Anblick zugleich, diese bis zu zwölf Meter hohen Stahlgiganten zu sehen, wie sie in den Wartungsbühnen hingen, als wären sie nur schlafende Riesen, die darauf warteten, wiedererweckt zu werden. Ja, Riesen waren sie, aber ihr Herz war ein Pilot, ein Mensch, der sie steuerte und ihnen seinen Gleichgewichtssinn lieh.
Zorn wusste genau, er hatte hier höchstens einen Augenblick gestanden, aber schon kam MeisterTech Jeannie Crawford zu ihm herüber. Die alte Frau mit den grauen Strähnen im pechschwarzen Haar salutierte vor ihm und rasselte eine knappe Meldung herunter. Liebend gerne hätte Zorn sie mit einem Schulterzucken abgetan, aber das hätte die Moral der Truppe nur noch weiter verschlechtert. Also salutierte er zurück und ließ rühren.
„Ich hätte Sie zu dieser Uhrzeit nicht im Hangar erwartet“, eröffnete Jeannie den inoffiziellen Part.
Zorn grinste matt. „Ich konnte nicht schlafen, und da dachte ich mir: Hey, Zorn, warum siehst du nicht mal nach, wie es deiner Mühle geht? Tja, da bin ich.“
Die MeisterTech grinste wissend. Oh, diese MechKrieger hingen ja alle so an ihren stählernen Riesenbabies. „Wir müssen zwar noch etwas Arbeit investieren, Sir, aber in drei Tagen haben wir Ihren Tomahawk wieder einsatzbereit.“
Zorn nickte wissend. Das entsprach dem täglichen Bericht, den er über den Fortgang der Arbeiten an den Mechs der Cavaliers und der Beutemaschinen bekam. Nebeneinander gingen sie durch den Hangar. Zorn war überrascht, wie viele Menschen um diese Uhrzeit noch an den Mechs arbeiteten. Er erkannte sogar ein paar Gesichter von der Miliz wieder, die sie aufgenommen hatte. „Können auch nicht schlafen, eh?“, meinte er grinsend.
MeisterTech Crawford schüttelte den Kopf. „Nein, Sir. Die Milizionäre haben an den vier Burke-Panzern gearbeitet, die wir ihnen geschenkt haben. Sind heute fertig geworden und wollten noch ein paar Erfahrungen mit Mechs machen, also helfen sie uns.“
„Klingt einleuchtend“, gestand Zorn. Techs mit Kenntnissen über BattleMechs waren in der gesamten Inneren Sphäre fast noch heißer begehrt als die Idioten, die sie steuerten.
„Die Ballista war nicht zu retten. Wir haben sie ausgeschlachtet und alles, was wir verwerten konnten, dazu benutzt, den Feuerfalken vom Major und Ihren Tomahawk auf Vordermann zu bringen. Der Kampfschütze von Leutnant Jenkins ist auch wieder repariert. Die Wespe von Philips war weiter kein Problem, da er durch einen direkten Cockpittreffer getötet wurde. Wir konnten das Cockpit von Ventis´ Wespe wieder verwenden, da war ja nur der Kopf einigermaßen heil geblieben. Aber wir haben ein paar Überraschungen für Sie, Sir. Eigentlich wollte ich es Ihnen erst Morgen sagen, aber wenn Sie schon mal hier sind...“ Crawford winkte ihn tiefer in den Hangar. In einem Gerüst, etwas abseits stand der Marodeur, den er abgeschossen hatte. Aber er wirkte anders, irgendwie neu.
„Wir haben das Mistding wieder einigermaßen hinbekommen, Sir. Im rechtem Arm konnten wir das Ursprungsprinzip von einem Mittelschweren Laser, der mit einer PPK kombiniert ist, leider nicht aufrecht erhalten und haben stattdessen für die zerstörte PPK eine Leichte achtziger Autokanone eingebaut. Hat leider nur zwanzig Salven, aber stellen Sie sich mal die Überraschung vor, wenn da einer auf `n Marodeur trifft, der zwei Autokanonen hat. Wir haben die A-Kanone natürlich auf panzerbrechende Muni eingestellt, als Nahkampffaktor sozusagen.“
Zorn war fasziniert. Beim Hinterhalt, in den dieser Medice-Bastard sie geführt hatte, war dieses Monster über sie hergefallen wie der grimmige Schnitter persönlich. Zusammen mit seinen drei schweren Kollegen, dem Kampftitan und den beiden Kreuzrittern hatte er blutige Ernte unter ihnen gehalten, bis Zorn ihn mit der Titanstahlaxt die dem Tomahawk den Namen gab, das Cockpit ausradiert hatte. Aber jetzt schien es, als... Als warte dieses Monster auf einen neuen Herrn.
„Wir haben uns gedacht, Sir, dass Sie dieses kleine Schmuckstück steuern wollen.“
Zorn trat näher an den riesigen Mech heran. Der krabbenartige Koloss lauerte in Hockstellung in seinem Gerüst. Es sah so aus, als wäre er jederzeit bereit zum Sprung.
Crawford deutete unter das Cockpit. Dort war das Einheitszeichen von Cranstons Cavaliers angebracht. Direkt daneben standen sein Name und Rang.
Zorn schüttelte den Kopf. „Verdammt, Jeannie, Sie wissen doch, dass die Einheit am Ende ist! Wir haben nur noch zwei MechKrieger und zwei Züge von der Infanterie. Wir werden uns auflösen müssen und die meisten Mechs verkaufen. Es wäre nicht richtig von mir, wenn ich jetzt aufstehe und sage, dass ich den wertvollsten Mech für mich beanspruche.“ Nervös scharrte der Oberleutnant mit den Füßen. Irgendwie misstraute er seinen eigenen Worten. Es war... ja, er wollte in diesen verdammten Mech reinkriechen und sich das Ding mal von innen ansehen. Das konnte doch nichts schaden. „Äh, aber vielleicht sehe ich ihn mir mal an.“
Zorn ergriff die Strickleiter, die vom Cockpit herabhing und hangelte sich die Maschine hinauf. Crawfords Grinsen konnte er bis in sechs Meter Höhe spüren, ohne es zu sehen.
Zorn kletterte ins Cockpit und setzte sich auf die Pilotenliege. Er umklammerte die beiden Sticks der MechSteuerung und bewegte sie wahllos hin und her. Fühlte sich gut an, irgendwie. Mehr Platz hatte er hier auch als in seinem Tomahawk. Bestimmt konnte er zwei Leute auf Notsitzen mitnehmen, wenn es sein musste.
Aber nein, er durfte nicht einmal daran denken. Dieses Baby war ein sehr wertvolles Beutestück und würde einen verdammt guten Preis einbringen. Das bedeutete eine höhere Abfindung für die Hinterbliebenen. Zorn nahm den schweren Neurohelm aus der Halterung über seinem Kopf und legte ihn an. Es war ein allzu vertrautes Gefühl, das Gewicht noch durch die weichen Polsterungen auf der Schulter zu spüren. Neben ihm hing eine einsatzbereite Kühlweste. Diese kleinen Dinger legten MechPiloten an, um zu verhindern, dass die Abwärme der eigenen und die Treffer der gegnerischen Waffen den MechPiloten brieten. Schon oft war ein Mechkampf entschieden worden, weil der Pilot ausgefallen war.
Hey, auf der Weste stand ja sein Name! Es schien, als wäre alles für ihn bereitet, als wolle der Mech jederzeit mit ihm losziehen. Oh, hätte er nur etwas früher schon in diesem Monster gesessen, dann wäre all das nicht passiert.
Wütend hieb Zorn auf die Konsole vor sich. Das waren die ersten Anzeichen für eine gewaltige Schuldneurose. Nicht mehr lange, und er würde jeden Morgen mit dem Gedanken erwachen, dass er Schuld am Tod seiner Kameraden war. Dass er nur hätte mehr tun müssen, um sie alle zu retten. Kein erstrebenswertes Ziel.
Der junge MechKrieger hielt sich die schmerzende Faust. Er konnte seine Kameraden, seine Freunde nicht mehr zurückholen. Er konnte nur gut für ihre Angehörigen sorgen und ihren Tod rächen.
Es war ein automatischer Reflex, mit dem er den Neurohelm von der Schulter hob und in die Halterung einrastete. Zorn kletterte wieder aus dem Cockpit heraus und tätschelte die Stelle der Panzerung, an der sein Name stand.

„Und, Sir?“, fragte Jeannie erwartungsvoll.
Zorn wusste, was sie meinte. Wie sollte es nun weitergehen?
Erst wollte er mit den Schultern zucken, etwas Unverbindliches sagen, aber unter seiner Linken fühlte er die kalte Panzerung des mächtigen Marodeurs. Er musste lächeln. „Morgen ist auch noch ein Tag, MeisterTech.“
Die ältere Frau erwiderte das Lächeln zögerlich. „Ja, Sir. Morgen ist auch noch ein Tag.“
***
Zorn verließ den MechHangar und spürte die klare, kühle Nachtluft auf seinem Gesicht. Welche Optionen hatten sie? Zurück nach Outreach und die Einheit nachrüsten? Oder hier in der Peripherie neue Leute anwerben? Immerhin hatten sie nun ein paar freie Mechs, und gute Piloten waren zwar selten, aber nicht unmöglich zu finden. Vielleicht konnten sie auch ein paar Leute für die eroberten Burkes bekommen. Die Hauptwaffe des Panzers, eine Dreifache PPK, war gerade gegen Mechs sehr erfolgreich, wie er am eigenen Leib hatte erfahren müssen.
Irritiert stellte Zorn Kenderson fest, dass er mit keinem Gedanken mehr daran dachte, die Einheit aufzulösen. Und dass er mittlerweile vor der Tür stand, die direkt in sein provisorisches Büro führte.
Na, wenn er schon mal hier war, konnte er sich auch gleich an die Arbeit machen, dachte er. Aber als er in sein Büro trat und nach dem Lichtschalter griff, ermahnte ihn eine matte Stimme: „Lassen Sie das verdammte Licht aus, Herr Oberleutnant.“
Zorn erstarrte mitten in der Bewegung. Er kannte diese Stimme mehr als genau. Sie gehörte dem Bastard, der sie alle mitten in die Falle geführt hatte.
„Tun Sie das nicht, Kenderson. Ich habe ein Nachtsichtgerät. Bevor sie sich auch nur bewegen, habe ich Sie bereits erschossen.“ Um die Worte zu unterstreichen hörte er neben sich an der Wand ein leises Prasseln. Etwas Scharfes streifte seinen Oberarm und riss eine Wunde hinein. Flechetten aus Hartplastik. Eine lautlose und extrem tödliche Waffe. Zorn hatte schon ein paar Flechettenwunden gesehen, und eine war schlimmer als die andere gewesen.
Für einen Moment kämpfte er mit seinem Zorn - wie süß, ein Wortspiel - und rang ihn nieder. Wenn Clark Duvalle ihn hätte töten wollen, dann würde er jetzt nur noch aus einem großen Haufen zerschnetzelter Muskeln bestehen. Also wollte der ehemalige Verbindungsoffizier von Haus Medice etwas von ihm.
„Setzen Sie sich doch. Der Sessel ist direkt vor Ihnen, Zorn. Ich darf Sie doch Zorn nennen?“
Der Oberleutnant setzte sich und behielt seine Hände dort, wo Duvalle sie sehen konnte. „Ich bin im Moment nicht in der Lage, Ihnen irgendwas zu verbieten, Duvalle. Oder muss ich Sie Clark nennen?“
Ein unterdrücktes Husten war die Antwort. „Bringen Sie mich nicht zum lachen, Zorn!“
War der Kerl verletzt? Sicher, er verdiente jeden Schmerz, den diese Welt ihm bereiten konnte, und den Schmerz von tausend Welten noch dazu, aber was trieb ihn mitten ins Lager derjenigen, die wegen seines Verrats vernichtet worden waren?
„Sie würden mich gerne tot sehen, nicht? Und am liebsten würden Sie mich gerne persönlich töten, ist es nicht so? Ich kann es Ihnen nicht einmal verdenken, Zorn. Immerhin habe ich Sie in die Falle geführt. Aber wenn es Sie beruhigt, es war nur ein Job, nichts persönliches.“
„Nur ein Job!“ presste Zorn zwischen den Zähnen hervor.
„Ja, nur ein Job. Und ich habe ihn auch noch falsch ausgeführt.“
Zorn hörte die plötzliche Hoffnungslosigkeit in der Stimme des Mannes, den er seit zwei Wochen hasste, wie nichts sonst in der Inneren Sphäre. Selbst der Hass vom legendären General Alekzandr Kerensky auf den Usurpator Stefan Amaris konnte nicht so heiß gebrannt haben wie sein eigener Hass. Nun, nicht, dass der Hass plötzlich versiegt war oder nachließ, aber Zorn stellte ihn zurück. Irgendwie wusste er, dass die Unterhaltung mit Duvalle interessant werden würde - falls er sie überlebte.

„Sie wollen wissen, wie ich das meine, nicht? Okay, ich werde es Ihnen erklären. Was Sie wissen ist, dass ich Verbindungsoffizier vom Handelshaus Medice bin. Ich wurde Ihrer Einheit zugeteilt und habe Sie in einen Hinterhalt im Beregost-Wald geführt. Dabei wurde sie beinahe ausradiert.“
Zorn knurrte leise. Daran brauchte er nicht erinnert zu werden.
„Was Sie nicht wissen, ist, dass ich keine Ahnung vom Hinterhalt hatte. In den Anweisungen, die mir Vicomte Medice zukommen ließ, hatte es geheißen, dass ich Ihre Einheit vom Handelsposten fortführen sollte. Anschließend wollte der Vicomte mit einer anderen Söldnereinheit die Handelsstation plündern. Es sollte nur ein Versicherungsbetrug werden. Ab und an machen die Medice so was eben.“ Duvalle hustete. Es klang erbärmlich. „Leider war das nicht mein einziger Irrtum. Nach der Schlacht konnte ich meinen Kreuzritter mit Hilfe der überlebenden Infanterietruppen durch den Wald in Sicherheit bringen und ins Lager der Piraten schaffen. Dort empfing mich niemand anderes als Vicomte Janard Medice. Er hatte den Einsatz geleitet. Aber Ziel war es eigentlich gewesen, alle Cavaliers abzuschlachten, so dass sie keine Bedrohung für die Operation auf St. Jones mehr sind.“
„Das ist ihnen vortrefflich gelungen. Es gibt keine Cavaliers mehr“, murmelte Zorn leise.
Wieder lachte sein Gegenüber. Ein Hustenanfall folgte. Duvalle fluchte unterdrückt. „Sie verstehen nicht! Die ganze Einheit sollte ausgelöscht werden! Alle, Männer, Frauen und die Kinder. Egal, ob Krieger oder Zivilist. Es sollte wirklich niemand mehr übrig bleiben, der Janards Pläne bedrohen könnte. Und Cranstons Cavaliers sind eine solche Bedrohung.“
„Warum sollte die Einheit ausgelöscht werden? Was ist den Medice so viele Tote wert? Wieso haben sie uns nicht einfach befohlen, den Planeten zu verlassen? Wir stehen bei ihnen im Sold.“
Duvalle grunzte unwillig. „Wenn es nach dem Rat des Handelshauses geht, dann würden Cranstons Cavaliers immer noch den Handelsstützpunkt bewachen. Janard Medice handelt nicht im Interesse seines Hauses. Er kocht sein eigenes Süppchen. Dabei wären ihm ein paar zusätzliche Mechs sehr hilfreich gewesen.“
Zorn stutzte. „Sie meinen unsere Mechs.“
„Stimmt. Hätten seine Piraten im Wald gesiegt, dann wären alle Mechs an ihn gefallen. Vier oder fünf hätte man sicherlich noch zusammenflicken können.“
„Aber wieso? Entschuldigen Sie, aber ich sehe keine Logik in diesem Vorgehen.“
„Wissen Sie, was ein Brian-Kastell ist?“, fragte Duvalle unvermittelt.
Zorn war überrascht und antwortete automatisch. „Es ist eine Art Depot aus der Zeit des Sternenbundes. Die meisten waren mit Vorräten der Sternenbund-Verteidigungsstreitkräfte gefüllt. Sie wurden fast alle von Alekzandr Kerensky für den Exodus seiner Armee aus der Inneren Sphäre oder von den Hausfürsten im Ersten Nachfolgekrieg geplündert oder zerstört. Aber angeblich findet man noch vereinzelte Kastelle irgendwo in der Inneren Sphäre. Die Gray Death Legion hat so ein Depot `26 auf der Marik-Welt Helm gefunden.“
Zorn konnte fast körperlich spüren, dass sein Gegenüber nun breit grinste. „Können Sie sich vorstellen, dass es auf St. Jones ein solches Nachschubdepot gibt? Angefüllt mit Materialien, um zwei Bataillone BattleMechs zu warten? Wissen Sie, was das für ein Vermögen ist?“
Zorn Kenderson stockte der Atem. Er hatte diese Worte erwartet, trotzdem ließen sie ihn erschauern. „Jede Menge harter C-Noten.“
„Nicht nur das. Es bedeutet Macht, unglaubliche Macht. Der Vicomte verfügt über Hinweise, dass sich in diesem Depot auch eine Kompanie BattleMechs befinden soll! Mechs aus den Zeiten des Sternenbunds. Brandneu vom Fließband und nicht einmal gebraucht. Nicht so lädiert und tausendmal geflickt wie die Maschinen, die ansonsten in der Inneren Sphäre verwendet werden, Zorn! Diese Mechs wiegen locker ein ganzes Bataillon herkömmlicher Mechs auf. Und mit den Versorgungsgütern werden sie das eine lange Zeit.“
„Was hat der Vicomte mit den Mechs vor, Duvalle?“
Wieder lachte der andere, hässlich diesmal und kein Hustenanfall unterbrach ihn. „Was wohl? Er will eine Armee aufstellen. Dieses Depot ist nicht das einzige in seinen Unterlagen. Ich selbst habe Pläne von vier weiteren Depots auf anderen Planeten gesehen. Stellen Sie sich vor, was in diesen Depots auf den Finder wartet. Man könnte ein Bataillon mit diesen Mechs aufstellen, vielleicht sogar ein Regiment. Können Sie sich vorstellen, wie kampfstark dieses Regiment wäre? Keine Hauseinheit hätte eine Chance gegen diese Streitmacht. Die meisten Söldner oder Piraten sowieso nicht.“
„Was hat er vor?“, meinte Zorn spöttisch. „Will er New Avalon erobern und neuer Archon-Prinz des Vereinigten Commonwealth werden?“
„So weit reichen seine Pläne wohl nicht, hoffe ich. Ich glaube, für den Anfang stehen nur die Außenweltallianz und ein paar Banditenkönigreiche auf seinem Programm. Danach vielleicht das Tauruskonkordat und anschließend die Konföderation Capella, etwas in der Art.“
Wieder fuhr ein eiskalter Schauer über Zorns Rücken. Kein Wunder, dass der Vicomte dabei nicht hatte gestört werden wollen. Wenn jedes Brian-Kastell so ergiebig war wie dieses auf St. Jones, hatte der Vicomte die Macht, einen oder zwei seiner Pläne durchzusetzen. Vor ein paar Jahrzehnten war ja mal ein Hauptmann der Steiner-Haustruppen mit seiner Kompanie in den kernwärtigen Bereich der Peripherie geflohen und hatte dort sein eigenes Königreich aufgezogen. Was konnte man erst mit den Machtmitteln aus den Depots erreichen?
„Sie haben seine Pläne ganz schön durcheinander gewirbelt, Zorn. Eigentlich hätten alle MechKrieger in der Falle sterben sollen. Und es war bestimmt nicht geplant, dass alle sieben Angreifer-Mechs vernichtet werden, von den zwölf Panzern mal ganz abgesehen. Jetzt hat er nur noch meinen Kreuzritter und seinen eigenen Mech, einen Victor. Aber er hat noch vier entrechtete Piloten, die nichts lieber täten, als in den nächst besten Mech zu steigen, um zu beenden, was sie angefangen haben.“
„Sobald er das Depot gefunden hat, ist meine Einheit also in tödlicher Gefahr.“
„Ihre Einheit und jeder Mensch auf dieser Welt, der erzählen kann, was der Vicomte hier gefunden hat. Wenn er hier fertig ist, wird das Kentares-Massaker oder die Zerstörung der Stadt Tiantan im Sirius-System aussehen wie ein zweitklassiger Mord.“
„Verstehe. Und deshalb sind Sie desertiert, Duvalle?“
„Nein, nicht nur deswegen. Er hat herausgefunden, wer ich wirklich bin. Ich konnte mich gerade noch mit einem Savannah Master absetzen.“
`Und dabei wurdest du verletzt, Bastard,´ dachte Zorn. „Und wer sind Sie? SEKURA, ISA, ROM, MI6, LOKI, MASKIROVKA?“, zählte er die wichtigsten Geheimdienste der Inneren Sphäre auf.
„Nein, weder noch. Ich bin Agent der Versicherung, die alle Besitztümer Haus Medices im Vereinigten Commonwealth versichert hat. Die Medices, genauer gesagt, Vicomte Medice hat in den letzten Jahren eine Menge Schadensfälle geltend gemacht. Ich wurde eingeschleust, um herauszufinden, ob er die Versicherung betrügt.
Und ob er das tut. Er braucht schließlich Geld und Material für sein Abenteuer.“
„Wir sollten den nächsten Stützpunkt der Vereinigten Commonwealth-Streitkräfte kontaktieren und ihnen sagen, was hier abgeht.“
„Das sollten wir. Aber bis die hier sind hat er sein Ziel sicher schon erreicht, und hier gibt es nur noch Tote.“
„Verstehe. Was schlagen Sie vor? Sollen wir ihm zuvor kommen und das Depot selbst ausräumen?“
„Ich sehe, wir verstehen uns.“ Auf der Oberfläche des Schreibtischs wurde etwas verschoben. Zorn beugte sich vor und erkannte eine Karte. Am Rand klebte Blut.
„Und mit seiner eigenen Schatzkarte sind wir ihm gegenüber im Vorteil.“
„Hm“, machte Zorn. „Das klingt alles recht gut. Aber was garantiert mir, dass das hier keine Falle ist, um auch den Rest der Einheit auszulöschen? Verstehen Sie mich nicht falsch, Duvalle, ich will Ihnen ja glauben, aber ich brauche einen Beweis. Für den Anfang genügt mir schon eine Legitimation Ihrer Versicherung.“
Eine Plastikkarte rutschte heran und blieb vor Zorn liegen. Trotz der Dunkelheit konnte er das Logo der New Avalon General-Versicherungen erkennen. Daneben prangte ein dreidimensionales Bild von Duvalle. „Hm, gut. Und was jetzt?“
„Sie sollten sich darauf vorbereiten, dass der Vicomte versucht, die Karte wiederzubekommen. Oder er versucht, eher als wir beim Depot zu sein. Sicher weiß er noch, wo das Depot liegt, auch wenn er aus Sicherheitsgründen nur diese eine Karte hatte.
Und wenn es Ihnen nichts ausmacht, hätte ich gerne einen Arzt.“
Wieder rutschte etwas über den Schreibtisch. Es war der Nadler.
„Okay, ich glaube Ihnen. Vorerst.“ Zorn nahm den Nadler an sich, schwang sich aus dem Sessel und aktivierte das Licht. Duvalle bot einen grauenhaften Anblick. Sein linker Arm war blutüberströmt, Zorn konnte eine tiefe Fleischwunde im Bizeps ausmachen. Sein Gesicht war von einer dicken Kruste getrockneten Blutes bedeckt. Mit einer unendlich müden Bewegung nahm er das Nachtsichtgerät ab und ließ es in seinen Schoß fallen. Seine Augen sahen ihn hoffnungslos an, die Gesichtshaut war eingefallen und gräulich.
Der Oberleutnant kam um den Schreibtisch herum und aktivierte sein Komm-Gerät. Zuerst ließ er sich mit dem Lazarett verbinden. „Hier Kenderson. Schicken Sie sofort den Sanitäter vom Dienst mit Erster Hilfe-Ausrüstung in mein Büro. Und wecken Sie den Arzt. Ich habe hier einen Mann mit hohem Blutverlust und einer ziemlich gemeinen Armwunde.“
Er wartete die Bestätigung gar nicht erst ab und kontaktierte Leutnant Muller, den ranghöchsten Infanterie-Offizier. „Kommen Sie sofort in mein Büro und bringen Sie ein Team mit Standart-Bewaffnung mit.“
Kruger blinzelte ihn aus schwarzgeränderten Augen an. „Jawohl, Sir.“ Plötzlich riss der Jüngere die Augen auf. „Ist das nicht Duvalle bei Ihnen? Wie haben Sie den denn gefangen?“
„Er ist freiwillig hier. Ich möchte, dass Ihr Team ihn vor unseren Kameraden beschützt.“
„Was? Aber Sir“, begehrte der Infanterist auf. „Das ist Duvalle! Die Ratte, die uns verraten hat!“
„Die Situation hat sich geändert, verstehen Sie? Er wurde genauso wie wir hereingelegt. Und ich möchte die Gelegenheit haben, das den Cavaliers zu erklären. Ich möchte das nicht unbedingt während seiner Grabrede tun müssen.“
„Ja, Sir. Verstanden. Aber ich will hoffen, dass es eine wirklich gute Erklärung ist.“
Der Schirm erlosch, und Zorn hoffte, dass der Mann sich beherrschen konnte und ihm glaubte.
Der nächste Anruf verband ihn mit ComStar, der halbreligiösen Gesellschaft, die den gesamten interstellaren Funkverkehr unter sich hatte. Sein Gegenüber, eine Akoluthin, verneigte sich und sagte: „Blakes Segen über Sie, Oberleutnant Kenderson. Was kann das Erbe des seligen Blakes heute für Sie tun?“
„Ich möchte, dass Sie eine Nachricht nach New Avalon aufnehmen. Empfänger ist das Hauptquartier der Vereinigten Commonwealth-Streitkräfte. Der Text lautet: Piraten sind auf St. Jones gelandet und versuchen, ein Brian-Kastell zu finden. Die Möglichkeit besteht, dass die Zivilbevölkerung eliminiert werden soll, um die Spuren der Piraten zu verwischen. Gezeichnet: Oberleutnant Zorn Kenderson, Kendersons Cavaliers, vormals Cranstons Cavaliers.
Den Betrag buchen Sie bitte vom Konto der Einheit ab. Die Nachricht muss mit Priorität versendet werden, am besten sofort.“
„Ich danke Ihnen für den Auftrag, Herr Oberleutnant. Die Nachricht geht noch in dieser Nacht raus. Ich...“ Eine Sirene übertönte die Akoluthin. Verwirrt sah sie auf. Ein Adept lief an ihr vorbei. Sie hielt ihn an seiner Kutte fest. Er rief ihr hastig ein paar Worte zu, die der Akoluthin nicht besonders zu gefallen schienen. Im Hintergrund ertönte plötzlich eine Explosion. Entsetzt sah die Frau Kenderson an. Ihre Lippen formten Worte, die er schon viel zu oft gehört hatte: Wir werden angegriffen!
Kurz darauf ging die Sirene der Kaserne los. Die ComStar-Vertretung auf St. Jones verfügte über keine Schutztruppe, sie war einfach zu klein. Deshalb übernahm die Miliz diesen Job mit.
„Na? Medice will wirklich ComStar angreifen?“, murmelte Duvalle erschöpft. „Er ist verrückt genug dafür.“
Zorn löschte die Verbindung und kontaktierte den MechHangar. „Keine Zeit für Fragen! Machen Sie den Marodeur klar und stecken Sie Ventis in den Feuerfalken. Und bemannen Sie irgendwie die Panzer. Verstanden, MeisterTech?“
Jeannie Crawford nickte knapp.
Etwa gleichzeitig trafen der Sani und Leutnant Kruger ein. Zorn hatte sich schon bis auf Stiefel und Shorts entkleidet und war gerade dabei, das Waffenholster mit seiner Autopistole umzulegen und sich die Kühlweste überzuwerfen. „Kruger, beschützen Sie diesen Mann mit ihrem Leben. Wenn ich wiederkomme, und er ist tot, werde ich Sie standrechtlich erschießen lassen. Und wenn ich es persönlich machen muss, ist es mir auch recht. Verstehen wir uns?“
„Ja, Sir“, brummte der Infanterist, völlig überrascht von Kendersons harten Worten.
„Falls es Sie beruhigt, unsere Piraten sind zurück. Duvalle war gerade dabei, mich davor zu warnen. Im Moment greifen sie ComStar an, und wer das tut, ist verrückt genug, auch diese Milizkaserne anzugreifen. Ach, Kruger, achten Sie trotzdem darauf, dass er keinen Unsinn anstellt.“
Das schien den Infanteristen einigermaßen zu versöhnen. „Ja, Sir.“
„Und bewachen Sie diese Karte!“, rief Zorn, drückte die blutbefleckte Folie in Mullers Hände und eilte hinaus.
Der Sanitäter legte einen Druckverband an und gab Duvalle eine erste Infusion mit einer Kochsalzlösung, um den Blutverlust auszugleichen.

Zorn Kenderson schloss die Kühlweste im Laufen und sprintete zum MechHangar. Auf halbem Weg stieß Nedra Ventis zu ihm. Auch sie trug ihre Cockpit-Uniform, Shorts, Stiefel und Kühlweste. Ihr Busen blitzte beim Laufen unter der Weste hervor, aber Zorn hatte weder Zeit noch Interesse, darauf zu achten.
„Was gibt es, Sir?“, fragte sie im Laufen.
„ComStar wird angegriffen. Von den gleichen Leuten, die uns vernichten wollten. Ich nehme den Marodeur. Der ist heute fertig geworden. Nehmen Sie den Feuerfalken, der ist schnell und nicht munitionsabhängig. Außerdem ist er sprungfähig.“
„Verstanden, Sir.“
Sie sprinteten in den Hangar hinein. Die Techs wuselten um die beiden Mechs und um die gefechtsbereiten Panzer. MeisterTech Crawford drückte den beiden Kriegern eine Keycard in die Hand, mit der sie das Sicherheitssystem der Mechs auf sich eichen konnten. Zorn hatte keine Zeit, sich großartig damit zu befassen. Er erklomm das Cockpit des Marodeurs in Rekordzeit, warf sich hinein und schloss die Kanzel. Mit Bewegungen, die ihm bereits in Fleisch und Blut übergegangen waren, stöpselte er seine Kühlweste an den Kühlkreislauf des Mechs an, klebte sich die Sensorpflaster an Knöchel und Arme, setzte den schweren Neurohelm auf und aktivierte den Bordcomputer. Die Card überbrückte die eingebauten Sicherheitssysteme.
„Erstbenutzung dieses BattleMechs“, säuselte der Bordcomputer. „Bitte legitimieren Sie sich und geben Sie eine individuelle Erkennung ein!“
„Zorn Kenderson, Oberleutnant.“ Ein kleines Piepen zeigte an, dass der Computer akzeptiert hatte. „Kennung: Trag mich in die Schlacht, Schrottmühle!“
„Verifiziert“, meldete der Computer. Die Systeme fuhren hoch, das Metallmonster erwachte zum Leben. Zu einem sehr tödlichen Leben, dachte Zorn grimmig.
Er aktivierte die Funkverbindung zu seiner Einheit. „Hier Kenderson. Ventris und ich rücken aus, um ComStar beizustehen. Ich will, dass Ihr die Panzer bemannt und bereithaltet, falls die Piraten die Kaserne attackieren. Außerdem sollen Infanteriemelder in einem Radius von drei Klicks Beobachtungsposten einrichten, damit ihr nicht überrascht werdet. Ich gehe jetzt in ein paar Ärsche treten!“
„Viel Glück, Sir“, hörte er MeisterTech Crawford sagen.
Zorn bewegte seinen Mech aus dem Wartungsgestell heraus. Drei Plätze weiter regte sich der Feuerfalke der Einheit. „Ventis, Sie übernehmen die rechte Seite. Schlagen Sie schnell und hart zu und überlassen Sie mir den Rest. Ich rechne mit zwei gegnerischen Mechs, einem achtzig Tonnen schweren Victor und einem sechzig Tonnen schweren Kreuzritter.“
Schnell hatte er den Marodeur auf Laufgeschwindigkeit. Neben ihm brach Ventis aus und übernahm die Führung. Ihr Feuerfalke wog nur fünfundvierzig Tonnen und war brandschnell.
„Verstanden, Sir. Das wird ein heißer Tanz.“
„Und ob“, brummte Zorn. „Vergessen Sie nicht, der Feind hat mindestens zwanzig Tonnen mehr Gewicht als wir. Es reicht vorerst, wenn wir ihn vertreiben, abschießen können wir ihn später noch.“
Die ComStar-Vertretung war in der nahen Stadt aufgestellt. Das war ein Marschweg von sechs Kilometern. In der Dunkelheit sah Zorn die Mündungsblitze einer wirklich schweren Autokanone.
„Warum greifen sie bloß ComStar an? Die sind doch neutral“, rief Ventis.
„Damit wir keine Möglichkeit haben, Hilfe zu rufen. Ich hoffe, wir sind nicht zu spät!“ Zorn aktivierte die Magnetbandortung und verifizierte zwei große Metallanhäufungen nahe der Vertretung. Ventis´ Mech ging auf Höchstgeschwindigkeit. Sie würde die beiden FeindMechs attackieren und dann stiften gehen. Anschließend war es an ihm, aufzuwischen. Zwei Klicks. Anderthalb.
Aus dem Gelände der ComStar-Vertretung blitzte es auf, als Kurzstreckenraketen abgefeuert wurden. Eine der Metallanhäufungen, die sein Computer mittlerweile als Kreuzritter identifiziert hatte, wurde schwer getroffen und schüttelte sich. Als Antwort feuerte er eine volle Salve seiner beiden KSR-Raketenlafetten ab. Sie pflügten den halben Vorplatz um.
Inzwischen hatte Ventis Waffenreichweite erreicht. „Sie haben keine Transponder, Sir“, meldete sie. Typisch für Piraten. Normalerweise identifizierte sich jeder BattleMech und jedes Fahrzeug durch einen permanenten Funkimpuls, in dem er seine Truppenzugehörigkeit darlegte. Das half im Schlachtgetümmel, keine alliierten Einheiten zu treffen. Piraten legten verständlicherweise keinen besonders großen Wert darauf, identifiziert zu werden.
„Ich greife jetzt den Victor an“, rief Ventis und feuerte ihren Schweren Laser ab, den ihr humanoider Mech wie eine Pistole in der rechten Hand hielt. Der Waffenstrahl war gut gezielt und traf selbst über die Distanz von über dreihundert Meter sicher das Ziel, den Torso des fünfunddreißig Tonnen schwereren Mechs. Der drehte sich im Torso und richtete den rechten Arm mit der schweren Autokanone auf den heranjagenden Feuerfalken. Einen direkten Treffer mit dieser Monsterwaffe würde der dünnen Panzerung des Cavaliers-Mechs gar nicht schmecken, doch Ventis wusste das. Als es drüben aufblitzte, trat sie in die Pedale ihrer Sprungdüsen und wich dem tödlichen Strom panzerbrechender Urangranaten aus. Wieder feuerte sie ihre Hauptwaffe ab, dazu zwei mittelschwere Laser, die in ihrem linken Arm montiert waren. Alle drei trafen und rissen laut Zorns Computer fast eine halbe Tonne Panzerung vom rechten Arm des Sturm-Mechs. Soweit, so gut. Leider würde der Einsatz der Sprungdüsen sowie die Hitze der abgefeuerten Laser die Abwärme ihres Feuerfalken weit genug in die Höhe getrieben haben, um den Fusionsreaktor ihres Mechs bis an die Kernschmelze zu treiben. Wieder feuerte der Victor seine Autokanone ab. Ventis warf ihren Mech herum, konnte aber nicht verhindern, dass ein Teil der Granaten ihren linken Arm trafen.
„Habe einen Wärmetauscher und einen Mittelschweren Laser verloren, Sir“, meldete sie. „Meine Abwärme ist noch zu hoch, um die Sprungdüsen erneut einzusetzen.“
„Keine Bange, Ventis. Ich bin ja schon da.“ Vierhundert Meter war eine nette Entfernung für die PPK des Marodeur. Zorn hob den rechten Arm seines avoiden Mechs und feuerte im Laufen einen PPK-Blitz ab. Die hoch beschleunigten Partikel zuckten als blauer Schemen durch die Nacht und fraßen sich gierig in die gepanzerte Brust des Victors.
Der Kreuzritter wirbelte herum und feuerte die Torso-Laser auf den Marodeur ab. Der Oberleutnant ließ sich nicht lumpen und richtete die Schwere Autokanone aus, die oberhalb seines Cockpits angebracht war. Er löste einen Feuerstoß aus, der das linke Bein des FeindMechs traf. Die Computeranzeige bestätigte, dass der Treffer die Panzerung an dieser Stelle bis auf die blanken Myomermuskeln abgetragen hatte. Ein weiterer Treffer konnte sogar den Titanstahlknochen des Endoskeletts durchtrennen und den Kreuzritter damit effektiv schädigen. Wieder feuerte Zorn die Autokanone ab, der Kreuzritter wich aber mit seinen eigenen Sprungdüsen aus.
Ein verächtliches Grinsen huschte über die Züge des jungen Offiziers. Das würde die Abwärme seines Gegners schön in die Höhe treiben. Er kam auf hundert Meter an den leichteren Gegner heran und feuerte erneut die PPK ab, obwohl das seine eigene Abwärme ebenso hochtreiben würde. Dazu feuerte er die neue Autokanone im rechten Arm ab. Die panzerbrechende Munition würde ihren Teil tun.
Ein heftiger Schlag in den Rücken seines Mechs erinnerte ihn wieder daran, dass es ja noch einen Gegner gab.
Der Kreuzritter knickte ein, fiel zu Boden. Auf der Infrarotortung leuchtete er durch seine extrem hohe Abwärme auf wie eine lodernde Fackel.
Zorn warf seinen Mech herum, entging so den Laserbündeln seines anderen Opponenten. Er erwiderte das Feuer mit dem mittelschweren Laser in seinem linken Arm, bis der Bordcomputer ihm die automatische Stilllegung seines Mechs androhte, um die Kernschmelze zu verhindern. Zorn schlug auf den Veto-Schalter und verzichtete darauf, auf den zweiten Autokanonentreffer zu antworten, der ihn direkt in die Torsomitte traf. Seine Abwärme senkte sich nur schwerfällig. Ein Blick auf den Statusmonitor zeigte ihm, warum. Er hatte einen Wärmetauscher verloren.
Doch da war immer noch Ventis, die sich jetzt im Rücken des Victors befand und alle Waffen zugleich für einen Alphaschlag auslöste. Bis auf den Schweren Laser trafen alle und reduzierten die Rückenpanzerung des Victors auf eine hauchdünne Schicht, die ein Baby mit einer Rassel hätte durchschlagen können. Sofort wendete sie ihren Mech und verschwand hinter den nahen Gebäuden der Stadt, um von dem Monstermech nicht zerstampft zu werden.
Der Victor aber machte keinerlei Anstalten, den leichteren Störenfried zu vernichten. Stattdessen legte er wieder auf Zorns Marodeur an und feuerte eine 6er-Salve Kurzstreckenraketen ab. Diese ungelenkten Raketen besaßen eine beachtliche Kraft, wenn sie trafen. Das wurde dem Oberleutnant bewusst, als drei der Raketen seinen linken Mecharm erwischten, die PPK ausschalteten und fast die gesamte Panzerung herunterrissen. Die Wucht der Explosionen und der plötzliche Gewichtsverlust brachte Zorns Mech aus dem Gleichgewicht.
Das Feedback des Gyroskops, das sich nach seinem Gleichgewichtssinn zu orientieren versuchte, ließ Dutzende Sterne vor seinen Augen tanzen. Mit einem Seitenschritt schaffte er es, den Marodeur nicht stürzen zu lassen. Wieder feuerte der Victor seine Autokanone ab. Der Strom aus panzerbrechenden Granaten schlug gegen die Panzerung seines Cockpits und schüttelte den Mech kräftig durch. Wieder schaffte es Zorn, den Mech aufrecht zu halten, aber Hilfsmonitor drei warnte ihn davor, dass die Panzerung seines Cockpits nur noch als theoretische Berechnung existierte.
Der Kreuzritter begann sich wieder aufzurappeln und feuerte einen mittelschweren Laser auf Zorn ab. Der Waffenstrahl ging weit an ihm vorbei, erinnerte ihn aber daran, dass er immer noch zwei Gegner hatte.
„Bastard!“, brüllte der Offizier und schickte dem Kreuzritter eine volle Salve aus der Autokanone über seinem Cockpit. Der Hagel aus Urangranaten traf den FeindMech genau in der Seite, als er gerade versuchte, sich wieder aufzurichten. Wieder fiel der Mech zu Boden. Für den war erst mal gesorgt.
„Ventis, verdammt, wo sind Sie?“
„Abwärmeprobleme, Sir. Ich bin immer noch im roten Bereich.“
Zorn bewegte seinen Mech so, dass die ComStar-Vertretung zwischen ihn und die beiden Gegner geriet. Auf diese Art rutschte auch der gestürzte Kreuzritter zwischen ihn und den Victor. Zorn hoffte, sich so ein paar Sekunden zu erkaufen, um seine eigene Abwärme in den Griff zu kriegen. „Ist gut, Ventis. Passen Sie auf, dass Sie nicht noch einen Zufallstreffer schlucken, der Ihre Abwärme noch weiter steigen lässt.“ Er feuerte wieder die Autokanone im rechten Arm ab. Munitionsabhängige Waffen verursachten nicht so hohe Abwärme.
Der Schuss saß gut und schälte Panzerung vom Torso des Victors. Der Schwere Mech wurde einen, zwei Schritte nach hinten geworfen, bevor er sich wieder stabilisiert hatte. Aber dann hob er den Arm mit der Autokanone und richtete ihn auf Zorn. Der Medice-Bastard zielte auf sein Cockpit. Zorn wusste es einfach. Und da dessen Panzerung nur noch in der Theorie existierte, bedeutete dies das Aus für ihn.
Gedanken und Möglichkeiten huschten durch Zorns Kopf, die Zeit dehnte sich und ließ das Geschehen in Zeitlupe für ihn ablaufen. Was jetzt? Mit dem Schleudersitz aussteigen? Oder lieber trotz der hohen Abwärme einen Angriff mit der verbliebenen PPK probieren, in der Hoffnung, dass er den Gegner vernichtete, bevor der Reaktor seines Mechs durch die Abwärme explodierte? Konnte Ventis mit dem vernichteten Wärmetauscher gegen den beschädigten Kreuzritter und vielleicht den Victor bestehen? Nein, entschied Zorn und richtete die PPK auf den am Boden liegenden Kreuzritter und die Autokanone auf den Victor. Wenn er hier schon sterben musste, dann wollte er beide Bastarde mitnehmen!
Plötzlich zuckte ein PPK-Blitz in die beschädigte Seite des Victors und warf ihn aus der Bahn. Ein zweiter zuckte nur knapp an ihm vorbei. Zorn stutzte. Der Feuerfalke hatte keine PPK, geschweige denn zwei.
Über die allgemeine Kom-Frequenz erklang die Stimme von Captain Jorgenssen: „Hey, Zorn, lassen Sie mich und meine vier Shrek-Panzer mitspielen?“
Der Oberleutnant lachte erleichtert. Die Miliztruppen waren eingetroffen. Kerensky sei Dank.
Wieder zuckten PPK-Blitze zum FeindMech herüber, der sich langsam im Torso drehte, um auf die neue Gefahr zu reagieren.

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„Seien Sie mein Gast“, erwiderte Zorn und registrierte erleichtert, dass seine Abwärme endlich etwas sank.
Dem Piloten des Victors schien die Situation gar nicht zu schmecken. Er warf seinen Mech herum und lief mit Höchstgeschwindigkeit in die Nacht. Die Shreks jagten hinterher, aber irgendwie wusste Zorn schon jetzt, dass sie den Victor verlieren würden, obwohl er nicht gerade der schnellste Mech der Inneren Sphäre war. Das Gelände außerhalb der Stadt wurde schnell waldig, für einen sprungfähigen achtzig Tonnen-Koloß kein Problem, wohl aber für Panzer.
Aber die Situation war fast bereinigt, bis auf den Kreuzritter, der nun langsam wieder hochkam. Stolpernd kam der humanoide Mech auf die Beine und versuchte, sich in die gleiche Richtung wie der Victor zurückzuziehen. Aber das ließ Zorn nicht zu! Er feuerte wieder seine Autokanone ab. Die Waffe durchschlug endlich die Panzerung des Gegners und tobte sich in den internen Strukturen aus. Der Mech verharrte mitten in der Bewegung. Einen Augenblick später löste der gegnerische Pilot den Schleudersitz aus und schoss in die Nacht.
Kurz darauf ging der Reaktor des Kreuzritters durch und jagte den Mech in einer prächtigen, silbrig-roten Explosion in die Luft. Als die Explosion verpufft war, standen nur noch die Beine und ein Teil des Torsos da. Der Rest, soweit er in der Explosion nicht zerfetzt worden war, schlug in der näheren Umgebung ein. Zorn hörte, wie Panzersplitter leise gegen seinen Mech prasselten.
Noch ein Abschuss für ihn. Zorn spürte keinen Triumph. Nur Erleichterung, dass es endlich vorbei war. Er öffnete einen Kanal zu Ventis. „MechKrieger?“
„Sir?“
„Statusbericht. Schaffen Sie es, den Feuerfalken zurück zur Kaserne zu schaffen oder soll ich Crawford mit einem MechTransporter ausrücken lassen?“
„Wenn ich es langsam angehen lasse, Sir, schaffe ich es schon. Aber der MeisterTech kann ja mal nachsehen, ob vom Kreuzritter noch was zu gebrauchen ist.“
Zorn nickte dazu. Das war ihr Leben. War ein Feind besiegt, klaubte man die Trümmer auf, um die eigenen Mechs instand zu halten. Bis man selbst besiegt wurde und der Gegner den Mech für die eigenen Maschinen ausschlachtete.
„Sir? Das war knapp, was?“, meldete sich Ventis zu Wort. „Hätte nicht gedacht, dass wir es schaffen.“
Wären die Shreks der Miliz nicht gekommen, gestand sich Zorn ein, hätten sie es nicht überlebt, die Bastarde aber mitgenommen. Aber er sagte es nicht.
„Wir sind die Cavaliers“, antwortete er stattdessen. „Wir sind die Guten. Und die Guten siegen immer am Ende.“
„Ja, Sir“, lachte Ventis erfreut.
***
Eine halbe Stunde später stand Zorn in seinem Besprechungsraum, über einen Satz Karten gebeugt. Neben ihnen lag die Karte, die Clark Duvalle unter Lebensgefahr geborgen hatte.
MeisterTech Crawford, MechKriegerin Ventis und Captain Jorgensson von der Miliz standen neben ihm. Leutnant Akeem Muller, der höchstrangige Offizier der Infanterie, stürmte gerade herein.
„Schön, dass Sie kommen, Leutnant. Wir haben den Ort, den die Karte Duvalles zeigt, gerade identifiziert. Ist gar nicht mal so weit. Es sind nur gut tausend Klicks die Ebene runter bis in ein Berggebiet. Die...“
„Hakkon-Berge“, half Willem Jorgensson aus.
„Richtig, die Hakkon-Berge. Dort befindet sich das Brian-Kastell. Wir müssen unbedingt vor dem Vicomte dort sein.“
„Wieso, Sir? ComStar hat den Hilferuf doch abgestrahlt. Der Vicomte wird vielleicht Wochen benötigen, das Depot zu plündern. Bis er die Beute in den Orbit schaffen kann, ist längst eine Entsatztruppe des VCS eingetroffen.“
„Es gibt da etwas, was Sie nicht wissen, Leutnant. Vicomte Medice verfügt über entrechtete MechKrieger. Die würden nichts lieber tun, als in einen fabrikneuen Sternenbund-Mech zu steigen und uns damit mächtig in den Arsch zu treten. Wir müssen vor ihm dort sein. Wir müssen!“
„Ja, Sir.“
Oberleutnant Kenderson grunzte zufrieden. „Vom Verhör des Piloten des Kreuzritters, einem Peripherie-Piraten, wissen wir, dass der Vicomte noch immer über ein Kontingent von zwei Panzerlanzen verfügt. Auch seine beiden UNION-Klasse Landungsschiffe stellen eine nicht zu unterschätzende Macht dar. Hinzu kommen die bereits erwähnten Entrechteten und gut hundert Mann Sprungtruppen. Selbst mit unserer Überlegenheit durch zwei KampfMechs und mit Infanterie- und Panzerunterstützung werden wir es schwer haben.
Gewinnen wird der, der das Rennen zum Depot gewinnt. Nur stecken wir tief in der Scheiße und müssen uns mühsam unserer Haut erwehren, wenn wir verlieren, während Medici nur ein paar Mechs zu reaktivieren braucht, um mächtig im Vorteil zu sein. Außerdem hat der Vicomte mit seinen Landungsschiffen ein echtes As im Ärmel.
Er ist garantiert schneller da als wir. Aber er muss erst suchen, während wir dies hier haben.“ Zorns Faust sauste auf die Karte nieder und erzeugte einen dumpfen Knall.
„Das ist so nicht ganz richtig“, meldete sich Captain Jorgensson zu Wort. „Die Miliz hat zwar keine Landungsschiffe, aber sie verfügt über zwei Transporthubschrauber, die eine Gesamttonnage von etwa zweihundertzwanzig Tonnen tragen können. Ich würde vorschlagen, sofort ein paar Mechs ans Depot zu verlegen, die es sichern. Anschließend ziehen wir in sicherer Entfernung alle hier entbehrlichen Truppen nach und stoßen überraschend zu den Verteidigern durch. So dürfte es uns gelingen, das Gelände zu sichern, bis die Verstärkung eintrifft.“
„Netter Plan“, kommentierte Jeannie Crawford leise und grinste unverschämt. „Hat nur einen Schönheitsfehler. Wir haben die Mechs, aber nicht die Piloten. Ich kann den Marodeur vom Oberleutnant in einer Stunde wieder einigermaßen gefechtsklar haben, wenn die guten Wüsche halten, und der Feuerfalke hat sowieso nicht so viel abgekriegt, abgesehen von den lädierten Wärmetauschern. Und da sind noch eine zwanzig Tonnen schwere Wespe und der sechzig Tonnen schwere Kampfschütze, die fertig geworden sind, aber wen stecken wir da hinein?“
„Den Kampfschützen kann ich gut gebrauchen“, murmelte Zorn nachdenklich. Der Plan war gut, er hatte ihm in Gedanken sofort zugestimmt, nun war er bereits in der Analyse. „Einen LuftabwehrMech gegen die Landungsschiffe zu setzen ist zwar illusorisch, aber die überlegenen Ortungssysteme des Mechs wären eine echte Bereicherung. Nur wen setzen wir da rein?“
„Vielleicht einen der Anwärter?“, fragte Leutnant Muller leise.
„Sie wissen doch, beide Anwärter auf einen Platz in der MechKompanie waren mit draußen, als wir massakriert wurden. Die anderen sind noch nicht soweit. Sie würden uns in einem Mech mehr behindern als nützen“, wehrte Zorn ab.
„Dann werden wir es mit zwei Mechs und Infanterie schaffen müssen. Ich habe fünfzig Mann in einer Stunde abmarschbereit.“
Zorn nickte. „Diese fünfzig Mann werden einen BattleMech ersetzen müssen. Sorgen Sie außerdem dafür, dass tragbare Kurzstreckenraketenwerfer und Inferno-Munition ausgeteilt werden.“
„Ja, Sir.“
„Ich werde auch meine Leute bereit machen. Sie sollten einen Teil Ihrer Panzer hier in Bereitschaft halten, man kann ja nie wissen. Ich lasse auch die Hälfte meiner Truppe zurück und verlege den Rest zum Depot. Das sind zwei Shrek-Panzer, vier Burke und eine verstärkte Kompanie Infanterie, Zorn“, kommentierte Jorgensson.
„Einverstanden. Also nutzen wir, mit Ihrem Einverständnis, Captain, die Transporthubschrauber, um die ersten am Depot zu sein. Wir nehmen eine Kompanie Sprungtruppen und zwei Mechs mit. Kommen Sie mit einem Kampfschütze klar, Ventis?“
„Nein, Sir. Ich bräuchte Einarbeitungszeit, die wir nicht haben“, gestand sie schonungslos.
Der Oberleutnant fluchte leise. Ein ineffektiv gesteuerter Mech konnte schnell den Tod für die ganze Einheit bedeuten.
„Vielleicht kann ich Ihnen helfen, Herrschaften“, sagte die ComStar-Akoluthin, die leise eingetreten war. Hinter ihr folgte ein alter Mann mit Stirnglatze, ebenfalls in die für ComStar so typische Kutte gehüllt.
„Adept Kirran Leary war in seiner aktiven Zeit als MechKrieger Pilot eines Greif-Mechs, hat also Erfahrung mit mittelschweren Maschinen. Er ist der Beste, den ich Ihnen anbieten kann.“
Zorn sah hin, sah noch mal hin und erkannte die Akoluthin, die seinen Anruf entgegen genommen hatte. An ihrem Kragen blinzelte ein Stück weiße Mullbinde, ein Zeichen dafür, dass sie den Angriff auf den HPG nur teilweise unbeschadet überstanden hatte.
„Bei dieser Sachlage sind wir dankbar für jede verdammte Hilfe, die wir kriegen können, Ma´am.“
„Akoluthin Ennie Walters. Ich leite die hiesige ComStar-Vertretung. Die es nur noch gibt, weil Sie eingegriffen haben, Oberleutnant Kenderson.“ Sie lächelte und fügte hinzu: „Selbst wenn es nicht um unser aller Leben ginge, ich, die HPG-Besatzung und Adept Leary würden Ihnen unsere Arbeitskraft ohne zu zögern zur Verfügung stellen. Denn hat nicht der selige Jerome Blake, der Gründer unseres Ordens, selbst gesagt: Sei dir selber treu?“
Zorn hielt das eher für den Anfang eines Shakespeare-Zitats aus seinem Stück Hamlet, aber er hütete sich, das laut zu sagen. Die ComStar-Typen waren ja soo empfindlich, wenn es um ihren ach so verehrten Jerome Blake ging.
In Gedanken zog er eine vorläufige Bilanz. Es würde knapp werden, verdammt knapp.
„Okay, MeisterTech, eichen Sie den Kampfschütze auf MechKrieger Leary ein und geben Sie ihm einen Crashkurs in sein Ortungssystem. Danach setzen Sie mir eine Deadline für den Abmarsch. Ich will, dass wir in den Helikoptern sitzen, bevor hier der Tag anbricht, okay?“
Crawford sah ihn an, als hätte sich Zorn gerade als Kurita-Ninja demaskiert. Aber schließlich nickte sie. „Vier Uhr Morgens ist möglich. Aber wenn ich die Tonnage durchgehe, wird der Platz höchstens für drei Mechs und einen Zug Infanterie reichen.“
„Das ist schon in Ordnung. Captain Jorgensson, mit Ihrer Erlaubnis würde ich gerne Ihre Leute mitnehmen und meine erst später mit den Panzern nachziehen. Ihre Infanteristen sind mit dem Gelände vertraut und können für unsere Maschinen als Scouts dienen.“
„Einverstanden.“
„Gut. Kruger, sehen Sie das nicht als Zurücksetzung Ihrer Leute an. Die bekommen noch früh genug Stahl und Laser-Impulse zu fressen. Haben Sie mich verstanden?“
Leutnant Akeem Kruger nickte nur.
Zorn grunzte zufrieden. „Jeannie, ich will, dass Sie mir so schnell wie möglich einen weiteren Mech betriebsklar machen. Schaffen Sie es aber nicht, schicken Sie mir die verdammte Wespe raus. Kann sein, dass ich mich über einen ReserveMech mal freuen werde.“
„Habe ich dafür mehr Zeit als bis zum Morgengrauen, Sir?“, scherzte sie.
„Nein, eigentlich nicht“, erwiderte Zorn todernst. „Also, damit wäre ja alles geklärt. Suchen wir dieses verdammte Nachschubdepot, das diesem Bastard von Medice so viele Tote wert ist.“
***
Die Entfernung zum Depot betrug exakt eintausendundzwölf Kilometer. Diese Strecke legten die beiden Transporthubschrauber in vier Stunden und siebzehn Minuten zurück und überquerten dabei ein Mittelgebirge, laut Leutnant Walter Hiller, dem Chef des Infanteriezuges die Rheinberge, die beiden Flüsse Ammon und Rosswell und erreichten schließlich die Ausläufer des Hakkon-Gebirges.
Knapp zehn Klicks vor dem Standort des Depots ließ Zorn die Transporter landen und entladen. Den Rest würden sie zu Fuß zurücklegen, und dies so vorsichtig wie irgend möglich.
Noch während die Mechs hochgefahren wurden und ihre Piloten Bereitschaft meldeten, hatte Leutnant Hiller seine Teams ausschwärmen lassen, um das Gelände zu erkunden.
Das Kastell lag in einem Tal, in die südliche Bergwand hineingearbeitet. Das Tal selbst war von hohen Bergen eingerahmt, die nur einen Zugang von Nordosten zuließen. Selbst die sonst so geländegängigen Luftkissenfahrzeuge würden die anstrengende Kletterpartie über die Bergkämme nicht schaffen.
Oh, es wäre so ein leichtes gewesen, einfach nur den einzigen Zugang zum Tal zu verteidigen. Aber das war bei einer Breite von zwei komma acht Kilometern sehr illusorisch.
Außerdem blieben dem Vicomte immer noch die Landungsschiffe, die seine Mechs einfach über die Blockade hinweg in das weite Tal tragen konnten.
Nein, sie mussten das Kastell nehmen und es verteidigen, bis Hilfe kam.
Zorn hatte die theoretische Möglichkeit mit MeisterTech Crawford durchgesprochen, die deaktivierten Mechs, die sie im Depot vermuteten, in kurzer Zeit wieder zu starten, was prinzipiell möglich war, aber zwei bis drei Tage brauchen konnte. Vier, wenn Waffen und Fusionsreaktoren noch nie erprobt worden waren.
Genug Zeit für den Vicomte, um eine kleine Armee aufzustellen. Zeit, die Zorn nicht hatte, wenn er das verdammte Depot verteidigte.
Trotzdem hatte er ein paar von Crawfords Techs mitgenommen, teils, um die BattleMechs von ihm, Ventis und Leary instand zu halten, teils, um die Möglichkeiten des Kastells von Fachleuten abschätzen zu lassen.
„Hoffentlich bietet uns das Kastell gute Verteidigungsmöglichkeiten“, murmelte Zorn vor sich hin. „Hoffentlich ist es keine verfallene, geplünderte Ruine.“
„Machen Sie sich keine Sorgen, Kenderson“, hörte er Kirran Learys Stimme über Funk. „Die Aufzeichnungen, die ich im Dienste ComStars studiert habe besagen, dass ein Brian-Kastell sogar einem Atomschlag standhalten würde.“
„Na und?“, blaffte der junge Offizier nervös. „Seit der Sternenbund gefallen ist, sind über dreihundert Jahre vergangen. Das ist viel Zeit für die Natur, um das Kastell für sich zu erobern. Wissen Sie, wie viel Kraft eine Wurzel haben kann, die in einen Betonspalt hineinwächst?“
„Malen Sie den Teufel nicht an die Wand“, brummte der ComGuard leise.
Das fiel dem Älteren aber wirklich spät ein, fand Zorn. Er aktivierte den Bordcomputer des Marodeurs. Merkwürdig, er hatte immer noch eine gewisse Scheu den Marodeur als seinen Mech zu bezeichnen und sei es nur in Gedanken.
Zorn ging die Waffensysteme durch, Autokanone, Laser, PPK, die Zielerfassungssysteme, Magnetbandortung, Radar, Identifikation Freund/Feind-Transponder.
Die Sticks der Steuerung fühlten sich gut an. Zur Probe zog er das Fadenkreuz für die primäre Waffenkonfiguration über einen der Transporthubschrauber. Es leuchtete golden, als der Transporter genau im Visier war.
„Bereitschaft“, blaffte er angespannt.
„Ventis hier. Feuerfalke bereit.“
„Leary hier. Kampfschütze bereit.“
„Gut, langsamer Vormarsch auf Taleingang.
Hiller von Kenderson, kommen.“
„Hiller hier. Trupp eins und zwei haben Beobachtungsposition am Taleingang bezogen. Keine Aktivität am Eingang oder im Tal selber. Brian-Kastell kann nicht, ich wiederhole, kann nicht identifiziert werden.“
Diese Nachricht wirkte wie eine kalte Dusche auf den jungen MechKrieger. Was, wenn die Karte falsch war? Was, wenn er sie nicht richtig gelesen hatte? Nein, das Kastell musste da sein! Es musste einfach!
„Verstanden. Trupps drei und vier sollen auf dem Hang Position beziehen. Sobald sie irgendetwas kommen sehen, Mechs oder Landungsschiffe, sollen sie da oben aber verschwinden. Ich habe schon viel zu viele Leute verloren.
Teams eins und zwei rücken mit uns gemeinsam tiefer in das Tal vor.“
„Verstanden, Sir.“
„Ach ja, jagen Sie die Transporter wieder los. Sie sollen sich beim Rückflug Zeit lassen und ein paar Umwege fliegen. Wenn dieser Medice-Bastard sie abschießt und wir keinen Nachschub bekommen, sitzen wir echt in der Scheiße.“
„Auch verstanden, Sir. Jage sie los.“
Zorn konnte das Grinsen des Infanterieleutnants beinahe vor sich sehen. Er gestatte sich ein Schmunzeln.
„Okay, los geht es, Herrschaften. Leary, fahren Sie Ihre Ortung hoch und achten Sie auf den kleinsten Metallrest. Ich habe wirklich keine Lust, wieder in eine Falle zu laufen.“
„Verstanden, Sir.“
Flüchtig musste Zorn über dieses Wort schmunzeln. Sir... Klang merkwürdig aus dem Mund eines ehemaligen ComGuards.
Zorn drehte den avoiden Mech um dreißig Grad nach Süden, auf den Taleingang zu. Als er den ersten Schritt gemacht hatte, war auch schon Ventis mit ihrem Feuerfalke an seiner Seite. Kurz darauf übernahm sie die Spitze, während Leary hinter Zorn blieb und die Nachhut bildete.

Zorn trieb seinen Mech an, er fiel in einen schwerfälligen Galopp, der immerhin 54 Km/h Spitzengeschwindigkeit erlaubte. Ventis war natürlich schneller, ihr Mech wog dreißig Tonnen weniger. Aber sie übertrieb es nicht und hielt einen Vorsprung von zweihundert Metern ein.
Ein bisschen mulmig war dem Cavaliers-Offizier schon, als sie durch die kilometerbreite Schneise traten, die in das Kesseltal führte. Was konnte nicht alles schief gehen?
Alles. Zorn ertappte sich dabei, wie er erwartete, dass sich plötzlich Klappen im Boden öffneten, um automatische Lasergeschütze freizugeben.
Oder dass sich der Victor des Vicomte in seiner Flanke erhob, um ihm mächtig Saures zu geben. Doch nichts geschah. Sie marschierten ein und gelangten bis in die Talmitte, wo ein paar Infanteristen standen und sie einwiesen.
Als er seinen Mech angehalten und frontal zum Taleingang aufgestellt hatte, öffnete Zorn einen allgemeinen Kanal. „Hiller von Kenderson. Wo stecken Sie?“
„Sir? Ich sitze auf dem Steilhang. In der Besprechung hieß es doch, dass das Kastell in die Bergwand gearbeitet wurde. Also dachte ich mir, ich schau mal nach.“
„Netter Ansatz, Junge“, klang Learys Stimme auf. „Und? Schon was gefunden?“
„Bisher noch nicht, MechKrieger. Es wäre ja auch zu schön gewesen, einfach nur aufs Klingelschild zu drücken, oder?“

„Das ist nicht typisch für ein Brian-Kastell“, murmelte Zorn. „Warum sollte man es verstecken, wenn es doch eine offene Bastion gegen Invasoren sein soll? Das habe ich wenigstens immer über Brian-Kastelle gedacht.“
„Der Gedanke kam mir ebenfalls“, gestand der ComGuard. „Ich glaube nicht, dass man ein Brian-Kastell so einfach verstecken kann. Oder dass nach dreihundert Jahren keine Spur mehr von ihm zu finden ist.“
„Hm. Sind wir vielleicht falsch hier?“
„Vielleicht ist die ganze Karte falsch, Ventis“, erwiderte Zorn.
„Oder wir haben es doch nicht mit einem Kastell zu tun“, sagte Kirran Leary nachdenklich.
„Es könnte sich auch um ein so genanntes SBVS-Depot handeln. Diese Dinger wurden während der Vereinigungskriege hundertfach in der Peripherie angelegt.
Sie sollten der Armee des Sternenbunds beim Krieg gegen die Peripheriestaaten als leicht zugänglicher Nachschub dienen.“
„Und einige wurden niemals gebraucht“, vervollständigte Zorn den Gedanken. „Sicher wurden die Depots gut versteckt und entsprechend gesichert, um zu verhindern, dass ausgerechnet die Streitkräfte der Peripheriestaaten diese Depots plünderten.“
„Und deswegen gerieten viele Depots in Vergessenheit, denn als die Sternenbundarmee unter Alekzandr Kerensky die Innere Sphäre verließ, hatten sie angeblich alle Depots geplündert.“
„Angeblich. Die Gray Death Legion hat mal eines gefunden und von Wolfs Dragonern sagt man, dass ihnen bereits drei solcher Depots und sogar ein Brian-Kastell in der Peripherie in die Hände gefallen sein sollen. Und Snords Irreguläre, diese Splittergruppe der Dragoner, sollen auf diesem Gebiet auch recht erfolgreich sein.“
„Was bedeutet: Als General Kerensky seine Truppen aus der Inneren Sphäre abzog, um zu verhindern, dass ihre Macht dazu missbraucht wurde, die gesamte Innere Sphäre in eine Gluthölle zu verwandeln, hatte er gar keine Zeit dazu, alle Depots zu plündern.
Selbst wenn wir davon ausgehen, dass nur auf jedem siebten Planeten ein Depot stand, müssen noch ein paar Dutzend unentdeckt sein.“

„Dann suchen wir also nach einem SBVS-Depot, und nicht nach einem klotzigen Kasten?“, fragte Leutnant Hiller.
„So in etwa, Hiller“, erwiderte Zorn amüsiert. „So in etwa.“
„Dann, Sir, habe ich was gefunden.“
Für eine Sekunde war es, als jage ein Stromstoß durch Zorns Eingeweide. Er riss seinen Mech herum und visierte die Infanteristen an, die in der Wand herumkraxelten. Er zoomte die Sicht soweit heran, wie es ihm möglich war. „Sprechen Sie, Hiller.“
„Sir, erinnern Sie sich an die Sache, die Sie erwähnt haben, so von wegen, welche Kraft eine Wurzel in einem Betonspalt entwickeln kann?“ Der Infanterist kratzte unter einem verkrüppelten Baum in der Erde herum. „Hier ist ein Betonspalt.“
„Das Depot“, rief Leary überzeugt.
„Hiller, hören Sie mich?“ „Sir?“
„Wie groß ist der Spalt? Kommt ein Mann durch?“
„Sicher, aber ich weiß nicht, wie weit der Spalt reicht. Und ich weiß nicht, ob man nicht aus einem halben Kilometer Höhe in die Tiefe stürzt, wenn man hier durch will.“
„TechKommando zu Hiller“, befahl Zorn. „Wir brauchen ein paar Freiwillige, die klettern können.“

„Sie wollen durch den Spalt, Zorn?“ Leary klang überrascht.
„Das ist doch die Gelegenheit, oder?“, erwiderte Zorn fröhlich. „Ich wette mit Ihnen, wenn das Depot abgesichert ist, dann bestimmt nicht gegen einen Feind, der von innen angreift.
Mit etwas Glück kommen unsere Techs und Infanteristen rein und können den Eingang von innen öffnen.“
Begleitet von Infanteristen fuhren die Techs auf dem einzigen Luftkissentransporter ins Tal.
„Leary? Gehen Sie zurück zum Taleingang und achten Sie auf Feindbewegung.
Ich glaube, die Idee, Medice einen heißen Kampf zu liefern, während unsere Leute nach dem Eingang suchen, können wir getrost vergessen. Wir werden hoffentlich schon bald aus dem Innern des Depots agieren können!“
„Wir werden ihm mächtig in den Arsch treten.“
Zorn nickte grimmig. „Ich weiß nur nicht, ob das die vielen Toten wert war. Das würde ich den Vicomte gerne mal fragen.“
„Besser nicht“, riet Leary ab. „Die Antwort würde Ihnen nicht schmecken, Junge.“
„Nichts, was dieser Medice-Bastard noch zu sagen hat würde mir schmecken, Kirran!“ erwiderte der MechKrieger zornig.

„Wir lassen jetzt Leutnant Hiller an einem Seil in den Spalt, Sir“, meldete einer der Techs. „Er trägt ein kabelgebundenes Sprechgerät bei sich. Wir werden also in jedem Fall hören, was er zu sagen hat.“
„Na, da bin ich aber mal gespannt“, kommentierte Ventis leise.
Zorn sagte nichts. Er richtete seine Augen weiterhin auf die Rundumsichtanzeige seines Mechs, aber mit den Ohren hing er an jedem Lebenszeichen des mutigen Infanteristen.
„Hiller hier“, klang seine Stimme nach einigen bangen Minuten auf. „Ich habe wieder festen Boden unter den Füßen. Ich bin ungefähr zwanzig Meter tief unter dem Spalt. Die Wand, durch die ich gekommen bin hat eine Stärke von mindestens drei Metern. Ich aktiviere den Scheinwerfer und... Bei Blakes Wort, das... Das ist...“
Der Infanterist verstummte.
„Hiller!“, brüllte Zorn. „Hiller, melden Sie sich! Was ist los bei Ihnen?“
„Sir? Entschuldigen Sie. Es ist nur... Mechs sind mein Hobby, ich sammle Miniaturen von ihnen, vor allem von denen aus den alten Tagen des Sternenbundes.
Aber ich habe noch nie in meinem Leben einem richtigen Exterminator gegenübergestanden...“
„Verdammt noch mal“, brüllte Zorn, um seine Erleichterung zu überspielen, „machen Sie vernünftig Meldung, Soldat!“
„Sir!“, blaffte der Infanterist überrascht. „Ich befinde mich hier in einer weiten Halle. Die Enden sind nicht festzustellen, aber vor mir identifiziere ich vier Mechs: Einen Exterminator, einen Heuschreck und zwei Greifen. Ihre Torsi sind teilweise geöffnet, aber alle Mechs sind unter einer Art Plane abgedeckt. Ich gehe jetzt weiter, um das Ende der Halle oder einen Ausgang zu finden.“
„Negativ, Junge, negativ. Wir schicken weitere Infanteristen und Techs runter. Warten Sie auf die, bevor Sie die Suche fortsetzen.“
„Verstanden, Sir. Unsere Primäraufgaben?“
„Wie besprochen, Hiller. Suchen Sie den Türknauf, um uns rein zu lassen!“
„Verstanden, Sir.“
„Gut. Und, ach Hiller?“ „Ja, Herr Oberleutnant?“
„Wenn Sie mir noch mal so einen Schrecken einjagen, lege ich Sie übers Knie, haben Sie verstanden?“
Sein Gegenüber lachte leise. „Verstanden, Sir. Ab sofort gebe ich regelmäßig Lebenszeichen."
„Leutnant Hiller, bitte leuchten Sie den Weg des Seils aus. Wir schicken jetzt weitere Leute runter“, meldete der Tech.
„In Ordnung. Können Sie den Scheinwerfer sehen?“ „Positiv, Sir. Jackson kommt als erster, danach Corrand und Philips.“
„Jackson ist unten. Und ich sehe Corrand schon. Corrand, halten Sie das Seil für die anderen, ich mache mich mit Jackson schon auf die Suche nach dem Türknauf. Wäre doch unhöflich, den Chef unnötig warten zu lassen, wenn er rein will.“
Zorn schmunzelte. Ein guter Junge. Er überlegte ernsthaft, ob er nicht versuchen sollte, den Infanteristen abzuwerben. Würde sich bestimmt gut bei den Cavaliers machen, der Mann.
Der Rest der Übertragung waren Routinemeldungen und dergleichen. Also schaltete Zorn wieder auf die allgemeine Frequenz um.

„Beobachtung, habt Ihr was für mich?“, rief er die Infanterietrupps drei und vier auf dem Kamm an.
„Negativ, Sir, noch ist alles ruhig.“ „Weiterbeobachten.“
„Können wir mal auf die MechFrequenz wechseln, Sir?“, fragte Leary vorsichtig.
Ohne zu zögern schaltete der Offizier um. „Was gibt es, Leary?“
„Zorn“, wurde der ehemalige ComGuard plötzlich vertraulich, „vergessen Sie nicht, wir haben es mit Landungsschiffen zu tun. Die Dinger fliegen sonst von Sprungpunkten zu Planeten und wieder zurück. Ich meine, noch habe ich nichts in dieser Richtung geortet, aber der Vicomte könnte mit seinen beiden Landungsschiffen, seinem Mech und seinen beiden Lanzen Panzern und der Infanterie geradewegs in sechzig oder hundert Kilometern Höhe über unseren Köpfen lauern und nur darauf warten, dass wir etwas finden.“
Zorn schluckte trocken. „Das klingt plausibel, Kirran. Diese Gefahr dürfen wir nicht unterschätzen.“ Zorn ging wieder auf die Infanteriefrequenz. „Hiller, hören Sie mich?“
„Sir, ja. Wir gehen tiefer in die Anlage rein. Das MechLager erwies sich als Halle mit einem quadratischen Grundriss von sechzig Metern und einer Höhe von dreißig. Es gibt ein paar kleinere, verschlossene Türen und zwei große MechSchotts. Alle verschlossen, aber wir konnten eine der Türen knacken. Es gab keinen Alarm oder so. Auch keine Abwehrmaßnahmen. Wir sind auf einem langen Gang, groß genug für einen Mech. Wir sehen Schotte und Türen, die in mindestens einen weiteren Raum dieser Art führen. Wir folgen dem Gang in beide Richtungen, Sir. Ich inwärts und Jackson in Ihre Richtung. Entweder finde ich eine Schaltzentrale oder Jackson den Türknauf.“
„Gute Arbeit. Holen sie so viele Techs und Infanteristen wie möglich nach. Ich will den Eingang so früh wie irgend möglich offen haben. Aber Hiller? Sagen Sie mir Bescheid, bevor Sie Knöpfchen drücken. Es kann sein, dass wir sofort angegriffen werden, sobald hier ein Tor aufrauscht. Verstanden?“
„Verstanden, Sir. Links und rechts von mir sind weitere Räume dieser Art, also große Lagerhallen. Sieht nicht so aus, als würde ich in nächster Zeit auf bunte Knöpfchen drücken können.“
„Witzbold“, brummte Zorn und ging wieder auf den offenen Kanal. „An alle von Kenderson. Das Depot ist riesig. Vermuteter Grundriss mindestens hundertfünfzig Meter. Ein Eingang wurde noch nicht gefunden. Aber das scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
Ventis, Leary, sobald das Tor aufgeht, stellen Sie sich davor und sichern den Abzug unserer Leute. Die Infanterie und die Techs ziehen sich sofort ins Innere zurück. Das Ganze geht gefälligst geordnet ab. Ich will keinen Paniklauf ins rettende Innere, Herrschaften.“
Die verschiedenen Trupps und die beiden MechKrieger bestätigten.
***
Eine halbe Stunde später hatte sich noch nicht mehr ergeben. Private Jackson war am Tor angekommen, konnte aber nirgends Bedienungselemente ausmachen, um es zu öffnen.
Walter Hiller war auf einen Komplex gestoßen, der auf vier Stockwerke verteilt Mannschaftsräume, Kantinen, Besprechungsräume und dergleichen enthielt. Mittlerweile unterstützten beide Soldaten mehr als zehn Mann, während die Techs den Exterminator von der Plane befreit und eine erste Untersuchung vorgenommen hatten.
„Sir“, meldete Andrea Koenig, die SeniorTech der Gruppe, „soweit ich das übersehen kann, ist der Exterminator noch fabrikneu. Die Plane hat anscheinend die Feuchtigkeit zurückgehalten, es kam zu keiner Rostbildung oder Verrottungserscheinungen im Innern des Mechs. Wir können davon ausgehen, dass auch die anderen Mechs in dem Zustand sind.“
„Hm, wie schnell kriegen Sie eine der Mühlen fit, Koenig?“
„Hm, schwer zu sagen. Wenn ich ihn auf Risiko hochbringe und kampfbereit melden soll, vielleicht in anderthalb Tagen, wenn wir rund um die Uhr dran arbeiten.
Gehen wir aber auf Nummer sicher und sorgen dafür, dass Ihnen der Reaktor nicht unterm Arsch hochgeht und die Waffen auch dahin schießen, wohin Sie zielen, brauche ich selbst mit drei Schichten noch drei bis dreieinhalb Tage.“
Zorn seufzte leise. Soviel also zu ErsatzMechs aus dem Depot. „Gut, lassen wir das. Suchen Sie lieber das Depot nach Ausrüstung ab, Raketen, AK-Mun, Waffen und dergleichen.“
„Verstanden, Sir. Aber eines sage ich Ihnen, sobald das vorbei ist, will ich an diesem Baby arbeiten.“
„Machen Sie Ihre Arbeit gut, SeniorTech“, sagte Zorn leise, „und Sie dürfen die erste sein, die dem Exterminator seine ersten Schritte entlockt.“
„Kenderson von Hiller“, meldete sich der Infanterieleutnant. „Sir, wir haben so etwas wie einen Generatorraum gefunden. Scheint so, als hätte die SBVS nicht viel von stationierten Fusionsreaktoren gehalten. Dies hier ist eindeutig eine Dieselanlage. Habe ich Erlaubnis, sie hochzufahren?“
„Tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber seien Sie vorsichtig.“
„Verstanden, Sir.“
„Diesel?“, brummte Leary. „Muss ein Notsystem sein.“
„Was auch immer“, entgegnete Zorn leise. Er musste gestehen, er wurde immer nervöser, je länger der Vicomte ausblieb. Das war Nahrung für die Theorie des Adepten, und das wollte Zorn gar nicht schmecken. Denn das bedeutete, dass der Medice-Bastard sie bereits seit Stunden beobachtete und auf seine Chance wartete.
„Sir?“, rief Koenig erschrocken. „Hier geht überall das Licht an.“
„Kenderson von Hiller, das Baby läuft. Und es schluckt brav den Diesel, obwohl der Sprit ein paar hundert Jahre alt sein muss. Ich stelle einen Mann ab, der die Kontrollen überwacht und mache mich mit den anderen auf, nach einer Zentrale zu suchen.“
„Das brauchen Sie nicht mehr, Sir. Jackson hier. Ich habe sie gerade gefunden.“
„Bericht“, schnarrte Zorn.
„Sir, ich befinde mich am Tor. Es ist eine große Halle, die ähnliche Ausmaße wie die Lagerräume hat. In etwa zwanzig Meter Höhe befindet sich ein verglaster Bau, der an der rückwärtigen Wand leicht in die Halle ragt. Das wird wohl der Türknauf sein. Abwehrmaßnahmen sind keine zu entdecken.“
„Kommen Sie an das Ding ran, Jackson?“
„Definitiv, Sir. Es führen zwei Metalltreppen in die Höhe. Ich nehme die linke.“
Atemlose Spannung griff nach Zorn. Beinahe vergaß er zu atmen. War es jetzt soweit?
„Ich bin drin. Ich sehe Computerkonsolen, die zum Leben erwachen. Auch Monitore, die verschiedene Räume des Depots zeigen. Hier gibt es auch eine Art Steuerung für halbautomatische Abwehrsysteme in der Halle vor dem Tor. Sieht mir aber nur nach MG aus, Sir.
Hier ist etwas, das könnte der Türknauf sein. Ein großer roter Knopf in der Mitte der Konsole. Daneben ist ein Anagramm einer sich öffnenden Tür eingelassen. Soll ich mal?“
„Warten Sie. Hiller, stoßen Sie dazu und nehmen Sie einen Tech mit. Ich will nicht, dass die rein kommenden Infanteristen von den MGs zerlegt werden.“
„Bin schon unterwegs, Sir. Ich hole gerade SeniorTech Koenig ab.“
Es blieb einige Zeit still, bis sich Hiller wieder meldete. „Sir, wir sind jetzt da. Die MGs sind nicht automatisch. Das heißt, einer im Kontrollraum muss sie auslösen. Keine Gefahr für unsere Truppen.“
„Okay, an alle von Kenderson. Bereithalten für das Öffnen der Tür. Beginnen Sie, Leutnant Hiller.“
Der Offizier atmete deutlich hörbar aus. „Gut. Ich drücke jetzt den Knopf, Sir.“
Nichts geschah.
„Soll ich noch mal drücken, Sir?“ „Warten Sie. Vielleicht braucht das Ding einfach nach dreihundert Jahren etwas, um auf Touren zu kommen.“
Plötzlich kam ein lauter Knall über die Funkleitung. Es klang fast wie ein Schuss. War die Infanterie des Vicomte etwa bereits im Depot? Nein, unmöglich. Vielleicht aber gab es einen Verräter? Erneut erklang das Geräusch. Und dann geschah es...

Erst ging nur ein Beben durch den Hang, einzelne größere Steine lösten sich und rollten zu Boden. Ein Schwall Erde folgte und plötzlich wurde der Hang längs gespalten und fortgedrückt. Zwei mächtige Flügeltüren schwangen unendlich langsam auf. Die Öffnung, die sie schufen, maß gewiss zwanzig Meter in der Höhe und sicher zwölf in der Breite. Drei oder vier BattleMechs hätten sie nebeneinander passieren können.
„Los! Los! Los!“, brüllte Zorn und setzte seinen Mech in Bewegung. Die erste Abteilung Infanterie stürmte bereits hinein. „Vorsicht, wenn Sie uns folgen, Sir“, meldete eine atemlose Stimme. „Der Eingang hat ne Macke. Geradeaus laufen Sie direkt auf eine dreißig Zentimeter dicke Stahlwand auf. Links und rechts sind sechs Meter breite Öffnungen, durch die Sie eintreten können.“
„Von Kenderson, verstanden. Klingt logisch. Angreifer können so nicht direkt ins Depot hineinschießen.
Hören Sie, Leary, wenn Sie Recht haben, dann werden wir jetzt die Reaktion des Vicomte erleben. Beinahe wünsche ich es mir, denn die Ungewissheit wäre vorbei.“
„Das kann ein paar Minuten dauern, bis die Union-Landungsschiffe aus der Mesosphäre herabgeklettert sind. Hoffentlich genug Zeit für uns, um sicher rein zu kommen.“
Zorn hatte seinen Marodeur mit dem Rücken zum Depot aufgestellt, Ventis flankierte ihn links, Leary rechts. Zwischen ihnen huschte Infanterieteam drei ins Depot. Team vier verließ gerade den Berghang, auf dem es Wache gestanden hatte. Eine Strecke von fast drei Kilometern stand ihnen noch bevor. Zu lange, wie sich herausstellte, als Kirran Leary meldete: „Ortung! Sie kommen! Zwei große Metallansammlungen direkt über uns am Rande meiner Ortungsreichweite. Feuerreichweite in sechs Minuten, AZ in elf oder weniger.“
„Verdammt! Team vier, beeilt euch, oder Ihr steht demnächst auf dem Speiseplan der Schiffsgeschütze von zwei Landungsschiffen der Union-Klasse.“
Nervös überprüfte Zorn seine Feuerbereitschaft. Die PPK war klar, ebenso die beiden M-Laser. Sowohl die kleine als auch die große Autokanone meldeten Bereitschaft. Auf Feuerleitkreis eins hatte Zorn die Laser und die PPK gelegt. Die Munitionsabhängigen Waffen lagen auf zwei. Er wusste, dass er diese Konfiguration nicht lange durchhalten würde, seine Abwärme würde viel zu schnell in die Höhe getrieben werden. Aber es sollte reichen, den Landungsschiffen ein oder zwei schmerzhafte Hiebe zu verpassen.

Neben Zorn wurde der Boden aufgerissen, als eine Salve Autokanonenmunition einschlug.
„Die Landungsschiffe sind jetzt in Waffenreichweite“, meldete Leary trocken, richtete die Zwillingsläufe seiner Mecharme in den Himmel und feuerte die M-Laser ab, von denen sich je einer in einem Arm befand. Für die Autokanonen, welche die andere Hälfte der Zwillingsläufe bildete, waren die gegnerischen Schiffe noch zu hoch.
Wieder schlug Feindfeuer in seiner Nähe ein, traf aber nicht. Zorn musste grinsen. Anscheinend hatte der Kanonier Schwierigkeiten, den stark ansteigenden Feuerwinkel durch den rapiden Abstieg mit einzurechnen. Seine Ortung meldete eine Erfassung und er erwiderte den Gruß mit seinen Lasern. Es wurde kein nennenswerter Schaden am erfassten Landungsschiff registriert, aber das hatte Zorn auch nicht erwartet. Diese Dinger waren sowieso schwer gepanzert und machten es einem einfachen Mech nicht gerade leicht, sich da durchzuknaspern.

Endlich war Team vier fast heran. Damit kamen sie aber in den Bereich, den sich die Kanoniere als Hauptziel erkoren hatten und die Gefahr, zufällig getroffen zu werden, stieg für sie.
Zorn hatte den Gedanken kaum zu Ende gebracht, als drei Infanteristen zu Boden fielen. Rund um sie verfärbte sich das Gras braun und ihre Kleidung begann, Feuer zu fangen. Laserbeschuss! Diese Halunken! „Weiter, Trupp vier, weiter! Sie sind tot! Wir können nichts mehr für sie tun!“
Eine schwere Erschütterung erinnerte ihn an seine eigenen Sorgen. Eine AK-Salve hatte gesessen und ihn mittig im Torso getroffen. Neben ihm zog sich Ventis langsam in Richtung Eingang zurück und feuerte abwechselnd ihre M-Laser und den Schweren Laser auf die Landungsschiffe ab.
Sein Statusmonitor informierte ihn über den Verlust einer halben Tonne Panzerung. Neben ihm begann Leary auch mit den Autokanonen auf die Landungsschiffe zu feuern. Zorn schloss sich an. „Ventis zuerst, Sie sind am schwächsten gepanzert. Danach sofort Sie, Leary. Ich folge, sobald Sie drin sind. Stellen Sie sich so, dass Sie mich reinlassen können, aber den Eingang gegen nachsetzende Truppen halten. Und Hiller, sorgen Sie dafür, dass niemand über unseren Noteingang rein kann.“
Die Reste von Team vier huschten in die vermeintliche Sicherheit der Anlage. Auch der Feuerfalke von Ventis schritt jetzt zügiger aus und drehte nach rechts ab hinter den Panzerschutz. Sofort begann auch der Kampfschütze Learys mit dem Rückzug. Er feuerte nun aus allen Rohren und schaffte es tatsächlich, einem Segment seines Ziels ein paar Tonnen Panzerung abzuschmirgeln.
„Kommen Sie, Sir!“, rief Hiller über Gefechtsfunk. „Kommen Sie rein!“
Ein heftiger Schlag auf die bereits geschwächte mittige Torsopanzerung überzeugte ihn davon, dass es wirklich Zeit wurde. Der Statusmonitor meldete, dass an dieser Stelle nur noch ein Hauch von Panzerung existierte. Noch ein Treffer, und er riskierte Myomerschäden, einen Reaktortreffer oder Gyroskopschäden.
Zorn führte seinen Mech im Zickzackkurs zurück auf den Bunkereingang. Ventis und Leary gaben ihm aus ihrer gedeckten Position Feuerschutz, so gut es bei diesem noch ungünstigen Winkel ging. Noch während Zorn endlich den Vorraum mit der Panzerplatte erreichte, setzte das erste Landungsschiff auf. Es feuerte beinahe sofort eine Salve Langstreckenraketen auf den Eingang ab. Der MechKrieger hatte den Marodeur gerade so gedreht, dass er rückwärts an Ventis vorbei in den eigentlichen Vorraum gelangte, so wurde nicht die bereits empfindliche Mitte perforiert, nur der linke Arm und das Cockpit schwer getroffen.
Zorn sah die Panzerung am linken Arm bedenklich schwinden. Am Cockpit hielt sie stand, aber allzu viel war auch hier nicht mehr übrig.
Doch sie hatten es geschafft. Sie waren drin. Sie hatten das Depot genommen.
„Ich bin drin. Tore schließen“, befahl Kenderson.
Wieder knallte es durch die Halle. Die Flügel begannen, nach innen zu schwenken, blieben aber stehen. Die Beleuchtung flackerte und ein lautes Krachen kündete davon, dass die Tore so schnell nicht wieder zugehen würden.
„Verdammt! Was läuft da schief?“, brüllte Zorn.
„Die Motoren der Tore sind uns durchgegangen. Verschleißerscheinungen oder so. Da müssen die Techs ran“, meldete Hiller aufgeregt.
„Negativ, negativ. Hiller, ich will sofort Trupp drei mit Infernowerfern hier haben. Sie sollen sich bereithalten, den Bereich vor dem Tor mit ihren Raketen zu braten. Und sagen Sie den Techs Bescheid, dass mein Mech so schnell es irgend geht ein Wartungsgerüst und Panzerung braucht. Wäre auch nett, wenn sie einen mobilen Kühlmitteltank entdecken würden. Und Munition für meine und Learys Autokanonen.“
„Ziehen Sie sich tiefer in die Anlage zurück, Sir. Ihre Panzerung ist stark mitgenommen. Mein Feuerfalke wurde nur angekratzt. Besser, wenn ich weiter vorne stehe.“
„Tun Sie, was sie sagt, Sir. Wir halten die Stellung. Bringen Sie Ihren Mech nach hinten und lassen Sie die Panzerschäden flicken. Dann nützt er uns mehr als wenn er uns durch einen Glückstreffer hier in der Halle explodiert.“
„Negativ. Sie werden meine Feuerkraft brauchen, wenn der Vicomte seinen Mech und die beiden Panzerlanzen gegen das Tor in Marsch setzt. Hiller, haben Sie unser Mauseloch geschlossen?“
„Besser, Sir. Ich habe Sprengladungen legen lassen, die den Spalt in sich zusammenrutschen lassen. Vorher habe ich da oben aber eine automatische Kamera installiert. Dieses Mistdepot hat nur interne Systeme. Oder nur noch. Deswegen dachte ich, ein Auge nach draußen wäre ganz nett.“
Zorn nickte anerkennend und bewegte seinen Mech weiter nach hinten, um die Stahlplatte herum. „Den Jungen merke ich mir“, brummte er.
Bei Kirran Leary kam der Krieger wieder hervor. „Die rechte Seite ist immer noch vollständig gepanzert. Einwände?“
„Sie sind der Boss“, brummte der Adept.

Die beiden Union waren mittlerweile gelandet. Mit zwei Kilometern Entfernung waren sie außerhalb der Reichweite der Waffen seiner Mechs, aber die standen hier in einer guten Deckung, um dem Feuer der schwereren Schiffswaffen zu widerstehen.
Der Vicomte hatte mit dem Entladen begonnen. Den linken Transporter verließen die beiden Panzerlanzen, insgesamt acht unbeschädigte und einsatzbereite Kampfkolosse vom Typ Shrek. Das war übel, PPKs für den Kampf gegen Mechs.
Infanterie mit Sprungtornistern verließ das andere Schiff. Kurz darauf stapfte ein massiger Victor aus dem Hangar. Vicomte Janard Medice. Der größenwahnsinnige Händler.
Zorn spürte, wie sich seine Hände um die Steuerknüppel verkrampften. Er versuchte, sie wieder zu lockern, aber sie waren hart wie Stein. Aber irgendwie genoss er dieses Gefühl, die Härte, die Ausdauer und Kraft und den Schmerz. Es erinnerte ihn daran, dass er noch lebte. Und das sollte noch lange so bleiben.
„Was machen die da, verdammt?“, brummte Leary.
Die Infanterie teilte sich schnell in kleine Grüppchen auf. Das Gros verteilte sich vor den Landungsschiffen, während drei der kleinen Fünfertrupps nach rechts in Richtung des Taleingangs aus der Blickrichtung Zorns verschwanden.
Zorn Kenderson grinste schief. Ihm war klar, was diese Infanteristen vorhatten. Sie versuchten, auf dem gleichen Weg ins Depot zu kommen wie Zorns Kommandos eine halbe Stunde zuvor. Na, dann würde ihnen noch eine große Überraschung bevorstehen.
„Ich lasse Ihnen jetzt die Kamera auf einen der Monitore legen, Sir.“ Hillers Stimme klang unsicher, aber angesichts dieser Situation war das annehmbar. Für einen Milizinfanteristen hielt sich der junge Soldat geradezu hervorragend.
Der Computer meldete das eintreffende Signal, Zorn legte es auf einen Hilfsmonitor. Die Kamera erfasste nicht den gesamten Bereich, anscheinend war sie eingegraben worden. Ihr Fischaugenobjektiv aber erreichte immer noch einen Winkel von zweihundertvierzig Grad. Diese Perspektive führte zu Verzerrungen, aber die waren auch nicht schlimmer, als die auf hundertachtzig Grad gestauchte dreihundertsechziger Rundumsicht seines Mechs. Der Infanterietrupp begann den Hang zu erklimmen und systematisch abzusuchen. Das beruhigte Zorn. Der Vicomte schien sie beobachtet zu haben, aber nicht genau zu wissen, wo sie ihr Mauseloch gefunden hatten. Das eröffnete ihnen die Möglichkeit, die Kamera noch einige Zeit zu benutzen. Außerdem bestand immer noch die Gefahr, dass es weitere Spalten im Beton gab. Spalten, die sie immer noch nicht entdeckt haben konnten, die aber von ihren Gegnern entdeckt worden waren. Auf ein Infanteriegefecht im Innern der Anlage aber wollte sich Zorn nicht einlassen.

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„Hiller, hören Sie, haben Sie daran gedacht, die Decken der Lagerhallen auf weitere Risse absuchen zu lassen?"
„Selbstverständlich, Sir. Ich habe acht Techs und drei Infanteristen mit Scheinwerfern ausgerüstet, um danach zu suchen. Bisher ohne Erfolg. Aber ich halte ein paar Leute mit Plastiksprengstoff bereit, um so ein Schlupfloch rechtzeitig zu schließen.“
„Gute Arbeit, Hiller. Was haben Sie die nächsten dreißig Jahre so vor?“
„Wollen Sie mich anwerben, Sir?“, kam die nervöse Erwiderung.
„Wäre nicht die dümmste Idee. Sollten wir den Tag überleben, werde ich Sie das vielleicht noch mal fragen, Hiller."
„Ich fühle mich geehrt, Sir.“

Infanterie huschte plötzlich zwischen den Beinen seines Mechs herum, auch bei Ventis und Leary. Team drei war da. Beim Feuerfalken brachte ein Zweierteam ein schweres Zeus-Gewehr in Stellung, eine verdammt gemeine Scharfschützenwaffe. Einer war der Spotter und der andere traf, was der eine fand. Die Waffe hatte eine Trefferreichweite von über tausend Meter. Ein guter Schütze schaffte es, auf das anderthalbfache zu treffen. Als die Waffe ruckte und der Panzerkommandant eines Shreck in seiner Luke zusammensackte, wusste Zorn, wie gut der Schütze wirklich war. Das waren gut und gerne sechzehnhundert Meter gewesen.
„Guter Schuss“, lobte Zorn. „Wer ist am Zeus, Hiller?“
„Unser Scharfschütze? Gefreite Winston, Sir.“
Zorn grinste. „Vielleicht sollte ich mal eine Wunschliste zusammenstellen.“ Er feuerte die rechte PPK auf einen wagemutigen Shreck ab, der in vollem Galopp auf das blockierte Tor vorstürmte. Der satte Treffer machte der Panzerung nicht wirklich was, zwei oder drei dieser Treffer hielt ein Panzer dieser Klasse ohne weiteres aus. Aber der Fahrer verlor die Nerven und warf das schwere Gefährt herum, raus aus dem Schussfeld. Damit kam er in Ventis´ Schussfeld, die sich nicht lange bitten ließ und dem Shreck einen feurigen Gruß ihres S-Lasers hinterher jagte.
Ein Panzer ausgebrochen, ein Kommandant tot. Die nächsten Minuten war mit denen nicht mehr zu rechnen. Blieben sechs Panzer, der Victor und die Infanterie.

„Sir, die gegnerischen Scouts haben das Loch entdeckt“, meldete Hiller plötzlich. „Ich schicke Team eins rüber, um sie zu empfangen.“
Zorn schluckte trocken. Die Kamera war ins Tal gerichtet. Von den Infanteristen sah er gerade mal ein Bein, wenn es nahe durch das Sichtfeld huschte. Sie bereiteten den Abstieg vor.
„Schließen Sie das Mauseloch.“
„Aber Sir, es sind nur ein paar. Sie können nur einzeln durchkommen und wir erwarten sie. Das wäre es wert, die Kameraverbindung zu erhalten."
„Und wenn diese Bastarde einfach ein paar Sprengladungen fallen lassen? Schließen Sie, Hiller! Sofort.“
„Ja, Sir.“ Die Antwort des Infanteristen kam ruhig, geradezu trocken. Er musste damit rechnen, dass sich bereits die ersten Gegner abseilten. Zündete er nun die Sprengsätze, würde die Erde in sich zusammenrutschen und sie zerquetschen.
Es gab eine leichte Erschütterung und das war es. „Verluste?“
„Negativ, Sir. Keine Verluste bei uns. Sie sind wohl auch nicht mehr dazu gekommen, uns einen Gruß zu schicken.“
Wieder ging eine kleine Erschütterung. „Bündelladung“, kommentierte Zorn leise. „Schäden?“
„Negativ, negativ. Der Verschluss hält. Die Kameraverbindung ist ebenfalls noch aktiv. Da haben wir ja noch mal Schwein gehabt, Sir.“
„Das kann man sehen, wie man will, Hiller“, brummte Zorn.
Die Schonzeit war vorbei. Die Panzer rückten vor, zwischen ihnen die Infanterie, und dahinter der gewaltige Mech vom Typ Victor. Natürlich ging der Bastard hundert Meter hinter seinen Leuten. Er wollte nicht selbst ins Feindfeuer geraten, dieser Halunke, und opferte seine eigenen Männer dafür.
"Sir, wir haben jetzt einen Wagen mit frischer Kühlflüssigkeit da. Die Techs sagen, das Zeug wäre dreihundert Jahre alt, aber durchaus noch zu gebrauchen", meldete Hiller.
"Wollen Sie da stehen bleiben, oder kommen Sie etwas rein, Sir?“, erklang die Stimme der SeniorTech. "Ich habe nämlich keine Gefechtsweste."
"Okay, ich komme ein paar Schritte zurück, Andrea. Aber es muss schnell gehen. Ein paar Panzerplatten haben Sie nicht für mich?"
"Selbst wenn ich welche hätte, wie soll ich sie auf die Schnelle befestigen? Mit Glaube und Spucke?“, erwiderte die Technikerin. "Wir arbeiten daran, Sir, wir arbeiten daran."
"Am Glauben oder an der Spucke?“, scherzte Zorn und bewegte seinen Mech etwas tiefer in die Halle. Er war somit nur noch aus einem recht unmöglichen Winkel zu treffen. Und wer dies versuchte, befand sich im Feuerbereich seines linken Arms mit der PPK.
Sofort schwärmten Koenig und ihre beiden Techs aus. Die SeniorTech hangelte sich das Knie hoch und öffnete eine Wartungsklappe im Rumpf der Maschine. Ein Tech reichte ihr einen Schlauch, den sie in der Klappe einstöpselte, während der andere die Pumpanzeigen überwachte.
"Wir pumpen jetzt ab", meldete Koenig. Kurzfristig begann die Abwärme in Zorns Anzeige anzusteigen, kam schnell in den gelben Bereich. "Und das Gute rein. Das gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen."
"Sie lesen die Gebrüder Grimm?“, fragte Zorn beiläufig, während seine Abwärme weit in den grünen Bereich hinuntersackte.
"Gebrüder Grimm? Nein, das habe ich aus Der Ewige Krieger, sechste Season, Folge zwanzig. Es ging da auch um Kühlflüssigkeit, Sir."
"Ah, ja. Sagen Sie Bescheid, wenn Sie fertig sind, Andrea. Ich glaube, da braut sich was zusammen. Und sehen Sie zu, dass Sie mir nicht doch ein Gerüst und Panzerplatten anbieten können. Mit etwas Munition wäre ich bereits zufrieden."
Der Tech am Tank gab ein Zeichen, Koenig stöpselte aus. "Fertig, das Baby dürfte jetzt etwas ruhiger laufen. Aber halten Sie den Kopf zwischen den Beinen, Sir. Ihr Cockpit sieht nicht so aus, als würde es einem Volltreffer standhalten können."
"Danke, Andrea. Erinnern Sie mich daran, dass ich Sie vor Jeannie lobend erwähne."
"Eine Solderhöhung wäre mir lieber, Sir", erwiderte sie trocken.
Zorn lachte leise und schob den Mech langsam vorwärts, zurück neben den ehemaligen ComGuard. Die Situation hatte sich geändert, war aber noch nicht bedrohlich. Die verbliebenen sechs Panzer rückten weiter vor, zwischen ihnen die Infanterie. Dahinter kam der Victor des Vicomte. Nun gesellte sich auch der Shreck dazu, der den Kommandanten verloren hatte.
Wieder ruckte die schwere Zeus. Fast gleichzeitig fiel ein Infanterist zu Boden, als hätte man eine Wespe auf seinen Schultern abgestellt.
"Unsere Kamera ist aus, Sir. Diese Halunken haben sie gefunden", meldete Hiller leise.
Zorn checkte seinen Hilfsmonitor und fand ihn schwarz. "Diese Ärsche haben doch irgendwas vor...
Ventis, Leary, noch nicht feuern. Lasst sie erst mal auf vierhundert Meter herankommen. Ich will sichere Schüsse. Nur ein paar satte Treffer und noch besser ein oder zwei ausgefallene Shrecks werden sie beeindrucken. Das erkauft uns Zeit.
Team drei, bereithalten. Irgendwas passiert da über unseren Köpfen. Private, ziehen Sie sich mit dem Zeus und Ihrem Spotter etwas weiter in die Halle zurück."
Wieder ruckte das Zeus, ein weiterer Infanterist hauchte sein Leben aus und fiel zu Boden. Kurz darauf ein zweiter. "Verstanden, Sir. Ziehen uns zurück", hauchte eine ruhige Frauenstimme.
Zorn wischte sich über die Stirn. Sie war schweißnass. Und das, obwohl die Temperatur seines Mechs wieder tief im grünen Bereich waren. Was hatte dieser Kerl vor? Einen Sturmlauf auf das Depot? Konnte er nicht sehen, dass das in einem Fiasko für ihn enden würde?
Bei den Landungsschiffen blitzte es auf. Kurz darauf schlugen Granaten rund um das Tor ein. Prasselnd gesellten sich PPK-Blitze und Lasertreffer hinzu, die aber keinen wirklichen Schaden anrichteten. Das Meiste prasselte in den Erdwall neben dem Tor, einiges hämmerte auf die schwere Schutzwand ein, die genau gegen diesen Fall errichtet worden war.
Die Panzer setzten sich nun von der Infanterie ab und erreichten schnell zwei Drittel ihrer Höchstgeschwindigkeit. Auch sie feuerten ihre Waffen ab, ohne einen größeren Erfolg damit zu erzielen. "Feuer!“, brüllte Zorn und nahm den vordersten Tank unter Beschuss. Die PPK saß, aber der M-Laser ging vorbei. Learys Kampfschütze ließ seine Autokanonen aufbellen, eine Garbe strich über einen Shreck hinweg und fraß sich gierig durch eine Gruppe Infanterie.
Ventis feuerte eine volle Breitseite ihrer Waffen ab. Soweit es Zorn erkennen konnte, hatte zumindest der S-Laser voll gesessen.
"Ich brauche frische Kühlflüssigkeit, Sir", brüllte die MechKriegerin. "Die alte kocht schon."
"Koenig, fahren Sie rüber und geben Sie Ventis´ Baby was zu saufen."
"Für einen Mech wird es wohl noch reichen. Verstanden, Sir. MechKrieger, ziehen Sie den Feuerfalken ein paar Schritte zurück."

In diesem Moment geschah es. Zorn bemerkte die Handgranaten im Eingang erst, als sie explodierten und einen Schrapnellregen entließen, der auf seine Panzerung prasselte. Wäre Koenig nicht bereits hinter der Stahlplatte verschwunden gewesen, um zu Ventis zu kommen, und hätte er selbst nicht die Infanterie etwas zurückbefohlen, hätte es das erste Blutbad gegeben.
Seile hingen den Eingang herab, die Landungsschiffe stellten das Feuer ein. Die Panzer gingen nun auf volle Geschwindigkeit und preschten heran. Wieder feuerte Zorn die Waffen des linken Arms ab und rupfte einem Shreck einen Teil der Aufbauten vom Chassis.
An den Seilen glitten Infanteristen herab. Sie hielten in ihren Händen MPs und Bündelladungen.
"Infanterie im Stützpunkt!“, gellte die Stimme Learys auf. Er versuchte, seine Waffen auf die Soldaten auszurichten. "Weiter auf die Shrecks feuern!“, rief Zorn und gab seinem Panzer den Rest. "Unsere Infanterie macht das schon."
Zorn bemerkte eine feine Rauchsäule zwischen den Beinen seines Mechs. Kurz darauf entließ eine Infernorakete ihr hoch brennbares Gel. Die entzündete Masse begrub sechs der insgesamt neun Infanteristen unter sich. Die anderen hatten bereits Ventis´ Mech erreicht und versuchten, die Bündelladungen zu platzieren. Plötzlich wurde eine der Gestalten schwer gegen die Mechbeine des Feuerfalken geschlagen und fiel danach haltlos zu Boden, in die Ausläufer des brennenden Gels. Ein Teil des Gels begann bereits die Schräge, die den Eingang hinab führte entlang zu fließen.
Es war nicht einmal bis zu den Beinen des Marodeurs gekommen.
Auf der anderen Seite tauchten Soldaten von Team drei auf. Die restlichen beiden gegnerischen Infanteristen hoben die Hände zum Zeichen, dass sie sich ergaben. Einer sprang vor, legte die Hand auf die Bündelladung. Er wurde plötzlich wie welkes Laub durch die Halle geschleudert. Daraufhin leistete der andere Infanterist keinen Widerstand mehr.
"Das waren zwei verdammt gute Schüsse, Winston", lobte Zorn, der die zielsichere Arbeit der Scharfschützin erkannt hatte. "Aber es war auch waghalsig. Das Brandgel hätte auch zwischen die Beine meines Mechs fließen können. Das hätten Sie nicht überlebt."
"Nun, vielleicht doch, Sir", erwiderte sie trocken. "Ich bin nämlich auf dem linken Fuß Ihres Mechs."
Leary feuerte erneut, setzte nun die Waffen beider Mecharme ein und gab einem weiteren Shreck den Rest.
Auch Ventis holte sich ihren Abschuss.
Dies war zuviel für die Angreifer, die noch gut hundert Meter zu bewältigen hatten. Sie brachen den Angriff ab und strebten bei fünfzig Meter auseinander, um sich außerhalb der Waffenreichweite des VerteidigerMechs zu sammeln. Bei dieser Aktion gelang es Leary und ihm, in Zusammenarbeit einen weiteren Shreck auszuschalten.
Der Victor feuerte eine zornige Salve seiner Autokanone auf die wartenden Mechs ab und zog sich dann ebenfalls zurück.
Misstrauisch beäugte der Oberleutnant die Szene. Sie hatten Zeit gewonnen. Wie lange würde sie reichen?

Drei Stunden später wünschte sich Zorn, dass diese Pause nicht so lange gedauert hätte. Die Warterei zehrte an seinen Nerven. Und seine verkrampfte Haltung auf der Pilotenliege tat ihr übriges.
Wenigstens hatten sie die Zeit nutzen können, um auch Ventis´ Feuerfalke und Learys Kampfschütze mit frischer Kühlflüssigkeit zu versorgen. Zorn hatte es sogar gewagt, Kirran für zehn Minuten vom Tor abzuziehen, damit er seine Autokanonen aufmunitionieren lassen konnte. Der Glückliche. Er bekam Bewegung.
Aber er selbst blieb wo er war. Nervös schlug er sich fest auf die rechte Wange. Vor wenigen Minuten wäre er beinahe eingenickt. Und das in dieser prekären Situation! Es half nicht viel, aber Zorn wagte es nicht, die verbrauchte Luft durch das Öffnen der oberen MechLuke auszutauschen.
Es hatte keine weiteren Angriffe von oben gegeben, und obwohl sie nicht wissen konnten, ob sich da über ihren Köpfen nicht noch ein paar Infanteristen der Piraten unter dem Kommando Medices aufhielten, glaubte er nicht an noch so einen Überraschungsangriff.

"Ventis?" "Sir?" "Alles in Ordnung bei Ihnen?" "Ja, Sir. Die sollen nur kommen. Die kriegen die Prügel ihres Lebens." Zorn lächelte kalt. "Hinten anstellen, MechKriegerin.
Leary?" "Was gibt es, Oberleutnant?" "Wie geht es Ihnen?"
"Beschissen. Die Warterei geht mir auf die Nerven. Je länger es dauert, desto sicherer werde ich, dass Janard Medice eine Riesensauerei plant. Vielleicht schmeißt er eine Atombombe nach uns."
Entsetzt keuchte Zorn auf. Atombomben waren geächtete, ja verabscheute Waffen in der gesamten Inneren Sphäre. Sie zu benutzen, ja zu besitzen war Grund genug, von der Gemeinschaft der Nachfolgerstaaten als vogelfrei erklärt und zu Tode gehetzt zu werden.
"Das war nur ein Scherz, Zorn", brummte Leary leise. Und fügte hinzu: "Medice würde niemals zulassen, dass seine Beute radioaktiv verseucht wird."
"Das tröstet mich nicht wirklich, alter Mann", erwiderte Zorn leise.
Der lachte meckernd. "Sehen Sie es doch mal so. Je mehr Zeit vergeht, desto wahrscheinlicher wird es, dass Janard Medice einen wirklich gemeinen Trumpf in der Hand hat. Aber mit jeder Minute die verstreicht erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas entfernt vor den Hakkon-Bergen unsere Unterstützungstruppen sammeln. Noch etwa eine Stunde, und die Transporthubschrauber haben die erste Tour hinter sich. Das bedeutet dann mindestens eine Kompanie Infanterie und eine Panzerlanze für uns. Könnte reichen um das Depot zu verteidigen!"
"Sir, Koenig hier. Wir haben in Halle sieben eine Wartungsnische vorbereitet. Wenn Sie mit Ihrem Marodeur rüber gehen, können wir ihn aufpanzern und die Munition der Autokanonen ergänzen."
"Sorry, das kann ich nicht. Ich weiß genau, sobald wir uns eine Blöße geben und einer unserer drei Mechs nicht mehr zu sehen ist, werden diese Bastarde angreifen. Ich will meine Mühle dann nicht bewegungslos in einer Wartungsnische stehen haben."
Ein langer Seufzlaut erklang über Komm. "Dachte ich mir doch. Klarer Fall von Heldenmut. Okay, Sir, dann ziehen Sie Ihre Maschine mal zwei Schritte zurück. Wir haben hier Panzerplatten und fünf Techs mit Schweißgeräten. Wir versuchen, Ihren Panzerungsschaden mit Hilfe eines Minikrans zu beheben. Das können wir jederzeit abbrechen und Sie können sich wann immer Sie wollen in die Schlacht werfen. In Ordnung?"
Zorn lachte auf. "Was meinen Sie, Leary?"
"Herr Oberleutnant, das klingt nach einer guten Idee. Ich passe solange auf, dass unser Freund keinen Unsinn macht."
"Malen Sie den Teufel nicht an die Wand, Leary", brummte Zorn und zog den Mech ein paar Schritte zurück und um die Panzerwand, die das Depot gegen direkten Beschuss sicherte.
Sofort wieselten die Techs heran. Für einige Zeit war also für Zorn nicht viel zu tun. Also löste er seine Gurte und dehne und streckte sich, so weit es die Kabine des Marodeurs zuließ. Himmel, war er verspannt.
Hammerschläge landeten auf seinem Mech, die Techs lösten rabiat die geschmolzenen Reste der alten Panzerplatten ab. Kurz darauf surrte der Minikran heran. Gleich danach stoben die Funken der Elektroschweißgeräte, die das Metall an der neuen Position verankerten.

"Sir, dies wäre vielleicht der richtige Augenblick, um mit Ihnen zu reden", meldete sich Hiller. "In Ordnung, Leutnant, schießen Sie los."
"Wir haben den überlebenden Infanteristen verhört. So wie es aussieht hat er weit mehr Angst vor Janard Medice als vor uns. Er hat uns eine Geschichte erzählt, die uns jetzt noch die Haare zu Berge stehen lässt. Demnach hat er persönlich einen Soldaten zu Tode gepeitscht, der in seinen Augen Feigheit vor dem Feind gezeigt hatte. Als eines seiner eigenen Kinder eingreifen wollte, hatte er mit der Peitsche so lange auf es eingeprügelt, bis es am Boden gelegen und gewimmert hat.
Sir, ich habe dem Soldaten in die Augen gesehen. Der Mann sagt die Wahrheit. Was muss dieser Mann für eine Bestie sein."
"Das wundert Sie, Hiller? Immerhin ist ihm dieses Depot die Auslöschung der gesamten planetaren Bevölkerung wert. Hören Sie, bieten Sie dem Gefangenen Kriegsrecht an. Wir behandeln ihn nicht als Piraten, sondern als legitimen Soldaten. Vielleicht lockert das seine Zunge etwas mehr."
"Ja, aber Sir, er ist doch ein Pirat und war laut eigener Aussage auch auf dem Überfall auf Ihre Kompanie beteiligt."
Für einen Moment fühlte sich Zorn, als wäre er gerade kalt abgeduscht worden. Musste ihn dieser Narr nur daran erinnern? Heiße Wut kroch in ihm hoch, aber er behielt sie im Griff und rang sie nieder. "Manchmal wird man gezwungen, Dinge zu tun, die man gar nicht will. Ich biete diesem Soldaten hiermit offiziell meinen Schutz an und die Möglichkeit, seine Verbrechen wieder gut zu machen. Sagen Sie ihm das. Und erzählen Sie ihm, dass ich Clark Duvalle den gleichen Schutz gewährt habe, als er überlief."
"Ich werde es ausrichten, Sir, ungern, aber ich werde es ausrichten."
"Höre ich in Ihrer Stimme da etwas wie Missmutigkeit, Soldat?“, hakte Zorn nach. "Haben Sie wirklich was gegen meine Befehle?"
"Sir, es ist ja nur so, einige der Cavaliers waren meine Freunde. Die Hälfte ist tot, und ich bin gerade dabei, einen von denen, die das verursacht haben, zu beschützen. Das schmeckt mir nicht."
"Himmel", brüllte Zorn, laut genug, dass es zu einer Rückkopplung unter seinem Neurohelm kam. "Meinen Sie, mir schmeckt das? Meinen Sie, ich will diesen Mann nicht am liebsten an die nächste Wand stellen? Meinen Sie, ich will nicht die Verkörperung meines Vornamens werden? Aber ich tu es nicht. Weil ich weiß, dass dieses Gefühl vergehen wird. Dass die Wut vergehen wird und der Logik Platz macht. Und wenn ich dann nüchtern meine Taten betrachte, dann will ich sagen können: Ich habe gut und richtig gehandelt und kein Verbrechen begangen, das mich auf eine Stufe mit Janard Medice stellt. Genau deswegen gibt es Gerichtsverhandlungen im Militär der Vereinigten Sonnen und keine standrechtlichen Erschießungen als Procedere im Militär der Vereinigten Sonnen. Also seien Sie ein guter Militär, mein Junge, und tun Sie das, was ich Ihnen befehle. Tief in Ihrem Magen wissen Sie doch, es ist richtig so, nicht?"
Zögerlich kam die Antwort: "J-ja, Sir. Aber ich hätte sowieso auf Ihren Befehl gehandelt, weil ich Ihnen vertraue." Und Sie bewundere, schwang unhörbar in den Worten mit. War Zorn dieser Bewunderung wert? Vielleicht, wenn die meisten von ihnen den Tag überlebten.

"Es gibt Ärger", brummte Leary über Funk.
"Soll ich vorkommen?“, blaffte Zorn und schnallte sich wieder an.
"Nae. Noch nicht. Warten Sie ruhig ab, bis die letzten beiden Panzerplatten sitzen. Im Moment sieht es mehr so aus, als würden die Landungsschiffe feuern, während sich die Panzer und der Mech vor ihnen sammeln."
Wie zur Antwort rieselte feine Erde von oberhalb des Depots den Eingang hinunter. "Verdammt, was macht der Kerl da? Es sieht so aus, als würden die Landungsschiffe den Hang über dem Tor beschießen!"
Wieder rutschte Erde nach, mehr diesmal. "Ruhig, Ventis, ruhig. Das ist noch keine Gefahr für uns. Selbst wenn hier alles zusammenstürzt, das hat das Depot schon mal mitgemacht. Solange die Dieselmotoren da hinten funktionieren, kriegen wir hier auch ausreichend Luft. Und ich bin sicher, irgendwo gibt es eine Notluke, aus der wir selbst dann noch entkommen können."
"Aber was dann, Sir? Wenn uns dieser Bastard wirklich lebendig begräbt? Dann sind unsere Mechs außen vor, unsere stärkste Waffe. Wenn unsere Verstärkung in diesem Moment eintrifft oder später, wird Medice mit der Lanze Panzer und der Infanterie Schlitten fahren. Denn seine Waffen sind da draußen.
Danach hat er alle Zeit der Welt, um uns zu belagern und vielleicht über einen der Notausgänge anzugreifen."
"Nicht alle Zeit der Welt, Ventis, bestenfalls drei bis vier Wochen, bis Entsatz eintrifft." Zorn wurde unbehaglich. Dieses Gefühl steigerte sich noch, als Ventis seine Gedanken aussprach: "Drei bis vier Wochen, in denen wir hier drin sind. Drei bis vier Wochen, in denen Medice so ziemlich alles machen kann, was er will. Einschließlich unsere Basis zu erobern und unsere Mechs zu klauen, die Auld Jeannie gerade herrichtet. Einschließlich der Zeit, das Massaker zu beenden, das er vorhat."
Zorn stieß einen Fluch über Funk aus, der ihm ein tadelndes Na, na von Kirran einbrachte.
Wieder rutschte Erde nach und bedeckte einen Großteil des von der Inferno verbrannten Bodens vor dem Tor.

"Kenderson an alle. Team drei und vier sofort zum Tor. Wir brauchen Infernos, Scharfschützen und MP-Teams. Hiller, haben Sie irgendetwas schnelles hier entdeckt? Ein Motorrad oder einen Schweber?"
"Da ist ein altes Einrad-Bike, Sir, das augenscheinlich mit Diesel läuft. Ich habe es aber bisher nicht weiter beachtet."
"Richten Sie es her. So schnell es irgend geht. Und dann setzen Sie Ihren besten Mann drauf."
"Sir?“, fragte Hiller verwundert.
"Und dann sorgen Sie dafür, dass sich die Techs beeilen, die an den Motoren für die Türflügel basteln. Ich will, dass sich die Dinger endlich schließen."
"Verstehe, Sir. Sie wollen ausbrechen. Team eins und zwei sollen in der Zeit das Depot vor Infanterie verteidigen. Ich kümmere mich um das nötige. Mein bester Fahrer für diesen Job ist Jackson, Sir."
"Okay, richten Sie die Mühle her. Geben Sie ihr notfalls Diesel von den Notgeneratoren. Jackson soll sich bereithalten, aus unserer Mitte raus zu schießen wie der Ewige Krieger, wenn er ein neues Bordell entdeckt."
"Sehr witzig", kommentierte Ventis leise.
"Wir gehen da raus und stellen uns zum Nahkampf. Ich weiß, gegen die Landungsschiffe halten wir nicht lange durch. Deshalb beeilen Sie sich mit den Toren, Leutnant. Sobald sie sich schließen, setzen wir uns hinter den Wall am Eingang ab. Dort vereinigen wir uns mit der Verstärkung und setzen dem Vicomte zu, so gut wir können. Sie sehen, Hiller, ich will Sie bestimmt keine drei Wochen hier alleine lassen. Selbst wenn wir uns absetzen, wir bleiben in Ihrer Nähe. Die Teams drei und vier bleiben im Tor und verteidigen es, bis es schließt. Team eins und zwei suchen und besetzen diverse Notausgänge. Wir bleiben im Kontakt, so gut es geht, Hiller. Ihr Befehl lautet, das Depot zu verteidigen, und das bis zum letzten Mann. Sie öffnen die Pforte nur, wenn Captain Jorgensson vor der Tür steht, verstanden? Für niemanden sonst, einschließlich mich.
Wenn der Captain in den Kämpfen fällt, dann bleiben Sie drei Wochen da drin. Sie öffnen aber auch dann nur einem Offizier der Armee der Vereinigten Sonnen. Haben Sie das verstanden, Hiller?"
"Sie... rechnen damit, gefangen genommen zu werden?"
"Ich rechne damit, dass einer von uns dreien gefangen genommen wird, gefoltert wird und vor Schmerzen bereit ist, alles zu tun. Sogar dieses Depot zu verraten. Haben Sie das verstanden, Hiller? Öffnen Sie nicht mal, wenn Medice mich oder Ventis oder Leary direkt vor dem Portal zu Tode foltert. Das ist ein Befehl. Ich hoffe inständig, dass Sie ihn nicht ausführen müssen. Also, Team drei und vier, bereit?"
"Klar, Sir." "Bereit. Und wir sollen nicht mit Ihnen raus?"
"Sie wären nicht schnell genug für unsere Mechs, Winston. Was ist mit Jackson? Ist das Einrad bereit?"
Wie zur Antwort raste das schnelle Gefährt neben Ventis´ Wespe. "Bereit, Sir. Ich reite das Ding bis zur Hölle und zurück. Darf ich das behalten?"
Zorn musste lachen, trotz der angespannten Situation. "Eigentlich wollte ich Ihnen einen der Mechs geben", scherzte er, "aber wenn Sie lieber das Motorrad haben wollen...
Okay, Leary?" "Bereit. Denen geben wir Saures."
"Ventis?" "Sir, falls ich abgeschossen werde... Falls ich am Boden bleibe oder die Infanterie mich gefangen nimmt..." Ihre Stimme bebte. "Sie wissen, was Piraten mit Frauen machen. Bitte bringen Sie mich vorher um."
NEIN, schrieen seine Gedanken. Nedra Ventis war so ziemlich alles, was ihm von Cranstons Cavaliers geblieben war. Diese Frau war ihm näher als seine eigene Schwester. "Ich verspreche es Ihnen", hörte er seine eigene Stimme tonlos antworten. Er hasste sich für diese Worte. Denn er selbst erbat sich diese Option nicht.

"Cavaliers, hergehört. Langsam rutscht die Erde recht bedrohlich nach. Ich hoffe, die Tore schaffen das. Wir brechen aus, jetzt oder nie!"
Zorn setzte seinen Mech in Bewegung, kam schnell in einen schwerfälligen Trab. Sofort feuerte er die PPK ab, die einzige Waffe, die gegen die fernen Landungsschiffe, die Panzer und den Mech einen Effekt versprach. Direkt neben ihm feuerte Kirran Leary bereits seine Laser ab. Ventis in ihrem Feuerfalken preschte etwas vor und setzte die M-Laser in den Armen abwechselnd ein. "Ruhig, Ventis, ruhig. Ich habe die stärkste Panzerung, nicht Sie.
Jackson, noch da?" "Ich bin zwischen Ihren Beinen, Sir." "Bleiben Sie da. Ich warne Sie, bevor ich einen Ausfallschritt mache. Sie ziehen dann raus. Wenn ich nichts sage, ziehen Sie weg, sobald wir in effektive Waffenreichweite der Panzer kommen."
"Ja, Sir."
An den Landungsschiffen brach Unruhe aus. Der Victor erhob sich mit seinen Sprungdüsen in die Luft und kam den drei Cavaliers-Mechs so gute zweihundert Meter näher. Zwei Shreks setzten sich ebenfalls schwerfällig in Bewegung. In den Reihen der Infanterie brach Tumult aus, als schnell hintereinander vier Mann ausfielen. Ein weiterer Panzer setzte sich in Bewegung und überfuhr dabei einen weiteren Infanteristen, was das Chaos vervollständigte.
"Jetzt rausziehen, Jackson. Viel Glück und lassen Sie sich nicht treffen."
"Ja, Sir. Wir sehen uns, wenn ich mit Captain Jorgensson zurückkomme."
Das schnelle Bike ließ sich kurz zurück fallen und zog dann nach rechts weg, zum Taleingang. Schnell gewann es an Geschwindigkeit und huschte bald wie ein Schemen davon.

"Beginnen mit kreuzen. Splitten", befahl Zorn. Die Landungsschiffe hatten nun gute Chancen, sie zu treffen, wenn sie weiterhin gerade auf sie zugelaufen kamen.
Ein Shrek brach aus dem Gegenangriff aus und feuerte auf das davonhuschende Einrad.
Leary ließ sich da nicht lange bitten und versetzte dem Feindpanzer zwei Volltreffer mit den M-Lasern, die ihn wieder daran erinnerten, dass hier eine Schlacht tobte, kein Fang mich Spiel. Der Victor preschte weiter vor, direkt auf Zorns Marodeur zu.
"Nicht zu weit, Leute, nicht zu weit. Bleibt wenn es geht, achthundert Meter von den Landungsschiffen entfernt." Zorn schickte dem Victor einen ersten Gruß mit der PPK, der auf dem rechten Arm mit der Autokanone traf und dort etwas Panzerung abschmirgelte.
Ventis hatte sich mit einem Shrek angefreundet und tauschte Feuer mit ihm aus. Die gegnerischen Waffen des Panzers und der Landungsschiffe zogen neben ihrem Feuerfalken ihre Bahn. Wenn eine der Salven nur zufällig traf, weil Ventis in sie hineinzog, dann würde der 45-Tonner echte Schwierigkeiten haben.
Leary war nun auf effektive Reichweite heran und feuerte im Wechsel die beiden Autokanonen auf den Shrek ab, der immer noch versuchte, das Einrad zu treffen. Beide Salven trafen, und ein Lasertreffer brach schließlich in die ohnehin lädierte Flanke. Das war das Ende für den Feindpanzer. Er wurde vom eigenen Schwung noch ein paar hundert Meter getragen und blieb schließlich liegen. Seine Beute, das schnelle Einrad, verschwand gerade um die Biegung des Walls, der den Eingang des Tals abschottete.

Damit waren es nur noch vier Panzer, stellte Zorn nüchtern fest. Vier Panzer, ein Victor und ein Haufen aufgeschreckt herumlaufender Infanteristen. Wieder und wieder hielten Winston und ein zweiter Scharfschütze blutige Ernte unter den Soldaten. Neun Tote lagen bereits auf dem Boden, und wenn sich ein Infanterist nur den Hauch einer Blöße gab, lag er schnell daneben.
"Wir schließen jetzt, Sir. Viel Glück."
"Kenderson hier. Habe verstanden. Und Ihnen auch viel Glück, Hiller. Sie werden es brauchen."
Zorn warf einen schnellen Blick auf die Hundertachtzig Grad Anzeige und bemerkte zu seiner Erleichterung, wie sich die Pforten schlossen.
"Absetzen!“, blaffte er.
"Leary hier, verstanden."
"Ventis hier, verstanden."

Aus den kreuzenden MechBewegungen wurde ein ziemlich gerader Kurs, weg von den Landungsschiffen und ran an den Talausgang.
"Ventis, springen Sie und geben Sie uns vom Wall aus Deckung."
"Ja, Sir." Gehorsam löste sie die Sprungdüsen aus und kam dem Wall mit diesem Satz zweihundert Meter näher. Doch im Moment der Landung wurde der Feuerfalke am linken Bein von einer Autokanonensalve getroffen. Der Knieaktivator gab nach, der Unterschenkel wurde abgerissen. Für einen Moment noch versuchte Ventis das Gleichgewicht zu halten, dann fiel sie vornüber.
"Ventis! Status!“, blaffte Zorn während kalte Angst nach seinem Herzen griff. Nicht jetzt! Nicht so nahe am Ziel!
Der Victor hatte getroffen, und das verdammt gut. "Ventis!“, blaffte Zorn wieder. Er änderte den Kurs seiner Maschine und raste auf den gestürzten mittelschweren Mech zu. Dort drehte er ein und stellte sich beschützend vor dem Feuerfalken auf. Er schoss die PPK auf den näher kommenden Victor ab und traf erneut den rechten Arm mit der Autokanone. "Ventis, verdammt, melden Sie sich."
"Sie ist ohnmächtig, Zorn. Der Sturz muss sie betäubt haben!“, rief Kirran Leary, während er seinen Kampfschütze neben Zorns Marodeur aufstellte.
"Leary, ziehen Sie sich zurück. Das ist ein Befehl."
"Glauben Sie wirklich, ich will Nedra hier alleine lassen? Glauben Sie wirklich, ich würde Sie im Stich lassen?"
"Das ist dumm, Kirran, verdammt. Wenigstens ein Mech muss das hier überleben, damit wir eine Chance gegen den Victor haben."
Wieder feuerten die Landungsschiffe. Es war ein Wunder, dass die Salven nicht so besonders saßen und alle drei Mechs um mehrere Meter verfehlten. Wieder feuerte der Victor. Mit Bedauern sah Zorn, wie die frisch aufgesetzten Panzerplatten davon wirbelten. So würde also sein Ende aussehen.
Die Shrek-Panzer griffen nun ebenfalls an.
Leary empfing den vordersten mit einer vollen Salve. Alle vier Waffen trafen und reduzierten die Panzerung des Gegners auf einen winzigen Hauch. Der Kommandant schien das zu wissen, denn er brach aus der Formation aus. Vom linken Landungsschiff löste sich daraufhin eine Salve LSR und vernichtete den Abtrünnigen. Zum Glück waren sie außerhalb der Reichweite dieser Waffen.
"Ventis, verdammt", rief Zorn hilflos.
"Sir?" "Ventis!“, rief Zorn erleichtert. Nicht einmal die schweren Treffer im Myomer seines linken Armes konnten dieses Gefühl trüben. "Drehen Sie Ihren Mech um und benutzen Sie die Sprungdüsen."
"Geht nicht, Sir. Mir müssen ein paar Platinen durchgeschmort sein. Der Feuerfalke bewegt sich nicht."
"Dann steigen Sie aus, hören Sie."
"Ich habe es schon versucht. Die Luke hat sich verklemmt. Hier komme ich wohl nicht mehr raus."
Verdammt, warum hatte keiner der anderen beiden Mechs humanoide Arme und Hände? Er hätte den Feuerfalken forttragen können. So aber musste der Mech hier bleiben.
"Sir, bitte lassen Sie mich nicht in die Hände von denen fallen. Ich bin bereit."
"Negativ", erwiderte Zorn und tauschte Feuer mit dem Victor aus, der erneut voran gesprungen war. Lief dieses Mistding nicht irgendwann mal heiß?
Mit Bedauern sah Zorn dabei zu, wie sich der linke Arm verabschiedete. Schade um die PPK.
"Ich lasse Sie nicht hier zurück, Ventis. Ich habe schon genug gute Leute verloren. Heute verliere ich keinen mehr."
"Was? Das ist verrückt! Sie sind hier auf dem Präsentierteller! ZORN! Hauen Sie ab. Meinetwegen schießen Sie nicht auf mich, aber opfern Sie sich nicht. ZORN! Ich habe auch schon zu viele Freunde hier verloren." Ihre Stimme klang verzweifelt. "Kirran. Sagen Sie diesem Narren doch, dass er endlich verschwinden soll."
"Er ist ein Dickkopf, Nedra, und ich bin es auch. Wir bleiben."

Wieder feuerte der Victor die Autokanone. Der Marodeur taumelte einen Schritt nach hinten, als er mittig im Torso getroffen wurde. Zwei Raketen einer KSR-Salve taten ein übriges.
So sterbe ich also, ging es Zorn erneut durch den Kopf, während er den Mech wieder in Kampfposition brachte. Er feuerte alles, was er noch hatte, auf den nächsten Panzer. Die Autokanonen bliesen ihn aus diesem Leben.
Erneut schlugen KSR in Zorns Torso ein, ließen den Mech wieder einknicken. Noch so ein Treffer, und die Panzerung war durch.
Zorn konzentrierte sich auf den Panzer, mit dem sich Leary bereits ausgiebig beschäftigt hatte und gab ihm den Gnadenstoß mit der großen Autokanone. Seine Abwärme schnellte sprungartig hoch. Er hatte Wärmetauscher verloren.
Der Computer kündigte die Notabschaltung des Reaktors an, Zorn hieb auf den Vetoschalter.
"Gehen Sie jetzt, Kirran. Sie brauchen beim Ende der Cavaliers nicht mit draufgehen", sagte er so ruhig wie selten in seinem Leben.
Kirran Leary lachte hart zur Antwort. "Ab sofort bin ich auch ein Cavalier."
"Dickschädel", lachte Zorn betrübt und befreit gleichermaßen. Wieder ging ein Wärmetauscher verloren. Es wurde Zeit, die AK-Munition abzuwerfen, wenn er keine interne Explosion riskieren wollte. Der Marodeur knickte erneut ein und wurde starr. Wütend hieb Zorn auf den Vetoschalter. Nichts geschah. Dafür kam der Victor immer näher und setzte erneut eine Salve direkt in seinen Torso. Die Panzerung existierte nun nicht mehr. Erneut schlug Zorn auf den Vetoschalter, doch wieder geschah nichts.
Zugleich knickte der Kampfschütze schwer ein, getroffen von einer Autokanonensalve eines Landungsschiffs. Der letzte Kampfpanzer preschte heran, um Leary den Rest zu geben.
Der Victor sprang und reduzierte die Entfernung zu Zorns Marodeur auf hundert Meter. Der Arm mit der Autokanone hob sich. Beinahe glaubte Zorn, in die Mündung sehen zu können. Er war nun unglaublich ruhig. Er wusste, dies waren seine letzten Sekunden in diesem Leben.

Plötzlich wuchsen kleine Feuerblumen auf dem rechten Arm des Victors. Zwei Volltreffer rissen die Autokanone von der Schulter des Gegners.
Das war eine Autokanone gewesen. Leary? Nein, der kämpfte mit seinem Gleichgewicht und dem letzen Shrek.
Wieder traf eine Autokanonensalve den Victor, diesmal im Torso.
"Darf ich mitspielen, Zorn?“, erklang eine Stimme, die er tagelang gehasst hatte wie nichts auf der Welt. Nun aber erschien sie ihm wie das helle Lachen eines Engels.
Sein Mech erwachte wieder zum Leben, als die Abwärme unter die Rotmarkierung rutschte. Sofort richtete er seinen Marodeur auf und feuerte die Autokanone in die Bresche, die bereits in den Rumpf des Victors geschlagen worden waren. Die eingelagerte KSR-Munition ging hoch und riss den anderen Arm auch noch ab. Der Mech taumelte und sackte schließlich in sich zusammen.
Kurz darauf sprang ein Tomahawk - sein alter Mech, das Zeichen der Cavaliers war noch drauf - direkt neben ihn.
"Duvalle, hat Ihnen der Arzt nicht Bettruhe verordnet?“, rief er erleichtert. Was immer dieser Mann getan hatte, was immer ihm die Cavaliers jemals vorgeworfen hatten, mit seinem Erscheinen hier machte er all das wieder gut."
"Tja, Jeannie Crawford meinte, ein Tomahawk wäre allemal besser als eine Wespe. Und da ich der einzige MechPilot bin, der diese Mühle benutzen kann, hat man mich hierfür fit gemacht. Haben Sie schon mal eine Infusionsanlage in einem MechCockpit gesehen? Sieht witzig aus."
"Danke, dass Sie Ihr Leben riskieren, Clark."
Der Tomahawk sprang neben Learys Kampfschütze. Die Titanstahlaxt sauste herab und schlug in den letzten Shrek ein. Ein Autokanonentreffer von Leary vervollständigte das Vernichtungswerk.
"Bleiben nur noch die Landungsschiffe", stellte Duvalle fest. "Aber das ist nichts für mich. Dem Mech fehlen noch zwei Wärmetauscher, das hat Ihr MeisterTech auf die Schnelle nicht hingekriegt, aber das müssen wir Medice nicht erzählen."

Im Taleingang tauchten drei Panzer vom Typ Burke auf. Sofort begannen sie damit, die Landungsschiffe unter Feuer zu nehmen.
Die Infanteristen kamen aus ihren Deckungen hervor und liefen die Rampen der Landungsschiffe hinauf, die sich bereits schlossen. Einige schafften es nicht. Die Klügeren versuchten, Abstand zu gewinnen, um beim Start nicht gebraten zu werden. Andere wurden zu lebenden Fackeln, als die Feuerlohe des Notstarts die Union in die Höhe lupfte. Ein Landungsschiff startete durch. Das andere schob zu ihnen herüber und nahm den Victor unter Feuer. Tausendzweihundert Meter, noch zu weit für einen effektiven Treffer.
Einem Gedanken folgend preschte Zorn vor und stellte seinen Mech als Schutz vor dem Victor auf.
"Was soll denn der Scheiß? Lassen Sie den Vicomte doch von seinen eigenen Leuten töten", blaffte Leary gereizt.
"Da sitzt nicht der Vicomte drin, verdammt. Ist Ihnen das noch nicht aufgefallen? Dieser Bastard würde sich niemals derart in Gefahr begeben. Da sitzt einer seiner entrechteten MechKrieger drin. Und wenn er den Vicomte einen Todesstoß wert ist, dann ist er lebend für uns von Bedeutung.“
Wieder feuerten die Panzer. "Captain Jorgensson hier. Habe verstanden und gebe Deckungsfeuer. Wie ich sehe, haben Sie Erfolg gehabt. Sie leben sogar noch. Dabei standen die Wetten fünf zu eins gegen Sie", meldete sich der Milizoffizier.
"Wie haben Sie gewettet?" fragte Zorn und feuerte die große Autokanone auf das Landungsschiff. "Ich bin jetzt vierhundert C-Noten reicher." "Kluge Wette."
Der Tomahawk trat neben ihn. "Leary deckt weiterhin Ventis, ich leiste Ihnen Gesellschaft, wenn ich darf."
"Seien Sie mein Gast, Clark. Seien Sie mein Gast. Irgend eine Ahnung, wer im Cockpit sitzen könnte."
Eine volle Ladung LSR jagte auf die beiden Mechs zu. Drei trafen Zorn und schüttelten den Marodeur kräftig durch. Vier perforierten die Panzerung des Tomahawks. Aber beide Mechs blieben stehen. "Ja, habe ich. Machen Sie sich auf eine Überraschung gefasst, Zorn.
War übrigens eine gute Idee, den Melder zu schicken. Nur durch ihn haben wir erfahren, was hier passierte und uns für einen schnellen Vorstoß entschlossen, anstatt uns vorsichtig heranzupirschen."
"Er kriegt nen Orden", knurrte Zorn und musste mit ansehen, wie auch der rechte Arm immer mehr Panzerung verlor. Hoffentlich kam der Bastard von Landungsschiffskapitän nicht auf die Idee, direkt auf ihnen zu landen. Er war dann zwar verwundbar, weil er seine Startdüsen präsentierte und nur einen Bruchteil seiner Waffen einsetzen konnte. Aber vielleicht war es ihm dieses Risiko wert.

Neben dem Tomahawk kam ein Burke zum stehen. Der Panzer platzierte einen Treffer mit einer PPK direkt auf das bereits lädierte Schott zum MechHangar des Union. Leary folgte seinem Beispiel und feuerte eine volle Salve ab. Zorn zog nach. Auch die anderen Panzer feuerten. Endlich stoppte der Union die Bewegung auf sie zu und begann, unendlich langsam in den Himmel zu steigen.
Die Mechs und Panzer feuerten, was ihre Waffen hergaben. Aber nur die Mechs waren in der Lage, senkrecht nach oben zu feuern, was die Wirkung rasch einschränkte.
"Das war es dann. Captain Jorgensson, bitte fahren Sie zum Depot. Hiller hat Befehl, nur Ihnen zu öffnen. Da Sie einen Mech dabei haben, nehme ich an, dass Sie auf Infanterie verzichtet haben. Wir werden seine Teams brauchen, um die Verwundeten und die Versprengten einzusammeln. Außerdem muss einer Ventis dabei helfen, aus ihrem verklemmten Cockpit zu kommen.
Leary, Duvalle, Patrouille. Wir sichern das Gelände.
Ventis, wie geht es Ihnen?"
"Ich lebe. Danke. Sie sind ein verrückter Hund, Zorn, wissen Sie das?"
Der Cavalier lächelte matt. "Deswegen leben wir alle wohl noch."
"Nein", meldete sich Leary zu Wort. "Wir leben trotzdem noch." Gelächter antwortete ihm. "Aber ich würde es jederzeit wieder so machen."
"Willkommen bei Kendersons Cavaliers", hauchte Zorn ergriffen.
***
Als Nedra Ventis aus ihrem Mech gehoben wurde, jubelten die Menschen. Sie hatte sich bei dem Sturz eine Gehirnerschütterung zugezogen und einen Arm gebrochen, aber sie lebte. Vor allem für die Cavaliers war das ein Zeichen der Hoffnung. Hoffnung, die auch ihn selbst betraf, Zorn Kenderson.
Nach und nach trafen weitere Einheiten ein. Techs unter MeisterTech Crawford und Infanterie der Cavaliers unter Muller. Medotruppen waren ebenfalls dabei. Sie hatten mehr als genug zu tun. Die Infanterie aus dem Stützpunkt hatte siebzehn Panzerfahrer aus den Wracks gerettet, fast vierzig Tote zusammengetragen und elf Überlebende Infanteristen eingesammelt.
Dazu kam der Pilot des Victors. Er war sofort in einer Arrestzelle des Depots eingesperrt worden. Mit ihm wollte sich Zorn später noch intensiv befassen.

Erst einmal aber waren die Aufräumarbeiten und die Versorgung der Verletzten wichtiger.
MeisterTech Crawford gelang es, den Fusionsreaktor des Depots zu starten. Daraufhin erwachten ein paar weitere Spielereien zum Leben, unter anderem eine schwere Flugabwehr.
Koenig hatte sich derweil in den Computer des Depots gehackt und einige interessante Dateien entdeckt, unter anderem gültige Zugangscodes für SBVS-Einrichtungen.
Im Nachhinein erwies sich Leutnant Hillers Fund, die Erdspalte über die sie eingedrungen waren, als wahrer Glücksfall. Wer weiß, was passiert wäre, wenn sie direkt mit der Tür ins Haus gefallen wären.
Es war bereits später Abend, als die letzten Truppen eintrafen, um das Gelände zu sichern. Unter ihnen war auch Akoluthin Annie Walters.
Mit allen wichtigen Beteiligten fand gegen Mitternacht Ortszeit eine Abschlussbesprechung in einem der Depotkonferenzräume statt.
Für die Miliz waren das die Offiziere Captain Jorgensson und Lieutenant Walter Hiller, sowie die Soldaten Winston und Jackson.
Für ComStar waren Akoluthin Walters und Adept Leary anwesend.
Für die Cavaliers waren das Nedra Ventis, er selbst, Leutnant Akeem Muller, die Techs Crawford und Koenig.
Hinzu kam Clark Duvalle, der trotz des Protestes des behandelnden Arztes auch noch an der Abschlussbesprechung teilnehmen wollte, anstatt das Bett zu hüten.

"Wir kommen zur Verlustrechnung. Leider hat Team vier drei Mann durch Laserbeschuss verloren. Dazu kommen zwei Verletzte in Team eins und MechKriegerin Ventis, die mit ihrer Gehirnerschütterung eigentlich im Bett liegen sollte."
Trotzig schüttelte Nedra Ventis den Kopf, was ihr aber augenscheinlich neue Schmerzen bereitete. Zorn schmunzelte.
"Entgegen der Verluste, die die Cavaliers bei den ersten Kämpfen gehabt haben, erscheinen mir diese beinahe als annehmbar. Eigentlich schon unglaubwürdig.
Kommen wir zum positiven Teil. Belohnungen und Beute.
Wir haben drei Hallen gefunden, in denen Mechs eingelagert waren. In Halle eins waren dies ein Exterminator, ein Heuschreck und zwei Mechs des Typs Greif.
In Halle zwei waren dies ein Mech vom Typ Highlander, ein Orion, ein Schütze und ein Kampftitan.
In Halle drei waren dies vier Mechs vom Typ Hermes.

Hinzu kommen Versorgungsgüter wie Munition und Ersatzteile für diese Kompanie, für ein Gefechtsjahr. MeisterTech Crawford taxiert den Wert der Mechs und des Depots auf eine halbe Milliarde C-Noten. Dabei entfallen einhundert Millionen auf das Depot als Einrichtung, einhundertzehn auf die Mechs und der Rest auf die Ausrüstung.
Kendersons Cavaliers sind bereit, der Miliz für die großzügige Hilfe vier Mechs ihrer Wahl sowie das Depot inklusive einem Drittel der Versorgungsgüter zu überlassen, unter der Voraussetzung, dass Sie sich von Leutnant Hiller und seinen vier Teams trennen können, Captain."
Der drahtige Milizionär lachte. "Habe mich schon gefragt, wann Sie damit rausrücken, Zorn.
Ich bin einverstanden, vorausgesetzt, die Soldaten treten freiwillig in den Dienst der Cavaliers über. Als Mechs wähle ich einen Greif, zwei Hermes und den Orion. Ich denke, das ist ein angemessener Gegenwert. Das Drittel der Ausrüstung vorzusortieren behalte ich meinen Techs vor."
"Ich bin einverstanden. Und ich danke Ihnen. Sie sind wirklich nicht sauer, wenn sich Ihre Leute den Cavaliers anschließen?"
Wieder lachte der Captain. "Himmel, Zorn, wäre ich zwanzig Jahre jünger, ich würde selbst mitkommen wollen. Außerdem bekomme ich ja ein Trostpflaster im Wert von zweihundertvierzig Millionen C-Noten, oder?"
Zorn nickte. "ComStar biete ich für die geleistete Hilfe ebenfalls einen Mech Ihrer Wahl an sowie Ausrüstung für einen vollen Gefechtsmonat für diesen Mech."
"ComStar lehnt ab. Sie haben mit Ihrem Eingreifen am gestrigen Abend die Einrichtung gerettet. Ich soll Ihnen das ausdrückliche Lob vom Präzentor New Avalon übermitteln und Ihnen eine Belohnung im Wert von einer Million C-Noten anbieten. Aber ich denke, Sie werden auf lange Zeit keine Geldsorgen haben."
"Sicher nicht", erwiderte der Cavalier zufrieden. "Wir bedanken uns für die Belohnung, lehnen sie aber ab im Anbetracht der großen Hilfe durch Kirran Leary.
Kommen wir zu den Belohnungen. Ab sofort befördere ich MechKriegerin Ventis für außerordentliche Tapferkeit und hervorragendes Talent in der MechFührung zum Corporal. Außerdem biete ich Ventis hiermit einen der DepotMechs als Standartmaschine an. Sie erhält fünfzig Prozent Besitzrecht an dieser Maschine."
"Danke, Sir", murmelte sie verwundert. "Aber ich würde lieber den Feuerfalken behalten. Ich habe mich so dran gewöhnt."
"Nun gut. MeisterTech, tragen Sie bitte in das Protokoll ein, dass Nedra Ventis ab sofort alleinige Besitzerin des Feuerfalken ist.
Außerdem nehme ich hiermit den Rang eines Majors an. Gleichzeitig ordne ich die Aushebung einer Panzerkompanie unter dem Befehl von Hauptmann Akeem Muller an. Ich hoffe, der Wechsel von der Infanterie zu den Tanks gefällt Ihnen, Hauptmann Muller."
Der zuckte die Achseln. "Ich bin Cavalier. Sie haben mir befohlen, Duvalle nicht zu erschießen. Ich habe gehorcht. Sie haben mir befohlen, die Panzer auszuheben, ich gehorche auch. Bisher hat´s gut funktioniert, Sir."
Zufrieden nickte Zorn und er schmunzelte bei dem Gedanken, wann der gute Akeem herausfinden würde, dass er gerade befördert worden war. "Hiermit werbe ich Leutnant Hiller an. Ich befördere Sie sofort in den Rang eines Hauptmanns und beauftrage Sie damit, eine neue Kompanie Infanterie auszuheben. Dazu ermächtige ich Sie, Gefreite Winston zum Sergeant zu befördern und sie mit der Ausbildung und dem Kommando über einen ebenfalls auszuhebenden Zug Kommandosoldaten zu betrauen."
Walter Hiller starrte Zorn an wie einen Geist. Er suchte den Blick seines ehemaligen Vorgesetzten der lauthals lachte. "Wie ich schon gesagt habe, Walter, wäre ich zwanzig Jahre jünger, ich würde selbst mitfliegen."
Hiller strahlte über das ganze Gesicht. "Ich nehme an, Sir."
"Gut, da wäre noch was. Captain, ich hätte gerne Ihre beiden Transporthubschrauber und die Besatzungen."
Jorgensson verzog das Gesicht zu einer beleidigten Miene. "Ungern. Aber ich werde es den Besatzungen freistellen. Durch das Depot kann ich sicherlich neue Transporter erwerben und neue Crews ausbilden."
"Zuletzt möchte ich mich bei Clark Duvalle entschuldigen. Gleichzeitig bedanke ich mich für Ihre Hilfe, Clark und biete Ihnen das gleiche an wie ComStar."
Der Versicherungsmann lächelte verschmitzt. "Ich denke drüber nach, Zorn. Ich darf Sie doch Zorn nennen?"
"Ich kann es Ihnen jetzt kaum verbieten", spielte er auf das letzte Mal an, als Duvalle ihm diese Frage gestellt hatte.

Zorn Kenderson erhob sich. "Die Besprechung ist beendet. Schicken Sie Ihre Leute in die Kojen. Ich denke, heute Nacht brauchen wir nur minimale Bewachung.
So, ich habe da noch einen Termin mit unserem gefangenen MechKrieger.
Gute Nacht, Herrschaften."
"Gute Nacht, Herr Major", erklang es am Tisch. Für einen Moment stutzte Zorn. Er würde sich an diesen Rang schon noch gewöhnen.
Leary erhob sich ebenfalls und folgte dem Cavalier.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Arrestzelle. Zwei Wachen standen davor und ließen beide anstandslos passieren.
Da erwartete ihn der erste Schreck. Der Feindpilot war eine Frau.
Der zweite Schreck war, sie hatte eine schlecht verheilte und mit Blut verkrustete Schmarre im Gesicht, die ohne weiteres eine hässliche Narbe werden konnte, wenn sich kein erfahrener Mediker ihrer annahm. Auch am Hals waren zwei dieser blutigen Striemen zu sehen.
Diese Frau war gepeitscht worden.
Zorn erinnerte sich daran, was der gefangene Infanterist über die Zustände unter dem Kommando des Vicomte erzählt hatte. War diese Frau hier etwa...?
"Miss Medice?“, fragte Zorn geradeheraus.
Erschrocken sah die Kriegerin auf.
"Miss, wie geht es Ihnen? Wurden Sie anständig behandelt?"
"Warum interessiert es Sie?“, fragte sie mit rauer Stimme. "Sind Sie auch einer der Moralapostel, die nur gesunde Soldaten an die Wand stellen und erschießen?"
Zorn ging nicht darauf ein. Er trat zur Tür und sagte: "Wache, holen Sie den Arzt vom Dienst.
Ich lassen den Doc kommen, Miss. Er wird sich Ihrer Peitschenwunden annehmen."
"Sie wissen...?“, fragte sie erstaunt.
Zorn nickte schwer. "Einer der gefangenen Infanteristen berichtete uns davon. Seien Sie unbesorgt. Wir haben nicht vor, Sie an die Wand zu stellen."
"Was wird dann aus mir?“, fragte sie leise. "Wollen Sie mich den AVS übergeben? Oder gegen Lösegeld an das Handelshaus weiterreichen?"
Zorn schüttelte den Kopf. "Nein, Miss. Ich denke... Nein, ich weiß, dass Sie nicht freiwillig gegen uns angetreten sind. Ich denke, Sie sind weder Ihrem Vater, noch dem Handelshaus Medice noch zu irgendetwas verpflichtet. Wenn Sie dies wünschen, werde ich Sie Morgen früh in die Hauptstadt bringen lassen."
Sie schüttelte den Kopf. "Allein auf einer fremden Welt, in der ich als Pirat gehasst werden würde? Dann erschießen Sie mich lieber."
"Es gibt noch eine Alternative, Miss. Wir wissen von den anderen Depots, die Ihr Vater jagt. Wir wollen vor ihm dort sein. Wenn Sie wollen, kommen Sie als MechKriegerin mit. Ich habe Sie im Victor beobachtet. Sie sind ein guter Krieger. Außerdem kann ich jemanden gebrauchen, der Janard Medice kennt."
"Sie meinen, ich soll gegen meinen Vater kämpfen?"
"Ist das ein Problem für Sie, Miss Medice?“, fragte Zorn streng.
"Ein Problem? Diese Chance? Nein, Sir und ich nehme dankend an."
"Also sind Sie dabei. Falls wir den Victor nicht reparieren können, biete ich Ihnen den Schütze an, den wir hier geborgen haben. Bleiben Sie diese Nacht noch in der Zelle oder im Krankenrevier, je nachdem, was der Arzt sagt. Morgen bereite ich einen Vertrag vor. Miss..."
"Ilona. Ilona Medice."

Als der Arzt eintraf, verbeugte sich Zorn steif in der Hüfte und verließ den Arrestraum. Gerade rechtzeitig, um dem zornigen Gebrüll des MedTechs zu entgehen, der die Soldaten anschrie, warum sie ihn nicht früher gerufen hatten.
Zorn ging weiter, bis er in den Torraum des Depots kam. Jackson empfing ihn mit einem breiten Gähnen.
"Gehen Sie ins Bett, Soldat. Sie sind jetzt fast dreißig Stunden wach", tadelte Zorn.
"Ist schon in Ordnung, Sir. Werde ja gleich abgelöst. Ach ja, danke für das Bike. Ich darf es doch behalten?"
Zorn lächelte. "Natürlich. Immerhin haben Sie mir, Leary und Ventis das Leben gerettet. Außerdem verspreche ich Ihnen, wenn Sie zu den Cavaliers kommen, dass ich Sie auf Ihre MechKriegertauglichkeit testen werde."
Erstaunt sah der Soldat den Offizier an. "MechKrieger? Wow. Ehrlich?"
"Nun", meinte Leary schmunzelnd. "Sie haben ein verdammt gutes Gleichgewichtsempfinden. Zorn ist nicht der einzige, der das gesehen hat. Das ist eine wichtige Eigenschaft für einen MechKrieger."
"Ich will es probieren", murmelte Jackson und schüttelte den Kopf. "MechKrieger...Ich kann es kaum glauben..."
***
Nebeneinander traten Zorn und Leary hinaus und gingen ein paar dutzend Meter.
Wütend starrte Zorn Kenderson in den Nachthimmel.
„Was ist da oben so interessant, Zorn?“, fragte Kirran leise.
Der Anführer der Cavaliers schnaubte leise und sagte: „Irgendwo da oben ist Janard Medice. Wir haben ihm eine blutige Nase verpassen können, und wir wissen, auf welchen Welten er noch nach Depots suchen wird, aber er ist frei. Und ich will, dass er für den Mord an meinen Leuten büßt.“
„Und für den Angriff auf unsere HPG-Station“, brummte der ComGuard leise.
Zorn sah den Älteren an und nickte. „Auch dafür. Das verspreche ich, Kirran.“
Adept Leary grinste den Offizier an und sagte: „Sie brauchen es nicht zu versprechen. Ich werde dabei sein und Ihnen etwas zur Hand gehen, wenn Sie erlauben.“
Der Offizier war überrascht. „Was? Aber... Egal. Ein so verdammt guter MechKrieger ist mir jederzeit willkommen.“
Kirran drückte die Hand des Cavaliers. „Danke, Zorn. Es ist mir eine Ehre, mit Ihren Cavaliers zu kämpfen.“
Danach standen sie lange Zeit schweigend beieinander, der junge Offizier und der ergraute ComStar-Veteran. Endlich fragte Kirran: „Wie soll es jetzt weitergehen, Zorn? Welche Welt werden wir zuerst anfliegen?“
„Sie meinen, ich veranstalte ein Wettrennen mit Vicomte Medice? Das erübrigt sich. Von den Namen auf seiner Liste ist nur ein Planet in relativer Nähe zu St. Jones. Es ist Allans World, eine Welt nahe der Außenweltallianz und an der Kombinatsgrenze. Selbst wenn er dort nicht zuschlägt, können wir das dortige Depot plündern. Außerdem warnen wir die anderen Welten auf der Liste vor dem Vicomte. So leicht wie hier auf St. Jones wird er es nirgends mehr haben.“
„Klingt nach einem guten Plan. Was ist mir Duvalle? Trotz seiner Wunde hat er verdammt gut gekämpft. Ist er ebenfalls auf Rache aus, oder kehrt er nach New Avalon zurück?“
„Ich glaube nicht, dass wir ihn so schnell loswerden. Für ihn ist die Sache ebenso persönlich wie für uns Cavaliers. Ich hoffe, dass er uns weiterhin begleitet, und ich bin sehr dankbar dafür, dass Sie es auch tun, Kirran. Dieser Kampf ist noch lange nicht zu Ende. Nicht, solange einer von uns noch lebt - ich oder der Vicomte.“
„Das klang wie ein Schwur“, kommentierte der alte Krieger gelassen.
Zorn schüttelte den Kopf. „Ich schwöre nicht, ComStar. Ich stelle lediglich fest.“
Kirran musterte ihn stumm. Schließlich zog der Ältere aus seiner Jacke eine Flasche Bourbon und zwei Gläser hervor. „Darauf wollen wir trinken.“

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Sage zwei:
Ein vollkommen frustrierter Major Kenderson verließ die Einzelkabine der ComStar-Vertretung, in der er alle neu eingetroffenen Hyperpulsnachrichten für die Cavaliers abgehört hatte. Leary, der auf ihn gewartet hatte, runzelte die Stirn. „War wohl nicht so erfolgreich?“
Kenderson sah ihn wütend an, bis er sich besann, dass der Mann ein Verbündeter, ja, ein Freund war und entspannte sich wieder. Er seufzte vom tiefsten Grund seiner Seele. „Desaster trifft es eher. Diese verdammten...“
„Die Kurzfassung?“, fragte der ComGuard.
Zorn schnaubte aus, wütend, ärgerlich, frustriert. „Wir haben sieben Planeten vor dem Vicomte und seiner Söldnerbande gewarnt, und sieben Welten haben geantwortet. Aber was sie geantwortet haben, ist... Großer Mist.“ Zorn hielt die Disc mit den Nachrichten hoch, so als könne Kirran Leary die Daten per Augenkontakt abrufen. „Da ist schon mal ein Chairman Ridley aus der Außenweltallianz, der uns vielmals dafür dankt, dass wir ihn gewarnt haben, der uns aber gleichzeitig darauf hinweist, dass die Piloten der Allianz jedwelcher Gefahr gewachsen sind und mit einem Landungsschiff und einem Haufen entrechteter MechKrieger fertig werden dürften, sodass unsere Anwesenheit nicht benötigt wird.“
„Für einen Rauswurf ist das nett formuliert“, sagte Leary.
„Es kommt noch besser. Da ist die Nachricht von einem Tai-sa Schröder aus dem Stab des zuständigen Tai-shu im Draconis Kombinat, der mir unmissverständlich mitgeteilt hat, dass „meine Söldnerbande von Halsabschneidern, Verbrechern und Triebtätern“ gefälligst einen großen Bogen um jede draconische Welt machen soll“. Nett, nicht?“
„Etwas drastisch formuliert vielleicht, aber es sollte klar sein, dass die Dracs nicht gut auf Söldner zu sprechen sind, seit die Dragoner mit ihnen Schlitten gefahren sind“, wandte Leary ein.
„Oh, es kommt noch besser. Da sind noch andere Antworten, zum Beispiel von einem capellanischen Oberst, der sich freut, mich und meine Truppen auf capellanischem Gebiet begrüßen zu dürfen, um Mensch wie Material in den Dienst des Volkswillens der Konföderation Capella stellen zu können.“
„Oha. Zwangsenteignung mit Ansage. Und der Rest?“
„Ja, das sind ausgerechnet Offiziere des Vereinigten Commonwealths. Zwei Offizielle und ein Milizionär. Von „danke, dass Sie uns auf das Problem hingewiesen haben, aber wir kommen alleine klar“ bis „Sie sind derzeit bei niemandem angestellt, weshalb wir Ihren verwahrlosten Haufen als Piraten betrachten und auf Sie Jagd machen, sollten Sie in unser System springen“ ist das ganze Spektrum vertreten.“
„Ach, wie nett. Welches ist die Antwort von Allans World?“
„Die mit der Nichtanstellung und dem Piratenvergleich. Scheint so, als hätte der örtliche Miliz-Chef schon Dollarzeichen in den Augen und sieht sich dabei, entweder den Vicomte umzulegen, oder eine fette Prise für die Auflösung des Depots, das wir auf seiner Welt vermuten, die er sich in die eigene Tasche stecken kann.“
„Aber wir geben die Jagd auf Janard Medice trotzdem nicht auf?“, fragte Leary das Offensichtliche.
„Nun, ich habe natürlich ein Problem damit, auf Menschen zu schießen, die theoretisch meine Verbündeten sein müssten“, sagte Zorn gedehnt. „Aber Colonel Cranston hat mir den einen oder anderen Kontakt hinterlassen. Eventuell können wir den Miliz-Chef von St. Jones genug unter Druck setzen, damit er uns zumindest duldet. Ach, irgendwas wird uns schon einfallen.“
„Es beruhigt mich, dass Sie immer noch beißen wollen, Zorn“, sagte der ehemalige ComGuard schmunzelnd.
„Stand das jemals in Frage?“, erwiderte Zorn Kenderson im gleichen Tonfall.
„Major Kenderson?“, klang hinter ihnen eine Frauenstimme auf.
Hinter ihm stand Adeptin Walters. „Ja, bitte?“
„Es ist noch eine Botschaft für Sie eingetroffen. Direkt von New Avalon. Wollen Sie sie gleich ansehen, oder nehmen Sie sich die Datei für später mit?“
Zorn wankte in seiner Entschlossenheit für einen Moment. Eigentlich hatte er für einen Tag genug versteckte und offene Drohungen hingenommen, und da er nicht masochistisch veranlagt war, reichte es wirklich. Andererseits war New Avalon eine der beiden Hauptwelten des Vereinigten Commonwealths, und vielleicht erfuhr er etwas, was ihnen zumindest weiterhelfen konnte, wenn ausgerechnet jemand, irgendjemand von der Hauptwelt mit ihm reden wollte. Zorn seufzte. „Ich schaue es mir gleich an. Wer ist denn der Absender?“
„Prinz Hanse.“
Irritiert blieb er stehen. „Entschuldigen Sie, Annie, aber für einen Moment glaubte ich, Sie hätten gesagt, der Prinz der Vereinigten Sonnen hätte mir eine Botschaft geschickt.“
„Dann haben Sie mich vollkommen richtig verstanden, Zorn.“ Sie lächelte verschmitzt. „Wieder Kabine eins?“
„Ich bitte darum“, sagte Zorn, bis auf die Grundfesten seiner Seele erschüttert. Prinz Hanse, DER Prinz Hanse, Ehemann der zukünftigen Archontin Melissa Steiner-Davion und Vater von Victor Ian Steiner-Davion, der der erste Archon-Prinz werden und damit beide Reiche zu einem vereinigen würde. Einer der wichtigsten Männer der Inneren Sphäre, vielleicht sogar der wichtigste überhaupt. Und er sandte ihm, dem Anführer eines halb zerstörten Haufens Söldner, eine Videobotschaft? Mehr mechanisch betrat er Kabine eins wieder. „Kommen Sie, Leary. Einer muss mich auffangen, falls ich in Ohnmacht falle.“
„Das wird aber eng werden“, schmunzelte der ComGuard.

Ein Signalton informierte Zorn darüber, dass das Video, welches per Hyperpulsgenerator von New Avalon direkt nach St. Jones gesandt worden war – überlichtschnell, wohlgemerkt – geladen worden war und nun angeschaut werden konnte. Die beiden Männer setzten sich in der engen Kabine und mit sehr gemischten Gefühlen drückte Zorn die Wiedergabetaste.
Der schwarze Bildschirm erhellte sich und zeigte das Logo des Vereinigten Commonwealth, die rotgelbe Sonnenscheide mit dem Steiner-Breitschwert. Abrupt wechselte das Bild und zeigte einen hünenhaften Mann mit langen, roten Haaren in der Ausgehuniform der Davion Heavy Guards – Hanse Davion persönlich. Sein offizieller Herrscher und oberster Anführer.
Hanse lächelte freundlich in die Kamera, aber es war auch ein trauriger Zug in seiner Miene.
„Guten Tag, Major Kenderson.“
Zorn fühlte sich erschrocken und gleichzeitig erhoben. Hanse sprach ihn mit Namen an! Ihn!
„Zuerst einmal möchte ich mein Bedauern darüber äußern, wie sehr Ihre Einheit unter dem Verrat von Janard Medice gelitten hat. Ihre Verluste tun mir leid. Umso erstaunlicher ist es, dass es Ihnen gelungen ist, das Blatt zu wenden und stattdessen diesem menschenverachtenden Bastard kräftig in den Arsch zu treten, Zorn!“ Bei diesen Worten hatten sich die Hände des Prinzen zu Fäusten geballt, und tiefe Genugtuung lag in seinen Zügen. „Dann möchte ich mich entschuldigen, weil ich mich erst jetzt melde. Wie Sie sich denken können, hat der Archon-Prinz sehr viel zu tun, und es ist eine riesige Verwaltung vorgeschaltet, die entscheidet, ob und was überhaupt auf meinem oder Melissas Schreibtisch landen darf. Es ist kein perfekter Prozess und manchmal auch langwierig, aber einen besseren haben wir nicht. Deshalb ist das Geschehen auf St. Jones erst jetzt bis zu mir durchgedrungen. Das, und auch einige Kommentare von örtlichen Kommandeuren.“
Die Hände des Prinzen entkrampften sich. „In einem Punkt hat der regionale Kommandeur Recht – Sie sind gerade nicht unter Vertrag. Andererseits wird niemand mit etwas Verstand und Wohlwollen für das, was Sie und Ihre Einheit durchmachen mussten, verlangen, dass Sie die Jagd abbrechen, Zorn.“
Hanse beugte sich ein wenig vor und füllte fast den ganzen Bildschirm aus. „Deshalb nehme ich Kendersons Cavaliers unter Vertrag, wenn Sie es gestatten, Zorn. Und zwar einzig und allein für einen Auftrag. Janard Medice geht frohlockend über Leichen, um seine Ziele zu erreichen. Er ist einer jener Menschen, die zu bekämpfen ich mir zur Lebensaufgabe gemacht habe. Ich will nicht länger vom gleichen Licht der Sterne beschienen werden wie er, darum... Löschen Sie ihn aus und machen Sie aus seiner Einheit eine böse, verblassende Erinnerung. Wenn Sie zustimmen, ist das Ihr Auftrag, und er wird erst einmal ein Standardjahr gültig sein. Schaffen Sie es in dieser Zeit nicht, werden wir uns zusammensetzen und nachverhandeln, Zorn, aber an meinem Willen ändert das nichts. Janard Medice muss vernichtet werden.“
Nun lehnte sich Hanse wieder leicht zurück. „Standardkontrakt mit einer Ausnahme. Beutegut aus ehemaligen Sternenbunddepots, die Sie und Ihre Leute aufbringen sollten, werden fünfzig fünfzig mit dem Streitkräften des Vereinigten Commonwealths geteilt. Ebenso Versorgungsgüter und dergleichen. Einrichtungen gehen ganz an die Streitkräfte. Da gibt es keinen Verhandlungsspielraum. Im Gegenzug statte ich Sie mit vier entrechteten MechKriegern und einer Lanze voll bestückter und bemannter leichter Mechs aus. Mehr konnte ich in der kurzen Zeit für Sie nicht zusammenkratzen. Es ist zwar anzunehmen, dass Medice sich nicht verstärken konnte, aber auszuschließen ist es auch nicht, also seien Sie vorsichtig. Wenn Sie all das annehmen, sind Sie fortan in meinem persönlichen Auftrag unterwegs, und das ist fast so gut, als wären Sie ein Offizier der Davion Light Guards.“
Hanse legte die Fingerspitzen aneinander und lächelte. „Der alte Cranston war ein alter Freund von mir, und wenn sich die Gelegenheit erbot, haben wir uns ausgetauscht. Über unsere Erinnerungen an Mallory's World, aber auch über seine eigene Einheit. Er hat Sie mir gegenüber stets im besten Licht beschrieben, und ich weiß, der alte Wolf wusste sehr genau, was er sagte. Deshalb räume ich Ihnen diese Sonderrechte ein. Auch, nein, vor allem, weil es Ihnen gelungen ist, dem Vicomte bereits mehrfach in die Suppe zu spucken. Wenn es einer schafft, und zwar nicht durch Glück, sondern durch harte Arbeit, diesen Halunken aufzuspüren, dann sind Sie das, Zorn. Nehmen Sie an und jagen Sie diesen Bastard. Hanse Davion Ende.“
Das Bild fror ein und zeigte Hanse mit seinem so typischen Lächeln, kurz bevor wieder das Logo des Vereinigten Commonwealths eingeblendet wurde. Ein kurzer Dateiname unter dem Bild informierte ihn über zusätzliche Informationen, die zusammen mit dem Video angekommen waren und die zweifellos Zeit und Treffpunkt mit den zusätzlichen MechKriegern enthielten, die Prinz Hanse ihnen besorgt hatte, aber Zorn war nicht wirklich bei der Sache. Er war zu sehr... Erhöht? Aufgewühlt? Ermutigt? Alles zugleich? Hanse Davion hatte ihm einen Blanco-Check ausgestellt! Ihm! Also, wenn dieses Gefühl einem guten Orgasmus nicht nahe kam, was dann?
„Einen Schnaps, oder doch lieber eine Zigarette?“, fragte Leary.
„Beides“, murmelte Zorn, langsam begreifend, dass der miserable Tag gerade gerettet worden war. Als er Kirran Leary ansah, zeigte er das burschikoseste Grinsen, das er zustande brachte. „Teufel auch, der Prinz hat uns wieder ins Rennen gebracht! Der Prinz!“
„Erst, wenn wir geantwortet haben“, mahnte der ComGuard.
„Und das werden wir sofort tun!“, rief Kenderson enthusiastisch. Er aktivierte die Aufnahmefunktion der Kabine. Wie, zum Henker, antwortete man einem Prinzen? Er hatte nicht viel Zeit, um das heraus zu finden...

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Gut gelaunt betrat Zorn sein Büro. Er glaubte, er hatte die richtigen Worte gefunden, ohne allzu devot in seinem Dank gegenüber Hanse Davion versunken zu sein, aber sicher war er sich nicht. Nie im Leben hatte er erwartet, mit dem Prinzen persönlich zu sprechen, und sei es nur durch den Austausch von Videonachrichten via ComStar. Kirran folgte ihm dichtauf und ging zu jenem Schrank, der nur aufgesucht wurde, wenn etwas gefeiert, sonstwie begossen oder betrauert werden musste. Er öffnete den Schrank, entnahm eine Flasche Whisky und schenkte zwei Bleischwenker einen Fingerbreit voll.
„Wie geht es jetzt weiter, Zorn? Wann soll die Einheit abrücken? Was soll mit den Mechs geschehen?“
Dankbar nahm Zorn eines der Gläser entgegen. „Sie wissen selbst, wie teuer es ist, einen Mech zu unterhalten. Oder gar eine ganze Kompanie. Wir haben immer noch meinen Marodeur, den Feuerfalken von Ventis, den Kampfschütze, den du gesteuert hast, und natürlich Ventis' alte Maschine, ihre Wespe. Und Cynthia ist sich ziemlich sicher, dass sie den Victor, den Miss Medici gesteuert hat, wieder zusammengeflickt bekommt.“
„Das ist eine etwas merkwürdige Rechnung für Sie, wenn Sie acht fabrikneue, nicht eingeschossene Maschinen zur Verfügung haben, Zorn.“
Kenderson nahm einen Schluck. „Nun, auch wenn diese Maschinen brandneu sind, sie sind noch lange nicht einsatzbereit und stellen im Moment totes Kapital dar. Genauer gesagt machen sie und die Ausrüstung aus dem Depot uns gerade zu einer begehrlichen Beute, die wir beschützen müssen. Und derzeit haben wir genau zwei MechPiloten, die einsatzfähig sind, um diese Beute zu verteidigen: Dich und mich, Kirran.“ Er seufzte und ließ sich in seinen Sessel sinken. „Davon ab kann ich nicht aus meiner Haut. Auch die brandneuen Mechs werden sehr bald beschädigt, repariert und mit Improvisationen einsatzfähig gehalten werden. Klar, sie stammen aus der Sternenbundzeit und werden eine lange Zeit leistungsfähiger sein als unsere alten, teilweise zweihundert Jahre alten Maschinen. Aber der Vorteil hält nicht ewig.“
„Ich verstehe. Also verkaufen, und die Kriegskasse auffüllen?“ Leary nahm einen großen Schluck, der sein Glas leerte. Er trat zurück an den Schrank und schenkte sich nach.
„Nicht alle. Ich würde ja ums Verrecken gerne den Marodeur behalten. Er ist auch im direkten Vergleich immer noch kampfstärker als beispielsweise der zweite Greif, der uns geblieben ist. Aber ich denke, ich werde alleine aus logischen Gründen auf den Schütze wechseln.“
„Wieso nicht der Highlander? Fünfundneunzig Tonnen, schwer bewaffnet, sprungfähig. Der feuchte Traum eines jeden Lyraners.“
Zorn grinste. Der ComGuard spielte hier auf das alte Gerede an, das den Lyranern unterstellte, alle Mechs unter achtzig Tonnen als „Scout“ zu bezeichnen. „Weil ich als Kommandeur mit einem Fernkämpfer besser aufgestellt bin. Zugegeben, ich könnte den Highlander nehmen, aber ich will mich nicht allzu weit von den mittelschweren Maschinen entfernen.“
„Und?“, hakte er amüsiert nach.
„Und der Highlander ist der teuerste Mech. Er würde einen guten Preis einbringen, würden wir ihn auf Galatea verkaufen.“
„Leider treibt es uns überall hin, aber nicht zu den Lyranern.“
„Stimmt leider.“ Zorn legte den Kopf schräg. „Wir haben fünf alte Mechs, die sofort oder kurzfristig einsatzbereit sein können. Dazu kommen acht Maschinen aus dem Depot. Der Prinz hat uns vier ScoutMechs samt Piloten sowie vier entrechtete Mechkrieger zugesagt, die wir unterwegs aufgabeln werden. Ventis wird bald wieder einsatzfähig sein. Damit hätten wir drei Piloten.“
„Was ist mit unserem Versicherungsmenschen und Miss Vicomte? Damit wären wir fünf, mit den Piloten vom Prinzen neun.“
„Da Miss Vicomte wünscht, uns zu begleiten, haben wir einen Piloten mehr, sobald. Aber sie dürfte es in der Einheit schwer haben. Sie handelte zwar aus Zwang heraus, aber sie hat einige unserer Leute getötet und uns das Leben schwer gemacht. Sie wird geschasst werden, im Großen wie im Kleinen.“
„Das befürchte ich auch. Wird sie es aushalten?“
„Ihr eigener Vater hat ihren Rücken in eine blutige Masse verwandelt, indem er sie mit einer Peitsche verprügelt hat. Anschließend stieg sie in ihren Victor und hat uns die Hölle heiß gemacht. Diese Frau ist tough. Wenn wir sie unterstützen und protegieren, denke ich, wird sie es schaffen.“
„Gut. Unser Versicherungsvertreter?“
„Der hat seinen Ausritt zu unserer Rettung nicht gut verdaut. Clark Duvalle liegt jetzt mindestens zwei Wochen flach. Aber immerhin will ihn niemand mehr umbringen.“
Nachdenklich rieb sich der ComGuard das Kinn. „Thomas?“
„Thomas?“
„Jackson. Der Mann mit dem Einrad. Der Mann, dem du versprochen hast, ihn auf seine Tauglichkeit als MechKrieger zu prüfen. Mit ihm wären wir sechs.“
„Er heißt Thomas? Teufel auch, ich habe nie gefragt.“ Nachdenklich starrte Zorn in sein Glas, bevor er es austrank, wieder aufstand und sich am Schrank ebenfalls bediente.
„Er könnte das Zeug dazu haben. Die Balance, die Reflexe... Sicher, er braucht Training, aber ein paar Monate auf einer leichten Maschine, und er könnte wirklich nützlich sein.“
„Was? Nein, das ist es nicht. Ich habe ihm versprochen, ihn zu prüfen, und genau das werden ich auch tun. Ich hätte das nicht gesagt, wenn der Mann nicht großes Potential zeigen würde. Das ist selten. Normalerweise beginnt die Ausbildung zum MechKrieger mit zehn Standardjahren, und jetzt soll der Junge in ein paar Wochen lernen, was sonst acht Jahre und länger dauert.“
„Lassen wir die Lektionen für Reparaturen weg, und die für die innere Elektronik, dann sparen wir zwei Jahre“, scherzte Leary.
„Das werden wir wohl müssen. Ich frage mich nur, ob wir nicht noch mehr MechKrieger-Anwärter ausheben sollten, Kirran. In einer guten Einheit hat man immer zwei, drei Krieger mehr zur Hand als Mechs einsatzbereit. Die vier entrechteten Krieger werden eine große personelle Spritze sein, aber sie reichen nicht.“
„Was ist mit den Panzern?“
„Fünf Shreks können wir wieder zusammenflicken. Das reicht als Rumpf für Akeems neu aufzustellende Kompanie. Immerhin, ist ein Anfang. Und Hillers Einheit bietet einen guten Anfang für die neue Infanteriekompanie.“
„Wenn es zwölf Panzer inklusive Besatzungen werden sollen, dann...“
„Ja, ich weiß. Rechnen wir mit sechs aktiven MechKriegern verschiedenster Erfahrung, die aktiven Dienst schieben, dazu die vier Entrechteten, macht es zehn. Ich habe nicht vor, von Hanse Davion ausgeschickte Soldaten, die mir helfen sollen, einen Mech zu verweigern.“
„Macht trotzdem dreizehn. Und die Versorgungsgüter aus dem Depot in allen Ehren, aber wir werden sie verbrauchen, auch wenn wir einen Teil davon verkaufen wollen.“
Zorn nickte schwer, trank einen Schluck und nahm wieder Platz. „Was tun, sprach Zeus?“
„Ich hab nachgedacht. Sieh mal, der Exterminator ist ein spezieller Mech, mittelschwer und darauf ausgelegt, feindliche KommandoMechs aufzuspüren und zu vernichten. Das macht ihn heute noch zu einer wertvollen Maschine, aber eben nicht auf Kompanie-Ebene. Jede militärische Einheit würde ihn uns mit Kusshand für rund acht Millionen C-Noten abkaufen. Elf bis zwölf, wenn wir die Ersatzteile obendrauf legen.“
„Was uns zum leidigen Punkt bringt. Wir brauchen Geld, um die Leute zu bezahlen und um die neuen Panzer zu kaufen. Ganz zu schweigen von den exorbitant hohen Wartungskosten der Mechs an sich. Aber wer würde hier im Nirgendwo so viel Geld ausgeben?“
„ComStar würde den Mech kaufen.“
Zorn, der sein Glas schon angesetzt hatte, stockte. „Was?“
„Teufel, Zorn, ich bin ComGuard. Ich weiß, dass meine alte Einheit bereit wäre, für einen solchen Mech samt Ersatzteilen dieses Vermögen auszugeben und quasi sofort zu überweisen.“
„Und das weißt du, weil...?“
„Ich gefragt habe.“
Zorn stellte sein Glas auf dem Schreibtisch ab. „Okay, welche noch?“
„ComStar hat darüber hinaus Interesse an den beiden Hermes. Weitere siebzehn Millionen für alles samt Ersatzteile und Versorgungsgüter.“
„Würde achtundzwanzig für alle drei Maschinen machen.“
„Und wir wären das leidige Bargeldproblem erst einmal los.“
„Wir haben kein Bargeldproblem. Hanse Davion bezahlt uns zu Standardkonditionen“, erwiderte Zorn. „Aber du hast Recht. Wir haben zu viele Maschinen, und das sind gute Preise für drei Mechs, bei denen ich mich ohnehin gefragt habe, wie ich sie in die Einheit integrieren kann. Außerdem lässt sich so der Hinterbliebenenfond erheblich aufstocken. Das bringt die Toten nicht zurück, aber es hilft den Überlebenden.“ Und das war auch richtig so, denn viele Familien in der Einheit hatten im Hinterhalt nicht nur geliebte Menschen verloren, sondern auch diejenigen, die bei den Cavaliers gedient hatten. Viele von ihnen würden sie verlassen, ohne dass ihre Kinder die Plätze ihrer Mütter und Väter in der Einheit übernehmen würden, wie es eigentlich Tradition war. Mit Schaudern dachte er daran, wie er einer dieser Mütter, die mit genau diesem Anliegen zu ihm gekommen war, eine Szene gemacht hatte, bis er sich endlich eingestanden hatte, dass er kein Recht dazu hatte, Mrs. Anderson mit Zwang in der Einheit zu behalten. Davon abgesehen war es sehr viel besser, so wenige Zivilisten wie möglich mitzunehmen. Wie schnell man in einen Hinterhalt geraten konnte, hatte er nicht das erste Mal an eigenen Leib erfahren.
„Noch etwas?“
„Danke, dass du fragst. Einige der Ersatzteile wären für die ComGuards wie die himmlische Erlösung. Ich denke, wir könnten auf rund zehn Prozent verzichten, ohne die Einheit zu schwächen. Darunter sind unter anderem zusätzliche Cockpitverglasungen und dergleichen, überzählige Aktivatoren und der eine oder andere Reaktor.“
„Wie viel?“
„Ich habe das schon mit Jeannie abgesprochen und ihr die Wunschliste gezeigt. Sie hat sie erheblich zusammengestrichen, aber es ist immer noch genug über, was die ComGuards interessiert.“
„Was zahlen sie für die zehn Prozent handverlesener Ausrüstung?“
„Einen echten Freundschaftspreis. Rund dreißig Millionen C-Noten.“
In Zorns Gesicht arbeitete es. Die Wangenmuskeln kontraktierten. Er mahlte mit den Backenzähnen. „Ein überaus großzügiges Angebot.“
„Und wir müssen die Mechs und den Nachschub nicht irgendwo hinbringen, sondern können alles hier lassen“, schloss Leary.
Nachdenklich drehte Zorn das Glas in der Hand. Mit solch einer Summe hätte er alle Cavaliers auszahlen können. Großzügig auszahlen. Und wenn er schon bei dem Gedanken war, wenn er alle brandneuen Mechs verkaufte, dazu ihre alten Maschinen, dann würden sicher insgesamt dreihundertfünfzig Millionen C-Noten zusammenkommen. Mehr Geld als genug, um jedes einzelne noch lebende Einheitsmitglied bis zum Lebensende in Wohlstand leben zu lassen. Aber lohnte sich ein solches Leben, wenn es jederzeit von Menschen wie dem Vicomte Medici zerstört werden konnte? Major Kenderson traf eine rationale Entscheidung. „Kirran, du kannst deinen alten Freunden sagen, wir haben einen Deal. Aber im Gegenzug wären wir dankbar, wenn sie uns bei der Beschaffung weiterer Panzer und neuer MechKrieger helfen könnten. Ich brauche noch drei, zwei von ihnen als Reservepiloten.“
„Ich bin sicher, da lässt sich etwas arrangieren. Also eine unterzählige Kompanie und die Lanze von Hanse Davion?“
Zorn nickte. „Fünfzehn Mechs. Das ist weit mehr, als Medici ins Feld führen kann. Ich will nicht so überheblich klingen und behaupten, wir bräuchten ihn jetzt nur noch aufspüren, aber... Wenn wir ihn aufspüren, bevor er ein weiteres Depot entdeckt und geknackt hat und die dortigen Mechs gegen uns in den Einsatz bringen kann, dann werden wir ihn ausradieren. Ihn und seine Söldnerbande.“
Leary holte die Flasche und stellte sie auf den Schreibtisch. „Darauf trinke ich, als wäre dies das Blut des Vicomte.“
„Gut, einer mehr kann nicht schaden“, erwiderte Zorn. Auf jeden Fall war es besser als zu versuchen zu schlafen und doch nur wieder von den Gesichtern der Toten zu träumen.

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2.


23. Mai 3043, St. Jones, Kaserne der Miliz

Es war etwa neunzehn Uhr Ortszeit, als Zorn Kenderson sich des dringlichsten Problems annahm, das er derzeit, zwei Wochen nach den Kämpfen mit Vicomte Medice, noch hatte.
Als es klopfte, ließ er ein lautes „Herein“ hören, das den alten Cranston mit Vaterstolz hätte grinsen lassen. Er war immer ein großer Verfechter der These gewesen, dass Offiziere nicht nur Befehlsgeber, sondern vor allem auch Vorbilder waren. Früher hatten die Offiziere im Feld noch vor ihren Leuten gestanden und waren theoretisch die ersten gewesen, die von den feindlichen Kugeln hätten getroffen werden können, was oft genug auch passiert war. Und so hatte Zorn auch den Kampf geführt, in dem Colonel Cranston und die anderen neun Mechkrieger der Cavaliers hingeschlachtet worden waren. Unter anderem von der Frau, die gerade durch die Tür trat. Unschlüssig kam sie herein, schloss die Tür hinter sich und machte eine etwas zu zackige Drehung, um nicht zu zeigen, dass sie gedrillt worden war. „Sie wollten mich sehen, Herr Major?“
„Ja. Bitte setzen Sie sich, Miss Medice.“
Die junge Frau nahm Platz. Sie hatte zwölf Tage Zeit gehabt, ihren Rücken zu erholen, der ausgerechnet von ihrem Vater mit Hilfe einer Pferdepeitsche misshandelt worden war; der Bericht aus dem Lazarett hatte nicht nur von blutigen Striemen, Entzündungen und Blutverlust gesprochen, sondern auch davon, dass an zwei Stellen die Rippenknochen durchgeschienen hatten, was klar machte, mit welcher Wut Janard Medice zugeschlagen haben musste.
„Wie geht es Ihrem Rücken, Miss Medice?“
„Danke, soweit wieder ganz gut. Ich hatte ein paar Entzündungen und zwei Rippenbrüche. Ohne Ihre MedTechs hätte ich die Woche wohl nicht überlebt.“
„Das freut mich zu hören. Sind Sie also reisefähig?“
Ilona Medice nickte zögerlich.
„Ich weiß, ich habe Ihnen angeboten, uns zu begleiten und uns gegen Ihren Vater zu helfen, aber...“
„Falls Sie Bedenken haben oder glauben, sich mit mir ein Kuckucksei ins Nest zu holen, kann ich Sie beruhigen. Ich wurde von Medice adoptiert. Ich bin nicht sein leibliches Kind.“
„Das ist nicht, was ich meinte, aber sprechen Sie weiter. Kaffee? Tee? Wasser?“
„Wasser, bitte. Wir sind die letzten beiden Wochen nicht dazu gekommen, mehr als ein paar Worte miteinander zu reden, deshalb hatte ich keine Gelegenheit, Ihnen dieses doch recht wichtige Detail mitzuteilen.“
„Und warum hat er Sie adoptiert, Miss Medice? Oder bevorzugen Sie lieber Ihren alten Namen? Ich kann das arrangieren.“ Zorn stand auf, ging zum Couctisch, nahm eine frische Wasserflasche und schenkte eines der Gläser voll. Anschließend stellte er das Glas vor ihr ab. Für sich selbst füllte er eine große Tasse mit schwarzem Kaffee und nahm wieder Platz.“
„Nun, ich bin MechKriegerin, wie Sie sicherlich bemerkt hatte, und Janard hielt es für eine gute Idee, mich auf diese Weise an sich zu binden.“ Sie legte den Kopf schräg. „Papadopoulus. Ich hätte nicht gedacht, dass der Name für mich jemals wieder einen positiven Klang haben würde.“
Zorn hob eine Augenbraue. „Papa... Sollten wir nicht doch bei Medice bleiben?“
„Nein. Nein, Sir, die Idee gefällt mir. Allerdings können wir den Namen etwas abkürzen. Er ist eine Abwandlung von Pappas und ich kann damit leben, so angesprochen zu werden. Wissen Sie, Papadopoulus hieß bei mir Zuhause jede dritte Familie. Sie war eine Sammelbezeichnung, kein richtiger Nachname.“
„Pappas. Einverstanden. Miss Pappas also. Janard Medice sah also die Notwendigkeit, eine MechKriegerin an sich zu binden?“
Sie nahm einen Schluck Wasser und rollte ihn einen Moment im Mund. „Was ich Ihnen jetzt sage, wird Ihnen nicht gefallen. Er hat mich adoptiert, weil er mich brauchte. Ich sollte seine MechKrieger ausbilden und seine Einheit führen. Wissen Sie, ich bin mit Auszeichnung von Sanglamore zurückgekommen, und auf diese Akademie kommen nicht sehr viele Leute. Anschließend habe ich mich drei Jahre in einem Feldkommando bewährt. Sie erinnern sich an den '39er Krieg? Ich war mittendrin, mit der 2. Lyraner. Habe mir dort den Leutnant erkämpft und zwei Auszeichnungen erhalten. Ich hatte sogar die Chance auf meine eigene Kompanie, für etwa fünf Minuten. Dann wurde mir nämlich ein Muttersöhnchen mit den richtigen Eltern vor die Nase gesetzt, den ich auch noch babysitten sollte. Tja, und in diese wundervolle Stimmung platzte das Angebot von Janard, dass ich meine eigene MechKompanie aufbauen durfte und von ihm adoptiert werden konnte. Damals habe ich mir nichts Verwerfliches dabei gedacht. Ich habe wirklich geglaubt, damit wollte er mich ausschließlich ans Handelshaus binden. Was bei der Investition ja auch kein Wunder ist. Ich dachte damals echt, ich hätte es geschafft. Also nahm ich meine Entlassungspapiere, reiste nach Thule zurück, schaute bei meiner Familie rein und erklärte ihr, was ich für Medice tun sollte und was ich dafür bekommen sollte. Sie müssen wissen, er hat noch eine leibliche Tochter und einen außerehelichen Sohn. Zumindest soweit ich weiß. Es ging also nie wirklich um seinen Titel, eher um Loyalität. Aber da hatte der Name Medice noch einen guten Klang, und meine Familie war begeistert.“
Zorn nickte ihr zu als Zeichen, dass sie fortfahren sollte.
„Also ging ich auf das Angebot ein, wurde adoptiert, bekam erst meinen eigenen Mech, und später dann dreizehn weitere Maschinen unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Wartungsstandes. Mechs sind nicht billig, nicht mal die alten Modelle.“
„Ich weiß.“
„Es war aber die Grundlage, um meine Kompanie aufzubauen. Ich ging mit elf Mechs, und behielt die anderen drei als Ersatzmaschinen oder für Ersatzteile. Sie wissen ja, wie das ist, obwohl die Nachfolgestaaten wieder mehr Mechs bauen.“
Zorn nickte verstehend.
„Dann bekam ich das Material. Also die MechKrieger. Die Akten waren frisiert und schön geschrieben, aber damals dachte ich, dass das Schlimmste, was ich mit ihnen würde tun müssen, die Verteidigung eines Handelsposten sein würde. Sie gaben sich recht gut und entwickelten sich viel versprechend. Die meisten zumindest. Red, also mein Stellvertreter, vom Vicomte persönlich zugeteilt, war ein kleiner, intriganter Bastard, der dazu neigte, die Leute zu schinden und seine angehobene Stellung auszunutzen. Er hat zwei meiner Kriegerinnen belästigt und bei der Infanterie, die auf meinem Stützpunkt trainierte, war er auch nicht gerade beliebt. Es heißt, er hat eine der Frauen mit Verweis auf seinen Rang auf seine Stube abgeschleppt und sie vergewaltigt. Ich habe das bei Janard vorgebracht, aber laut ihm ginge mich die Infanterie nichts an, und außerdem sei die Soldatin ein Luder, das es mal gebraucht hatte. Sie können sich vorstellen, dass ich mehr als irritiert war, einerseits als Kompaniechefin, andererseits über meinen Adoptiv-Vater. Solche Worte hatte er mir gegenüber nie ausgesprochen.“
Sie trank ihr Glas leer. „Und dann kam dieser Einsatz. Unser erster. Als wir losflogen, hieß es noch, meine Truppe, die Infanterie und die Panzer wären für eine Schutzmission gedacht. Also meine elf einsatzbereiten Maschinen, zwei Lanzen Panzer und ein Kontingent Infanterie.
Als wir dann auf St. Jones ankamen und die ersten Briefings hatten, mitten im Gebirge in einem provisorischen Feldlager, nicht auf einem Raumhafen oder bei einer Handelsniederlassung, wurde Ihre Einheit, Sir, als Ziel einer Operation genannt, die Piraterie eindämmen sollte. Sie wären eine vogelfreie Einheit. Dementsprechend plante ich meinen Teil der Operation. Wir gingen also mit allen Mechs und einer Lanze Panzer rein, und das Ergebnis kennen Sie.“
„Ja. Beide Einheiten haben sich gegenseitig ausgelöscht. Sie und der Kreuzritter konnten entkommen.“
„Sieben meiner Mechkrieger haben es raus geschafft, leider auch Red Tompson, aber nur zwei meiner Maschinen. Dafür, dass Sie in unseren Hinterhalt geraten sind, haben Sie sich verdammt gut gewehrt. Vor allem dieser Tomahawk hat in meinem Team gewütet wie ein Berserker. Ich gehe davon aus, dass Sie da drin gesessen haben?“
Zorn nickte. „Ich hatte die Ehre, unter anderem den Marodeur Bekanntschaft mit meiner Titanstahlaxt machen zu lassen. Und noch ein wenig mehr. Reden Sie weiter.“
„Als wir uns also zurückzogen, besiegt, geschlagen, den Schwanz zwischen den Beinen, war die Situation eine vollkommen andere. Janard hatte die Maske fallen gelassen und redete Klartext. Vollkommen unverblümt machte er klar, dass ich es nicht mit schlecht gewarteten, überalterten PiratenMechs zu tun gehabt hatte, sondern mit einer Garnisonslinientruppe mit herausragenden Piloten.“
„Na, danke für die Blumen.“
„Sie hatten dank der Panzer zweihundert Tonnen Nachteil, gerieten dank dieses Versicherungsmanns in einen Hinterhalt und gingen trotzdem als Sieger vom Feld.“
Zorn zog die linke Augenbraue hoch. „Im Prinzip haben Sie Recht, aber Sieger sehen eigentlich anders aus. Weiter.“
„Jedenfalls sprach Janard das erste Mal vom Depot und davon, dass ComStars Einrichtung zerstört werden musste, damit Sie niemanden zu Hilfe rufen konnten. Wäre es nach ihm gegangen, dann hätte er auch gleich die ganze Hauptstadt ausgelöscht. Leider bekam Duvalle das alles mit, und bevor wir uns versahen, hatte er die Karte für das Depot geklaut und war stiften gegangen. Einer der Infanteristen hatte noch auf ihn geschossen, aber die Hoffnung Janards, dass er tot umfallen möge, erfüllte sich nicht.
Dann überschlugen sich die Ereignisse, und er befahl den Angriff auf ComStar. Ich weigerte mich. Daraufhin ließ Janard mich anbinden und prügelte mich wegen Ungehorsam krankenhausreif. Den Angriff führten dann Tompson und Chan aus. Dabei verletzte sich Tompson durch seine eigene Dusseligkeit, sodass bei der Schlacht am Depot ich wieder ins Cockpit musste. Janard hatte mir sehr deutlich klar gemacht, auf welche Seite ich schießen sollte, wenn ich von einem Planeten runter kommen wollte, der mich als Piratin an der nächsten Laterne aufknüpfen würde. Sie verstehen?“
„Ja, ich denke, ich verstehe, Miss Pappas. Den Rest der Geschichte kenne ich. Die Frage, die ich Ihnen stellen muss, ist nun: Sind Sie fit für den Kampf?“
Sie streckte ihren Rücken durch, bewegte beide Schultergelenke und grinste dann sehr undamenhaft. „Bereit für den Einsatz, Sir.“
„Dennoch. Sie müssen verstehen, dass ich Ihnen aus moralischen Gründen ein Angebot machen muss.“ Er ergriff einen Umschlag und reichte ihn ihr. „Dieser Umschlag beinhaltet das Planspiel für Ihren Abgang aus der Einheit. Binnen eines Tages kann ich alles umsetzen. Neue Identität, ein Flug in ein System Ihrer Wahl, großzügiges Reisegeld, alles mit ROM abgesprochen. Sowohl ich als auch ComStar sind davon überzeugt, dass Sie keine Bedrohung für ComStar sind, geschweige denn meine Einheit. Wen Sie ansonsten in Ihrem Leben bedrohen werden, wird davon abhängen, bei wem Sie anheuern werden. Tatsächlich liegt mir eine Anfrage von Comte Medice vor, der direkt nach Ihnen fragt und uns bittet, sollten Sie in Gefangenschaft geraten sein, Sie an Haus Medice zu überstellen. Offenbar hat der Hausrat nicht nur ein paar Fragen an Sie, sondern auch einen praktischen Nutzen, weil sich die Medices an der Jagd auf Janard beteiligen wollen.“
„Natürlich, es winkt ja auch ein ansehnlicher Gewinn“, murmelte sie mehr zu sich selbst. „Danke, Sir, für das Angebot, aber ich lehne ab. Für dieses Mal. Reden wir noch einmal drüber, wenn wir Janard zur Strecke gebracht haben oder uns sicher sein können, dass er nie wieder in die Innere Sphäre kommt. Bis dahin bin ich Ihr Mann, Sir.“
„Also gut.“ Zorn zog den Unschlag wieder zurück. „Dann habe ich Arbeit für Sie, First Lieutenant Pappas. Sie kriegen die Kampflanze und bleiben erst mal auf dem Victor. Er ist einsatzfähig?“
Die junge Frau lächelte. „Jawohl, Sir! Ich habe jede freie Minute damit verbracht, bei der Instandsetzung zu helfen.“
„Gut. Später, wenn wir die neuen Leute kriegen, werden wir schauen, wie sich Ihre Lanze letztendlich zusammensetzen wird und ob Sie noch wechseln werden. Ich will eine effiziente Lanze.“
„Die werden Sie bekommen. Aber...“
„Sprechen Sie offen, Miss Pappas.“
„Mein Status in der Einheit... Bisher werde ich als Gefangene geführt.“
„Das ist ab sofort obsolet. Verabschieden Sie sich von Ihren permanenten Aufpassern. Sie sind mit Offizierswürden eingestellt. Das ist mit allen Teileinheitsführern abgesprochen. Aber...“ Nachdenklich sah er die junge Frau an. „Aber sehen Sie zu, sich eher selten alleine in dunklen Ecken herumzutreiben. Es werden uns zwar viele Zivilisten verlassen, die ihre Angehörigen in der Schlacht verloren haben, aber von denen, die bleiben, halten genug Sie für eine Mörderin. Ich kann und will Sie nicht rund um die Uhr bewachen, weil ich Sie dann auch nicht in einen Mech lassen dürfte. Aus dem gleichen Grund kann ich Sie auch nicht dauerhaft beschützen lassen.“
„Ich verstehe. Wie also soll ich mich verhalten, falls ich angegriffen werde?“
„Angemessen, Lieutenant.“
„Das kann vieles bedeuten, oder auch nichts, Sir.“
Zorn beugte sich ein Stück zu ihr herüber. „Sehen Sie die erste Zeit zu, dass Sie sich nicht in ausweglose Situationen ohne Fluchtweg manövrieren. Falls Sie doch in eine solche Sackgasse geraten, dann müssen Sie selbst abschätzen, ob und wie sehr Ihr Leben gefährdet ist, und was Sie tun können und müssen, um es zu beschützen.“
Die junge Frau nickte. „Okay.“
„Sie gehen jetzt selbstständig zur Kleiderkammer rüber und holen sich einen Satz Uniformen mit Ihren neuen Abzeichen. Anschließend holen Sie sich an der Waffenkammer eine Seitenwaffe. Das ist bei uns eine Autopistole. Sie sind für diese Waffe verantwortlich, und auch für die standardmäßig ausgegebene Munition. Sehen Sie zu, dass sie niemals aus versehen losgeht. Anschließend haben Sie meine Erlaubnis, weiterhin bei den Mechs auszuhelfen, bis Sie eine tatsächliche Aufgabe bekommen. Solange wir auf St. Jones sind, besteht Ihre Lanze nur aus Ihnen, Miss Pappas. Das wird sich ändern, und dann werden Sie zu tun haben. Das verspreche ich Ihnen.“
„Danke, Sir. Verstehe, Sir. Ich nehme an, Sir.“
„Gut, dann machen Sie sich jetzt auf den Weg.“
Sie erhob sich, salutierte und machte dann eine Kehre, die jeden Kadetten neidisch hätte aufsehen lassen. Irrte sich Zorn, oder ging sie ein ganzes Stück aufrechter auf dem Weg hinaus?
Unschlüssig sah er auf die Tür, die sich hinter Ilona Pappas schloss. „Wenn das mal eine gute Idee war“, raunte er mehr zu sich selbst.
***
„Und dann...“, sagte Oberst Kalakov unter lautem Lachen, „...dann habe ich dem Söldnerbrütling gesagt, dass ich mich freue, seine Mechs und seine Leute in den Dienst der Konföderation Capella stellen kann. Ich hätte gerne sein Gesicht gesehen, als er mich das sagen gesehen hat!“ Daraufhin lachte er noch lauter, und seine Leute fielen ein.
„Aber Oberst, Ausländer hin oder her, sollten wir der Depotgeschichte nicht zumindest nachgehen?“
Juri Kalakovs Gelächter erstarb, und so erstarb auch das Lachen seiner Offiziere. „Duong Ahn Chau, wären Sie nicht die verantwortliche Maskirovka-Offizierin meiner Einheit, würde ich Sie auslachen. So aber ist es Ihre Pflicht, skeptisch und aufmerksam zu sein.“
Die groß gewachsene blonde Frau verzog ihre Miene kaum, als sie diese harsche Kritik traf. Sie war es gewohnt, gerade als Siamesin, schlechter behandelt zu werden und es schwerer zu haben, wenn sie Karriere machen wollte, und das hatte wenig mit ihrem Geschlecht zu tun. Aber was Kalakov da sagte, war mehr als die naturgegebene Arroganz, die die meisten Han-Chinesen ihr eigen nannte. Es war genauso gut, als wenn er aufgestanden wäre, mit dem Finger auf sie gezeigt und zu lachen begonnen hätte. Sie nahm all ihre Courage zusammen, bewahrte ihre volle Würde und sagte: „Herr Oberst, Sie wissen, dass Larsha Aufmarschgebiet der Vereinigungskriege war. Es ist durchaus möglich, dass Major Kenderson Recht hat mit seinem Versorgungsdepot. Und wenn er Recht hat mit dem Versorgungsdepot, dann kann dieser Vicomte Medice hier her kommen und auf Larsha wüten, wie er es auf St. Jones getan hat. ComStar war sehr freigiebig mit Informationen, und...“
„Vicomte Medice hat erstens eine Menge Federn gelassen und praktisch keine militärische Macht mehr, er ist zweitens vor fast zwei Wochen von St. Jones aufgebrochen. Sie wissen, wo St. Jones liegt, Major Duong?“
„Am Rande des Plejaden-Clusters.“
„Das ist wie weit von Larsha entfernt?“
„Ziemlich genau einhundert Lichtjahre.“
„Selbst wenn er also sofort aufgebrochen und auf dem Weg hierher wäre, würde er mindestens drei Sprünge brauchen, falls er überhaupt über ein eigenes Sprungschiff verfügt. Er ist mindestens sechs Wochen mit Aufladezeiten unterwegs. Davon sind gerade zwei verstrichen. Was hat er noch? Zwei Mechs und eine Lanze Panzer? Weniger?“
„Eher weniger, Oberst.“
„Nichts, womit wir nicht fertig werden würden. Wir haben ein ganzes Regiment Infanterie, und jedes Bataillon hat eine Sprungtruppenkompanie und einen Zug Mechabwehr. Dazu kommen unsere zwei Kompanien Kampfpanzer.“
„Die aber ebenso wie die Infanterie über den Planeten verteilt sind“, gab sie zu bedenken. „Und wir wissen nicht, ob Medice keine Reserven in der Hinterhand hat.“
„Zugegeben, das wissen wir nicht“, warf Hauptmann Harrison Wong ein, „und ich stimme Duong zu, dass wir die Depotgeschichte ernst nehmen sollten, alleine schon wegen dem Ruhm, den wir dem Kanzler einbringen, wenn wir einen ähnlichen Fund machen wir ComStar auf St. Jones. Aber es bleibt, wie Oberst Karakov beschrieben hat. Der Vicomte ist weit weg. Selbst wenn er unsere Welt als erstes Ziel nach seinem Scheitern ausgesucht hätte, wäre er noch mindestens vier Wochen entfernt. Wir haben also genug Zeit, die Archive zu durchsuchen auf Spuren der Pionierkommandos des Sternenbunds. Wenn sie in abgelegenen Gegenden gewühlt haben, hätten wir Spuren zu einem tatsächlich vorhandenen Depot.“
Einerseits war sie dem Chef der 1. Panzerkompanie dankbar für seine Intervention. Die Manchus waren eben toleranter als die arroganten Han. Andererseits hatte er sie nicht wirklich verteidigt und nachgebetet, was Karakov gesagt hatte. Allerdings war die Idee, die Archive nach Pionieraktivitäten zu durchsuchen, wirklich gut.
Dem Oberst gefiel die Idee offensichtlich sehr gut. Er strahlte geradezu. „Das ist brillant, Harry. Und weil es Ihre Idee war, übernehmen Sie das mit Ihrem Stab. Wenn Sie das Depot tatsächlich finden, werde ich dafür sorgen, dass Sie nach Sian fliegen und ausgezeichnet werden.“
„Danke, Herr Oberst. Das ist eine große Ehre.“
„Noch haben Sie nichts gefunden. Also freuen Sie sich nicht zu früh. Duong, ich nehme an, es wäre eine gute Idee, wenn Sie ihm dabei zur Hand gehen. Sie und Ihre Schleicher sind es ja gewohnt, Daten zu sichten und auszuwerten, also werden Sie Harry eine große Hilfe sein. Derweil bereite ich unsere Truppen darauf vor, eventuell mit diesem Kenderson Zorn konfrontiert zu werden.“
„Zorn Kenderson, Herr Oberst“, korrigierte Duong.
„Das habe ich doch gesagt“, erwiderte er verärgert. „Aber auch dafür haben wir mehr als genügend Zeit, denn die Cavaliers stehen noch immer auf St. Jones. Na los, an die Arbeit, Harry, Major Duong.“ Mit diesen Worten schickte er sie aus dem Büro.

Draußen auf dem Gang sagte sie: „Danke für die Unterstützung da drin, Hauptmann.“
Wong winkte ab. „Ich denke, der Oberst freut sich viel zu sehr über den Streich, den er diesem Zorn gespielt hat und vergisst dabei die Möglichkeit, die er uns eröffnet hat. Es gibt das Depot auf St. Jones, und es war reich gefüllt. Wenn die gleiche Chance für Larsha besteht, dann weiß mittlerweile die halbe Innere Sphäre davon. Und jeder, der es sich leisten kann, wird die Chance nutzen wollen. Deshalb ist es eine gute Idee, wenn wir zuerst am Depot sind.“ Er sah sie an. „Die nächsten Wochen könnten aufregend werden, Duong Ahn Chau. Das Depot auf St. Jones soll einen Wert von fast dreihundert Millionen ComStar-Noten gehabt haben, davon fast zweihundert Millionen für die Ausrüstung. Ich sage Ihnen, jeder militärische Führer, egal ob Capellaner, Pirat oder aus der Peripherie, würde sich zu gerne an dieser Summe gesund stoßen.“
„Dann unterschätzt Oberst Karakov die Situation definitiv.“ Nicht, dass sie das nicht von vorne herein gewusst hatte. Dass Wong ähnlich dachte, dass er ein potentieller Verbündeter war, das war für sie eine angenehme Überraschung.
„Ja, das tut er. Es gibt etliche Einheiten, die an Larsha sehr viel näher dran sind als der Vicomte es sein könnte. Taurus zum Beispiel ist nur zwei Sprünge entfernt.“
„Nicht viele werden das Risiko eingehen, eine ganze Welt absuchen zu müssen, um eventuell mitten in feindlichem Gebiet ein Depot zu finden.“
„Und viele werden es dennoch tun. Unsere Raumüberwachung ist nicht lückenlos, das wissen Sie am Besten. Bis vor kurzem waren wir ja auch nur eine unbedeutende Agrarwelt mit Grenzbastion. Aber jetzt gibt es hier etwas zu holen. Und just in dieser Zeit musste die 5. Reserve Kavallerie ihr 2. Bataillon abziehen.“
Duong sah, wie Wong die Hände zu Fäusten ballte. Die Ruhe, die er im Büro gezeigt hatte, sein spöttisches Gelächter, war das alles nur Fassade gewesen, hatte er erkannt, dass sie nun tatsächlich in Gefahr schwebten?
„Was, denken Sie, würde jemand tun, der auf dieser Welt ungestört nach dem Depot suchen will?“, fragte sie.
„Natürlich das Militär ausschalten. Zuerst die 5., und danach unsere Miliz, die eh nur aus Infanteristen und veralteten Panzern besteht. Je eher wir also in die Innere Sphäre hinausposaunen können, dass wir das Depot gefunden und seine Vorräte dem Kanzler zu Füßen gelegt haben, desto besser für uns alle.“
„Ich denke da genauso wie Sie. Ich denke... Lang, was ist denn?“

Aufgeregt kam ihr einer ihrer Mitarbeiter entgegen gelaufen. Er winkte mit einem Zettel in der Linken. Und er war augenscheinlich etwas außer Atem. „Ma'am, wir haben eine Notlandung auf Dubai. Wie es ausschaut, ist ein Overlord, das Handelsschiff MINH TAU, wegen Triebwerksschwierigkeiten fünfzig Klicks vom Raumhafen niedergegangen.“
„Und? Was ist daran besonderes? Soll ich jetzt ein Suchkommando losschicken, nur weil ein Händler zu geizig war, um die Wartung seines Schiffs zu finanzieren?“, erwiderte sie. Da kam noch mehr, sie wusste es, aber ein wenig Arroganz gegen die Untergebenen tat gut, vor allem wenn sie sich für schlauer hielten.
„Ein Overlord als Handelsschiff? Und dann kommt es nach Larsha?“, fragte Wong argwöhnisch.
Ihr Bericht über die Miliz, vor allem über den Chef der 1. Panzerkompanie, würde sehr wohlwollend ausfallen, beschloss sie.
„Das ist es nicht mal. Viel wichtiger ist, dass ich die Computer befragt habe. Es gibt keine MINH TAU. Auch ComStar ist so ein Schiff nicht bekannt, zumindest nicht als Overlord.“
„Der Handelshafen von Dubai liegt zwanzig Klicks von der Kaserne der 5. entfernt, oder?“, fragte Wong.
„Und der Overlord ist ziemlich genau unter dem Horizont gelandet, nicht zu weit und nicht zu nahe“, bestätigte Duong. „Gehen wir in die Zentrale. Ich will, dass Dubai einen VTOL schickt, der das Landungsschiff sucht. Dies ist eine militärische Erkundungsmission, keine zivile Rettungsaktion. Falls auf Dubai bereits Rettungskräfte ausgesandt wurden, sollen sie sofort zurückgezogen werden. Das ist eine Anweisung der Maskirovka. Ich übernehme die volle Verantwortung.“
„Jawohl, Ma'am!“ Jeremy Lang salutierte und lief zurück.
„Wenn es wirklich ein Absturz ist, machen Sie sich nicht gerade Freunde, Duong“, warnte Wong.
„Und wenn es ein Landungsschiff voller Söldlinge ist, die gerade auf dem Marsch zur Kaserne der 5. ist, um die Einheit bei einem Überraschungsangriff auszulöschen, dann hat die Kasernenwache heute noch einen sehr schlechten Tag. Kommen Sie, Wong.“
Die beiden gingen weiter, nicht hastig, aber auch nicht gemächlich.
„Offensichtlich wissen sie nicht, dass das 2. Bataillon abgezogen wurde und das 3. erst in vier Wochen kommen soll, sonst hätten sie zuerst einen Milizstützpunkt angegriffen – falls Sie Recht haben. Sollten wir nicht mit dem Oberst sprechen?“
„Ohne einen realen Beweis in der Hand? Nein. Die erste Abfuhr hat mir gereicht. Außerdem können wir bei falschem Alarm den Ball flacher halten. Trotzdem, fragen Sie in der Zentrale nach weiteren Landungsschiffen, die nicht da niedergegangen sind wo sie sollten. Wer mit einem Overlord kommt, hat eventuell auch noch einen Union oder einen Seeker. Oder zwei.“
„Wollen wir's mal nicht hoffen. Ein Overlord alleine kann ein ganzes Bataillon bedeuten“, brummte Wong. „Sollen wir ihn informieren, wenn sich der Verdacht bestätigt?“
„Den Oberst? Natürlich.“
„Nein. Oberst Karakov natürlich auch. Ich dachte an Zorn Kenderson. Das wäre nicht mehr als fair.“
Sie dachte für einen Moment darüber nach. „Ja. Sobald etwas passiert, informieren Sie via ComStar das Oberkommando, das Regionalkommando, und Major Kenderson. Falls der HPG nicht auch angegriffen wird.“
„Eieieieieiei, ich kriege Kopfschmerzen. Sie trauen unseren nichtbestätigten Plünderern ja eine Menge zu.“
„Dreihundert Millionen C-Noten, haben Sie gesagt. Meine Großmutter müsste dafür sehr lange stricken und bekäme die Bürgerrechte zweimal verliehen, Wong.“
„Argument.“
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