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Zum Ende der Seite springen Chevaliers Season V
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Marlin
Sergeant


Dabei seit: 27.03.2005
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Herkunft: Berlin, Terra

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Letzte Vorbereitungen
Naraka
Welch ein erhebendes Gefühl, in einem BattleMech zu sitzen! Der Hangar, bestückt mit diesen Maschinen, war schon ein erhabener Anblick, jedoch vor seinem Mech zu stehen, zu seinem Cockpit aufzusehen und seine Größe zu erleben, war besser. Ein weiterer Sprung war es, darin zu sitzen und auf die Menschen hinabzusehen. Wie klein und hilflos sie alle waren! Spike und ihr kleiner ScoutMech war natürlich kein Vergleich zu noch erheblich schwereren und größeren Maschinen, aber unterschied sich schon fast unvorstellbar von normalen Menschen, trotz seiner humanoiden Form.

Heute war der letzte Tag der Manöver, bevor es in den Einsatz ging, und es würde sich final entscheiden, ob Spike ihr Cockpit behielt, oder doch wieder entrechtet war. Für sie war es entschieden. Seit dem Gespräch mit dem XO, in dem sie ihre Vorstellungen und Erkenntnisse dargestellt hatte, war sie, was den Mech betraf, wie in Trance gewesen. Sie wurde dem Sprinter offiziell zugeteilt! Damals hatte sie nicht viel zu sagen gewusst, aber es schien, dass selbst Lupus mit ihren Ausführungen zufrieden war, zumindest vorläufig.
Die letzten Tage ließen ebenfalls, zumindest aus Spikes Sicht, nichts zu wünschen übrig, was ihre Performance im Mech betraf. Mit geübten Fingern schnippte sie im kleinen Cockpit die verschiedenen Schalter um, die die Sicherheits- und Startprozedur einleiteten. Diagnoseprogramme, Checks, Routinen, der Reaktor, der hochfuhr, alles löste eine Kaskade an Lichtern und Geräuschen aus. Hier fühlte sie sich wohl. Ja, die bekannten Probleme der Maschine, ein Hilfsmonitor mit Wackelkontakt, alles kein Problem, aber sie würde es im Anschluss dem zuständigen Tech mitteilen. Oh, der Hüftaktivator links meldete Probleme? Eine Neuprüfung ergab zum Glück jedoch keinen Schaden. Nach Monaten im Gebrauch ohne die reguläre Claninfrastruktur waren einige Basteleien unumgänglich gewesen, wo einfach der Austausch von Teilen die schnellere und bessere Lösung gewesen wäre. Aber sie hatten nun einmal nur sehr begrenzten Zugang zum freien Markt, geschweige denn zu Clan-Vorratshäusern. Dafür hatten sie, was den Clans oft abging, zumindest, was man typischen Clankriegern absprach: Improvisationstalent. Das hielt Maschinen im Einsatz, die normalerweise mindestens runderneuert werden mussten. Spike wusste nicht genau, woher die Omnis stammten, aber an ihrer Einsatzbereitschaft gab es keinen Zweifel.

Und die Einheit war sehr effektiv. Soweit die Informationen Spikes' stimmten, waren schon mehrere Einsätze hintereinander erfolgreich verlaufen. Diese Quote sollte sich nicht ändern, wenn es nach ihr ging. Allerdings wurden diesmal alle Maschinen genutzt, zusammen mit Lupus' Aussagen ergab sich damit ein anderes, gefährlicheres Bild. Sie würde bald erfahren, gegen wen es ging. "Kennsatz eingeben!", forderte die weibliche Computerstimme sie auf. "Für die Gräfin, nie mehr entrechtet!", antwortete Spike. "Autorisation bestätigt. Spike, willkommen und gute Jagd." den letzten Satz hatte Spike dazuprogrammiert, um sich etwas aufgehobener zu fühlen. Sie konnte nicht viel mehr tun als ihre Leistung zu geben, ihre bisherige Geschichte konnte sie nicht ändern, also galt nur die Zukunft. Auch wenn sie nach außen hart wirkte, war sie doch nur ein Mensch. Gavril "OK" Schuster, der Tech ihrer Maschine, gab ihr von unten das "Clear"-Signal, um zu zeigen, dass der Mech frei von allen Verbindungen und Leitungen war. Dazu kam sein Handzeichen, für das er seinen Spitznamen erhalten hatte, dafür und die häufige verbalisierte Variante, auch wenn manchmal nicht alles in Ordnung war. Und war das auf seinem Gesicht ein freundliches Lächeln? Spike war sich nicht sicher, aber sie nahm es als gutes Omen.

Über Funk kam der Befehl zum Abmarsch, den sie rasch bestätigte. Die Waffensysteme würde sie erst draußen aktivieren. Für die ersten Schießübungen wurden noch gefährliche Energiemengen benötigt, anschließend ging es zur Jagd, bei der es gegen andere Untereinheiten ging. Ab dann wurde streng darauf geachtet, niemanden zu gefährden. Unfälle ohne Waffenwirkung waren in Verbindung mit tonnenschweren Kampfmaschinen wie Mechs oder Panzern natürlich nie ausgeschlossen, aber die Zeit auf Naraka war für die Einheit in der Hinsicht überaus erfreulich gewesen. Die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden ließen sich an einer Hand abzählen. Und die schlimmste Verletzung war ein gebrochenes Bein gewesen. Es würde nicht an Spike liegen, wenn es heute anders laufen sollte. Sie war bisher immer vorsichtig gewesen, was als leichter Aufklärer auch nötig war. Also erst auf zu den Schieß- und Bewegungsübungen.
***
Die Fahrt zum Manövergelände hatte Dadif nicht gefallen. Die Stimmung im MTW war schlecht gewesen, der Fahrer war wie ein Idiot über die holperige Piste gerast, so dass sie alle durchgeschüttelt wurden, und kalt war es auch. Die Zusatzausrüstung, die sie heute mitgebracht hatten und die schon vorausfuhr, war anstrengend zu verladen gewesen. Aber sie würde heute genutzt werden. Natürlich waren die meisten davon Übungswaffen, nur die Zugführergruppen hatten entsprechende Munition für Ernstfälle dabei, aber falls sie nicht von fremden Einheiten angegriffen würden, waren sie bestenfalls zur Beruhigung der Gemüter dabei. Die Tierwelt hier war nicht dazu geeignet, schwere Waffen auszuprobieren. Der letzte, der sinnlos herumgeballert hatte, war effektiv bestraft worden, womit so etwas ausgeschlossen wurde. Interessanterweise, resümierte Dadif, waren die Einsatzkräfte am zurückhaltendsten, was solcherlei Aktionen betraf. Die wussten vermutlich, was echter Kampf bedeutete, und hatten genug von Action.

Ihre Abreise war bereits verkündet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden. Das betraf die Massenimpfungen und Schulungen, was ihren Zielplaneten betraf. Dadif war hin- und hergerissen. Einerseits klang das Ganze wirklich ätzend, was die unangenehmen Begleiterscheinungen der Impfungen unterstrichen; der drohende Kampfeinsatz tat sein übriges. Andererseits war es vermutlich schön, einen neuen Planeten kennenzulernen. Wenige waren so privilegiert, ihren Planeten zu verlassen, auch wenn er selbst dies so hätte haben können, wäre er folgsamer gewesen.
Nun würde er also mit der Einheit vermutlich in einem wilden Dschungel landen und helfen, ihm fremde Leute zu töten. Angesichts der Realität des Söldner- und Soldatenwesens war es nur verwunderlich, dass es nicht schon früher dazu gekommen war. Das Training hatte ihn durchaus sicherer im Umgang mit Waffen gemacht, sogar im Angesicht von monströsen Kampfmaschinen war er noch nicht ausgeflippt. Er machte sich nichts vor: mit der Ausrüstung, die sie als Infanteristen besaßen, war die Überlebenschance gegen Mechs sehr gering, selbst unter den besten Umständen.
Wie es wirklich sein würde, konnte er nur erahnen. Andererseits gab es immer wieder Begebenheiten, die auch Mechs gegen inferiore Gegner scheitern ließen. Er dachte an die Statistiken und die Wahrscheinlichkeiten einen Mech oder eine entsprechende Einheit an sie zu vergeuden und beruhigte sich damit. Mehrere Bände solcher digitalen Wälzer hatte er sich mit Erlaubnis des entsprechenden Vorgesetzten aus dem Einheitsspeicher übertragen lassen und hatte sie durchgelesen. Neben den ganzen anderen Werken verschiedenster Art, natürlich. "Nase!" Er wurde unsanft aus seinen Gedanken gerissen, als ihn Sergeant Hieronymus Markle an der Schulter packte. Markle war ein Veteran der Infanterie, nicht nur der Einheit. Er hatte außer dem Überleben kaum Ambitionen und war auch sonst ein seltsamer Kauz. Aber er hatte alles drauf, was ein Infanterist können musste, und vermutlich noch mehr Dreck am Stecken, wie man munkelte. Innerhalb der Einheit hatte er sich jedoch ohne Fehl und Tadel gezeigt, soweit dies überhaupt möglich war. "Begib dich jetzt lieber in Deckung und zieh' dir Handschuhe an, das Warten kann etwas dauern.", empfahl er Dadif ruhig. Dann stapfte er wieder in die provisorische Stellung zurück, während Dadif ihm folgte. Seine Nachdenklichkeit könnte ihm irgendwann gefährlich werden, schalt er sich selbst. Daran musste er arbeiten.

Die Stellung selbst hatten sie am Vormittag vorbereitet, ein paar Gräben und Wälle, nicht viel mehr, aber es lag alles innerhalb einer bewaldeten Ansteigung und war damit schon gut getarnt. Natürlich war es möglich eine Stellung zu bauen, die wirklich kaum zu entdecken war, aber dies hätte viel mehr Zeit und Ressourcen gekostet und war für eine Übung hier und auf diese Art nicht sinnvoll. Markle und die ihnen zugeteilten erfahrenen Leute hatten mehrfach angedeutet, wie etwas besser, effizienter und widerstandsfähiger zu bauen gewesen wäre. Gegebenenfalls würde dieses Wissen auf dem Zielplaneten zu Anwendung kommen.

Da! War das ein Mech? Dadif spürte den Boden erzittern, jedoch nicht in gleichmäßigen Abständen. Die Anspannung machte sich jetzt bei seinen Kameraden bemerkbar. Er selbst prüfte sein Autogewehr und dann den Raketenwerfer seines Nebenmannes, mit dem er heute eins der KSR-Teams war. Weitere zwei Schuss Übungsmunition lagerten hinter ihnen. Devon, so hieß der Mann, war etwas ruhiger, er war erfahrener als Dadif. Jetzt lächelte er. "Entwarnung, Leute, das sind Panzer von uns." Dadif sah genauer hin. Tatsächlich, eine kurze Kolonne schwerer Schweber brauste an ihrer Stellung vorbei.
Durch die Reihen ging Erleichterung und die Erklärung, dass diese zu ihrer Verteidigung hinzugefügt würden. Das war für die meisten vermutlich beruhigend, überlegte sich Dadif, er dachte jedoch anders. Je mehr sich hier versammelten, um so eher würden sie interessant für ihre Gegner sein. Man konnte jetzt weiteres Dröhnen hören, nicht ganz so laut, was vor ihrer Stellung blieb. Danach war es wieder still. Nachdem sie eine gefühlte Ewigkeit gewartet hatten, wurde Essen verteilt, Devon und Dadif kamen hierbei in den Genuss, von einer kleinen, ziemlich attraktiven jungen Frau ausgeschenkt zu bekommen. Die Stimmung um sie herum besserte sich merklich, auch wenn es kalt blieb. Nachdem sie in Ruhe essen konnten, war es überwiegend ruhig; Dadif vertrat sich kurz die Beine, als Sgt. Markle zu ihm trat. "Es geht bald los, Nase. Mach dich bereit." Er begleitete ihn, als er sich zurückbegab. "Der Plan ist wie folgt: die Panzer locken die Mechs zu uns und verwickeln sie in ein Gefecht. Sind sie nahe genug, können wir sie entweder weiter beschädigen, oder sogar ausschalten. Also streng' dich an, Junge.", erläuterte er ihm. Dadif blickte ihn dankbar an. Das klang nach einem sinnvollen Plan. Es würde ihm helfen, sich während der heißen Phase zu konzentrieren. Als er wieder in der Stellung lag, vergingen kaum 30 Minuten bis sie wieder Erschütterungen spürten, diesmal waren sie unregelmäßiger. Kurz darauf dröhnten Panzermotoren, dazu kamen Raketenabschüsse und charakteristische Geräusche von Energiewaffen.
Die Manövergeräte auf ihren Helmen waren aktiv, also konnten er und seine Kameraden jederzeit ausfallen, sofern Waffen in ihre Stellung geschossen wurde.

***

Als Ermhards Kolonne an der designierten Stellung vorbeifuhr, konnte er sich einen längeren Blick erlauben. 'Hey, wenn ich nicht wüsste, dass sie da wären, würde ich nichts sehen.', dachte er bei sich. Sie fuhren einige Klicks weiter, um später überraschend eingreifen zu können. Der Hunter und noch ein paar leichte LSR-Werfer lagerten bereits hinter Nase, so dass die Infanterie beobachten würde. Es war keine so schlechte Stellung, laut dem Kommandeur der Verteidigung, allerdings war die Theaterlanze ein heftiger Brocken. Nur Spikes Sprinter/Feuervogel würde nicht viel Feuerkraft aufbieten können, der Rest, ob leicht, schwer oder sogar der Führungsmech in überschwer, geführt von 'Sica', konnte theoretisch jeden ihrer Schweber oder Panzer mit einer Salve zerstören. Es war also schon ziemlich ernst heute. Der Plan war es, die Theaterlanze so weit wie möglich zu schwächen. Die sechs Mechs waren für jeden ein harter Brocken, um so mehr für konventionelle Kräfte. Die Clans waren nicht umsonst von solcherart Garnison praktisch nie auch nur verlangsamt worden. Sie konnten also nur hoffen, dass sie der Lanze mit vereinten Kräften in Erinnerung riefen, dass man sie nicht unterschätzen sollte. Vielleicht würde ein Teilerfolg auch helfen, einige der Verlorenen näher an die echte Kampftruppe zu führen. Ermhard wusste, dass er nicht sehr klug war, für Nase galt das aber nicht. Der war intelligent und in der Infanterie verschwendet. Hoffentlich fand sich für ihn noch ein spezielles Feld, bevor er bei den Hilfstruppen umkam. Wenigstens deutete bisher nichts darauf hin, dass die Kommandeure in der Infanterie nur reines Kanonenfutter sahen. Es stimmte eben doch nicht alles, was man über Kommandeure von anderen Waffengattungen sagte.

Die Schwebergruppe aktivierte jetzt, nach einiger Wartezeit, ihre Gebläse, um schnellstmöglich eingreifen zu können. Die Kollegen der Köderlanze hatten Feindkontakt gemeldet. Langsam wurde es spannend, auch für Ermhard, der ein wenig bei den Planungen mitwirken durfte.

***

"Sica von Spike, habe eine Gruppe Kontakte vor mir, zwei Klicks. Soll ich näher heran?" Spike war müde, aber guter Stimmung. Die Tests und Übungen bisher waren annehmbar verlaufen, sie hatte sich dabei gut verkauft. Jetzt kam die eigentliche Manöverübung, bei der sie Jagd auf fast alle konventionellen Elemente machten. Wenn sie Pech hatten, konnte dies auch in die Hose gehen, jedenfalls hatte Spike nicht die Absicht, ihren Mech zu verlieren, in jedweder Form. Diesmal hatte sie nur wenig wirksame Waffen dabei, Flammer, leichte Impulslaser und einen mittleren Laser. Dafür war ihr Scoutmech mit ECM und Aktivsonde ausgerüstet. Das machte sie schwerer zu erfassen und dazu war es einfacher, Feindeinheiten aufzuspüren, was auch ihre Rolle war.

Wenn sich die Chance bot, konnte sie auch zuschlagen, aber vor allem gegen Infanterie wäre sie tödlich. Der Kontrast dazu war Sicas Maschine, ein monströser Kriegsfalke in Primärversion, die jeden anderen Mech oder Panzer in wenigen Sekunden zu Schlacke verarbeiten konnte. Gegen Infanterie war diese Maschine jedoch extrem im Nachteil, weshalb Sica sich immer im Hintergrund halten würde. Die beiden Bluthunde - oder Geier in der FIS - würden im Kampf flexibler sein, während die zwei leichten Nattern/Pumas in der unmittelbaren Nähe kämpfen würden. Ihre kleinere Silhouette und höhere Beweglichkeit machten sie in Spikes Augen zu kniffligen Zielen. Sie selbst war natürlich noch schneller, kleiner und wendiger und würde so hoffentlich nicht getroffen werden. Zumindest war dies eins ihrer Primärziele. "Spike, ich brauche mehr Daten, geh näher. Bereite LSR vor, gib uns Ziele.", befahl Sica. Das könnte Spikes Vorhaben erschweren, sofern diese Panzer entsprechende Waffen und Fähigkeiten besaßen. "T-Vier und Fünnef geht mit ihr, lenkt sie ab, sie dürfen sich nicht fokussieren! T Zwo und Drei aufrücken.", befahl Sica kurz darauf. Die ruhig gesprochenen Befehle zeigten Spike, dass Sica wusste, dass sie und ihr Mech wertvoll war. Sie näherte sich der Stellung. Noch keine Zielerfassungen. Dafür konnte die Aktivortung ihr einige Ziele markieren.
"Sica, es sind 4 oder mehr gepanzerte Fahrzeuge und schweres Gelände. Markiere Ziel." die taktische Darstellung ließ kurz darauf einige LSR auf die Ziele regnen. Es waren aber nicht viele. Das würde die Panzer nicht aufhalten. Spike mühte sich ab, das schlechtestmögliche Ziel abzugeben, während sie eine weitere Salve ins Ziel leitete. Zu ihrer Überraschung wurde sie nicht anvisiert, dafür traten jetzt zwei gedrungene Pumas in Erscheinung, Black Flagg und Namid. Einer von beiden wurde von der Panzergruppe beschossen, allerdings war dies noch nicht bedrohlich, die Panzerung hielt, auch wenn der Computer ihn straucheln ließ. Die andere Maschine erwiderte das Feuer mit ihren schweren Clanwaffen. Das wirkte. Die Panzer schossen kaum noch und schienen sich absetzen zu wollen. Spike setzte etwas nach, jedoch gerade als die nächste simulierte Salve in der Stellung einschlug, schossen Mörser eine dichte Nebelwand. Beide Pumas rückten hinterher. "Sica von Black Flagg, wir setzen nach, sie ziehen sich zurück." "Verstanden, Flagg, wir rücken mit vor", kam es von Sica zurück "Spike, du gehst an ihnen vorbei und prüfst auf Verstärkungen, los!" Der Sprinter war schon unterwegs in einer Kehre um die Stellung herum. "Verstanden, bin unterwegs."

Es wurde warm im Cockpit, jedoch alles im grünen Bereich für Spike. Ohne gute Sicht waren die LSR nutzlos, also würde die Theaterlanze die Panzer nach der typischen Methode erledigen müssen. Sie empfing jetzt die Spezifikationen der Panzer von den beiden Pumas, die den schweren, aber flinken Schwebern nachsetzten. Auf dem Radar sah sie auch die beiden schweren Bluthunde/Geier, geführt von Mukua und Starschina, zwei sehr guten Piloten. "Verdammt, Black Flagg hier, sie nebeln weiter und entkommen uns!" Sica schien ungeduldiger zu werden: "Bleibt dran und schaltet sie aus, aber werdet nicht unvorsichtig. Spike, gibt es was Neues?"
"Negativ, Sica, die Panzerlanze weicht vor T-Vier und Fünnef zurück, aber noch keine neuen Kontakte. Soll ich versuchen, sie abzuschneiden?" bot sie an. Es würde sehr gefährlich sein, aber sie könnte diese Panzer vielleicht verlangsamen.
"Negativ, T-Sechs, bleibe weiter auf der Flanke. Starschina, beweg dich nach rechts, sichere uns ab, Mukua, wir unterstützen T-Vier und Fünnef. Beeilung, wir müssen sie schneller ausschalten!"

Die Theaterlanze war jetzt in voller Bewegung. Namid und Black Flagg meldeten vereinzelte Treffer bei den Schwebern, bekamen jedoch auch ein paar Treffer ab. Endlich war ungefähr die Hälfte der Gegner ausgeschaltet, die anderen waren teils schwer beschädigt, als Spike neue Kontakte ortete, viel zu nah und offenbar schnell näherkommend. Sie meldete dies den anderen und bewegte sich zu ihnen um zu unterstützen. Mittlerweile waren die Pumas nach einem weiteren Panzerabschuss etwas langsamer geworden und ließen die schweren Mechs aufrücken, als LSR-Salven auf die Mechs regneten. Sofort schwärmten sie wieder, aus aber die Bedrohung durch die flankierenden Panzer konnte nicht ignoriert werden. Sica entschied sich sofort: "T-Lanze, sofort in Richtung Feindgruppe Beta, wir müssen sie ausschalten! Spike, mach die LSR-Stellung ausfindig, T-Vier und -Fünf sichern uns gegen die beiden Alphas." Die beiden Panzergruppen wurden auf dem TakDisp entsprechend nach ihrem Auftrittszeitpunkt markiert. Noch während die Piloten der Theaterlanze ihre Bestätigungen meldeten, wurde Mukuas Geier von weiteren LSR erschüttert. Noch waren es keine durchschlagenden Treffer und er hielt sich gegen die Daten des Bordcomputers aufrecht, der sein Gyroskop absichtlich aus dem Gleichgewicht brachte, aber sie waren bemerkbar und ernst. Spike setzte in ihrer Richtung fort und würde so vielleicht mit den übrigen angeschlagenen Schwebern zusammentreffen und hoffentlich die LSR-Stellung aufstöbern. Starschina, der Lanzenälteste, war jetzt fast auf Höhe der beiden Pumas, die beiden anderen schweren Maschinen befanden sich im Gefecht mit der Verstärkung, als die Hölle losbrach.
***
Dadif konnte vor ihm nur wenig ausmachen, dass aber die zwei Pumas schossen und beschossen wurden, war klar. Die LSRs, die Sgt. Markle koordinierte, schienen den großen Clanmech zu treffen, auch wenn sie als Schlammhüpfer nichts davon sahen. Doch jetzt! Die Pumas waren ihrer Stellung immer näher gekommen, nun trat noch ein neuer Geier auf den Plan. Der Chef der Infanterie, eigentlich der Boss der Gefechtspanzer, ließ alle für einen Kernschuss, nach Dadifs Vorstellung eher eine Salve, bereit machen. Er zählte laut, während die Mechfüße der drei avoiden Mechs dröhnten. Dadif und sein Nebenmann, genau wie alle anderen, waren aufs Äußerste angespannt. Das war der Hauptpunkt der Schlacht für ihn. Jeder Schritt des Geiers war eine Zahl vom hünenhafte Boss, dessen Codename Ahab war: "Drei! Zwei! Eins! Feuer!!" Alle KSRS und Laserschützen beschossen den schweren Mech in die rechte Seite und während die Übungsraketen an ihm abprallten und Laser auf ihn schienen, schüttelte er sich schwer. Gleichzeitig schienen wieder LSR auf einen der Pumas zu regnen, der den Torso schwenkte, um die Einschläge zu verteilen. Dadif bekam weiter nichts davon mit, weil er zur Ersatzmunition eilte, um Devon mit einem neuen Schuss zu versorgen.

Der Befehlshabende, er hatte ein künstliches Bein, dem er seinen Codenamen verdankte, brüllte weiter Befehle. Das letzte, was Dadif von ihm hörte, war "Feuer frei!" Während er die KSR nachlud konnte er sehen, dass der andere Puma seinen Torso ihnen zugewandt hatte und ihn leicht schwenkte. Der Boss fluchte daraufhin kurz und verstummte. "Geladen!", rief Dadif, begab sich aus der Rückstrahlzone und klopfte Devon auf den Helm. Der visierte bereits den sie angreifenden Puma an und schoss erneut. Die anderen Mechs entfernten sich von ihrer Stellung und schienen sie kaum zu beachten, auch wenn immer wieder einige Infanteristen ihre Arme hoben und zum Zeichen, dass sie ausgeschaltet waren. Dadif rannte wieder zurück, um die letzte Rakete zu holen. Vielleicht würde er das überleben können? Der Puma schüttelte sich wieder, wie unter unsichtbaren Schlägen und wich jetzt auch zurück, jedoch erheblich uneleganter als die anderen beiden. Er humpelte stark! War das die Chance ihn auszuschalten?

Als er zurückhasten wollte, sah er Devons Arm nach oben gehen. Also war er aus dem Gefecht. "Der blöde Geier mit seinen Impulslasern...", schimpfte er. Dadif übernahm das Werferrohr etwas unruhiger als noch zuvor und lud es nach. Kurz brandete Jubel auf, als der lahme Puma außer Gefecht gesetzt wurde, jedoch fluchte Markle gleich danach. Dadif sah nach ihm, da kein Ziel in Reichweite war. Der Arm blieb unten. "Unser Hunter wurde grade als letzter abgefackelt.", erklärte er mürrisch. Damit war es mit der LSR-Unterstützung vorbei. Er setzte sich hin und begann an einer E-Cig zu ziehen. Dadif sah sich um, ungefähr die Hälfte der Infanterie saß entspannt und mit roten Leuchten auf den Helmen in einem ungefährdeten Areal herum und sahen dem Rest der Schlacht zu. Weiter vor ihnen tobte immer noch der Kampf, auch wenn sie nicht viel sehen konnten. Die anderen Infanteristen lagen oder standen in ihrer Stellung, und warteten auf eine Gelegenheit zum Schuss.
Dadif überlegte, während der Boden zitterte: wenn weiter hinter ihnen der Hunter mit den anderen LSRs gestanden hatte, dann war irgendjemand dort hingelangt. Aber alle Mechs waren doch hier? 'Spike!', fiel es ihm siedendheiß ein, als das Dröhnen von Mechfüßen unüberhörbar wurde und sich der Sprinter krachend von der linken Seite einige Meter in den Wald neben der ausgedünnten Stellung schob. Auch wenn der Koloss nur 20 Tonnen schwer war und eigentlich weniger bedrohlich wirken sollte als seine schwereren Kumpane, war Dadif starr vor Schreck. Die Lasermündungen schwenkten über die Stellung und mehr und mehr Infanteristen hoben die Arme zum Zeichen ihrer Ausschaltung. Markle stand plötzlich neben ihm und rief Dadif ins Ohr: "Nase! Reiß dich zusammen! Entweder volle Deckung oder verpass' ihm eine!" aus dem Gewühl rauschte eine einzelne Übungsrakete auf die schlanke Maschine zu und prallte dumpf, in dem Chaos allerdings kaum hörbar vom Torso ab. Dadif dachte nicht weiter nach, sondern hob den Werfer, zielte und schoss. Treffer! Die fast unbewusste Zufriedenheit über seine Treffsicherheit war von kurzer Dauer, als die Laseröffnungen auch ihn kurz ansahen. Sein integriertes Helmvisier bewahrte ihn davor, blind zu werden. Einige Sekunden weiter und der Mech entfernte sich wieder. Das Signallicht brannte rot in seinen Augen als Zeichen, dass er jetzt tot war. Er trottete nach einigen Augenblicken mit Markle zur Sammelstelle, wo der Rest der Einheit wartete. Spikes Mech war mit ihnen fertig und entfernte sich wieder
Der Befehlshaber sah auf sein Datacomp und erhob sich: "Alle mal herhören, die Infanterieeinheit wurde gerade als kampfunfähig aus der Übung genommen. Wir sind tot." Er schien nicht allzu unzufrieden zu sein, als er fortfuhr: "Wir haben uns gut geschlagen. Technisch steht uns ein Abschuss zu. Im Ernstfall verlange ich jedoch, dass ein immobiler Mech so schnell wie möglich bis zu völligen Kampfunfähigkeit geschossen wird. Das bedeutet, im Zweifel lieber weniger Bergegut aber mehr Lebende von uns, verstanden?"
Die müde Truppe signalisierte Zustimmung. Dadif fühlte sich plötzlich sehr erschöpft, ganz im Gegensatz zu gerade eben. Er setzte den Werfer ab und hockte sich hin. Der Boss setzt kurz fort. "Wir müssen noch etwas durchhalten, weil die Übung noch andauert, aber unser Hinterhalt hat die feindliche Mecheinheit geschwächt. Sofern ich die Daten richtig deute, erhalten unsere Kräfte in wenigen Augenblicken Verstärkung. Das bedeutet, dass sich die Theaterlanze zurückziehen könnte. Leute, nochmal, gut gemacht,“ hier lächelte er vorsichtig, „aber das nächste mal haben wir genug Sprengfallen und Sensoren bei unserer Stellung, dass kein Mech uns überraschen wird."

***

Spike hatte nach der Vernichtung der Infanterie Black Flagg von seinem "zerstörten" Puma abgeholt. Er war erwartungsgemäß schlechter Laune und musste sich noch dazu in ihr ohnehin schon sehr enges Cockpit zwängen. 'Besser als gefangen oder tot," dachte sie nur bei sich. Sie wusste, dass die Infanterie der Einheit extra dafür ausgebildet wurde, nach Ausfall eines Mechs auch den Piloten nicht entkommen zu lassen. Es blieb abzuwarten, ob das auch für ihre künftigen Gegner galt.

Die Schweber waren jetzt praktisch kampfunfähig, als sie vom Gefechtscomputer neue Ziele angezeigt bekam. "Verdammt. Sica von Spike, ich habe eine vermutlich schwere Mechlanze in ungefähr drei Klicks nördlich von uns. Was soll ich tun?" Sica antwortete müde über den Lanzenkanal: "Wir gehen auf taktischen Rückzug. Langsam Richtung südlicher Phasenlinie mit euch." Nach einer kurzen Pause meldete sie sich erneut: "Spike, wir haben ebenfalls Verstärkung erhalten, eine Gruppe Gefechtspanzer; Begib dich zum Navpunkt Delta und transportiere sie an meine Position. Schnell! Ich will ebenfalls einen Hinterhalt oder Abschreckung einsetzen. Auf Langstrecke können wir sie noch zerlegen." Spike tat, was von ihr verlangt wurde. Als Taxi für gepanzerte Infanterie war der Sprinter hervorragend geeignet. Black Flagg übernahm dabei die Koordination per Funk, während sie sich auf das Radar und die Steuerung konzentrierte. Anschließend waren sie so schnell es möglich war, ohne jemanden zu gefährden, wieder bei der Theaterlanze. Bis auf Sica hatten alle anderen Status orange bis rot mit teils schweren Schäden, Spike selbst hatte nur ihre Panzerungsschäden durch die Infanterie. Die gegnerischen Panzer waren keine effektive Bedrohung mehr, da der Großteil ausgeschaltet war und zwei Fahrzeuge zu langsam und beschädigt, um ihnen in dieser Stellung noch gefährlich zu werden. Die Theaterlanze war immer noch schlagkräftig, aber sie hatten die Initiative abgeben müssen. Nachdem sie die Gefechtspanzer abgesetzt hatten und noch etwas aufklärten, während die feindliche Lanze kaum noch Kontakt riskierte, kam von der Übungsleitung die Nachricht, dass der Kampf unentschieden beendet war.
***
'Endlich.", dachte sich nicht nur Dadif, als sie im Lager ankamen. Die Zeit außerhalb war hart gewesen, und auch wenn sie Luftvorräte mitgenommen hatten, war typische Anlagenluft, ob auf einem Schiff oder in den begrenzten Unterkünften, dem doch erheblich vorzuziehen. Das galt für die Kälte natürlich analog. Trotz der entsprechenden Kleidung war sie jetzt überall, umso mehr, als sie alle müde waren. Vor der Einschiffung gab es noch etwas Urlaub für die meisten, das bedeutete, dass wenigstens heute oder morgen die Nacht etwas länger werden würde. Die Kommandeure hatten sogar ein "Taxi" für die Fahrt zur nächsten Siedlung besorgt, allerdings auch keinen Hehl daraus gemacht was jenen blühte, die sich nicht rechtzeitig zurückmeldeten oder gar zuviel redeten. Aber erstmal war für Dadif etwas Ruhe angesagt. Er musste den heutigen Tag erst einmal verarbeiten.
***
Ermhard ließ den schweren Hovercraft langsam absetzen. Die leistungsstarken Propeller liefen langsamer und leiser, fast wie die Atmung bei einem einschlafenden, gewaltigen Tier. Seine Crew ließ ihn allein, nachdem sie sich mit ihm zum "Umtrunk", verabredet hatten. Er war zufrieden mit dem heutigen Tag. Zwar war er nur noch Fahrer und kein Panzerkommandant, aber Kotzi war froh, seine Fähigkeiten überhaupt einbringen zu können. Sie konnten einer verstärkten Clanlanze gut Paroli bieten, oder vielmehr, sie effektiv ablenken, wenn das Terrain und ihre Vorbereitungen stimmten. Niemand sollte Panzer unterschätzen, und da sie bald wohl eine konventionelle Söldnerbande gegen sich hatten, so die Gerüchteküche, würde diese Lektion hoffentlich auch bei allen anderen Mechjockeys angekommen sein. Natürlich hatten sie schwere Verluste eingesteckt, das war im Grunde unvermeidlich, immerhin waren sie nicht gegen Idioten angetreten. In einer rein kostenbasierten Rechnung, die nur Hardware und durchschnittliche Ausbildungskosten beinhaltete, hätten sie jedoch positiv abgeschnitten. Er nahm an, dass dies selbst mit der Mechverstärkung am Ende der Übung stimmte.

Morgen würde jedenfalls die Nachbesprechung stattfinden, in der nochmals alles Wichtige zur Sprache kam. Als er seinen Panzer verließ und ihn abschloss, dachte Ermhard nur noch kurz an Spike. Ein Fortschritt zu den letzte Tagen. Er lächelte melancholisch. Ob sie ihren Platz im Cockpit sicher hatte? Sie war im Kampf nicht direkt gegen seine Panzergruppe aufgetreten, aber er wusste, dass sie mindestens den Hunter ausgeschaltet hatte. 'Vielleicht nach dem nächsten Einsatz,' dachte er bei sich. Nach den Übungen war er etwas zuversichtlicher, dass sie den gut überstehen würde.

__________________
Combined Arms Mechwarrior, hier fahre ich Epona, stampfe mit NovaCat, fliege Shiva und bin BA.
Stand-alone, ohne irgendwelche Voraussetzungen. Kostenfrei.

http://www.mechlivinglegends.net/2017-01/mechwarrior-living-legends-communi
ty-edition/
18.11.2017 21:55 Marlin ist offline E-Mail an Marlin senden Beiträge von Marlin suchen Nehmen Sie Marlin in Ihre Freundesliste auf
Thorsten Kerensky
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Wayside V, Dantonville
Decius-Cecilius-Metellus-Kaserne, Block 13: Büro der Einheitseignerin
03. April 3067, 18:15 Uhr

„Herein!“, blaffte Jara, als es pünktlich an der Tür klopfte.
Den Raum betrat PFC Caroline Cook. Die junge Frau – tatsächlich gehörte sie zu den wenigen Mitgliedern der Einheit, die jünger waren als Jara – schloss die Tür hinter sich und salutierte vor ihrer Vorgesetzten: „Private First Class Cook meldet sich wie befohlen, Ma’am!“
„Rühren!“, erlaubte Jara mit einem Nicken.
Als Cook, so wie sie es aus der täglichen Arbeit im S2-Bereicht gewöhnt war, auf einem der Besucherstühle Platz nehmen wollte, fuhr Jara sie an: „Ich habe Ihnen keinen Stuhl angeboten, Private. Also bleiben sie gefälligst stehen.“
Das Funkeln in den Augen der Söldneroffizierin, ihre angespannte, beinahe vibrierende Körperhaltung, machten deutlich, dass sie geladen war und so kurz vor der Explosion wie eine heißgeladene LSR-Lafette bei Überhitze. In ihre brodelte es und Cook war das erste Ziel für diese Wut.
„Private Cook, ich würde Sie normalerweise lediglich fragen, welcher Offizier Ihre Sicherheitsbelehrung durchgeführt hat, mir diesen Offizier zur Brust nehmen und es für Sie bei einer Verwarnung belassen. Zufällig erinnere ich mich aber noch sehr gut daran, dass ich dieser Offizier war und ich erinnere mich auch noch sehr gut daran, dass ich diese Belehrung gründlich und verständlich durchgeführt habe.“ Sie griff nach einem Blatt Papier und legte es so auf den Schreibtisch, dass Cook es lesen konnte. „Hier haben Sie unterschrieben, dass Sie die Belehrung gehört und verstanden haben. Korrekt?“
„Ja, Ma’am.“
„Private, Sie sind Teil des S2-Bereichs. Dieser Bereich ist besonders sensibel und entsprechend sind die Interna dieses Bereichs gegenüber anderen Teilen der Einheit und vor allem gegenüber Fremden als streng vertraulich zu behandeln.“ Jaras Stimme machte deutlich, was sie davon hielt, diese Regeln zu missachten. Sie war als S2-Stabsoffizierin verantwortlich für die Sicherheit der Einheit. Dass ausgerechnet ihr eigener nachgeordneter Bereich schlampig mit den Schutzbestimmungen umging, das brachte sie auf die Palme.
„Sie haben unüberlegt gehandelt und Interna gegenüber zwei Bewerbern preisgegeben, die noch nicht abschließend von uns durchleuchtet worden sind. Sie haben den Ruf und vor allem die Sicherheit der Chevaliers gefährdet, entgegen Ihres besseren Wissens. Ist Ihnen bewusst, welche Strafen darauf stehen können, Private?“
„Arrest und unehrenhafte Entlassung samt Eintrag in meiner Akte, Ma’am“, antwortete die Soldatin zerknirscht, niedergeschlagen und offenbar den Tränen nahe.
„Korrekt.“ Jara atmete hörbar aus. „Das werde ich nicht tun. Ich werde es bei einer Verwarnung belassen, die ich auf Bewährung für zwei Jahre Ihrer Akte beifügen werde. Nach diesen zwei Jahren verschwindet der Eintrag und Ihre Akte ist wieder in Ordnung. Sehen Sie das als Warnschuss. Ich gebe davon nur einen. Verstanden, Private?“
„Ja, Ma’am. Danke, Ma’am.“
Jara seufzte: „Sie sind das kleinste Rädchen in dieser ganzen Sache, Caroline, das ist mir klar. Ich kann Sie nicht ohne eine Konsequenz gehen lassen, aber außer in einer hektischen Situation etwas zu hastig zu sprechen, haben Sie nichts getan. Passen Sie da in Zukunft besser auf. Ihre Arbeit ist Geheimsache. Das wissen Sie auch. Sie sind pfiffig und lernen schnell, sonst wären Sie gar nicht in meinem Stab. Ich habe vor, Sie so schnell es geht zum Corporal zu befördern und Ihnen die Chance zu geben, sich zu entwickeln, denn Sie haben Potenzial. Schmeißen Sie das nicht weg, bloß weil Sie nicht nachdenken.“
„Es wird nicht wieder vorkommen, Ma’am“, beeilte Cook sich zu sagen, offensichtlich froh, vergleichsweise glimpflich davongekommen zu sein.
„Gut“, sagte Jara. „Ich werde Lieutenant Asai über meine Entscheidung informieren. Er wird vermutlich mit Ihnen noch einmal die Sicherheitsvorschriften besprechen wollen. Schauen Sie sich das Material besser noch einmal genau an.“
Asai, Jaras rechte Hand im S2-Bereich, galt als strenger und fordernder Offizier. Seine Art, den Private zu schulen, würde als zusätzliche Strafe vermutlich ausreichen. Der Japaner war ein kompetenter, loyaler, aber nicht besonders rücksichtsvoller Soldat. „Das werde ich machen, Ma’am“, kam Cooks Antwort und ihrer Stimme war anzuhören, dass sie sich auf die nächste Zeit mit ihrem direkten Vorgesetzten nicht sonderlich freute.
„Gut, das wäre dann alles. Sie können wegtreten. Und schicken Sie Lieutenant Decaroux rein.“

Jara erwiderte den Gruß ihrer Soldatin pflichtschuldig und sammelte sich gleichzeitig innerlich. Eine junge Untergebene zu disziplinieren war der leichte Part gewesen. Decaroux war der ein ganz anderes Kaliber. Der Mann war nicht nur Offizier, sondern auch Chevalier der ersten Stunde und ein gestandener Veteran, der nicht so einfach zu beeindrucken war. Außerdem war er mit seinem Lebenslauf und seiner Expertise nicht zwingend auf die Chevaliers angewiesen, diese aber auf ihn. Jara würde den Infanteristen nicht einfach anfahren und niedermachen können. Hier war ein anderes Vorgehen gefragt.
Folglich war ihre Stimme sehr viel ruhiger, beinahe leise, als der Chef der Gegenspionage eintrat und einen mustergültigen Salut hinlegte. Er machte auch gar nicht erst den Versuch, sich zu setzen, sondern strahlte vielmehr die Gewissheit aus, länger in Hab-Acht-Stellung aushalten zu können, als Jara im Sitzen.
Die Söldnerin versuchte auch gar nicht erst, ihren höheren Rang auszuspielen, sondern blieb in den Gesprächsstrukturen, die zwischen ihnen üblich waren, auch wenn es ihr nicht gelang, die Wut und Enttäuschung aus ihrer Stimme zu halten.
„Charles, ich bin ehrlich gesagt überrascht. Ich hatte gedacht, die Zusammenarbeit zwischen uns würde besser funktionieren. Wie kann es denn sein, dass einer meiner Offiziere und eine meiner Soldatinnen an einer sicherheitsdienstlichen Ermittlung beteiligt sind, dass die Militärpolizei an einer Ermittlung beteiligt ist, dass es einen sicherheitsrelevanten Vorfall in der Kantine gibt und ich erfahre dadurch erst über Umwege und den Abschlussbericht von Lieutenant van Baaren und werde an den Vorgängen nicht beteiligt?“
„Entschuldige, Jara.“ Der abgebrühte Veteran klang kein wenig beeindruckt, schien aber wenigstens zu verstehen, dass hier etwas nicht wirklich so gelaufen war, wie es hätte laufen sollen. „Ich bin die Arbeit mit und in einem derart großen Stab noch nicht richtig gewohnt. Ich habe noch verinnerlicht, dass kurze Wege effektive Wege sind. Als der Colonel angefangen hat, Anweisungen zu geben, bin ich davon ausgegangen, dass alles seine Richtigkeit hat. Ich hätte dich informieren müssen und ich hätte den Colonel darauf hinweisen müssen, dass er dafür seine Stabsoffiziere hat. Ich nehme an, er wird ähnlich pragmatisch gedacht haben.“
„Du musst keine Ausreden und Entschuldigungen für Copycat liefern“, antwortete Jara spitz. „Du sollst Captain werden, wenn deine Abteilung sich eingespielt hat. Wenn ich das unterschreiben soll, muss ich mich auf dich verlassen können. Und zwar blind.“
„Ich kann aber ja die Befehle vom Colonel kaum ignorieren“, brachte Decaroux das Dilemma auf den Punkt.
„Natürlich nicht“, lenkte Jara ein. „Aber es kann nicht sein, dass ich nicht informiert werde. Außerdem steht die Gegenspionage nicht ohne Grund etwas außerhalb der militärischen Einheitsstruktur. Harry führt das militärische Kommando, er ist zuständig für die Strategien, die Taktik, die Einsatzplanung. Alles, was er in diesem Rahmen befiehlt, ist natürlich umzusetzen. Aber als Eigentümerin bin ich verantwortlich für so ziemlich alles andere. Das heißt, dass die Ergebnisse geheimdienstlicher Tätigkeiten mir vorgelegt werden, außer sie betreffen unseren Kampfauftrag. Das heißt auch, dass der gesamte Bereich S2, vor allem aber deine Truppe, Charles, am Ende vom Tag auf mein Wort hören muss.“
„Also im Zweifel gegen die Befehle des Colonels?“, hakte der Veteran nach.
„Wenn es nicht unseren Kampfauftrag betrifft, ja.“ Jara wusste, was sie sagte, aber sie hielt es für unvermeidlich, hier und jetzt deutlich zu machen, wo sie ihre Rolle sah. Hier ging es natürlich zum einen um interne Machtspiele. Sie musste ihre Position in der Truppe sichern, wenn sie nicht als bloße Marionette von Danton und Copeland dastehen wollte. Hier ging es aber auch um das Vermächtnis der Chevaliers und hier ging es ein Stückweit auch darum, im Notfall jeden ihrer Angestellten auszählen zu können – selbst Colonel Harrison Copeland. Er mochte das militärische Kommando führen, aber es war ihre Einheit.
Was für ein Dilemma.
Dass Decaroux die Situation umgehend begriff, sprach für ihn. Allerdings wäre er ohne eine schnelle Auffassungsgabe auch nie dort gelandet, wo er nun war. Er dachte einen kurzen Augenblick nach und sah Jara dann fest in die Augen. Ganz offensichtlich hatte er seine Entscheidung getroffen: „Ich habe verstanden, Jara. Du bist der Boss.“

Wenig später stand sie vor dem vorerst letzten und vermutlich brisantesten Teil ihrer Aufarbeitung. Den kommandierenden Offizier und ihren militärischen Vorgesetzten konnte sie nicht so ohne weiteres in ihr Büro zitieren, also stand sie nun vor seiner Tür und sammelte sich kurz. Die Wut, die immer noch in ihr brodelte, schluckte sie so gut es ihr möglich war runter und rief sich noch einmal die schwierigen Machtverhältnisse vor ihr geistiges Auge.
Dann betrat sie ohne zu Klopfen das Vorzimmer und wandte sich an eine sichtlich überraschte Corporal Hellingsdottir: „Ist der Colonel da?“
„Ja, Ma’am“, kam prompt die pflichtbewusste Antwort. „Soll ich Sie anmelden?“
„Nicht nötig“, winkte Jara ab. „Ich melde mich selbst an.“
Ohne auf eine Reaktion der Soldatin zu warten, öffnete sie die Tür zum eigentlichen Büro, schreckte einen über Akten gebeugten Copeland damit auf, trat ein und schloss die Tür wieder hinter sich.
Bevor der ältere Söldner irgendetwas sagen oder gar seine Fassung wieder erlangen konnte, eröffnete sie das Gespräch: „Haben wir ein Vertrauensproblem?“
„Was?“, brachte Copeland hervor und wusste offensichtlich wirklich nicht, wovon sie sprach.
„Ein Vertrauensproblem“, wiederholte Jara. „Vertraust du mir nicht? Traust du mir nicht zu, meine Arbeit sauber, ordentlich, effektiv, effizient, vernünftig und zügig zu erledigen? Glaubst du, ich habe meinen Bereich nicht im Griff?“
Sie hatte sich bemüht, jegliche Emotion aus ihren Fragen herauszuhalten, aber die Tragweite ihrer Worte traf den erfahrenen Veteranen dennoch sichtbar. „Wie kommst du denn auf sowas?“
„Weil offensichtlich eine Explosion in der Küche samt nachfolgender Ermittlung und allem, was dazugehört, passiert, ohne dass jemand auf den Gedanken kommt, die zuständige Person, also mich als S2-Stabsoffizier, zu informieren. Ich habe vermutlich großes Glück gehabt, dass wenigstens van Baaren nett genug war, mir einen Bericht zukommen zu lassen.“
„Ich hätte dich vor der nächsten Stabsbesprechung informiert“, gab Copeland zurück, der offensichtlich nicht wirklich verstand, wo das Problem lag.
„Also in… drei Tagen?“, hakte Jara nach. „Das ist ein Vorkommnis in meiner Zuständigkeit, das meine Arbeit beeinflusst und für das du meine Leute eingeteilt hast.“
„Eine Kleinigkeit, ein blöder Streich vermutlich“, wiegelte der Kommandeur ab, immer noch eher irritiert als wirklich aus der Bahn geworfen.
Jara schnaubte: „Das konnte aber niemand wissen. Eine Explosion in der Küche, vielleicht ein Angriff auf die Gesundheit der Truppe, auf jeden Fall aber ein offensichtliches Sicherheitsleck… da muss ich handeln können und dafür muss ich informiert sein. Wer auch immer da Schwarzpulver bis in die Küche gebracht hat, hätte auch eine größere Menge davon einschleusen können. Oder Gift. Dann hätten wir jetzt möglicherweise dutzende Tote. Das ist doch keine Lappalie!“
Copeland schien es langsam zu bunt zu werden, denn sein Gesicht wurde zunehmend ernster und seine Stimme fester und bestimmter: „Ich habe mich darum gekümmert, wie ich mich als Kommandeur bisher immer um solche Dinge gekümmert habe. Auf dem kurzen Dienstweg und mit den Ressourcen, die mir zur Verfügung standen. Außerdem war es eine großartige Gelegenheit, unsere Bewerber zu testen.“
„Fang mir damit gar nicht erst an“, brauste Jara auf. „Das ist gleich das nächste Ding: Erstens halte ich es für ein gewaltiges Risiko, interne Aufgaben an Leute zu delegieren, die nicht zur Einheit gehören und zweitens kannst du nicht alleine entscheiden, wer eingestellt wird. In letzter Konsequenz muss ich die Entscheidung darüber treffen.“
Der Colonel seufzte leise, führte seine Fingerspitzen zusammen und stützte seine Stirn auf die Zeigefingerkuppen. „Gut“, sagte er schließlich, „wenn ich dich richtig verstanden habe, fühlst du dich von mir übergangen, korrekt?“
„Ja“, gab die Söldnerin unumwunden zu. „Als Sicherheitsoffizier und als Eigentümerin.“
„Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann waren die Chevaliers immer eine Söldnereinheit. Das bedeutet auch Improvisation, Bauchgefühl und kurze Wege. Das unterscheidet uns von Hauseinheiten und macht uns flexibel und zäh.“
„Die Chevaliers sind ein Regiment und haben viele mächtige Neider und Feinde. Wir müssen vor allem professionell und vorsichtig sein und uns von der Vorstellung lösen, diese Einheit wie eine Kompanie oder ein Bataillon führen zu können“, beharrte Jara auf ihrem Standpunkt. „Wir haben einen Stab, damit die Verwaltung reibungslos funktioniert und die Informationen dort landen, wo sie gebraucht werden – und nirgendwo anders. Die Sicherheit der Einheit muss an erster Stelle stehen und dazu gehört eben mehr als die physische Sicherheit. Wir können unser Herz nicht auf der Zunge tragen, Harry.“
„Lass das Germaine nicht hören, Jara. Du weißt, dass er immer auf das Gute in den Menschen vertraut und immer bereit ist, ein Risiko einzugehen, um seine Überzeugung nicht verlieren zu müssen.“
„Ich bin nicht Germaine“, gab Jara zurück. „Und ich habe zu viel Familie verloren, um jetzt auch noch mein Zuhause bei den Chevaliers aufs Spiel zu setzen. Ich will diese Menschen so gut wie möglich schützen. Wenn ich dafür weniger herzensgut sein muss als Germaine, dann nehme ich das auf mich. Aber ich muss… wir müssen diese Einheit so führen, dass sie überlebt. Und dafür müssen wir uns vertrauen.“
„Aber ich vertraue dir doch“, erwiderte Copeland. „Ich habe nur einen anderen Ansatz als du… aber sei’s drum.“ Er lehnte sich zurück und sah der jungen Frau neugierig ins Gesicht. „Ich werde dich in Zukunft in solchen Situationen umgehend informieren lassen und ich werde versuchen, daran zu denken, dass ich einen Stab habe, der mir Aufgaben abnehmen kann und soll. Zufrieden?“
„Ich bin zufrieden, wenn wir gut zusammenarbeiten“, antwortete sie ausweichen, um nicht zugeben zu müssen, dass der Sieg ihr schal vorkam. Wie viel vom guten Draht zu Copeland hatte sie gerade zerschnitten, wie viel war zu retten?
„Wunderbar“, lächelte der Colonel. „Hast du sonst noch etwas auf dem Herzen?“
„Nein, das wäre alles.“
„Dann habe ich noch zwei Bitten.“
„Nur zu.“
„Erstens: Fass deine Leute nicht zu hart an. Du kannst ihnen nicht vorwerfen, ihrem CO gehorcht zu haben.“
„Zu spät“, warf Jara ein. „Ich konnte und habe ihnen angekreidet, dass sie nicht selber denken und ihre eigenen Befehle nicht kennen.“
„Na gut. Zweitens: Stell Mac Lain und diese Elementare ein. Der Junge hat wirklich was drauf.“
Die Söldnerin seufzte: „Hätte ich jetzt eh machen müssen. Die beiden wissen zu viel.“
„War das etwa ein Witz?“, fragte Copeland mit hochgezogener Augenbraue.
„Nur halb“, sagte Jara im Gehen, „nur halb.“

__________________
Ama-e-ur-e
is-o-uv-Tycom‘Tyco
is-o-tures-Tesi is-o-tures-Oro
is-u-tures-Vo-e-e

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Ort: unbekannt.

Spike erwachte aus unruhigem Schlaf. Es war heiß, die Luft schien zu brennen. Gefechtslärm. Warum hatte sie niemand geweckt? Außer vereinzelten Autogewehrsalven gab es nur eine Wand aus Lärm, ohne die einzelnen Waffentypen bestimmen zu können. Ihr Mech? Im Dunkeln kaum zu erkennen, dort stand er.

Sie rannte zur Leiter, ihr Gleichgewicht und ihr Verstand schien beeinträchtigt zu sein. Hatten die Schweine Nervengas eingesetzt? Es war also wahr, was über die Typen erzählt wurde. Fokussieren!

Sie war jetzt angekommen und begann, hastig hochzusteigen. Die ersten zig Sprossen hielt sie durch, ihre Sicht verschwamm, ihre Kraft ließ nach. Nicht jetzt! Mit größter Anstrengung kletterte sie weiter, aber jede weitere Stufe schien länger zu dauern als die Vorige. Es wurde wärmer. Infernos? Ihre Maschine hatte auch eine Lafette davon. Der Boden bebte. Waren Mechs so nahe? Ihr wurde klar, dass offenbar ihr Mech in Bewegung geriet. Diese Bewegungen konnte sie besser. Aber sie war nicht im Cockpit! Bitte nicht! Sie mühte sich, weiterzukommen, noch 10 Sprossen. Die Kräfte ließen nach, ein Fuß rutschte ab. In Panik hielt sie sich fest. Weiter!

Eine Hand griff jetzt ins Leere, die Bewegungen der Maschine waren zu stark. Als sie fiel wunderte sie sich noch, wer in ihrer Nähe schluchzte. Den Aufprall bekam sie nicht mehr mit.

***

Landungsschiff Bloody Nose

"Haha," dröhnte Devon, "diesmal habe ich wohl die Oberhand. Dann zahlt mal schön." Er grinste in die Runde. Seine hellen Zähne bildeten einen deutlichen Kontrast zu seiner dunklen Haut. Dadif schwitzte sehr und bereute es wiederholt, beim Drax mit Sgt. Markle, Devon, Ermhard und "Cashier", dem kleinen, unscheinbaren Verwalter der Kasse aus der Riege der Elektrotechs, mitgemacht zu haben. Immerhin, "Cashier" hatte den Ruf, absolut unbestechlich, genau und völlig humorlos zu sein.

Daher führte er die Daten aller Spielrunden, an denen er teilnahm, was bei der Art der Bezahlung durch die Einheit die Übersicht stark verbesserte. Er spielte sehr konservativ und schien eher die Gesellschaft und seine Aufgabe zu genießen. Die anderen waren sehr verschieden. Die Offiziere tolerierten das Glücksspiel, und einige mischten sich sogar unter die Spieler. Standesschranken gab es kaum. Allerdings waren strenge Strafen angedroht, sollte es etwa zu einer ernsthaften Prügelei kommen. Ebenso war es strikt verboten, Ausrüstungsstücke der Einheit wie Privatbesitz zu verpfänden.

Hieronymus Markle war ein kalkulierender Spieler, mit viel Erfahrung, dem es nichts ausmachte, zu gewinnen oder zu verlieren. Er ging sehr selten auf Risiko. Devon war eher ein chaotischer Spieler und schien gerade auf der Erfolgsspur zu sein. Ermhard war meist unbekümmert, kühl aber enthusiastisch in einer einladenden Mischung. Dadif selbst bemühte sich mitzuhalten, aber das Spiel war nichts für ihn. Wenigstens redete er sich das ein. Die Interaktionen, Wahrscheinlichkeiten und das Verhalten der Mitspieler fand er schon interessant. Vielleicht ließ er sich daher immer wieder überreden. Er hatte allerdings einiges gelernt, seit ihm Zwerg und "Kotzi" Koslowski das Spiel beigebracht hatten. Kein Zweifel, ihre Gründe waren egoistisch gewesen und er hatte ihnen schon sehr viel seines kargen Soldes überlassen, aber jetzt schien er wirklich gut dazustehen. Die Einsätze waren hoch und bei seinem Blatt war die Chance gegeben, das Spiel zu gewinnen.

Bis Devon seine Ansage machte. "Cashier" war erwartungsgemäß schon vorher ausgestiegen, es war selten aber eindeutig, dass er eine gute Hand hatte. Hieronymus blieb verdammt cool. Das war doch noch gefährlicher für ihn, dachte Dadif. Was mochte der haben, wenn Devon sich schon als Gewinner sah? Kotzi sah mürrisch drein, als der auch noch mitging. Die Einsätze waren schrecklich hoch. Dadif wischte sich mit zitternden Händen den Schweiß von der Stirn. Wenigstens stank Markles E-Cig nicht wie echter Tabakrauch. Aber dass es hier nicht mehr gut roch war ihm jetzt bewusst. Dazu kam, dass es schon verdammt spät war und er morgen eine Tour auf das Sprungschiff genehmigt bekommen hatte. Darauf hatte er sich schon intensiv vorbereitet. Aber mit dieser Hand auszusteigen? Nein! "Ich geh mit.", sprach er etwas kläglich, aber es schien die anderen doch etwas nachdenklicher zu machen. Devon war jedoch gleich wieder der Alte. "Na dann zeigt mal was ihr habt, Freunde. Diesmal schaffst du mich nicht, Kotzi!" Er legte seine Karten auf den Tisch.

"Hey, verdammt!," keuchte Ermhard "Kotzi" Koslowski. Er warf seine Karten ab. Sein Blatt war zwar gut, aber nicht genug um Devons Karten zu überbieten. Dadif sah müde zu Markle. Der besah sich die Lage und schob seine Handkarten zusammen. Seine Miene wechselte von nachdenklich zu freundlich. "Verdammt gutes Spiel, Devon. Da kann ich auch nicht mithalten. Ihr kennt ja die Sprüche, mal verliert man, mal gewinnen Andere, eckzettra." Er sah jetzt Dadif an, der seine Karten noch in der Hand hielt und darauf verzichtete, ihn zu korrigieren. 'Zum Glück sind die aus Kunststoff.', dachte der sich. Bei seiner Menge an Transpiration wären papierne Karten wohl schon zerfallen. Er warf seine Karten hin. Devons Grinsen versteinerte, ehe es erstarb. Ermhard entfuhr ein herzhaftes "Hey, da leck' mich doch der Erste Prinz!", während Markles Miene Anerkennung ausdrückte. Für Dadif drehte sich alles. Er hätte keinen der Synteholdrinks nehmen sollen. Nicht einen. "Cashier" meinte nur ruhig: "Tjaja, die gute alte Zufallsverteilung.", was Ermhard ergänzte: "...und der Koordinator gleich mit!"

Nach einer Weile war Stille und Dadif krächzte: "Ich kann nicht mehr." Es kam kläglicher heraus als beabsichtigt, aber es wirkte. Außer Devon freuten sich alle für ihn. "Cashier" zählte alles zusammen. Als Dadif abzog, hörte er noch Devon, wie er sich beschwerte: "Der hat uns ordentlich in den Arsch ge.. uns verarscht." Von Ermhard kam noch dazu: ".. Hey und der Generalhauptmann!"

Dadif wankte in sein Quartier und hatte eine unruhige und kurze Nacht vor sich.

***


Kojen der Theaterlanze, Landungsschiff Privateer

Starschina sah ernsthaft besorgt aus. "Spike, du hast schlecht geträumt. Schon wieder. Die meisten von uns kennen so was, aber wenn du Hilfe brauchst, bin ich da, charasho?" Spike war noch halb schlaftrunken, aber sie verstand. Starschina war immer der gewesen, der am freundlichsten war. Die anderen schienen sie langsam zu akzeptieren. Aber es war nie leicht gewesen. Der glatzköpfige Mechpilot schien jedoch nur selten unausgeglichen zu sein und hatte trotz ihrer Vorgeschichte nicht viel Aufhebens um sie gemacht. Ob aus Desinteresse oder anderen Gründen war ihr dabei egal.

"Wir sind eine Einheit und Familie.", setzte er getragen aber einfühlsam fort. "Also wenn du mal darüber reden willst, sag' mir Bescheid. Morgen docken wir an, dann wird es wieder spannend, in circa zwei Stunden haben wir eine kurze Besprechung. Also mach dich am besten frisch."

Er zögerte einen Moment: "Du weist, dass du auch zu jemandem vom medizinischen Dienst gehen kannst." Er wuste, dass das ein heikles Thema war. Die beiden Personen, die als Seelenklempner in Frage kamen, leiteten die Nachrichtenabteilung. So fürsorglich die Kommandeure sich auch gaben, die Einsatzbereitschaft der Truppe ging vor - so etwas wie das Arztgeheimnis zählte im Einsatz wenig. Und für jemanden wie Spike, die gerade erst einen Mech erhalten hatte, bestand die Gefahr, dass man sie wieder aus dem aktiven Dienst nahm. deshalb fügte er hinzu: "Du mußt das allein entscheiden. Aber es nützt niemanden, wenn du dich kaputt machst. Denk einfach darüber nach." Spike nickte benommen. Es schien alles so real...

__________________
Combined Arms Mechwarrior, hier fahre ich Epona, stampfe mit NovaCat, fliege Shiva und bin BA.
Stand-alone, ohne irgendwelche Voraussetzungen. Kostenfrei.

http://www.mechlivinglegends.net/2017-01/mechwarrior-living-legends-communi
ty-edition/

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Ein zwiespältiges Willkommen

Anfang Mai 3067
Raumflughafen Raijin, Stadt Iga, Provinz Iga, Planet Numki, Draconis-Kombinat

Der Antrieb des rieseigen eiförmigen Landungsschiffes - mit knapp 10.000 Tonnen gehörten Schiffe wie dieses Overlord zu den größeren Modellen - stieß gewaltige Feuerlanzen aus, während es sich langsam herabsenkte. Der Pilot verstand offenbar sein Handwerk, allerdings war die Landung auf einem befreundeten Planeten keine wirkliche Herausforderung.
Anatoli Tanigaki fühlte sich bei dem Anblick wirklich, wirklich unbehaglich - aber er war durch eine harte Schule gegangen und wusste, jegliche unangebrachte Regung zu unterdrücken. Selbst auf seiner eigenen Welt wäre es unangemessen gewesen, Nervosität zu zeigen, und hier verbot es sich um so mehr.
Nicht, dass er sich über die Gastfreundschaft der Shimatze bisher beklagen konnte, vor allem wenn man berücksichtigte, dass sein Vater die Erben des Lords von Numki in den letzten Jahren mehr als einmal unter Druck gesetzt hatte. Aber Hanzo und seine Schwester Tomoe waren die perfekten Gastgeber gewesen. Sie hatten ihn und seine Soldaten mit aller Höflichkeit empfangen, die Neuankömmlinge bestens untergebracht und versorgt, hatten zudem einige Zeit geopfert, politische, militärische und wirtschaftliche Fragen mit ihm zu diskutieren. Sie behandelten ihn nicht ganz als ebenbürtig, aber daran war er gewöhnt, und hatte schon wesentlich verletzenderes Verhalten ertragen müssen. Oder besser, sie behandelten ihn als Person nicht ganz als ihresgleichen - aber als Vertreter seines Vaters. Beide hatten ernst und aufmerksam seinen Warnungen und Vorschlägen bezüglich der Gaijin-Söldner gelauscht, die soeben mit der "Crying Freedom" - was für ein dummer Name! - landeten.
Doch auch wenn die Shimatze ihm das Gefühl vermittelten, ihn ernst zu nehmen, ihm auch einen Ehrenplatz bei dem Empfang der Com Star-Mietlinge überlassen hatten - er hatte sie nicht überzeugen können, eine gemeinsame Frontlinie gegenüber diesen Barbaren zu präsentieren. Aber konnte er ihnen da einen Vorwurf machen? Die beiden hatten genug Rivalen, die nur auf einen Fehler warteten, jede Schwäche auszunutzen gedachten. Da war es unwahrscheinlich, dass sie bereit waren, auch noch eine Verärgerung von Com Star zu riskieren, indem sie dessen zweifelhafte Handlanger allein auf einen Verdacht hin brüskierten. Folglich würden sie mit den Söldnern bei den geplanten Ermittlungen zum Thema Piratenangriffe kooperieren. Tomoe hatte einige ominöse Andeutungen gemacht, wie gründlich man die Söldner dabei im Auge behalten würde - was bedeuten konnte, dass sie ihre Ninja und die Spitzel ihrer Polizei auf die Höllenhunde angesetzt hatte. Oder auch nicht - eine genaue Zusage war von ihr nicht zu bekommen gewesen.

In jedem Fall würden die Söldner einen ehrenvollen Empfang bekommen - ebenso ehrenvoll wie er selber. Das war im Grunde natürlich eine Beleidigung, aber Hanzo hatte angedeutet, dass man nicht in erster Linie die Söldner ehren würde - sondern die Mächte, die hinter ihnen standen. Es war jedoch anzunehmen, dass diese Feinheiten bei den Barbaren verschwendet waren - die würden dererlei Subtilitäten sowieso nie kapieren. Wie hatte es Anatolis Vater ausgedrückt? Ach ja - ,Vermutlich können sich die Schimatze glücklich schätzen, wenn dieses Pack nicht in ihre Blumenbeete pinkelt und die Zierkarpfen aus den Teichen fischt. Mit Handgranaten.'
Doch da er selber nur Gast war, musste der Bastardsohn von Lord Odaga gute Miene zum unerfreulichen Spiel machen. Der Empfang, der die Höllenhunde erwartete, war weit weniger martialisch als Anatoli ihn organisiert hätte. Tomoe wusste, wie man eine eindrucksvolle Kulisse mit überschaubaren Mitteln organisierte. Sie hatte keine großen Menschenmassen aufgeboten, aber das Umfeld des Landeplatzes der Söldner - und ihr voraussichtlicher Weg - waren nur so gesäumt von Fahnen mit den Mons des Kombinats und der Shimatze. Es war noch nicht abschließend klar, ob die Söldner zum größten Teil am Raumflughafen bleiben wollten - manche Söldner zogen die vertraute Umgebung ihres Landungsschiffes einem unbekannten Planeten vor - oder die angebotenen Quartiere beziehen wollten. In jedem Fall waren die Kommandeure zu einem Empfang im Regierungssitz geladen - der nahtlos in eine Arbeitsbesprechung übergehen würde. Zu der man auch ihn eingeladen hatte. Einerseits, weil er die ,Höllenhunde' nach Darius begleiten würde, andererseits weil er eventuell eigene Anmerkungen zu machen hatte. Das war ein nicht geringes Entgegenkommen seitens der Shimatze - immerhin ging es um Details der planetaren Verteidigung, und kein Kurita-Adliger ließ sich gerne von seinen Nachbarn zu tief in die Karten schauen. Und seine Gastgeber brachten sich so um die Gelegenheit, mit den Söldnern ohne seine Kenntnis zu verhandeln.
Wenn die Söldner Fehler begingen, würde er es bemerken, und es vielleicht sogar ausnutzen können. Und wenn die Shimatze Schwäche zeigten - denkbar angesichts ihrer begrenzten Möglichkeiten - war es ebenfalls seine Pflicht, seinem Vater davon zu berichten. Aber natürlich war das Hanzo und Tomoe nur zu klar. Deshalb war es ein ziemliches Wagnis, dass sie ihn einbezogen, und ein Vertrauensbeweis. Vielleicht hatten seine Argumente ja doch mehr gefruchtet, als er angenommen hatten.

Anatoli hatte sich die vorbereiteten Quartiere der Mietlinge angeschaut, und sie machten einen ganz guten Eindruck. Viel ZU gut für dieses Gesindel, so viel war klar. Die Shimatze hatten vorgefertigte Container genutzt, die sie sonst auf ihrer Welt für temporäre Quartiere nutzen, etwa bei Ernteeinsätzen. Das Lager war neu aufgebaut, die Wohnräume und sonstige Infrastruktur großzügig kalkuliert und im besten Zustand - und nicht etwa am äußersten Rand der Hauptstadt gelegen, sondern in einem Grünpark relativ zentrumsnah. Ebenso standen vorgefertigte Garagen für die Fahrzeuge der Einheit bereit - natürlich mit Ausnahme der Kampfflieger. Und eine kleine Polizeistation mit unbewaffneten Sicherheitskräften war eingerichtet worden, um die Kontakte zwischen den Auswärtigen und Einheimischen zu regeln. Anatoli hoffte, dass ein paar Ecken weiter ein bis an die Zähne bewaffnetes Einsatzteam lauerte für den Fall, dass dies nicht glückte. Aber wenn dem so war, hatte man es ihm nicht mitgeteilt.

Auf der Fahrt zum Raumflughafen hatte der Erbe der Odaga auch gesehen, dass sich bereits einige Menschen entlang des voraussichtlichen Weges der Söldner versammelten. Nicht gerade die großen Demonstrationszüge, die ein Herrscher einer Welt zumeist leicht auf die Straße bringen konnte - einen Heldenempfang sollte es für die Söldner wohl frühestens dann geben, falls sie taten, wofür sie angeblich bezahlt wurden. Aber da war doch einiges an Neugierigen. Und die Transparente, die an einigen Stellen aufgehängt wurden, waren freundlich, und grüßten die Gäste.
Einen Moment lang fragte sich Anatoli, ob die Regentin der Shimatze, die geduldig neben ihm wartete - oder auch ihre Eltern, was das anging - sich nicht zusätzlich noch einen Witz erlaubt hatten, den nur Eingeweihte verstanden. Der Raumflughafen der Hauptstadt von Numki waren nämlich nach dem Kami für Blitz, Donner und Stürme benannt. Tatsächlich gab es sogar einen Schrein für ihn gleich in der Nähe, und auf dem Gelände fanden sich auch einige durchaus gut gearbeitete, wenn auch furchteinflößende Bilder oder Skulpturen. Raijin war ein Gott oder Geist, der eher wie ein Dämon aussah. Die Trommeln aber, die er häufig schlug um Donner zu erzeugen, trugen zumeist ein bestimmtes Symbol, das so viel wie "hoffen" oder "wünschen" bedeutete - im Japanischen "tomoe".
Das war ein Punkt, bei dem er sich selbst nicht sicher war. Beschränkte sich Tomoe Shimatze in erster Linie darauf, zu hoffen und zu wünschen - oder konnte sie notfalls auch den Sturm entfachen? Da er zu den wenigen gehörte, die sie auf Sulafat unmittelbar in Aktion erlebt hatte, neigte er dazu, letzteres anzunehmen. Wenn die Söldner in ihr nur die blutjunge Adlige in formellen Kleidern sahen, erwartete sie vermutlich eine böse Überraschung. Fast wünschte er, dass er dabei sein könnte, falls es dazu kam...
Sie wäre damit freilich nicht die erste ihres Namens gewesen. Die wohl berühmteste Kriegerin des alten Japan war eine Frau mit dem Namen Tomoe Gozen gewesen, die während des Gempei-Krieges im 12. Jahrhundert gelebt hatte. Tomoe Shimatze hatte sicherlich nicht deren gerühmte Schönheit und kämpferisches Geschick aufzuweisen - doch soweit Anatoli dies beurteilen konnte, verfügte sie über einen unbeugsamen Willen.

Im Augenblick freilich schwiegen Raijins Trommeln offenkundig, sie grollten nicht einmal. Die Regentin hatte lediglich eine Ehrenkompanie regulärer Infanterie mitgebracht, die mit konventionellen Gewehren angetreten war. Dazu kam eine Anzahl Leibgardisten in Gefechtspanzern. Mehr als genug, um dem Zeremoniell und dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis Genüge zu tun, aber zu wenig, um diesem Söldnergesindel den heiligen Schrecken einzujagen, den sie verdienten. Und ein Beweis, dass die Shimatze den Söldner weit genug vertrauten, um ihnen nicht mit genug Feuerkraft entgegenzutreten, um sie nötigenfalls pulverisieren zu können.
Es würde wohl nicht einmal einen Überflug der konventionellen Kampfflieger von Sulafat geben, obwohl ein halbes Dutzend Mechkiller bestens geeignet gewesen wären, die Außenwelter daran zu erinnern, wie dumm es wäre, wenn sie die Gastfreundschaft zu sehr strapazierten.
Nicht, dass die Shimatze vorbehaltlos vertrauenselig waren. Es gab einen Grund, weshalb Tomoe den Empfang leitete - ihr Bruder war im Herrschaftssitz geblieben. So konnten sich die Söldner in ausreichender Art und Weise geehrt fühlen, doch die Herrscher von Numki benahmen sich nicht unterwürfig. Und der Erbe der Welt war in Sicherheit, sollte wieder Erwartens doch etwas...Unerfreuliches...geschehen. Alles in allem war Tomoe als Regentin entbehrlich, ihr Bruder als eigentlicher Erbe war es nicht.

Inzwischen war das Söldnerschiff sicher gelandet. Es ruhte auf massiven Stützstreben und wirkte angesichts seiner kolossalen Ausmaße fast unbezwingbar. Allerdings war ein Overlord nicht sehr schwer bewaffnet und am Boden wie in der Luft ein vergleichbar empfindliches Ziel.
Anatoli fragte sich in einem müßigen wenngleich vergnüglichen Moment, ob die Männer und Frauen an Bord des Landers EBENFALLS nervös und verunsichert waren. Die Shimatze mochten sich für ein geradezu ziviles Empfangskomitee entschieden haben - er selber hatte freilich nicht vor, ein ähnlich ,ziviles' Profil zu wahren wie seine Gastgeber. Man war so zuvorkommend gewesen, ihm freie Hand zu lassen. Das mochte Berechnung sein - so konnten die Shimatze vermeiden, die Söldner direkt zu brüskieren, aber Anatoli hatte nicht vor, sich die Gelegenheit entgehen zu lassen, Pflöcke einzuschlagen. Und deshalb war er persönlich zwar zu Fuß und in kuritanischer Galauniform - wenn auch nicht ohne Waffen - anwesend. Doch am Rande des vorgesehenen Landeplatzes war seine komplette Sturmklasse-Lanze aufgereiht, mehr als 300 Tonnen Tod und Vernichtung, geschmückt mit dem Pferde-Mon der Odaga. Die Mechs, die die Höllenhunde begleiten sollten - vorgeblich als Eskorte, tatsächlich aber als Überwachung. Sein eigener Mech, eine Galeere-A, wurde gegenwärtig von seinem Leib-Tech gesteuert, einem Veteranen, der die Maschine vielleicht nicht bis zur Perfektion beherrschte, aber sie doch akzeptabel bewegen und einsetzen konnte. Der Umstand, dass es sich um einen Omni handelte, machte so einen Pilotenwechsel erheblich einfacher.

Die Söldner konnten ihrerseits natürlich im Moment ebenfalls nicht zu martialisch auftreten. Schließlich waren sie weder eine Garnisons- noch eine Besatzungsstreitmacht, sondern standen in Diensten einer vorgeblich neutralen Partei, die auf den Welten des Kombinats außerhalb ihrer exterritorialen Enklaven nur äußerst begrenzte Befugnisse hatte. Hätten sie ihre nach Diesel stinkenden Panzer die Rampe herunterrollen lassen, während die Regentin der Shimatze auf sie wartete, hätte das leicht als schwere Kränkung oder Beweis der Feigheit verstanden werden können. Sie hätten sich bestenfalls einfach nur lächerlich gemacht - die vier angetretenen überschweren Mechs hin oder her.
Und tatsächlich, die fünf Personen - alles Männer - die das Schiff zuerst verließen, trugen keine Gefechtsanzüge, sondern Galauniformen. Hinter ihnen kamen einige Soldaten als formelle Ehrenwache - sie machten freilich einen wesentlich weniger perfekten Eindruck als die Wachkompanie der Shimatze.
Nichts desto trotz musste Anatoli seine Wut unterdrücken, als die Neuankömmlinge näher kamen. Das lag zum einen an den Uniformen und Abzeichen. Es handelte sich nämlich um nicht weniger als einen Major und drei Captains. Das war ja an und für sich nicht ungewöhnlich, schließlich waren die Höllenhunde ein verstärktes Bataillon. Aber natürlich hatten die wenigsten von ihnen sich ihren augenblicklichen Rang in einer regulären Streitmacht verdient, und sei es nur eine planetare Miliz. Vor allem aber, er wusste genau, wer der Kommandeur der Truppe war - schließlich hatte er die verfügbaren Dossiers über die Offiziere, Einsätze und Struktur der Söldner praktisch auswendig gelernt. Dieser Manfred Scharnhorst hatte es bis 3063/64, in seinem 38. Lebensjahr, gerade einmal zum First Lieutenant und Lanzenführer bei den neu gegründeten Chevaliers gebracht, nachdem er sich bei den Skye-Jägern davongemacht hatte. Schon das war keine Empfehlung. Anatoli hatte keine Vorurteile gegen Kriegswaisen oder Leute, die sich von unten hochdienen mussten, aber gleichgültig ob dieser Scharnhorst den Lyraner gegenüber loyal gewesen war oder sich einfach aus der Verantwortung gestohlen hatte als sein Heimatland von Bürgerkrieg zerrissen wurde - nichts davon sprach für ihn, jedenfalls in den Augen eines Kuritaners. Als Chevalier der ersten Stunde hatte Scharnhorst zudem großen Anteil am Mord an Anatoli Kenda und dessen Männern gehabt. Dass er in wenigen Jahren vom Lanzenkommandeur bis zum Bataillonschef einer autonomen Einheit aufgestiegen war, bewies wohl eher die zweifelhaften Beförderungspraktiken der Mietlinge als eine überragende Begabung - von der er immerhin in den Reihen der Lyraner in gut zwei Jahrzehnten nichts gezeigt hatte. Er war sicher ein guter Krieger, aber als Soldat wohl bestenfalls etwas über Durchschnitt.

All das ging Anatoli Tanigaki durch den Kopf, doch er achtete sorgsam darauf, dass sich diese Gedanken nicht in seiner Miene widerspiegelten. Er hatte nicht vor, den Kommandeuren der Söldner Herzlichkeit vorzugaukeln, aber wie sehr er sie in Wahrheit verabscheute und ihnen misstraute, dass blieb besser sein Geheimnis. Nicht, dass er sich Hoffnungen machte, einen von ihnen überzeugen oder bestechen zu können. Die mittleren und niederen Dienstränge und der Tross waren da meist...zugänglicher. Ärmer, verzweifelter - ambitionierter. Aber so etwas musste sorgfältig geplant und behutsam in Gang gesetzt werden. Nicht nur Rache war ein Gericht, das am besten kalt serviert und genossen wurde.
Für den Moment reihte er sich - wie es sich gehörte - hinter Tomoe als Regentin von Numki ein, als es darum ging, die Söldner zu begrüßen. Seine Zeit würde kommen.

Palast der Odaga, Stadt Iga, Provinz Iga, Planet Numki, Draconis-Kombinat
Einige Zeit später

Manfred Scharnhorst hatte in seinem Leben - inzwischen gut 42 Jahre - schon einiges erlebt. Allerdings eher auf dem Schlachtfeld als auf dem höfischen Parkett oder in den mitunter eisigen Höhen der Politik, und dieser Umstand sorgte dafür, dass er sich momentan etwas unbehaglich fühlte. Er hatte einige Erfahrungen sammeln können, seitdem er die Höllenhunde kommandierte, aber trotz allem war er als Kommandeur noch recht "jung" und musste befürchten, dass ihm Feinheiten entgingen oder er sie falsch verstand.
Die Begrüßung auf Numki war durchaus zuvorkommend zu nennen. Die amtierende Regentin hatte zwar nur eine kurze Ansprache gehalten, aber ihre Worte waren freundlich gewesen - und in Englisch gesprochen, so dass er und seine Untergebenen sich direkt angesprochen fühlen konnten. Schon das war eine Höflichkeit, die viele höherrangige Kuritaner bewusst vermieden, schaffte doch ein Dolmetscher zusätzliche Distanz zwischen ihnen und den fremdländischen Barbaren, dem gemeinen Volk. Selbst als Bataillonskommandeur einer Söldnereinheit erhielt man selten Vorschusslorbeeren von der de facto Herrin über einige Millionen Menschen. Und der anschließende Empfang, an dem einige Vertreter der Oberschicht des Planeten teilgenommen hatten, hielt zwar nicht annähernd mit den Feierlichkeiten mit, von denen einige seiner Kameraden in den lyranischen Streitkräften geschwärmt hatten - ob nun Tharkad oder Skye der Sehnsuchtsort war. Aber auch ein deutlich bescheidener Rahmen gehörte nicht gerade zum Söldneralltag, wenn man nicht ein Regiment oder dergleichen kommandierte. Von der bekannten kuritanischen Ablehnung gegenüber Ausländern und Söldnern - und besonders ausländischen Söldnern - war nicht viel zu merken gewesen.
Natürlich war er nicht naiv. Die Shimatze verfolgten mit Sicherheit ihre eigenen Ziele - sei es, dass sie sich einfach mit Com Star gutstellen wollten, dessen Söldner als potentielle Verbündete sahen, Unterstützung für eine dauerhafte Stationierung zusätzlicher Truppen wünschten oder gar von eigenen Verfehlungen und Intrigen ablenken wollten, FALLS sie hinter den Angriffen steckten - was genau diese waren ließ sich unmöglich sagen. Aber es war schwer, die professionelle Distanz zu wahren, wenn man ausnahmsweise einmal nicht wie ein Dienstbote oder besserer Straßenschläger behandelt wurde.

Im Anschluss an den Empfang war die Atmosphäre freilich schnell dienstlich geworden. Manfred, seine Vize, Captain Andre Laine von der Infanterie, und der Kommandeur der Jäger, Captain Bligh Ross, waren die einzigen Höllenhunde, die an der Besprechung teilnehmen durften. Die Shimatze waren höflich aber unnachgiebig gewesen - und gegen Geheimhaltung ließ sich ja auch wenig sagen. Auch sonst war die Runde überschaubar. Einen eigenen Vertreter Com Stars gab es nicht - das sollten die Höllenhunde übernehmen - und auch niemanden, der direkt für die VSDK sprach. Was ja, wie Manfred wusste, einer der Beschwerdepunkte der Lokaladligen war - das in ihren Augen mangelnde Eingreifen der regulären Streitkräfte. Die Versammlung schloss aber auch ein Paar Leibwächter in Gefechtsrüstungen ein. Die Gastgeber schienen auf Nummer sicher gehen zu wollen. Die Frage war, ob sich das nur, in erster Linie oder aber nur beiläufig auch gegen seine Leute richtete.
Bereits der Auftakt des Treffens verlief nicht ohne Spannungen. Der Vertreter von Haus Odaga - Tai-i Anatoli Tanigaki - hielt mit seinen Zweifeln nicht hinter den Berg. Er hatte sich während des Empfangs sehr zugeknöpft verhalten, und der Grund wurde nun offensichtlich:
"Ehe wir zu den Details kommen, möchte ich doch gerne erfahren, wieso die Ermittlungen Com Stars sich zunächst auf das Kombinat konzentrieren. Mal abgesehen von Bequemlichkeitsgründen - und die sollten NIE den Ausschlag geben. Ich kann nämlich nicht recht nachvollziehen, wie man glaubt, Sie könnten hier Dinge herausfinden, die unsere Ermittler nicht bereits bemerkt haben. Sie sind Söldner, keine Forensiker oder Analysten. Um eine vernünftige Verstärkung unserer Garnisonen zu bilden, sind Sie zu schwach, vor allem wenn man bedenkt wie flexibel die Angreifer vorgehen. Ihre Panzer können ja maximal ein paar Ziele auf dem Planeten beschützen, auf dem sie gerade sind. Und vier Jäger sind zwar wertvoll - aber nach allem was wir wissen haben die Müllgeburten ihre Aufklärung so weit verbessert, dass sie in etwa wissen, wer welchen Planeten verteidigt. Sie werden also kaum vor die Mündungen Ihrer Kampfflieger spazieren."
Manfred sah sich genötigt zu widersprechen, wiewohl er nicht unbedingt gewillt war, für die Claner als Prügelknabe herzuhalten: "Wir sollen klären, ob es sich wirklich um Claner handelt, ehe wir das als gesetzt hinnehmen, und wenn ja, um welche. Eine Geisterbärenaktion mag Ihnen naheliegend erscheinen. Es können aber auch Schwarzkastler sein, Angehörige eines anderen Clans, die nur den Anschein erwecken wollen, es handele sich um Geisterbären - oder gar um FIS-Truppen, die dieses Ziel haben."
Der Kuritaner lachte bellend: "Ein schönes Märchen! Spielen Sie gerade das Sprachrohr ihrer kuttentragenden Herren, oder haben sich das ihre Clan-,Freunde' ausgedacht? In beiden Fällen wissen wir ja wohl, was von Worten aus solcher Quelle zu halten ist."
Com Star hatte in der Tat ein gewisses Glaubwürdigkeitsproblem. Die Politik der Organisation während der ursprünglichen Invasion der Claner wie auch die langjährige Verheimlichung der Vorläufer der Com Guards war bei vielen Adligen und Militärs unvergessen. Und den Clans traute man natürlich erst recht nicht.

Während Manfred noch überlegte, wie scharf er Kontra geben sollte, mischte sich der junge Shimatze-Lord ein: "Tai-i Tanigaki, ich verstehe Ihre Bedenken und teile sie zumindest partiell. Wir sollten aber nicht vergessen, dass unsere Gäste nur Befehle ausführen. Und je schneller wir unsere Erkenntnisse präsentieren, desto schneller können sie sich von der Richtigkeit unserer Analysen überzeugen und den eigentlichen Schuldigen stellen." Anatoli neigte den Kopf - eine Entschuldigung von dem Gastgeber, NICHT gegenüber den Höllenhunden.
Der junge Lord von Numki legte das Haupt schief, als er fortfuhr: "Ich muss aber dem Tai-i beipflichten. Die Struktur der Höllenhunde erscheint mir nicht optimal für das Aufgabenprofil. Ihre schweren Panzer sind zu unbeweglich den Gegner zu stellen, schließlich ist selbst das schwerste bisher beobachtete Modell in der Lage 85 Kilometer in der Stunde zurückzulegen. Ihre leichten Maschinen wären im Verbund mit den Kampffliegern vermutlich in der Lage, die Angreifer zu stellen, aber auch das vor allem im offenen Gelände, und dies würde voraussichtlich einige Verluste an Mensch und Personal bedeuten. Immerhin hat der Gegner auch Elementare - und was wir bisher erlebte haben, vor allem was der Tai-i uns zu berichten hatte, lässt vermuten, dass der gegnerische Kommandeur seine Mittel einzusetzen weiß. Infernoraketen, Hafthohlladungen...zwei, drei Strahle Elementare könnten leicht mehrere Ihrer Panzer beschädigen oder gar zerstören."
Manfred hatte genickt: "Da habt Ihr zweifellos recht, mein Lord. Aber gerade deshalb eignen sich die Höllenhunde gut, denn wir haben gewisse Erfahrung im Kampf gegen mit Clan-Technik ausgerüstete, bewegliche Feinde."
Der Tai-i hatte ihm einen giftigen Blick zugeworfen - richtig, der Kampf gegen Kendas Ronin würde ihm hier wenig Bewunderung bringen - sich aber erst einmal zurückgehalten.

Nach diesem Auftakt hatte der Kommandeur der Haustruppen Numkis übernommen. Er hatte zusammengefasst, was über den gescheiterten Angriff auf Numki bekannt war. Das war nicht viel, doch offenbar hatte man vor Ort sehr genau hingeschaut. Die Kuritaner hatten nicht nur die Sensoraufzeichnungen zu den feindlichen Truppen analysiert, die freilich durch feindliche Störsender teilweise arg verzerrt wurden, sondern auch die Fußspuren der Mechs - ein Sprinter, ein Geier und zwei Libellen. Sie hatten darüber hinaus jeden Fetzen Panzerung und die Bestandteile von zwei Elementarrüstungen gründlich analysiert, die sie gefunden hatten: "So etwas wie eine Einheitskennung oder Seriennummer fehlt - ich gehe davon aus, dass die Angreifer ohnehin dergleichen entfernt haben. Die Farbgebung ist unspezifisch und eher an das Zielgelände angepasst, als einer bestimmten Einheit zuzurechnen. Auch die Tarnfarbe ist nichts besonderes - wurde aber vermutlich in der Besatzungszone produziert, denn die Zusammensetzung entspricht Produkten der ehemaligen FRR. Sowohl Panzerung als auch die Reste der Gefechtsanzüge zeigten gewisse Abnutzungserscheinungen, wie sie eher typisch für Einheiten ,verbrauchter' älterer Krieger sein dürften." Bei dem folgenden Vortrag musste Manfred sich bemühen, um seine partielle Unkenntnis nicht zu deutlich zu zeigen - der Offizier hielt einen kurzen Vortrag darüber, wie man die Blutspuren analysiert hatte, die an den Elementar-Panzerungsteilen hafteten. Worte wie Genmarker, Sequenzierung, Fremd-DNA-Kontamination und Teildenaturierung gehörten nicht gerade zum Erfahrungsschatz eines Söldneroffiziers. Entweder die Kuritaner waren gebildeter als er gedacht hatte, oder jemand hatte diesen Sho-sa Toyonori Maeda gründlich gebrieft.
"Eine Zuordnung zu einer Einzelperson war deshalb unmöglich - das Blut war teilkontaminiert durch den Medikamentencocktail, den die Anzüge abgeben. Aber wir konnten genügend Genmarker finden, um durch Kreuzabgleiche mit den Datenbanken des Kombinats das Blut zwei Blutlinien der Geisterbären-Elementare zuzuordnen - Kabrinski und Vong."

An diesem Punkt übernahm Tai-i Anatoli Tanigaki. Er sprach frei, hatte die Details offenbar vollständig verinnerlicht. Da er gut eine Stunde brauchte, ohne sich zu wiederholen oder weitschweifige Nichtigkeiten von sich zu geben, musste er sich gut vorbereitet haben, und hatte zweifelsohne eine exzellente Ausbildung genossen, was seinen analytischen Sachverstand anging. Er skizzierte detailliert und kenntnisreich die drei Angriffe, die Darius getroffen hatten. Zudem präsentierte er einige Datenträger - sie sollten Sensoraufzeichnungen der Truppen enthalten, die mit den Angreifern im Gefecht gestanden hatten, aber auch Aussagen von zivilen und militärischen Augenzeugen. Er griff auch auf einige Analysen zurück, die Dinge wie die Trefferquoten der gegnerischen Soldaten auflisteten - Hinweise, dass es sich um Elitepiloten handelte, wie von Clanern zu erwarten war. Anatoli betonte ausdrücklich, welche erheblichen Schäden das Haus seines Herren erlitten hatte. Vor allem aber wagte er abschließend eine weitergehende Analyse: "Ungeachtet dessen, was Sie oder Com Star - geschweige denn die Geisterbären - behaupten, scheint folgendes klar: es handelt sich hier nicht nur um den Überfall einer kleinen Piratenbande. Dafür waren die Überfälle viel zu gut geplant. Claner sind vielleicht exzellente Kämpfer - Schwarzkastler übrigens weit weniger, da es sich dabei ja oft um Gescheiterte handelt - aber selbst ,erfolgreiche' Kanistergeburten sind meistens miserable Planer, was Fragen der Aufklärung jenseits des Offensichtlichen angeht. Sie sind gut darin, andere zu überwältigen, nicht sie zu überlisten. Das ist hier anders. Die Angreifer beherrschen ihre Maschinen und Waffen UND wissen fast immer genau, wer wann wo zu finden ist, wie sie ihr Ziel erreichen und von dort wieder verschwinden können, von wo Verstärkung kommen kann, welches Tarnmuster für das Zielgebiet am besten geeignet, welche Konfiguration ihrer Mechs die sinnvollste ist. Aber wir alle wissen ja, dass die verdammten Besatzer dazulernen, je länger sie Kontakt mit zivilisierten Menschen haben."
Manche hätten das vielleicht als Sarkasmus verstanden - immerhin hatte sich die Innere Sphäre die letzten zweihundert Jahre ebenso leidenschaftlich dezimiert wie die Kerensky-Brut untereinander. Aber er meinte es offenbar ernst.

"Interessant ist, dass zwar die Zusammensetzung der feindlichen Einheit eine geringe Stärke und ein Fehlen an Reserven suggeriert. Es waren nach unseren Analysen niemals mehr als vier bis sechs Mechs, höchstens zwei davon schwer, und vielleicht anderthalb bis zweieinhalb Dutzend Elementare sowie ein paar Techs und dergleichen. Aber wir haben die Fußspuren der Mechs analysiert, die Aufnahmen abgeglichen - und unsere Untersuchungen belegen, dass der Gegner offenbar seine Maschinen austauschen kann. Die wechselnde Position von Antennen, die Muster von ausgebesserten Panzerungsschäden, Details bei der Trittspuren, die Tarnbemalung, Funkverhaltensanalysen was die Frequenz des Sprechfunks angeht - kleinste Details, die dem unbedarften Auge entgehen müssen - beweisen, dass der Feind seine Maschinen und Männer rotieren lassen kann. Und da liegt nahe, dass jemand mit reichlich Ressourcen dahintersteckt. Jemand, der dicht genug von den Angriffszielen operiert, dass er mit wenigen Sprüngen zuschlagen kann. Der genau über uns Bescheid weiß."
Er schnaubte verächtlich: "Sie können sich das Material natürlich gerne anschauen, wenn Sie denken, sie wären so viel klüger als wir. Es mag ja sein, das dahinter ein geheimnisvolles Superhirn, ein mysteriöser Meisterverbrecher steckt. Eine gigantische Verschwörung von irgendjemanden in der Inneren Sphäre. Aber ich halte diese Vorstellung für abwegig. Ich bin kein Autor von Märchen, sondern Soldat und, im Rahmen meiner Fähigkeiten, Verwalter und Politiker. Und meine Erfahrung hat mich gelehrt, die naheliegende und logische Erklärung ist in neun von zehn, in 99 von 100 Fällen auch die richtige. Wenn der Angreifer Maschinen der Geisterbären verwendet, ihre Taktiken benutzt, wenn er offenkundig aus Positionen operiert, die nicht weiter entfernt sein können als die Geisterbären-Besatzungszone - soviel zur Idee, andere Claner würden dahinterstecken, und eine Operation unter den Augen der ISA von Kombinatgebiet aus wäre viel zu riskant - dann gebietet es der gesunde Menschenverstand, dass dahinter auch tatsächlich Geisterbären stecken. Die Geisterbären sind die einzige logische Erklärung - und Ausmaß an Ressourcen und Planung legt nahe, dass es mehr als ein paar abgehalfterte Krieger oder ehrgeizige Jungspunde sind, die auf eigene Faust agieren. Das ist ein heimtückischer Terrorkrieg um die Verteidiger des Kombinats zu schwächen und um sie zu testen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die VSDK und in ihre Herrscher zu untergraben. Und man muss darauf reagieren - nicht nur gegen die Handlanger, sondern auch gegen die Drahtzieher! Nicht einfach nur wie ein einbeiniger Bettler ihrer Spur der Zerstörung hinterher humpeln!"

Manfred hatte in etwa mit so einem Appell gerechnet. Man hatte ihn vorgewarnt, dass die Odaga ob der Untätigkeit Com Stars und der VSDK - und der nonchalanten Dementis der Geisterbären - Gift und Galle spuckten. Das Hauptproblem war, wie er darauf reagierte, ohne die Kuritaner zu sehr zu vergrätzen. Immer mal vorausgesetzt, sie steckten nicht selber dahinter, brauchte er ihre Unterstützung. Com Star hatte hier wenig zu sagen, zumal die wenigsten Welten so weit "draußen" über eine HPG-Station verfügten, und der Orden konnte vor allem gar nicht die Logistik aufbieten, um seine Einheit zu versorgen. Die Unterstützung aus Luthien waren erst einmal nur Worte, und so lange die örtlichen Akteure den Bogen nicht überspannte, konnten sie ihn und seine Männer am ausgestreckten Arm verhungern lassen oder sinnlos im Kreis herum schicken. Andererseits durfte er auch nicht seinen Auftrag vergessen, und der gebot gehöriges Misstrauen gegenüber Odaga und Shimatze - wie auch gegenüber den Geisterbären.
"Wir werden uns das Material natürlich genau anschauen, dass Sie zusammengestellt haben, und Ihre Analysen und Einschätzungen umfassend berücksichtigen. Und ich bin sicher, bei unserem Besuch auf Darius bietet sich die Gelegenheit, eventuell auch noch einige zusätzliche Überprüfungen vorzunehmen. Davon ausgehend werde ich - in Abstimmung mit meinen Auftraggebern und mit dem Segen der Kombinats - über unsere weiteren Schritte entscheiden. Ich verstehe Ihre Argumentation, dass die wahrscheinlichste Erklärung meist die richtige ist und muss Ihnen sagen, Tai-i, dass ich dies auch selbst schon erlebt habe. Aber, und auch das hat meine Erfahrung oft bestätigt, ist eine genauso wichtige Frage die nach dem Motiv. Welches Motiv hätten Solahma, mit möglichst guter Aufklärung möglichst wenig Verluste zu haben? Und was wäre das Motiv von Schwarzkastlern? Einen Krieg zu provozieren? Große Beute zu machen? Die Frage nach dem Motiv birgt oft auch die Antwort auf die Täter.""

Der Tai-i starrte ihn düster an. Seine Hand trommelte auf den Griff seines Katanas - wohl kaum zufällig. Immerhin konnte man die Worte des Söldners so verstehen, dass er den Einschätzungen der Odaga nicht traute. Was ja auch den Tatsachen entsprach.
Doch ehe er einen - vermutlich scharfe - Antwort geben konnte, schaltete sich Tomoe Shimatze ein: "Ich verstehe natürlich nicht so viel von Kriegsführung, aber eine gründliche Prüfung der von Odaga und Shimatze gesammelten Informationen durch die Höllenhunde schadet nicht und könnte durchaus von Vorteil sein. Ein fremdes Paar Augen sieht manchmal Dinge, die einem selber entgehen - zugleich sollte man aber auch den Wert der Erfahrung und die schmerzlichen Opfer derer nicht ignorieren, die besonders unter den Angriffen der...Piraten...gelitten haben."
Der Tai-i entspannte sich etwas. Zweifelsohne lag ihm an der Meinung der Shimatze über sein Verhalten wesentlich mehr, als am Urteil der Höllenhunde.
Die Lady fuhr fort: "Ich gebe meinem geschätzten Gast von Darius aber Recht. Auch unsere Analysten sind zur Ansicht gekommen, dass die Beteiligung von Clanern - sehr wahrscheinlich Geisterbären - die bei weitem plausibelste ist. Bei jedem der geglückten Angriffe wurde auch gezielt Beute gemacht, deshalb ist auch ein...ökonomisches Motiv, eine Mitwirkung von Clanbanditen nicht auszuschließen. Zudem - auch Solahma-Soldaten werfen ihr Leben nicht immer weg, sondern könnten versucht sein, durch wiederholte harte Schläge gegen das Kombinat ihre Ehre in den Augen der regulären Verbände wiederherzustellen. Viel hängt von der Weitsicht ihres Kommandanten ab, und wer immer er ist - er ist offenbar ein fähiger Gegner. Aber dies einzuschätzen ist, wie gesagt, Sache der Militärs." Sie nickte dem Sho-sa zu.

Der altgediente Offizier räusperte sich. Möglicherweise hatte auch er leichte Probleme, ausländische Söldner als ebenbürtige Gesprächspartner zu akzeptieren, doch wenn er Ressentiments verspürte, kaschierte er sie weit besser als Tai-i Tanigaki.
"Wir müssen zudem konstatieren, dass sich die Kapazitäten der Clans in Bezug auf verdeckte Kriegsführung und Aufklärung in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, gerade bei den Bären. Durch die Integration von Bewohnern der FRR - begrenzt auch des Kombinats beziehungsweise kuritanischen Leibeigenen - hat sich die Clanwacht der Geisterbären von einem eher marginalen Akteur zu einem vergleichsweise fähigen Nachrichtendient entwickelt. Wir schätzen ihre Fähigkeiten als etwa so groß ein wie unsere planetaren Verbände - mit der ISA oder den Agenturen anderer großer Häuser können sie natürlich nicht mithalten. Sollten nicht etwa nur kriegslüsternde Teile der Geisterbären dahinterstecken..." Offenbar war man auf Numki etwas zurückhaltender, einen systematischen Angriff des GANZEN Clans zu unterstellen... "wäre dies eine Erklärung, warum die nachrichtendienstliche Unterstützung der Überfalle für Claner so untypisch gut organisiert ist. Wie meine Lady andeutet, gibt es in der Tat belastende Hinweise über die bereits sehr aussagekräftigen Hinweise hinaus, die wir während des fehlgeschlagenen Angriffs auf Numki gewinnen konnten. Vor wenigen Wochen zerschlugen unsere Polizeikräfte einen lokalen Schmugglerring, der tief in den Handel mit Biomaterial von Sulafat - und einigen Gütern hier auf Numki - verwickelt war. Dabei kam zutage, dass der Anführer offenbar erst kürzlich Besuch von zwei Personen erhalten hatte, die von den Augenzeugen mit hoher Wahrscheinlichkeit als Claner identifiziert wurden. Wenn Sie wünschen, können Sie das Material dazu einsehen.
Leider haben wir nur mittelmäßige Beschreibungen dieser ,Besucher', ihre An- und Abreise muss sich getarnt in Frachtschiffen vollzogen haben, oder sie haben sich verkleidet und falsche ID's genutzt. Wir müssen davon ausgehen, dass sie uns bereits entwischt sind. Wir konnten immerhin einen Teil des Datenmaterials auswerten, das sie hiergelassen haben, eine Art Wunschliste, die eigentlich zur Vernichtung vorgesehen war - doch anscheinend wollte der Schmugglerchef sich absichern. Bei diesem Gesindel weiß man nie, wann es zusammenarbeitet, und wann es sich betrügen will. Die Claner waren alles andere als sorglos - ein Gutteil der Daten fiel einer in den Code eingebetteten digitalen Bombe zum Opfer. Aber wir haben einiges dechiffrieren können, und arbeiten an dem Rest. Das Problem ist, dass das Material teilweise einen variablen Code verwendet - vermutlich eine zusätzliche Sicherung. Wenn Sie wünschen, können sie auch ihr Glück versuchen." Der Gesichtsausdruck des Offiziers deutete freilich an, dass er nicht damit rechnete, die Söldner würden viel Erfolg haben. Damit hatte er nicht Unrecht, schließlich verfügte selbst eine Welt mit so "wenig" Einwohnern wie Numki über weit bessere Ressourcen als ein Söldnerbataillon.
"Es handelt sich offenbar um zum Teil sehr detaillierte Anfragen zu Patrouillerouten, der Verteilung von Streitkräften, von potentiellen Zielen - aber auch Fragen zum Terrain, Bodenbeschaffenheit, sogar eine Bitte um Bildmaterial. Was wir entschlüsseln konnten, bezog sich zum Teil auf Numki, doch es scheint, als ob ein Teil des Materials sich auch auf Sulafat konzentriert. Und die Besucher haben offenbar eine Anzahlung in Form von Perlen von Sulafat geleistet. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sie etwa mit Terroristen oder Kriminellen auf dieser Welt bei der Planung künftiger Angriffe zusammenarbeiten."
Er straffte sich: "Möglicherweise, Manfred-sama, bietet Ihnen das die Gelegenheit, den Angreifern auf die Spur zu kommen und ihr nächstes Angriffsziel einzugrenzen - und der Sache ein für allemal ein Ende zu bereiten."

Ende
13.01.2018 14:04 Cattaneo ist offline E-Mail an Cattaneo senden Beiträge von Cattaneo suchen Nehmen Sie Cattaneo in Ihre Freundesliste auf
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