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CeGrudke CeGrudke ist männlich
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Hinter den feindlichen Linien:

Er musste vorsichtig sein. Wenn man ihn entdeckte, dann sah es ziemlich schlecht für ihn aus. Zum Glück war Nova nicht bei ihm. Sich unerkannt in ein feindliches Lager zu schleichen war ziemlich unmöglich, wenn man einen Drachen dabei hatte - selbst wenn es ein so relativ kleiner Drache wie der Wraith war.
Robert Hammer, Söldner, Bodyguard aber vor allem und in erster Linie Agent der Dragon Shadows und des MI6, lächelte, als er sich an das Gespräch erinnerte, das er mit seinem schuppigen Partner geführt hatte, als er diesem mitteilte, dass er die Hauptbasis der TZU infiltrieren wollte:

"Du bist verrückt", meinte Nova, während sie durch die tiefe Dunkelheit von Lyons flogen. "Wirklich und vollkommen verrückt! Und ich muss ebenso verrückt sein, weil ich dir auch noch helfe!"
Hammer klopfte seinem Freund an den Hals. "Du musst ja nicht viel tun, Nova. Du überfliegst nur kurz die Basis, ich spring ab und du kehrst um und kümmerst dich darum, dass Major Schmitt seinen Plan durchziehen kann."
Der Drache schnaubte leise und drehte seinen Kopf ein Stück in die Richtung seines Partners. "Du hast den Major natürlich nicht um Erlaubnis gebeten, wie ich es dir eigentlich empfohlen habe, nicht wahr?"
"Machst du Witze?", wollte Hammer wissen. "Er hätte mir sofort den Kopf abgerissen!"
MI6-Agenten waren dafür bekannt, nicht das zu tun, was ihre Vorgesetzten wollten und vor allem nicht nach deren Wünschen zu fragen. Mitglieder der Dragon Shadows bildeten da keine Ausnahme.
Nova schnaubte erneut und drehte den Kopf wieder nach vorne. "Wir sind gleich da. Mach dich schonmal zum Absprung bereit."
Hammer vollführte einige akrobatische Verrenkungen und hängte sich an die Vorderfüße des Drachen. Dieser prüfte nochmal die Umgebung nach potentiellen Feinden und möglichen Fluggeräten, dann rief er. "Absprung!"
Hammer ließ sich fallen, landete auf dem Flachdach eines Raumhafengebäudes, rollte sich ab und blieb erst einmal auf dem Boden liegen. Er wandte den Kopf und konnte gerade noch einen schwachen Schemen erkennen, den er als Nova identifizierte und der gerade wieder in der Nacht verschwand. Hammer richtete sich in der Hocke auf und lief geduckt zum Rand des Dachs. Dann nahm er das Seil, das er sich um den Oberkörper geschlungen hatte, hängte einen Karabinerhaken an eine Stahlstrebe und ließ sich langsam auf den Boden gleiten. Und so drang er in den Raumhafen und die derzeitige zentrale Basis des Feindes ein.

Er war seit einer Stunde unterwegs und hatte bisher noch keines seiner Ziele, einen dieser neuartigen Mackies, entdecken können. Er wollte nämlich mehr über diese ungewöhnlichen Kampfmaschinen, die angeblich sogar einem Drachen gefährlich werden konnten, herausfinden - beispielsweise, ob sie eine Schwachstelle hatten.
Bisher hatte er zwei Wachleuten ausweichen müssen, ansonsten schienen die meisten TZU-Soldaten in den Quartieren zu sein. Allerdings traute Hammer der Atmosphäre um ihn herum nicht. Es fühlte sich einfach nicht richtig an. Also schlich er mit übertriebener Vorsicht weiter - sein Glück, denn sonst wär er direkt in einen grauhaarigen Mann hineingelaufen, der gerade aus einem Gebäude kam und sich eine Zigarette anzünden wollte. Hammer reagierte blitzschnell, legte ihm eine Hand auf den Mund und hatte mit der anderen ein Messer an seiner Kehle, während er ihn neben der Tür an die Wand drückte. "Wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist, dann bleiben Sie jetzt ganz ruhig."
Er sah die vor Schreck geweiteten Augen des Mannes und lächelte bittersüß. "Glauben Sie mir, ich bin gerne bereit, mich einzusauen. Und wenn das bedeutet, dass ich Ihnen die Kehle durchschneide, weil Sie nicht tun, was ich von Ihnen möchte, dann nehme ich das auf mich."
Der Mann nickte verstehend und Hammer nahm die Hand von seinem Mund. "Okay. Wer sind Sie?"
"SeniorTech Angus McCulloch."
"SeniorTech, hm? Also gut, McCulloch. Sie können mir doch bestimmt sagen, wo sich eine dieser riesigen Maschinen befindet... wie heißen die doch gleich noch?"
"Sie meinen den Mackie?", wollte der Tech wissen und hätte sich im selben Moment am liebsten selbst auf die Zunge gebissen. Hammer lächelte wieder. "Stimmt, Mackie. Nachdem wir geklärt haben, dass Sie wissen, welche Maschinen ich meine - wo sind sie? Und bevor Sie behaupten, es nicht zu wissen: Ich kenne mich auch ein wenig mit Techs aus. Ein Tech, der weiß, wie eine Maschine heißt, weiß auch, wo sie steht. Also, raus damit, ansonsten werden Sie mit einem unschönen Schnitt im Hals auf dem Boden liegen und verbluten."
Der Tech schluckte hart, dann wies er auf ein Gebäude, das vielleicht drei Kilometer entfernt war. "Dort. Die Mackies sind dort hinten."
Hammer nickte. "Danke. Und schlafen Sie gut."
Er drückte einmal kurz zu und der Tech kippte ohnmächtig zu Boden. Hammer zog ihn in eine dunkle Ecke, damit er nicht sofort gefunden wurde, fesselte und knebelte ihn, dann lief er zu dem Gebäude, von dem er annahm, dass es ein Hangar oder eine Lagerhalle war. Die Tore der Halle waren geschlossen, aber er fand eine kleine Seitentür, die es ihm erlaubte, in die Halle hineinzukommen. Und tatsächlich, da standen sie. Haushohe Metallberge, die vor Kraft und Tödlichkeit nur so zu strotzen schienen. Hammer blickte sich um und entdeckte mehrere Techs, die gerade dabei waren, an einigen der riesigen metallenen Monster herumzuwerkeln. Er sah sich um und fand was er suchte - ein Versteck, nicht weit von den Techs entfernt und gut genug, um ihm zu erlauben, ein paar Fotos zu machen. Er benutzte eine DigKa3580 von Nikon, ein kleines Gerät, das sehr handlich und leicht war - und dessen Fotos man nur erkennen konnte, wenn man es zweimillionenfach vergrößerte und dann eine Lupe benutzte, aber es war besser als nichts. Er schoss ca. hundert Bilder, wobei er die verschiedenen Mackies aus verschiedenen Blickwinkeln vor die Linse bekam, von den meisten bekam er dank der offenen Wartungsluken auch das Innenleben zu sehen, dann verließ er sein Versteck und die Halle. Er wollte sich gerade in die Dunkelheit verdrücken, als eine Wache um die Ecke bog und ihn entdeckte. Jetzt musste er schnell handeln. Den Nadler ziehen, die Wache erschießen und vorschnellen, um die Leiche aufzufangen, bevor sie zu Boden poltern konnte, waren das Werk von Sekundenbruchteilen. Auch sein Kollege, der gerade um die Ecke kam, wurde das Opfer des Nadlers und sackte gegen die Wand. Als er zu Boden rutschte hinterließ er einen braunroten Fleck an der Wand. Jetzt musste er verschwinden - am besten auf dem Weg, auf dem er gekommen war. Also schlich er sich wieder zurück, vorbei an dem bewusstlosen Tech, dem er schnell noch die Metallfesseln und den Knebel abnahm, damit es niemanden auffiel, dass der Mann nicht einfach völlig betrunken in der Ecke eingeschlafen war, das Seil hochgeklettert, wieder eingezogen und um den Oberkörper geschlungen, dann holte er einen Kommunikator heraus. "Nova?"
"Anwesend bei der Arbeit, großer Meister der Verrücktheiten."
Hammer musste grinsen. "Hol mich ab. Ich bin wieder auf dem Dach, wo du mich abgesetzt hattest."
"Roger", kam die Antwort des Drachen, woraufhin Hammer sich wieder auf den Boden legte. Er wartete vielleicht zwei Minuten, dann hörte er ein Knacken im Komm. "Ich bin in zehn Sekunden da. Aufstehen und Arme ausstrecken, junger Mann!"
Hammer grinste wieder, erhob sich und streckte die Arme in die Luft. Er spürte, wie zwei starke krallenbewehrte Hände/Füße nach ihm griffen, dann wurde er hoch in die Luft erhoben. Während des Flugs kletterte er am rechten Vorderbein seines Partners auf dessen Rücken und blieb dort erstmal liegen. Nova warf seinem erschöpften Partner einen amüsierten Blick zu. "Jetzt tu bloß nicht so, als hättest du hart gearbeitet. Das war doch bestimmt ein Spaziergang für dich."
Hammer ließ die gesamte Operation nochmal Revue passieren. In tiefer Dunkelheit von einem Drachen springen, auf einem harten Dach landen, herunterklettern, Wachen ausweichen, Gefangene machen und befragen, sich verstecken, um Fotos machen zu können, zwei andere Wachen ausschalten und wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. "Klar", meinte er dann müde und schloss die Augen. "Ein Spaziergang."

__________________
A rose by any other name is still a rose...

Robert Hammer

Dragon Shadows

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03.10.2009 15:31 CeGrudke ist offline E-Mail an CeGrudke senden Beiträge von CeGrudke suchen Nehmen Sie CeGrudke in Ihre Freundesliste auf
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Als Patrick Kell den Boden von Styx unter seinen Füßen spürte, war ihm ein wenig unwohl. Durch seine Familie und seinen diplomatischen Dienst im Auftrag der Archontin, seiner Cousine Katrina, war er oft genug hier. Dabei begleiteten ihn mehr oder weniger seine Kell Hounds, entweder das volle Regiment, oder, falls das nicht möglich war, zumindest eine auserlesene Leibwache. Die Einheit war gut trainiert und kampferfahren. Selbst der Exodus, die Auflösung der Division nach Morgans Fortgang, hatte nichts daran ändern können. Aber auf Seiten der Kombinatstruppen zu kämpfen, war doch sehr überraschend gewesen. Vor allem für ihn.
Er verließ den kleinen Lander und trat, neben und hinter sich Daniel Allard und Tai-sa Arika Kushino, die Herrin des 3. Schwert des Lichts, wissend, forsch in Richtung des wartenden Wagen mit der aufgepflanzten Standarte des 2. Schwerts des Lichts aus.
Seltsam. Er und Yorinaga Kurita kannten einander nun schon so lange, hatten so viel miteinenader durchgemacht, seit Prinz Ian 3011 auf Mallory´s World gefangen genommen worden war, seine Hochzeit im Haus Kurita aber endlich einen Friedensschluss zwischen den Draconiern und den Feddies ermöglicht hatte. Sie hätten Freunde sein können, aber Yorinaga ärgerte sich zu sehr über die verpatzte Chance, gegen Krieger vom Kaliber der Kell Hounds zu kämpfen, und Patrick hatte immer mal das Gefühl, nur ein Soldat in der zweiten Reihe hinter seinem Bruder zu sein.
Morgan war mit den Worten fortgegangen: Wir werden in Zukunft mehr Drachen brauchen. Viel mehr Drachen.
Seither lebte er auf den Zuchtfeldern von Saniah III und lebte im Drachenkloster, um seinen Teil an der Wissenschaft der Drachenaufzucht und der genetischen Forschung voran zu treiben. Damit einher gegangen war die Auflösung der Division. Über die Hälfte der Drachenreiter hatten die Hounds verlassen, dazu zwei Drittel der Panzertruppen und nahezu drei Viertel der Sprungtruppen. Sie hatten den Auftrag erhalten, den Armeen der von der TZU bedrohten Staaten so viel wie möglich beizubringen und selbst so viel wie möglich zu lernen, und in der schlimmsten Stunde zurück zu kehren. Auch Morgan wollte dann wieder seinen angestammten Platz bei den Hounds einnehmen, und Patrick freute sich darüber, weil dies bedeutete, dass er die Regimentsführung endlich aus der Hand geben und sich ganz auf sein Diplomatendasein konzentrieren konnte. Und Yorinaga Kurita würde dann vielleicht endlich zu seinem Kampf kommen, auch wenn es nur eine Übung war.

Ein hochgeschossener Asiate erwartete ihn und salutierte stramm. Die Abzeichen wiesen ihn als Sho-sa, also Major aus, aber seine Augen wirkten wie die eine Generals. Der Mann gab sich steif, aber respektvoll. "Guten Morgen, Colonel Kell. Ich soll Ihnen Grüße von Sensou no Katana sowie Tai-sa Kurita überbringen. Er wünscht Sie, Ihren Begleiter, und auch Sie, Tai-sa Kushino, sofort an der Front zu sehen."
"Moment Mal, an der Front? Asano-kun, ich bin hierher geeilt, weil Kurita-sama es wichtig gemacht hat. Aber so wichtig?"
Narimasa Asano lächelte dünn. Das war eine Höflichkeitsbezeugung für den ehemaligen Gegner, dem er auf Mallory´s World gegenüber gestanden hatte. "Ich habe Yorinaga-sama gesagt, dass Sie es nicht werden aushalten können, bis Sie bei ihm sind, Kell-sama. Deshalb habe ich eine kurze Zusammenfassung vorbereitet. Sie wird Ihnen nicht gefallen." Der Japaner besah sich die riesigen Drachentransporter der Kell Hounds und des 3. Schwerts des Lichts. "Sie haben einen terranischen Zerstörer im Orbit?"
"Oh, er gehört uns beiden zu gleichen Teilen", erwiderte Patrick, wohl wissend, dass der Offizier einem konkurrierendem Kameraden von einem anderen Schwert des Lichts einen solchen Triumph nur schwerlich gönnen würde.
"Interessant. Ich bin auf den Bericht gespannt." Er machte eine einladende Handbewegung und deutete auf das geräumige Innere des großen Militärwagens.
Die Soldaten nahmen Platz, und nur Sekunden darauf raste der Fahrer los, als gelte es darum sein Leben zu retten.

"Es ist wie folgt: Während die Kell Hounds das 3. Schwert vor der Vernichtung gerettet haben, ist auch hier einiges passiert. Das 21. Armeekorps ist zu einem Entlastungsangriff auf Styx gelandet und hat das Briankastell Oedo besetzt. Das ist ein schwerer Schlag für die Verteidiger. Der zuständige Milizoberst hat bereits um das Recht gebeten, durch seinen Seppuku die Schande für seine Leute rein zu waschen. Yorinaga-sama hat dem widersprochen."
Patrick atmete keuchend aus. Für einen Moment hatte er geglaubt, Yorinaga hätte zugestimmt. Dieser barbarische Brauch, sich im Falle des Versagens den eigenen Leib aufzuschneiden, nur um den Kopf abgeschlagen zu bekommen, mochte für die Draconier eine große Sache sein und unglaubliche Schuld rein zu waschen. Aber er mochte ihn nicht und sah ihn noch seltener ausgeführt.
"Während das 21. Armeekorps auf die Oberfläche übersetzte, brachten ihre Raumkampftruppen ein Passagierschiff in ihre Gewalt. Es ist die lyranische Silberadler mit dreihundert Zivilisten an Bord. Entgegen dem geltenden Recht wurden sie nicht als Nichtkombattanten behandelt. Sie wurden auf den Planeten entführt und im eroberten Brian-Kastell interniert."
Patrick Kell erschrak, zeigte dies jedoch nicht nach außen. Seine Gefühle zu sehr zu zeigen kam nie gut an bei draconischen Kriegern. Daniel war darin noch nicht so gut. Ihm entfuhr ein leiser Fluch.
"Soll das also heißen, dass dreihundert lyranische Zivilisten in der Hand der TZU sind?", fragte er mit Ärger in der Stimme. Brian-Kastelle waren riesige Forts, darauf ausgelegt zwanzig oder mehr Drachen sowie mehrere Regimenter Bodentruppen aufzunehmen. Gedacht waren sie gegen den zunehmenden aggressiven Einfluss der TZU, und ein nicht erobertes Kastell bedeutete meistens, die TZU-Truppen irgendwann mal wieder ins All jagen zu können. Das größte Kastell auf Thorin hatte erst nach fünf Jahren kapituliert, und das auch nur, weil alle Truppen und deren Angehörige in das lyranische Reich repatriiert worden waren. Es war nur logisch, dass sich die TZU-Truppen zuerst um dieses Ärgernis kümmerten, bevor sie sich weiteren Problemen zuwandten. Nun also stand das gut gepanzerte und hoch verteidigte Kastell gegen die Schwerter des Lichts und die Kell Hounds, denn es stand außer Frage, dass seine Leute es ebenso wenig hinnehmen würden wie er selbst, das unschuldige lyranische Zivilisten in Lebensgefahr waren.
"Das ist nicht unser Hauptproblem. Es scheint als wäre es zu einem Aufstand im Gefangenentrakt gekommen. Die Zivilisten haben einen Teil des Kastells erobert, einige überlebende Verteidiger befreit und halten bis jetzt den Turm. Wir haben versucht Truppen auf dem Turm zu landen oder die Zivilisten auszufliegen, aber entgegen früherer Gelegenheiten dieser Art widersetzt sich die TZU allen Versuchen. Es wurden sogar Transporter mit dem Roten Kreuz beschossen."
"Ein merkwürdiges Verhalten des 21. Korps. Wer führt es an? Mahling? Rottenfeld?"
"Mahling ist kommandierender General. Für den Einsatz hat er aber einen Vorgesetzten zugewiesen bekommen. McCarron führt das Kommando."
"McCarron? DER McCarron?" Patrick runzelte die Stirn. Es gab nur einen erwähnenswerten Mann dieses Namens in der Armee der TZU, und das war Ronald McCarron, zweiter Sohn des legendären Regimentsführers der McCarrons Armored Cavalry, einer Einheit im Dienst der Föderation Capella - und mit einem Hass auf Haus Davion ausgestattet, der seinesgleichen suchte. Nicht wenige hielten die Entsendung von Ronald nach Terra als ersten Versuch des alten McCarron, dort einen neuen, dauerhaften Kontrakt zu finden. Allerdings gab es ein Problem bei der Sache.
Der Wagen hielt, die Türen wurden von hilfreichen Händen geöffnet, und während er heraus kletterte rief Patrick: "Das macht keinen Sinn! Ronnie ist ein Schlapphut! Ein Geheimdienstmann! Warum sollte man ihm das Oberkommando über eine gottverdammte Armee geben?"
"Direkt wie immer, Patrick-kun", empfing ihn die kühle Stimme von Yorinaga Kurita. Er lächelte sein dünnes, nichtssagendes Lächeln und deutete auf das große Zelt, das ihm für seine Stabsbesprechungen diente. "Und ich habe eine direkte Antwort darauf. Hier, dies sind Fotos vom Anführer der lyranischen Zivilisten. Wir haben ihn mittlerweile als Lieutenant Redburn identifiziert, einen Drachenreiter im Training. Es war relativ einfach, Daten über ihn zu bekommen, weil er Staatsgast in der Triade auf Tharkad war."
Patrick kniff die Augen zusammen, während er das Foto betrachtete. Ja, beim Anblick dieses schlacksigen jungen Mannes erinnerte auch er sich an ein oder zwei Begegnungen. Der Mann war Panzerfahrer und hatte zu den Drachen gewollt. Katrina hatte ihm angeblich einen Colt versprochen, falls Redburn Zugang zu ihm fand.
Daniel Allard schnaubte verächtlich. "Was, um alles in der Welt hat ihn nur dazu veranlasst, den Helden zu spielen und dreihundert Zivilisten zu gefährden? Und warum machen die da mit? Es ist eher ungewöhnlich, dass die TZU Geiseln nehmen, aber letztendlich sind sie unwichtig genug, um sie durch Verhandlungen frei zu bekommen. Vor allem jetzt, wo wir drei volle Divisionen auf dieser Welt haben, und alle drei sind Elite."
Wortlos reichte Yorinaga ein weiteres Foto herum, das einen konzentrierten Andrew Redburn auf einer Balustrade zeigte, konzentriert mit einem Karabiner schießend, während hinter ihm Frauen und Kinder einen offenen Laufgang entlang flüchteten. Eine weitere junge Frau, bewaffnet mit einer schweren Autopistole und Headset, winkte sie weiter. Patrick sah ihr Gesicht nicht, aber irgend etwas an ihr kam ihm bekannt vor. Weitere Fotos wanderten durch seine Hände. Sie gehörten alle zur Serie des unbekannten Fotographen. Die Braunhaarige wandte sich dabei um, eine Hand am Headset, um Befehle zu geben. Als Patrick ihr Gesicht erkannte, wurde ihm klar, was ihn störte. Diese Frau war nicht braunhaarig, sondern blond. Und außerdem hätte sie ohnehin erst die Bezeichnung Mädchen verdient. Sie war erst siebzehn Standardjahre alt. Er musste es wissen, denn er war einer ihrer Taufpaten gewesen. Sein Herzschlag schien auszusetzen. Mit totenbleicher Miene reichte er die Bilder an Allard und Kushino weiter.
Daniel Allard keuchte zu Tode erschrocken auf. "Melissa?"
"Melissa Arthur Steiner, die Erbin des Archontenthrons", klang der unverkennbare Drachenbass von Sensou no Katana ins Zelt. Die riesige Drachenschnauze des Atlas-Drachen schob sich ins Zelt und fixierte die Anwesenden. "Deshalb lassen die Terraner nicht locker. Mit Melissa in ihren Händen ist Archon Katrina nur noch Butter für sie."
"Falls sie die Kämpfe überlebt - oder überleben will", fügte Asano hinzu.
Heftig keuchend stützte sich Patrick auf dem Besprechungstisch ab. Sein Atem ging stoßweise und mit Gewalt musste er seine Panik zurückdrängen. Verdammt, die Erbin des Commonwealths, in der Hand der TZU? Ein Schreckensszenario, wie es schlimmer kaum sein konnte.
"Wir müssen angreifen", raunte er. "Sofort."

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Ace Kaiser,
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19.10.2009 22:50 Ace Kaiser ist offline E-Mail an Ace Kaiser senden Beiträge von Ace Kaiser suchen Nehmen Sie Ace Kaiser in Ihre Freundesliste auf
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Beide Gestalten wirkten weniger wie normale Reisende als mehr wie zwei Vaganten die zufällig auf dem fahrenden Zug aufgestiegen waren. Kompletter Blödsinn wenn man bedachte, in welchem Tempo die Monorail-Bahn über die 200-Kilometer weite verkehrte. Die übergroße Echse mit dem weißem Schuppenkleid, lag auf einer alten Löschdecke die sie vom einem mitleidigen Schaffner erhalten hatten, damit sie wenigstens nicht direkt im Kontakt mit dem kühlen Metall des Bodens kam. Mit ihr teilte sich eine junge Frau mit schwarzen Haaren, die Löschdecke, während der lange Schweif der Drachin sie an ihren vergleichsweise wärmeren Körper gepresst hielt.
Mireille konnte sich gefahrlos mit der kleinen Drachin unterhalten, da sie beide in einem Wagon saßen, der eher Fracht zu transportieren hatte, weswegen es keine weiteren Fahrgäste gab, auf die sie sonderlich Rücksicht nehmen mussten. Zwar war es hier nicht sonderlich gemütlich, doch immer noch besser nach eigener Aussage der Polardrachin, als das ihr Leute ständig auf den Schwanz traten oder diesen in Abteiltüren eingeklemmt wurde.
„Ich wundere mich warum sie bis jetzt den Zug noch nicht angehalten haben“, sprach Mireille mit lauter Stimme, bemüht das ihre Worte nicht vom Fahrtwind und dem statischen Brummen der Magnetschienenbahn übertönt wurden. Es war nicht mal sonderlich laut, doch das Brummen schien sich durch ihre Knochen bis hin zu ihren Schädel fortzupflanzen und ihr Gehirn langsam in eine gelatineartige Masse zu zerrütten.
Verdammt, sogar ihre Zähne klapperten durch die verflixte Vibration, was in diesem Fall aber nicht einfach nur nervte, sondern auf eine gewisse Art auch fast physisch schmerzte.
„Wenn das so weitergeht, springe ich eher freiwillig aus dem Zug, als das wir uns um die Terries sorgen müssten“, bemeckerte die Studentin der Drachengenetik, ihrer unbequemen Lage.
Auch der Drachin gefiel ihre Reiseunterbringung nicht, aber es blieb ihnen momentan einfach nichts anderes übrig, da Auris selbst mit eingezogenen Schwanz und Hals, nur mit Mühe in eines der engen Abteils passte, ohne das ein Körperteil heraus hing, über das andere Reisende stolpern konnten. Es war ja schon schlimm genug, dass die Ishibashi alle Hände voll zu tun gehabt hatte, auf der einen Seite die Gestolperten, auf der anderen Seite jedoch auch ihre Tante zu beruhigen, die wohl zu gerne diese „unaufmerksamen“ und „unsensiblen“ Leute in Grund und Boden geschimpft hätte. Letztlich hatten sie sich also für eine weniger komfortablere, dafür aber platzfreundlichere Unterbringung entschieden.
„Was sorgst du dich um diese? Die Terraner sind vielleicht Eroberer, aber keine Weggelagerer oder Räuber die Züge überfallen. Die haben wortwörtlich Besseres zu tun, als sich um ein paar reisende Nichtkombatanten zu kümmern oder den Warenverkehr ihres neu eroberten Territoriums lahmzulegen“, versuchte die Professorin ihr nervös wirkendes Mündel zu beruhigen.
„Nichtkombatanten von denen zwei mit Heines losen Haufen in Verbindung stehen. Und ich will nicht wissen, was die mit uns machen werden, wenn ihnen das dämmert“, prophezeite die junge Frau deren grüne Augen unheilschwanger aufblitzten. Die weiße Polardrachin schien daraufhin nichts zu erwidern- für`s erste jedenfalls. Tatsächlich spielte sie schon seit Beginn der Fahrt in Gedanken mehrere mögliche Szenarios durch, die ihnen ein wohlbehaltene Ankunft garantierten.
Recht schwer wenn man bedachte, dass sie ein Drache war und damit auf der Abschussliste der TZU stand.

Mireille hatte Auris strikt angewiesen bloß nicht ihre Flügel zu bewegen oder den Hals zu recken, egal als wie kratzig sich die geliehene Decke erweisen würde. Um ihrer Tarnung willen, hielt der Braindrache sich mit Kommentaren oder sonstigen Bemerkungen zurück, die darauf hingewiesen hätten, dass sie ein durchaus intelligentes Wesen war, sondern spielte die Rolle des stummen Tieres. Ein reiner Überwindungsakt wenn man bedachte, wie geschwätzig und versessen die weiße Drachin ansonsten war, ihren Intellekt zu beweisen.
Die junge schwarzhaarige Frau hatte ihr eine Hand auf den Rücken gelegt und lotste die so „getarnte“ Drachin durch die Menschenmenge, die sich gezielt in Richtung Stationsausgang bewegten. Doch je näher sie ihrem Ziel kamen, desto mehr verzagten ihre Schritte, da sie schon von weiten sehen konnte, wie zwei Uniformierte die Leute am Drehkreuz kontrollierten- vermutlich auf der Suche nach Waffen oder verdächtigen Personen. Personen wie sie, wie Mireille sich mit einem trockenen Hals bewusst wurde. Ihre Tante schien ihr Zögern wohl bedingt durch den direkten Kontakt zu bemerken, den sie zischte ermahnend. Jetzt oder nie. Es würde nur umso auffälliger wirken, wenn die junge Frau ab den letzten Metern kehrt machte und floh.
„Halt! Was haben wir den hier?“
Und wie erwartet wurde sie natürlich gezielt herausgepickt und zum Bleiben gezwungen.
Nun kostete es ihre gesamte Selbstbeherrschung keinen alzu eingeschüchterten und nervösen Eindruck zu machen. Auf der anderen Seite, wer wäre das nicht im Kontakt mit irgendwelchen Eroberern? Die teils mitleidigen teils neugierigen Blicke der vorübergehenden Passanten waren da auch nicht sonderlich hilfreich, ihre Ängste in Schach zu halten. Interessanterweise half ihr ihre Angst jedoch auch, einen einigermaßen klaren Kopf zu behalten, auch wenn ihr Körper schon auf wegrennen gepolt war.
Einer der beiden deutete neugierig auf das sie begleitende „Tier“. Hierbei durfte man nicht vergessen, dass die für einen Drachen verräterischen Teile von der „stylischen Modedecke“ versteckt wurden.
„Okay, was ist das?“
Mireille hob langsam den Kopf und versuchte dem Kerl in die Augen zu schauen, wobei sie allerdings eher ein Stück weiter nach oben seine Stirn anvisierte. Den geringen Unterschied würde der Erwachsene so schnell nicht mit bekommen.
„Ein Hund, Sir“, antwortete sie folgsam, auch wenn sich ihr fast schon dabei der Magen umdrehte, bei dem Gedanken dass die Herren da im Gegensatz zu ihnen bewaffnet waren. Und das diese ohne mit der Wimper zu zucken einen Drachen erschießen würden, wenn sie ihn erkennen würden. Falls sie ihn erkannten. Diese ganze Scharade baute sich nur darauf auf, dass den beiden Terranern eben dieses Detail entging.
„Ein Hund?“, wiederholte der Andere verblüfft ehe er seine Hand auszustrecken began.
„Vorsicht. Fremde beißt es oft“, warnte Mireille den TZU-Soldaten mit tonloser Stimme, auch wenn sie sich gleichzeitig wünschte, dass Auris ihm die komplette Hand abbiss. Dann hätten sie allerdings das Problem gehabt, dass ein Weiterkommen keine freie Option mehr gewesen wäre.
Gerade noch rechtzeitig riss der Gewarnte seine Hand zurück, eher er auch nur in Reichweite von Auris Schnauze gelangt war. Stattdessen kratzte er sich nachdenklich am Kinn.
„Hunde werden nie und nimmer so groß“, beschloss er und tauschte einen Blick mit seinem Partner.
Jetzt galt es schnell die passende Erklärung zu liefern, bevor alles den Bach runterging.
„Das ist natürlich eine Mutation. Vom Planeten Nyx um genauer zu sein“, erklärte sie mit einem entschuldigenden Lächeln und einem Kopfnicken. Hätte sie in diesem Moment gelacht, wäre das viel zu überdreht rüber gekommen.
„Solltest du das dann nicht lieber anleinen oder so?“
„Keine Sorge, es hört wunderbar auf das was ich sage.“
Hinter ihr begannen sich schon die anderen Reisenden zu stauen und einige Mutige beschwerten sich sogar über die unerwartete Verzögerung.
Na, vielleicht war es doch besser die komische Kleine und ihr noch seltsameres Tier durchzulassen, ehe sich ein Vorfall ereignete. Sie wurde durchgewinkt und keines Blickes mehr bedacht, da der Betrieb weitergehen sollte.
Die Studentin lief weiter und konnte noch gar nicht richtig begreifen, dass sie tatsächlich durch gelangt waren. Keiner von ihnen war tot oder gefangen genommen worden. Sie beide lebten und atmeten noch. Und sie mussten nur noch dem Agenten in die Arme laufen, der als Zivilist getarnt sie hier irgendwo in Empfang nehmen sollte, damit sie endlich zu dem Konvoi kamen und damit auch wieder unter dem Schutz von Lord Rosenstark.

Als sie sich endlich außer Hörweite der Soldaten befanden, wagte es Mireille zum ersten Mal wieder das Wort an die Drachin zu richten.
„Eine Idee wie wir die anderen finden? Nicht das uns die Terries doch noch aufgreifen, weil du auffällst wie ein bunter Hund“, wisperte sie ihrem derzeitigen „Haustier“ zu. Nicht da sie glaubte, dass die Forscherin noch lange so still bleiben würde, wenn man die gerade zu peinlichen Umstände bedachte, die sie zu so einem entwürdigenden Schauspiel zwangen.
Statt der erhofften Antwort, spürte sie jedoch wie der Schädel der Drachin gegen ihren Rücken stupste und sie damit fast einen Meter weit nach vorne katapultierte.
„Autsch! Das war mein Hin-handy? Du meinst ich soll versuchen ihn anzurufen?“
Auch wenn Auris nur ein Schnauben von sich gab, wusste die Studentin dass das quasi eine Bestätigung und eine Beschwerde über ihre selten auftretende Begriffsstutzigkeit war.
„Schon gut, schon gut. Hab verstanden.“
Wie viele Teenager trug sie ihr Handy natürlich in einer der hinteren Taschen, was sich auch wunderbar unter dem Stoff der Jeans ausbeulte.
Sie zog den harten Gegenstand hervor, der ihr den Beinaheflug und sicherlich einen blauen Fleck beschert hatte, klappte es auf und tippte auf dem Display herum, während Auris ihr neugierig über die Schulter lugte.
„Warum hast du Herrn Schmitt nicht unter S oder H eingespeichert?“, zischelte die Drachin neugierig. Mireille fuhr erschrocken zusammen, nicht nur weil ihre Tante wieder mit dem Sprechen angefangen hatte.
„Steht das für interessanter Idiot oder idealisierter Armor?“, fügte sie ganz unschuldig hinzu, während sie mit ihren blauen Augen amüsiert beobachtete, wie ihre Nichte rot anlief, während diese das Gerät an eine Ohrmuschel drückte und leise vor sich hinfluchte.
„Er geht nicht ran! Und uns können jeden Moment die Terries überraschen.“
Alles andere als ruhig, tappte ihr Fuß nervös auf dem Steinen des Weges.
„Gehen sie endlich ran! Gehen sie endlich ran! Gehen sie endlich ran!“
Hinter ihr erklang ein Räuspern und sie konnte fühlen wie die Muskeln zwischen ihre Schulterblättern sich verkrampften, wie als wenn sie einen Schlag erhalten hatte. Stocksteif drehte sie sich und sah sich dann jedoch nur mit einem anderem Zivilisten konfrontiert. Zumindest wirkte diese Person rein von der Kleidung her wie ein normaler Bürger. Ihr Herzschlag schien wieder einzusetzen, auch wenn das kurzzeitig angestaute Adrenalin einen unangenehmen Nebeneffekt hatte.
„Schleichen sie sich immer so an die Leute ran, wenn diese telefonieren?“, empörte sie sich über den dreisten Neuankömmling, während sie versuchte unauffällig ihr Handy wegzupacken. Hatte der Leibwächter des Adeligen etwa mit bekommen, wie sie über seinen Herrn geschimpft hatte? Das war der Grund für ihre Unfreundlichkeit. Doch es war Auris die letztendlich dem Mann gegenüber ihre Erleichterung zum Ausdruck brachte.
"Gut, dass sie da sind Mister Ryan. Wir hatten schon befürchtet, dass uns die falschen Leute finden werden."

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Und vergessen sie nicht ihre ENS-Box zu leeren, wenn sie sich vor Posts nicht retten können.

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24.03.2010 23:37 Aria Segeste ist offline E-Mail an Aria Segeste senden Beiträge von Aria Segeste suchen Nehmen Sie Aria Segeste in Ihre Freundesliste auf
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"Wir wären dann soweit, Heine."
Der schwarze Drachentöter sah von dem Bericht auf, den er gerade las, und nickte Soryu zu. Nach ihrer Flucht hatten sie sich in relativer Nähe zum Raumhafen wieder aufgestellt. Nicht in einer Kaserne, sondern im undurchdringlichen Waldgebiet der nordöstlichen Rimmers-Berge, die mehrere Vorteile boten. Die vulkanische Aktivität in der Region war extrem hoch, aber nicht besonders ausgeprägt. So ziemlich jeder Berg hier war ein aktiver Vulkan, der seine Lava in seit Jahrzehntausenden eingefahrenen Wegen entließ. Dieser in Schüben erfolgende Druckabbau machte die Region sicher und hatte eine dichte Vegetation wachsen lassen. Die meisten Bäume, unter denen sich das Regiment der Skye Ranger versteckte, waren hundert Jahre und älter. Die aktiven Vulkane verhinderten indes effektiv eine Infrarotortung im weitläufigen Waldgebiet.
Heine hatte sich für das Grendel-Tal entschieden. Das Tal hatte seinen Namen wegen der entfernten Ähnlichkeit mit einem menschlichen Torso erhalten, dem der rechte Arm fehlte. Linker Arm und die Beine waren Passagen in andere Täler. Drei potentielle Fluchtwege, geräumige Dimensionen und relative Nähe zum Raumhafen summierten sich in eine ganze Reihe Vorteile für die Verteidiger Lyons. Das weitgefächerte Netz an Beobachtungsposten und Spionkameras würde darüber hinaus dafür sorgen, das sich kein Angreifer unbemerkt nähern konnte. Die Weitläufigkeit des Tals verhinderte die Effizienz von Luftangriffen. Zudem waren die Gesteinsschichten der Region stark Eisenhaltig und verhinderten die Magnetbandortung. Eine ideale Position. Aber die würde ihnen überhaupt nichts nützen, wenn der Planet den Terrys überlassen wurde. Dann war nicht nur dieses Tal, sondern der ganze Planet eine einzige Falle.
Er trat durch den penetrant kalten Nieselregen auf das Kommandeurszelt von Colonel Hannibal zu. Pacificus, Schnitter, Garm und Nova lagen um das Zelt verteilt und hatten ihre Köpfe hinein bugsiert. Natürlich würden sie an der wichtigen Besprechung teil nehmen. Vor allem Pacificus und Schnitter mit ihrer aktuellen Kampferfahrung würden eine große Hilfe sein.

Als Heine eintrat, gellte ein scharfes "ACHTUNG!" des Diensthabenden Sergeant auf, und die Offiziere von Heines losem Haufen und der Skye Ranger nahmen Haltung an. Das berührte den Adligen ein wenig peinlich, denn wenngleich er den Oberbefehl hatte, war er nicht der ranghöchste Offizier. "Rühren", sagte er daher knapp und bündig. Allerdings musste er lächeln, als er die Neuankömmlinge musterte. "Sie brauchen nicht vor mir stramm zu stehen, Mireille", spöttelte Heine sanft, als er die junge Dozentin passierte. Er wandte sich Auris, dem Braindrachen, zu. "Ich habe gehört, Ihrer beider Flucht war ungewöhnlich, Doktor?"
Der weiße Drache schnaubte verächtlich. "Ich hielt es für weiser, mich nicht der Gnade der Terraner auszuliefern. Auch wenn das bedeutet hat, meine Würde zu vergessen und mich als Hund auszugeben. Die Terraner sind - dank einer alten Decke, die als Hundejacke herhalten musste - problemlos drauf rein gefallen."
Pacificus stieß ein meckerndes Lachen aus, in das der burschikose Garm lauthals einfiel. Nova beließ es bei einem amüsierten Schnauben, und Schnitter hatte davon überhaupt nichts mitbekommen. Er war damit beschäftigt gewesen, Sergeant Kiribati in ein Gespräch zu verwickeln, was diese jedoch erfolgreich zu ignorieren wusste.
Major Vincent stieß ein geradezu peinliches lautes Gackern aus, als sie die Geschichte hörte. "Die Gesichter der Terrys hätte ich zu gerne gesehen." Sie verlegte sich auf ein gefährliches Grinsen. "Amateure."
Auch aus den Reihen von Colonel Hannibals Offizieren klang teilweise amüsiertes Gelächter auf.
Der kleine Chris Kell trat vor den weißen Drachen und musterte ihn interessiert. "Wo habt ihr denn deine Flügel versteckt, Tante Auris?"
"Unter der Decke. Wir haben einfach gesagt, es wäre eine Hundemode."
"Das war schlau", konstatierte der kleine Kell. Er berührte das Maul des Braindrachen, ohne sie um Erlaubnis zu bitten, und seine Mutter wollte ihn schon fort ziehen, als Chris lauthals verkündete: "Und eine feuchte Nase hast du auch."
Diesmal ging das Gelächter auf Kosten der Gelehrten. Sie nahm das aber nicht wirklich übel. Sie war viel zu erleichtert, dass sie mit ihrer Nichte erfolgreich aus der Gefahrenzone geschleust worden war. Tatsächlich hatte Fabian Ryan bei dieser Mission den Hundetrick bis weit hinter die Stadtgrenze durchgezogen.
"Entschuldigen Sie, Heine. Wir werden jetzt gehen." Takara Kell nahm ihren Sohn auf den Arm.
"Nein, Ma'am, dazu besteht kein Anlass. Es geht auch und vor allem um Ihr Schicksal, und um das Ihres Sohnes. Also bleiben Sie und lauschen Sie."
Die Draconierin nickte zögerlich und suchte sich einen Sitzplatz am Holotisch.

Heine trat nun ebenfalls heran und veränderte die Einstellungen. Er ließ die Read only Memory von Garm, Pacificus und Schnitter einspielen, wodurch sich das Gefechtsgeschehen leicht veränderte. "Diese Daten stammen von unseren drei kämpfenden Drachen. Vor allem Garm gelangen ein paar wundervolle Datensammlungen. Sein kleines nahes Versteck im Waldhain im Südosten des Geländes hat dies ermöglicht. Danke dafür, Tostan, Garm."
"Es war nicht wirklich ein Risiko", erwiderte der Drache. "Die Terraner waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich auch noch um uns zu kümmern." Tostan nickte dazu ernst.
"Dennoch. Wir haben dadurch einen sehr guten Einblick über die Bewaffnung der Mackies erhalten, und über die Kapazitäten dieser Waffen. Vorweg eines: Kein Mackie hat alle seine Waffen eingesetzt."
Erstauntes Raunen ging durch die Anwesenden.
"Fakt ist auch, Herrschaften, das die Mackies so schwer gepanzert sind, dass ihnen sogar ein PPK-Treffer, der einen Drachen zerfetzen würde, nicht viel ausmacht. Dennoch, aus diesen Daten haben wir viel über den Mackie an sich gelernt." Dozierend hob Heine den rechten Zeigefinger. "Und über seine Bekämpfung. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihre Aufmerksamkeit hierauf lenken, Herrschaften."
Das Holo des umkämpften Raumhafens verschwand und machte einer detaillierten Ansicht eines Mackies Platz. Das Holo poppte mehrfach auf, um das Innenleben zu zeigen. "Wie es aussieht, werden die Mackies, die ich der Einfachheit halber Mechs nennen möchte, von einem recht sperrigen Fusionsreaktor angetrieben, der relativ wartungsarm ist. Er verfügt über ein Endo-Skelett aus Titanstahl, das für den großen Zusammenhalt sorgt. Eine Art synthetischer Muskelfaser, das Myomer, welches dem einen oder anderen aus der Unfallchirurgie bekannt sein dürfte, sorgt für die Bewegungen des Mechs. Das Ganze lehnt sich nicht nur halbherzig an den Muskelaufbau eines Menschen an. Teilweise gestützt wird das Ganze durch die äußere Panzerung, aber an sich dürfte dieses Titanknochen- und Myomergerüst in sich selbst tragfähig sein. Die Daten sind leider nicht ganz vollständig, aber alleine diese Erkenntnisse dürften jedem Staat der Inneren Sphäre ein paar Milliarden TraNotes wert sein."
"Unglaublich! Wo haben Sie diese Daten her?", fragte Hannibal verblüfft.
"Das verdanken wir Nova und Mr. Hammer", verkündete Heine mit zufriedenem Ton in der Stimme. "Ihnen ist es gestern Nacht gelungen, den Hafen zu infiltrieren und die Daten zu stehlen."
Hammer räusperte sich verlegen, während der Wraith regelrecht desinteressiert in die Runde sah. "War doch unser Job", brummte er nur.
Dennoch mussten die zwei etliche Gratulationen über sich ergehen lassen.
"Ruhe, bitte", mahnte Heine ernst. "Ich habe ihnen das aus einem wichtigen Grund erzählt. Für die Pläne des Mackies, die Mr. Hunter und Nova erbeutet haben, gibt es nur zwei Vorgehensweisen, weil die Terraner es überhaupt nicht gerne sehen werden, das ausgerechnet ihr neuestes Geheimnis gerade im Ausverkauf erhältlich ist.
Möglichkeit eins wäre gewesen, die Unterlagen unter größter Geheimhaltung zu Lord Clovis zu schaffen, und von dort an die Führung der Isle of Skye unter Herzog Lestrade. Ich habe mich für Möglichkeit zwei entschieden, auch wenn dies unseren Gegnern dank ihrer zweifellos überall vorhandenen Spione verrät, das wir diese Daten haben. Wohlgemerkt, dies sind keine Konstruktionspläne, sondern Aufzeichnungen der Struktur. Einen Mackie kann man damit nicht bauen, wohl aber seine Schwächen auskundschaften. Deshalb werde ich noch heute einen Boten zu Lord Clovis schicken - und einen zur nächsten HPG-Station, um diese Unterlagen im Hyperpulsgeneratornetz zu verbreiten, um sie jedem Staat der Inneren Sphäre zur Verfügung zu stellen."
Leises Raunen erklang, in dem bei dem einen oder anderen Skye Ranger auch Missmut zu hören war.
"Verstehen sie mich richtig, Gentlemen, einer meiner Leute hat diese Daten erobert. Ich bin ihnen gegenüber keine Rechenschaft schuldig. Und ich bin ihnen nicht zu mehr verpflichtet, als ich ohnehin gerade leiste, indem ich Lord Clovis diese Unterlagen zur freien Verfügung stelle. Aber ich habe einen Nutzen für sie, Gentlemen, für jeden einzelnen. Denn ich habe einen Befehl für sie alle." Heine klopfte auf eine unscheinbare Pappbox, die auf dem Holotisch lag. Er öffnete sie und entnahm eine GefechtsROM in ihrer Schutzhülle. "Dies hier ist eine Kopie der Daten, die unser Aufklärungsteam für uns erobert hat. Ich befehle ihnen allen hiermit, das jeder eine Kopie an sich nimmt und bei der erstbesten Gelegenheit an eine höhere Instanz weiter gibt, oder noch besser, über TraStar verbreitet. Sollten wir versprengt, oder gar besiegt werden, und sollte Lord Clovis oder unserem Boten etwas geschehen, so besteht trotzdem immer noch die Möglichkeit, dass diese Daten auf Umwegen ihr Ziel erreichen." Langsam begann Heine die ROMs auszuteilen. Dabei drückte er jedem Offizier mehrere Hüllen in die Hand. "Suchen sie auch vertrauenswürdige Untergebene aus, denen sie meinen Befehl weiter geben. Selbst wenn es ganz schrecklich schlecht für uns läuft, so werden die Daten weiterhin existieren und auf Umwegen ihr Ziel erreichen." Die letzten Datenträger waren für Major Vincent und ihre Offiziere. "Diese Daten sind im Moment wichtiger als die Existenz der Skye Ranger, oder Heines losem Haufen", sagte er ernst zu Pearl. "Oder sogar Pacificus."
Erstaunt sah Pearl auf. Sie kannte die enge Bindung von Drachen und Reiter nur zu gut und wusste, dass Heine solche Worte nicht leichtfertig über die Lippen gekommen wären. Dementsprechend ernst nahm sie das Päckchen entgegen und verteilte es auf ihre Untergebenen. "Danke für die Zielscheiben", sagte sie in einem Anflug von Galgenhumor.
Heine stockte kurz. Sie hatte vollkommen Recht. Jeder Mann und jede Frau, die diese Daten erhielt oder mit ihnen in Berührung gekommen sein konnte, stand spätestens nach der Besprechung auf der Abschussliste der Terraner. Dementsprechend war die Bezeichnung Zielscheibe für die kleinen Kunststoffscheiben mehr als treffend.
"Für uns nicht, Heine?", fragte Auris enttäuscht.
"Ja, Himmel, wollen Sie als Spion erschossen werden, Frau Doktor?", fragte Heine ungläubig.
Die Drachin wechselte einen Blick mit ihrer Nichte, bevor sie trotzig den Kopf hob. "Ich habe fast zwanzig Stunden unter einer schrecklich stinkenden Decke verbracht, damit wir den Terrys einreden können, das ich kein Drache bin. Meinen Sie, mir droht ein schlimmeres Schicksal, wenn ich diese ROM nicht dabei habe?" Sie sah zu ihrer Nichte. "Ich, wohlgemerkt, nicht du."
Mireille schien protestieren zu wollen, aber unter dem ernsten Blick ihrer Tante gab es keinen Widerspruch.
Heine akzeptierte, vor allem auch deshalb, weil ein kleiner, flugfähiger Braindrache vielleicht der einzige war, der selbst im zweitschlimmsten Fall mit diesen Daten durchkommen konnte.
"Frage, Heine", meldete sich Stacy Schollz zu Wort. "Warum funken wir die Daten nicht einfach oder senden sie über das planetare Datennetz weiter?"
"Weil das Funknetz gestört und das Datennetz partiell abgeschaltet wurde. Außerdem würden Sendungen von der Packgröße, die wir hierfür brauchen, besonders auffallen und wären außerdem auch noch störanfällig. Abgesehen davon, das wir damit die Position des Senders verraten."
Abgesehen davon, das Heine Rosenstark trotz seiner Worte längst einen Weg gesucht hatte, um einen der letzten Skye-Satelliten im Orbit zu benutzen, um die Daten an so viele Sprungschiffe wie möglich weiter zu geben, die durch das System kamen. Aber es war nicht schlau, wirklich alle Trümpfe aus der Hand zu geben, vor allem wenn man dazu neigte, zu überreizen.
"Ist er nicht ein schlaues Kerlchen, mein Reiter?", säuselte der riesige Griffin-Drache. "Für einen Menschen, meine ich."
"Ach, komm, Pacificus. Bist du immer noch böse, weil du die Mackies nicht direkt angreifen durftest?", tadelte Heine.
"Diese Dinger machen uns Drachen das Label "König des Schlachtfeld" abspenstig. Ich hätte nichts dagegen gehabt, einen oder zwei von ihnen zu besiegen, um das heute schon ein für allemal klar zu stellen", murrte der rotschwarze Griffin und bleckte enttäuscht die Zähne.
Captain Saunders von der Hubschrauber-Staffel meldete sich zu Wort. Auch sie hatte eine DatenROM erhalten. "Mylord, was werden unsere nächsten Schritte sein?"
"Wir analysieren diese Daten, finden einen Ansatz, um einen Mackie fertig zu machen, und dann lösen wir unser Versprechen ein und erobern den Raumhafen zurück, bevor sich die Terraner hier vollends festgesetzt haben", sagte der ehemalige Graf ernst. "Weh getan haben wir ihnen schon -" er nickte in Hammers Richtung"- jetzt wollen wir das vertiefen. Wir verfügen über exakte Daten, ihre Stärke betreffend, und die Skye Ranger kennen das Gelände. Selbst wir von Heines losem Haufen kennen das Gelände besser als die Terraner. Damit sollte es uns gelingen, ihren neuen Superwaffen weh zu tun und Lyons zurück zu erobern. Noch sind wir eine Armee, Gentlemen!"
Die letzten Worte hatte Heine nicht als Appell gemeint, dennoch rissen die Offiziere ihre Fäuste in die Luft und bestätigten mit wütendem Gebrüll, in dem sich der Frust über den Angriff manifestierte. Die Hoffnung, bald zurück schlagen zu können, hob die Stimmung beträchtlich.
"Also, Herrschaften, schauen wir uns die Daten an. Nach einem ersten Blick kann ich schon feststellen, dass die Rückenpanzerung erheblich dünner als die Front-Panzerung ist. Auch die Gelenke, im Slang der Terrys heißen sie Aktivatoren, bilden hier natürliche Schwachstellen. Wir..."
Als ihn jemand an seiner Jacke zupfte, hielt Heine inne. Chris Kell sah ihn aus großen Augen an, während er fordernd eine Hand aufhielt. "Ich will auch eine, Onkel Heine."
Für einen Moment war der ehemalige Graf verwirrt, dann begriff er, was der kleine Kell von ihm wollte. Er sah dem jungen Burschen in die Augen, und fand, das sie nicht von der Farbe, aber wohl vom Ausdruck tiefer Ernsthaftigkeit seinem Vater ähnelten. Aber dennoch, er war nur ein Kind. Heine musste ihn nicht noch mehr zur Zielscheibe machen, als er durch Patrick Kell, seinem Vater, ohnehin schon war.
"Bitte, Onkel Heine. Das ist doch alles, was ich tun kann."
Sein Blick glitt zur Mutter, die zwei Schritte hinter ihrem Sohn stand. Heine konnte in ihrem Gesicht weder Ablehnung noch Zustimmung lesen. Doch schließlich nickte sie unmerklich. Sie kannte die Pflichten des Adels mittlerweile aus erster Hand. Sie unterschieden sich nicht besonders von den Pflichten der Menschen, die für andere Verantwortung übernommen hatten.
Heine beugte sich zu Christian Kell hinab und reichte ihm eine der Schutzhüllen. "Lord Kell, es ist mir eine Ehre und ein Privileg, Ihnen diese Kriegsentscheidenden Pläne anzuvertrauen. Ich weiß, ich kann mich auf Euch verlassen, Mylord."
Chris nahm die Hülle beinahe ehrfürchtig entgegen und drückte sie dann ernst an seinen Körper. "Ich werde sie in meinem Teddy verstecken", versprach er, und die Ernsthaftigkeit, mit der er gesprochen hatte, beeindruckte nicht nur Heine.
Stolz wandte sich Chris seiner Mutter zu und zeigte ihr den Datenträger.
Sie streichelte ihm über die dunklen Haare und lächelte. "Das ist dein erster Auftrag im Dienste der Archontin, Christian. Pass gut auf die ROM auf."
"Das werde ich", versprach Chris lächelnd. In diesem Moment ähnelte er seinem Vater nur noch mehr, und Heine musste schlucken. Denn das erinnerte ihn wiederum daran, welchem Risiko er sein Leben aussetzte, wenn er Takara und ihren Sohn nicht vor dem Zugriff der Terraner bewahren konnte. Aber noch war es nicht so weit. "Willst du an der Besprechung teil nehmen, Chris? Wir haben da noch einen Stuhl für dich."
Der kleine Junge begann zu strahlen. "Darf ich wirklich?"
"Natürlich darfst du, wenn der schwarze Drachentöter das sagt", meinte Major Vincent mit einer gehörigen Portion Spott in der Stimme, während sie den Stuhl an den Holotisch stellte. "Was Heine sagt, macht immer Sinn."
Bei diesem verbalen Tiefschlag entglitt Heine ein Schmunzeln, das Pacificus zu einer reichlich schlüpfrigen Bemerkung über Pearls Fähigkeit, ihn in die Enge zu treiben, verleitete.
"Schauen wir uns also die Schwachstellen an, Gentlemen. Schauen wir uns die externen Waffen an." Mit gebotenem Ernst widmete er sich wieder den Daten, und die Offiziere von Heines losem Haufen und der Skye Ranger schlossen sich an.

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Das Zweite Schwert des Lichts war nicht irgendeine Einheit... Sie war DIE Einheit. Von allen acht Schwertern des Lichts war diese Division die härteste, erfolgreichste und begehrteste Kampftruppe von allen. Ihr Kommandeur zu werden war ein sicherer Weg, um Tai-sho zu werden. In ihr als Offizier oder Soldat zu dienen versprach Ruhm, Ehre, hohe Pensionen und den Neid sowie die Achtung aller anderen draconischen Kampftruppen.
Das Zweite Schwert des Lichts hatte eine bewegte Geschichte hinter sich, Hatte oft auf dem Feld gestanden. Vielleicht zu oft. Ihre Panzertruppe war gefürchtet, ihre Infanterie überwältigend. Ihre Raumjägerschwadron fand ihresgleichen nur in den Eliteverbänden der Inneren Sphäre, und ihre Hubschrauberabteilung war ein gefährliches, schnelles Messer in der Hand ihres Kommandeurs. Ihre Drachenabteilung stand dem in Nichts nach, und erhöhte nur den legendären Ruf, den das Zweite Schwert genoss. Die Division war flink, flexibel, hoch mobil und erfolgreich.
Kein Soldat der Zweiten erwartete Gnade von seinem Gegner. Allerdings gewährte er auch keine. In Kriegszeiten war die Verlustquote hoch, aber die Bewerber standen en masse bereit, um die Lücken wieder zu füllen. Im Zweiten Schwert des Lichts zu fallen galt als eine Erfüllung im Sinne des Bushidos, dem Weg des Kriegers. Yorinaga Kurita galt, seit er das Kommando über diese äußerst effiziente Waffe übernommen hatte, als zukünftiger Tai-shu eines Distrikts. Einige handelten ihn sogar schon als Gunji-no-Kanrei, zumindest bis Koordinator Takashi Kurita die Armeeführung abgeben würde, und bis sich Thronfolger Theodore Kurita endlich gefangen hatte.
Im Moment jedoch war Yorinaga Kurita nur eines: Todgeweiht.

Yorinaga Kurita, Cousin des Thronfolgers Theodore und Neffe des Koordinators, Takashi Kurita, saß auf seinem Feldherrenstuhl. Er trug eine leichte Infanterierüstung, und neben ihm auf der Tatami lagen seine beiden Schwerter, Katana und Wakizashi, die ihn als Samurai identifizierten, und ihn schon in so manche Schlacht begleitet hatten. Etwas versetzt daneben lag eine Shimatsu-Maschinenpistole, mehrere Handgranaten, eine Nadlerpistole und mehrere Blendgranaten. Seine Waffen, mit denen er sich dem sicheren Tod entgegen stemmte. Neben ihm hockte sein Adjutant und hielt den Gefechtshelm des Tai-sa in Händen. Der junge Mann war zutiefst betrübt, an dieser Mission nicht teilnehmen zu dürfen, nicht zu können. Aber an diesem Kampf würden nur die Fähigsten seiner Soldaten teil nehmen, nur zweihundert Mann. Nur die Fähigsten des Zweiten Schwertes würden die Speerspitze bilden. Es waren viele Drachenreiter unter ihnen, die heute als normale Infanteristen kämpfen würden. Aber auch darauf war das Zweite Schwert stolz: Ein Samurai aus ihren Reihen kämpfte wann, wo und wie es ihm befohlen wurde, ob mit Drachen oder ohne. Viele dieser Männer und Frauen, vielleicht alle, ihn eingeschlossen, würden den Kampf nicht überleben.
Links von Yorinaga saß Tai-sa Arika Kushino, die Herrin des Dritten Schwerts des Lichts. Yorinagas Einheit hatte die Ehre, sich als erstes in die Breschen des Brian-Kastells zu werfen, aber ihr würde es obliegen, den Durchbruch zu verbreitern und den Sieg zu erobern, falls seine Soldaten daran scheiterten. Dafür bot sie ihr gesamtes Infanteriekontingent von achthundert Mann auf.
Rechts neben ihm saß Patrick Kell in voller Drachenreitermontur. Er würde mit Sensou no Katana kämpfen. Für einen Drachen, der sich eigentlich Yorinaga und seiner Linie seit einhundert Jahren verschrieben hatte, war das ein ungeheures Eingeständnis von Vernunft, die den Tai-sa beinahe hätte schmunzeln lassen.
Die Kell Hounds hatten ihre eigene Infanterie mobilisiert. Die vierhundert erfahrenen Männer und Frauen würden als dritte Gruppe das Kastell stürmen, falls alle anderen Angriffe scheitern sollten. Dies gefiel ihnen überhaupt nicht, denn die größtenteils lyranischen Söldner hatten natürlich längst erfahren, wen es zu beschützen galt. Nur die Tatsache, dass beide draconische Einheiten hier das Hausrecht hatten, hielt die Männer und Frauen zurück. Es war überdies ein offenes Geheimnis, dass Styx' brauner Boden den meisten draconischen Infanteristen das Leben kosten würde. Aber die Schande, die Prinzessin eines befreundeten Staates an den gemeinsamen Feind zu verlieren, konnte sie nicht anders handeln lassen.

Das Brian-Kastell war glücklicherweise beschädigt. Die erste Eroberung hatte ihre Spuren hinterlassen, die von der TZU nicht hatten beseitigt werden können. Die Gefahren lagen darin, die Strecke bis zum Kastell zu überwinden, und danach im ersten Innenhof zu überleben, der als Sammelplatz für die Drachen genutzt wurde - oder im Verteidigungsfall als Todesfalle für jeden Angreifer. Danach lag ein langer, beschwerlicher Weg vor den Bushi, durch die Anlage mit ihren Hangars, Bastionen und Schutzwällen bis hin zum zentralen Turm, in dem sich Melissa Steiner mit dreihundert Zivilisten und einer unbekannten Anzahl überlebender Verteidiger verschanzt hatte.
Dass sie noch lebten und nicht längst mit Flammenwerfern heraus getrieben worden waren, lag nicht daran das die TZU die schlechte Presse fürchtete. Nein, sie wussten, wen sie da in ihren Händen hielten. Und sie wollten diese Beute lebendig.

Mit einem Ruck öffnete Yorinaga Kurita die Augen. Ein Raunen ging durch seine Leute. Erwartungsvoll, kampfeslustig.
"Kabuto", sagte er ernst zu dem jungen Adjutanten.
Mit vorsichtigen, tausendfach geübten Bewegungen setzte er dem Tai-sa den Gefechtshelm auf. Vorsichtig verband er die Anschlüsse mit der Rüstung, checkte die Kommunikationsanlage. Schließlich nickte er.
"Ken."
Mit Ehrfurcht ergriff er die beiden Schwerter, die für den Samurai Ehre und Pflicht widerspiegelten. Yorinaga verstaute sie an den dafür vorgesehenen Schlaufen an seiner linken Seite.
"Buki."
Nun folgten die übrigen Waffen und fanden ihren Platz an der Rüstung des Tai-sas. Schließlich nickte er und zog sich diskret auf eine hockende Position neben seinem Anführer zurück.
Tai-sa Yorinaga Kurita erhob sich. Jeder Samurai kannte den Plan. Sie suchten den Kampf Mann gegen Mann, den Sturm auf die Festung. Den direkten Angriff. Viele Waffen des Kastells waren bei der Eroberung durch die Terraner zerstört worden, und nur teilweise hatte man sie ersetzt. Das machte diesen Plan überhaupt erst möglich, jetzt da die Zeit drängte. Früher einmal wären sie im Sturmlauf auf das ferne Tor zugejagt, und hätten die Hälfte ihrer Leute bereits hier im Feuer der Artillerie und der MGs verloren. Heutzutage würden sie mit Hubschraubern und schnellen Schwebern bis zum Tor und auf die Kämme des Kastells gebracht werden. Dort würden sie das 21. Korps niederkämpfen, wo immer sie die Terraner antrafen. Die Analytiker schätzten, das von den ursprünglich sechstausend Soldaten noch etwa dreieinhalbtausend einsatzbereit waren. Beobachter hatten vor dem Kastell über eintausend Tote und beinahe ebenso viele Verwundete gezählt. Innerhalb der Mauern würde es nicht weniger blutig zugegangen sein. Die Verteidiger hatten ihre Burg wie wahre Bushi verteidigt.
Langsam zog Yorinaga Kurita sein Katana. Es wurde Zeit, den Terranern zu zeigen, wie furchtbar draconische Soldaten auch im Angriff sein konnten. "Für den Koordinator! Für das Kombinat! Für die Freiheit!", bellte Kurita seinen zweihundert Auserwählten zu.
Narimasa Asano, sein Stellvertreter, wiederholte die Worte wie immer einen Tick schneller als alle anderen. Dennoch hallte ihre Erwiderung mit Kraft und Energie wie eine Stimme über das Feld.
Eine fremde Energie schien über den Platz zu ziehen, jeden einzelnen zu elektrisieren. Die Spannung war beinahe mit Händen greifbar.
"Hajimemashio!", brüllte Kurita. Seine Soldaten schrien ihren todesverachtenden Kampfeswillen heraus, so laut sie konnten.
Hinter den Männern fuhren die dreißig Schweber vom Kanga und Bandit heran. Die fünfzig Tonnen schweren Kampfpanzer würden jeweils fünf Mann ins Zielgebiet bringen, oder dabei zerstört werden. Auch sie gehörten dem stolzen Zweiten Schwert des Lichts an. Ihre Besatzungen hatten deshalb Stirnbänder mit dem Symbol des Draconis-Kombinats angelegt, in der Erwartung, mit der ersten Welle zu sterben. Hinter Yorinaga Kurita landeten zehn Ferret-Kampfhubschrauber, die jeweils fünf Infanteristen auf die Mauern bringen würden, unter ihnen den Tai-sa selbst. Ein Dutzend Cyrano, hoch über ihnen, würden sie flankieren und das Feuer auf sich lenken.
Die Truppe teilte sich im Laufschritt wie tausendfach geübt und hoch diszipliniert auf die Vehikel auf. Auch Kurita wandte sich seinem Ferret zu; einer Maschine, die aus Sicherheitsgründen über keine Markierung verfügte, die ihren besonderen Passagier verriet.
"Macht ihnen die Hölle heiß!", rief Daniel Allard und reckte die rechte Faust in die Luft.
Weitere Kell Hounds schlossen sich diesem Ruf an, feuerten die Soldaten an.
Von der anderen Seite skandierten die Krieger des Dritten Schwerts des Lichts ebenfalls und intonierten ihren anfeuernden Ruf, in den schließlich auch die Kell Hounds einfielen: "BANZAI! BANZAI! BANZAI!"

Ein kurzes Lächeln huschte über Yorinagas Züge, während er den Ferret betrat. Fünf Leute in Gefechtsrüstung fanden hier noch bequem Platz. Er hatte allerdings keine Zweifel daran, dass der Flug alles andere als bequem sein würde.
"Bereit!", gellte der Ruf des Piloten auf.
"Go!", erwiderte Kurita über die Kommunikation seines Helms.
Der Ferret zog steil hoch und strebte in zehn Metern Höhe nach vorne. Zugleich begann ihre Artillerie zu feuern und das Brian-Kastell mit Granaten einzudecken, während die Schwebepanzer vorweg stürmten.
Ein kurzer, beinahe flüchtiger Blick Yorinagas ging zurück. Er sah Sensou no Katana, und ihn durchfuhr die Erkenntnis, dass sie nie wieder zu zweit in ein Gefecht ziehen würden.

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